Alle Beiträge von Friedemann Brenneis

Hörtipp: Unchained-Podcast von Laura Shin

Ich höre zur Zeit einige der Folgen des Unchained-Podcasts von Laura Shin, in dem Sie mit verschiedenen, namhaften Akteuren aus dem Bereich Bitcoin und Blockchain spricht.

Das machen zwar viele andere auch, aber die Stärke von Laura Shin ist es, dass sie sich als Journalistin schon lange mit Bitcoin und Co. beschäftigt, daher sehr gut im Thema steckt und sich ein entsprechend großes Netzwerk aufgebaut hat. Vor allem aber schafft sie es, ihre Gesprächspartner zum Reden zu bringen und ihnen Aussagen zu entlocken, die man sonst nicht so findet.

Die Naivität des Vitalik Buterin herausgearbeitet

Unbedingt hören sollte man daher die Folge mit Ethereum-„Wunderkind“ Vitalik Buterin, den man danach in einem ganz anderen Licht sehen muss, als es sonst in den Medien vermittelt wird. Kein besseres, um das hier mal gleich vorweg zu nehmen.

Immerhin sagt er, dass er sich nicht vorstellen könne, dass irgendwer die Ethereum-Plattform für einen ICO mit betrügerischen Absichten nutzen würde. Angesichts von Studien, Behörden und Experten, die sich nicht darüber uneins sind, ob, sondern wie viele der ICOs betrügerische Absichten verfolgen, ein Statement, das an Naivität kaum zu übertreffen ist.

Zumal Vitaliks Meinung und Denke dank seines Status als Gründer noch immer die Macht hat, die Richtung von Ethereum maßgeblich mitzubestimmen.  Das sieht er aber selbst auch gar nicht so kritisch.

Bis zu welchem Preis ist Bitcoin-Mining profitabel?

Sehr aufschlussreich fand ich außerdem die Frage an die Gründer des Bitcoin-Mining-Unternehmens Bitfury, Valery Vavilov und George Kikvadze, bis zu welchem Kurs denn das Mining für sie eigentlich profitabel sei. Sie haben darauf eine Antwort gegeben, die ich hier aber nicht spoilere. Nur so viel: beim aktuellen Kurs müssen sie sich noch keine Sorgen machen.

Gut für lange Fahrten

Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Episoden, dich ich auch noch nicht gehört habe, aber in den nächsten Tagen mal angehen werde. Immerhin wartet eine etwas längere Reise auf mich. Am Freitag werde ich nämlich einen launigen Vortrag über Kryptowährungen auf der Pushcon in Ahaus halten. Wer in der Nähe ist: Vorbeikommen lohnt sich. Auch dort gibt es Interessantes zu erfahren.

Honigdachs #25 – Lightning-Netzwerk Teil 2

Die 25. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan (bitcoinprivacy.net), Manuel (guidap.de) und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin und die Blockchain zu reden auf Dauer zu wenig ist. (iTunes/RSS-Feed)

Honigdachs #25 – Lightning-Netzwerk Teil 2

Dieses Mal wird es wieder ein bisschen technischer und inhaltlich anspruchsvoller. Denn nachdem wir in Folge #23 bereits zum ersten Mal über Lightning gesprochen und dabei den grundsätzlichen Aufbau von Transaktionen und die sich daraus ergebende Möglichkeit für Payment Channels erklärt haben, gehen wir nun einen Schritt weiter.

Wir besprechen, wie viele einzelne Payment Channels zu einem großen Netzwerk werden können und wie man darin ganz ohne Mittelsmann sicher gehen kann, dass D sein Geld von A kriegt, ohne dass B oder C es zwischendurch stibitzen. In einem dezentralen Netzwerk keine ganz triviale Angelegenheit und die kryptographisch ausgeklügelten Konzepte nachzuvollziehen, erfordert einiges an Gehirnschmalz und Denk-Elastizität. Aber je länger man drüber nachdenkt, umso genialer wird es.

 

Also zumindest in der Theorie. Denn in der Praxis muss nun getestet und erprobt, angegriffen und abgewährt werden und sich zeigen, dass das Lightning-Netzwerk nicht nur unter realen Bedingungen funktionieren kann, sondern auch als Infrastruktur angenommen wird.

Wer jetzt abgeschreckt ist, der sei beruhigt. Wir reden nicht nur über Technik und Abstraktes, sondern auch um Leute, die sehr viel Sex haben und um Basslines, die so lange als unmöglich zu spielen gelten, bis einer daherkommt und sie einfach mal ganz locker runterzupft. Aber hört selbst.

Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick.

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So erklärt die New York Times Bitcoin

Erstaunlich! Die altehrwürdige New York Times berichtet schon seit mindestens vier Jahren sehr differenziert und gut recherchiert über Bitcoin, doch erst jetzt gibt es für die Leser das obligatorische  Grundlagen-Erklärvideo.

Ob es gelungen ist, soll jeder selbst beurteilen. Ich denke aber eher nicht, dass diese zwei knappen Minuten die Zielgruppe signifikant von ihrer baffledness befreit. Dafür nehmen Aspekte wie Mining und der Anstieg der Difficulty einen zu großen Raum ein.

Auch ein kurzes Video ist besser als kein Video

Dennoch – da nur Bildung und Aufklärung die Grundlage für eine allgemeine, kritisch-fundierte Auseinandersetzung der Gesellschaft mit Bitcoin schaffen, ist auch dieses Video in Verbindung mit der Reichweite der New York Times, wenn auch nicht der ganz große Wurf,  zumindest ein weiterer kleiner Wissensbaustein.

Blockchain Grundlagen – Schritt für Schritt die Blockchain verstehen

Ich habe selten ein Buch gelesen, dessen Titel so exakt den Inhalt widerspiegelt wie Blockchain Grundlagen. Eine Einführung in die elementaren Konzepte in 25 Schritten von Daniel Drescher. Erst recht keines, das im Titel „irgendwas mit Blockchain™“ machte.

Denn die Erfahrung zeigt: nicht nur Projekte und Unternehmen, sondern auch Bücher, die „irgendwas mit Blockchain™“ machen – davon gib es mittlerweile eine ganze Reihe –  neigen zu einer überdurchschnittlich hohen Bullshit-Quote. Bei Blockchain Grundlagen ist das jedoch erfreulicherweise anders. Genau das macht es zum ersten „Blockchain“-Buch, das ich mit konstanter Begeisterung gelesen habe.

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Honigdachs #22 – Die wiederentdeckte Folge

Endlich ist sie aufgetaucht: Die 22. Folge Honigdachs, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan (bitcoinprivacy.net), Manuel (guidap.de) und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin und die Blockchain zu reden auf Dauer zu wenig ist.

Honigdachs #22 – Bitcoin auf dem 34C3

Ich hatte ja schon von den Umständen berichtet, die die 22. Folge lange Zeit zur „verschollenen Folge“ machten, aber nun scheint die Postproduktion der Aufnahmen vom 34C3 abgeschlossen. Und zur Entschädigung kann man uns und unseren Gast, Christian Rotzoll, nun dieses eine Mal ausnahmsweise nicht nur hören, sondern auch sehen.

Dass unser Thema aus dem Dezember – Jahresrückblick 2017, Ausblick 2018 und Bitcoin auf dem 34C3 – mittlerweile ein kleines bisschen aus der Zeit gefallen ist, versteht sich von selbst, fällt aber eigentlich gar nicht so auf.

Dass wir hingegen als „Hobby-Alkoholiker“ angekündigt werden, ist natürlich eine bodenlose Frechheit. Wir wollten mit den schönen bunten Cocktails doch nur unserem Intro gerecht werden. Wer nämlich ganz genau hinschaut, sieht auch das kleine, vor Ort auf dem Congress zusammengelötete LED-Lagerfeuer, das still und leise vor sich hinflimmert

Doch nun genug der langen Worte. Augen und Ohren auf für die „verschollene Folge“!

Honigdachs #22 in Bild und Ton

Honigdachs #22 wie gewohnt als Audio only

Abonnieren kann man den Podcast u. a. per iTunes oder RSS-Feed. Shownotes gibt’s dieses Mal nicht, aber dafür noch einmal Dank an die Macher der Chaos Bühne West.

Ist noch Dip da? Oder: Noch drei Bitcoin- und Blockchain-Links

Da das beim letzten Mal so gut ankam und ich kurz vor dem Urlaub eh noch ein bisschen den Browser aufräumen wollte, hier gleich noch drei kommentierte Bitcoin- und multiple copies of a giant excel spreadsheet-Links.


Ist noch Dip da?

Dieses Video ist irgendwie symptomatisch für das grundsätzliche Dilemma der Crypto-Szene. Alle sagen dir, dass du den „f*#!ing dip“ kaufen sollst, aber niemand kann dir eigentlich sagen, wann zum Geier das genau sein soll! Das weiß man nämlich immer erst hinterher. Aktuell beispielsweise steht der Kurs bei um die 8.000 US-Dollar, aber ob er von hier aus erst einmal wieder wieder hoch oder doch noch weiter runter geht, ist schwer zu sagen.

Gestern wurde jedenfalls eine Lightning-Version fürs Mainnet freigegeben und für viele in der Community ist das ein technischer Meilenstein in der Bitcoin-Entwicklung. Den Preis groß beeinflusst hat das dennoch nicht. Aber immerhin, die Stimmung in der Community ist sehr gut. Das Lied übrigens auch: „I buy the dip, when I’m buying dip“. Word!


Million Dollar Trading Mistakes, For Your Entertainment and Edification

Und wo wir schon beim erfolgreichen Traden sind: Das ist alles andere als einfach, wie Edward T. Giraffe in diesem ebenso unterhaltsamen wie lehrreichen Stück schreibt. Oder wie er es nennt: „My crypto-trading f*&k-ups, and some lessons learned.“ Sollte man gelesen haben!

Und um selbst nicht all die Anfängerfehler zu machen, lohnt es möglicherweise auch, diesen kostenlosen Leitfaden durchzublättern. Hätte vielleicht auch Herrn Giraffes Nerven gut getan.


Replace Blockchain with Spreadsheet-Erweiterung 

Lustig! Da hat doch jemand eine Chrome-Erweiterung programmiert, die auf allen Webseiten das Wort „Blockchain“ durch „multiple copies of a giant excel spreadsheet“ ersetzt.

Das ganze macht auf englischsprachigen Seiten natürlich mehr Freude, wenngleich auch deutschsprachige Seiten hierdurch auf einmal einen ganz neuen Bullshit-Bingo-Anstrich bekommen.

deutsche bank

Doch so spaßig diese Herangehensweise auf den ersten Blick auch ist, so hilfreich ist sie in der Tat den Marketing-Begriff „Blockchain“ ein Stück weit zu entmystifizieren und die Luft aus dem Hype darum zu lassen. Denn wir wissen: Alle reden von „Blockchain“, aber so richtig Ahnung hat eigentlich keiner davon. Dieses Plugin ändert das!


… und damit verabschiede ich mich in den Urlaub. Irgendwann nach Ostern gibt es hier dann wieder mehr. Adios.

Drei Bitcoin- & Blockchain-Link-Tipps

Wie viele andere auch bin ich eigentlich derzeit krank und schiebe deswegen hier nur ganz kurz drei teilenswerte Links auf die Seite.

1 – Cryptocurrencies: Last Week Tonight with John Oliver (HBO)

John Oliver hat sich sehr unterhaltsam, pointiert und solide recherchiert mit dem Thema Bitcoin/Blockchain/Kryptowährungen auseinandergesetzt. Die Crypto-Community liebt es. Ich auch.


2 – Bitcoin and Cryptocurrency Markets: Last year in Review, Outlook 2018 (Tuur Demeester)

Tuur Demeester gehört seit Jahren zu den profiliertesten und renommiertesten Crypto-Analysten. Einer der ersten, denen man bei Twitter folgen sollte. In diesem Paper fasst er den Status Quo von Bitcoin und den Kryptomärkten aus seiner Sicht zusammen. Besonders erfrischend ist sein junk coin index”, der pauschal die Summe aller nicht Top 10 Coins (nach Marktkapitalisierung) umfasst. Wer gerade eine gut begründete Meinung braucht, ist hier richtig. 


3 – Besuch beim Bitcoin Stammtisch (Bayern 2)


Bonus: Bundesregierung zu ICOs

Abschließend noch als kleine Zugabe die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage aus Richtung FDP bzgl. Initial Coin Offerings. Kann man mal zur Kenntnis nehmen, steht aber auch nichts unglaublich Überraschendes drin.

Der andauernde Kampf um die „Bitcoin“-Marke

Vor ein paar Tagen schrieb mir Markus mit dem Hinweis, dass „Bitcoin“ und „Ethereum“ beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) gerade als Marke angemeldet würden und dass sich hier doch möglicherweise wieder einmal ein Abmahn-Troll in Stellung zu bringen versucht.

Ich fand den Hinweis interessant und habe deshalb mal ein bisschen recherchiert und Kontakt mit dem DPMA aufgenommen, denn es ist ja nicht das erste Mal, dass „Bitcoin“ als Marke geschützt werden soll und teilweise ist es tatsächlich auch schon registriert. Andere Versuche wurden jedoch auch schon abgelehnt. Hier also mal ein Überblick über den aktuellen Stand.

bitcoin dpma alles
Das DPMA listet 35 Einträge zum Stichwort „Bitcoin“ (Stand: 6.3.2018)
Viele Versuche, wenig Erfolg

Insgesamt finden sich zum Stichwort „Bitcoin“ bisher 35 Einträge beim DPMA. Bei den meisten davon ist „Bitcoin“ nur ein Teil der Marke, bspw. „Winklevoss Bitcoin Trust“ das tatsächlich als Marke eingetragen ist. Auch, weil es hinreichend spezifisch und unterscheidbar ist. Andere Kombinationen wie „Bitcoin Investor“, „Bitcoin Report“, „Bitcoin Mag“, „Bitcoin Magazin“, „Start Bitcoin“ und auch das ikonische „Bitcoin accepted here“-Zeichen wurden hingegen nicht eingetragen. Bei wenigen weiteren (bspw. „Bitcoin Pension“) steht die Entscheidung noch aus.

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Vom DPMA als Marke abgelehnt: Das bekannte „bitcoin accepted here“-Zeichen
Auf die Klasse kommt es an

Noch interessanter ist jedoch, dass es im Archiv schon acht Einträge zu „Bitcoin“ alleine gibt, aber dennoch nicht alle gleich bewertet wurden. Bei einigen Anträgen wurde der Markenschutz eingetragen, bei anderen nicht. Das liegt auch an den verschiedenen Klassen, in denen man die Marke schützen lassen will. Denn man muss bei der Anmeldung genauer spezifizieren, für welchen Waren oder Dienstleistungsbereich man den Begriff eigentlich schützen lassen will. Je nach Klasse wird dann entschieden, ob das möglich ist oder nicht.

Der älteste Eintrag stammt dabei von bitFlyer Inc, ein japanisches Unternehmen, das sich selbst als weltgrößte Bitcoin-Börse beschreibt und gerade dabei ist, auch nach Europa zu expandieren. Schon 2011 hat das Unternehmen den Schutz für die Klasse 9 (u.a. „Mechaniken für geldbetätigte Apparate; Registrierkassen, Rechenmaschinen, Hardware für die Datenverarbeitung, Computer; Computersoftware“) Klasse 35 (u.a. Werbung; Geschäftsführung; Unternehmensverwaltung; Büroarbeiten), Klasse 38 („Telekommunikation“) und Klasse 42 („Wissenschaftliche und technologische Dienstleistungen sowie
Forschungsarbeiten und diesbezügliche Designerdienstleistungen; industrielle Analyse- und Forschungsdienstleistungen; Entwurf und Entwicklung von Computerhard- und -software“) beantragt und auch genehmigt bekommen.

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Insgesamt acht Beiträge gibt es beim DPMA zu „Bitcoin“ (Stand 6.3.2018)

Diese nicht unerheblichen Bereiche sind damit seitdem tatsächlich geschützt und zwar nicht nur in Deutschland, sondern europaweit, denn das DPMA listet natürlich auch Einträge des Amts der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO), die entsprechend auch hier gelten.

Auch die globalen „Bitcoin“-Rechte liegen in Japan

Darüber hinaus hat sich bitFlyer Inc mittlerweile die genannten Klassen auch noch weltweit sichern lassen und dabei zusätzlich auch den Schutz der Klasse 36 („Versicherungswesen; Finanzwesen; Geldgeschäfte; Immobilienwesen“) und Klasse 45 („Juristische Dienstleistungen; Sicherheitsdienste zum physischen Schutz von
Sachgütern oder Personen; von Dritten erbrachte persönliche und soziale
Dienstleistungen betreffend individuelle Bedürfnisse“) erwirkt.

Das macht die Japaner nicht nur zum globalen Hegemonen der „Bitcoin“-Markenrechte, sondern ist in einem Punkt auch besonders bemerkenswert. Während das EUIPO nämlich einem anderen Antragsteller 2013 die Klasse 36 für „Bitcoin“ verweigert hat, hat das übergeordnete internationale Pendant, die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO), dieselbe Klasse zwei Jahre später für bitFlyer Inc genehmigt. Ein offensichtlicher Widerspruch, der aber noch niemandem aufgefallen zu sein scheint, bzw. an dem sich bisher keiner ausreichend stört.

Vermutlich auch, weil es bislang nicht zum Streit kam. Ich habe jedenfalls bislang noch keine Meldungen gefunden, dass bitFlyer Inc, die erworbenen Markenrechte in irgendeiner Weise aktiv im Kampf gegen Dritte durchsetzt.

Schutz oder Missbrauch der Rechte?

Ob sich das im Rahmen der laufenden globalen Expansion womöglich ändert, ist ungewiss. Zwei Optionen sind hierbei möglich: Die pessimistische ist, dass bitFlyer Inc die Rechte bislang nur noch nicht einsetzt, sich die Option aber durchaus offen hält. Die optimistischere ist, dass sie die Marke geschützt haben, damit das niemand anderes machen kann, auch und gerade keine professionellen Abmahn-Trolle.

Bis sie das Gegenteil beweisen, deutet bislang alles darauf hin, dass letzteres der Fall ist. Zumal ja auch eingetragene Marken nicht unangreifbar sind. Es ist nämlich durchaus möglich, Löschanträge zu stellen, sofern man diese gut begründen kann und bereit ist, die Kosten für das Löschverfahren zu tragen. BitFlyer Inc’s Markenschutz ist selbst also nicht unangreifbar.

Eine Löschung wurde offensichtlich auch bei einem weiteren „Bitcoin“-Eintrag schon vorgenommen. Für Klasse 40 („Materialbearbeitung“), Klasse 14 („Edelmetalle und deren Legierungen; Juwelierwaren, Schmuckwaren, Edelsteine und Halbedelsteine; Uhren und Zeitmessinstrumente“) und Klasse 25 („Bekleidungsstücke, Schuhwaren, Kopfbedeckungen“) wurde die Marke „Bitcoin“ beim DPMA wieder gelöscht.

Was machen die anderen „Bitcoin“-Einträge

Was die restlichen vier „Bitcoin“-Anmeldungen angeht, so sind diese alle noch ganz frisch aus dem Dezember 2017. Sämtliche Anmeldungen (teilweise auch doppelt für die Klassen 3, 14, 18, 25, 28, 29, 30, 32, 33) laufen noch. Die Entscheidungen über die Eintragung steht also noch aus.

Die Vermutung, dass hier jedoch vor allem der enorm gestiegene Kurs das Interesse an möglichen Markenrechten beflügelt hat, liegt nahe. Da bis zur Eintragung der Marke jedoch immer auch noch eine Widerspruchsfrist läuft und einige der beantragten Klassen bereits schon einmal abgelehnt wurden, sollten diese Versuche der Community zunächst keine Sorgen bereiten. Zumal auch hier der begründete Löschantrag immer als letzte Option zur Verfügung steht.

Und wie steht es nun um „Ethereum“?

Bei „Ethereum“ ist die Lage indes (noch) nicht ganz so verworren. Mit einem der vier bestehenden Einträge beim DPMA hat sich die Ethereum Stiftung europaweit die Rechte für die Klassen 35, 38, und 42 gesichert.

ethereum dpma
Nur vier Beiträge gibt es beim DPMA bisher zu „Ethereum“ (Stand: 6.3.2018)

Die strittige Klasse 36 wurde in einem weiteren Fall vom DPMA ebenfalls abgelehnt und seit Dezember bzw. Januar versucht Christel Faul offensichtlich nicht nur für „Bitcoin“, sondern auch für „Ethereum“ zahlreiche Klassen zu registrieren. Mal schauen, ob ihr das gelingt.

Mehr solche Artikel auf The Coinspondent?

Falls ihr ebenfalls auf ein interessantes Thema von breiterem Interesse stoßt und möchtet, dass ich mich darum kümmere, schreibt mir gerne eine Mail.

Alle anderen können mit einer gelegentlichen Spende die Arbeit an solch einer Recherche überhaupt erst ermöglichen.

Umfassende Bitcoin- & Blockchain-Ressourcen

Ich bin seit einiger Zeit dabei, hier im Blog ein bisschen aufzuräumen. Nach vier Jahren ist es einfach mal an der Zeit, alte Strukturen zu überdenken und hier und da thematisch etwas auszumisten.

Gone with the links

Viele veraltete Unterseiten habe ich in diesem Zuge aktualisiert oder gleich ganz deaktiviert (was das Navigationsmenü erfrischend verschlankt), andere habe ich noch vor mir. So zum Beispiel das Link-Archiv, das dringend mal aktualisiert und generell überarbeitet werden muss.

Zwei Links, von denen ich aber weiß, dass sie definitiv auf der Seite landen werden, sind die folgenden. Denn beide sind selbst wiederum ganz hervorragende und umfassende Sammlungen von guten Quellen zu allen möglichen Themen rund um Bitcoin und Blockchain.

1. Bitcoin Ressources (Jameson Lopp)

Bitcoin Ressources
Bitcoin Ressources

Bitcoin Ressources ist eine beeindruckende Link- und Material-Sammlung von Jameson Lopp, der als Cypherpunk und Krypto-Sicherheitsfreak nicht nur in diversen namhaften Bitcoin-Firmen gearbeitet hat und gerade ein weiteres Unternehmen für die besonders sicher Aufbewahrung von Bitcoins mit aufbaut, sondern dem auch die Ausbildung und Aufklärung rund um Bitcoin sehr am Herzen liegt.

In seinen Ressourcen findet man daher auch alles von News SitesPodcasts und High Quality Blogs über Online Courses, Statistics und Developer Tools bis hin zu Security, Crypto Charity, Mining, Privacy, The History of Bitcoin und vieles mehr.

All die Links und Quellen zu rezipieren, dauert vermutlich mehr als ein Jahr. Und es geht hier ausschließlich um Bitcoin!

2. Crypto Canon (Andreessen Horowitz)
Crypto Canon
Crypto Canon

Die zweite Sammlung ist etwas weniger, praxisorientiert, multimedial und interaktiv, bietet dafür aber die volle intellektuelle Breitseite aus Sicht eines großen und langjährigen Tech- und Krypto-Investors.

Mit dem Crypto Canon stellen Andreessen Horowitz nämlich eine umfassende Liste „of crypto readings and ressources“ ins Netz, die nicht nur zeigt, was und wie viel erfolgreiche VCs lesen, bevor sie investieren, sondern auch, dass für ein grundlegendes Verständnis von Bitcoin und anderen Blockchain-Projekten durchaus auch immer noch Veröffentlichungen aus den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts relevant sein können.

Die finden sich dann unter Foundations (& History), andere Zwischenüberschriften sind Building Blocks and Basics, Key Concepts, Privacy and Security, Scaling, Cryptoeconomics and Investing, Stablecoins und vieles mehr.

Bildung ist das beste Investment

Auch hier findet man mehr als genug Wissen, um die etwas ereignisärmere Zeit bis zum nächste All-Time-High sinnvoll rumzubringen. Etwas besseres als lesen und lernen kann man in dieser Zeit ohnehin kaum machen. Dabei investiert man nämlich hervorragend in sich selbst – eines der cleversten Investments überhaupt.

Miniserie „Bad Banks“ – Wie real ist die Fiktion?

Ab heute Abend läuft die zu Recht vielbeachtete Miniserie Bad Banks nach Arte nun auch im ZDF. Das ist gut, denn damit werden die sechs Folgen noch ein viel größeres Publikum erreichen als die beachtlichen 1,3 Millionen Zuschauer (Stand gestern morgen), die sich die Serie schon vorab online und zusätzlich auf Arte angeschaut haben.

Ich selbst habe gerade eben die erste Folge gesehen und bin wie viele andere durchaus begeistert. Das hat zum einen mit der Serie selbst zu tun, die mich von der ersten Minute an gefesselt und meine komplette Aufmerksamkeit gebunden hat.

Zum anderen aber auch mit dem Hintergrundwissen, dass ich bereits vorab hatte. Denn da die Serie auf der Berlinale vorgestellt wurde, gab es entsprechend viel mediale Berichterstattung.

Ausdauernde Recherche des Regisseurs

Eine Sache ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben: Der Regisseur Christian Schwochow erzählte im Radio-Interview, wie er, um glaubwürdige Figuren entstehen lassen zu können, lange und ausdauernd er in der Finanz-Szene recherchierte und dabei zunächst auf große Blockaden stieß, weil die Banken versuchten sich so gut wie möglich nach außen hin abzuschotten.

Später gelang es ihm aber durch Kontakte an Orte zu kommen, wo er niemals hätte sein dürfen. Den Menschen in den Banken, die ihn dorthin brachten, sei es jedoch enorm wichtig gewesen, dass jemand kommt und zu verstehen versucht, was sie dort eigentlich machen. Denn viele in den Banken wüssten das selbst gar nicht. Die Gespräche mit ihm, dem interessierten Regisseur, hätten daher für diese Menschen geradezu etwas Therapeutisches und noch heute würden ihn manche seiner Kontakt anrufen, um zu fragen, wann sie sich denn mal wieder träfen und redeten.

Die genaue Quelle ist leider nicht online verfügbar, in diesem  Interview hat er das aber in Teilen ebenfalls so gesagt. Es lohnt sich jedenfalls sehr, sich vor dem Anschauen von Bad Banks ein bisschen Kontext anzulesen, um zu erkennen, wie viel Realität hinter der Fiktion steckt. Diese Erkenntnis ist es nämlich, die die Serie zu einem Sollte man unbedingt gesehen haben macht.

„Blockchain-Technologie“ würde es nicht besser machen

Abschließend noch ein Gedanke oder viel mehr noch eine starke These, die mir seit besagtem Interview im Kopf herumgeht und die ich hier gerne mal zur Diskussion stellen will:

Kein einziges Projekt, das bisher unter dem Hype-Begriff „Blockchain“ veramarktet wird, ist hilfreich, eine mögliche weitere Krise zu verhindern.

Ganz im Gegenteil sogar. Viele „Blockchain“-Projekte finden es durchaus okay, wenn sie institutionalisiert werden (bspw. Ethereum) bzw. basteln Banken ja an eigenen vermeintlichen „Blockchain“-Projekten.

Ob dagegen nun Bitcoin hilfreich gegen mögliche Krisen ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt schwerer zu beurteilen. Im Gegensatz zu all den „Blockchain“-Projekten bin ich mir da aber zumindest immerhin noch nicht sicher.

Aber diesen Gedanken führe ich vielleicht ein anderes Mal etwas weiter aus. Bad Banks läuft jedenfalls heute Abend um 21:45 Uhr im ZDF und ist in der dortigen Mediathek noch bis zum 31. August dieses Jahres abrufbar.