Alle Beiträge von Friedemann Brenneis

Licht und Schatten des Bitcoin-Journalismus

Eigentlich bin ich ja der Meinung, dass sich das journalistische Niveau in Bezug auf die Berichterstattung rund um Bitcoin in den letzten Jahren merklich verbessert hat: mehr technisches Verständnis, ausführlichere Recherchen, differenziertere Schlussfolgerungen. Eigentlich.

Doch es gibt trotzdem immer wieder Ausreißer, die den Durchschnitt mit aller Macht in die Tiefe ziehen wollen. Wie zum Beispiel dieser Beitrag Bitcoin ist pure Energie – und deshalb umweltschädlich von Jörg Schieb, einem „Internetexperten“ und „Netzkenner“ (laut Selbstbeschreibung), der für den WDR arbeitet und es tatsächlich schafft, mir mit diesem Artikel die Grenzen meiner kognitiven Schmerztoleranz aufzuzeigen.

Ganz viel Schatten beim WDR

Denn es tut wirklich weh, zu lesen, wie dort noch im Jahr 2018 falsche Tatsachen (nein, Grafikkarten sind nicht wegen Bitcoin-Mining ausverkauft), absurde Behauptungen (nein, Bitcoins sind nicht Energie) und wilde Thesen auf Stammtischniveau (doch, Bitcoins haben einen anderen Zweck als die Gier zu befriedigen) zusammengewürfelt werden, um das scheinbar starre Weltbild des Autors zu bestätigen.

Leider drängt sich dadurch jedoch der Eindruck auf, dieser vermeintliche „Internetexperte“ und „Netzkenner“ hat die letzten zehn Jahre in Bezug auf das Thema Bitcoin geistig in einer Höhle verbracht. Was ja durchaus okay wäre, denn jeder darf machen, was er will und niemand muss sich mit Bitcoin auseinandersetzen. Nur darf man dann eben nicht versuchen, einen Beitrag darüber zu schreiben, der diese Kompetenzlücke so deutlich offenbart. Oder man sollte zumindest in der Lage sein, eine ganz einfache Basis-Recherche per Suchmaschine (aka „googlen“) durchzuführen.

Wer googlen kann ist klar im Vorteil

Dann findet man nämlich zum Beispiel diesen Beitrag bei Deutschlandfunk Kultur: Diskussion um Bitcoin – Digitalwährung als Klimakiller oder diesen bei Zeit Online: Bitcoin. Der verkannte Stromfresser oder diesen bei CoinCenter: Five myths about Bitcoin’s energy use, einer namhaften und renommierten Non-Profit-NGO mit Bildungs- und Aufklärungsanspruch.

Was mich aber ebenso besorgt wie der Beitrag selbst, ist, dass solch ein Unsinn im Jahr 2018 beim WDR offensichtlich problemlos alle redaktionellen Instanzen durchläuft und unredigiert(?) online geht. Gestern war halt Karneval, ne? Da kann man sich auch schon mal als „Internetexperte“ verkleiden. Dann muss das auch keiner mehr gegenlesen.

Wenn die Kommentare besser sind als der Artikel

Glücklicherweise bleibt der Beitrag jedoch nicht unkommentiert. Gleich mehrere Leser kritisieren den Beitrag und zeigen in ihren Kommentaren deutlich mehr Fachkompetenz und Recherche-Ambitionen als der Autor selbst.

wdr kommentare
Merkwürdige Einstellung des Autors. Wenn sich Fragen aufdrängen, sollte man diese als Journalist doch versuchen zu beantworten, oder?

Dieser hingegen zeigt sich nicht nur uneinsichtig, sondern spricht sich letztlich sogar selbst die journalistische Kompetenz ab.  Denn für ihn „… drängt sich die Frage auf, wozu das alles.“

Interessant. Denn warum ist er dann nicht auf der Suche nach einer Antwort auf eben diese durchaus berechtigte und interessante Frage? Genau das ist doch seine Aufgabe als Journalist. Insbesondere, wenn man der „Netzexperte“ im Haus ist. Fragen stellen kann jeder. Gute Antworten zu finden, ist die Herausforderung.

promolinks beim WDR
Krypto-Promo-Links beim WDR: Ist doch Karneval. Da muss man auch keine Kommentare moderieren. (Screenshot vom 14.02., 10:43 Uhr)

Doch dass es beim WDR mit der journalistischen Sorgfaltspflicht eben nicht so genau genommen wird, zeigt auch die allgemein fehlende Moderation der Kommentare. Dort scheint man jedenfalls problemlos Promo-Reflink-Köder zu irgendwelchen Mining-Angeboten auslegen zu können.

Wie ironisch das ist: Während man oben vollmundig die Energieverschwendung des Minings anprangert, erlaubt man unten in den Kommentaren dubiose Werbung für noch dubiosere Mining-Angebote.

Licht: Wie man guten Bitcoin-Journalismus macht

Glücklicherweise ist dieser WDR-Beitrag aber derzeit nur einer unter vielen Beiträgen, die sich mit dem Phänomen Bitcoin auseinandersetzen. Einen der besseren hat dabei wiederum Philip Banse kürzlich für Deutschlandfunk Kultur gemacht: Betrug mit Bitcoins.

Den empfehle ich nicht nur den Karnevalisten vom WDR sich mal gut anzuhören, sondern jedem. Denn der ist aktuell, relevant, gut recherchiert und ansprechend aufbereitet. Und das sage ich nicht nur, weil ich da auch kurz zu Wort komme.

Wer jedenfalls die Spannbreite der journalistischen Kompetenz beim Thema Bitcoin im Jahr 2018 erfahren will, sollte beide Beiträge nacheinander lesen bzw. hören. Das zeigt, wie weit Licht und Schatten in diesem Bereich auseinander liegen und dass es noch einiges an Aufklärungsarbeit gibt.

Bild: Hinode Observes 2011 Annular Solar Eclipse (CC BY 2.0)

Honigdachs #23 – Lightning-Netzwerk Teil 1

Die 23. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan (bitcoinprivacy.net), Manuel (guidap.de) und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin und die Blockchain zu reden auf Dauer zu wenig ist.

Honigdachs 23 – Lightning-Netzwerk (Teil 1)

Dieses Mal sitzen wir krankheitsbedingt nur zu zweit beisammen, denn Manuel hat es kurz vor der Aufnahme die Stimme entzogen. Wir wollten aber das Thema Lightning-Netzwerk trotzdem unbedingt besprechen. Nicht nur, weil der letzte veröffentlichte Podcast schon so lange zurück liegt, sondern auch, weil Lightning als Thema aktuell ebenso heiß wie herausfordernd ist.

Denn wer anfängt, sich tiefer gehend mit dem Konzept zu beschäftigen, kommt früher oder später an den Punkt, an dem sich Lightning ebenso magisch anfühlt, wie, als man das erste Mal das Gefühlt hatte, Bitcoin zu verstehen.

Lightning bringt die Magie zurück ins Magic Internet Money

In dieser Folge begeben Stefan und ich uns daher auf die Suche nach genau diesem magischen Aha-Moment und nehmen euch mit in das grundlegende Konzept von Lightning. Oder machen zumindest den Anfang. Denn eine gute Stunde reicht natürlich nicht, der ganzen Magie auf den Grund zu gehen. Fortsetzung folgt aber.

Falls ihr euch gut vorbereiten wollt, legt euch am besten Zettel und Stift zu recht. Denn wer selber malt, der versteht es noch leichter.  Meine Zeichnung sah am Ende jedenfalls ungefähr so aus und half mir zwischendurch sehr, die richtigen Fragen und Antworten zu finden.

Lightning Bild 1
Malen hilft: Grundlagen von Payment-Channels

Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick.

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UNICEF lässt Gamer Spenden für notleidende Kinder minen

Dass sich UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, schon seit Jahren umtriebig mit den neuen Möglichkeiten beschäftigt, die sich aus Kryptowährungen und dem Einsatz einer Blockchain ergeben, ist bekannt. Der UNICEF Innovation Fund hat schließlich selbst schon  knapp 100.000 US-Dollar in das südafrikanisches Blockchain-Projekt Trustlab/9Needs investiert.

Game Chaingers – Rechenleistung für syrische Kinder spenden

Nun läuft mit Game Chaingers gerade ein anderes Experiment, dessen Herangehensweise unkonventionell, pragmatisch und daher geradezu vorbildlich ist. Gamer mit einer leistungsstarken Grafikkarte werden dazu aufgefordert, deren Leistung zu spenden, um damit Kryptogeld zu minen, das wiederum syrischen Kindern zu Gute kommen soll. Eine smarte und zeitgemäße Idee mit dem Ziel, neue Fundraising-Quellen zu erschließen.

Mining für die gute Sache

Das Prinzip ist dabei simpel und ist bereits von anderer Seite bekannt, wenn die Browser von tausenden Internetnutzern gekapert werden, um heinlich Monero zu minen.

In diesem Fall passiert das aber freiwillig und anstelle von Monero fließt die Rechenleistung in das Ethereum-Netzwerk. Über 500 Gamer bzw. Grafikkartenbesitzer haben bereits mitgemacht, aktuell vereint der Pool gut 2 GH/s und hat etwas mehr als 1600 Euro erwirtschaftet. Für ein so ungewöhnliches und progressives Experiment gar nicht schlecht.

Strom als neues Werttransfermedium

Interessant ist in diesem Fall zudem, wie „Geld“ als Medium in dem Spendenprozess letztlich überflüssig gemacht wird. Mit Hilfe der Blockchain und dem Proof-of-Work werden vielmehr Strom und Hardware-Leistung zu dem, was wertvoll ist und UNICEF bekommen und verwerten möchte.

Das klassische Mittelsmann-Finanzsystem und alle, die als solche auch von Spenden-Transaktionen profitieren, gucken hierbei in die Röhre. Geld bleibt zwar noch die „Recheneinheit“, aber mit dessen Transfer lässt sich in diesem Fall kein Geld mehr verdienen. Und gegen den guten Zweck, mit Mining Spenden für syrische Kinder zu sammeln, lässt sich zudem auch noch ganz schlecht Lobby machen.

Ich mag den mutigen UNICEF-Ansatz, immer neue Blockchain-basierte Experimente einfach mal direkt ins Leben zu rufen, daher sehr. Der Zweck ist das (überschaubare) Risiko mehr als wert.

Das Game Chainger-Experiment läuft noch 50 Tage

Wer nun selber zum Game Chainger werden will: Die Aktion läuft noch gut 50 Tage und wer wie ich keine leistungsstarke Grafikkarte hat, kann das Experiment aber natürlich auch mit altmodischen Zahlungsarten unterstützen.

Noch mehr Hintergrundinfos zu dem Projekt gibt es beim Guardian: „Unicef recruits gamers to mine Ethereum in aid of Syrian children“

Bitcoin, Strom & viele, viele Missverständnisse

In dieser Woche sind gleich zwei Beiträge erschienen, die sich kritisch mit dem Stromverbrauch von Bitcoin auseinandersetzen.

Dass kritisch in diesem Zusammenhang extra betont werden muss, ist bedauerlich, aber leider notwendig. Denn bisher wimmelt es beim Thema „Bitcoin & Strom“ im Netz ja eher von einseitigen, schlecht recherchierten und eher auf empörte Emotionen zielenden Berichten, die vielleicht für ’nen schnellen Klick gut sind, für mehr aber mehr eben auch nicht. Der allgemeine Erkenntnisgewinn ist jedenfalls bislang ungefähr dieser: „Oh nein, Bitcoin verbraucht voll viel Strom! Wir werden alle sterben!“

 

Nun ist das zugegeben aber auch echt kein ganz leichtes Thema und auch ich habe lange überlegt, wie sich die Zusammenhänge sinnvoll und verständlich beschreiben lassen. Am Ende ist es aber doch ganz gut geworden, auch wenn ich schließlich aus Platzgründen ca. 90 Prozent der Aspekte und Argumente weglassen musste, die ich zwischenzeitlich gesammelt hatte.

Zeit Online – Bitcoin. Der verkannte Stromfresser

Ja, Bitcoin benötigen sehr viel Energie. Nein, deshalb fangen die Meere nicht an zu kochen. Der Stromverbrauch ist ein Problem, aber nicht das Ende von Kryptowährungen.

Umso besser ist es daher, dass nahezu zeitgleich, aber in einem anderen Medium, der Beitrag meines guten Freundes und Journalisten-Kollegen Jochen Dreier erschienen ist.

Vorab hatten wir uns zwar über das Thema ausgetauscht und bestimmte Aspekte diskutiert, sind dann aber bei der Recherche und Umsetzung komplett eigene Wege gegangen. Dementsprechend haben beide Beiträge nun auch leicht unterschiedliche Schwerpunkte.

Deutschlandfunk Kultur – Diskussion um Bitcoin – Digitalwährung als Klimakiller 

Mit dem Höhenflug von Bitcoin hat auch eine Debatte über den Energieverbrauch der Kryptowährung eingesetzt: Bitcoin sei ein monströser Energiefresser. Der Energieverbrauch sei so hoch wie der von Dänemark. Wie seriös sind die Berechnungen und Vergleiche?

Für den größtmöglichen Erkenntnisgewinn empfehle ich daher einfach beide Beiträge zu lesen bzw. hören.

Bild: lightning (CC-BY 2.0)

Bitcoin-Augenschmaus-Erklär-Werbung

Am Ende ist es zwar nur Reklame für eine Geldsende-App, über die man jetzt auch Bitcoins kaufen kann, aber das ändert nichts daran, dass My First Bitcoin and the Legend of Satoshi Nakamoto eine liebevoll gestaltete und wunderschön anzusehende Liebeserklärung an Bitcoin in digitalem Kinderbuchformat ist.

my first bitcoin

Wer sich die fünf Minuten nimmt, da mal durchzuscrollen (und ein bisschen mit der Maus zu wackeln) wird auf dem Sterbebett später nicht sagen können, dass das verschwendete Lebenszeit war.

Wenn Satire auf Bitcoin trifft …

… dann muss Bitcoin wohl ein gesamtgesellschaftliches Phänomen sein. Sieht jedenfalls auch Christian Ehring in Extra 3 vom vergangenen Donnerstag so.

Die Bitcoin-Recherche-Faulheit der Journalisten

Ich persönlich mag ja sehr den Seitenhieb auf die offensichtliche Recherche-Faulheit der Journalistenkollegen, die allesamt beim Thema Bitcoin einfältig in den selben Bücherladen trappeln, um dort dann ganz investigativ herauszufinden, ob und wer denn tatsächlich in Deutschland mit Bitcoin bezahlt.

Wie die folgende Karte zeigt, ist es aber halt auch wirklich schwer, sich für einen Laden entscheiden zu müssen. Da würde ich selbstverständlich auch lieber auf Nummer sicher gehen und mal dort anfragen, wo alle anderen vorher auch schon waren und ich weiß, was für Antworten ich kriege.

coinmap deutschland
Jeder Punkt steht für ein Geschäft, das Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptiert. (Quelle: coinmap.org, Stand 24.01.2018)

Bei 50 Cent hat der geistreiche Extra 3-Gag allerdings ein ziemlich schlechtes Timing erwischt. Denn wenn man diesem Bericht glauben mag, würde der sich wohl aktuell nicht in „0,0000483 Bitcoins“ umbenennen, sondern eher in „700 Bitcoins“ oder in „Goldmarie“ oder etwas Vergleichbares.

Satire weiß dafür, wie Geld entsteht

Die zugehörige Ach- und Krachgeschichte ist dafür aber noch ganz unterhaltsam geworden und bringt es kurz und knackig auf den Punkt: „Bitcoins kommen nicht aus’m Goldesel. Wie normales Geld. Bitcoins entstehen, wenn jemand superkomplizierte Bitcoin-Rechenaufgaben löst“. Stimmt!

Honigdachs #22 – Die verschollene Folge

Eigentlich sollte an dieser Stelle schon lange die 22. Honigdachs-Folge erschienen sein, unser Live-Podcast, den wir am letzten Tag des 34C3 auf der Chaos West Bühne direkt gegenüber vom Bitcoin/Ethereum/Monero-Tisch in Bild und Ton aufgenommen haben.

Honigdachs #22 – Die verschollene Folge

Leider war es mir jedoch bis heute nicht möglich, an die entsprechenden Aufnahmen zu kommen. Erst hieß es: „Bringt eine Festplatte mit, wir ziehen euch das direkt rüber.“ Dann: „Nee, rüberziehen geht nicht, lädt gerade alles hoch, aber heute abend kriegt ihr den Link.“ Und nun sind wir schon seit längerem bei dem Stand, dass sämtliche Daten nach der Postproduktion „in ein paar Wochen“  auf media.ccc.de landen.

Wenn das endlich passiert, bin ich selbstverständlich der erste, der die Honigdachs-Folge direkt hier einbindet.

Merke: Immer an die Redundanz denken. Immer!

Natürlich ist es extrem ärgerlich, dass es zu dieser Verzögerung kommt, aber abgesehen von der etwas unglücklichen Kommunikation, kann ich den Chaos Bühne West-Machern letztlich  jedoch keinen Vorwurf machen.

Die Bühne, die sie auf dem 34C3 organisiert und betrieben haben, war von der technischen Ausstattung her spitzenmäßig und bot einer Vielzahl von Talks, Diskussionen und kurzweiligen Unterhaltungsprogrammen wie dem Nerd-Quiz oder eben unserem Podcast außerhalb des offiziellen Programms eine Plattform, die den 34C3 inhaltlich enorm bereicherten. Gerade wer sich für Bitcoin und Blockchain-Konzepte interessierte, war hier an der richtigen Stelle. Immerhin gab es allein zu Namecoin (ja den gibt’s noch) gleich drei(!) Vorträge.

Vielmehr ärgere ich mich aber über mich selbst, denn ich hätte ja einfach mein Aufnahmegerät während der Aufnahme an einen Ausgang anstöpseln und so zumindest einen Audiomitschnitt direkt mit nach Hause nehmen können. Hab ich aber nicht gemacht. Ich hatte ja meine Festplatte dabei und dachte, das reicht.

Vorfreude, schönste Freude

So bleibt mir aber leider aktuell an dieser Stelle nicht mehr, als das Versprechen, dass ich die Folge schnellstmöglich nachliefere und die Gewissheit, dass es eine wirklich gute Folge geworden ist. Das war zumindest das Feedback derer, die sie schon kennen, weil sie im Publikum saßen. Am Ende des Podcasts waren es nämlich mehr als zu Beginn.

Bitcoin im Mainstream (Japan Edition) und was das bedeutet

Gestern ging es hier noch um das Beispiel Hip Hop und Rap, an dem sich erkennen lässt, wie Bitcoin in Deutschland (und den USA) über die künstlerische Auseinandersetzung damit immer mehr in den Alltag und die Wahrnehmung der Gesellschaft getragen wird.

Verschiedene Kulturkreise nehmen Bitcoin unterschiedlich an

In Japan passiert das genauso. Nur zeigt sich das gleiche Phänomen dort eben in einem anderen Erscheinungsbild – orientiert an den dortigen kulturellen Gewohnheiten. Da rappen dann eben nicht Sido, Savas und Co. von Kryptowährungen, sondern es singen und tanzen die Virtual Currency Girls. (Wobei der Unterschied in dem Fall vielleicht doch nicht ganz so groß ist, Sido trug ja mal eine ähnliche Maske.)

Interessant an dieser Gegenüberstellung ist nun aber nicht allein die Beobachtung, wie verschiedene Kulturkreise unterschiedlich mit Bitcoin umgehen, sondern dass sie es können und auch machen. Denn es verdeutlicht zwei charakteristische Eigenschaften des Phänomens Bitcoin: die Unverbindlichkeit und die Interpretationsfreiheit.

Mit Unverbindlichkeit meine ich, dass keine Gesellschaft gezwungen wird, sich mit Bitcoin zu beschäftigen. Es gibt keine Institution, die den Umgang damit kollektiv verbindlich vorschreibt und definiert. Vielmehr steht es jeder Gesellschaft frei bzw. deren Individuen und Institutionen, selbst auszutesten, inwieweit Bitcoin Teil ihrer Kultur werden kann und soll.

Das bedeutet im Umkehrschluss aber natürlich auch, dass es die Möglichkeit gibt, Bitcoin abzulehnen, falls es sich als nutz- und funktionslos erweist bzw. sich kein gesellschaftliches Bedürfnis besser dadurch befriedigen lässt, als durch alle bislang verfügbaren Optionen. Jeder kann Bitcoin nutzen, niemand muss es.

Bitcoin ist Auslegungssache

Die Interpretationsfreiheit wiederum bedeutet, dass Bitcoin nicht ausdefiniert ist, sondern von jeder Gesellschaft in die eigenen Lebenswirklichkeit integriert und auf die individuellen Bedürfnisse angepasst werden kann. Bitcoin (als konkretes Projekt) befindet sich schließlich in einer beständigen Weiterentwicklung, einer Art institutionalisierten Evolution. Trotzdem kann jeder es jederzeit nehmen und schauen, ob und welche individuellen Ziele oder Probleme sich damit erreichen oder lösen lassen.

Während ein nicht-zensierbares, staatenunabhängiges Geld derzeit bspw. in Venezuela das Überleben sichern kann, bedeutet es für deutsche Rapper hingegen, dass sie sich „Malle kaufen können“. In Argentinien wiederum sind Kryptowährungen der einfachste Weg, am internationalen Geldhandel teilzunehmen und in China ist Glücksspiel viel mehr Bestandteil der kulturellen Identität als bei uns. Dass dort daher auch gerne mit technisch möglicherweise vollkommen sinn- und nutzlosen Altcoins oder ICO-Token spekuliert wird, überrascht daher nicht.

Letztlich hat das Wort Bitcoin daher in jedem Land oder jedem Kulturkreis eine leicht andere Bedeutung mit unterschiedliche Konnotationen, die durch die gesellschaftliche Auseinandersetzung damit immer wieder neu bestimmt und bewertet werden müssen.

Bitcoin ist nur schwer zu fassen

Das wiederum macht es aber im Übrigen auch schwer, bis nahezu unmöglich, Bitcoin auf globaler Ebene zu regulieren, wie es bspw. Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Wuermeling gerade gefordert hat.

Zum einen, weil es bislang weder eine verbindliche Definition gibt, was Bitcoin eigentlich ist (Geld? Technologie? Chance? Bedrohung?), noch welche Probleme durch eine Regulierung möglicherweise gelöst und welche Chancen damit gleichzeitig verbaut würden. Ganz davon abgesehen, dass sich Bitcoin in der Realität bedeutend schneller weiterentwickelt als staatliche (vor allem demokratische) Institutionen politische Entscheidungen produzieren können.

Insbesondere, wenn der Wunsch am Phänomen Bitcoin teilzuhaben, aus welchen konkreten Gründen auch immer, aus der Gesellschaft heraus wächst und sich dort zunehmend verankert. In Südkorea haben jedenfalls schon knapp 220.000 Menschen die Petition gegen angedeutete, aber als „ungerechtfertigt“ empfundene Regulierungen vom Staat unterzeichnet.

Time to hodl (your street credibility)

Lange war sie (auch von mir) erwartet worden, nun ist sie also da: die große Krypto-Kurskorrektur. Alle Kryptowährungen sind derzeit tief und nachhaltig in den roten Zahlen und zeigen markante Verluste.

Bitcoin ist beispielsweise wieder unter die 10.000 US-Dollar-Marke gefallen, Ethereum hat in nur fünf Tagen weit mehr als ein Drittel an Wert verloren und der überraschende Kursgewinner 2017, Ripple, liegt aktuell sogar schon rund 70 Prozent unter seinem Allzeithoch von Anfang Januar.

Die Crypto-Community stimmt sich auf hodln ein

Ich will an dieser Stelle gar nicht so sehr nach Gründen suchen (es gibt nicht den einen)  oder spekulieren, wie der Kursverlauf der kommenden Tage, Wochen und Monate aussehen könnte. Da gibt es ohnehin schon genug Meinungen im Netz. Wobei jedoch schon auffällt, wie gelassen die Community wieder einmal reagiert (Bildung statt Panik) und sich auf ihre Lieblingsbeschäftigung, das Hodln einstimmt.

Ein Grund dafür ist in jedem Fall auch die Gewöhnung an solcherlei Events, die mittlerweile regelmäßig auftreten und bislang niemals das Ende von Bitcoin (und Co.) bedeuteten, sondern mittel- bis langfristig immer den Weg für den nächsten großen Kursanstieg bereiteten. Das sieht im übrigen auch manch ein Bank-Analyst so: Bitcoin headed to ($40.000 to) $100,000 in 2018, says analyst who predicted last year’s price rise

Hodl your street credibility, too!

Trotzdem ist es natürlich höchst interessant zu beobachten, wie andere Personen auf den Kurseinbruch reagieren. Denn seit Bitcoin in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, sind eben auch viele Menschen auf den Krypto-Zug aufgesprungen, die auf eine Situation wie diese möglicherweise nicht gut genug vorbereitet waren.

Einige, die in den letzten Tagen vor dem Crash mit besonders dicken Eiern über ihre Krypto-Investment-Strategie berichteten, waren die Deutschrapper Sido & Savas, die zusammen mit einigen ihrer Kollegen den Song „Hodln“ ins Netz stellten und dabei zugaben zwar„keine Ahnung von Kryptographie“ zu haben, aber „20k in Ripple zu kloppen“. (Kann man machen, darf man sich aber eben jetzt auch nicht wundern, wenn das nun nur noch 6k sind.)

Aber mal abgesehen von der Musik (ich persönlich steh weder auf Auto-Tune-Effekte noch auf Deutschrap) und der genretypisch etwas unreflektierten I don’t care-Herangehensweise, bin ich doch beeindruckt von Dichte der Fachtermini, die in dem Lied verwendet werden. Dafür auf jeden Fall Respekt, wenngleich man inhaltlich in vielen Fällen nicht schlimmer an Kryptowährungen herangehen könnte. Mir fehlt bspw. die Strophe, in der Sido, Savas & Co. erklären, wie sie all ihre märchenhaften Kryptogewinne korrekt versteuern. Durch das Teilen ihrer Expertise in diesem Bereich hätten sie mich und viele andere vermutlich als Fans gewinnen können.

Wie #Kryptofit sind die Deutschrapper in der Krise?

Noch viel interessanter finde ich jedoch die Frage, ob und inwieweit die Rapper aktuell tatsächlich auch dazu stehen, was sie in dem Song so selbstbewusst behaupten. „Hodln“ sie tatsächlich? Haben sie in Panik all ihre Shitcoins mit Verlust abgestoßen oder sind sie tatsächlich richtig konsequent, kaufen aktuell sämtliche Sinnlos- Token-Dips und stecken bspw. genau jetzt noch einmal 20k in Ripple?

Hierzu jetzt mal ein korrektes Statement wäre in der Tat ziemlich gut für die (crypto) street credibility. Denn um in einem Hyper-Bullenmarkt wie Ende 2017 die eigenen Gewinne zu feiern und „Mallorca kaufen zu wollen“, braucht man keine dicken Eier. In einer Kursrutsch-Situation wie aktuell, aber schon. Jetzt könnten Sido, Savas und Co. zeigen wie „Hashtag Kryptofit“ sie ihr Mentor Julian Hosp wirklich gemacht hat oder ob sie letztlich doch nur ein bisschen auf der FOMO-Welle mitgeschwommen sind.

Ungeachtet dessen ist obiger Song aber auch so ein weiteres Zeugnis dafür, dass Bitcoin längst im Mainstream angekommen ist, wie dieser Tweet aus dem April 2013 zeigt (an den sich Felix glücklicherweise erinnerte).

Und wem das nicht reicht oder wer, wie ich, weniger auf Deutschrap steht, findet mit teamHODL – Lamboland (2017)88N8 – Digital Gold (2017 – Danke für den Tipp, Wosch!), Gramatik – Satoshi Nakamoto (2016) und ytcracker – Bitcoin Baron (2013) drei durchaus hörbare englischsprachige Alternativen.

So viel Brainpower floss 2017 in Bitcoin

Ich überlege schon länger, wie man am besten den intellektuellen Wert eines Kryptowährungsprojekts darstellen und operationalisieren kann. Denn Marktkapitalisierung alleine – das ist kein Geheimnis – ist ein vergleichsweise schlechter, weil einseitiger Indikator, um umfassend die Qualität und das Potential einer Kryptowährung zu bestimmen.

Marktkapitalisierung alleine führt in die Irre

Ein Faktor (von vielen), den man in diesem Zusammenhang daher ebenso berücksichtigen müsste, ist der Intellekt, die Brainpower und das Engagement, die in die Pflege und Weiterentwicklung des Basis-Protokolls fließen. Wie viele Entwickler sind daran beteiligt? Wie fleißig sind sie? Wie erfahren und kompetent? Wie heterogen ist deren Zusammensetzung etc?

Ein anderer ist der Impact-Faktor, also eine Operationalisierung, wie oft und welche Kryptowährungen sich auf die Idee bzw. das Konzept einer anderen Kryptowährung berufen oder sich selbst daraus ableiten. Zum Beispiel: Wie oft und in welchen Whitepaper wird sich auf Bitcoin als Referenz bezogen? In welchen und wie oft auf Ethereum usw. usf.?

Auch intellektuelle Faktoren sind bedeutend

Meine These ist, dass schon die Berücksichtigung dieser beiden intellektuellen Faktoren ein deutlich anderes Bild vom Krypto-Ökosystem zeigen, würden als zum Beispiel die aktuell 36 Prozent „BTC Dominance“ bei coinmarketcap.com vermuten lassen.

marktkapitalisierung bitcoin
coinmarketcap.com, Stand: 16. Januar

Und vielleicht gibt es da draußen ja jemanden mit einer bevorstehenden Abschlussarbeit oder auf der Suche nach einer interessanten Studienfrage, der oder die dem mal methodisch nachgehen wollen. Ich stünde jedenfalls zur Diskussion dieser Frage zur Verfügung.

Visualisierungen für einen ersten Eindruck

Einen sehr ansprechenden Eindruck über die Brainpower, die 2017 übrigens in Bitcoin (Core) geflossen ist, ist dieses Video, in dem die kollektive Arbeit am Bitcoin Github-repository visuell aufbereitet wird.

Das gibt es übrigens auch gebündelt für die vorangegangenen acht Jahre.

Falls es ähnliche Visualisierungen auch für andere Projekte gibt (Ethereum, Bitcoin Cash, Monero etc.), freue ich mich über die entsprechenden Links und binde die dann hier ein. Erstellt wurden die Videos übrigens mit Gource.

Vielleicht kann man hier dann zumindest einen ersten Eindruck über die intellektuelle Wertigkeit verschiedener Projekte bekommen. Bis dahin haben wir vorerst nur den Blick auf Bitcoin. Aber der zeugt durchaus von Vitalität und Potential und verspricht einiges für 2018.