Archiv der Kategorie: Allgemeines

Von Hypershitcoinisation und Deadcoins

Zur Zeit wird alles gekauft, was nur in irgendeiner Weise irgendwas mit „Krypto“ zu tun hat. Selbst ein Projekt wie Dogecoin, um das es in den letzten Jahren wirklich recht still geworden ist, hat (neben aktuell 35(!) anderen „Kryptowährungen“) mittlerweile eine Marktkapitalisierung von mehr als einer Milliarde US-Dollar erreicht. Alle Kryptowährungen zusammengenommen sind aktuell sogar mehr als eine dreiviertel Billion US-Dollar wert.

Das sind Zahlen in Größenordnungen, die der menschliche Geist eigentlich nicht mehr verorten kann. Dennoch muss man aber kein Genie sein, um hier eine rasant wachsende giergetriebene Blase zu erkennen.

HYPERSHITCOINISATION!!!

Vor allem, weil der Run auf „Krypto“-Projekte sich eben gar nicht so sehr auf die bekanntesten, bewährtesten und technisch vielversprechendsten Projekte konzentriert, sondern auf alles, was schnelle Profite verspricht.

Irgendwelche Shitcoins ohne Alleinstellungsmerkmal, ohne Community, ohne Developer, ohne anständige Review des Codes und letztlich auch vollkommen ohne Realwelt-Nutzen. Auch skurille Tokens irgendwelcher dubiosen ICOs haben plötzlich Milliardenwert, obwohl weder funktionierender Code existiert, geschweige denn die intellektuelle Grundlage dafür. Dafür aber Marketingbudget.

Unter den fünf Krypto-Projekten, mit den größten Kursgewinnen 2017 sind daher wenig überraschend weder Bitcoin noch Ethereum. Auf Nummer eins steht dort vielmehr Ripple, also ein Krypto-Konzept, das man eigentlich nicht einmal mit zwei zugedrückten Augen als „Währung“ bezeichnen könnte, das in keinster Weise dezentral ist (der kleinste gemeinsame Nenner von Kryptowährungen), dessen Token überflüssig sind und das in der Realität offensichtlich auch niemand so richtig benutzt oder zu benutzen plant.

Ripple, oder wie es scherzhaft schon genannt wird: der Fidget Spinner unter den Kryptowährungen.

Gier macht blind, Erfahrung macht klug

Wie also nun umgehen mit dieser Situation der Hypershitcoinization? Das ist tatsächlich eine der derzeit meist gestellten Fragen im Kryptoökosystem. Denn dass die Shitcoin-Blase irgendwann platzen wird, scheint unausweichlich.  Doch wann und wie verheerend werden die Folgen sein? Wie viele Menschen werden ihr naiv investiertes Geld verlieren und gibt es eine Möglichkeit, sie jetzt noch davor zu bewahren?

Andreas Antonopoulos meinte auf diese Frage vor einiger Zeit sinngemäß, dass es keine Möglichkeit gebe. Jeder müsse alleine lernen, auf sein Geld aufzupassen und damit vernünftig umzugehen. Und bei Bitcoin und Co. zum derzeitigen Stand ist dieser Lernprozess eben in der Regel der, auf die harte Tour: Man verliert sein Geld.

Doch diese persönliche Erfahrung sei eben auch enorm wichtig. Denn wenn man die Leute von vornherein warnen und belehren würde, würden sie einem ohnehin nicht glauben (siehe die Banker, die ja schon seit Jahren erfolglos vor Bitcoin warnen) und man würde sie zudem auch noch künstlich dumm halten. Denn der nächste Krypto-Scam kommt bestimmt. Dann vielleicht nicht in Form eines Shitcoins, nutzlosen ICO-Tokens oder Krypto-Fidget-Spinner, aber er kommt.

Denkt an die Deadcoins!

Ich stimme dem größtenteils zu, sehe die Sache aber nicht ganz so fatalistisch. Denn man sollte durchaus den Versuch unternehmen, Leute aufzuklären, bevor sie investieren. Eine Seite, die in diesem Zusammenhang ganz hilfreich sein kann, ist deadcoins.com. Diese Listet nämlich tote Coins auf, also solche Kryptoprojekte, die schon gescheitert oder als Betrug aufgeflogen sind oder deren Parodie-Halbwertszeit schon lange überschritten ist und die es nicht wie Dogecoin geschafft haben, zu einem festen Bestandteil und Projekt mit zeitgeschichtlichem Status in der Krypto-Kultur zu werden.

Dort findet man dann vielleicht den ein oder anderen Denkanstoß, inwieweit all diese gehypeten Shitcoins mit ihren fancy Namen eine Investition wirklich wert sind. Immerhin gibt es schon allein mit dem Anfangsbuchstaben „A“ mehr als 30 Deadcoins, Wobei ja niemand sagen kann, dass das tatsächlich schon alle sind. Die Dunkelziffer ist vermutlich noch höher.

Finanztest warnt vor OneCoin und SwissCoin

Hinweis: Es gibt mittlerweile ergänzend einen zweiten, sehr viel umfassenderen Artikel zu Onecoin und Co.

Das zur Stiftung Warentest gehörende Magazin Finanztest hat vor ein paar Tagen einen Artikel online gestellt, in dem es vor den beiden virtuellen Währungen OneCoin und SwissCoin warnt. Beide machen seit einiger Zeit mit sehr offensivem Marketing auf sich aufmerksam und versuchten von der Bekanntheit von Bitcoin zu profitieren.

Allerdings sind sie nicht mit Bitcoin zu vergleichen, weil sie nicht dezentral organisiert seien (genau diese Dezentralität macht Bitcoin jedoch besonders und interessant) und es keinen freien Markt gebe. Auch das mehrstufige, pyramidenähnliche Vertriebssystem wird kritisiert.

Im Zweifel: Finger weg

Fazit des Artikels: Beide Projekte landen auf der Magazineigenen Warnliste für Geldanlagen. Diese Warnung sollte man auch ernst nehmen. Denn wenn bei zwei so ähnlichen Projekten der Anwalt des einen Projekts offen vor dem anderen warnt, ist gesunde Skepsis angebracht.

Namecoin – Es tut sich was

Namecoin ist ein bemerkenswertes Alternativ-Projekte, das schon sehr früh aus der Bitcoin-Idee entstanden ist und sich eines wirklich großen Themas angenommen hat: der Grundlage des Internets.

Die Idee von Namecoin ist es nämlich eine dezentralisierte, vor Zensur und Willkür geschützte DNS-Struktur zu etablieren. Das ist zweifelsohne eine wichtige Idee, die allerdings einen Haken hat. Ihre Bedeutung ist unglaublich schwer zu vermitteln.

Denn für die meisten Menschen ist das Problem, das Namecoin lösen will, sehr abstrakt. Sie sind gewohnt das Internet zu benutzen. Die Prozesse, die dabei im Hintergrund ablaufen und die Probleme, die diese beinhalten – Zensur und Manipulation – sind nur den wenigsten bewusst.

Namecoin wird verständlicher und nutzbarer

Das ändert sich glücklicherweise. Seit einiger Zeit schon tauchen immer mal wieder ein paar Namecoin-Neuerungen auf.

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In eigener Sache: Werbung von Yacuna

Der aufmerksame Leser wird die Veränderung hier im Blog bemerkt haben. Seit einiger Zeit ist der Kursticker aus der rechten Sidebar nach unten gerutscht und darüber ist eine neue Kategorie erschienen: Werbung.

Dass ich früher oder später hier im Blog Werbung schalten werde, war für mich eine ernsthafte Option, seit ich die Idee zu The Coinspondent hatte. Werbung ist nun einmal eine der relevantesten Einnahmen für Blogger. Vor allem, weil man im Idealfall über einen längeren Zeitraum mit konkreten Einnahmen rechnen kann. Denn Rechnungen für Webspace etc. kommen ja auch immer wieder und ich plane bspw. derzeit, ob und wie ich die wichtigsten Konferenzbesuche 2015 finanzieren kann um dann hier im Blog darüber zu schreiben.

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Rückblick Bitcoin-Filmfestival

Am Samstag fand in Berlin das Bitfilm-Festival statt, bei dem rund fünf Stunden lang nur Filme rund um das Thema Bitcoin auf dem Programm standen. Das war ziemlich viel Input und ich habe gar nicht erst versucht alle Filme zu sehen, da ich zwischendurch noch Interviews geführt habe. Aber was ich gesehen habe, war eine sehr gute Auswahl.

Nun tourt das Festival um die Welt und für alle, die am Samstag nicht kommen konnten und auch nicht das Glück haben in Rio, Kapstadt, Seoul und Co. vor Ort sein zu können, hier ein paar der Perlen, die gezeigt wurden und im Netz verfügbar sind. Sehenswert auch deshalb, weil einige der Filme frisch aktualisiert und erweitert wurden.

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Happy Birthday, Weltwirtschaftskrise!

Heute ist der 85. Jahrestag des symbolischen Scharzen Freitags, der 1929 die Weltwirtschaft mal wieder in eine tiefe Krise riss. Damals crashte die New Yorker Börse wegen rückhaltloser Spekulationen und zog auch Deutschland in eine tiefe Depression. Erst wirtschaftlich, dann auch gesellschaftlich als sich verzweifelte Menschen von extremistischen Parolen verführen ließen. Die beschämende Konsequenz kennen wir hinreichend aus nahezu jedem Schulfach.

Noch heute sind die Auswirkungen dieser Krise spürbar. Der NSU, die schleichende Aushöhlung von freiheitlich-demokratischen Grundrechte durch den Staat und der erfolgreiche Stimmenfang neuer Parteien mit wieder einmal platten Parolen und rückwärtsgewandten Ideologien irgendwo zwischen dummdreist und offen radikal.

Dass es Zufall sein soll, dass diese Phänomene wieder einmal vermehrt in wirtschaftlichen Krisenzeiten auftreten, ist schwer vorstellbar. Dass weitere Krisen kommen werden, vermutlich unvermeidbar. 85 Jahre Weltwirtschaftskrise – auf dich, du siffender Ausschlag am Arsch des Kapitalismus!

Zur Feier des Tages hat 3sat einen Themenabend zusammengestellt, den sie – obwohl das Jubiläum auf einen Freitag fällt – bereits am vergangenen Montag ausgestrahlt haben. Verstehe einer diese Programmplanung. Da die Beiträge dadurch aber in der 3sat-Mediathek auch nur noch wenige Tage verfügbar sind, habe ich den Themenabend hier noch einmal nachgebaut. YouTube sei Dank.

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Bitcoin? Keep it simple!

Der große Vorteil von Bitcoin ist es, Dinge einfacher zu machen, die bisher kompliziert waren. Ich halte es daher nicht für die erfolgversprechendste Idee, Bitcoin zu nutzen um derart komplizierte Bezahlkonstrukte aufzubauen, wie es Purse.io versucht, aber schaut euch das „Erklärvideo“ selbst an und fragt euch danach selbst einfach mal, ob ihr das für eine anwederfreundliche Idee haltet?

Als Bitcoin flügge wurde

David von Bitshare hat ein bisschen in der Vergangenheit gegraben und die ersten Tweets ausgebuddelt, die jemals zum Thema Bitcoin abgeschickt wurden.

Ganz vorne dabei Hal Finney, der Bitcoin- und Crypto-Pionier, der damals die allererste Bitcoin-Transaktion von Satoshi Nakamoto höchstpersönlich empfangen hat und heute leider nicht mehr twittert, weil er an ALS erkrankt ist, einer Krankheit, bei der man zunehmend die Kontrolle über die Muskeln verliert.

Noch mehr Twitter-Bitcoin-Zeitgeschichte hier.

Bitcoin – Willkommen in der Sekte

Am Mittwoch hab ich noch geschrieben wie wichtig es ist sich beim Thema Bitcoin immer nur auf einen Aspekt zu konzentrieren, weil es sonst ganz schnell ganz wirr werden kann. Hier der Beweis: Shit Bitcoin Fanatics Say, Part 2

Das wunderbare: Genau so sehen tatsächlich viele Diskussionen zum Thema Bitcoin aus. Und das hier ist noch das kleine Beispiel, weil es nur einen Bitcoin-Enthusiasten gibt. In Gruppen diskutieren sich Bitcoiner nämlich gerne noch schneller in euphorische Extase, so dass sie – objektiv betrachtet – durchaus missionarische und sektenhafte Züge an den Tag legen.

Sollte man vielleicht für die nächste Diskussion im Hinterkopf behalten. Aber weil’s so schön ist, hier noch Part 1. Besonders am Ende hab ich schallend gelacht.

Bitcoin in Botswana

Ich arbeite gerade an einem etwas aufwändigeren Projekt, das morgen On-Air geht, deshalb heute nur ein kurzer Post.

Dieses Video ist Teil des Dokumentationsprojekts IamSatoshi, für das Tomer Kantor aka Satoshi Pollen Interviews mit verschiedensten Bitcoin-Akteuren aus der ganzen Welt sammelt. Ich bin mir nicht sicher, ob er plant aus den bisher gesammelten mehr als 50 Videos schlussendlich eine verdichtete Gesamt-Doku zu machen, ich würde es mir aber wünschen, denn die Gespräche haben inhaltlich alle ein paar Perlen, aber hier und da eben auch ihre Längen und inhaltliche Wiederholungen.

Nichtsdestotrotz – dieses Video hier ist insofern empfehlenswert, als dass es Bitcoin wieder einmal mit einer Region in Verbindung bringt, über die wir bisher kaum etwas wissen (und das bezieht sich nicht nur auf Bitcoin): Botswana.

Die Tonaufnahmen könnten allgemein besser sein – vielleicht liegt das auch an der YouTube-Kompression – und auch ich musste mich am Anfang  ein bisschen reinhören. Aber das geht schnell und die Geschichten, die Alakanani Itireleng erzählt – über die afrikanische Mentalität, den Umgang mit Geld in Botswana, die ganz eigene Herangehensweise an neue Technologien und ihre persönliche Mission – Bitcoin zu nutzen um das ganze Land voranzubringen – sind die Mühe allemal wert!