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Proof of Beats – Fette Bitcoin-Weisheiten auf Vinyl

Ich weiß gar nicht mehr genau, wann und wie ich auf diesen Eintrag im Bitcointalk-Forum gestoßen bin.

Bitcoin-Weisheiten auf Vinyl – Die Ankündigung der limitierten Proof of Beats-Platte bei Bitcointalk

Aber ich bin ein Freund von Vinyl und kaufe mir hin und wieder schöne Platten. Kein Spotify-Mainstream-Kram, sondern am liebsten diese besonderen Fundstücke mit einer echten Geschichte. Kleinauflagen von Festivals (wie die des Leipziger Kultur-Festivals Seanaps – 2017 thematisch mit dem Schwerpunkt Blockchain) oder anderen Projekten mit Charm und Charakter (wie SoundsLikeVanSpirit, für das einer seinen Bulli zu einem mobilen Tonstudio ausgebaut hat und dann zwei Jahre durch Europa gereist ist um Straßenmusiker aufzunehmen).

Die Frage war nicht ob, sondern welche

Ich musste also nicht lange überlegen, ob ich mir eine der auf 200 Stück limitierten Proof of Beats-Platten bestelle, sondern vielmehr welche. Denn noch kann man wählen. Da aber viele Bitcoin-symbolischen Nummern schon weg waren, habe ich mich kurzerhand für die ohnehin einzig richtige Antwort auf die Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ entschieden.

Und auch wenn der Bestellprozess etwas abenteuerlich und rustikal war – man schickt Unbekannten im Netz einiges an Geld (40 US-Dollar plus noch einmal gut 20 Dollar für den Versand aus den USA) über eine statische Bitcoin-Adresse, die tief in einem nerdigen Forum liegt, und hofft, dass sie im Gegenzug auch ihr Versprechen halten und tatsächlich die versprochene Platte schicken – am Ende lief alles reibungslos. Nach einigen Wochen kam das Schätzchen an.

Und nun dreht die Platte also hier schon seit einiger Zeit ihre Runden und wurde dabei musikalisch auch schon von Gästen, die sonst eigentlich mit Bitcoin überhaupt nichts zu tun haben, für gut befunden.

Digitale Hörprobe
Ist die Platte den Preis und Aufwand wert?

Bleibt die Frage, warum man eine Platte kaufen sollte. Denn eigentlich könnte man sich all die Proof of Beats-Songs auch einfach kostenlos digital anhören. Der Künstler hat sie schließlich frei von Copyright-Auflagen ins Netz gestellt. Doch macht man es auch, nur weil man es theoretisch könnte? Wohl eher nicht.

Das macht diese Platte schlussendlich tatsächlich zu etwas Besonderem. Die Tracks wurden schließlich bewusst ausgewählt und in eine Reihenfolge gebracht. Das schöne Cover mit Liebe zum Detail erstellt und entdeckt sie jemand bei einem im Regal, hat man immer einen schönen Anlass über Bitcoin zu sprechen ohne sich Gleich in Preisspekulationen, Geldtheorie oder technischen Details zu verlieren.

„Karl Marx and the Blockchain“ ist das Paper des Jahres (kein Witz!)

Was soll man eigentlich denken, wenn man ein Paper mit der Überschrift Karl Marx and the Blockchain sieht?

Ich war jedenfalls ebenso irritiert wie neugierig. Irritiert, weil ich nicht wusste, ob das nur ein armseliger Versuch ist, den letzten Clickbait-Tropfen aus dem „Blockchain!!!“-Hype herauszupressen. Auf der anderen Seite war mein Interesse ob des Titels aber durchaus geweckt, weil ich hier im Blog ja auch gerne skurrile Fundstücke und Kuriositäten aus dem Bitcoin- und Blockchain-Universum sammle.

Aus Skepsis wird Begeisterung

Also begann ich zu lesen und mit jeder Zeile schwand meine Skepsis und wuchs meine Begeisterung. Schon lange habe ich nicht mehr so ein gutes Paper gelesen wie dieses. Eines das geistreich ist, mit Humor geschrieben und das einen nicht nur mit dem Eindruck zurück lässt, etwas gelernt zu haben, sondern auch zum Nachdenken anregt. Denn auch wenn es anfangs merkwürdig erscheint. Karl Marx and the Blockchain ist tatsächlich etwas, über das sich nachzudenken lohnt.

Klicken öffnet das Paper

Vor allem da die Autoren Devraj Basu (Senior Lecturer, Accounting and Finance) und Murdoch J. Gabbay („Expert in formal methods, programming, technical communication„) letztlich dieser außerordentlich wichtigen Frage nachgehen, auf die es bisher noch kaum eine gute Antwort gibt:

Warum hat das Thema „Blockchain“ eigentlich auch nach Jahren immer noch so sehr Konjunktur, wenn es auf der einen Seite zwar durchaus einige „potential use cases“ gibt, es auf der anderen aber nach wie vor keinen einzigen „proven use case“? Außer eben einer Kryptowährung wie Bitcoin.

Die vergangenen 75 Jahre aus Marx‘ Perspektive

Für ihre Antwort argumentieren sie dann folgendermaßen: Arbeit und Kapital sind in den vergangenen 75 Jahren (ganz im Marx’schen Sinne) vollkommen aus dem Gleichgewicht geraten. In der Nachkriegszeit bis zur Ära Thatcher/Reagen sei zunächst Arbeit der dominierende Faktor gewesen. Dann sei das Verhältnis zugunsten von Kapital gekippt und immer weiter aus dem Ruder gelaufen. Weil Arbeit und Kapital sich aber gegenseitig bedingen, war die Krise 2008 dann das unvermeidliche Ergebnis eines immer übermächtigeren Kapitals. („… Capital had run out of ways to earn real returns, and so it invented imaginary ones.„)

Das große Problem ist nun, dass dieses System in Schieflage (siehe Marx und die Realität) von sich aus nicht fähig ist, sich selbst wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Weswegen wir uns nun schon seit mehr als einer Dekade in einer sich immer weiter verschärfenden Dauerkrise befinden.

Eine These, die u.a. gestützt wird durch die seit Jahren fruchtlose Null- und Negativ-Zinspolitik der Notenbanken und die sich aktuell auch (massiv verstärkt durch die Coronakrise) eindrucksvoll am Missverhältnis des US-Aktienmarkts zu den Arbeitslosenzahlen in den Vereinigten Staaten ablesen lässt. Beides derzeit bekanntlich spektakulär auf Allzeithoch.

Aber was hat „Blockchain“ nun damit zu tun?

Auf der Suche nach einer (Er-)Lösung aus dieser verfahrenen Krise kommt dem Thema „Blockchain“ nun eine besondere Bedeutung zu. Denn im Gegensatz zu den nostalgischen Versuchen, diese rückwärtsgewandt irgendwo in der Vergangenheit zu suchen, stehe „Blockchain“ für eine Vision die einerseits auf die Zukunft ausgerichtet sei, andererseits aber – siehe den Erfolg von Bitcoin – eben auch nicht vollkommen utopisch erscheint.

„It is now important to appreciate that blockchain is not just any old technoutopian escapist fantasy. It is also a concrete technology, with specific technical qualities, which make certain promises, not all of which are unreasonable.“

Mit anderen Worten: „Blockchain“ ist ein Begriff, der deswegen Dauer-Konjunktur hat, weil er in der Krise die große Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu vermitteln vermag. Einer besseren Zukunft in Reichweite! Denn mit Bitcoin ist der erste Schritt dahin ja schon gemacht.

Das große Aber

Doch kommt nun der Teil, den ich für den stärksten des Papers halte, weil er auf den Punkt bringt, was bisher niemand so ausgesprochen hat, obwohl es eigentlich naheliegend ist. Der Grund, warum uns „Blockchain“ nämlich bisher noch nicht gerettet hat und warum es auch noch dauern wird, falls es jemals dazu kommen sollte.

„Blockchain“ sei nämlich nicht einfach nur eine Technologie (weswegen man es auch nicht ohne Weiteres mit AI und anderen Technologie-Trends vergleichen könne) und ein Geschäftsmodell darauf aufzubauen sei nicht annähernd so einfach wie bspw. auf dem Kerngeschäft von Facebook („Facebook is fundamentally based on a labelled graph. The mathematical notion of graph is a first-year undergraduate topic: it is not hard.“), Google („The Google pagerank algorithm is, fundamentally, an advanced undergraduate project or perhaps early-stage PhD.“), Amazon („… is ‘just’ a database“) oder Microsoft („MS-Dos, Windows, and MS Word are fairly simple programs“).

Natürlich beruhe der Erfolg diese Unternehmen auf sehr viel mehr und solle nicht unterschätzt werden, aber all das käme ja auch noch hinzu, wenn man ein erfolgreiches Business mit dem Kerngeschäft „Blockchain“ aufbauen wollte. Denn „Blockchain“ ist nicht einfach „nur“ eine Software oder neue Technologie. Angesichts des Aufwands, dem Anspruch und der Komplexität sei es vielmehr eine Raketenwissenschaft.

Blockchain in its infancy is more like Airbus than Amazon. To start a revenue stream based on DLT requires expertise, research, and special management which simply has not yet been assembled in the sector. Consider that a company wishing to generate a revenue stream from a cryptocurrency product must commit to solving mathematical problems that are:
– fundamentally hard,
– in a safety-critical context,
– for consumer use.“

Oder einfacher gesagt: Die große „Blockchain“-Revolution wird eher nicht in einer Garage stattfinden. Denn:

Part of the difficulty is that this requires specialised programmers and mathematicians to invent and implement a new body of mathematics, but also, it requires processes and qualified managers who do not exist yet because the field has not matured; potential regulatory changes to provide a legal framework into which users can escape if and when things go wrong (because they always do); and a programme of public education to educate a population who (as a general body) may still be storing their PaS5w0rds on post-it notes stuck to the monitor.“

Wie könnte eine „Blockchain“-Zukunft aussehen?

Ob die erhoffte „Blockchain“-Lösung jemals kommen wird, sei angesichts dieser Voraussetzungen jedoch ungewiss. Auch die Autoren geben nur eine eher vorsichtige Prognose ab:

„Based on the analysis above, we would like to offer a prediction, just for the sake of argument.
The killer apps and real impact of blockchain will not appear first as front-end consumer applications. They will appear in backend applications, developed by large institutions (banks, or logistics companies, or large tech companies) for internal use or for use with their institutional peers. These will be organisations with deep pockets and long experience of managing extreme complexity, who can afford to engage (and if necessary to create) a small army of highly-specialised programmers, lawyers, computer scientists, and mathematicians to develop a product that requires a PhD just to switch it on safely.“

Mit dieser Vorhersage, wagen sich die Autoren insofern nicht auf sonderlich dünnes Eis, weil es letztlich gar keine ist. Sie beschreiben viel eher die Ereignisse der Gegenwart, in der Unternehmen wie IBM, Antchain, multinationale Bankenkonsortien und viele mehr ja schon seit Jahren nach „Blockchain“-Lösungen suchen. Bisher jedoch ohne bahnbrechenden Erfolg. Die große Frage ist daher eher: Werden sie es jemals?

Diese Frage bleibt vorerst zwar offen. Aber wer Karl Marx and the Blockchain gelesen hat – ein Paper voll kluger Gedanken, pointierten Formulierungen und grandiosen Fußnoten – wird anders über sie und das Thema „Blockchain“ im Allgemeinen denken als zuvor. Dessen bin ich mir sicher.

Deutscher Krimikurzfilm „Schloss Bitcoin“

Nach dem Film ist bekanntlich vor dem Film und wer Netflix, Amazon Prime und Disney+ schon durchgeschaut hat, der braucht in diesen Zeiten natürlich frisches Material.

Wie gut, dass mir Michael daher den Link zu diesem weiteren Bitcoinfilm geschickt hat. „Schloss Bitcoin“ sollte in diesem Sommer auf einigen Kurzfilmfestivals laufen, doch daraus wird ja erst einmal nichts. Nun ist er dafür aber schon im Netz zu sehen. Gut für uns.

Wer also eine halbe Stunde Zeit zu füllen hat und sich für Bitcoin interessiert, wird an diesem Film seine Freude haben. Zwar ist der Ton an manchen Stellen etwas sprunghaft und es hätte wohl auch nicht geschadet, den Film insgesamt etwas zu straffen.

Dafür finden sich darin aber jede Menge überzeichnete Stereotype, verborgene Anspielungen und Insiderwitze. „Schloss Bitcoin“ ist daher nicht nur für Freunde der good old 5$-Wrench-Attack ein Spaß. Für die aber wohl am meisten.

Famoser Bitcoin-Kurzfilm „Hodl“

Hodl ist ein ganz großartiger Kurzfilm über einen jungen Mann, der von seinem Onkel nebst einer Angel und einem ausgestopften Hirschkopf unerwarteterweise „some kind of new digital currency or something“ vermacht bekommt. Gekauft 2010. Für 100 Dollar. Aber seht selbst …

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Der Bitcoin Standard – „Wir wollen, dass die Message rüberkommt“

The Bitcoin Standard von Saifedean Ammous ist eines der prominentesten und polarisierendsten Bücher, die bisher über Bitcoin erschienen sind. Vor allem wegen der Erklärung des Stock-to-Flow-Modells und der Beschreibung von Bitcoin als extrem hartes Geld hat The Bitcoin Standard in Teilen der Community längst Kultstatus erreicht. Kritiker stören sich hingegen an der vertretenen Extremposition und einer mitunter konstruierten Argumentation.

Wenn sich kein Verlag findet, muss man ihn eben selber gründen

Wer sich selbst ein Bild machen wollte, musste das Buch bislang in der englischsprachigen Originalversion lesen. Ein deutscher Verlag fand sich nicht. Fabio und Stefan, zwei Bitcoiner aus der deutschen Community, wollten das nicht hinnehmen. Sie haben kurzerhand selbst einen Verlag gegründet, um The Bitcoin Standard endlich auch auf Deutsch verfügbar zu machen.

Seit ein paar Wochen ist Der Bitcoin Standard nun auf dem Markt und ich habe die Gelegenheit genutzt, Fabio zu ihrem Verlags-Projekt und ihrer Motivation zu befragen.

Der Bitcoin Standard von Saifedean Ammous. 432 Seiten kosten 24 Euro.
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Herausragender BBC-Podcast über Onecoin

Ich wusste, dass es irgendwann passiert und war mir (leider) auch sicher, dass es kein großes deutsches Medium sein würde, dass den Mut dazu aufbringt, diese Geschichte zu recherchieren. Aber nun ist es endlich soweit. In der herausragenden Podcast-Serie The Missing Cryptoqueen erzählt Jamie Bartlett für die BBC die unglaubliche Geschichte rund um Onecoin und verschafft dem Thema damit die Aufmerksamkeit, die es eigentlich schon seit Jahren so dringend braucht.

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Bitcoingeld – Bitcoin für Kinder erklärt

Neulich habe ich über das Bitcoin-Kinderbuch für Erwachsene geschrieben und dass Bitcoin generell etwas ist, für das sich die Jüngeren mehr interessieren als die Älteren, Ist Hier Im Blog ja Immer Wieder Thema.

Bitcoin Money – Das Kinderbuch

Kein Wunder also, dass ich sofort zugeschlagen habe, als ich gesehen habe, dass Michael Caras, der Bitcoin-Rabbi (dessen Name sich im Gegensatz zum einstigen „Bitcoin Jesus“ tatsächlich aus seiner Berufung als Rabbi ableitet), ein Bitcoin-Kinderbuch geschrieben hat: Bitcoin Money. A Tale of Bitville Discovering Good Money (Ist mittlerweile auch auf Deutsch zu haben: Bitcoingeld: Eine Geschichte über die Entdeckung von gutem Geld in Bitdorf)

Bitcoin Money: Schöne, kindgerechte und liebevoll illustrierte Geschichte
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Blockchain & Kultur – Neue Podcast-Serie im DLF

Der Deutschlandfunk hat dieser Tage unter dem Titel Blockchain Stories eine achtteilige Radio- und Podcast-Serie online gestellt. Das Besondere dabei: Alle Beiträge sind von der Kultursendung Corso verantwortet, was dem Thema einen erfrischenden Blickwinkel verleiht.

„Blockchain“ aus der Kulturperspektive

So geht es neben einem obligatorischem Blockchain-Grundlagen-Beitrag und einem über Bitcoin als Geld der Zukunft (das Stück habe ich gemacht) auch noch einmal konkret um die Aspekte Klima, Patente, Musik, Gaming und Politik.

Wobei insbesondere über letztere Folge noch zu reden sein wird. Der interviewte Medienwissenschaftler David Golumbia vertritt nämlich ein paar sehr kontroverse und irritierende (Verschwörungs-)Theorien. Aber dazu dann mehr in der nächsten Honigdachs-Podcast-Folge.

Solide, aber nicht ganz auf der Höhe der Zeit

Insgesamt sind alle Beiträge solide und ich finde es gut, dass sich die Redaktion für das Thema „Blockchain“ ein paar neue Blickwinkel hat einfallen lassen. Warum nicht mal eine Ethereum-Mine anstelle einer Bitcoin-Mine besuchen und über Gaming und die Blockchain wurde bisher ja auch noch nirgends so prominent gesprochen.

Dennoch gibt es auch Kritik. Einige Beiträge wirken nämlich nicht ganz aktuell. So ist ja nicht erst seit gestern klar, dass es grundsätzlich keine gute Idee ist, komplexe digitale Spiele dezentral auf einer Blockchain laufen zu lassen. (Weil es zum einen keine Blockchain gibt, die das technisch leisten könnte und es zum anderen auch keinen guten Grund gibt, Spiele nicht mehr, wie bisher, zentral zu verwalten.) Warum also noch so ausführlich darüber reden, wenn es doch eigentlich um die „Zukunft des Zocken“ gehen soll?

Das hätte man schneller abhaken und zum tatsächlich interessanteren Ausblick in die Zukunft kommen können. Diesen jedoch aus dem schon vor langer Zeit verblühten Hype um tokenisierte Collectibles wie Crypto Kitties abzuleiten, wirkt etwas aus der Zeit gefallen. Nach bald anderthalb Jahren ist dieses Thema in Krypto-Jahren schon fast als historisch zu betrachten. Ein daraus abgeleiteter Blick in die Zukunft entsprechend retro-futuristisch.

Ein Beitrag auf der Trend- und technischen Höhe der Zeit hätte sich dagegen auch mit den Möglichkeiten und Konsequenzen von Lightning-basierten Micro- und Nanopayments (alles kleiner 1 Cent) auf Gaming beschäftigt. Dieser Aspekt fehlt jedoch leider ganz.

Zwischen Krypto-Historie und Realitäts-Futurismus

Nichtsdestotrotz ist das aber Kritik auf hohem Niveau. Denn was für jemanden, der sich selbst bereits intensiv mit der Materie auseinandersetzt, bereits krypto-historisch ist, kann für den prototypischen Deutschlandfunk-Kulturmagazin-Hörer trotzdem futuristisch (genug) sein. Insofern überwiegt die Tatsache, dass Bitcoin und seine Auswirkungen überhaupt und immer mehr als gesellschaftsrelevantes Kulturthema wahrgenommen und diskutiert wird, die Kritik deutlich.

Zumal die einzelnen Stücke auch wirklich schön anzuhören sind. (Vom Golumbia-Interview mal abgesehen, das ohne den Kontext seines Buches wie das Dümmste wirkt, was jemals über Bitcoin gesagt wurde.)

Die acht Beiträge sind im Einzelnen:

#1 Blockchain für Dummies erklärt
Wohl kaum ein anderes Phänomen wird in der Netzkultur so stark diskutiert wie die Blockchain. Ein Heilsbringer soll sie sein, der die Macht hat, das Internet zu verändern und viele Probleme der Zukunft zu lösen. Wie sie funktioniert, wissen aber nur die wenigsten. Ein Erklärungsversuch.

#2 Bitcoin = digitale Währung der Zukunft
Obwohl es Bitcoin schon seit zehn Jahren gibt, hat noch kaum jemand dieses digitale Bargeld so richtig verstanden. Trotzdem wächst das Phänomen beständig. Warum eigentlich?

#3 Besuch einer Ethereum-Mine
Bis vor Kurzem konnte man mit Kryptowährungen ziemlich schnell Millionär werden. Wertverlust hin oder her: Das digitale Geld wird immer noch in sogenannten Kryptominen geschürft. Das gilt auch für Ethereum, das mehr Einsatzmöglichkeiten bietet. Einblicke in eine Parallelwelt aus Strom und Kabeln.

#4 Die Politik der Bitcoin
Die Blockchain gilt als fortschrittliche Erfindung. Die Attraktivität dieser neuen Technologie bringt allerdings politische Gefahren mit sich. Sie sei effektiver in der Verbreitung von Ideologie als alles andere, sagte Medienwissenschaftler David Golumbia im Dlf.

#5 Digital und dreckig
Der Hype um den Bitcoin hat zu einem digitalen Goldrausch geführt. Aber das Schürfen der Kryptowährung verschlingt enorme Mengen Energie. Mittlerweile dürfte ein Teil der Klimaerwärmung aufs Konto des Bitcoin gehen. Eine umweltfreundliche Nutzung der Technologie scheint dennoch möglich.

#6 Revolution des Patentrechts?
Seit der Erfindung des Papiers werden wichtige Dokumente mit einem Stempel verifiziert. Heutzutage versehen Computer Dateien mit einem Zeitstempel. Die Blockchain könnte dieses Verfahren vereinfachen und sicherer machen – für Musiker und andere Kreative. Steht eine Revolution des Patentrechts bevor?

#7 Die Zukunft der Musik
Eine Revolution der Musikwelt steht bevor: Dank der Blockchain wird es Musikern durch innovative Geschäftsmodelle angeblich bald möglich sein, digitale Welten mit ihren eigenen Regeln zu erschaffen. Darin läge das Potential, sich neu zu erfinden, sagte Medienkünstler Mathew Dryhurst im Dlf.

#8 Computerspiele neu gedacht
Blockchain in Computerspielen – dort würde man die Technologie nicht vermuten. Diese Gamedesignerszene ist zwar überschaubar, will die digitale Spielewelt aber mit neuen Ideen bereichern: So könnten die Nutzer virtuelle Welten mit eigenen Entwürfen erweitern. Ein Blick in die Zukunft des Zockens.

Das Bitcoin-Kinderbuch für Erwachsene

Ich bin ja ein begeisterter Sammler von besonderen Bitcoin-Büchern. Daher habe ich auch keinen Moment gezögert, zuzuschlagen, als ich das erste Mal von B is for Bitcoin gehört habe.

Das Bitcoin-Buch für die Allerjüngsten …

Denn mit dem Was ist Was – Geld habe ich zwar schon ein Buch für die jüngere Zielgruppe in der Sammlung, das (auch) Bitcoin behandelt. Ein explizites Bitcoin-Buch für die Allerjüngsten habe ich so aber bisher noch nirgends gesehen.

„B is for bitcoin where it all begins. B is also for broadcasting blocks and blockchain. The stuff that makes it all work. It is also for byzantine generals trying to decide when to begin their attack.“

Nun muss man zwar einräumen, dass die grafische Gestaltung, die haptische Umsetzung und das Leseerlebnis die Zielgruppe der Ein- bis Dreijährigen perfekt trifft, das Buch inhaltlich aber natürlich deutlich anspruchsvoller ist.

Immerhin geht es um Verifizierung und Volatilität, Hashing und hodln, Inflation und Investments, Algorithmen und Adressen und was bei Bitcoin (Blockchain und byzantinischen Generälen) eben sonst noch so von A bis Z zusammenkommt.

„I isn’t for irresponsible ICO’s … It is for irreversible! A key property of bitcoin transactions. It is also for making investments in an inflation-proof instrument.“
… oder alle Junggebliebenen

Doch ist diese Diskrepanz weder schlimm, noch unerwartet. Denn schon auf der zugehörigen Website bestellt man schließlich „1 copy for yourself (I mean your child)“. Dass die wahre Zielgruppe hier also eine ganz andere ist, ist offensichtlich.

Aber auch die findet mit B is for Bitcoin ein wirklich ausgefallenes und hübsch gestaltete Buch mit liebenswerten Illustrationen und charmanten Bitcoin-Texten im Kinderbuch-Style. Ein Buch, das auf jeden Fall ein Hingucker ist, zum Durchblättern einlädt und ein prima Ausgangspunkt für ein Gespräch über Bitcoin sein kann.

„P is for proof of work, or stake, and peer-to-peer, and pools, privacy and payment – Q isn’t for much, but if you want to be silly it is for QR Codes, and if you want to be gravely serious it is for quantum computing, which will pose an interesting challenge to the fledgling ecosystem.“
Wer B is for Bitcoin kauft, tut zusätzlich Gutes

Doch nicht nur deshalb lohnt sich der Kauf, des mit 30 Dollar nicht ganz billigem Bitcoin-Kinderbuchs für Erwachsene. Denn mit dem Buch wird am Ende niemand reich. Die Gewinne sollen vielmehr frühkindlichen Bildungsprogrammen zugutekommen. Schöne Sache.

Außerdem ist es jetzt ohnehin zwar schon zu spät für die diesjährigen Weihnachtsgeschenke (sorry, das Buch kam nach Monaten des Wartens erst gestern an). Die nächsten Geburtstage, Jubiläen und Weihnachtsfeiertage kommen aber unweigerlich. Da kann man sich den künftigen Stress ersparen und vorausschauend auch gleich jetzt zuschlagen. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Bitcoin-Büchern, sind die Informationen in B is for Bitcoin glücklicherweise nahezu zeitlos.

Bitcoin – Eine (etwas zu sehr) verrückte Geschichte

Ich war in den vergangenen Wochen sehr mit meiner Arbeit an dem 10 Jahre Bitcoin-Feature für Deutschlandfunk Kultur und anderen Aufträgen beschäftigt. Daher habe ich zwar mitbekommen, dass Christoph Bergmann vom Bitcoinblog sein Buch über Bitcoin veröffentlicht hat, konnte mich aber noch nicht weiter damit befassen. 

Dessen ungeachtet habe ich großen Respekt vor dieser Leistung. Denn ein Buch zu schreiben ist an sich schon unglaublich aufwändig. Umso mehr jedoch, wenn man es anschließend, wie Christoph, auch noch im Eigenverlag herausbringt.

Da ich nun also selbst sehr eingebunden war, aber dennoch zeitnah eine Besprechung des Buches hier im Blog haben wollte, habe ich Bitcoin – die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes, zur Rezension an meinen geschätzten Honigdachs-Podcast-Kollegen Stefan weitergegeben, die hier nun folgt.

Christoph Bergmann: Bitcoin – Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes

Neulich fragte mich eine Freundin, ob ich ihr ein Buch über Bitcoin empfehlen kann. Am liebsten auf Deutsch. Mir fiel auf, dass mir nichts einfiel. 2018, fast zehn Jahre nach Satoshi, nach mindestens drei großen Medienblasen, haben wir noch immer kein gutes Buch, das Anfängern Bitcoin erklärt. Etwa eine Woche später erfuhr ich, dass Christoph Bergmann so ein Buch geschrieben hatte.

Nun sollte man dazu wissen, dass Christoph der Autor von bitcoinblog.de und auch auf Twitter sehr aktiv ist. Verfolgt man diese Medien, dann fällt auf, dass Christoph Bcash-Fan, Altcoin-Apologet und Craig-Wright-Verehrer ist, und dass er und ich deswegen regelmäßig auf Twitter aneinandergeraten.

So sehr ich also den Bedarf nach einem guten deutschen Bitcoin-Buch sehe, so skeptisch war ich, ob Christoph der richtige Autor dafür ist. Also habe ich es mir angesehen — und war erstmal sehr positiv überrascht!

Liebevoll gemacht, hochwertig, ansprechend

Es ist ein haptisch und optisch äußerst ansprechendes Hardcover-Buch, elegant gestaltet und geschrieben, mit gelungenen Illustrationen und interessanten Anekdoten. Es trifft meines Erachtens größtenteils den richtigen Ton, ist also zugänglich, ohne herablassend oder dumm zu wirken. Es ist gut lektoriert und enthält viele Quellen, sodass ich einiges Neues daraus gelernt habe. Vor allem aber liest es sich so flüssig und spannend, dass ich es gar nicht mehr weglegen wollte. Das Buch macht Spaß! Und es enthält auch fast alles, was man als Anfänger über Bitcoin wissen sollte.

Leider enthält es aber noch etwas mehr. Nämlich einige Fehler und Missverständnisse, vor allem aber eine sehr merkwürdige Gliederung:

1. Bitcoin

Das Eingangskapitel ist recht gelungen und beschreibt vor allem Grundkonzepte wie Kryptographie (finde ich nicht so erhellend, aber in Ordnung – man merkt, dass Christoph kein Informatiker ist, sondern Historiker), das „Scheitern der Cypherpunks am digitalen Bargeld“ – ein wichtiger und gut dargestellter Hintergrund, der in anderen Medien oft zu kurz kommt – ein paar Ausführungen zur Peer-to-Peer-Natur von Bitcoin, sowie natürlich Satoshi Nakamoto, mögliche Kandidaten, die hinter dem Pseudonym vermutet werden, und andere wichtige Figuren.

2. Das Geld des Internets

Hier geht es vor allem um wirtschaftliche Zusammenhänge, aber auch die dazu passenden technischen Details. Mir gefällt der Ansatz, etwa Mining im wirtschaftlichen Kontext einzuführen statt in einem möglicherweise anstrengend und mühsam zu lesenden technischen Kapitel.

3. Anarchie

Dieses Kapitel rund um Bitcoins politische Dimension finde ich von allen am gelungensten. Es ist zwar das kürzeste, aber das ist gut so. Es geht um Silk Road, die Philosophie der Cypherpunks, Technologie und Macht. Man merkt, dass Christoph sich in historischen und politischen Diskussionen wohlfühlt, und er schafft es auch, den Wert der anarchistischen und libertären Ideologien, die in Bitcoin stecken, herauszuarbeiten, ohne sie selbst unkritisch zu übernehmen.

4. Der Bitcoin-Bürgerkrieg

Ab hier wird es jedoch problematisch. Zunächst fällt die hervorgehobene Stellung dieses Kapitels über die Blocksize-Debatte auf, das im Rahmen der Gliederung „Bitcoin – Wirtschaft – Politik – Blocksize-Debatte“ inhaltlich mindestens eine Ebene zu weit oben angesetzt scheint.

Zumal es inhaltlich für ein Anfängerbuch thematisch sehr komplex, für das Grundverständnis von Bitcoin gleichzeitig aber kaum elementar ist. Man hätte diesen Teil also auch weglassen können. Vor allem weil es zum jetzigen Zeitpunkt schwierig ist, den noch laufenden Skalierungsprozess in einem Buch final zu bewerten. (Anm. d. Red.: Siehe Christophs aktuelle „Hash War“-Berichterstattung)  Doch man merkt, dass Christoph eben auch im Buch unbedingt darüber schreiben wollte.

Seine Befangenheit in der Debatte thematisiert er dabei zu Beginn selbst und sein Plan, damit trotzdem ausgewogen umzugehen, ist, die verschiedenen Standpunkte in der Debatte gleichwertig nebeneinander stehen zu lassen.

Anfangs gelingt ihm das auch gut. In vielen Zitaten und Umschreibungen erklärt er detailliert die Anfänge der Debatte um die Erhöhung des Datenlimits der Blockchain-Datenblöcke und ihm gelingt durchaus eine ausgewogene Darstellung. Später kippt diese Neutralität aber zunehmend. Immer wieder stellt er seine individuelle Wahrnehmung in Bezug auf Mehrheiten und Stimmungen als objektive Fakten dar und ergreift schließlich selbst Partei, ohne dass er diese Subjektivität für den Leser erkennbar einordnet.

Wenn die Neutralität verloren geht

Spätestens mit dem Abschnitt „Narrative und Verschwörungstheorien“ verliert der Text dann seine Ausgewogenheit, wenn Christoph die Inhalte des subjektiven Brandbriefes eines gekränkten Mike Hearn als historische Objektivität darstellt. Hier zeigt sich Christophs Vermischung von wissenschaftlich belegten Fakten, politischen Zielen und Meinungen (ein Punkt, über den wir schon oft auf Twitter gestritten haben), und seine Bereitschaft, seine Leser in seinem Sinne zu manipulieren und irrezuführen. Ein Beispiel:

„Unter den Anhängern von Core verfestigte sich in dieser Zeit ein Set von Narrativen: Aussagen die nicht falsch, aber auch nicht uneingeschränkt richtig sind, jedoch als unumstößliche Wahrheiten, als Dogmen, ausgegeben wurden.“.

Mit Begriffen wie „unumstößliche Wahrheiten“, „Dogmen“ und „ausgegeben wurde“ benutzt Christoph hier eine auf Obrigkeit und Gehorsam deutende emotional sehr aufgeladene Sprache. Auch die Herleitung dieses „Set von Narrativen“, das er in der Folge erklärt, ist schwierig, weil es argumentativ belegbare mit eher schwammig hergeleiteten Aussagen vermengt.

So stehen mathematische Fakten („SPV-Nodes und unbestätigte Transaktionen sind unsicher.“), historisch belegte Motive („Classic will die Core-Entwickler feuern.“) neben sehr zugespitzten Formulierungen mit dennoch faktisch richtigem Kern („Bitcoin kann nicht skalieren. Die Kapazität zu erhöhen wird unweigerlich die wichtigste Eigenschaft von Bitcoin – die Dezentralität – untergraben.“) und von Christoph überspitzt dargestellte Aussagen („Erst das Lightning-Netzwerk wird wahre Skalierbarkeit bringen“). Dazu noch Plattitüden („Man kann nicht jeden Kaffee der Welt mit Bitcoin bezahlen“), ökonomische Thesen („Es gibt einen unlimitierten Bedarf an kostenlosen Transaktionen“) und vieles mehr.

Eigentlich ist fast alles in diesem Set gut begründet, einiges davon sogar unerlässlich, um Bitcoin auf einer komplexeren Ebene zu verstehen („Kontroverse Hardforks sind kein Upgrade, sondern erschaffen einen Altcoin.“). Doch für Christoph sind sämtliche dieser Aussagen letztlich die erwähnten „Dogmen“ und „subjektiven Meinungen“, die er schließlich mit Verschwörungstheorien in einen Topf zu werfen beginnt: „Es wurde geradezu zu einer allgemeinen Überzeugung, dass Gavin Andresen eine Marionette der CIA war (…)“.

Anfangs stark, zum Ende hin leider schwächer

Ab diesem Punkt geht es spürbar bergab mit dem Buch. Alles was nun noch kommt, hat zwar einen historischen Kern, ist aber tief gefärbt von Christophs persönlicher Enttäuschung, dass sich die Ideen seiner präferierten Fraktion in der Skalierungsdebatte, der Big Blocker, nicht durchsetzen konnten.

Vielleicht fällt es ihm zu schwer, die zentrale Erkenntnis zu akzeptieren, die den Kern von Bitcoins technischem Aufbau, politischem Anspruch und historischer Bedeutung ausmacht: dass nicht böse Mächte und Verschwörungen den Status Quo von Bitcoin bestimmen, sondern dessen grundsätzliche Eigenschaft. Bitcoin ist schwer zu ändern! Und wenn man es dennoch ändern möchte, dann bedarf es einer Idee, die so gut vermittelbar ist, dass dafür nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern ein allgemeiner, eine Art totaler Konsens erreicht werden kann. Diesen Konsens hat jedoch von allen Ideen zur Vergrößerung der Blocksize-Grenzen bisher nur SegWit erreicht, das 2017 dann auch implementiert wurde.

Es ist insofern besonders schade, dass das Buch in diesem Punkt argumentativ so unbefriedigend endet, als dass zuvor die Gründe für ebendiese Unveränderlichkeit von Bitcoin und ihre grundsätzliche Bedeutung – all diese wichtigen Ideen und Konzepte – eigentlich bereits alle im Buch genannt werden. Nur gelingt es Christoph offensichtlich nicht, diese schlüssig mit seinem persönlichen, scheinbar festgefahrenen Standpunkt in Einklang zu bringen.

Punktabzug wegen falscher Fakten

Darüber hinaus enthält das Buch noch ein paar kleinere Fehler und Schwächen. So sind einige Ausführungen über Kryptographie eher verwirrend als hilfreich und es wird behauptet, Satoshi hätte das Whitepaper mit MS Word geschrieben, obwohl es, soweit ich weiß, keine Hinweise darauf gibt.

Vielmehr deutet alles auf OpenOffice hin. Überhaupt werden relativ oft erstaunliche Dinge behauptet, ohne diese hinreichend zu belegen. Das ist schade, denn ich habe viele interessante Fakten gelesen, die mir bis dato neu waren. Manchmal waren sie jedoch leider auch falsch, unvollständig oder zu einseitig:

  • Die Erklärung von FPGAs ist falsch: Ein Field Programmable Gate Array heißt eben so, weil es programmierbar ist, also für viele Zwecke einsetzbar, nicht nur für einen.
  • Mark Karpelès wird konsequent falsch geschrieben.
  • Die Darstellung des Kollapses von Mt.Gox ist unzureichend. So wird Roger Vers Rolle darin unterschlagen und es wird behauptet, dass die Opfer inzwischen entschädigt wurden. Das stimmt jedoch nicht.
  • Vitalik Buterin (und Ethereum) wird regelrecht vergöttert und völlig unkritisch dargestellt, obwohl er eine sehr umstrittene Persönlichkeit ist (und Ethereum ein sehr umstrittenes Projekt).
  • Genauso kritiklos geht Christoph mit ICOs um, bei denen eigentlich bekannt ist, dass es sich beim Großteil der Projekte um Betrug handelt. Ich persönlich würde sogar behaupten, bei allen, da die Struktur von ICOs eigentlich zwangsläufig zu Betrug führt. Doch gibt es auch für diese Aussage noch zu wenig Daten.
  • Blacklists werden noch immer als gute Idee diskutiert, obwohl sie in der Community seit 2012 verpönt sind. Dass die Propagierung solcher Ideen der Anfang vom Ende von Mike Hearns Bitcoin-Engagement war, bleibt auch unerwähnt.
Fazit

Nach der Lektüre von Bitcoin. Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes bleibt der Eindruck einer verpassten Chance. Insgesamt ist es zwar ein gutes Buch, und an vielen Stellen in den ersten drei Kapiteln ist es sogar sehr gut.

Aber gerade das vierte Kapitel beinhaltet zu viel. Zu viel Kontroverse, zu viel Agitation und auch zu viele Fehler. Doch fällt das ins Gewicht und würde ich die Lektüre einem Bitcoin-Einsteiger dennoch empfehlen? Wahrscheinlich schon, aber nur, nachdem er/sie zuvor eine kritische Rezension wie diese gelesen hat.

Dennoch – es ist dem Buch zu wünschen, dass Christoph die erste Auflage verkauft bekommt und dann eine überarbeitete zweite Auflage herausgeben kann. Kürzer, mit weniger Ego, mit weniger Fehlern, aber immer noch genauso schön, elegant, und gut lesbar. Dann hätten wir endlich alle ein deutsches Bitcoin-Buch, das man dann uneingeschränkt jedem empfehlen kann.

Selber lesen macht schlau

Christoph Bergmann: Bitcoin – die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes ist bei Moby erschienen und die 416 Seiten kosten 20,90 Euro. Am besten kauft man das Buch direkt beim Verlag. So bleibt am meisten beim Autor hängen und bezahlen kann man dort nämlich auch mit Bitcoin (und sogar mit Lightning).