Archiv der Kategorie: Bitcoin Deutschland

#BTCM – Das Bitcoin- & Krypto-„Klassentreffen“ in Essen

Ich war am Samstag in Essen auf dem (der?) #BTCM2018, einer ganz eigenen Mischung aus Crypto-Konferenz und internationalem Meetup, die es sonst wohl nirgendwo anders gibt.

Denn die bunte und sehr interessante Durchmischung der Teilnehmer und Speaker zusammen mit der unaufgeregten Einfach-Machen– und Get-Lost/Get Found-Atmosphäre der Location, dem Unperfekthaus, sorgen für einen Charme, bei dem man sich ganz schnell wohl fühlt und mit Leuten ins Gespräch kommt, die man wohl nirgendwo anders direkt beieinander treffen würde: Miner, Gründer, Aktivisten, Neulinge, Cypherpunks, Anwälte, Blogger – aus allen Ecken war jemand da und alle haben sich – teils hitzig, aber immer auf Augenhöhe –  miteinander ausgetauscht.

Was die (das?) #BTCM2018 nun schon zum zweiten Mal zu so etwas wie dem inoffiziellen Klassentreffen der lokalen, aebr eben auch internationalen Bitcoin- und Krypto-Szene macht. Neben dem HCPP, den Breaking Bitcoin bzw. Building on Bitcoin-Konferenzen und der Baltic Honeybadger ist die (das?) #BTCM2018 damit wohl eines der nahbarsten und authentischsten Bitcoin-Events.

Wenngleich Bitcoin-Maximalisten im Programm wohl eine etwas zu hohe „Blockchain“ und ICO/Tokensale-Ankündigungs-Quote monieren würden.

Doch ist das Programm, wie so oft, letztlich auch hier nur der offizielle Anlass, sich zu treffen. Das, was am Ende in Erinnerung bleibt, passiert ohnehin abseits der Bühne. Bekannte Gesichter (wieder-)treffen), Raum für ungezwungene Off-Topic-Diskussionen, ein Gefühl für Stimmungen, Tendenzen und Meinungen kriegen und sich selbst für neue Projekte, Artikel und Formate inspirieren lassen.

Mir bleibt jedenfalls, auch wenn ich leider nur kurz da sein konnte, vieles in sehr guter Erinnerung.  Und sollte die (das?) #BTCM auch 2019 noch einmal stattfinden, komme ich gerne wieder.

Dann aber definitiv ohne die „Unterstützung“ der Deutschen Bahn.

Der andauernde Kampf um die „Bitcoin“-Marke

Vor ein paar Tagen schrieb mir Markus mit dem Hinweis, dass „Bitcoin“ und „Ethereum“ beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) gerade als Marke angemeldet würden und dass sich hier doch möglicherweise wieder einmal ein Abmahn-Troll in Stellung zu bringen versucht.

Ich fand den Hinweis interessant und habe deshalb mal ein bisschen recherchiert und Kontakt mit dem DPMA aufgenommen, denn es ist ja nicht das erste Mal, dass „Bitcoin“ als Marke geschützt werden soll und teilweise ist es tatsächlich auch schon registriert. Andere Versuche wurden jedoch auch schon abgelehnt. Hier also mal ein Überblick über den aktuellen Stand.

bitcoin dpma alles
Das DPMA listet 35 Einträge zum Stichwort „Bitcoin“ (Stand: 6.3.2018)
Viele Versuche, wenig Erfolg

Insgesamt finden sich zum Stichwort „Bitcoin“ bisher 35 Einträge beim DPMA. Bei den meisten davon ist „Bitcoin“ nur ein Teil der Marke, bspw. „Winklevoss Bitcoin Trust“ das tatsächlich als Marke eingetragen ist. Auch, weil es hinreichend spezifisch und unterscheidbar ist. Andere Kombinationen wie „Bitcoin Investor“, „Bitcoin Report“, „Bitcoin Mag“, „Bitcoin Magazin“, „Start Bitcoin“ und auch das ikonische „Bitcoin accepted here“-Zeichen wurden hingegen nicht eingetragen. Bei wenigen weiteren (bspw. „Bitcoin Pension“) steht die Entscheidung noch aus.

bitcoin_accepted_here
Vom DPMA als Marke abgelehnt: Das bekannte „bitcoin accepted here“-Zeichen
Auf die Klasse kommt es an

Noch interessanter ist jedoch, dass es im Archiv schon acht Einträge zu „Bitcoin“ alleine gibt, aber dennoch nicht alle gleich bewertet wurden. Bei einigen Anträgen wurde der Markenschutz eingetragen, bei anderen nicht. Das liegt auch an den verschiedenen Klassen, in denen man die Marke schützen lassen will. Denn man muss bei der Anmeldung genauer spezifizieren, für welchen Waren oder Dienstleistungsbereich man den Begriff eigentlich schützen lassen will. Je nach Klasse wird dann entschieden, ob das möglich ist oder nicht.

Der älteste Eintrag stammt dabei von bitFlyer Inc, ein japanisches Unternehmen, das sich selbst als weltgrößte Bitcoin-Börse beschreibt und gerade dabei ist, auch nach Europa zu expandieren. Schon 2011 hat das Unternehmen den Schutz für die Klasse 9 (u.a. „Mechaniken für geldbetätigte Apparate; Registrierkassen, Rechenmaschinen, Hardware für die Datenverarbeitung, Computer; Computersoftware“) Klasse 35 (u.a. Werbung; Geschäftsführung; Unternehmensverwaltung; Büroarbeiten), Klasse 38 („Telekommunikation“) und Klasse 42 („Wissenschaftliche und technologische Dienstleistungen sowie
Forschungsarbeiten und diesbezügliche Designerdienstleistungen; industrielle Analyse- und Forschungsdienstleistungen; Entwurf und Entwicklung von Computerhard- und -software“) beantragt und auch genehmigt bekommen.

bitcoin dpma allein
Insgesamt acht Beiträge gibt es beim DPMA zu „Bitcoin“ (Stand 6.3.2018)

Diese nicht unerheblichen Bereiche sind damit seitdem tatsächlich geschützt und zwar nicht nur in Deutschland, sondern europaweit, denn das DPMA listet natürlich auch Einträge des Amts der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO), die entsprechend auch hier gelten.

Auch die globalen „Bitcoin“-Rechte liegen in Japan

Darüber hinaus hat sich bitFlyer Inc mittlerweile die genannten Klassen auch noch weltweit sichern lassen und dabei zusätzlich auch den Schutz der Klasse 36 („Versicherungswesen; Finanzwesen; Geldgeschäfte; Immobilienwesen“) und Klasse 45 („Juristische Dienstleistungen; Sicherheitsdienste zum physischen Schutz von
Sachgütern oder Personen; von Dritten erbrachte persönliche und soziale
Dienstleistungen betreffend individuelle Bedürfnisse“) erwirkt.

Das macht die Japaner nicht nur zum globalen Hegemonen der „Bitcoin“-Markenrechte, sondern ist in einem Punkt auch besonders bemerkenswert. Während das EUIPO nämlich einem anderen Antragsteller 2013 die Klasse 36 für „Bitcoin“ verweigert hat, hat das übergeordnete internationale Pendant, die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO), dieselbe Klasse zwei Jahre später für bitFlyer Inc genehmigt. Ein offensichtlicher Widerspruch, der aber noch niemandem aufgefallen zu sein scheint, bzw. an dem sich bisher keiner ausreichend stört.

Vermutlich auch, weil es bislang nicht zum Streit kam. Ich habe jedenfalls bislang noch keine Meldungen gefunden, dass bitFlyer Inc, die erworbenen Markenrechte in irgendeiner Weise aktiv im Kampf gegen Dritte durchsetzt.

Schutz oder Missbrauch der Rechte?

Ob sich das im Rahmen der laufenden globalen Expansion womöglich ändert, ist ungewiss. Zwei Optionen sind hierbei möglich: Die pessimistische ist, dass bitFlyer Inc die Rechte bislang nur noch nicht einsetzt, sich die Option aber durchaus offen hält. Die optimistischere ist, dass sie die Marke geschützt haben, damit das niemand anderes machen kann, auch und gerade keine professionellen Abmahn-Trolle.

Bis sie das Gegenteil beweisen, deutet bislang alles darauf hin, dass letzteres der Fall ist. Zumal ja auch eingetragene Marken nicht unangreifbar sind. Es ist nämlich durchaus möglich, Löschanträge zu stellen, sofern man diese gut begründen kann und bereit ist, die Kosten für das Löschverfahren zu tragen. BitFlyer Inc’s Markenschutz ist selbst also nicht unangreifbar.

Eine Löschung wurde offensichtlich auch bei einem weiteren „Bitcoin“-Eintrag schon vorgenommen. Für Klasse 40 („Materialbearbeitung“), Klasse 14 („Edelmetalle und deren Legierungen; Juwelierwaren, Schmuckwaren, Edelsteine und Halbedelsteine; Uhren und Zeitmessinstrumente“) und Klasse 25 („Bekleidungsstücke, Schuhwaren, Kopfbedeckungen“) wurde die Marke „Bitcoin“ beim DPMA wieder gelöscht.

Was machen die anderen „Bitcoin“-Einträge

Was die restlichen vier „Bitcoin“-Anmeldungen angeht, so sind diese alle noch ganz frisch aus dem Dezember 2017. Sämtliche Anmeldungen (teilweise auch doppelt für die Klassen 3, 14, 18, 25, 28, 29, 30, 32, 33) laufen noch. Die Entscheidungen über die Eintragung steht also noch aus.

Die Vermutung, dass hier jedoch vor allem der enorm gestiegene Kurs das Interesse an möglichen Markenrechten beflügelt hat, liegt nahe. Da bis zur Eintragung der Marke jedoch immer auch noch eine Widerspruchsfrist läuft und einige der beantragten Klassen bereits schon einmal abgelehnt wurden, sollten diese Versuche der Community zunächst keine Sorgen bereiten. Zumal auch hier der begründete Löschantrag immer als letzte Option zur Verfügung steht.

Und wie steht es nun um „Ethereum“?

Bei „Ethereum“ ist die Lage indes (noch) nicht ganz so verworren. Mit einem der vier bestehenden Einträge beim DPMA hat sich die Ethereum Stiftung europaweit die Rechte für die Klassen 35, 38, und 42 gesichert.

ethereum dpma
Nur vier Beiträge gibt es beim DPMA bisher zu „Ethereum“ (Stand: 6.3.2018)

Die strittige Klasse 36 wurde in einem weiteren Fall vom DPMA ebenfalls abgelehnt und seit Dezember bzw. Januar versucht Christel Faul offensichtlich nicht nur für „Bitcoin“, sondern auch für „Ethereum“ zahlreiche Klassen zu registrieren. Mal schauen, ob ihr das gelingt.

Mehr solche Artikel auf The Coinspondent?

Falls ihr ebenfalls auf ein interessantes Thema von breiterem Interesse stoßt und möchtet, dass ich mich darum kümmere, schreibt mir gerne eine Mail.

Alle anderen können mit einer gelegentlichen Spende die Arbeit an solch einer Recherche überhaupt erst ermöglichen.

Bitcoin aus Verbrauchersicht aktuell eingeordnet

Julian Gräfe von der ARD-Sendung plusminus hat diesen, wie ich finde, durchaus gelungenen Beitrag zu Bitcoin produziert, der vergangene Woche im Fernsehen lief.

Interessante Protagonisten (Es gibt nicht viele, die ihren Bitcoin-Reichtum so offen nach außen tragen. Aus Gründen), kritische Einschätzungen, die obligatorische Umfrage, der ebenso obligatorische Praxistest und ein sehr sachliches Fazit – mehr kann man dem durchschnittlichen ARD-Zuschauer in acht Minuten nicht zumuten.

Sehenswert ist der Beitrag aber vor allem auch, weil er zeigt, wie Bitcoin aktuell außerhalb der Crypto-Filterbubble wahrgenommen wird. Etwas, das man als Teil der Bubble im Blick behalten sollte.

Licht und Schatten des Bitcoin-Journalismus

Eigentlich bin ich ja der Meinung, dass sich das journalistische Niveau in Bezug auf die Berichterstattung rund um Bitcoin in den letzten Jahren merklich verbessert hat: mehr technisches Verständnis, ausführlichere Recherchen, differenziertere Schlussfolgerungen. Eigentlich.

Doch es gibt trotzdem immer wieder Ausreißer, die den Durchschnitt mit aller Macht in die Tiefe ziehen wollen. Wie zum Beispiel dieser Beitrag Bitcoin ist pure Energie – und deshalb umweltschädlich von Jörg Schieb, einem „Internetexperten“ und „Netzkenner“ (laut Selbstbeschreibung), der für den WDR arbeitet und es tatsächlich schafft, mir mit diesem Artikel die Grenzen meiner kognitiven Schmerztoleranz aufzuzeigen.

Ganz viel Schatten beim WDR

Denn es tut wirklich weh, zu lesen, wie dort noch im Jahr 2018 falsche Tatsachen (nein, Grafikkarten sind nicht wegen Bitcoin-Mining ausverkauft), absurde Behauptungen (nein, Bitcoins sind nicht Energie) und wilde Thesen auf Stammtischniveau (doch, Bitcoins haben einen anderen Zweck als die Gier zu befriedigen) zusammengewürfelt werden, um das scheinbar starre Weltbild des Autors zu bestätigen.

Leider drängt sich dadurch jedoch der Eindruck auf, dieser vermeintliche „Internetexperte“ und „Netzkenner“ hat die letzten zehn Jahre in Bezug auf das Thema Bitcoin geistig in einer Höhle verbracht. Was ja durchaus okay wäre, denn jeder darf machen, was er will und niemand muss sich mit Bitcoin auseinandersetzen. Nur darf man dann eben nicht versuchen, einen Beitrag darüber zu schreiben, der diese Kompetenzlücke so deutlich offenbart. Oder man sollte zumindest in der Lage sein, eine ganz einfache Basis-Recherche per Suchmaschine (aka „googlen“) durchzuführen.

Wer googlen kann ist klar im Vorteil

Dann findet man nämlich zum Beispiel diesen Beitrag bei Deutschlandfunk Kultur: Diskussion um Bitcoin – Digitalwährung als Klimakiller oder diesen bei Zeit Online: Bitcoin. Der verkannte Stromfresser oder diesen bei CoinCenter: Five myths about Bitcoin’s energy use, einer namhaften und renommierten Non-Profit-NGO mit Bildungs- und Aufklärungsanspruch.

Was mich aber ebenso besorgt wie der Beitrag selbst, ist, dass solch ein Unsinn im Jahr 2018 beim WDR offensichtlich problemlos alle redaktionellen Instanzen durchläuft und unredigiert(?) online geht. Gestern war halt Karneval, ne? Da kann man sich auch schon mal als „Internetexperte“ verkleiden. Dann muss das auch keiner mehr gegenlesen.

Wenn die Kommentare besser sind als der Artikel

Glücklicherweise bleibt der Beitrag jedoch nicht unkommentiert. Gleich mehrere Leser kritisieren den Beitrag und zeigen in ihren Kommentaren deutlich mehr Fachkompetenz und Recherche-Ambitionen als der Autor selbst.

wdr kommentare
Merkwürdige Einstellung des Autors. Wenn sich Fragen aufdrängen, sollte man diese als Journalist doch versuchen zu beantworten, oder?

Dieser hingegen zeigt sich nicht nur uneinsichtig, sondern spricht sich letztlich sogar selbst die journalistische Kompetenz ab.  Denn für ihn „… drängt sich die Frage auf, wozu das alles.“

Interessant. Denn warum ist er dann nicht auf der Suche nach einer Antwort auf eben diese durchaus berechtigte und interessante Frage? Genau das ist doch seine Aufgabe als Journalist. Insbesondere, wenn man der „Netzexperte“ im Haus ist. Fragen stellen kann jeder. Gute Antworten zu finden, ist die Herausforderung.

promolinks beim WDR
Krypto-Promo-Links beim WDR: Ist doch Karneval. Da muss man auch keine Kommentare moderieren. (Screenshot vom 14.02., 10:43 Uhr)

Doch dass es beim WDR mit der journalistischen Sorgfaltspflicht eben nicht so genau genommen wird, zeigt auch die allgemein fehlende Moderation der Kommentare. Dort scheint man jedenfalls problemlos Promo-Reflink-Köder zu irgendwelchen Mining-Angeboten auslegen zu können.

Wie ironisch das ist: Während man oben vollmundig die Energieverschwendung des Minings anprangert, erlaubt man unten in den Kommentaren dubiose Werbung für noch dubiosere Mining-Angebote.

Licht: Wie man guten Bitcoin-Journalismus macht

Glücklicherweise ist dieser WDR-Beitrag aber derzeit nur einer unter vielen Beiträgen, die sich mit dem Phänomen Bitcoin auseinandersetzen. Einen der besseren hat dabei wiederum Philip Banse kürzlich für Deutschlandfunk Kultur gemacht: Betrug mit Bitcoins.

Den empfehle ich nicht nur den Karnevalisten vom WDR sich mal gut anzuhören, sondern jedem. Denn der ist aktuell, relevant, gut recherchiert und ansprechend aufbereitet. Und das sage ich nicht nur, weil ich da auch kurz zu Wort komme.

Wer jedenfalls die Spannbreite der journalistischen Kompetenz beim Thema Bitcoin im Jahr 2018 erfahren will, sollte beide Beiträge nacheinander lesen bzw. hören. Das zeigt, wie weit Licht und Schatten in diesem Bereich auseinander liegen und dass es noch einiges an Aufklärungsarbeit gibt.

Bild: Hinode Observes 2011 Annular Solar Eclipse (CC BY 2.0)

Wenn Satire auf Bitcoin trifft …

… dann muss Bitcoin wohl ein gesamtgesellschaftliches Phänomen sein. Sieht jedenfalls auch Christian Ehring in Extra 3 vom vergangenen Donnerstag so.

Die Bitcoin-Recherche-Faulheit der Journalisten

Ich persönlich mag ja sehr den Seitenhieb auf die offensichtliche Recherche-Faulheit der Journalistenkollegen, die allesamt beim Thema Bitcoin einfältig in den selben Bücherladen trappeln, um dort dann ganz investigativ herauszufinden, ob und wer denn tatsächlich in Deutschland mit Bitcoin bezahlt.

Wie die folgende Karte zeigt, ist es aber halt auch wirklich schwer, sich für einen Laden entscheiden zu müssen. Da würde ich selbstverständlich auch lieber auf Nummer sicher gehen und mal dort anfragen, wo alle anderen vorher auch schon waren und ich weiß, was für Antworten ich kriege.

coinmap deutschland
Jeder Punkt steht für ein Geschäft, das Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptiert. (Quelle: coinmap.org, Stand 24.01.2018)

Bei 50 Cent hat der geistreiche Extra 3-Gag allerdings ein ziemlich schlechtes Timing erwischt. Denn wenn man diesem Bericht glauben mag, würde der sich wohl aktuell nicht in „0,0000483 Bitcoins“ umbenennen, sondern eher in „700 Bitcoins“ oder in „Goldmarie“ oder etwas Vergleichbares.

Satire weiß dafür, wie Geld entsteht

Die zugehörige Ach- und Krachgeschichte ist dafür aber noch ganz unterhaltsam geworden und bringt es kurz und knackig auf den Punkt: „Bitcoins kommen nicht aus’m Goldesel. Wie normales Geld. Bitcoins entstehen, wenn jemand superkomplizierte Bitcoin-Rechenaufgaben löst“. Stimmt!

Time to hodl (your street credibility)

Lange war sie (auch von mir) erwartet worden, nun ist sie also da: die große Krypto-Kurskorrektur. Alle Kryptowährungen sind derzeit tief und nachhaltig in den roten Zahlen und zeigen markante Verluste.

Bitcoin ist beispielsweise wieder unter die 10.000 US-Dollar-Marke gefallen, Ethereum hat in nur fünf Tagen weit mehr als ein Drittel an Wert verloren und der überraschende Kursgewinner 2017, Ripple, liegt aktuell sogar schon rund 70 Prozent unter seinem Allzeithoch von Anfang Januar.

Die Crypto-Community stimmt sich auf hodln ein

Ich will an dieser Stelle gar nicht so sehr nach Gründen suchen (es gibt nicht den einen)  oder spekulieren, wie der Kursverlauf der kommenden Tage, Wochen und Monate aussehen könnte. Da gibt es ohnehin schon genug Meinungen im Netz. Wobei jedoch schon auffällt, wie gelassen die Community wieder einmal reagiert (Bildung statt Panik) und sich auf ihre Lieblingsbeschäftigung, das Hodln einstimmt.

Ein Grund dafür ist in jedem Fall auch die Gewöhnung an solcherlei Events, die mittlerweile regelmäßig auftreten und bislang niemals das Ende von Bitcoin (und Co.) bedeuteten, sondern mittel- bis langfristig immer den Weg für den nächsten großen Kursanstieg bereiteten. Das sieht im übrigen auch manch ein Bank-Analyst so: Bitcoin headed to ($40.000 to) $100,000 in 2018, says analyst who predicted last year’s price rise

Hodl your street credibility, too!

Trotzdem ist es natürlich höchst interessant zu beobachten, wie andere Personen auf den Kurseinbruch reagieren. Denn seit Bitcoin in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, sind eben auch viele Menschen auf den Krypto-Zug aufgesprungen, die auf eine Situation wie diese möglicherweise nicht gut genug vorbereitet waren.

Einige, die in den letzten Tagen vor dem Crash mit besonders dicken Eiern über ihre Krypto-Investment-Strategie berichteten, waren die Deutschrapper Sido & Savas, die zusammen mit einigen ihrer Kollegen den Song „Hodln“ ins Netz stellten und dabei zugaben zwar„keine Ahnung von Kryptographie“ zu haben, aber „20k in Ripple zu kloppen“. (Kann man machen, darf man sich aber eben jetzt auch nicht wundern, wenn das nun nur noch 6k sind.)

Aber mal abgesehen von der Musik (ich persönlich steh weder auf Auto-Tune-Effekte noch auf Deutschrap) und der genretypisch etwas unreflektierten I don’t care-Herangehensweise, bin ich doch beeindruckt von Dichte der Fachtermini, die in dem Lied verwendet werden. Dafür auf jeden Fall Respekt, wenngleich man inhaltlich in vielen Fällen nicht schlimmer an Kryptowährungen herangehen könnte. Mir fehlt bspw. die Strophe, in der Sido, Savas & Co. erklären, wie sie all ihre märchenhaften Kryptogewinne korrekt versteuern. Durch das Teilen ihrer Expertise in diesem Bereich hätten sie mich und viele andere vermutlich als Fans gewinnen können.

Wie #Kryptofit sind die Deutschrapper in der Krise?

Noch viel interessanter finde ich jedoch die Frage, ob und inwieweit die Rapper aktuell tatsächlich auch dazu stehen, was sie in dem Song so selbstbewusst behaupten. „Hodln“ sie tatsächlich? Haben sie in Panik all ihre Shitcoins mit Verlust abgestoßen oder sind sie tatsächlich richtig konsequent, kaufen aktuell sämtliche Sinnlos- Token-Dips und stecken bspw. genau jetzt noch einmal 20k in Ripple?

Hierzu jetzt mal ein korrektes Statement wäre in der Tat ziemlich gut für die (crypto) street credibility. Denn um in einem Hyper-Bullenmarkt wie Ende 2017 die eigenen Gewinne zu feiern und „Mallorca kaufen zu wollen“, braucht man keine dicken Eier. In einer Kursrutsch-Situation wie aktuell, aber schon. Jetzt könnten Sido, Savas und Co. zeigen wie „Hashtag Kryptofit“ sie ihr Mentor Julian Hosp wirklich gemacht hat oder ob sie letztlich doch nur ein bisschen auf der FOMO-Welle mitgeschwommen sind.

Ungeachtet dessen ist obiger Song aber auch so ein weiteres Zeugnis dafür, dass Bitcoin längst im Mainstream angekommen ist, wie dieser Tweet aus dem April 2013 zeigt (an den sich Felix glücklicherweise erinnerte).

Und wem das nicht reicht oder wer, wie ich, weniger auf Deutschrap steht, findet mit teamHODL – Lamboland (2017)88N8 – Digital Gold (2017 – Danke für den Tipp, Wosch!), Gramatik – Satoshi Nakamoto (2016) und ytcracker – Bitcoin Baron (2013) drei durchaus hörbare englischsprachige Alternativen.

Bitcoin ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen

Bitcoin hat gerade Konjunktur, das ist kein Geheimnis. Doch ist der Kursanstieg nur einer von vielen Faktoren, an denen sich das ablesen lässt. Auch in den Top-Google-Anfragen 2017 in der Kategorie Global News liegt „Bitcoin“ mit Platz 2 auf einer Spitzenposition. Weltweit wohlgemerkt.

Bitcoin als Tagesthemen-Top-Thema

Da passt es ganz gut, dass sich nun auch hierzulande die großen Medien auf das Thema stürzen. Das ist insofern bemerkenswert, als dass es vor einem Jahr noch undenkbar gewesen wäre, dass die Tagesthemen, wie am Montag geschehen, Bitcoin als Top 1-Aufmacherthema bringen. Mit Einspieler, Börsen-Schalte und abgerundet durch einen durchaus positiv-optimistischen Kommentar (bis ca. Minute 7:15).

Die Macht des Geldes

Erstaunlich, so könnte man nun meinen, was Geld so alles bewirken kann. Denn wenn man ganz ehrlich ist – denselben Kommentar hätte man auch schon vor einem Jahr oder vor zwei Jahren oder vor drei Jahren bringen können. An der Idee und dem Potential von Bitcoin und der Blockchain hat sich schließlich seit dem nicht viel verändert. Das, was sich jedoch stark entwickelt hat, ist der Wert. Wenn man diese Tatsache provokant zuspitzen wöllte, könnte man nun also behaupten, dass es letztlich nur eine Frage des Geldes (bzw. Wertes) war, bis Bitcoin auf die Tagesthemen-Pole-Position kommt.

Allerdings wäre das zu einfach und würde der Situation auch nicht gerecht. Denn Bitcoin ist eben nicht nur im Preis gestiegen, sondern es ist offensichtlich, dass die Idee Bitcoin – beschleunigt durch den rasanten Preisanstieg – immer mehr die Gesellschaft durchdringt. Heute ist Bitcoin Thema auf der Straße, in Familien und an Stammtischen. Vor einem Jahr war das noch nicht so. Die Tagesthemen mussten Bitcoin daher als Thema setzen, denn die Idee Bitcoin (und dass sie tatsächlich vielleicht sogar funktionieren könnte!) ist aktuell eben eines der aufregendsten und kontroversesten Themen. Der rasante Preisanstieg und das damit verbundene Medieninteresse war letztlich nur ein Katalysator diesen Durchdringungsprozess zu beschleunigen, die Idee Bitcoin in die Mitte der Gesellschaft zu tragen und Menschen dazu zu bringen, sich damit auseinanderzusetzen.

Bitcoin als prominentes Thema im Kulturradio

Ein anderer Indikator dafür ist übrigens, dass heute eine fast einstündige Diskussion zu Bitcoin und der Blockchain auf SWR 2 lief, einem Kulturradio(!) (Kann man hier nachhören. Spoiler: Ich war einer der Gesprächspartner). Auch das wäre vor einem Jahr noch undenkbar gewesen, galt Bitcoin bis dato doch als nerdiges Tech- und weirdes Wirtschafts-Thema, aber doch keinesfalls tauglich für ein Kulturradio.

Doch gehört es meines Erachtens genau dorthin, denn Bitcoin ist eben nicht nur Technologie und Geld, sondern ein Phänomen, dass unsere Gesellschaft transformiert. Zumal ja auch Geld letztlich eine kulturelle Errungenschaft und das vielleicht prägendste Medium unserer Gesellschaft ist. Das eigentlich Paradoxe ist daher genau genommen, dass Geld als Kulturgut bislang viel zu selten als Thema (auch für Kulturwellen) betrachtet wurde.

Aber genau das ändert sich gerade und hier zeigt sich eine der wuchtigen Stärken von Bitcoin: Niemand muss welche besitzen, um sich nicht dennoch mit der Idee auseinanderzusetzen und zu beginnen, Geld und wie wir als Gesellschaft damit umgehen wollen, kritisch zu hinterfragen.

Dieser Prozess läuft nun und er wird bleiben, selbst wenn der durch Spekulationen ohne Frage überhitzte Bitcoin-Kurs sich wieder normalisiert hat. Denn eines steht bei Bitcoin ohne Frage fest: Die Idee ist mächtiger als der Wert.

Doku: Bitcoin – Blase oder Digitales Gold?

Das Y-Kollektiv hat eine ganz interessante Kurzdoku über Bitcoin online gestellt und wer wie ich die Woche nicht gern direkt mit Arbeit beginnt, findet hier eine sinnvolle Alternative.

Raus auf dem Eat-Work-Buy-Sleep-Repeat-Hamsterrad

Von der etwas ambivalenten niederländischen Aussteigerfamilie, die ihr Haus für Bitcoins versetzt hat, nun auf dem Campingplatz wohnt und auch gar nicht zurück will (andererseits aber offensichtlich auch nicht auf den Luxus einen riesigen Fernsehers verzichtet) bis zum kritischen Tech-Journalisten gibt es in der guten Viertelstunde eine abwechslungsreiche Reise durch Bitcoin, die Fragen beantwortet, aber auch neu aufwirft.

Für den Wochenstart eigentlich genau das Richtige.

Wodurch der Bitcoin-Preis entsteht – Heute in der ZEIT

Es ist soweit, der nächste größere Artikel von mir zum Thema Bitcoin ist heute in der Die Zeit erschienen: Bitcoin. Ein Hype aus dem Nichts.

Hype? Welcher Hype?

Und bevor sich jemand beschwert: Mit der Überschrift hatte ich nichts zu tun und finde sie auch äußerst unglücklich gewählt. Denn wenn man den Artikel liest, muss man sich doch fragen, welchen „Hype“ der Überschriften-Redakteur denn eigentlich meint?

Immerhin geht es in dem Artikel ja genau darum, zu zeigen, dass Bitcoin eben nicht nur heiße Luft ist, wie es der Begriff „Hype“ impliziert. Vielmehr gibt es einen echten Bedarf für Bitcoin und aus dem generiert sich ein nicht unerheblicher Teil des Wertes.

Aber wer sich Die Zeit kauft (und das sind bei einer verkauften Auflage von knapp 500.000 nicht wenige), liest in der Regel eh nicht nur die Überschriften. Insofern muss man deswegen auch kein großes Fass aufmachen. Ärgerlich ist es aber trotzdem.

Positiv: Der Artikel steht auch frei im Netz

Was mich hingegen sehr freut: Der Artikel ist einer von denen aus der aktuellen Print-Ausgabe , die gleichzeitig auch online publiziert wurden. Wer sich die grundsätzlich sehr gut investierten 5,10 Euro für die Zeitung nicht leisten kann oder will, der findet den Bitcoin-Artikel auch hier.

Ab heute: Bitcoin & das Darknet im Parlament

Vor einiger Zeit hatte ich kurz erwähnt, dass es hier auf dem Blog etwas ruhiger zugeht, weil ich gerade vermehrt im Auftrag anderer über Bitcoin schreibe. Nun ist es endlich soweit, dass die ersten Ergebnisse dieser Arbeit aus dem Druck kommen und allgemein zugänglich werden.

Wie zum Beispiel die aktuelle Ausgabe von Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), einer monothematischen Zeitschrift, von der die meisten von euch vermutlich noch nie etwas gehört haben (ginge mir vermutlich ähnlich, wenn ich nicht Politikwissenschaft studiert hätte). Diese Zeitschrift wird von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegeben und erscheint regelmäßig als Beilage der Wochenzeitung Das Parlament. (Na, wer kennt die?)

Aus Politik und Zeitgeschichte – Darknet (und Bitcoin)

Das aktuelle Heft widmet sich jedenfalls dem Oberthema Darknet und neben sechs anderen Autoren, die sich von je anderen Perspektiven diesem Thema nähern, wurde ich gefragt, ob ich einen Artikel zu meinem Spezialthema beisteuern könnte. Konnte ich. Ergebnis: Phänomen Bitcoin. Geld, Technologie und gesellschaftliches Ereignis.

Apuz Bitcoin Darknet 2
Klicken um direkt zum Heft zu gelangen.

Ich freue mich aus gleich zwei Gründen sehr, dass ich das machen durfte. Zum einen weil dieses Heft seinen Autoren im Vergleich zu den meisten anderen Druckmedien sehr viel Platz einräumt. Gerade im Fall eines so facettenreichen und vielschichtigen Phänomens wie Bitcoin ist das natürlich von Vorteil.

Eine Institution mit enormer Reichweite

Der zweite Punkt ist, dass man die Reichweite dieses Medium, auch wenn es viele (noch) nicht kennen, enorm ist. Mit einer Startauflage von 70.000 liegt Aus Politik und Zeitgeschichte bspw. gar nicht so weit weg vom Handelsblatt, dass im dritten Quartal 2017 etwas über 85.000 Exemplare (pro Tag) verkaufte.

Wobei die APuZ-Distribution jedoch eine gänzlich andere ist. Die Zeitschrift geht nämlich zusammen mit Das Parlament (die übrigens vom Bundestag herausgegeben wird) größtenteils kostenlos unters Volk, in Bildungseinrichtungen, an politische Institutionen und in deren Peripherie.

Das aktuelle Darknet/Bitcoin-Heft kommt dementsprechend  also nicht nur in die Zeitung Das Parlament, sondern zusammen mit dieser in großer Stückzahl auch tatsächlich in den Bundestag und alle damit verbundenen Institutionen. Und damit letztlich auch in die Hände sehr vieler Entscheidungsträger und -beeinflusser, die sich bisher womöglich noch nicht wirklich mit Bitcoin auseinandergesetzt haben, die im Jahr 2017 aber eigentlich gut darüber Bescheid wissen sollten.

Alle Inhalte kostenlos und unter Creative Commons Lizenz

Doch ist das politische Ökosystem nicht die einzige Zielgruppe. Denn gemäß des Auftrags der Bundeszentrale für politische Bildung sollen die Hefte eben nicht nur Fachpublikum erreichen, sondern jedem Bürger zugänglich sein. Deshalb sind alle APuZ-Texte nicht nur auch online abrufbar, sondern stehen auch unter einer Creative Commons Lizenz, sodass sie auch leicht weiter verbreitet werden können und dürfen. Darüber hinaus kann man sich sowohl diese aktuelle wie auch viele ältere Ausgaben kostenlos zuschicken lassen.

Wer also immer schon mal ein Beispiel für die sinnvolle Verwendung von Steuergeldern gesucht hat: Das hier ist eines und ich empfehle sehr, Gebrauch davon zu machen. Zumal auch die Artikel der anderen Autoren äußerst lesenswert sind.