Archiv der Kategorie: Bitcoin Deutschland

Ascribe – Blockchain am liebsten ohne Bitcoin

Am Samstag habe ich in der Deutschlandfunk-Sendung Computer und Kommunikation über mögliche Blockchain Anwendungen berichtet und dabei das Berliner Startup Ascribe vorgestellt, das, ganz nebenbei bemerkt, das bestfinanzierte deutsche Bitcoin/Blockchain-Startup ist.

Was aber viele nicht wissen, denn Ascribe hält sich ein bisschen raus aus der ganzen Bitcoin-ist-digitales-Geld-Nummer und arbeitet an einer ganz spezifischen nicht-monetären Blockchain-Nutzungs-Idee, die ihren Ursprung in der Kunst-Szene hat: Die Blockchain soll nämlich die Verwaltung von Urheber- und Nutzungsrechten von geistigem Eigentum in der digitalen Welt übernehmen.

Hier geht es zum Beitrag „Mit der Bitcoin-Blockchain digitale Rechte sichern“ und mit diesem Link kommt man direkt zur Audiodatei.

Ascribe & die Blockchain – Special-Extended-Version

Weil jedoch die Sendezeit im Radio knapp ist, konnte On Air nur eine vom Redakteur etwas ruppig auf 3:45 Minuten gekürzte Fassung des Beitrags laufen. Deshalb habe ich hier noch einmal die originalen fünf Minuten hochgeladen:

Was lange währt …

Kleine Notiz noch am Rande. Es hat mich acht Monate(!) Beharrlichkeit gekostet den verantwortlichen Deutschlandfunk-Redakteur zu überzeugen, dass es wichtig ist, über die Blockchain und ihr Potential zu berichten. Soviel zum Innovationsstandort Deutschland.

Wer diese, nicht unanstrengende und zeitaufwändige, Beharrlichkeit unterstützenswert findet – die Blockchain ist ja auch ein prima Abstimmungstool, über das man seine Zustimmung ausdrücken kann. Wer mag, kann dafür folgenden Button nutzen:

t3n-Magazin mit Bitcoin-Schwerpunkt

Kleiner Hinweis in eigener Sache: Unter dem Titel „Bargeld nervt“ hat das aktuelle t3n-Magazin einen Digitales Bezahlen-Schwerpunkt, der unter anderem auch Bitcoin umfasst. Ich weiß das, weil ich den Artikel „Wie Kryptonit fürs Kapital. Warum die Bitcoin-Ära gerade erst beginnt“ schreiben durfte, dessen Ziel es war den aktuellen Stand und das Zukunftspotential von Bitcoin verständlich (und auch für Einsteiger) zusammenzufassen.

Dass dabei jüngere Entwicklungen wie die Bitcoin XT-Debatte im Heft nicht auftauchen, liegt daran, dass Redaktionsschluss schon Mitte Juli war, ist aber nicht weiter schlimm. Denn die Themenvielfalt und die allesamt eher hintergründigen Artikel machen das Heft auch so lesenswert und relevant.

t3n bitcoin wie kryptonit fürs kapital artikel1
t3n-Magazin Nr. 41 u.a. mit Bitcoin-Schwerpunkt

Wer sich die 9,80 Euro für das gedruckte Heft nicht leisten kann oder will und ein bisschen Geduld hat – mit ein wenig Verzögerung werden alle Magazin-Artikel auch auf t3n.de veröffentlicht und sind dann dort frei zugänglich.

SatoshiPay – Bitcoin-Nanopayment aus Berlin

Von dem Berlin-based Startup SatoshiPay hatte ich in den vergangenen Monaten immer mal wieder was gehört. Zum Beispiel als das Unternehmen Ende letzten Jahres als eines von zwei Bitcoin-Startups im Förderprogramm von Axel Springer aufgenommen wurde.

Dennoch war es lange schwer herauszufinden, was SatoshiPay denn eigentlich genau plane. Es gab zwar eine Website, aber auf der war nicht viel zu lesen. Als das Team von SatoshiPay nun aber letzten Monat mit ihrer Idee einer Nano-Paywall den zweiten Platz beim Coinbase-Hackathon machte, war klar, dass es spannend wird und Zeit herauszufinden, was sich hinter dem Begriff Nanopayment verbirgt. Meinhard Benn, der Gründer von SatoshiPay, hat mir meine Fragen beantwortet.

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„Bitcoin sollte viel verbreiteter in Deutschland sein“

Mehr oder weniger zufällig war mir vor einiger Zeit aufgefallen, dass der Bitkom eine eigene Arbeitsgruppe zum Thema „Crypto Currencies“ hat. Das hat mich neugierig gemacht und als ich neulich auf dem Bitkom-Fachkongress zur bargeldlosen Gesellschaft war, habe ich die Gelegenheit genutzt mit Steffen von Blumröder zu sprechen, dem Leiter der Arbeitsgruppe SEPA, Instant Payments & Crypto Currencies.

Was genau ist deine Aufgabe beim Bitkom?

Ich bin als Bereichsleiter im Bitkom sozusagen die digitale Interessensvertretung für alle Unternehmen der Digitalwirtschaft im Umfeld Banking, Financial Services und FinTechs und meine Aufgabe ist es zu schauen, dass wir in diesem Bereich in Deutschland digitaler werden. Dazu gehört auch sich mit neuen Themen wie zum Beispiel Bitcoin und der Blockchain-Technologie progressiv auseinandersetzen. Deswegen spreche ich solche Themen bei der Politik an um zu vermitteln, was man von den Rahmenbedingungen her verbessern kann, damit es den jungen Unternehmen besser geht.

Seit gut einem Jahr leitest du eine Bitkom-Arbeitsgruppe, die sich explizit mit „Crypto Currencies“ auseinandersetzt. Wie ist es dazu gekommen?

Das hatte mit dem Ende der SEPA-Debatte zu tun. Vor rund anderthalb Jahren waren die Rahmenbedingungen soweit fertig gestellt, dass wir nicht mehr viel machen konnten. Also haben wir nach neuen Themen gesucht, um die wir uns kümmern sollten. Dabei haben wir uns Gedanken gemacht, wie der Zahlungsverkehr von heute und morgen aussieht. Aber auch wie der von übermorgen aussieht und welche Bedürfnisse daraus entstehen. Bezahlen ist ja kein Bedürfnis, sondern das Bedürfnis ist „Taxi fahren“, „Butter kaufen“, „ins Hotel gehen“. Dann muss man halt gucken, wie kann man sowas automatisieren, was gibt es für neue Technologien und da waren Cryptocurrencies einfach ein Thema.

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Steffen von Blumröder leitet im Bitkom die Arbeitsgruppe SEPA, Instant Payments & Crypto Currencies
Das klingt so, als wäre es nicht nur der Geldaspekt, der den Bitkom an Bitcoin interessiert?

Bitcoin ist eine Grundlagentechnologie, die viel verbreiteter sein sollte in Deutschland und mit der wir viel mehr machen sollten. Aber da bedarf es noch einiger Anstrengungen das voranzutreiben.

Bisher beschäftigt sich im Bitkom aber nur deine Arbeitsgruppe mit Bitcoin und die ist auf das Thema Geld spezialisiert. Wird die Blockchain-Technologie dadurch nicht zu sehr in die Geld-Ecke gedrängt? Immerhin ist nicht jeder Wert, der über eine Blockchain transportiert wird, automatisch ein Geld-Wert.

Wir versuchen natürlich unsere Ressourcen im Bitkom zu bündeln, daher bin ich bisher der erste Ansprechpartner für alles, was mit Bitcoin zu tun hat. Obwohl ich mich selbst gar nicht als Experte für Blockchain-Technologie bezeichnen würde, eher als Einäugiger unter den Blinden. Deswegen hole ich bei allen Themen rund um Bitcoin, egal ob es juristische Forschungsprojekte sind oder es um Dinge wie Smart Contracts geht, wenn möglich auch andere mit ins Boot. Grundsätzlich läuft aber erst einmal alles über meinen Tisch.

Gibt es denn viele Bitcoin- oder Blockchain-Unternehmen, die Mitglied im Bitkom sind?

Nein, noch nicht. Wir arbeiten gerade daran uns in diesem Ökosystem weiter zu vernetzen. So ein spezifisches Netzwerk muss man ja erst einmal aufbauen. Aber wir haben schon einige Mitglieder und hier und da Kontakte. Wir machen das ja nicht nur für uns, sondern wollen verschiedenen Start-ups und Unternehmen die Möglichkeit geben sich auch untereinander besser zu vernetzen. Das Ökosystem verändert sich und das versuchen wir aufzunehmen. Jetzt sind ja auch die ersten Banken Mitglied bei uns geworden. Das sind auch keine klassischen Bitkom-Mitglieder gewesen vor zwei, drei Jahren

Das klingt ein bisschen nach Konkurrenz zum Bundesverband Bitcoin.

Ich kenne natürlich den Bundesverband Bitcoin. Aber es ist natürlich immer etwas anderes, ob das von Leuten gemacht wird, die einen Beruf haben und so etwas nebenher machen. Ich bin hauptberuflich beim Bitkom in der Interessensvertretung und habe dadurch einfach auch mehr Ressourcen mich an den wichtigen Punkten einzubringen. Wir planen zum Beispiel ein Positionspapier zu schreiben, um gezielt über das Thema Bitcoin aufzuklären und das dann auch als Grundlage zu nehmen für die weitere politische Diskussion. Unser Ziel ist es die Blockchain/Bitcoin-Community zu vertreten und wir machen das gerne. Auch weil wir bereits einen sehr guten Draht zur Politik haben und da in die Diskussion direkt mit reingehen können.

Hinweis

Informationen zur Start-up-Mitgliedschaft im Bitkom gibt es hier.

Bitcoin, der BITKOM und die Black-Box-Banken

Es ist unstrittig, dass Banken in der Bitcoin-Community (und darüber hinaus) einen eher schlechten Ruf haben. Für manche sind sie geradezu das Feindbild Nummer eins und selbst die, die das nicht so drastisch sehen, stehen „den Banken“ in der Regel dennoch ablehnend und kritisch gegenüber. Die Rollen sind also klar verteilt. Wir, die guten Menschen, auf der einen Seite, die bösen Banken auf der anderen.

Die Banken als Black Box

Dass solch ein Schwarz-Weiß-Denken jedoch zu einfach ist, zeigte die vom BITKOM veranstaltete Fachkonferenz Digitalisierung des Finanzmarktes / Bargeldlose Gesellschaft Mitte Juni in Berlin. Auf diesem hochkarätig besetzten Klassentreffen der digitalen Geldwirtschaft wurde nämlich deutlich, dass „die Banken“ gar nicht das sind, als das sie in der Öffentlichkeit oftmals gelten: undurchsichtige Institutionen, die über der Gesellschaft schwebend eigenmächtig und vollkommen losgelöst nicht nachvollziehbare Entscheidungen treffen, die nur der eigenen Profitmaximierung dienen, sondern Menschen, die Entscheidungen treffen müssen um unter dem Druck der Politik, der Konkurrenz, der Kunden und der Digitalisierung Zukunftsperspektiven zu entwickeln.

Dass „die Banken“ dennoch diesen Negativstatus als intransparente Black Box haben, der sich, ganz nebenbei erwähnt, erstaunlich stark von der eigenen Selbstwahrnehmung  unterscheidet, ist ihre eigene Schuld. Zum Glück waren jedoch auch Bitcoin und die Blockchain-Technologie dieses Jahr ein Schwerpunktthema auf dem Fachkongress. Denn es rumort kräftig in der Bankenbranche und Bitcoin, so scheint es, ist das Werkzeug, dass die Black Box „Banken“ endlich aufbricht. Allerdings, auch das ist deutlich geworden, ist der Weg noch lang.

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Geld ohne Staat – eine Bitcoin-Utopie

Mit Aaron Koenigs Bitcoin. Geld ohne Staat (Amazon-Partnerlink) ist vor Kurzem das zweite deutsche Buch zum Thema Bitcoin erschienen. Im Gegensatz zu Jörg Platzer, der in Bitcoin kurz & gut. Banking ohne Banken die Grundlagen und Entstehungsgeschichte von Bitcoin vor allem aus einer technischen Perspektive darstellt, geht Koenig das Thema in seinem Buch von einem wirtschaftspolitischen Standpunkt an, der österreichischen Schule der Ökonomie.

Das verspricht eine spannende Auseinandersetzung, steht diese Theorie doch ebenso wie Bitcoin mitunter im direkten Widerspruch zu den Grundlagen der bestehenden globalen Finanzwirtschaft. Doch trotz einiger erzählerisch cleverer Kniffe, kann Koenig diese Erwartungen in Bitcoin. Geld ohne Staat nicht erfüllen. Denn das Buch ist unterhaltsam und kurzweilig. Gerade dadurch bedient es jedoch eines der Haupt-Klischees, dem wirtschaftstheoretisch argumentierenden Bitcoin-Anhängern immer wieder begegnen. An den kritischen Stellen bleibt es zu einfach.

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Vaultoro – Zwei Brüder, Gold und Bitcoin II

Vor gut einem Monat habe ich schon einmal über das deutsch-britisch Bitcoin-Startup Vaultoro berichtet. Nun folgt das zweite Interview mit einem der beiden Gründer-Brüder, Philip Scigala. Denn Ziel dieser kleinen Serie ist es in regelmäßigen Abständen zu dokumentieren wie es ist ein Bitcoin-Startup zu gründen, welche Herausforderungen es dabei zu bewältigen gibt und was andere Gründer aus den Erfahrungen von Philip und Joshua lernen können.

Diese Reihe soll so auch eine Ermutigung für all die sein, die bereits eine gute Idee haben, aber die Gründerinitiative noch nicht ergriffen haben. Denn jetzt ist die Zeit und Bitcoin die Gelegenheit.

Philip, mir ist ein Vaultoro-Erklärvideo aufgefallen, als ich auf eure Website geschaut habe. Warum habt ihr euch entschieden das zu produzieren?

Weil es sowohl für Bitcoin-Neulinge, als auch für „Veteranen“ eine sehr gute und effektive Informationsquelle ist. Natürlich kann sich jeder durchlesen, worum es bei Vaultoro geht. Aber nicht umsonst ist Youtube die zweitgrößte Suchmaschine der Welt. Leute schauen sich einfach lieber ein Erklärvideo an, anstatt lange Seiten mit Erklärungen zu lesen. Und gerade bei Bitcoin und der Komplexität des Themas ist ein Video meiner Meinung nach das Medium um etwas zu erklären. Aber auch die wahrgenommene Seriosität wird durch ein professionelles Video erheblich gesteigert.

Merkt ihr denn einen Effekt durch das Video? Sollten man das als potentieller Bitcoin-Gründer gleich von Anfang an mit einplanen?

Bei uns hat das Video gerade in der Anfangsphase schon merklich dazu geführt, besser wahrgenommen zu werden.

Und ganz allgemein gefragt. Wie ist der Zwischenstand bei Vaultoro? Geht eure Geschäftsidee bisher auf?

Vaultoro läuft super. Wir haben jetzt 730 angemeldete Benutzer und über 4 Kilo Gold verkauft. Das Team ist immer noch dasselbe, aber wir stehen in Kontakt mit einer Investorengruppe und eventuell kommen wir in den nächsten ein bis zwei Monaten zu etwas Kapital um unser Team zu erweitern. Hauptsächlich werden wir dann weitere Entwickler einstellen, damit die fleißig an der Plattform arbeiten.

Weil ihr, wie ich gesehen habe, einen großen internen Meilenstein erreicht habt, von dem du schon recht lange gesprochen hast.

Genau. Seit ein paar Tagen haben wir endlich unsere API online geschaltet. Damit können jetzt Leute auf der ganzen Welt den Vaultoro Bitcoin-Gold-Markt in Trading-Apps, Preiswidgets etc. einbauen. Zum Beispiel, wenn ein User immer die Hälfte seines Vermögens in Bitcoin, die andere Hälfte in Gold halten will. Wenn er unsere API in sein Handelsprogramm einbaut, kann das nun automatisch den aktuellen Kurs abfragen und je nachdem Gold an- und verkaufen. Die Vaultoro-Daten lassen sich damit aber nun auch auf Seiten wie bitcoinwisdom.com anzeigen, die detaillierte Preise und andere Statistiken für Händler aufbereiten.

Mal eine tagesaktuelle Frage. In Großbritannien ist gerade erst gewählt worden und die Abstimmung über einen „Brexit“, das Ausscheiden der Briten aus der Europäischen Union, wird wahrscheinlich bald kommen.  Inwieweit seht ihr mit Geschäftssitz in London einen „Brexit“ als Gefahr für euer Unternehmen?

Es wird uns wahrscheinlich eher weniger betreffen, da wir persönlich nicht mit staatlichen Währungen wie Pfund oder Euro handeln und ich glaube auch nicht, dass eine Abspaltung von Großbritannien zu grundlegenden Veränderungen der Gesetzgebung innerhalb Englands führen würde. Aber ich halte einen Ausstieg derzeit auch nicht für realistisch. Der wäre fatal für die Wirtschaft auf der Insel und einen halben Ausstieg wird der Rest der EU nicht dulden.

Und ganz allgemein zum Abschluss: Was hast du seit unserem letzten Gespräch über Bitcoin dazugelernt?

Das jeder, der ein Bitcoin-Unternehmen führt, sehr nett und hilfsbereit ist. Die Community ist großartig. Wir arbeiten zu Zeit mit mehreren Bitcoin-Unternehmen zusammen an einer möglichen Kooperation. Leider darf ich darüber aber noch nicht mehr verraten.

Hinweis in eigener Sache: Vaultoro ist Werbe- und Medienpartner von The Coinspondent. Die Werbepartnerschaft ist auf Bannerwerbung begrenzt. Die Medienpartnerschaft beinhaltet die Begleitung der Entwicklung des Unternehmens. Ziel ist es am Beispiel von Vaultoro die Unternehmung „Bitcoin-Startup gründen“ zu dokumentieren und andere Gründer zu ermutigen ihre eigenen Bitcoin-Ideen umzusetzen. Vaultoro hat keinen Einfluss auf die redaktionelle Berichterstattung.

Bitcoinprivacy – So groß und klein ist Bitcoin

Als Journalist bin ich immer wieder auf der Suche nach Fakten, die meine Thesen oder die Aussagen von Dritten be- oder widerlegen. Und obwohl die Daten in der Blockchain frei zugänglich sind und es jede Menge Bitcoin-Datenanalyse-Tools gibt, bin ich doch bislang an einer, wie ich finde, recht einfachen Frage  gescheitert:

Wie viele Menschen nutzen eigentlich Bitcoin?

Klar, es gibt Statistiken zur Anzahl von Transaktionen, zu Nodes im Netzwerk und immer mal wieder lassen große Paymentprovider ein paar Zahlen durchsickern, aber das Fehlen einer zentralen Institution macht es schwer die tatsächliche Verbreitung von Bitcoin valide zu messen.

Dankenswerterweise haben jedoch zwei Mitglieder des Leipziger Bitcoin-Stammtischs bitcoinprivacy.net ins Leben gerufen, eine Website, die die Daten der Blockchain mit dem eigens entwickelten Bitcoin-Graph-Explorer durchscannt, und dadurch Ergebnisse hervorbringt, die ich so nirgendwo anders (kostenlos) gefunden habe.

Bitcoin Statistiken
Statistiken von bitcoinprivacy.net

Zum Beispiel die Anzahl der Bitcoin-Adressen, die nicht leer sind. Diese Zahl ist insofern interessant, als dass es sich dabei aller Wahrscheinlichkeit nach um aktive Adressen handelt, wenn man mal von verlorenen Private Keys absieht.

Leere Bitcoin-Adressen von denen mit Guthaben trennen

Und auch wenn ich dadurch immer noch nicht weiß, wie viele Menschen genau Bitcoin nutzen, ist dieser Wert wesentlich aufschlussreicher als bspw. die Anzahl der MyWallet-Nutzer von blockchain.info. Deren Zähler geht bei jeder generierten Wallet nämlich immer nur aufwärts, aber berücksichtigt nicht, ob die angelegten Adressen überhaupt aktiv genutzt werden.

Aber das wäre marketingtechnisch auch keine gute Idee, denn bitcoinprivacy.net zeigt, dass die Zahl der aktiven Adressen, also derer mit einem Guthaben darauf, gar nicht so viel größer ist als die aller MyWallets. Ohnehin war ich überrascht, wie klein die Anzahl von Bitcoin-Adressen mit Guthaben ist. Wenn man bedenkt, dass es für viele Bitcoin-Nutzer üblich ist, mehr als eine Adresse zu benutzen, sinkt die Anzahl aktiver Bitcoiner wiederum.

Privatsphäre-Check und offene Bitcoin-Daten

Das ist übrigens ein weiteres Feature von bitcoinprivacy.net – das Clustern von Adressen, die zusammen gehören. Denn Bitcoin ist bei weitem nicht so anonym wie vielfach noch behauptet wird und es ist durchaus möglich verschiedene Adressen konkret ein- und demselben Ursprung zuzuordnen. Daher kann jeder auf bitcoinprivacy.net auch seine eigenen Adressen prüfen.

Zwei weitere schöne Features der Website sind die Richlist, die die 1000 meistgefüllten Adressen auflistet und damit einen tiefen Einblick in die (Un-)Gerechtigkeitsverteilung von Bitcoin gibt und die Suchmaske zur Verteilung des Bitcoin-Wohlstandes. Dort kann man explizit suchen wie viele Adressen mehr als einen bestimmten Betrag beinhalten.

bitcoin privacy user wallets
Aktuelle gibt es 101 Adressen, die mehr als 10.000 Bitcoins beinhalten.

So befinden sich aktuell die Hälfte aller Bitcoins auf Bitcoin-Adressen mit mehr als 500 Bitcoins, ein Viertel auf Adressen mit mehr als 5000 Bitcoins und 10 Prozent aller Bitcoins liegen auf Adressen mit mehr als 50.000 Bitcoins, von denen es übrigens 18 Stück gibt.

Weitere Bitcoin-Statistiken benötigt?

Den Link zu bitcoinprivacy.net und anderen Bitcoin-Daten- und Statistik-Seiten gibt es im Link-Archiv.

Bitcoin – Zahlungsmittel der Zukunft?

In seiner aktuellen, gestern als Beilage zur Süddeutschen Zeitung erschienenen Ausgabe stellt das +3 Magazin die Frage nach dem Zahlungsmittel der Zukunft und druckte auch gleich die Antworten von Experten, Werbekunden (gekennzeichnet) und die von Lesern. Denn die Frage nach dem Zahlungsmittel der Zukunft stand bereits seit rund einem Monat im Raum und konnte und kann noch immer über die zugehörige Website beantwortet werden.

plus drei finanzmittel zukunft bitcoin
+3 Magazin: Eine von drei Fragen ist die nach dem Zahlungsmittel der Zukunft

Für die gedruckte Ausgabe hat die Redaktion aber nun aus all den bisherigen Antworten auf drei Seiten einen, wie ich finde, ziemlich guten Überblick über das Meinungsspektrum erstellt. Bitcoin und digitales Bezahlen spielen dabei erwartungsgemäß eine große Rolle. Aber dass in der Gesamtheit aller veröffentlichten Beiträge ein so vielschichtiges Bild entsteht, ist bemerkenswert und auch die kritischen Anmerkungen zu Bitcoin und Co. lohnen sich zu lesen. Dankenswerterweise ist das im Netz ja auch auch dauerhaft möglich, ohne sich nun auf die Suche nach einem Exemplar der gestrigen SZ machen zu müssen.

Kleine Transparenznotiz am Rande: Ich habe auf Anfrage der Redaktion den Text über M-Pesa geschrieben.

Faxe faxen mit Bitcoin

Ich habe selber nie ein Fax-Gerät besessen, aber die Worte Fax und faxen machen mir als Hörfunk-Journalist immer große Freude, selbst wenn ich sie nur schreibe.

Faxe faxen mit Bitcoin Fax

Und da das Angebot von Bitcoin Fax, Faxe für einen in Bitcoin bezahlbaren Obulus in alle Welt zu faxen, aller Wahrscheinlichkeit nach die einzige Möglichkeit sein wird hier im Blog die Worte Fax und faxen jemals zu verwenden, werde ich die Gelegenheit nutzen und so exzessiv wie möglich Gebrauch davon machen.

Allerdings gibt es nicht viel mehr über Bitcoin Fax zu sagen, als ich bereits getan habe. Man lädt ein PDF hoch, gibt die Nummer ein, schickt die Bitcoins entsprechend der Preisliste und faxt sein Fax. So schnell, so einfach.

„They’re faxed“

Durchaus amüsant, kurzweilig und empfehlenswert sind aber die zugehörigen Kommentare und Reaktionen auf Reddit. Kostprobe:

„Banking the unbanked through fax machines.“
„but how will be bank the unfaxed!“
They’re faxed.“

Aber mal ganz abgesehen davon scheint das Angebot des in Berlin lebenden Australiers Simon Males hervorragend zu funktionieren.

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