Archiv der Kategorie: Bitcoin Deutschland

Vaultoro – Zwei Brüder, Gold und Bitcoin II

Vor gut einem Monat habe ich schon einmal über das deutsch-britisch Bitcoin-Startup Vaultoro berichtet. Nun folgt das zweite Interview mit einem der beiden Gründer-Brüder, Philip Scigala. Denn Ziel dieser kleinen Serie ist es in regelmäßigen Abständen zu dokumentieren wie es ist ein Bitcoin-Startup zu gründen, welche Herausforderungen es dabei zu bewältigen gibt und was andere Gründer aus den Erfahrungen von Philip und Joshua lernen können.

Diese Reihe soll so auch eine Ermutigung für all die sein, die bereits eine gute Idee haben, aber die Gründerinitiative noch nicht ergriffen haben. Denn jetzt ist die Zeit und Bitcoin die Gelegenheit.

Philip, mir ist ein Vaultoro-Erklärvideo aufgefallen, als ich auf eure Website geschaut habe. Warum habt ihr euch entschieden das zu produzieren?

Weil es sowohl für Bitcoin-Neulinge, als auch für „Veteranen“ eine sehr gute und effektive Informationsquelle ist. Natürlich kann sich jeder durchlesen, worum es bei Vaultoro geht. Aber nicht umsonst ist Youtube die zweitgrößte Suchmaschine der Welt. Leute schauen sich einfach lieber ein Erklärvideo an, anstatt lange Seiten mit Erklärungen zu lesen. Und gerade bei Bitcoin und der Komplexität des Themas ist ein Video meiner Meinung nach das Medium um etwas zu erklären. Aber auch die wahrgenommene Seriosität wird durch ein professionelles Video erheblich gesteigert.

Merkt ihr denn einen Effekt durch das Video? Sollten man das als potentieller Bitcoin-Gründer gleich von Anfang an mit einplanen?

Bei uns hat das Video gerade in der Anfangsphase schon merklich dazu geführt, besser wahrgenommen zu werden.

Und ganz allgemein gefragt. Wie ist der Zwischenstand bei Vaultoro? Geht eure Geschäftsidee bisher auf?

Vaultoro läuft super. Wir haben jetzt 730 angemeldete Benutzer und über 4 Kilo Gold verkauft. Das Team ist immer noch dasselbe, aber wir stehen in Kontakt mit einer Investorengruppe und eventuell kommen wir in den nächsten ein bis zwei Monaten zu etwas Kapital um unser Team zu erweitern. Hauptsächlich werden wir dann weitere Entwickler einstellen, damit die fleißig an der Plattform arbeiten.

Weil ihr, wie ich gesehen habe, einen großen internen Meilenstein erreicht habt, von dem du schon recht lange gesprochen hast.

Genau. Seit ein paar Tagen haben wir endlich unsere API online geschaltet. Damit können jetzt Leute auf der ganzen Welt den Vaultoro Bitcoin-Gold-Markt in Trading-Apps, Preiswidgets etc. einbauen. Zum Beispiel, wenn ein User immer die Hälfte seines Vermögens in Bitcoin, die andere Hälfte in Gold halten will. Wenn er unsere API in sein Handelsprogramm einbaut, kann das nun automatisch den aktuellen Kurs abfragen und je nachdem Gold an- und verkaufen. Die Vaultoro-Daten lassen sich damit aber nun auch auf Seiten wie bitcoinwisdom.com anzeigen, die detaillierte Preise und andere Statistiken für Händler aufbereiten.

Mal eine tagesaktuelle Frage. In Großbritannien ist gerade erst gewählt worden und die Abstimmung über einen „Brexit“, das Ausscheiden der Briten aus der Europäischen Union, wird wahrscheinlich bald kommen.  Inwieweit seht ihr mit Geschäftssitz in London einen „Brexit“ als Gefahr für euer Unternehmen?

Es wird uns wahrscheinlich eher weniger betreffen, da wir persönlich nicht mit staatlichen Währungen wie Pfund oder Euro handeln und ich glaube auch nicht, dass eine Abspaltung von Großbritannien zu grundlegenden Veränderungen der Gesetzgebung innerhalb Englands führen würde. Aber ich halte einen Ausstieg derzeit auch nicht für realistisch. Der wäre fatal für die Wirtschaft auf der Insel und einen halben Ausstieg wird der Rest der EU nicht dulden.

Und ganz allgemein zum Abschluss: Was hast du seit unserem letzten Gespräch über Bitcoin dazugelernt?

Das jeder, der ein Bitcoin-Unternehmen führt, sehr nett und hilfsbereit ist. Die Community ist großartig. Wir arbeiten zu Zeit mit mehreren Bitcoin-Unternehmen zusammen an einer möglichen Kooperation. Leider darf ich darüber aber noch nicht mehr verraten.

Hinweis in eigener Sache: Vaultoro ist Werbe- und Medienpartner von The Coinspondent. Die Werbepartnerschaft ist auf Bannerwerbung begrenzt. Die Medienpartnerschaft beinhaltet die Begleitung der Entwicklung des Unternehmens. Ziel ist es am Beispiel von Vaultoro die Unternehmung „Bitcoin-Startup gründen“ zu dokumentieren und andere Gründer zu ermutigen ihre eigenen Bitcoin-Ideen umzusetzen. Vaultoro hat keinen Einfluss auf die redaktionelle Berichterstattung.

Bitcoinprivacy – So groß und klein ist Bitcoin

Als Journalist bin ich immer wieder auf der Suche nach Fakten, die meine Thesen oder die Aussagen von Dritten be- oder widerlegen. Und obwohl die Daten in der Blockchain frei zugänglich sind und es jede Menge Bitcoin-Datenanalyse-Tools gibt, bin ich doch bislang an einer, wie ich finde, recht einfachen Frage  gescheitert:

Wie viele Menschen nutzen eigentlich Bitcoin?

Klar, es gibt Statistiken zur Anzahl von Transaktionen, zu Nodes im Netzwerk und immer mal wieder lassen große Paymentprovider ein paar Zahlen durchsickern, aber das Fehlen einer zentralen Institution macht es schwer die tatsächliche Verbreitung von Bitcoin valide zu messen.

Dankenswerterweise haben jedoch zwei Mitglieder des Leipziger Bitcoin-Stammtischs bitcoinprivacy.net ins Leben gerufen, eine Website, die die Daten der Blockchain mit dem eigens entwickelten Bitcoin-Graph-Explorer durchscannt, und dadurch Ergebnisse hervorbringt, die ich so nirgendwo anders (kostenlos) gefunden habe.

Bitcoin Statistiken
Statistiken von bitcoinprivacy.net

Zum Beispiel die Anzahl der Bitcoin-Adressen, die nicht leer sind. Diese Zahl ist insofern interessant, als dass es sich dabei aller Wahrscheinlichkeit nach um aktive Adressen handelt, wenn man mal von verlorenen Private Keys absieht.

Leere Bitcoin-Adressen von denen mit Guthaben trennen

Und auch wenn ich dadurch immer noch nicht weiß, wie viele Menschen genau Bitcoin nutzen, ist dieser Wert wesentlich aufschlussreicher als bspw. die Anzahl der MyWallet-Nutzer von blockchain.info. Deren Zähler geht bei jeder generierten Wallet nämlich immer nur aufwärts, aber berücksichtigt nicht, ob die angelegten Adressen überhaupt aktiv genutzt werden.

Aber das wäre marketingtechnisch auch keine gute Idee, denn bitcoinprivacy.net zeigt, dass die Zahl der aktiven Adressen, also derer mit einem Guthaben darauf, gar nicht so viel größer ist als die aller MyWallets. Ohnehin war ich überrascht, wie klein die Anzahl von Bitcoin-Adressen mit Guthaben ist. Wenn man bedenkt, dass es für viele Bitcoin-Nutzer üblich ist, mehr als eine Adresse zu benutzen, sinkt die Anzahl aktiver Bitcoiner wiederum.

Privatsphäre-Check und offene Bitcoin-Daten

Das ist übrigens ein weiteres Feature von bitcoinprivacy.net – das Clustern von Adressen, die zusammen gehören. Denn Bitcoin ist bei weitem nicht so anonym wie vielfach noch behauptet wird und es ist durchaus möglich verschiedene Adressen konkret ein- und demselben Ursprung zuzuordnen. Daher kann jeder auf bitcoinprivacy.net auch seine eigenen Adressen prüfen.

Zwei weitere schöne Features der Website sind die Richlist, die die 1000 meistgefüllten Adressen auflistet und damit einen tiefen Einblick in die (Un-)Gerechtigkeitsverteilung von Bitcoin gibt und die Suchmaske zur Verteilung des Bitcoin-Wohlstandes. Dort kann man explizit suchen wie viele Adressen mehr als einen bestimmten Betrag beinhalten.

bitcoin privacy user wallets
Aktuelle gibt es 101 Adressen, die mehr als 10.000 Bitcoins beinhalten.

So befinden sich aktuell die Hälfte aller Bitcoins auf Bitcoin-Adressen mit mehr als 500 Bitcoins, ein Viertel auf Adressen mit mehr als 5000 Bitcoins und 10 Prozent aller Bitcoins liegen auf Adressen mit mehr als 50.000 Bitcoins, von denen es übrigens 18 Stück gibt.

Weitere Bitcoin-Statistiken benötigt?

Den Link zu bitcoinprivacy.net und anderen Bitcoin-Daten- und Statistik-Seiten gibt es im Link-Archiv.

Bitcoin – Zahlungsmittel der Zukunft?

In seiner aktuellen, gestern als Beilage zur Süddeutschen Zeitung erschienenen Ausgabe stellt das +3 Magazin die Frage nach dem Zahlungsmittel der Zukunft und druckte auch gleich die Antworten von Experten, Werbekunden (gekennzeichnet) und die von Lesern. Denn die Frage nach dem Zahlungsmittel der Zukunft stand bereits seit rund einem Monat im Raum und konnte und kann noch immer über die zugehörige Website beantwortet werden.

plus drei finanzmittel zukunft bitcoin
+3 Magazin: Eine von drei Fragen ist die nach dem Zahlungsmittel der Zukunft

Für die gedruckte Ausgabe hat die Redaktion aber nun aus all den bisherigen Antworten auf drei Seiten einen, wie ich finde, ziemlich guten Überblick über das Meinungsspektrum erstellt. Bitcoin und digitales Bezahlen spielen dabei erwartungsgemäß eine große Rolle. Aber dass in der Gesamtheit aller veröffentlichten Beiträge ein so vielschichtiges Bild entsteht, ist bemerkenswert und auch die kritischen Anmerkungen zu Bitcoin und Co. lohnen sich zu lesen. Dankenswerterweise ist das im Netz ja auch auch dauerhaft möglich, ohne sich nun auf die Suche nach einem Exemplar der gestrigen SZ machen zu müssen.

Kleine Transparenznotiz am Rande: Ich habe auf Anfrage der Redaktion den Text über M-Pesa geschrieben.

Faxe faxen mit Bitcoin

Ich habe selber nie ein Fax-Gerät besessen, aber die Worte Fax und faxen machen mir als Hörfunk-Journalist immer große Freude, selbst wenn ich sie nur schreibe.

Faxe faxen mit Bitcoin Fax

Und da das Angebot von Bitcoin Fax, Faxe für einen in Bitcoin bezahlbaren Obulus in alle Welt zu faxen, aller Wahrscheinlichkeit nach die einzige Möglichkeit sein wird hier im Blog die Worte Fax und faxen jemals zu verwenden, werde ich die Gelegenheit nutzen und so exzessiv wie möglich Gebrauch davon machen.

Allerdings gibt es nicht viel mehr über Bitcoin Fax zu sagen, als ich bereits getan habe. Man lädt ein PDF hoch, gibt die Nummer ein, schickt die Bitcoins entsprechend der Preisliste und faxt sein Fax. So schnell, so einfach.

„They’re faxed“

Durchaus amüsant, kurzweilig und empfehlenswert sind aber die zugehörigen Kommentare und Reaktionen auf Reddit. Kostprobe:

„Banking the unbanked through fax machines.“
„but how will be bank the unfaxed!“
They’re faxed.“

Aber mal ganz abgesehen davon scheint das Angebot des in Berlin lebenden Australiers Simon Males hervorragend zu funktionieren.

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Der Wolf der BitShares

Tim Wolf hat neulich einen Kommentar hier hinterlassen und über diesen Kommentar bin ich wiederum – neugierig wie ich bin – auf seine eigene Website www.BTSwolf.com gestoßen.

Und ich war gleich in mehrerer Hinsicht angenehm überrascht, denn ich dachte bisher, dass ich mit meiner deutschsprachigen Bitcoin-Seite eine Nischenerscheinung wäre. Aber eine Seite, die sich thematisch nur auf das Blockchain 2.0-Projekt BitShares konzentriert und das auf Deutsch ist da noch eine ganze Stufe spezieller und insofern ein beeindruckendes Projekt, das sich vorzustellen lohnt.

Deswegen habe ich die Gelegenheit genutzt Tim ein paar Fragen zu www.BTSwolf.com zu stellen, der Seite, die er seit Anfang März dieses Jahres betreibt.

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Neue deutsche LocalBitcoins-Alternative

Es sei kein Zustand, dass sowas einfach in Deutschland nicht gehe, antwortete Gideon Gallasch als ich ihn fragte, warum er die Website bitcoin-treff.de ins Leben gerufen hat und verweist damit auf localbitcoins.com. Das Angebot hatte sich im Dezember „aus regulatorischen Gründen“ aus dem deutschen Markt zurückgezogen und mit ihm war eine der einfachsten Möglichkeiten Bitcoins zu kaufen – nämlich von Privatperson zu Privatperson – von einem Tag auf den anderen verschwunden. Ein schmerzlicher Verlust für alle, die nicht im Internet, sondern lieber von Angesicht zu Angesicht Bitcoins handeln.

Für die Community und gegen Regulierung

Mit bitcoin-treff.de sollen bitcoininteressierte Privatpersonen nun auch wieder in Deutschland einfacher zusammenfinden. Die Nutzung der Plattform ist dabei kostenlos. Gideon Gallasch will damit als einer von zwei Betreibern in erster Linie ein Zeichen setzen und die Bitcoin-Gemeinde nach vorne bringen, aber letztlich auch einen Regulierungsanspruch durch die BaFin wie bei localbitcoins zu umgehen.

Neben Mycelium eine hilfreiche Alternative

Bisher ist die Anzahl der Angebote auf bitcoin-treff.de zwar noch überschaubar, aber die Seite befindet sich ja auch noch immer im Entstehen. Neben der Mycelium-Wallet ist sie dennoch eine weitere nützliche localbitcoins-Alternative und eine lobenswerte Initiative gegen die Verwaisung des Bitcoin-Standorts Deutschland.

Vaultoro – zwei Brüder, Gold und Bitcoin

Ich bekomme häufiger E-Mails, in denen ich gebeten werde über dieses oder jenes Startup zu berichten. Dass ich dem nicht jedes Mal nachkommen kann, liegt auf der Hand. Denn zum einen wäre das dann hier eine kunterbunte PR-Plattform für scammy Altcoin-Börsen-Händler und kein journalistisches Rechercheblog mit inhaltlichem Anspruch und zum anderen verfüge auch ich nur über begrenzte Ressourcen.

Der erste Eindruck zählt

Deshalb habe auch ich Kriterien, nach denen ich relevante von irrelevanten Informationen selektiere. Manche davon kann man in jedem guten Journalismus-Handbuch nachlesen, die anderen habe ich für mich selbst gewählt. In jedem Fall helfen sie mir das aus der Masse der hohlen Marketingphrasen herauszufischen, was eine gute Geschichte beinhaltet und einen Mehrwert für den Leser bietet. So wie die Mail, die ich vor einiger Zeit vom jungen deutsch-britischen Startup Vaultoro bekam.

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Darin stellte Joshua Scigala, einer der beiden Gründer, sich, seine persönliche Bitcoin-Historie und seine Geschäftsidee vor und nachdem wir kurz darauf bei der Inside Bitcoins in Berlin zufällig nebeneinander am selben Tisch saßen und ins Plaudern gerieten, wusste ich, dass es sich lohnt über Vaultoro zu berichten. Denn die Idee ist spannend, die Gründer authentisch und ich hatte ohnehin vor einen stärkeren Fokus auf die im weitesten Sinne deutsche Bitcoin-Community zu legen.

Im Gespräch: Vaultoro-Gründer Philip Scigala

Ich habe daher die Gelegenheit genutzt und nun ein ausführliches Interview mit Philip Scigala geführt, dem Berliner Part der Gründerbrüder, über die Idee hinter Vaultoro, ihre Ambitionen und die Herausforderungen ein Bitcoin-Unternehmen aufzubauen. Die Idee zu Vaultoro, soviel vorneweg, ist ihnen ganz klassisch-sympathisch eines Abends nach ein paar Cocktails in einer Bar gekommen.

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