Archiv der Kategorie: Globale Entwicklung

BitcoinPriceMap – Der Bitcoin-Preis im globalen Vergleich

Aktuell ist im Bitcoin-Preis ja wieder ordentlich Dynamik. Zwar hat sich der Kurs seit dem markanten Einbruch vor zwei Wochen wieder einigermaßen gefangen und mäandert aktuell um die 6500 US-Dollar-Marke. Der Weg dahin war kein gerader, sondern auf Grund einiger signifikanter Auf und Abs von spürbarer Volatilität geprägt.

Der Bitcoin-Kurs erholt sich langsam, aber kontinuierlich.

Doch kann man genau genommen ja gar nicht von dem Bitcoin-Preis reden. Bitcoin hat ja nicht nur einen, sondern viele Preise. Diese bilden sich nämlich immer dort, wo Angebot und Nachfrage zusammenkommen. In der Regel sind das die Börsen im Netz. Aus den Daten der Börsen kann man dann zwar einen Mittelwert bilden, den man als so etwas wie den Bitcoin-Preis bezeichnen könnte. Man sollte aber trotzdem nicht vergessen, dass dieser Mittelwert global dennoch ziemlich große Differenzen beinhalten kann.

BitcoinPriceMap – Wo Bitcoins auf der Welt aktuell wieviel kosten

Mit der BitcoinPriceMap hat der Brasilianer Miguel Medeiros nun eine Karte entwickelt, die diese Unterschiede sehr anschaulich darstellt. Dafür zieht er sich die Daten von den Börsen in verschiedenen Ländern, rechnet alles in US-Dollar um und stellt die Ergebnisse auf einer Weltkarte gegenüber.

In manchen Ländern zahlt man aktuell fast 1000 US-Dollar mehr pro Bitcoin.

Das ist insofern interessant, als dass mir vorher nicht klar war, wie groß die Preis-Unterschiede in einzelnen Regionen tatsächlich sind. Dass Bitcoins in Nigeria bspw. vergleichsweise teuer sind (zehn Prozent über globalem Mittel) überrascht mich weniger. Dass Argentinien da jedoch nahezu gleichauf liegt, schon. Insbesondere da ein Bitcoin in Venezuela aktuell kaum teurer ist als im gemittelten Rest der Welt. Und warum ein Bitcoin in Australien gerade rund 1000 US-Dollar billig ist als überall sonst, wirft natürlich auch Fragen auf.

Zu wenige Börsen beschränken die Aussagekraft

Ein Teil der Antwort könnte dabei, wie so oft, in der dünnen Datenbasis liegen. Denn sonderlich breit ist die Auswahl der Börsen, die herangezogen werden, nicht. Außerdem scheinen viele eher klein zu sein. Von den meisten habe ich zumindest noch nie etwas gehört. Wobei das natürlich nichts heißen muss.

Aber selbst in den Ländern mit vielen und vor allem volumenstarken Börsen – USA, China etc. – wird bislang jeweils nur eine einzige Börse als Quelle herangezogen. Oder eben gar keine, wenn es wie bei uns in Deutschland, keine gibt. Und wo verortet man denn eigentlich Börsen wie Binance, die letztlich keinen festen Standort haben, sondern immer in die Jurisdiktion wechseln, die für sie gerade am vorteilhaftesten ist?

Gutes Tool für einen Perspektivwechsel

Doch auch wenn es für die BitcoinPriceMap methodisch noch Luft nach oben gibt, ist sie auch so schon jetzt ein wirklich interessantes Tool, das hilft, das eigene Verständnis und die eigene Persepktive auf Bitcoin zu erweitern und interessante Fragen aufwirft, über die man sonst vielleicht so nicht nachgedacht hätte.

Bitcoin und die Corona-Krise

„Die große Corona-Krise hat die ganze Welt fest im Griff und lässt erbarmungslos alle wichtigen Märkte crashen. Alle? Nein! Eine kleine unbeugsame Kryptowährung namens Bitcoin widersetzt sich dem übermächtigen Abwärtstrend und bleibt trotz allem wertstabil.“

So hätten sich wohl viele Bitcoiner die Beschreibung dieses Donnerstags gewünscht. Bitcoin – aus der globalen Krise 2008 geboren – beweist sich schon in der nächsten globalen Krise nur wenige Jahre später als verlässliche und entkoppelte Anlageklasse. Ein Wertaufbewahrungsmittel, das nicht mit den klassischen Märkten wie Gold, Aktien, Anleihen und Öl korreliert.

Doch es kam anders.

Der schwarze Corona-Schwan wirft alles durcheinander

Vor einer Woche noch bei über 9000 US-Dollar, brach der Bitcoin-Kurs zusammen mit den Aktienmärkten am Donnerstag massiv ein. Verlor zwischenzeitlich binnen Stunden mehrere Tausend Dollar an Wert und dippte in der Nacht kurzzeitig sogar auf unter 4000 US-Dollar. Seit Gestern steht der Bitcoin zwar wieder bei über 5000 US-Dollar. Unterm Strich bleibt aber ein Verlust von rund 40 Prozent innerhalb einer Woche. Für viele Bitcoiner eine Überraschung. Und ein Schock.

https://twitter.com/TorbjrnBullJens/status/1238125172302979074
Die Volatilität ist nicht das Problem

Allerdings nicht wegen der Wertschwankung an sich. Plötzliche Volatilität ist man bei Bitcoin schließlich seit jeher gewöhnt. Zwar eher selten, aber hin und wieder auch im zweistelligen Prozentbereich.

Was viele jedoch überrascht, ist die Tatsache, wie sehr sich Bitcoin von der allgemeinen Verunsicherung der klassischen Märkte hat nach unten reißen lassen. Das war so schließlich nicht vorgesehen.

Dass es trotzdem so gekommen ist, ist bemerkenswert und spannend gleichermaßen, werfen die gestrigen Ereignisse doch Fragen auf, die man im Rahmen des Bitcoin-Experiments eigentlich schon für beantwortet hielt.

Die Kursentwicklung der letzten Jahre deutete schließlich darauf hin, dass sich die These von Bitcoin als „Sicherer Hafen“ gegen Verwerfungen auf den klassischen Märkten als valide erweist. Soweit, dass sie eigentlich gar nicht mehr wirklich hinterfragt wurde und sich sogar zu einem der wichtigsten Alleinstellungsmerkmale von Bitcoin entwickelte.

Wir wissen weniger über Bitcoin als wir denken

Doch offensichtlich lagen wir in diesem Punkt falsch mit dem, was wir über Bitcoin zu wissen meinten. Denn wäre dem nicht so, hätte der Kurs nicht derart korreliert crashen dürfen. Und dass das für viele so überraschend kam, deutet darauf hin, dass es möglicherweise noch andere Bitcoin-Erkenntnisse gibt, die bisher als einigermaßen gesichert angenommen werden, in Wahrheit jedoch wohl nur Thesen sind, die bisher einfach nur noch nicht be- oder widerlegt wurden. Oder Annahmen, die in ihren Konsequenzen bislang schlichtweg noch nicht zu Ende gedacht wurden.

So warten viele Bitcoiner ja schon seit Jahren darauf, dass Bitcoin durch die Zulassung von ETFs und eine flächendeckende rechtliche Annerkennung als „offizielle“ Investitionsmöglichkeit endlich zu einem Magneten für institutionelles Geld wird. In der Hoffnung, dass das große Geld™ den Kurs massiv beflügelt und gleichzeitig dafür sorgt, dass sich auch die Volatilität langfristig in einem beständigen Rahmen einpendelt.

Eine Hoffnung, die jedoch stark auf der seit Donnerstag gründlich erschütterten „Sicherer-Hafen“-Annahme beruht und darüber hinaus zu einer weiteren Verpflechtung von Bitcoin mit bestehenden Marktmechanismen führen würde. Genau das würde aber künftig ähnliche korrelierte Markt-Entwicklungen noch viel wahrscheinlicher machen und den „Sicherer-Hafen“-Anspruch weiter untergraben. Ein Dilemma.

Denn man kann nicht auf das Geld von Investoren scharf sein, aber gleichzeitig nicht wollen, dass diese Investoren Bitcoin wie jedes andere ihrer Investments behandlen. Also im Zweifel zusammen mit all ihren anderen Anlagen massenhaft verkaufen, wenn sie dazu gezwungen sind.

Was die Corona-Krise für Bitcoin bedeutet

Was zu der letztlich relevanten Frage führt, wie wir den Kursrutsch für Bitcoin bewerten müssen und was wir daraus lernen können. Haben die Bitcoin-Kritiker am Ende womöglich doch Recht? Wenn das digitale Geld in turbulenten Zeiten wie diesen kein sicherer Hafen ist, was ist Bitcoin dann überhaupt wert?

Eine berechtigte Frage, auf die die Antwort wie so oft bei Bitcoin lautet: Zum jetzigen Zeitpunkt können wir das schlichtweg nicht sagen, für einen Abgesang ist es aber definitiv noch zu früh. Aus dem einfachen Grund, dass wir gestern zwar einen massiven Einbruch des Bitcoin-Kurses gesehen haben, wir aber noch ganz am Anfang der Corona-Krise stehen. Eine Krise, in der sich weit mehr als Bitcoin beweisen muss.

Man muss dabei kein sonderlicher Pessimist sein, um davon auszugehen, dass die gestrigen Marktreaktionen nicht das Schlimmste war, was uns noch bevorsteht. Wenn die Bundeskanzlerin offen sagt, dass die Situation außergewöhnlicher sei als zu der Zeit der Bankenkrise, dann hat sie damit Recht. Denn im Gegensatz zu 2008 ist die Krise, in die die Banken insbesondere hierzulande gerade rutschen und so bedrohlich sie auch wirken mag, dieses Mal nur ein Nebenschauplatz.

In erster Linie bedroht das Corona-Virus nämlich nicht die Bilanzen von Banken sondern das Leben von Milliarden Menschen weltweit. Der Umgang mit dem Virus ist folglich ein direkter Stresstest für die Integrität und Performanz jedes einzelnen Staates, seiner Gesellschaftsform, seiner Institutionen, der Werte, für die er steht und des Sozialgefüges, in dem diese Werte gelebt werden.

Und es ist keinesfalls ausgeschlossen, dass es Staaten gibt, die diesen Test nicht bestehen werden. Was im Übrigen nicht nur für den Iran gilt.

Menschenleben oder Bankenbilanzen?

Im Hinblick auf die Banken bedeutet das, dass Regierungen dieses Mal womöglich nicht nur vor der Entscheidung stehen werden, (schon wieder) die Banken zu retten oder nicht. Im schlimmsten Fall müssen sie abwägen, ob sie die Mittel der Gesellschaft eher dafür einsetzen, um marode Banken zu retten oder Menschenleben.

Es braucht nicht viel Phantasie, um zu erkennen, dass in einem solchen Fall das Budget für eine mögliche Bankenrettung, sofern sie überhaupt kommt, kein „whatever it takes“ sein kann und wahrscheinlich nicht für alle Institute reichen wird.

Wenn das Virus Ärzte wie in Italien jetzt schon dazu zwingt, zu entscheiden, wem man die Behandlung versagt und damit womöglich sterben lässt, weil die Überlebenschancen anderer besser sind und die medizinischen Kapazitäten nicht für alle reichen, dann wird keine Gesellschaft in dieser Krise akzeptieren, nicht auch offensichtlich marode Banken „sterben“ zu lassen, um zumindest den einigermaßen überlebensfähigen eine Chance zu geben.

https://twitter.com/aantonop/status/1238126574278512640

In diesem Kontext wirkt die Tatsache, dass Bitcoin am Donnerstag kurzzeitig die Hälfte seines Wertes eingebüßt hat, gleich sehr viel weniger dramatisch. Denn eines darf man nicht vergessen. Alles, was bei Bitcoin passiert, ist live und ungeschönt. Es gibt kein Fangnetz und keine Rettungsschirme. Selbst wenn der Kurs crasht, weiß man jederzeit, woran man ist. Und dass der Kurssturz von selbst einen Boden auf immer noch hohem Niveau gefunden hat, zeigt, wie es um das grundsätzliche Vertrauen in Bitcoin steht: ziemlich gut.

Bitcoin braucht kein Fangnetz, es ist das Fangnetz

Im Gegensatz zu Banken war Bitcoin noch nie auf eine Rettung von außen angewiesen und wird es auch nie sein. Für das Fortbestehen von Bitcoin ist es egal, ob Banken pleite gehen oder nicht. Selbst wenn tatsächlich der absolute Worst case eintritt und wir Staaten scheitern sehen, wird das Bitcoin nicht schaden. Im Gegenteil.

Denn genau für solch ein Extremfall wurde Bitcoin gemacht. Nicht als sicherer Hafen für institutionelle Investoren, sondern als globales und universelles Geldsystem, dass auch in den schlimmsten Zeiten, also Zeiten systemischer Krisen, verlässlich funktioniert.

Ob und inwieweit Bitcoin diese Erwartungen in den kommenden Monaten wird erfüllen können oder womöglich sogar müssen, werden wir sehen. Wir wissen heute noch nicht, wie die Welt nach Corona aussehen wird. Vielleicht werden wir am Ende vergleichsweise glimpflich davon gekommen sein. Ich möchte mich aber nicht darauf verlassen müssen. Sehr viel wahrscheinlicher stehen uns nämlich extrem turbulente Zeiten bevor.

Und in diesem Fall zu wissen, dass es ein zensur- und manipulationsresistentes Geldsystem gibt, das zwar nicht perfekt aber auch nicht mehr ultra-experimentell ist, und im Notfall nicht von Politik und Ländergrenzen abhängig ist, lässt mich deutlich besser schlafen.

(Kein) Bitcoin in Thailand

Hier ging es sehr ruhig zu die letzten Wochen und wer die letzte Honigdachs-Folge gehört hat, weiß, dass ich Im Dezember und Januar mit der Familie im Norden und Süden Thailands auf Reisen war. Ein sehr schönes Land, das ich gerne weiterempfehle. Insbesondere wenn man sich von den typischen Tourismus-Hochburgen löst und bereit ist, sich auf eine andere Kultur, andere Mentalität, anderes Essen und anderes Klima einzulassen und dadurch die eigenen Routinen, Gewohnheiten und möglicherweise eingefahrene Denkmuster infrage zu stellen.

„Reise, denn Geld kommt zurück, Zeit nicht.“

kluger Spruch, der unterwegs irgendwo an einer Wand stand

Vier Erkenntnisse aus acht Wochen Reise

Nun soll das hier aber kein Urlaubsbericht werden, sondern natürlich habe ich wie auf jeder Reise die Augen in Hinblick auf das Thema Bitcoin und Geld allgemein offen gehalten. Dabei sind mir einige Sachen aufgefallen, die ich für erwähnenswert finde.

#1 Bitcoin ist unsichtbar

Obwohl ich mich immer wieder umgeschaut habe, ist mir Bitcoin in Thailand in den acht Wochen unserer Reise nirgendwo wirklich begegnet. Jedenfalls nicht ohne aktiv und ganz gezielt danach zu suchen. Zwar waren wir auch nicht in Bangkok, was diese Aussage für „ganz Thailand“ natürlich deutlich einschränkt, aber auch so gab es wirklich keinerlei Anzeichen für die Präsenz des digitalen Geldes.

Sie dem Bitcoin-₿ zwar sehr ähnlich, ist aber „nur“ das Währungs-฿ des thailandischen Baht.

Wer wirklich sucht, findet natürlich einige Bitcoin und sogar Lightning-Meetups nicht nur in Bangkok, sondern bspw. auch in Chiang Mai, der zweitgrößten Stadt Thailands. Außerdem gibt es auch eine handvoll Bitcoin-Automaten. Um die zu finden, muss man aber eben selber aktiv suchen.

Einzig nach einem intensiven, mehr als 1200 steile Stufen umfassenen Aufstieg hab ich doch noch ein winziges Zeichen von Bitcoin in Gestalt eines Trezor-Stickers gefunden. Dass den jedoch jemand in ein religösen Heiligtum geklebt hat, finde ich respektlos.

Cool: Auf einen Gipfel gibt es doch ein winziges Zeichen von Bitcoin. Uncool: Man klebt keine Marketing-Sticker in religöse Heiligtümer.

#2: Cash is king!

Mit Bitcoin habe ich also nichts bezahlt in Thailand. Das gleiche gilt aber auch für die Kreditkarte. Deren einziger Nutzen war auf unserer Reise, Bargeld abzuheben. Obwohl ich durchaus auch mal versucht habe, sie zu benutzen. Aber entweder wurde meine deutsche Visa-Kreditkarte von den Apps „nicht unterstützt“, es gab gar keine Möglichkeit damit zu bezahlen (Straßenküche, Nachtmarkt, Restaurants etc.) oder es war die teuerste Option. Denn bei Bargeld fallen eben keine zusätzlichen Gebühren an.

Möney, Möney, Möney gibt’s überall und am liebsten Cäsh auf die Händ

Auch mobiles Bezahlen per App war nirgendwo eine echte Option. Keine Ali-WeChat-Apple-Google-Samsung-Pay-Schilder. Zumindest nicht so, dass sie mir irgendwie aufgefallen wären.

Das ist insofern bemerkenswert, als dass das mobile Internet in Thailand ausgezeichnet, sehr günstig, überall verfügbar und allgegenwärtig ist. Für meine quasi LTE-Flatrate mit maximaler Geschwindigkeit hab ich umgerechnet ca. 15 Euro im Monat bezahlt (und wahrscheinlich noch nicht einmal den günstigsten Tarif gefunden).

Dafür hatte ich dann aber auch wirklich überall richtig schnelles Internet. In den Bergen, auf dem Meer, in der Stadt und überall dazwischen. Am Ende habe ich mir nicht einmal mehr die Mühe gemacht, mich in die freien WLANs der Unterkünfte und Restaurants einzuwählen. Wer hat der kann.

Nicht im Bild: Sohnemann der auf dem Handy zockt, chattet und streamt.

Und weil das Internet überall verfügbar ist, wird es auch überall genutzt. Der Pförtner stream während seiner Schicht Videos, die Köchen der Garküche videotelefoniert nebenbei und die Kinder der Händler auf dem Nachmarkt spielen Online-Spiele oder schauen anderen im Netz dabei zu. Auf dem Motorroller, beim Essen, an der Kasse – das Smartphone ist in Thailand fester, ständiger und akzeptierter Begleiter aller Menschen in jeder Situation. In seiner Intensität wirkte das auf uns manchmal befremdlich.

Die Infrastruktur für mobiles Bezahlen wäre also durchaus da. Genutzt wird sie jedoch nicht. Die genauen Gründe kenne ich nicht. Es scheint wohl aber, dass die „Nur Bares ist Wahres“-Mentalität keine ur-deutsche Einstellung ist. Immerhin konnten wir selbst in besseren Unterkünften die Kaution und manchmal sogar das ganze Appartment nur in bar bezahlen.

#3: Apps sind situativ relevant

Auf unserer Reise habe ich mehrfach darüber nachgedacht, wie diese wohl verlaufen wäre, wenn sie ein paar Jahre früher stattgefunden hätte? Ohne mobiles Internet, Smartphones, Cloud-Services und Apps. In jedem Fall sehr viel herausfordernder. Ich hätte die digitalen Helfer jedenfalls nicht missen wollen.

Die Lieblings-Hörspiele und -Musik der Kinder jederzeit bei Spotify streamen. Sehr hilfreich! Dieses bestimmte Märchen spontan als Gutenachgeschichte googlen. Top! Ein paar aktuelle Die Maus-Folgen auf dem Tablet schauen. Super!

Doch nicht nur für die familieninterne Stimmung waren Apps auf unserer Reise im Hinblick auf daheimgebliebene CDs, Bücher etc. im wahrsten Sinner des Wortes eine große Erleichterung. Einige Apps haben unsere Reise (mit kleinen Kindern) in Teilen überhaupt erst ermöglicht.

Google Maps hat sich in einem Land mit fremdem Schriftbild und einer anspruchsvollen Sprachbarriere als unverzichtbarer und verlässlicher Navigator erwiesen. Ohne die App wären die mehr als tausend Kilometer Autofahrt in einem Straßenverkehr, der zu den tödlichsten der Welt gehört, jedenfalls sehr viel unentspannter gewesen.

Alle Kurven und die voraussichtliche Ankunftszeit dank Google Maps schon vorab zu kennen, macht das Fahren sehr viel entspannter.

Eine andere quasi unverzichtbare App, die wir entsprechend viel genutzt haben, war Grab, das lokale Uber. Gerade in Städten wie Chiang Mai war das als Famile die perfekte Art der Fortbewegung. Denn die App löste viele unserer Probleme:

  • Der Verkehr ist intensiv und rollerlastig, sodass selber Autofahren in der Stadt sehr stressig ist. Auch weil man nur schwer einen Parkplatz findet.
  • Die Pförtnerin unseres Komplexes sprach kein Wort Englisch und konnte uns daher auch kein „offizielles“ Taxi rufen.
  • Die halbfesten Routen der Sammeltaxis waren außerhalb unserer Reichweite
  • Die Grab-Fahrer sprachen meist zwar auch kein Englisch, mussten sie aber auch nicht. Die App hat unsere Kommunikation über Standort und Ziel über die Sprachbarriere hinweg gemanaged.
  • Durch die Echtzeit-Routenverfolgung konnten wir jederzeit überprüfen, ob wir auf dem richtigen Weg sind und eingreifen, wenn nicht.
  • Wir haben immer einen fairen Preis bezahlt. Die App hat den Fahrpreis vorab vorgegeben und mit einem Trinkgeld für den Fahrer obendrauf waren wir sicher, dass keiner von uns einen schlechten Schnitt gemacht hat. Wussten wir auch daher, weil die Preisvorhersagen der App in vielen Situationen erstaunlich nah an den spontan im Kopf kalkulierten Preisen von „normalen“ Taxis/Fahrern waren.

Mittlerweile habe ich die Grab-App wieder gelöscht und fragte mich jemand, ob ich nun auf den Geschmack gekommen sei und ein vergleichbares Angebot fortan auch regelmäßig hier in Deutschland nutzen wollen würde, wäre meine Antwort weiterhin in den meisten Fällen nein. Uber und Co. sind zwar ganz nett, lösen für mich hier aber bislang zu selten ein Problem, das ich nicht auch anders/einfacher lösen könnte. Bei der nächsten Reise nach Südostasien, würde ich Grab jedoch sofort wieder installieren.

#4: Asien ist mehr als nur China

Wenn ich vorher an Apps und Asien gedacht habe, dachte ich lange automatisch an China und ging davon aus, dass deren digitale Angebote längst auch die angrenzenden Länder der Region erobert hätten. Oder dass sich die westliche Apps von Facebook und Co. irgendwie durchgesetzt hätten.

Das Beispiel Grab (gegründet 2012 in Malaysia heute in ganz Südostasien verbreitet) zeigt aber, dass das nicht so ist. Die App ist in Thailand quasi der etablierte Standard für Mobilitätsvermittlung von Mensch und Essen.

Ein Tauchshop-Betreiber sagte uns zudem, dass er auf seiner Visitenkarte Whatsapp nur pro forma für die westlichen Besucher drauf habe. Sonst nutze das hier nämlich keiner.

Die Standard-Kommunikationsapp in Thailand ist hingegen Line (sitzt in Japan). Einen WeChat– oder Telegram-Kontakt hatte er erst gar nicht, obwohl die Gegend gerade bei Russen und Chinesen ein sehr beliebtes Reiseziel ist. Möglicherweise gehen die aber auch einfach nicht so gerne schnorcheln.

Das alles sind letztlich eben doch nur individuelle Eindrücke meinerseits, die aber trotzdem hilfreich sind, ein differenzierteres Bild der (digitalen) Welt jenseits des eigenen geistigen Tellerrandes zu entwickeln.

Zurück am Schreibtisch

Und mit diesen frischen Eindrücken geht es nun auch hier im Blog wieder weiter. Denn auch wenn ich von Bitcoin in Thailand zwar nicht viel gesehen habe, so hat sich doch bei Bitcoin in den vergangenen zwei Monaten Einiges getan. Zudem verspricht das laufende Jahr sehr ereignisreich und spannend zu werden. Meine Themenliste ist dementsprechend lang und der nächste Honigdachs-Podcast selbstredend schon in der Vorbereitung.

Wie sich Nordkoreas Krypto-Ambitionen stoppen lassen

Ich bin die Tage eher zufällig auf ein bemerkenswertes Paper gestoßen, dessen Thema mich direkt in seinen Bann schlug und das ich gerade mit großem Interesse gelesen habe: Closing the Gap. Guidance for Countering North Korean Cryptocurrency Activity in Southeast Asia von David Carlisle und Kayla Izenman.

Nordkoreas Krypto-Ambitionen verstehen

Wie der Name schon sagt, geht es dabei im Kern um Nordkoreas wachsende Ambitionen, bestehende Sanktionen mit Hilfe von Kryptowährungen zu umgehen und wie man dem mit Blick auf die Region Südostasien begegnen könnte.

Klicken führt direkt zum Paper

Was das Paper so spannend macht und warum ich es mir direkt runtergeladen habe, ist, dass es eine Breite an Informationen aufbereitet, die man so nicht jeden Tag im Netz findet.

Allen voran natürlich über Nordkorea, dessen wachsende Cyberarmy und die konkreten Versuche, nun auch Kryptowährungen in ihren umfangreichen und seit Jahren erprobten Maßnahmenkatalog zur Umgehung von Sanktionen zu integrieren.

Von Nordkorea über Russland und Iran bis Venezuela

Es geht aber auch darum, wie andere Länder in ähnlichen Situation das Thema Kryptowährungen angehen: Russland mit seinem „Cyber-Rubel“, der Iran und natürlich Venezuela mit seinem ominösen „Pedro“-Projekt.

Außerdem bekommt man durch den Fokus auf Südostasien auch einen Einblick in die Bitcoin- und Kryptowährungssituation in Ländern wie Kambodscha, Indonesien, Laos, Malaysia, den Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam. Alles Länder, aus denen man jetzt nicht jeden Tag etwas erfährt.

Selbst wenn man mit Bitcoin nicht viel zu tun hat, macht das das Paper mit all seinen Quellen und Verweisen zu einem wirklich aufschlussreichen Dokument. Eine Publikation, die man für weitere Recherchen auf jeden Fall auf dem Schirm haben sollte.

Miniserie „Bad Banks“ – Wie real ist die Fiktion?

Ab heute Abend läuft die zu Recht vielbeachtete Miniserie Bad Banks nach Arte nun auch im ZDF. Das ist gut, denn damit werden die sechs Folgen noch ein viel größeres Publikum erreichen als die beachtlichen 1,3 Millionen Zuschauer (Stand gestern morgen), die sich die Serie schon vorab online und zusätzlich auf Arte angeschaut haben.

https://youtu.be/TuvV6De9X_w

Ich selbst habe gerade eben die erste Folge gesehen und bin wie viele andere durchaus begeistert. Das hat zum einen mit der Serie selbst zu tun, die mich von der ersten Minute an gefesselt und meine komplette Aufmerksamkeit gebunden hat.

Zum anderen aber auch mit dem Hintergrundwissen, dass ich bereits vorab hatte. Denn da die Serie auf der Berlinale vorgestellt wurde, gab es entsprechend viel mediale Berichterstattung.

Ausdauernde Recherche des Regisseurs

Eine Sache ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben: Der Regisseur Christian Schwochow erzählte im Radio-Interview, wie er, um glaubwürdige Figuren entstehen lassen zu können, lange und ausdauernd er in der Finanz-Szene recherchierte und dabei zunächst auf große Blockaden stieß, weil die Banken versuchten sich so gut wie möglich nach außen hin abzuschotten.

Später gelang es ihm aber durch Kontakte an Orte zu kommen, wo er niemals hätte sein dürfen. Den Menschen in den Banken, die ihn dorthin brachten, sei es jedoch enorm wichtig gewesen, dass jemand kommt und zu verstehen versucht, was sie dort eigentlich machen. Denn viele in den Banken wüssten das selbst gar nicht. Die Gespräche mit ihm, dem interessierten Regisseur, hätten daher für diese Menschen geradezu etwas Therapeutisches und noch heute würden ihn manche seiner Kontakt anrufen, um zu fragen, wann sie sich denn mal wieder träfen und redeten.

Die genaue Quelle ist leider nicht online verfügbar, in diesem  Interview hat er das aber in Teilen ebenfalls so gesagt. Es lohnt sich jedenfalls sehr, sich vor dem Anschauen von Bad Banks ein bisschen Kontext anzulesen, um zu erkennen, wie viel Realität hinter der Fiktion steckt. Diese Erkenntnis ist es nämlich, die die Serie zu einem Sollte man unbedingt gesehen haben macht.

„Blockchain-Technologie“ würde es nicht besser machen

Abschließend noch ein Gedanke oder viel mehr noch eine starke These, die mir seit besagtem Interview im Kopf herumgeht und die ich hier gerne mal zur Diskussion stellen will:

Kein einziges Projekt, das bisher unter dem Hype-Begriff „Blockchain“ veramarktet wird, ist hilfreich, eine mögliche weitere Krise zu verhindern.

Ganz im Gegenteil sogar. Viele „Blockchain“-Projekte finden es durchaus okay, wenn sie institutionalisiert werden (bspw. Ethereum) bzw. basteln Banken ja an eigenen vermeintlichen „Blockchain“-Projekten.

Ob dagegen nun Bitcoin hilfreich gegen mögliche Krisen ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt schwerer zu beurteilen. Im Gegensatz zu all den „Blockchain“-Projekten bin ich mir da aber zumindest immerhin noch nicht sicher.

Aber diesen Gedanken führe ich vielleicht ein anderes Mal etwas weiter aus. Bad Banks läuft jedenfalls heute Abend um 21:45 Uhr im ZDF und ist in der dortigen Mediathek noch bis zum 31. August dieses Jahres abrufbar.

Bitcoin im Mainstream (Japan Edition) und was das bedeutet

Gestern ging es hier noch um das Beispiel Hip Hop und Rap, an dem sich erkennen lässt, wie Bitcoin in Deutschland (und den USA) über die künstlerische Auseinandersetzung damit immer mehr in den Alltag und die Wahrnehmung der Gesellschaft getragen wird.

Verschiedene Kulturkreise nehmen Bitcoin unterschiedlich an

In Japan passiert das genauso. Nur zeigt sich das gleiche Phänomen dort eben in einem anderen Erscheinungsbild – orientiert an den dortigen kulturellen Gewohnheiten. Da rappen dann eben nicht Sido, Savas und Co. von Kryptowährungen, sondern es singen und tanzen die Virtual Currency Girls. (Wobei der Unterschied in dem Fall vielleicht doch nicht ganz so groß ist, Sido trug ja mal eine ähnliche Maske.)

Interessant an dieser Gegenüberstellung ist nun aber nicht allein die Beobachtung, wie verschiedene Kulturkreise unterschiedlich mit Bitcoin umgehen, sondern dass sie es können und auch machen. Denn es verdeutlicht zwei charakteristische Eigenschaften des Phänomens Bitcoin: die Unverbindlichkeit und die Interpretationsfreiheit.

Mit Unverbindlichkeit meine ich, dass keine Gesellschaft gezwungen wird, sich mit Bitcoin zu beschäftigen. Es gibt keine Institution, die den Umgang damit kollektiv verbindlich vorschreibt und definiert. Vielmehr steht es jeder Gesellschaft frei bzw. deren Individuen und Institutionen, selbst auszutesten, inwieweit Bitcoin Teil ihrer Kultur werden kann und soll.

Das bedeutet im Umkehrschluss aber natürlich auch, dass es die Möglichkeit gibt, Bitcoin abzulehnen, falls es sich als nutz- und funktionslos erweist bzw. sich kein gesellschaftliches Bedürfnis besser dadurch befriedigen lässt, als durch alle bislang verfügbaren Optionen. Jeder kann Bitcoin nutzen, niemand muss es.

Bitcoin ist Auslegungssache

Die Interpretationsfreiheit wiederum bedeutet, dass Bitcoin nicht ausdefiniert ist, sondern von jeder Gesellschaft in die eigenen Lebenswirklichkeit integriert und auf die individuellen Bedürfnisse angepasst werden kann. Bitcoin (als konkretes Projekt) befindet sich schließlich in einer beständigen Weiterentwicklung, einer Art institutionalisierten Evolution. Trotzdem kann jeder es jederzeit nehmen und schauen, ob und welche individuellen Ziele oder Probleme sich damit erreichen oder lösen lassen.

Während ein nicht-zensierbares, staatenunabhängiges Geld derzeit bspw. in Venezuela das Überleben sichern kann, bedeutet es für deutsche Rapper hingegen, dass sie sich „Malle kaufen können“. In Argentinien wiederum sind Kryptowährungen der einfachste Weg, am internationalen Geldhandel teilzunehmen und in China ist Glücksspiel viel mehr Bestandteil der kulturellen Identität als bei uns. Dass dort daher auch gerne mit technisch möglicherweise vollkommen sinn- und nutzlosen Altcoins oder ICO-Token spekuliert wird, überrascht daher nicht.

Letztlich hat das Wort Bitcoin daher in jedem Land oder jedem Kulturkreis eine leicht andere Bedeutung mit unterschiedliche Konnotationen, die durch die gesellschaftliche Auseinandersetzung damit immer wieder neu bestimmt und bewertet werden müssen.

Bitcoin ist nur schwer zu fassen

Das wiederum macht es aber im Übrigen auch schwer, bis nahezu unmöglich, Bitcoin auf globaler Ebene zu regulieren, wie es bspw. Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Wuermeling gerade gefordert hat.

Zum einen, weil es bislang weder eine verbindliche Definition gibt, was Bitcoin eigentlich ist (Geld? Technologie? Chance? Bedrohung?), noch welche Probleme durch eine Regulierung möglicherweise gelöst und welche Chancen damit gleichzeitig verbaut würden. Ganz davon abgesehen, dass sich Bitcoin in der Realität bedeutend schneller weiterentwickelt als staatliche (vor allem demokratische) Institutionen politische Entscheidungen produzieren können.

Insbesondere, wenn der Wunsch am Phänomen Bitcoin teilzuhaben, aus welchen konkreten Gründen auch immer, aus der Gesellschaft heraus wächst und sich dort zunehmend verankert. In Südkorea haben jedenfalls schon knapp 220.000 Menschen die Petition gegen angedeutete, aber als „ungerechtfertigt“ empfundene Regulierungen vom Staat unterzeichnet.

Privatsphäre durch Bitcoin-Gewinne stärken

Privatsphäre ist eines der Hauptziele, aus denen heraus Bitcoin überhaupt erst ins Leben gerufen wurde. Doch ist das Thema größer als dass Bitcoin allein das Werkzeug sein könnte, um die Integrität unser aller Privatsphäre zu sichern und wieder herzustellen. Denn es geht dabei ja nicht nur um den Schutz sensibler und persönlicher Transaktions- und Finanzdaten, sondern um ein Grundrecht.

Es lohnt sich für Privatsphäre zu kämpfen!

Eindrucksvoll gezeigt und durchgesetzt hat das vor einigen Jahren Max Schrems, der als Student begann, sich mit dem datenhungrigen Goliath Facebook auseinanderzusetzen, auf sein Recht klagte und damit u.a. das Safe-Harbor-Abkommen zum Datenaustausch zwischen der EU und den USA kippte. Durch sein beharrliches Engagement hat er uns allen damit einen großen Dienst erwiesen, ohne dass wir selbst etwas dafür tun mussten.

Nun gibt es jedoch die Möglichkeit, Max Schrems nicht nur zu danken, sondern ihn konkret dabei zu unterstützen, sich noch viel mehr für die Privatsphäre und den Schutz der Daten von jedem einzelnen von uns einzusetzen. Dieser Tage läuft nämlich das Crowdfunding für den Start der von ihm mitinitiierten NGO noyb (steht für „none of your business“).

Datenschutz gemeinsam durchsetzen

Ziel ist es, eine tatkräftige Institution aufzubauen, die die Datenschutzrechte von uns allen verteidigt und gegen Verstöße (insbesondere von Unternehmen) vorgeht. Systematisch und notfalls eben auch gerichtlich. Um diese Aufgabe wahrzunehmen werden zum Start nun 250.000 Euro gebraucht, von denen aktuell bereits 176.000 Euro zusammen gekommen sind.

Das wiederum zeigt, wie wichtig und bedeutend das Thema Datenschutz für die Menschen ist und auch, dass die Chancen gut stehen, in den verbleibenden gut zwei Wochen das gesetzte Funding-Ziel zu erreichen.

Bitcoin nutzen, bedeutet Verantwortung zu übernehmen

Wer Kryptowährungen daher nicht nur als Möglichkeit sieht, schnell reich zu werden, sondern sich (auch) den Idealen von Bitcoin verbunden fühlt, sollte überlegen, zumindest einen kleinen Teil der Gewinne der letzten Monate sinnvoll zu investieren. Die Datenschutz- und Priatsphäre-NGO noyb läge dabei jedenfalls genau auf einer Linie mit den Werten, für die auch Bitcoin und einige andere Kryptowährungen stehen.

Denn der Staat kann zwar den rechtlichen Rahmen für Datenschutz und Privatsphäre definieren, doch sind wir selber in der Verantwortung diesen aktiv mitzugestalten und unsere Rechte schlussendlich auch durchzusetzen. Die Finanzierung einer entsprechenden Organisation ist dabei ein einfacher und effektiver erster Schritt. Zumal noyb neben der Mitgliedschaft auch Spenden nicht nur per „Good Old Bank Account“ (sic!), sondern auch in Bitcoin, Ether und Litecoin akzeptiert, die ggf. sogar steuerlich anerkannt werden.

PS: Vielleicht kann ja auch jemand der Organisation dabei helfen, eine zeitgemäße und sichere Kryptowährungs-Umgebung inkl. Multisig-/SegWit-/HD-Adressen und Co aufzubauen. Sie sind für jede Hilfe dankbar.

Doku: Bitcoin – Blase oder Digitales Gold?

Das Y-Kollektiv hat eine ganz interessante Kurzdoku über Bitcoin online gestellt und wer wie ich die Woche nicht gern direkt mit Arbeit beginnt, findet hier eine sinnvolle Alternative.

Raus auf dem Eat-Work-Buy-Sleep-Repeat-Hamsterrad

Von der etwas ambivalenten niederländischen Aussteigerfamilie, die ihr Haus für Bitcoins versetzt hat, nun auf dem Campingplatz wohnt und auch gar nicht zurück will (andererseits aber offensichtlich auch nicht auf den Luxus einen riesigen Fernsehers verzichtet) bis zum kritischen Tech-Journalisten gibt es in der guten Viertelstunde eine abwechslungsreiche Reise durch Bitcoin, die Fragen beantwortet, aber auch neu aufwirft.

Für den Wochenstart eigentlich genau das Richtige.

Welt ohne Banken? – Sehr gute 3sat-Bitcoin-Doku

Vergangenen Freitag lief auf 3sat die halbstündige Bitcoin-Dokumentation Welt ohne Banken? Die Blockchain-Revolution.

Ich habe sie mir gerade angeschaut und war unterm Strich sehr angetan. Denn durch die umfassende Recherche und den guten roten Faden, habe ich die Sendung nicht nur gespannt verfolgt, sondern durch die vielen Handlungsorte und interessanten Akteure, die wiederum mit teils überraschend ehrlichen Statements zu Wort kommen (u. a. der Vertreter der Bundesbank, Jochen Metzger), auch Einiges erfahren, das ich vorher noch nicht wusste.

Erklärt Bitcoin sehr gut und zeigt die Wucht des Wandels

Ich glaube, für Zuschauer, die vorher noch gar nichts oder nicht so viel von Bitcoin oder der Blockchain gehört haben, ist das ein hervorragender Film, um zu verstehen, wie groß und wuchtig der Wandel ist, der durch beides eingeleitet wurde. Und dass dieser Wandel eben nicht erst noch kommt, sondern bereits in vollem Gange ist. Großes Lob daher an die Autoren.

https://youtu.be/_A88oGnMbn0

Dennoch kleine inhaltliche Schwächen

Bei genauem Hinsehen fallen jedoch auch hier ein paar Schwächen auf, weil der Film an wichtigen und widersprüchlichen Stellen nicht die richtigen Fragen stellt. Zum Beispiel fasst der Sprecher zusammen, nachdem die Blockchain vorher bereits als System ohne Intermediäre erklärt wurde:

„Das Potential der Blockchain in der Bankenwelt ist riesig. Teure zentrale Instanzen im Geldverkehr wären überflüssig. Schalten die Banken ihre Mittelsmänner aus, lassen sich Milliarden einsparen.“

Das ist ein offensichtlicher Widerspruch, da erstens Banken zuvor als genau diese Intermediäre identifiziert wurden und zweitens nicht hinterfragt wird, ob eine Banken-interne Blockchain überhaupt Sinn ergibt. Ergibt sie nämlich nicht. Oder es ist eben gar keine Blockchain.

Auch bei anderen Beispielen wäre die Frage sinnvoll gewesen, ob die Blockchain für das aufgezeigte Problem tatsächlich die beste aller Lösungen ist. Gerade wenn es um den Nachweis der Herkunft von Lebensmitteln geht, habe ich nämlich große Zweifel, dass eine dezentral organisierte Datenbank das Problem löst, dass verunreinigte oder vergammelte Lebensmittel auf den Markt kommen. Ist die technische Infrastruktur hier wirklich das größte Problem?

Etwas kritischere Nachfragen wären gut gewesen

Zumal auch das Kapazitätsproblem der Blockchain nicht hinreichend eingeordnet wird. Man zeige mir bitte die Blockchain, die die biometrischen Daten aller identitätslosen Menschen auf dieser Welt zu fassen vermag. Möglicherweise gibt es da erste Prototypen, aber auch hier bleibt dann die Frage, ist das noch ein Prototyp oder wirklich schon eine Blockchain?

Insgesamt hätte der Dokumentation noch eine Prise mehr kritische Distanz in der Hinsicht gut getan, was aktuell der tatsächliche Stand von „Blockchain“ ist und was bislang Ideen sind, was man damit irgendwann einmal machen könnte. Aber das alles ist Jammern auf hohem Niveau. Ich kann diese Doku daher dennoch sehr empfehlen.

Global Cryptocurrency Benchmark Study

Es kommt bei mir selten vor, dass Tabs so lange in meinem Browser offen bleiben, wie der zur ersten Global Cryptocurrency Benchmark Study. Denn normalerweise verlieren die Inhalte im Crypto-Ökosystem schnell an Aktualität und alsbald lohnt es dann (oftmals leider) nicht mehr einen Beitrag zu schreiben.

Zahlen zu Bitcoin, die es nirgendwo anders gibt

Bei der Global Cryptocurrency Benchmark Study ist das anders. Die wurde zwar bereits in der ersten Jahreshälfte 2017 veröffentlicht und damals auch hier und da auf Blogs und Newsseiten erwähnt. Insgesamt hat jedoch noch nicht die Beachtung gefunden, die sie eigentlich verdient hat. Denn wer sich für das Bitcoin-Ökosystem als Ganzes interessiert, findet hier gleich eine ganze Reihe fundierter Zahlen, die es nirgendwo anders gibt.

employes in cryptocurrency
Angestellte in Krypto-Unternehmen (S. 23)

So bietet die Studie z. B.  Zahlen zu Arbeitsplätzen (S. 23), denen zufolge mindestens 1876 Menschen bereits Vollzeit in der Krypto-Industrie arbeiten. Die meisten davon in Nordamerika und im asiatisch-pazifischen Raum, die wenigsten mit 29 in Afrika.

Statistik ohne Marketing-Verzerrung

Auch die Anzahl der Menschen, die Kryptowährungen benutzen, ist eine elementare Frage, auf die es bislang aber keine verlässliche Antwort gibt. Kann es in einem dezentralen System auch gar nicht geben. Die Daten der Studie lassen aber zumindest begründete Schätzungen zu und das ist in diesem Falle besser als nichts. Zwischen 2,9 und 5,8 Millionen schätzen die Autoren (S. 25).

Diese Zahl mag überraschen, wenn schon einzelne Wallet-Anbieter wie blockchain.info im vergangenen November die 10 Millionen Wallets-Marke überschritten (aktuell sogar mit knapp 17 Millionen). Genau deswegen ist diese Studie aber so wichtig, denn sie trennt Statistik und Marketing und versucht so ein realistischeres Bild des Krypto-Ökosystems zu zeichnen und ist damit u. a. für Journalisten eine relevante Quelle.

Global Cryptocurrency Mining Map (S. 93)

Auch der Themenkomplex Mining ist aufschlussreich. Insbesondere die Mining Map ist dabei interessant. Denn hier werden globale Mining-Locations anhand der Faktoren Internetgeschwindigkeit, Klima und Stromkosten verglichen.

Vorsicht vor zu schnellen Schlüssen

Natürlich kann man kritisieren, dass auch diese Studie, so sehr sie sich auch bemüht, belastbare Zahlen zu erarbeiten, doch auch an der Herausforderung der Dezentralität scheitert. Denn ein Wert von knapp 2000 Vollzeit-Arbeitsplätzen, die weltweit in der Krypto-Industrie geschaffen wurden, ist nicht nur mengenmäßig ein Witz, sondern verleitet auch dazu, all die statistisch nicht Erfassten bzw. Erfassbaren zu vergessen. Ich selbst befasse mich bspw. durchaus nahezu Vollzeit mit Bitcoin ohne statistisch aber als bitcoinvollzeitbeschäftigt zu gelten. 90 Prozent der Menschen, die ich im Bereich Bitcoin kenne, geht es vermutlich ähnlich. Man muss daher auch die Daten der Global Cryptocurrency Benchmark Study kritisch lesen.

Nichtsdestotrotz ist sie jedoch eine enorme Bereicherung für alle, die auf der Suche nach fundierten Erkenntnissen über das Phänomen Bitcoin sind. Zumal geplant ist, die Studie regelmäßig zu wiederholen und ich gehe davon aus, dass schon die nächste noch viel mehr interessante und bisher schlichtweg nicht erhobene Informationen liefern wird.