Archiv der Kategorie: Amerika

ETF abgelehnt. Bitcoin reagiert gelassener als erwartet

Gestern Abend zu (hierzulande) später Stunde hat die US-Börsenaufsicht (SEC) nach jahrelanger Bearbeitungszeit und vielem hin und her ihre Entscheidung verkündet, den von den Winklevoss-Brüdern beantragten Bitcoin ETF nicht zu genehmigen. (Mehr zum Hintergrund hier).

Ablehnung des Bitcoin ETF nicht überraschend

Man kann nicht sagen, dass diese Entscheidung überraschend kam. Bei meiner spontanen kleinen Twitter-Umfrage gestern glaubten nur 48 Prozent an eine Zustimmung der SEC. Etwas mehr als die Hälfte war skeptisch.

Unterm Strich deckte sich diese letztlich sehr knappe Unentschlossenheit auch mit der Stimmung, die vorab in vielen anderen Umfragen und Vorhersagen im Bitcoin-Ökosystem kursierten. Wobei nicht wenige auch einfach nur auf einen rakentenhaften Kurszuwachs im Falle einer Zustimmung und damit letztlich auf schnelles Geld hofften.

Enttäuschung kaum spürbar

Doch auch wenn sich die Enttäuschung über die Ablehnung des Bitcoin ETF – wie erwartet – in einem sofortigen Kurseinbruch zeigte, fielen die Reaktionen insgesamt deutlich weniger dramatisch aus, als von manchen im Vorfeld befürchtet. Der Kurs fing sich sehr schnell wieder und begann sofort wieder zu steigen.

Auch das ist wenig verwunderlich. Denn es gab in den vergangenen Jahren kaum eine Gelegenheit, bei der man zeitlich so genau auf eine 50:50-Chance hoffen konnte, verhältnismäßig billige Bitcoins zu kaufen.

„Billig“ hat bei Bitcoin eine ganz eigene Bedeutung

Wobei die Definition von „billig“ in diesem Zusammenhang für viele offenbar direkt mit der symbolisch wichtigen 1000 US-Dollar-Marke verbunden war. Aber auch darüber hinaus scheint (außer den Winklevoss-Brüdern vielleicht) kaum einer diesem Bitcoin ETF ernsthaft eine Träne nachzuweinen.

Erleichterung und Rückbesinnung auf Bitcoins wahre Werte

Vielmehr äußern viele direkt ihre Erleichterung und zwischen den Zeilen der anderen schimmert die Rückbesinnung auf die ursprünglichen Werte der Bitcoin-typischen, rebellischen Unangepasstheit durch.

Dass der Bitcoin ETF wegen mangelnder Regulierungsmöglichkeiten abgelehnt wurde, ist ja schließlich genau der Grund, warum Bitcoin heute so groß und relevant ist und weiter wächst: Niemand kann es (idealerweise) kontrollieren.

Bitcoin ist kein US-amerikanisches Phänomen

Was man an dieser Stelle aber auch noch einmal explizit betonen muss: Die vergleichsweise milden Kurs-Reaktionen sind auch ein Indiz dafür, dass man den Einfluss der USA auf Bitcoin nicht überschätzen darf.

Zwar haben viele Entwickler, Medien und Investoren US-Bezug und Englisch dominiert als Sprache die Kommunikation und Berichterstattung in der westlichen Welt. Trotzdem hatte die Entscheidung der SEC für einen Großteil der global verteilten Bitcoin-Community letztlich aber nur wenig Relevanz.

Nach dem Bitcoin ETF ist vor der Blocksize-Debatte

Alles in allem ist die langerwartete Entscheidung damit aber endlich vom Tisch und man kann in Bitcoin-Land wieder zur Tagesordnung übergehen. Es ist ja nicht so, dass es nicht noch andere, bedeutend wichtigere Baustellen gäbe. Eine nachhaltige Lösung für die noch immer schwelende Blocksize-Debatte zu finden,  ist letztlich um ein Vielfaches wichtiger für Bitcoin als ein Bitcoin ETF. Bevor es die nicht gibt, macht es wenig Sinn ernsthaft über solche Spekulations-Instrumente für den Massenmarkt nachzudenken. Insofern war die Entscheidung der SEC sowohl für die Verbraucher, die sie schützen soll, als auch für Bitcoin letztlich eine gute.

In jedem Fall können wir aber festhalten: Die Auswirkungen, die einzelne Ereignisse auf Bitcoin haben, selbst wenn sie mit so großem Interesse verfolgt werden wie dieses, werden kleiner. Das ist eine sehr, sehr positive Entwicklung in Richtung Stabilität und Zuverlässigkeit.

Ach ja: Bitcoin ist tot! mal wieder …

Und bevor wir es vergessen. Falls recherchefaule Redakteure für das Thema noch eine hübsche Clickbait-Schlagzeile suchen. Wie wär es hiermit:

https://twitter.com/jamesjcousins/status/840506257920413696

Honigdachs #12 – Bitcoin international

Die zwölfte Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan (bitcoinprivacy.net), Manuel (guidap.de) und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin und die Blockchain zu reden auf Dauer zu wenig ist.

Honigdachs -12 – Bitcoin international

Dieses Mal nehmen wir Stefans gerade erst begonnene Weltreise zum Anlass, um ein bisschen über den Tellerrand zu schauen und zu diskutieren, was wir bislang über Bitcoin in einzelnen Ländern wissen. Denn viel zu oft wird außer Acht gelassen, dass Bitcoin ein globales Phänomen ist und überall auf der Welt anders wahrgenommen und eingesetzt wird.

Zum Beispiel haben die SBB, die „Schweizerischen Bitcoin Bahnen“ gerade erst bekannt gegeben, dass man künftig an über 1000 ihrer Fahrkartenautomaten auch Bitcoins kaufen kann. Ein smarter Schachzug, der international für Aufmerksamkeit sorgt und den Bloggern und Journalisten dieser Welt endlich einmal wieder gebührend Anlass bietet, mit schrägen Bahnreise-Wortspielen zu kalauern.

Auf diesen Zug wollen wir aber gar nicht erst aufspringen, sondern halten es lieber mit Jules Verne: „In 80 Minuten um die (Bitcoin-)Welt!“ Bitte sehr, hier entlang …

Shownotes nach dem Klick.

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Bitcoin im Museum

Nice! Reddit-User 3xploit hat im National Museum of History in Washington DC den Ausstellungsbereich zum Thema Geld besucht und dort auch Bitcoin entdeckt.

Bitcoin als Teil der Geschichte

Leider hat man dem Thema jedoch nicht allzu viel Platz eingeräumt und mit 2014 bis 2015 einen erstaunlich subjektiven Betrachtungszeitraum für den Kursverlauf gewählt. Da wäre ein Update mal dringend nötig. Aber nichtsdestotrotz: Bitcoin ist seit 2015 im Museum und somit in Amerika ganz offiziell Teil der Geschichte.

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NYXBT – der „offizielle“ Bitcoin-Index der NYSE

Die New Yorker Börse (NYSE) hat vor ein paar Tagen damit begonnen einen eigenen Index für den aktuellen Bitcoin-Kurs auszugeben, den NYSE Bitcoin Index, kurz NYXBT. In der Pressemitteilung heißt es dazu:

„Der NYXBT-Index wird den Wert einer Bitcoin-Einheit in US-Dollar repräsentieren, gemessen aus laufenden Transaktionen ausgewählter Bitcoin-Börsen, die evaluiert wurden und den Qualitätsstandards der NYSE entsprechen.“

Der „offiziellere“ Bitcoin-Kurs mit schlechteren Daten

Auf den ersten Blick ist das natürlich eine großartige Nachricht, denn ein quasi „offizieller“ Kurs macht den Umgang mit Bitcoin für viele Marktteilnehmer wesentlich einfacher, für manche sogar überhaupt erst möglich. Denn es stimmt schon. Wenn die NYSE mit ihrer Marktmacht und mit dem eigenen Ruf bürgt, dann bewirkt das mehr als wenn ein Open Source Projekt wie bspw. Bitcoin Average die Daten für den aktuellen Kurs bereit stellt.

Wobei letztere aber trotzdem die deutlich valideren Daten haben, denn der NYXBT beruht bisher nur auf den Handelsdaten einer einzigen Bitcoin-Börse: Coinbase, an der die NYSE selbst Anteile hält. Das macht den Index natürlich anfällig, denn Coinbase ist zweifelsohne ein Schwergewicht des Bitcoin-Ökosystems, aber es ist nur ein (amerikanischer) Marktteilnehmer von vielen (globalen) und den aktuellen Bitcoin-Wert nur aus einer einzigen Quelle zu beziehen ist unter statistischen Gesichtspunkten fahrlässig.

Mehr Daten sind geplant

Aber der NYXBT ist auch erst der Anfang. Die NYSE will künftig sowohl noch weitere Indices herausgeben als auch zusätzliche Datenquellen erschließen. Vierteljährlich soll dabei die Methodik überprüft werden und hoffentlich entscheidet das Komitee dann auch häufiger als bisher den aktuellen Index-Wert zu veröffentlichen. Nur einmal am Tag ist für Bitcoin zumindest bisher noch deutlich zu wenig.

21, Inc & die Bitcoin-Chips fürs Internet der Dinge

Heute verweise ich nur ganz kurz auf die (nach langen Spekulationen) nun endlich offizielle Bekanntgabe, was das bisher bestfinanzierte amerikanische Bitcoin-Unternehmen 21 Inc denn nun eigentlich machen will und was das ominöse Licht ist, das so viele namhafte Investoren und Kooperationspartner hat monatelang begeistert aber schweigsam um das Unternehmen kreisen lassen.

21, Inc – Die Kurzfassung

Es geht um spezielle Chips namens BitShare (nicht zu verwechseln mit BitShares!), die integriertes Bitcoin-Mining ermöglichen und damit jedes Gerät, das Zugang zum Internet hat, zu einem Mini-Miner machen und so die Grundlage für das Internet der Dinge legen sollen.

21, Inc – Wie es der Geschäftsführer sieht

Balaji S. Srinivasan, Mitgründer und neuer CEO von 21, Inc, beschreibt in „A bitcoin miner in every device and in every hand“ das eigene Geschäftsmodell.

21, Inc – Die Geschäftsführersicht ohne „crazy talk“

Redditor pb1x „übersetzt“ den Crazy-Geschäftsführer-Talk in „something that could possibly make sense“.

21, Inc – aus Investorensicht

Zusätzlich sind im Netz auch ein paar interessante Folien aufgetaucht, die wohl aus der Präsentation für Investoren stammen und nicht alles, aber einiges, des ambitionierten Planes von 21.co verraten:

21, Inc. – Investor Slides

Fazit

Gemeinsam mit den Superwallets klingen die BitShare-Chips nach dem großen Ding, mit dem Bitcoin unseren Umgang mit Geld und dem Internet binnen kurzer Zeit revolutionieren könnte. Allerdings ist es noch zu früh für Lorbeeren. Erst muss 21, Inc seine Kritiker widerlegen und u.a. beweisen, dass der aktuelle Bitcoin-Kurs für das eigene Geschäftsmodell doch nicht zu niedrig ist.

21 Millionen Bitcoin-Toaster

In der Financial Times ist mit „Meet the company that wants to put a bitcoin miner in your toaster“ ein gleichermaßen spannender wie skeptischer Artikel über das immer noch ebenso nebulöse wie gehypete Bitcoin-Startup 21 Inc erschienen. Darin werden die wenigen Informationen zusammengetragen, die bisher über das Unternehmen im Umlauf sind, in das nahezu das komplette Who-is-Who namhafter Bitcoin- und Internet-Investoren Geld gesteckt hat.

Die große 21 Inc-Vision: Integriertes Mining für Heimanwender

Das Bild das sich daraus ergibt ist das eines Unternehmens, dass an der Schnittstelle zwischen Bitcoin, Mining (auch von Daten!) und dem Internet der Dinge operieren will und durch Onboard-Design letztlich kleine Miner in jeden Haushalt bringen will. Vernetzte Toaster bspw. wären dabei nur eine der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten.

Der Bitcoin-Kurs spielt jedoch nicht mit

Inwieweit diese Aussagen stimmen und ob sie jemals umgesetzt werden, bleibt allerdings abzuwarten, denn aus gut informierten Kreisen heißt es wohl auch, dass der Wert von Bitcoin aktuell bereits unter dem Grenzwert liegt, den 21 Inc in seinem ursprünglichen Businessplan als Worst-Case-Szenario beschreibt.

Bitcoin – der Zwischenstand Q1 2015

CoinDesk hat kürzlich seinen neuen, regelmäßigen State of Bitcoin Report veröffentlicht, einen der wichtigsten, frei zugänglichen Datensätze für die Beschreibung des Status Quo von Bitcoin.

Lesenswert nicht nur für Investoren und Exceltabellen-Jongleure, sondern für jeden, der in irgendeiner Weise mit Bitcoin zu tun hat. Vor allem, da die 86 Folien wie immer eher kurzweilig als textlastig gestaltet sind.

Rekordinvestitionen in Bitcoin-Startups

Das herausragende Thema ist dabei die Rekordinvestitionssumme von 229 Millionen Dollar in Bitcoin-Startups allein im ersten Quartal 2015. Das entspricht einem Drittel aller bisherigen Investitionen und ist Beleg eines seit geraumer Zeit beständig starken Wachstums der Branche.

Mehr Details zur derzeitigen Kursentwicklung, zum technologischen und regulatorischen Stand und zum medialen Umgang mit Bitcoin gibt es im zugehörigen CoinDesk-Artikel. Eine 1:1-Übersetzung davon gibt es hier.

Digitales Bezahlen #18 – Der Bitcoin-Podcast

Jeden Mittwoch gibt es hier die aktuelle Folge des #DigitalesBezahlen-Podcasts, den ich in Kooperation mit dem Leipziger Onlineradio detektor.fm produziere. Abonnieren kann man den Podcast hier. Mehr Informationen und eine Übersicht über alle bisherigen Folgen gibt es auf der zugehörigen Podcast-Seite.

Kampf der Dollarisierung

Diese Woche haben wir über Ecuador gesprochen und wie das kleine Land dem großen Dollar den Kampf angesagt hat. Seit der Jahrtausendwende hat Ecuador keine eigene Staatswährung mehr. Politische und wirtschaftliche Instabilität haben das Land damals zur Dollarisierung gezwungen. Der Sucre wurde abgeschafft, der US-Dollar zur offiziellen Staatswährung und das Land verlor einen Großteil seiner geldpolitischen Souveränität.

Mit der ersten elektronischen Staatswährung weltweit will der kleine Andenstaat dieser Schmach nun begegnen. Doch ganz so schnell wird es den Dollar nicht loswerden.

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Digitales Bezahlen #17 – Der Bitcoin-Podcast

Jeden Mittwoch gibt es hier die aktuelle Folge des #DigitalesBezahlen-Podcasts, den ich in Kooperation mit dem Leipziger Onlineradio detektor.fm produziere. Abonnieren kann man den Podcast hier. Mehr Informationen und eine Übersicht über alle bisherigen Folgen gibt es auf der zugehörigen Podcast-Seite.

Facebook hat Details zu seinem neuen Bezahlmodell vorgestellt, mit dem sich die Nutzer künftig über die Messenger-App Geld schicken können sollen. Ob es allerdings jemals das digitale Bezahlen für die täglich fast 900 Millionen Nutzer revolutionieren wird, ist fraglich. Zu ängstlich, konservativ und eigensinnig ist der Ansatz.

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Ecuador startet digitale Staatswährung

Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit ist Ecuador seit vergangenem Donnerstag offiziell das erste Land, in der mit einer staatseigenen digitalen Währung, dem Dinero Electrónico, bezahlt werden kann.

Bereits im Juli vergangenen Jahres hatte das Parlament ein Gesetz verabschiedet, das der Zentralbank erlaubt digitales Geld zu erschaffen. Seit Dezember konnten dann erste Account angelegt werden. Nun lassen sich also auch Transaktionen tätigen. Damit ist das digitale Geld offiziell im Umlauf. Trotzdem ist es weiterhin umstritten.

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