Archiv der Kategorie: Asien

Lesetipp #5 – Bitcoin, Retter in der Not

Der Brasilianer Marco Agner wollte für ein Jahr nach Thailand. Eingentlich ohne Bitcoin, denn er plante dafür zunächst 5000 brasilianische Real ein, umgerechnet 2300 US-Dollar. Um die beachtlichen Steuern von mehr als 6 Prozent zu sparen, die der brasilianische Staat bei Auslandsüberweisungen erhebt, hat er das Geld kurzerhand in bar mitgenommen. Vor Ort musste er jedoch leider feststellen, dass es kein Einzelfall ist, wenn eine thailändische Geldwechselstube keine brasilianischen Real annimmt. Im ganzen Land ist es grundsätzlich unmöglich diese umzutauschen.

Auch seine Bitcoin waren in Brasilien geblieben

21 Flugstunden von zu Hause besaß Marco Agner plötzlich nichts mehr außer seinem Rucksack, einem großen Bündel wertloses Papier, 40 US-Dollar, die er glücklicherweise in Abu Dahbi bereits umgetauscht hatte und seinem Smartphone. Was ihn letztlich rettete? Das Internet und Bitcoin!

Die ganze Geschichte hier: How Bitcoin Saved My Life In Thailand

Bill Gates über das Potential der „Unbanked“

Der Vortrag, den Bill Gates bei der Sibos-Konferenz Anfang Oktober gehalten hat, handelt nicht explizit von Bitcoin. Vielmehr geht es um die enormen Möglichkeiten, die sich ergeben, wenn man allen Menschen auf der Welt Zugang zu einem digitalen Geldsystem ermöglicht. Das wiederum ist heute leichter denn je, immerhin sind Handys und Smartphones selbst in Entwicklungsländern weit verbreitet.

Digitales Bezahlen als direkte, nachhaltige und angewandte Entwicklungshilfe quasi und letztlich dann doch auch ein Thema, das direkten Bitcoin-Bezug hat, denkt man an Unternehmen wie bspw. 37coins. Das arbeitet mit Blick auf die Infrastruktur von ärmeren Ländern daran, dass sich Bitcoins auch ohne Internet, sondern einfach per SMS verschicken lassen.

Die teure Welt der Überweisungen

Der Guardian hat eine eindrucksvolle Infografik zusammengestellt, die die ausbeuterische Ungerechtigkeit bei den Gebühren internationaler Überweisungen veranschaulicht. Unter diesen leiden, wenig überraschend, vor allem die Entwicklungsländer, deren Bevölkerung vielfach darauf angewiesen ist, dass Wanderarbeiter ihren Lohn zurück zu ihren Familien schicken.

Afrika bekommt die Gebührenlast dabei am deutlichsten zu spüren. Durchschnittlich 11,55 Prozent kostet eine transnationale Überweisung, wenn es in eine Land auf dem schwarzen Kontinent geht. Dazu zählen auch Überweisungen innerhalb Afrikas. So fallen bspw. beim Geldtransfer von Südafrika ins Nachbarland Botswana unglaubliche 22,69 Prozent Gebühren an. Laut Weltbank gingen den Menschen in Botswana im Jahr 2012 auf diese Weise 8,17 Millionen US-Dollar verloren. Einfach nur, weil Banken jeden Fünften Dollar für sich behielten.

Das in Summe meiste Geld wird übrigens von den USA nach Mexiko geschickt (22,81 Milliarden, 2012) , dafür fielen mit 7,26 Prozent jedoch nur verhältnismäßig „moderate“ Gebühren an. Nichtsdestotrotz verdienten die Banken ob der enormen Geldmenge auch so stattliche 1,66 Milliarden US-Dollar.

Unter den weltweit 30 teuersten Transferkorridoren ist Deutschland übrigens gleich sechs Mal vertreten. Mit Ghana (17,04 Prozent), China (16,18 Prozent), Marokko (14,56 Prozent), Kroatien (14,53), das 2012 aber auch noch nicht Mitglied der EU war, Nigeria (14,45 Prozent) und dem Libanon (12,79 Prozent).

Am günstigsten ist es dem Guardian zufolge Geld von Russland nach Armenien zu schicken. Das kostet „nur“ 1,72 Prozent. Aber auch das ist im Vergleich zu den Bitcoin-Transaktionsgebühren immer noch eine ganze Menge.

Noch mehr chinesische Mining-Madness

Neulich war Jacob Bitsmith von meinem derzeitigen Lieblingsblog The Coinsman in einer beeindruckenden chinesischen Bitcoin-Mine, die wie ein riesiger Schwarm wütender Bienen klang. Sagenhafte 60.000 US-Dollar für Stromkosten fallen dort monatlich an.

Das allerdings sind nur Peanuts im Vergleich zu der Mine, die er nun besucht und die im Monat 1 Million US-Dollar an Strom verschlingt, im Gegenzug aber auch im einstelligen Petahash-Bereich arbeitet.

Zum Vergleich: Anfang des Jahres habe ich getestet, ob sich Bitcoin-Mining im privaten Bereich lohnt (tl;dr: nein). Damals hatte ich einen kleinen USB-Miner mit 336 Megahashes auf dem Schreibtisch stehen. In dieser chinesischen Industriehalle (das Gebäude wurde und wird extra dafür gebaut) laufen hingegen einige Milliarden Megahashes und das ist sehr, sehr viel, denn die Rechenleistung des Bitcoin-Netzwerks liegt derzeit insgesamt bei „nur“ rund 220 Petahashes. Würde also jemand diese Mine nach Belieben an- und ausknipsen, bekäme das Netzwerk aber ordentlich Schluckauf.

Nichtsdestotrotz – das experimentelle Kühlsystem ist bemerkenswert und die Professionalität des gesamten Komplexes erinnert mich irgendwie an Los Pollos Hermanos. Außerdem muss in dieser Mine niemand wohnen.

Dennoch finde ich diesen wahnhaften Gigantismus äußerst befremdlich. Diese von Profitgier getrieben Gigantomanie läuft letztlich ja doch wieder auf Zentralisierung hinaus und ich glaube auch Satoshi Nakamoto wäre ob des derzeitigen Außmaßes wohl not amused.

Bildnachweis: Jacob Bitsmith/The Coinsman

Bitcoin in Israel

Spannender Teaser für die israelische Bitcoin-Doku Crypto for the Masses!, deren Crowdfunding-Kampagne gerade gestartet ist. Ich persönlich halte Israel und die angrenzenden Staaten und Gebiete ja für eine der spannendsten Regionen für Kryptowährungen. Weniger wegen des Geld-Aspekts als vielmehr in Hinsicht auf gesellschaftliche Transformationsprozesse.

Die wütenden Bitcoin-Bienen

Ich habe ja ein neues Lieblingsblog: The Coinsman von Jacob Bitsmith (sic!). Und dass mir deren Seite so gut gefällt, liegt nicht nur an Ähnlichkeiten in der Domain-Namenwahl. Vielmehr ist es diese grundsympathische Auffassung über die wahren Werte eines Bitcoin-Blogs, die mir tief aus der Seele sprechen, im Netz ansonsten aber leider sehr selten zu finden sind. Vor allem bei der Vielzahl von Cryptocurrency-Newsblog-Klonen:

Eine gute Geschichte ist immer wichtiger als Klickzahlen
und Werbebanner!

Und über solch eine ausgezeichnete Geschichte bin ich auch erst auf den Blog gestoßen. Jacob Bitsmith ist nämlich in eine Bitcoin-Mine im Nordosten Chinas gefahren und hat dort jede Menge Bilder gemacht und diese grandiose Audioaufnahme:

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So klingen 2.500 ASIC-Einheiten, die mit je 230 Gh/s ein Lagerhaus auf konstante 40°C erhitzen, solange die Industriekühler verhindern, dass es mehr wird und die Hardware schmilzt.

Wer also immer noch überlegt, ob sich Mining im Amateurbereich für Privatanwender finanziell lohnt – ich wär da eher skeptisch. Immerhin legen die Betreiber dieser Mine allein für Strom monatlich mehr als 60.000 US-Dollar auf den Tisch. Dazu regelmäßige Investitionen in Hardware, Personal und Unterkunft, denn und das finde ich das krasseste, die drei chinesischen Schichtarbeiter wohnen dort auch.

Das ist beim Lärm schon mehr als fragwürdig und tatsächlich ist es an der Zeit kritisch zu hinterfragen, inwieweit Bitcoin das bisher bestehende blitzblanke Image als alles viel besser machende Alternative zum bösen, bösen Finanz- und Wirtschaftssystem wirklich verdient.

Immerhin ist das eine chinesische Bitcoin-Mine, in der Fotos und Aufnahmen gemacht werden durften. Unter welchen Bedingungen leben wohl andere „Arbeiter“ in Bitcoin-Minen in China und sonst wo auf der Welt, in denen keine Fotos gemacht werden dürfen. Und wen zieht man in einem dezentralen System wie Bitcoin eigentlich zur Rechenschaft, wenn Menschenrechte zur Profitoptimierung systematisch und massiv vernachlässigt werden?

Bildnachweis: Jacob Bitsmith/The Coinsman

Korrektur:In einer ursprünglichen Version habe ich geschrieben, dass das Blog von Jacob Bitsmith und David Seaman geführt wird. Tatsächlich ist es aber nur ein Projekt von Jacob, zu dem David hin und wieder etwas beisteuert.

„Traue keiner englischen Quelle.“

Bei den Kollegen vom BitcoinBlog ist ein sehr aufschlussreicher Artikel von Zhang Weiwu erschienen, einem chinesischen IT-Unternehmer, der sich mit Bitcoin beschäftigt, und der die chinesische Sicht der Welt vor dem Hintergrund der immer wiederkehrenden Regulierungsgerüchte/Kursschwankungen von innen heraus beschreibt.

Das Lesen lohnt sich nicht nur wegen des kulturell-philosophischen Insiderwissens, sondern weil man ja eigentlich weiß, dass der westliche Kulturkreis nicht der ultimative Nabel der Welt ist, die gern genutzten Scheuklappen, die diese unbequeme Wahrheit ausblenden, diesen Standpunkt aber immer wieder provozieren.

Kritik habe ich einzig am Medium BitcoinBlog. Der Artikel ist zweifelsohne eine Perle im Heuhaufen der mittlerweile stark Copy and paste-lastigen deutschsprachigen News-Alert-Bitcoin-Blogszene, aber das BitcoinBlog ist das Firmenblog der Bitcoin Germany AG, einem Unternehmen, das gutes Geld mit dem An- und Verkauf von Bitcoin verdient. Es wirkt daher irritierend-befremdlich, wenn mitten im Artikel und bei vielen anderen Gelegenheiten im Blog auf so anbiedernde Art um Bitcoin-„Spenden“ geworben wird. Das gibt dem Ganzen einen faden Beigeschmack. Entweder macht man als Unternehmen einen Blog oder nicht. So ein Zwischending auf Spendenbasis ist unseriös.

Master of Kryptowährung

Im Januar kündigte die Universität von Nikosia an, dass Studiengebühren ab sofort auch in Bitcoin beglichen werden können. Nebenbei erklärte die Uni zusätzlich noch die Einführung des Master of Science-Studiengangs Digital Currencies.

Um das ganze nun ein bisschen mehr zu promoten, ist die Einführung in das Thema als Massive Open Online Course angelegt, an dem jeder kostenlos über das Netz teilnehmen kann.

Snippet von der Website:

„Students who successfully complete the course and who are interested in pursuing the full MSc program will be able to receive credit if they successfully pass their assessment.

The MOOC will cover both a technical overview of decentralized digital currencies like Bitcoin as well as attempt to put them in a broader economic, legal and financial context.“

Detaillierte Übersichten über die Inhalte gibt es hier, eine Übersicht über den Themenfahrplan inkl. Literaturliste hier (u.a. das Bitcoin-Whitepaper). Die einzelnen Themenblöcke finde ich aber tatsächlich richtig spannend. Vom Problem der byzantinischen Generäle über Ethereum bis hin zu M-Pesa. Da kann man eventuell noch mal richtig solides Grundlagenwissen mitnehmen. Kann gut sein, dass ich da einfach mal mitmache.

Check! Ich bin dabei. Wer noch? Dann könnten wir nämlich ’ne Online-Fahrgemeinschaft aufmachen.

Ab ins Bitcoin-Ressort!

Darüber, dass Zypern in Sachen Bitcoin ambintioniert ist, habe ich ja schon geschrieben. Das darf man zurecht auch kritisch sehen. Hier nun aber nun ein konsequentes und gleichzeitig irgendwie auch verstörendes Beispiel dafür, dass sie es wirklich ernst meinen:
The First Bitcoin Resort

Schon ab nur 120 Bitcoins gibt es Garten-Appartments mit Pool oder voll ausgestattete Penthouse-Suiten mit Whirlpool und Grillecke auf dem Dach. Gut, Golf spielen müsste ich erst noch lernen, damit ich mich nicht langweile, aber Meerblick und der Yachthafen um die Ecke sind schon ganz nett. Am besten finde ich jedoch den Slogan A Resort for Bitcoiners to Spend Their Summers Together. Zitat von der Website:

„Use the bitcoins you have to buy a place to spend your summers on the beach with other Bitcoin enthusiasts, in a vivid community that will create Bitcoin hackathons and brainstorming sessons while drinking margaritas on the beach.“

Das klingt so strange, gerade deswegen würde ich mir das glatt gerne mal anschauen. Ich fürchte allerdings meine Bitcoin-Reserven reichen dafür noch nicht ganz. Das Angebot läuft nämlich nur noch bis Ende März.