Archiv der Kategorie: Grundlagen

Honigdachs #71 – Bitcoin, die EU & Interessenvertretung

Die 71. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin zu reden auf Dauer zu wenig war. (Podcast abonnieren)

Honigdachs #71 – Bitcoin, die EU & Interessenvertretung

Bitcoin bleibt weiterhin ein heißes Thema in der EU. In der vorherigen Folge haben wir über die Kontroverse rund um das potentielle Verbot des Proof-of-Work-Konsensalgorithmus im Ausschuss für Wirtschaft und Währung des EU-Parlaments gesprochen. Nun hat ebendieser Ausschuss zusammen mit dem für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres wiederum über eine andere Gesetzesvorlage abgestimmt, die anonyme Kryptotransaktionen weitestgehend verbieten soll.

Das sorgt natürlich für Ärger, Frustration und Unmut in der Community und wäre ein verständlicher Grund für fatalistische Politikverdrossenheit. Doch wir gehen einen anderen Weg und stürzen uns voll ins Thema. Mehr denn je versuchen wir zu verstehen, wie es zu dieser Entscheidung kommen konnte, welche Möglichkeiten es noch gibt, darauf korrigierend Einfluss zu nehmen und ob man sich als europäischer Bitcoin-interessierter Mensch nun Sorgen machen muss.

Dafür haben wir uns mit Sebastian Alscher fachliche Expertise in die Runde geholt. Er ist der Bundesvorsitzende der Piratenpartei Deutschland, die mit einem deutschen und drei tschechischen Abgeordneten im EU-Parlament vertreten ist. Mit ihm besprechen wir den politischen Entscheidungsprozess, die Position der Piraten und warum man den Kopf jetzt weder hängen, noch in den Sand stecken sollte. Hört rein!

Shownotes

Die Büchse des Satoshi

Als erster Staat der Welt hat El Salvador Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel eingeführt. Welche Folgen das für das Land und seine Bewohner bedeutet, kann niemand mit Gewissheit sagen. Nur eines ist sicher: Ein Zurück gibt es nicht.

Die Gänge sind schmal und verwinkelt. Bunt leuchten die Farben der Röcke, Tücher und Kleider in den Auslagen der Marktstände, die sich hier dicht an dicht drängen. Von überall dringen laute Stimmen, die reden, feilschen, rufen. Dazu der allgegenwärtige fiepsig-blechernen Sound von bunt blinkendem Plastikspielzeug. Die Markthalle Sagrado Corazon im Herzen San Salvadors ist ein neonerleuchtetes Labyrith aus Wäsche, Essen und Alltagswaren und Melvin David Hernandez Esquivel ist Teil von ihr. Auf der Suche nach Kundschaft durchstreift der 35-jährige jeden Tag ihre Gänge. Aus seinem schiefen Bauchladen heraus verkauft er Kaugummis, Bonbons und kleine Tütchen mit Nüssen. Um die 40 Dollar Umsatz macht er damit am Tag. Doch seit einigen Wochen verdient er etwas mehr. Seit er seine Waren nicht mehr nur für Dollar, sondern auch für Bitcoin verkauft. „Ich habe das als Chance gesehen, ein bisschen was zusätzlich zu verdienen“, sagt er.

Wer bei Melvin David Hernandez Esquivel mit Bitcoin bezahlen will, muss für umgerechnet mindestens 1 Dollar einkaufen.

Auf dem größten und zentralen Markt der Hauptstadt El Salvadors gehört Melvin damit zu den Pionieren, doch ein Einzelfall ist er nicht. Landesweit akzeptieren immer mehr Unternehmen das digitale Geld – Restaurants, Schuhläden, Taxifahrer, Kinos, Fast Food-Ketten, Tankstellen, Straßenhändler. Sie müssen es sogar. Vorausgesetzt sie verfügen über die notwendige technische Infrastruktur. So will es das Gesetz, mit dem der kleine mittelamerikanische Staat das digitale Geld vergangenes Jahr als erstes Land der Welt als offizielles Zahlungsmittel eingeführt hat. Eine Maßnahme, die der mit seinen 40 Jahren vergleichsweise junge und digital-affine Präsident Nayib Bukele in rasantem Tempo umgesetzt hat und die für alle überraschend kam: für die Bitcoin-Community im Netz ebenso wie für die internationale Staatengemeinschaft, die Weltbank oder den Internationalen Währungsfonds. Dabei hat Bukele einen guten Grund für diesen Schritt: finanzielle Inklusion. 70 Prozent der Bevölkerung El Salvadors sind bislang unbanked, haben also kein Konto und damit kaum Zugang zum nationalen und internationalen Zahlungsverkehr. Langfristige Investitionen, zum Beispiel in die eigene Altersvorsorge, sind für sie sehr viel schwieriger. Wer all sein Geld nur bar und jederzeit zur Hand hat, gibt es in der Regel auch schnell wieder aus.

Kinos, Tankstellen, Schuhläden – wer über die technische Infrastruktur verfügt, muss Bitcoin annehmen

Doch so hehr dieses Ziel auch sein mag, so weckte das Tempo, mit dem der Präsident dem Land das neue, fremde Geld aufgebürdet hat, bei vielen Salvadorianern ungute Erinnerungen. Schon einmal, 2001, wurden sie auf ähnliche Art vor vollendete Tatsachen gestellt, als die Regierung den US-Dollar als Währung einführte. Eine Entscheidung, die nicht nur das Ende des salvadorianischen Colón bedeutete, sondern die vor allem zu Lasten der einfachen Leute ging. Die, die nicht ordentlich lesen, schreiben oder rechnen können – damals immerhin fast jeder Dritte – und die, die ohnehin wenig hatten. In einer Umfrage ein Jahr nach der „Dollarisierung“ beklagte die Mehrheit der Salvadorianer, dass sich die eigene finanzielle Situation verschlechtert habe. In einem Land, in dem die Armut zwar zurück geht, aber auch heute noch mehr als jeder Fünfte mit weniger als fünfeinhalb Dollar am Tag auskommen muss und jeder Zehnte nicht richtig lesen und schreiben kann.

Viele Menschen in El Salvador sind skeptisch gegenüber Bitcoin. Das hat auch historische Gründe

Dass nun die erneute Einführung eines neuen Geldes – dieses Mal sogar eines, das man nicht einmal mehr in die Hand nehmen kann, weil es nur noch digital auf dem Smartphone existiert – von heftiger Kritik, Demonstrationen und Protesten in der Bevölkerung begleitet wurde, verwundert nicht. Verdammte Laborratten sei man, sagen die Kritiker. Dass davon eh wieder nur die Wohlhabenderen profitieren würden und dass man das Geld besser in Bildung, Infrastruktur oder die Befriedung des von brutaler Gewalt geprägten Landes gesteckt hätte.

Ein kleines Land am Pazifik im Fokus der Weltöffentlichkeit

Auf internationaler Ebene wird das Bitcoin-Experiment ebenfalls mit Skepsis betrachtet. Auch weil man nicht weiß, welche Absichten die zwar demokratisch gewählte, aber populistische und zunehmend autokratisch agierende Staatsführung insgeheim womöglich noch verfolgt und welche Konsequenzen sich daraus ergeben könnten. Sollte El Salvador dank Bitcoin seine unmittelbare Abhängigkeit vom US-Dollar überwinden, gingen Sanktionsmöglichkeiten und damit letztlich auch Einfluss der Staatengemeinschaft verloren. Ein womöglich folgenschwerer Präzendenzfall. Nicht nur westliche Demokratien beobachten genau, was derzeit mit Bitcoin in El Salvador passiert. Die ganze Welt schaut auf das kleine Land in Mittelamerika. Auch Despoten, Tyrannen, Theokraten und Diktatoren.

Während die Regierung El Salvadors Bitcoin durchweg positiv sehen, wird das Experiment international sehr kritisch betrachtet

Doch dann gibt es eben auch Optimisten wie Melvin, die eher die Vorteile als die Nachteile sehen. Im trubeligen Tagesgeschäft auf dem Sagrado Corazon zeigt er auf ein Schild an seinem Bauchladen. Darauf steht, dass er zwar Bitcoin-Zahlungen akzeptiert, allerdings erst ab einem Mindestumsatz von einem Dollar. Statt nur ein Tütchen mit Erdnüssen verkauft er dadurch nun immer gleich mindestens vier, wenn jemand etwas mit Bitcoin bezahlt. Ein Viertel seines täglichen Umsatzes mache er mittlerweile mit dem digitalen Geld. Tendenz weiter steigend. Denn zum einen besuchen seit Neuestem viele neugierige Bitcoiner aus der ganzen Welt das Land, um zu sehen, wie gut oder schlecht das Bitcoin-Experiment läuft. Zum anderen stellt der Staat jedem Salvadorianer ein Bitcoin-Startguthaben im Wert von 30 Dollar zur Verfügung. Und egal ob Touristen oder Einheimische – wer das Bezahlen mit dem digitalen Geld ausprobieren möchte, braucht Leute, die es auch annehmen. Leute wie Melvin. Der schwankende Wert von Bitcoin macht ihm dabei keine Sorgen. „Ich habe gelernt, dass ich geduldig sein muss und sehe Bitcoin als langfristiges Investment“, sagt er und nickt zuversichtlich. Immerhin kenne der Kurs historisch und über einen langen Zeitraum betrachtet nur eine Richtung: aufwärts.

Gewalterfahrung ist Teil des Alltags

Rosario, die ihren Nachnamen und ihr Alter lieber nicht nennen möchte, kann Melvins Optimismus nicht teilen. Zu ihrem Stand auf dem Mercado De Mejicanos im Norden San Salvadors, wo sie einfache Dinge des alltäglichen Lebens verkauft – Papiertüten, eingelegte Bohnen und Gewürze – verirren sich keine Touristen. Bei ihr kaufen einfache Arbeiter oder Tagelöhner. Leute aus dem Viertel, das als „rote Zone“, also von Banden kontrolliert gilt. Mächtige und brutale Banden, die sich über Schutzgeld und Erpressung finanzieren und sich gegenseitig mit solch rücksichtsloser Gewalt bekämpfen, dass El Salvador zu den Ländern mit der höchsten Mordrate zählt. 2015 kamen hier 105 Morde auf 100.000 Einwohner. Ein trauriger Weltrekord für ein Land, in dem der Bürgerkrieg vor dreißig Jahren zwar zu Ende ging, Gewalt und Sterben aber blieben.

Überall im Land stehen Sicherheitsleute mit Pumpguns. Vor Einkaufszentren, an Straßen oder, wie hier, auf Kaffeeplantagen.

Dementsprechend knapp sind Rosarios Antworten, deren Gesicht wie das vieler Menschen in El Salvador von einem Leben allgegenwärtiger Gefahr gezeichnet ist. Ihre markanten Falten kommen nicht vom Lachen. Sie sind tiefer und betonen ihren argwöhnischen Blick. Eigentlich ist El Salvador ein junges Land. Nur 15 Prozent der Bevölkerung ist älter als 55 Jahre. Doch wie viele andere hier wirkt auch Rosario, als wäre sie vor ihrer Zeit gealtert. Um zu sprechen zieht sie sich tiefer in ihren Stand zurück, wirkt unruhig, schaut sich nervös um. Von Bitcoin habe sie noch nie etwas gehört. Niemand sei vorbeigekommen und habe ihnen hier irgendwas gezeigt oder erklärt. Es interessiere sie aber auch nicht. All ihre Waren kaufe sie mit Cash und alle, die zu ihr kämen, bezahlten ebenfalls ausschließlich bar. Das war schon immer so und werde auch so bleiben.

Cash ist noch immer King

Tatsächlich ist Cash im salvadorianischen Alltag wichtig. Nicht nur für Einkäufe. Wenn an einer roten Ampel plötzlich jemand mit einer geladenen Waffe neben dem Auto steht, ist neben Glück der griffbereite Geldschein die beste und oft einzige Chance, schnell und heil aus der Sache rauszukommen. Doch hat Bargeld auch ein Problem. Es lässt sich nur schwer über weite Entfernungen versenden. Auf genau solche Transferzahlungen aus dem Ausland sind viele Familien in El Salvador jedoch angewiesen. Vor allem aus den USA, in das während des Bürgerkriegs viele Salvadorianer geflüchtet sind. Heute lebt und arbeitet fast ein Drittel der Bevölkerung in den Vereinigten Staaten und Kanada. Wenn sie Geld an ihre Verwandten ohne Konto zurück in die Heimat schicken, müssen sie dafür Finanzdienstleister nutzen, die sich diesen Service oft teuer bezahlen lassen. Von 100 versendeten Dollar kommen in El Salvador mitunter nur 80 Dollar an. Individuell, aber auch auf nationaler Ebene ein ökonomisch signifikanter Reibungsverlust. Immerhin machen Transferzahlungen aus dem Ausland fast ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts El Salvadors aus.

Auf Basis von Geothermie betreibt der Staat El Salvador Bitcoin-Mining.

Bei Bitcoin fallen solch hohe Gebühren nicht an. 100 Dollar lassen sich dank des Lightning-Protokolls, einer alltagstauglichen Erweiterung des digitalen Geldes, die das sichere Bezahlen in Sekundenschnelle ermöglicht, bereits für den Bruchteil eines Cents an jeden Ort der Welt schicken. Eine Kostenreduktion um mehr als 99 Prozent. Der Umstieg auf diese sehr viel effizientere Zahlungsinfrastruktur ist daher sowohl im Interesse des Staates, weil unterm Strich mehr Geld ins Land kommt. Vor allem profitieren davon aber die Menschen, denen dieses Geld zuerst zur Verfügung steht. Ein Vorteil, den viele Salvadorianer nachvollziehen können und Bitcoin trotz seiner Fremd- und Neuartigkeit eine Chance geben. In den ersten Wochen nach Einführung bildeten sich lange Schlangen vor den neuen staatlichen Geld-Automaten, an denen die Menschen Bitcoin und Dollar ein- und auszahlen können. Innerhalb von nur drei Wochen, so verkündete es der Präsident Ende September vergangenen Jahres auf Twitter, hätten bereits 2,1 Millionen Salvadorianer die staatliche Bitcoin-Wallet heruntergeladen. El Salvador seit damit das erste Land der Welt, in dem die Menschen mehr Bitcoin-Wallets als Bankkonten nutzten.

Zahlen per Bitcoin mit Smartphone. Wie genau die offizielle „Chivo“-Wallet eigentlich funktioniert, wissen aber nur die wenigsten.

Wie überall auf der Welt, fällt es dabei auch in El Salvador den jüngeren Menschen leichter, das digitale Geld und dessen Möglichkeiten zu verstehen. Sie wachsen bereits mit Smartphones und dem Internet auf, haben weniger digitale Berührungsängste. So besaß auch Nelson Eduardo Martinez Lovo, wie viele seiner Freunde, schon vor der Pandemie ein Konto bei einer Bitcoinbörse im Netz. „Mein Vater schreibt Rechnungen am liebsten noch mit der Hand“, lacht der 24-jährige. Gemeinsam führen sie das Sopón Zacamil, ein großes, helles Restaurant mit dunklen Holztischen auf der Grenze zum Bandengebiet im Norden San Salvadors, in das Einheimische aus der Umgebung zum Mittagessen kommen. Der grüne Leguan, der verschmitzt schauend und mit einem Limettenschnitz in der Hand die Karte ziert, ist die Spezialität des Hauses und auch Nelsons Lieblingsessen. Eigentlich würden sie das auch schon längst für Bitcoin verkaufen, erklärt er, doch warten sie noch auf das dafür notwendige Bezahlterminal. Das kommt aus China, aber die Lieferung verzögere sich immer wieder.

Bitcoin doesn’t fix everything

Solche Beispiele sind Wasser auf die Mühlen der Bitcoin-Skeptiker im Land. Sergio Arauz ist einer von ihnen. Die Regierung macht es investigativen Journalisten wie ihm zunehmend schwer, frei zu recherchieren und kritisch zu berichten. Zu offiziellen Terminen werden mitunter nur noch staatsnahe Medien eingeladen, Regierungserklärungen nur noch per Tweet statt über die offiziellen Webseiten verbreitet. Und der Druck wachse weiter. „Ich hätte nie gedacht, dass der Zeitpunkt kommen würde, an dem ich ernsthaft in Erwägung ziehen müsste, das Land zu verlassen, weil ich Journalist bin. Weil ich anders denke“, sagt Sergio mit ernstem Blick. Doch mittlerweile müssten er und seine Kollegen sich über solche Exit-Strategien Gedanken machen.

Im kleinen El Zonte am Pazifik liegt der „Bitcoin Beach“. Hier begann das salvadorianische Bitcoin-Experiment

Sergio sitzt im warmen Wind, der durch eine offene, zweistöckige Beach-Bar weht. Hinter ihm senkt sich die Sonne über dem Pazifik. Wuchtige Wellen brechen auf den feinen Sandstrand. Hier in El Zonte, wo zwei staubige Straßen das Zentrum eines Surfspots bilden, hat das salvadorianische Bitcoin-Experiment bereits 2019 seinen eigentlichen Anfang genommen. Anders als bei der nationalen Umsetzung wurde am mittlerweile berühmten „Bitcoin Beach“ jedoch niemand gezwungen, Bitcoin zu akzeptieren. Es war ein freiwilliges Graswurzelprojekt. Der Versuch mit Hilfe des digitalen Geldes eine kleine Umlaufökonomie zu schaffen. Ein Community-Projekt von den Menschen für die Menschen, dessen Erfolg jedoch schließlich das Interesse von Entwicklern, Investoren und der Regierung auf sich zog, die es dann auf das ganze Land ausrollte. Ein Fehler, findet Sergio. „Ich bin nicht gegen Bitcoin an sich“, sagt er „sondern gegen die Art, wie es den Leuten im Land aufgezwungen wurde. Überstürzt und per Gesetz.“ Wieso sich die Regierung nicht Zeit genommen habe, die Einführung ordentlich vorzubereiten, fragt er. Mit umfassenden Informationskampagnen und dem Bereitstellen einer verlässlichen technischen Infrastruktur. Wo überhaupt das Geld herkomme, mit dem das Land Bitcoin kauft. „Sie sind für alle Menschen des Landes verantwortlich. Nicht nur für die, die sich den Luxus leisten könnten, sich mit Bitcoin zu beschäftigen“, kritisiert er.

Erster sein um jeden Preis. Alles andere ist zweitrangig.

Von offizieller Seite heißt es dazu ganz pragmatisch, man wollte eben unbedingt erster sein. Geschichtsbücher kennen keinen zweiten Platz. Das große Ziel sei es, El Salvador zum digitalen Pionier des Kontinents zu machen. Bitcoin wird dabei als wichtiger Baustein in der nationalen digitalen Agenda gesehen. Abgesehen davon sei das Interesse der Weltöffentlichkeit enorm. Man stehe bereits mit mehreren Regierungen in Kontakt. Eine Aussage, die die Kritiker nur umso wütender macht. Das Versuchslabor für die Welt sei man. Die Menschen hier hätten aber am Ende nichts davon.

Eines hat Bitcoin El Salvador in jedem Fall gebracht: Mehr Touristen

Die Positionen der Bitcoin-Befürworter und -Kritiker liegen in El Salvador bislang unversöhnlich und weit auseinander. Dass sie noch zueinanderfinden werden, scheint derzeit unwahrscheinlich. Denn hier in Mittelamerika wird vor allem eines deutlich: Bitcoin ist nicht nur eine gänzlich neue Form von Geld, das Geld der digitalen Revolution. Es ist auch ein Politikum, über das man streiten kann und sogar muss. Denn eine Exit-Strategie gibt es nicht. Bitcoin ist resistent gegen Kontrolle und Zensur. Das ist seine Besonderheit, sein Alleinstellungsmerkmal. Man kann versuchen es zu verbieten, doch verschwinden wird es dadurch nicht mehr. Weder hier in El Salvador noch sonst irgendwo auf der Welt. Die Büchse des Satoshi ist offen. Schließen lässt sie sich nicht mehr.


Diese Reportage ist im Rahmen einer Delegationsreise Ende 2021 entstanden und in gekürzter und redaktionell angepasster Version auch im The Red Bulletin erschienen. Mittlerweile auch auf Englisch.

Honigdachs #70 – Bitcoin wird politischer

Die 70. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin zu reden auf Dauer zu wenig war. (Podcast abonnieren)

Honigdachs #70 – Bitcoin wird politischer

Klima, Krieg, Corona – an globalen Krisen mangelt es zur Zeit ja wirklich nicht. Zumal wir ja noch nicht einmal die Folgen der großen Finanzkrise überwunden haben, die für Satoshi Nakamoto der Anlass war, Bitcoin zu starten. Heute, mehr als 13 Jahre später, ist das digitale Worst-Case-Geld längst fester Bestandteil dieser krisengeschüttelten Welt.

Doch wo steht Bitcoin dabei? Die einen wollen es regulieren, womöglich sogar verbieten. Die anderen nutzen es erfolgreich für militärisches Crowdfunding. Wieder andere befürchten die unkontrollierte Umgehung von Sanktionen. Andere bestreiten einfach nur ihren Lebensunterhalt darüber. Fest steht jedenfalls: Bitcoin wird zunehmend politischer. Was das bedeutet? Hört rein!

Shownotes

Über Krypto-Anarchismus, Bitcoin und die Versprechungen des Web3

Web3 ist einer der großen und polarisierenden Hype-Begriffe dieser Tage. Die einen lieben ihn. Vor allem Gründer, Venture Capitalists und findige Affiliate- und Referral-Marketeers. Die anderen hassen ihn. Exemplarisch dafür kann man diesen Text von tante nehmen, der in der Gruppe der Web3-Kritiker auf große Resonanz stieß. Das Web3 ist für ihn „ein moralisch abgrundtief widerliches Projekt“.

Im Prinzip ist „Web3“ damit heute in etwa das, was bis vor kurzem noch „Blockchain“ war. Ein guter Grund zu streiten.

Das kann zwar unterhaltsam sein, aber am Ende macht es ein so aufgeladener Konflikt schwierig, sich ein tatsächliches Bild von der Situation zu machen. Umso dankbarer kann man also für diese Präsentation von Krishan Lehmann sein, die er neulich beim 1E9 „Web3-Kurs“ gehalten hat: Schon immer dezentral? Ein Streifzug durch die Entwicklung des Internets bis zum Web3.

Darin gelingt es ihm tatsächlich, sehr strukturiert die Grundlagen zu vermitteln, die hilfreich sind, um die bereits laufende Web3-Debatte zu verstehen, ohne dass er für eine der beiden Seiten Partei ergreift. Er schlägt dabei einen Bogen von den Anfängen des Internets über Krypto-Anarchismus und Bitcoin bis hin zu neueren Ideen und deren Relevanz. Besonders löblich: In seiner Präsentation spricht er nicht von Web3-„Use-Cases“, sondern von „Versprechungen“ und ich denke, es sind genau solche Feinheiten, die zeigen, dass er sich gründlich mit der Materie auseinandergesetzt hat.

Wer sich schon länger mit Bitcoin beschäftigt, wird vieles darin schon kennen. Dennoch hab auch ich noch etwas gelernt und fand auch die halbe Stunde Diskussion im Anschluss an die Präsentation wirklich interessant.

Honigdachs #69 – Fragmentiertes Geld

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Honigdachs #69 – Fragmentiertes Geld

Während die Welt immer mehr aus den Fugen zu geraten scheint, setzen wir uns zusammen und besprechen etwas, wovon wir zumindest ein bisschen Ahnung haben: Bitcoin und vor allem Lightning. Denn dafür gibt es immer neue (und alte) Anwendungen.

Das ist auf der einen Seite aufregend, führt auf der anderen aber immer mehr dazu, dass unser digitales Geld zunehmen fragmentiert wird. Hier ein paar Satoshi in dieser Wallet, dort ein paar in jener. Und wo der Rest liegt, wissen wir womöglich gar nicht mehr so genau.

Wir sprechen also über die Fragmentierung des Geldes und darüber, warum Lightning zwar supernice ist, aber noch immer ein Risiko und sehr viel mehr reckless, als es in der Community mittlerweile oft dargestellt wird. Hört rein!

Shownotes

Über Bitcoin nachzudenken, lohnt sich!

Am Sonntag lag ich auf der Couch und habe mir eine Stunden lang die aktuelle Folge der SRF Kultur-Sendung Sternstunde Philosophie angeschaut. Das mache ich normalerweise nicht. Ich kannte die Sendung ehrlicherweise bis dato nicht einmal. Allerdings war ich kurz zuvor auf einen Tweet von Ijoma Mangold gestoßen.

Ijoma Mangold ist Journalist, Autor und die meisten kennen ihn wohl als Kulturkorrespondenten im Die Zeit-Feuilleton. Dort hat er mit Das schlaue Gold (Paywall) Mitte letzten Jahres auch einen exzellenten und zu Recht vielbeachteten Artikel über Bitcoin geschrieben. In der Corona-Krise hat er nämlich, wie viele andere auch, angefangen, sich mit Bitcoin zu beschäftigen. Dabei ist er, wie all die anderen, in den Kaninchenbau gefallen. Seitdem macht er, was alle dort machen. Er schafft sich all das Wissen rauf, von dem er vorher keine Ahnung hatte und versucht Bitcoin nicht nur als ökonomisches oder technisches, sondern als Gesamtphänomen zu verstehen.

Mit diesem Hintergrund war er nun zu Gast in genannter Philosophie-Sendung zum Thema „Bitcoin – Eine neue Weltordnung?“, die aus zwei Gründen bemerkenswert ist. Zum einen, weil es endlich soweit ist, dass Bitcoin im Fernsehen nicht immer nur als „dieses kryptische Internetgeld“ oder „die erste Anwendung der eigentlich ja viel besseren bLoCkChAiN-tEcHnOlOgIe“ behandelt wird. Stattdessen geht es hier um Bitcoin als gesellschaftliche Entwicklung und damit als etwas Großes, Neues und zum großen Teil noch Unbekanntes, über das es sich, wie wir ja auch immer wieder gern im Honigdachs betonen, lohnt, nachzudenken. Kudos daher an das Schweizer Radio und Fernsehen und die Redaktion der Sendung, die das erkannt haben und den Sendeplatz dafür bieten.

Ebenfalls bemerkenswert ist aber auch, wie Ijoma Mangold abgeht. Vermutlich hätte er das Format drei Stunden lang alleine füllen können und wäre doch nicht ansatzweise fertig geworden, über alles zu sprechen, was er zu Bitcoin im Kopf hat. Man merkt hier einfach, wie einen das Thema packen und begeistern kann und dass es eben nicht nur die Internetfreaks sind, die sich mit Bitcoin beschäftigen, sondern dass auch schöngeistig-verkopfte Boomer wie er die Bedeutung von Bitcoin begreifen können. Und in der Lage sind, sie auch anderen zu vermitteln. Denn nur wenn es Philosophen gibt, die über Bitcoin nachdenken, kann es auch sinnvolle Philosophie-Sendungen zum Thema Bitcoin geben.

Wenn er so weiter macht, gehe ich davon aus, dass Ijoma Mangold ein Katalysator für das Thema Bitcoin in intellektuellen Kreisen sein wird, in denen Bitcoin bisher noch keine sonderlich große Rolle spielt. Das finde ich gut. Denn insgesamt denken noch viel zu wenige Leute über Bitcoin nach. Dabei lohnt sich das und kann – wie man an Ijoma Mangold sieht – großen Spaß machen. Auf das Bitcoin-Buch, an dem er gerade schreibt, dürfen wir uns also freuen.

Honigdachs #68 (Spezial) – Rusty Russell

Die 68. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin zu reden auf Dauer zu wenig war. (Podcast abonnieren)

Honigdachs #68 (Spezial) – Rusty Russell

Diese Folge ist mal wieder besonders. Denn wie schon in Folge 8 haben wir dieses Mal einen englischsprachigen Gast am anderen Ende der Leitung. Wobei die Leitung wirklich bis zum anderen Ende reicht. Rusty Russell wohnt in Australien. Von dort aus hat er viele Jahre an Linux gearbeitet, bis er irgendwann auf Bitcoin stieß. Seit einigen Jahren arbeitet er nun für Blockstream und ist einer der Entwickler, die das Lightning-Paper vom theoretischen Konstrukt in eine echte Anwendung überführen. Wenn ihr also jemals eine Lightning-Transaktion ausgeführt habt, dann nur, weil Leute wie Rusty den Code dafür schreiben.

Das macht er mit so großer Leidenschaft, dass er hin und wieder sogar dafür bereit ist, früh aufzustehen. Als kritische Stimme lässt er zudem gerne auch mal ein bisschen heiße Luft aus dem mitunter überhypten Bitcoin-Space und nimmt dabei in seinem Zweit-Twitteraccount andere Bitcoiner auf die Schippe. Das aber natürlich immer mit Humor.

Da dieses Mal nur Stefan und Manuel für die Australien-Schalte Zeit hatten, ist das Gespräch vielleicht ein bisschen techniklastiger als sonst geworden. Lasst euch davon aber nicht abschrecken. Es lohnt sich bis zum Ende dran zu bleiben.

Shownotes

„Human B“ – Die bisher beste Bitcoin-Dokumentation

Wer selbst über einen Feed mit Bitcoin-News verfügt oder bereits die aktuelle Honigdachs-Folge gehört hat, wird nicht drumherum gekommen sein. Kurz vor Weihnachten haben Aaron Mucke und Eva Mühlenbäumer ihren von der Community bereits heiß erwarteten Dokumentarfilm Human B (Die Reise in den Bitcoin-Kaninchenbau) online gestellt. Und er ist gut geworden. Sehr gut sogar.

Das sage ich nicht deswegen, weil ich einer der (Neben-)Protagonisten bin, mit denen sie gedreht habt, sondern obwohl. Mich hat es nämlich nie ins Rampenlicht gezogen und ich habe über die Jahre auch schon einige ähnlich Anfragen abgelehnt. Aaron und Eva waren aber selbst so überzeugt von ihrem Filmprojekt – das sie im übrigen komplett selbst und ohne irgendeine institutionelle Förderung auf die Beine gestellt haben – dass sie mich schlussendlich auch überzeugen konnten, mitzumachen.

In zwei Wochen bereits über 100k Views

Und ich bereue es nicht. Im Gegenteil. Seit der Film online gegangen ist, geben meine Twitter-New Follower-Notifications keine Ruhe, weil der Film bereits mehr als 100.000 Mal abgerufen wurde und dabei auf durchweg positive Resonanz stößt. Es scheint, als haben Aaron und Eva hier einen Nerv getroffen und einen Film gemacht, der vielen Bitcoinern aus dem Herzen spricht. Weil es nicht ums reich werden geht, sondern darum, warum immer mehr Menschen auf der ganzen Welt meinen, das eine Welt mit Bitcoin besser ist als eine Welt ohne.

Diese Perspektive macht den Film übrigens auch absolut geeignet für Einsteiger, die bisher keinen Zugang zu Bitcoin gefunden haben. Meine Eltern finden ihn zum Beispiel auch sehr gut und auch hier wiederum nicht (nur) wegen mir, sondern weil er zum Beispiel „… echt witzig ist mit diesem einen Typen im Froschkostüm und diesem Malen an die weiße Wand im Hintergrund. Toll!“

Auf Youtube gibt es den Film für die internationale Crowd auch mit englischen Untertiteln (aber leider wohl manchmal mit Werbung), bei Vimeo gibt es die werbefreie rein deutsche Variante.

Show some love!

Und wem der Film gefällt, der sollte den beiden Filmemachern unbedingt noch etwas in den digitalen Hut werfen. Man sieht dem Film an, dass dort sehr viel Herzblut, Arbeit und eine mittlere bis hohe fünfstellige Summe hineingeflossen ist, die die beiden privat vorausgelegt haben. Also show some love für das Engagement und schickt den beiden unbedingt noch euer Eintrittsgeld für dieses Kinoerlebnis (geht auch mit Old-School-Money). Das wäre nur fair.

Honigdachs #66 – Mele Kalikimaka!

Die 66. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin zu reden auf Dauer zu wenig war. (Podcast abonnieren)

Honigdachs #66 – Mele Kalikimaka!

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen und pünktlich vor dem Weihnachtsfeste treffen sich die drei Santanisten zur Ho-Ho-Honigdachs-Aufnahme. Mit dabei dampfender Glühwein, krachende Printen und natürlich ein Sack voller Geschenke! Doch der ist irgendwo versteckt in unserem bunten Themenbouquet, das von El Salvador über progressive Bitcoiner bis hin zu jeder Menge Buch- und einem Filmtipp reicht.

Also macht es euch gemütlich und lauschet der insgesamt doch recht frohen Kunde, mit der wir den Honigdachs-Sack für dieses Jahr zu machen. (Also wahrscheinlich, aber man soll ja nie nie sagen, ne?). Frohes Fest und Mele Kalikimaka!

Shownotes

„Auf Protokollebene“ – Delegationsreise nach El Salvador.

Auf Deutschlandfunk Kultur lief neulich meine Reportage über die Bitcoin-Delegationsreise neulich nach El Salvador. Dabei handelte es sich nicht um einen Beitrag über Bitcoin in El Salvador und ob das digitale Geld gut oder schlecht für das Land und die Menschen ist – davon gibt es ja mittlerweile ein ganze Reihe. Es ging vielmehr um die bemerkenswerte Tatsache, dass ein staatenloses Open-Source-Projekt aus dem Netz aka „Neuland“ mittlerweile die diplomatische Ebene erreicht hat und es quasi-diplomatische Beziehungen zwischen einem Land und einem Netzphänomen gibt.

Das ist eine neue Ebene der Digitalisierung, mit der wir uns aber womöglich in Zukunft häufiger beschäftigen müssen. Denn die Verbindungen zwischen Offline- und Online-Welt werden noch dichter werden. Immerhin arbeitet Mr. Zuckerberg an seinem Metaverse und neulich habe ich mit einem Computerchemiker gesprochen, der meinte, dass wir nicht drum herumkommen werden, die KI künftig in unseren Zoom-Calls als gleichwertiges Mitglied zu betrachten.

Insofern war ich selbst sehr verwundert über den Dreh, den die beiden Moderatoren meinem Beitrag gaben. Statt meiner Anmoderation (die man als Autor standardmäßig als Vorschlag immer mitliefert), gab es eine neue, die – warum auch immer – direkt einen negativen Dreh auf das Thema Bitcoin in El Salvador hatte. Stichwort Geldwäsche und so. Noch befremdlicher war jedoch die Abmoderation, in der beide Moderatoren ihre offenkundig auf einem nicht sehr fundierten Wissensstand beruhende Abneigung gegen Bitcoin feierten. Das war weder professionell (als Moderator sollte man Präsentation und Meinung trennen können) noch kollegial, denn eigentlich sind Autoren, Redakteure und Moderatoren Teil des selben Teams.

An der Moderation gab es daher auch im Nachhinein viel Kritik. Diese wurde gehört und man versicherte mir, dass man die Moderation so auch nicht wieder machen würde. Immerhin. Warum sie dann aber immer noch in dieser Form online steht, bleibt mir ein Rätsel. On-Air mag sich sowas ja versenden. Das Netz vergisst jedoch nicht.

Da ich hier aber natürlich alle meine Beiträge sammele, habe ich mich daher entschieden, nicht den gesendeten Beitrag zu archivieren, sondern die originale Version.


Auf Protokollebene.
Bitcoin-Delegationsreise nach El Salvador

Anmoderation: Delegationsreisen in andere Länder –normalerweise ist das etwas, das auf beiden Seiten von offizieller Seite organisiert wird – von staatlichen oder wirtschaftsnahen Institutionen wie Handelskammern, Wirtschaftsverbänden, Ländervertretungen oder Botschaften.

Doch was passiert eigentlich, wenn bei so einer Delegationsreise auf einmal das Internet ins Spiel kommt und nur eine der beiden Parteien aus einem „echten“ Land, die andere hingegen aus der digitalen Welt stammt? Kann es überhaupt so etwas wie diplomatische Beziehungen zwischen einem Staat und einem staatenlosen Netzphänomen geben? Und wenn ja, wie könnten diese aussehen?

Genau diese Fragen hat eine Delegationsreise Mitte November nach El Salvador aufgeworfen. Rund 40 Bitcoiner*innen aus dem deutschsprachigen Raum sind dabei in das kleine mittelamerikanische Land gereist. Offiziell eingeladen und mit diplomatischer Begleitung.

Auslöser dafür war die Entscheidung El Salvadors dieses Jahr als erstes Land der Welt das digitale Open-Source-Geld als offizielles Zahlungsmittel anzuerkennen. Die Berliner Bitcoin-Community hatte daraufhin quasi-diplomatische Beziehungen aufgenommen, deren bisheriger Höhepunkt nun eben eine umfassende Delegationsreise bildete. Inklusive Treffen mit  Minister*innen, akademischem Austausch, Besichtigung einer staatlichen, mit Vulkanenergie betriebenen Bitcoin-Mine und dem Ausloten der Möglichkeiten wirtschaftlicher Zusammenarbeit.

Friedemann Brenneis hat die Reisegruppe nach El Salvador begleitet.

Der Vollständigkeit halber: Die Deutschlandfunk Kultur-Version mit der merkwürdigen An- und Abmoderation gibt es hier.

PS: Manchmal kommt es zu Reibungen. Dessen ungeachtet bin ich aber nach wie vor ein großer Fan des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks im Allgemeinen und von Deutschlandfunk ( Kultur) und Breitband im Speziellen.