Archiv der Kategorie: Grundlagen

Warum die Kritik an ICOs berechtigt ist

Ich war vergangenen Freitag auf der Banking Exchange, kurz BEX, in Frankfurt. Einer kleinen, sehr feinen Konferenz, die eigentlich keine ist, sondern vielmehr das, was sich die Organisatoren unter einem Event vorstellen, bei dem es primär nicht um Status und Repräsentation geht, sondern um inhaltlichen Austausch auf Augenhöhe in entspannter Atmosphäre.

Wenn ICO-Meinungen aufeinander prallen

Ich war dort eingeladen, um auf dem Podium zum Thema „Blockchain braucht kein Mensch – oder doch ? Hype Cycle als Rollercoaster“ mitzudiskutieren. Und weil die Auswahl der Gäste bei diesem Panel durchdacht war, sind wir hier durchaus schnell mit  kontroversen Meinungen aufeinandergeprallt. Zum Glück, denn es gibt ja nichts Langweiligeres als ein Podium, auf dem sich alle einig sein und eine Stunde lang gegenseitig zunicken.

Das Siedesteinchen unserer Diskussion und der Punkt, den ich nicht unwidersprochen stehen lassen konnte, war die These, dass ICOs ja der eigentliche Treiber der technischen Entwicklung im Blockchain-Ökosystem seien.

Das Problem mit ICOs

Ich halte diese Aussage nicht nur für eine gewagte These, sondern für bewusst irreführend. Ob aus Absicht oder eigener Unwissenheit lasse ich mal dahingestellt. In jedem Fall habe ich dem energisch widersprochen. ICOs sind am allerwenigsten ein technischer Treiber. Sie sind in erster Linie dazu da, schnell und mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Geld einzunehmen. Das zeigt auch die Realität.

Einer, der ICOs ebenfalls sehr kritisch gegenübersteht und das Problem sehr viel prägnanter als ich auf den Punkt bringt, ist Joi Ito, der Leiter des MIT Media Labs.

Seine Argumentation: Wer bewusst Mittel kreiert und einsetzt, die Betrüger und Spekulanten anziehen, wird damit selbst zu einem, auch wenn er behauptet, eigentlich Gutes damit bewirken zu wollen. Ziel sollte es vielmehr sein: „… to push away the people that make you look like an asshole later.“ Genau das ist mit einem ICO jedoch per Design gar nicht möglich, solange hier „Coins“ offeriert werden.

Was nun jedoch nicht automatisch bedeutet, dass man mit Blockchain-basierten Token nicht doch irgendwann vielleicht mal technisch sehr interessante und nützliche Dinge machen können wird. Nur wird in diesem Kontext der „technische Treiber ICO“ eben enorm an Drive verlieren (falls er ihn überhaupt je gehabt hat), wenn damit keine großen Spekulationsgewinne in der regulatorischen Dunkelgrauzone mehr möglich sind.

Geld und die Welt – Drei Podcast-Hörtipps

Ich war diesen Sommer sehr viel draußen und habe beim Fahren um den See immer wieder die Gelegenheit genutzt, interessante Podcasts zu hören.

Drei dieser Podcast-Sendungen sind mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben und ich empfehle sie an dieser Stelle. Alle drei haben nur indirekt etwas mit Bitcoin zu tun, sind aber dennoch sehr aufschlussreich als Bitcoin-Kontext. Denn sie erzählen Geschichten über Geld im Allgemeinen und wie es unsere Gesellschaft und das Denken und Handeln der Menschen beeinflusst.

Wer also verstehen will, warum sich Menschen für Bitcoin interessieren, der findet hier interessante Denkanstöße.

Philosophie der Superreichen: „Die erste Million ist die schwerste“Deutschlandfunk Kultur

Sehr interessantes Feature über das Reichsein und Reichwerden,  warum es alle anstreben und wie es die Gesellschaft verändert. Interessant fand ich nicht nur die Ausführungen, wie die amerikanische Regierung aktuell quasi nur von Superreichen besetzt ist, die keinerlei bis kaum politische Qualifikation haben, sondern auch den gesellschaftlich brisanten Aspekt, dass sich die Reichen (über die wir ganz wenig wissen) immer mehr von der Mittelschicht und „den Armen“ (die wegen ihrer Abhängigkeit statistisch sehr gut erfasst sind und daher leichter den Schwarzen Peter bekommen) entkoppeln. Mit dem Effekt, dass das Ziel, ebenfalls schnell reich zu werden, in der Mittelschicht zunehmend als einzige echte Chance gesehen wird, einen Abstieg in die Unterschicht zu vermeiden.

Dazu passt ganz aktuell das Ergebnis einer Studie, der zufolge sich die selbst Mitarbeiter von Apple (und anderen Tech-Konzernen rund um das Silicon Valley) sich keine Familie leisten können.

Altersvorsorge. Trübe Aussichten für Millennials?Deutschlandfunk Kultur

In diesem Feature geht ein Anfang-30-jähriger mit Familie der Frage nach, wie sicher denn seine Rente sei und was er tun könne, um sich und seine Lieben vor Altersarmut zu schützen. Die Frage ist hochinteressant, denn sie betrifft nahezu alle jüngeren Menschen, die sich nicht der Illusion hingeben, später im Alter finanziell noch große Sprünge machen zu können. Im Gegenteil: Die lieber darauf verzichten, vorzusorgen, weil sie ja auch jetzt leben wollen bzw. müssen. Ein Happy End hat die hier erzählte Geschichte nämlich nicht wirklich. Selbst wenn der Autor jetzt seinen kompletten finanziellen Spielraum in die Altersvorsorge stecken würde und damit auf sämtliche Freizeitaktivitäten mit Kind, Urlaub und Auto verzichtete, bekäme er im Alter auch nicht viel mehr.

In diesem Zusammenhang kann man das Ergebnis dieser repräsentativen Studie der Postbank aus dem Frühsommer natürlich in einem ganz anderen Licht sehen, der zufolge nicht nur vor allem die jungen Leute „den Schritt zum Investment in Kryptowährungen wagen“, sondern sich sogar insgesamt knapp jeder Zweite für Kryptowährungen als Geldanlage interessiert. Weit mehr als in jeder anderen Altersgruppe.

Georg Simmel – Die Philosophie des Geldes – BR2

Diese Sendung ist von allen dreien die hintergründigste. Macht sie aber nicht weniger hörenswert als die anderen beiden. Denn die Schnittmenge Philosophie und Geld wird viel zu selten betrachtet. Aus der Sendungsbeschreibung:

Was macht den Wert eines Menschen in den modernen Gesellschaften aus? Für Georg Simmel stand fest: seine Zahlungsfähigkeit. Er beschreibt in seiner 1900 erschienenen ‚Philosophie des Geldes‘, wie Geld zu einem Gott wurde.  

Interessant auch: Der Bayrische Rundfunk bietet viel zusätzliches Hintergrundmaterial.

Blockchain oder nicht? – Die Entscheidungshilfe

Ich wusste bis vor kurzem gar nicht, dass es so viele Entscheidungshilfen-Diagramme gibt, ob man nun eine Blockchain braucht oder nicht. Scheint ja echt ein schwieriges Thema zu sein.

Dabei hält sich einer aktuellen Studie zufolge doch die große Mehrheit der Führungskräfte bereits für echte „Blockchain-Versteher“.

https://twitter.com/kerooke/status/1031293508743716864

Allerdings denken sie offensichtlich auch, dass der große Vorteil einer Blockchain im Vergleich zu existierenden Systemen die höhere Geschwindigkeit sei. Nun ja – es braucht halt nicht viel um „Blockchain“-Experte zu sein.

Niemand muss „Blockchain“-Experte bleiben

Wer jedoch einsichtig und demütig genug ist, gemeinsam mit „Blockchain“ (siehe aktuellen Gartner Hype Cycle) den „Mount Stupid“ zu verlassen, und meint, dass ein bisschen Wissen nicht schaden könnte, für den hier drei Linktipps.

Zum einen hat Reuters eine hübsch visualisierte Erklärung der Blockchain online gestellt. Wobei man aber auch hier kritisch darauf hinweisen muss, dass zunächst (wie leider sehr oft) die Funktion einer Blockchain anhand der Bitcoin-Blockchain erklärt wird und dann einfach davon ausgegangen wird, dass man das Blockchain-Prinzip problemlos auf andere Anwendungsfelder übertragen könne.

Kann man aber eben nicht. Sonst wäre fast zehn Jahre nach dem Start der Blockchain Bitcoin und digitales Geld nicht immer noch der einzige belastbare Usecase für eine Blockchain.

Die „Blockchain“-Frage interaktiv klären

Zum anderen sei auf das Paper „Do you need a Blockchain?“ von Karl Wüst von der ETH Zürich und Arthur Gervais vom Imperial College London hingewiesen, das praktischerweise für alle Lesefaulen auf douyouneedablockchain.com auch in einer vereinfachten interaktiven Variante zur Verfügung steht. Und ohne den Klickspaß vorweg zu nehmen. Es ist ziemlich schwer, da bei der Antwort „Ja“ zu landen.

Wer sich davon nicht entmutigen lässt und auch ein „Vielleicht“ oder „Nein“ als Lernerfolg betrachtet, der sollte dann noch Jimmy Songs Artikel über „Alternatives to Blockchain“ lesen.

Das ist nämlich cleverer, als es sich auf dem „Mt. Stupid“ (auf dem wir im Übrigen alle schon mal standen) so richtig schön gemütlich zu machen.

Das (immerhin hübsche) Krypto-Periodensystem

Es gibt zwar Atomic Swaps, also Austausch-Transaktionen, die direkt und ohne Mittelsmann per Smart Contract zwischen einer Blockchain (bspw. Bitcoin) und einer anderen Blockchain (bspw. Litecoin) stattfinden. Aber mehr als das Wörtchen „atomar“ verbindet die Kryptowelt mit der der Chemie sonst eigentlich nicht.

Das Krypto-Periodensystem – immerhin ist es hübsch

Insofern ist ein Periodensystem als Vorlage um Bitcoin, Altcoins und Token konzeptionell zu verorten eigentlich keine naheliegende Entscheidung. Wenngleich ich jedoch zugeben muss, dass diese Form der grafischen Aufbereitung durchaus eine sehr ästhetische ist.

krypto-periodensystem
Sieht immerhin schön ordentlich aus: das Krypto-Periodensystem

Nichtsdestotrotz darf man sich von dieser Darstellung nicht täuschen lassen. Die Größengleichheit der einzelnen Kästchen deutet eine Gleichwertigkeit der einzelnen Coins an, die vermutlich nicht nur Bitcoin-Maximalisten die Haare zu Berge stehen lässt. Und sowieso: Warum sind hier eigentlich nur so wenige Coins verortet? Immerhin zählt Coinmarketcap knapp 1900 verschiedene Coins und Token auf. Wo sind deren Kästchen?

Sortierung nach Halbwertszeit wäre besser gewesen

Vor allem fehlt mir hier aber eine Ordnung, mit der man wirklich einen inhaltlichen Mehrwert hätte herstellen können. Sehr viel interessanter als die Coins nach ihren letztlich wenig trennscharfen Kategorien zu sortieren (ist „Fintech“ etwa kein „Business & Enterprise“ und ist nicht auch alles irgendwie „Other“?), wäre hier doch offensichtlich eine Sortierung nach Halbwertszeit.

Also ganz wortwörtlich: Wie lang hat das Projekt gebraucht, seinen Wert vom jeweiligen All Time High zu halbieren? Wie schnell fällt es in sich zusammen?

Die Halbwertszeit als Maßstab für den Zerfall eines Elementes der Kryptoversums und eine entsprechend aufbereitete Sortierung wäre tatsächlich mal eine schöne und vor allem hilfreiche Parallele zur Chemie. Aber hey, das Krypto-Periodensystem sieht immerhin hübsch aus.

Veranstaltungstipp: Lightning Hackday #3

Ich habe hier im Blog schon häufiger über Lightning berichtet, die meist beachtete und auch interessanteste Skalierungsoption für Bitcoin.

Um das Konzept dieses Second-Layer-Protokolls und dessen Potential und Status Quo besser zu verstehen, war ich selbst vor einiger Zeit beim ersten Lightning Hackday in Berlin, einem der besten Events zu diesem Thema. Nicht nur regional, sondern mittlerweile auch global. Denn zum bevorstehenden Lightning Hackday #3 wird die Sprecher- und Teilnehmerliste immer ausgewählter, hochwertiger und internationaler.

Null-„Blockchain“-Business-Bullshit-Quote

Und da der Lightning Hackday bisher eine der ganz wenigen Veranstaltungen mit Null-„Blockchain“-Business-Bullshit-Quote ist, weise ich gerne auch noch einmal explizit auf die kommende Veranstaltung hin. Dieses Mal erstmals mit einem vorgelagerten Hackathon am 31. August und dem eigentlichen Hackday mit Barcamp, Fachvorträgen und den Ergebnissen des Hackathons dann am 1. September. Das Ganze wieder in Berlin.

Bemerkenswert ist dabei auch, dass das Event kostenlos ist für die, die das wollen. Wer es sich jedoch leisten kann und die Veranstalter unterstützen will, darf den eigentlich symbolischen Ticketpreis aber auch bezahlen.

ARD-Doku über Pro und Contra von Bargeld

Lief neulich abends in der ARD, nun ist die Doku Welt ohne Geld. Wie die Abschaffung von Banknoten vorangetrieben wird  auch in der dortigen Mediathek und bei Youtube erschienen.

Eine, wie ich finde, ganz interessante und ausgewogene Betrachtung der Pro- und Contra-Argumente rund ums Bargeld. Dass Bitcoin und Co. dabei keine Rolle spielen (außer einmal auf einem abgefilmten Computerbildschirm), ist okay. Irgendwo muss man längenbedingt die inhaltliche Grenze ziehen und die Doku ist auch so sehr sehenswert.

Welche Rolle könnte Bitcoin spielen?

Wobei es natürlich schon auch interessant wäre, Bitcoin in dem hier im Film aufgezeigten Spannungsfeld zwischen individueller Privatsphäre, digitalem Fortschritt und datengetriebener Massenüberwachung zu verorten.

Bargeldloses Bezahlen ist auf dem Vormarsch. Es ist schnell, einfach und bequem. Weltweit haben bargeldlose Transaktionen das Bezahlen mit Bargeld längst abgelöst. Noch halten Bundesbank und Bundesregierung am Bargeld fest. Aber können sie die Entwicklung hin zur bargeldlosen Gesellschaft aufhalten? Denn viele haben ein Interesse daran, dass wir aufhören, mit Bargeld zu bezahlen. Banken wollen Münzen und Scheine loswerden, weil deren Bereitstellung teuer ist. Politiker wollen weniger Bargeld, um Kriminalität und Terrorismus zu bändigen. Zentralbanker wollen Bargeld abschaffen, weil sich dann leicht Negativzinsen durchsetzen lassen. Und digitale Bezahlkonzerne wie Paypal oder Visa wollen einfach von allen Geldgeschäften profitieren und dabei möglichst viele Finanzdaten über uns Verbraucher sammeln. Ihr Ziel: die komplette Kontrolle über unser Kaufverhalten.

Wer profitiert von der bargeldlosen Welt?

Die Doku „Welt ohne Geld“ zeigt, wer hinter den Stichwortgebern der weltweiten Anti-Bargeld-Lobby steckt: die „Better than Cash Alliance“ in New York etwa, unterstützt von Konzernen wie Visa oder Mastercard. Ihr Credo: eine bessere Welt dank digitaler Bezahlsysteme. Je mehr Menschen ins internationale Finanzsystem integriert werden, desto mehr Wachstum und Arbeitsplätze. Dabei profitieren in erster Linie die Bezahlkonzerne selbst, dank Gebühren und dem Zugriff auf unermessliche Datenschätze. Wir alle werden „gläsern“. Aber auch Staaten nutzen die neuen Möglichkeiten, via Bezahldaten mehr über uns zu erfahren. Auf der Strecke bleibt das Interesse der Bürger am Bargeld: als Wertaufbewahrung und um unabhängig zu sein von den Interessen Dritter. Bargeld ist und bleibt ein Stück Freiheit. 

Die Katzifizierung der Blockchain (Hörtipp)

Ich weiß, dass der ein oder andere jetzt sagen wird, dass die CryptoKitties als Thema doch eigentlich schon längst durch sind.  Das dachte auch ich eine ganze Weile.

Doch stimmt das letztlich nur, wenn man selbst ganz tief in der Crypto-Szene mit dem entsprechenden News-Flow drin steckt, weniger außerhalb dieser Filterbubble. Dort sind non-fungible -Token-basierte Blockchain-Sammelkatzen noch immer kaum bekannt oder werden jetzt erst zu einem Thema, über das man spricht.

New Cats On The Block – Blockchain-Trend oder Ende des Hypes?

Insofern – und weil es einfach ein Thema ist, das sich unglaublich schön akustisch umsetzen lässt – habe ich für Breitband beim Deutschlandfunk Kultur einen Netzkultur-Beitrag über die CryptoKitties gemacht (Direktlink zur mp3), der die Katzifizierung der Blockchain einordnet und natürlich ganz subtil auch die Frage stellt: Ist das wirklich alles, was „Blockchain“ in den vergangenen drei Jahren Sinnvolles hervorgebracht hat?

Darauf deutet zumindest einiges hin. Wie zum Beispiel dieser Bloomberg-Artikel: Blockchain, Once Seen as a Corporate Cure-All, Suffers Slowdown.

Bitcoin logarithmisch betrachtet

Ich habe neulich den Newsletter von Pantera Capital gelesen, in dem die Verantwortlichen über ihre Bitcoin-Preisvorhersage von 5000 US-Dollar sprechen. Eine Vorhersage, die sie jedoch nicht jetzt, sondern bereits vor fünf Jahren gemacht haben, im Sommer 2013, als der Bitcoin noch bei rund 100 US-Dollar stand und ich noch nicht einmal angefangen hatte, mich überhaupt mit Bitcoin auseinanderzusetzen.

Nun gibt es ja jede Menge mutiger Aussagen irgendwelcher Leute rund um die künftige Entwicklung des Bitcoin-Preises und im Nachhinein ist es natürlich immer leicht, zu behaupten, man hätte es schon immer gewusst. Zumal man ja auch einfach mehrere unterschiedliche Behauptungen aufstellen kann und dann rückwirkend einfach selektiv auf die verweist, die tatsächlich eingetreten ist.

Eine Taktik, die nicht nur bei „erfolgreichen“ Crypto-Influenzern auf Twitter beliebt ist, sondern derer sich in gewisser Weise auch Satoshi Nakamoto selbst bedient hat (ohne told you so!, aber zumindest bei der Breite seiner Prognose).

„I’m sure that in 20 years there will either be very large transaction volume or no volume.“ – Satoshi Nakamoto

Lässt sich der Kurs realistisch vorhersagen?

Nun ist die Retrospektive das eine. Wesentlich interessanter ist es doch aber, erneut in die Zukunft zu schauen. Und hier stellt sich nicht nur die Frage, welchen Preis die, die 2013 den Bitcoin einst bei 5000 US-Dollar gesehen haben, heute über dessen künftige Entwicklung sagen, als vielmehr, wie sie eigentlich darauf kommen? Immerhin halten Dan Pantera und Mitstreiter Ende 2018 einen Bitcoin-Preis von 21.000 US-Dollar und Ende 2019 sogar 67.500 US-Dollar für realistisch.

Angesichts der Kurstalfahrt von rund 20.000 US-Dollar Ende vergangenen Jahres auf gut 8000 US-Dollar derzeit wieder durchaus mutige und erstaunlich konkrete Prognosen.

Logaritmische Darstellung vs. Lineare Darstellung

Pantera Capital greift diese Zahlen jedenfalls nicht gänzlich aus der Luft, sondern begründet sie mit der Vergangenheit. Entwickelt sich der Preis von Bitcoin nämlich unterm Strich weiter, wie er es in den vergangenen acht Jahren tat, dann stünde er eben zu genannten Zeiten bei den genanten Preisen.

Um diese Entwicklung jedoch erkennen und nachvollziehen zu können, ist die allgemein am häufigsten verwendete lineare Darstellung des Bitcoin-Kurses nicht geeignet. Mit dieser lässt sich nämlich das bisher exponentielle Wachstum von Bitcoin nicht abbilden.

Genau das ist aber mit der logarithmischen Darstellung möglich, bei der die Skala eben nicht linear ist, sondern exponentiell ansteigt. Nach der 10 kommen daher nicht die 20, 30, 40 usw., sondern 100, 1000, 10.000.

bitcoin logarithmisch
In der logarithmischen Darstellung sieht der Bitcoin-Kurs vergleichsweise linear aus.
Exponentielle Linearität

Der Vorteil dieser Darstellung liegt nun darin, dass die Preisentwicklung zwischen 1 US-Dollar und 10 US-Dollar ebenso sichtbar und gewichtbar wird wie die zwischen 1000 US-Dollar und 10.000 US-Dollar.

In der linearen Darstellung hingegen verschwindet nahezu die komplette Preisentwicklung vor 2013 (also unterhalb von 200 US-Dollar) unter ferner liefen. Doch hat sich natürlich auch damals schon der Wert von Bitcoin mehrfach verzehnfacht.

Ist die Skala linear geht die Entwicklung im Bereich kleinerer graphisch Werte verloren.

Das wird in der logarithmischen Darstellung wiederum gut sichtbar, die zeigt, wie linear die exponentielle Preisentwicklung von Bitcoin in den vergangenen sieben Jahren verlaufen ist. Zwar gibt es auch hier Kursschwankungen nach oben oder unten. Im Schnitt verlief das Wachstum um den Faktor 10 jedoch relativ beständig und wurde in sieben Jahren sechs Mal absolviert:

  • 2010: 0,1 USD
  • 2011: 1 USD
  • 2011: 10 USD
  • 2013: 100 USD
  • 2013: 1000 USD
  • 2017: 10.000 USD
Die Zahlen bleiben gleich, das Bild ist jedoch ein ganz anderes

Interessant ist nun, wie allein die unterschiedliche Darstellung derselben Daten die Entwicklung des Bitcoin-Kurses in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Als Hype und Blase in der linearen Skalierung. Als stabiles und beständiges Wachstum in der logarithmischen Darstellung.

Eben letztere hat nun auch Pantera Capital als Grundlage für ihre Zukunftsprognose genommen, die aber – auch das ist noch einmal wichtig an dieser Stelle zu betonen – natürlich nicht zwingend stimmen muss.

Niemand konnte 2013 vorsagen, dass Bitcoin mal 5000 US-Dollar erreichen würde. Die fünf Jahre dahin wurden schließlich von unzähligen Variablen beeinflusst – allein die gesamte Blocksize-Debatte, der Fee-Market, SegWit, Lightning, Mining-Zentralisierung, Regulierungs-Gerüchte oder -Vorhaben aus China, den USA, mögliche ETFs, sämtliche BIPs, das Aufkommen von  Ethereum, all den Altcoins und Bitcoin-Klonen und und und.

Niemand weiß, wo Bitcoin einmal landen wird

Auch heute gibt es noch 1001 Möglichkeiten, an denen Bitcoin früher oder später scheitern könnte. Doch falls es das nicht tut, könnte sich der Wertzuwachs unterm Strich auch weiterhin so entwickeln wie bisher. Denn auch wenn es kaum konkreten Zahlen gibt, deutet doch vieles darauf hin, dass das Wachstum von Bitcoin nicht nur im Hinblick auf den Preis, sondern auch auf viele andere Faktoren nicht linear verläuft, sondern exponentiell.

Doch muss man sich selbst dann klar machen, dass auch exponentielles Wachstum in der Praxis nicht unbegrenzt weitergehen kann, sondern früher oder später ihr Ende nehmen wird. Wann und wo das bei Bitcoin der Fall sein wird, kann heute jedoch keiner wissen.

Sicher ist nur: Wir werden in den nächsten Jahren noch viele mutige Statements in die eine oder andere Richtung hören.

Aktueller ⚡Lightning⚡-Zwischenstand

Nicht nur der Bitcoin-Kurs hat in den letzten Tagen wieder ordentlich Aufwind bekommen und ist innerhalb eines Monates um rund 2000 US-Dollar auf über 8000 US-Dollar geklettert (u.a. durch neue Spekulationen um Bitcoin ETFs). Auch das Bitcoin-basierte Lightning-Netzwerk hat ordentlich zugelegt.

Der Bitcoin-Kurs: Von unter $6000 auf über $8000 innerhalb eines Monats.
Aktuelle Lightning-Zahlen

So ist die Kapazität des Netzwerks in den vergangenen 30 Tagen um gut 350 Prozent gestiegen und hat damit erstmals die symbolträchtige 100 Bitcoin-Marke überschritten. Klingt erst einmal nicht viel, aber für ein Netzwerk, das mit Einheiten im Satoshi bis Millisatoshi Bereich arbeitet (entspricht 0,00000001 bis 0.00000000001 Bitcoin) doch eine ganze Menge. Zumal durch den oben erwähnten Preisanstieg die Gesamtkapazität des Netzwerks nun auch kurz unter der ebenfalls symbolträchtigen eine Million US-Dollar Marke steht.

lightning aktuell
Nodes. Kanäle, Kapazität – alles wächst im Lightning-Netzwerk. Quelle: 1ml.com
lightning kapazität
Entwicklung der Kapazität des Lightning-Netzwerks. Quelle: bitcoinvisuals.com

Dass verschiedene Statistikseiten dabei bspw. bei der Lightning-Node-Zahl jeweils andere, teils deutlich niedrigere Werte zeigen, liegt in der Natur der Sache. Wie bei Bitcoin gibt es auch bei Lightning keine offizielle Statistik, sondern die Daten hängen immer davon ab, wie der Node, der sie ausliest, selbst konfiguriert ist. Es ist in diesem Zusammenhang also schwer, von echten und falschen Daten zu sprechen. Vielmehr können die Statistiken nur Orientierung bieten. Aber das nur nebenbei.

Lightning-Overlord Andreas Brekken

Denn dass das Netzwerk einen ordentlichen Schub bekommen hat, steht außer Frage. Es gibt nämlich einen nicht unerheblichen Faktor, der diesen Boom zumindest mit zu verantworten hat: Andreas Brekken. Der CEO von shitcoin.com hat, wie wir auch im letzten Honigdachs-Podcast schon besprochen haben, das Lightning-Netzwerk nämlich „getestet“.

Wobei des sehr vorsichtig ausgedrückt ist, wenn sich jemand vornimmt, in einem für kleine, Mikro- und Nanozahlungen ausgelegten Netzwerk mal eben zum größten Hub zu werden. Das bedeutet nämlich direkt mal einen sechsstelligen Betrag zu riskieren. Nur für eine Tech-Review. Das muss man schon erst einmal bringen.

Nichtsdestotrotz sind aber die drei bisher erschienenen Artikel seiner Lightning-Test-Serie durchaus interessant und aufschlussreich. Selbst für Leute, die es mit Kommandozeilen nicht so haben.

Bitcoin Lightning Network #1: Can I compile and run a node?

View story at Medium.com

Bitcoin Lightning Network #2: We must first become the Lightning Network

View story at Medium.com

Bitcoin Lightning Network #3: Paying for goods and services

View story at Medium.com

Ich als ambitionierter IT-Laie teile dabei Andreas Brekkens kritisch durchwachsene Bewertung des Lightning-Status Quo. Ich wollte nämlich die beiden bisher für Android verfügbaren mobilen Lightning-Wallets selbst einmal testen, um meine erste Lightning-Zahlung zu erhalten. Doch mit der Eclair Wallet kann man Zahlungen bisher nur schicken, jedoch nicht empfangen und um in der Bitcoin Lightning Wallet einen Channel zu öffnen (um Geld zu empfangen), soll ich diesen erst mit mindestens 300.000 Satoshi ausstatten. Für meinen einfachen Test war mir das mit rund 21 Euro dann aber doch zuviel. Ich bin halt kein Andreas Brekken.

Fundstück: Erste musikalische Lightning-Erwähnung

Abschließend aber noch ein kleiner Hinweis auf das folgende Musikvideo, das meiner Kenntnis nach der erste Song ist, in dem das Lightning-Netzwerk erwähnt wird: Zuby mit „Cryptocurrently“

Die Lyrics zum Mitlesen gibt’s nach dem Klick.

Aktueller ⚡Lightning⚡-Zwischenstand weiterlesen

Die reflektierte Sicht eines Crypto-Fund-Managers

Dass eine Venture-Capital-Firma einen neuen 300 Millionen Dollar schweren Crypto-Fund an den Start bringt, ist eigentlich keine Meldung, die mir hier im Blog einen eigenen Beitrag wert ist. Doch bei Andreessen Horowitz und ihrem a16z crypto fund ist das etwas anderes.

Sharing is caring – gilt bei a16z auch für Wissen

Denn es handelt sich hier um einen der renommiertesten und ziemlich treffsicheren Tech-Investor der vergangenen zehn Jahre (siehe Portfolio). Aus dem einfachen Grund, dass dort gute und clevere Leute arbeiten, die mit ihrem Wissen und analytischen Kompetenzen nicht hinter dem Berg halten, sondern beides offensiv und gerne teilen.

Immer wieder habe ich hier daher schon auf hauseigenen a16z-Content verwiesen und sorgar die Ankündigung des a16z crypto funds ist nicht einfach nur ein Pressemitteilung, sondern selbst voller interessanter und lesenswerter Links.

Am meisten beeindruckt hat mich jedoch gestern das Hören des aktuellen Unchained Podcasts, in dem Laura Shin mit Chris Dixon spricht, der eben diesen crypto fund leitet. Was Dixon darin erzählt, zeugt von einer breiten, tiefgehenden und unglaublich sachlich reflektierten Kenntnis des gesamten Bitcoin-/Krypto-/Blockchain-Phänomens. Man muss dabei nicht alles unterschreiben, was Dixon sagt, aber über seine Thesen und dann über den eigenen Kenntnisstand nachzudenken, lohnt in jedem Fall.

Ich kann diesen Podcasts daher jedem empfehlen, der einmal vollkommen undogmatisch und ohne direkte Business- & Marketing-Hintergedanken erklärt bekommen will, welches Potential tatsächlich in Plattformen wie Bitcoin und Ethereum und weiteren Bausteinen wie Non-Fungible-Token (aka CryptoKitties) oder Stablecoins steckt oder zumindest stecken könnte. Denn auch Dixon sagt, dass das alles noch krachen gehen kann, doch dass sie optimistisch sind und glauben, dass wir uns noch immer in einem ganz frühen Stadium befinden und „we put our money where our mouth is.“ Solides Statement.

Die Naivität der DAO

Auch interessant ist: Wenn man diesen Podcast gehört hat und die Intensität und analytische Tiefe versteht, mit der sich Investoren wie a16z dem Krypto-Thema widmen, wird deutlich, wie naiv eigentlich die Idee der DAO war, bei der eben solche hochqualifizierten Investoren durch blockchain-basiertes Gemeinschafts-investing einer vergleichsweise unmotivierten Crowd aus Hobby-VCs abgelöst werden sollte.