Archiv der Kategorie: Grundlagen

Bitcoin & Lightning im Deutschlandfunk-Kultur

Am Samstag habe ich bei den Kollegen von Breitband beim Deutschlandfunk Kultur kurz über Lightning berichtet und inwieweit die weit verbreitete Analogie von Bitcoin und dem Internet der 90er Jahre eigentlich passt. (tl;dl passt schon.) 

Das Gespräch kann man in Gänze hier nachhören und ich sag es gleich vorweg – das ist nur der erste Einstieg in das Thema Lightning. Mehr Informationen sind in neun Minuten einfach nicht unterzubringen.

Es gibt aber durchaus noch mehr zu Lightning zu erzählen

Aber wie die Moderatorin Vera Linß schon sagt, könnte Lightning wohl auch in kommenden Sendungen noch mehr zum Thema werden.

Erklärungsbedarf gibt es ja genug, wie der folgende Tweet zeigt, der auf wunderbare Weise gleichzeitig weder ganz richtig noch ganz falsch ist.

Bild: „Classic old radio 1960s or 70s style“ Flickr-User theslowlane (CC BY 2.0)

Wie man „Blockchain“ grammatikalisch richtig verwendet

Vor einigen Tagen bin ich auf folgenden sehr hilfreichen Service-Tweet von Michael Perklin gestoßen, in dem er auf ein Google Doc verweist, das die grammatikalisch richtige Verwendung der Begriffe „Bitcoin“, „Blockchain“ und „Ethereum“ erklärt.

Wobei es schon erstaunlich ist, dass solch ein Dokument überhaupt notwendig ist. Aber offensichtlich haben sehr viele Menschen, sehr große Schwierigkeiten mit der korrekten Schreibweise und grammatikalisch richtigen Verwendung dieser Begriffe.

Warum, bleibt jedoch ein Geheimnis. Denn die Grundregeln der deutschen und englischen Sprache gelten auch für Neologismen und sind in diesem Zusammenhang eigentlich recht leicht anwendbar. Kleines Beispiel: Wenn das neu geschaffene Wort „Bitcoin“ ist (siehe Primärquelle), gibt es eigentlich keinen Grund irgendwo „BitCoin“ oder „Bit Coin“ zu schreiben.

Es gibt kein „Blockchain“

Der durch die breite Masse hinweg allgemein jedoch am häufigsten gemachte Fehler ist meiner Beobachtung nach die fehlende Deklination des Begriffs „Blockchain“.

Denn entweder nutzt man den Begriff mit bestimmtem oder unbestimmtem Artikel, wobei sich „die Blockchain“ dabei in der Regel auf die Bitcoin-Blockchain und „eine Blockchain“ auf Alternativen wie die von Ethereum, Litecoin, Monero etc. bezieht. Oder aber man erweitert den Begriff, wie zum Beispiel die Bundesregierung, wenn sie im Koalitionsvertrag von „Blockchain-Strategie“ oder „Blockchain-Technologie“ spricht.

Dass beide Begriffe inhaltlich eher abstrakt und nichtssagend sind, steht dabei auf einem anderen Blatt, grammatikalisch ist es aber zumindest korrekt. Ganz im Gegensatz zu einem prototypischen Satz, wie man ihn immer wieder von Konferenz X, aus Pressemitteilung Y oder von Unternehmensvertreter Z hört: „Wir planen den Einsatz von Blockchain.“ 

Das ist nämlich sowohl grammatikalisch Unsinn als auch inhaltlich leer und ist ein ziemlich sicheres Indiz dafür, dass hier jemand keine Ahnung von dem hat, wovon er spricht, aber trotzdem auf dicke Hosen machen will. Ist halt nur peinlich, wenn das auffällt.

Merke: Niemand, der sich ernsthaft mit der Materie auskennt, nutzt den Begriff „Blockchain“ in ganzen Sätzen alleinstehend und in undekliniertem Zustand.

Blockchain = Datenbank

Wer selbst seine „Blockchain“-Grammatik überprüfen will, dem sei der Tipp von Michael Perklin ans Herz gelegt, einfach mal den Begriff „Blockchain“ durch „Datenbank“ zu ersetzen und zu schauen, ob der Satz dann noch Sinn ergibt. Gilt im übrigen nicht nur für die Grammatik, sondern auch für den inhaltlichen Gehalt.

Als Entschuldigung für die weit verbreitete „Blockchain“-Grammatik-Schwäche könnte man an dieser Stelle noch darauf verweisen, dass ja selbst der Duden das Wort „Blockchain“ nicht kennt („meinten sie Blockhaus?“). Aber das ist wirklich eine schlechte Ausrede, wenngleich eine interessante. Denn zu „Bitcoin“ gibt es gleich zwei Einträge. Als „über das Internet funktionierendes Zahlungssystem“ und als „Einheit des Zahlungssystems Bitcoin“.

Lesetipp: Über die Zukunft von Geld und Bitcoin

Daniel Jeffries hat drüben bei Hackernoon mit What Will Bitcoin Look Like in Twenty Years? einen der wichtigsten Texte zu Geld und Bitcoin geschrieben, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Ganz einfach aus dem Grund, weil er sich mit einem Aspekt beschäftigt, der in der Auseinandersetzung bisher viel zu kurz kommt: die Zukunft.

Klar gibt es Texte (und vor allem ICO-Whtepaper), die sich irgendwie mit dem auseinandersetzen, was da so künftig passieren könnte (aber nur, wenn alles nach dem Best Case im Businessplan läuft). Doch eine tiefergehende und vor allem über die eigenen Interessen hinaus gehende Auseinandersetzung mit der Zukunft des Geldes (nicht nur der des Bezahlens!) findet bisher nicht statt.

Was fehlt: Future Economics

Was übrigens nicht nur für Bitcoin, sondern für die Ökonomie im Allgemeinen gilt. Die konzentriert sich nämlich vor allem darauf, aus der Vergangenheit zu lernen und auf die Gegenwart zu reagieren, entwickelt selbst aber keinerlei Visionen, wie unser Geld- und Gesellschaftssystem in 20, 50 oder 100 Jahren aussehen könnte. Oder idealerweise aussehen sollte.

Je mehr ich mich also mit diesem Thema beschäftige – und ich suche und frage nun schon lange nach „Geldvisionären“, aber weder Professoren, Banker noch Journalisten kennen jemanden, der sich wirklich mit der Zukunft des Geldes auseinandersetzt – umso mehr drängt sich der Schluss auf, dass die Finanzbranche in Theorie und Praxis eine gänzlich visionslose Branche ist.

Was eine erschreckende Erkenntnis ist, wenn man bedenkt, wie grundlegend und teils rasant sich die Welt innerhalb der vergangenen 20, 50 oder 100 Jahren verändert hat. Zumal es keinen Anlass gibt, davon auszugehen, dass die Wucht oder Geschwindigkeit künftiger Veränderungen milder ausfallen. Im Gegenteil.

Ein Versuch, die Zukunft zu beschreiben

Genau das macht den Text von Daniel Jeffries dann aber so lesenswert. Denn obwohl auch für ihn klar ist, dass es bei Aussagen über die Zukunft viel leichter ist, falsch zu liegen, als richtig, wagt er zumindest den Versuch, eine mögliche Entwicklung zu skizzieren.

„I’m also going to go much, much deeper than “Bitcoin will go to zero” or “Bitcoin will become the reserve currency and be worth $1,000,000”. That’s not really saying all that much and anyone can do it. Instead we’ll look at how the technology will transform and how society will transform with it.“

Diese Skizze wiederum ist höchst inspirierend. Denn egal, ob man seiner Argumentation folgt oder nicht – wer diesen Text liest, beginnt selbst über die Zukunft des Geldes nachzudenken. Genau das, was bisher viel zu wenig stattfindet.

Die Vision eines professionellen Visionärs

Dass Jeffries dabei sowohl Gründer ist, langjährige IT-Erfahrungen mit sich bringt und auch Science-Fiction-Geschichten schreibt, ist hier von großem Vorteil, weil man merkt, dass er Erfahrung mit dem glaubwürdigen Entwickeln von technologiebasierten Zukunftsszenarien hat.

Das im Hinterkopf sollte man sich auch nicht von der halben Stunde Lesezeit abschrecken lassen, die dieser Artikel mit sich bringt. Es lohnt sich wirklich.

Um das zu zeigen, habe ich hier mal die Zwischenüberschriften herausgezogen und wen die noch immer nicht überzeugen, hier eine Textstelle, die mehr als nur neugierig macht:

„I’m half way through an article called “What If Hitler Had the Blockchain?” Frankly, I don’t want to publish it because I don’t want to give the bad guys any fresh ideas but rest assured it probably doesn’t matter. Their dark minds are already hard at work imagining how to use blockchain as a system of repression and control.“ 

Inhalt

This Internet Thing will Never Work Out

The Rise of Bitcoin, Crypto and Decentralization

1) The Bubble Bursts

2) Government Cryptocurrencies will Flourish

3) Decentralized Cryptocurrencies Will Become a Parallel Economic Operating System for the Planet

4) The Killer App for Crypto is NOT a Browser

5) Blockchain is Just the Beginning of Decentralized Consensus

6) Crypto Will Get a LOT Easier to Use

7) The protocols of Coins will Get Abstracted from the Coins Themselves

8) We will have Four Dominant Meta Coins, Plus Fifty to One Hundred Minor Coins, and Infinite Virtual Variations of These Coins, Plus State Coins

9) We’ll Learn We Didn’t Know Crap About Economics

10) A DAO Will Grow to Fortune 500 Status

11) The Gig Economy Will Grow Big Time

The Controversy Kings

12) The Blockchain Will Enable All Kinds of Evil

13) Bitcoin Has a 50/50 Shot At Surviving

The Final Frontier

Lightning verstehen – Links, Medien und mehr

Es ist erstaunlich. Gestern habe ich hier über meinen Eindruck von Lightning geschrieben, wie rasant sich dieses Netzwerk weiterentwickelt und wie enorm das Interesse an dem Thema wächst.

zugriffszahlen
Mehr als in der ganzen Woche davor: Die Zugriffszahlen beim Thema Lightning

Seitdem gehen die Zugriffszahlen hier im Blog durch die Decke und erreichen wieder ähnliche Höchststände wie im Dezember vergangenen Jahres. Nur dass es jetzt eben nicht der aufgeblähte Bitcoin-Kurs, Gier und Spekulation sind, die die Klicks verursachen, sondern die Faszination an der Technologie dahinter. Und wie sich diese weiterentwickelt. It’s not the money, it’s the technology, stupid! (Oder sagen wir besser: beides.)

Zugriffszahlen stärken die Siedesteinchen-These

Das ist insofern interessant, als dass die Zugriffszahlen ein weiteres Indiz für die in dem Beitrag formulierte These sind, dass es tief in der Bitcoin-Community vor Anspannung, Ideen und Tatendrang nur so brodelt und Lightning nun das Siedesteinchen ist, an dem alles explosionsartig hochkocht. Im positiven Sinne.

Denn Lightning vereint gerade drei Dinge: die ursprüngliche Vision von Bitcoin als Peer-to-Peer Electronic Cash System (mit starker Betonung auf Cash), eine vielversprechende Technologie, mit der diese Vision tatsächlich realisiert werden könnte und die besonders wichtige Tatsache, dass es endlich losgeht! Das Lightning-Netzwerk ist immerhin ein Konzept, an dem schon seit Jahren gefeilt wird.

Aufbruchstimmung wie in den guten alten Tagen

Diese drei Faktoren: große Vision, neue Technologie und das Now let’s go!-Momentum bringen aktuell immer mehr Steine ins Rollen. Kein Wunder also, dass sich viele langjährige Bitcoiner ein bisschen an die guten alten Tage™ von Bitcoin erinnert fühlen. Als sich noch alles unter dem Radar entwickelte und es außer ihnen nur wenige andere gab, die verstanden, was da gerade vor sich geht und wie groß das einmal werden könnte.

Auch ich fühle mich aktuell ein bisschen an meine ersten Wochen und Monate in Bitcoin erinnert und da ist es nur konsequent, auch mit diesem Blog hier zu den Wurzeln von damals zurückzukehren. Denn als Rechercheblog habe ich seit damals versucht, hier auf der Seite sowohl meine eigenen Erkenntnisse zu sammeln und zu dokumentieren als auch anderen den Einstieg in das Thema Bitcoin systematisch zu erleichtern. Genau diese Herangehensweise scheint mir jetzt auch für Lightning sinnvoll.

Eine Seite sie alle zu finden, ins Licht zu treiben und ewig zu verlinken

Dem aufmerksamen Leser wird daher aufgefallen sein, dass der gestrige Beitrag vergleichsweise arm an Links war. Das war tatsächlich Absicht, denn ich habe gar nicht erst versucht, all die Seiten, Artikel und Medien zu Lightning irgendwie mit in den Artikel zu quetschen, sondern hatte mich schon entschieden, dem Lightning-Netzwerk eine eigene Seite zu widmen, auf der ich Links und andere nützliche Quellen sammle.

Diese Seite ist nun online und bündelt zumindest schon mal ein paar Informationen und Verweise, die ich als hilfreich erachte, um Lightning zu verstehen. Links, Artikel, Statistiken, Videos, Podcasts – wer sich für Lightning interessiert, findet hier ab jetzt zumindest einen Einstieg in das Thema. Finde und lerne ich neues, landet es ebenfalls dort. Falls ihr einen außerordentlich guten Link habt, der noch fehlt – immer her damit.

Direkt zur Lightning verstehen-Seite

Bild: „Lightnings“ (CC BY-SA 2.0)

⚡Lightning⚡ – Ein Bitcoin-Sturm zieht auf

Ich war vergangenen Samstag in Berlin beim Lightning Network Hackday, einem dieser nerdigen Events, die man selbst mal erlebt haben muss. Nur dann kann man wirklich verstehen, was gerade (seit ein paar Monaten) intern bei Bitcoin abgeht und mit welcher rasanten Geschwindigkeit die kollektive Weiterentwicklung des Projekts wieder Fahrt aufnimmt.

Wirkt wie ein Siedesteinchen: Das Lightning-Netzwerk

Nachdem nämlich jahrelang die Debatte um die Skalierung lähmend über Bitcoin lag, aber in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres mit der Implementierung von Segwit und der Abspaltung von Bitcoin Cash ein Ende gefunden hat, wirkt es, als wäre ein Damm gebrochen. Es herrscht Aufbruchstimmung in der Community. Und zwar gewaltige.

Grund dafür ist vor allem das Lightning-Netzwerk, die große technische Erweiterung, die Bitcoin nun endlich die Eigenschaften geben soll, die es noch braucht, um zu einem echten globalen Zahlungssystem zu werden: instantane Zahlungen bei extrem niedrigen Gebühren, Mikro- und Nano-Transaktionen im Milli-Cent-Bereich und sogar darunter, verbesserte Anonymität und Privatsphäre und eine Anzahl zeitgleicher Transaktionen mindestens auf dem Niveau von „traditionellen“ zentralisierten Zahlungsdienstleistern wie Visa und Co. Überall auf der Welt, also auch in den Regionen, in denen noch nie zuvor ein Finanzdienstleister gewesen ist.

The return of the Magic Internet Money

Das alles aber nicht auf irgendeiner hochriskanten, weil ungestesteten und ICO-finanzierten „Blockchain 2.0/3.0/x.0-Technologie“, sondern auf der sichersten und bewährtesten dezentralen Infrastruktur, die es gibt: Der Blockchain.

Die Blockchain, die nun seit neun Jahren läuft und mehr als 17 Millionen Bitcoins mit einem Gesamtwert von +150 Milliarden US-Dollar verwaltet.

uptime
Zwischen dem 3.1.2009 (Block 0) und dem 9.1.2009 (Block 1) gab es mal eine Pause.

Das klingt fantastisch und fast zu schön um wahr zu sein, doch im Gegensatz zu vielen anderen „Blockchain“-Projekten, die ebenfalls ähnlich hohe Versprechungen machen, ist das Lightning-Netzwerk bereits aktiv und es wächst rasant. Fast 2000 Knoten verwalten aktuell in mehr als 5000 Kanälen Satoshis (die kleinste Bitcoin-Einheit) im Wert von knapp 150.000 US-Dollar.

lightning netzwerk2
Das Lightning-Netzwerk Stand 1. Mai 2018

Gemessen an den absoluten Zahlen, ist das natürlich ein vergleichbar kleines Experiment, doch ist die Wachstumsrate beeindruckend. Innerhalb von drei Monaten hat sich die Anzahl der Knoten des Lightning-Netzwerks nahezu verzehnfacht.

Dieser Trend ist nicht nur virtuell. Neben dem Lightning Network Hackday in Berlin fanden zwei ähnliche Events noch einmal in Berlin und in München statt. Innerhalb nur einer Woche.

Down the Bitcoin-Rabbit-Hole, Teil 2

Die enorme Nachfrage nach solcherlei Veranstaltungen zeigt jedoch auch eine andere Seite von Lightning: Es ist viel Austausch, Lernen, Erklären und Verstehen nötig.

Das Konzept ist technisch und konzeptionell sehr anspruchsvoll und ähnlich fordernd, wie Bitcoin. Nur, dass man eben erst einmal Bitcoin verstanden haben muss, bevor man bei Lightning überhaupt eine Chance hat. Das eine basiert direkt auf dem anderen und allen seinen Möglichkeiten u.a. für zwar begrenzte, aber dafür clevere und nützliche Smart Contracts.

Genau das macht aber auch den Reiz für viele Entwickler aus, die sich mit Bitcoin bereits auskennen. Denn wer Lightning zu verstehen beginnt, entdeckt in dem zugrunde liegenden Konzept eine ähnliche Brillanz wie bei Bitcoin selbst. Und erlebt auch einen vergleichbaren Aha-Moment, wenn es *klick* macht und all die Puzzle-Teile beginnen sich zusammenzufügen.

Lightning ist aber trotzdem Experiment

Trotzdem muss man an dieser Stelle aber auch erwähnen, dass das Lightning-Netzwerk ebenso wie Bitcoin insgesamt ein großes Experiment ist. Und Experimente können scheitern. Noch ist das Konzept ganz neu. Die Erprobungsphase läuft erst seit kurzem. Bugs, Rückschläge und der Totalausfall sind zumindest nicht unwahrscheinlich. Es gibt also keine Garantie, dass das Lightning-Netzwerk der nächste heiße Scheiß™ wird. Andererseits kann man es aber auch nicht ausschließen.

Und viel mehr noch. Allein die Atmosphäre auf dem Lightning Network Hackday am Samstag, das große Interesse Lightning zu verstehen, es selbst auszuprobieren, die vielfältigen Visionen, was man damit machen könnte und die hohe Qualität der Diskussionen über Funktionalität, Risiken und Herausforderungen haben mir zumindest einen sehr guten Einblick gegeben, wie viel Brainpower aktuell in Bitcoin und das Lightning-Netzwerk fließt.

Lightning-Netzwerk mit Netzwerk-Effekt

Nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt. Nur zeigt sich das bei solch einem dezentralen Projekt wie Bitcoin eben nicht so offensichtlich. Dennoch ist die Innovationsquote hoch. Gestern ging direkt ein neues Paper online, das Lightning noch effektiver zu machen verspricht.

Ein Indiz für eine These, die ansonsten schwer mit Zahlen zu belegen ist: Die Wahrscheinlichkeit, dass sich bald (oder sogar schon jetzt) die meisten der tatsächlich kompetenten Leute im „Blockchain“-Ökosystem mit Bitcoin und Lightning beschäftigen, ist hoch. Denn es ist ziemlich gut möglich, dass hier gerade das entscheidende Layer 2-Protokoll entsteht, das die nächste große Bitcoin-Evolutionsstufe bereitet.

Was das genau bedeuten würde, müssen wir erst noch herausfinden. Von der möglicherweise enormen Wucht dieses metaphorischen Gewitters sollte man sich jedenfalls nicht überraschen lassen. Ich empfehle daher jedem, sich zeitnah auch einmal mit Lightning auseinanderzusetzen.

Bild: „Lightnings“ (CC BY-SA 2.0)

Hörtipp: Unchained-Podcast von Laura Shin

Ich höre zur Zeit einige der Folgen des Unchained-Podcasts von Laura Shin, in dem Sie mit verschiedenen, namhaften Akteuren aus dem Bereich Bitcoin und Blockchain spricht.

Das machen zwar viele andere auch, aber die Stärke von Laura Shin ist es, dass sie sich als Journalistin schon lange mit Bitcoin und Co. beschäftigt, daher sehr gut im Thema steckt und sich ein entsprechend großes Netzwerk aufgebaut hat. Vor allem aber schafft sie es, ihre Gesprächspartner zum Reden zu bringen und ihnen Aussagen zu entlocken, die man sonst nicht so findet.

Die Naivität des Vitalik Buterin herausgearbeitet

Unbedingt hören sollte man daher die Folge mit Ethereum-„Wunderkind“ Vitalik Buterin, den man danach in einem ganz anderen Licht sehen muss, als es sonst in den Medien vermittelt wird. Kein besseres, um das hier mal gleich vorweg zu nehmen.

Immerhin sagt er, dass er sich nicht vorstellen könne, dass irgendwer die Ethereum-Plattform für einen ICO mit betrügerischen Absichten nutzen würde. Angesichts von Studien, Behörden und Experten, die sich nicht darüber uneins sind, ob, sondern wie viele der ICOs betrügerische Absichten verfolgen, ein Statement, das an Naivität kaum zu übertreffen ist.

Zumal Vitaliks Meinung und Denke dank seines Status als Gründer noch immer die Macht hat, die Richtung von Ethereum maßgeblich mitzubestimmen.  Das sieht er aber selbst auch gar nicht so kritisch.

Bis zu welchem Preis ist Bitcoin-Mining profitabel?

Sehr aufschlussreich fand ich außerdem die Frage an die Gründer des Bitcoin-Mining-Unternehmens Bitfury, Valery Vavilov und George Kikvadze, bis zu welchem Kurs denn das Mining für sie eigentlich profitabel sei. Sie haben darauf eine Antwort gegeben, die ich hier aber nicht spoilere. Nur so viel: beim aktuellen Kurs müssen sie sich noch keine Sorgen machen.

Gut für lange Fahrten

Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Episoden, dich ich auch noch nicht gehört habe, aber in den nächsten Tagen mal angehen werde. Immerhin wartet eine etwas längere Reise auf mich. Am Freitag werde ich nämlich einen launigen Vortrag über Kryptowährungen auf der Pushcon in Ahaus halten. Wer in der Nähe ist: Vorbeikommen lohnt sich. Auch dort gibt es Interessantes zu erfahren.

So erklärt die New York Times Bitcoin

Erstaunlich! Die altehrwürdige New York Times berichtet schon seit mindestens vier Jahren sehr differenziert und gut recherchiert über Bitcoin, doch erst jetzt gibt es für die Leser das obligatorische  Grundlagen-Erklärvideo.

Ob es gelungen ist, soll jeder selbst beurteilen. Ich denke aber eher nicht, dass diese zwei knappen Minuten die Zielgruppe signifikant von ihrer baffledness befreit. Dafür nehmen Aspekte wie Mining und der Anstieg der Difficulty einen zu großen Raum ein.

Auch ein kurzes Video ist besser als kein Video

Dennoch – da nur Bildung und Aufklärung die Grundlage für eine allgemeine, kritisch-fundierte Auseinandersetzung der Gesellschaft mit Bitcoin schaffen, ist auch dieses Video in Verbindung mit der Reichweite der New York Times, wenn auch nicht der ganz große Wurf,  zumindest ein weiterer kleiner Wissensbaustein.

Blockchain Grundlagen – Schritt für Schritt die Blockchain verstehen

Ich habe selten ein Buch gelesen, dessen Titel so exakt den Inhalt widerspiegelt wie Blockchain Grundlagen. Eine Einführung in die elementaren Konzepte in 25 Schritten von Daniel Drescher. Erst recht keines, das im Titel „irgendwas mit Blockchain™“ machte.

Denn die Erfahrung zeigt: nicht nur Projekte und Unternehmen, sondern auch Bücher, die „irgendwas mit Blockchain™“ machen – davon gib es mittlerweile eine ganze Reihe –  neigen zu einer überdurchschnittlich hohen Bullshit-Quote. Bei Blockchain Grundlagen ist das jedoch erfreulicherweise anders. Genau das macht es zum ersten „Blockchain“-Buch, das ich mit konstanter Begeisterung gelesen habe.

Blockchain Grundlagen – Schritt für Schritt die Blockchain verstehen weiterlesen

Ist noch Dip da? Oder: Noch drei Bitcoin- und Blockchain-Links

Da das beim letzten Mal so gut ankam und ich kurz vor dem Urlaub eh noch ein bisschen den Browser aufräumen wollte, hier gleich noch drei kommentierte Bitcoin- und multiple copies of a giant excel spreadsheet-Links.


Ist noch Dip da?

Dieses Video ist irgendwie symptomatisch für das grundsätzliche Dilemma der Crypto-Szene. Alle sagen dir, dass du den „f*#!ing dip“ kaufen sollst, aber niemand kann dir eigentlich sagen, wann zum Geier das genau sein soll! Das weiß man nämlich immer erst hinterher. Aktuell beispielsweise steht der Kurs bei um die 8.000 US-Dollar, aber ob er von hier aus erst einmal wieder wieder hoch oder doch noch weiter runter geht, ist schwer zu sagen.

Gestern wurde jedenfalls eine Lightning-Version fürs Mainnet freigegeben und für viele in der Community ist das ein technischer Meilenstein in der Bitcoin-Entwicklung. Den Preis groß beeinflusst hat das dennoch nicht. Aber immerhin, die Stimmung in der Community ist sehr gut. Das Lied übrigens auch: „I buy the dip, when I’m buying dip“. Word!


Million Dollar Trading Mistakes, For Your Entertainment and Edification

Und wo wir schon beim erfolgreichen Traden sind: Das ist alles andere als einfach, wie Edward T. Giraffe in diesem ebenso unterhaltsamen wie lehrreichen Stück schreibt. Oder wie er es nennt: „My crypto-trading f*&k-ups, and some lessons learned.“ Sollte man gelesen haben!

Und um selbst nicht all die Anfängerfehler zu machen, lohnt es möglicherweise auch, diesen kostenlosen Leitfaden durchzublättern. Hätte vielleicht auch Herrn Giraffes Nerven gut getan.


Replace Blockchain with Spreadsheet-Erweiterung 

Lustig! Da hat doch jemand eine Chrome-Erweiterung programmiert, die auf allen Webseiten das Wort „Blockchain“ durch „multiple copies of a giant excel spreadsheet“ ersetzt.

Das ganze macht auf englischsprachigen Seiten natürlich mehr Freude, wenngleich auch deutschsprachige Seiten hierdurch auf einmal einen ganz neuen Bullshit-Bingo-Anstrich bekommen.

deutsche bank

Doch so spaßig diese Herangehensweise auf den ersten Blick auch ist, so hilfreich ist sie in der Tat den Marketing-Begriff „Blockchain“ ein Stück weit zu entmystifizieren und die Luft aus dem Hype darum zu lassen. Denn wir wissen: Alle reden von „Blockchain“, aber so richtig Ahnung hat eigentlich keiner davon. Dieses Plugin ändert das!


… und damit verabschiede ich mich in den Urlaub. Irgendwann nach Ostern gibt es hier dann wieder mehr. Adios.

Drei Bitcoin- & Blockchain-Link-Tipps

Wie viele andere auch bin ich eigentlich derzeit krank und schiebe deswegen hier nur ganz kurz drei teilenswerte Links auf die Seite.

1 – Cryptocurrencies: Last Week Tonight with John Oliver (HBO)

John Oliver hat sich sehr unterhaltsam, pointiert und solide recherchiert mit dem Thema Bitcoin/Blockchain/Kryptowährungen auseinandergesetzt. Die Crypto-Community liebt es. Ich auch.


2 – Bitcoin and Cryptocurrency Markets: Last year in Review, Outlook 2018 (Tuur Demeester)

Tuur Demeester gehört seit Jahren zu den profiliertesten und renommiertesten Crypto-Analysten. Einer der ersten, denen man bei Twitter folgen sollte. In diesem Paper fasst er den Status Quo von Bitcoin und den Kryptomärkten aus seiner Sicht zusammen. Besonders erfrischend ist sein junk coin index”, der pauschal die Summe aller nicht Top 10 Coins (nach Marktkapitalisierung) umfasst. Wer gerade eine gut begründete Meinung braucht, ist hier richtig. 


3 – Besuch beim Bitcoin Stammtisch (Bayern 2)


Bonus: Bundesregierung zu ICOs

Abschließend noch als kleine Zugabe die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage aus Richtung FDP bzgl. Initial Coin Offerings. Kann man mal zur Kenntnis nehmen, steht aber auch nichts unglaublich Überraschendes drin.