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Honigdachs #50 – Bitcoin in der Corona-Krise

Die 50. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin zu reden auf Dauer zu wenig ist. (Abonnieren)

Honigdachs #50 – Bitcoin in der Corona-Krise

Eigentlich sollte diese Folge ja eine besondere sein. 50 Folgen Honigdachs in fast fünf Jahren. Hooray!

Kein Grund zum Feiern …

Doch so sehr wir uns auch freuen, ist uns nur bedingt zum Feiern zu Mute, denn die Zeiten sind unruhig und besorgniserregend. Die Corona-Pandemie stürzt die Welt zunehmend ins Chaos und das Schlimmste steht uns wohl erst noch bevor.

Anstelle einer eigentlich geplanten fröhlichen Feier-Folge, sprechen wir nun also über die Corona-Krise und deren Folgen für Bitcoin und die Welt. Und haben uns dafür mit Marc Friedrich einen Gast eingeladen, der sich mit dem Thema besonders gut auskennt. Der Bestseller-Autor warnt seit Jahren in seinen Büchern vor dem nächsten Crash und eckt dabei mit seinen Thesen auch gerne einmal an. Doch nun ist der ja Crash da. Oder nicht? Oder noch nicht?

Das alles diskutieren wir in dieser Folge durchaus kontrovers aber immer mit einer positiven Grundhaltung. Natürlich jeder schön in individueller Heimisolation. Also hört rein und wundert euch nicht wenn der Sound bei dem einen oder anderen für kurze Zeit mal etwas knarzig klingt. Das ist nur vorübergehend.

… aber bald!

Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick und die offizielle Jubiläumsfolge mit allem drum und dran holen wir natürlich nach.

Danke aber schon jetzt an euch, die ihr uns seit fünf Jahren immer wieder hört und so viel positives Feedback gebt.

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BitcoinPriceMap – Der Bitcoin-Preis im globalen Vergleich

Aktuell ist im Bitcoin-Preis ja wieder ordentlich Dynamik. Zwar hat sich der Kurs seit dem markanten Einbruch vor zwei Wochen wieder einigermaßen gefangen und mäandert aktuell um die 6500 US-Dollar-Marke. Der Weg dahin war kein gerader, sondern auf Grund einiger signifikanter Auf und Abs von spürbarer Volatilität geprägt.

Der Bitcoin-Kurs erholt sich langsam, aber kontinuierlich.

Doch kann man genau genommen ja gar nicht von dem Bitcoin-Preis reden. Bitcoin hat ja nicht nur einen, sondern viele Preise. Diese bilden sich nämlich immer dort, wo Angebot und Nachfrage zusammenkommen. In der Regel sind das die Börsen im Netz. Aus den Daten der Börsen kann man dann zwar einen Mittelwert bilden, den man als so etwas wie den Bitcoin-Preis bezeichnen könnte. Man sollte aber trotzdem nicht vergessen, dass dieser Mittelwert global dennoch ziemlich große Differenzen beinhalten kann.

BitcoinPriceMap – Wo Bitcoins auf der Welt aktuell wieviel kosten

Mit der BitcoinPriceMap hat der Brasilianer Miguel Medeiros nun eine Karte entwickelt, die diese Unterschiede sehr anschaulich darstellt. Dafür zieht er sich die Daten von den Börsen in verschiedenen Ländern, rechnet alles in US-Dollar um und stellt die Ergebnisse auf einer Weltkarte gegenüber.

In manchen Ländern zahlt man aktuell fast 1000 US-Dollar mehr pro Bitcoin.

Das ist insofern interessant, als dass mir vorher nicht klar war, wie groß die Preis-Unterschiede in einzelnen Regionen tatsächlich sind. Dass Bitcoins in Nigeria bspw. vergleichsweise teuer sind (zehn Prozent über globalem Mittel) überrascht mich weniger. Dass Argentinien da jedoch nahezu gleichauf liegt, schon. Insbesondere da ein Bitcoin in Venezuela aktuell kaum teurer ist als im gemittelten Rest der Welt. Und warum ein Bitcoin in Australien gerade rund 1000 US-Dollar billig ist als überall sonst, wirft natürlich auch Fragen auf.

Zu wenige Börsen beschränken die Aussagekraft

Ein Teil der Antwort könnte dabei, wie so oft, in der dünnen Datenbasis liegen. Denn sonderlich breit ist die Auswahl der Börsen, die herangezogen werden, nicht. Außerdem scheinen viele eher klein zu sein. Von den meisten habe ich zumindest noch nie etwas gehört. Wobei das natürlich nichts heißen muss.

Aber selbst in den Ländern mit vielen und vor allem volumenstarken Börsen – USA, China etc. – wird bislang jeweils nur eine einzige Börse als Quelle herangezogen. Oder eben gar keine, wenn es wie bei uns in Deutschland, keine gibt. Und wo verortet man denn eigentlich Börsen wie Binance, die letztlich keinen festen Standort haben, sondern immer in die Jurisdiktion wechseln, die für sie gerade am vorteilhaftesten ist?

Gutes Tool für einen Perspektivwechsel

Doch auch wenn es für die BitcoinPriceMap methodisch noch Luft nach oben gibt, ist sie auch so schon jetzt ein wirklich interessantes Tool, das hilft, das eigene Verständnis und die eigene Persepktive auf Bitcoin zu erweitern und interessante Fragen aufwirft, über die man sonst vielleicht so nicht nachgedacht hätte.

Bitcoin und die Corona-Krise

„Die große Corona-Krise hat die ganze Welt fest im Griff und lässt erbarmungslos alle wichtigen Märkte crashen. Alle? Nein! Eine kleine unbeugsame Kryptowährung namens Bitcoin widersetzt sich dem übermächtigen Abwärtstrend und bleibt trotz allem wertstabil.“

So hätten sich wohl viele Bitcoiner die Beschreibung dieses Donnerstags gewünscht. Bitcoin – aus der globalen Krise 2008 geboren – beweist sich schon in der nächsten globalen Krise nur wenige Jahre später als verlässliche und entkoppelte Anlageklasse. Ein Wertaufbewahrungsmittel, das nicht mit den klassischen Märkten wie Gold, Aktien, Anleihen und Öl korreliert.

Doch es kam anders.

Der schwarze Corona-Schwan wirft alles durcheinander

Vor einer Woche noch bei über 9000 US-Dollar, brach der Bitcoin-Kurs zusammen mit den Aktienmärkten am Donnerstag massiv ein. Verlor zwischenzeitlich binnen Stunden mehrere Tausend Dollar an Wert und dippte in der Nacht kurzzeitig sogar auf unter 4000 US-Dollar. Seit Gestern steht der Bitcoin zwar wieder bei über 5000 US-Dollar. Unterm Strich bleibt aber ein Verlust von rund 40 Prozent innerhalb einer Woche. Für viele Bitcoiner eine Überraschung. Und ein Schock.

https://twitter.com/TorbjrnBullJens/status/1238125172302979074
Die Volatilität ist nicht das Problem

Allerdings nicht wegen der Wertschwankung an sich. Plötzliche Volatilität ist man bei Bitcoin schließlich seit jeher gewöhnt. Zwar eher selten, aber hin und wieder auch im zweistelligen Prozentbereich.

Was viele jedoch überrascht, ist die Tatsache, wie sehr sich Bitcoin von der allgemeinen Verunsicherung der klassischen Märkte hat nach unten reißen lassen. Das war so schließlich nicht vorgesehen.

Dass es trotzdem so gekommen ist, ist bemerkenswert und spannend gleichermaßen, werfen die gestrigen Ereignisse doch Fragen auf, die man im Rahmen des Bitcoin-Experiments eigentlich schon für beantwortet hielt.

Die Kursentwicklung der letzten Jahre deutete schließlich darauf hin, dass sich die These von Bitcoin als „Sicherer Hafen“ gegen Verwerfungen auf den klassischen Märkten als valide erweist. Soweit, dass sie eigentlich gar nicht mehr wirklich hinterfragt wurde und sich sogar zu einem der wichtigsten Alleinstellungsmerkmale von Bitcoin entwickelte.

Wir wissen weniger über Bitcoin als wir denken

Doch offensichtlich lagen wir in diesem Punkt falsch mit dem, was wir über Bitcoin zu wissen meinten. Denn wäre dem nicht so, hätte der Kurs nicht derart korreliert crashen dürfen. Und dass das für viele so überraschend kam, deutet darauf hin, dass es möglicherweise noch andere Bitcoin-Erkenntnisse gibt, die bisher als einigermaßen gesichert angenommen werden, in Wahrheit jedoch wohl nur Thesen sind, die bisher einfach nur noch nicht be- oder widerlegt wurden. Oder Annahmen, die in ihren Konsequenzen bislang schlichtweg noch nicht zu Ende gedacht wurden.

So warten viele Bitcoiner ja schon seit Jahren darauf, dass Bitcoin durch die Zulassung von ETFs und eine flächendeckende rechtliche Annerkennung als „offizielle“ Investitionsmöglichkeit endlich zu einem Magneten für institutionelles Geld wird. In der Hoffnung, dass das große Geld™ den Kurs massiv beflügelt und gleichzeitig dafür sorgt, dass sich auch die Volatilität langfristig in einem beständigen Rahmen einpendelt.

Eine Hoffnung, die jedoch stark auf der seit Donnerstag gründlich erschütterten „Sicherer-Hafen“-Annahme beruht und darüber hinaus zu einer weiteren Verpflechtung von Bitcoin mit bestehenden Marktmechanismen führen würde. Genau das würde aber künftig ähnliche korrelierte Markt-Entwicklungen noch viel wahrscheinlicher machen und den „Sicherer-Hafen“-Anspruch weiter untergraben. Ein Dilemma.

Denn man kann nicht auf das Geld von Investoren scharf sein, aber gleichzeitig nicht wollen, dass diese Investoren Bitcoin wie jedes andere ihrer Investments behandlen. Also im Zweifel zusammen mit all ihren anderen Anlagen massenhaft verkaufen, wenn sie dazu gezwungen sind.

Was die Corona-Krise für Bitcoin bedeutet

Was zu der letztlich relevanten Frage führt, wie wir den Kursrutsch für Bitcoin bewerten müssen und was wir daraus lernen können. Haben die Bitcoin-Kritiker am Ende womöglich doch Recht? Wenn das digitale Geld in turbulenten Zeiten wie diesen kein sicherer Hafen ist, was ist Bitcoin dann überhaupt wert?

Eine berechtigte Frage, auf die die Antwort wie so oft bei Bitcoin lautet: Zum jetzigen Zeitpunkt können wir das schlichtweg nicht sagen, für einen Abgesang ist es aber definitiv noch zu früh. Aus dem einfachen Grund, dass wir gestern zwar einen massiven Einbruch des Bitcoin-Kurses gesehen haben, wir aber noch ganz am Anfang der Corona-Krise stehen. Eine Krise, in der sich weit mehr als Bitcoin beweisen muss.

Man muss dabei kein sonderlicher Pessimist sein, um davon auszugehen, dass die gestrigen Marktreaktionen nicht das Schlimmste war, was uns noch bevorsteht. Wenn die Bundeskanzlerin offen sagt, dass die Situation außergewöhnlicher sei als zu der Zeit der Bankenkrise, dann hat sie damit Recht. Denn im Gegensatz zu 2008 ist die Krise, in die die Banken insbesondere hierzulande gerade rutschen und so bedrohlich sie auch wirken mag, dieses Mal nur ein Nebenschauplatz.

In erster Linie bedroht das Corona-Virus nämlich nicht die Bilanzen von Banken sondern das Leben von Milliarden Menschen weltweit. Der Umgang mit dem Virus ist folglich ein direkter Stresstest für die Integrität und Performanz jedes einzelnen Staates, seiner Gesellschaftsform, seiner Institutionen, der Werte, für die er steht und des Sozialgefüges, in dem diese Werte gelebt werden.

Und es ist keinesfalls ausgeschlossen, dass es Staaten gibt, die diesen Test nicht bestehen werden. Was im Übrigen nicht nur für den Iran gilt.

Menschenleben oder Bankenbilanzen?

Im Hinblick auf die Banken bedeutet das, dass Regierungen dieses Mal womöglich nicht nur vor der Entscheidung stehen werden, (schon wieder) die Banken zu retten oder nicht. Im schlimmsten Fall müssen sie abwägen, ob sie die Mittel der Gesellschaft eher dafür einsetzen, um marode Banken zu retten oder Menschenleben.

Es braucht nicht viel Phantasie, um zu erkennen, dass in einem solchen Fall das Budget für eine mögliche Bankenrettung, sofern sie überhaupt kommt, kein „whatever it takes“ sein kann und wahrscheinlich nicht für alle Institute reichen wird.

Wenn das Virus Ärzte wie in Italien jetzt schon dazu zwingt, zu entscheiden, wem man die Behandlung versagt und damit womöglich sterben lässt, weil die Überlebenschancen anderer besser sind und die medizinischen Kapazitäten nicht für alle reichen, dann wird keine Gesellschaft in dieser Krise akzeptieren, nicht auch offensichtlich marode Banken „sterben“ zu lassen, um zumindest den einigermaßen überlebensfähigen eine Chance zu geben.

https://twitter.com/aantonop/status/1238126574278512640

In diesem Kontext wirkt die Tatsache, dass Bitcoin am Donnerstag kurzzeitig die Hälfte seines Wertes eingebüßt hat, gleich sehr viel weniger dramatisch. Denn eines darf man nicht vergessen. Alles, was bei Bitcoin passiert, ist live und ungeschönt. Es gibt kein Fangnetz und keine Rettungsschirme. Selbst wenn der Kurs crasht, weiß man jederzeit, woran man ist. Und dass der Kurssturz von selbst einen Boden auf immer noch hohem Niveau gefunden hat, zeigt, wie es um das grundsätzliche Vertrauen in Bitcoin steht: ziemlich gut.

Bitcoin braucht kein Fangnetz, es ist das Fangnetz

Im Gegensatz zu Banken war Bitcoin noch nie auf eine Rettung von außen angewiesen und wird es auch nie sein. Für das Fortbestehen von Bitcoin ist es egal, ob Banken pleite gehen oder nicht. Selbst wenn tatsächlich der absolute Worst case eintritt und wir Staaten scheitern sehen, wird das Bitcoin nicht schaden. Im Gegenteil.

Denn genau für solch ein Extremfall wurde Bitcoin gemacht. Nicht als sicherer Hafen für institutionelle Investoren, sondern als globales und universelles Geldsystem, dass auch in den schlimmsten Zeiten, also Zeiten systemischer Krisen, verlässlich funktioniert.

Ob und inwieweit Bitcoin diese Erwartungen in den kommenden Monaten wird erfüllen können oder womöglich sogar müssen, werden wir sehen. Wir wissen heute noch nicht, wie die Welt nach Corona aussehen wird. Vielleicht werden wir am Ende vergleichsweise glimpflich davon gekommen sein. Ich möchte mich aber nicht darauf verlassen müssen. Sehr viel wahrscheinlicher stehen uns nämlich extrem turbulente Zeiten bevor.

Und in diesem Fall zu wissen, dass es ein zensur- und manipulationsresistentes Geldsystem gibt, das zwar nicht perfekt aber auch nicht mehr ultra-experimentell ist, und im Notfall nicht von Politik und Ländergrenzen abhängig ist, lässt mich deutlich besser schlafen.

Bitcoin ohne Internet – Ein Zwischenstand

Als Internetprotokoll läuft Bitcoin über das Internet und wenn es kein Internet gibt, dann gibt es auch kein Bitcoin. Könnte man meinen, doch ganz so einfach ist es nicht.

Denn auch wenn das weltweite Netzwerk ausfällt, existiert Bitcoin natürlich offline erst einmal auf tausenden Rechnern weiter, die nur darauf warten, wieder miteinander kommunizieren um den Nakamoto-Konsens wiederherzustellen. Bekanntermaßen reicht im Ernstfall ja eine einzige Kopie der Blockchain, um das ganze Bitcoin-System wieder hochzuziehen. Also theoretisch.

Ideal ist das natürlich nicht. Denn je länger der kontinuierliche Konsensfindungsprozess unterbrochen ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit, einer erfolgreichen Attacke auf das „wahre“ UTXO-Set (d.h. auf den aktuellen Stand, wem welcher Bitcoin gehört). Außerdem ist Geld, das man nicht verlässlich transferieren kann, recht unpraktisch.

Bitcoin ohne Internetinfrastruktur

Deshalb arbeitet man schon seit Jahren daran, Bitcoin auch ohne Internet verfügbar zu machen. Denn ein gutes Geld sollte auch dann funktionieren, wenn aus politischen Gründen Leitungen gekappt oder manipuliert werden oder eine Naturkatastrophe Teile der Infrastruktur unbrauchbar macht. Kommt ja alles vor.

In Finnland hat man schon vor sechs Jahren die Blockchain testweise per DVB-T ausgestrahlt und damit beachtliche 95 Prozent der Bevölkerung in dem dünn besiedelten Land erreicht.

Um nicht nur Finnland, sondern die ganze Welt zu erreichen, läuft die Blockchain mittlerweile auch über Satelliten und Neil Woodfine arbeitet für Blockstream, die Firma, die genau das ermöglicht. In einem sehenswerten Vortrag beim Bitcoin-Meetup in Zürich berichtete er über den aktuellen Stand von Bitcoin ohne Internet.

Und wer nur wenig Zeit hat oder keine Lust auf Video, für die hat Neil den Vortrag und seine Kernaussagen auch noch einmal in eine handliche Reihe Tweets gepackt.

PocketCap – Der private BTC-Portfolio-Tracker

Vorgestern ist der Bitcoin-Kurs zum ersten Mal in diesem Jahr über 10.000 US-Dollar gestiegen. Mittlerweile liegt er wieder darunter. Dennoch ist das für viele eine symbolisch wichtige Marke, die aufhorchen lässt.

Welche Bedeutung die 10k-Marke aber letztlich für das eigene Portfolio hat, ist von Fall zu Fall verschieden. Hat man darüber gekauft, ist man noch immer im Minus. Hat man seine Bitcoins sehr günstig erworben, ist der Kurs natürlich exorbitant gut. Hat man jedoch sowohl darüber als auch darunter gekauft, ist es gar nicht so leicht, zu sagen, ob man gerade im Plus oder im Minus liegt.

PocketCap zum Investmenttracking

Wer daher den sich ja schon seit einigen Monaten abzeichnenden Kursfrühlings nutzen will, sich nun endlich mal einen fundierten Überblick zu verschaffen, wie man selbst eigentlich kurstechnisch so dasteht, für den könnte die Browser-App PocketCap von Sergiu Bologa eine hilfreiche Option sein.

Beispielportfolio: 3 mal Bitcoin zu unterschiedlichen Preisen gekauft, fast 100% Gewinn gemacht.

Wer zum Beispiel vor Jahren mal 10 Bitcoins zum Preis von je 1000 USD, später dann noch einmal 5 Bitcoins für je 10.000 USD nachgekauft und voller Enthusiasmus sogar 1 Bitcoin beim All-Time-High von 20.000 USD gekauft hat, sieht hier schnell, dass er zum jetzigen Zeitpunkt unterm Strich mit rund 76.000 USD Zuwachs seine Investition nahezu verdoppelt hat.

Da die Seite die Daten von Coinmarketcap zieht, kann man dem eigenen Portfolio neben Bitcoin auch noch eine Vielzahl von anderen Altcoins hinzufügen und sich seine Investitionsübersicht dementsprechend haargenau konfigurieren. Vorausgesetzt natürlich man weiß überhaupt noch, wann man was zu welchem Kurs gekauft hat.

Schutz von Daten und Privatsphäre

Doch selbst wenn man das weiß, stellt sich die Frage, ob man diese Daten überhaupt an einem Punkt gesammelt preisgeben möchte? Denn bekanntermaßen ist es keine gute Idee allzu viele Details über das eigene Portfolio bekannt werden zu lassen.

Sergiu ist sich dieses Dilemmas natürlich bewusst und hat PocketCap dementsprechend als möglichst private Open Source-Lösung konzipiert, bei der die eingegebenen Daten den Browser nicht verlassen. Im Reddit-Thread erklärt er das etwas ausführlicher:

It’s private for a few reasons:

  1. The data you enter never leaves your browser. The communication between your browser and the server is made only to get data from the server and never to send any data. You can check this by looking at the code (it’s open source) or by looking in the browser’s Developer Tools -> Network tab and see what requests are made to the server. You’ll see there all the data exchanged between the server and the browser.
  2. The portfolio is persisted by using the URL hash. So every time you create a portfolio the hash in the URL is changed to contain the data you entered and you can use that to later access your portfolio. That generated URL is in your complete control, the browser never sends it to the server.
  3. There’s a feature that remembers your last added portfolio but again is 100% in your browser and never leaves it. The mechanism is called LocalStorage and it’s a way to store some data in user’s browser without using a server for this. You can check this by accessing the app from another browser.
  4. This is the made idea behind this app, to keep it private and only in your control. So if we can consider that your browser is in your full control, than PocketCap is also in your full control.

Wenn man PocketCap also nicht gerade auf einem öffentlichen oder ungeschützt zugänglichen Rechner ausführt, kann man es also durchaus nutzen. In jedem Fall ist es sauber und ansprechend designed und bietet viele hilfreiche Informationen, selbst wenn man sich nur mal einen groben Überblick über den Stand des eigenen Investments verschaffen möchte oder ein „Hätte-ich-mal“- oder „Was-wäre-wenn“-Szenario“ durchspielen möchte.

(Kein) Bitcoin in Thailand

Hier ging es sehr ruhig zu die letzten Wochen und wer die letzte Honigdachs-Folge gehört hat, weiß, dass ich Im Dezember und Januar mit der Familie im Norden und Süden Thailands auf Reisen war. Ein sehr schönes Land, das ich gerne weiterempfehle. Insbesondere wenn man sich von den typischen Tourismus-Hochburgen löst und bereit ist, sich auf eine andere Kultur, andere Mentalität, anderes Essen und anderes Klima einzulassen und dadurch die eigenen Routinen, Gewohnheiten und möglicherweise eingefahrene Denkmuster infrage zu stellen.

„Reise, denn Geld kommt zurück, Zeit nicht.“

kluger Spruch, der unterwegs irgendwo an einer Wand stand

Vier Erkenntnisse aus acht Wochen Reise

Nun soll das hier aber kein Urlaubsbericht werden, sondern natürlich habe ich wie auf jeder Reise die Augen in Hinblick auf das Thema Bitcoin und Geld allgemein offen gehalten. Dabei sind mir einige Sachen aufgefallen, die ich für erwähnenswert finde.

#1 Bitcoin ist unsichtbar

Obwohl ich mich immer wieder umgeschaut habe, ist mir Bitcoin in Thailand in den acht Wochen unserer Reise nirgendwo wirklich begegnet. Jedenfalls nicht ohne aktiv und ganz gezielt danach zu suchen. Zwar waren wir auch nicht in Bangkok, was diese Aussage für „ganz Thailand“ natürlich deutlich einschränkt, aber auch so gab es wirklich keinerlei Anzeichen für die Präsenz des digitalen Geldes.

Sie dem Bitcoin-₿ zwar sehr ähnlich, ist aber „nur“ das Währungs-฿ des thailandischen Baht.

Wer wirklich sucht, findet natürlich einige Bitcoin und sogar Lightning-Meetups nicht nur in Bangkok, sondern bspw. auch in Chiang Mai, der zweitgrößten Stadt Thailands. Außerdem gibt es auch eine handvoll Bitcoin-Automaten. Um die zu finden, muss man aber eben selber aktiv suchen.

Einzig nach einem intensiven, mehr als 1200 steile Stufen umfassenen Aufstieg hab ich doch noch ein winziges Zeichen von Bitcoin in Gestalt eines Trezor-Stickers gefunden. Dass den jedoch jemand in ein religösen Heiligtum geklebt hat, finde ich respektlos.

Cool: Auf einen Gipfel gibt es doch ein winziges Zeichen von Bitcoin. Uncool: Man klebt keine Marketing-Sticker in religöse Heiligtümer.

#2: Cash is king!

Mit Bitcoin habe ich also nichts bezahlt in Thailand. Das gleiche gilt aber auch für die Kreditkarte. Deren einziger Nutzen war auf unserer Reise, Bargeld abzuheben. Obwohl ich durchaus auch mal versucht habe, sie zu benutzen. Aber entweder wurde meine deutsche Visa-Kreditkarte von den Apps „nicht unterstützt“, es gab gar keine Möglichkeit damit zu bezahlen (Straßenküche, Nachtmarkt, Restaurants etc.) oder es war die teuerste Option. Denn bei Bargeld fallen eben keine zusätzlichen Gebühren an.

Möney, Möney, Möney gibt’s überall und am liebsten Cäsh auf die Händ

Auch mobiles Bezahlen per App war nirgendwo eine echte Option. Keine Ali-WeChat-Apple-Google-Samsung-Pay-Schilder. Zumindest nicht so, dass sie mir irgendwie aufgefallen wären.

Das ist insofern bemerkenswert, als dass das mobile Internet in Thailand ausgezeichnet, sehr günstig, überall verfügbar und allgegenwärtig ist. Für meine quasi LTE-Flatrate mit maximaler Geschwindigkeit hab ich umgerechnet ca. 15 Euro im Monat bezahlt (und wahrscheinlich noch nicht einmal den günstigsten Tarif gefunden).

Dafür hatte ich dann aber auch wirklich überall richtig schnelles Internet. In den Bergen, auf dem Meer, in der Stadt und überall dazwischen. Am Ende habe ich mir nicht einmal mehr die Mühe gemacht, mich in die freien WLANs der Unterkünfte und Restaurants einzuwählen. Wer hat der kann.

Nicht im Bild: Sohnemann der auf dem Handy zockt, chattet und streamt.

Und weil das Internet überall verfügbar ist, wird es auch überall genutzt. Der Pförtner stream während seiner Schicht Videos, die Köchen der Garküche videotelefoniert nebenbei und die Kinder der Händler auf dem Nachmarkt spielen Online-Spiele oder schauen anderen im Netz dabei zu. Auf dem Motorroller, beim Essen, an der Kasse – das Smartphone ist in Thailand fester, ständiger und akzeptierter Begleiter aller Menschen in jeder Situation. In seiner Intensität wirkte das auf uns manchmal befremdlich.

Die Infrastruktur für mobiles Bezahlen wäre also durchaus da. Genutzt wird sie jedoch nicht. Die genauen Gründe kenne ich nicht. Es scheint wohl aber, dass die „Nur Bares ist Wahres“-Mentalität keine ur-deutsche Einstellung ist. Immerhin konnten wir selbst in besseren Unterkünften die Kaution und manchmal sogar das ganze Appartment nur in bar bezahlen.

#3: Apps sind situativ relevant

Auf unserer Reise habe ich mehrfach darüber nachgedacht, wie diese wohl verlaufen wäre, wenn sie ein paar Jahre früher stattgefunden hätte? Ohne mobiles Internet, Smartphones, Cloud-Services und Apps. In jedem Fall sehr viel herausfordernder. Ich hätte die digitalen Helfer jedenfalls nicht missen wollen.

Die Lieblings-Hörspiele und -Musik der Kinder jederzeit bei Spotify streamen. Sehr hilfreich! Dieses bestimmte Märchen spontan als Gutenachgeschichte googlen. Top! Ein paar aktuelle Die Maus-Folgen auf dem Tablet schauen. Super!

Doch nicht nur für die familieninterne Stimmung waren Apps auf unserer Reise im Hinblick auf daheimgebliebene CDs, Bücher etc. im wahrsten Sinner des Wortes eine große Erleichterung. Einige Apps haben unsere Reise (mit kleinen Kindern) in Teilen überhaupt erst ermöglicht.

Google Maps hat sich in einem Land mit fremdem Schriftbild und einer anspruchsvollen Sprachbarriere als unverzichtbarer und verlässlicher Navigator erwiesen. Ohne die App wären die mehr als tausend Kilometer Autofahrt in einem Straßenverkehr, der zu den tödlichsten der Welt gehört, jedenfalls sehr viel unentspannter gewesen.

Alle Kurven und die voraussichtliche Ankunftszeit dank Google Maps schon vorab zu kennen, macht das Fahren sehr viel entspannter.

Eine andere quasi unverzichtbare App, die wir entsprechend viel genutzt haben, war Grab, das lokale Uber. Gerade in Städten wie Chiang Mai war das als Famile die perfekte Art der Fortbewegung. Denn die App löste viele unserer Probleme:

  • Der Verkehr ist intensiv und rollerlastig, sodass selber Autofahren in der Stadt sehr stressig ist. Auch weil man nur schwer einen Parkplatz findet.
  • Die Pförtnerin unseres Komplexes sprach kein Wort Englisch und konnte uns daher auch kein „offizielles“ Taxi rufen.
  • Die halbfesten Routen der Sammeltaxis waren außerhalb unserer Reichweite
  • Die Grab-Fahrer sprachen meist zwar auch kein Englisch, mussten sie aber auch nicht. Die App hat unsere Kommunikation über Standort und Ziel über die Sprachbarriere hinweg gemanaged.
  • Durch die Echtzeit-Routenverfolgung konnten wir jederzeit überprüfen, ob wir auf dem richtigen Weg sind und eingreifen, wenn nicht.
  • Wir haben immer einen fairen Preis bezahlt. Die App hat den Fahrpreis vorab vorgegeben und mit einem Trinkgeld für den Fahrer obendrauf waren wir sicher, dass keiner von uns einen schlechten Schnitt gemacht hat. Wussten wir auch daher, weil die Preisvorhersagen der App in vielen Situationen erstaunlich nah an den spontan im Kopf kalkulierten Preisen von „normalen“ Taxis/Fahrern waren.

Mittlerweile habe ich die Grab-App wieder gelöscht und fragte mich jemand, ob ich nun auf den Geschmack gekommen sei und ein vergleichbares Angebot fortan auch regelmäßig hier in Deutschland nutzen wollen würde, wäre meine Antwort weiterhin in den meisten Fällen nein. Uber und Co. sind zwar ganz nett, lösen für mich hier aber bislang zu selten ein Problem, das ich nicht auch anders/einfacher lösen könnte. Bei der nächsten Reise nach Südostasien, würde ich Grab jedoch sofort wieder installieren.

#4: Asien ist mehr als nur China

Wenn ich vorher an Apps und Asien gedacht habe, dachte ich lange automatisch an China und ging davon aus, dass deren digitale Angebote längst auch die angrenzenden Länder der Region erobert hätten. Oder dass sich die westliche Apps von Facebook und Co. irgendwie durchgesetzt hätten.

Das Beispiel Grab (gegründet 2012 in Malaysia heute in ganz Südostasien verbreitet) zeigt aber, dass das nicht so ist. Die App ist in Thailand quasi der etablierte Standard für Mobilitätsvermittlung von Mensch und Essen.

Ein Tauchshop-Betreiber sagte uns zudem, dass er auf seiner Visitenkarte Whatsapp nur pro forma für die westlichen Besucher drauf habe. Sonst nutze das hier nämlich keiner.

Die Standard-Kommunikationsapp in Thailand ist hingegen Line (sitzt in Japan). Einen WeChat– oder Telegram-Kontakt hatte er erst gar nicht, obwohl die Gegend gerade bei Russen und Chinesen ein sehr beliebtes Reiseziel ist. Möglicherweise gehen die aber auch einfach nicht so gerne schnorcheln.

Das alles sind letztlich eben doch nur individuelle Eindrücke meinerseits, die aber trotzdem hilfreich sind, ein differenzierteres Bild der (digitalen) Welt jenseits des eigenen geistigen Tellerrandes zu entwickeln.

Zurück am Schreibtisch

Und mit diesen frischen Eindrücken geht es nun auch hier im Blog wieder weiter. Denn auch wenn ich von Bitcoin in Thailand zwar nicht viel gesehen habe, so hat sich doch bei Bitcoin in den vergangenen zwei Monaten Einiges getan. Zudem verspricht das laufende Jahr sehr ereignisreich und spannend zu werden. Meine Themenliste ist dementsprechend lang und der nächste Honigdachs-Podcast selbstredend schon in der Vorbereitung.

Der Bitcoin Standard – „Wir wollen, dass die Message rüberkommt“

The Bitcoin Standard von Saifedean Ammous ist eines der prominentesten und polarisierendsten Bücher, die bisher über Bitcoin erschienen sind. Vor allem wegen der Erklärung des Stock-to-Flow-Modells und der Beschreibung von Bitcoin als extrem hartes Geld hat The Bitcoin Standard in Teilen der Community längst Kultstatus erreicht. Kritiker stören sich hingegen an der vertretenen Extremposition und einer mitunter konstruierten Argumentation.

Wenn sich kein Verlag findet, muss man ihn eben selber gründen

Wer sich selbst ein Bild machen wollte, musste das Buch bislang in der englischsprachigen Originalversion lesen. Ein deutscher Verlag fand sich nicht. Fabio und Stefan, zwei Bitcoiner aus der deutschen Community, wollten das nicht hinnehmen. Sie haben kurzerhand selbst einen Verlag gegründet, um The Bitcoin Standard endlich auch auf Deutsch verfügbar zu machen.

Seit ein paar Wochen ist Der Bitcoin Standard nun auf dem Markt und ich habe die Gelegenheit genutzt, Fabio zu ihrem Verlags-Projekt und ihrer Motivation zu befragen.

Der Bitcoin Standard von Saifedean Ammous. 432 Seiten kosten 24 Euro.

Hallo Fabio, stell euch doch mal kurz vor. Wer seid ihr und was habt ihr eigentlich mit Bitcoin zu tun?

Wir sind zwei Freunde, die ins Bitcoin Rabbit Hole gefallen sind und seither eine Möglichkeit gesucht haben, dem Space weiterzuhelfen und etwas zurückzugeben. Wir haben beide Maschinenbau studiert und arbeiten auch nicht im IT-Bereich, aber sind an Bitcoin kleben geblieben. Stefan hat sich trotzdem eher aus der technischen Sicht Bitcoin genähert, bei mir war es mehr das Potenzial zum Aufbrechen der politischen Ketten in unserem System.

Wie ist es dazu gekommen, dass ihr The Bitcoin Standard auf Deutsch herausbringt?

Nach dem ich das Buch gelesen hatte, war für mich klar, dass ich meinem Umfeld die darin enthaltenen Thesen und Gedanken näherbringen will. Je nach Altersklasse und Englisch-Skill ist das jedoch nicht so einfach. Also hatte ich kurzerhand Saifedean Ammous persönlich angeschrieben, um an die Verlagsrechte zu kommen und dann Stefan überzeugt, dass wir das in Angriff nehmen. Zum Glück hat alles geklappt!

Gab es keine andere, einfachere Möglichkeit das Buch auf Deutsch verfügbar zu machen?

Wir hatten einige Verlage gefragt, ob sie es machen wollen, sind dabei aber auf taube Ohren gestossen. Wenn das die einzige Möglichkeit gewesen wäre, hätten wir bestimmt einen gefunden. Aber uns gefiel dann doch der Gedanke, mit einem solchen Projekt auch mal unseren unternehmerischen Drive umzusetzen und vielleicht in der Bitcoin-Economy ein bisschen Fuß fassen zu können. Außerdem war uns sehr wichtig, dass die Message des Buchs wirklich klar rüberkommt und das Lektorat und die inhaltliche Überprüfung durch Bitcoiner stattfindet.

Wie groß war der Aufwand für euch und welches Kostenrisiko seid ihr eingegangen?

Genaue Zahlen möchte ich jetzt nicht unbedingt nennen, die kann man sich jedoch teilweise aus den Crowdfunding-Infos zusammenreimen. Insgesamt sind wir jedenfalls mit einer für uns sehr stattlichen Summe in Vorleistung gegangen.

Der generelle Ablauf war natürlich nicht unbedingt perfekt strukturiert, da die Verlagsbranche komplettes Neuland für uns war. Begonnen hatte es mit Verhandlungen mit dem Verlag über die Kosten und Dauer der Verlagsrechte. Danach haben wir überlegt, wie wir es umsetzen. Über andere Verlage, im Selbstverlag, Amazon Publishing und was es nicht alles gibt. Dann die Fragen: Wo drucken wir? Wer macht die Grafik? Wer setzt das Buch? Ich bin was Design und UX angeht etwas eigen und konnte mich mit der Qualität und den eingeschränkten Möglichkeiten von Amazon Publishing und dem Einfluss, den wir über die Zusammenarbeit mit einem anderen Verlag verlieren, nicht wirklich anfreunden. Ich hätte es mir nie verzeihen können, wenn die deutsche Version visuell und haptisch nicht dem gerecht wird, was es inhaltlich bietet. Aus dem Grund haben wir uns am Ende für den Selbstverlag und auch einen professionellen Druck entschieden und sind mit dem Ergebnis wirklich sehr zufrieden.

Einige nette und teils recht bekannte Bitcoiner und andere Freunde haben uns da zum Glück mit Kontakten und guten Tipps geholfen. Trotzdem war der Aufwand teilweise aber schon immens. Wir arbeiten beide noch in einem Vollzeitjob und einige Dinge liefen gar nicht zu unserer Zufriedenheit.

Wo hat es denn gehakt?

Das Erstlektorat der Übersetzung war grauenhaft. So schlecht, dass wir das komplett verworfen haben und die eigentlich schon sehr gute Erstübersetzung von Claus Bertermann dann in mehreren Schritten selbst überarbeitet haben. Das ging inhaltlich vom Gegenlesen jedes Satzes über die komplette Rechtschreibung und Vereinheitlichung von gebrauchten Wörtern bis hin zum umformulieren ganzer Abschnitte, weil ansonsten der Grundgedanke aus unserer Sicht nicht genügend getroffen wurde. Das hat definitiv einiges an Zeit geschluckt und uns zahlreiche Wochenenden und Abende gekostet.

 Das klingt nach sehr viel Arbeit. Hattet ihr einen festen Zeitplan?

Alles in allem haben wir so ungefähr neun Monate gebraucht, wenn man das wochenlange Vorgeplänkel mit dem englischen Originalverlag nicht berücksichtigt. Das gesteckte Ziel war ja mal im September dieses Jahres den Verkauf zu starten. Das haben wir leider mit dem 21. Oktober dann um ein paar Wochen verpasst. Jetzt sind wir froh, es geschafft zu haben und freuen uns über jeden Kauf, der uns unterstützt und vor allem jede Buchhandlung, die uns ins Sortiment nimmt. Wir waren sogar nach dem Launch in der Amazon Bestsellerliste, wer hätte das gedacht?

Die enorme Reichweite von Amazon ist für euch natürlich attraktiv. Allerdings hat euch die damit verbundene zentralisierte Abhängigkeit auch wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht. Was war da los?

Obwohl wir sämtliche KYC-Stationen durchlaufen haben, und ich meine damit Passkopien, aktuelle Gewerbeanmeldung etc., hat Amazon schließlich noch ein Sonderformular für den Onlinehandel gefordert, das wir nicht rechtzeitig organisieren konnten. Da wurde uns dann einfach der Account gesperrt und das gesamte darin enthaltene Geld war nicht mehr verfügbar. Nachdem wir das Formular dann hatten, wurde der Account reaktiviert, hinterliess aber irgendeinen Bug. Dadurch sind wir aus allen Bestseller-Rankings rausgefallen und waren längere Zeit auch im Verkauf blockiert. Unsere Marketingmassnahmen liefen also teilweise ins Leere, wenn die Kunden nicht auch noch unseren eigenen Shop gefunden haben.

Das ist schon sehr ärgerlich und zeigt mal wieder, wie mächtig die Position von Amazon ist. Am schlimmsten ist aber, dass wir aus dem Ranking geflogen sind, ohne jemals tatsächlich nicht lieferfähig gewesen zu sein.

Der Bitcoin Standard. Immer verfügbar, aber nicht immer leicht zu bekommen.

Zurück zum Buch. Bitcoin ist bekanntlich kein triviales Thema. Wie schwer war es, jemanden zu finden, der diese Bitcoin-Fachliteratur gut ins Deutsche übersetzen kann?

Das war lustigerweise ein absoluter Zufall. Nach dem Einholen mehrere Angebote hatten wir uns für eine Dienstleistungsfirma entschieden, die Freelancer organisiert und explizit darum gebeten, jemanden mit dem entsprechenden Bitcoin-Grundverständnis zu finden. Eines Tages bekam ich dann eine E-Mail von Saifedean Ammous weitergeleitet, in der unser Übersetzer Claus Bertermann ihn bittet, dafür zu sorgen, dass er als Übersetzer im Buch erwähnt wird, weil das Buch ihn so sehr begeistert hatte, dass er unbedingt darin vorkommen wollte. Stellte sich raus, der vom Übersetzungsbüro zugewiesene Übersetzer war tatsächlich schon Bitcoin-Fan, der durch das Übersetzen des Buches sogar noch in seiner Überzeugung bekräftigt wurde. Claus hatte eben schon mal die Zehenspitzen ins Bitcoin-Gewässer getaucht und wusste was es ist und wieso es wichtig ist. Das Buch hat ihn dann aber komplett in den Kaninchenbau geschickt. Wieder einer mehr!

Insofern war die Grundlage schon wirklich gut. Wir haben dann einfach bei den Themen, die aufgrund ihrer Komplexität falsch verstanden wurden, nochmal nachgeholfen und sowieso alles bis ins Detail gegengeprüft. Das Buch ist nun mal unser Baby. Garantieren können wir trotzdem für nichts. Wir haben das ja selbst zum ersten Mal gemacht. Das aber definitiv nach bestem Wissen und Gewissen.

Mit Büchern wird man bekanntlich nicht reich, sondern muss mit Herzblut und Idealismus dabei sein. Trotzdem: Wie viele Exemplare müsst ihr verkaufen, um in den schwarzen Zahlen zu landen?

Man muss schon sagen, dass Der Bitcoin Standard wirklich ein idealistisches Projekt ist. Um das schnelle Geld zu machen, ist Bücher zu verkaufen sicher nicht der richtige Weg. Ich bin jedoch überzeugt, dass es sich auf lange Sicht auszahlt, wenn man den richtigen Antrieb dazu hat. Die schwarzen Zahlen hängen natürlich am meisten vom Vertriebsweg der Bücher ab. Im Großen und Ganzen kann man aber sagen, dass wir mindestens 3000 Exemplare verkaufen müssen, um in einen Bereich zu kommen, wo es nicht mehr weh tut. 

Das Buch ist nun seit einigen Wochen auf dem Markt. Wie wird es angenommen? Seid ihr zufrieden mit den Verkäufen bisher?

Wir haben viel Zeit investiert schon vor dem Verkaufsstart eine Community zusammenzutrommeln und interessierte Leute auf dem Laufenden zu halten. Was jedoch nach dem Aktivieren der Vorbestellungen und dann dem offiziellen Launch abging, hätte ich niemals gedacht. Die Resonanz war super positiv und die Nachfrage hat uns absolut überfordert. Wir haben die letzten zwei Wochen etliche Bücher verpackt und Postgänge getätigt.

Der interessante Zeitraum ist aber der, der jetzt bevorsteht. Nachdem die überzeugten Bitcoiner bedient sind, die dieses Buch sowieso feiern, wird es spannend zu sehen, wie der Rest dieses Buch annimmt. Da müssen wir jetzt natürlich an unserer Marketing-Strategien arbeiten, um das auch wirklich unter die Leute zu bringen und allen klar zu machen, dass dies das richtige Buch ist, um sich die wichtigen Verständnis-Grundlagen zuzuführen. Das wird sicher eine Herausforderung.

Wo soll es mit eurem Verlag hingehen? Wollt ihr noch mehr fremdsprachige Bitcoin-Bücher auf Deutsch veröffentlichen oder künftig sogar eigene, neue Bücher verlegen?

Noch ist das relativ offen. Wir sind gerade dabei uns mit einigen Verlagen und Autoren auszutauschen und es gibt 1-2 Titel, die wir sehr gern auf Deutsch verfügbar machen würden. Generell sind wir aber auch nicht eigenen Büchern gegenüber abgeneigt. Wenn da draussen jemand ein tolles Buch über Bitcoin schreiben will und Potenzial in uns als Nischen-Verlag sieht, darf und soll er sich gerne melden.

Was wurde aus dem Journalismus „… but with BLOCKCHAIN!“?

Am Samstag war ich bei Breitband zu Gast (Direktlink zur mp3, ab Minute 26:35), um darüber zu berichten, wie „Blockchain“ die Welt verändert. Oder genauer: Wie „Blockchain“ die Welt eben nicht verändert.

Konkret ging es um das Beispiel Journalismus. Denn auch der Journalismus sollte mal dank „Blockchain“ vor Zensur, Fake News, Vetrauensverlust und Finanzierungsschwierigkeiten gerettet werden. Zumindest wurden mit diesen Argumenten einst allerlei kryptische Krypto-Token auf den Markt geworfen.

Was ist vom „Blockchain“-Hype geblieben?

Doch was ist jetzt, Jahre später, daraus geworden? Nicht viel, wenn man ehrlich ist. Genau wie bei eigentlich allen anderen großen „… but with BLOCKCHAIN!“-Projekten.

Darum ist es wichtig, dranzubleiben und immer wieder mal nachzufragen, was denn nun eigentlich konkret aus all den Schöne-Neue-Blockchainwelt-Versprechen geworden ist, die früher so toll beworben wurden?

Mehr kritische Blockchain-Berichterstattung, bitte!

Dass Breitband da offensichtlich eine der wenigen Redaktionen im deutschsprachigen Raum ist, die sich eine Blockchain-kritische Berichterstattung trauen, kann man dem Team gar nicht hoch genug anrechnen.

Erst recht, wenn man bedenkt, welchen anstrengenden Shizzle man danach mit „Blockchain SV“-Trollen hat, die vor lauter Getriggertsein im Beitrag offensichtlich nicht zugehört haben.

Es gibt noch sehr viel mehr zu sagen

Einziger echter Kritikpunkt ist natürlich, dass man noch sehr viel mehr hätte berichten können, aber fünf Minuten sind eben nur fünf Minuten.

Wer sich für das Thema interessiert: Janine hat auf der The Lightning Conference im Oktober dazu einen sehr interessanten Talk (Slides / Talk Notes) gehalten.

Bild: „Classic old radio 1960s or 70s style“ Flickr-User theslowlane (CC BY 2.0)

Die „Bitcoin Starter Box“ – Perfekt für Einsteiger

Neulich bin ich im Netz auf die Bitcoin Starter Box von start2bitcoin.com gestoßen und wer mich kennt, weiß, dass ich da nicht widerstehen kann. Also habe ich mir direkt eine aus Belgien bestellt, um zu sehen, wie Bitcoin-Starter-freundlich denn diese Bitcoin Starter Box tatsächlich für potentielle Bitcoin-Starter ist.

Das perfekte Geschenk für Präcoiner

Und um es kurz zu machen: Ich finde sie rundherum gelungen. Die Box ist inhaltlich gut durchdacht, sehr ansprechend designt und das Beste ist: Wer die Box öffnet, kann sich direkt über Bitcoins in Wert von fünf US-Dollar als digitales „Begrüßungsgeld“ freuen.

Wer also schon oder noch auf der Suche nach einem sinnvollen Weihnachtsgeschenk im Wert von rund 30 US-Dollar ist, könnte mit der Bitcoin Starter Box das perfekte Geschenk gefunden haben.

Praktisch: Mit fünf Dollar in Bitcoin kann gleich auch das praktische Erkunden starten
Schön gemacht und gut durchdacht

Das Konzept der Bitcoin Starter Box ist so gut, weil es einfach ist. Neben dem „Begrüßungsgeld“ enthält sie nämlich einfach nur 60 „groovy cards“, die einem Stück für Stück Bitcoin erklären.

Damit das aber nicht zu trocken und einseitig wird, sind die Karten einerseits bunt und grafisch ansprechend gestaltet. Andererseits gehören sie verschiedenen Kategorien an, die jeweils eine unterschiedliche Perspektive auf das große Thema Bitcoin werfen.

So geben die „Fun Facts“ ihrem Namen entsprechend einen Einlick in die Kultur der Community oder erklären andere kuriose Ereignisse.

Wissen, Humor und neue Perspektiven

Die „Zeitungs“-Karten greifen dagegen jeweils eine populäre Behauptung über Bitcoin auf, die sich über die Zeit in den Medien und der Öffentlichkeit verfestigt hat, verorten diese und geben Denkanstöße, wie man sie kritisch hinterfragen kann.

In den „Bitcoin vs. Fiat“-Karten werden dagegen die Konzepte beider Geldformen direkt gegenüber gestellt und ihre jeweiligen Eigenschaften und deren Unterschiede miteinander verglichen.

Die „Detektiv“-Karten sind wiederum klassische Wissensvermittler. Hier bekommt man vor allem technische Dinge erklärt. Neben dem Fachjargon geht es dabei bspw. auch um Schlüssel, Forks und das Mining.

Die Bitcoin-Karteikarten-Box ist ideal für Einsteiger

Darüber hinaus neben gibt es noch Karten, die allgemeines Wissen über Banken und das Geldsystem bieten, „Anleitungs“-Karten bspe. zu Wallets und mit Tipps, was man beim (ersten) Bitcoin-Kauf beachten muss und natürlich fehlen auch die obligatorischen Witze-Karten nicht. (Die werden hier aber natürlich nicht gespoilert.)

Hat man schließlich alle Karten „durchgearbeitet“, bekommt man sogar noch ein Zertifikat. Davon kann man sich zwar sonst nichts kaufen, aber es ist trotzdem nett. Denn auch, wenn man nach der Bitcoin Starter Box zwar noch längst kein Experte ist, sondern maximal das Bitcoin-„Seepferdchen“ erreicht hat – der Anfang ist gemacht.

Und genau das soll die Bitcoin Starter Box ja erreichen.

Coldcard – Die kompromisslose Hardware-Wallet

Lange waren Trezor und Ledger die beiden großen dominierenden Anbieter, wenn es um Hardware-Wallets ging. Den Rest des Marktes, meist nur minimal veränderte Trezor-Klone, konnte man unter ferner liefen abhaken Doch mittlerweile ist der Markt gewachsen und immer neue Konzepte für die sichere Verwaltung von Bitcoins sind verfügbar.

Eines dieser Konzepte ist die Coldcard des kanadischen Unternehmens Coinkite und sie ist in vielerlei Hinsicht anders. Einer Security-First-Maxime folgend aufs Minimale reduziert wird niemals der Eindruck erweckt, dass diese Hardware-Wallet Bitcoins verwaltet. Sie schützt Schlüssel.

Design, Funktionalität und Nutzerfreundlichkeit sind dementsprechend einem Form-follows-function-Ansatz untergeordnet. Die Coldcard soll nicht schön sein. Sie soll den sicheren Zugriff auf die eigenen Bitcoins kontrollieren. Ohne Kompromisse.

Die Coldcard-Wallet könnte optisch auch als billiger Taschenrechner aus den 90ern durchgehen.
Ein „hässlicher kleiner Taschenrechner“, der es in sich hat

Richtig eingesetzt ist die Coldcard ein mächtiges und praktisches Werkzeug. Doch wie so oft bei Werkzeugen können Profis damit besser umgehen als Einsteiger. Insbesondere wenn diese nicht immer ganz genau wissen, was sie eigentlich gerade tun. Dann könnten sich Bitcoin-Neulinge mit einer Coldcard womöglich sogar mehr schaden als nutzen.

Die Coldcard richtig einzusetzen, setzt Verständnis voraus über Bitcoin und dessen technische Zusammenhänge und Abläufe „unter der Haube“. Wer dieses Wissen nicht mitbringt, muss es sich selbst aneignen oder läuft Gefahr, etwas falsch zu machen. Die Konsequenz kann dann der unwissentliche Verlust der Privatsphäre sein, dass man sich eine neue Coldcard kaufen muss oder, im schlimmsten Fall, dass die eigenen Bitcoins zwar gut absichert sind, man aber auch selbst den Zugriff darauf verliert.

Auch diese Kompromisslosigkeit ist letztlich konsequent. Bitcoin bietet denen die größte Freiheit und Unabhängigkeit, die sich ihre damit einhergehenden Verantwortung bewusst sind und entsprechend handeln.

Wer sich daher die Zeit nimmt, sich mit der der Herausforderung einer guten Cold Storage-Lösung und der berechtigten Kritik an bestehenden Hardware-Wallet-Konzepten auseinanderzusetzen, der wird verstehen, warum die Coldcard so kompromisslos ist, wie sie ist. Und ihre Möglichkeiten zu schätzen lernen, die so bisher keine andere Hardware-Wallet liefert.

Coinkite und ihre Coldcard sind keine Unbekannten

Zunächst zu den Basics. Der Coincard-Hersteller Coinkite ist kein Unbekannter, sondern gehört schon seit Jahren zum Bitcoin-Ökosystem. Mit dem Opendime hat das kanadische Unternehmen eine physische USB-Bitcoin-Wallet entwickelt, die bereits in der 4. Generation vorliegt.

Auch die Coldcard ist nicht neu, sondern in der aktuellsten Version aktuell bereits zweimal verbessert worden. Beständigkeit und transparente Weiterentwicklung, das zeigt die Erfahrung, sind im Bitcoin-Ökosystem aber prinzipiell gute Eigenschaften. Diese Review bezieht sich allerdings nicht auf das aktuelle Mk3-Modell, sondern noch auf ein Mark 2-Modell der zweiten Generation. Die Unterschiede sind aber nicht grundlegend.

Minimalistisch: Mehr als eine Tüte, ’nen Sticker, die Coldcard und einen Merkzettel gibt’s nicht
Minimale Angriffsfläche durch Minimalismus

Das minimalistische Konzept der Coldcard zeigt sich direkt beim Auspacken. Wo andere Hardware Wallet-Hersteller Wert auf ansprechende Haptik, umfangreiches Zubehör und eine schön gestaltete Verpackung legen, kommt die Coldcard in einer stabilen durchsichtigen Plastiktasche. Darin außerdem: ein Sticker und ein Papierkärtchen für das Notieren des Schlüssels. Das war’s.

Will man die Coldcard in Betrieb nehmen, braucht man allerdings noch ein Micro-USB-Kabel und – wenn man die Coldcard für echtes Cold Storage nutzen will – eine Micro-SD-Karte. Wer beides nicht zu Hause hat, muss also noch einmal 10 bis 20 Euro auf die aktuell rund 110 US-Dollar (Vorbestellungspreis Modell Mk3) draufrechnen. Wer die SD-Karte auch als Backup nutzen will, sollte an dieser Stelle jedoch nicht sparen und auf ein auf Langlebigkeit ausgelegtes Markenprodukt zurückgreifen.

Auch beim Kabel muss man eventuell nachkaufen. Nicht jedes Kabel funktioniert an der Coldcard, nur weil es den passenden Anschluss hat. Bei mir war es bspw. erst Kabel Nummer vier, mit dem die Hardware-Wallet schließlich startete.

Unter Strom – die Inbetriebnahme

Was die Coldcard von anderen Hardware-Wallets unterscheidet, ist das namengebende Feature, sie komplett cold, also offline und ohne Verbindung zu einem Computer einsetzen zu können. Daher auch die zwölf robusten, Taschenrechner-ähnlichen Tasten und das Display direkt am Gerät.

Für das initiale Setup muss man die Hardware-Wallet über den USB-Eingang mit Strom versorgen. Dafür soll angeblich eine Powerbank reichen. Wenn man, wie ich, allerdings nur bereits in die Jahre gekommene oder ohnehin schwachbrüstige Werbegeschenk-Powerbanks zur Hand hat, klappt das nicht unbedingt. Mit der Steckdose funktioniert es jedoch problemlos.

Die rote LED wird direkt vom Secure Element gesteuert. Leuchtet die Grüne, ist alles okay.
Im Notfall: Erschieße deine Coldcard!

Bei jedem Start überprüft sich die Coldcard selbst und zeigt per roter bzw. grüner LED die Integrität der Firmware und allem, was im Flashspeicher gespeichert ist. Gesteuert wird dieser Prozess vom Secure Element. Die physische Verbindung ist dabei durch Epoxidharz haptisch vor Manipulation geschützt. Daher auch das transparente Gehäuse, das jede Veränderung erkennen lässt und noch einen anderen Vorteil hat.

Durch die Hülle kann nämlich genau die Stelle erkennen, die man mit spitzer Gewalt treffen muss, um die eigene Coldcard final ins Jenseits zu schicken. Das mag drastisch klingen. Es gibt aber denkbare Umstände, unter denen es nötig sein kann, nachvollziehbar sicherzustellen, dass bei einer Coldcard definitiv nichts mehr zu holen ist.

„Schieß hierhin!“. Falls man die Coldcard unwiederruflich vor Missbrauch schützen will. (Screenshot: coldcardwallet.com)

In einem Interview erklärte Coinkite CEO Rodolfo Novak den Nutzen der Funktion mit dem Argument, dass dir Verbrecher möglicherweise schlimmere Dinge antun, solange sie davon ausgehen, dadurch irgendwann an deine Bitcoins zu kommen, als wenn offensichtlich ist, dass das sehr viel größeren Aufwand erfordert. Zum Beispiel indem erst eine neue Coldcard und das (idealerweise woanders versteckte) Backup besorgt werden muss.

Klingt für unsere Verhältnisse krass. Es gibt jedoch Situationen und Teile der Welt, da kann es sinnvoll sein, sich über so ein Szenario Gedanken zu machen. Insbesondere, wenn man größere Summen Bitcoins sicher verwahren will.

Das Secure Element „zumauern“

Zu viele falsche PIN-Eingaben führen übrigens zu dem gleichen Ergebnis und machen die Coldcard auch ohne Gewalteinwirkung irreparabel betriebsunfähig. Bis zur Mk2-Version verlängerten ähnlich wie beim Trezor falsche PIN-Eingaben die Zeitabstände für neue Versuche immer weiter. Ab Model Mk3 ist die Anzahl der falschen Eingaben auf 13 limitiert. Danach macht das Secure Element unwiderbringlich dicht.

Wer also nicht gut auf seinen PIN aufpasst, hat Pech und muss seine Bitcoins auf einem neuen Gerät wiederherstellen. Ein Factory Reset ist technisch unmöglich. Zitat: „If you forget your Coldcard PIN, there is nothing we can do except remind you to recycle your e-waste responsibly!“

Zusätzlich zum richtigen PIN kann man aber auch einen Spezial-PIN einrichten, der das Secure Element im Ernstfall sofort dicht macht (das Gerät also besser nicht in Kinderhände geben!) und einen Zweit-PIN, der in eine „falsche“ echte Wallet führt. Also eine Wallet lädt, die wie die originale Wallet aussieht und auch soviel Bitcoins enthalten sollte, um einen potentiellen Angreifer zufriedenzustellen. Aber eben nicht die eigentliche Wallet ist, die man in jedem Fall schützen möchte.

Von Würfeln und anderen Sicherheits-Features

Es gibt noch eine Vielzahl von weiteren Sicherheits-Features, die ich hier nicht auflisten kann, mit denen sich auseinanderzusetzen aber unbedingt schon im Vorfeld eines Kaufs lohnt. Sie sind alle auf der offiziellen Website und noch detaillierter im dortigen FAQ zu finden.

Jedes Secure Element ist einzigartig und sollte die selbe „Bag Number“ zeigen, wie auf dem Bag steht, in der die jeweilige Coldcard geliefert wurde.

Zum Beispiel, dass man sicherstellen sollte, dass jedes Gerät intern dieselbe „Bag Number“ anzeigt, wie auch auf der Verpackung stand, in der die Coldcard geliefert wurde. Oder wie man den Private Key erwürfeln kann, wenn man dem eingebauten Zufallsgenerator nicht vertraut. Oder wie man seine Backups verschlüsselt. Oder oder oder.

Die Coldcard im praktischen Einsatz

Doch wie funktioniert die Hardware-Wallet in der Praxis? Wie bereits erwähnt, ist die Coldcard weniger, was sich die meisten wohl unter einer Bitcoin-Wallet vorstellen würden. Im Gegensatz zu anderen Hardware-Wallets gibt es nämlich kein eigenes Interface, das als App oder Website das Empfangen oder Versenden von Bitcoins per Coldcard ermöglicht.

Die Coldcard lässt sich nur zusammen mit einer anderen Wallet-Software wie bspw. Electrum betreiben. Das ist prinzipiell kein Problem. Außer man betreibt selbst keinen eigenen Electrum-Server und ist sich auch nicht darüber im Klaren, wie viel Privatsphäre verloren geht, wenn man seine Daten stattdessen von irgendeinem Electrum-Server bezieht.

Wer die Coldcard nutzen will, sollte sich also nicht nur mit der Coldcard, sondern auch mit anderer Software, in dem Fall Electrum, auseinandersetzen. Für Einsteiger eher suboptimal.

Wird die Coldcard womöglich doch schnell mal am rechner abgeschlossen, wird sie zur „Hot“card

Auch die Möglichkeit, die Electrum Wallet auf dem Rechner mit der Coldcard zu verschlüsseln ist tricky. Um die entsprechende Wallet zu öffnen, muss man die Coldcard dann nämlich jedes Mal mit dem Computer verbinden. Genau das sollte ja mit der Initialisierung per Powerbank/Steckdose ja ursprünglich vermieden werden.

Auf der anderen Seite eröffnet die Kombination aus Electrum und Coldcard aber denen, die sich auskennen und genau wissen, was sie vorhaben, eine Vielzahl von Möglichkeiten. Das ist nicht immer intuitiv, aber unterm Strich mächtig.

Wer die Coldcard mit Electrum verwendet, sollte vorher wissen, was er/sie machen möchte.
PSBT – Teilsignierte Bitcoin-Transaktion

Zu den Besonderheiten gehört auch die Unterstützung von Partially Signed Bitcoin Transactions (PTSB), ein Feature, das es ermöglicht, eine Transaktion nacheinander von mehreren Institutionen signieren zu lassen bzw. lassen zu müssen, bevor sie gültig ist und vom Netzwerk akzeptiert wird.

Erst durch die Coldcard als zweite Instanz wird aus der .psbt eine final-txn erzeugt.

Dabei wird zum Beispiel in Electrum eine PTSB vorbereitet. Diese wird dann auf eine Micro-SD-Karte kopiert und in die Coldcard gegeben, die die Transaktion offline fertig signiert. Zurück im Rechner kann Electrum die finalisierte Transaktion von der SD-Karte dann ins Netzwerk geben.

Erst wenn die Coldcard die Transaktion fertig signiert hat, kann sie propagiert werden.

Durch den Einsatz von PSBTs lässt sich die Coldcard komplett offline verwenden. Das ist für kleinere Summen nicht unbedingt praktisch, erhöht aber die Sicherheit (auch die gefühlte), wenn es um große Beträge geht.

Noch mehr, wenn PSBTs künftig zu einem Standard-Feature von Hardware-Wallets werden und sich eine Bitcoin-Wallet dann über die Hardware-Wallet-Modelle mehrere Hersteller hinweg sichern lässt.

Bisher kann allerdings nur die Coldcard mit PSBTs umgehen und auf Rechnerseite muss entweder Electrum oder Bitcoin Core laufen. PSBTs einzusetzen, ist also schon möglich, bislang aber eben noch eine sehr exotische Erfahrung, an der vor allem Nerds ihre Freude haben werden.

Ich hatte zum Beispiel keinen passenden SD-Kartenleser und musste meine Test-PSBT kurzerhand durchs Audiointerface schleusen. Pay per mic, quasi. Klappt, wird den bequemen Endnutzer so aber noch nicht überzeugen.

Pay per mic: Wenn die PSBT vor dem Bitcoin-Netzwerk erst noch durchs Audiointerface muss
Fazit

Unterm Strich kann die Coldcard aufgrund ihrer kompromisslosen Fokussierung auf Sicherheit und Bitcoin (es wird nichts anderes unterstützt) die wohl beste Hardware-Wallet sein, die man derzeit kaufen kann. Vorausgesetzt man ist bereit, sich auf sie einzulassen.

Denn die Coldcard ermöglicht sehr viel, sie fordert dafür aber auch Einiges. Vor allem muss man wissen, was man eigentlich genau machen will und ob bzw. wie man die Coldcard einsetzen kann, um dieses Ziel zu erreichen. Das kostet Zeit und mitunter einiges an Hirnschmalz. Aber es lohnt sich. Denn je besser man sich auskennt, desto sicherer kann man die Coldcard verwenden.

Wer es hingegen einfach und bequem haben will, der wird mit der Coldcard vermutlich nicht glücklich werden. Gerade wenn es „nur“ um kleinere Summen geht, die im Cold Storage verwahrt werden sollen, auf die aber regelmäßig und schnell zurückgegriffen werden soll, ist die Coldcard im Gegensatz zur Konkurrenz vergleichsweise unhandlich.

Dessen ungeachtet füllt sie aber eine Lücke. Bequeme Hardware-Wallets sind potentiell weniger sicher. Wer größere Summen sichern möchte, technisch allerdings keine noch sehr viel aufwändigere Lösung wie bspw. das Glacier-Protokoll umsetzen kann oder will, der findet in der Coldcard eine sehr gute Lösung, die eben gerade wegen ihrer Kompromisslosigkeit in Hinblick auf den Fokus auf Sicherheit punktet. Dass sie dabei trotzdem sehr gut bedienbar bleibt, liegt an dem gut durchdachten Konzept, das man diesem unscheinbaren kleinen „Taschenrechner“ allerdings nicht auf den ersten Blick ansieht.

Und auch das ist letztlich ja kein Manko, sondern ein potentielles Sicherheits-Feature.