Archiv der Kategorie: Bitcoin

Totgesagte steigen höher

Der Bitcoin-Kurs hat heute einen neuen Allzeithöchststand erreicht. Das ist zumindest die allgemeine Auffassung, wenn man den Wert von 19.666 US-Dollar zu Grunde legt, der im Dezember 2017 auf Bitstamp erreicht wurde und der heute mit über 19.800 US-Dollar (kurzzeitig) signifikant überschritten wurde.

Es gibt nicht das eine Bitcoin-Allzeithoch

Allerdings merkt auch Bitstamp an, dass es ja nicht den einen Preis gibt. Bitcoin hat letztlich viele Preise, die sich letztlich aber auf den relevanten Börsen immer wieder annähern.

Ob das ATH daher nun bei 19.666 US-Dollar überschritten ist oder erst bei 20.000 US-Dollar ist daher letztlich egal. Wobei ich jedoch letzteres bevorzuge, weil es eindeutiger ist, griffiger und einfacher zu kommunizieren.

Außerdem – jetzt mal ehrlich – wer in der Bitcoin-Community interessiert sich denn eigentlich überhaupt noch für in Fiat gerechnete Hunderter-, Zehner- und Einerstellen? Die kommen und gehen doch sowieso beständig. Ein Bitcoin ist und bleibt dagegen immer ein Bitcoin.

Warum der aktuelle Bitcoin-Kurs nicht überrascht

Aber ungeachtet dessen habe ich für die Kollegen vom Spiegel einen Artikel zum sich jetzt schon seit Wochen fortschreitenden Kursanstieg geschrieben und in Kürze erklärt, warum man sich davon (und anderen daraus resultierenden möglichen Ereignissen) nicht überraschen lassen sollte: Totgesagte steigen höher.

Funfact am Rande. Den Artikel hab ich vergangenen Mittwoch-Abend abgegeben, kurz bevor der Kurs seinen recht soliden und beständigen Aufwärtstrend abbrach, ins direkte Gegenteil verkehrte und zwischenzeitlich mehr als 2000 US-Dollar einbüßte. So rasant und markant wie seit März nicht mehr.

Insofern freue ich mich also sehr, dass er dann doch so schnell wieder in der Spur ist, denn sonst wäre der Artikel für die Katz gewesen oder hätte noch einmal deutlich mehr überarbeitet werden müssen. Aber so ist das mit dem Bitcoin-Kurs und mir: eine Hassliebe. Zum Schreiben darüber reicht es, Bitcoin-Millionäre sind aber andere geworden. Aber ich beschwere mich nicht. Auf intellektueller Ebene gibt es nichts, was mich mehr begeistert.

„The Digital Rush“. Eine besondere Bitcoin-Dokumentation

Ich bin neulich über eine Empfehlung im Newsletter von Jimmy Song auf The Digital Rush. A Bitcoin Dokumentary gestoßen, die ich hier sehr gerne weiterempfehlen möchte.

Die Macher verfolgen nämlich nicht den Was-ist-eigentlich-dieses-Bitcoin-für-Einsteiger-Ansatz, wie man ihn ja schon zur Genüge gesehen hat, sondern haben eine durchaus erfrischende Herangehensweise.

Macher statt Vertreter

Statt mit den üblichen Verdächtigen und bunten Hunden zu sprechen, also hinreichend bekannten Investoren, Fürsprechern und Vordenkern, lassen sie in dieser Dokumentation viele von denen zu Wort kommen, die in der öffentlichen Wahrnehmung bislang nicht als erstes mit Bitcoin assoziiert werden. Denen das aber durchaus zusteht, weil sie diejenigen sind, die sich seit Jahren und teils Jahrzehnten damit beschäftigen, an der Umsetzung arbeiten und das Bitcoin-Ökosystem mitprägen.

Etwas männerlastig, aber inhaltlich trotzdem top. Die Interview-Partner

Die gute halbe Stunde bietet dadurch neue interessante Einblicke unter anderem in die Entstehungsgeschichte von Bitcoin.

Aus der Film-Beschreibung:

The documentary The Digital Rush is about interviewing key figures in the bitcoin ecosystem and documenting the community and its events. A proper representation of the bitcoin proposition will be provided: cypherpunk movementtechnological choicesmonetary impact and cultural relevance, etc. It will emphasize the emergence of bitcoin as digital gold.

Aimed at a non-technical audience, the documentary will explain bitcoin using the words of its community members; their advanced (often geeky) technical comments will be properly framed between plain informative segments providing a gradual educational path.

Der Fortschritt von Bitcoin zeigt sich auch hier

Alles in allem eine sehr sehenswerte und anspruchsvolle Dokumentation auch – oder vielleicht sogar vor allem – für die, die schon ein bisschen mehr über Bitcoin wissen. Da kann man auch durchaus drüber hinweg sehen, dass bei der Musik hier und da ein bisschen Mut zu weniger ist mehr gut getan hätte.

Was darüber hinaus auf jeden Fall bemerkenswert ist und sich am eingespielten Bitcoin-erklär-Clip von vor zig Jahren zeigt: Wie professionell, reif, tiefgehend, seriös und ernstzunehmend heutige Bitcoin-erklär-Filme (und damit auch die Wahrnehmung von Bitcoin) geworden sind.

Honigdachs #57 – Bitcoin-Gebühren

Die 57. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin zu reden auf Dauer zu wenig war. (Podcast abonnieren)

Honigdachs #57 – Bitcoin-Gebühren

Jeder, der schon einmal eine Bitcoin-Transaktion gemacht hat, kennt sie: die Bitcoin-Gebühren. Sie sind elementarer Bestandteil der Blockspace-Ökonomie und wirken sich auf viele Prozesse bei Bitcoin aus. Trotzdem wissen die meisten von uns viel zu wenig über Bitcoin-Gebühren. Hauptsache die „Fees“ sind nicht mal wieder viel zu hoch!

Auch wir hatten die Gebühren in all den Jahren als Thema nicht wirklich auf dem Schirm. Bis wir beim letzten Bitcoin-Stammtisch anfingen darüber zu diskutieren und das Gespräch immer größer und größer wurde. Also haben wir diesen Schwung aufgegriffen und widmen uns in dieser Folge den (manchmal fiesen) Fees noch einmal etwas ausführlicher. Hört rein!

Shownotes

Drei Bicoin-Reddit-Fundstück zum aktuellen Geschehen

Was soll ich noch sagen. Nach langer Zeit war ich neulich zufällig mal wieder in r/Bitcoin unterwegs, gleichzeitig ist der Bitcoin-Kurs im Aufwind und da bin ich doch direkt auf drei Fundstücke gestoßen, die in ihrem Zusammenspiel den aktuellen Zeitgeist besser beschreiben, als ich es mit Worten jemals könnte. Bitteschön!

1. AR-enabled Bitcoin art

Fazit: Woah!

2) #Bitcoin The Journey Of Stacking Sats 🔊

Fazit: Yeehaw!

https://www.reddit.com/r/Bitcoin/comments/jcu2yf/bitcoin_the_journey_of_stacking_sats/
3. I committed to a new exercise regime today

Fazit: Pamp it!

„Blockchain“ steht jetzt im Duden, doch das Wie wirft Fragen auf

Als ich vor gut zwei Jahren darüber schrieb, wie man den Begriff „Blockchain“ grammatikalisch richtig verwendet, musste ich meine Argumentation noch selbst herleiten. Der Duden, die große Bibel der deutschen Rechtschreibung, kannte den Begriff nicht.

duden blockchain
Anfang Juni 2018 war der Begriff „Blockchain“ beim Duden noch nicht zu finden.
„Blockchain“ ist jetzt im Duden zu finden

Das hat sich nun geändert. Mit der heute veröffentlichten 28., umfassend bearbeiteten und erweiterten Auflage vom „Duden – Die deutsche Rechtschreibung“ ist „Blockchain, die“ quasi offiziell Teil des deutschen Sprachschatzes.

Seit heute Teil des Dudens: „Blockchain, die“

Das ist einerseits nur logisch und konsequent. Auch „Bitcoin“ steht ja schon seit Jahren im Duden. Zum einen als „über das Internet funktionierendes Zahlungssystem“ und als „Einheit des Zahlungssystems Bitcoin“.

Wem gehören „Bitcoin“ und „Blockchain“?

Merkwürdig ist jedoch, dass beide Einträge, der zu „Bitcoin“ (dem Zahlungssystem) neuerdings und der zu „Blockchain“ mit ® für „registered“, gekennzeichnet sind, ohne dass irgendwo eine Erklärung dafür zu finden ist. Auch die sehr freundliche und hilfsbereite Pressestelle beim Duden konnte mir das nicht anders erklären als: „Da muss wohl irgendwo etwas eingetragen sein und das wurde für den Eintrag dann übernommen, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein.“

Ich finde diese Herangehensweise dennoch irritierend. Es entsteht der Eindruck, dass man sich nicht wirklich mit dem beschäftigt, über das man schreibt. Denn klar gibt es zumindest für „Blockchain“ ein gleichnamiges Unternehmen (und hunderte weitere, die bei denen das Wort ebenfalls Teil des Namens ist). Aber angesichts von mehr als 150 Millionen Google-Einträgen zu dem Begriff „Blockchain“, von denen die meisten wohl eher nichts mit den vermeintlichen Namensrechten einzelner zu tun haben dürften, erscheint das verwunderlich. Zumal das ® nur in der digitalen Duden-Datenbank, nicht aber in der gedruckten Variante zu finden ist.

Scan aus dem heute erschienenen gedruckten Duden. Mit Dank an die Pressestelle!

Noch befremdlicher finde ich aber, dass online neuerdings auch „Bitcoin“ den ®-Verweis bekommen hat, den es zuvor lange nicht hatte. Klar gibt es einen Marken- und Patentkampf um den Begriff und wenn der Duden da auf Nummer sicher gehen will, ist das nachvollziehbar. Inhaltlich ist es jedoch trotzdem falsch. Bitcoin gehört niemandem. Im Gegenteil. Bitcoin ist quasi der Inbegriff von einem Open-Source-Projekt, dessen herausragendes Alleinstellungsmerkmal ja gerade ist, das es keinem einzelnen gehört. Das ist, was Bitcoin im Kern ausmacht.

Das Blockchain-Meme

Ebenfalls unglücklich finde ich den Eintrag, dass „Blockchain“ auch ohne Artikel verwendet werden könne. Natürlich ist Sprache lebendig und wenn man methodisch auswertet, wie die Leute nun einmal aktuell reden und schreiben, dann muss man anerkennen, dass „Blockchain“ (ohne Artikel) tatsächlich ein gebräuchlicher Teil unserer Sprache geworden zu sein scheint.

Was dem Duden hier jedoch entgeht, ist der Bedeutungsunterschied zwischen „Blockchain, die“ und einfach nur „Blockchain“. Ersteres ist nämlich tatsächlich eine „dezentrale Datenbankstruktur, die eine kryptografische Verkettung der Datensätze aufweist (z. B. als Basis digitaler Währungen)„, wohingegen zweites vor allem ein mächtiges Wort ist. Ein Platzhalter, der eine vage Vorstellung einer technischen Lösung transportiert, die es in den meisten Fällen so jedoch noch gar nicht gibt. Ein abstrakter Begriff, der hilft eine argumentative Leerstelle zu überbrücken, indem er den Rezipienten dazu anregt, diese durch eigene Interpretationen, Phantasie und (Wunsch-)Vorstellungen auszufüllen. Oder wie es die Universität Cambridge mal in einer Studie bezeichnete: ein Meme.

Statt also auch der „Blockchain-Technologie“ noch einen eigenen (Online-)Eintrag ohne inhaltlichen Mehrwert zu widmen, wäre es also hilfreicher gewesen, ebenso wie man „Bitcoin“ zwei Einträge gewidmet hat, auch „Blockchain“ zweimal zu erklären. Einmal mit einer konkreten Beschreibung (mit Artikel) und einmal als abstraktes Konstrukt (ohne Artikel).

Sprache ist im Wandel, Duden-Einträge glücklicherweise auch

Doch glücklicherweise sind die Einträge im Duden ja nicht in Stein gemeißelt und werden regelmäßig überarbeitet. Es besteht also die Hoffnung, dass „Blockchain-Technologie“ (ebenso wie gerade der „Hackenporsche“) auch wieder rausfliegt, dass das ® bei „Bitcoin“ und „Blockchain“ r verschwindet und dass das abstrakte artikellose Blockchain-Meme im Sinne einer besseren Aufklärung einen eigenen Eintrag bekommt.

Proof of Beats – Fette Bitcoin-Weisheiten auf Vinyl

Ich weiß gar nicht mehr genau, wann und wie ich auf diesen Eintrag im Bitcointalk-Forum gestoßen bin.

Bitcoin-Weisheiten auf Vinyl – Die Ankündigung der limitierten Proof of Beats-Platte bei Bitcointalk

Aber ich bin ein Freund von Vinyl und kaufe mir hin und wieder schöne Platten. Kein Spotify-Mainstream-Kram, sondern am liebsten diese besonderen Fundstücke mit einer echten Geschichte. Kleinauflagen von Festivals (wie die des Leipziger Kultur-Festivals Seanaps – 2017 thematisch mit dem Schwerpunkt Blockchain) oder anderen Projekten mit Charm und Charakter (wie SoundsLikeVanSpirit, für das einer seinen Bulli zu einem mobilen Tonstudio ausgebaut hat und dann zwei Jahre durch Europa gereist ist um Straßenmusiker aufzunehmen).

Die Frage war nicht ob, sondern welche

Ich musste also nicht lange überlegen, ob ich mir eine der auf 200 Stück limitierten Proof of Beats-Platten bestelle, sondern vielmehr welche. Denn noch kann man wählen. Da aber viele Bitcoin-symbolischen Nummern schon weg waren, habe ich mich kurzerhand für die ohnehin einzig richtige Antwort auf die Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ entschieden.

Und auch wenn der Bestellprozess etwas abenteuerlich und rustikal war – man schickt Unbekannten im Netz einiges an Geld (40 US-Dollar plus noch einmal gut 20 Dollar für den Versand aus den USA) über eine statische Bitcoin-Adresse, die tief in einem nerdigen Forum liegt, und hofft, dass sie im Gegenzug auch ihr Versprechen halten und tatsächlich die versprochene Platte schicken – am Ende lief alles reibungslos. Nach einigen Wochen kam das Schätzchen an.

Und nun dreht die Platte also hier schon seit einiger Zeit ihre Runden und wurde dabei musikalisch auch schon von Gästen, die sonst eigentlich mit Bitcoin überhaupt nichts zu tun haben, für gut befunden.

Digitale Hörprobe
Ist die Platte den Preis und Aufwand wert?

Bleibt die Frage, warum man eine Platte kaufen sollte. Denn eigentlich könnte man sich all die Proof of Beats-Songs auch einfach kostenlos digital anhören. Der Künstler hat sie schließlich frei von Copyright-Auflagen ins Netz gestellt. Doch macht man es auch, nur weil man es theoretisch könnte? Wohl eher nicht.

Das macht diese Platte schlussendlich tatsächlich zu etwas Besonderem. Die Tracks wurden schließlich bewusst ausgewählt und in eine Reihenfolge gebracht. Das schöne Cover mit Liebe zum Detail erstellt und entdeckt sie jemand bei einem im Regal, hat man immer einen schönen Anlass über Bitcoin zu sprechen ohne sich Gleich in Preisspekulationen, Geldtheorie oder technischen Details zu verlieren.

Put Your Money Where Your Bitcoin Developer is

Im letzten Honigdachs hatten wir schon kurz über den neuen und erfreulichen Trend gesprochen, Fonds aufzulegen um damit Bitcoin-Entwickler in ihrer Arbeit an Bitcoin zu unterstützen.

Bitcoin Grants Tracker listet die großen Beträge

@Polylunar hat mit dem Bitcoin Grants Tracker dazu nun auch eine passende Website gestartet. Die bietet eine Übersicht über all die bisher verteilten Gelder. Das ist hilfreich, denn mit aktuell 33 Einträgen fließt bereits eine stattliche Summe an Geldern in die teils projektbezogene teils aber auch freie Weiterentwicklung von Bitcoin.

Mit 13 Einträgen ist Square Crypto dabei zumindest was die Streuung in der Breite angeht der engagierteste Geber. Mit jeweils sechs expliziten Erwähnungen sind Bitcoin Core und BTCPay Server wiederum die meistbedachten Projekte.

Vor allem aber ist es ein gutes Zeichen, dass die Finanzierung der dezentralisierten Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Bitcoin und darauf aufbauenden Projekten vom Ökosystem zunehmend als notwendige und sinnvolle Investition angesehen wird. Bei Open Source-Projekten ist das ja oftmals der Knackpunkt.

Es geht auch kleiner – Bitcoin Donation Portal

Wer sich nun inspiriert fühlt, ebenfalls etwas zurückzugeben und die Bitcoin-Weiterentwicklung zu fördern – es muss ja nicht immer gleich ein Fond mit fünf- bis sechsstelligem Betrag sein – der kann das im Übrigen nun auch ganz einfach im kleineren Maßstab tun.

Mit dem Bitcoin Donation Portal haben Matt Odell und Dennis Reimann gerade erst eine Seite geschaffen, auf der Bitcoin-Entwickler sich und ihre Arbeit vorstellen und dafür direkt supported werden können.

Das läuft natürlich über Bitcoin und wird ermöglicht durch Bitcoin Core und BTCPay Server. Es ist also durchaus berechtigt, dass beide Projekte so stark gefördert werden.

Der Bitcoin-Kurs zwischen Gier und Angst

Der Bitcoin-Kurs ist in den vergangenen Tagen recht spektakulär von knapp über 9000 US-Dollar auf rund 11.000 US-Dollar gestiegen und Spekulationen über die potentielle Ursachen gibt es viele. Überrascht hat die Entwicklung eigentlich aber kaum jemanden. Bisher hatte das verknappte Angebot des Halvings ja kaum Auswirkungen auf den Preis, der lange zwischen 9000 US-Dollar und 9200 US-Dollar mäanderte. Wobei das wohl eher nicht an der mangelnden Nachfrage gelegen hat.

Aber irgendwo muss das ganze Geld ja hin mit dem der Markt derzeit geflutet wird und Bitcoin spielt in diesem Zusammenhang auch für institutionelle Anleger eine zunehmende Rolle.

Der Angst-und-Gier-Index

In diesem Kontext bin ich auf ein interessantes Fundstück gestoßen, das helfen soll, die aktuelle Kursentwicklung einzuschätzen: Den Crypto Fear and Greed Index (der genau genommen eigentlich nur ein Bitcoin Fear and Greed Index ist).

Die Idee ist es, die emotionale Komponente zu beschreiben, nach der Investitionsentscheidungen getroffen werden. Angst bedeutet dabei, dass die Investoren eher besorgt sind. Steht der Zeiger auf Gier, könnte dagegen eine Kurskorrektur bevorstehen.

Aktuell sind wir dem Index zufolge in einer Phase extremer Gier und wer den Empfehlungen der Website folgen will, sollte jetzt darüber nachdenken, die Gewinne mitzunehmen und zu verkaufen.

Doch so schön einfach dieser Tipp auch klingt. Wenn sich die Kursentwicklung tatsächlich mit einem einfachen Tacho-Modell vorhersagen ließe, sähe die Welt wohl ganz anders aus.

Anschaulich, aber wenig verlässlich

Die Daten des Fear and Greed Index muss man dementsprechend mit Vorsicht genießen. Denn auch wenn man die Zusammensetzung der Quellen (Volatilität, Marktvolumen, Dominanz, Social Media und Trends) zwar schon so machen kann, sind das natürlich die Stellschrauben, die das Ergebnis letztlich ganz massiv beeinflussen. Wenn man die Parameter hier anders definiert, wird aus extremer Gier womöglich ganz schnell wieder „nur“ Gier oder ein Zustand, den man eher als emotionslos bezeichnen müsste.

Und warum ist der Gier-Bereich eigentlich grün eingefärbt und der Angst-Bereich rot? Ist das eine besser als das andere? Und müsste der rote Bereich (dem Tachobild folgend) nicht eigentlich auf der rechten Seite liegen? Dann würde es nämlich auch besser passen, wenn man den Index noch um einen tiefroten Bereich ergänzt, der anzeigt, wenn aus extremer Gier die berühmt berüchtigte FOMO wird.

Update/Ergänzung

Wie Honigdachs-Hörer in den Kommentaren ergänzt, gibt es den Fear and Greed Index (natürlich!) auch schon längst für den Aktienmarkt. Kannte ich bisher noch nicht und – zum Vergleich – der steht aktuell „nur“ auf Gier. Die Quellen und deren Gewichtung unterscheiden sich ja auch. Aber auch hier wundere ich mich über die Farbverteilung und vermisse den FOMO-Bereich

Honigdachs #54 – Taproot, CoinSwap und andere Entwicklungen

Die 54. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin zu reden auf Dauer zu wenig war. (Podcast abonnieren)

Honigdachs #54 – Taproot, CoinSwap und andere Entwicklungen

Dieses Mal blicken wir ein bisschen zurück auf die (technischen) Entwicklungen der vergangenen Monate. Denn auch wenn der Bitcoin-Kurs lange Zeit eher Stablecoin spielte, war Bitcoin in verschiedener Hinsicht prominent in der Öffentlichkeit vertreten. Zuletzt beim prominentesten Twitter-Scam der vergangenen Jahre und als Randnotiz im Wirecard-Skandal. Doch auch unter der Haube brummt es und weil es nicht immer ganz leicht ist, mit all diesen Entwicklungen Schritt zu halten, nehmen wir uns in dieser Folge mit Taproot, CoinSwap und Keysend drei Entwicklungen heraus und besprechen diese.

Ach ja! Und schimpfen müssen wir. Aber hört am besten selbst!

Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick.

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Das Bitcoin- & Paywall-Dilemma

Ich habe mit Das Bitcoin-Dilemma einen neuen Artikel für die Kollegen vom Spiegel geschrieben, in dem es darum geht, welche Rolle Deutschland auf der einen Seite für Bitcoin spielt, auf der anderen aber gleichzeitig nicht aus den Pötten kommt, wenn es darum geht, davon auch entsprechend zu profitieren.

Es ist mein bisher längster, aufwändigster und best-dokumentierter (man legt da nun nach der Relotius-Geschichte noch einmal besonderen Wert drauf) Artikel dort. Und auch wenn es ein Haufen Arbeit war, freue ich mich endlich mal diese Geschichte erzählt haben zu können. Ich halte sie für wichtig. Soweit also die gute Nachricht.

Das Finanzierungs-Dilemma des Journalismus

Die schlechte Nachricht ist jedoch, dass der Artikel aufgrund seiner höheren Qualität hinter der Paywall steht. Dort landen die Texte, mit denen man Leser in zahlende Kunden verwandeln will. Ich habe dem in Form eines „Testballons“ einmalig zugestimmt, weil ich das Argument für nachvollziehbar halte, dass auch der Spiegel irgendwie Geld verdienen muss und dass das allein mit Anzeigen insbesondere in Corona-Zeiten nicht möglich ist. Außerdem ist es durchaus interessant zu erfahren, ob Bitcoin als Thema mittlerweile auf genügend Interesse stößt, dass die Leute Geld dafür in die Hand nehmen.

Zudem wollte ich als Außenstehender einmal den Erstellungsprozess kennen lernen, die Unterschiede im Vergleich zum Schreiben „freier“ Texte und ein kleines bisschen journalistischer Ehrgeiz spielte womöglich auch eine Rolle.

Unterm Strich dennoch unbefriedigend

Wie erwartet bin ich allerdings trotzdem unterm Strich weder glücklich noch zufrieden mit dem Ergebnis, weil die Nachteile der Paywall die Vorteile aus meiner Sicht deutlich überwiegen. Die Mehrarbeit (längerer Text, mehr Quellen, ggf. mehr Korrekturschleifen) wird auf der einen Seite nicht besser bezahlt als ein „einfacherer“ frei zugänglicher Text. Ich verdiene tatsächlich sogar weniger, da der Artikel wegen der Paywall eine geringere Reichweite erzielt und daher weniger Berücksichtigung bei der VG Wort (eine Art Gema für Journalisten und Kreative) findet. Außerdem bin ich einfach grundsätzlich ein großer Fan von frei zugänglichen Informationen im Netz, wie dieser Blog zeigt.

Was für mich aber den größten Kritikpunkt ausmacht ist, dass man den Artikel nicht einzeln kaufen kann, sondern es nur die Option eines teuren Monatsabos gibt, welches man nicht einmal mit Bitcoin bezahlen kann. Im Jahr 2020 halte ich das schlichtweg für nicht zeitgemäß.

Ein Experiment als Ausgangspunkt?

Diese Kritik gebe ich natürlich auch an die Redaktion weiter und vielleicht – so meine Hoffnung – ist dieser Paywall-Artikel ja der initiale Funke, an dem sich eine neue Debatte über zeitgemäße Paywall-Lösungen auf Bitcoin-/Lightning-Basis entzünden lässt. Die Technologie ist vielleicht noch nicht perfekt, aber weit genug, um damit auch mit vergleichsweise wenig Aufwand experimentieren zu können. Wenn man es will. Denn dass man beim Spiegel dafür nicht die Ressourcen hätte, ist ausgeschlossen. Außerdem wäre es auf Dauer auch ziemlich strange, immer wieder über Bitcoin zu berichten, sich aber selbst nicht an die Sache heranzutrauen. Nicht einmal in einem kleinen Maßstab. Insofern: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Für mich heißt das in jedem Fall: Meine Artikel werden beim Spiegel künftig nur noch dann hinter einer Paywall landen, wenn diese irgendwie auch mit Bitcoin aufgelöst werden kann.

Und was den aktuellen Artikel angeht, da bin ich mir sicher, dass der auf dem ein oder anderen Weg früher oder später auch noch seinen Weg in die „Freiheit“ finden wird. Versprochen.