Archiv der Kategorie: Bitcoin

Hörtipp – „Blockchain zwischen Hype und Hohn“

Gerade eben lief bei Deutschlandfunk Kultur eine lange Diskussion zum aktuellen Stand von „Blockchain“. Ich durfte dabei mitdiskutieren und finde, dass das eine der besten Diskussionen zum Thema war, die ich bisher erlebt habe.

„Blockchain“ im Bundestag, „Blockchain“ im Radio

Anlass war ja die Anhörung neulich im Digitalen Ausschuss des Bundestages zum selben Thema. Diese war wegen der vielen heißen Luft und des mangelnden Diskurses sehr schwer zu ertragen und letztlich auch kaum zielführend.

Genau das war bei dieser Talkrunde anders. Mit Philip Banse (Moderator), Michael Seemann (Netzkulturtheoretiker), Jutta Steiner (Mathematikerin, Parity) und Jürgen Geuter waren wir tatsächlich fünf Diskutanten, die sich seit langem mit dem Thema auseinandersetzen und daher auch respektvoll, fundiert, kritisch und konstruktiv gegen- und miteinander argumentieren konnten. Und das hört man. Gerne wieder.

10 Jahre Bitcoin – Das Radio-Feature

Gestern Abend habe ich mich sehr gefreut. Denn endlich war es  soweit: Mein halbstündiges Radio-Feature über „10 Jahre Bitcoin“, an dem ich die letzten zwei Monate gearbeitet habe, ging im Deutschlandfunk Kultur auf Sendung.

Viel Arbeit, Schweiß und Herzblut

Das ist insofern etwas Besonderes, als dass ich bisher an keinem anderen Beitrag so lange gesessen habe wie an diesem. Für die Interviews war ich in Frankfurt, Berlin, Prag, habe mit Leuten in England und den USA gesprochen (und sogar ein Interview von England aus nach Deutschland geführt) und hatte am Ende genug Material gesammelt, um damit locker auch einen Drei-Stunden-Sendeplatz füllen zu können.

Aber länger ist nicht immer gleich besser und die redaktionelle Entscheidung, sich letztlich auf die politische Dimension von Bitcoin und den Kampf um die Deutungshoheit über dieses „Experiment“ zu konzentrieren, war eine gute. Denn, wie auch im Feature angesprochen, ist diese politische Dimension ja einer der wichtigsten Aspekte von Bitcoin, weil hier die möglicherweise große gesellschaftspolitische Sprengkraft steckt, wird aber dennoch in der Öffentlichkeit bisher eigentlich kaum thematisiert.

Eine mutige Entscheidung gegen den allgemeinen Medientrend

Insofern bin ich auch meiner Redakteurin, Jana Wuttke, für ihre Entscheidung sehr dankbar, sich gegen den allgemeinen Medientrend zu stellen, über Bitcoin nur zu berichten, wenn der Preis rasant steigt oder fällt, und mir diesen prominenten Sendeplatz beim Deutschlandfunk Kultur zur Verfügung zu stellen.

Denn kaum eine andere Redaktion hat (derzeit) wirklich das Interesse oder den Mut, etwas hintergründiger über Bitcoin zu berichten oder zumindest zu versuchen, dieses Phänomen verständlich zu erklären. Außer natürlich, es geht um kontextlose Stromverbrauchs-Studien, um Kriminalität, Betrug oder um andere meist negative, aber Klicks versprechenden Schlagzeilen. Oder um irgendwas mit diesem kuriosen„Blockchain“.

Insofern bin ich allen sehr dankbar, die dieses Feature durch ihre Mithilfe ermöglicht haben (natürlich auch denen, deren Interviews nicht explizit zu hören sind) und freue mich auf Feedback und natürlich, wenn das Stück gehört und verbreitet wird. Daher hier nochmal der direkte Link zum Audio und dem zugehörigen Transskript und wer das Feature runterladen möchte, nutzt am besten diesen Link.

Unterstützt die Arbeit an weiteren guten Bitcoin-Beiträgen!

Wer darüber hinaus meine Arbeit an weiteren Stücken wie diesem unterstützen möchte, der darf das gerne auch finanziell mit einer Spende tun. Denn ich kriege natürlich ein Honorar für dieses Feature, reich werde ich dadurch aber nicht. Im Gegenteil: Ich finanziere alle meine Recherchen zum Großteil aus eigener Tasche. Solche aufwendigen Radiostücke macht man daher nicht fürs Geld, sondern weil man für ein Thema brennt. Wer diese Flamme aufrecht erhalten will, darf sich also gerne ein bisschen an den Recherche-Unkosten beteiligen.

Das Bitcoin-Whitepaper als Webcomic

Schon immer mal vorgehabt, das originale Bitcoin-Whitepaper zu lesen, dieses Vorhaben aber aus (womöglich guten) Gründen nie umgesetzt?

Dann empfehle ich mal einen Blick auf dieses grandiose Webcomic zu werfen, in das Scott McCloud ebendieses Whitepaper und noch viel mehr Grundlagenwissen über Bitcoin hat einfließen lassen und das äußerst gelungen ist, weil er es schafft, komplexe Sachverhalte mit viel Humor plakativ herunterzubrechen.

Bitcoin Whitepaper Webcomic 1

Gelungenes Webcomic als Einstieg in die Bitcoin-Materie

Wer nämlich dieses Webcomic gelesen hat, kann danach durchaus von sich behaupten, verstanden zu haben, worum es im Bitcoin-Whitepaper geht. Oder dieses Vorwissen als Anlass nehmen, die originalen neun Seiten doch mal zu lesen.

Alles spitze, bis auf die irreführende Website

Klasse ist zudem, dass das Webcomic auch auf Chinesisch und Japanisch erschienen ist und man es sich direkt als pdf herunterladen kann. Weniger schön ist allerdings, dass es auf einer expliziten Bitcoin Cash-Website veröffentlicht wurde, deren „download a wallet“-Link die Nutzer eben gerade nicht zum originalen Bitcoin, sondern stattdessen ohne Hinweis zu einem umstrittenen und kriselnden Altcoin führt.

Nichtsdestotrotz – das Comic ist spitze. Nicht zuletzt wegen dieses grandiosen Fazits.

Bitcoin Whitepaper Webcomic

🎈10 Jahre Bitcoin🎈 – Das Jubiläum hat begonnen …

… obwohl sich die Community gar nicht sicher ist, wann bei Bitcoin eigentlich was gefeiert wird.

Wann ging denn das mit Bitcoin eigentlich genau los?

Nicht nur die Entscheidung für das Ereignis sorgte bei einigen für Verwirrung – feiert man bei „10 Jahre Bitcoin“ nun eigentlich den Genesis-Block am 3.1.2019 und damit den „realen“ Start von Bitcoin als digitales Geld oder doch eher die Veröffentlichung des Whitepapers und damit die erste Nennung von Bitcoin samt des Beginns der zugrunde liegenden Idee?

Doch nicht nur das. Auch der zweitgenannte Anlass, die Whitepaper-Veröffentlichung, die sich just dieser Tage jährt, sorgt für einige Verwirrung. So gingen einige Bitcoiner (und auch ich) bis vor Kurzem noch davon aus, dass Bitcoin tatsächlich heute, am 1. November 2018, zehn Jahre alt wird.

https://twitter.com/fulmolightning/status/1056889031164862465

Ein Ereignis, zwei verschiedene Daten

Dementsprechend verwundert war ich, als bereits gestern, am 31.10.2018, das Internet zu feiern begann und nahezu alle meine Bitcoin-Newsletter, die großen Newsseiten und halb Crypto-Twitter das große Bitcoin-Jubiläum zelebrierten.

https://twitter.com/starkness/status/1057734366963523585

Sollte ich mich also tatsächlich seit fünf Jahren in diesem zentralen Termin geirrt und ihn immer auch falsch nach außen kommuniziert haben? Eine Frage, die mich als Journalisten natürlich nicht ruhig schlafen lässt.

Bitcoin – Es kann nur einen (Termin) geben!

Also versuchte ich gestern Abend kurz vor dem Schlafengehen noch schnell herauszufinden, wie ich denn überhaupt mal auf den 1. November als Whitepaper-Jahrestag gekommen sein könnte.

Zuerst schlug ich dafür im 2014 erschienenen The Book of Satoshi. The Collected Writings of Bitcoin Creator Satoshi Nakamoto nach, einem praktischen Buch, das die gesamte Kommunikation Satoshi Nakamotos handlich bündelt. Und siehe da: Die erste E-Mail von Satoshi Nakamoto wird in diesem Druckwerk mit dem 1. November 2008 angegeben.

bitcoin november
Auch laut „The Book of Satoshi“ (2014) wurde Bitcoin am 1. November 2008 zum ersten Mal erwähnt.

Anschließend suchte ich weiter im Netz nach einer möglichen Primärquelle, also idealerweise Zugang zur originalen Mail von vor zehn Jahren und stieß dabei auf dieses Mail-Archiv, das wohl die erste E-Mail von Satoshi Nakamoto gespeichert hat. Auch hier mit dem 1.11. als Datum.

Zum Schluss wollte ich dann noch mal auf der Seite des Satoshi Nakamoto Institute nachschauen, einem sehr umfassenden und gut sortierten Archiv für alles rund um Satoshi Nakamoto. Denn ich war mir zu 100 Prozent sicher, dass ich in den vergangenen Monaten mindestens hier noch einmal nachgeschaut hatte, wann sich Satoshi Nakamoto denn nun zum ersten Mal gemeldet hatte.

Man darf nicht alles glauben, was man im Netz liest

Umso größer also meine Überraschung und Verwunderung, als ich hier den 31. Oktober 2008 als Datumsangabe fand.

nakamoto institute
Das „Satoshi Nakamoto Institute“ datiert die erste Erwähnung von Bitcoin auf den 31. Oktober.

Denn ich war mir eigentlich so sicher gewesen. Daher habe ich mögliche Änderungen der Website noch einmal über den Webcache von Archive.org überprüft und tatsächlich noch ein ältere Version der Website gefunden, in der auch das Satoshi Nakamoto Institute noch vom 1. November als Bitcoin-Geburtstag ausging.  Vor wenigen Wochen, Irgendwann zwischen dem 27. August und dem 16. Oktober, wurde dieser Eintrag dann jedoch auf den 31. Oktober 2008 geändert.

nakamoto institute 2
Noch vor wenigen Wochen zeigte das „Satoshi Nakamoto Institute“ jedoch den 1.11.2008 als Datum.
Ende Oktober oder Anfang November. Was stimmt denn nun?

Tatsächlich neige ich nach meiner Kurzrecherche, in der ich auch sehr viele Hinweise auf den 31. Oktober 2008 als Ursprungsdatum fand, nun ebenfalls dazu, diesen Termin dem 1. November als Bitcoin-Geburtstag vorzuziehen. Es deutet gerade mehr darauf hin. Auch wenn dennoch Restzweifel bleiben und ich dem weiter auf den Grund gehen möchte. Es muss doch zweifelsfrei herauszufinden sein, wann Bitcoin das erste Mal erwähnt wurde!

Wenngleich man aber natürlich auch einwenden kann, dass Bitcoin in Jahren zu rechnen, ohnehin eine sehr unbefriedigende Zeiteinheit ist. Immerhin hat die Blockchain da ja ihre ganz eigene Einheit.

Und weil es gerade zum Thema passt …

… noch ein kleiner Hinweis in eigener Sache. Anlässlich des Bitcoin Jubiläums habe ich die letzten Wochen/Monate für Deutschlandfunk Kultur an einer halbstündigen Sendung über den Status Quo von Bitcoin gearbeitet. Diese Sendung wird am kommenden Donnerstag, den 8.11.2018 analog, digital und im Netz ausgestrahlt. Hier die Sendungsbeschreibung:

19:30 Uhr Zeitfragen. Feature
Ein scheiterndes Experiment? 10 Jahre Bitcoin
Von Friedemann Brenneis

Am 1. November 2008 stellte Satoshi Nakamoto auf einer Kryptographie-Mailingliste Bitcoin vor, das erste rein digitale Geld. Ein Geld, das statt von Banken, von Mathematik und Algorithmen gesteuert und kontrolliert wird und das nicht Staaten gehört, sondern den Menschen, die es nutzen. 
Ein Experiment, bei dem es schwer ist, zu bestimmen, ob es immer noch am Anfang steht oder längst schon an seinem Ende angekommen ist. Auf der einen Seiten 
sind sie: die Freidenker, die Cryptoanarchisten, die Systemkritiker und Visionäre. Für sie ist Bitcoin ein unbedingt notwendiges Mittel zur Durchsetzung individueller Freiheiten in einer zunehmend überwachten Gesellschaft, ein faszinierendes modernes Techphänomen, ein zeitgemäßes Geldmedium oder – für die, die selbst gerade erst mit dem Internet groß werden – auch einfach nur ein ganz normaler Bestandteil ihres Lebens. 
Demgegenüber stehen die Kritiker: Ökonomen, Wirtschaftsnobelpreisträger, (Bundes)-Banker, Fachjournalisten und andere, die einem nicht-staatlichen, nicht bankenbetriebenen Geldsystem keine Zukunft geben oder bemängeln, dass Bitcoin keineswegs so demokratisch sei, wie behauptet. Die technische Komplexität und bereits jetzt extrem ungleiche Verteilung des digitalen Geldes würde letztlich nur die bestehende Finanzelite durch eine technisch versiertere Elite ersetzen. Ansonsten würde sich jedoch nichts ändern. 
Beide Lager, die, die unser Geld von Grund auf verändern wollen, und die, die das zu verhindern versuchen, ringen um die Deutungshoheit über Bitcoin, ein Experiment, das unterm Strich letztlich beides ist: gescheitert und erfolgreich. Denn zwar hat das digitale Geld als globale Weltwährung nicht binnen kürzester Zeit Euro und Dollar abgelöst, wie es die frühen Enthusiasten propagiert haben. Doch zeigt sich auch, dass Bitcoin trotzdem immer noch da ist, dass die Idee und Ideale hinter Bitcoin global immer mehr Anhänger finden und dass sich die Digitalisierung des Geldes nicht aufhalten lässt.

Den entsprechenden Podcast zum Nachhören verlinke ich hier dann aber natürlich auch noch im Blog.

Blockchain oder nicht? – Die Entscheidungshilfe

Ich wusste bis vor kurzem gar nicht, dass es so viele Entscheidungshilfen-Diagramme gibt, ob man nun eine Blockchain braucht oder nicht. Scheint ja echt ein schwieriges Thema zu sein.

Dabei hält sich einer aktuellen Studie zufolge doch die große Mehrheit der Führungskräfte bereits für echte „Blockchain-Versteher“.

https://twitter.com/kerooke/status/1031293508743716864

Allerdings denken sie offensichtlich auch, dass der große Vorteil einer Blockchain im Vergleich zu existierenden Systemen die höhere Geschwindigkeit sei. Nun ja – es braucht halt nicht viel um „Blockchain“-Experte zu sein.

Niemand muss „Blockchain“-Experte bleiben

Wer jedoch einsichtig und demütig genug ist, gemeinsam mit „Blockchain“ (siehe aktuellen Gartner Hype Cycle) den „Mount Stupid“ zu verlassen, und meint, dass ein bisschen Wissen nicht schaden könnte, für den hier drei Linktipps.

Zum einen hat Reuters eine hübsch visualisierte Erklärung der Blockchain online gestellt. Wobei man aber auch hier kritisch darauf hinweisen muss, dass zunächst (wie leider sehr oft) die Funktion einer Blockchain anhand der Bitcoin-Blockchain erklärt wird und dann einfach davon ausgegangen wird, dass man das Blockchain-Prinzip problemlos auf andere Anwendungsfelder übertragen könne.

Kann man aber eben nicht. Sonst wäre fast zehn Jahre nach dem Start der Blockchain Bitcoin und digitales Geld nicht immer noch der einzige belastbare Usecase für eine Blockchain.

Die „Blockchain“-Frage interaktiv klären

Zum anderen sei auf das Paper „Do you need a Blockchain?“ von Karl Wüst von der ETH Zürich und Arthur Gervais vom Imperial College London hingewiesen, das praktischerweise für alle Lesefaulen auf douyouneedablockchain.com auch in einer vereinfachten interaktiven Variante zur Verfügung steht. Und ohne den Klickspaß vorweg zu nehmen. Es ist ziemlich schwer, da bei der Antwort „Ja“ zu landen.

Wer sich davon nicht entmutigen lässt und auch ein „Vielleicht“ oder „Nein“ als Lernerfolg betrachtet, der sollte dann noch Jimmy Songs Artikel über „Alternatives to Blockchain“ lesen.

Das ist nämlich cleverer, als es sich auf dem „Mt. Stupid“ (auf dem wir im Übrigen alle schon mal standen) so richtig schön gemütlich zu machen.

Das (immerhin hübsche) Krypto-Periodensystem

Es gibt zwar Atomic Swaps, also Austausch-Transaktionen, die direkt und ohne Mittelsmann per Smart Contract zwischen einer Blockchain (bspw. Bitcoin) und einer anderen Blockchain (bspw. Litecoin) stattfinden. Aber mehr als das Wörtchen „atomar“ verbindet die Kryptowelt mit der der Chemie sonst eigentlich nicht.

Das Krypto-Periodensystem – immerhin ist es hübsch

Insofern ist ein Periodensystem als Vorlage um Bitcoin, Altcoins und Token konzeptionell zu verorten eigentlich keine naheliegende Entscheidung. Wenngleich ich jedoch zugeben muss, dass diese Form der grafischen Aufbereitung durchaus eine sehr ästhetische ist.

krypto-periodensystem
Sieht immerhin schön ordentlich aus: das Krypto-Periodensystem

Nichtsdestotrotz darf man sich von dieser Darstellung nicht täuschen lassen. Die Größengleichheit der einzelnen Kästchen deutet eine Gleichwertigkeit der einzelnen Coins an, die vermutlich nicht nur Bitcoin-Maximalisten die Haare zu Berge stehen lässt. Und sowieso: Warum sind hier eigentlich nur so wenige Coins verortet? Immerhin zählt Coinmarketcap knapp 1900 verschiedene Coins und Token auf. Wo sind deren Kästchen?

Sortierung nach Halbwertszeit wäre besser gewesen

Vor allem fehlt mir hier aber eine Ordnung, mit der man wirklich einen inhaltlichen Mehrwert hätte herstellen können. Sehr viel interessanter als die Coins nach ihren letztlich wenig trennscharfen Kategorien zu sortieren (ist „Fintech“ etwa kein „Business & Enterprise“ und ist nicht auch alles irgendwie „Other“?), wäre hier doch offensichtlich eine Sortierung nach Halbwertszeit.

Also ganz wortwörtlich: Wie lang hat das Projekt gebraucht, seinen Wert vom jeweiligen All Time High zu halbieren? Wie schnell fällt es in sich zusammen?

Die Halbwertszeit als Maßstab für den Zerfall eines Elementes der Kryptoversums und eine entsprechend aufbereitete Sortierung wäre tatsächlich mal eine schöne und vor allem hilfreiche Parallele zur Chemie. Aber hey, das Krypto-Periodensystem sieht immerhin hübsch aus.

Veranstaltungstipp: Lightning Hackday #3

Ich habe hier im Blog schon häufiger über Lightning berichtet, die meist beachtete und auch interessanteste Skalierungsoption für Bitcoin.

Um das Konzept dieses Second-Layer-Protokolls und dessen Potential und Status Quo besser zu verstehen, war ich selbst vor einiger Zeit beim ersten Lightning Hackday in Berlin, einem der besten Events zu diesem Thema. Nicht nur regional, sondern mittlerweile auch global. Denn zum bevorstehenden Lightning Hackday #3 wird die Sprecher- und Teilnehmerliste immer ausgewählter, hochwertiger und internationaler.

Null-„Blockchain“-Business-Bullshit-Quote

Und da der Lightning Hackday bisher eine der ganz wenigen Veranstaltungen mit Null-„Blockchain“-Business-Bullshit-Quote ist, weise ich gerne auch noch einmal explizit auf die kommende Veranstaltung hin. Dieses Mal erstmals mit einem vorgelagerten Hackathon am 31. August und dem eigentlichen Hackday mit Barcamp, Fachvorträgen und den Ergebnissen des Hackathons dann am 1. September. Das Ganze wieder in Berlin.

Bemerkenswert ist dabei auch, dass das Event kostenlos ist für die, die das wollen. Wer es sich jedoch leisten kann und die Veranstalter unterstützen will, darf den eigentlich symbolischen Ticketpreis aber auch bezahlen.

Bitcoin logarithmisch betrachtet

Ich habe neulich den Newsletter von Pantera Capital gelesen, in dem die Verantwortlichen über ihre Bitcoin-Preisvorhersage von 5000 US-Dollar sprechen. Eine Vorhersage, die sie jedoch nicht jetzt, sondern bereits vor fünf Jahren gemacht haben, im Sommer 2013, als der Bitcoin noch bei rund 100 US-Dollar stand und ich noch nicht einmal angefangen hatte, mich überhaupt mit Bitcoin auseinanderzusetzen.

Nun gibt es ja jede Menge mutiger Aussagen irgendwelcher Leute rund um die künftige Entwicklung des Bitcoin-Preises und im Nachhinein ist es natürlich immer leicht, zu behaupten, man hätte es schon immer gewusst. Zumal man ja auch einfach mehrere unterschiedliche Behauptungen aufstellen kann und dann rückwirkend einfach selektiv auf die verweist, die tatsächlich eingetreten ist.

Eine Taktik, die nicht nur bei „erfolgreichen“ Crypto-Influenzern auf Twitter beliebt ist, sondern derer sich in gewisser Weise auch Satoshi Nakamoto selbst bedient hat (ohne told you so!, aber zumindest bei der Breite seiner Prognose).

„I’m sure that in 20 years there will either be very large transaction volume or no volume.“ – Satoshi Nakamoto

Lässt sich der Kurs realistisch vorhersagen?

Nun ist die Retrospektive das eine. Wesentlich interessanter ist es doch aber, erneut in die Zukunft zu schauen. Und hier stellt sich nicht nur die Frage, welchen Preis die, die 2013 den Bitcoin einst bei 5000 US-Dollar gesehen haben, heute über dessen künftige Entwicklung sagen, als vielmehr, wie sie eigentlich darauf kommen? Immerhin halten Dan Pantera und Mitstreiter Ende 2018 einen Bitcoin-Preis von 21.000 US-Dollar und Ende 2019 sogar 67.500 US-Dollar für realistisch.

Angesichts der Kurstalfahrt von rund 20.000 US-Dollar Ende vergangenen Jahres auf gut 8000 US-Dollar derzeit wieder durchaus mutige und erstaunlich konkrete Prognosen.

Logaritmische Darstellung vs. Lineare Darstellung

Pantera Capital greift diese Zahlen jedenfalls nicht gänzlich aus der Luft, sondern begründet sie mit der Vergangenheit. Entwickelt sich der Preis von Bitcoin nämlich unterm Strich weiter, wie er es in den vergangenen acht Jahren tat, dann stünde er eben zu genannten Zeiten bei den genanten Preisen.

Um diese Entwicklung jedoch erkennen und nachvollziehen zu können, ist die allgemein am häufigsten verwendete lineare Darstellung des Bitcoin-Kurses nicht geeignet. Mit dieser lässt sich nämlich das bisher exponentielle Wachstum von Bitcoin nicht abbilden.

Genau das ist aber mit der logarithmischen Darstellung möglich, bei der die Skala eben nicht linear ist, sondern exponentiell ansteigt. Nach der 10 kommen daher nicht die 20, 30, 40 usw., sondern 100, 1000, 10.000.

bitcoin logarithmisch
In der logarithmischen Darstellung sieht der Bitcoin-Kurs vergleichsweise linear aus.
Exponentielle Linearität

Der Vorteil dieser Darstellung liegt nun darin, dass die Preisentwicklung zwischen 1 US-Dollar und 10 US-Dollar ebenso sichtbar und gewichtbar wird wie die zwischen 1000 US-Dollar und 10.000 US-Dollar.

In der linearen Darstellung hingegen verschwindet nahezu die komplette Preisentwicklung vor 2013 (also unterhalb von 200 US-Dollar) unter ferner liefen. Doch hat sich natürlich auch damals schon der Wert von Bitcoin mehrfach verzehnfacht.

Ist die Skala linear geht die Entwicklung im Bereich kleinerer graphisch Werte verloren.

Das wird in der logarithmischen Darstellung wiederum gut sichtbar, die zeigt, wie linear die exponentielle Preisentwicklung von Bitcoin in den vergangenen sieben Jahren verlaufen ist. Zwar gibt es auch hier Kursschwankungen nach oben oder unten. Im Schnitt verlief das Wachstum um den Faktor 10 jedoch relativ beständig und wurde in sieben Jahren sechs Mal absolviert:

  • 2010: 0,1 USD
  • 2011: 1 USD
  • 2011: 10 USD
  • 2013: 100 USD
  • 2013: 1000 USD
  • 2017: 10.000 USD
Die Zahlen bleiben gleich, das Bild ist jedoch ein ganz anderes

Interessant ist nun, wie allein die unterschiedliche Darstellung derselben Daten die Entwicklung des Bitcoin-Kurses in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Als Hype und Blase in der linearen Skalierung. Als stabiles und beständiges Wachstum in der logarithmischen Darstellung.

Eben letztere hat nun auch Pantera Capital als Grundlage für ihre Zukunftsprognose genommen, die aber – auch das ist noch einmal wichtig an dieser Stelle zu betonen – natürlich nicht zwingend stimmen muss.

Niemand konnte 2013 vorsagen, dass Bitcoin mal 5000 US-Dollar erreichen würde. Die fünf Jahre dahin wurden schließlich von unzähligen Variablen beeinflusst – allein die gesamte Blocksize-Debatte, der Fee-Market, SegWit, Lightning, Mining-Zentralisierung, Regulierungs-Gerüchte oder -Vorhaben aus China, den USA, mögliche ETFs, sämtliche BIPs, das Aufkommen von  Ethereum, all den Altcoins und Bitcoin-Klonen und und und.

Niemand weiß, wo Bitcoin einmal landen wird

Auch heute gibt es noch 1001 Möglichkeiten, an denen Bitcoin früher oder später scheitern könnte. Doch falls es das nicht tut, könnte sich der Wertzuwachs unterm Strich auch weiterhin so entwickeln wie bisher. Denn auch wenn es kaum konkreten Zahlen gibt, deutet doch vieles darauf hin, dass das Wachstum von Bitcoin nicht nur im Hinblick auf den Preis, sondern auch auf viele andere Faktoren nicht linear verläuft, sondern exponentiell.

Doch muss man sich selbst dann klar machen, dass auch exponentielles Wachstum in der Praxis nicht unbegrenzt weitergehen kann, sondern früher oder später ihr Ende nehmen wird. Wann und wo das bei Bitcoin der Fall sein wird, kann heute jedoch keiner wissen.

Sicher ist nur: Wir werden in den nächsten Jahren noch viele mutige Statements in die eine oder andere Richtung hören.

Aktueller ⚡Lightning⚡-Zwischenstand

Nicht nur der Bitcoin-Kurs hat in den letzten Tagen wieder ordentlich Aufwind bekommen und ist innerhalb eines Monates um rund 2000 US-Dollar auf über 8000 US-Dollar geklettert (u.a. durch neue Spekulationen um Bitcoin ETFs). Auch das Bitcoin-basierte Lightning-Netzwerk hat ordentlich zugelegt.

Der Bitcoin-Kurs: Von unter $6000 auf über $8000 innerhalb eines Monats.
Aktuelle Lightning-Zahlen

So ist die Kapazität des Netzwerks in den vergangenen 30 Tagen um gut 350 Prozent gestiegen und hat damit erstmals die symbolträchtige 100 Bitcoin-Marke überschritten. Klingt erst einmal nicht viel, aber für ein Netzwerk, das mit Einheiten im Satoshi bis Millisatoshi Bereich arbeitet (entspricht 0,00000001 bis 0.00000000001 Bitcoin) doch eine ganze Menge. Zumal durch den oben erwähnten Preisanstieg die Gesamtkapazität des Netzwerks nun auch kurz unter der ebenfalls symbolträchtigen eine Million US-Dollar Marke steht.

lightning aktuell
Nodes. Kanäle, Kapazität – alles wächst im Lightning-Netzwerk. Quelle: 1ml.com
lightning kapazität
Entwicklung der Kapazität des Lightning-Netzwerks. Quelle: bitcoinvisuals.com

Dass verschiedene Statistikseiten dabei bspw. bei der Lightning-Node-Zahl jeweils andere, teils deutlich niedrigere Werte zeigen, liegt in der Natur der Sache. Wie bei Bitcoin gibt es auch bei Lightning keine offizielle Statistik, sondern die Daten hängen immer davon ab, wie der Node, der sie ausliest, selbst konfiguriert ist. Es ist in diesem Zusammenhang also schwer, von echten und falschen Daten zu sprechen. Vielmehr können die Statistiken nur Orientierung bieten. Aber das nur nebenbei.

Lightning-Overlord Andreas Brekken

Denn dass das Netzwerk einen ordentlichen Schub bekommen hat, steht außer Frage. Es gibt nämlich einen nicht unerheblichen Faktor, der diesen Boom zumindest mit zu verantworten hat: Andreas Brekken. Der CEO von shitcoin.com hat, wie wir auch im letzten Honigdachs-Podcast schon besprochen haben, das Lightning-Netzwerk nämlich „getestet“.

Wobei des sehr vorsichtig ausgedrückt ist, wenn sich jemand vornimmt, in einem für kleine, Mikro- und Nanozahlungen ausgelegten Netzwerk mal eben zum größten Hub zu werden. Das bedeutet nämlich direkt mal einen sechsstelligen Betrag zu riskieren. Nur für eine Tech-Review. Das muss man schon erst einmal bringen.

Nichtsdestotrotz sind aber die drei bisher erschienenen Artikel seiner Lightning-Test-Serie durchaus interessant und aufschlussreich. Selbst für Leute, die es mit Kommandozeilen nicht so haben.

Bitcoin Lightning Network #1: Can I compile and run a node?

View story at Medium.com

Bitcoin Lightning Network #2: We must first become the Lightning Network

View story at Medium.com

Bitcoin Lightning Network #3: Paying for goods and services

View story at Medium.com

Ich als ambitionierter IT-Laie teile dabei Andreas Brekkens kritisch durchwachsene Bewertung des Lightning-Status Quo. Ich wollte nämlich die beiden bisher für Android verfügbaren mobilen Lightning-Wallets selbst einmal testen, um meine erste Lightning-Zahlung zu erhalten. Doch mit der Eclair Wallet kann man Zahlungen bisher nur schicken, jedoch nicht empfangen und um in der Bitcoin Lightning Wallet einen Channel zu öffnen (um Geld zu empfangen), soll ich diesen erst mit mindestens 300.000 Satoshi ausstatten. Für meinen einfachen Test war mir das mit rund 21 Euro dann aber doch zuviel. Ich bin halt kein Andreas Brekken.

Fundstück: Erste musikalische Lightning-Erwähnung

Abschließend aber noch ein kleiner Hinweis auf das folgende Musikvideo, das meiner Kenntnis nach der erste Song ist, in dem das Lightning-Netzwerk erwähnt wird: Zuby mit „Cryptocurrently“

Die Lyrics zum Mitlesen gibt’s nach dem Klick.

Aktueller ⚡Lightning⚡-Zwischenstand weiterlesen

Die reflektierte Sicht eines Crypto-Fund-Managers

Dass eine Venture-Capital-Firma einen neuen 300 Millionen Dollar schweren Crypto-Fund an den Start bringt, ist eigentlich keine Meldung, die mir hier im Blog einen eigenen Beitrag wert ist. Doch bei Andreessen Horowitz und ihrem a16z crypto fund ist das etwas anderes.

Sharing is caring – gilt bei a16z auch für Wissen

Denn es handelt sich hier um einen der renommiertesten und ziemlich treffsicheren Tech-Investor der vergangenen zehn Jahre (siehe Portfolio). Aus dem einfachen Grund, dass dort gute und clevere Leute arbeiten, die mit ihrem Wissen und analytischen Kompetenzen nicht hinter dem Berg halten, sondern beides offensiv und gerne teilen.

Immer wieder habe ich hier daher schon auf hauseigenen a16z-Content verwiesen und sorgar die Ankündigung des a16z crypto funds ist nicht einfach nur ein Pressemitteilung, sondern selbst voller interessanter und lesenswerter Links.

Am meisten beeindruckt hat mich jedoch gestern das Hören des aktuellen Unchained Podcasts, in dem Laura Shin mit Chris Dixon spricht, der eben diesen crypto fund leitet. Was Dixon darin erzählt, zeugt von einer breiten, tiefgehenden und unglaublich sachlich reflektierten Kenntnis des gesamten Bitcoin-/Krypto-/Blockchain-Phänomens. Man muss dabei nicht alles unterschreiben, was Dixon sagt, aber über seine Thesen und dann über den eigenen Kenntnisstand nachzudenken, lohnt in jedem Fall.

Ich kann diesen Podcasts daher jedem empfehlen, der einmal vollkommen undogmatisch und ohne direkte Business- & Marketing-Hintergedanken erklärt bekommen will, welches Potential tatsächlich in Plattformen wie Bitcoin und Ethereum und weiteren Bausteinen wie Non-Fungible-Token (aka CryptoKitties) oder Stablecoins steckt oder zumindest stecken könnte. Denn auch Dixon sagt, dass das alles noch krachen gehen kann, doch dass sie optimistisch sind und glauben, dass wir uns noch immer in einem ganz frühen Stadium befinden und „we put our money where our mouth is.“ Solides Statement.

Die Naivität der DAO

Auch interessant ist: Wenn man diesen Podcast gehört hat und die Intensität und analytische Tiefe versteht, mit der sich Investoren wie a16z dem Krypto-Thema widmen, wird deutlich, wie naiv eigentlich die Idee der DAO war, bei der eben solche hochqualifizierten Investoren durch blockchain-basiertes Gemeinschafts-investing einer vergleichsweise unmotivierten Crowd aus Hobby-VCs abgelöst werden sollte.