Archiv der Kategorie: Bitcoin

Quo vadis, Bitcoin? Ein fundierter Ausblick

Aus Bitcoin-Preis-Spekulationen halte ich mich normalerweise raus. Zum einen liegt man damit in der Regel sowieso falsch, zum anderen halte ich andere Aspekte an Bitcoin für interessanter und bedeutender. Zum Beispiel, wie das Phänomen Bitcoin (und nicht nur das Investment) unsere Gesellschaft beeinflusst, prägt und transformiert.

Nichtsdestotrotz gilt der Bitcoin-Kurs im Allgemeinen als DIE wichtigste (wenn eigentlich auch vergleichsweise schlechte) Größe, an der die Qualität und der aktuelle Stand von Bitcoin gemessen wird.

Seltene, gut begründete Kursanalyse

Interessant wird es nun aber für mich, wenn beides zusammenkommt. Eine fundierte Einschätzung des jetzigen und künftigen Bitcoin-Wertes, die jedoch nicht auf Gerüchten, wilden Spekulationen oder Kaffeesatz-Kursanalyse beruht, sondern auf einer faktenbasierten Argumentation.

Der von Tuur Demeester (sollte man auf Twitter unbedingt folgen) mitverantwortete aktuelle Bericht Bitcoin In Heavy Accumulation von Adamant Capital (ein langjähriger Bitcoin Hedge Fund, der nur sich nur alle paar Jahre, aber dafür immer mit gutem Timing öffentlich äußert) bietet genau diese Informationen und geht in der Bitcoin-Community daher gerade auch steil.

Liegt vermutlich aber auch daran, dass er ein recht optimistisches Bild für die mittelfristige Kursentwicklung von Bitcoin zeichnet mit dem Fazit: Der Tiefpunkt ist durch und der seit Ende vergangenen Jahres sanfte aber deutlich erkennbare Aufwärtstrend kommt nicht von ungefähr und wird sich wohl fortsetzen.

Klicken um direkt zum Bericht zu kommen

Doch die Lektüre dieses 17-seitigen Berichts ist nicht nur wegen der gut geführten Argumentation lesenswert (bspw. dass die notwendige „Kapitulation“ durch ist), sondern eben auch wegen der Recherche, die dieser zugrunde liegt. So finden sich beispielsweise auf Seite 10 Zahlen, bis zu welchem Kurs sich das Mining rechnet: $3250 bei 5 Cent/kWh, $2600 bei 4 Cent/kWh und $1950 bei 3 Cent/kWh.

Die Zeit spielt für Bitcoin

Noch viel interessanter fand ich jedoch den Absatz über die Millenials (S. 14), weil hier auch die bereits erwähnte gesellschaftliche, systemkritische Charakteristik von Bitcoin eine bedeutende Rolle spielt:

„Millennials, the generation born between 1981 and 1996, are the largest and fastest growing demographic in the world. Their total disposable income is expected to supersede all the other generations in 2029. One of the defining characteristics of Millennials is that they “found their way through the 2008 recession as young adults.” How this informed their world views was confirmed by a 2016 research project funded by Facebook, which suggested that 92 percent of this generation doesn’t trust banks. 

Having grown up with peer-to-peer protocols like BitTorrent, and running open source code like Linux, Millennials are very open to cryptocurrencies. A survey from 2013 suggests that Bitcoin’s early adopters (and likely whales) were mostly male Millennials. Also in the current landscape surveys suggest that the majority of Bitcoin buyers are also Millennials, with mistrust of governments and growth outlook as the main motivations to buy. As the disposable income of Millennials continues to grow, we expect further tailwinds in terms of Bitcoin adoption and price appreciation.“

Allein dieser Absatz ist bemerkenswert, stützt er doch gleichzeitig die These, dass Zeit ein entscheidender Faktor ist, der für Bitcoin von Vorteil ist. Mit jedem Tag, den es existiert und sich beweist, wird es größer, einflussreicher und relevanter, weil die, die es aus Prinzip ablehnen oder nicht verstehen (wollen) immer weniger werden und an Einfluss verlieren. Wusste im Übrigen auch schon Douglas Adams:

douglas adams
Bonus: Warum es sinnvoll sein kann, in Bitcoin zu investieren

Und wem dieser Bericht noch nicht genug ist, der sollte auch noch den aktuellen Text The case for a small allocation to Bitcoin von Wences Cesares, CEO von Xapo lesen, der die Argumente liefert, warum die im obigen Bericht festgestellte Akkumulierung von Bitcoin eine Investment-Strategie darstellt, über die es sich nachzudenken lohnt.

Und damit schöne Ostern!

Neue Lightning-Podcasts

Ich durfte vergangene Woche mal wieder im Podcast von Payment and Banking zu Gast sein und dort einen thematischen Einstieg in das Lightning-Netzwerk geben.

Natürlich haben wir in der einen Stunde nur an der Oberfläche kratzen können, aber irgendwo muss man ja anfangen. Außerdem sollte man ja jede/n der rund 35.000 monatlichen HörernInnen auch inhaltlich mitnehmen.

Das Feedback für den Podcast war bisher recht positiv. Falls ich jedoch was Falsches erzählt habe, korrigiert mich bitte. Auch ich lerne gerne noch dazu.

Auch schön: Die Veröffentlichung des Podcasts fiel zeitlich so nah mit dem markanten Kurssprung zusammen, dass manch einer hier glatt einen direkten Zusammenhang erkannte.

Nächste Honigdachs-Folge zum Thema „Lightning-Kritik“

Und weil wir gerade so schön beim Thema sind: Auch in der kommenden Folge des Honigdachs-Podcasts wollen wir uns wieder mit Lightning beschäftigen. Dieses Mal (auf expliziten Wunsch) aber vor allem mit der (berechtigten) Kritik daran und welche Ideen bereits existieren, um die aktuellen Schwachstellen, Hürden und Probleme anzugehen. Oder eben auch nicht.

Falls ihr da thematisch etwas beisteuern wollt – Fragen, explizite Kritikpunkte etc. – kommentiert hier, schreibt eine Mail oder tweetet uns unter @HondigdachsPod an. Wir versuchen das dann aufzunehmen.

Der Bitcoin-Preis steigt, die Krypto-Kultur blüht

Dass der Bitcoin-Preis vor ein paar Tagen ordentlich in die Höhe ging, ist bekannt. Vielfach ist schon vom Ende des „Krypto-Winters“ zu lesen.

Was diese These in gewisser Weise unterstützt, aber erstens keine kausale Verbindung zum aktuellen Kurs-Boom hat und zweitens auch nur auf meiner rein subjektiven Beobachtung beruht: Auch die kreative Auseinandersetzung mit Bitcoin nimmt wieder zu.

Minecraft-Bitcoin-Kurs-Achterbahn

Zumindest stoße ich in letzter Zeit wieder häufiger auf entsprechende Links, Videos und Spielereien. Wie zum Beispiel diese historische Bitcoin-Kurs-Achterbahn, die @sqatch_crypto von November bis Dezember vergangenen Jahres in Minecraft nachgebaut hat und seitdem wöchentlich um eine Kurs-Candle erweitert.

https://twitter.com/squatch_crypto/status/1113608042061471744

Warum @sqatch_crypto das macht? Einfach so. Er/sie liebte nach eigenen Angaben schon früher Lego und baut nun eben mit digitalen Blöcken in Minecraft herum.

Krypto-Kultur wird zu eigener Gattung

Was dabei bemerkenswert ist: Es war das für die Bitcoin-Szene bereits ikonische Meme des Bitcoin Rollercoaster, das @sqatch_crypto für seine eigene Spielerei inspirierte.

Der Remix dieses bekannten Memes bedeutet wiederum, dass die kulturelle und memetische Auseinandersetzung mit Bitcoin mittlerweile eine Tiefe erreicht hat, in der die kreativen Einflüsse nicht mehr nur von außen kommen, sondern bereits die Reflexion und Neubearbeitung eigener originärer Bitcoin-Memes stattfindet. Bedeutet: Krypto-Kultur kann man längst schon als eigene subkulturelle Gattung bezeichnen.

Bitcoin and Friends – Die Serie

Ein anderes Beispiel für die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Bitcoin ist die Serie Bitcoin and Friends, eine amüsante Zeichtrickserie, in der Bitcoin und seine Freunde sich auf die abenteuerliche Suche nach dem Sinn der Existenz des namengebenden Hauptprotagonisten begeben.

Pal Fifty, Mitalik und andere sind (zumindest in dieser Serie) die Freunde von Bitcoin.

Die erste Folge steht bereits online und weitere sieben sind geplant. Voraussetzung für die Fortsetzung ist jedoch ein erfolgreiches Crowdfunding, das sich mit veranschlagten 5 Bitcoin pro Episode allerdings recht hohe Hürden setzt. Mal schauen, ob diese Summe bei dem weiter steigenden Kurs zusammenkommt. Vielleicht findet sich im nun vielfach heraufbeschworenen „Krypto-Frühling“ ja auch ein großzügiger Sponsor.

Blitz-Geburtstag – Ein Jahr Lightning-Netzwerk

Heute feiert das Lightning-Netzwerk ersten Geburtstag. Am 15. März 2018 veröffentlichte Lightning Labs die erste Beta ihrer LND-Software und das Lightning-Netzwerk wanderte damit vom Testnet ins Mainnet. Damit begann eine bemerkenswerte Entwicklung.

https://twitter.com/lightning/status/974299189076148224

Denn seitdem hat sich einiges getan. Das Lightning-Netzwerk umfasst mittlerweile zwischen knapp 4000 und gut 7000 Knoten (kann man in einem dezentralen Netzwerk nicht eindeutig feststellen) und mehr als 35.000 Kanäle. Zusammen haben die eine Kapazität von mehr als 800 Bitcoin, was derzeit einer Summe von gut drei Millionen US-Dollar entspricht.

Große Summe in kleinen Teilen

Das ist insofern eine bemerkenswerte Zahl, als dass die Kapazität für einzelne Transaktionen wegen des offiziell ja noch sehr experimentellen Status bislang künstlich auf 0,04 Bitcoin (rund 150 US-Dollar) beschränkt ist.

lightning nodes
Abbildung der Lightning-Netzwerks laut explorer.acinq.co

Darüber hinaus sind mit c-lightning (Blockstream) und eclair (Acinq) zwei weitere große Implementierungen hinzugekommen. Eine Vielzahl mobiler Wallets wurde entwickelt. Lightning-Hackdays fanden in Europa, Asien und Nordamerika statt. Auch akzeptieren längst schon die ersten Gastronomen, Händler und Automaten Lightning als Zahlungsmittel.

https://twitter.com/stefanwouldgo/status/1086205828825341952

Auch kommt immer mehr handliche und einsteigerfreundliche Lightning-Hardware auf den Markt und die Bitcoin-Community liebt es sowieso, in immer neuen spielerischen Experimenten die Möglichkeiten von freien, zensur- und manipulationsresistenten Instant-Nano-Payments auszuloten.

Auf der digitalen Web-Leinwand satoshis.place bezahlt man für jedes Pixel, das man gestalten möchte einen Satoshi (0,00000001 Bitcoin) per Lightning. (Screenshot vom 15.3.2019)

So wanderte die Lightning-Torch beispielsweise zuletzt von den USA in den Iran und von dort weiter nach Israel, um später über Afrika und schließlich sogar trotz Stromausfalls nach Venezuela zu gelangen.

Mitunter ist es bei all diesen Entwicklungen schwer, überhaupt auf dem Laufenden zu bleiben und zu dokumentieren, wie schnell sich das Lightning-Netzwerk weiterentwickelt. Da passt es ganz gut, dass dieser Tage zufälligerweise ein Artikel, den ich bereits vor einem knappen halben Jahr für das t3n-Printmagazin über Lightning geschrieben habe, nun endlich auch online zu lesen ist. Damals lag die Zahl der Kanäle nämlich noch bei „nur“ 12.000.

Ansonsten ist der Artikel aber noch immer aktuell, wenn man sich mal ein bisschen in die Thematik einlesen will. Wer tiefer in Lightning eintauchen will, findet hier die wahrscheinlich beste und umfassendste Ressourcen-Sammlung.

Alles neu, aufregend und experimentell, aber …

Natürlich muss man für einen journalistisch ausgewogenen Artikel nach all den positiven Nachrichten auch noch darauf hinweisen, dass Lightning trotz all der positiven Entwicklungen noch immer extrem experimentell ist und es sowohl auf technischer als auch auf konzeptioneller Ebene berechtigten Gründe für Kritik gibt.

Auf die gehe jetzt hier aber nicht im einzelnen ein, sondern belasse es bei dem Fazit, dass das Lightning-Netzwerk trotz aller Fortschritte noch immer weit von einer Massentauglichkeit entfernt ist. Das ist allen ernsthaft Beteiligten aber bewusst. Außerdem läuft das Ganze ja auch erst seit einem Jahr.

Gemessen an dem, was in dieser Zeit schon erreicht wurde und was sich aktuell noch in der Entwicklungs-Pipeline befindet, dürfen wir für das nächste Jahr aber sehr gespannt sein. Langweilig oder ereignisarm wird es in jedem Fall nicht.

Bleibt abschließend nur die Frage, ob Lightning Labs vor einem Jahr das Veröffentlichungsdatum eigentlich zufällig auf die Iden des März gelegt haben oder ob sie absichtlich Raum für Interpretationen lassen wollten. Immerhin könnte man das Lightning-Release am Jahrestag des wohl berühmtesten Tyrannenmords der Geschichte ja durchaus symbolisch sehen. Es wäre zumindest nicht die erste „versteckte“ Botschaft in Bitcoin und Lightning.

Das Coinbase-(Kommunikations)-Disaster

Coinbase, ist eines der größten, bekanntesten und ältesten Unternehmen des Bitcoin-Ökosystems und hat einen nicht zu vernachlässigenden Anteil daran, dass Bitcoin heute so groß ist, wie es ist. Für viele Menschen weltweit war und ist der US-amerikanische Krypto-Handelsplatz die erste Wahl und bequemste Möglichkeit, ein paar Bitcoins oder mittlerweile auch andere Kryptowährungen zu kaufen, zu handeln oder einfach nur zu halten.

Trotzdem schafft es kaum ein anderes Unternehmen in regelmäßigen Abständen die Bitcoin-Community so sehr gegen sich aufzubringen wie Coinbase. Das liegt zum einen an vielen irritierenden Entscheidungen des Unternehmens. Viel mehr aber an einer seit Jahren vollkommen misslungenen Kommunikationsstrategie. Beides zusammen führt aktuell dazu, dass immer mehr Bitcoiner Coinbase den Rücken kehren.

Seit Langem immer wieder Fehltritte

Dabei kriselt es zwischen Coinbase und der Bitcoin-Community
schon seit Jahren. Im sich zuspitzenden Streit um die Skalierung von Bitcoin war Coinbase 2017 lange ein prominenter Verfechter des Segwit2X-Ansatzes. Des von der Community verhassten Kompromisses, der die damals konkurrierenden Forderungen einer Aktivierung von SegWit und der Verdoppelung der Blockgröße auf 2 MB pragmatisch unter einen Hut bringen sollte.

Eine Lösung, die für viele in der Community jedoch den faden Beigeschmack einer von einer sich selbst als Elite sehenden Business- und Miner-Interessengemeinschaft in Hinterzimmern ausgeklüngelten Mauschelei hatte und den offenen Standards und Entscheidungsstrukturen von Bitcoin entgegenstand. Die Community setzte sich schließlich gegen Coinbase & Co durch. Segwit2X wurde nie umgesetzt.

Irritierende Entscheidungen über Kundenassets

Zuvor hatte das Unternehmen aber auch im Zuge der Bitcoin Cash-Fork bereits für großen Unmut gesorgt, als es sich sehr lange bedeckt hielt, ob die Kunden für ihre von Coinbase verwalteten Bitcoins überhaupt Zugriff auf die entsprechend geforkten Bitcoin Cash bekommen würden. Schließlich entschied man sich bei Coinbase zwar dazu, den Zugriff zu ermöglichen, doch setzte man sich selbst dafür eine unverbindliche Frist von fünf(!) Monaten. Eine Zeitspanne, die viele Nutzer als Frechheit empfanden. Kaum ein anderer Anbieter – selbst die mit bedeutend weniger Kapital und Manpower – verwehrte seinen Nutzern so lange grundlos den Zugriff auf die eigenen Bitcoin Cash.

Zum Vergleich: Wer seine Bitcoins damals auf einer Hardware-Wallet wie dem Ledger oder dem Trezor hatte, der konnte seine Bitcoin Cash quasi sofort splitten und verkaufen. Beide Anbieter waren technisch extrem schnell und gut vorbereitet. Warum Coinbase als große, erfahrene und finanzkräftige Bitcoin-Institution dazu damals nicht in der Lage war, bleibt bis heute ein Rätsel.

Nur kurze Momente der Entspannung

Spätestens seitdem war das Verhältnis zwischen Coinbase und der Bitcoin-Community angespannt. Immerhin gab es zwischenzeitlich auch wieder Annäherungen. Zum Beispiel als Coinbase ein unmoralisches Angebot von Ripple ablehnte. Das Unternehmen, dass die Kontrolle und den Großteil aller XRP besitzt, wollte Berichten zufolge mit einem großzügigen „Darlehen“ in dreistelliger Millionenhöhe ihre vermeintlichen „Kryptowährung“ auf die Handelplattform von Coinbase hieven.

Die Bitcoin Community würdigte damals die Ablehnung des Angebots durch Coinbase als integere Haltung und Signal, dass man Geld und schnellen Profit nicht über gemeinschaftliche Grundwerte stelle.

Heute so, morgen so

Umso irritierter war daher nun die Reaktion als Coinbase vor Kurzem bekannt gab, nun doch auch XRP ins Handelsportfolio aufzunehmen. Verbunden mit der berechtigten Frage, woher denn der plötzliche Sinneswandel kommt und warum man diesen zentralisierten Privatfirmen-Coin (der für seine berüchtigte Troll-Army auf Twitter bekannt ist, die ihre Kritiker sogar bedroht) nun kostenlos listet, wenn man vor einiger Zeit noch sehr viel Geld dafür hätte nehmen können?

Womit aber nicht gesagt ist, dass wirklich niemand von der Aufnahme von XRP ins Coinbase-Portfolio profitiert hat. Zumindest einige Händler, die das bemerkenswerte Glück hatten, mit perfektem Timing auf Rippels XRP zu setzen, haben offensichtlich einen ganz ordentlichen Reibach gemacht. Ein Schelm wer „Insiderhandel“ dabei denkt.

https://twitter.com/Crypto_Bitlord/status/1100097740531326982
Vom Ripple-Regen in die Neutrino-Traufe

Doch damit nicht genug der Fettnäpfe. Denn kurze Zeit später kaufte Coinbase eine Firma namens Neutrino und fährt damit den Kommunikationskarren so richtig in den Dreck. Eigentlich und offiziell will Coinbase durch den Zukauf ja nur den internen Bereich Blockchain-Analyse stärken. Das sei notwendig, um den geltenden Anti-Geldwäsche- und Kundenidentifikations-Regelungen gerecht zu werden.

Blöd nur, dass sich aber bald herausstellt, dass einige der Mitarbeiter von Neutrino zuvor Teil von Hacking Team waren, einer italienischen Firma mit mittlerweile komplett ruiniertem Ruf, weil sie Überwachungssoftware u.a. an autoritäre und repressive Regime lieferte, sich dabei aber nicht einmal selbst vor einem umfassenden Hack schützen konnte.

Reumütig gesteht Coinbase zwar mittlerweile ein, dass sie im Vorfeld der Übernahme nur schlampig geprüft hätten, wen sie sich da ins Nest holen und mittlerweile steht fest, dass alle Neutrino-Mitarbeiter mit Hacking Team-Vergangenheit das Unternehmen verlassen müssen, doch ist damit das Kind längst schon in den Brunnen gefallen.

Coinbase-Kundendaten wurden heimlich weiterverkauft

Denn die Coinbase-Verkaufchefin hat in einem Interview ganz nebenbei erklärt, dass Neutrino u.a. deswegen gekauft wurde, weil die bisherigen Blockchain-Analyse-Dienstleister die Coinbase-Kundendaten an Dritte weiterverkauft hätten. Ein Vorgang, über den aber bisher weder die Kunden noch irgendjemand anderes informiert worden zu sein scheint.

Was in der Community natürlich erneut für Wut und Unverständnis sorgt und zwei drängende Fragen aufwirft. Was liegt bei Coinbase eigentlich noch alles im Argen und haben Sie tatsächlich niemanden, der sich in dem Laden um eine anständige Kommunikation kümmern kann?

Selbstdemontage ohne Not

Denn nicht nur eine ganze Reihe zweifelhafter Entscheidungen, sondern vor allem das Fehlen einer echten Kommunikationsstrategie haben in den vergangenen Jahren ordentlich am Ruf von Coinbase gekratzt.

Aktuell demontiert sich das Unternehmen dabei selbst und das eigentlich vollkommen ohne Not.

#DeleteCoinbase

Für viele Bitcoiner sind die Ripple/Neutrino-Ereignisse nun jedenfalls der Tropfen, der das Coinbase-Fass zum Überlaufen bringt. Unter dem Hashtag #DeleteCoinbase koordinieren und befeuern sie den gemeinsamen Exodus von der Plattform.

https://twitter.com/OwenKeys/status/1101510383251132416

Doch scheint nicht einmal das Kündigen des Accounts bei Coinbase derzeit ohne Probleme möglich zu sein. So können Accounts nicht geschlossen werden, die noch über Guthaben verfügen. Liegt dieses Guthaben jedoch unterhalb des Mindestauszahlungsbetrags, kann es faktisch gar nicht mehr abgehoben werden. Eine klassische „Hotel California“-Situation: „You can check out any time you like, but you can never leave.“

https://twitter.com/udiWertheimer/status/1100864154443776000

Doch gelten Bitcoiner ja gemeinhin als erfinderisch und kommunikativ. Mit der #DeleteCoinbaseTrustChain akkumulieren bei Coinbase „gefangene“ Bitcoiner daher nun gemeinsam ihre Rest-Satoshis und löschen dann ihre Accounts.

Doch auch wenn #DeleteCoinbase erst einmal wohl nicht in den Ruin treiben wird – dazu ist es zu groß und für viele Nutzer zu bequem – sollte das Unternehmen die wachsende Kritik ernst nehmen. Ein Unternehmen, dass im Bitcoin-Ökosystem erfolgreich sein will, braucht zwar nicht zwingend auch eine gute Beziehung zur Bitcoin-Community. Ein Unternehmen aber, das wegen schlechter Entscheidungen und schlechter Kommunikation das Vertrauen der Bitcoin-Community verliert, wird es auf lange Sicht sehr schwer haben.

Financial Fackellauf im Lightning-Netzwerk

Man muss schon unter einem Stein gelebt haben, wenn man in den vergangenen Wochen nichts von der Lightning Network Trust Chain gehört hat. Kaum ein anderes Thema begeistert und elektrisiert die Bitcoin-Community derzeit mehr. Aus guten Gründen.

Das erste originäre Lightning-Experiment

Zum einen handelt es sich hierbei um das erste originäre Lightning-Experiment, das ein selbstverstärkendes Momentum erreicht hat aka „viral“ geht. Zwar gab es zuvor schon einige interessante Experimente mit Lightning. Aber weder sind Auktionen etwas gänzlich Neues (auch wenn sie im Millionstel Centbereich stattfinden), noch Spiele, in denen Nano-Transaktionen Interaktionen auslösen und auch satoshis.place ist zwar eine höchst kreative Pixel-Spielwiese, aber letztlich doch auch nur eine angepasste Umsetzung eines vormaligen Reddit-Experiments.

Bei der Trust Chain ist das anders. Dieser Payment-Staffellauf ist vollkommen neuartig und wäre ohne das Lightning-Netzwerk (als Payment-Infrastruktur) und Twitter (als kollektives Kommunikationsmedium) zuvor nicht möglich gewesen.

Höher, weiter, exotischer, prominenter

Darüber hinaus hat die Trust Chain mittlerweile auch schon die Bitcoin- und Lightning-Nerd-Nische verlassen und zieht durch immer neue Besonderheiten und „Rekorde“ das Interesse einer wachsende Öffentlichkeit auf sich. Die Trust Chain wird immer länger, die Teilnehmer des Experiments prominenter und die Umstände, unter denen es weitergeht immer ausgefallener. Doch was ist es denn eigentlich, was das Lightning Network Trust Chain-Experiment so besonders macht?

https://twitter.com/hodlonaut/status/1086703428791865345
Am Anfang war ein Tweet

Alles begann Mitte Januar mit einem Tweet von @hodlonaut in dem diese/r ankündigte eine Zahlung von 100.000 Satoshi (0,001 Bitcoin, gut 3 Euro) über das Lightning-Netzwerk zu schicken. Der Empfänger solle dann seinerseits noch einmal 10.000 Satoshi draufpacken und die Summe an jemand anderes weiterleiten, der dann ebenfalls noch einmal 10.000 Satoshi draufpackt, das Paket weiterreicht und so weiter. Bis die Kette irgendwann einmal abbricht (und man idealerweise etwas daraus lernen kann).

Eigentlich ein ganz einfaches Prinzip und lange lief dieses Experiment selbst unter dem Radar der meisten Bitcoiner. Doch begann die Trust Chain irgendwann eine wachsende Eigendynamik zu entwickeln.

Denn mit der Anzahl der Teilnehmer stieg auch der Wert der „Fackel“, die unter den Augen der Community immer weiter durchs Netzwerk wanderte. Und damit auch die Neugier, zu sehen, wann und wie dieses Experiment scheitert, weil die Technik versagt oder jemand ausschert und den wandernden Honeypot einfach für sich behält.

https://twitter.com/hodlonaut/status/1091067464560066566

Doch obwohl es zwischenzeitlich schon danach aussah. Bislang wächst die Trust Chain immer weiter und mit ihr der Betrag, der mitwandert.

Die Welt ist nicht genug

Fast 190 Mal wurde die Payment-Fackel dabei schon durch das Netzwerk gereicht und durchquerte dabei rund 40 Länder auf sechs Kontinenten. Ob man zusätzlich auch die Antarktis auf der Reiseroute der Trust Chain abhaken kann, bleibt jedoch umstritten. Zumindest stand aber einer der beteiligten Netzwerkknoten auf einem Stein, der vor nicht allzu langer Zeit noch in der Antarktis lag.

Das allein zeigt aber: An Enthusiasmus und Begeisterungsfähigkeit mangelt es den Teilnehmern des Trust Chain-Experiments nicht.

… wo keine Transaktion jemals zuvor gewesen ist.

Was auch die Suche und Umsetzung immer neuer Herausforderungen zeigt. Denn Geld mit Hilfe des Internets einfach nur schnell, billig, unzensierbar und nicht manipulierbar von A nach B senden, ist ja zu einfach.

Zwischenzeitlich verließ die Trust Chain daher sogar die Erde und sogar das Internet. Dabei erreichte und verließ eine Transaktion einen Flieger über dem Atlantik und die „Fackel“ wurde mittlerweile sogar per Satellit übertragen.

Wobei einigen Bitcoinern aber auch das noch nicht genug ist. So kursiert bereits die Idee, eine Transaktionen zum Mond und zurück zu schicken.

https://twitter.com/eriklaan/status/1094977836732035072

Sollte das gelingen, wäre das natürlich eine außergewöhnliche Demonstration und bestes Guerilla-Marketing. Wobei die Trust Chain aber auch so in den Fokus einer immer größeren Öffentlichkeit rückt.

Prominente Lightning-Mitstreiter

Für einen ganz besonderen Aufmerksamkeitsschub hat dabei Hop #151 gesorgt. Mit diesem landete die Trust Chain nämlich bei Jack Dorsey, dem CEO von Twitter

https://twitter.com/jack/status/1092892320842706944

Das kam nicht sonderlich überraschend. Denn zum einen ist „Bitcoin-Twitter“ ohnehin eine der zentralen Kommunikations-Plattformen der Community und zum anderen ist Jack Dorsey auch noch CEO von Square, über deren Cash-App die Nutzer schon seit mehr als einem Jahr Bitcoins kaufen können.

Was viele jedoch überraschte war, wie offen positiv Jack Dorsey Position zu Bitcoin zu bezog. Und zwar nur zu Bitcoin, da er offensichtlich kaum Interesse an Altcoins, irgendwelchen Token oder sonstigen „Blockchain“-Projekten zu haben scheint.

Ein Standpunkt, der von der Bitcoin-Community natürlich dankbar aufgenommen und gefeiert wurde. Erst recht da Jack Dorsey mittlerweile auch ankündigte, Lightning in die Cash-App integrieren zu wollen.

Wobei das letztlich weniger überrascht, wenn man berücksichtigt, dass er auch Investor von Lightning Labs ist, einer der Firmen, die die Umsetzung des Lightning-Networks maßgeblich mit vorantreiben.

Die Schattenseiten der Fackel

Wie jedes soziale Experiment das lange genug läuft oder eine hinreichende Größe erreicht, zeigt aber auch die Trust Chain, dass sie nicht nur aus positiven Aspekten besteht. Immerhin wurde die „Fackel“ nicht immer sofort und freiwillig weitergereicht, sondern mitunter erst auf sozialen Druck der Community. Das kann man gut finden oder nicht.

Aktuell regt sich aber vor allem Unmut darüber, dass die Trust Chain im Wert von aktuell rund 100 Euro in den Händen sogenannter Shitcoiner liegt, die eigentlich nicht zum Kern der Lightning-Community gehören und die Aufmerksamkeit, die ihnen dadurch nun zu Teil wird, für ihre Shitcoin-Projekte missbrauchen.

Aber auch hier kann man über Pro und Contra streiten.

Noch ist das Experiment nicht vorbei

Wer sich nun aber selbst ein Bild vom Fortgang des Lightning Network Trust Chain-Experiments machen will, der findet gesammelte Infos auf takethetorch.online und Aktuelles auf Twitter unter dem Hashtag #LNtrustchain.

Ist die Blockchain nur ein Abfallprodukt?

Der israelische Bitcoin-Entwickler Udi Wertheimer hat kürzlich auf Twitter eine durchaus provokante These über Blockchains veröffentlicht: Dass eine Blockchain nämlich keineswegs etwas sei, was man haben möchte, geschweige denn in irgendeiner Weise promoten sollte. Die Blockchain sei vielmehr ein Abfallprodukt und notwendiges Übel, um zu erreichen, was man eigentlich haben möchte: eine Konsensentscheidung, wem welches Guthaben gehört.

Das ist eine ungewöhnliche Position, die selbst für Bitcoiner durchaus herausfordernd sein kann und doch lohnt es sich, das Thema „Blockchain“ auch von diesem Standpunkt zu betrachten.

Kritik an der Blockchain ist berechtigt

Nehmen wir zum Beispiel die vielfach geäußerte Kritik, dass Bitcoin so enorm viel Energie verbrauche. Diese Kritik ist ja durchaus begründet. Das Bitcoin-Netzwerk benötigt nun einmal sehr viel Strom zur Absicherung seiner Integrität. Doch geht es in diesem Fall eben nicht anders.

Genau das ist aber der Punkt. Eben weil es so aufwändig ist, eine sichere Blockchain zu etablieren, sollte man um jeden Preis vermeiden, eine Blockchain einzusetzen, wenn dies nicht unbedingt nötig ist. Für rein digitales, zensur- und manipulationssicheres Geld (Bitcoin) gibt es nun einmal (bislang) keine andere Lösung. Für alle anderen bisher propagierten „… but with Blockchain!“-Lösungen in der Regel aber schon.

Neue Sichtweisen sind gut für den Diskurs

Wie herausfordernd (im positiven Sinne) diese unkonventionelle Sichtweise auf Blockchains sein kann, sieht man auch am weiteren Verlauf der durch die These ausgelösten Diskussion. Den vorgebrachten Pro-Blockchain-Argumenten, begegnet Wertheimer nämlich mit guten Gegenargumenten.

Wie zum Beispiel die oftmals so positiv beworbene Unveränderlichkeit, die letztlich jedoch gar kein immanentes Feature einer Blockchain ist, sondern die sich aus dem bereits kritisierten hohen Energieverbrauch, der hinreichenden Größe eines dezentralisierten Netzwerks und aus diversen anderen Faktoren ergibt. Im besten Fall.

Aufgrund dieser vielen unterschiedlichen Faktoren, die in ihrer Gesamtheit die positiven und negativen Eigenschaften einer Blockchain beeinflussen, gleichzeitig in Summe aber nur schwer zu kontrollieren sind, könne man eine Blockchain daher auch nicht als eine Form von Produkt sehen. Sondern nur als Nebenprodukt.

Dass die historisch in einer Blockchain abgelegten Daten trotzdem einen bestimmten Nutzen haben können, ist dabei aber tatsächlich ein Punkt, über den man noch länger diskutieren könnte.

Für den aktuellen Stand, wem welcher Bitcoin gehört, ist das stetig wachsende Archiv an Provenienz-Daten jedoch kaum relevant. Unter Privatsphäre-Aspekten wäre es sogar von Vorteil, wenn die Transaktionshistorie jedes einzelnen Bitcoin nicht dauerhaft und offen gespeichert wäre. Allerdings würde man damit eben auch die Option verlieren, zusätzliche Daten per Time-Stamping in der Blockchain zu verankern. Ist es das wert?

Doch genau um solche Denk- und Diskussionsanstöße geht es hier ja. Dass „Blockchain“ kein Zauberallheilmittel ist, ist mittlerweile bekannt. Dass es vielleicht noch viel weniger, nämlich nur ein Abfallprodukt ist, ist (noch) eine provokante und unpopuläre Definition. Trotzdem ist an dieser These etwas dran.

Vor allem, wenn Udi Wertheimer für die Begründung so plastische Analogien verwendet wie diese:

Bild: Toxic (CC BY 2.0)

Blockchain & Kultur – Neue Podcast-Serie im DLF

Der Deutschlandfunk hat dieser Tage unter dem Titel Blockchain Stories eine achtteilige Radio- und Podcast-Serie online gestellt. Das Besondere dabei: Alle Beiträge sind von der Kultursendung Corso verantwortet, was dem Thema einen erfrischenden Blickwinkel verleiht.

„Blockchain“ aus der Kulturperspektive

So geht es neben einem obligatorischem Blockchain-Grundlagen-Beitrag und einem über Bitcoin als Geld der Zukunft (das Stück habe ich gemacht) auch noch einmal konkret um die Aspekte Klima, Patente, Musik, Gaming und Politik.

Wobei insbesondere über letztere Folge noch zu reden sein wird. Der interviewte Medienwissenschaftler David Golumbia vertritt nämlich ein paar sehr kontroverse und irritierende (Verschwörungs-)Theorien. Aber dazu dann mehr in der nächsten Honigdachs-Podcast-Folge.

Solide, aber nicht ganz auf der Höhe der Zeit

Insgesamt sind alle Beiträge solide und ich finde es gut, dass sich die Redaktion für das Thema „Blockchain“ ein paar neue Blickwinkel hat einfallen lassen. Warum nicht mal eine Ethereum-Mine anstelle einer Bitcoin-Mine besuchen und über Gaming und die Blockchain wurde bisher ja auch noch nirgends so prominent gesprochen.

Dennoch gibt es auch Kritik. Einige Beiträge wirken nämlich nicht ganz aktuell. So ist ja nicht erst seit gestern klar, dass es grundsätzlich keine gute Idee ist, komplexe digitale Spiele dezentral auf einer Blockchain laufen zu lassen. (Weil es zum einen keine Blockchain gibt, die das technisch leisten könnte und es zum anderen auch keinen guten Grund gibt, Spiele nicht mehr, wie bisher, zentral zu verwalten.) Warum also noch so ausführlich darüber reden, wenn es doch eigentlich um die „Zukunft des Zocken“ gehen soll?

Das hätte man schneller abhaken und zum tatsächlich interessanteren Ausblick in die Zukunft kommen können. Diesen jedoch aus dem schon vor langer Zeit verblühten Hype um tokenisierte Collectibles wie Crypto Kitties abzuleiten, wirkt etwas aus der Zeit gefallen. Nach bald anderthalb Jahren ist dieses Thema in Krypto-Jahren schon fast als historisch zu betrachten. Ein daraus abgeleiteter Blick in die Zukunft entsprechend retro-futuristisch.

Ein Beitrag auf der Trend- und technischen Höhe der Zeit hätte sich dagegen auch mit den Möglichkeiten und Konsequenzen von Lightning-basierten Micro- und Nanopayments (alles kleiner 1 Cent) auf Gaming beschäftigt. Dieser Aspekt fehlt jedoch leider ganz.

Zwischen Krypto-Historie und Realitäts-Futurismus

Nichtsdestotrotz ist das aber Kritik auf hohem Niveau. Denn was für jemanden, der sich selbst bereits intensiv mit der Materie auseinandersetzt, bereits krypto-historisch ist, kann für den prototypischen Deutschlandfunk-Kulturmagazin-Hörer trotzdem futuristisch (genug) sein. Insofern überwiegt die Tatsache, dass Bitcoin und seine Auswirkungen überhaupt und immer mehr als gesellschaftsrelevantes Kulturthema wahrgenommen und diskutiert wird, die Kritik deutlich.

Zumal die einzelnen Stücke auch wirklich schön anzuhören sind. (Vom Golumbia-Interview mal abgesehen, das ohne den Kontext seines Buches wie das Dümmste wirkt, was jemals über Bitcoin gesagt wurde.)

Die acht Beiträge sind im Einzelnen:

#1 Blockchain für Dummies erklärt
Wohl kaum ein anderes Phänomen wird in der Netzkultur so stark diskutiert wie die Blockchain. Ein Heilsbringer soll sie sein, der die Macht hat, das Internet zu verändern und viele Probleme der Zukunft zu lösen. Wie sie funktioniert, wissen aber nur die wenigsten. Ein Erklärungsversuch.

#2 Bitcoin = digitale Währung der Zukunft
Obwohl es Bitcoin schon seit zehn Jahren gibt, hat noch kaum jemand dieses digitale Bargeld so richtig verstanden. Trotzdem wächst das Phänomen beständig. Warum eigentlich?

#3 Besuch einer Ethereum-Mine
Bis vor Kurzem konnte man mit Kryptowährungen ziemlich schnell Millionär werden. Wertverlust hin oder her: Das digitale Geld wird immer noch in sogenannten Kryptominen geschürft. Das gilt auch für Ethereum, das mehr Einsatzmöglichkeiten bietet. Einblicke in eine Parallelwelt aus Strom und Kabeln.

#4 Die Politik der Bitcoin
Die Blockchain gilt als fortschrittliche Erfindung. Die Attraktivität dieser neuen Technologie bringt allerdings politische Gefahren mit sich. Sie sei effektiver in der Verbreitung von Ideologie als alles andere, sagte Medienwissenschaftler David Golumbia im Dlf.

#5 Digital und dreckig
Der Hype um den Bitcoin hat zu einem digitalen Goldrausch geführt. Aber das Schürfen der Kryptowährung verschlingt enorme Mengen Energie. Mittlerweile dürfte ein Teil der Klimaerwärmung aufs Konto des Bitcoin gehen. Eine umweltfreundliche Nutzung der Technologie scheint dennoch möglich.

#6 Revolution des Patentrechts?
Seit der Erfindung des Papiers werden wichtige Dokumente mit einem Stempel verifiziert. Heutzutage versehen Computer Dateien mit einem Zeitstempel. Die Blockchain könnte dieses Verfahren vereinfachen und sicherer machen – für Musiker und andere Kreative. Steht eine Revolution des Patentrechts bevor?

#7 Die Zukunft der Musik
Eine Revolution der Musikwelt steht bevor: Dank der Blockchain wird es Musikern durch innovative Geschäftsmodelle angeblich bald möglich sein, digitale Welten mit ihren eigenen Regeln zu erschaffen. Darin läge das Potential, sich neu zu erfinden, sagte Medienkünstler Mathew Dryhurst im Dlf.

#8 Computerspiele neu gedacht
Blockchain in Computerspielen – dort würde man die Technologie nicht vermuten. Diese Gamedesignerszene ist zwar überschaubar, will die digitale Spielewelt aber mit neuen Ideen bereichern: So könnten die Nutzer virtuelle Welten mit eigenen Entwürfen erweitern. Ein Blick in die Zukunft des Zockens.

Bitcoin explained, 698 BC

Schönes Fundstück für den entspannten Wochenstart: Bitcoin explained. Oder wie es in der Beschreibung heißt: „We all have a crypto-friend who sounds like this guy. Gold back in 698 BC was no different…“

Meine Lieblingsstellen: „I tell you what a finite resource is – my fucking patience“ und „It’s silver or as I like to call it: Lite Gold Cash!“

Und selbstverständlich muss man sich dann auch noch das Sequel anschauen. Made my day!

Bitcoin- und Blockchain-Presseschau #97

Neues Jahr, Zeit mal wieder eine Bitcoin-Presseschau zu schreiben. Dieses Mal dreht sich alles um das 10-Jährige von Bitcoin, Rückblicke und den aktuellen Status Quo. Wie immer habe ich nur Artikel rausgesucht, die den Klick auch wirklich wert sind.


Why Bitcoin Matters for FreedomTime Magazine

Auf diesen Text von Alex Gladstein hatten wir schon im letzten Honigdachs-Podcast hingewiesen. Nichtsdestotrotz gehört er auch in diese Presseschau, denn er behandelt die wichtige Frage, warum es gut ist, dass Bitcoin da ist.


Happy 10th birthday, bitcoin. It’s amazing you still existThe Guardian

Ein erfrischendes Meinungsstück von Tibor Fischer über den aktuellen Stand von Bitcoin, in dem er kein Blatt vor den Mund nimmt und beiden Seiten, Bitcoin-Befürwortern und Bitcoin-Gegnern, gleichermaßen den Kopf wäscht.


Bitcoin By the Numbers: 2018 Recap – Jameson Lopp

Jameson Lopp fasst das Bitcoin-Jahr 2018 noch einmal in einer Vielzahl Zahlen und Statistiken zusammen. Denn: „… by using a diversity of metrics and sources we can get a better rough idea of what’s going on.“ Fazit: „Yes, Bitcoin fared poorly in terms of exchange rate in 2018. But by almost any other metric the system is improving and growing.

So ist bspw. die Zahl der Abonnenten des Bitcoin-Subreddits r/bitcoin vergangenes Jahr um 61 Prozent gestiegen und auch die Zahl wissenschaftliche Veröffentlichung mit Bezug zu Bitcoin wächst weiter beständig (2014: mehr als 14.000).

Ansonsten gingen die Gebühren für On-Chain-Transaktionen stark runter, Bitcoin-Adressen werden häufiger wiederverwendet (was man eigentlich nicht machen sollte) und die Verankerung von zusätzlichen Daten in der Bitcoin-Blockchain (OP_RETURN-Outputs) steigt seit Jahren immer rasanter.

Das Lightning-Netzwerk wächst ebenso rasant, doch geht offensichtlich die Zahl der Bitcoin-Knoten signifikant zurück. Um ein Drittel ist sie 2018 auf rund 65.000 gefallen. Interessant dabei: Hier in Deutschland zeigt der Trend offensichtlich in die andere Richtung.


Fifteen dead cryptocurrency predictions, twelve months onNic Carter

Nic Carter hat am 1. Januar 2018 einen Hash getweetet, der für 15 Kryptowährungen stand, von denen er ausging, dass sie binnen eines Jahres tot seien (mehr als 95 Prozent Wertverlust, keine technische Weiterentwicklung).

Nun hat er aufgelöst, auf welche Coins er sich damals festlegte (u.a. IOTA, Bitcoin Gold, Tether, Augur und Dash), wie deren Performance tatsächlich war und was wir daraus lernen können. Vor allem ein Schluss ist beachtenswert: Shitcoins zu durchleuchten ist unverhältnismäßig aufwendig, denn es gibt keinerlei Entlohnung. Deswegen macht es auch kaum einer. Sehr lesenswerte Analyse!


Bitcoin at 10Coindesk

Weil ja derzeit immer irgendetwas an Bitcoin zehn Jahre alt wird (Whitepaper, Genesis-Block, erster zweiter Fullnode, erste Transaktion etc.), hat jetzt auch Coindesk eine „10 Jahre Bitcoin“-Sonderseite mit allerlei Geschichten und Fundstücken veröffentlicht.

Hodl – Wahrscheinlich DAS Bitcoin-Meme überhaupt.

Nicht alles ist hier Klick wirklich wert, aber dass sie den original HODL-Meme-Creator aufgespürt und ihn dazu gebracht haben, vor laufender Kamera noch einmal betrunken seinen legendären Hodl-Post von damals vorzulesen (betrunken!), hat schon was. (Das Video ist ansonsten ziemlich fade, daher am besten direkt zu Minute 5:53 springen).


Das war’s für diese Presseschau. Wer mag hinterlässt ein paar Satoshis.