Archiv der Kategorie: Bitcoin

Bitcoin, Strom & viele, viele Missverständnisse

In dieser Woche sind gleich zwei Beiträge erschienen, die sich kritisch mit dem Stromverbrauch von Bitcoin auseinandersetzen.

Dass kritisch in diesem Zusammenhang extra betont werden muss, ist bedauerlich, aber leider notwendig. Denn bisher wimmelt es beim Thema „Bitcoin & Strom“ im Netz ja eher von einseitigen, schlecht recherchierten und eher auf empörte Emotionen zielenden Berichten, die vielleicht für ’nen schnellen Klick gut sind, für mehr aber mehr eben auch nicht. Der allgemeine Erkenntnisgewinn ist jedenfalls bislang ungefähr dieser: „Oh nein, Bitcoin verbraucht voll viel Strom! Wir werden alle sterben!“

 

Nun ist das zugegeben aber auch echt kein ganz leichtes Thema und auch ich habe lange überlegt, wie sich die Zusammenhänge sinnvoll und verständlich beschreiben lassen. Am Ende ist es aber doch ganz gut geworden, auch wenn ich schließlich aus Platzgründen ca. 90 Prozent der Aspekte und Argumente weglassen musste, die ich zwischenzeitlich gesammelt hatte.

Zeit Online – Bitcoin. Der verkannte Stromfresser

Ja, Bitcoin benötigen sehr viel Energie. Nein, deshalb fangen die Meere nicht an zu kochen. Der Stromverbrauch ist ein Problem, aber nicht das Ende von Kryptowährungen.

Umso besser ist es daher, dass nahezu zeitgleich, aber in einem anderen Medium, der Beitrag meines guten Freundes und Journalisten-Kollegen Jochen Dreier erschienen ist.

Vorab hatten wir uns zwar über das Thema ausgetauscht und bestimmte Aspekte diskutiert, sind dann aber bei der Recherche und Umsetzung komplett eigene Wege gegangen. Dementsprechend haben beide Beiträge nun auch leicht unterschiedliche Schwerpunkte.

Deutschlandfunk Kultur – Diskussion um Bitcoin – Digitalwährung als Klimakiller 

Mit dem Höhenflug von Bitcoin hat auch eine Debatte über den Energieverbrauch der Kryptowährung eingesetzt: Bitcoin sei ein monströser Energiefresser. Der Energieverbrauch sei so hoch wie der von Dänemark. Wie seriös sind die Berechnungen und Vergleiche?

Für den größtmöglichen Erkenntnisgewinn empfehle ich daher einfach beide Beiträge zu lesen bzw. hören.

Bild: lightning (CC-BY 2.0)

Bitcoin im Mainstream (Japan Edition) und was das bedeutet

Gestern ging es hier noch um das Beispiel Hip Hop und Rap, an dem sich erkennen lässt, wie Bitcoin in Deutschland (und den USA) über die künstlerische Auseinandersetzung damit immer mehr in den Alltag und die Wahrnehmung der Gesellschaft getragen wird.

Verschiedene Kulturkreise nehmen Bitcoin unterschiedlich an

In Japan passiert das genauso. Nur zeigt sich das gleiche Phänomen dort eben in einem anderen Erscheinungsbild – orientiert an den dortigen kulturellen Gewohnheiten. Da rappen dann eben nicht Sido, Savas und Co. von Kryptowährungen, sondern es singen und tanzen die Virtual Currency Girls. (Wobei der Unterschied in dem Fall vielleicht doch nicht ganz so groß ist, Sido trug ja mal eine ähnliche Maske.)

Interessant an dieser Gegenüberstellung ist nun aber nicht allein die Beobachtung, wie verschiedene Kulturkreise unterschiedlich mit Bitcoin umgehen, sondern dass sie es können und auch machen. Denn es verdeutlicht zwei charakteristische Eigenschaften des Phänomens Bitcoin: die Unverbindlichkeit und die Interpretationsfreiheit.

Mit Unverbindlichkeit meine ich, dass keine Gesellschaft gezwungen wird, sich mit Bitcoin zu beschäftigen. Es gibt keine Institution, die den Umgang damit kollektiv verbindlich vorschreibt und definiert. Vielmehr steht es jeder Gesellschaft frei bzw. deren Individuen und Institutionen, selbst auszutesten, inwieweit Bitcoin Teil ihrer Kultur werden kann und soll.

Das bedeutet im Umkehrschluss aber natürlich auch, dass es die Möglichkeit gibt, Bitcoin abzulehnen, falls es sich als nutz- und funktionslos erweist bzw. sich kein gesellschaftliches Bedürfnis besser dadurch befriedigen lässt, als durch alle bislang verfügbaren Optionen. Jeder kann Bitcoin nutzen, niemand muss es.

Bitcoin ist Auslegungssache

Die Interpretationsfreiheit wiederum bedeutet, dass Bitcoin nicht ausdefiniert ist, sondern von jeder Gesellschaft in die eigenen Lebenswirklichkeit integriert und auf die individuellen Bedürfnisse angepasst werden kann. Bitcoin (als konkretes Projekt) befindet sich schließlich in einer beständigen Weiterentwicklung, einer Art institutionalisierten Evolution. Trotzdem kann jeder es jederzeit nehmen und schauen, ob und welche individuellen Ziele oder Probleme sich damit erreichen oder lösen lassen.

Während ein nicht-zensierbares, staatenunabhängiges Geld derzeit bspw. in Venezuela das Überleben sichern kann, bedeutet es für deutsche Rapper hingegen, dass sie sich „Malle kaufen können“. In Argentinien wiederum sind Kryptowährungen der einfachste Weg, am internationalen Geldhandel teilzunehmen und in China ist Glücksspiel viel mehr Bestandteil der kulturellen Identität als bei uns. Dass dort daher auch gerne mit technisch möglicherweise vollkommen sinn- und nutzlosen Altcoins oder ICO-Token spekuliert wird, überrascht daher nicht.

Letztlich hat das Wort Bitcoin daher in jedem Land oder jedem Kulturkreis eine leicht andere Bedeutung mit unterschiedliche Konnotationen, die durch die gesellschaftliche Auseinandersetzung damit immer wieder neu bestimmt und bewertet werden müssen.

Bitcoin ist nur schwer zu fassen

Das wiederum macht es aber im Übrigen auch schwer, bis nahezu unmöglich, Bitcoin auf globaler Ebene zu regulieren, wie es bspw. Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Wuermeling gerade gefordert hat.

Zum einen, weil es bislang weder eine verbindliche Definition gibt, was Bitcoin eigentlich ist (Geld? Technologie? Chance? Bedrohung?), noch welche Probleme durch eine Regulierung möglicherweise gelöst und welche Chancen damit gleichzeitig verbaut würden. Ganz davon abgesehen, dass sich Bitcoin in der Realität bedeutend schneller weiterentwickelt als staatliche (vor allem demokratische) Institutionen politische Entscheidungen produzieren können.

Insbesondere, wenn der Wunsch am Phänomen Bitcoin teilzuhaben, aus welchen konkreten Gründen auch immer, aus der Gesellschaft heraus wächst und sich dort zunehmend verankert. In Südkorea haben jedenfalls schon knapp 220.000 Menschen die Petition gegen angedeutete, aber als „ungerechtfertigt“ empfundene Regulierungen vom Staat unterzeichnet.

Time to hodl (your street credibility)

Lange war sie (auch von mir) erwartet worden, nun ist sie also da: die große Krypto-Kurskorrektur. Alle Kryptowährungen sind derzeit tief und nachhaltig in den roten Zahlen und zeigen markante Verluste.

Bitcoin ist beispielsweise wieder unter die 10.000 US-Dollar-Marke gefallen, Ethereum hat in nur fünf Tagen weit mehr als ein Drittel an Wert verloren und der überraschende Kursgewinner 2017, Ripple, liegt aktuell sogar schon rund 70 Prozent unter seinem Allzeithoch von Anfang Januar.

Die Crypto-Community stimmt sich auf hodln ein

Ich will an dieser Stelle gar nicht so sehr nach Gründen suchen (es gibt nicht den einen)  oder spekulieren, wie der Kursverlauf der kommenden Tage, Wochen und Monate aussehen könnte. Da gibt es ohnehin schon genug Meinungen im Netz. Wobei jedoch schon auffällt, wie gelassen die Community wieder einmal reagiert (Bildung statt Panik) und sich auf ihre Lieblingsbeschäftigung, das Hodln einstimmt.

Ein Grund dafür ist in jedem Fall auch die Gewöhnung an solcherlei Events, die mittlerweile regelmäßig auftreten und bislang niemals das Ende von Bitcoin (und Co.) bedeuteten, sondern mittel- bis langfristig immer den Weg für den nächsten großen Kursanstieg bereiteten. Das sieht im übrigen auch manch ein Bank-Analyst so: Bitcoin headed to ($40.000 to) $100,000 in 2018, says analyst who predicted last year’s price rise

Hodl your street credibility, too!

Trotzdem ist es natürlich höchst interessant zu beobachten, wie andere Personen auf den Kurseinbruch reagieren. Denn seit Bitcoin in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, sind eben auch viele Menschen auf den Krypto-Zug aufgesprungen, die auf eine Situation wie diese möglicherweise nicht gut genug vorbereitet waren.

Einige, die in den letzten Tagen vor dem Crash mit besonders dicken Eiern über ihre Krypto-Investment-Strategie berichteten, waren die Deutschrapper Sido & Savas, die zusammen mit einigen ihrer Kollegen den Song „Hodln“ ins Netz stellten und dabei zugaben zwar„keine Ahnung von Kryptographie“ zu haben, aber „20k in Ripple zu kloppen“. (Kann man machen, darf man sich aber eben jetzt auch nicht wundern, wenn das nun nur noch 6k sind.)

Aber mal abgesehen von der Musik (ich persönlich steh weder auf Auto-Tune-Effekte noch auf Deutschrap) und der genretypisch etwas unreflektierten I don’t care-Herangehensweise, bin ich doch beeindruckt von Dichte der Fachtermini, die in dem Lied verwendet werden. Dafür auf jeden Fall Respekt, wenngleich man inhaltlich in vielen Fällen nicht schlimmer an Kryptowährungen herangehen könnte. Mir fehlt bspw. die Strophe, in der Sido, Savas & Co. erklären, wie sie all ihre märchenhaften Kryptogewinne korrekt versteuern. Durch das Teilen ihrer Expertise in diesem Bereich hätten sie mich und viele andere vermutlich als Fans gewinnen können.

Wie #Kryptofit sind die Deutschrapper in der Krise?

Noch viel interessanter finde ich jedoch die Frage, ob und inwieweit die Rapper aktuell tatsächlich auch dazu stehen, was sie in dem Song so selbstbewusst behaupten. „Hodln“ sie tatsächlich? Haben sie in Panik all ihre Shitcoins mit Verlust abgestoßen oder sind sie tatsächlich richtig konsequent, kaufen aktuell sämtliche Sinnlos- Token-Dips und stecken bspw. genau jetzt noch einmal 20k in Ripple?

Hierzu jetzt mal ein korrektes Statement wäre in der Tat ziemlich gut für die (crypto) street credibility. Denn um in einem Hyper-Bullenmarkt wie Ende 2017 die eigenen Gewinne zu feiern und „Mallorca kaufen zu wollen“, braucht man keine dicken Eier. In einer Kursrutsch-Situation wie aktuell, aber schon. Jetzt könnten Sido, Savas und Co. zeigen wie „Hashtag Kryptofit“ sie ihr Mentor Julian Hosp wirklich gemacht hat oder ob sie letztlich doch nur ein bisschen auf der FOMO-Welle mitgeschwommen sind.

Ungeachtet dessen ist obiger Song aber auch so ein weiteres Zeugnis dafür, dass Bitcoin längst im Mainstream angekommen ist, wie dieser Tweet aus dem April 2013 zeigt (an den sich Felix glücklicherweise erinnerte).

Und wem das nicht reicht oder wer, wie ich, weniger auf Deutschrap steht, findet mit teamHODL – Lamboland (2017)88N8 – Digital Gold (2017 – Danke für den Tipp, Wosch!), Gramatik – Satoshi Nakamoto (2016) und ytcracker – Bitcoin Baron (2013) drei durchaus hörbare englischsprachige Alternativen.

So viel Brainpower floss 2017 in Bitcoin

Ich überlege schon länger, wie man am besten den intellektuellen Wert eines Kryptowährungsprojekts darstellen und operationalisieren kann. Denn Marktkapitalisierung alleine – das ist kein Geheimnis – ist ein vergleichsweise schlechter, weil einseitiger Indikator, um umfassend die Qualität und das Potential einer Kryptowährung zu bestimmen.

Marktkapitalisierung alleine führt in die Irre

Ein Faktor (von vielen), den man in diesem Zusammenhang daher ebenso berücksichtigen müsste, ist der Intellekt, die Brainpower und das Engagement, die in die Pflege und Weiterentwicklung des Basis-Protokolls fließen. Wie viele Entwickler sind daran beteiligt? Wie fleißig sind sie? Wie erfahren und kompetent? Wie heterogen ist deren Zusammensetzung etc?

Ein anderer ist der Impact-Faktor, also eine Operationalisierung, wie oft und welche Kryptowährungen sich auf die Idee bzw. das Konzept einer anderen Kryptowährung berufen oder sich selbst daraus ableiten. Zum Beispiel: Wie oft und in welchen Whitepaper wird sich auf Bitcoin als Referenz bezogen? In welchen und wie oft auf Ethereum usw. usf.?

Auch intellektuelle Faktoren sind bedeutend

Meine These ist, dass schon die Berücksichtigung dieser beiden intellektuellen Faktoren ein deutlich anderes Bild vom Krypto-Ökosystem zeigen, würden als zum Beispiel die aktuell 36 Prozent „BTC Dominance“ bei coinmarketcap.com vermuten lassen.

marktkapitalisierung bitcoin
coinmarketcap.com, Stand: 16. Januar

Und vielleicht gibt es da draußen ja jemanden mit einer bevorstehenden Abschlussarbeit oder auf der Suche nach einer interessanten Studienfrage, der oder die dem mal methodisch nachgehen wollen. Ich stünde jedenfalls zur Diskussion dieser Frage zur Verfügung.

Visualisierungen für einen ersten Eindruck

Einen sehr ansprechenden Eindruck über die Brainpower, die 2017 übrigens in Bitcoin (Core) geflossen ist, ist dieses Video, in dem die kollektive Arbeit am Bitcoin Github-repository visuell aufbereitet wird.

Das gibt es übrigens auch gebündelt für die vorangegangenen acht Jahre.

Falls es ähnliche Visualisierungen auch für andere Projekte gibt (Ethereum, Bitcoin Cash, Monero etc.), freue ich mich über die entsprechenden Links und binde die dann hier ein. Erstellt wurden die Videos übrigens mit Gource.

Vielleicht kann man hier dann zumindest einen ersten Eindruck über die intellektuelle Wertigkeit verschiedener Projekte bekommen. Bis dahin haben wir vorerst nur den Blick auf Bitcoin. Aber der zeugt durchaus von Vitalität und Potential und verspricht einiges für 2018.

1001 Bitcoin- und Blockchain-Links für die ruhigen Feiertage

Das hier ist der Beitrag, mit dem ich mich nun in die verdiente Weihnachts- und Neujahrspause verabschiede. Denn erst kommt Weihnachten und danach findet quasi direkt vor meiner Haustür der 34C3 statt, sodass ich eher dort als vor dem Rechner zu finden sein werde.

Geplant ist zwischen den Tagen zwar noch eine Honigdachs-Folge, aber ob die noch 2018 online gehen wird, kann ich nicht versprechen. Erfahrungsgemäß überschätzt man die verfügbare Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr und unterschätzt, was man in den Tagen eigentlich alles noch erledigen wollte.

Auf jeden Fall möchte ich aber ohne große digitale Anhängsel ins neue Jahr starten und packe in diesen Beitrag daher all die Links, schon ewig offenen Tabs und Medien, über die ich in den vergangenen Wochen vielleicht ganz bestimmt mal einen Beitrag machen wollte, aber einfach keine Zeit dafür gefunden habe.

2017? Bitcoin! BITCOIN!!1!!!!

Denn was war 2017 für ein Jahr! Community-Drama, Blockchain-Hardforks, Kurs-Explosion, massiv gestiegenes öffentliches Interesse und beim Schreiben dieser Zeilen geht es mit dem Preis gerade wieder ordentlich bergab. Einerseits könnte man sagen: Alles wie immer. Anderseits muss man aber auch feststellen: Dieses Jahr ist Bitcoin mit viel Trara in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Ich jedenfalls habe mich im letzten Jahr keine Sekunde gelangweilt.

Bitcoin für alle!

Nicht mal, als ich in einem dreistündigen Vortrag in dem Mehrzweckraum eines Soziokulturellen Zentrums in einem kleinen 15.000 Einwohner-Städtchen den drei(!) anwesenden und hochbetagten Senioren, Bitcoin erklärte. Das war, um es vorsichtig auszudrücken, eine Herausforderung. Aber eine reizvolle und lehrreiche.

Ich erwarte im Übrigen nicht, dass das Jahr 2018 weniger ereignisreich wird. Im Guten, wie im Schlechten. Aber genau das ist ja, was Bitcoin so spannend macht. Ich freue mich jedenfalls drauf.

Ihr hoffentlich auch. Kommt gut durch alle Feiertage und schaut nächstes Jahr hier mal wieder rein. Dann gibt es mit Sicherheit auch Updates zu meiner Onecoin-Klage. Ich erwarte, dass die juristische Auseinandersetzung bald in eine Phase eintritt, über die sich dann auch endlich wieder zu berichten lohnt.

Ein bunter Teller voller Artikel, Links und mehr

Nach dem Klick nun all die Fundstücke des Jahres, die ich und ihr uns geben können, wenn wir wegen des vollen Rotkohl-Bauchs nicht schlafen können, eine Auszeit von der Familie brauchen (aka Real-Life-Overkill) oder die viele freie Zeit sonstwie sinnvoll gestalten möchten. Because Bitcoin never sleeps.

1001 Bitcoin- und Blockchain-Links für die ruhigen Feiertage weiterlesen

Lightning & Payment-Channels für Einsteiger

Lightning gilt als der große Hoffnungsträger für eine Skalierung der Anzahl von Bitcoin-Transaktionen, ohne dabei die Blockchain selbst mit eben diesen Transaktionen fluten und damit überlasten zu müssen. Wie es (vereinfacht) funktioniert, erklärt dieses Video sehr anschaulich.

Die Playlist , aus der das Video stammt, hat dabei noch weitere Themen im Angebot:

Lohnt sich vielleicht für den ein oder anderen, auch da mal reinzuschauen.

Bitcoin ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen

Bitcoin hat gerade Konjunktur, das ist kein Geheimnis. Doch ist der Kursanstieg nur einer von vielen Faktoren, an denen sich das ablesen lässt. Auch in den Top-Google-Anfragen 2017 in der Kategorie Global News liegt „Bitcoin“ mit Platz 2 auf einer Spitzenposition. Weltweit wohlgemerkt.

Bitcoin als Tagesthemen-Top-Thema

Da passt es ganz gut, dass sich nun auch hierzulande die großen Medien auf das Thema stürzen. Das ist insofern bemerkenswert, als dass es vor einem Jahr noch undenkbar gewesen wäre, dass die Tagesthemen, wie am Montag geschehen, Bitcoin als Top 1-Aufmacherthema bringen. Mit Einspieler, Börsen-Schalte und abgerundet durch einen durchaus positiv-optimistischen Kommentar (bis ca. Minute 7:15).

Die Macht des Geldes

Erstaunlich, so könnte man nun meinen, was Geld so alles bewirken kann. Denn wenn man ganz ehrlich ist – denselben Kommentar hätte man auch schon vor einem Jahr oder vor zwei Jahren oder vor drei Jahren bringen können. An der Idee und dem Potential von Bitcoin und der Blockchain hat sich schließlich seit dem nicht viel verändert. Das, was sich jedoch stark entwickelt hat, ist der Wert. Wenn man diese Tatsache provokant zuspitzen wöllte, könnte man nun also behaupten, dass es letztlich nur eine Frage des Geldes (bzw. Wertes) war, bis Bitcoin auf die Tagesthemen-Pole-Position kommt.

Allerdings wäre das zu einfach und würde der Situation auch nicht gerecht. Denn Bitcoin ist eben nicht nur im Preis gestiegen, sondern es ist offensichtlich, dass die Idee Bitcoin – beschleunigt durch den rasanten Preisanstieg – immer mehr die Gesellschaft durchdringt. Heute ist Bitcoin Thema auf der Straße, in Familien und an Stammtischen. Vor einem Jahr war das noch nicht so. Die Tagesthemen mussten Bitcoin daher als Thema setzen, denn die Idee Bitcoin (und dass sie tatsächlich vielleicht sogar funktionieren könnte!) ist aktuell eben eines der aufregendsten und kontroversesten Themen. Der rasante Preisanstieg und das damit verbundene Medieninteresse war letztlich nur ein Katalysator diesen Durchdringungsprozess zu beschleunigen, die Idee Bitcoin in die Mitte der Gesellschaft zu tragen und Menschen dazu zu bringen, sich damit auseinanderzusetzen.

Bitcoin als prominentes Thema im Kulturradio

Ein anderer Indikator dafür ist übrigens, dass heute eine fast einstündige Diskussion zu Bitcoin und der Blockchain auf SWR 2 lief, einem Kulturradio(!) (Kann man hier nachhören. Spoiler: Ich war einer der Gesprächspartner). Auch das wäre vor einem Jahr noch undenkbar gewesen, galt Bitcoin bis dato doch als nerdiges Tech- und weirdes Wirtschafts-Thema, aber doch keinesfalls tauglich für ein Kulturradio.

Doch gehört es meines Erachtens genau dorthin, denn Bitcoin ist eben nicht nur Technologie und Geld, sondern ein Phänomen, dass unsere Gesellschaft transformiert. Zumal ja auch Geld letztlich eine kulturelle Errungenschaft und das vielleicht prägendste Medium unserer Gesellschaft ist. Das eigentlich Paradoxe ist daher genau genommen, dass Geld als Kulturgut bislang viel zu selten als Thema (auch für Kulturwellen) betrachtet wurde.

Aber genau das ändert sich gerade und hier zeigt sich eine der wuchtigen Stärken von Bitcoin: Niemand muss welche besitzen, um sich nicht dennoch mit der Idee auseinanderzusetzen und zu beginnen, Geld und wie wir als Gesellschaft damit umgehen wollen, kritisch zu hinterfragen.

Dieser Prozess läuft nun und er wird bleiben, selbst wenn der durch Spekulationen ohne Frage überhitzte Bitcoin-Kurs sich wieder normalisiert hat. Denn eines steht bei Bitcoin ohne Frage fest: Die Idee ist mächtiger als der Wert.

Doku: Bitcoin – Blase oder Digitales Gold?

Das Y-Kollektiv hat eine ganz interessante Kurzdoku über Bitcoin online gestellt und wer wie ich die Woche nicht gern direkt mit Arbeit beginnt, findet hier eine sinnvolle Alternative.

Raus auf dem Eat-Work-Buy-Sleep-Repeat-Hamsterrad

Von der etwas ambivalenten niederländischen Aussteigerfamilie, die ihr Haus für Bitcoins versetzt hat, nun auf dem Campingplatz wohnt und auch gar nicht zurück will (andererseits aber offensichtlich auch nicht auf den Luxus einen riesigen Fernsehers verzichtet) bis zum kritischen Tech-Journalisten gibt es in der guten Viertelstunde eine abwechslungsreiche Reise durch Bitcoin, die Fragen beantwortet, aber auch neu aufwirft.

Für den Wochenstart eigentlich genau das Richtige.

„Free the world from a totalitarian financial surveillance system“

Eigentlich wollte ich nur ganz kurz in die Aufzeichnung der Baltic Honeybadger Bitcoin Conference reinschauen, die vor kurzem in Riga stattgefunden hat. Doch dann hat Andreas Antonopoulos angefangen zu sprechen und (ich hätte es eigentlich wissen müssen) ich bin hängengeblieben.

Nicht, weil ich jedes seiner Argumente teile, sondern weil es kaum eine andere Person gibt, die einen so sehr zum Nachdenken über Bitcoin und dessen Platz in dieser Welt anregt, wie er. Und zwar mit jedem seiner Talks aufs Neue.

Als Empfehlung fürs Wochenende verlinke ich daher diesen Talk (ab 1:44:00) inkl. ausführlichem Frage-Antwort-Teil. Manche seiner Thesen sind radikal, andere durchaus streitbar, aber genau das braucht eine gesunde Debatte jenseits einer, leider derzeit oft geführten „Eigentlich habe ich ja keine Ahnung von Bitcoin, aber eines weiß ich mit Sicherheit: Es ist eine Blase!“-Argumentation.

Wer etwas mehr Zeit hat, der findet in der Aufzeichnung noch Talks einer ganzen Reihe weiterer Top-Bitcoiner.  So weit bin ich aber selbst noch nicht.

Die dritte Welle – die Ära der Bitcoin-Klone

Es ist schon interessant, wie sich das Bitcoin-Ökosystem in der zweiten Hälfte dieses Jahres verändert hat. Die Abspaltung von Bitcoin Cash Anfang August hat nämlich geradezu eine Welle ausgelöst, in deren Folge eine vollkommen neue Kryptowährungs-Unterklasse entstanden ist: die der Bitcoin-Klone.

Denn neben Bitcoin Cash gibt es bereits (oder ist mindestens angekündigt): Bitcoin Gold, Bitcoin Silver, Bitcoin Diamond, Bitcoin Clashic (eine „Classic“-Variante von Bitcoin Cash) und Super Bitcoin. (Die ehemaligen, mittlerweile überholten Bitcoin-Fork-Variationen Bitcoin XT, Bitcoin Classic, Bitcoin Unlimited etc. mal außen vorgelassen.)

Um zu verstehen, warum wir es hier mit einem neuen Phänomen zu tun haben, muss man sich einmal die beiden bisherigen Wellen anschauen, in denen sich das Krypto-Ökosystem ausdifferenziert hat: Altcoins & Blockchain 2.0-Projekte

Die erste Welle: Altcoins

Fangen wir ganz vorne in der Schöpfungsgeschichte an. Am Anfang war Bitcoin und Bitcoin war gut. Dann aber kamen findige Entwickler, nahmen den frei verfügbaren Bitcoin-Quellcode, änderten hier und da ein paar Parameter und kreierten aus Bitcoin heraus eigene, neue Kryptowährungen: die Altcoins.

Diese waren nicht mit Bitcoin kompatibel und bekamen daher komplett eigene Netzwerke, eigene Blockchains und es bildeten sich eigene kleine Communities. Einige der berühmtesten noch immer am Markt zu findenden Vertreter sind Litecoin, Dogecoin, Monero oder ZCash.

Über den Sinn, Zweck und die Wertigkeit der Alleinstellungsmerkmale dieser und hunderter weiterer Altcoins lässt sich zwar trefflich streiten, doch lässt sich allerdings auch nicht bestreiten, dass einige wenige Altcoins durchaus ihre Nische im Krypto-Ökosystem gefunden zu haben scheinen. Wenngleich man ohne Zweifel 99 Prozent aller jemals generierten Altcoins im besten Fall als vollkommen nutzlos, im schlimmsten Fall als betrügerisch und gefährlich einstufen muss.

Irgendwann war dann aber die Luft raus. Zu viele sinnentleerte Spaßcoins, plumpe Plagiate und betrügerische Abzock-Kryptowährungen haben den Altcoin-Hype zum Erliegen gebracht. Irgendwann war einfach zu offensichtlich, dass es bei den meisten Altcoin-Projekten nicht um das geht, was ihre Whitepaper vollmundig versprachen, sondern letztlich nur um Spekulation und schnelle Profite. Also begann die nächste Welle: die der Blockchain 2.0-Projekte.

Die zweite Welle: Blockchain 2.0-Projekte

Hierbei standen nun nicht einfach nur mehr neue Krypto-Währungen auf dem Marketingplan, sondern nun ging es um erweiterte oder sogar vollkommen neue Blockchain-Konzepte. Ethereum ist hierbei der prominenteste Vertreter, aber auch Waves, Lisk, StellarIOTA und viele andere zählen zu dieser Kategorie. Sie alle  wollen „mehr“ bieten, als einfach „nur“ Transaktionen abzuwickeln. Sie wollen Plattformen sein, auf denen Smart Contracts („intelligente“ „Verträge“) laufen und/oder auf denen eigene neue Token und Kryptowährungen erzeugt, emittiert und verwaltet werden können.

Die Welle der Blockchain 2.0-Projekte war noch größer als die Altcoin-Welle, da sich mit dem schönen Marketingbegriff „Blockchain“ – um mal in der Sprache unserer Zeit zu bleiben – quasi „aus Kacke Bonbons machen lässt“.

Kein Startup, dass nicht irgendwas mit „Blockchain“ macht, kein Unternehmen, das nicht dringend irgendwelche Prozesse auf „Blockchain-Technologie“ umstellen muss, keine Branche, die nicht aus „Blockchain“FOMO heraus in blinden Aktivismus verfällt, egal, wie unsinnig das Ergebnis ist. Über die Könige des Blockchain-Bullshit-Bingos  habe ich ja bereits geschrieben, wenngleich dieser Titel mittlerweile noch viel, viel mehr Leuten und Unternehmen zustehen würde.

Wobei aber auch hier Hoffnung besteht. Manche Leute lernen eben sehr, sehr langsam. Aber sie lernen.

Nichtsdestotrotz hält der „Blockchain“-Marketing-Hype weiter an. Die über die Blockchain 2.0-Projektplattformen generierten Token und Konzepte haben immerhin allein dieses Jahr unter dem Kürzel ICO (steht für „Initial Coin Offering“) Investitionen in Höhe von mehr als drei Milliarden(!) US-Dollar auf sich vereint.

Dass nicht ein einziges dieser ICO-Projekte seine Existenz bisher durch ein funktionierendes Produkt und eine reale Nachfrage danach gerechtfertigt hat – geschenkt. Dafür zerstreiten sich aber die Verantwortlichen, verschwinden mit dem eingesammelten Geld oder haben ihren ICO gleich von einem Steuerparadies aus hochgezogen, weil klar war, dass die Aufsichtsbehörden früher oder später ein sehr kritisches Auge auf den ICO-Hype werfen werden.

All das erinnert stark an die Gier-Entartung der Altcoin-Welle in ihrem Endstadium und man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass die Voraussetzungen immer schlechter werden, um mit einem neuen Blockchain 2.0-Projekt noch so richtig fett Kohle zu machen. So langsam ist das Thema nämlich durch, denn zurecht werden die Stimmen der Kritiker lauter, die nach den Ergebnissen fragen, die erneut in all den fancy Whitepaper vollmundig versprochen wurden.

Doch da die Palette vorzeigbarer Resultate in dieser Hinsicht eher dünn ist, sind findige Geschäftsleute nun eben dabei, eine neue Krypto-Klasse ins Leben zu rufen, mit der sich erneut wieder richtig viel versprechen und Geld machen lässt, ohne am Ende tatsächlich auch ein Ergebnis liefern zu müssen: die Bitcoin-Klone.

Die Dritte Welle: Bitcoin-Klone

Hierbei handelt es sich nun um eine ganz neue Mode. Zwar wird wie bei den Altcoins eine komplett eigene Kryptowährung ins Leben gerufen oder diese mit Hilfe der Infrastruktur von Blockchain 2.0-Projekten erzeugt, doch gibt es einen entscheidenden Unterschied. Während sich Altcoins und Blockchain 2.0-Projekte noch ganz bewusst und explizit von Bitcoin als der digitalen Leitwährung und dem Blockchain-Vorzeigeprojekt abzugrenzen versuchen, suchen die Bitcoin-Klone vielmehr ganz bewusst die Nähe von Bitcoin.

Das wird zum einen durch die Übernahme des Namens deutlich, geht aber soweit, dass insbesondere von Seiten von Bitcoin Cash mit großem Marketingaufwand  immer wieder ganz gezielte Nebelkerzen gezündet werden, um die Menschen zu verwirren, welches Bitcoin den nun das echte sei. Zum Beispiel durch Radiowerbung oder bewusst irreführende Tweets.

Diese Vorgehensweise ist jedoch insofern höchst irrational, da dadurch eine mögliche Massenadaption von Bitcoin maßgeblich behindert und verzögert wird. Denn wenn die Leute noch nicht einmal Bitcoin verstanden haben, werden sie wohl kaum anfangen, zwei Bitcoins zu verstehen. Oder ist das jetzt nur eines? Oder wie oder was?

Immerhin wurden schon eine ganze Menge Bitcoin Cashs an Segwit-Adressen gesendet. Bitcoin Cash hat aber Segwit als technische Erweiterung gar nicht implementiert, sondern nur das ursprüngliche Bitcoin. Dementsprechend können die Coins nun nicht mehr ohne den massiven Eingriff Dritter von diesen Adressen zurückgeholt werden. Aber das ist eben der Usability-Preis, den man zahlen muss, wenn man Bitcoin klont. Dann sehen sich die Adressen eben zum Verwechseln ähnlich und man setzt die eigenen Nutzer einem Risiko aus, das warum noch einmal nötig ist?

Antwort von Bitcoin Cash-Jesus Roger Ver: Aus Prinzip!

Im Windschatten dieses Bitcoin-Bitcoin Cash-Konflikts sind nun jedenfalls eine ganze Reihe anderer Klon-Projekte entstanden, die ebenfalls alle vom guten Namen „Bitcoin“ profitieren und Teil vom Marktkapitalisierung-Kuchen abhaben oder gleich ihren eigenen Bitcoin-Franchise-Kuchen backen wollen. Bitcoin Cash ist das noch einigermaßen gelungen, Bitcoin Gold schon deutlich weniger.

Ist aber auch kein Wunder, denn über den Sinn dieser Bitcoin-Klone muss man nicht streiten. Es gibt nämlich keinen, außer damit Geld machen zu wollen oder andere persönliche Interessen umzusetzen (wie bspw. Fehden auszutragen).

Fest steht jedoch schon jetzt, dass auch die Ära der Bitcoin-Klone in absehbarer Zeit wieder zu Ende gehen wird. Wie bei den Altcoins und den Blockchain 2.0-Projekten gibt es, wenn überhaupt, nur sehr, sehr wenig Platz neben Bitcoin, wenn es kein hinreichendes Alleinstellungsmerkmal gibt. Selbst bei Bitcoin Cash ist das nicht vorhanden, denn es wird zwar viel Geld in Marketing investiert, aber eine wirkliche Roadmap, wohin es mit diesem Bitcoin-Klon langfristig gehen soll, existiert nicht. Genauso wie die Kompetenz solch einen Plan mit Innovation anzureichern und technisch schließlich auch umzusetzen. (Das heißt aber nicht, dass es Bitcoin Cash nicht noch eine Weile geben wird.)

Bitcoin ist und bleibt der Ursprung von allem

Doch kehren wir gedanklich noch einmal zu dem Bild der drei Wellen zurück, durch die sich überlagernd das Krypto-Ökosystem in den letzten Jahren immer mehr erweitert hat und noch immer erweitert. Interessant daran ist doch zu beobachten, dass alle diese Wellen immer den selben Ausgangspunkt hatten: Bitcoin.

Sämtliche Altcoins sind aus Bitcoin entstanden, sämtliche Blockchain 2.0-Projekte sind aus Bitcoin abgeleitet und die Klone sind sogar wieder näher an Bitcoin herangerückt, wo alle anderen Projekte zuvor die Abgrenzung gesucht haben. Das ist bemerkenswert. Ganz vereinzelt hat es zwar hier und da ein Projekt geschafft, selbst zu einem Ausgangspunkt für einen Ableger zu werden (Ethereum und Ethereum Classic / Bitcoin Cash und Bitcoin Clashic), aber über die Zeit hinweg betrachtet, muss man sagen, dass es nach wie vor nur ein einziges Projekt gibt, an dem sich im Prinzip alle der mehr als 1000 Altcoin-Blockchain-ICO-Klon-Variationen orientieren: Bitcoin.

Es ist daher davon auszugehen, dass auch die nächste Welle von Krypto-Projekten, egal wie diese dann heißen und aussehen werden, auch wieder von Bitcoin ausgehen wird.