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Global Cryptocurrency Benchmark Study

Es kommt bei mir selten vor, dass Tabs so lange in meinem Browser offen bleiben, wie der zur ersten Global Cryptocurrency Benchmark Study. Denn normalerweise verlieren die Inhalte im Crypto-Ökosystem schnell an Aktualität und alsbald lohnt es dann (oftmals leider) nicht mehr einen Beitrag zu schreiben.

Zahlen zu Bitcoin, die es nirgendwo anders gibt

Bei der Global Cryptocurrency Benchmark Study ist das anders. Die wurde zwar bereits in der ersten Jahreshälfte 2017 veröffentlicht und damals auch hier und da auf Blogs und Newsseiten erwähnt. Insgesamt hat jedoch noch nicht die Beachtung gefunden, die sie eigentlich verdient hat. Denn wer sich für das Bitcoin-Ökosystem als Ganzes interessiert, findet hier gleich eine ganze Reihe fundierter Zahlen, die es nirgendwo anders gibt.

employes in cryptocurrency
Angestellte in Krypto-Unternehmen (S. 23)

So bietet die Studie z. B.  Zahlen zu Arbeitsplätzen (S. 23), denen zufolge mindestens 1876 Menschen bereits Vollzeit in der Krypto-Industrie arbeiten. Die meisten davon in Nordamerika und im asiatisch-pazifischen Raum, die wenigsten mit 29 in Afrika.

Statistik ohne Marketing-Verzerrung

Auch die Anzahl der Menschen, die Kryptowährungen benutzen, ist eine elementare Frage, auf die es bislang aber keine verlässliche Antwort gibt. Kann es in einem dezentralen System auch gar nicht geben. Die Daten der Studie lassen aber zumindest begründete Schätzungen zu und das ist in diesem Falle besser als nichts. Zwischen 2,9 und 5,8 Millionen schätzen die Autoren (S. 25).

Diese Zahl mag überraschen, wenn schon einzelne Wallet-Anbieter wie blockchain.info im vergangenen November die 10 Millionen Wallets-Marke überschritten (aktuell sogar mit knapp 17 Millionen). Genau deswegen ist diese Studie aber so wichtig, denn sie trennt Statistik und Marketing und versucht so ein realistischeres Bild des Krypto-Ökosystems zu zeichnen und ist damit u. a. für Journalisten eine relevante Quelle.

Global Cryptocurrency Mining Map (S. 93)

Auch der Themenkomplex Mining ist aufschlussreich. Insbesondere die Mining Map ist dabei interessant. Denn hier werden globale Mining-Locations anhand der Faktoren Internetgeschwindigkeit, Klima und Stromkosten verglichen.

Vorsicht vor zu schnellen Schlüssen

Natürlich kann man kritisieren, dass auch diese Studie, so sehr sie sich auch bemüht, belastbare Zahlen zu erarbeiten, doch auch an der Herausforderung der Dezentralität scheitert. Denn ein Wert von knapp 2000 Vollzeit-Arbeitsplätzen, die weltweit in der Krypto-Industrie geschaffen wurden, ist nicht nur mengenmäßig ein Witz, sondern verleitet auch dazu, all die statistisch nicht Erfassten bzw. Erfassbaren zu vergessen. Ich selbst befasse mich bspw. durchaus nahezu Vollzeit mit Bitcoin ohne statistisch aber als bitcoinvollzeitbeschäftigt zu gelten. 90 Prozent der Menschen, die ich im Bereich Bitcoin kenne, geht es vermutlich ähnlich. Man muss daher auch die Daten der Global Cryptocurrency Benchmark Study kritisch lesen.

Nichtsdestotrotz ist sie jedoch eine enorme Bereicherung für alle, die auf der Suche nach fundierten Erkenntnissen über das Phänomen Bitcoin sind. Zumal geplant ist, die Studie regelmäßig zu wiederholen und ich gehe davon aus, dass schon die nächste noch viel mehr interessante und bisher schlichtweg nicht erhobene Informationen liefern wird.

 

Bitcoin Cash geht steil, hier gibt’s die Daten

Der Wert von Bitcoin Cash ist in den vergangenen drei Tagen enorm in die Höhe geschossen. Zwischenzeitlich bei fast 1000 US-Dollar liegt der Kurs aktuell „nur noch“ bei gut 800 US-Dollar. Auch die Marktkapitalisierung ist von anfänglichen 7 Milliarden USD direkt nach der Fork auf aktuell mehr als 12 Milliarden USD gestiegen. Das ist ohne Frage beachtlich und die Begründungen im Netz sind vielfältig. Von einem massiven Pump sprechen die einen, von rational-ökonomischen Gründen und technischen Fortschritten andere.

Während ersteres schwerer nachzuweisen ist, kann man bei letzterem immerhin selbst einen Blick auf die Daten werfen. Eine interessante Seite dazu ist fork.lol

Wer Daten liest, kann Bitcoin (Cash) besser verstehen

Dort findet man nämlich neben vielen anderen statistischen Werten unter anderem auch die Mining Profitabilität von Bitcoin gegenüber Bitcoin Cash, das in den vergangenen Tagen für Miner deutlich profitabler zu minen war als Bitcoin.

Das wiederum kann aber wenn, dann nur teilweise eine Begründung für den aktuellen Kursanstieg sein. Denn die höhere Profitabilität lockt spieltheoretisch zwar mehr Miner zu Bitcoin Cash, was langfristig dessen Netzwerk stärkt und zu weiterem Wachstum führen könnte. Allerdings hängt die Profitabilität ja selbst unmittelbar vom Preis ab und erst ein steigender Kurs macht das Bitcoin Cash-Mining letztlich überhaupt erst profitabel.

Es bleibt also weiter offen, wer, wie viele und welche Intentionen hinter dem steigenden Interesse an Bitcoin Cash stehen.

Davon unbeeinflusst bleiben jedoch auch die anderen Werte von fork.lol interessant. Denn anhand von Kriterien wie Transaktions-Geschwindigkeit oder Rechenkapazitäten der jeweiligen Netzwerke lassen sich durchaus hilfreiche Rückschlüsse darauf schließen, wie es um Bitcoin und Bitcoin Cash im direkten Vergleich steht.

Bitcoin Cash ist (noch) keine Gefahr für Bitcoin

Ein Blick auf die Verteilung der Hashrate zeigt bspw. deutlich, dass das Bitcoin-Netzwerk über 95 Prozent der Mining-Power ausgestattet ist. Während Bitcoin Cash bislang nur über gut 5 Prozent verfügt. Vereinfacht kann man daher sagen, dass Bitcoin in Bezug auf bestimmte Angriffe rund 20 Mal sicherer ist als Bitcoin Cash.

bitcoin bitcoin cash
Bitcoin (orange) verfügt im Vergleich zu Bitcoin Cash (blau) über weit mehr Rechenleistung

Es müssten also eine ganze Menge Miner auf Bitcoin Cash wechseln, um zumindest eine gleichwertige Verteilung herzustellen. Dass das passieren wird, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Viele Bitcoiner entscheiden nämlich nicht einfach nur rational nach potentiell größerem Gewinn, sondern vertreten starke Ideale. Und deren Haltung wird sich selbst mit dem gestiegenen Bitcoin Cash-Kurs wohl eher nicht kaufen lassen. Dafür sind die Diskrepanzen zu den „Big Blockern“ zu groß.

Toller DLF-Hintergrund erklärt Bitcoin (das Geld)

Im Deutschlandfunk lief schon Ende Juni dieser Hintergrund zum Thema Bezahlsystem Bitcoin – Wie die digitale Währung funktioniert (mp3), den zu hören ich auch sechs Wochen später noch uneingeschränkt empfehlen kann. Denn die Sendung ist sowohl journalistisch als auch akustisch wirklich gut gemacht. Das liegt vor allem an den hohen redaktions- und produktionstechnischen Ansprüchen, die das Format Hintergrund generell erfüllen will (mehrere Erzählstimmen, verschiedene Protagonisten und eine insgesamt umfassende und vielschichtige Recherche).

Von Banker-Bla-Bla bis Bitcoin- und Blockchain-Enthusiasten

Dass in solch einer Sendung auch Carl-Ludwig Thiele von der Bundesbank auftauchen muss, der ja von Amts wegen schon nicht die nötige Denkelastizität mitbringen darf, die jedoch nötig wäre, um ein Phänomen wie Bitcoin richtig zu verordnen, nämlich nicht nur anhand bestehender und keinesfalls perfekter Gelddefinitionen und Geldpolitikmaximen – geschenkt. Wäre ich allerdings Redakteur gewesen, hätte ich Thiele weniger Platz gegeben und dafür lieber noch einen Visionär zu Wort kommen lassen. Einen, der Bitcoin eben nicht nur durch die steif definierte Geldbrille sieht, sondern auch das grundlegende gesellschaftliche Transformationspotential dieses Phänomens erklären kann. Vielleicht eine Gründerin oder Aktivistin?

Aber letztlich ist das Jammern auf hohem Niveau, denn unterm Strich ist das eine wirklich gute Sendung und in 18 Minuten kann man auch nicht alles bis ins letzte Detail erklären.

Auch die Stiftung Warentest erklärt noch einmal Bitcoin

Und weil es so gut zum Thema passt, gibt es hier zum Lesen noch den Artikel der Stiftung WarentestSo funk­tioniert das Geld aus dem Internet, die darin übrigens auch noch einmal explizit auf Onecoin hinweisen, dass sie im Gegensatz zu Bitcoin auf ihre Warnliste Geldanlage gesetzt haben.

Bild: „Classic old radio 1960s or 70s style“ Flickr-User theslowlane (CC BY 2.0)

Hello, Bitcoin Cash! (Oder doch nicht?)

Vorgestern am späteren Nachmittag war es dann endlich so weit. Bitcoin und Bitcoin Cash haben sich voneinander gelöst und gehen seit Block 478559 nun fortan getrennte Wege.

In der Community wurde dieser Moment mit großer Spannung erwartet. Ich hatte bspw. diesen Experten-Livestream des World Crypto Networks laufen, der nicht nur amüsant und unterhaltsam war, sondern bei dem man auch im Nachhinein noch einiges über die Details dieses Events und die Grundlagen von Bitcoin und Bitcoin Cash lernen kann.

Warten auf den ersten Block

Letztendlich war der Nachmittag dann aber dennoch zäher und ernüchternder als von vielen gehofft. Denn mit dem schnellen Reichtum wurde es erst einmal nichts. Nicht, weil die Kurse eingebrochen wären – immerhin zeigte sich der Kurs von Bitcoin,  abgesehen von einer kleinen Spitze in Richtung 3000 US-Dollar, seit Dienstag nahezu unbeeindruckt von der Fork und auch Bitcoin Cash rauschte nicht sofort in den Keller, sondern hat sich mit einer Marktkapitalisierung von gut 7 Milliarden US-Dollar auf Anhieb auf Platz 3 der größten Kryptowährungen gesetzt.

Never trust the marketcap

Wobei man diesen Wert mit großer Vorsicht betrachten muss. Denn es wurden nicht mal ebenso 7 Milliarden US-Dollar aus der hohlen Hand gezaubert und verteilt – schön wär’s. Die Bitcoin Cashcoins(?) ließen sich nach der Fork zwar wie angekündigt auf bestimmten Börsen handeln und dementsprechend konnte aus Angebot und Nachfrage ein Preis gebildet werden. Allerdings können Bitcoin Cashs(?) bzw. die aus dem Verkauf selbiger gezogenen Gewinne die Börsen derzeit nicht verlassen.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, denn während Börsen wie ViaBTC am Handel mit Bitcoin Cash auf ihrer Plattform bereits Geld verdienen, gehen die Nutzer bislang faktisch leer aus.

Dementsprechend kritisch sind auch die Kommentare.

Bitcoin Cash-Netzwerk muss sich erst organisieren

Wobei das durchaus auch technische Gründe hat. Denn da die Bitcoin Cash-Blockchain über bedeutend weniger Rechenpower verfügt als die originale Bitcoin-Blockchain, jedoch bei den gleichen, hohen Schwierigkeitsparametern gestartet ist, braucht das Cash-Netzwerk nun erst einmal sehr viel länger, um überhaupt neue Blöcke zu finden und damit Transaktionen und Bestätigungen zu ermöglichen. Das bedeutet eine Bestätigung braucht hier nicht mehr nur ca. zehn Minuten (wie bei Bitcoin), sondern mitunter Stunden. Aus diesem Grund hat die Bitcoin Cash-Blockchain seit Dienstag auch rund 250 Blöcke weniger erzeugt als die Bitcoin Blockchain.

Der Handel hat noch gar nicht richtig begonnen

Das wiederum bedeutet auch, dass all diejenigen, die Ihre Bitcoins Cash(?) erst noch zu einer Börse schicken müssen, um sie dort zu verkaufen, noch eine ganze Weile warten müssen. Nämlich bis das Bitcoin Cash-Netzwerk sich auf die verfügbare Rechenleistung eingestellt hat, damit auch hier die Blöcke wieder regelmäßig in etwa alle zehn Minuten gefunden werden. Erst wenn das der Fall ist und die Börsen auch ihre Einzahlungs- und Auszahlungsbeschränkungen aufgehoben haben, wird sich der wahre Preis von Bitcoin Cash zeigen können. Ich rechne im Übrigen damit, dass das Angebot an Bitcoin Cashews(?) die Nachfrage dann zumindest kurzfristig deutlich übersteigen und der Preis daher noch signifikant sinken wird.

Aber wie in Kryptoland üblich: Es kann auch alles kommen und wir werden uns noch gedulden müssen, bis wir wissen, ob und inwieweit Bitcoin Cash tatsächlich überlebensfähig ist und wie bedeutend die Fork am Dienstag letztlich war. Denn das wird sich nur retrospektiv bewerten lassen.

Nicht nur in der Bitcoin-Filterbubble relevant

Ungeachtet dessen war es trotzdem bemerkenswert, zu sehen, dass das Ereignis Bitcoin-Fork keineswegs nur in der Kryptoszene auf beachtliches Interesse gestoßen ist. Vor zwei Jahren habe ich noch acht(!) Monate auf den Deutschlandfunk-Redakteur des dortigen Computer-Magazins einreden müssen, um das Thema „Blockchain“ dort überhaupt mal ganz kurz auf die Agenda zu setzen.

Diese Woche kam dagegen direkt eine Anfrage von Zeit Online, ob man meinen Blogbeitrag vom Freitag, um ein paar weitere Erklärungen erweitert, auch für das eigene Publikum verwenden dürfe. Der entstandene Artikel ist dabei durchaus gelungen und zeigt erfreulicherweise, wie groß und breit das öffentliche Interesse an dem Thema mittlerweile ist. Zumal der Artikel von der Zielgruppe dankbar angenommen wurde.

Bleiben abschließend nur noch ein paar Fragen zu klären:

Wie kann ich denn nun endlich meine Bcashs(?) veräußern?

Dafür empfehle ich folgenden Artikel aus dem Bitcoin Magazine: A Beginner’s Guide to Claiming Your “Bitcoin Cash” (and Selling It)

Wo bekomme ich mehr Infos über Bitcoin Cash?
Wer ist Shuya Yang?

Diese Frage für sorgt derzeit für Verwunderung, denn im ersten Block (478559) der Bitcoin Cash-Blockchain ist die Botschaft „Welcome to the world, Shuya Yang!“ versteckt.

Bevorstehende Bitcoin-Fork – Wer sich nicht informiert, verliert!

Am kommenden Dienstag, dem 1. August steht möglicherweise eine Spaltung des Bitcoin-Netzwerks bevor. Trotz einer Übereinkunft und den ersten erfolgreichen Schritten in Bezug auf die Skalierungsdebatte (aka SegWit2x) will eine Gruppe von Minern, Unternehmen und Aktivisten eine zusätzliche Variante von Bitcoin ins Leben rufen. Diese wird meist als Bitcoin Cash bezeichnet (teils auch Bitcoin ABC, UAHF, BCC, BCH – Wer mehr zu den Details dieser Entwicklung erfahren möchte, findet in den unten stehenden Links ausführlichere Informationen)

Bitcoin Cash als Fork von Bitcoin Core

Bitcoin Cash soll dabei durch eine Hardfork entstehen, bei der ein Teil der das Bitcoin-Netzwerk bildenden Miner auf eine andere Software umsteigt, die im Grunde die bisherige Bitcoin-Software ist, aber eben einige entscheidende Änderungen im Code enthält. Diese Änderungen machen Bitcoin Cash dadurch nicht mit dem bisherigen Code bzw. das, was im Zuge der SegWit2x-Implementierung geplant ist, kompatibel. Zum Beispiel wird bei Bitcoin Cash angestrebt, die Blöckgröße auf 8 MB zu erhöhen. Miner, die weiterhin mit dem originalen Bitcoin Code (namens Bitcoin Core) laufen, werden diese Blöcke jedoch als ungültig verwerfen.

Die Inkompatibilität beider Varianten wird dafür sorgen, dass es, sollte der Plan tatsächlich umgesetzt werden, fortan zwei eigenständige Bitcoin-Blockchains geben wird: die Bitcoin-Blockchain und die Bitcoin Cash-Blockchain. Wobei sich eine breite Mehrheit bereits im Vorfeld dafür ausgesprochen hat, das originale Bitcoin weiterhin als Bitcoin zu bezeichnen und zu behandeln und der neuen Variante, Bitcoin Cash, den Status eines Altcoins zu geben.

bitcoin forks
Nur ein Auschnitt der bisherigen Forks des Bitcoin-Codes und der daraus entstandenen Altcoins
Duplizierung der Blockchain-Historie und Bitcoin-Verteilung

Das ist insofern kein ungewöhnlicher Vorgang. Der Code von Bitcoin wurde schon hunderte Male geforkt und hat dabei jede Menge Altcoins hervorgebracht. Besonders in diesem Fall ist jedoch nicht nur das große Interesse und der möglicherweise große Support für Bitcoin Cash, sondern auch die bevorstehende Duplizierung sämtlichen Bitcoin-Guthabens.

Denn da die Bitcoin Cash-Blockchain nicht bei Null anfängt, sondern sich aus der aktuellen Bitcoin-Blockchain ausgründet, übernimmt sie als eigenen Ausgangswert den kompletten Status Quo der bieherigen Bitcoin-Blockchain und damit die Verteilung der Bitcoins wie sie aktuell ist.

Freie Coins für alle Bitcoin-Besitzer

Das bedeutet, jede Bitcoin-Adresse die zum Stichtag 1. August über Bitcoins auf der originalen Bitcoin-Blockchain verfügt, wird genau die gleiche Menge ab dann auch auf der Bitcoin Cash-Blockchain besitzen. Oder um es ganz einfach zu sagen: Wer Bitcoins besitzt, der bekommt prinzipiell durch die Fork noch einmal die gleiche Menge in Form von Bitcoin Cash geschenkt.

Wer sie will muss jetzt handeln!

Nun ist aber genau das mit dem „Bitcoins besitzen“ der kritische Punkt an der Sache. Denn nicht in jedem Fall bekomme ich als Nutzer auch die Bitcoins der alternativen Blockchain automatisch. An dieser Stelle muss ich ggf. selber tätig werden und zwar bald, denn zum Handeln bleibt nur Zeit bis zum 31.7. In manchen Fällen vielleicht sogar weniger.

Was muss ich machen, um zusätzlich zu meinen Bitcoins auch Bitcoin Cash zu bekommen?

Der entscheidende Punkt ist letztlich, dass die eigenen Bitcoins zum Stichtag der Abspaltung idealerweise auf einer Adresse liegen, die verwaltet wird über ein Programm oder einen Dienstleister, der den Split in Bitcoin Cash unterstützt. Das macht jedoch nicht jeder Anbieter. Coinbase bspw. lehnt die Unterstützung von Bitcoin Cash kategorisch ab. Wer zum Stichtag dort sein Guthaben hält, wird definitiv kein Bitcoin Cash bekommen.

Anders ist das zum Beispiel, wer seine Bitcoins in Hardware-Wallets wie dem Trezor oder dem Ledger Nano S verwahrt. Beide Hersteller haben angekündigt, Programme bereitzustellen, mit denen sich eine Organisation des eigenen Guthabens sowohl in Bitcoin als auch in Bitcoin Cash mehr oder weniger automatisch durchführen lässt.

Wer jetzt nicht handelt, verliert seine Chance!

Wer von der möglichen Fork profitieren will, muss sich also sehr gut überlegen, wo er seine eigenen Bitcoins am kommenden Dienstag aufbewahrt und ggf. schnellstmöglich tätig werden. Einige Börsen haben beispielsweise bereits angekündigt, dass sie Ein- und Auszahlungen rund um den Stichtag der möglichen Aufspaltung temporär aussetzen werden um die Nutzereinlagen vor möglichen Verwerfungen, Angriffen und anderen Verlustszenarien zu schützen.

Es lohnt sich daher unbedingt die Stellungnahmen jedes einzelnen Anbieters zu überprüfen, bei denen man Bitcoin-Guthaben hat oder deren Software man nutzt um seine Bitcoins zu verwalten: Wallets, Börsen, Marktplätze, Payment-Provider, denn die jeweiligen Positionen, falls überhaupt bisher bekannt gegeben, unterscheiden sich teils deutlich.

Dabei sollte man sich auch noch einmal vor Augen führen, dass es einen wichtigen Unterschied gibt zwischen Bitcoin-Guthaben bspw. bei einer Börse zu besitzen und Bitcoins zu besitzen. Nur wer die Kontrolle über die privaten Schlüssel hat, besitzt auch tatsächlich die Bitcoins! (Und hat damit die besseren Chancen, die zugehörigen Bitcoin-Cash-Coins zu bekommen).

Jetzt recherchieren und tätig werden!

Da das hier ja ein Rechercheblog ist, habe ich für alle die von einer möglichen Fork profitieren wollen, im Folgenden eine alphabetische, aber keinesfalls vollständige Auflistung der relevantesten Bitcoin-Wallet-Anbietern, Börsen, Marktplätze und Payment-Providern und ihre jeweilige Haltung gegenüber einer möglichen Bitcoin-Cash-Aufspaltung aufgelistet.

Wer mit Bitcoin Cash dagegen nichts zu tun haben will, muss prinzipiell erst einmal gar nichts machen, außer vielleicht ein bisschen auf die News der kommenden Tage achten. Die Erfahrung zeigt, dass Bitcoin-Land gerne auch mal für Überraschungen gut ist.

Allen anderen: Viel Glück und noch einmal willkommen im großen und spannenden Bitcoin-Experiment!

So reagieren Wallet-Provider, Börsen und Co.

Blockchain.info – Noch kein Statement abgegeben

Auch der bekannteste Online-Wallet-Anbieter Blockchain.info hat im eigenen Blog noch kein Statement zum Umgang mit einer möglichen Aufspaltung des Netzwerks abgegeben. Nutzer müssen sich hier aber bewusst sein, dass sie, solange ihr Guthaben in einer Blockchain.info-Wallet liegt, keine Hoheit über Ihre(n) privaten Schlüssel haben und ggf. in Bezug auf Bitcoin Cash leer ausgehen können.

Bitcoin.de – Noch kein Statement abgegeben

Der deutsche Marktplatz Bitcoin.de hat bislang noch keine Stellungnahme veröffentlicht (schlechtes Timing des Bitcoinblog-Urlaubs). Sobald ich Antwort auf meine Anfrage erhalte, ergänze ich die Auflistung. Im Zweifel sollte man aber sein komplettes Guthaben abziehen und unter eigene Kontrolle bringen. Nur so kann man sicher gehen, am Ende beide Coins zu besitzen.

Update: Auch Bitcoin.de plant grundsätzlich die Einlagen der Nutzer automatisch zu splitten und zur Verfügung zu stellen.

Bitcoin Wallet (Android) – Noch keine Aussage

Bitcoin Wallet ist vermutlich die bekannteste Bitcoin Wallet für Android. Dennoch gibt es bislang keine Aussage dazu, was im Falle einer Fork mit den von Nutzern in der App verwalteten Bitcoins passiert.  Eine entsprechende Nutzer-Anfrage über den Google Play Store blieb bislang unbeantwortet.

Bitfinex – Noch kein Statement abgegeben

Auch die in Hong Kong ansässige Börse Bitfinex hat noch kein Statement abgegeben, wie man im Falle einer Fork vorgehen werde und welche Konsequenzen sich daraus für die Nutzer ergeben. Falls Sie sich dazu noch äußern, ist das Statemente voraussichtlich im Unternehmensblog zu finden.

Bitpay – Fork ist unwahrscheinlich, also machen wir nichts

Eine durchaus interessante Position vertritt der Bitcoin-Payment-Provider Bitpay. Dort geht man nämlich ganz optimistisch davon aus, dass es höchstwahrscheinlich gar nicht erst zu einer Aufspaltung kommen werde und man deswegen auch nichts machen müsse. Ich mag die Einstellung, hoffe aber, dass sich dieser Optimismus im Nachhinein nicht als Naivität herausstellt.

Bitstamp – keine Unterstützung für Bitcoin Cash

Die europäische Bitcoin-Börse Bitstamp bspw. wird Bitcoin Cash vorerst nicht unterstützen und begründet die Entscheidung mit der Sicherheit der Nutzereinlagen, die oberste Priorität habe.

Breadwallet (iOS) – Keine automatische Aufsplittung

Wenn ich den Blogpost der Breadwallet-Entwickler richtig verstanden habe – er liest sich an der entscheidenden Stelle etwas zwischenzeilig – dann wird die App die Bitcoins der Nutzer nicht automatisch aufsplitten. Da der Code aber Open Source sei, könnte das ja aber prinzipiell jeder selber machen, der das wolle. Wer dazu nicht in der Lage ist, sollte daher wohl seine Bitcoins zum Zeitpunkt der Fork besser nicht in dieser Wallet haben, falls er Bitcoin Cash-Coins haben will.

BTCC – Beide Coins für alle Nutzer & längste Kette wird „Bitcoin“

Die chinesische Börse BTCC plant im Falle einer Aufspaltung des Netzwerks den Nutzern beide Coins automatisch zur Verfügung zu stellen. Interessant ist hierbei jedoch, dass man sich nicht darauf festlegt, welche Variante man als „Bitcoin“ bezeichne. Das macht BTCC nämlich von der längsten Blockchain abhängig bzw. je nach nachdem hinter welchem Coin mehr Hashingpower steckt. Es ist also nicht ausgeschlossen, auch wenn es derzeit nicht danach aussieht, dass Bitcoin Cash zumindest auf BTCC zu „Bitcoin“ wird. Das wäre jedoch, vorsichtig ausgedrückt, außerordentlich verwirrend.

Coinbase – Definitiv kein Support für Bitcoin Cash

Coinbase aus den USA ist sowohl Wallet-Provider als auch Börse und hat sich entschieden ausschließlich das originale Bitcoin zu unterstützen. Wer sein Guthaben über den 31.7. hinaus auf der Plattform verwaltete, wird definitiv keinen Zugang zu möglichen Bitcoin Cash-Coins haben. Wer diese jedoch wolle, müsse sein entsprechendes Bitcoin- Guthaben noch im Juli komplett abheben.

Huobi – Nutzereinlagen werden automatisch gesplittet

Die chinesische Börse Huobi wird die Bitcoins der Nutzer automatisch splitten und Bitcoin Cash in gleicher Höhe gutschreiben. Beide Varianten, Bitcoin und Bitcoin Cash, sollen anschließend auf der Plattform handelbar werden.

Kraken – Nutzereinlagen werden automatisch gesplittet

Die US-Börse Kraken will das Bitcoin-Guthaben der Nutzer automatisch aufsplitten und dann beide Varianten, Bitcoin und Bitcoin Cash dem jeweiligen Account gutschreiben. Hier soll man dann auch beide Währungen handeln können. Über das von Kraken neulich aufgekaufte Kurs-Tool cryptowat.ch soll dann auch der aktuelle Bitcoin Cash-Kurs nachvollziehbar sein.

Ledger – Bitcoin Cash wird automatisch verfügbar gemacht

Der französische Hardware-Wallet Anbieter Ledger kündigt an, dass Bitcoin-Guthaben, dass auf einer ihrer Hardware-Wallets liegt, automatisch gesplittet wird und über die zugehörige Chrome-App zugänglich gemacht wird. Das Unternehmen hat bereits Erfahrung mit Forks, denn über u.a. den Ledger Nano S lassen sich bereits sehr bequem beide Ethereum-Varianten, Ethereum und Ethereum Classic  verwalten.

Mycelium (Android) – Bisher kein Statement

Mycelium, ebenfalls eine der bekanntesten Wallets für Android, hat noch keine Aussage dazu gemacht, was mit Bitcoins passiert, die in ihr gehalten werden. Im Zweifel sollte man diese vor dem Stichtag transferieren.

OkCoin – Bitcoin ist Bitcoin, Bitcoin Cash ist ein Altcoin

Die chinesische Börse OkCoin will ebenfalls das Guthaben der Nutzer automatisch aufsplitten und gutschreiben.  Darüber hinaus stellt man klar, dass Bitcoin Cash in jedem Fall als Altcoin betrachtet werden wird.

Poloniex – abwarten und dann entscheiden

Poloniex, eine andere prominente US-Börse, hält sich die Entscheidung noch offen, welche möglichen Bitcoin-Blockchains sie überhaupt unterstützen will. Auch das Aussetzen von Ein- und Auszahlungen sei möglich, um in unübersichtlichen Zeiten die Sicherheit der Einlagen zu gewährleisten.

Trezor – Interface für automatisches Splitting wird bereitgestellt

Auch der tschechische Hardware-Hersteller Trezor kündigt an, die über die hauseigenen Geräte von den Nutzern verwalteten Bitcoins automatisch zu splitten. Dafür werde man ein entsprechendes Interface bereitstellen.

Sonstige

Natürlich betrifft die mögliche Bitcoin-Fork neben expliziten Wallet-Anbietern und großen Börsen auch kleinere Unternehmen und Projekte. Diese haben personaltechnisch jedoch mitunter nicht die Kapazitäten um sich auf alle Szenarien einer möglichen Fork und der sich daraus ergebenen Konsequenzen vorzubereiten.

Ein, wie ich finde, ziemlich gutes Beispiel dennoch angemessen, pragmatisch und transparent mit der Situation umzugehen, liefert der Anbieter Bitrefill, mit dem man sein Telefonguthaben aufladen kann. Dort plant man nämlich das Guthaben der Nutzer im Hintergrund pauschal zu splitten, Bitcoin Cash zu verkaufen und die anteiligen Erlöse den Nutzern direkt in Form von Bitcoin-Guthaben gutzuschreiben.

Diese Variante werde ich übrigens aller Wahrscheinlichkeit nach auch für das Guthaben verwenden, dass ich im Rahmen meines Bitcoin vs. Onecoin-Rechtsstreits verwalte. Das ist zum einen handhabbar und letztlich würden alle bei der angestrebten Rückerstattung davon profitieren.

Bild: Robert Couse Baker (CC BY 2.0)

How I learned to stop worrying and love bitcoin volatility

Schaut man sich den Kursverlauf von Bitcoin in den letzten Wochen an, so ging es ordentlich hoch und runter. Nach einem längeren Abwärtstrend kam dann am  Donnerstag die Trendwende: Innerhalb von vier Tagen stieg der Preis um beachtliche 1000 US-Dollar und liegt aktuell in etwa wieder bei dem Ausgangswert von vor einem Monat.

Volatility is back, baby! Der Bitcoin Kurs stieg innerhalb von wenigen Tagen um 1000 USD

30 Prozent rauf und runter innerhalb von 30 Tagen. Kein Wunder, dass das auch in der breiten Öffentlichkeit für Aufsehen sorgt, zumal die Kursbewegungen nicht von ungefähr kommen. Immerhin hat die seit Jahren mitunter hitzig geführte Blocksize-Debatte mit der sehr wahrscheinlich bevorstehenden und von vielen sehnlich erwarteten finalen Aktivierung von SegWit ein entscheidendes Stadium erreicht.

Warum aktuell diese Kursschwankungen?

Ganz grob zusammengefasst geht es aktuell darum, sowohl die Kapazität der Bitcoin-Blockchain selbst zu erhöhen, als auch zusätzliche Skalierungsoptionen (bspw. das Lightning-Netzwerk) zu vereinfachen (jedoch nicht erst zu ermöglichen!).

Darüber hinaus ist SegWit ein wichtiges Upgrade um potentielle Sicherheits- und Betrugsverfahren zu verhindern. Hiermit meine ich nicht nur, die sogenannte Transaktion Malleability, die vor allem im Zusammenhang mit der Pleite der japanischen Bitcoin Börse Mt.Gox 2014 bekannt wurde, sondern auch das ASICBoost genannte Feature, das es Minern ermöglicht, sich unfaire und für die Integrität und Dezentralität des gesamten Netzwerks langfristig problematische Vorteile zu sichern.

Gerade letzter Aspekt ist wichtig, denn es ist nachgewiesen, dass manche chinesische Miner ihre Hardware bereits auf ASICBoost hin optimiert haben. Umso merkwürdiger ist daher, dass dieser Punkt in der aktuellen Berichterstattung im Allgemeinen nicht auftaucht. (Mehr dazu aber in der aktuellen Folge unseres Honigdachs-Podcasts)

Die Qualität der Berichterstattung schwankt stark

Ohnehin ist es gar nicht so leicht, aktuell gut informiert zu bleiben. Der Deutschlandfunk bspw. zeigt mit seinem gestrigen Bericht Die Bitcoin-Blockchain soll runderneuert werden, wie man es besser nicht macht. Den Versuch in allen Ehren, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand dieses abstrakte und an einigen stellen verfälschend vereinfachte Gespräch für erhellend halten kann.

Deutlich besser informiert wird man hingegen zum Beispiel bei Golem: Bitcoin steht vor grundlegenden Änderungen, Heise: Blockgröße beim Bitcoin: Miner stimmen erstem Schritt für Protokolländerung Segwit2x zu und Computer Base: SegWit2x: Bitcoin soll eine bessere Blockchain erhalten

Tiefergehend informiert darüber hinaus derzeit bspw. Aaron van Wirdum im Bitcoin Magazin z. B. mit Countdown to SegWit: These Are the Dates to Keep an Eye On und BIP 91 Has Locked In. Here’s What That Means (and What It Does Not)

Statistische Übersichten

Wer sich zusätzlich selbst noch ein aktuelles Bild von den Entwicklungen machen will, der sollte sich eine der folgenden -Netzwerk-Monitoring-Seiten in einem Tab geöffnet halten, die über mögliche Forks informieren. Insbesondere, wenn man, wie bspw. dieser Redditor auf Gewinne durch einen immer noch möglichen Fork der Blockchain aus ist: I’m 100% in Bitcoin because I want coins on all possible chains. 🙂

Der Reiz der Volatilität

Bleibt mir an dieser Stelle nur noch einmal den Bogen zu schlagen zum Thema Volatilität und warum mir diese selbst bei Ausschlägen von 30 Prozent keine Sorgen macht.

1. Volatilität zeigt: Jetzt wird es spannend

Zum einen ist Bitcoin noch immer ein Experiment, was nach mehr als acht Jahren und satten Kursgewinnen leicht vergessen wird. Und zwar nicht nur ein ökonomisches Experiment, sondern auch ein technisches und ein soziales. Experimente müssen grundsätzlich auch unvorhersehbare Ergebnisse liefern können, sonst wären sie langweilig.

Im Falle von Bitcoin ist die Volatilität nun eines der wichtigsten Indizien dafür, dass es, sowie in den letzten Wochen, wieder einmal spannend wird. Dass etwas passiert, was Raum für Unvorhergesehenes bietet. Wer an Erkenntnissen aus dem Experiment Bitcoin interessiert ist, für den ist die Volatilität daher ein sehr wichtiger Indikator.

2. Volatilität erhält die Dynamik

Volatilität schreckt zudem auch ab. Das sieht man zum Beispiel an all den warnenden Medienberichten, wenn der Kurs mal wieder runter geht. Sie erschwert institutionalisierten Großanlegern und anderen Spekulanten, denen es weniger um die Sache als in erster Linie um Profite geht, dadurch den Zugang.

Das ist insofern wichtig, als das Bitcoin selbst mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 40 Milliarden US-Dollar noch ein vergleichsweise kleines Phänomen ist und eine Vielzahl von rein auf Erträge fixierten Anleger das Experiment durchaus verfälschen und verlangsamen würden. Wie sollte man bspw. erfahren, ob und wie Bitcoin als Peer-to-Peer Electronic Cash System funktioniert, wenn es nicht als Netzwerk genutzt, sondern ein Großteil der Bitcoins durch institutionelle Spekulanten einfach nur gehalten würde?

Die Volatilität verhindert hier das Einsteigen von zu vielen (Groß-)Investoren und eröffnet die Chance, dass sich die Nutzerbasis von Bitcoin zunächst weiter verbreitert und der Preis noch weiter steigt. Beides würde dem System weiter die Freiheit geben, sich zu stabilisieren, eine dynamische Entwicklung ermöglichen und den künftigen Einfluss möglicherweise zu großer Player begrenzen.

3. Volatilität bereinigt

Darüber hinaus bereinigt die Volatilität das Ökosystem von genau denjenigen Spekulanten, denen es vor allem nur um das Geld geht. Sinkt der Preis nämlich massiv, kann des eine Kettenreaktion auslösen, in deren Folge vor allem diejenigen ihre Bitcoins verkaufen, die sich am wenigsten mit dem Thema auskennen oder für die Idee und das Konzept hinter Bitcoin interessieren. Ganz im Gegensatz zu vielen selbsternannten HODLern, die durch ihre konsequente, teils auch stark ideell motivierte Unterstützung einen wichtigen Beitrag zur Dezentralität von Bitcoin leisten.

HODL

Diese Bereinigung ist insofern positiv, als dass ohnehin niemand in Bitcoin investieren sollte, der es nicht verstanden hat (oder das nicht zumindest versucht). Die Volatilität sorgt hier also insofern für eine Selbstbereinigung des Ökosystems von zu vielen Spekulanten, überzogenen Erwartungen und sollte letztlich auch immer wieder daran erinnern, dass Geld auch nicht der einzige Faktor ist, an dem sich der Erfolg von Bitcoin messen lässt. Derer gibt es nämlich noch eine weitere.

Ich jedenfalls bin, wie viele andere auch, trotz enormer Volatilität im letzten Monat recht zuversichtlich, was die Zukunft von Bitcoin angeht und gespannt, was dieses Experiment noch an unerwarteten Erkenntnissen hervorbringt.

Bild: Screenshot aus Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb

Warum „private Blockchains“ Unfug sind

Ich habe einiges Feedback auf meinen letzten Beitrag bekommen, in dem ich Daimler und die LBBW als Könige des Blockchain-Bullshit-Bingo bezeichnet habe. Manche waren dankbar dafür, dass ich so deutliche Worte gefunden habe, andere haben nachgefragt, was genau denn an „privaten Blockchains“ so schlimm wäre.

Da ich davon ausgehe, dass sich noch viele andere diese und ähnliche Fragen stellen, hier noch einmal eine etwas ausführlicher Erklärung, warum „private Blockchains“ ein Widerspruch in sich selbst und damit Unfug sind.

Die Blockchain ist eine Speziallösung

Zunächst ist es wichtig, sich Folgendes zu vergegenwärtigen:

Die Blockchain ist eine ganz spezielle Form einer verteilten Datenbank. Verteilte Datenbanken an sich sind wierum nichts Neues, sondern ein seit Jahrzehnten bewährter und elementarer Bestandteil der IT. Verteilte Datenbank haben bislang jedoch eine wichtige Eigenschaft: Es gibt immer eine zentrale Institution, die sie betreibt, verwaltet und letztlich die Verantwortung für die enthaltenen Daten trägt.

Das kann zum Beispiel eine Bank sein, die ihre Daten aus Sicherheitsgründen nicht auf einem einzigen Server speichert, sondern auf mehreren, räumlich voneinander getrennten. Fällt ein Rechenzentrum aus, kann der Betrieb so im Prinzip dennoch reibungslos aufrecht erhalten werden. Fällt jedoch die Bank selbst als zentrale, den kompletten Datensatz verantwortende Institution aus, dann sind auch alle Daten davon betroffen.

Genau in diesem Punkt unterscheidet sich die Blockchain. Denn es ist die erste und bislang einzige Form einer verteilten Datenbank, die ganz ohne zentrale Betreiber-Institution auskommt. Also ohne Bank. Das hat viele Vorteile. Einer ist zum Beispiel die erhöhte Sicherheit und Verlässlichkeit der Daten. Denn es gibt nicht nur eine (zentrale) Instanz, die die Datenbank betreibt, sondern deren Organisation ist auf tausende gleichberechtigte Teilnehmer verteilt.

In diesem Netzwerk verliert der Einzelne ganz bewusst an Bedeutung. Weder kann er gegen den Konsens aller die Daten willkürlich bearbeiten, dafür bleibt deren Integrität aber auch gewährleistet, fällt er (oder hunderte andere mit ihm) aus. Daraus folgt auch: Je größer und dezentraler das Netzwerk, das die Blockchain betreibt, desto sicherer sind die Daten darin.

Dezentralität lohnt, hat aber auch ihren Preis

Um nun zu verstehen, warum „private Blockchains“ Unsinn sind, ist es wichtig, sich klar zu machen, dass die herausragenden Eigenschaften der Blockchain (Ausfallsicherheit, Nicht-Manipulierbarkeit, Dezentralität etc.) natürlich auch ihren Preis haben. Denn verglichen mit anderen verteilten Datenbanken ist die Blockchain extrem langsam, hat eine enorm begrenzte Kapazität und ist unglaublich verschwenderisch in Bezug auf Ressourcen wie Energie und benötigte Rechenleistung. Darüber hinaus sind alle Daten in der Blockchain für jedermann offen einsehbar.

Das ist jedoch nicht optional, sondern Grundbedingung, dass die Blockchain überhaupt funktioniert. Würde man Daten in der Blockchain irgendwie auf „privat“ setzen, würde das das gesamte System ad absurdum führen. Denn die Daten in der Blockchain sind nur dann sicher und vertrauenswürdig, wenn jeder Netzwerkteilnehmer sie gleichberechtigt auf Richtigkeit überprüfen kann. Das ist nun einmal der Preis, den man beim Einsatz der Blockchain zu zahlen hat. Und er ist nicht verhandelbar.

Dafür bekommt man im Gegenzug aber zum Beispiel mit Bitcoin ein staaten-, banken- und grenzenloses Geld, das nicht zensierbar ist und dessen Vorteile gegenüber den oben genannten Nachteile offenbar überwiegen.

Als Zwischenfazit lässt sich daher festhalten: Die Blockchain ist eine sehr spezielle Form einer verteilten Datenbank, die keine zentrale Institution benötigt. Das macht sie enorm innovativ und – siehe Bitcoin – für bestimmte Anwendungen sehr erfolgreich. Allerdings bringt die Blockchain auch Eigenschaften mit sich, die sie nicht für alle Anwendungen zur idealen Lösung machen. Denn sie ist vergleichsweise langsam, ressourcenhungrig und bietet nur Platz für wenige Daten. Zudem geht es nicht ohne Transparenz. Das sind die Eigenschaften, die die Blockchain ausmachen und sie können nicht einfach so verändert werden.

Eine Blockchain ist kein Wunschkonzert

An dieser Stelle wird nun deutlich, warum „private Blockchains“ so widersinnig sind. Denn die Blockchain einzusetzen, lohnt nur, wenn man ihre Vorteile auch voll zu nutzen weiß: Offenheit, Dezentralität, Transparenz der Daten etc.

Baut man hingegen, wie die Daimler-LBBW-„Blockchain“-Lösung, eine in sich abgeschlossene Datenbank, um genau das Gegenteil zu erreichen – zentrale Kontrolle über die Daten und beschränkter Zugriff darauf – stellt sich die Frage, warum eine Blockchain hierfür die optimale Lösung sein sollte? Immerhin holt man sich dadurch all die Nachteile ins Boot (langsame Geschwindigkeit, hoher Ressourcenbedarf, begrenzte Kapazität) ohne aber die Vorteile zu nutzen, die eine offene Blockchain ermöglicht. Zumal die Sicherheit der Daten in einem sehr kleinen Blockchain-Netzwerk eben auch sehr klein ist.

Kurzum: Egal welches Problem –  eine „private Blockchain“ ist immer die schlechteste Wahl. Denn will ich etwas privat und zentralisiert machen, sind „klassische“ Datenbank-Lösungen effizienter, billiger und sicherer. Will ich mir hingegen die Vorteile einer offenen, dezentralen Lösung wie der Blockchain zu eigen machen, muss ich mich mit ihren Eigenschaften arrangieren.

Sollten Banken die Finger von der Blockchain lassen?

Bleibt die Frage, inwieweit es trotzdem sinnvoll sein kann, wenn Banken mit der sogenannten „Blockchain-Technologie“ experimentieren. Ich halte das für sehr sinnvoll, insbesondere wenn das Ergebnis ist, dass die Blockchain in vielen Fällen eben nicht das geeignete Werkzeug ist, sondern möglicherweise eine andere, Blockchain-inspirierte Lösung.

In jedem Fall gilt es aber solch ein Blockchain-Bullshit-Bingo zu vermeiden, wie es Daimler und die LBBW fabriziert haben. Sich das Ethereum-Protokoll zu nehmen, es auf einer privaten Instanz laufen zu lassen und dann zu behaupten man hätte die Blockchain genutzt, ist in etwa so zutreffend, wie wenn man sich Laufschuhe ausleiht, diese einmal zu Hause anzieht und dann behauptet einen Marathon gelaufen zu sein. Kann man machen, ist aber eben …

Abschließender Hinweis

Im Sinne der Argumentation habe ich in diesem Text einige Punkte vereinfacht.

Im Ruhrpott eröffnet das erste Blockchain-Hotel

Als ich das erste Mal von der Idee eines BlockchainHotels hörte, war ich irritiert. Verständlicherweise, denn  in den vergangenen Monaten wurde der Begriff „Blockchain“ immer wieder wild mit allem Möglichen kombiniert, um zu schauen, ob sich die daraus entstehenden, teils kuriosen Mixturen irgendwie zu Geld machen lassen.

Drei gute Gründe für das Blockchain Hotel

Mittlerweile habe ich mich aber davon überzeugen lassen, dass es vielleicht doch gar keine so skurrile Idee ist, ein monothematisches Schulungs- und Tagungshotel rund um Bitcoin- und die Blockchain aufzubauen. Denn erstens ist die Nachfrage nach guten Bildungsangeboten zu dem Thema groß. Zweitens ist das Konzept erprobt. Mit dem Linux-Hotel gibt es nämlich (trotz dieser Website!) bereits ein erfolgreiches Vorbild und „Schwester“-Hotel. Und drittens steckt hinter dem BlockchainHotel nicht irgendwer, sondern die umtriebigen Jungs, die auch die Website bitcoin-treff.de ins Leben gerufen haben, nachdem sich localbitcoins aus dem deutschen Markt zurückgezogen hatte.

BlockchainHotel Karte
In Essen, mitten im Ruhrpott eröffnet das erste BlockchainHotel
Hotel plus Konferenz + Meetups + Schulungen

Künftig wollen die Betreiber das BlockchainHotel also nutzen, um dort selbst Workshops, Meetups und Konferenzen zu veranstalten, aber auch anderen eine All-Inclusive-Lösung für Bitcoin- und Blockchain-Veranstaltungen zu geben.

Noch ist das Hotel im Aufbau, aber die ersten Events stehen bereits fest. Am 15. und 16. September findet eine Konferenz statt, in der Woche davor gibt es die ersten Schulungen und Workshops, die man zusätzlich besuchen kann und ab kommendem Montag findet dort monatlich ein thematisches Meetup statt.

Bei der Konferenz werde ich dann übrigens auch vor Ort sein und mir selbst ein Bild machen können. Nach allem, was ich bisher gehört habe, steckt aber bereits jetzt viel Arbeit, Energie und Herzblut in dem Projekt.

Was ist Was: Geld – Bitcoin für Kinder erklärt

Ich habe Anfang des Jahres im Auftrag einer Bank 120 Quizfragen für Kinder und Jugendliche zum Thema Geld miterarbeitet. Das war eine größere Herausforderung, als man denkt. Das Quiz sollte ja nicht langweilig werden, nicht zu leicht und nicht zu schwer sein, genügend Aha-Momente bieten und letztlich aber auch informativ und didaktisch anspruchsvoll sein.

Was ist Was (Band 78): Geld. Vom Tauschhandel zum Bitcoin

Als nun neulich das Was ist Was-Buch Geld. Vom Tauschhandel zum Bitcoin auf meinem Schreibtisch landete, dachte ich schon nach wenigen Seiten: Wow, wie viel schneller wäre ich mit der Recherche gewesen, wenn ich damals schon dieses Buch gehabt hätte.

Denn dieser Was ist Was-Band bietet zwischen den kurzweiligen und abwechslungsreichen Hauptthemen (von der Produktion des Geldes über seine Historie und internationale Variationen bis hin zum Umgang der Gesellschaft mit Geld) jede Menge „Angeberwissen“, „Schon gewusst?“ und „Funny Facts“, sodass man auch als Erwachsener das Buch so schnell nicht mehr aus der Hand legt, wenn man einmal mit blättern begonnen hat.

Was ist Was - Bitcoin 2
Bitcoin auf einer Seite zusammengefasst. Zum Lesen bitte kaufen. Kostet nur 9,95 Euro
Ideal für Neugierige jeden Alters

Dass der aktuelle Band dabei auf der letzten Doppelseite mit dem Thema Zukunft des Geldes auch auf Bitcoin und andere Kryptowährungen eingeht, ist konsequent und erfreulich gleichermaßen. Denn dass Bitcoin nicht wieder verschwinden wird, kann heute niemand mehr ernsthaft bestreiten. Insofern muss das Thema unbedingt auch standardmäßiger Teil der Kinder- und Jugendbildung werden. Wenn das auf so unterhaltsame Weise wie hier passiert, umso besser.

Wer also auf der Suche nach einem Geschenk ist oder selbst sein Wissen rund um das Thema Geld erweitern will, dessen letztlich logische Weiterentwicklung Bitcoin ist, kann hier getrost zugreifen. Zumal 9,95 Euro dafür ein wirklich fairer Preis ist. Ich jedenfalls, weiß jetzt, wo ich beim nächsten Quiz nach Material für gute Fragen suche.

Partnerlink: Was ist Was (Band 78): Geld. Vom Tauschhandel zum Bitcoin, Tesloff 2017, 47 Seiten, 9,95 Euro

Ride the Bitcoin-Rocket-Rollercoaster

Wer sich dieser Tage einen schnellen und nerdig-sympathischen Überblick über den aktuellen Bitcoin-Kurs verschaffen will, der sollte, wie ich, bitcoinrollercoaster.com permanent in einem Tab geöffnet halten.

Der Bitcoin-Rollercoaster weiß immer, was zu tun ist

Denn egal, ob der Kurs-Ritt gerade mal wieder Richtung Mond zeigt oder doch wieder nach unten – irgendwie macht die Seite immer gute Laune. Was vielleicht auch an den, egal wie der Kurs ist, immer optimistischen Sprüchen liegt, die wechselnd eingeblendet werden. Das liest sich über die Zeit dann etwa so:

„$10K INCOMMING!“ ,

„GREEN!“,

„HODL!“,

„BUY THE DIP!“

„TO THE MOON!“ ┗(°0°)┛

… und mehr braucht man doch eigentlich auch nicht zu wissen, oder?