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Ist die Blockchain nur ein Abfallprodukt?

Der israelische Bitcoin-Entwickler Udi Wertheimer hat kürzlich auf Twitter eine durchaus provokante These über Blockchains veröffentlicht: Dass eine Blockchain nämlich keineswegs etwas sei, was man haben möchte, geschweige denn in irgendeiner Weise promoten sollte. Die Blockchain sei vielmehr ein Abfallprodukt und notwendiges Übel, um zu erreichen, was man eigentlich haben möchte: eine Konsensentscheidung, wem welches Guthaben gehört.

Das ist eine ungewöhnliche Position, die selbst für Bitcoiner durchaus herausfordernd sein kann und doch lohnt es sich, das Thema „Blockchain“ auch von diesem Standpunkt zu betrachten.

Kritik an der Blockchain ist berechtigt

Nehmen wir zum Beispiel die vielfach geäußerte Kritik, dass Bitcoin so enorm viel Energie verbrauche. Diese Kritik ist ja durchaus begründet. Das Bitcoin-Netzwerk benötigt nun einmal sehr viel Strom zur Absicherung seiner Integrität. Doch geht es in diesem Fall eben nicht anders.

Genau das ist aber der Punkt. Eben weil es so aufwändig ist, eine sichere Blockchain zu etablieren, sollte man um jeden Preis vermeiden, eine Blockchain einzusetzen, wenn dies nicht unbedingt nötig ist. Für rein digitales, zensur- und manipulationssicheres Geld (Bitcoin) gibt es nun einmal (bislang) keine andere Lösung. Für alle anderen bisher propagierten „… but with Blockchain!“-Lösungen in der Regel aber schon.

Neue Sichtweisen sind gut für den Diskurs

Wie herausfordernd (im positiven Sinne) diese unkonventionelle Sichtweise auf Blockchains sein kann, sieht man auch am weiteren Verlauf der durch die These ausgelösten Diskussion. Den vorgebrachten Pro-Blockchain-Argumenten, begegnet Wertheimer nämlich mit guten Gegenargumenten.

Wie zum Beispiel die oftmals so positiv beworbene Unveränderlichkeit, die letztlich jedoch gar kein immanentes Feature einer Blockchain ist, sondern die sich aus dem bereits kritisierten hohen Energieverbrauch, der hinreichenden Größe eines dezentralisierten Netzwerks und aus diversen anderen Faktoren ergibt. Im besten Fall.

Aufgrund dieser vielen unterschiedlichen Faktoren, die in ihrer Gesamtheit die positiven und negativen Eigenschaften einer Blockchain beeinflussen, gleichzeitig in Summe aber nur schwer zu kontrollieren sind, könne man eine Blockchain daher auch nicht als eine Form von Produkt sehen. Sondern nur als Nebenprodukt.

Dass die historisch in einer Blockchain abgelegten Daten trotzdem einen bestimmten Nutzen haben können, ist dabei aber tatsächlich ein Punkt, über den man noch länger diskutieren könnte.

Für den aktuellen Stand, wem welcher Bitcoin gehört, ist das stetig wachsende Archiv an Provenienz-Daten jedoch kaum relevant. Unter Privatsphäre-Aspekten wäre es sogar von Vorteil, wenn die Transaktionshistorie jedes einzelnen Bitcoin nicht dauerhaft und offen gespeichert wäre. Allerdings würde man damit eben auch die Option verlieren, zusätzliche Daten per Time-Stamping in der Blockchain zu verankern. Ist es das wert?

Doch genau um solche Denk- und Diskussionsanstöße geht es hier ja. Dass „Blockchain“ kein Zauberallheilmittel ist, ist mittlerweile bekannt. Dass es vielleicht noch viel weniger, nämlich nur ein Abfallprodukt ist, ist (noch) eine provokante und unpopuläre Definition. Trotzdem ist an dieser These etwas dran.

Vor allem, wenn Udi Wertheimer für die Begründung so plastische Analogien verwendet wie diese:

Bild: Toxic (CC BY 2.0)

Blockchain & Kultur – Neue Podcast-Serie im DLF

Der Deutschlandfunk hat dieser Tage unter dem Titel Blockchain Stories eine achtteilige Radio- und Podcast-Serie online gestellt. Das Besondere dabei: Alle Beiträge sind von der Kultursendung Corso verantwortet, was dem Thema einen erfrischenden Blickwinkel verleiht.

„Blockchain“ aus der Kulturperspektive

So geht es neben einem obligatorischem Blockchain-Grundlagen-Beitrag und einem über Bitcoin als Geld der Zukunft (das Stück habe ich gemacht) auch noch einmal konkret um die Aspekte Klima, Patente, Musik, Gaming und Politik.

Wobei insbesondere über letztere Folge noch zu reden sein wird. Der interviewte Medienwissenschaftler David Golumbia vertritt nämlich ein paar sehr kontroverse und irritierende (Verschwörungs-)Theorien. Aber dazu dann mehr in der nächsten Honigdachs-Podcast-Folge.

Solide, aber nicht ganz auf der Höhe der Zeit

Insgesamt sind alle Beiträge solide und ich finde es gut, dass sich die Redaktion für das Thema „Blockchain“ ein paar neue Blickwinkel hat einfallen lassen. Warum nicht mal eine Ethereum-Mine anstelle einer Bitcoin-Mine besuchen und über Gaming und die Blockchain wurde bisher ja auch noch nirgends so prominent gesprochen.

Dennoch gibt es auch Kritik. Einige Beiträge wirken nämlich nicht ganz aktuell. So ist ja nicht erst seit gestern klar, dass es grundsätzlich keine gute Idee ist, komplexe digitale Spiele dezentral auf einer Blockchain laufen zu lassen. (Weil es zum einen keine Blockchain gibt, die das technisch leisten könnte und es zum anderen auch keinen guten Grund gibt, Spiele nicht mehr, wie bisher, zentral zu verwalten.) Warum also noch so ausführlich darüber reden, wenn es doch eigentlich um die „Zukunft des Zocken“ gehen soll?

Das hätte man schneller abhaken und zum tatsächlich interessanteren Ausblick in die Zukunft kommen können. Diesen jedoch aus dem schon vor langer Zeit verblühten Hype um tokenisierte Collectibles wie Crypto Kitties abzuleiten, wirkt etwas aus der Zeit gefallen. Nach bald anderthalb Jahren ist dieses Thema in Krypto-Jahren schon fast als historisch zu betrachten. Ein daraus abgeleiteter Blick in die Zukunft entsprechend retro-futuristisch.

Ein Beitrag auf der Trend- und technischen Höhe der Zeit hätte sich dagegen auch mit den Möglichkeiten und Konsequenzen von Lightning-basierten Micro- und Nanopayments (alles kleiner 1 Cent) auf Gaming beschäftigt. Dieser Aspekt fehlt jedoch leider ganz.

Zwischen Krypto-Historie und Realitäts-Futurismus

Nichtsdestotrotz ist das aber Kritik auf hohem Niveau. Denn was für jemanden, der sich selbst bereits intensiv mit der Materie auseinandersetzt, bereits krypto-historisch ist, kann für den prototypischen Deutschlandfunk-Kulturmagazin-Hörer trotzdem futuristisch (genug) sein. Insofern überwiegt die Tatsache, dass Bitcoin und seine Auswirkungen überhaupt und immer mehr als gesellschaftsrelevantes Kulturthema wahrgenommen und diskutiert wird, die Kritik deutlich.

Zumal die einzelnen Stücke auch wirklich schön anzuhören sind. (Vom Golumbia-Interview mal abgesehen, das ohne den Kontext seines Buches wie das Dümmste wirkt, was jemals über Bitcoin gesagt wurde.)

Die acht Beiträge sind im Einzelnen:

#1 Blockchain für Dummies erklärt
Wohl kaum ein anderes Phänomen wird in der Netzkultur so stark diskutiert wie die Blockchain. Ein Heilsbringer soll sie sein, der die Macht hat, das Internet zu verändern und viele Probleme der Zukunft zu lösen. Wie sie funktioniert, wissen aber nur die wenigsten. Ein Erklärungsversuch.

#2 Bitcoin = digitale Währung der Zukunft
Obwohl es Bitcoin schon seit zehn Jahren gibt, hat noch kaum jemand dieses digitale Bargeld so richtig verstanden. Trotzdem wächst das Phänomen beständig. Warum eigentlich?

#3 Besuch einer Ethereum-Mine
Bis vor Kurzem konnte man mit Kryptowährungen ziemlich schnell Millionär werden. Wertverlust hin oder her: Das digitale Geld wird immer noch in sogenannten Kryptominen geschürft. Das gilt auch für Ethereum, das mehr Einsatzmöglichkeiten bietet. Einblicke in eine Parallelwelt aus Strom und Kabeln.

#4 Die Politik der Bitcoin
Die Blockchain gilt als fortschrittliche Erfindung. Die Attraktivität dieser neuen Technologie bringt allerdings politische Gefahren mit sich. Sie sei effektiver in der Verbreitung von Ideologie als alles andere, sagte Medienwissenschaftler David Golumbia im Dlf.

#5 Digital und dreckig
Der Hype um den Bitcoin hat zu einem digitalen Goldrausch geführt. Aber das Schürfen der Kryptowährung verschlingt enorme Mengen Energie. Mittlerweile dürfte ein Teil der Klimaerwärmung aufs Konto des Bitcoin gehen. Eine umweltfreundliche Nutzung der Technologie scheint dennoch möglich.

#6 Revolution des Patentrechts?
Seit der Erfindung des Papiers werden wichtige Dokumente mit einem Stempel verifiziert. Heutzutage versehen Computer Dateien mit einem Zeitstempel. Die Blockchain könnte dieses Verfahren vereinfachen und sicherer machen – für Musiker und andere Kreative. Steht eine Revolution des Patentrechts bevor?

#7 Die Zukunft der Musik
Eine Revolution der Musikwelt steht bevor: Dank der Blockchain wird es Musikern durch innovative Geschäftsmodelle angeblich bald möglich sein, digitale Welten mit ihren eigenen Regeln zu erschaffen. Darin läge das Potential, sich neu zu erfinden, sagte Medienkünstler Mathew Dryhurst im Dlf.

#8 Computerspiele neu gedacht
Blockchain in Computerspielen – dort würde man die Technologie nicht vermuten. Diese Gamedesignerszene ist zwar überschaubar, will die digitale Spielewelt aber mit neuen Ideen bereichern: So könnten die Nutzer virtuelle Welten mit eigenen Entwürfen erweitern. Ein Blick in die Zukunft des Zockens.

Bitcoin explained, 698 BC

Schönes Fundstück für den entspannten Wochenstart: Bitcoin explained. Oder wie es in der Beschreibung heißt: „We all have a crypto-friend who sounds like this guy. Gold back in 698 BC was no different…“

Meine Lieblingsstellen: „I tell you what a finite resource is – my fucking patience“ und „It’s silver or as I like to call it: Lite Gold Cash!“

Und selbstverständlich muss man sich dann auch noch das Sequel anschauen. Made my day!

Bitcoin- und Blockchain-Presseschau #97

Neues Jahr, Zeit mal wieder eine Bitcoin-Presseschau zu schreiben. Dieses Mal dreht sich alles um das 10-Jährige von Bitcoin, Rückblicke und den aktuellen Status Quo. Wie immer habe ich nur Artikel rausgesucht, die den Klick auch wirklich wert sind.


Why Bitcoin Matters for FreedomTime Magazine

Auf diesen Text von Alex Gladstein hatten wir schon im letzten Honigdachs-Podcast hingewiesen. Nichtsdestotrotz gehört er auch in diese Presseschau, denn er behandelt die wichtige Frage, warum es gut ist, dass Bitcoin da ist.


Happy 10th birthday, bitcoin. It’s amazing you still existThe Guardian

Ein erfrischendes Meinungsstück von Tibor Fischer über den aktuellen Stand von Bitcoin, in dem er kein Blatt vor den Mund nimmt und beiden Seiten, Bitcoin-Befürwortern und Bitcoin-Gegnern, gleichermaßen den Kopf wäscht.


Bitcoin By the Numbers: 2018 Recap – Jameson Lopp

Jameson Lopp fasst das Bitcoin-Jahr 2018 noch einmal in einer Vielzahl Zahlen und Statistiken zusammen. Denn: „… by using a diversity of metrics and sources we can get a better rough idea of what’s going on.“ Fazit: „Yes, Bitcoin fared poorly in terms of exchange rate in 2018. But by almost any other metric the system is improving and growing.

So ist bspw. die Zahl der Abonnenten des Bitcoin-Subreddits r/bitcoin vergangenes Jahr um 61 Prozent gestiegen und auch die Zahl wissenschaftliche Veröffentlichung mit Bezug zu Bitcoin wächst weiter beständig (2014: mehr als 14.000).

Ansonsten gingen die Gebühren für On-Chain-Transaktionen stark runter, Bitcoin-Adressen werden häufiger wiederverwendet (was man eigentlich nicht machen sollte) und die Verankerung von zusätzlichen Daten in der Bitcoin-Blockchain (OP_RETURN-Outputs) steigt seit Jahren immer rasanter.

Das Lightning-Netzwerk wächst ebenso rasant, doch geht offensichtlich die Zahl der Bitcoin-Knoten signifikant zurück. Um ein Drittel ist sie 2018 auf rund 65.000 gefallen. Interessant dabei: Hier in Deutschland zeigt der Trend offensichtlich in die andere Richtung.


Fifteen dead cryptocurrency predictions, twelve months onNic Carter

Nic Carter hat am 1. Januar 2018 einen Hash getweetet, der für 15 Kryptowährungen stand, von denen er ausging, dass sie binnen eines Jahres tot seien (mehr als 95 Prozent Wertverlust, keine technische Weiterentwicklung).

Nun hat er aufgelöst, auf welche Coins er sich damals festlegte (u.a. IOTA, Bitcoin Gold, Tether, Augur und Dash), wie deren Performance tatsächlich war und was wir daraus lernen können. Vor allem ein Schluss ist beachtenswert: Shitcoins zu durchleuchten ist unverhältnismäßig aufwendig, denn es gibt keinerlei Entlohnung. Deswegen macht es auch kaum einer. Sehr lesenswerte Analyse!


Bitcoin at 10Coindesk

Weil ja derzeit immer irgendetwas an Bitcoin zehn Jahre alt wird (Whitepaper, Genesis-Block, erster zweiter Fullnode, erste Transaktion etc.), hat jetzt auch Coindesk eine „10 Jahre Bitcoin“-Sonderseite mit allerlei Geschichten und Fundstücken veröffentlicht.

Hodl – Wahrscheinlich DAS Bitcoin-Meme überhaupt.

Nicht alles ist hier Klick wirklich wert, aber dass sie den original HODL-Meme-Creator aufgespürt und ihn dazu gebracht haben, vor laufender Kamera noch einmal betrunken seinen legendären Hodl-Post von damals vorzulesen (betrunken!), hat schon was. (Das Video ist ansonsten ziemlich fade, daher am besten direkt zu Minute 5:53 springen).


Das war’s für diese Presseschau. Wer mag hinterlässt ein paar Satoshis.


Happy Genesisday! – Zehn Jahre Bitcoin

Heute auf den Tag genau vor zehn Jahren hat Satoshi Nakamoto den ersten Block der Blockchain gemined und damit seine zuvor im Bitcoin-Whitepaper skizzierte Idee eines Peer-to-Peer Electronic Cash Systems auch praktisch umgesetzt. Für die Community ist das natürlich ein Grund, das Bitcoin-Protokoll zu feiern.

https://twitter.com/Cryptodidacte/status/1080756964798447616

Besonders symbolträchtig ist dabei die Aktion von BitMex. Zum Jahrestag hat die Kryptobörse eine Anzeige in der britischen Times gebucht, um sich prominent auf der Titelseite bei Satoshi Nakamoto zu bedanken.

Vor zehn Jahren hatte Satoshi Nakamoto nämlich selbst die Schlagzeile der Times genommen und als politisches Statement
symbolisch in den ersten Block der Blockchain geschrieben.

https://twitter.com/mir_btc/status/1080718084342718464
Die Preisfrage

Dass die Community dabei feiert, obwohl der Preis von Bitcoin seit Ende 2017 um mehr als 80 Prozent gefallen ist, mag für Außenstehende irritierend erscheinen, ist es aber ganz und gar nicht. Denn wie schon oft erklärt, ist der Preis als Indikator für die Prosperität von Bitcoin nur bedingt geeignet, weil sich je nach Perspektive das Bild verzerren und Meinungen stark manipulieren lassen. Den Wertverlusten der vergangenen zwölf Monate steht immerhin ein gigantischer Wertzuwachs in den vergangenen zehn Jahren gegenüber.

Auch das zeigt am besten der Genesis-Block. Die ersten 50 Bitcoins, die Satoshi Nakamoto 2009 mit diesem generierte, waren damals nämlich 0,00 US-Dollar wert. Heute sind dieselben Bitcoins rund 190.000 US-Dollar wert.

Jahretiefststände statt All-Time-High

Aus diesem Grund finde auch ich den Vorschlag ziemlich hilfreich, die Entwicklung von Bitcoin nicht immer nur am Höchststand festzumachen, sondern vielmehr an seinen jährlichen Tiefstständen. Daraus ergibt sich nämlich ein deutlich weniger dramatisches Bild, sondern eines, das deutlich besser das beständige Wachstum zeigt.

Trotzdem vermute ich jedoch, dass sich diese Darstellung nicht durchsetzen wird, weil sich damit eben nicht mehr so schön dramatische Schlagzeilen produzieren lassen.

Not your keys, not your bitcoin

Im Podcast hingewiesen haben wir auch schon auf die neue „Tradition“ des Proof of Keys, einem koordinierten Bankrun auf die Kryptobörsen dieser Welt. Ziel dieses gemeinsamen Abhebe-Stresstests jeweils am 3.1. ist nicht nur, die Liquidität der Börsen auf die Probe zu stellen, sondern auch die ursprüngliche Idee von Bitcoin, konsequent Herr und Dame über das eigene Geld zu sein, weiter zu promoten.

Grundsätzlich finde ich diese Idee nicht schlecht (auch wenn mir das Gerede von „Erste-Klasse-Bitcoin-Bürgern“ etwas zu schwülstig ist). Es scheint jedoch notwendig zu sein, da es wohl schon im Vorfeld des Proof of Keys-Event zu ersten Problemen mit einer Krypto-Börse gekommen sein soll.

Wir dürfen also gespannt sein, was der Tag noch so bringt. In jedem Fall stoße auch ich auf Bitcoin an. Die fünf Jahre, die ich mich jetzt damit beschäftige, waren grandios und ich rechne nicht damit, dass die kommenden Jahre anders werden. Cheers!

Aufstieg und Fall des Wall Street Journal-Coins

Mit großer Begeisterung habe ich mir gerade die Dokumentation WSJCoin: Yes, We Created Our Own Cryptocurrency angesehen, mit der das Wall Street Journal einmal mehr zeigt, dass es eine der besten Adressen für eine zeitgemäße Berichterstattung über Bitcoin und Kryptowährungen ist.

To understand cryptocurrency …

Denn tatsächlich gibt es kaum eine bessere Möglichkeit, das komplexe und fordernde Thema „Kryptowährungen“ zu erklären, als selbst mal kurzerhand eine ins Leben zu rufen und in all die Probleme und Widersprüche zu rennen, die sich dabei nun einmal ergeben. Herausgekommen sind in diesem Fall erfrischende 24 Minuten, die humorvoll die Absurdität einer hohlen „Coin first, Sinn second“-Krypto-Industrie aufzeigen.

… you must become a cryptocurrency

Ein Projekt, von dem sich deutsche Medien mehr als eine Scheibe abschneiden könnten. Nicht nur weil es klasse Journalismus ist, der ein hochgradiges komplexes Thema super anschaulich und unterhaltsam aufbereitet, sondern auch in technischer Hinsicht. Immerhin benutzt das Wall Street Journal zwar einen proprietären Videoplayer, erlaubt aber das Einbetten auf fremden Webseiten. Hier hat man offensichtlich verstanden, wie das Web funktioniert.

Bonus

Meine Lieblingsstelle bei Minute 12:48 hat übrigens ausnahmsweise nichts mit Kryptowährungen zu tun, sondern mit Mariokart (Japan, ey!) und eine Beschreibung, die ich bisher noch nirgends gehört hatte, die ich mir aber unbedingt merken muss, weil ich denke, dass wir sie im Zusammenhang mit Bitcoin und Lightning noch häufiger hören werden: „Streaming Payments“

Honigdachs #34 – Bitcoin-Fazit 35C3 & 2018

Die 34. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin und die Blockchain zu reden auf Dauer zu wenig ist. (iTunes/RSS-Feed)

Honigdachs #34 – Bitcoin-Fazit 35C3 & 2018

Wie versprochen haben wir uns auf dem 35. Chaos Communication Congress getroffen, um selbigen und das Jahr 2018 aus Bitcoin-Perspektive Revue passieren zu lassen. Auch dieses Mal wieder mit einem Gast, denn Murch von BitGo ist u.a. für den 35C3 aus San Francisco angereist und hilft uns als Wallet-Spezialist, die Talks und Ereignisse des Jahres 2018 einzuordnen, das im Übrigen alles andere als ein schlechtes Jahr für Bitcoin war. Immerhin weckt es freudige Erwartungen für 2019. Oder ganz einfach gesagt: Long Popcorn!

Doch hört am besten selbst.

Kleiner Nachtrag: Tatsächlich konnte man sein Ticket für den Congress auch schon dieses Jahr mit Bitcoin bezahlen. Wurde aber nicht sehr prominent beworben und haben dementsprechend auch nur eine Handvoll Leute gemacht.

Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick

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Hörtipp – „Blockchain zwischen Hype und Hohn“

Gerade eben lief bei Deutschlandfunk Kultur eine lange Diskussion zum aktuellen Stand von „Blockchain“. Ich durfte dabei mitdiskutieren und finde, dass das eine der besten Diskussionen zum Thema war, die ich bisher erlebt habe.

„Blockchain“ im Bundestag, „Blockchain“ im Radio

Anlass war ja die Anhörung neulich im Digitalen Ausschuss des Bundestages zum selben Thema. Diese war wegen der vielen heißen Luft und des mangelnden Diskurses sehr schwer zu ertragen und letztlich auch kaum zielführend.

Genau das war bei dieser Talkrunde anders. Mit Philip Banse (Moderator), Michael Seemann (Netzkulturtheoretiker), Jutta Steiner (Mathematikerin, Parity) und Jürgen Geuter waren wir tatsächlich fünf Diskutanten, die sich seit langem mit dem Thema auseinandersetzen und daher auch respektvoll, fundiert, kritisch und konstruktiv gegen- und miteinander argumentieren konnten. Und das hört man. Gerne wieder.

10 Jahre Bitcoin – Das Radio-Feature

Gestern Abend habe ich mich sehr gefreut. Denn endlich war es  soweit: Mein halbstündiges Radio-Feature über „10 Jahre Bitcoin“, an dem ich die letzten zwei Monate gearbeitet habe, ging im Deutschlandfunk Kultur auf Sendung.

Viel Arbeit, Schweiß und Herzblut

Das ist insofern etwas Besonderes, als dass ich bisher an keinem anderen Beitrag so lange gesessen habe wie an diesem. Für die Interviews war ich in Frankfurt, Berlin, Prag, habe mit Leuten in England und den USA gesprochen (und sogar ein Interview von England aus nach Deutschland geführt) und hatte am Ende genug Material gesammelt, um damit locker auch einen Drei-Stunden-Sendeplatz füllen zu können.

Aber länger ist nicht immer gleich besser und die redaktionelle Entscheidung, sich letztlich auf die politische Dimension von Bitcoin und den Kampf um die Deutungshoheit über dieses „Experiment“ zu konzentrieren, war eine gute. Denn, wie auch im Feature angesprochen, ist diese politische Dimension ja einer der wichtigsten Aspekte von Bitcoin, weil hier die möglicherweise große gesellschaftspolitische Sprengkraft steckt, wird aber dennoch in der Öffentlichkeit bisher eigentlich kaum thematisiert.

Eine mutige Entscheidung gegen den allgemeinen Medientrend

Insofern bin ich auch meiner Redakteurin, Jana Wuttke, für ihre Entscheidung sehr dankbar, sich gegen den allgemeinen Medientrend zu stellen, über Bitcoin nur zu berichten, wenn der Preis rasant steigt oder fällt, und mir diesen prominenten Sendeplatz beim Deutschlandfunk Kultur zur Verfügung zu stellen.

Denn kaum eine andere Redaktion hat (derzeit) wirklich das Interesse oder den Mut, etwas hintergründiger über Bitcoin zu berichten oder zumindest zu versuchen, dieses Phänomen verständlich zu erklären. Außer natürlich, es geht um kontextlose Stromverbrauchs-Studien, um Kriminalität, Betrug oder um andere meist negative, aber Klicks versprechenden Schlagzeilen. Oder um irgendwas mit diesem kuriosen„Blockchain“.

Insofern bin ich allen sehr dankbar, die dieses Feature durch ihre Mithilfe ermöglicht haben (natürlich auch denen, deren Interviews nicht explizit zu hören sind) und freue mich auf Feedback und natürlich, wenn das Stück gehört und verbreitet wird. Daher hier nochmal der direkte Link zum Audio und dem zugehörigen Transskript und wer das Feature runterladen möchte, nutzt am besten diesen Link.

Unterstützt die Arbeit an weiteren guten Bitcoin-Beiträgen!

Wer darüber hinaus meine Arbeit an weiteren Stücken wie diesem unterstützen möchte, der darf das gerne auch finanziell mit einer Spende tun. Denn ich kriege natürlich ein Honorar für dieses Feature, reich werde ich dadurch aber nicht. Im Gegenteil: Ich finanziere alle meine Recherchen zum Großteil aus eigener Tasche. Solche aufwendigen Radiostücke macht man daher nicht fürs Geld, sondern weil man für ein Thema brennt. Wer diese Flamme aufrecht erhalten will, darf sich also gerne ein bisschen an den Recherche-Unkosten beteiligen.