Archiv der Kategorie: Bitcoin

Bitcoin- und Blockchain-Presseschau #97

Neues Jahr, Zeit mal wieder eine Bitcoin-Presseschau zu schreiben. Dieses Mal dreht sich alles um das 10-Jährige von Bitcoin, Rückblicke und den aktuellen Status Quo. Wie immer habe ich nur Artikel rausgesucht, die den Klick auch wirklich wert sind.


Why Bitcoin Matters for FreedomTime Magazine

Auf diesen Text von Alex Gladstein hatten wir schon im letzten Honigdachs-Podcast hingewiesen. Nichtsdestotrotz gehört er auch in diese Presseschau, denn er behandelt die wichtige Frage, warum es gut ist, dass Bitcoin da ist.


Happy 10th birthday, bitcoin. It’s amazing you still existThe Guardian

Ein erfrischendes Meinungsstück von Tibor Fischer über den aktuellen Stand von Bitcoin, in dem er kein Blatt vor den Mund nimmt und beiden Seiten, Bitcoin-Befürwortern und Bitcoin-Gegnern, gleichermaßen den Kopf wäscht.


Bitcoin By the Numbers: 2018 Recap – Jameson Lopp

Jameson Lopp fasst das Bitcoin-Jahr 2018 noch einmal in einer Vielzahl Zahlen und Statistiken zusammen. Denn: „… by using a diversity of metrics and sources we can get a better rough idea of what’s going on.“ Fazit: „Yes, Bitcoin fared poorly in terms of exchange rate in 2018. But by almost any other metric the system is improving and growing.

So ist bspw. die Zahl der Abonnenten des Bitcoin-Subreddits r/bitcoin vergangenes Jahr um 61 Prozent gestiegen und auch die Zahl wissenschaftliche Veröffentlichung mit Bezug zu Bitcoin wächst weiter beständig (2014: mehr als 14.000).

Ansonsten gingen die Gebühren für On-Chain-Transaktionen stark runter, Bitcoin-Adressen werden häufiger wiederverwendet (was man eigentlich nicht machen sollte) und die Verankerung von zusätzlichen Daten in der Bitcoin-Blockchain (OP_RETURN-Outputs) steigt seit Jahren immer rasanter.

Das Lightning-Netzwerk wächst ebenso rasant, doch geht offensichtlich die Zahl der Bitcoin-Knoten signifikant zurück. Um ein Drittel ist sie 2018 auf rund 65.000 gefallen. Interessant dabei: Hier in Deutschland zeigt der Trend offensichtlich in die andere Richtung.


Fifteen dead cryptocurrency predictions, twelve months onNic Carter

Nic Carter hat am 1. Januar 2018 einen Hash getweetet, der für 15 Kryptowährungen stand, von denen er ausging, dass sie binnen eines Jahres tot seien (mehr als 95 Prozent Wertverlust, keine technische Weiterentwicklung).

Nun hat er aufgelöst, auf welche Coins er sich damals festlegte (u.a. IOTA, Bitcoin Gold, Tether, Augur und Dash), wie deren Performance tatsächlich war und was wir daraus lernen können. Vor allem ein Schluss ist beachtenswert: Shitcoins zu durchleuchten ist unverhältnismäßig aufwendig, denn es gibt keinerlei Entlohnung. Deswegen macht es auch kaum einer. Sehr lesenswerte Analyse!


Bitcoin at 10Coindesk

Weil ja derzeit immer irgendetwas an Bitcoin zehn Jahre alt wird (Whitepaper, Genesis-Block, erster zweiter Fullnode, erste Transaktion etc.), hat jetzt auch Coindesk eine „10 Jahre Bitcoin“-Sonderseite mit allerlei Geschichten und Fundstücken veröffentlicht.

Hodl – Wahrscheinlich DAS Bitcoin-Meme überhaupt.

Nicht alles ist hier Klick wirklich wert, aber dass sie den original HODL-Meme-Creator aufgespürt und ihn dazu gebracht haben, vor laufender Kamera noch einmal betrunken seinen legendären Hodl-Post von damals vorzulesen (betrunken!), hat schon was. (Das Video ist ansonsten ziemlich fade, daher am besten direkt zu Minute 5:53 springen).


Das war’s für diese Presseschau. Wer mag hinterlässt ein paar Satoshis.


Happy Genesisday! – Zehn Jahre Bitcoin

Heute auf den Tag genau vor zehn Jahren hat Satoshi Nakamoto den ersten Block der Blockchain gemined und damit seine zuvor im Bitcoin-Whitepaper skizzierte Idee eines Peer-to-Peer Electronic Cash Systems auch praktisch umgesetzt. Für die Community ist das natürlich ein Grund, das Bitcoin-Protokoll zu feiern.

https://twitter.com/Cryptodidacte/status/1080756964798447616

Besonders symbolträchtig ist dabei die Aktion von BitMex. Zum Jahrestag hat die Kryptobörse eine Anzeige in der britischen Times gebucht, um sich prominent auf der Titelseite bei Satoshi Nakamoto zu bedanken.

Vor zehn Jahren hatte Satoshi Nakamoto nämlich selbst die Schlagzeile der Times genommen und als politisches Statement
symbolisch in den ersten Block der Blockchain geschrieben.

https://twitter.com/mir_btc/status/1080718084342718464
Die Preisfrage

Dass die Community dabei feiert, obwohl der Preis von Bitcoin seit Ende 2017 um mehr als 80 Prozent gefallen ist, mag für Außenstehende irritierend erscheinen, ist es aber ganz und gar nicht. Denn wie schon oft erklärt, ist der Preis als Indikator für die Prosperität von Bitcoin nur bedingt geeignet, weil sich je nach Perspektive das Bild verzerren und Meinungen stark manipulieren lassen. Den Wertverlusten der vergangenen zwölf Monate steht immerhin ein gigantischer Wertzuwachs in den vergangenen zehn Jahren gegenüber.

Auch das zeigt am besten der Genesis-Block. Die ersten 50 Bitcoins, die Satoshi Nakamoto 2009 mit diesem generierte, waren damals nämlich 0,00 US-Dollar wert. Heute sind dieselben Bitcoins rund 190.000 US-Dollar wert.

Jahretiefststände statt All-Time-High

Aus diesem Grund finde auch ich den Vorschlag ziemlich hilfreich, die Entwicklung von Bitcoin nicht immer nur am Höchststand festzumachen, sondern vielmehr an seinen jährlichen Tiefstständen. Daraus ergibt sich nämlich ein deutlich weniger dramatisches Bild, sondern eines, das deutlich besser das beständige Wachstum zeigt.

Trotzdem vermute ich jedoch, dass sich diese Darstellung nicht durchsetzen wird, weil sich damit eben nicht mehr so schön dramatische Schlagzeilen produzieren lassen.

Not your keys, not your bitcoin

Im Podcast hingewiesen haben wir auch schon auf die neue „Tradition“ des Proof of Keys, einem koordinierten Bankrun auf die Kryptobörsen dieser Welt. Ziel dieses gemeinsamen Abhebe-Stresstests jeweils am 3.1. ist nicht nur, die Liquidität der Börsen auf die Probe zu stellen, sondern auch die ursprüngliche Idee von Bitcoin, konsequent Herr und Dame über das eigene Geld zu sein, weiter zu promoten.

Grundsätzlich finde ich diese Idee nicht schlecht (auch wenn mir das Gerede von „Erste-Klasse-Bitcoin-Bürgern“ etwas zu schwülstig ist). Es scheint jedoch notwendig zu sein, da es wohl schon im Vorfeld des Proof of Keys-Event zu ersten Problemen mit einer Krypto-Börse gekommen sein soll.

Wir dürfen also gespannt sein, was der Tag noch so bringt. In jedem Fall stoße auch ich auf Bitcoin an. Die fünf Jahre, die ich mich jetzt damit beschäftige, waren grandios und ich rechne nicht damit, dass die kommenden Jahre anders werden. Cheers!

Aufstieg und Fall des Wall Street Journal-Coins

Mit großer Begeisterung habe ich mir gerade die Dokumentation WSJCoin: Yes, We Created Our Own Cryptocurrency angesehen, mit der das Wall Street Journal einmal mehr zeigt, dass es eine der besten Adressen für eine zeitgemäße Berichterstattung über Bitcoin und Kryptowährungen ist.

To understand cryptocurrency …

Denn tatsächlich gibt es kaum eine bessere Möglichkeit, das komplexe und fordernde Thema „Kryptowährungen“ zu erklären, als selbst mal kurzerhand eine ins Leben zu rufen und in all die Probleme und Widersprüche zu rennen, die sich dabei nun einmal ergeben. Herausgekommen sind in diesem Fall erfrischende 24 Minuten, die humorvoll die Absurdität einer hohlen „Coin first, Sinn second“-Krypto-Industrie aufzeigen.

… you must become a cryptocurrency

Ein Projekt, von dem sich deutsche Medien mehr als eine Scheibe abschneiden könnten. Nicht nur weil es klasse Journalismus ist, der ein hochgradiges komplexes Thema super anschaulich und unterhaltsam aufbereitet, sondern auch in technischer Hinsicht. Immerhin benutzt das Wall Street Journal zwar einen proprietären Videoplayer, erlaubt aber das Einbetten auf fremden Webseiten. Hier hat man offensichtlich verstanden, wie das Web funktioniert.

Bonus

Meine Lieblingsstelle bei Minute 12:48 hat übrigens ausnahmsweise nichts mit Kryptowährungen zu tun, sondern mit Mariokart (Japan, ey!) und eine Beschreibung, die ich bisher noch nirgends gehört hatte, die ich mir aber unbedingt merken muss, weil ich denke, dass wir sie im Zusammenhang mit Bitcoin und Lightning noch häufiger hören werden: „Streaming Payments“

Honigdachs #34 – Bitcoin-Fazit 35C3 & 2018

Die 34. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin und die Blockchain zu reden auf Dauer zu wenig ist. (iTunes/RSS-Feed)

Honigdachs #34 – Bitcoin-Fazit 35C3 & 2018

Wie versprochen haben wir uns auf dem 35. Chaos Communication Congress getroffen, um selbigen und das Jahr 2018 aus Bitcoin-Perspektive Revue passieren zu lassen. Auch dieses Mal wieder mit einem Gast, denn Murch von BitGo ist u.a. für den 35C3 aus San Francisco angereist und hilft uns als Wallet-Spezialist, die Talks und Ereignisse des Jahres 2018 einzuordnen, das im Übrigen alles andere als ein schlechtes Jahr für Bitcoin war. Immerhin weckt es freudige Erwartungen für 2019. Oder ganz einfach gesagt: Long Popcorn!

Doch hört am besten selbst.

Kleiner Nachtrag: Tatsächlich konnte man sein Ticket für den Congress auch schon dieses Jahr mit Bitcoin bezahlen. Wurde aber nicht sehr prominent beworben und haben dementsprechend auch nur eine Handvoll Leute gemacht.

Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick

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Hörtipp – „Blockchain zwischen Hype und Hohn“

Gerade eben lief bei Deutschlandfunk Kultur eine lange Diskussion zum aktuellen Stand von „Blockchain“. Ich durfte dabei mitdiskutieren und finde, dass das eine der besten Diskussionen zum Thema war, die ich bisher erlebt habe.

„Blockchain“ im Bundestag, „Blockchain“ im Radio

Anlass war ja die Anhörung neulich im Digitalen Ausschuss des Bundestages zum selben Thema. Diese war wegen der vielen heißen Luft und des mangelnden Diskurses sehr schwer zu ertragen und letztlich auch kaum zielführend.

Genau das war bei dieser Talkrunde anders. Mit Philip Banse (Moderator), Michael Seemann (Netzkulturtheoretiker), Jutta Steiner (Mathematikerin, Parity) und Jürgen Geuter waren wir tatsächlich fünf Diskutanten, die sich seit langem mit dem Thema auseinandersetzen und daher auch respektvoll, fundiert, kritisch und konstruktiv gegen- und miteinander argumentieren konnten. Und das hört man. Gerne wieder.

10 Jahre Bitcoin – Das Radio-Feature

Gestern Abend habe ich mich sehr gefreut. Denn endlich war es  soweit: Mein halbstündiges Radio-Feature über „10 Jahre Bitcoin“, an dem ich die letzten zwei Monate gearbeitet habe, ging im Deutschlandfunk Kultur auf Sendung.

Viel Arbeit, Schweiß und Herzblut

Das ist insofern etwas Besonderes, als dass ich bisher an keinem anderen Beitrag so lange gesessen habe wie an diesem. Für die Interviews war ich in Frankfurt, Berlin, Prag, habe mit Leuten in England und den USA gesprochen (und sogar ein Interview von England aus nach Deutschland geführt) und hatte am Ende genug Material gesammelt, um damit locker auch einen Drei-Stunden-Sendeplatz füllen zu können.

Aber länger ist nicht immer gleich besser und die redaktionelle Entscheidung, sich letztlich auf die politische Dimension von Bitcoin und den Kampf um die Deutungshoheit über dieses „Experiment“ zu konzentrieren, war eine gute. Denn, wie auch im Feature angesprochen, ist diese politische Dimension ja einer der wichtigsten Aspekte von Bitcoin, weil hier die möglicherweise große gesellschaftspolitische Sprengkraft steckt, wird aber dennoch in der Öffentlichkeit bisher eigentlich kaum thematisiert.

Eine mutige Entscheidung gegen den allgemeinen Medientrend

Insofern bin ich auch meiner Redakteurin, Jana Wuttke, für ihre Entscheidung sehr dankbar, sich gegen den allgemeinen Medientrend zu stellen, über Bitcoin nur zu berichten, wenn der Preis rasant steigt oder fällt, und mir diesen prominenten Sendeplatz beim Deutschlandfunk Kultur zur Verfügung zu stellen.

Denn kaum eine andere Redaktion hat (derzeit) wirklich das Interesse oder den Mut, etwas hintergründiger über Bitcoin zu berichten oder zumindest zu versuchen, dieses Phänomen verständlich zu erklären. Außer natürlich, es geht um kontextlose Stromverbrauchs-Studien, um Kriminalität, Betrug oder um andere meist negative, aber Klicks versprechenden Schlagzeilen. Oder um irgendwas mit diesem kuriosen„Blockchain“.

Insofern bin ich allen sehr dankbar, die dieses Feature durch ihre Mithilfe ermöglicht haben (natürlich auch denen, deren Interviews nicht explizit zu hören sind) und freue mich auf Feedback und natürlich, wenn das Stück gehört und verbreitet wird. Daher hier nochmal der direkte Link zum Audio und dem zugehörigen Transskript und wer das Feature runterladen möchte, nutzt am besten diesen Link.

Unterstützt die Arbeit an weiteren guten Bitcoin-Beiträgen!

Wer darüber hinaus meine Arbeit an weiteren Stücken wie diesem unterstützen möchte, der darf das gerne auch finanziell mit einer Spende tun. Denn ich kriege natürlich ein Honorar für dieses Feature, reich werde ich dadurch aber nicht. Im Gegenteil: Ich finanziere alle meine Recherchen zum Großteil aus eigener Tasche. Solche aufwendigen Radiostücke macht man daher nicht fürs Geld, sondern weil man für ein Thema brennt. Wer diese Flamme aufrecht erhalten will, darf sich also gerne ein bisschen an den Recherche-Unkosten beteiligen.

Das Bitcoin-Whitepaper als Webcomic

Schon immer mal vorgehabt, das originale Bitcoin-Whitepaper zu lesen, dieses Vorhaben aber aus (womöglich guten) Gründen nie umgesetzt?

Dann empfehle ich mal einen Blick auf dieses grandiose Webcomic zu werfen, in das Scott McCloud ebendieses Whitepaper und noch viel mehr Grundlagenwissen über Bitcoin hat einfließen lassen und das äußerst gelungen ist, weil er es schafft, komplexe Sachverhalte mit viel Humor plakativ herunterzubrechen.

Bitcoin Whitepaper Webcomic 1

Gelungenes Webcomic als Einstieg in die Bitcoin-Materie

Wer nämlich dieses Webcomic gelesen hat, kann danach durchaus von sich behaupten, verstanden zu haben, worum es im Bitcoin-Whitepaper geht. Oder dieses Vorwissen als Anlass nehmen, die originalen neun Seiten doch mal zu lesen.

Alles spitze, bis auf die irreführende Website

Klasse ist zudem, dass das Webcomic auch auf Chinesisch und Japanisch erschienen ist und man es sich direkt als pdf herunterladen kann. Weniger schön ist allerdings, dass es auf einer expliziten Bitcoin Cash-Website veröffentlicht wurde, deren „download a wallet“-Link die Nutzer eben gerade nicht zum originalen Bitcoin, sondern stattdessen ohne Hinweis zu einem umstrittenen und kriselnden Altcoin führt.

Nichtsdestotrotz – das Comic ist spitze. Nicht zuletzt wegen dieses grandiosen Fazits.

Bitcoin Whitepaper Webcomic

🎈10 Jahre Bitcoin🎈 – Das Jubiläum hat begonnen …

… obwohl sich die Community gar nicht sicher ist, wann bei Bitcoin eigentlich was gefeiert wird.

Wann ging denn das mit Bitcoin eigentlich genau los?

Nicht nur die Entscheidung für das Ereignis sorgte bei einigen für Verwirrung – feiert man bei „10 Jahre Bitcoin“ nun eigentlich den Genesis-Block am 3.1.2019 und damit den „realen“ Start von Bitcoin als digitales Geld oder doch eher die Veröffentlichung des Whitepapers und damit die erste Nennung von Bitcoin samt des Beginns der zugrunde liegenden Idee?

Doch nicht nur das. Auch der zweitgenannte Anlass, die Whitepaper-Veröffentlichung, die sich just dieser Tage jährt, sorgt für einige Verwirrung. So gingen einige Bitcoiner (und auch ich) bis vor Kurzem noch davon aus, dass Bitcoin tatsächlich heute, am 1. November 2018, zehn Jahre alt wird.

https://twitter.com/fulmolightning/status/1056889031164862465

Ein Ereignis, zwei verschiedene Daten

Dementsprechend verwundert war ich, als bereits gestern, am 31.10.2018, das Internet zu feiern begann und nahezu alle meine Bitcoin-Newsletter, die großen Newsseiten und halb Crypto-Twitter das große Bitcoin-Jubiläum zelebrierten.

https://twitter.com/starkness/status/1057734366963523585

Sollte ich mich also tatsächlich seit fünf Jahren in diesem zentralen Termin geirrt und ihn immer auch falsch nach außen kommuniziert haben? Eine Frage, die mich als Journalisten natürlich nicht ruhig schlafen lässt.

Bitcoin – Es kann nur einen (Termin) geben!

Also versuchte ich gestern Abend kurz vor dem Schlafengehen noch schnell herauszufinden, wie ich denn überhaupt mal auf den 1. November als Whitepaper-Jahrestag gekommen sein könnte.

Zuerst schlug ich dafür im 2014 erschienenen The Book of Satoshi. The Collected Writings of Bitcoin Creator Satoshi Nakamoto nach, einem praktischen Buch, das die gesamte Kommunikation Satoshi Nakamotos handlich bündelt. Und siehe da: Die erste E-Mail von Satoshi Nakamoto wird in diesem Druckwerk mit dem 1. November 2008 angegeben.

bitcoin november
Auch laut „The Book of Satoshi“ (2014) wurde Bitcoin am 1. November 2008 zum ersten Mal erwähnt.

Anschließend suchte ich weiter im Netz nach einer möglichen Primärquelle, also idealerweise Zugang zur originalen Mail von vor zehn Jahren und stieß dabei auf dieses Mail-Archiv, das wohl die erste E-Mail von Satoshi Nakamoto gespeichert hat. Auch hier mit dem 1.11. als Datum.

Zum Schluss wollte ich dann noch mal auf der Seite des Satoshi Nakamoto Institute nachschauen, einem sehr umfassenden und gut sortierten Archiv für alles rund um Satoshi Nakamoto. Denn ich war mir zu 100 Prozent sicher, dass ich in den vergangenen Monaten mindestens hier noch einmal nachgeschaut hatte, wann sich Satoshi Nakamoto denn nun zum ersten Mal gemeldet hatte.

Man darf nicht alles glauben, was man im Netz liest

Umso größer also meine Überraschung und Verwunderung, als ich hier den 31. Oktober 2008 als Datumsangabe fand.

nakamoto institute
Das „Satoshi Nakamoto Institute“ datiert die erste Erwähnung von Bitcoin auf den 31. Oktober.

Denn ich war mir eigentlich so sicher gewesen. Daher habe ich mögliche Änderungen der Website noch einmal über den Webcache von Archive.org überprüft und tatsächlich noch ein ältere Version der Website gefunden, in der auch das Satoshi Nakamoto Institute noch vom 1. November als Bitcoin-Geburtstag ausging.  Vor wenigen Wochen, Irgendwann zwischen dem 27. August und dem 16. Oktober, wurde dieser Eintrag dann jedoch auf den 31. Oktober 2008 geändert.

nakamoto institute 2
Noch vor wenigen Wochen zeigte das „Satoshi Nakamoto Institute“ jedoch den 1.11.2008 als Datum.

Ende Oktober oder Anfang November. Was stimmt denn nun?

Tatsächlich neige ich nach meiner Kurzrecherche, in der ich auch sehr viele Hinweise auf den 31. Oktober 2008 als Ursprungsdatum fand, nun ebenfalls dazu, diesen Termin dem 1. November als Bitcoin-Geburtstag vorzuziehen. Es deutet gerade mehr darauf hin. Auch wenn dennoch Restzweifel bleiben und ich dem weiter auf den Grund gehen möchte. Es muss doch zweifelsfrei herauszufinden sein, wann Bitcoin das erste Mal erwähnt wurde!

Wenngleich man aber natürlich auch einwenden kann, dass Bitcoin in Jahren zu rechnen, ohnehin eine sehr unbefriedigende Zeiteinheit ist. Immerhin hat die Blockchain da ja ihre ganz eigene Einheit.

Und weil es gerade zum Thema passt …

… noch ein kleiner Hinweis in eigener Sache. Anlässlich des Bitcoin Jubiläums habe ich die letzten Wochen/Monate für Deutschlandfunk Kultur an einer halbstündigen Sendung über den Status Quo von Bitcoin gearbeitet. Diese Sendung wird am kommenden Donnerstag, den 8.11.2018 analog, digital und im Netz ausgestrahlt. Hier die Sendungsbeschreibung:

19:30 Uhr Zeitfragen. Feature
Ein scheiterndes Experiment? 10 Jahre Bitcoin
Von Friedemann Brenneis

Am 1. November 2008 stellte Satoshi Nakamoto auf einer Kryptographie-Mailingliste Bitcoin vor, das erste rein digitale Geld. Ein Geld, das statt von Banken, von Mathematik und Algorithmen gesteuert und kontrolliert wird und das nicht Staaten gehört, sondern den Menschen, die es nutzen. 
Ein Experiment, bei dem es schwer ist, zu bestimmen, ob es immer noch am Anfang steht oder längst schon an seinem Ende angekommen ist. Auf der einen Seiten 
sind sie: die Freidenker, die Cryptoanarchisten, die Systemkritiker und Visionäre. Für sie ist Bitcoin ein unbedingt notwendiges Mittel zur Durchsetzung individueller Freiheiten in einer zunehmend überwachten Gesellschaft, ein faszinierendes modernes Techphänomen, ein zeitgemäßes Geldmedium oder – für die, die selbst gerade erst mit dem Internet groß werden – auch einfach nur ein ganz normaler Bestandteil ihres Lebens. 
Demgegenüber stehen die Kritiker: Ökonomen, Wirtschaftsnobelpreisträger, (Bundes)-Banker, Fachjournalisten und andere, die einem nicht-staatlichen, nicht bankenbetriebenen Geldsystem keine Zukunft geben oder bemängeln, dass Bitcoin keineswegs so demokratisch sei, wie behauptet. Die technische Komplexität und bereits jetzt extrem ungleiche Verteilung des digitalen Geldes würde letztlich nur die bestehende Finanzelite durch eine technisch versiertere Elite ersetzen. Ansonsten würde sich jedoch nichts ändern. 
Beide Lager, die, die unser Geld von Grund auf verändern wollen, und die, die das zu verhindern versuchen, ringen um die Deutungshoheit über Bitcoin, ein Experiment, das unterm Strich letztlich beides ist: gescheitert und erfolgreich. Denn zwar hat das digitale Geld als globale Weltwährung nicht binnen kürzester Zeit Euro und Dollar abgelöst, wie es die frühen Enthusiasten propagiert haben. Doch zeigt sich auch, dass Bitcoin trotzdem immer noch da ist, dass die Idee und Ideale hinter Bitcoin global immer mehr Anhänger finden und dass sich die Digitalisierung des Geldes nicht aufhalten lässt.

Den entsprechenden Podcast zum Nachhören verlinke ich hier dann aber natürlich auch noch im Blog.

Blockchain oder nicht? – Die Entscheidungshilfe

Ich wusste bis vor kurzem gar nicht, dass es so viele Entscheidungshilfen-Diagramme gibt, ob man nun eine Blockchain braucht oder nicht. Scheint ja echt ein schwieriges Thema zu sein.

Dabei hält sich einer aktuellen Studie zufolge doch die große Mehrheit der Führungskräfte bereits für echte „Blockchain-Versteher“.

https://twitter.com/kerooke/status/1031293508743716864

Allerdings denken sie offensichtlich auch, dass der große Vorteil einer Blockchain im Vergleich zu existierenden Systemen die höhere Geschwindigkeit sei. Nun ja – es braucht halt nicht viel um „Blockchain“-Experte zu sein.

Niemand muss „Blockchain“-Experte bleiben

Wer jedoch einsichtig und demütig genug ist, gemeinsam mit „Blockchain“ (siehe aktuellen Gartner Hype Cycle) den „Mount Stupid“ zu verlassen, und meint, dass ein bisschen Wissen nicht schaden könnte, für den hier drei Linktipps.

Zum einen hat Reuters eine hübsch visualisierte Erklärung der Blockchain online gestellt. Wobei man aber auch hier kritisch darauf hinweisen muss, dass zunächst (wie leider sehr oft) die Funktion einer Blockchain anhand der Bitcoin-Blockchain erklärt wird und dann einfach davon ausgegangen wird, dass man das Blockchain-Prinzip problemlos auf andere Anwendungsfelder übertragen könne.

Kann man aber eben nicht. Sonst wäre fast zehn Jahre nach dem Start der Blockchain Bitcoin und digitales Geld nicht immer noch der einzige belastbare Usecase für eine Blockchain.

Die „Blockchain“-Frage interaktiv klären

Zum anderen sei auf das Paper „Do you need a Blockchain?“ von Karl Wüst von der ETH Zürich und Arthur Gervais vom Imperial College London hingewiesen, das praktischerweise für alle Lesefaulen auf douyouneedablockchain.com auch in einer vereinfachten interaktiven Variante zur Verfügung steht. Und ohne den Klickspaß vorweg zu nehmen. Es ist ziemlich schwer, da bei der Antwort „Ja“ zu landen.

Wer sich davon nicht entmutigen lässt und auch ein „Vielleicht“ oder „Nein“ als Lernerfolg betrachtet, der sollte dann noch Jimmy Songs Artikel über „Alternatives to Blockchain“ lesen.

Das ist nämlich cleverer, als es sich auf dem „Mt. Stupid“ (auf dem wir im Übrigen alle schon mal standen) so richtig schön gemütlich zu machen.