Archiv der Kategorie: Blockchain

Ist die Blockchain nur ein Abfallprodukt?

Der israelische Bitcoin-Entwickler Udi Wertheimer hat kürzlich auf Twitter eine durchaus provokante These über Blockchains veröffentlicht: Dass eine Blockchain nämlich keineswegs etwas sei, was man haben möchte, geschweige denn in irgendeiner Weise promoten sollte. Die Blockchain sei vielmehr ein Abfallprodukt und notwendiges Übel, um zu erreichen, was man eigentlich haben möchte: eine Konsensentscheidung, wem welches Guthaben gehört.

Das ist eine ungewöhnliche Position, die selbst für Bitcoiner durchaus herausfordernd sein kann und doch lohnt es sich, das Thema „Blockchain“ auch von diesem Standpunkt zu betrachten.

Kritik an der Blockchain ist berechtigt

Nehmen wir zum Beispiel die vielfach geäußerte Kritik, dass Bitcoin so enorm viel Energie verbrauche. Diese Kritik ist ja durchaus begründet. Das Bitcoin-Netzwerk benötigt nun einmal sehr viel Strom zur Absicherung seiner Integrität. Doch geht es in diesem Fall eben nicht anders.

Genau das ist aber der Punkt. Eben weil es so aufwändig ist, eine sichere Blockchain zu etablieren, sollte man um jeden Preis vermeiden, eine Blockchain einzusetzen, wenn dies nicht unbedingt nötig ist. Für rein digitales, zensur- und manipulationssicheres Geld (Bitcoin) gibt es nun einmal (bislang) keine andere Lösung. Für alle anderen bisher propagierten „… but with Blockchain!“-Lösungen in der Regel aber schon.

Neue Sichtweisen sind gut für den Diskurs

Wie herausfordernd (im positiven Sinne) diese unkonventionelle Sichtweise auf Blockchains sein kann, sieht man auch am weiteren Verlauf der durch die These ausgelösten Diskussion. Den vorgebrachten Pro-Blockchain-Argumenten, begegnet Wertheimer nämlich mit guten Gegenargumenten.

Wie zum Beispiel die oftmals so positiv beworbene Unveränderlichkeit, die letztlich jedoch gar kein immanentes Feature einer Blockchain ist, sondern die sich aus dem bereits kritisierten hohen Energieverbrauch, der hinreichenden Größe eines dezentralisierten Netzwerks und aus diversen anderen Faktoren ergibt. Im besten Fall.

Aufgrund dieser vielen unterschiedlichen Faktoren, die in ihrer Gesamtheit die positiven und negativen Eigenschaften einer Blockchain beeinflussen, gleichzeitig in Summe aber nur schwer zu kontrollieren sind, könne man eine Blockchain daher auch nicht als eine Form von Produkt sehen. Sondern nur als Nebenprodukt.

Dass die historisch in einer Blockchain abgelegten Daten trotzdem einen bestimmten Nutzen haben können, ist dabei aber tatsächlich ein Punkt, über den man noch länger diskutieren könnte.

Für den aktuellen Stand, wem welcher Bitcoin gehört, ist das stetig wachsende Archiv an Provenienz-Daten jedoch kaum relevant. Unter Privatsphäre-Aspekten wäre es sogar von Vorteil, wenn die Transaktionshistorie jedes einzelnen Bitcoin nicht dauerhaft und offen gespeichert wäre. Allerdings würde man damit eben auch die Option verlieren, zusätzliche Daten per Time-Stamping in der Blockchain zu verankern. Ist es das wert?

Doch genau um solche Denk- und Diskussionsanstöße geht es hier ja. Dass „Blockchain“ kein Zauberallheilmittel ist, ist mittlerweile bekannt. Dass es vielleicht noch viel weniger, nämlich nur ein Abfallprodukt ist, ist (noch) eine provokante und unpopuläre Definition. Trotzdem ist an dieser These etwas dran.

Vor allem, wenn Udi Wertheimer für die Begründung so plastische Analogien verwendet wie diese:

Bild: Toxic (CC BY 2.0)

Blockchain & Kultur – Neue Podcast-Serie im DLF

Der Deutschlandfunk hat dieser Tage unter dem Titel Blockchain Stories eine achtteilige Radio- und Podcast-Serie online gestellt. Das Besondere dabei: Alle Beiträge sind von der Kultursendung Corso verantwortet, was dem Thema einen erfrischenden Blickwinkel verleiht.

„Blockchain“ aus der Kulturperspektive

So geht es neben einem obligatorischem Blockchain-Grundlagen-Beitrag und einem über Bitcoin als Geld der Zukunft (das Stück habe ich gemacht) auch noch einmal konkret um die Aspekte Klima, Patente, Musik, Gaming und Politik.

Wobei insbesondere über letztere Folge noch zu reden sein wird. Der interviewte Medienwissenschaftler David Golumbia vertritt nämlich ein paar sehr kontroverse und irritierende (Verschwörungs-)Theorien. Aber dazu dann mehr in der nächsten Honigdachs-Podcast-Folge.

Solide, aber nicht ganz auf der Höhe der Zeit

Insgesamt sind alle Beiträge solide und ich finde es gut, dass sich die Redaktion für das Thema „Blockchain“ ein paar neue Blickwinkel hat einfallen lassen. Warum nicht mal eine Ethereum-Mine anstelle einer Bitcoin-Mine besuchen und über Gaming und die Blockchain wurde bisher ja auch noch nirgends so prominent gesprochen.

Dennoch gibt es auch Kritik. Einige Beiträge wirken nämlich nicht ganz aktuell. So ist ja nicht erst seit gestern klar, dass es grundsätzlich keine gute Idee ist, komplexe digitale Spiele dezentral auf einer Blockchain laufen zu lassen. (Weil es zum einen keine Blockchain gibt, die das technisch leisten könnte und es zum anderen auch keinen guten Grund gibt, Spiele nicht mehr, wie bisher, zentral zu verwalten.) Warum also noch so ausführlich darüber reden, wenn es doch eigentlich um die „Zukunft des Zocken“ gehen soll?

Das hätte man schneller abhaken und zum tatsächlich interessanteren Ausblick in die Zukunft kommen können. Diesen jedoch aus dem schon vor langer Zeit verblühten Hype um tokenisierte Collectibles wie Crypto Kitties abzuleiten, wirkt etwas aus der Zeit gefallen. Nach bald anderthalb Jahren ist dieses Thema in Krypto-Jahren schon fast als historisch zu betrachten. Ein daraus abgeleiteter Blick in die Zukunft entsprechend retro-futuristisch.

Ein Beitrag auf der Trend- und technischen Höhe der Zeit hätte sich dagegen auch mit den Möglichkeiten und Konsequenzen von Lightning-basierten Micro- und Nanopayments (alles kleiner 1 Cent) auf Gaming beschäftigt. Dieser Aspekt fehlt jedoch leider ganz.

Zwischen Krypto-Historie und Realitäts-Futurismus

Nichtsdestotrotz ist das aber Kritik auf hohem Niveau. Denn was für jemanden, der sich selbst bereits intensiv mit der Materie auseinandersetzt, bereits krypto-historisch ist, kann für den prototypischen Deutschlandfunk-Kulturmagazin-Hörer trotzdem futuristisch (genug) sein. Insofern überwiegt die Tatsache, dass Bitcoin und seine Auswirkungen überhaupt und immer mehr als gesellschaftsrelevantes Kulturthema wahrgenommen und diskutiert wird, die Kritik deutlich.

Zumal die einzelnen Stücke auch wirklich schön anzuhören sind. (Vom Golumbia-Interview mal abgesehen, das ohne den Kontext seines Buches wie das Dümmste wirkt, was jemals über Bitcoin gesagt wurde.)

Die acht Beiträge sind im Einzelnen:

#1 Blockchain für Dummies erklärt
Wohl kaum ein anderes Phänomen wird in der Netzkultur so stark diskutiert wie die Blockchain. Ein Heilsbringer soll sie sein, der die Macht hat, das Internet zu verändern und viele Probleme der Zukunft zu lösen. Wie sie funktioniert, wissen aber nur die wenigsten. Ein Erklärungsversuch.

#2 Bitcoin = digitale Währung der Zukunft
Obwohl es Bitcoin schon seit zehn Jahren gibt, hat noch kaum jemand dieses digitale Bargeld so richtig verstanden. Trotzdem wächst das Phänomen beständig. Warum eigentlich?

#3 Besuch einer Ethereum-Mine
Bis vor Kurzem konnte man mit Kryptowährungen ziemlich schnell Millionär werden. Wertverlust hin oder her: Das digitale Geld wird immer noch in sogenannten Kryptominen geschürft. Das gilt auch für Ethereum, das mehr Einsatzmöglichkeiten bietet. Einblicke in eine Parallelwelt aus Strom und Kabeln.

#4 Die Politik der Bitcoin
Die Blockchain gilt als fortschrittliche Erfindung. Die Attraktivität dieser neuen Technologie bringt allerdings politische Gefahren mit sich. Sie sei effektiver in der Verbreitung von Ideologie als alles andere, sagte Medienwissenschaftler David Golumbia im Dlf.

#5 Digital und dreckig
Der Hype um den Bitcoin hat zu einem digitalen Goldrausch geführt. Aber das Schürfen der Kryptowährung verschlingt enorme Mengen Energie. Mittlerweile dürfte ein Teil der Klimaerwärmung aufs Konto des Bitcoin gehen. Eine umweltfreundliche Nutzung der Technologie scheint dennoch möglich.

#6 Revolution des Patentrechts?
Seit der Erfindung des Papiers werden wichtige Dokumente mit einem Stempel verifiziert. Heutzutage versehen Computer Dateien mit einem Zeitstempel. Die Blockchain könnte dieses Verfahren vereinfachen und sicherer machen – für Musiker und andere Kreative. Steht eine Revolution des Patentrechts bevor?

#7 Die Zukunft der Musik
Eine Revolution der Musikwelt steht bevor: Dank der Blockchain wird es Musikern durch innovative Geschäftsmodelle angeblich bald möglich sein, digitale Welten mit ihren eigenen Regeln zu erschaffen. Darin läge das Potential, sich neu zu erfinden, sagte Medienkünstler Mathew Dryhurst im Dlf.

#8 Computerspiele neu gedacht
Blockchain in Computerspielen – dort würde man die Technologie nicht vermuten. Diese Gamedesignerszene ist zwar überschaubar, will die digitale Spielewelt aber mit neuen Ideen bereichern: So könnten die Nutzer virtuelle Welten mit eigenen Entwürfen erweitern. Ein Blick in die Zukunft des Zockens.

Hörtipp – „Blockchain zwischen Hype und Hohn“

Gerade eben lief bei Deutschlandfunk Kultur eine lange Diskussion zum aktuellen Stand von „Blockchain“. Ich durfte dabei mitdiskutieren und finde, dass das eine der besten Diskussionen zum Thema war, die ich bisher erlebt habe.

„Blockchain“ im Bundestag, „Blockchain“ im Radio

Anlass war ja die Anhörung neulich im Digitalen Ausschuss des Bundestages zum selben Thema. Diese war wegen der vielen heißen Luft und des mangelnden Diskurses sehr schwer zu ertragen und letztlich auch kaum zielführend.

Genau das war bei dieser Talkrunde anders. Mit Philip Banse (Moderator), Michael Seemann (Netzkulturtheoretiker), Jutta Steiner (Mathematikerin, Parity) und Jürgen Geuter waren wir tatsächlich fünf Diskutanten, die sich seit langem mit dem Thema auseinandersetzen und daher auch respektvoll, fundiert, kritisch und konstruktiv gegen- und miteinander argumentieren konnten. Und das hört man. Gerne wieder.

Warum die Kritik an ICOs berechtigt ist

Ich war vergangenen Freitag auf der Banking Exchange, kurz BEX, in Frankfurt. Einer kleinen, sehr feinen Konferenz, die eigentlich keine ist, sondern vielmehr das, was sich die Organisatoren unter einem Event vorstellen, bei dem es primär nicht um Status und Repräsentation geht, sondern um inhaltlichen Austausch auf Augenhöhe in entspannter Atmosphäre.

Wenn ICO-Meinungen aufeinander prallen

Ich war dort eingeladen, um auf dem Podium zum Thema „Blockchain braucht kein Mensch – oder doch ? Hype Cycle als Rollercoaster“ mitzudiskutieren. Und weil die Auswahl der Gäste bei diesem Panel durchdacht war, sind wir hier durchaus schnell mit  kontroversen Meinungen aufeinandergeprallt. Zum Glück, denn es gibt ja nichts Langweiligeres als ein Podium, auf dem sich alle einig sein und eine Stunde lang gegenseitig zunicken.

Das Siedesteinchen unserer Diskussion und der Punkt, den ich nicht unwidersprochen stehen lassen konnte, war die These, dass ICOs ja der eigentliche Treiber der technischen Entwicklung im Blockchain-Ökosystem seien.

Das Problem mit ICOs

Ich halte diese Aussage nicht nur für eine gewagte These, sondern für bewusst irreführend. Ob aus Absicht oder eigener Unwissenheit lasse ich mal dahingestellt. In jedem Fall habe ich dem energisch widersprochen. ICOs sind am allerwenigsten ein technischer Treiber. Sie sind in erster Linie dazu da, schnell und mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Geld einzunehmen. Das zeigt auch die Realität.

Einer, der ICOs ebenfalls sehr kritisch gegenübersteht und das Problem sehr viel prägnanter als ich auf den Punkt bringt, ist Joi Ito, der Leiter des MIT Media Labs.

Seine Argumentation: Wer bewusst Mittel kreiert und einsetzt, die Betrüger und Spekulanten anziehen, wird damit selbst zu einem, auch wenn er behauptet, eigentlich Gutes damit bewirken zu wollen. Ziel sollte es vielmehr sein: „… to push away the people that make you look like an asshole later.“ Genau das ist mit einem ICO jedoch per Design gar nicht möglich, solange hier „Coins“ offeriert werden.

Was nun jedoch nicht automatisch bedeutet, dass man mit Blockchain-basierten Token nicht doch irgendwann vielleicht mal technisch sehr interessante und nützliche Dinge machen können wird. Nur wird in diesem Kontext der „technische Treiber ICO“ eben enorm an Drive verlieren (falls er ihn überhaupt je gehabt hat), wenn damit keine großen Spekulationsgewinne in der regulatorischen Dunkelgrauzone mehr möglich sind.

Blockchain oder nicht? – Die Entscheidungshilfe

Ich wusste bis vor kurzem gar nicht, dass es so viele Entscheidungshilfen-Diagramme gibt, ob man nun eine Blockchain braucht oder nicht. Scheint ja echt ein schwieriges Thema zu sein.

Dabei hält sich einer aktuellen Studie zufolge doch die große Mehrheit der Führungskräfte bereits für echte „Blockchain-Versteher“.

https://twitter.com/kerooke/status/1031293508743716864

Allerdings denken sie offensichtlich auch, dass der große Vorteil einer Blockchain im Vergleich zu existierenden Systemen die höhere Geschwindigkeit sei. Nun ja – es braucht halt nicht viel um „Blockchain“-Experte zu sein.

Niemand muss „Blockchain“-Experte bleiben

Wer jedoch einsichtig und demütig genug ist, gemeinsam mit „Blockchain“ (siehe aktuellen Gartner Hype Cycle) den „Mount Stupid“ zu verlassen, und meint, dass ein bisschen Wissen nicht schaden könnte, für den hier drei Linktipps.

Zum einen hat Reuters eine hübsch visualisierte Erklärung der Blockchain online gestellt. Wobei man aber auch hier kritisch darauf hinweisen muss, dass zunächst (wie leider sehr oft) die Funktion einer Blockchain anhand der Bitcoin-Blockchain erklärt wird und dann einfach davon ausgegangen wird, dass man das Blockchain-Prinzip problemlos auf andere Anwendungsfelder übertragen könne.

Kann man aber eben nicht. Sonst wäre fast zehn Jahre nach dem Start der Blockchain Bitcoin und digitales Geld nicht immer noch der einzige belastbare Usecase für eine Blockchain.

Die „Blockchain“-Frage interaktiv klären

Zum anderen sei auf das Paper „Do you need a Blockchain?“ von Karl Wüst von der ETH Zürich und Arthur Gervais vom Imperial College London hingewiesen, das praktischerweise für alle Lesefaulen auf douyouneedablockchain.com auch in einer vereinfachten interaktiven Variante zur Verfügung steht. Und ohne den Klickspaß vorweg zu nehmen. Es ist ziemlich schwer, da bei der Antwort „Ja“ zu landen.

Wer sich davon nicht entmutigen lässt und auch ein „Vielleicht“ oder „Nein“ als Lernerfolg betrachtet, der sollte dann noch Jimmy Songs Artikel über „Alternatives to Blockchain“ lesen.

Das ist nämlich cleverer, als es sich auf dem „Mt. Stupid“ (auf dem wir im Übrigen alle schon mal standen) so richtig schön gemütlich zu machen.

Die Katzifizierung der Blockchain (Hörtipp)

Ich weiß, dass der ein oder andere jetzt sagen wird, dass die CryptoKitties als Thema doch eigentlich schon längst durch sind.  Das dachte auch ich eine ganze Weile.

Doch stimmt das letztlich nur, wenn man selbst ganz tief in der Crypto-Szene mit dem entsprechenden News-Flow drin steckt, weniger außerhalb dieser Filterbubble. Dort sind non-fungible -Token-basierte Blockchain-Sammelkatzen noch immer kaum bekannt oder werden jetzt erst zu einem Thema, über das man spricht.

New Cats On The Block – Blockchain-Trend oder Ende des Hypes?

Insofern – und weil es einfach ein Thema ist, das sich unglaublich schön akustisch umsetzen lässt – habe ich für Breitband beim Deutschlandfunk Kultur einen Netzkultur-Beitrag über die CryptoKitties gemacht (Direktlink zur mp3), der die Katzifizierung der Blockchain einordnet und natürlich ganz subtil auch die Frage stellt: Ist das wirklich alles, was „Blockchain“ in den vergangenen drei Jahren Sinnvolles hervorgebracht hat?

Darauf deutet zumindest einiges hin. Wie zum Beispiel dieser Bloomberg-Artikel: Blockchain, Once Seen as a Corporate Cure-All, Suffers Slowdown.

Die reflektierte Sicht eines Crypto-Fund-Managers

Dass eine Venture-Capital-Firma einen neuen 300 Millionen Dollar schweren Crypto-Fund an den Start bringt, ist eigentlich keine Meldung, die mir hier im Blog einen eigenen Beitrag wert ist. Doch bei Andreessen Horowitz und ihrem a16z crypto fund ist das etwas anderes.

Sharing is caring – gilt bei a16z auch für Wissen

Denn es handelt sich hier um einen der renommiertesten und ziemlich treffsicheren Tech-Investor der vergangenen zehn Jahre (siehe Portfolio). Aus dem einfachen Grund, dass dort gute und clevere Leute arbeiten, die mit ihrem Wissen und analytischen Kompetenzen nicht hinter dem Berg halten, sondern beides offensiv und gerne teilen.

Immer wieder habe ich hier daher schon auf hauseigenen a16z-Content verwiesen und sorgar die Ankündigung des a16z crypto funds ist nicht einfach nur ein Pressemitteilung, sondern selbst voller interessanter und lesenswerter Links.

Am meisten beeindruckt hat mich jedoch gestern das Hören des aktuellen Unchained Podcasts, in dem Laura Shin mit Chris Dixon spricht, der eben diesen crypto fund leitet. Was Dixon darin erzählt, zeugt von einer breiten, tiefgehenden und unglaublich sachlich reflektierten Kenntnis des gesamten Bitcoin-/Krypto-/Blockchain-Phänomens. Man muss dabei nicht alles unterschreiben, was Dixon sagt, aber über seine Thesen und dann über den eigenen Kenntnisstand nachzudenken, lohnt in jedem Fall.

Ich kann diesen Podcasts daher jedem empfehlen, der einmal vollkommen undogmatisch und ohne direkte Business- & Marketing-Hintergedanken erklärt bekommen will, welches Potential tatsächlich in Plattformen wie Bitcoin und Ethereum und weiteren Bausteinen wie Non-Fungible-Token (aka CryptoKitties) oder Stablecoins steckt oder zumindest stecken könnte. Denn auch Dixon sagt, dass das alles noch krachen gehen kann, doch dass sie optimistisch sind und glauben, dass wir uns noch immer in einem ganz frühen Stadium befinden und „we put our money where our mouth is.“ Solides Statement.

Die Naivität der DAO

Auch interessant ist: Wenn man diesen Podcast gehört hat und die Intensität und analytische Tiefe versteht, mit der sich Investoren wie a16z dem Krypto-Thema widmen, wird deutlich, wie naiv eigentlich die Idee der DAO war, bei der eben solche hochqualifizierten Investoren durch blockchain-basiertes Gemeinschafts-investing einer vergleichsweise unmotivierten Crowd aus Hobby-VCs abgelöst werden sollte.

Bitcoin- und Blockchain-Presseschau #96

Es wieder ein bisschen gedauert – Workshops, Vorträge und andere „echte“ Arbeit haben mich etwas vom Schreiben abgehalten – aber hier ist sie nun endlich: die neue Presseschau. Dieses Mal wieder mit einer ausgewählten Themenvielfalt von Kunst über Hintergündiges bis Business. Viel Spaß beim Lesen.

PS: Wer die Arbeit an weiteren Ausgaben der Bitcoin- und Blockchain-Presseschau fördern und beschleunigen will, der kann das hier tun.


Baldiger Bitcoin-Business-Boom in Deutschland?

In Deutschland gibt es ja bekanntlich keine Bitcoin-Börse, sondern mit Bitcoin.de nur einen einzigen Bitcoin-Marktplatz. Der entwickelt sich jedoch prächtig, wenn man mal einen Blick in den Geschäftsbericht des Mutterkonzerns Bitcoin Group SE für 2017 wirft. Mehr als 750.000 Nutzer hat die Plattform bereits, im vergangenen Jahr gab es ein Handelsvolumen von 1,2 Milliarden Euro und der Gewinn ist von gut 100.000 Euro 2016 auf fast 7,5 Millionen Euro gestiegen.

local bitcoins
Wegen hoher Markteintrittshürden gibt es hierzulande bislang kaum Konkurrenz für Bitcoin.de

Beachtliche Zahlen, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass wir künftig noch mehr Player auf dem Markt sehen werden. Immerhin platziert sich die Solarisbank gerade als Banking-Partner für die Kryptowährungs- und Blockchain-Industrie. Interessant daran: Das Unternehmen reißt damit ein Loch in die bisher starke Markteintrittsbarriere, die sowohl durch hohe Lizenz-Anforderungen der BaFin als auch durch das Abschotten der Banken als Inhaber ebendieser Lizenzen bislang bestehen und Deutschland zu einem weißen Fleck auf der Karte vieler Bitcoin-Dienstleistungen wie Wechselautomaten oder P2P-Handel über localbitcoins.com machen.

bitcoin ATMs
Von rund 3500 Bitcoin-Geldautomaten weltweit steht bislang kein einziger in Deutschland.

Welche smarten Ideen dagegen entstehen können, wenn die Regeln gelockert werden, zeigt das Beispiel Schiphol. An dem Amsterdamer Flughafen wurde unlängst ein Krypto-Geldautomat aufgestellt, damit Reisende, die das Land verlassen, ihr übriges, lokales Euro-Geld in das „globale Bitcoin oder Ethereum (sic!)“  tauschen können.


Zurück zum Wesentlichen

Wenn man sich intensiv mit Bitcoin auseinandersetzt, viel liest, diskutiert, Pro- und Contra-Argumente nachvollziehen und einordnen will, kann es leicht passieren, dass sich der eigene Fokus unmerklich verschiebt und man schlussendlich in Debatten und bei Fragestellungen landet, um die es anfangs überhaupt nicht ging. Und die möglicherweise auch gar nicht so relevant sind.

Insofern ist es hilfreich, sich geistig immer mal wieder neu zu verorten. Ein Artikel, der dabei hilft, ist Kyle Torpeys Skeptics don’t understand why Bitcoin was created in the first place. Denn wie er ganz richtig schreibt, wurde Bitcoin primär nicht erschaffen, um mit Zahlungssystemen wie Visa oder Paypal zu konkurrieren, sondern um Zahlungsoptionen zu erschließen, die vorher ganz und gar unmöglich waren. Was im Umkehrschluss aber nicht bedeutet, dass es nicht trotzdem sinnvoll wäre, Bitcoin zu einer Visa, Paypal und Co. überlegenen Alternative weiterzuentwickeln. Nur ist Bitcoin eben nicht gescheitert, falls dies nicht gelingt. Denn darum ging es all die Jahre nicht.


Was den Bitcoin-Energie-Hunger begrenzen könnte

Beim Economist ist mit Why bitcoin uses so much energy? ein kurzes und gut ausgewogenes Erklärstück zum Energieverbrauch von Bitcoin erschienen, bei dem nicht nur das Fazit interessant ist („Worries about bitcoin’s power usage might become obsolete.“), sondern auch der argumentative Weg dorthin. Tatsächlich gibt es nämlich einige Faktoren, die den Anstieg des Energieverbrauchs des Bitcoin-Netzwerks begrenzen.


Wie stabil sind Stable Coins?

Stable Coins, also Krypto-Token die all die positiven Eigenschaften von „guten Kryptowährungen“ mit sich bringen, aber eben ohne die lästigen Preisschwankungen, sind umstritten. Für die einen ein No-Go, weil überflüssig wie ein Kropf, für die anderen so etwas wie der Heilige Gral: eigentlich unerreichbar, aber wenn doch, dann Bäm! Wohl deswegen haben Stable Coin-Ansätze seit Jahren Konjunktur.

Für einen leichten Einstieg in diese Thematik empfehle ich den MIT Technology Review-Artikel “Stablecoins” are trending, but they may ignore basic economics gefolgt von dem deutlich analytischeren BitMEX-Beitrag A brief history of Stablecoins (Part 1), die zusammengenommen zeigen, wie komplex und abstrakt die bisherigen Versuche sind bzw. offensichtlich sein müssen. Und dass bisher nicht nur niemand den Heiligen Stable Coin-Gral gefunden hat, sondern dass auch unklar ist, ob das überhaupt möglich ist. Man darf hier also zurecht skeptisch bleiben.


Und was macht eigentlich die Krypto-Kunst?

Abschließend hier noch eine kleine Galerie voller Bitcoin-Streetart aus der ganzen Welt.  Das passt insofern gerade ganz gut, als dass das Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe an diesem Donnerstag ein Crypto-Art-Meetup abhält, in dem es von nicht-fungiblen Sammeltoken wie CryptoKitties über neue Formen des Crowdfundings bis hin zu aus Blockchain-Daten generierter Kunst gehen wird. Spannendes Thema! Der Eintritt ist frei.

crypto art meet up
Das ZKM in Karlsruhe fragt, was passiert, wenn Kunst auf die Blockchain trifft.

Wie man „Blockchain“ grammatikalisch richtig verwendet

Vor einigen Tagen bin ich auf folgenden sehr hilfreichen Service-Tweet von Michael Perklin gestoßen, in dem er auf ein Google Doc verweist, das die grammatikalisch richtige Verwendung der Begriffe „Bitcoin“, „Blockchain“ und „Ethereum“ erklärt.

Wobei es schon erstaunlich ist, dass solch ein Dokument überhaupt notwendig ist. Aber offensichtlich haben sehr viele Menschen, sehr große Schwierigkeiten mit der korrekten Schreibweise und grammatikalisch richtigen Verwendung dieser Begriffe.

Warum, bleibt jedoch ein Geheimnis. Denn die Grundregeln der deutschen und englischen Sprache gelten auch für Neologismen und sind in diesem Zusammenhang eigentlich recht leicht anwendbar. Kleines Beispiel: Wenn das neu geschaffene Wort „Bitcoin“ ist (siehe Primärquelle), gibt es eigentlich keinen Grund irgendwo „BitCoin“ oder „Bit Coin“ zu schreiben.

Es gibt kein „Blockchain“

Der durch die breite Masse hinweg allgemein jedoch am häufigsten gemachte Fehler ist meiner Beobachtung nach die fehlende Deklination des Begriffs „Blockchain“.

Denn entweder nutzt man den Begriff mit bestimmtem oder unbestimmtem Artikel, wobei sich „die Blockchain“ dabei in der Regel auf die Bitcoin-Blockchain und „eine Blockchain“ auf Alternativen wie die von Ethereum, Litecoin, Monero etc. bezieht. Oder aber man erweitert den Begriff, wie zum Beispiel die Bundesregierung, wenn sie im Koalitionsvertrag von „Blockchain-Strategie“ oder „Blockchain-Technologie“ spricht.

Dass beide Begriffe inhaltlich eher abstrakt und nichtssagend sind, steht dabei auf einem anderen Blatt, grammatikalisch ist es aber zumindest korrekt. Ganz im Gegensatz zu einem prototypischen Satz, wie man ihn immer wieder von Konferenz X, aus Pressemitteilung Y oder von Unternehmensvertreter Z hört: „Wir planen den Einsatz von Blockchain.“ 

Das ist nämlich sowohl grammatikalisch Unsinn als auch inhaltlich leer und ist ein ziemlich sicheres Indiz dafür, dass hier jemand keine Ahnung von dem hat, wovon er spricht, aber trotzdem auf dicke Hosen machen will. Ist halt nur peinlich, wenn das auffällt.

Merke: Niemand, der sich ernsthaft mit der Materie auskennt, nutzt den Begriff „Blockchain“ in ganzen Sätzen alleinstehend und in undekliniertem Zustand.

Blockchain = Datenbank

Wer selbst seine „Blockchain“-Grammatik überprüfen will, dem sei der Tipp von Michael Perklin ans Herz gelegt, einfach mal den Begriff „Blockchain“ durch „Datenbank“ zu ersetzen und zu schauen, ob der Satz dann noch Sinn ergibt. Gilt im übrigen nicht nur für die Grammatik, sondern auch für den inhaltlichen Gehalt.

Als Entschuldigung für die weit verbreitete „Blockchain“-Grammatik-Schwäche könnte man an dieser Stelle noch darauf verweisen, dass ja selbst der Duden das Wort „Blockchain“ nicht kennt („meinten sie Blockhaus?“). Aber das ist wirklich eine schlechte Ausrede, wenngleich eine interessante. Denn zu „Bitcoin“ gibt es gleich zwei Einträge. Als „über das Internet funktionierendes Zahlungssystem“ und als „Einheit des Zahlungssystems Bitcoin“.

Hörtipp: Unchained-Podcast von Laura Shin

Ich höre zur Zeit einige der Folgen des Unchained-Podcasts von Laura Shin, in dem Sie mit verschiedenen, namhaften Akteuren aus dem Bereich Bitcoin und Blockchain spricht.

Das machen zwar viele andere auch, aber die Stärke von Laura Shin ist es, dass sie sich als Journalistin schon lange mit Bitcoin und Co. beschäftigt, daher sehr gut im Thema steckt und sich ein entsprechend großes Netzwerk aufgebaut hat. Vor allem aber schafft sie es, ihre Gesprächspartner zum Reden zu bringen und ihnen Aussagen zu entlocken, die man sonst nicht so findet.

Die Naivität des Vitalik Buterin herausgearbeitet

Unbedingt hören sollte man daher die Folge mit Ethereum-„Wunderkind“ Vitalik Buterin, den man danach in einem ganz anderen Licht sehen muss, als es sonst in den Medien vermittelt wird. Kein besseres, um das hier mal gleich vorweg zu nehmen.

Immerhin sagt er, dass er sich nicht vorstellen könne, dass irgendwer die Ethereum-Plattform für einen ICO mit betrügerischen Absichten nutzen würde. Angesichts von Studien, Behörden und Experten, die sich nicht darüber uneins sind, ob, sondern wie viele der ICOs betrügerische Absichten verfolgen, ein Statement, das an Naivität kaum zu übertreffen ist.

Zumal Vitaliks Meinung und Denke dank seines Status als Gründer noch immer die Macht hat, die Richtung von Ethereum maßgeblich mitzubestimmen.  Das sieht er aber selbst auch gar nicht so kritisch.

Bis zu welchem Preis ist Bitcoin-Mining profitabel?

Sehr aufschlussreich fand ich außerdem die Frage an die Gründer des Bitcoin-Mining-Unternehmens Bitfury, Valery Vavilov und George Kikvadze, bis zu welchem Kurs denn das Mining für sie eigentlich profitabel sei. Sie haben darauf eine Antwort gegeben, die ich hier aber nicht spoilere. Nur so viel: beim aktuellen Kurs müssen sie sich noch keine Sorgen machen.

Gut für lange Fahrten

Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Episoden, dich ich auch noch nicht gehört habe, aber in den nächsten Tagen mal angehen werde. Immerhin wartet eine etwas längere Reise auf mich. Am Freitag werde ich nämlich einen launigen Vortrag über Kryptowährungen auf der Pushcon in Ahaus halten. Wer in der Nähe ist: Vorbeikommen lohnt sich. Auch dort gibt es Interessantes zu erfahren.