Archiv der Kategorie: Blockchain

Hörtipp: Unchained-Podcast von Laura Shin

Ich höre zur Zeit einige der Folgen des Unchained-Podcasts von Laura Shin, in dem Sie mit verschiedenen, namhaften Akteuren aus dem Bereich Bitcoin und Blockchain spricht.

Das machen zwar viele andere auch, aber die Stärke von Laura Shin ist es, dass sie sich als Journalistin schon lange mit Bitcoin und Co. beschäftigt, daher sehr gut im Thema steckt und sich ein entsprechend großes Netzwerk aufgebaut hat. Vor allem aber schafft sie es, ihre Gesprächspartner zum Reden zu bringen und ihnen Aussagen zu entlocken, die man sonst nicht so findet.

Die Naivität des Vitalik Buterin herausgearbeitet

Unbedingt hören sollte man daher die Folge mit Ethereum-„Wunderkind“ Vitalik Buterin, den man danach in einem ganz anderen Licht sehen muss, als es sonst in den Medien vermittelt wird. Kein besseres, um das hier mal gleich vorweg zu nehmen.

Immerhin sagt er, dass er sich nicht vorstellen könne, dass irgendwer die Ethereum-Plattform für einen ICO mit betrügerischen Absichten nutzen würde. Angesichts von Studien, Behörden und Experten, die sich nicht darüber uneins sind, ob, sondern wie viele der ICOs betrügerische Absichten verfolgen, ein Statement, das an Naivität kaum zu übertreffen ist.

Zumal Vitaliks Meinung und Denke dank seines Status als Gründer noch immer die Macht hat, die Richtung von Ethereum maßgeblich mitzubestimmen.  Das sieht er aber selbst auch gar nicht so kritisch.

Bis zu welchem Preis ist Bitcoin-Mining profitabel?

Sehr aufschlussreich fand ich außerdem die Frage an die Gründer des Bitcoin-Mining-Unternehmens Bitfury, Valery Vavilov und George Kikvadze, bis zu welchem Kurs denn das Mining für sie eigentlich profitabel sei. Sie haben darauf eine Antwort gegeben, die ich hier aber nicht spoilere. Nur so viel: beim aktuellen Kurs müssen sie sich noch keine Sorgen machen.

Gut für lange Fahrten

Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Episoden, dich ich auch noch nicht gehört habe, aber in den nächsten Tagen mal angehen werde. Immerhin wartet eine etwas längere Reise auf mich. Am Freitag werde ich nämlich einen launigen Vortrag über Kryptowährungen auf der Pushcon in Ahaus halten. Wer in der Nähe ist: Vorbeikommen lohnt sich. Auch dort gibt es Interessantes zu erfahren.

Blockchain Grundlagen – Schritt für Schritt die Blockchain verstehen

Ich habe selten ein Buch gelesen, dessen Titel so exakt den Inhalt widerspiegelt wie Blockchain Grundlagen. Eine Einführung in die elementaren Konzepte in 25 Schritten von Daniel Drescher. Erst recht keines, das im Titel „irgendwas mit Blockchain™“ machte.

Denn die Erfahrung zeigt: nicht nur Projekte und Unternehmen, sondern auch Bücher, die „irgendwas mit Blockchain™“ machen – davon gib es mittlerweile eine ganze Reihe –  neigen zu einer überdurchschnittlich hohen Bullshit-Quote. Bei Blockchain Grundlagen ist das jedoch erfreulicherweise anders. Genau das macht es zum ersten „Blockchain“-Buch, das ich mit konstanter Begeisterung gelesen habe.

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Ist noch Dip da? Oder: Noch drei Bitcoin- und Blockchain-Links

Da das beim letzten Mal so gut ankam und ich kurz vor dem Urlaub eh noch ein bisschen den Browser aufräumen wollte, hier gleich noch drei kommentierte Bitcoin- und multiple copies of a giant excel spreadsheet-Links.


Ist noch Dip da?

Dieses Video ist irgendwie symptomatisch für das grundsätzliche Dilemma der Crypto-Szene. Alle sagen dir, dass du den „f*#!ing dip“ kaufen sollst, aber niemand kann dir eigentlich sagen, wann zum Geier das genau sein soll! Das weiß man nämlich immer erst hinterher. Aktuell beispielsweise steht der Kurs bei um die 8.000 US-Dollar, aber ob er von hier aus erst einmal wieder wieder hoch oder doch noch weiter runter geht, ist schwer zu sagen.

Gestern wurde jedenfalls eine Lightning-Version fürs Mainnet freigegeben und für viele in der Community ist das ein technischer Meilenstein in der Bitcoin-Entwicklung. Den Preis groß beeinflusst hat das dennoch nicht. Aber immerhin, die Stimmung in der Community ist sehr gut. Das Lied übrigens auch: „I buy the dip, when I’m buying dip“. Word!


Million Dollar Trading Mistakes, For Your Entertainment and Edification

Und wo wir schon beim erfolgreichen Traden sind: Das ist alles andere als einfach, wie Edward T. Giraffe in diesem ebenso unterhaltsamen wie lehrreichen Stück schreibt. Oder wie er es nennt: „My crypto-trading f*&k-ups, and some lessons learned.“ Sollte man gelesen haben!

Und um selbst nicht all die Anfängerfehler zu machen, lohnt es möglicherweise auch, diesen kostenlosen Leitfaden durchzublättern. Hätte vielleicht auch Herrn Giraffes Nerven gut getan.


Replace Blockchain with Spreadsheet-Erweiterung 

Lustig! Da hat doch jemand eine Chrome-Erweiterung programmiert, die auf allen Webseiten das Wort „Blockchain“ durch „multiple copies of a giant excel spreadsheet“ ersetzt.

Das ganze macht auf englischsprachigen Seiten natürlich mehr Freude, wenngleich auch deutschsprachige Seiten hierdurch auf einmal einen ganz neuen Bullshit-Bingo-Anstrich bekommen.

deutsche bank

Doch so spaßig diese Herangehensweise auf den ersten Blick auch ist, so hilfreich ist sie in der Tat den Marketing-Begriff „Blockchain“ ein Stück weit zu entmystifizieren und die Luft aus dem Hype darum zu lassen. Denn wir wissen: Alle reden von „Blockchain“, aber so richtig Ahnung hat eigentlich keiner davon. Dieses Plugin ändert das!


… und damit verabschiede ich mich in den Urlaub. Irgendwann nach Ostern gibt es hier dann wieder mehr. Adios.

Drei Bitcoin- & Blockchain-Link-Tipps

Wie viele andere auch bin ich eigentlich derzeit krank und schiebe deswegen hier nur ganz kurz drei teilenswerte Links auf die Seite.

1 – Cryptocurrencies: Last Week Tonight with John Oliver (HBO)

John Oliver hat sich sehr unterhaltsam, pointiert und solide recherchiert mit dem Thema Bitcoin/Blockchain/Kryptowährungen auseinandergesetzt. Die Crypto-Community liebt es. Ich auch.


2 – Bitcoin and Cryptocurrency Markets: Last year in Review, Outlook 2018 (Tuur Demeester)

Tuur Demeester gehört seit Jahren zu den profiliertesten und renommiertesten Crypto-Analysten. Einer der ersten, denen man bei Twitter folgen sollte. In diesem Paper fasst er den Status Quo von Bitcoin und den Kryptomärkten aus seiner Sicht zusammen. Besonders erfrischend ist sein junk coin index”, der pauschal die Summe aller nicht Top 10 Coins (nach Marktkapitalisierung) umfasst. Wer gerade eine gut begründete Meinung braucht, ist hier richtig. 


3 – Besuch beim Bitcoin Stammtisch (Bayern 2)


Bonus: Bundesregierung zu ICOs

Abschließend noch als kleine Zugabe die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage aus Richtung FDP bzgl. Initial Coin Offerings. Kann man mal zur Kenntnis nehmen, steht aber auch nichts unglaublich Überraschendes drin.

Umfassende Bitcoin- & Blockchain-Ressourcen

Ich bin seit einiger Zeit dabei, hier im Blog ein bisschen aufzuräumen. Nach vier Jahren ist es einfach mal an der Zeit, alte Strukturen zu überdenken und hier und da thematisch etwas auszumisten.

Gone with the links

Viele veraltete Unterseiten habe ich in diesem Zuge aktualisiert oder gleich ganz deaktiviert (was das Navigationsmenü erfrischend verschlankt), andere habe ich noch vor mir. So zum Beispiel das Link-Archiv, das dringend mal aktualisiert und generell überarbeitet werden muss.

Zwei Links, von denen ich aber weiß, dass sie definitiv auf der Seite landen werden, sind die folgenden. Denn beide sind selbst wiederum ganz hervorragende und umfassende Sammlungen von guten Quellen zu allen möglichen Themen rund um Bitcoin und Blockchain.

1. Bitcoin Ressources (Jameson Lopp)

Bitcoin Ressources
Bitcoin Ressources

Bitcoin Ressources ist eine beeindruckende Link- und Material-Sammlung von Jameson Lopp, der als Cypherpunk und Krypto-Sicherheitsfreak nicht nur in diversen namhaften Bitcoin-Firmen gearbeitet hat und gerade ein weiteres Unternehmen für die besonders sicher Aufbewahrung von Bitcoins mit aufbaut, sondern dem auch die Ausbildung und Aufklärung rund um Bitcoin sehr am Herzen liegt.

In seinen Ressourcen findet man daher auch alles von News SitesPodcasts und High Quality Blogs über Online Courses, Statistics und Developer Tools bis hin zu Security, Crypto Charity, Mining, Privacy, The History of Bitcoin und vieles mehr.

All die Links und Quellen zu rezipieren, dauert vermutlich mehr als ein Jahr. Und es geht hier ausschließlich um Bitcoin!

2. Crypto Canon (Andreessen Horowitz)
Crypto Canon
Crypto Canon

Die zweite Sammlung ist etwas weniger, praxisorientiert, multimedial und interaktiv, bietet dafür aber die volle intellektuelle Breitseite aus Sicht eines großen und langjährigen Tech- und Krypto-Investors.

Mit dem Crypto Canon stellen Andreessen Horowitz nämlich eine umfassende Liste „of crypto readings and ressources“ ins Netz, die nicht nur zeigt, was und wie viel erfolgreiche VCs lesen, bevor sie investieren, sondern auch, dass für ein grundlegendes Verständnis von Bitcoin und anderen Blockchain-Projekten durchaus auch immer noch Veröffentlichungen aus den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts relevant sein können.

Die finden sich dann unter Foundations (& History), andere Zwischenüberschriften sind Building Blocks and Basics, Key Concepts, Privacy and Security, Scaling, Cryptoeconomics and Investing, Stablecoins und vieles mehr.

Bildung ist das beste Investment

Auch hier findet man mehr als genug Wissen, um die etwas ereignisärmere Zeit bis zum nächste All-Time-High sinnvoll rumzubringen. Etwas besseres als lesen und lernen kann man in dieser Zeit ohnehin kaum machen. Dabei investiert man nämlich hervorragend in sich selbst – eines der cleversten Investments überhaupt.

1001 Bitcoin- und Blockchain-Links für die ruhigen Feiertage

Das hier ist der Beitrag, mit dem ich mich nun in die verdiente Weihnachts- und Neujahrspause verabschiede. Denn erst kommt Weihnachten und danach findet quasi direkt vor meiner Haustür der 34C3 statt, sodass ich eher dort als vor dem Rechner zu finden sein werde.

Geplant ist zwischen den Tagen zwar noch eine Honigdachs-Folge, aber ob die noch 2018 online gehen wird, kann ich nicht versprechen. Erfahrungsgemäß überschätzt man die verfügbare Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr und unterschätzt, was man in den Tagen eigentlich alles noch erledigen wollte.

Auf jeden Fall möchte ich aber ohne große digitale Anhängsel ins neue Jahr starten und packe in diesen Beitrag daher all die Links, schon ewig offenen Tabs und Medien, über die ich in den vergangenen Wochen vielleicht ganz bestimmt mal einen Beitrag machen wollte, aber einfach keine Zeit dafür gefunden habe.

2017? Bitcoin! BITCOIN!!1!!!!

Denn was war 2017 für ein Jahr! Community-Drama, Blockchain-Hardforks, Kurs-Explosion, massiv gestiegenes öffentliches Interesse und beim Schreiben dieser Zeilen geht es mit dem Preis gerade wieder ordentlich bergab. Einerseits könnte man sagen: Alles wie immer. Anderseits muss man aber auch feststellen: Dieses Jahr ist Bitcoin mit viel Trara in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Ich jedenfalls habe mich im letzten Jahr keine Sekunde gelangweilt.

Bitcoin für alle!

Nicht mal, als ich in einem dreistündigen Vortrag in dem Mehrzweckraum eines Soziokulturellen Zentrums in einem kleinen 15.000 Einwohner-Städtchen den drei(!) anwesenden und hochbetagten Senioren, Bitcoin erklärte. Das war, um es vorsichtig auszudrücken, eine Herausforderung. Aber eine reizvolle und lehrreiche.

Ich erwarte im Übrigen nicht, dass das Jahr 2018 weniger ereignisreich wird. Im Guten, wie im Schlechten. Aber genau das ist ja, was Bitcoin so spannend macht. Ich freue mich jedenfalls drauf.

Ihr hoffentlich auch. Kommt gut durch alle Feiertage und schaut nächstes Jahr hier mal wieder rein. Dann gibt es mit Sicherheit auch Updates zu meiner Onecoin-Klage. Ich erwarte, dass die juristische Auseinandersetzung bald in eine Phase eintritt, über die sich dann auch endlich wieder zu berichten lohnt.

Ein bunter Teller voller Artikel, Links und mehr

Nach dem Klick nun all die Fundstücke des Jahres, die ich und ihr uns geben können, wenn wir wegen des vollen Rotkohl-Bauchs nicht schlafen können, eine Auszeit von der Familie brauchen (aka Real-Life-Overkill) oder die viele freie Zeit sonstwie sinnvoll gestalten möchten. Because Bitcoin never sleeps.

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Twitter-Rant gegen all den Blockchain-Bullshit

Ich schreibe zur Zeit an einigen längeren Artikeln für andere Medien, weswegen es hier auf der Seite aktuell recht ruhig zugeht. Ändert sich aber hoffentlich bald wieder.

Tweetstorm gegen den Blockchain-Hype

Nichtsdestotrotz wollte ich ganz kurz auf diese Perle eines Twitter-Rants von Nelson M. Rosario gegen all das Geschwafel rund um Bitcoin, Blockchain, Tokens und ICOs hinweisen. Ich teile nicht alle Aussagen, aber einige der Tweets wären es meiner Meinung nach wert, direkt eingerahmt zu werden.

Hier ein paar meiner Favoriten:

 

Global Cryptocurrency Benchmark Study

Es kommt bei mir selten vor, dass Tabs so lange in meinem Browser offen bleiben, wie der zur ersten Global Cryptocurrency Benchmark Study. Denn normalerweise verlieren die Inhalte im Crypto-Ökosystem schnell an Aktualität und alsbald lohnt es dann (oftmals leider) nicht mehr einen Beitrag zu schreiben.

Zahlen zu Bitcoin, die es nirgendwo anders gibt

Bei der Global Cryptocurrency Benchmark Study ist das anders. Die wurde zwar bereits in der ersten Jahreshälfte 2017 veröffentlicht und damals auch hier und da auf Blogs und Newsseiten erwähnt. Insgesamt hat jedoch noch nicht die Beachtung gefunden, die sie eigentlich verdient hat. Denn wer sich für das Bitcoin-Ökosystem als Ganzes interessiert, findet hier gleich eine ganze Reihe fundierter Zahlen, die es nirgendwo anders gibt.

employes in cryptocurrency
Angestellte in Krypto-Unternehmen (S. 23)

So bietet die Studie z. B.  Zahlen zu Arbeitsplätzen (S. 23), denen zufolge mindestens 1876 Menschen bereits Vollzeit in der Krypto-Industrie arbeiten. Die meisten davon in Nordamerika und im asiatisch-pazifischen Raum, die wenigsten mit 29 in Afrika.

Statistik ohne Marketing-Verzerrung

Auch die Anzahl der Menschen, die Kryptowährungen benutzen, ist eine elementare Frage, auf die es bislang aber keine verlässliche Antwort gibt. Kann es in einem dezentralen System auch gar nicht geben. Die Daten der Studie lassen aber zumindest begründete Schätzungen zu und das ist in diesem Falle besser als nichts. Zwischen 2,9 und 5,8 Millionen schätzen die Autoren (S. 25).

Diese Zahl mag überraschen, wenn schon einzelne Wallet-Anbieter wie blockchain.info im vergangenen November die 10 Millionen Wallets-Marke überschritten (aktuell sogar mit knapp 17 Millionen). Genau deswegen ist diese Studie aber so wichtig, denn sie trennt Statistik und Marketing und versucht so ein realistischeres Bild des Krypto-Ökosystems zu zeichnen und ist damit u. a. für Journalisten eine relevante Quelle.

Global Cryptocurrency Mining Map (S. 93)

Auch der Themenkomplex Mining ist aufschlussreich. Insbesondere die Mining Map ist dabei interessant. Denn hier werden globale Mining-Locations anhand der Faktoren Internetgeschwindigkeit, Klima und Stromkosten verglichen.

Vorsicht vor zu schnellen Schlüssen

Natürlich kann man kritisieren, dass auch diese Studie, so sehr sie sich auch bemüht, belastbare Zahlen zu erarbeiten, doch auch an der Herausforderung der Dezentralität scheitert. Denn ein Wert von knapp 2000 Vollzeit-Arbeitsplätzen, die weltweit in der Krypto-Industrie geschaffen wurden, ist nicht nur mengenmäßig ein Witz, sondern verleitet auch dazu, all die statistisch nicht Erfassten bzw. Erfassbaren zu vergessen. Ich selbst befasse mich bspw. durchaus nahezu Vollzeit mit Bitcoin ohne statistisch aber als bitcoinvollzeitbeschäftigt zu gelten. 90 Prozent der Menschen, die ich im Bereich Bitcoin kenne, geht es vermutlich ähnlich. Man muss daher auch die Daten der Global Cryptocurrency Benchmark Study kritisch lesen.

Nichtsdestotrotz ist sie jedoch eine enorme Bereicherung für alle, die auf der Suche nach fundierten Erkenntnissen über das Phänomen Bitcoin sind. Zumal geplant ist, die Studie regelmäßig zu wiederholen und ich gehe davon aus, dass schon die nächste noch viel mehr interessante und bisher schlichtweg nicht erhobene Informationen liefern wird.

 

Toller DLF-Hintergrund erklärt Bitcoin (das Geld)

Im Deutschlandfunk lief schon Ende Juni dieser Hintergrund zum Thema Bezahlsystem Bitcoin – Wie die digitale Währung funktioniert (mp3), den zu hören ich auch sechs Wochen später noch uneingeschränkt empfehlen kann. Denn die Sendung ist sowohl journalistisch als auch akustisch wirklich gut gemacht. Das liegt vor allem an den hohen redaktions- und produktionstechnischen Ansprüchen, die das Format Hintergrund generell erfüllen will (mehrere Erzählstimmen, verschiedene Protagonisten und eine insgesamt umfassende und vielschichtige Recherche).

Von Banker-Bla-Bla bis Bitcoin- und Blockchain-Enthusiasten

Dass in solch einer Sendung auch Carl-Ludwig Thiele von der Bundesbank auftauchen muss, der ja von Amts wegen schon nicht die nötige Denkelastizität mitbringen darf, die jedoch nötig wäre, um ein Phänomen wie Bitcoin richtig zu verordnen, nämlich nicht nur anhand bestehender und keinesfalls perfekter Gelddefinitionen und Geldpolitikmaximen – geschenkt. Wäre ich allerdings Redakteur gewesen, hätte ich Thiele weniger Platz gegeben und dafür lieber noch einen Visionär zu Wort kommen lassen. Einen, der Bitcoin eben nicht nur durch die steif definierte Geldbrille sieht, sondern auch das grundlegende gesellschaftliche Transformationspotential dieses Phänomens erklären kann. Vielleicht eine Gründerin oder Aktivistin?

Aber letztlich ist das Jammern auf hohem Niveau, denn unterm Strich ist das eine wirklich gute Sendung und in 18 Minuten kann man auch nicht alles bis ins letzte Detail erklären.

Auch die Stiftung Warentest erklärt noch einmal Bitcoin

Und weil es so gut zum Thema passt, gibt es hier zum Lesen noch den Artikel der Stiftung WarentestSo funk­tioniert das Geld aus dem Internet, die darin übrigens auch noch einmal explizit auf Onecoin hinweisen, dass sie im Gegensatz zu Bitcoin auf ihre Warnliste Geldanlage gesetzt haben.

Bild: „Classic old radio 1960s or 70s style“ Flickr-User theslowlane (CC BY 2.0)

Warum „private Blockchains“ Unfug sind

Ich habe einiges Feedback auf meinen letzten Beitrag bekommen, in dem ich Daimler und die LBBW als Könige des Blockchain-Bullshit-Bingo bezeichnet habe. Manche waren dankbar dafür, dass ich so deutliche Worte gefunden habe, andere haben nachgefragt, was genau denn an „privaten Blockchains“ so schlimm wäre.

Da ich davon ausgehe, dass sich noch viele andere diese und ähnliche Fragen stellen, hier noch einmal eine etwas ausführlicher Erklärung, warum „private Blockchains“ ein Widerspruch in sich selbst und damit Unfug sind.

Die Blockchain ist eine Speziallösung

Zunächst ist es wichtig, sich Folgendes zu vergegenwärtigen:

Die Blockchain ist eine ganz spezielle Form einer verteilten Datenbank. Verteilte Datenbanken an sich sind wierum nichts Neues, sondern ein seit Jahrzehnten bewährter und elementarer Bestandteil der IT. Verteilte Datenbank haben bislang jedoch eine wichtige Eigenschaft: Es gibt immer eine zentrale Institution, die sie betreibt, verwaltet und letztlich die Verantwortung für die enthaltenen Daten trägt.

Das kann zum Beispiel eine Bank sein, die ihre Daten aus Sicherheitsgründen nicht auf einem einzigen Server speichert, sondern auf mehreren, räumlich voneinander getrennten. Fällt ein Rechenzentrum aus, kann der Betrieb so im Prinzip dennoch reibungslos aufrecht erhalten werden. Fällt jedoch die Bank selbst als zentrale, den kompletten Datensatz verantwortende Institution aus, dann sind auch alle Daten davon betroffen.

Genau in diesem Punkt unterscheidet sich die Blockchain. Denn es ist die erste und bislang einzige Form einer verteilten Datenbank, die ganz ohne zentrale Betreiber-Institution auskommt. Also ohne Bank. Das hat viele Vorteile. Einer ist zum Beispiel die erhöhte Sicherheit und Verlässlichkeit der Daten. Denn es gibt nicht nur eine (zentrale) Instanz, die die Datenbank betreibt, sondern deren Organisation ist auf tausende gleichberechtigte Teilnehmer verteilt.

In diesem Netzwerk verliert der Einzelne ganz bewusst an Bedeutung. Weder kann er gegen den Konsens aller die Daten willkürlich bearbeiten, dafür bleibt deren Integrität aber auch gewährleistet, fällt er (oder hunderte andere mit ihm) aus. Daraus folgt auch: Je größer und dezentraler das Netzwerk, das die Blockchain betreibt, desto sicherer sind die Daten darin.

Dezentralität lohnt, hat aber auch ihren Preis

Um nun zu verstehen, warum „private Blockchains“ Unsinn sind, ist es wichtig, sich klar zu machen, dass die herausragenden Eigenschaften der Blockchain (Ausfallsicherheit, Nicht-Manipulierbarkeit, Dezentralität etc.) natürlich auch ihren Preis haben. Denn verglichen mit anderen verteilten Datenbanken ist die Blockchain extrem langsam, hat eine enorm begrenzte Kapazität und ist unglaublich verschwenderisch in Bezug auf Ressourcen wie Energie und benötigte Rechenleistung. Darüber hinaus sind alle Daten in der Blockchain für jedermann offen einsehbar.

Das ist jedoch nicht optional, sondern Grundbedingung, dass die Blockchain überhaupt funktioniert. Würde man Daten in der Blockchain irgendwie auf „privat“ setzen, würde das das gesamte System ad absurdum führen. Denn die Daten in der Blockchain sind nur dann sicher und vertrauenswürdig, wenn jeder Netzwerkteilnehmer sie gleichberechtigt auf Richtigkeit überprüfen kann. Das ist nun einmal der Preis, den man beim Einsatz der Blockchain zu zahlen hat. Und er ist nicht verhandelbar.

Dafür bekommt man im Gegenzug aber zum Beispiel mit Bitcoin ein staaten-, banken- und grenzenloses Geld, das nicht zensierbar ist und dessen Vorteile gegenüber den oben genannten Nachteile offenbar überwiegen.

Als Zwischenfazit lässt sich daher festhalten: Die Blockchain ist eine sehr spezielle Form einer verteilten Datenbank, die keine zentrale Institution benötigt. Das macht sie enorm innovativ und – siehe Bitcoin – für bestimmte Anwendungen sehr erfolgreich. Allerdings bringt die Blockchain auch Eigenschaften mit sich, die sie nicht für alle Anwendungen zur idealen Lösung machen. Denn sie ist vergleichsweise langsam, ressourcenhungrig und bietet nur Platz für wenige Daten. Zudem geht es nicht ohne Transparenz. Das sind die Eigenschaften, die die Blockchain ausmachen und sie können nicht einfach so verändert werden.

Eine Blockchain ist kein Wunschkonzert

An dieser Stelle wird nun deutlich, warum „private Blockchains“ so widersinnig sind. Denn die Blockchain einzusetzen, lohnt nur, wenn man ihre Vorteile auch voll zu nutzen weiß: Offenheit, Dezentralität, Transparenz der Daten etc.

Baut man hingegen, wie die Daimler-LBBW-„Blockchain“-Lösung, eine in sich abgeschlossene Datenbank, um genau das Gegenteil zu erreichen – zentrale Kontrolle über die Daten und beschränkter Zugriff darauf – stellt sich die Frage, warum eine Blockchain hierfür die optimale Lösung sein sollte? Immerhin holt man sich dadurch all die Nachteile ins Boot (langsame Geschwindigkeit, hoher Ressourcenbedarf, begrenzte Kapazität) ohne aber die Vorteile zu nutzen, die eine offene Blockchain ermöglicht. Zumal die Sicherheit der Daten in einem sehr kleinen Blockchain-Netzwerk eben auch sehr klein ist.

Kurzum: Egal welches Problem –  eine „private Blockchain“ ist immer die schlechteste Wahl. Denn will ich etwas privat und zentralisiert machen, sind „klassische“ Datenbank-Lösungen effizienter, billiger und sicherer. Will ich mir hingegen die Vorteile einer offenen, dezentralen Lösung wie der Blockchain zu eigen machen, muss ich mich mit ihren Eigenschaften arrangieren.

Sollten Banken die Finger von der Blockchain lassen?

Bleibt die Frage, inwieweit es trotzdem sinnvoll sein kann, wenn Banken mit der sogenannten „Blockchain-Technologie“ experimentieren. Ich halte das für sehr sinnvoll, insbesondere wenn das Ergebnis ist, dass die Blockchain in vielen Fällen eben nicht das geeignete Werkzeug ist, sondern möglicherweise eine andere, Blockchain-inspirierte Lösung.

In jedem Fall gilt es aber solch ein Blockchain-Bullshit-Bingo zu vermeiden, wie es Daimler und die LBBW fabriziert haben. Sich das Ethereum-Protokoll zu nehmen, es auf einer privaten Instanz laufen zu lassen und dann zu behaupten man hätte die Blockchain genutzt, ist in etwa so zutreffend, wie wenn man sich Laufschuhe ausleiht, diese einmal zu Hause anzieht und dann behauptet einen Marathon gelaufen zu sein. Kann man machen, ist aber eben …

Abschließender Hinweis

Im Sinne der Argumentation habe ich in diesem Text einige Punkte vereinfacht.