Archiv der Kategorie: Blockchain

Enter the Blockchain! Der Virtual-Reality-Blockexplorer

Ich hätte nicht gedacht, dass es soweit kommen würde, aber spätestens jetzt müssen wir Blockexplorer wohl als eigene Mediengattung definieren.

vr blockexplorer bitcoin

Denn was ursprünglich mit blockchain.info, blockr.io etc. als einfache Schnittstelle zwischen dem menschlichen Nutzer und seinem Computer auf der einen Seite und den kryptischen Rohdaten der Blockchain auf der anderen begann, wird zunehmend hübscher, komplexer und interaktiver.

Feel the blockchain. Be the blockchain.

Nun ist also auch der erste Virtual-Reality-Blockexplorer in Arbeit und wie dieses Vorab-Video zeigt, wird das wohl eine erstaunlich unterhaltsame Angelegenheit. Oder wie es dieser Dialog auf Reddit beschreibt: „it can´t get more geeky.“ – „Yes it can. I didn’t see him try to mine for blocks.“

Hörtipp: Fintech-Podcast zu Blockchain bei Banken

Zwischen den Tagen war ich bekanntlich in einer publizistischen Zwangspause. Nichtsdestotrotz oder vielleicht gerade deswegen hatte ich auch wieder etwas mehr Gelegenheit Podcasts zu hören.

Wie zum Beispiel den Fintech-Podcast zum Thema Blockchain bei Banken, an den ich ob des Titels zunächst nicht so große Erwartungen hatte. Denn wenn man mal ehrlich ist, war 2016 in diesem Zusammenhang ein Jahr vieler hochtrabender Versprechungen. Ergebnisse gab es aber keine nennenswerten. Insofern ermattet wahrscheinlich nicht nur mich eine ausgeprägte Blockchain-Hype-Müdigkeit.

Kritische Auseinandersetzung statt heißer Luft

Vielleicht fand ich den Podcast aber auch gerade deswegen so erfrischend. Weil er eben nicht den hohlen Hype befeuerte, sondern vielmehr kritisch hinterfragte und das Blockchain-Thema dabei erfreulich schnell und ausführlich auf das in der Branche eigentlich ja so verruchte, aber im Grund viel relevantere andere B-Wort kam: Bitcoin.

Wobei ich zwei Anmerkungen zu dem Podcast-Gespräch habe. Keine Korrekturen, sondern eher Impulse, die aus meiner Sicht helfen, das Phänomen Bitcoin noch besser zu verstehen.

Bitcoin ist kein Produkt, sondern ein Prozess

Zum ging es an einem Punkt darum, dass Bitcoin „noch nicht fertig“ sei bzw. noch nicht bereit für den Endkunden. Das stimmt irgendwie. Irgendwie aber auch nicht. Denn Bitcoin ist kein Produkt, sondern vielmehr ein Prozess. Gerade das macht es so innovativ. Alles findet permanent live statt: Wachstum, Krisen, Etablierung, Stresstests, technische Weiterentwicklung.

Früher gab es diesen Witz über Endverbraucherprodukte, die scherzhaft als „Bananenprodukte“ bezeichnet wurden, weil sie erst beim Kunden reiften. Bitcoin treibt dieses Prinzip auf die Spitze: Es reift direkt vor uns und auch nur, wenn es benutzt wird. Letztlich ist es also eine sehr individuelle Entscheidung, wann man Bitcoin als „fertig genug“ bezeichnet, um es für diesen oder jenen Usecase und für diese oder jene Zielgruppe einzusetzen.

Denn solange irgendwer irgendwo darüber nachdenkt, wie man Bitcoin besser, effizienter, sicherer oder vielseitiger macht, wird Bitcoin niemals „fertig“ sein. Nicht in einer Welt, in der sich die äußeren Umstände und Einflussfaktoren beständig verändern.

Das hat jedoch auch einen großen Vorteil: Diese Dynamik macht Bitcoin besonders anpassungsfähig.

Aussagen zu Bitcoin haben ein Verfallsdatum

Der zweite Punkt, der nicht nur in obiger Gesprächsrunde, sondern ganz generell zu wenig beachtet wird, ist der Faktor Zeit. Gerade weil Bitcoin ein Prozess ist, können wir viele Aussagen zu Bitcoin eigentlich nur unter Vorbehalt tätigen.

Nehmen wir das Beispiel der Skalierbarkeit, das wohl am häufigsten angeführte Argument, gegen die massenhafte Verbreitung von Bitcoin: dass Bitcoin nur sieben Transaktionen pro Sekunde abwickeln kann und damit weit weniger als klassische, zentralisierte Zahlungsnetzwerke. Das stimmt. Heute.

Doch wenn wir in den letzten acht Jahren Bitcoin etwas gesehen haben, dann, dass im Bitcoin-Ökosystem bemerkenswerte Ideen und neue Lösungen mitunter sehr schnell und aus unerwarteter Richtung kommen können. Schaut man sich die stetig wachsenden wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu Bitcoin und der Blockchain an, dann ist das nur ein kleines Indiz dafür, wie viele Menschen gleichzeitig nach Lösungen suchen, bestehende „Unfertigkeiten“ bei Bitcoin zu überwinden.

Das wiederum bedeutet, nur weil wir heute mit Sicherheit sagen können, dass Bitcoin nur sieben Transaktionen pro Sekunde abwickeln kann, bedeutet das nicht, dass wir vorhersagen können wie viele Transaktionen das Bitcoin-Netzwerk in einem Jahr prozessieren wird. Wir wissen es schlichtweg nicht.

Das ist insofern wichtig, als dass das Bitcoin-skaliert-nicht-Argument gemeinhin zu einem trügerischen Schluss verleitet: Bitcoin skaliert nicht, also müssen wir uns auch nicht weiter darum kümmern. Das ist naiv und gefährlich. Denn was, wenn Bitcoin auf einmal doch skaliert, was, wenn man sich näher mit der Thematik beschäftigt, aller Wahrscheinlichkeit nach passieren wird?

Dann brennt die Hütte bei denen, die sich vom überschrittenen Verfallsdatum ihrer Fakten kalt haben erwischen lassen.

 

TED Talk: Die Blockchain als Wikipedia für Werte

Pünktlich zum Wochenstart gibt es mit dem TED-Talk „How the blockchain will radically transform the economy“ von Bettina Warburg frischen Input zum Verständnis von Bitcoin und der Blockchain.

Wie bei TED-Talks in der Regel der Fall, lohnt sich das Anschauen ohne Frage. Trotzdem bin ich nicht hundertprozentig vom didaktischen Konzept dieser Präsentation überzeugt. Zwar merkt man, dass Bettina Warburg das Prinzip Blockchain verstanden hat, dennoch versucht sie „die Blockchain“ zu erklären, ohne jedoch die Blockchain zu erklären.

Man kann Blockchain nicht ohne Bitcoin erklären

Denn es ist zwar nicht falsch von der technologischen Vereinfachung von Institutionen, der Abschaffung von Unsicherheit und Dezentralisierung zu reden, letztlich bleiben aber die beiden für den Zuschauer wohl wichtigsten Frage unbeantwortet:

Warum funktioniert die Blockchain überhaupt und warum haben wir das nicht schon längst?

Für eine Antwort auf diese Fragen müsste man jedoch auch über die spieltheoretische Bedeutung von Bitcoin als Basis des ökonomisches Anreiz-Prinzips  sprechen, ohne das eine echte Blockchain (inklusive all der Stärken, die sie mit sich bringt) nun einmal nicht funktioniert. Oder eben keine Blockchain ist, sondern nur „Blockchain-Technologie“. Aber darüber, dass das nur eine hohle Phrase ist, hab ich neulich erst geschrieben.

„Blockchain“-Argumentationen kritisch hinterfragen!

Gerade deswegen ist obiger TED-Talk jedoch eine sehr gute Gelegenheit, das eigene kritische Denken zum Thema „Blockchain“ zu schulen. Denn auch hier sieht man die heimliche Vermischung der Begriffe „die Blockchain“ und „Blockchain-Technologie“, die sich letztlich aber nicht widerspruchsfrei unter einen Hut bringen lassen. Denn führt man die Argumentation von Bettina Warburg weiter, arbeiten jede Menge Finanzinstitutionen mit großem Interesse daran, sich selbst überflüssig zu machen. Das wage ich zu bezweifeln.

Blockchain-Technologie. Hype um eine hohle Phrase

Im Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) lief vor einiger Zeit der Beitrag Blockchain: Die Finanzwelt im Banne der Blockchain. Der Autor hat für diesen Beitrag sogar einen Preis gewonnen. Nicht ganz zu unrecht, denn einige Aspekte sind durchaus gut aufbereitet.

Letztlich werden aber wie so oft wichtige Fragen nicht gestellt und selbst konstruierte Widersprüche nicht hinterfragt. Aber ich will nicht zuviel vorwegnehmen. Hier erst einmal der Beitrag:

Nun zur Kritik. In diesem Beitrag wird der Zuschauer mit einem einfachen, aber sehr beliebten Trick an der Nase herumgeführt. Denn der Begriff „Blockchain“ wird zwar einmal erklärt (großes Netzwerk, viele Computer, sicher gegen Hackerangriffe etc.), dann aber recht willkürlich ausgelegt. Nämlich immer so, wie er gerade am besten in den Kontext passt. Das merkt man immer dann, wenn Off-Sprecher und Gesprächspartner zwischen den Termini „die Blockchain“ und „Blockchain“ bzw. „Blockchain-Technologie“ hin- und herwechseln.

„Blockchain-Technologie“ kann alles sein und ist meistens nichts

Dass es jedoch einen enormen Unterschied zwischen diesen beiden Begrifflichkeiten gibt, wird unter den Tisch fallen gelassen. Denn „die Blockchain“ ist die Bitcoin-Blockchain und bietet all die schönen Beispiele, an denen sich erklären lässt, warum die Technologie so revolutionär ist. „Blockchain-Technologie“ ist hingegen eine viel und gern benutzte, aber letztlich hohle Phrase, die nicht mehr bedeutet als „irgendwas mit Computern“, in der sich aber all das so wunderbar technik-mystisch verpackt lässt, was man mal machen will. Also vielleicht. Irgendwann mal. Vorausgesetzt es funktioniert. Was es wahrscheinlich nicht wird.

Zur Erinnerung: Die Idee von einem Internet-Geld ist so alt wie das Internet selbst. Trotzdem hat es Jahrzehnte an Forschung, Entwicklung und Experimentieren gebraucht, bis mit Bitcoin eine ernsthaft funktionierende Variante ihre Tauglichkeit in der Praxis beweist.

Die Vision, eine beliebig variierbare „Blockchain-Technologie“ (idealerweise ohne Bitcoin) zu erfinden, um sie für dieses oder jenes einzusetzen, ist daher keine Leistung. Behaupten kann man ja erst einmal viel. Den schönen Worten aber Taten folgen zu lassen, ist jedoch das, woran all die „Blockchain-Technologie“-Experten dieser Welt bislang scheitern. Denn die Realität zeigt: Entweder es funktioniert oder es hat nichts mit der Blockchain zu tun. (Vgl. dafür Aussagen wie „Wir arbeiten an der Blockchain der nächsten Generation. Aber ohne Blöcke und ohne Kette!“ oder „Das Tolle an unserer Blockchain: Sie ist wiederbeschreibbar!“ usw. usf.)

Sieben Milliarden „Blockchain-Experten“

Um ein „Blockchain-Experte“ zu werden, braucht man aber auch nicht viel. Sogar Sie, lieber Leser, liebe Leserin, sind doch schon längst einer:

  • Sie können Dinge in eine Excel-Tabelle eintragen? Sagen Sie ab jetzt, Sie arbeiten mit „Blockchain-Technologie“! Das klingt viel cooler.
  • Ihr Computer ist Teil eines Netzwerks, womöglich sogar des Internets? Glückwunsch! Sie arbeiten mit „Blockchain-Technologie“. Verlangen Sie sofort eine Gehaltserhöhung!
  • Sie haben schon einmal ein Backup gemacht? Schreiben Sie sich „Blockchain-Technologie-Experte mit Berufserfahrung“ auf die Visitenkarte. Ihre Kollegen werden staunen!

Blockchain-Widersprüche aufdecken!

Aber Spaß bei Seite. Wenn der Begriff „Blockchain“ beliebig gedehnt wird, und Realität und wilde Fantasien in einen Topf geworfen werden, entstehen daraus zwangsläufig Widersprüche. Auch in obigem Beitrag.

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Dort wird bspw. in einer kurzen Animation erklärt, wie die (Bitcoin-)Blockchain Banken und andere Intermediäre überflüssig macht. Kurze Zeit später wird über das Bankenkonsortium R3 berichtet, das mit der „Blockchain-Technologie“ den Zahlungsverkehr zwischen den Geldhäusern effizienter machen will.

Spätestens an dieser Stelle müssten doch sowohl der Autor als auch die Redaktion stutzig werden und sich fragen: Will da etwa eine Branche, die offensichtlich kurz davor steht, durch eine neue Technologie abgeschafft zu werden, dieselbe Technologie nutzen, um zuvor noch was auch immer damit zu machen? Sind die komplett bekloppt oder müssen wir den Begriff „Blockchain“ womöglich doch etwas differenzierter betrachten?

Beim SFR hat man sich scheinbar für erstere Antwort entschieden. Das ist zwar ganz sympathisch, hilft aber letztlich nicht weiter. Denn genau der gleiche Blockchain-Argumentationstrick wird auf jeder Fachveranstaltung genutzt, die ich in den letzten Monaten besucht habe, um substanzlose Projekte aufzubauschen, dadurch eine Innovationsfähigkeit vorzugaukeln, die schlichtweg nicht da ist und die Blockchain-Hype-Blase weiter zu befeuern.

Schauen Sie hinter den Blockchain-Hype!

Da die Medien dazu noch nicht in der Lage sind, kann ich Ihnen nur raten: Achten Sie selbst mal drauf, wenn Sie das nächste Mal einen Pitch, eine Präsentation oder einen Beitrag sehen, bei dem es um „Blockchain“ geht. Fragen Sie sich, wann (meist sehr subtil) mit den tollen Eigenschaften der Bitcoin-Blockchain geworben wird und wann die Voraussetzungen, die unweigerlich nötig sind, damit diese Blockchain funktioniert, still und heimlich unterschlagen werden, um ein ganz anderes Konzept zu rechtfertigen, dass ohne die Argumente der Bitcoin-Blockchain-Stärken aber eigentlich ziemlich dünn wirkt.

Sie werden überrascht sein, wie oft das passiert!