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Eure Fragen zur Bitcoin- & Lightning-Konferenz des Jahres

Am kommenden Wochenende findet in Berlin die mit Abstand größte und relevanteste Veranstaltung zum Thema Lightning-Network ever statt: The Lightning Conference

Erklärtes Ziel des Veranstalters Fulmo ist es, zum ersten Mal das gesamte global verteilte Lightning-Ökosystem an einem Ort zusammenzubringen. Also alle jetzt und künftig relevanten Entwickler, Unternehmen, Vordenker, Projekte, Fanboys und -girls etc.

Und wirft man einen Blick auf die hochkarätige SpeakerInnen-Liste (die für die Szene eine erfreulich hohe Frauenquote aufweist!), scheint das absolut gelungen zu sein.

OpSec-technisch nicht klug, aber geil: Mehr als 70 SpekaerInnen aus der ganzen Welt auf der The Lightning Conference an einem Ort vereint
Zwei volle Tage, zwei volle Bühnen

Zwei Tage lang werden auf zwei Bühne mehr als 70 ReferentInnen aus der ganzen Welt ihre Lightning-Ideen, -Projekte und -Visionen vorstellen. Dazu wird es noch allerlei Rahmenprogramm an den Tagen davor und während der Konferenz geben.

Zum Beispiel duften wir vom Honigdachs-Podcast mit dem Nasty-Ass Honey Badger einen schon jetzt berühmt-berüchtigten Cocktail (ob gut oder schlecht entscheidet sich noch) für den Lightning-Cocktail-Automaten beisteuern, der eigens für die Konferenz in den letzten Monaten in einem Hackspace am anderen Ende der Republik gebastelt wurde. Was zeigt, mit wie viel Zeit, Liebe, Vorfreude und Begeisterung diese Lightning-Konferenz vorbereitet wird.

Ein Blick in die Zukunft des Geldes

Wer dabei ist, wird also viel erwarten können: Herausragende Talks, abgefahrene Prototypen, einen tiefen Einblick in den aktuellen Stand des größten und bedeutendsten Projekts zur Zukunft des (digitalen) Geldes, Cocktails aus ’nem Automaten, Kaffee von Cryptoanarchisten und vermutlich noch sehr viel mehr. Nur keine Krawatten.

Wer noch ein Ticket haben möchte, sollte sich jedoch beeilen. Einige letzte im Restpostenbereich gibt es wohl noch.

Alle Antworten auf eure Lightning-Fragen

Wer es dennoch nicht schafft, selbst vor Ort dabei zu sein, für den gibt es trotzdem noch eine Möglichkeit an der Konferenz teilzunehmen. Wie im letzten Honigdachs-Podcast bereits angekündigt, wollen wir die Gelegenheit der Konferenz nutzen und einen Folge zum aktuellen Stand und der Zukunft des Lightning-Netzwerks machen.

Dafür wollen wir mit den Leuten vor Ort sprechen und ihnen die Fragen stellen, die euch unter den Nägeln brennen. Dafür brauchen wir natürlich: eure Fragen!

Also schickt uns per Mail alles, was ihr schon immer mal zu Lightning beantwortet bekommen haben wolltet, was euch (noch) nicht ganz klar ist oder Ideen, Lob und Kritik, die wir weitergeben sollen. Wir versuchen dann, vor Ort die passenden GesprächspartnerInnen zu organisieren und die Antworten in eine der kommenden Honigdachs-Folgen mitzubringen.

Eine Fragen sind in den vergangenen Tagen schon eingegangen (danke dafür!). Ich bin mir aber sicher, da gibt es noch sehr viel mehr. Also nutzt eure Chance und kommt entweder selbst rum oder lasst uns am kommenden Wochenende alle eure Fragen zu Lightning stellen.

Keine halben Bitcoins. Oder: Der irrationale Wunsch nach Ganzheit

Neulich sagte jemand im Gespräch nebenbei etwas Bemerkenswertes:

„Ich wollte gerne Bitcoin kaufen, aber da mir ein ganzer zu teuer ist, habe ich mir stattdessen einen Ether gekauft.“

Dieses Aussage hat mich verdutzt und irritierte und je länger ich darüber nachdachte, desto absurder erschien sie mir. Vor allem, da ich wusste, dass sich derjenige durchaus mit der Bitcoin/Blockchain-Materie beschäftigt hat.

Wieso, so fragte ich mich, hat er sich nicht einfach einen halben Bitcoin gekauft. Oder einen viertel? Oder einen hundertstel? Wenn etwas leicht und präzise zu teilen ist, dann doch dieses praktische digitale Geld mit seinen 100 Millionen(!) Untereinheiten.

Wer Bock auf Schokotorte hat, sich aber keine ganze leisten kann, kauft sich doch auch nicht stattdessen Zwiebeln, nur weil die billiger sind. Man kauft stattdessen eben nur ein Stück Torte. Oder zwei. Oder drei. So viel man sich eben leisten kann oder möchte.

Schon Kinder wissen: Teilen ist doof!

Erstaunlicherweise scheint dieses Logik bei Bitcoin jedoch nicht zu greifen. Denn es ist nicht das erste Mal, dass ich obiges Statement in den vergangenen Jahren gehört habe. Seit der Bitcoin-Kurs Mitte 2017 zu klettern begann, habe ich immer wieder sonst eigentlich sehr vernünftig wirkende Leute getroffen, die mir sagten, dass sie lieber „Coin X“ oder „Token Y“ gekauft haben, weil es für einen ganzen Bitcoin ja leider nicht gereicht hätte.

Gerade kleine mengen Bitcoins sind schwer umzurechnen, wirken abstrakt und besonders klein.

Statt einem Stück Schokotorte haben sie also lieber einen haufen (vermutlich sogar fauler) Zwiebeln gekauft. Hauptsache sie haben für ihr Geld eine möglichst große Summe bekommen. Wichtiger als das, was sie letztlich kauften, war ihnen wie viel sie davon bekommen haben.

Mehr ist besser

In der Bitcoin-Community ist dieses „Problem“ natürlich bekannt. Obwohl es letztlich ja nur symbolisch ist, haben es ja auch viele Bitcoiner genossen, mal eben zum Dogecoin-Millionär oder sogar Milliardär zu werden. Einfach nur, weil man es kann und es sich schon irgendwie besonders angefühlt hat, in seiner digitalen Brieftasche auf einmal eine siebenstellige Zahl vor dem Komma zu sehen. Selbst wenn man wusste, dass diese Zahl letztlich ja nur eine virtuelle Illusion ist. Aber ist das Geld nicht immer?

Über die Jahre gab es daher immer wieder Versuche, auch Bitcoin für Freunde ganzer Zahlen attraktiver zu machen und es in kleinere, handlichere Zwischeneinheiten zu unterteilen. „Bits“, „Millibits“ und andere Vorschläge setzten sich aber nie flächendeckend durch. Meist, weil man am Ende doch nie genau wusste, auf welche der acht Nachkommastellen von Bitcoin sich der jeweilige Begriff denn nun eigentlich genau bezieht.

Kleiner ist besser

Zwei Entwicklungen könnten nun aber dazu führen, dass diese Problematik (zumindest etwas) an Bedeutung verliert: Der aktuelle Bitcoin-Kurs und Lightning.

Seit etwa vier Monaten mäandert der Bitcoin-Kurs nun schon um die 10.000 US-Dollar-Marke. Die ist nicht nur psychologisch wichtig, sondern hat auch den Vorteil, dass sich Bitcoins bei diesem Kurs recht einfach umrechnen lassen. 1 US-Dollar sind 0,0001 Bitcoin (oder eben ein Millibit). Pi mal Daumen funktioniert das entsprechend auch mit dem Euro

Bei einem Kurs von ca. 10.000 US-Dollar ist das Umrechnen von 0,00049041 BTC viel leichter.

Das Umrechnen von Bitcoin in „echtes“ Geld ist bei diesem Kurs also zur Zeit weit weniger kompliziert. Es ist vielmehr, wie wenn man früher nach Italien oder Frankreich in den Urlaub gefahren ist. Auch da hatte man sich ja irgendwann an den Umrechnungskurs gewöhnt.

Der war damals allerdings auch langfristig vergleichsweise fix und natürlich kann sich die Volatilität und damit der Wechselkurs bei Bitcoin jederzeit wieder ändern. Trotzdem – den Bitcoin-Kurs einigermaßen im Hinterkopf zu haben, kann durchaus praktisch sein und hätte bei einigen der Leuten in diesem Video wohl zu einer anderen, nämlich der deutlich lukrativeren Entscheidung geführt.

Lightning macht den Bitcoin klein

Anders ist der Effekt von Lightning, dem 2nd-Layer-Zahlungsnetzwerk, das derzeit auf Bitcoin entsteht. Das arbeitet ja bekanntlich gar nicht mehr auf der Grundlage von Bitcoin, sondern seiner (bisher) kleinsten Untereinheit, dem Satoshi (1 Sat = 0,00000001 Bitcoin).

Wirkt viel mehr, ist aber immer noch die gleiche Menge Bitcoins.

Das hat bei einem Projekt, das alltagstaugliche Klein- und Kleinstzahlungen mit dem digitalen Geld ermöglichen soll, natürlich vor allem praktische Gründe. Denn aus der Gewöhnung heraus können wir Menschen große Summen vor dem Komma sehr viel besser verorten als fitzelig kleine Nachkommastellen. Der Umgang mit vielen ganzen Satoshis ist für uns also sehr viel einfacher und intuitiver als die Verwendung von kleiner Bitcoin-Bruchstücke.

Und der positive Nebeneffekt: Auf einmal ist es auch bei Bitcoin wieder ganz leicht, zum Millionär zu werden. Vor allem aber muss sich nun niemand mehr Altcoin-Zwiebeln kaufen, wenn er eigentlich Bitcoin-Schokokuchen haben will. Denn einen Sack voll Satoshis (derzeit kostet einer rund 0,0001 Cent – lässt sich gerade auch sehr gut umrechnen) kann sich nun wirklich jeder leisten.

Noch mehr Bitcoin-Konferenz- und Event-Tipps

Weil ich gestern erst auf die Value of Bitcoin-Konferenz hingewiesen habe und in New York dieser Tage gerade der Mega-Crypto-Konferenz-Marathon stattfindet, bleiben wir der Vollständigkeit halber einfach noch kurz beim Thema mit zwei weiteren anstehenden Bitcoin-Event-Empfehlungen.

Blockchainhotel Konferenz 2019, Essen

Da wäre zum einen am 30. und 31. Mai die dritte Ausgabe der Blockchainhotel-Konferenz, dem jährlichen „Bitcoin- und Krypto-Klassentreffen“ in Essen.

Auch wenn Bitcoin hier nicht namengebend ist, handelt es sich in meinen Augen dennoch im Kern um eine Bitcoin-Konferenz. Das ist nämlich der mit Abstand größte gemeinsame Nenner, der die Community an diesen zwei Tagen zusammenbringt.

Dieses Jahr bereits zum dritten Mal: Die Blockchainhotel Conference

Ich war die letzten beide Mal dort und werde auch dieses Mal kurz wieder vorbeikommen, weil es wirklich ein schönes Community-Event ist und man immer interessante und abgefahrene Leute trifft, die man sonst nirgendwo trifft.

Wer auch noch kommen mag – mit dem Code Coinspondent25 gibt es 25 Prozent Rabatt aufs Ticket.

5th Lightning Hackday, München

Direkt im Anschluss, am 1. und 2. Juni, findet dann in München der fünfte Lightning Hackday statt. Mittlerweile kann man diese Veranstaltungsreihe ja durchaus als renommierte Institution bezeichnen, die beste Werbung für den Bitcoin/Lightning-Standort Deutschland macht (hier mein Artikel über den dritten Lightning Hackday vergangenen Herbst).

Findet bereits zum fünften Mal statt: Der Lightning Hackday

Regelmäßig versammelt sich hierbei die internationale Szene und es würde mich wundern, wenn Elizabeth Stark, CEO von Lightning Labs, wie gerade in New York verkündet als Ort für die erste richtig große Lightning-Konferenz Mitte Oktober von allen Städten dieser Welt rein zufällig Berlin ausgesucht haben sollte. Nachtigall ick hör dir trapsen!

Tickets für den Lightning Hackday gibt’s ab fünf Dollar und wer dann eh schon in München ist, bleibt am besten gleich noch für die Value of Bitcoin Konferenz am nächsten Tag und alle weiteren Termine der dortigen Bitcoin Festival Week.

Vielleicht sehen wir uns ja hier oder dort.

Bitcoin- und Lightning-Nodes im Test – RaspiBlitz

Vor einiger Zeit habe ich den Casa Node getestet und damit den ersten in einer Reihe von handlichen Bitcoin- und Lightning-Fullnodes. Nun läuft seit einigen Wochen ein RaspiBlitz auf meinem Schreibtisch, der in der Community weit verbreiteten, weil günstigen und trotzdem komfortablen DIY-Lightning-Lösung.

Zeit für ein Zwischenfazit, das durchweg positiv ausfällt. Denn der RaspiBlitz ist gut ausgewogen zwischen Zugänglichkeit und einfacher Handhabung (aka User Experience) auf der einen Seite und Funktionsumfang und individuellen Konfigurationsmöglichkeiten (aka Nerdigkeit) auf der anderen.

Tauchen auf Lightning-Hackdays oftmals in Rudeln auf: RaspiBlitz-Nodes
RaspiBlitz – Der DIY-Bitcoin- und Lightning-Node

Doch beginnen wir erst einmal mir dem Aufbau des RaspiBlitz, der – wie der Name schon verrät – wie auch der Casa Node auf dem RaspberryPi basiert und durch eine Festplatte, einen Kühlkörper und ein schmuckes LCD-Display ergänzt wird. Komponenten, die man laut Einkaufsliste aktuell für rund 150 Euro bekommt.

Der DIY-RaspiBlitz-Bausatz (hier schon halb vormontiert) kostet aktuell rund 150 Euro.

Mein Testgerät, dass mir Christian Rotzoll, der RaspiBlitz-Hauptverantwortliche, freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, kam dabei schon vormontiert. Wobei ich aber davon ausgehe, dass ich das auch selbst problemlos hinbekommen hätte, da die entsprechende Anleitung auf GitHub gut bebildert ist und als nahezu idiotensicher gelten kann, wenn man des Englischen einigermaßen mächtig ist.

Aus der Community für die Community

Ohnehin muss man sagen, dass eine der ganz großen Stärken des RaspiBlitz die außerordentlich gute und verständliche Dokumentation ist. Jeder wichtige Schritt, vom Zusammenbau der Hardware bis zum Einrichten der Software, ist übersichtlich bebildert und nachvollziehbar erklärt. Das ist keine Selbstverständlichkeit, ganz besonders, wenn man mit dem Produkt (noch) kein Geld verdient.

https://twitter.com/fluidvoice/status/1120162152030064640

Wer darüber hinaus noch individuelle Probleme hat, der findet Hilfe über Twitter (#RaspiBlitz) oder GitHub. Dafür sorgt eine Community, deren Größe und Engagement, das Projekt zu ergänzen und weiterzuentwickeln zeigt, dass der RaspiBlitz längst kein Nischenphänomen mehr ist, sondern unter bastelaffinen Bitcoinern eine der beliebtesten Bitcoin-/Lightning-Fullnode-Lösungen.

Setup und Inbetriebnahme

Sind die Hardware-Komponenten dann verbunden, kann der RaspiBlitz in Betrieb gehen. Dafür muss das aktuellste RaspiBlitz-Image (zur Zeit 1.1) auf die SD-Karte geschrieben werden. Dieser Prozess ist für Windows-Only-Nutzer möglicherweise ungewohnt, aber dank der guten Anleitungen durchaus machbar. Zumal auch spätere Updates über dieses halbmanuelle Prozedere auf den RaspiBlitz eingespielt werden müssen.

Nun beginnt der komplizierteste Part des RaspiBlitz-Setups, wobei das „kompliziert“ letztlich aber nur Ansichtsache ist. Um den RaspiBlitz einzurichten, muss man ihn über eine Netzwerk-Verbindung ansteuern. Beim Casa Node lief das über den Browser (und funktionierte nicht reibungslos), beim RaspiBlitz braucht man eine zusätzliche SSH-Software wie bspw. Putty.

Terminal-Session einrichten

Für Leute, die an Computern bislang vor allem mit grafischen Nutzeroberflächen, Touchscreens und Wischgesten sozialisiert wurden, mag das herausfordernd wirken. Hat man jedoch die IP des RaspiBlitz im heimischen Netzwerk herausgefunden (wird praktischerweise auf dem LCD-Screen angezeigt), das richtige Zeichenset aktiviert (ginge auch ohne, aber dann sieht es noch nerdiger aus – siehe Bild unten) und die Einstellungen einmal als Voreinstellungen gespeichert, ist das Einloggen auf dem RaspiBlitz auch nur noch eine Sache von vier Klicks. Wer einen Drucker einrichten kann, der wird auch daran nicht scheitern.

Sicher ist sicher: gleich vier Passwörter muss man beim Setup des RaspiBlitz vergeben.

Anschließend muss man dem Gerät einen Namen geben, insgesamt vier Passwörter vergeben (die tatsächlich alle notwendig sind) und sich überlegen, wie man eigentlich an die Daten der Bitcoin-Blockchain kommen möchte.

Die Blockchain-Gretchenfrage

Der einfachste Weg wäre, den RaspiBlitz mit dem Bitcoin-Netzwerk zu verbinden und die Synchronisation komplett neu machen zu lassen. Da das Gerät aber nur über eine vergleichsweise begrenzte Rechenleistung verfügt, wird dieser Prozess mehrere Wochen dauern. Wer es schneller haben will, kann sich die Blockchain-Daten alternativ als Torrent-Download oder sich von einem anderen Computer im Netzwerk oder einer zweiten Festplatte ziehen.

Wichtig ist dabei nur: Wie beim Casa Node sollte man sich aber auch hier vorab überlegen, für wie vertrauenswürdig man die jeweilige Quelle der vorverifizierten Blockchain hält. Im Zweifel muss man halt von Grund auf alles synchronisieren.

Komfortabel: Der LCD-Screen zeigt den Zwischenstand auch wenn keine SSH-Verbindung besteht.

Sind die Blockchain-Daten dann verfügbar, läuft der Rest der Setups quasi von alleine bzw. wird man in dem Prozess so gut an die Hand genommen, dass es sich wie ein Selbstläufer anfühlt.

Das LCD-Display, das der Node prinzipiell ja eigentlich nicht braucht, ist hier ein nützliches Gimmick. Denn es zeigt die laufenden Prozesse und den jeweiligen Fortschritt auch dann an, wenn der Rechner aus ist. Das ist insofern nützlich, als dass die finale Synchronisation der Blockchain, die in jedem Fall nötig ist, und das Setup des Lightning-Nodes durchaus einige Stunden in Anspruch nehmen können.

Auch die letzten 0,2 Prozent der Blockchain brauchen mitunter noch Stunden zur Synchronisation.

In meinem Fall hängte sich der RaspiBlitz beim Scannen der Blockchain einmal auf. Nach einem Neustart schloss er die initiale Konfiguration dann aber problemlos ab. Bedeutet: Hin und wieder sollte man aufs Display schauen, ob noch alles läuft. Im Großen und Ganzen richtet sich der RaspiBlitz aber so weit wie möglich von alleine ein.

Im Test aufgehangen, aber nach Neustart doch noch abgeschlossen: die Lightning-Synchronisation
Praxistest

Ist das Setup abgeschlossen, eröffnet sich das RaspiBlitz-Hauptmenü und mit ihm eine Vielzahl von Möglichkeiten. Neben den obligatorischen Optionen, Einzahlungen vorzunehmen, Kanäle zu eröffnen und Geld zu verschicken und zu empfangen, kann man hier auch eine mobile Wallet mit dem eigenen Bitcoin-Fullnode verbinden. Eine in puncto Privatsphäre und Vertrauensreduktion durchaus relevante Funktion, die der Casa Node so nicht bot.

Funktionaler als man denkt: Nur 6 von 18 Menüpunkten sind hier zu sehen

Darüber hinaus empfiehlt es sich, in den Menüpunkt Services zu wechseln. Dort lässt sich nämlich die TOR-Funktionalität aktivieren. Die Datenströme des RaspiBlitz laufen dann nämlich anonymisiert durchs TOR-Netzwerk. Ein weiteres Plus in Bezug auf die Privatsphäre und eine Funktion, die in der Community vielfach sogar als Standardeinstellung für Lightning-Nodes gefordert wird, aber längst noch nicht überall verfügbar ist.

TOR und RTL sollte man idealerweise gleich als erstes aktivieren
Perfekte Ergänzung – Ride the Lightning

Neben TOR sollte man gleich auch noch das RTL Webinterface aktivieren. Die Abkürzung steht für Ride The Lightning, ein weiteres Open Source-Projekt, das die komfortable Verwaltung von Lightning-Knoten über den Browser ermöglicht, zusätzliche Optionen eröffnet und dank der grafischen Benutzeroberfläche die Bedienung des RaspiBlitz auch noch einmal stark vereinfacht.

Sehr praktisch: das Ride the Lightning-Interface (Klicken zum Vergrößern)

Als solches ergänzen sich der RaspiBlitz und das RTL Webinterface perfekt. Wenn auch die Bedienung und Erscheinung des originalen RaspiBlitz-Menüs mich angenehm nostalgisch an meine Norton Commander-Zeit auf dem 286er erinnerte – erst die Bedienung über das Ride the Lightning-Interface gab mir das Gefühl mit zeitgemäßer Technologie im Jahr 2019 zu agieren.

Invoices erstellen, mit Lightning bezahlen, Kanäle verwalten – es ist gut zu wissen, dass man das im Zweifel alles kommandozeilenbasiert erledigen kann. Sexy ist es jedoch das mal eben mit wenigen Klicks zu machen und gleichzeitig noch allerlei zusätzliche Informationen und Statistiken zu erhalten.

Finale Prüfung – Zahlungen

Zum Beispiel zeigt das RTL-Interface die Hops einzelner Zahlungen an. In einer meiner Testzahlungen waren das zum Beispiel fünf Hops für eine Transaktion nach Kalifornien. Wie auch schon beim Test vom Casa Node habe ich dabei versucht, einen speziellen Lightning-Sticker zu kaufen. Was jedoch beim Casa Node damals aus unerfindlichen Gründen nicht möglich war, hat beim RaspiBlitz dieses Mal ohne Probleme gleich beim ersten Mal funktioniert.

Bezahlt in Sekunden, geliefert in Wochen: Ein Lightning-Sticker aus den USA

Die zehn Sekunden, in denen die Zahlung dabei erfolgreich durch das Netzwerk geroutet wurde, bilden dabei einen faszinierenden Kontrast zu den mehr als sechs Wochen, die der Sticker anschließen per Post von der US-amerikanischen Pazifikküste nach Leipzig unterwegs war.

Fazit – Klein, günstig und multifunktional

Bleibt abschließend die Frage, was man an dem RaspiBlitz berechtigterweise kritisieren kann. Tatsächlich konnte ich im Test jedoch nichts finden, was mich wirklich gestört hat, wo ich nicht weitergekommen bin oder was ich nicht verstanden habe.

Im Gegenteil – Als heavy Windws-User war ich überrascht, wie einfach es mir der RaspiBlitz machte. Die detaillierte und liebevolle Dokumentation spielt dabei als Hilfestellung beim Setup ohne Frage eine entscheidende Rolle. Ist der Node einmal aufgesetzt, schaltet dann die Ride the lightning-Integration all die Funktionen und die bequeme Bedienbarkeit frei, die ich mir als einfacher Nutzer wünsche. Klar kann das alles noch einfacher werden und wird es vermutlich auch bald. Für den aktuellen Stand der Technik im Frühjahr 2019 ist das Gesamtpaket aber schon jetzt durchaus überzeugend.

Ich muss nicht viel selbst konfigurieren. Wenn ich es will, kann ich es aber. Diese gelungene Mischung aus einfacher Nutzbarkeit und potentieller Nerdigkeit macht den RaspiBlitz zu einem außerordentlich praktischen DIY-Node für jedermann. Der unschlagbare Preis von 150 Euro und das Engagement der wachsenden RaspiBlitz-Community macht das Projekt darüber hinaus sehr charmant.

Aus diesem Grund kann ich auch der Befürchtung von Christian Rotzoll nicht zustimmen, die er zwischenzeitlich äußerte:

„Sei ehrlich – für jemanden ohne Raspberry/Linux/Terminal Erfahrung ist das Projekt noch etwas zu sperrig/früh, richtig?“

Absolut nicht. Gute Arbeit!

Neue Lightning-Podcasts

Ich durfte vergangene Woche mal wieder im Podcast von Payment and Banking zu Gast sein und dort einen thematischen Einstieg in das Lightning-Netzwerk geben.

Natürlich haben wir in der einen Stunde nur an der Oberfläche kratzen können, aber irgendwo muss man ja anfangen. Außerdem sollte man ja jede/n der rund 35.000 monatlichen HörernInnen auch inhaltlich mitnehmen.

Das Feedback für den Podcast war bisher recht positiv. Falls ich jedoch was Falsches erzählt habe, korrigiert mich bitte. Auch ich lerne gerne noch dazu.

Auch schön: Die Veröffentlichung des Podcasts fiel zeitlich so nah mit dem markanten Kurssprung zusammen, dass manch einer hier glatt einen direkten Zusammenhang erkannte.

Nächste Honigdachs-Folge zum Thema „Lightning-Kritik“

Und weil wir gerade so schön beim Thema sind: Auch in der kommenden Folge des Honigdachs-Podcasts wollen wir uns wieder mit Lightning beschäftigen. Dieses Mal (auf expliziten Wunsch) aber vor allem mit der (berechtigten) Kritik daran und welche Ideen bereits existieren, um die aktuellen Schwachstellen, Hürden und Probleme anzugehen. Oder eben auch nicht.

Falls ihr da thematisch etwas beisteuern wollt – Fragen, explizite Kritikpunkte etc. – kommentiert hier, schreibt eine Mail oder tweetet uns unter @HondigdachsPod an. Wir versuchen das dann aufzunehmen.