Archiv der Kategorie: Grundlagen

Aufstieg und Fall des Wall Street Journal-Coins

Mit großer Begeisterung habe ich mir gerade die Dokumentation WSJCoin: Yes, We Created Our Own Cryptocurrency angesehen, mit der das Wall Street Journal einmal mehr zeigt, dass es eine der besten Adressen für eine zeitgemäße Berichterstattung über Bitcoin und Kryptowährungen ist.

To understand cryptocurrency …

Denn tatsächlich gibt es kaum eine bessere Möglichkeit, das komplexe und fordernde Thema „Kryptowährungen“ zu erklären, als selbst mal kurzerhand eine ins Leben zu rufen und in all die Probleme und Widersprüche zu rennen, die sich dabei nun einmal ergeben. Herausgekommen sind in diesem Fall erfrischende 24 Minuten, die humorvoll die Absurdität einer hohlen „Coin first, Sinn second“-Krypto-Industrie aufzeigen.

… you must become a cryptocurrency

Ein Projekt, von dem sich deutsche Medien mehr als eine Scheibe abschneiden könnten. Nicht nur weil es klasse Journalismus ist, der ein hochgradiges komplexes Thema super anschaulich und unterhaltsam aufbereitet, sondern auch in technischer Hinsicht. Immerhin benutzt das Wall Street Journal zwar einen proprietären Videoplayer, erlaubt aber das Einbetten auf fremden Webseiten. Hier hat man offensichtlich verstanden, wie das Web funktioniert.

Bonus

Meine Lieblingsstelle bei Minute 12:48 hat übrigens ausnahmsweise nichts mit Kryptowährungen zu tun, sondern mit Mariokart (Japan, ey!) und eine Beschreibung, die ich bisher noch nirgends gehört hatte, die ich mir aber unbedingt merken muss, weil ich denke, dass wir sie im Zusammenhang mit Bitcoin und Lightning noch häufiger hören werden: „Streaming Payments“

Honigdachs #34 – Bitcoin-Fazit 35C3 & 2018

Die 34. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin und die Blockchain zu reden auf Dauer zu wenig ist. (iTunes/RSS-Feed)

Honigdachs #34 – Bitcoin-Fazit 35C3 & 2018

Wie versprochen haben wir uns auf dem 35. Chaos Communication Congress getroffen, um selbigen und das Jahr 2018 aus Bitcoin-Perspektive Revue passieren zu lassen. Auch dieses Mal wieder mit einem Gast, denn Murch von BitGo ist u.a. für den 35C3 aus San Francisco angereist und hilft uns als Wallet-Spezialist, die Talks und Ereignisse des Jahres 2018 einzuordnen, das im Übrigen alles andere als ein schlechtes Jahr für Bitcoin war. Immerhin weckt es freudige Erwartungen für 2019. Oder ganz einfach gesagt: Long Popcorn!

Doch hört am besten selbst.

Kleiner Nachtrag: Tatsächlich konnte man sein Ticket für den Congress auch schon dieses Jahr mit Bitcoin bezahlen. Wurde aber nicht sehr prominent beworben und haben dementsprechend auch nur eine Handvoll Leute gemacht.

Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick

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Hörtipp – „Blockchain zwischen Hype und Hohn“

Gerade eben lief bei Deutschlandfunk Kultur eine lange Diskussion zum aktuellen Stand von „Blockchain“. Ich durfte dabei mitdiskutieren und finde, dass das eine der besten Diskussionen zum Thema war, die ich bisher erlebt habe.

„Blockchain“ im Bundestag, „Blockchain“ im Radio

Anlass war ja die Anhörung neulich im Digitalen Ausschuss des Bundestages zum selben Thema. Diese war wegen der vielen heißen Luft und des mangelnden Diskurses sehr schwer zu ertragen und letztlich auch kaum zielführend.

Genau das war bei dieser Talkrunde anders. Mit Philip Banse (Moderator), Michael Seemann (Netzkulturtheoretiker), Jutta Steiner (Mathematikerin, Parity) und Jürgen Geuter waren wir tatsächlich fünf Diskutanten, die sich seit langem mit dem Thema auseinandersetzen und daher auch respektvoll, fundiert, kritisch und konstruktiv gegen- und miteinander argumentieren konnten. Und das hört man. Gerne wieder.

10 Jahre Bitcoin – Das Radio-Feature

Gestern Abend habe ich mich sehr gefreut. Denn endlich war es  soweit: Mein halbstündiges Radio-Feature über „10 Jahre Bitcoin“, an dem ich die letzten zwei Monate gearbeitet habe, ging im Deutschlandfunk Kultur auf Sendung.

Viel Arbeit, Schweiß und Herzblut

Das ist insofern etwas Besonderes, als dass ich bisher an keinem anderen Beitrag so lange gesessen habe wie an diesem. Für die Interviews war ich in Frankfurt, Berlin, Prag, habe mit Leuten in England und den USA gesprochen (und sogar ein Interview von England aus nach Deutschland geführt) und hatte am Ende genug Material gesammelt, um damit locker auch einen Drei-Stunden-Sendeplatz füllen zu können.

Aber länger ist nicht immer gleich besser und die redaktionelle Entscheidung, sich letztlich auf die politische Dimension von Bitcoin und den Kampf um die Deutungshoheit über dieses „Experiment“ zu konzentrieren, war eine gute. Denn, wie auch im Feature angesprochen, ist diese politische Dimension ja einer der wichtigsten Aspekte von Bitcoin, weil hier die möglicherweise große gesellschaftspolitische Sprengkraft steckt, wird aber dennoch in der Öffentlichkeit bisher eigentlich kaum thematisiert.

Eine mutige Entscheidung gegen den allgemeinen Medientrend

Insofern bin ich auch meiner Redakteurin, Jana Wuttke, für ihre Entscheidung sehr dankbar, sich gegen den allgemeinen Medientrend zu stellen, über Bitcoin nur zu berichten, wenn der Preis rasant steigt oder fällt, und mir diesen prominenten Sendeplatz beim Deutschlandfunk Kultur zur Verfügung zu stellen.

Denn kaum eine andere Redaktion hat (derzeit) wirklich das Interesse oder den Mut, etwas hintergründiger über Bitcoin zu berichten oder zumindest zu versuchen, dieses Phänomen verständlich zu erklären. Außer natürlich, es geht um kontextlose Stromverbrauchs-Studien, um Kriminalität, Betrug oder um andere meist negative, aber Klicks versprechenden Schlagzeilen. Oder um irgendwas mit diesem kuriosen„Blockchain“.

Insofern bin ich allen sehr dankbar, die dieses Feature durch ihre Mithilfe ermöglicht haben (natürlich auch denen, deren Interviews nicht explizit zu hören sind) und freue mich auf Feedback und natürlich, wenn das Stück gehört und verbreitet wird. Daher hier nochmal der direkte Link zum Audio und dem zugehörigen Transskript und wer das Feature runterladen möchte, nutzt am besten diesen Link.

Unterstützt die Arbeit an weiteren guten Bitcoin-Beiträgen!

Wer darüber hinaus meine Arbeit an weiteren Stücken wie diesem unterstützen möchte, der darf das gerne auch finanziell mit einer Spende tun. Denn ich kriege natürlich ein Honorar für dieses Feature, reich werde ich dadurch aber nicht. Im Gegenteil: Ich finanziere alle meine Recherchen zum Großteil aus eigener Tasche. Solche aufwendigen Radiostücke macht man daher nicht fürs Geld, sondern weil man für ein Thema brennt. Wer diese Flamme aufrecht erhalten will, darf sich also gerne ein bisschen an den Recherche-Unkosten beteiligen.

Das Bitcoin-Whitepaper als Webcomic

Schon immer mal vorgehabt, das originale Bitcoin-Whitepaper zu lesen, dieses Vorhaben aber aus (womöglich guten) Gründen nie umgesetzt?

Dann empfehle ich mal einen Blick auf dieses grandiose Webcomic zu werfen, in das Scott McCloud ebendieses Whitepaper und noch viel mehr Grundlagenwissen über Bitcoin hat einfließen lassen und das äußerst gelungen ist, weil er es schafft, komplexe Sachverhalte mit viel Humor plakativ herunterzubrechen.

Bitcoin Whitepaper Webcomic 1

Gelungenes Webcomic als Einstieg in die Bitcoin-Materie

Wer nämlich dieses Webcomic gelesen hat, kann danach durchaus von sich behaupten, verstanden zu haben, worum es im Bitcoin-Whitepaper geht. Oder dieses Vorwissen als Anlass nehmen, die originalen neun Seiten doch mal zu lesen.

Alles spitze, bis auf die irreführende Website

Klasse ist zudem, dass das Webcomic auch auf Chinesisch und Japanisch erschienen ist und man es sich direkt als pdf herunterladen kann. Weniger schön ist allerdings, dass es auf einer expliziten Bitcoin Cash-Website veröffentlicht wurde, deren „download a wallet“-Link die Nutzer eben gerade nicht zum originalen Bitcoin, sondern stattdessen ohne Hinweis zu einem umstrittenen und kriselnden Altcoin führt.

Nichtsdestotrotz – das Comic ist spitze. Nicht zuletzt wegen dieses grandiosen Fazits.

Bitcoin Whitepaper Webcomic

🎈10 Jahre Bitcoin🎈 – Das Jubiläum hat begonnen …

… obwohl sich die Community gar nicht sicher ist, wann bei Bitcoin eigentlich was gefeiert wird.

Wann ging denn das mit Bitcoin eigentlich genau los?

Nicht nur die Entscheidung für das Ereignis sorgte bei einigen für Verwirrung – feiert man bei „10 Jahre Bitcoin“ nun eigentlich den Genesis-Block am 3.1.2019 und damit den „realen“ Start von Bitcoin als digitales Geld oder doch eher die Veröffentlichung des Whitepapers und damit die erste Nennung von Bitcoin samt des Beginns der zugrunde liegenden Idee?

Doch nicht nur das. Auch der zweitgenannte Anlass, die Whitepaper-Veröffentlichung, die sich just dieser Tage jährt, sorgt für einige Verwirrung. So gingen einige Bitcoiner (und auch ich) bis vor Kurzem noch davon aus, dass Bitcoin tatsächlich heute, am 1. November 2018, zehn Jahre alt wird.

https://twitter.com/fulmolightning/status/1056889031164862465

Ein Ereignis, zwei verschiedene Daten

Dementsprechend verwundert war ich, als bereits gestern, am 31.10.2018, das Internet zu feiern begann und nahezu alle meine Bitcoin-Newsletter, die großen Newsseiten und halb Crypto-Twitter das große Bitcoin-Jubiläum zelebrierten.

https://twitter.com/starkness/status/1057734366963523585

Sollte ich mich also tatsächlich seit fünf Jahren in diesem zentralen Termin geirrt und ihn immer auch falsch nach außen kommuniziert haben? Eine Frage, die mich als Journalisten natürlich nicht ruhig schlafen lässt.

Bitcoin – Es kann nur einen (Termin) geben!

Also versuchte ich gestern Abend kurz vor dem Schlafengehen noch schnell herauszufinden, wie ich denn überhaupt mal auf den 1. November als Whitepaper-Jahrestag gekommen sein könnte.

Zuerst schlug ich dafür im 2014 erschienenen The Book of Satoshi. The Collected Writings of Bitcoin Creator Satoshi Nakamoto nach, einem praktischen Buch, das die gesamte Kommunikation Satoshi Nakamotos handlich bündelt. Und siehe da: Die erste E-Mail von Satoshi Nakamoto wird in diesem Druckwerk mit dem 1. November 2008 angegeben.

bitcoin november
Auch laut „The Book of Satoshi“ (2014) wurde Bitcoin am 1. November 2008 zum ersten Mal erwähnt.

Anschließend suchte ich weiter im Netz nach einer möglichen Primärquelle, also idealerweise Zugang zur originalen Mail von vor zehn Jahren und stieß dabei auf dieses Mail-Archiv, das wohl die erste E-Mail von Satoshi Nakamoto gespeichert hat. Auch hier mit dem 1.11. als Datum.

Zum Schluss wollte ich dann noch mal auf der Seite des Satoshi Nakamoto Institute nachschauen, einem sehr umfassenden und gut sortierten Archiv für alles rund um Satoshi Nakamoto. Denn ich war mir zu 100 Prozent sicher, dass ich in den vergangenen Monaten mindestens hier noch einmal nachgeschaut hatte, wann sich Satoshi Nakamoto denn nun zum ersten Mal gemeldet hatte.

Man darf nicht alles glauben, was man im Netz liest

Umso größer also meine Überraschung und Verwunderung, als ich hier den 31. Oktober 2008 als Datumsangabe fand.

nakamoto institute
Das „Satoshi Nakamoto Institute“ datiert die erste Erwähnung von Bitcoin auf den 31. Oktober.

Denn ich war mir eigentlich so sicher gewesen. Daher habe ich mögliche Änderungen der Website noch einmal über den Webcache von Archive.org überprüft und tatsächlich noch ein ältere Version der Website gefunden, in der auch das Satoshi Nakamoto Institute noch vom 1. November als Bitcoin-Geburtstag ausging.  Vor wenigen Wochen, Irgendwann zwischen dem 27. August und dem 16. Oktober, wurde dieser Eintrag dann jedoch auf den 31. Oktober 2008 geändert.

nakamoto institute 2
Noch vor wenigen Wochen zeigte das „Satoshi Nakamoto Institute“ jedoch den 1.11.2008 als Datum.

Ende Oktober oder Anfang November. Was stimmt denn nun?

Tatsächlich neige ich nach meiner Kurzrecherche, in der ich auch sehr viele Hinweise auf den 31. Oktober 2008 als Ursprungsdatum fand, nun ebenfalls dazu, diesen Termin dem 1. November als Bitcoin-Geburtstag vorzuziehen. Es deutet gerade mehr darauf hin. Auch wenn dennoch Restzweifel bleiben und ich dem weiter auf den Grund gehen möchte. Es muss doch zweifelsfrei herauszufinden sein, wann Bitcoin das erste Mal erwähnt wurde!

Wenngleich man aber natürlich auch einwenden kann, dass Bitcoin in Jahren zu rechnen, ohnehin eine sehr unbefriedigende Zeiteinheit ist. Immerhin hat die Blockchain da ja ihre ganz eigene Einheit.

Und weil es gerade zum Thema passt …

… noch ein kleiner Hinweis in eigener Sache. Anlässlich des Bitcoin Jubiläums habe ich die letzten Wochen/Monate für Deutschlandfunk Kultur an einer halbstündigen Sendung über den Status Quo von Bitcoin gearbeitet. Diese Sendung wird am kommenden Donnerstag, den 8.11.2018 analog, digital und im Netz ausgestrahlt. Hier die Sendungsbeschreibung:

19:30 Uhr Zeitfragen. Feature
Ein scheiterndes Experiment? 10 Jahre Bitcoin
Von Friedemann Brenneis

Am 1. November 2008 stellte Satoshi Nakamoto auf einer Kryptographie-Mailingliste Bitcoin vor, das erste rein digitale Geld. Ein Geld, das statt von Banken, von Mathematik und Algorithmen gesteuert und kontrolliert wird und das nicht Staaten gehört, sondern den Menschen, die es nutzen. 
Ein Experiment, bei dem es schwer ist, zu bestimmen, ob es immer noch am Anfang steht oder längst schon an seinem Ende angekommen ist. Auf der einen Seiten 
sind sie: die Freidenker, die Cryptoanarchisten, die Systemkritiker und Visionäre. Für sie ist Bitcoin ein unbedingt notwendiges Mittel zur Durchsetzung individueller Freiheiten in einer zunehmend überwachten Gesellschaft, ein faszinierendes modernes Techphänomen, ein zeitgemäßes Geldmedium oder – für die, die selbst gerade erst mit dem Internet groß werden – auch einfach nur ein ganz normaler Bestandteil ihres Lebens. 
Demgegenüber stehen die Kritiker: Ökonomen, Wirtschaftsnobelpreisträger, (Bundes)-Banker, Fachjournalisten und andere, die einem nicht-staatlichen, nicht bankenbetriebenen Geldsystem keine Zukunft geben oder bemängeln, dass Bitcoin keineswegs so demokratisch sei, wie behauptet. Die technische Komplexität und bereits jetzt extrem ungleiche Verteilung des digitalen Geldes würde letztlich nur die bestehende Finanzelite durch eine technisch versiertere Elite ersetzen. Ansonsten würde sich jedoch nichts ändern. 
Beide Lager, die, die unser Geld von Grund auf verändern wollen, und die, die das zu verhindern versuchen, ringen um die Deutungshoheit über Bitcoin, ein Experiment, das unterm Strich letztlich beides ist: gescheitert und erfolgreich. Denn zwar hat das digitale Geld als globale Weltwährung nicht binnen kürzester Zeit Euro und Dollar abgelöst, wie es die frühen Enthusiasten propagiert haben. Doch zeigt sich auch, dass Bitcoin trotzdem immer noch da ist, dass die Idee und Ideale hinter Bitcoin global immer mehr Anhänger finden und dass sich die Digitalisierung des Geldes nicht aufhalten lässt.

Den entsprechenden Podcast zum Nachhören verlinke ich hier dann aber natürlich auch noch im Blog.

Warum die Kritik an ICOs berechtigt ist

Ich war vergangenen Freitag auf der Banking Exchange, kurz BEX, in Frankfurt. Einer kleinen, sehr feinen Konferenz, die eigentlich keine ist, sondern vielmehr das, was sich die Organisatoren unter einem Event vorstellen, bei dem es primär nicht um Status und Repräsentation geht, sondern um inhaltlichen Austausch auf Augenhöhe in entspannter Atmosphäre.

Wenn ICO-Meinungen aufeinander prallen

Ich war dort eingeladen, um auf dem Podium zum Thema „Blockchain braucht kein Mensch – oder doch ? Hype Cycle als Rollercoaster“ mitzudiskutieren. Und weil die Auswahl der Gäste bei diesem Panel durchdacht war, sind wir hier durchaus schnell mit  kontroversen Meinungen aufeinandergeprallt. Zum Glück, denn es gibt ja nichts Langweiligeres als ein Podium, auf dem sich alle einig sein und eine Stunde lang gegenseitig zunicken.

Das Siedesteinchen unserer Diskussion und der Punkt, den ich nicht unwidersprochen stehen lassen konnte, war die These, dass ICOs ja der eigentliche Treiber der technischen Entwicklung im Blockchain-Ökosystem seien.

Das Problem mit ICOs

Ich halte diese Aussage nicht nur für eine gewagte These, sondern für bewusst irreführend. Ob aus Absicht oder eigener Unwissenheit lasse ich mal dahingestellt. In jedem Fall habe ich dem energisch widersprochen. ICOs sind am allerwenigsten ein technischer Treiber. Sie sind in erster Linie dazu da, schnell und mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Geld einzunehmen. Das zeigt auch die Realität.

Einer, der ICOs ebenfalls sehr kritisch gegenübersteht und das Problem sehr viel prägnanter als ich auf den Punkt bringt, ist Joi Ito, der Leiter des MIT Media Labs.

Seine Argumentation: Wer bewusst Mittel kreiert und einsetzt, die Betrüger und Spekulanten anziehen, wird damit selbst zu einem, auch wenn er behauptet, eigentlich Gutes damit bewirken zu wollen. Ziel sollte es vielmehr sein: „… to push away the people that make you look like an asshole later.“ Genau das ist mit einem ICO jedoch per Design gar nicht möglich, solange hier „Coins“ offeriert werden.

Was nun jedoch nicht automatisch bedeutet, dass man mit Blockchain-basierten Token nicht doch irgendwann vielleicht mal technisch sehr interessante und nützliche Dinge machen können wird. Nur wird in diesem Kontext der „technische Treiber ICO“ eben enorm an Drive verlieren (falls er ihn überhaupt je gehabt hat), wenn damit keine großen Spekulationsgewinne in der regulatorischen Dunkelgrauzone mehr möglich sind.

Geld und die Welt – Drei Podcast-Hörtipps

Ich war diesen Sommer sehr viel draußen und habe beim Fahren um den See immer wieder die Gelegenheit genutzt, interessante Podcasts zu hören.

Drei dieser Podcast-Sendungen sind mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben und ich empfehle sie an dieser Stelle. Alle drei haben nur indirekt etwas mit Bitcoin zu tun, sind aber dennoch sehr aufschlussreich als Bitcoin-Kontext. Denn sie erzählen Geschichten über Geld im Allgemeinen und wie es unsere Gesellschaft und das Denken und Handeln der Menschen beeinflusst.

Wer also verstehen will, warum sich Menschen für Bitcoin interessieren, der findet hier interessante Denkanstöße.

Philosophie der Superreichen: „Die erste Million ist die schwerste“Deutschlandfunk Kultur

Sehr interessantes Feature über das Reichsein und Reichwerden,  warum es alle anstreben und wie es die Gesellschaft verändert. Interessant fand ich nicht nur die Ausführungen, wie die amerikanische Regierung aktuell quasi nur von Superreichen besetzt ist, die keinerlei bis kaum politische Qualifikation haben, sondern auch den gesellschaftlich brisanten Aspekt, dass sich die Reichen (über die wir ganz wenig wissen) immer mehr von der Mittelschicht und „den Armen“ (die wegen ihrer Abhängigkeit statistisch sehr gut erfasst sind und daher leichter den Schwarzen Peter bekommen) entkoppeln. Mit dem Effekt, dass das Ziel, ebenfalls schnell reich zu werden, in der Mittelschicht zunehmend als einzige echte Chance gesehen wird, einen Abstieg in die Unterschicht zu vermeiden.

Dazu passt ganz aktuell das Ergebnis einer Studie, der zufolge sich die selbst Mitarbeiter von Apple (und anderen Tech-Konzernen rund um das Silicon Valley) sich keine Familie leisten können.

Altersvorsorge. Trübe Aussichten für Millennials?Deutschlandfunk Kultur

In diesem Feature geht ein Anfang-30-jähriger mit Familie der Frage nach, wie sicher denn seine Rente sei und was er tun könne, um sich und seine Lieben vor Altersarmut zu schützen. Die Frage ist hochinteressant, denn sie betrifft nahezu alle jüngeren Menschen, die sich nicht der Illusion hingeben, später im Alter finanziell noch große Sprünge machen zu können. Im Gegenteil: Die lieber darauf verzichten, vorzusorgen, weil sie ja auch jetzt leben wollen bzw. müssen. Ein Happy End hat die hier erzählte Geschichte nämlich nicht wirklich. Selbst wenn der Autor jetzt seinen kompletten finanziellen Spielraum in die Altersvorsorge stecken würde und damit auf sämtliche Freizeitaktivitäten mit Kind, Urlaub und Auto verzichtete, bekäme er im Alter auch nicht viel mehr.

In diesem Zusammenhang kann man das Ergebnis dieser repräsentativen Studie der Postbank aus dem Frühsommer natürlich in einem ganz anderen Licht sehen, der zufolge nicht nur vor allem die jungen Leute „den Schritt zum Investment in Kryptowährungen wagen“, sondern sich sogar insgesamt knapp jeder Zweite für Kryptowährungen als Geldanlage interessiert. Weit mehr als in jeder anderen Altersgruppe.

Georg Simmel – Die Philosophie des Geldes – BR2

Diese Sendung ist von allen dreien die hintergründigste. Macht sie aber nicht weniger hörenswert als die anderen beiden. Denn die Schnittmenge Philosophie und Geld wird viel zu selten betrachtet. Aus der Sendungsbeschreibung:

Was macht den Wert eines Menschen in den modernen Gesellschaften aus? Für Georg Simmel stand fest: seine Zahlungsfähigkeit. Er beschreibt in seiner 1900 erschienenen ‚Philosophie des Geldes‘, wie Geld zu einem Gott wurde.  

Interessant auch: Der Bayrische Rundfunk bietet viel zusätzliches Hintergrundmaterial.

Blockchain oder nicht? – Die Entscheidungshilfe

Ich wusste bis vor kurzem gar nicht, dass es so viele Entscheidungshilfen-Diagramme gibt, ob man nun eine Blockchain braucht oder nicht. Scheint ja echt ein schwieriges Thema zu sein.

Dabei hält sich einer aktuellen Studie zufolge doch die große Mehrheit der Führungskräfte bereits für echte „Blockchain-Versteher“.

https://twitter.com/kerooke/status/1031293508743716864

Allerdings denken sie offensichtlich auch, dass der große Vorteil einer Blockchain im Vergleich zu existierenden Systemen die höhere Geschwindigkeit sei. Nun ja – es braucht halt nicht viel um „Blockchain“-Experte zu sein.

Niemand muss „Blockchain“-Experte bleiben

Wer jedoch einsichtig und demütig genug ist, gemeinsam mit „Blockchain“ (siehe aktuellen Gartner Hype Cycle) den „Mount Stupid“ zu verlassen, und meint, dass ein bisschen Wissen nicht schaden könnte, für den hier drei Linktipps.

Zum einen hat Reuters eine hübsch visualisierte Erklärung der Blockchain online gestellt. Wobei man aber auch hier kritisch darauf hinweisen muss, dass zunächst (wie leider sehr oft) die Funktion einer Blockchain anhand der Bitcoin-Blockchain erklärt wird und dann einfach davon ausgegangen wird, dass man das Blockchain-Prinzip problemlos auf andere Anwendungsfelder übertragen könne.

Kann man aber eben nicht. Sonst wäre fast zehn Jahre nach dem Start der Blockchain Bitcoin und digitales Geld nicht immer noch der einzige belastbare Usecase für eine Blockchain.

Die „Blockchain“-Frage interaktiv klären

Zum anderen sei auf das Paper „Do you need a Blockchain?“ von Karl Wüst von der ETH Zürich und Arthur Gervais vom Imperial College London hingewiesen, das praktischerweise für alle Lesefaulen auf douyouneedablockchain.com auch in einer vereinfachten interaktiven Variante zur Verfügung steht. Und ohne den Klickspaß vorweg zu nehmen. Es ist ziemlich schwer, da bei der Antwort „Ja“ zu landen.

Wer sich davon nicht entmutigen lässt und auch ein „Vielleicht“ oder „Nein“ als Lernerfolg betrachtet, der sollte dann noch Jimmy Songs Artikel über „Alternatives to Blockchain“ lesen.

Das ist nämlich cleverer, als es sich auf dem „Mt. Stupid“ (auf dem wir im Übrigen alle schon mal standen) so richtig schön gemütlich zu machen.