Archiv der Kategorie: Grundlagen

Bitcoin – Secured by math

Die Website directory.io bietet nicht viel. Außer natürlich sämtliche Bitcoin-Adressen inklusive der jeweiligen Zugangsdaten („Private Keys„) um sie zu verwalten oder zu plündern, je nachdem wie man so drauf ist.

Ja, auch deine Bitcoin-Adresse und ja, mit Private Key. Sämtliche heißt sämtliche und meine ist demzufolge auch dabei.

Sollte uns das jetzt schlaflose Nächte bereiten? Nicht wirklich, denn die Website kann gar keine wirkliche Datenbank aller existierenden Bitcoin-Adressen enthalten – das ist technisch nicht möglich –  sondern erzeugt nur für jede aufgerufene Seite 128 aufeinanderfolgende Private Keys + jeweiliger Bitcoin-Adresse generiert aus der Seitenzahl:

Q: How does this work?
A: Private keys are a number.
Private keys can be very large numbers.
Private keys can be very small numbers.

A private key with the value 0 would generate the address: 16QaFeudRUt8NYy2yzjm3BMvG4xBbAsBFM
A private key with the value 1 would generate the address: 1EHNa6Q4Jz2uvNExL497mE43ikXhwF6kZm
A private key with the value 2 would generate the address: 1LagHJk2FyCV2VzrNHVqg3gYG4TSYwDV4m
A private key with the value 127 would generate the address: 1FB8cZijTpRQp3HX8AEkNuQJBqApqfTcX7

For every page requested, 128 keys are generated.
 For page 1, private keys with the value 0 to 127 are generated.
 For page 2, private keys with the value 128 to 255 are generated.
 For page 3, private keys with the value 256 to 383 are generated.

For page P, private keys with the value (P-1) * 128 to (P-1) * 128 + 127 are generated.

Wer die richtige Seite anklickt, findet damit auch deinen, meinen und den Private Key jedes anderen. Das wiederum ist aber so unwahrscheinlich, dass es – Mathematik sei Dank – praktisch unmöglich ist. Es gibt nämlich 1077 mögliche Bitcoin-Adressen und – dankenswerterweise hat das schon jemand auf Reddit ausgerechnet – selbst wenn man technisch schon etwas, einiges, enorm, supercalifragilisticexpialigetisch viel weiter wäre, ist es nahezu unmöglich auch nur eine Datenbank aller Private Keys + zugehöriger Adresse anzulegen:

„So, if you could use the entire planet as a hard drive, storing 1 byte per atom, using stars as fuel, and cycling through 1 trillion keys per second, you’d need 37 octillion Earths to store it, and 237 billion suns to power the device capable of doing it, all of which would take you 3.6717 octodecillion years.“

Wer die Zeit hat sollte sich gleich noch das FAQ von directory.io mit durchlesen, das erklärt nicht nur Einiges mehr, sondern ist auch sehr charmant geschrieben.

Pumpen ohne Muckibude

Es gibt ja verschiedene Wege sich über die aktuellen Geschehnisse zum Thema Bitcoin und digitale Währungen zu informieren. Twitter ist auch hier ein sehr effektives Mittel und wer sich dort mal ein bisschen in der Szene umschaut, wird früher oder später auf den Begriff Pump & Dump stoßen, eine Form der Kursmanipulation, die bereits vom Aktienmarkt bekannt ist.

Dabei geht es – ganz kurz gesagt – darum durch eigene Verkäufe den Kurs zu drücken, um sich später bei einem niedrigeren Kurs wieder einzukaufen und so insgesamt die eigenen Anteile zu erhöhen oder andersherum durch eigene Ankäufe die Nachfrage zu steigern und den Preis hochzutreiben um dann im großen Stil mit Gewinn zu verkaufen. In beiden Fällen versuchen die Akteure eine Eigendynamik des Kurses zu provozieren und in der Regel sind es unerfahrene Händler, die bspw. durch Panikverkäufe die Gewinne der Dump & Pump-Initiatoren finanzieren.

Seitdem nun mehr nicht nur Bitcoins einen gewissen Wert erreicht haben, sondern auch hunderte verschiedene Altcoins mit nur wenigen Klicks an Bitcoin- und Altcoin-Börsen gehandelt werden können, lassen sich mit Pump & Dumps auch bei digitalen Währungen attraktive Gewinne erzielen. Vorausgesetzt man schafft es eine gewisse Diskretion zu bewahren.

Insofern ist es vermutlich nicht im Interesse der Pump & Dump-Profiteure, dass bunnydog auf Reddit eine exemplarische Beschreibung eines erfolgreichen Altcoin-Pump & Dumps gepostet, eine lebhafte Diskussion ausgelöst und damit wichtige Auklärungsarbeit zum besseren Verständnis undurchsichtiger Kursmanipulationen an Börsen – online wie offline – geleistet hat.

Doge Defender Episode #1: How a Pump and Dump Works – Reddit

Bildnachweis: „We got control“ Flickr-User !unite (CC BY 2.0)

Solide, charmant, aber …

Eigentlich ist das ein wirklich sehenswerter Beitrag geworden, den das EinsFestival-Format PULS da zu Bitcoin gemacht hat. Abwechslungsreich, vielseitig und vor allem unterhaltsam. Das ist alles in allem schön anzuschauen, …

… wären da nicht zwei Dinge, die den ersten Eindruck trüben.

Da ist zum einen dieser gestriegelte Bitcoin-Kritiker, dessen einzige Qualifikation für diesen Beitrag in „hat im Nebenfach BWL studiert“ zu bestehen scheint, der ansonsten aber nicht so richtig Ahnung von der Materie hat und dies mit einer unsympathischen Von-oben-herab-Attitüde zu überspielen versucht.

Um das klar zu stellen, ich finde Bitcoin-Kritik wichtig, aber mir scheint, dass viele Medien Schwierigkeiten haben solide Gesprächspartner (Contra-Bitcoin) zu finden, die ihre Argumentation aus einer tatsächlichen intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema und nicht durch die Übernahme fremder Meinungen, aus BWL-Grundkursbüchern oder qua Amt gewonnen haben.

Der zweite Kritikpunkt betrifft das Ende des Beitrags, der mit Aussagen der beiden Protagonisten wie

„… dann ist das ja an sich eine ganz schöne Idee mit dem alternativen Währungssystem. Wird bloß ’ne Illusion bleiben und unsicher ist das Ganze auch noch.“

und

„Man muss halt sagen am Ende ist es nur ein nettes Spielzeug für IT-Nerds und Broker mit viel Spürsinn. Eine Art Kasino, braucht man eben Glück, wenn man damit Geld machen will.“

das Thema Bitcoin nicht ganz nachvollziehbar als bereits gescheitertes Experiment darstellt und damit dem zurvor im Beitrag erarbeitete Bild wiederspricht, das sich Bitcoin noch in einem frühen Stadium eines Entwicklungs- und Ausprobierprozesses befindet, den man befürworten oder kritisieren kann.

Anstatt hier plötzlich ein rein negatives, statisches Fazit zu ziehen, das klingt als wäre es direkt vom BWL-im-Nebenfach-Mann übernommen, hätten die beiden Protagonisten hier in einem Zwischenergebnis noch einmal Pro und Contra gegenüberstellen müssen und einen Ausblick auf laufende Entwicklungsprozesse und weiteren Anwendungsideen für die Zukunft geben können.

So fragt man sich ein wenig verwirrt, warum die Meinung des BWLers am Ende plötzlich gewonnen hat und zurück bleibt ein negativer Eindruck von Bitcoin bei einem ansonsten aber ganz ordentlichen Beitrag.

Bitcoin verstehen mit gutem Gewissen

Bitcoins in unter fünf Minuten zu erklären ist eine echte Herausforderung. Patrick Briggs und Matthew Rials, zwei Studenten und Mitglieder der Stanford Bitcoin Group, haben sie angenommen und ihre Website trybtc.com löst das Problem auf elegante Weise.

trybitcoin2

Anstatt langer Texte, komplexer Slides oder überladener Infografiken lassen sie den User einfach selber machen. Ganz nach dem Motto: „Hier hast du eine Wallet und ein paar Bitcoins, versuch doch mal, ob du sie einer wohltätigen Organisation spenden kannst.“

trybitcoin4

Die Methode würde ich einfach mal aktive, handlungsorientierte Bitcoin-Pädagogik bezeichnen und ist meines Erachtens der richtige Weg dem Thema Bitcoin das Grauen der Technikkomplexität etwas zu nehmen. Was mir auch sehr gut gefällt: es sind noch mehr Tutorials auf trybtc.com  geplant.

Papier ist geduldig

Ich habe noch nicht alle Bitcoin 101-Videos von world bitcoin network gesehen (es gibt nämlich einige davon), aber da mit Bezug zu gewissen aktuellen Ereignissen das Thema Bitcoins sicher verwahren schon seit längerem im Raum steht, nutze ich nun einfach mal die Gunst der Stunde gleichzeitig auf diesen sehenswerten Youtube-Channel hinzuweisen und eine Paper Wallet-Erklärung Schrägstrich Anleitung zu posten.

 

Bitcoin-Pop im „Wissensmagazin“

Man darf ja von der Pro Sieben-Sendung Galileo halten was man möchte, aber zumindest nimmt sie sich zwölfeinhalb Minuten Zeit das Thema Bitcoin anzugehen. Das ist aus journalistischer Sicht eine ganze Menge Zeit für einen Beitrag, die erst einmal mit Inhalt gefüllt werden will.

Tatsächlich war ich zunächst sehr skeptisch, ob es sich lohnt Die Suche nach dem Bitcoin-Millionär anzuschauen, aber die Autoren nutzen ihre großzügige Beitragszeit durchaus anschaulich und unterhaltsam für ein paar bunte Ausflüge in das Bitcoin-Ökosystem von der Bitcoin Börse Berlin bis zu einem Crowdminer, der sein Haus mit Bitcoin-Mining-Hardware heizen will. Und nebenbei werden, wenn auch sehr vereinfacht, die Grundlagen von Bitcoin erklärt.

Klar wird das Ganze in Hinblick auf die Zielgruppe an manchen Stellen vielleicht ein bisschen zu stark reduziert und ich bin mir nicht sicher, ob der typische Galileo-Zuschauer nach dem Beitrag mehr mit Bitcoin anfangen kann als vorher, aber ausgeschlossen ist es auch nicht, denn neugierig macht der Beitrag in jedem Fall.

Der – Achtung Spoiler! – am Ende des Beitrags gefundene Bitcoin-Millionär ist natürlich ein geschickter und probater Kniff des boulevardesken Journalismus, das trockene Bitcoin-Thema populärwissenschaftlich anzugehen und auch wenn die etwas befremdliche Mischung aus Naivität und Neugier der Erzählerstimme einem zwölfeinhalb Minuten das Gefühl gibt sie liest die BILD-Zeitung vor, haben die Autoren meiner Meinung nach einen ganz ordentlichen Beitrag für das Galileo-Publikum (und vielleicht noch ein paar andere) gemacht.

Noch ein paar kritische Töne wären schön gewesen, aber alles in allem ganz sehenswert und eine schöne Abwechslung, wenn man sich viel mit komplexeren Themen beschäftigt und bspw. gerade versucht das Bitcoin-Protokoll in seinen technischen Einzelheiten nachzuvollziehen.

Bitcoin-Daten-Zeitreise

Genau das richtige, wenn man nach der ganzen Mt.Gox-Nachrichtenflut der letzten Tage seinen Horizont mal wieder wieder ein bisschen erweitern will um sich zum Beispiel einen fundierten Überblick über die bisherige Geschichte von Bitcoin von 2007 bis Januar 2014 zu verschaffen: History of Bitcoin.

History of Bitcoin 2

Auf einer Datenachse ordnet die Webseite diverse Meilensteine der Bitcoin-Historie und verknüpft diese mit hübschen Visualisierungen, Bildern, Links, News und Videos. Ein schönes Fundstück ist zweifelsohne der legendäre 10.000 Bitcoin-Pizzahandel von 2010.

History of Bitcoin 3

Dass die Seite nicht ganz auf dem neuesten Stand ist, ist im Hinblick auf die Dichte der aktuellen Ereignisse verständlich. Was aber definitiv noch fehlt ist eine Suchfunktion. Unter dem Schlagwort „Mt.Gox“ hätte man dann zum Beispiel das hier finden können:

History of Bitcoin 4

Map of Coins

Es ist wahrlich nicht leicht den Überblick zu behalten, wann wie wo welcher Altcoin entstanden ist und wie dieser mit jenem zusammenhängt. Ist der eine nur eine Abwandlung des anderen oder basiert er womöglich auf einer gänzlich anderen Funktionsweise?

Eine gute Datenvisualisierung kann in solchen Fällen helfen und die Map of Coins macht genau das. Und zwar ganz konsequent in Form einer Münze.

Screenshot mapofcoins.com2

Monat für Monat kann man abgleichen wie das Altcoin-Universum wächst und sich ausdifferenziert. Nicht nur Dataporn-Fetischisten werden daran ihre Freude haben, deshalb meine uneingeschränkte Bookmark-Empfehlung.

Bitcoins minen im Selbstversuch – Update

Die Frage, ob es sich noch lohnt selbst nach Bitcoins zu minen, wird im Netz ja immer wieder gestellt. Für DRadio Wissen habe ich über den Jahreswechsel einfach mal den Test gemacht. Mit einem sehr überschaubaren Investitionskapital, großen Erwartungen und einer Woche Testzeitraum.

Das Ergebnis kann man bei DRadio Wissen nachhören.

Update vom 21. Februar 2014

In einem Anflug geistiger Umnachtung haben sich die Verantwortlichen von DRadio Wissen im Zuge ihrer Programmreform dazu entschieden ihr über Jahre mit viel Mühe und Arbeit aufgebautes und durch den Rundfunkbeitrag von der Öffentlichkeit finanziertes Beitragsarchiv offline zu stellen. Damit verschwinden auch jede Menge gut recherchierte Beiträge zum Thema Bitcoin vollkommen grundlos aus dem öffentlichen Zugriff. Freier Zugang zu Wissen und Bildung sieht anders aus.

Ich habe selten eine idiotischere Entscheidung erlebt und ganz offensichtlich muss man im Hause DRadio Wissen um ein Netzradio zu leiten weder das Internet verstanden haben – Stichwort Hyperlink – noch sich bildungspolitisch relevanten Zielen verbunden fühlen – Stichwort UNESCO „Open Access – Chancen für den Zugang zum Wissen für alle“

Es gab mal eine Zeit, da waren die Mitarbeiter von DRadio Wissen Stolz darauf, dass alle Beiträge online stehen und nicht gelöscht werden. Blöd, wer darauf vertraut hat. Glücklicherweise habe ich meinen Beitrag ja noch auf dem Rechner und stell ihn hier rein, die Anmoderation müsst ihr nun aber seber lesen.

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Bitcoin-Volatilität

Eines der am häufigsten genutzten Argumente gegen Bitcoin ist seine vergleichsweise hohe Volatilität, also die Schwankungen im Wert. Betrachtet man die vergangenen zwölf Monate waren die Wechselkurs-Kapriolen beim Bitcoin tatsächlich enorm und bewegten sich in einem Rahmen zwischen zehn und über 1.000 US-Dollar. Für die letzten 30 Tage ist die durchschnittliche Preisschwankung hingegen viel niedriger, liegt aber dennoch deutlich über den relativ stabilen Werten von Gold, Euro und Dollar.

Alles also eine Frage des statistischen Blickwinkels und grundsätzlich muss eine hohe Volatilität ja nicht unbedingt schlecht sein. Immerhin könnte der Kurs – für spekulative Anleger von Interesse – auch große Sprünge nach oben machen. Für die allgemeine Etablierung von Bitcoin in Handel und Gesellschaft ist tatsächlich jedoch eine verlässlich niedrige Volatilität von Vorteil, da der Einsatz von Bitcoin im Alltag ähnlich wie bei Euro und Dollar vor allem auf Vertrauen in seine Wertstabilität beruht.

In jedem Fall lohnt es sich aber die allegemeine Preisschwankung des Bitcoin im Auge zu behalten und eine gute Möglichkeit dafür bietet die Website btcvol.info. Sie stellt die jeweils aktuelle Volatilität der letzten 30 Tage dar und bietet zusätzlich eine Übersicht über die langfristige Indexentwicklung. Grundlage ist dabei der Wechelskurs Bitcoin zu US-Dollar. Hier noch ein Snippet der Website:

Why is volatility important?

Volatility means that an asset is risky to hold—on any given day, its value may go up or down substantially. The more volatile an asset, the more people will want to limit their exposure to it, either by simply not holding it or by hedging. Volatility also increases the cost of hedging, which is a major contributor to the price of merchant services. If Bitcoin volatility decreases, the cost of converting into and out of Bitcoin will decrease as well.

What definition of volatility does btcvol.info use?

The standard deviation of daily returns for the preceding 30-day window. This is a measure of historical volatility based on past Bitcoin prices. When the Bitcoin options market matures, it will be possible to calculate Bitcoin’s implied volatility, which is in many ways a better measure.