Archiv der Kategorie: Grundlagen

Argentiniens Bitcoin-Zukunft

Immer wieder fallen die Namen zweier Länder, wenn es um die Vorreiterrolle bei der Institutionalisierung von Bitcoin geht: Zypern und Argentinien. Während über Bitcoin-Zypern hier im Blog ja schon ein paar Sachen liefen, hatte ich über die Situation in Argentinien bis auf den kurzen Vortrag von Rodolfo Andragnes bei der DLD-Conference bisher noch nicht so viel erfahren.

Nun bin ich auf einen sehr lesenswerten Artikel der englischsprachigen The Argentina Independent gestoßen, der uns Eurozentrikern einen weiteren Blick über den Tellerrand ermöglicht und die Bitcoin-Situation in Argentinien kurz und anschaulich umreißt. Immerhin hat sich dort nicht nur die größte Bitcoin-Community Südamerikas gebildet, der heimische Peso hat zudem so viele Krisen durchgemacht, dass das allgemeine Vertrauen in den US-Dollar mittlerweile größer ist.

Eine offizielle Stellungnahme zur rechtlichen Einstufung des Bitcoin steht zwar noch aus, die Fundación Bitcoin Argentina tausche sich wohl aber schon mit der Regierung aus, die dem Bitcoin sehr offen gegenüberstehe. Von offizieller Seite sei daher eher mit Unterstützung als mit einem Verbot zu rechnen.

Bitcoins in Argentina: A New Safe Haven? – The Argentina Independent

Die Geschichte des E-money

Bei Businessweek ist ein sehr lesenswerter Artikel mit dem Titel The Future of Money. E-cash could transform the world’s financial life erschienen, der sich mit den Möglichkeiten, Pros und Contras von digitalem Geld in einer zunehmend digitalen Welt auseinandersetzt. Hier ein Snippet:

„E-cash is digital money that moves through a multiplicity of networks instead of the current bank system. […] It is the ultimate, and inevitable, currency for the wired world. Competition is intense, producing rapid innovations. Using money downloaded to your PC or a palm-size electronic “wallet,“ you’ll be able to zap money to merchants on the Net – or buy a newspaper faster than you can grab a greenback. If you’re a business owner, you can bypass banks and move E-cash directly to customers and suppliers. The advantages: convenience, speed, cost savings. The technology is complex, but to the user, E-cash is as easy as pushing a button.“

Kaum zu glauben, dass dieser Text schon über 18 Jahre alt ist. Im Dezember 1995, als er schien, war Microsoft unter Bill Gates noch der große digitale Babo und hatte sogar selbst eigene digitalen Bezahlsysteme für seine 70 Millionen Windows-Nutzer in der Planung.

Geduldig wartende Visionen

Erstaunt haben mich beim Lesen dieses Artikels neben der historischen Perspektive aber vor allem zwei Dinge. Zum einen bin ich beeindruckt wie weit damals – im gefühlten digitalen Steinzeitalter* – bereits die Planungen, Ideen und Entwicklungen für digitales Geld waren. Egal ob als DigiCash, E-money, CyberCash oder Mondex money.

Noch erstaunter bin ich jedoch darüber wie ruhig es scheinbar anschließend wieder um all diese E-money-Visionen geworden ist. Verglichen mit dem technischen Fortschritt in den Bereichen Website-Blog-Social Media-Mobile oder Festnetz-Handy-Smartphone-Tablet wirkt es als wären Zeit und Entwicklungsstand im Bereich E-money nahezu stehen geblieben. Das ist natürlich übertrieben, denn ein Prinzip wie Bitcoin zaubert man ja auch nicht einfach so mal eben aus dem Hut. Aber allein die Pro- und Contra-Aufzählung am Ende des Artikels, zeigt, wie nah wir in manchen Punkten noch heute dem Stand von vor 18 Jahren sind.

THE GOOD
E-cash is more convenient and flexible than traditional money. It can be used by consumers and businesses, and for everything from buying wares on the Internet to lending a pal five bucks.

Banks that issue E-cash could find it much cheaper than handling checks and the paper records that accompany traditional money.

Consumers doing business on the Internet will find some forms of electronic money afford much greater privacy than using ordinary credit cards.

THE BAD
Uncontrolled growth of E-cash systems could undermine bank- and government-controlled money systems, giving rise to a confusing and inefficient Babel of competing systems.

E-cash may be less secure than bank money: Money stored on a PC could be lost forever if the system crashes.

E-cash could foster a have and have-not society: Those with PCs would have ready access to the stuff, while those without, many of them low-income consumers, would not.

AND THE UGLY
Money laundering and tax evasion could proliferate in stateless E-money systems as criminals use untraceable cyberdollars to hide assets offshore.

Counterfeiters could create their own personal mints of E-cash that would be indistinguishable from real money.

If computer hackers or other criminals were to break into E-cash systems, they could instantaneously filch the electronic wealth of thousands or even millions of innocent consumers.

„The genie’s out of the bottle. The Internet doesn’t have an off switch. And no amount of wishing by regulators will change that.“

Pessimisten könnten nun behaupten, das belege, dass auch Bitcoin keine Zukunft hat. Optimisten würden wahrscheinlich argumentieren, dass es vielleicht erst in den vergangenen Jahren erst das nötige Umfeld entstehen musste – Wirtschaftskrise plus technische Innovationen plus hochgradig vernetzte und digital durchdrungene Gesellschaft – damit eine theoretische E-money-Idee auch realistische Chancen hat sich in der Praxis zu etablieren.

Was jedoch zweifelsfrei unstrittig ist: die in dem Artikel gestellte Frage nach der Zukunft des Geldes auch nach 18 Jahren noch spannend.

*1995 wurde die DVD als Speichermedium vorgestellt

The Future of Money. E-cash could transform the world’s financial life – Businessweek

Die Bitcoin-Kryptographie-Basics

Gute Infografiken kann man nie genug haben. Denn jede bringt einem ein Detail näher, dass man bisher so noch nicht wusste oder zumindest im Einzelnen noch nicht verstanden hat. Bei dieser ist zum Beispiel die Verifizierung von Bitcoin-Transaktionen und das Hash-Prozedere sehr anschaulich dargestellt, denn die Grafik ist Teil eines Artikels, der den Schwerpunkt auf die Privatsphäre legt, die durch kryptologische Währungen wiedergewonnen werden kann.

Bitcoin-Infografik

Das der Beitrag schon etwas älter (Mai 2012) ist, merkt man an einem kleinen Detail:

„Since January Bitcoin has stabilized. It’s been holding an exchange rate of about US $5.“

Nichtsdestotrotz ist dieser Text hervorragend, denn er beschreibt nicht nur die Vorgeschichte von Bitcoin sehr ausführlich – entgegen mancher Behauptungen ist Bitcoin nämlich nicht *poff* aus dem Nichts entstanden, sondern vereint die Vorarbeit vieler kluger Köpfe und löst ein paar bisher ungelöste Probleme – er erklärt darüber hinaus auch sehr anschaulich ein paar dieser Probleme wie das Double-Spending-Problem oder die Funktionsweise der Blockchain.

Bitcoin: The Cryptoanarchists’ Answer to Cash – IEEE Spectrum

Tagesthema Bitcoin

In den Tagesthemen lief vor ein paar Tagen ein zusammenfassender Beitrag über die Eröffnung eines Bitcoin-Tausch-Centers in New York, der jüngsten Verhaftungen im Bitcoin-Business wegen angeblicher Geldwäsche und ein paar grundlegenden Erklärungen zur Funktionsweise gab es ganz vorbildlich auch noch dazu.

Den Beitrag anschauen kann man drüben bei den Kollegen von der ARD.

„Es ist eine Illusion die Banken abschaffen zu können“

Kritische Fragen zum Thema Bitcoin haben die Moderatoren der Sendung Breitband bei Deutschlandradio Kultur gestellt, kritische Antworten haben sie bekommen. Denn der Informatikprofessor Raúl Rojas, der sich schon seit den Neunzigern mit digitalen Währungen beschäftigt, zeichnet im Interview ein ziemlich ernüchterndes Bild von Bitcoins.

Seiner Meinung nach hätten CyberCash und Digicash bereits in den Neunzigern bessere Algorithmen und Protokolle benutzt als Bitcoin heute. Sie seien damals aber von Banken ins Leben gerufen worden, nicht von „Idealisten“. Insgesamt sieht er in Bitcoins zwar einen interessanten Ansatz, sie würden aber definitiv nicht das Zahlungsmittel der Zukunft, sondern seien längst zum Spekulationsobjekt geworden.

Ich persönlich finde es wichtig sich auch mit den kritischen Tönen zum Thema Bitcoin auseinanderzusetzen. Viel zu oft und gerne werden die Schattenseiten, von denen keiner behaupten kann, dass es sie nicht gebe, ja ausgeblendet.

Den ganzen Beitrag kann man entweder direkt hier nachhören oder auf der Seite von Breitband.

Bitcoin visualisiert. Kritisch und in 3-D

Es gibt ja dieses eine Bitcoin-Erklärvideo, das auf fast jeder Seite auftaucht, die Bitcoins in irgendeiner Weise erklären will. Und das ist auch in Ordnung, weil kurz, übersichtlich und schön gemacht.

Duncan Elms zeigt jedoch, dass es sich durchaus lohnen kann, sich im Web nicht nur auf ein einziges Erklärvideo zu stützen. Seine Variante ist nämlich nicht nur optisch eine Stufe anspruchsvoller, sondern geht auch auf Themen ein, die im Standard-Video nicht auftauchen: Darknet und Silk Road, Hackerangriffe auf Mt.Gox oder den Einfluss, den allein die Existenz von Bitcoin auf unsere Wahrnehmung von „Geld“ hat.

Zwei kleine Nachteile hat das Video jedoch. Einige der Informationen sind nicht mehr ganz aktuell (es werden bspw. nur noch 25 statt 50 BTC ausgeschüttet) und an manchen Stellen ist es so schön anzusehen, dass man Gefahr läuft erst sich selbst in den Bildern und anschließend den thematischen Anschluss zu verlieren. Aber dann drückt man eben den Replay-Button.

Bitcoin: Mal ganz einfach gefragt

Man kann von dem journalistischen Format Jung und Naiv halten, was man mag. Ich persönlich glaube ja, dass es sich durchaus lohnt, Menschen auch mal ausreden zu lassen, aber da gehen die Meinungen offensichtlich ein bisschen auseinander.

Ungeachtet dieser Frage stellt Tilo Jung zum Thema Bitcoin auch ein paar von denen, die sehr naheliegend sind für jemanden, der überhaupt keine Ahnung von digitalen Währungen hat. Einfach so aus dem Bauch heraus. Kann man sich anschauen, denn weitergehende Informationen findet man anschließend ja glücklicherweise auch im Netz.

Bitcoin: eine Video-Einführung

Auf der 1. Swiss New Finance Conferenz im vergangenen Jahr hat Jens-Christian Fischer einen sehr anschaulichen Vortrag zum Thema Bitcoin – Eine gänzlich andere Währung gehalten, den ich wirklich jedem anzuschauen empfehle. Die halbe Stunde ist sinnvoll investiert, denn der Vortrag gibt sowohl Laien wie auch Fortgeschrittenen einen sehr guten Überblick über das Bitcoin-Universum, ist nicht zu technisch, geht dafür aber auch auf kritische Fragen ein.

Bitcoin: Die Grundlagen

Bei Dradio Wissen gibt Andreas Noll in einem Gespräch einen sehr anschaulichen Überblick zum Thema Bitcoin. Vom Grundprizip über Anwendungsmöglichkeiten bis hin zu Kritik und den aktuellen Stand der Diskussion.

Der Beitrag ist vom Mai 2013, deshalb stimmen die Zahlen, gerade was die aktuellen Kurse angeht, heute natürlich nicht mehr. Ein sehr interessanter Beitrag ist es dennoch und vor allem gut für den grundsätzlichen thematischen Einstieg.

Nachhören kann man den Beitrag auf der Seite von DRadio Wissen.