Archiv der Kategorie: Lesetipp

(Zwischen-)Fazit einer umfassenden Onecoin-Recherche

Wer hier schon etwas länger mitliest, weiß, dass ich großes Interesse daran habe, dass die Öffentlichkeit so gut und umfassend wie möglich über Onecoin informiert wird und die Hintergründe dieses kryptischen Multi-Level-Marketing-„Kryptowährungsprojekts“ aufgeklärt werden.

Insofern war ich vor ziemlich genau einem Jahr sehr erfreut über den vielbeachteten und zurecht gelobten BBC-Podcast The Missing Cryptoqueen, für dessen audiovisuelle Umsetzung mittlerweile sogar die Filmrechte verkauft wurden.

Heute nun ist bei BuzzFeedNews, dem Investigativrecherche-Teil des Mediennetzwerks, mit OneCoin konnte Milliarden stehlen, obwohl Banken die Behörden informiert hatten ein weiteres wichtiges Journalismus-Stück erschienen, auf das ich gerne verweisen möchte. Zum einen weil es gut geschrieben ist und viele neue Details und Hintergrundinformationen enthält. Kein Wunder. Immerhin steckt nun schon ein ganzes Jahr intensive Auseinandersetzung auf Basis von teils exklusivem Material dahinter.

Klicken, um zum Artikel bei BuzzFeedNews zu kommen.
Kontakt-Aufruf an alle, die sich geschädigt fühlen

Zum anderen ist es damit aber noch nicht getan. Denn genau wie bei The Missing Cryptoqueen bedeutet die heutige Veröffentlichung keineswegs das Ende der Recherche, sondern leitet vielmehr deren nächste Stufe ein. Ab jetzt nämlich mit Hilfe der Öffentlichkeit in Form von Informationen und Geschichten von Leuten mit direktem Onecoin-Kontakt. Denn das BuzzFeedNews-Team ruft all diejenigen auf, die sich als Onecoin-Opfer oder -Geschädigte fühlen, sich zu melden und zur weiteren Aufklärung beizutragen.

Melden kann man sich per Mail oder über ein Formular am Ende des Artikels auf BuzzfeedNews.
Nutzt diese Gelegenheit!

Da mich im Zuge meiner eigenen Auseinandersetzung mit Onecoin damals sehr viele angeschrieben hatten, auf die diese Beschreibung wohl zutrifft, möchte auch ich dazu auffordern, diese Gelegenheit wahrzunehmen.

Auch wenn BuzzFeed einst als Clickbaiting-Plattform groß wurde, ist deren deutschsprachige Investigativ-Abteilung mit namhaften und hervorragenden Journalisten besetzt, von deren bisheriger Arbeit man sich schnell und einfach im Netz überzeugen kann. Man muss also keine Angst haben, als Listicle zwischen Katzenbildern zu landen, sondern kann dazu beitragen, alles über Onecoin ans Licht zu bringen!

Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele diese Chance nutzen.

Bitcoin für Nicht-Techniker erklärt

Alex Danco hat auf seinem Blog mit A technical introduction to Bitcoin for non-technical people genau das verfasst, was der Name verspricht: eine technische Einführung in die Grundlagen von Bitcoin, für alle, die sonst eher wenig mit Technik zu tun haben.

Der Artikel ist sehr ausführlich und reicht von den Prinzipien der verwendeten Kryptographie über das Problem der Byzantinischen Generäle bis zu möglichen Angriffsszenarien und wie diese bei Bitcoin verhindert werden, bleibt dabei aber dank guter Beispiele immer anschaulich.

Wer also immer mal wissen wollte, wie sich so ein Blockheader eigentlich genau zusammensetzt und warum jeder Miner trotz der selben Nonce zu verschiedenen Hashes kommt, sollte sich die Zeit nehmen, hier mal reinzulesen. Denn nur, wenn man die (technischen) Grundlagen von Bitcoin verstanden hat, kann man verstehen, warum es auf seine Weise so genial und herausragend ist.

Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt auf die angekündigte Fortsetzung A financial introduction to Bitcoin for non-financial people. Beides, Geld und Technologie, hängt bei Bitcoin ja direkt zusammen.

Einer der besten Bitcoin-Artikel ist von 2011

Ich sitze die Tage an einer längeren Recherche und bin dabei noch einmal auf Joshua Davis großartigen Artikel „The Crypto-Currency. Bitcoin and its mysterious inventor.“ gestoßen, der bereits im Oktober 2011 erschien und als einer der ersten Artikel gilt, der Bitcoin in die breitere Öffentlichkeit trägt.

Als Satoshi Nakamoto noch (fast) da war

Wer den Artikel noch nicht gelesen hat, weil er – wie ich – erst Jahre(!) später auf das Thema gestoßen ist, sollte das unbedingt nachholen. Denn obwohl der Text nun bald acht Jahre alt ist, was in Bitcoin bekanntlich eine Ewigkeit ist, wirkt er keineswegs antiquiert oder überholt. Als Zeitzeugnis einer Phase als Bitcoin im Umbruch war – immerhin war Satoshi Nakamoto erst kurz zuvor wieder in der Versenkung verschwunden – gibt er vielmehr einen bemerkenswerten Einblick in die frühen Jahre von Bitcoin und erklärt dabei Vieles besser als es die meisten heutigen Berichte über Bitcoin vermögen.

Toller Journalismus und eine Lektüre, die ich wirklich empfehlen kann. Sogar ich habe noch Einiges dazu gelernt. Außerdem scheint mir Bitcoin derzeit ereignistechnisch sowieso gerade in der Sommerpause zu sein. (Oder geht das nur mir so?)

Bitcoingeld – Bitcoin für Kinder erklärt

Neulich habe ich über das Bitcoin-Kinderbuch für Erwachsene geschrieben und dass Bitcoin generell etwas ist, für das sich die Jüngeren mehr interessieren als die Älteren, Ist Hier Im Blog ja Immer Wieder Thema.

Bitcoin Money – Das Kinderbuch

Kein Wunder also, dass ich sofort zugeschlagen habe, als ich gesehen habe, dass Michael Caras, der Bitcoin-Rabbi (dessen Name sich im Gegensatz zum einstigen „Bitcoin Jesus“ tatsächlich aus seiner Berufung als Rabbi ableitet), ein Bitcoin-Kinderbuch geschrieben hat: Bitcoin Money. A Tale of Bitville Discovering Good Money (Ist mittlerweile auch auf Deutsch zu haben: Bitcoingeld: Eine Geschichte über die Entdeckung von gutem Geld in Bitdorf)

Bitcoin Money: Schöne, kindgerechte und liebevoll illustrierte Geschichte
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Drei beachtenswerte Bitcoin-Publikationen

Da ich selbst gerade nicht viel zum Schreiben komme, verweise ich an dieser Stelle einfach auf drei Publikationen, die ich für ausdrücklich lesens- und beachtenswert halte.


The Case for Electronic Cash. Why Private Peer-to-Peer Payments are Essential to an Open SocietyCoin Center

Coin Center ist einer der wichtigsten US-amerikanischen Think Tanks, der sich kritisch-konstruktiv mit Bitcoin auseinandersetzt und dieses Wissen in Politik und Gesellschaft trägt. Dieses knackige und aktuelle Paper liest sich ganz hervorragend weg und vermittelt gleichzeitig einen wichtigen Eindruck, warum es so wichtig ist, sich mit dem Thema digitalem Bargeld auseinanderzusetzen.

Abstract
Cash is more than a method of payment. It is a fundamental tool for individual privacy and autonomy, and it is necessary for an open society. This paper shows that a cashless economy is a surveillance economy. It also argues that removing the option to freely transact without intermediation greatly limits our economic self-determination, placing our economic lives in the hands of financial institutions and governments. This paper presents several case studies demonstrating the dangers of a completely intermediated payments system and concludes that electronic cash is a tool that should not only be tolerated, but fostered and celebrated.


2nd Global Cryptoasset Benchmarking StudyCambridge Center for Alternative Finance, University of Cambridge Judge Business School

Das Cambridge Center for Alternative Finance der University of Cambridge Judge Business School erforscht schon seit Jahren mit großem Aufwand und Akribie das Bitcoin- und Blockchain-Ökosystem und sammelt dabei Daten, die man sonst nirgendwo anders findet. Diese Studie sollte man sich daher nicht nur gut anschauen, sondern direkt runterladen. Selbst, wenn Sie schon ein paar Monate alt ist.

Highlights from the report

Millions of new users have entered the ecosystem, but most remain passive
Total user accounts at service providers now exceed 139 million with at least 35 million identity-verified users, the latter growing nearly 4X in 2017 and doubling again in the first three quarters of 2018. Only 38 per cent of all users can be considered active, although definitions and criteria of activity levels vary significantly across service providers.

Firms are increasingly operating across segments:
The cross-segment expansion observed in 2017 has continued: 57 per cent of cryptoasset service providers are now operating across at least two market segments to provide integrated services for their customers, compared to 31 per cent in early 2017.

Multi-coin support is rapidly expanding:
Multi-coin support has nearly doubled from 47 per cent of all service providers in 2017 to 84 per cent in 2018; a trend primarily driven by the emergence of common standards on some cryptoasset platforms (e.g. ERC-20 on Ethereum) that has resulted in a rapid increase in the supply of tokens, airdrops and forks.

The majority of identified mining facilities use some share of renewable energy sources as part of their energy mix
The study estimates that the top six proof-of-work cryptoassets collectively consume between 52 TWh and 111 TWh of electricity per year: the mid-point of the estimate (82 TWh) is the equivalent of the total energy consumed by the entire country of Belgium — but also constitutes less than 0.01 per cent of the world’s global energy production per year. A notable share of the energy consumed by these facilities is supplied by renewable energy sources in regions with excess capacity.

Mining is less concentrated than commonly perceived
Cryptoasset mining appears to be less concentrated geographically, in hashing power ownership, and in manufacturer options than commonly depicted: the mining map exhibits that hashing facilities and pool operators are distributed globally, with growing operations in the USA and Canada.

Self-regulatory efforts reflect growing industry maturity:
Industry actors are pro-actively adopting measures that appear to comply with existing regulation despite not necessarily being explicitly subject to regulations. The increasing number of self-regulatory initiatives, combined with the emergence of sophisticated and professional services, reflect the growing maturity of the industry.


The State of Bitcoin – Delphi Digital

Von Delphi Digital, hatte man zuvor nicht viel gehört, aber dieser Bericht der selbsternannten „independent research boutique providing
institutional-grade analysis on the digital asset market“ hat bei seinem Erscheinen Ende letzten Jahres breites Interesse erregt. Und retrospektiv betrachtet lagen sie mit ihrer Prognose Ende vergangenen Jahres auch nicht so falsch, wenn man sich zum Beispiel Punkt eins der folgenden Key Findings betrachtet. Seit rund zwei Monaten steigt der Bitcoin Kurs zwar langsam, aber sehr beständig.

Key Findings
  • Bitcoin may face additional selling pressure in the near-term, but we believe prices will bottom in Q1 2019 based on our analysis of holder dynamics during prior boom-bust cycles.
  • Lightning Network development has progressed rapidly, allowing Bitcoin to scale without sacrificing security. The success of this technology will be crucial and may prove superior to other scaling solutions in the long run.
  • Total Bitcoin supply is finite at 21 million given that its inflation schedule is predefined and governed by a mathematical algorithm. The vast majority of Bitcoin have already been mined with a significant amount (~2-3 million) presumed to be lost.
Global Demand
  • As global debt rises to new heights, Bitcoin can serve as a check on government institutions by offering a viable alternative to today’s reserve currencies. This is especially true of many developing market economies prone to high inflation (e.g. Venezuela, Argentina), because of weak or harmful governance. Bitcoin offers anyone with internet access the ability to transact and store wealth in a vehicle unrelated to local fiscal and monetary policies.
Value Drivers
  • Bitcoin can serve as a complement to investments like gold given similar traits like scarcity, while offering unique advantages in a digital age.
  • Its censorship-resistant nature provides an attractive alternative to the private offshore banking system currently estimated to hold ~$8 trillion for individuals.
  • An allocation to Bitcoin can enhance risk-adjusted returns for traditional investment portfolios, but proper position sizing is crucial given its historical volatility.

Bitcoin-Newsletter-Tipp – Chain Letter

Ich habe über die Jahre eine ganze Reihe Bitcoin- und Blockchain-Newsletter abonniert. Aber wie das so ist – erst nach einer Weile merkt man, welche man wirklich jedes Mal liest und welche man zunehmend ungeöffnet direkt in den Papierkorb weiterleitet.

Chain Letter – Bester Newsletter für den allgemeinen Überblick

Einen Bitcoin-Newsletter, den ich wirklich jedes Mal gerne lese, ist der Chain Letter von MIT Technology Review. Für mich eigentlich der beste Newsletter, wenn man mit wenig Aufwand auf dem Laufenden über die zentralen Entwicklungen von Bitcoin als Gesamtphänomen bleiben will.

Jede Ausgabe beginnt mit ein bis zwei ausführlicher erklärten und eingeordneten aktuellen Hauptthemen, die ich vor allem deswegen immer wieder gern lese, weil sie sehr gut geschrieben sind. Hier merkt man die journalistische Qualität und die Erfahrung des Herausgebers. Der Chain Letter ist nämlich nur einer von sechs tech-themenspezifischen Newslettern der MIT Technology Review.

Quer durchs gesamte Themenspektrum

Doch obwohl es einen Tech-Fokus gibt, ist es kein reiner Tech-Newsletter. Im Gegenteil – die Themenpalette ist sehr breit. Denn wie der Claim des Newsletters „Blockchains, cryptocurrencies, and why they matter“ andeutet, geht es nicht nur um Technologie, Finanzen und Kurse, sondern auch um Politik, Gesellschaft, Kultur und wie sich alles gegenseitig beeinflusst.

Dass es gelingt diese thematische Breite in einen Newsletter zu packen, der aber gleichzeitig nie überladen wirkt, ist ein weiterer großer Pluspunkt. Immerhin gibt es nach den Hauptthemen nur noch eine kleine Handvoll ausgewählter Links, ein abschließendes aktuelles Zitat und das war’s. Genau der Umfang, den man zwei Mal die Woche (Dienstags und Donnerstags) noch gut als Status-Update im Alltag unterbringen kann.

Größter Kritikpunkt: Kein Archiv

Das einzige, was man kritisieren kann, ist, dass es kein ordentliches Archiv der bisher erschienenen Ausgaben gibt (obwohl sie ja alle irgendwo online stehen!). Auf der zugehörigen Newsletter-Webseite sind immer nur die letzten beiden Ausgaben zu finden. Das ist sehr bedauerlich, weil der Newsletter für manch eine Recherche durchaus hilfreich und nützlich wäre.

Wer nun aber trotzdem mal in reinlesen will – hier habe ich aus meinen Mails zumindest die Links zu den letzten vier Ausgaben rekonstruiert.

Über den Mikrokosmos Crypto-Twitter

Ich habe vor einer ganzen Weile mal der Redaktion des Online-Ablegers einer der großen deutschen Zeitungen einen Artikel über Crypto-Twitter angeboten.

Mein Vorschlag war, einen Artikel über das zunehmende Spannungsverhältnis zu schreiben. Auf der einen Seite Twitter, die Kommunikationsplattform, die seit 2009 von der Szene für alle Themen rund um Bitcoin genutzt wird (und auch für mich eine der zentralen Informationsplattformen ist), auf der anderen Seite immer mehr Scam-Bots, penetrantes Kurznachrichten ICO-Marketing und eine teils toxische Kommunikationskultur. Die Absage der Redaktion kam dann mit der kurzen Begründung: „Unsere Leser interessieren sich leider nicht für Twitter.“

Crypto-Twitter ist trotzdem ein interessantes Thema

„Oha!“ dachte ich damals, „wenn nicht einmal explizite Online-Medien Themen bzgl. Twitter für relevant genug halten …“, habe kurz überlegt eine Henne-Ei-Diskussion mit dem Redakteur zu starten, mich dann aber nicht weiter daran gestört. Denn da ich ja regelmäßig eine Kolumne für das Global Investor-Magazin schreibe, habe ich das Thema dann eben dort aufgegriffen.

Und da dieser Texte nun offensichtlich lange genug nur den Käufern des gedruckten Magazins zugänglich war, ist der Text Eine Symbiose mit Tücken nun auch online frei zugänglich.

Trotz nerviger Schwächen ist Twitter eine der wichtigsten Kommunikationsplattformen für die Bitcoin- und Blockchain-Community. Doch muss man mit dem Kurznachrichtendienst umzugehen wissen.

Alle meine bisherigen Kolumnen für das Magazin gibt es übrigens hier und die nächste habe ich auch schon fertig geschrieben. Wird dann vermutlich in ca. einem viertel Jahr online erscheinen.

Der junge Vogel fängt den Bitcoin

Drüben bei paymentandbanking.com ist vor kurzem der Artikel Bitcoin – Das Geld der kommenden Generationen erschienen, in dem die These aufgestellt wird, dass es vor allem die jungen Leute sind, die sich mit Bitcoin auseinandersetzen, es annehmen und nutzen.

Die Digital Money Natives sind kein neues Phänomen

Das ist jetzt keine ganz neue Idee. Ich habe hier im Blog immer mal wieder über die Digital Money Natives geschrieben und auch eine Umfrage der Bundesbank deutete schon vor drei Jahren stark in diese Richtung.

Dennoch ist es wichtig immer wieder darauf hinzuweisen. Denn die Digital Money Natives werden nicht nur mit jedem Tag mehr (und in absehbarer Zeit sogar in der Mehrheit sein), sondern sie vollbringen in puncto Bitcoin auch jetzt schon ganz außerordentliche Leistungen.

Early Bird front
Early Bird Gets The Bitcoin: Auf knapp 80 Seiten alles, was Kind man über Bitcoin wissen muss

So wie Andrew K. Courey, der es leid war, immer dieselben Fragen zu Bitcoin beantworten zu müssen, sich daher kurzerhand hinsetzte und mit elf Jahren alles aufschrieb, was er zu dem Zeitpunkt über Bitcoin wusste.

Bitcoin? Ist doch kinderleicht!

Herausgekommen ist dabei das Buch Early Bird Gets The Bitcoin. The Ultimate Guide To Everything About Bitcoin, ein kompakter Ratgeber für Bitcoin-Neulinge jeden Alters.

„This is my attempt to provide that one place to start – a true introduction to Bitcoin. To summarize the answers to a few of these questions.
– Yes, you should care
– No, you are not to late
– Yes, this is a huge deal that could change the world, though it is still to early to know how huge.“

Einblicke in die Lebenswelt einer neuen Generation

Das Besondere an diesem Büchlein ist nun weniger der Inhalt, der insgesamt treffend und verständlich ist, sich gut ließt und nur bei ein paar Details Fehler enthält. Viel bemerkenswerter ist hingegen die Perspektive und Einstellung aus bzw. mit der Andrew sich seinem Thema gewidmet hat.

Early Bird back
Einfach mal ein Buch über Bitcoin schreiben? Der 11-jährige Andrew hat es gemacht.

Die sagt nämlich viel mehr über eben diese Digital Money Natives aus, die Generation, die gemeinsam mit Bitcoin oder sogar erst danach das Internet mit all seinen Möglichkeiten als nicht wegzudenkende Infrastruktur unserer Gesellschaft kennen und nutzen lernt. Ein Beispiel:

„There is a public document that tracks all of the Bitcoin transactions ever in the history of Bitcoin – this is called a blockchain. Think of it as a public Google Docs file that everyone has access to. This is very powerful, because you cannot fake a transaction that everybody using Bitcoin can see.“ 

Das Schlüsselwort hier ist Google Docs file„, eine einfache und kostenlose Möglichkeit, gemeinsam im Internet Dokumente zu erstellen und zu verwalten, die ebenfalls vor allem von jüngeren, netzaffinen Menschen genutzt wird, die nicht an ihrer einst mühsam erworbenen Microsoft Word-Kompetenz kleben.

Dass Andrew hier also mit einem Begriff arbeitet, der seiner unmittelbaren Lebenswelt entspringt und nicht auf die unter Erwachsenen weit verbreitete, zwar korrekte aber eben auch etwas dröge Verteilte Datenbank-Analogie zurückgreift, steht exemplarisch für die offene und unvoreingenommene Herangehensweise der Digital Money Natives: Wichtiger als das, was war, ist das, was ist, und das, was kommt.

Nicht die Alten, sondern die Jungen erarbeiten die Zukunft

In diesem Kontext wird Bitcoin als (aus Digital Money Native Sicht) bereits lange und beständig existierendes Phänomen mit großem Zukunftspotential an sich gar nicht mehr in Frage gestellt. Und in zeitgemäßen Erklärungen wird zudem mit Vergleichen gearbeitet, die ebenfalls bereits Teil der aktuellen digitalen Lebenswelt sind. Dass diese Lebenswelt für Nicht-Digitale Money Natives mitunter zu unkritisch, befremdlich und futuristisch erscheinen mag, ist ganz normal. Das nennt man alt werden.

Wer zumindest geistig dagegen angehen will, der sollte es vielen anderen gleich tun und mal einen Blick in Andrews Buch werfen. Rund 1500 Mal wurde Early Bird Gets The Bitcoin bereits in insgesamt 13 Länder verkauft. 24 Exemplare gingen dabei bisher nach Deutschland.

Dass er dabei für sein Buch mit Kindle Direct Publishing ganz selbstverständlich ein Angebot nutzt, das viele Ältere vermutlich nicht kennen, befremdlich und/oder futuristisch finden, passt am Ende auch ganz hervorragend.

Du fragst: Warum Bitcoin? Ich sage: Lies dieses Buch!

Bitcoin zu verstehen, ist nichts, was man mal eben nebenbei machen kann. Im Gegenteil: Bitcoin als ein sich beständig erweiterndes, facettenreiches Phänomen zu durchschauen, erfordert nicht nur einiges an Zeit und Muße, sondern vor allem gute Quellen.

Von denen gibt es (deutschsprachig) bislang aber nicht wirklich viele: Eine Handvoll Blogs, die aktuell berichten. Unregelmäßige Artikel und Berichte in den „traditionellen“ Medien (vor allem, wenn der Bitcoin-Kurs wie derzeit mal wieder im Achterbahn-Modus nach oben tendiert). Dazu noch ein paar lesenswerte Newsletter, nerdige Foren, Podcasts, Meetup-Treffen und das war es dann aber auch schon.

Klar, seit 2014 gibt es auch Jörg Platzers durchaus lesenswerte Bitcoin-Einführung Bitcoin kurz und gut. Aber das Büchlein ist inhaltlich nun auch schon deutlich in die Jahre gekommen und, wie der Titel schon sagt, eben auch sehr kurz.

Was bislang fehlte: ein gutes Bitcoin-Grundlagen-Buch

Was also seit langem fehlt, ist ein aktuelles Buch, das es schafft, einen umfassenden Status Quo des sich beständig weiterentwickelnden Phänomens Bitcoin zu beschreiben und sinnvoll einzuordnen. Solch ein Buch zu schreiben, ist indes keine leichte Aufgabe. Vor allem, wenn es das Ziel sein soll, nicht nur Nerds und Fanboys anzusprechen, sondern Bitcoin einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Elfriede Sixt gelingt mit ihrem Buch Bitcoins und andere dezentrale Transaktionssysteme genau das: einen umfassenden Überblick zu bieten, ohne dabei aber zu oberflächlich zu bleiben. Das ist erfreulich. Denn wenn mich nun Interessierte nach einem guten und substantiellen Einstieg ins Thema Bitcoin fragen, verweise ich ab jetzt auf dieses Buch. Die knapp 200 Seiten beinhalten nämlich alles, was sich zu dem Thema derzeit sinnvoll in Buchform zusammentragen lässt. Wenngleich das Medium selbst für Punktabzüge sorgt.

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Deep inside Bitcoin-Hardware-Wallets

Ich bin vor Kurzem im Netz auf stellaw.info gestoßen, einen nerdigen Blog, auf dem sich gbg sehr intensiv mit Hardware-Wallets auseinandersetzt und diese auf Herz und Nieren überprüft. Inklusive auf- und ggf. kaputt machen, versteht sich.

Bitcoin-Wallets: Aufmachen, anschauen, selber bauen

Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Passion, mit der er sich den Geräten widmet oder eigene Projekte durchführt (wie bspw.
I built my own Trezor clone: DINOSAUR HIPHOP ZERO
), sondern auch, wie viele Modelle er schon getestet hat, von denen ich bislang noch nie etwas gehört habe.

Wobei das eine aber auch mit dem anderen zu tun haben könnte. Denn gbg ist zu Recht durchaus kritisch. Aber genau das macht seine Arbeit so wertvoll. Denn wer will seine Bitcoins schon einem Stück Technik anvertrauen, das niemand auf Herz und Nieren geprüft hat?

Bitcoin-Bastler aus Leidenschaft

Fun fact: Eine früheres Projekt von gbg war es, seine uralte NES-Spielekonsole in einem Bitcoin-Miner zu verwandeln. Nicht wegen des Profits, sondern einfach, weil es möglich ist. Und um dieses Projekt wiederum ging es vor mehr als drei Jahren im allerersten Beitrag hier im Blog.