Archiv der Kategorie: Menschen & Gesellschaft

Der Bitcoin-Preis steigt, die Krypto-Kultur blüht

Dass der Bitcoin-Preis vor ein paar Tagen ordentlich in die Höhe ging, ist bekannt. Vielfach ist schon vom Ende des „Krypto-Winters“ zu lesen.

Was diese These in gewisser Weise unterstützt, aber erstens keine kausale Verbindung zum aktuellen Kurs-Boom hat und zweitens auch nur auf meiner rein subjektiven Beobachtung beruht: Auch die kreative Auseinandersetzung mit Bitcoin nimmt wieder zu.

Minecraft-Bitcoin-Kurs-Achterbahn

Zumindest stoße ich in letzter Zeit wieder häufiger auf entsprechende Links, Videos und Spielereien. Wie zum Beispiel diese historische Bitcoin-Kurs-Achterbahn, die @sqatch_crypto von November bis Dezember vergangenen Jahres in Minecraft nachgebaut hat und seitdem wöchentlich um eine Kurs-Candle erweitert.

https://twitter.com/squatch_crypto/status/1113608042061471744

Warum @sqatch_crypto das macht? Einfach so. Er/sie liebte nach eigenen Angaben schon früher Lego und baut nun eben mit digitalen Blöcken in Minecraft herum.

Krypto-Kultur wird zu eigener Gattung

Was dabei bemerkenswert ist: Es war das für die Bitcoin-Szene bereits ikonische Meme des Bitcoin Rollercoaster, das @sqatch_crypto für seine eigene Spielerei inspirierte.

Der Remix dieses bekannten Memes bedeutet wiederum, dass die kulturelle und memetische Auseinandersetzung mit Bitcoin mittlerweile eine Tiefe erreicht hat, in der die kreativen Einflüsse nicht mehr nur von außen kommen, sondern bereits die Reflexion und Neubearbeitung eigener originärer Bitcoin-Memes stattfindet. Bedeutet: Krypto-Kultur kann man längst schon als eigene subkulturelle Gattung bezeichnen.

Bitcoin and Friends – Die Serie

Ein anderes Beispiel für die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Bitcoin ist die Serie Bitcoin and Friends, eine amüsante Zeichtrickserie, in der Bitcoin und seine Freunde sich auf die abenteuerliche Suche nach dem Sinn der Existenz des namengebenden Hauptprotagonisten begeben.

Pal Fifty, Mitalik und andere sind (zumindest in dieser Serie) die Freunde von Bitcoin.

Die erste Folge steht bereits online und weitere sieben sind geplant. Voraussetzung für die Fortsetzung ist jedoch ein erfolgreiches Crowdfunding, das sich mit veranschlagten 5 Bitcoin pro Episode allerdings recht hohe Hürden setzt. Mal schauen, ob diese Summe bei dem weiter steigenden Kurs zusammenkommt. Vielleicht findet sich im nun vielfach heraufbeschworenen „Krypto-Frühling“ ja auch ein großzügiger Sponsor.

Blitz-Geburtstag – Ein Jahr Lightning-Netzwerk

Heute feiert das Lightning-Netzwerk ersten Geburtstag. Am 15. März 2018 veröffentlichte Lightning Labs die erste Beta ihrer LND-Software und das Lightning-Netzwerk wanderte damit vom Testnet ins Mainnet. Damit begann eine bemerkenswerte Entwicklung.

https://twitter.com/lightning/status/974299189076148224

Denn seitdem hat sich einiges getan. Das Lightning-Netzwerk umfasst mittlerweile zwischen knapp 4000 und gut 7000 Knoten (kann man in einem dezentralen Netzwerk nicht eindeutig feststellen) und mehr als 35.000 Kanäle. Zusammen haben die eine Kapazität von mehr als 800 Bitcoin, was derzeit einer Summe von gut drei Millionen US-Dollar entspricht.

Große Summe in kleinen Teilen

Das ist insofern eine bemerkenswerte Zahl, als dass die Kapazität für einzelne Transaktionen wegen des offiziell ja noch sehr experimentellen Status bislang künstlich auf 0,04 Bitcoin (rund 150 US-Dollar) beschränkt ist.

lightning nodes
Abbildung der Lightning-Netzwerks laut explorer.acinq.co

Darüber hinaus sind mit c-lightning (Blockstream) und eclair (Acinq) zwei weitere große Implementierungen hinzugekommen. Eine Vielzahl mobiler Wallets wurde entwickelt. Lightning-Hackdays fanden in Europa, Asien und Nordamerika statt. Auch akzeptieren längst schon die ersten Gastronomen, Händler und Automaten Lightning als Zahlungsmittel.

https://twitter.com/stefanwouldgo/status/1086205828825341952

Auch kommt immer mehr handliche und einsteigerfreundliche Lightning-Hardware auf den Markt und die Bitcoin-Community liebt es sowieso, in immer neuen spielerischen Experimenten die Möglichkeiten von freien, zensur- und manipulationsresistenten Instant-Nano-Payments auszuloten.

Auf der digitalen Web-Leinwand satoshis.place bezahlt man für jedes Pixel, das man gestalten möchte einen Satoshi (0,00000001 Bitcoin) per Lightning. (Screenshot vom 15.3.2019)

So wanderte die Lightning-Torch beispielsweise zuletzt von den USA in den Iran und von dort weiter nach Israel, um später über Afrika und schließlich sogar trotz Stromausfalls nach Venezuela zu gelangen.

Mitunter ist es bei all diesen Entwicklungen schwer, überhaupt auf dem Laufenden zu bleiben und zu dokumentieren, wie schnell sich das Lightning-Netzwerk weiterentwickelt. Da passt es ganz gut, dass dieser Tage zufälligerweise ein Artikel, den ich bereits vor einem knappen halben Jahr für das t3n-Printmagazin über Lightning geschrieben habe, nun endlich auch online zu lesen ist. Damals lag die Zahl der Kanäle nämlich noch bei „nur“ 12.000.

Ansonsten ist der Artikel aber noch immer aktuell, wenn man sich mal ein bisschen in die Thematik einlesen will. Wer tiefer in Lightning eintauchen will, findet hier die wahrscheinlich beste und umfassendste Ressourcen-Sammlung.

Alles neu, aufregend und experimentell, aber …

Natürlich muss man für einen journalistisch ausgewogenen Artikel nach all den positiven Nachrichten auch noch darauf hinweisen, dass Lightning trotz all der positiven Entwicklungen noch immer extrem experimentell ist und es sowohl auf technischer als auch auf konzeptioneller Ebene berechtigten Gründe für Kritik gibt.

Auf die gehe jetzt hier aber nicht im einzelnen ein, sondern belasse es bei dem Fazit, dass das Lightning-Netzwerk trotz aller Fortschritte noch immer weit von einer Massentauglichkeit entfernt ist. Das ist allen ernsthaft Beteiligten aber bewusst. Außerdem läuft das Ganze ja auch erst seit einem Jahr.

Gemessen an dem, was in dieser Zeit schon erreicht wurde und was sich aktuell noch in der Entwicklungs-Pipeline befindet, dürfen wir für das nächste Jahr aber sehr gespannt sein. Langweilig oder ereignisarm wird es in jedem Fall nicht.

Bleibt abschließend nur die Frage, ob Lightning Labs vor einem Jahr das Veröffentlichungsdatum eigentlich zufällig auf die Iden des März gelegt haben oder ob sie absichtlich Raum für Interpretationen lassen wollten. Immerhin könnte man das Lightning-Release am Jahrestag des wohl berühmtesten Tyrannenmords der Geschichte ja durchaus symbolisch sehen. Es wäre zumindest nicht die erste „versteckte“ Botschaft in Bitcoin und Lightning.

Das Coinbase-(Kommunikations)-Disaster

Coinbase, ist eines der größten, bekanntesten und ältesten Unternehmen des Bitcoin-Ökosystems und hat einen nicht zu vernachlässigenden Anteil daran, dass Bitcoin heute so groß ist, wie es ist. Für viele Menschen weltweit war und ist der US-amerikanische Krypto-Handelsplatz die erste Wahl und bequemste Möglichkeit, ein paar Bitcoins oder mittlerweile auch andere Kryptowährungen zu kaufen, zu handeln oder einfach nur zu halten.

Trotzdem schafft es kaum ein anderes Unternehmen in regelmäßigen Abständen die Bitcoin-Community so sehr gegen sich aufzubringen wie Coinbase. Das liegt zum einen an vielen irritierenden Entscheidungen des Unternehmens. Viel mehr aber an einer seit Jahren vollkommen misslungenen Kommunikationsstrategie. Beides zusammen führt aktuell dazu, dass immer mehr Bitcoiner Coinbase den Rücken kehren.

Seit Langem immer wieder Fehltritte

Dabei kriselt es zwischen Coinbase und der Bitcoin-Community
schon seit Jahren. Im sich zuspitzenden Streit um die Skalierung von Bitcoin war Coinbase 2017 lange ein prominenter Verfechter des Segwit2X-Ansatzes. Des von der Community verhassten Kompromisses, der die damals konkurrierenden Forderungen einer Aktivierung von SegWit und der Verdoppelung der Blockgröße auf 2 MB pragmatisch unter einen Hut bringen sollte.

Eine Lösung, die für viele in der Community jedoch den faden Beigeschmack einer von einer sich selbst als Elite sehenden Business- und Miner-Interessengemeinschaft in Hinterzimmern ausgeklüngelten Mauschelei hatte und den offenen Standards und Entscheidungsstrukturen von Bitcoin entgegenstand. Die Community setzte sich schließlich gegen Coinbase & Co durch. Segwit2X wurde nie umgesetzt.

Irritierende Entscheidungen über Kundenassets

Zuvor hatte das Unternehmen aber auch im Zuge der Bitcoin Cash-Fork bereits für großen Unmut gesorgt, als es sich sehr lange bedeckt hielt, ob die Kunden für ihre von Coinbase verwalteten Bitcoins überhaupt Zugriff auf die entsprechend geforkten Bitcoin Cash bekommen würden. Schließlich entschied man sich bei Coinbase zwar dazu, den Zugriff zu ermöglichen, doch setzte man sich selbst dafür eine unverbindliche Frist von fünf(!) Monaten. Eine Zeitspanne, die viele Nutzer als Frechheit empfanden. Kaum ein anderer Anbieter – selbst die mit bedeutend weniger Kapital und Manpower – verwehrte seinen Nutzern so lange grundlos den Zugriff auf die eigenen Bitcoin Cash.

Zum Vergleich: Wer seine Bitcoins damals auf einer Hardware-Wallet wie dem Ledger oder dem Trezor hatte, der konnte seine Bitcoin Cash quasi sofort splitten und verkaufen. Beide Anbieter waren technisch extrem schnell und gut vorbereitet. Warum Coinbase als große, erfahrene und finanzkräftige Bitcoin-Institution dazu damals nicht in der Lage war, bleibt bis heute ein Rätsel.

Nur kurze Momente der Entspannung

Spätestens seitdem war das Verhältnis zwischen Coinbase und der Bitcoin-Community angespannt. Immerhin gab es zwischenzeitlich auch wieder Annäherungen. Zum Beispiel als Coinbase ein unmoralisches Angebot von Ripple ablehnte. Das Unternehmen, dass die Kontrolle und den Großteil aller XRP besitzt, wollte Berichten zufolge mit einem großzügigen „Darlehen“ in dreistelliger Millionenhöhe ihre vermeintlichen „Kryptowährung“ auf die Handelplattform von Coinbase hieven.

Die Bitcoin Community würdigte damals die Ablehnung des Angebots durch Coinbase als integere Haltung und Signal, dass man Geld und schnellen Profit nicht über gemeinschaftliche Grundwerte stelle.

Heute so, morgen so

Umso irritierter war daher nun die Reaktion als Coinbase vor Kurzem bekannt gab, nun doch auch XRP ins Handelsportfolio aufzunehmen. Verbunden mit der berechtigten Frage, woher denn der plötzliche Sinneswandel kommt und warum man diesen zentralisierten Privatfirmen-Coin (der für seine berüchtigte Troll-Army auf Twitter bekannt ist, die ihre Kritiker sogar bedroht) nun kostenlos listet, wenn man vor einiger Zeit noch sehr viel Geld dafür hätte nehmen können?

Womit aber nicht gesagt ist, dass wirklich niemand von der Aufnahme von XRP ins Coinbase-Portfolio profitiert hat. Zumindest einige Händler, die das bemerkenswerte Glück hatten, mit perfektem Timing auf Rippels XRP zu setzen, haben offensichtlich einen ganz ordentlichen Reibach gemacht. Ein Schelm wer „Insiderhandel“ dabei denkt.

https://twitter.com/Crypto_Bitlord/status/1100097740531326982
Vom Ripple-Regen in die Neutrino-Traufe

Doch damit nicht genug der Fettnäpfe. Denn kurze Zeit später kaufte Coinbase eine Firma namens Neutrino und fährt damit den Kommunikationskarren so richtig in den Dreck. Eigentlich und offiziell will Coinbase durch den Zukauf ja nur den internen Bereich Blockchain-Analyse stärken. Das sei notwendig, um den geltenden Anti-Geldwäsche- und Kundenidentifikations-Regelungen gerecht zu werden.

Blöd nur, dass sich aber bald herausstellt, dass einige der Mitarbeiter von Neutrino zuvor Teil von Hacking Team waren, einer italienischen Firma mit mittlerweile komplett ruiniertem Ruf, weil sie Überwachungssoftware u.a. an autoritäre und repressive Regime lieferte, sich dabei aber nicht einmal selbst vor einem umfassenden Hack schützen konnte.

Reumütig gesteht Coinbase zwar mittlerweile ein, dass sie im Vorfeld der Übernahme nur schlampig geprüft hätten, wen sie sich da ins Nest holen und mittlerweile steht fest, dass alle Neutrino-Mitarbeiter mit Hacking Team-Vergangenheit das Unternehmen verlassen müssen, doch ist damit das Kind längst schon in den Brunnen gefallen.

Coinbase-Kundendaten wurden heimlich weiterverkauft

Denn die Coinbase-Verkaufchefin hat in einem Interview ganz nebenbei erklärt, dass Neutrino u.a. deswegen gekauft wurde, weil die bisherigen Blockchain-Analyse-Dienstleister die Coinbase-Kundendaten an Dritte weiterverkauft hätten. Ein Vorgang, über den aber bisher weder die Kunden noch irgendjemand anderes informiert worden zu sein scheint.

Was in der Community natürlich erneut für Wut und Unverständnis sorgt und zwei drängende Fragen aufwirft. Was liegt bei Coinbase eigentlich noch alles im Argen und haben Sie tatsächlich niemanden, der sich in dem Laden um eine anständige Kommunikation kümmern kann?

Selbstdemontage ohne Not

Denn nicht nur eine ganze Reihe zweifelhafter Entscheidungen, sondern vor allem das Fehlen einer echten Kommunikationsstrategie haben in den vergangenen Jahren ordentlich am Ruf von Coinbase gekratzt.

Aktuell demontiert sich das Unternehmen dabei selbst und das eigentlich vollkommen ohne Not.

#DeleteCoinbase

Für viele Bitcoiner sind die Ripple/Neutrino-Ereignisse nun jedenfalls der Tropfen, der das Coinbase-Fass zum Überlaufen bringt. Unter dem Hashtag #DeleteCoinbase koordinieren und befeuern sie den gemeinsamen Exodus von der Plattform.

https://twitter.com/OwenKeys/status/1101510383251132416

Doch scheint nicht einmal das Kündigen des Accounts bei Coinbase derzeit ohne Probleme möglich zu sein. So können Accounts nicht geschlossen werden, die noch über Guthaben verfügen. Liegt dieses Guthaben jedoch unterhalb des Mindestauszahlungsbetrags, kann es faktisch gar nicht mehr abgehoben werden. Eine klassische „Hotel California“-Situation: „You can check out any time you like, but you can never leave.“

https://twitter.com/udiWertheimer/status/1100864154443776000

Doch gelten Bitcoiner ja gemeinhin als erfinderisch und kommunikativ. Mit der #DeleteCoinbaseTrustChain akkumulieren bei Coinbase „gefangene“ Bitcoiner daher nun gemeinsam ihre Rest-Satoshis und löschen dann ihre Accounts.

Doch auch wenn #DeleteCoinbase erst einmal wohl nicht in den Ruin treiben wird – dazu ist es zu groß und für viele Nutzer zu bequem – sollte das Unternehmen die wachsende Kritik ernst nehmen. Ein Unternehmen, dass im Bitcoin-Ökosystem erfolgreich sein will, braucht zwar nicht zwingend auch eine gute Beziehung zur Bitcoin-Community. Ein Unternehmen aber, das wegen schlechter Entscheidungen und schlechter Kommunikation das Vertrauen der Bitcoin-Community verliert, wird es auf lange Sicht sehr schwer haben.

🎈10 Jahre Bitcoin🎈 – Das Jubiläum hat begonnen …

… obwohl sich die Community gar nicht sicher ist, wann bei Bitcoin eigentlich was gefeiert wird.

Wann ging denn das mit Bitcoin eigentlich genau los?

Nicht nur die Entscheidung für das Ereignis sorgte bei einigen für Verwirrung – feiert man bei „10 Jahre Bitcoin“ nun eigentlich den Genesis-Block am 3.1.2019 und damit den „realen“ Start von Bitcoin als digitales Geld oder doch eher die Veröffentlichung des Whitepapers und damit die erste Nennung von Bitcoin samt des Beginns der zugrunde liegenden Idee?

Doch nicht nur das. Auch der zweitgenannte Anlass, die Whitepaper-Veröffentlichung, die sich just dieser Tage jährt, sorgt für einige Verwirrung. So gingen einige Bitcoiner (und auch ich) bis vor Kurzem noch davon aus, dass Bitcoin tatsächlich heute, am 1. November 2018, zehn Jahre alt wird.

https://twitter.com/fulmolightning/status/1056889031164862465

Ein Ereignis, zwei verschiedene Daten

Dementsprechend verwundert war ich, als bereits gestern, am 31.10.2018, das Internet zu feiern begann und nahezu alle meine Bitcoin-Newsletter, die großen Newsseiten und halb Crypto-Twitter das große Bitcoin-Jubiläum zelebrierten.

https://twitter.com/starkness/status/1057734366963523585

Sollte ich mich also tatsächlich seit fünf Jahren in diesem zentralen Termin geirrt und ihn immer auch falsch nach außen kommuniziert haben? Eine Frage, die mich als Journalisten natürlich nicht ruhig schlafen lässt.

Bitcoin – Es kann nur einen (Termin) geben!

Also versuchte ich gestern Abend kurz vor dem Schlafengehen noch schnell herauszufinden, wie ich denn überhaupt mal auf den 1. November als Whitepaper-Jahrestag gekommen sein könnte.

Zuerst schlug ich dafür im 2014 erschienenen The Book of Satoshi. The Collected Writings of Bitcoin Creator Satoshi Nakamoto nach, einem praktischen Buch, das die gesamte Kommunikation Satoshi Nakamotos handlich bündelt. Und siehe da: Die erste E-Mail von Satoshi Nakamoto wird in diesem Druckwerk mit dem 1. November 2008 angegeben.

bitcoin november
Auch laut „The Book of Satoshi“ (2014) wurde Bitcoin am 1. November 2008 zum ersten Mal erwähnt.

Anschließend suchte ich weiter im Netz nach einer möglichen Primärquelle, also idealerweise Zugang zur originalen Mail von vor zehn Jahren und stieß dabei auf dieses Mail-Archiv, das wohl die erste E-Mail von Satoshi Nakamoto gespeichert hat. Auch hier mit dem 1.11. als Datum.

Zum Schluss wollte ich dann noch mal auf der Seite des Satoshi Nakamoto Institute nachschauen, einem sehr umfassenden und gut sortierten Archiv für alles rund um Satoshi Nakamoto. Denn ich war mir zu 100 Prozent sicher, dass ich in den vergangenen Monaten mindestens hier noch einmal nachgeschaut hatte, wann sich Satoshi Nakamoto denn nun zum ersten Mal gemeldet hatte.

Man darf nicht alles glauben, was man im Netz liest

Umso größer also meine Überraschung und Verwunderung, als ich hier den 31. Oktober 2008 als Datumsangabe fand.

nakamoto institute
Das „Satoshi Nakamoto Institute“ datiert die erste Erwähnung von Bitcoin auf den 31. Oktober.

Denn ich war mir eigentlich so sicher gewesen. Daher habe ich mögliche Änderungen der Website noch einmal über den Webcache von Archive.org überprüft und tatsächlich noch ein ältere Version der Website gefunden, in der auch das Satoshi Nakamoto Institute noch vom 1. November als Bitcoin-Geburtstag ausging.  Vor wenigen Wochen, Irgendwann zwischen dem 27. August und dem 16. Oktober, wurde dieser Eintrag dann jedoch auf den 31. Oktober 2008 geändert.

nakamoto institute 2
Noch vor wenigen Wochen zeigte das „Satoshi Nakamoto Institute“ jedoch den 1.11.2008 als Datum.

Ende Oktober oder Anfang November. Was stimmt denn nun?

Tatsächlich neige ich nach meiner Kurzrecherche, in der ich auch sehr viele Hinweise auf den 31. Oktober 2008 als Ursprungsdatum fand, nun ebenfalls dazu, diesen Termin dem 1. November als Bitcoin-Geburtstag vorzuziehen. Es deutet gerade mehr darauf hin. Auch wenn dennoch Restzweifel bleiben und ich dem weiter auf den Grund gehen möchte. Es muss doch zweifelsfrei herauszufinden sein, wann Bitcoin das erste Mal erwähnt wurde!

Wenngleich man aber natürlich auch einwenden kann, dass Bitcoin in Jahren zu rechnen, ohnehin eine sehr unbefriedigende Zeiteinheit ist. Immerhin hat die Blockchain da ja ihre ganz eigene Einheit.

Und weil es gerade zum Thema passt …

… noch ein kleiner Hinweis in eigener Sache. Anlässlich des Bitcoin Jubiläums habe ich die letzten Wochen/Monate für Deutschlandfunk Kultur an einer halbstündigen Sendung über den Status Quo von Bitcoin gearbeitet. Diese Sendung wird am kommenden Donnerstag, den 8.11.2018 analog, digital und im Netz ausgestrahlt. Hier die Sendungsbeschreibung:

19:30 Uhr Zeitfragen. Feature
Ein scheiterndes Experiment? 10 Jahre Bitcoin
Von Friedemann Brenneis

Am 1. November 2008 stellte Satoshi Nakamoto auf einer Kryptographie-Mailingliste Bitcoin vor, das erste rein digitale Geld. Ein Geld, das statt von Banken, von Mathematik und Algorithmen gesteuert und kontrolliert wird und das nicht Staaten gehört, sondern den Menschen, die es nutzen. 
Ein Experiment, bei dem es schwer ist, zu bestimmen, ob es immer noch am Anfang steht oder längst schon an seinem Ende angekommen ist. Auf der einen Seiten 
sind sie: die Freidenker, die Cryptoanarchisten, die Systemkritiker und Visionäre. Für sie ist Bitcoin ein unbedingt notwendiges Mittel zur Durchsetzung individueller Freiheiten in einer zunehmend überwachten Gesellschaft, ein faszinierendes modernes Techphänomen, ein zeitgemäßes Geldmedium oder – für die, die selbst gerade erst mit dem Internet groß werden – auch einfach nur ein ganz normaler Bestandteil ihres Lebens. 
Demgegenüber stehen die Kritiker: Ökonomen, Wirtschaftsnobelpreisträger, (Bundes)-Banker, Fachjournalisten und andere, die einem nicht-staatlichen, nicht bankenbetriebenen Geldsystem keine Zukunft geben oder bemängeln, dass Bitcoin keineswegs so demokratisch sei, wie behauptet. Die technische Komplexität und bereits jetzt extrem ungleiche Verteilung des digitalen Geldes würde letztlich nur die bestehende Finanzelite durch eine technisch versiertere Elite ersetzen. Ansonsten würde sich jedoch nichts ändern. 
Beide Lager, die, die unser Geld von Grund auf verändern wollen, und die, die das zu verhindern versuchen, ringen um die Deutungshoheit über Bitcoin, ein Experiment, das unterm Strich letztlich beides ist: gescheitert und erfolgreich. Denn zwar hat das digitale Geld als globale Weltwährung nicht binnen kürzester Zeit Euro und Dollar abgelöst, wie es die frühen Enthusiasten propagiert haben. Doch zeigt sich auch, dass Bitcoin trotzdem immer noch da ist, dass die Idee und Ideale hinter Bitcoin global immer mehr Anhänger finden und dass sich die Digitalisierung des Geldes nicht aufhalten lässt.

Den entsprechenden Podcast zum Nachhören verlinke ich hier dann aber natürlich auch noch im Blog.

#BTCM – Das Bitcoin- & Krypto-„Klassentreffen“ in Essen

Ich war am Samstag in Essen auf dem (der?) #BTCM2018, einer ganz eigenen Mischung aus Crypto-Konferenz und internationalem Meetup, die es sonst wohl nirgendwo anders gibt.

Denn die bunte und sehr interessante Durchmischung der Teilnehmer und Speaker zusammen mit der unaufgeregten Einfach-Machen– und Get-Lost/Get Found-Atmosphäre der Location, dem Unperfekthaus, sorgen für einen Charme, bei dem man sich ganz schnell wohl fühlt und mit Leuten ins Gespräch kommt, die man wohl nirgendwo anders direkt beieinander treffen würde: Miner, Gründer, Aktivisten, Neulinge, Cypherpunks, Anwälte, Blogger – aus allen Ecken war jemand da und alle haben sich – teils hitzig, aber immer auf Augenhöhe –  miteinander ausgetauscht.

Was die (das?) #BTCM2018 nun schon zum zweiten Mal zu so etwas wie dem inoffiziellen Klassentreffen der lokalen, aebr eben auch internationalen Bitcoin- und Krypto-Szene macht. Neben dem HCPP, den Breaking Bitcoin bzw. Building on Bitcoin-Konferenzen und der Baltic Honeybadger ist die (das?) #BTCM2018 damit wohl eines der nahbarsten und authentischsten Bitcoin-Events.

Wenngleich Bitcoin-Maximalisten im Programm wohl eine etwas zu hohe „Blockchain“ und ICO/Tokensale-Ankündigungs-Quote monieren würden.

Doch ist das Programm, wie so oft, letztlich auch hier nur der offizielle Anlass, sich zu treffen. Das, was am Ende in Erinnerung bleibt, passiert ohnehin abseits der Bühne. Bekannte Gesichter (wieder-)treffen), Raum für ungezwungene Off-Topic-Diskussionen, ein Gefühl für Stimmungen, Tendenzen und Meinungen kriegen und sich selbst für neue Projekte, Artikel und Formate inspirieren lassen.

Mir bleibt jedenfalls, auch wenn ich leider nur kurz da sein konnte, vieles in sehr guter Erinnerung.  Und sollte die (das?) #BTCM auch 2019 noch einmal stattfinden, komme ich gerne wieder.

Dann aber definitiv ohne die „Unterstützung“ der Deutschen Bahn.

UNICEF lässt Gamer Spenden für notleidende Kinder minen

Dass sich UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, schon seit Jahren umtriebig mit den neuen Möglichkeiten beschäftigt, die sich aus Kryptowährungen und dem Einsatz einer Blockchain ergeben, ist bekannt. Der UNICEF Innovation Fund hat schließlich selbst schon  knapp 100.000 US-Dollar in das südafrikanisches Blockchain-Projekt Trustlab/9Needs investiert.

Game Chaingers – Rechenleistung für syrische Kinder spenden

Nun läuft mit Game Chaingers gerade ein anderes Experiment, dessen Herangehensweise unkonventionell, pragmatisch und daher geradezu vorbildlich ist. Gamer mit einer leistungsstarken Grafikkarte werden dazu aufgefordert, deren Leistung zu spenden, um damit Kryptogeld zu minen, das wiederum syrischen Kindern zu Gute kommen soll. Eine smarte und zeitgemäße Idee mit dem Ziel, neue Fundraising-Quellen zu erschließen.

Mining für die gute Sache

Das Prinzip ist dabei simpel und ist bereits von anderer Seite bekannt, wenn die Browser von tausenden Internetnutzern gekapert werden, um heinlich Monero zu minen.

In diesem Fall passiert das aber freiwillig und anstelle von Monero fließt die Rechenleistung in das Ethereum-Netzwerk. Über 500 Gamer bzw. Grafikkartenbesitzer haben bereits mitgemacht, aktuell vereint der Pool gut 2 GH/s und hat etwas mehr als 1600 Euro erwirtschaftet. Für ein so ungewöhnliches und progressives Experiment gar nicht schlecht.

Strom als neues Werttransfermedium

Interessant ist in diesem Fall zudem, wie „Geld“ als Medium in dem Spendenprozess letztlich überflüssig gemacht wird. Mit Hilfe der Blockchain und dem Proof-of-Work werden vielmehr Strom und Hardware-Leistung zu dem, was wertvoll ist und UNICEF bekommen und verwerten möchte.

Das klassische Mittelsmann-Finanzsystem und alle, die als solche auch von Spenden-Transaktionen profitieren, gucken hierbei in die Röhre. Geld bleibt zwar noch die „Recheneinheit“, aber mit dessen Transfer lässt sich in diesem Fall kein Geld mehr verdienen. Und gegen den guten Zweck, mit Mining Spenden für syrische Kinder zu sammeln, lässt sich zudem auch noch ganz schlecht Lobby machen.

Ich mag den mutigen UNICEF-Ansatz, immer neue Blockchain-basierte Experimente einfach mal direkt ins Leben zu rufen, daher sehr. Der Zweck ist das (überschaubare) Risiko mehr als wert.

Das Game Chainger-Experiment läuft noch 50 Tage

Wer nun selber zum Game Chainger werden will: Die Aktion läuft noch gut 50 Tage und wer wie ich keine leistungsstarke Grafikkarte hat, kann das Experiment aber natürlich auch mit altmodischen Zahlungsarten unterstützen.

Noch mehr Hintergrundinfos zu dem Projekt gibt es beim Guardian: „Unicef recruits gamers to mine Ethereum in aid of Syrian children“

Bitcoin im Mainstream (Japan Edition) und was das bedeutet

Gestern ging es hier noch um das Beispiel Hip Hop und Rap, an dem sich erkennen lässt, wie Bitcoin in Deutschland (und den USA) über die künstlerische Auseinandersetzung damit immer mehr in den Alltag und die Wahrnehmung der Gesellschaft getragen wird.

Verschiedene Kulturkreise nehmen Bitcoin unterschiedlich an

In Japan passiert das genauso. Nur zeigt sich das gleiche Phänomen dort eben in einem anderen Erscheinungsbild – orientiert an den dortigen kulturellen Gewohnheiten. Da rappen dann eben nicht Sido, Savas und Co. von Kryptowährungen, sondern es singen und tanzen die Virtual Currency Girls. (Wobei der Unterschied in dem Fall vielleicht doch nicht ganz so groß ist, Sido trug ja mal eine ähnliche Maske.)

Interessant an dieser Gegenüberstellung ist nun aber nicht allein die Beobachtung, wie verschiedene Kulturkreise unterschiedlich mit Bitcoin umgehen, sondern dass sie es können und auch machen. Denn es verdeutlicht zwei charakteristische Eigenschaften des Phänomens Bitcoin: die Unverbindlichkeit und die Interpretationsfreiheit.

Mit Unverbindlichkeit meine ich, dass keine Gesellschaft gezwungen wird, sich mit Bitcoin zu beschäftigen. Es gibt keine Institution, die den Umgang damit kollektiv verbindlich vorschreibt und definiert. Vielmehr steht es jeder Gesellschaft frei bzw. deren Individuen und Institutionen, selbst auszutesten, inwieweit Bitcoin Teil ihrer Kultur werden kann und soll.

Das bedeutet im Umkehrschluss aber natürlich auch, dass es die Möglichkeit gibt, Bitcoin abzulehnen, falls es sich als nutz- und funktionslos erweist bzw. sich kein gesellschaftliches Bedürfnis besser dadurch befriedigen lässt, als durch alle bislang verfügbaren Optionen. Jeder kann Bitcoin nutzen, niemand muss es.

Bitcoin ist Auslegungssache

Die Interpretationsfreiheit wiederum bedeutet, dass Bitcoin nicht ausdefiniert ist, sondern von jeder Gesellschaft in die eigenen Lebenswirklichkeit integriert und auf die individuellen Bedürfnisse angepasst werden kann. Bitcoin (als konkretes Projekt) befindet sich schließlich in einer beständigen Weiterentwicklung, einer Art institutionalisierten Evolution. Trotzdem kann jeder es jederzeit nehmen und schauen, ob und welche individuellen Ziele oder Probleme sich damit erreichen oder lösen lassen.

Während ein nicht-zensierbares, staatenunabhängiges Geld derzeit bspw. in Venezuela das Überleben sichern kann, bedeutet es für deutsche Rapper hingegen, dass sie sich „Malle kaufen können“. In Argentinien wiederum sind Kryptowährungen der einfachste Weg, am internationalen Geldhandel teilzunehmen und in China ist Glücksspiel viel mehr Bestandteil der kulturellen Identität als bei uns. Dass dort daher auch gerne mit technisch möglicherweise vollkommen sinn- und nutzlosen Altcoins oder ICO-Token spekuliert wird, überrascht daher nicht.

Letztlich hat das Wort Bitcoin daher in jedem Land oder jedem Kulturkreis eine leicht andere Bedeutung mit unterschiedliche Konnotationen, die durch die gesellschaftliche Auseinandersetzung damit immer wieder neu bestimmt und bewertet werden müssen.

Bitcoin ist nur schwer zu fassen

Das wiederum macht es aber im Übrigen auch schwer, bis nahezu unmöglich, Bitcoin auf globaler Ebene zu regulieren, wie es bspw. Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Wuermeling gerade gefordert hat.

Zum einen, weil es bislang weder eine verbindliche Definition gibt, was Bitcoin eigentlich ist (Geld? Technologie? Chance? Bedrohung?), noch welche Probleme durch eine Regulierung möglicherweise gelöst und welche Chancen damit gleichzeitig verbaut würden. Ganz davon abgesehen, dass sich Bitcoin in der Realität bedeutend schneller weiterentwickelt als staatliche (vor allem demokratische) Institutionen politische Entscheidungen produzieren können.

Insbesondere, wenn der Wunsch am Phänomen Bitcoin teilzuhaben, aus welchen konkreten Gründen auch immer, aus der Gesellschaft heraus wächst und sich dort zunehmend verankert. In Südkorea haben jedenfalls schon knapp 220.000 Menschen die Petition gegen angedeutete, aber als „ungerechtfertigt“ empfundene Regulierungen vom Staat unterzeichnet.

Privatsphäre durch Bitcoin-Gewinne stärken

Privatsphäre ist eines der Hauptziele, aus denen heraus Bitcoin überhaupt erst ins Leben gerufen wurde. Doch ist das Thema größer als dass Bitcoin allein das Werkzeug sein könnte, um die Integrität unser aller Privatsphäre zu sichern und wieder herzustellen. Denn es geht dabei ja nicht nur um den Schutz sensibler und persönlicher Transaktions- und Finanzdaten, sondern um ein Grundrecht.

Es lohnt sich für Privatsphäre zu kämpfen!

Eindrucksvoll gezeigt und durchgesetzt hat das vor einigen Jahren Max Schrems, der als Student begann, sich mit dem datenhungrigen Goliath Facebook auseinanderzusetzen, auf sein Recht klagte und damit u.a. das Safe-Harbor-Abkommen zum Datenaustausch zwischen der EU und den USA kippte. Durch sein beharrliches Engagement hat er uns allen damit einen großen Dienst erwiesen, ohne dass wir selbst etwas dafür tun mussten.

Nun gibt es jedoch die Möglichkeit, Max Schrems nicht nur zu danken, sondern ihn konkret dabei zu unterstützen, sich noch viel mehr für die Privatsphäre und den Schutz der Daten von jedem einzelnen von uns einzusetzen. Dieser Tage läuft nämlich das Crowdfunding für den Start der von ihm mitinitiierten NGO noyb (steht für „none of your business“).

Datenschutz gemeinsam durchsetzen

Ziel ist es, eine tatkräftige Institution aufzubauen, die die Datenschutzrechte von uns allen verteidigt und gegen Verstöße (insbesondere von Unternehmen) vorgeht. Systematisch und notfalls eben auch gerichtlich. Um diese Aufgabe wahrzunehmen werden zum Start nun 250.000 Euro gebraucht, von denen aktuell bereits 176.000 Euro zusammen gekommen sind.

Das wiederum zeigt, wie wichtig und bedeutend das Thema Datenschutz für die Menschen ist und auch, dass die Chancen gut stehen, in den verbleibenden gut zwei Wochen das gesetzte Funding-Ziel zu erreichen.

Bitcoin nutzen, bedeutet Verantwortung zu übernehmen

Wer Kryptowährungen daher nicht nur als Möglichkeit sieht, schnell reich zu werden, sondern sich (auch) den Idealen von Bitcoin verbunden fühlt, sollte überlegen, zumindest einen kleinen Teil der Gewinne der letzten Monate sinnvoll zu investieren. Die Datenschutz- und Priatsphäre-NGO noyb läge dabei jedenfalls genau auf einer Linie mit den Werten, für die auch Bitcoin und einige andere Kryptowährungen stehen.

Denn der Staat kann zwar den rechtlichen Rahmen für Datenschutz und Privatsphäre definieren, doch sind wir selber in der Verantwortung diesen aktiv mitzugestalten und unsere Rechte schlussendlich auch durchzusetzen. Die Finanzierung einer entsprechenden Organisation ist dabei ein einfacher und effektiver erster Schritt. Zumal noyb neben der Mitgliedschaft auch Spenden nicht nur per „Good Old Bank Account“ (sic!), sondern auch in Bitcoin, Ether und Litecoin akzeptiert, die ggf. sogar steuerlich anerkannt werden.

PS: Vielleicht kann ja auch jemand der Organisation dabei helfen, eine zeitgemäße und sichere Kryptowährungs-Umgebung inkl. Multisig-/SegWit-/HD-Adressen und Co aufzubauen. Sie sind für jede Hilfe dankbar.

Welt ohne Banken? – Sehr gute 3sat-Bitcoin-Doku

Vergangenen Freitag lief auf 3sat die halbstündige Bitcoin-Dokumentation Welt ohne Banken? Die Blockchain-Revolution.

Ich habe sie mir gerade angeschaut und war unterm Strich sehr angetan. Denn durch die umfassende Recherche und den guten roten Faden, habe ich die Sendung nicht nur gespannt verfolgt, sondern durch die vielen Handlungsorte und interessanten Akteure, die wiederum mit teils überraschend ehrlichen Statements zu Wort kommen (u. a. der Vertreter der Bundesbank, Jochen Metzger), auch Einiges erfahren, das ich vorher noch nicht wusste.

Erklärt Bitcoin sehr gut und zeigt die Wucht des Wandels

Ich glaube, für Zuschauer, die vorher noch gar nichts oder nicht so viel von Bitcoin oder der Blockchain gehört haben, ist das ein hervorragender Film, um zu verstehen, wie groß und wuchtig der Wandel ist, der durch beides eingeleitet wurde. Und dass dieser Wandel eben nicht erst noch kommt, sondern bereits in vollem Gange ist. Großes Lob daher an die Autoren.

Dennoch kleine inhaltliche Schwächen

Bei genauem Hinsehen fallen jedoch auch hier ein paar Schwächen auf, weil der Film an wichtigen und widersprüchlichen Stellen nicht die richtigen Fragen stellt. Zum Beispiel fasst der Sprecher zusammen, nachdem die Blockchain vorher bereits als System ohne Intermediäre erklärt wurde:

„Das Potential der Blockchain in der Bankenwelt ist riesig. Teure zentrale Instanzen im Geldverkehr wären überflüssig. Schalten die Banken ihre Mittelsmänner aus, lassen sich Milliarden einsparen.“

Das ist ein offensichtlicher Widerspruch, da erstens Banken zuvor als genau diese Intermediäre identifiziert wurden und zweitens nicht hinterfragt wird, ob eine Banken-interne Blockchain überhaupt Sinn ergibt. Ergibt sie nämlich nicht. Oder es ist eben gar keine Blockchain.

Auch bei anderen Beispielen wäre die Frage sinnvoll gewesen, ob die Blockchain für das aufgezeigte Problem tatsächlich die beste aller Lösungen ist. Gerade wenn es um den Nachweis der Herkunft von Lebensmitteln geht, habe ich nämlich große Zweifel, dass eine dezentral organisierte Datenbank das Problem löst, dass verunreinigte oder vergammelte Lebensmittel auf den Markt kommen. Ist die technische Infrastruktur hier wirklich das größte Problem?

Etwas kritischere Nachfragen wären gut gewesen

Zumal auch das Kapazitätsproblem der Blockchain nicht hinreichend eingeordnet wird. Man zeige mir bitte die Blockchain, die die biometrischen Daten aller identitätslosen Menschen auf dieser Welt zu fassen vermag. Möglicherweise gibt es da erste Prototypen, aber auch hier bleibt dann die Frage, ist das noch ein Prototyp oder wirklich schon eine Blockchain?

Insgesamt hätte der Dokumentation noch eine Prise mehr kritische Distanz in der Hinsicht gut getan, was aktuell der tatsächliche Stand von „Blockchain“ ist und was bislang Ideen sind, was man damit irgendwann einmal machen könnte. Aber das alles ist Jammern auf hohem Niveau. Ich kann diese Doku daher dennoch sehr empfehlen.