Archiv der Kategorie: Menschen & Gesellschaft

Welt ohne Banken? – Sehr gute 3sat-Bitcoin-Doku

Vergangenen Freitag lief auf 3sat die halbstündige Bitcoin-Dokumentation Welt ohne Banken? Die Blockchain-Revolution.

Ich habe sie mir gerade angeschaut und war unterm Strich sehr angetan. Denn durch die umfassende Recherche und den guten roten Faden, habe ich die Sendung nicht nur gespannt verfolgt, sondern durch die vielen Handlungsorte und interessanten Akteure, die wiederum mit teils überraschend ehrlichen Statements zu Wort kommen (u. a. der Vertreter der Bundesbank, Jochen Metzger), auch Einiges erfahren, das ich vorher noch nicht wusste.

Erklärt Bitcoin sehr gut und zeigt die Wucht des Wandels

Ich glaube, für Zuschauer, die vorher noch gar nichts oder nicht so viel von Bitcoin oder der Blockchain gehört haben, ist das ein hervorragender Film, um zu verstehen, wie groß und wuchtig der Wandel ist, der durch beides eingeleitet wurde. Und dass dieser Wandel eben nicht erst noch kommt, sondern bereits in vollem Gange ist. Großes Lob daher an die Autoren.

Dennoch kleine inhaltliche Schwächen

Bei genauem Hinsehen fallen jedoch auch hier ein paar Schwächen auf, weil der Film an wichtigen und widersprüchlichen Stellen nicht die richtigen Fragen stellt. Zum Beispiel fasst der Sprecher zusammen, nachdem die Blockchain vorher bereits als System ohne Intermediäre erklärt wurde:

„Das Potential der Blockchain in der Bankenwelt ist riesig. Teure zentrale Instanzen im Geldverkehr wären überflüssig. Schalten die Banken ihre Mittelsmänner aus, lassen sich Milliarden einsparen.“

Das ist ein offensichtlicher Widerspruch, da erstens Banken zuvor als genau diese Intermediäre identifiziert wurden und zweitens nicht hinterfragt wird, ob eine Banken-interne Blockchain überhaupt Sinn ergibt. Ergibt sie nämlich nicht. Oder es ist eben gar keine Blockchain.

Auch bei anderen Beispielen wäre die Frage sinnvoll gewesen, ob die Blockchain für das aufgezeigte Problem tatsächlich die beste aller Lösungen ist. Gerade wenn es um den Nachweis der Herkunft von Lebensmitteln geht, habe ich nämlich große Zweifel, dass eine dezentral organisierte Datenbank das Problem löst, dass verunreinigte oder vergammelte Lebensmittel auf den Markt kommen. Ist die technische Infrastruktur hier wirklich das größte Problem?

Etwas kritischere Nachfragen wären gut gewesen

Zumal auch das Kapazitätsproblem der Blockchain nicht hinreichend eingeordnet wird. Man zeige mir bitte die Blockchain, die die biometrischen Daten aller identitätslosen Menschen auf dieser Welt zu fassen vermag. Möglicherweise gibt es da erste Prototypen, aber auch hier bleibt dann die Frage, ist das noch ein Prototyp oder wirklich schon eine Blockchain?

Insgesamt hätte der Dokumentation noch eine Prise mehr kritische Distanz in der Hinsicht gut getan, was aktuell der tatsächliche Stand von „Blockchain“ ist und was bislang Ideen sind, was man damit irgendwann einmal machen könnte. Aber das alles ist Jammern auf hohem Niveau. Ich kann diese Doku daher dennoch sehr empfehlen.

Bitcoin, Blockchain und die Bundestagswahl

Die Bundestagswahl steht ja nun bald vor der Tür und da drängt sich aus Sicht dieses Blogs doch unweigerlich die Frage auf, wen man eigentlich wählen sollte, wenn einem das Thema Bitcoin/Blockchain besonders am Herzen liegt?

Bitcoin und Blockchain kein Thema in den Wahlprogrammen

Keine leichte Frage. In keinem der Wahlprogramme von CDU, CSU, SPD, Grüne, Linke, FDP oder AfD tauchen die Worte „Bitcoin“, „Blockchain“ oder irgendwas mit „Krypto…“ auch nur auf.

Aber auch das sollte kein Problem sein. Denn vor gut zwei Monaten hat sich ja mit einigem Tamtam der Bundesverband Blockchain gegründet mit dem Ziel, Blockchain zum Gegenstand der nächsten Koalitionsverhandlungen zu machen. Dafür, so die Ankündigung, sollte eigentlich der intensive Austausch mit den Digitalexperten aller aktuell und künftig im Parlament vertretenen politischen Parteien gesucht werden.

Auch der Bundesverband Blockchain hat keine Antwort

Doch ob und inwieweit da schon etwas passiert ist, bleibt leider unbekannt. Auf meine Mail-Anfrage von vor einer Woche gab es nicht einmal eine Reaktion. Schade. Pressekonferenzen zu geben und Arbeitsgruppen zu bilden ist das Eine. Als Ansprechpartner da zu sein, wenn man tatsächlich gebraucht wird, etwas anderes.

Entscheidungshilfen für Netzaffine

Bleibt also nur der indirekte Weg, zu schauen, welche Parteien im Bereich Digitales welche Positionen vertreten. Für wen Netzthemen bei der Wahl also wirklich das Zünglein an der Waage sein könnten, der sollte sich mal mit dem Digital-Thesen-Check von D64 auseinandersetzen und auch die Fragen der Koalition Freies Wissen sind durchaus aufschlussreich. Dass es zudem bei netzpolitik.org aktuell jede Menge Beiträge zum Thema geht, muss ich nicht extra erwähnen.

Bild: Michael Fielitz (CC BY-SA 2.0)

Bitcoin feiert die SegWit-Party

In dieser Nacht bzw. am frühen Morgen ist es aller Voraussicht nach soweit: SegWit wird aktiviert und damit nach langem, zähem und intensivem Ringen einer der wichtigsten technischen Meilenstein der Bitcoin-Geschichte erreicht.

Party like there’s no covert ASICboost

Wie bei anderen „Großereignissen“ auch trifft sich daher die Bitcoin-Community online und offline, um unter dem Schlagwort #SegWitParty das Ereignis angemessen zu befeiern.

In Berlin wird die SegWit-Aktivierung zum Beispiel ab heute Abend standesgemäß im Room 77 begossen (alle anderen Parties hier und hier). Wer dabei sein will, sollte sich jedoch überlegen, morgen früh besser keine Termine wahrzunehmen. Die tatsächliche Aktivierung wird nämlich voraussichtlich erst um fünf Uhr morgens stattfinden.

Wer sich davon aber nicht abschrecken lässt und schon mal in Stimmung kommen will. Jemand hat das beste Meme aller Zeiten™ genutzt, um für ein bisschen Orientierung im derzeitigen Fork-hier, Fork-da-Chaos zu sorgen. Oder einfach nur für gute Laune.

Seanaps – Blockchain-basiertes Festival in Leipzig

Vom 8. bis 10. September findet hier in Leipzig das erste SeaNaps statt, ein Festival, das nicht nur Kunst, Musik und Ideen zusammenbringen will, sondern dabei auch die bislang vor allem theoretisch diskutierten Möglichkeiten der Blockchain einem Praxistest unterziehen will. Ziel ist es, die mit Hilfe der Technik Transparenz in die Blackbox „Kulturfinanzierung“ zu bringen und auf die Verbindung von lokaler Ökonomie und kulturellen Veranstaltungen aufmerksam zu machen.

Das klingt zunächst etwas sperrig, ist aber im Grunde ganz einfach. Für das Festival wird ein eigener digitaler Krypto-Token kreiert, der „Lip“, mit dem man sich zum Beispiel Getränke während eines Konzerts kaufen kann. Per Smart Contract wird das digitalisierte Geld dann beim Bezahlvorgang direkt und fair zwischen all denen aufgeteilt, deren Arbeit nötig war, um das Konzert auf die Beine zu stellen: Musiker, Technik, Veranstalter, Sicherheit, Gastro etc.

Ein dringend nötiges Blockchain-Experiment

Das alles ist natürlich ein großes Experiment und als die Pläne vor einigen Monaten beim hiesigen Bitcoin-Stammtisch vorgestellt wurden, gab es durchaus Skepsis, ob das funktionieren kann.

Aber natürlich gab es auch Begeisterung, denn SeaNaps ist eines der dringend nötigen Real-Life-Experimente, die notwendig sind, um das Potential des Phänomen Blockchain realistisch einzuschätzen. Denn es ist zwar schön, dass Entwickler, Unternehmen und Investoren sich auf gigantischen Konferenzen treffen um über „Blockchain“ zu reden, konsequenter und mutiger ist es jedoch, ein Konzept wie das von SeaNaps auch wirklich in die Tat umzusetzen und ohne den im Krypto-Ökosystem weit verbreiteten Profit-Gedanken im Hinterkopf einfach mal zu machen.

SeaNaps wird kein Kleinstadtfestival

Um das zu ermöglichen haben die Veranstalter bereits namhafte Partner gewonnen. Zum einen das hiesige Grassimuseum, eine der bekanntesten Kulturinstitutionen Leipzigs und zum anderen das französische Festival Les Siestes Electroniquesdessen Konzept gleichzeitig als Vorbild gilt und dessen Ableger von Toulouse aus mittlerweile auf der ganzen Welt ausgründen. Wobei der technisch-konzeptionelle Ansatz der Blockchain bislang nur in Leipzig eine Rolle spielen wird.

Trotzdem werden noch weitere Unterstützer für SeaNaps gesucht. Insbesondere für den Blockchain-Part. Denn da der Eintritt zum Festival frei sein wird, muss ein Weg gefunden werden, die für die Blockchain-basierte Bezahlung notwendige Infrastruktur aufzubauen. Dafür sind u. a. Armbänder nötig, um auch Nicht-Nerds den einfachen Umgang mit der hauseigenen Krypto-Schattenwährung zu ermöglichen. Seit gestern läuft daher ein Crowdfunding, das binnen eines Monats 5600 Euro einbringen soll.

Let’s crowdfund this Blockchain-Festival!

Auch das ist ein ambitioniertes Ziel, aber ich kann mir vorstellen, dass die Veranstalter angesichts dessen, was sie in den letzten Monaten schon alles geschafft haben, auch dieses Ziel erreichen. Ich habe mir jedenfalls schon eine Vinylplatte gesichert und würde mich nicht nur persönlich freuen, wenn das SeaNaps-Festival seine Blockchain-Idee wie geplant umsetzen kann, sondern halte das auch inhaltlich für eine wirklich gute Gelegenheit eines der vielen theoretischen Blockchain-Versprechen einfach mal in der Praxis zu erproben und zu schauen, was passiert.

Consensus 2017 – ein ausreichender Rückblick

Mit Bitcoin- und Blockchain-Konferenzen ist das so eine Sache. Erst gab es wenige. Dann schossen Sie wie Pilze aus dem Boden. Zwischenzeitlich gab es verteilt über die ganze Welt so viele, dass die Inhalte komplett austauschbar wurden und nun sehen wir seit einiger Zeit einen Konsolidierungsprozess.

Consensus – Eine Konferenz sie alle zu binden?

Großer Gewinner desselben ist ohne Frage die Consensus-Konferenz, die vor Kurzem nun bereits zum zweiten Mal in New York stattfand und sich immer mehr als zentrales Krypto-Branchen-Event etabliert. Zumindest ist die Nachfrage trotz stattlicher Ticketpreise so groß, dass kommendes Jahr wohl die Teilnehmerzahl auf 5000 verdoppelt werden soll.

Wobei das jedoch wenig überrascht, angesichts der Tatsache, dass die Marktkapitalisierung aller Krypto-Projekte zusammen gerade die 100 Milliarden US-Dollar-Marke geknackt hat.

In jedem Fall aber habe selbst ich kurz überlegt, ob ich im kommenden Jahr zur Consensus 2018 nach New York reisen sollte. Und das, obwohl ich den Newsletter des Consensus-Hausmediums Coindesk ob dessen unglaublich anstrengend-penetrantem Konferenz-Marketing gekündigt habe.

Alles, was man zu Consensus 2017 gelesen haben muss

Dann aber habe ich mit großer Freude den Consensus 2017 Recap von WhalePanda gelesen und dachte mir: So lange jemand anderes solch lesenswerte Zusammenfassungen schreibt, kann ich mir die Reise vorerst doch noch sparen.  Zitat:

„The opening show was cringeworthy. In case you missed it you can still watch it here from my live stream (bad quality). I was sitting in the back together with Fran and Tuur and we all had the feeling it was the start of a Onecoin conference.“

Wer dagegen lieber die offizielle Berichterstattung lesen möchte: Coindesk hat den Rest der Haus-Konferenz selbstverständlich hinreichend abgedeckt.

Podcast-Tipp: Über Makrelen & Knast-Bitcoins

Auf die Podcast-Serie Planet Money mit ihren kurzweiligen Geschichten aus der Schnittmenge Geld und Gesellschaft habe ich an anderer Stelle bereits hingewiesen. Mit Episode 753: Blockchain Gang ist dort nun aber wieder ein explizites Bitcoin/Blockchain-Thema aufgegriffen worden. Das Bemerkenswerte daran: mit einem smarten inhaltlichen Dreh wird die komplexe Materie nicht nur auf ein verständliches Niveau herunter gebrochen, sondern auch noch wunderbar unterhaltsam erzählt.

Makrelen, Bitcoins und die Mikroökonomie des Gefängisses

Ich ziehe jedenfalls meinen Hut vor der thematischen Verbindung von Makrelen als Gefängnis-immanenter Ersatzwährung und Bitcoin. Andererseits passt das eben auch, wenn man die Geschichte von Charlie Shrem erzählt. Snippet:

Charlie Shrem had a prison epiphany. Instead of using packets of mackerel to buy and sell things, inmates should use something more like the digital currency Bitcoin. He even came up with a way it could work in prison, never mind that it was Bitcoin that got him arrested in the first place.“

Fazit: Sehr hörenswerte 22 Minuten.

Bitcoin-Center „House of Nakamoto“ in Wien eröffnet

Ich hatte vor einiger Zeit schon auf das House of Nakamoto in Wien hingewiesen. Nun ist der „Bitcoin-Shop“, wie ihn der ORF in seinem zeitlich nur begrenzt online verfügbaren Fernseh-Beitrag nennt, eröffnet und ich bin gespannt, wie der prominent im Herzen Wiens platzierte Anlaufpunkt für Bitcoin-Interessierte angenommen wird.

Das nächste Bitcoin-Austria-Meetup findet jedenfalls schon dort statt und neben obigen ORF-Beitrag hab ich für einen weiteren Eindruck dieses Youtube-Video gefunden, das mehr ins Innere geht, allerdings mit anstrengend lauter Fahrstuhl-Musik hinterlegt wurde. Aber für einen ersten Eindruck reicht es.

Was ich mich nun nur noch frage, ist, warum es zwar einen @HouseOfNakamotoTwitter-Account gibt, aber houseofnakamoto.at, houseofnakamoto.com und houseofnakamoto.de komplett ins Leere führen?

Österreich, das Bitcoin-Land

Ich habe schon einige Male darauf hingewiesen, wie viel dynamischer die Österreicher mit dem Thema Bitcoin (und Blockchain) umgehen als wir. Neben Bitcoin-Automaten können Bitcoins dort nämlich auch schon lange flächendeckend in mehr als 600 Trafiken gekauft werden.

Nun zeigen zwei weitere Ereignisse, dass sich Österreich seinen festen Platz auf der Bitcoin-Karte zu Recht verdient hat.

Bitcoin und Blockchain Teil der österreichischen Digitalstrategie

Erstens wird Bitcoin in der (wirklich toll aufbereiteten) digitalen Strategie der Österreichischen Bundesregierung ganz offen als einer der „Meilensteine der Digitalisierung“ aufgelistet.

bitcoin österreich
Der wichtigste digitale Meilenstein im Jahr 2008: Bitcoin wird beschrieben

Darüber hinaus wird auch die Blockchain als möglicher Zukunftstrend explizit beschrieben:

„Eine Blockchain ist ein dezentrales Protokoll, das dauerhaft und unveränderbar definierte Transaktionen zwischen zwei Parteien innerhalb eines Netzwerks erfasst. Dabei gibt es keinen Mittelsmann mehr, weil eine Blockchain öffentlich und weltweit für alle zugänglich ist. Sie gehört niemandem und ist durch diese Transparenz nahezu unmanipulierbar. Diese Technologie kann die Art und Wiese, wie wir Verträge abschließen, an Börsen handeln oder Bankgeschäfte erledigen, grundlegend verändern. Zum Beispiel könnten in Zukunft digitale Verträge mittels Blockchain-Technologie fälschungssicher gemacht werden.“

House of Nakamoto eröffnet in Wien

Aber nicht nur die Bundesregierung treibt das Thema voran. In Wien entsteht mit dem House of Nakamoto gerade ein öffentlicher Bitcoin-Hub auf einer der Hauptshoppingstraßen, der – so hört man es zwitschern – wohl so etwas wie ein zentraler Anlaufpunkt für Bitcoin-Neugierige und -Interessierte werden soll.

Es ist wohl schon offen, sodass man vorbeischauen und sich Bitcoins am lokalen Geldautomaten kaufen kann. Die Adresse ist:

Mariahilferstraße 49, 1060 Wien

house of nakamoto google maps

Sobald ich mehr über das House of Nakamoto in Erfahrung gebracht habe, gibt es hier ein Update. Vielleicht schaffe ich es ja auch mal selbst wieder nach Wien.

Die Bedeutung von Bitcoin-Musik & -Kultur

Ich bin beim Stöbern im Netz mittlerweile wieder auf eine ganze Reihe neuer Musik mit Bezug zu Bitcoin gestoßen. Dass es immer wieder Menschen gibt, die ihr kreatives Talent nutzen, um das Thema Bitcoin zu bearbeiten, sollte man dabei nicht als reine Spielerei abtun. Vielmehr ist es ein bedeutsames Indiz, das Bitcoin mehr ist als „nur“ Geld.

Ich kenne zumindest niemanden, der von sich aus Lieder über Paypal, Apple Pay, die Deutsche Bank und Co. schreiben würde. Dabei wusste doch Johann Gottfried Seume schon: „Wo man singt, da lass‘ dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder.“

In diesem Sinne hier ein paar frische Bitcoin-Beats, um die ich, soweit möglich, meine Cryptomusic-Playlist auf Youtube auch schon ergänzt habe.

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