Archiv der Kategorie: Menschen & Gesellschaft

Podcast-Tipp: Über Makrelen & Knast-Bitcoins

Auf die Podcast-Serie Planet Money mit ihren kurzweiligen Geschichten aus der Schnittmenge Geld und Gesellschaft habe ich an anderer Stelle bereits hingewiesen. Mit Episode 753: Blockchain Gang ist dort nun aber wieder ein explizites Bitcoin/Blockchain-Thema aufgegriffen worden. Das Bemerkenswerte daran: mit einem smarten inhaltlichen Dreh wird die komplexe Materie nicht nur auf ein verständliches Niveau herunter gebrochen, sondern auch noch wunderbar unterhaltsam erzählt.

Makrelen, Bitcoins und die Mikroökonomie des Gefängisses

Ich ziehe jedenfalls meinen Hut vor der thematischen Verbindung von Makrelen als Gefängnis-immanenter Ersatzwährung und Bitcoin. Andererseits passt das eben auch, wenn man die Geschichte von Charlie Shrem erzählt. Snippet:

Charlie Shrem had a prison epiphany. Instead of using packets of mackerel to buy and sell things, inmates should use something more like the digital currency Bitcoin. He even came up with a way it could work in prison, never mind that it was Bitcoin that got him arrested in the first place.“

Fazit: Sehr hörenswerte 22 Minuten.

Bitcoin-Center „House of Nakamoto“ in Wien eröffnet

Ich hatte vor einiger Zeit schon auf das House of Nakamoto in Wien hingewiesen. Nun ist der „Bitcoin-Shop“, wie ihn der ORF in seinem zeitlich nur begrenzt online verfügbaren Fernseh-Beitrag nennt, eröffnet und ich bin gespannt, wie der prominent im Herzen Wiens platzierte Anlaufpunkt für Bitcoin-Interessierte angenommen wird.

Das nächste Bitcoin-Austria-Meetup findet jedenfalls schon dort statt und neben obigen ORF-Beitrag hab ich für einen weiteren Eindruck dieses Youtube-Video gefunden, das mehr ins Innere geht, allerdings mit anstrengend lauter Fahrstuhl-Musik hinterlegt wurde. Aber für einen ersten Eindruck reicht es.

Was ich mich nun nur noch frage, ist, warum es zwar einen @HouseOfNakamotoTwitter-Account gibt, aber houseofnakamoto.at, houseofnakamoto.com und houseofnakamoto.de komplett ins Leere führen?

Österreich, das Bitcoin-Land

Ich habe schon einige Male darauf hingewiesen, wie viel dynamischer die Österreicher mit dem Thema Bitcoin (und Blockchain) umgehen als wir. Neben Bitcoin-Automaten können Bitcoins dort nämlich auch schon lange flächendeckend in mehr als 600 Trafiken gekauft werden.

Nun zeigen zwei weitere Ereignisse, dass sich Österreich seinen festen Platz auf der Bitcoin-Karte zu Recht verdient hat.

Bitcoin und Blockchain Teil der österreichischen Digitalstrategie

Erstens wird Bitcoin in der (wirklich toll aufbereiteten) digitalen Strategie der Österreichischen Bundesregierung ganz offen als einer der „Meilensteine der Digitalisierung“ aufgelistet.

bitcoin österreich
Der wichtigste digitale Meilenstein im Jahr 2008: Bitcoin wird beschrieben

Darüber hinaus wird auch die Blockchain als möglicher Zukunftstrend explizit beschrieben:

„Eine Blockchain ist ein dezentrales Protokoll, das dauerhaft und unveränderbar definierte Transaktionen zwischen zwei Parteien innerhalb eines Netzwerks erfasst. Dabei gibt es keinen Mittelsmann mehr, weil eine Blockchain öffentlich und weltweit für alle zugänglich ist. Sie gehört niemandem und ist durch diese Transparenz nahezu unmanipulierbar. Diese Technologie kann die Art und Wiese, wie wir Verträge abschließen, an Börsen handeln oder Bankgeschäfte erledigen, grundlegend verändern. Zum Beispiel könnten in Zukunft digitale Verträge mittels Blockchain-Technologie fälschungssicher gemacht werden.“

House of Nakamoto eröffnet in Wien

Aber nicht nur die Bundesregierung treibt das Thema voran. In Wien entsteht mit dem House of Nakamoto gerade ein öffentlicher Bitcoin-Hub auf einer der Hauptshoppingstraßen, der – so hört man es zwitschern – wohl so etwas wie ein zentraler Anlaufpunkt für Bitcoin-Neugierige und -Interessierte werden soll.

Es ist wohl schon offen, sodass man vorbeischauen und sich Bitcoins am lokalen Geldautomaten kaufen kann. Die Adresse ist:

Mariahilferstraße 49, 1060 Wien

house of nakamoto google maps

Sobald ich mehr über das House of Nakamoto in Erfahrung gebracht habe, gibt es hier ein Update. Vielleicht schaffe ich es ja auch mal selbst wieder nach Wien.

Die Bedeutung von Bitcoin-Musik & -Kultur

Ich bin beim Stöbern im Netz mittlerweile wieder auf eine ganze Reihe neuer Musik mit Bezug zu Bitcoin gestoßen. Dass es immer wieder Menschen gibt, die ihr kreatives Talent nutzen, um das Thema Bitcoin zu bearbeiten, sollte man dabei nicht als reine Spielerei abtun. Vielmehr ist es ein bedeutsames Indiz, das Bitcoin mehr ist als „nur“ Geld.

Ich kenne zumindest niemanden, der von sich aus Lieder über Paypal, Apple Pay, die Deutsche Bank und Co. schreiben würde. Dabei wusste doch Johann Gottfried Seume schon: „Wo man singt, da lass‘ dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder.“

In diesem Sinne hier ein paar frische Bitcoin-Beats, um die ich, soweit möglich, meine Cryptomusic-Playlist auf Youtube auch schon ergänzt habe.

Die Bedeutung von Bitcoin-Musik & -Kultur weiterlesen

B1TC01N, 4,1% – Das Bitcoin-Bier

Ich überlege die ganze Zeit, welcher gute Slogan zu diesem Bitcoin-Bier passen würde. Vielleicht so etwas wie „4,1 Prozent sind keine Volatilität“„Frei von staatlichen Zusätzen“ oder „Gemined nach dem deutschen Reinheitsgebot“.

Weitere Vorschläge gerne in die Kommentare. Ansonsten: Prost!

Bit Coin – The beer 

Man ist nie zu alt, um Bitcoins zu minen

Statistiken behaupten, dass die, die sich mit Bitcoin beschäftigen, meist zwischen 20 und 35 Jahre alt sind. Das mag schon stimmen, aber dieser sympathische ältere Herr ist dann die passende Ausnahme. Immerhin bastelt er mit stolzen 75 Jahren gemeinsam mit dem Sohnemann an seiner Kryptowährungs-Mine. Die scheint angesichts des Lärms nicht gerade klein, immerhin minen sie neben Bitcoin auch Ethereum, Monero und Dash.  Und um die generationenübergreifende Krypto-Begeisterung komplett zu machen: Auf BItcoin und Co. hat ihn sein Enkel gebracht. Smarte Familie.

Beide, Vater und Sohn, sind übrigens Elektriker, wobei der Senior ganz nebenbei auch einen passablen Bauchredner mimt, so wenig wie er beim Sprechen die Lippen bewegt. Wahrlich beeindruckend dieser Mann.

Trump gewinnt – Die Bitcoin-Welt reagiert

Ich bin heute morgen aufgewacht und habe aus Gewohnheit zunächst einen Blick auf den Bitcoin-Kurs geworfen. Oha, dachte ich, schon wieder über 730 US-Dollar (Tendenz steigend).

Erst danach habe ich meine Nachrichten-Apps aufgemacht und es lief mir kalt den Rücken runter: Trump wird Präsident und mir fehlen die Worte.

Deswegen habe ich mich auf die Suche nach ersten Stimmen und Berichten gemacht, die Bitcoin und dieses fürchterliche Ereignis in Zusammenhang bringen und werde das im Laufe des Tages noch aktualisieren und ergänzen.

Aber eines ist schon jetzt klar. Der Bitcoin-Kurs steigt nicht, weil die Wahl von Donald Trump eine gute ist. Es geht vielmehr um die Trennung von Geld und Staat. Einem Staat, der bald von Donald Trump geführt wird.

In den Medien

+ Techcrunch: How bitcoin protects against geopolitical risk

Bei Reddit

if Trump wins … I’m moving all my money to bitcoin! Black swam event, brexit 2.0 !

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Auf Twitter

Wenn es doch nur so einfach wäre …

Kein Altcoin-Name trump genug …

https://twitter.com/ChrisDunnTV/status/796239780417634304

Wenigstens der Humor bleibt …

… wird fortgesetzt.

Blockchain in der Verwaltung. Ein Beispiel

Vor einiger Zeit war ich als Gast bei der Aufzeichnung einer Talkshow zur Zukunft der Banken. Beim Tresen-Networking Im Anschluss fragte mich jemand, welche Beispiele ich für den Einsatz der Blockchain-Technologie in der Verwaltung kenne und wo ich Potential sähe. Damals fielen mir spontan nur die altbekannten Beispiele ein: Bitnation, das mit Estland im Rahmen der dortigen E-Residency kooperiert (von denen es aber sonst lange nichts Neues gab) und diverse Ankündigungen von Projekt X bald in Land Y die Grundbucheinträge über die Blockchain verwalten zu wollen. Stichwort Korruptionsbekämpfung und so.

Blockchain und die Verwaltung. Nicht sexy, aber spannend

Diese Beispiele reichten für eine nette Unterhaltung, aber damals nahm ich mir vor, mal ein bisschen die Augen und Ohren offen zu halten. Blockchain und Verwaltung – das ist nun mal keines der Themen mit denen man mal eben ein sexy Startup gründen und schnell ein paar pralle Finanzierungsrunden abschließen kann. Im Gegenteil – Budgets der öffentlichen Verwaltung sind in der Regel knapp, unflexibel und oftmals schon sehr, sehr lange im Voraus verplant.

Nichtsdestotrotz ist das Anwendungsgebiet spannend. Denn auch wenn man etwas suchen muss, die Realität bietet durchaus interessante Anknüpfungspunkte für Gedankenexperimente. Zum Beispiel in Brandenburg.

Das Dilemma der Kreisgebietsreform

Neulich saß ich also beim Frühstück und hörte im Radio ein Interview mit dem brandenburgischen Innenminister Karl-Heinz Schröter. Darin verteidigt er die Pläne die öffentliche Verwaltung in Brandenburg neu zu organisieren. Denn das Land hat ein großes Problem: nachhaltigen Bevölkerungsschwund. Und dieser Rückgang macht die lokale Verwaltung langfristig teuer und ineffizient.

Denn genau wie bei Banken, deren Filialen sich vor allem in ländlichen Gebieten immer weniger rentieren, ist es auch für die öffentliche Verwaltung schwierig, in jeder noch so kleinen Gemeinde die gleichen Strukturen aufrecht zu erhalten, ohne sich Verschwendung öffentlicher Gelder vorwerfen lassen zu müssen. Auch ein Bürgerbüro muss schließlich ausgelastet sein.

Der Plan ist also, die Strukturen der Verwaltung der realen Bevölkerungsentwicklung anzupassen, d. h., wo möglich, zusammenzulegen.

Weniger Anlaufstellen bedeuten längere Wege

Das wiederum stößt auf begründete Kritik. Man befürchtet, dass man künftig in Brandenburg selbst für banale behördliche Angelegenheiten jedes Mal gleich in eine andere Stadt fahren muss. Bei einer Verkehrsinfrastruktur, in der der Fahrplan der Busse oftmals nicht in Minuten, sondern in Stunden getaktet ist, ginge da für einen Reisepass, die Elterngeldberatung oder den neuen Führerschein schnell mal ein halber oder ganzer Urlaubstag drauf.

Dieses Problem, flächendeckende effiziente Strukturen auch in teils extrem dünn besiedelten Gebieten aufzubauen, ist ein Dilemma und unter den jetzigen Bedingungen letztlich kaum zu lösen. Denn die bürgerrelevanten Verwaltungsstrukturen basieren bislang nun einmal vor allem darauf, dass persönliche Anwesenheit oft Pflicht ist, wenn es mit amtlich rechten Dingen vor sich gehen soll.

Wenn Technologie persönliche Anwesenheit ersetzt

Genau das ist der Punkt, an dem Bitcoin, die Blockchain bzw. eine künftig darauf aufbauenden Technologie ins Spiel kommt. Nämlich wenn man die Idee von einer großen unabhängigen Datenbank im Netz konsequent weiterdenkt. Eine Datenbank, der man vertrauen kann, weil niemand sie manipulieren oder zensieren kann. Eine Datenbank, über die öffentliche Daten frei zugänglich sind, private Daten aber sicher und geschützt und dennoch leicht ausgetauscht werden können.

Solch eine Datenbank könnte dann auch das fehlende Puzzlestück im brandenburgischen Kreisgebietsreform-Dilemma sein. Eine Datenbank, die Amt und Bürger gemeinsam pflegen und deren Integrität beide Parteien vertrauen können, auch wenn sie sich nicht zur selben Zeit im selben Raum befinden. Denn wenn ich meine behördlichen Angelegenheiten nicht zwingend in persona, sondern genauso gut übers Netz erledigen kann, ist es letztlich auch egal, wo das Bürgeramt ist.

Noch ist die Blockchain nicht soweit

Dass es irgendwann so kommen wird, dass wir all unsere Amtsangelegenheiten mit wenigen Klicks übers Netz erledigen, steht außer Frage. Der Elektronische Personalausweis – wenn auch ein Rohrkrepierer – war ja immerhin auch ein Schritt in diese Richtung.

Dennoch steckt in diesem Gedankenexperiment noch viel Zukunftsmusik. Die Blockchain kann die Verwaltung aus vielen Gründen noch nicht „ersetzen“. Die Technologie hat noch nicht das dafür nötige technische Reifestadium, die Mühlen der Verwaltung mahlen langsam und innovative Experimente werden lieber anderen überlassen, die Gewöhnung und das Vertrauen der Menschen in die Blockchain-Technologie ist noch nicht genügend vorhanden und letztlich müsste dafür auch ländliche Regionen in Deutschland endlich mit Breitband versorgt werden. (Und solange die CSU für Letzteres die Verantwortung trägt, wird das wohl noch lange ein bremsender Faktor bleiben.)

Nichtsdestotrotz bleibt das Thema „Blockchain und Verwaltung“ eines, das man im Hinterkopf behalten sollte. Denn letztlich betrifft das Thema Kreisgebietsreform auch andere Bundesländer und viele weitere Beispiele werden sichtbar, wenn man einmal die Augen offen hält. Zudem gibt es auch eine ganze Reihe anderer Länder, die bereits mit der Blockchain experimentieren. Und nicht zuletzt zieht auch Bitcoin selbst das Thema weiter voran. Je mehr sich Bitcoin und die Blockchain etablieren, desto wahrscheinlicher wird es, dass nach der Wirtschaft auch die Verwaltung das Thema bald ernsthaft angeht.

Bild: Abrissblock/Block to be demolished (CC BY-SA 2.0)

Über das Phänomen Bitcoin und warum es so relevant ist

Eine meiner Alltagsbeobachtungen aus drei Jahren Bitcoin-Recherche ist: Besonders oft führt die Tatsache zu Missverständnissen, dass der Begriff „Bitcoin“ nicht nur eine oder zwei Bedeutungen hat, sondern drei.

Die drei Bedeutungen von „Bitcoin“
  • Bitcoin als Geldeinheit („Kann ich mit Bitcoins bezahlen?“)
  • Bitcoins als Bezeichnung für eine Technologie (Bitcoin. A Peer-to-Peer-Electronic Cash System – hier spielt auch die Blockchain eine Rolle) und
  • Bitcoin als Phänomen

Letztere ist die Bedeutung, die oftmals eher unbewusst verwendet wird, eigentlich aber die größte Relevanz hat. Denn das Phänomen Bitcoin beinhaltet letztlich alles, was bislang aus der Idee Bitcoin entstanden ist und noch daraus entstehen wird: Bitcoin selbst (als Geldeinheit und Technologie), alle Blockchain-, Blockchain 2.0- und Blockchain 3.0-Projekte, sämtliche Altcoins, jedes Unternehmen im Krypto-Ökosystem, jede App, jedes Kunstprojekt, das Bitcoin bzw. die Blockchain nutzt, jedes Lied, das darüber gedichtet wird, jede Kulturtechnik, die wir im Umgang mit digitalem Geld entwickeln usw. usf. Kurzum: alles.

Wie das Phänomen Bitcoin die Welt verändern wird

Oder um es anders zu sagen: Bitcoin als Phänomen zu betrachten, bedeutet sich damit auseinanderzusetzen, wie die Erfindung von Bitcoin unsere Gesellschaft grundlegend beeinflusst und nachhaltig transformiert. Klingt vielleicht abstrakt und schwer verständlich, ist es aber gar nicht, wenn man sich

a) erst einmal auf den Gedanken eingelassen hat, dass Bitcoin eben nicht nur dieses ominöse Drogengeld aus dem Internet™ ist, sondern von seiner Bedeutung her in einer Liga spielt mit Begriffen wie „Internet“ und „Social Media“. Und

b) solche TED-Vorträge sehen kann, wie „The future of money“ von Neha Narula, ihres Zeichen Director of Research der Digital Currency Initiative am MIT Media Lab. Darin veranschaulicht sie nämlich sehr prägnant, dass die Erfindung von Bitcoin letztlich unausweichlich war (und vom Prinzip her gar nicht so kompliziert ist) und wie es uns helfen wird, unnötig bremsende Barrieren in der Entwicklung der Gesellschaft zu überkommen.

Wer Bitcoin verstehen will, sollte diesen TED-Talk schauen

Keine leichte Aufgabe und umso größer ist mein Respekt, wie gut sie das macht. Wer das Potential und die Vision verstehen will, die das Phänomen Bitcoin beinhaltet, sollte sich diese 16 Minuten unbedingt anschauen.

… und ich hab nun einen Ohrwurm.