Archiv der Kategorie: Menschen & Gesellschaft

UNICEF lässt Gamer Spenden für notleidende Kinder minen

Dass sich UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, schon seit Jahren umtriebig mit den neuen Möglichkeiten beschäftigt, die sich aus Kryptowährungen und dem Einsatz einer Blockchain ergeben, ist bekannt. Der UNICEF Innovation Fund hat schließlich selbst schon  knapp 100.000 US-Dollar in das südafrikanisches Blockchain-Projekt Trustlab/9Needs investiert.

Game Chaingers – Rechenleistung für syrische Kinder spenden

Nun läuft mit Game Chaingers gerade ein anderes Experiment, dessen Herangehensweise unkonventionell, pragmatisch und daher geradezu vorbildlich ist. Gamer mit einer leistungsstarken Grafikkarte werden dazu aufgefordert, deren Leistung zu spenden, um damit Kryptogeld zu minen, das wiederum syrischen Kindern zu Gute kommen soll. Eine smarte und zeitgemäße Idee mit dem Ziel, neue Fundraising-Quellen zu erschließen.

Mining für die gute Sache

Das Prinzip ist dabei simpel und ist bereits von anderer Seite bekannt, wenn die Browser von tausenden Internetnutzern gekapert werden, um heinlich Monero zu minen.

In diesem Fall passiert das aber freiwillig und anstelle von Monero fließt die Rechenleistung in das Ethereum-Netzwerk. Über 500 Gamer bzw. Grafikkartenbesitzer haben bereits mitgemacht, aktuell vereint der Pool gut 2 GH/s und hat etwas mehr als 1600 Euro erwirtschaftet. Für ein so ungewöhnliches und progressives Experiment gar nicht schlecht.

Strom als neues Werttransfermedium

Interessant ist in diesem Fall zudem, wie „Geld“ als Medium in dem Spendenprozess letztlich überflüssig gemacht wird. Mit Hilfe der Blockchain und dem Proof-of-Work werden vielmehr Strom und Hardware-Leistung zu dem, was wertvoll ist und UNICEF bekommen und verwerten möchte.

Das klassische Mittelsmann-Finanzsystem und alle, die als solche auch von Spenden-Transaktionen profitieren, gucken hierbei in die Röhre. Geld bleibt zwar noch die „Recheneinheit“, aber mit dessen Transfer lässt sich in diesem Fall kein Geld mehr verdienen. Und gegen den guten Zweck, mit Mining Spenden für syrische Kinder zu sammeln, lässt sich zudem auch noch ganz schlecht Lobby machen.

Ich mag den mutigen UNICEF-Ansatz, immer neue Blockchain-basierte Experimente einfach mal direkt ins Leben zu rufen, daher sehr. Der Zweck ist das (überschaubare) Risiko mehr als wert.

Das Game Chainger-Experiment läuft noch 50 Tage

Wer nun selber zum Game Chainger werden will: Die Aktion läuft noch gut 50 Tage und wer wie ich keine leistungsstarke Grafikkarte hat, kann das Experiment aber natürlich auch mit altmodischen Zahlungsarten unterstützen.

Noch mehr Hintergrundinfos zu dem Projekt gibt es beim Guardian: „Unicef recruits gamers to mine Ethereum in aid of Syrian children“

Bitcoin im Mainstream (Japan Edition) und was das bedeutet

Gestern ging es hier noch um das Beispiel Hip Hop und Rap, an dem sich erkennen lässt, wie Bitcoin in Deutschland (und den USA) über die künstlerische Auseinandersetzung damit immer mehr in den Alltag und die Wahrnehmung der Gesellschaft getragen wird.

Verschiedene Kulturkreise nehmen Bitcoin unterschiedlich an

In Japan passiert das genauso. Nur zeigt sich das gleiche Phänomen dort eben in einem anderen Erscheinungsbild – orientiert an den dortigen kulturellen Gewohnheiten. Da rappen dann eben nicht Sido, Savas und Co. von Kryptowährungen, sondern es singen und tanzen die Virtual Currency Girls. (Wobei der Unterschied in dem Fall vielleicht doch nicht ganz so groß ist, Sido trug ja mal eine ähnliche Maske.)

Interessant an dieser Gegenüberstellung ist nun aber nicht allein die Beobachtung, wie verschiedene Kulturkreise unterschiedlich mit Bitcoin umgehen, sondern dass sie es können und auch machen. Denn es verdeutlicht zwei charakteristische Eigenschaften des Phänomens Bitcoin: die Unverbindlichkeit und die Interpretationsfreiheit.

Mit Unverbindlichkeit meine ich, dass keine Gesellschaft gezwungen wird, sich mit Bitcoin zu beschäftigen. Es gibt keine Institution, die den Umgang damit kollektiv verbindlich vorschreibt und definiert. Vielmehr steht es jeder Gesellschaft frei bzw. deren Individuen und Institutionen, selbst auszutesten, inwieweit Bitcoin Teil ihrer Kultur werden kann und soll.

Das bedeutet im Umkehrschluss aber natürlich auch, dass es die Möglichkeit gibt, Bitcoin abzulehnen, falls es sich als nutz- und funktionslos erweist bzw. sich kein gesellschaftliches Bedürfnis besser dadurch befriedigen lässt, als durch alle bislang verfügbaren Optionen. Jeder kann Bitcoin nutzen, niemand muss es.

Bitcoin ist Auslegungssache

Die Interpretationsfreiheit wiederum bedeutet, dass Bitcoin nicht ausdefiniert ist, sondern von jeder Gesellschaft in die eigenen Lebenswirklichkeit integriert und auf die individuellen Bedürfnisse angepasst werden kann. Bitcoin (als konkretes Projekt) befindet sich schließlich in einer beständigen Weiterentwicklung, einer Art institutionalisierten Evolution. Trotzdem kann jeder es jederzeit nehmen und schauen, ob und welche individuellen Ziele oder Probleme sich damit erreichen oder lösen lassen.

Während ein nicht-zensierbares, staatenunabhängiges Geld derzeit bspw. in Venezuela das Überleben sichern kann, bedeutet es für deutsche Rapper hingegen, dass sie sich „Malle kaufen können“. In Argentinien wiederum sind Kryptowährungen der einfachste Weg, am internationalen Geldhandel teilzunehmen und in China ist Glücksspiel viel mehr Bestandteil der kulturellen Identität als bei uns. Dass dort daher auch gerne mit technisch möglicherweise vollkommen sinn- und nutzlosen Altcoins oder ICO-Token spekuliert wird, überrascht daher nicht.

Letztlich hat das Wort Bitcoin daher in jedem Land oder jedem Kulturkreis eine leicht andere Bedeutung mit unterschiedliche Konnotationen, die durch die gesellschaftliche Auseinandersetzung damit immer wieder neu bestimmt und bewertet werden müssen.

Bitcoin ist nur schwer zu fassen

Das wiederum macht es aber im Übrigen auch schwer, bis nahezu unmöglich, Bitcoin auf globaler Ebene zu regulieren, wie es bspw. Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Wuermeling gerade gefordert hat.

Zum einen, weil es bislang weder eine verbindliche Definition gibt, was Bitcoin eigentlich ist (Geld? Technologie? Chance? Bedrohung?), noch welche Probleme durch eine Regulierung möglicherweise gelöst und welche Chancen damit gleichzeitig verbaut würden. Ganz davon abgesehen, dass sich Bitcoin in der Realität bedeutend schneller weiterentwickelt als staatliche (vor allem demokratische) Institutionen politische Entscheidungen produzieren können.

Insbesondere, wenn der Wunsch am Phänomen Bitcoin teilzuhaben, aus welchen konkreten Gründen auch immer, aus der Gesellschaft heraus wächst und sich dort zunehmend verankert. In Südkorea haben jedenfalls schon knapp 220.000 Menschen die Petition gegen angedeutete, aber als „ungerechtfertigt“ empfundene Regulierungen vom Staat unterzeichnet.

Privatsphäre durch Bitcoin-Gewinne stärken

Privatsphäre ist eines der Hauptziele, aus denen heraus Bitcoin überhaupt erst ins Leben gerufen wurde. Doch ist das Thema größer als dass Bitcoin allein das Werkzeug sein könnte, um die Integrität unser aller Privatsphäre zu sichern und wieder herzustellen. Denn es geht dabei ja nicht nur um den Schutz sensibler und persönlicher Transaktions- und Finanzdaten, sondern um ein Grundrecht.

Es lohnt sich für Privatsphäre zu kämpfen!

Eindrucksvoll gezeigt und durchgesetzt hat das vor einigen Jahren Max Schrems, der als Student begann, sich mit dem datenhungrigen Goliath Facebook auseinanderzusetzen, auf sein Recht klagte und damit u.a. das Safe-Harbor-Abkommen zum Datenaustausch zwischen der EU und den USA kippte. Durch sein beharrliches Engagement hat er uns allen damit einen großen Dienst erwiesen, ohne dass wir selbst etwas dafür tun mussten.

Nun gibt es jedoch die Möglichkeit, Max Schrems nicht nur zu danken, sondern ihn konkret dabei zu unterstützen, sich noch viel mehr für die Privatsphäre und den Schutz der Daten von jedem einzelnen von uns einzusetzen. Dieser Tage läuft nämlich das Crowdfunding für den Start der von ihm mitinitiierten NGO noyb (steht für „none of your business“).

Datenschutz gemeinsam durchsetzen

Ziel ist es, eine tatkräftige Institution aufzubauen, die die Datenschutzrechte von uns allen verteidigt und gegen Verstöße (insbesondere von Unternehmen) vorgeht. Systematisch und notfalls eben auch gerichtlich. Um diese Aufgabe wahrzunehmen werden zum Start nun 250.000 Euro gebraucht, von denen aktuell bereits 176.000 Euro zusammen gekommen sind.

Das wiederum zeigt, wie wichtig und bedeutend das Thema Datenschutz für die Menschen ist und auch, dass die Chancen gut stehen, in den verbleibenden gut zwei Wochen das gesetzte Funding-Ziel zu erreichen.

Bitcoin nutzen, bedeutet Verantwortung zu übernehmen

Wer Kryptowährungen daher nicht nur als Möglichkeit sieht, schnell reich zu werden, sondern sich (auch) den Idealen von Bitcoin verbunden fühlt, sollte überlegen, zumindest einen kleinen Teil der Gewinne der letzten Monate sinnvoll zu investieren. Die Datenschutz- und Priatsphäre-NGO noyb läge dabei jedenfalls genau auf einer Linie mit den Werten, für die auch Bitcoin und einige andere Kryptowährungen stehen.

Denn der Staat kann zwar den rechtlichen Rahmen für Datenschutz und Privatsphäre definieren, doch sind wir selber in der Verantwortung diesen aktiv mitzugestalten und unsere Rechte schlussendlich auch durchzusetzen. Die Finanzierung einer entsprechenden Organisation ist dabei ein einfacher und effektiver erster Schritt. Zumal noyb neben der Mitgliedschaft auch Spenden nicht nur per „Good Old Bank Account“ (sic!), sondern auch in Bitcoin, Ether und Litecoin akzeptiert, die ggf. sogar steuerlich anerkannt werden.

PS: Vielleicht kann ja auch jemand der Organisation dabei helfen, eine zeitgemäße und sichere Kryptowährungs-Umgebung inkl. Multisig-/SegWit-/HD-Adressen und Co aufzubauen. Sie sind für jede Hilfe dankbar.

Welt ohne Banken? – Sehr gute 3sat-Bitcoin-Doku

Vergangenen Freitag lief auf 3sat die halbstündige Bitcoin-Dokumentation Welt ohne Banken? Die Blockchain-Revolution.

Ich habe sie mir gerade angeschaut und war unterm Strich sehr angetan. Denn durch die umfassende Recherche und den guten roten Faden, habe ich die Sendung nicht nur gespannt verfolgt, sondern durch die vielen Handlungsorte und interessanten Akteure, die wiederum mit teils überraschend ehrlichen Statements zu Wort kommen (u. a. der Vertreter der Bundesbank, Jochen Metzger), auch Einiges erfahren, das ich vorher noch nicht wusste.

Erklärt Bitcoin sehr gut und zeigt die Wucht des Wandels

Ich glaube, für Zuschauer, die vorher noch gar nichts oder nicht so viel von Bitcoin oder der Blockchain gehört haben, ist das ein hervorragender Film, um zu verstehen, wie groß und wuchtig der Wandel ist, der durch beides eingeleitet wurde. Und dass dieser Wandel eben nicht erst noch kommt, sondern bereits in vollem Gange ist. Großes Lob daher an die Autoren.

Dennoch kleine inhaltliche Schwächen

Bei genauem Hinsehen fallen jedoch auch hier ein paar Schwächen auf, weil der Film an wichtigen und widersprüchlichen Stellen nicht die richtigen Fragen stellt. Zum Beispiel fasst der Sprecher zusammen, nachdem die Blockchain vorher bereits als System ohne Intermediäre erklärt wurde:

„Das Potential der Blockchain in der Bankenwelt ist riesig. Teure zentrale Instanzen im Geldverkehr wären überflüssig. Schalten die Banken ihre Mittelsmänner aus, lassen sich Milliarden einsparen.“

Das ist ein offensichtlicher Widerspruch, da erstens Banken zuvor als genau diese Intermediäre identifiziert wurden und zweitens nicht hinterfragt wird, ob eine Banken-interne Blockchain überhaupt Sinn ergibt. Ergibt sie nämlich nicht. Oder es ist eben gar keine Blockchain.

Auch bei anderen Beispielen wäre die Frage sinnvoll gewesen, ob die Blockchain für das aufgezeigte Problem tatsächlich die beste aller Lösungen ist. Gerade wenn es um den Nachweis der Herkunft von Lebensmitteln geht, habe ich nämlich große Zweifel, dass eine dezentral organisierte Datenbank das Problem löst, dass verunreinigte oder vergammelte Lebensmittel auf den Markt kommen. Ist die technische Infrastruktur hier wirklich das größte Problem?

Etwas kritischere Nachfragen wären gut gewesen

Zumal auch das Kapazitätsproblem der Blockchain nicht hinreichend eingeordnet wird. Man zeige mir bitte die Blockchain, die die biometrischen Daten aller identitätslosen Menschen auf dieser Welt zu fassen vermag. Möglicherweise gibt es da erste Prototypen, aber auch hier bleibt dann die Frage, ist das noch ein Prototyp oder wirklich schon eine Blockchain?

Insgesamt hätte der Dokumentation noch eine Prise mehr kritische Distanz in der Hinsicht gut getan, was aktuell der tatsächliche Stand von „Blockchain“ ist und was bislang Ideen sind, was man damit irgendwann einmal machen könnte. Aber das alles ist Jammern auf hohem Niveau. Ich kann diese Doku daher dennoch sehr empfehlen.

Bitcoin, Blockchain und die Bundestagswahl

Die Bundestagswahl steht ja nun bald vor der Tür und da drängt sich aus Sicht dieses Blogs doch unweigerlich die Frage auf, wen man eigentlich wählen sollte, wenn einem das Thema Bitcoin/Blockchain besonders am Herzen liegt?

Bitcoin und Blockchain kein Thema in den Wahlprogrammen

Keine leichte Frage. In keinem der Wahlprogramme von CDU, CSU, SPD, Grüne, Linke, FDP oder AfD tauchen die Worte „Bitcoin“, „Blockchain“ oder irgendwas mit „Krypto…“ auch nur auf.

Aber auch das sollte kein Problem sein. Denn vor gut zwei Monaten hat sich ja mit einigem Tamtam der Bundesverband Blockchain gegründet mit dem Ziel, Blockchain zum Gegenstand der nächsten Koalitionsverhandlungen zu machen. Dafür, so die Ankündigung, sollte eigentlich der intensive Austausch mit den Digitalexperten aller aktuell und künftig im Parlament vertretenen politischen Parteien gesucht werden.

Auch der Bundesverband Blockchain hat keine Antwort

Doch ob und inwieweit da schon etwas passiert ist, bleibt leider unbekannt. Auf meine Mail-Anfrage von vor einer Woche gab es nicht einmal eine Reaktion. Schade. Pressekonferenzen zu geben und Arbeitsgruppen zu bilden ist das Eine. Als Ansprechpartner da zu sein, wenn man tatsächlich gebraucht wird, etwas anderes.

Entscheidungshilfen für Netzaffine

Bleibt also nur der indirekte Weg, zu schauen, welche Parteien im Bereich Digitales welche Positionen vertreten. Für wen Netzthemen bei der Wahl also wirklich das Zünglein an der Waage sein könnten, der sollte sich mal mit dem Digital-Thesen-Check von D64 auseinandersetzen und auch die Fragen der Koalition Freies Wissen sind durchaus aufschlussreich. Dass es zudem bei netzpolitik.org aktuell jede Menge Beiträge zum Thema geht, muss ich nicht extra erwähnen.

Bild: Michael Fielitz (CC BY-SA 2.0)

Bitcoin feiert die SegWit-Party

In dieser Nacht bzw. am frühen Morgen ist es aller Voraussicht nach soweit: SegWit wird aktiviert und damit nach langem, zähem und intensivem Ringen einer der wichtigsten technischen Meilenstein der Bitcoin-Geschichte erreicht.

Party like there’s no covert ASICboost

Wie bei anderen „Großereignissen“ auch trifft sich daher die Bitcoin-Community online und offline, um unter dem Schlagwort #SegWitParty das Ereignis angemessen zu befeiern.

In Berlin wird die SegWit-Aktivierung zum Beispiel ab heute Abend standesgemäß im Room 77 begossen (alle anderen Parties hier und hier). Wer dabei sein will, sollte sich jedoch überlegen, morgen früh besser keine Termine wahrzunehmen. Die tatsächliche Aktivierung wird nämlich voraussichtlich erst um fünf Uhr morgens stattfinden.

Wer sich davon aber nicht abschrecken lässt und schon mal in Stimmung kommen will. Jemand hat das beste Meme aller Zeiten™ genutzt, um für ein bisschen Orientierung im derzeitigen Fork-hier, Fork-da-Chaos zu sorgen. Oder einfach nur für gute Laune.

Seanaps – Blockchain-basiertes Festival in Leipzig

Vom 8. bis 10. September findet hier in Leipzig das erste SeaNaps statt, ein Festival, das nicht nur Kunst, Musik und Ideen zusammenbringen will, sondern dabei auch die bislang vor allem theoretisch diskutierten Möglichkeiten der Blockchain einem Praxistest unterziehen will. Ziel ist es, die mit Hilfe der Technik Transparenz in die Blackbox „Kulturfinanzierung“ zu bringen und auf die Verbindung von lokaler Ökonomie und kulturellen Veranstaltungen aufmerksam zu machen.

Das klingt zunächst etwas sperrig, ist aber im Grunde ganz einfach. Für das Festival wird ein eigener digitaler Krypto-Token kreiert, der „Lip“, mit dem man sich zum Beispiel Getränke während eines Konzerts kaufen kann. Per Smart Contract wird das digitalisierte Geld dann beim Bezahlvorgang direkt und fair zwischen all denen aufgeteilt, deren Arbeit nötig war, um das Konzert auf die Beine zu stellen: Musiker, Technik, Veranstalter, Sicherheit, Gastro etc.

Ein dringend nötiges Blockchain-Experiment

Das alles ist natürlich ein großes Experiment und als die Pläne vor einigen Monaten beim hiesigen Bitcoin-Stammtisch vorgestellt wurden, gab es durchaus Skepsis, ob das funktionieren kann.

Aber natürlich gab es auch Begeisterung, denn SeaNaps ist eines der dringend nötigen Real-Life-Experimente, die notwendig sind, um das Potential des Phänomen Blockchain realistisch einzuschätzen. Denn es ist zwar schön, dass Entwickler, Unternehmen und Investoren sich auf gigantischen Konferenzen treffen um über „Blockchain“ zu reden, konsequenter und mutiger ist es jedoch, ein Konzept wie das von SeaNaps auch wirklich in die Tat umzusetzen und ohne den im Krypto-Ökosystem weit verbreiteten Profit-Gedanken im Hinterkopf einfach mal zu machen.

SeaNaps wird kein Kleinstadtfestival

Um das zu ermöglichen haben die Veranstalter bereits namhafte Partner gewonnen. Zum einen das hiesige Grassimuseum, eine der bekanntesten Kulturinstitutionen Leipzigs und zum anderen das französische Festival Les Siestes Electroniquesdessen Konzept gleichzeitig als Vorbild gilt und dessen Ableger von Toulouse aus mittlerweile auf der ganzen Welt ausgründen. Wobei der technisch-konzeptionelle Ansatz der Blockchain bislang nur in Leipzig eine Rolle spielen wird.

Trotzdem werden noch weitere Unterstützer für SeaNaps gesucht. Insbesondere für den Blockchain-Part. Denn da der Eintritt zum Festival frei sein wird, muss ein Weg gefunden werden, die für die Blockchain-basierte Bezahlung notwendige Infrastruktur aufzubauen. Dafür sind u. a. Armbänder nötig, um auch Nicht-Nerds den einfachen Umgang mit der hauseigenen Krypto-Schattenwährung zu ermöglichen. Seit gestern läuft daher ein Crowdfunding, das binnen eines Monats 5600 Euro einbringen soll.

Let’s crowdfund this Blockchain-Festival!

Auch das ist ein ambitioniertes Ziel, aber ich kann mir vorstellen, dass die Veranstalter angesichts dessen, was sie in den letzten Monaten schon alles geschafft haben, auch dieses Ziel erreichen. Ich habe mir jedenfalls schon eine Vinylplatte gesichert und würde mich nicht nur persönlich freuen, wenn das SeaNaps-Festival seine Blockchain-Idee wie geplant umsetzen kann, sondern halte das auch inhaltlich für eine wirklich gute Gelegenheit eines der vielen theoretischen Blockchain-Versprechen einfach mal in der Praxis zu erproben und zu schauen, was passiert.

Consensus 2017 – ein ausreichender Rückblick

Mit Bitcoin- und Blockchain-Konferenzen ist das so eine Sache. Erst gab es wenige. Dann schossen Sie wie Pilze aus dem Boden. Zwischenzeitlich gab es verteilt über die ganze Welt so viele, dass die Inhalte komplett austauschbar wurden und nun sehen wir seit einiger Zeit einen Konsolidierungsprozess.

Consensus – Eine Konferenz sie alle zu binden?

Großer Gewinner desselben ist ohne Frage die Consensus-Konferenz, die vor Kurzem nun bereits zum zweiten Mal in New York stattfand und sich immer mehr als zentrales Krypto-Branchen-Event etabliert. Zumindest ist die Nachfrage trotz stattlicher Ticketpreise so groß, dass kommendes Jahr wohl die Teilnehmerzahl auf 5000 verdoppelt werden soll.

Wobei das jedoch wenig überrascht, angesichts der Tatsache, dass die Marktkapitalisierung aller Krypto-Projekte zusammen gerade die 100 Milliarden US-Dollar-Marke geknackt hat.

In jedem Fall aber habe selbst ich kurz überlegt, ob ich im kommenden Jahr zur Consensus 2018 nach New York reisen sollte. Und das, obwohl ich den Newsletter des Consensus-Hausmediums Coindesk ob dessen unglaublich anstrengend-penetrantem Konferenz-Marketing gekündigt habe.

Alles, was man zu Consensus 2017 gelesen haben muss

Dann aber habe ich mit großer Freude den Consensus 2017 Recap von WhalePanda gelesen und dachte mir: So lange jemand anderes solch lesenswerte Zusammenfassungen schreibt, kann ich mir die Reise vorerst doch noch sparen.  Zitat:

„The opening show was cringeworthy. In case you missed it you can still watch it here from my live stream (bad quality). I was sitting in the back together with Fran and Tuur and we all had the feeling it was the start of a Onecoin conference.“

Wer dagegen lieber die offizielle Berichterstattung lesen möchte: Coindesk hat den Rest der Haus-Konferenz selbstverständlich hinreichend abgedeckt.

Podcast-Tipp: Über Makrelen & Knast-Bitcoins

Auf die Podcast-Serie Planet Money mit ihren kurzweiligen Geschichten aus der Schnittmenge Geld und Gesellschaft habe ich an anderer Stelle bereits hingewiesen. Mit Episode 753: Blockchain Gang ist dort nun aber wieder ein explizites Bitcoin/Blockchain-Thema aufgegriffen worden. Das Bemerkenswerte daran: mit einem smarten inhaltlichen Dreh wird die komplexe Materie nicht nur auf ein verständliches Niveau herunter gebrochen, sondern auch noch wunderbar unterhaltsam erzählt.

Makrelen, Bitcoins und die Mikroökonomie des Gefängisses

Ich ziehe jedenfalls meinen Hut vor der thematischen Verbindung von Makrelen als Gefängnis-immanenter Ersatzwährung und Bitcoin. Andererseits passt das eben auch, wenn man die Geschichte von Charlie Shrem erzählt. Snippet:

Charlie Shrem had a prison epiphany. Instead of using packets of mackerel to buy and sell things, inmates should use something more like the digital currency Bitcoin. He even came up with a way it could work in prison, never mind that it was Bitcoin that got him arrested in the first place.“

Fazit: Sehr hörenswerte 22 Minuten.

Bitcoin-Center „House of Nakamoto“ in Wien eröffnet

Ich hatte vor einiger Zeit schon auf das House of Nakamoto in Wien hingewiesen. Nun ist der „Bitcoin-Shop“, wie ihn der ORF in seinem zeitlich nur begrenzt online verfügbaren Fernseh-Beitrag nennt, eröffnet und ich bin gespannt, wie der prominent im Herzen Wiens platzierte Anlaufpunkt für Bitcoin-Interessierte angenommen wird.

Das nächste Bitcoin-Austria-Meetup findet jedenfalls schon dort statt und neben obigen ORF-Beitrag hab ich für einen weiteren Eindruck dieses Youtube-Video gefunden, das mehr ins Innere geht, allerdings mit anstrengend lauter Fahrstuhl-Musik hinterlegt wurde. Aber für einen ersten Eindruck reicht es.

Was ich mich nun nur noch frage, ist, warum es zwar einen @HouseOfNakamotoTwitter-Account gibt, aber houseofnakamoto.at, houseofnakamoto.com und houseofnakamoto.de komplett ins Leere führen?