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Bitcoin-Pop im „Wissensmagazin“

Man darf ja von der Pro Sieben-Sendung Galileo halten was man möchte, aber zumindest nimmt sie sich zwölfeinhalb Minuten Zeit das Thema Bitcoin anzugehen. Das ist aus journalistischer Sicht eine ganze Menge Zeit für einen Beitrag, die erst einmal mit Inhalt gefüllt werden will.

Tatsächlich war ich zunächst sehr skeptisch, ob es sich lohnt Die Suche nach dem Bitcoin-Millionär anzuschauen, aber die Autoren nutzen ihre großzügige Beitragszeit durchaus anschaulich und unterhaltsam für ein paar bunte Ausflüge in das Bitcoin-Ökosystem von der Bitcoin Börse Berlin bis zu einem Crowdminer, der sein Haus mit Bitcoin-Mining-Hardware heizen will. Und nebenbei werden, wenn auch sehr vereinfacht, die Grundlagen von Bitcoin erklärt.

Klar wird das Ganze in Hinblick auf die Zielgruppe an manchen Stellen vielleicht ein bisschen zu stark reduziert und ich bin mir nicht sicher, ob der typische Galileo-Zuschauer nach dem Beitrag mehr mit Bitcoin anfangen kann als vorher, aber ausgeschlossen ist es auch nicht, denn neugierig macht der Beitrag in jedem Fall.

Der – Achtung Spoiler! – am Ende des Beitrags gefundene Bitcoin-Millionär ist natürlich ein geschickter und probater Kniff des boulevardesken Journalismus, das trockene Bitcoin-Thema populärwissenschaftlich anzugehen und auch wenn die etwas befremdliche Mischung aus Naivität und Neugier der Erzählerstimme einem zwölfeinhalb Minuten das Gefühl gibt sie liest die BILD-Zeitung vor, haben die Autoren meiner Meinung nach einen ganz ordentlichen Beitrag für das Galileo-Publikum (und vielleicht noch ein paar andere) gemacht.

Noch ein paar kritische Töne wären schön gewesen, aber alles in allem ganz sehenswert und eine schöne Abwechslung, wenn man sich viel mit komplexeren Themen beschäftigt und bspw. gerade versucht das Bitcoin-Protokoll in seinen technischen Einzelheiten nachzuvollziehen.

Von Bitcoins und Bio-Bauern

Die Entwicklung von Bitcoin in Argentinien beobachte ich seit längerem mit großem Interesse. Nicht nur weil das Land flächen- und bevölkerungsmäßig zu den größten drei Südamerikas gehört, sondern auch weil die volkswirtschaftliche Situation in Argentinien so dermaßen aus dem Ruder gelaufen ist, dass sie mit den traditionellen staatlich-marktwirtschaftlichen Steuerungsinstrumenten kaum mehr zu kontrollieren ist. Hohe Inflation und strenge Finanzregulierungen haben zu großer Unsicherheit in der Bevölkerung geführt und die daraus entstehende Vertrauenskrise in den heimischen Peso beschleunigt wiederum die Inflation. Der klassische Teufelskreis.

Ähnlich wie in anderen finanzkrisengeschüttelten Ländern auch müssen die Menschen aber trotzdem irgendwie sehen wie sie alleine mit dieser großen finanziellen Unsicherheit zu Recht kommen. Manche, wie die Bauern der Tierra Buena-Initiative, sehen dabei in Bitcoin eine echte Alternative und die Macher von BitcoinFilm.org haben die Geschichte von Santiago Zaz und seinen Kollegen in einer sehr sehenswerten Kurzdokumentation zusammengefasst und ins Netz gestellt:

Bitcoins: Liberating Organic Farmers

Es ist im Übrigen schon der zweite Film von BitcoinFilm.org und die Jungs möchten auch noch mehr Dokumentationen über Bitcoin im Alltag von Menschen in Argentinien und auf der ganzen Welt drehen. Dafür sind sie auf der Suche nach beidem, guten, persönlichen Geschichten und finanzieller Unterstützung. Beides kann man ihnen über ihre Website zukommen lassen, die – so hoffe ich – deswegen ein bisschen hinterher ist, weil sie gerade mit neuen Filmen beschäftigt sind.

Wen es jetzt selbst in den Fingern juckt einen Film zum Thema Bitcoin zu machen und wer just in diesem Moment eine passende Musik dafür sucht, darf gerne auf den Soundtrack von BitcoinFilm.org zurückgreifen, der explizit für jeden Film mit Bitcoin-Bezug freigegeben ist.

Und weil heute Samstag ist und wir alle ein bisschen mehr Zeit haben hier noch der ebenfalls sehr sehenswerte erste Film von BitcoinFilm.org:

Bitcoins in Argentina