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Ab ins Bitcoin-Resort Pt. II

Vor ein paar Wochen habe ich über das First-Bitcoin-Ressort auf Zypern berichtet, eine Appartementsiedlung am Meer speziell für Bitcoiner (Bitcoinerinnen? Bitcontainer? Gibt’s dafür schon einen Begriff?).

Damals hielt ich das ganze für eine lustige, halbernst gemeinte Idee und habe das mehr so aus Neugier beobachtet. Auf der Inside Bitcoins Konferenz in Berlin saß ich nun aber zufällig direkt neben Udi Ilan, dem Präsidenten der hinter dem The First Bitcoin Resort stehenden Immobilienfirma und nachdem er mir sein Faltblatt in die Hände gedrückt hat, habe ich die Gelegenheit genutzt ihm mal ein paar Fragen zu stellen. Hier nun die Antworten zusammengefasst.

Bitcoin resort

Zunächst einmal das Wichtigste: Das Bitcoin-Resort gibt es tatsächlich. Die ganze Anlage steht schon und von den rund 400 Wohnungen sind ungefähr 160 bereits verkauft. Allerdings haben noch nicht wirklich viele Eigentümer ausschließlich in Bitcoin bezahlt. Genaugenommen bisher nur zwei, einer aus Schweden und einer aus Großbritannien. Man kann die Wohnungen nämlich auch ganz klassisch in Rubel, Pfund, Kronen oder mit Öl kaufen, denn bisher kommen die meisten Interessenten aus dem Vereinigten Königreich, Skandinavien, Russland und dem Nahen Osten.

Die Preise für ein Appartement liegen zwischen 60.000 € und 250.000 € und daran orientiert sich dann auch der jeweilige Bitcoin-Preis. Um die Wertstabilität während des Kaufprozesses abzusichern – eine Wohnung zu kaufen ist ja mitunter etwas bürokratischer und zeitaufwändiger – sichert sich die Firma mit Optionen ab.

Der große Vorteil von Bitcoin sei aber, dass sich Bitcoins sowohl international schnell transferieren als auch innerhalb kürzester Zeit in andere Währungen umtauschen ließen. Ähnlich wie die Universität von Nikosia dient Bitcoin also auch hier eher als Medium des Werttransfers denn als Investitionsgut. Ein Schelm der dabei an Schwargeld, Steuerflucht oder Geldwäsche denkt.

Ganz von der Hand zu weisen ist diese Vermutung aber nicht, denn immerhin soll The First Bitcoin Resort denjenigen eine Investitions-Option bieten, die große Gewinne mit Bitcoin gemacht haben und nun nach einer Möglichkeit suchen ihr Vermögen wertstabil anzulegen. Ob und inwieweit der Gegenwertwert der Bitcoins dabei vom neuen Appartement-Besitzer zuvor zu Hause versteuert wurde, interessiert die Firma nicht. Das ist zugegebenermaßen auch gar nicht deren Aufgabe, lässt aber vor dem Hintergrund der Eurokrise weder Zypern noch den Bitcoin so richtig gut da stehen und ist am Ende wohl Wasser auf die Mühlen der Kritiker.

Solide, charmant, aber …

Eigentlich ist das ein wirklich sehenswerter Beitrag geworden, den das EinsFestival-Format PULS da zu Bitcoin gemacht hat. Abwechslungsreich, vielseitig und vor allem unterhaltsam. Das ist alles in allem schön anzuschauen, …

… wären da nicht zwei Dinge, die den ersten Eindruck trüben.

Da ist zum einen dieser gestriegelte Bitcoin-Kritiker, dessen einzige Qualifikation für diesen Beitrag in „hat im Nebenfach BWL studiert“ zu bestehen scheint, der ansonsten aber nicht so richtig Ahnung von der Materie hat und dies mit einer unsympathischen Von-oben-herab-Attitüde zu überspielen versucht.

Um das klar zu stellen, ich finde Bitcoin-Kritik wichtig, aber mir scheint, dass viele Medien Schwierigkeiten haben solide Gesprächspartner (Contra-Bitcoin) zu finden, die ihre Argumentation aus einer tatsächlichen intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema und nicht durch die Übernahme fremder Meinungen, aus BWL-Grundkursbüchern oder qua Amt gewonnen haben.

Der zweite Kritikpunkt betrifft das Ende des Beitrags, der mit Aussagen der beiden Protagonisten wie

„… dann ist das ja an sich eine ganz schöne Idee mit dem alternativen Währungssystem. Wird bloß ’ne Illusion bleiben und unsicher ist das Ganze auch noch.“

und

„Man muss halt sagen am Ende ist es nur ein nettes Spielzeug für IT-Nerds und Broker mit viel Spürsinn. Eine Art Kasino, braucht man eben Glück, wenn man damit Geld machen will.“

das Thema Bitcoin nicht ganz nachvollziehbar als bereits gescheitertes Experiment darstellt und damit dem zurvor im Beitrag erarbeitete Bild wiederspricht, das sich Bitcoin noch in einem frühen Stadium eines Entwicklungs- und Ausprobierprozesses befindet, den man befürworten oder kritisieren kann.

Anstatt hier plötzlich ein rein negatives, statisches Fazit zu ziehen, das klingt als wäre es direkt vom BWL-im-Nebenfach-Mann übernommen, hätten die beiden Protagonisten hier in einem Zwischenergebnis noch einmal Pro und Contra gegenüberstellen müssen und einen Ausblick auf laufende Entwicklungsprozesse und weiteren Anwendungsideen für die Zukunft geben können.

So fragt man sich ein wenig verwirrt, warum die Meinung des BWLers am Ende plötzlich gewonnen hat und zurück bleibt ein negativer Eindruck von Bitcoin bei einem ansonsten aber ganz ordentlichen Beitrag.

In 101 Tagen um den Coin

In der Geo ist ein Artikel über die Reise von Austin und Beccy erschienen, die im vergangenen Jahr unterstützt von einigen namhaften Bitcoin-Unternehmen mit ihrem Projekt Life on Bitcoin für drei Monate um die Welt getingelt sind und dabei vom Frühstücks-Smoothie bis zur Flugreise alles nur mit Bitcoin bezahlt haben. Ganz einfach war das nicht, aber mit viel Engagement und Überzeugungsarbeit waren die beiden letztlich erfolgreich.

Trotz der offensichtlichen Premium-gesponsorten Bitcoin-Missionierung ist das Projekt interessanterweise ein spannender Gradmesser für die Akzeptanz von Bitcoin in der Gesellschaft jenseits der Medienöffentlichkeit und der dadurch geprägten vermeintlich vorherrschenden Meinung.

Schönes Beispiel: Ein Frühstück auf dem Wochenmarkt organisieren.

Neben der ganz ordentlichen Medienaufmerksamkeit entsteht nun auch noch ein Dokumentarfilm, der anschließend selbstverständlich in verschiedene Sprachen übersetzt werden wird. Ziemlich geschickte Bitcoin-PR- und Marketing-Aktion. Well played!

Bitcoin-Pop im „Wissensmagazin“

Man darf ja von der Pro Sieben-Sendung Galileo halten was man möchte, aber zumindest nimmt sie sich zwölfeinhalb Minuten Zeit das Thema Bitcoin anzugehen. Das ist aus journalistischer Sicht eine ganze Menge Zeit für einen Beitrag, die erst einmal mit Inhalt gefüllt werden will.

Tatsächlich war ich zunächst sehr skeptisch, ob es sich lohnt Die Suche nach dem Bitcoin-Millionär anzuschauen, aber die Autoren nutzen ihre großzügige Beitragszeit durchaus anschaulich und unterhaltsam für ein paar bunte Ausflüge in das Bitcoin-Ökosystem von der Bitcoin Börse Berlin bis zu einem Crowdminer, der sein Haus mit Bitcoin-Mining-Hardware heizen will. Und nebenbei werden, wenn auch sehr vereinfacht, die Grundlagen von Bitcoin erklärt.

Klar wird das Ganze in Hinblick auf die Zielgruppe an manchen Stellen vielleicht ein bisschen zu stark reduziert und ich bin mir nicht sicher, ob der typische Galileo-Zuschauer nach dem Beitrag mehr mit Bitcoin anfangen kann als vorher, aber ausgeschlossen ist es auch nicht, denn neugierig macht der Beitrag in jedem Fall.

Der – Achtung Spoiler! – am Ende des Beitrags gefundene Bitcoin-Millionär ist natürlich ein geschickter und probater Kniff des boulevardesken Journalismus, das trockene Bitcoin-Thema populärwissenschaftlich anzugehen und auch wenn die etwas befremdliche Mischung aus Naivität und Neugier der Erzählerstimme einem zwölfeinhalb Minuten das Gefühl gibt sie liest die BILD-Zeitung vor, haben die Autoren meiner Meinung nach einen ganz ordentlichen Beitrag für das Galileo-Publikum (und vielleicht noch ein paar andere) gemacht.

Noch ein paar kritische Töne wären schön gewesen, aber alles in allem ganz sehenswert und eine schöne Abwechslung, wenn man sich viel mit komplexeren Themen beschäftigt und bspw. gerade versucht das Bitcoin-Protokoll in seinen technischen Einzelheiten nachzuvollziehen.

Von Bitcoins und Bio-Bauern

Die Entwicklung von Bitcoin in Argentinien beobachte ich seit längerem mit großem Interesse. Nicht nur weil das Land flächen- und bevölkerungsmäßig zu den größten drei Südamerikas gehört, sondern auch weil die volkswirtschaftliche Situation in Argentinien so dermaßen aus dem Ruder gelaufen ist, dass sie mit den traditionellen staatlich-marktwirtschaftlichen Steuerungsinstrumenten kaum mehr zu kontrollieren ist. Hohe Inflation und strenge Finanzregulierungen haben zu großer Unsicherheit in der Bevölkerung geführt und die daraus entstehende Vertrauenskrise in den heimischen Peso beschleunigt wiederum die Inflation. Der klassische Teufelskreis.

Ähnlich wie in anderen finanzkrisengeschüttelten Ländern auch müssen die Menschen aber trotzdem irgendwie sehen wie sie alleine mit dieser großen finanziellen Unsicherheit zu Recht kommen. Manche, wie die Bauern der Tierra Buena-Initiative, sehen dabei in Bitcoin eine echte Alternative und die Macher von BitcoinFilm.org haben die Geschichte von Santiago Zaz und seinen Kollegen in einer sehr sehenswerten Kurzdokumentation zusammengefasst und ins Netz gestellt:

Bitcoins: Liberating Organic Farmers

Es ist im Übrigen schon der zweite Film von BitcoinFilm.org und die Jungs möchten auch noch mehr Dokumentationen über Bitcoin im Alltag von Menschen in Argentinien und auf der ganzen Welt drehen. Dafür sind sie auf der Suche nach beidem, guten, persönlichen Geschichten und finanzieller Unterstützung. Beides kann man ihnen über ihre Website zukommen lassen, die – so hoffe ich – deswegen ein bisschen hinterher ist, weil sie gerade mit neuen Filmen beschäftigt sind.

Wen es jetzt selbst in den Fingern juckt einen Film zum Thema Bitcoin zu machen und wer just in diesem Moment eine passende Musik dafür sucht, darf gerne auf den Soundtrack von BitcoinFilm.org zurückgreifen, der explizit für jeden Film mit Bitcoin-Bezug freigegeben ist.

Und weil heute Samstag ist und wir alle ein bisschen mehr Zeit haben hier noch der ebenfalls sehr sehenswerte erste Film von BitcoinFilm.org:

Bitcoins in Argentina