Archiv der Kategorie: Presseschau

Bitcoin- und Blockchain-Presseschau #96

Es wieder ein bisschen gedauert – Workshops, Vorträge und andere „echte“ Arbeit haben mich etwas vom Schreiben abgehalten – aber hier ist sie nun endlich: die neue Presseschau. Dieses Mal wieder mit einer ausgewählten Themenvielfalt von Kunst über Hintergündiges bis Business. Viel Spaß beim Lesen.

PS: Wer die Arbeit an weiteren Ausgaben der Bitcoin- und Blockchain-Presseschau fördern und beschleunigen will, der kann das hier tun.


Baldiger Bitcoin-Business-Boom in Deutschland?

In Deutschland gibt es ja bekanntlich keine Bitcoin-Börse, sondern mit Bitcoin.de nur einen einzigen Bitcoin-Marktplatz. Der entwickelt sich jedoch prächtig, wenn man mal einen Blick in den Geschäftsbericht des Mutterkonzerns Bitcoin Group SE für 2017 wirft. Mehr als 750.000 Nutzer hat die Plattform bereits, im vergangenen Jahr gab es ein Handelsvolumen von 1,2 Milliarden Euro und der Gewinn ist von gut 100.000 Euro 2016 auf fast 7,5 Millionen Euro gestiegen.

local bitcoins
Wegen hoher Markteintrittshürden gibt es hierzulande bislang kaum Konkurrenz für Bitcoin.de

Beachtliche Zahlen, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass wir künftig noch mehr Player auf dem Markt sehen werden. Immerhin platziert sich die Solarisbank gerade als Banking-Partner für die Kryptowährungs- und Blockchain-Industrie. Interessant daran: Das Unternehmen reißt damit ein Loch in die bisher starke Markteintrittsbarriere, die sowohl durch hohe Lizenz-Anforderungen der BaFin als auch durch das Abschotten der Banken als Inhaber ebendieser Lizenzen bislang bestehen und Deutschland zu einem weißen Fleck auf der Karte vieler Bitcoin-Dienstleistungen wie Wechselautomaten oder P2P-Handel über localbitcoins.com machen.

bitcoin ATMs
Von rund 3500 Bitcoin-Geldautomaten weltweit steht bislang kein einziger in Deutschland.

Welche smarten Ideen dagegen entstehen können, wenn die Regeln gelockert werden, zeigt das Beispiel Schiphol. An dem Amsterdamer Flughafen wurde unlängst ein Krypto-Geldautomat aufgestellt, damit Reisende, die das Land verlassen, ihr übriges, lokales Euro-Geld in das „globale Bitcoin oder Ethereum (sic!)“  tauschen können.


Zurück zum Wesentlichen

Wenn man sich intensiv mit Bitcoin auseinandersetzt, viel liest, diskutiert, Pro- und Contra-Argumente nachvollziehen und einordnen will, kann es leicht passieren, dass sich der eigene Fokus unmerklich verschiebt und man schlussendlich in Debatten und bei Fragestellungen landet, um die es anfangs überhaupt nicht ging. Und die möglicherweise auch gar nicht so relevant sind.

Insofern ist es hilfreich, sich geistig immer mal wieder neu zu verorten. Ein Artikel, der dabei hilft, ist Kyle Torpeys Skeptics don’t understand why Bitcoin was created in the first place. Denn wie er ganz richtig schreibt, wurde Bitcoin primär nicht erschaffen, um mit Zahlungssystemen wie Visa oder Paypal zu konkurrieren, sondern um Zahlungsoptionen zu erschließen, die vorher ganz und gar unmöglich waren. Was im Umkehrschluss aber nicht bedeutet, dass es nicht trotzdem sinnvoll wäre, Bitcoin zu einer Visa, Paypal und Co. überlegenen Alternative weiterzuentwickeln. Nur ist Bitcoin eben nicht gescheitert, falls dies nicht gelingt. Denn darum ging es all die Jahre nicht.


Was den Bitcoin-Energie-Hunger begrenzen könnte

Beim Economist ist mit Why bitcoin uses so much energy? ein kurzes und gut ausgewogenes Erklärstück zum Energieverbrauch von Bitcoin erschienen, bei dem nicht nur das Fazit interessant ist („Worries about bitcoin’s power usage might become obsolete.“), sondern auch der argumentative Weg dorthin. Tatsächlich gibt es nämlich einige Faktoren, die den Anstieg des Energieverbrauchs des Bitcoin-Netzwerks begrenzen.


Wie stabil sind Stable Coins?

Stable Coins, also Krypto-Token die all die positiven Eigenschaften von „guten Kryptowährungen“ mit sich bringen, aber eben ohne die lästigen Preisschwankungen, sind umstritten. Für die einen ein No-Go, weil überflüssig wie ein Kropf, für die anderen so etwas wie der Heilige Gral: eigentlich unerreichbar, aber wenn doch, dann Bäm! Wohl deswegen haben Stable Coin-Ansätze seit Jahren Konjunktur.

Für einen leichten Einstieg in diese Thematik empfehle ich den MIT Technology Review-Artikel “Stablecoins” are trending, but they may ignore basic economics gefolgt von dem deutlich analytischeren BitMEX-Beitrag A brief history of Stablecoins (Part 1), die zusammengenommen zeigen, wie komplex und abstrakt die bisherigen Versuche sind bzw. offensichtlich sein müssen. Und dass bisher nicht nur niemand den Heiligen Stable Coin-Gral gefunden hat, sondern dass auch unklar ist, ob das überhaupt möglich ist. Man darf hier also zurecht skeptisch bleiben.


Und was macht eigentlich die Krypto-Kunst?

Abschließend hier noch eine kleine Galerie voller Bitcoin-Streetart aus der ganzen Welt.  Das passt insofern gerade ganz gut, als dass das Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe an diesem Donnerstag ein Crypto-Art-Meetup abhält, in dem es von nicht-fungiblen Sammeltoken wie CryptoKitties über neue Formen des Crowdfundings bis hin zu aus Blockchain-Daten generierter Kunst gehen wird. Spannendes Thema! Der Eintritt ist frei.

crypto art meet up
Das ZKM in Karlsruhe fragt, was passiert, wenn Kunst auf die Blockchain trifft.

Bitcoin- und Blockchain-Presseschau #95

Ich sag es gleich vorneweg: Das konsumieren dieser Bitcoin- und Blockchain-Presseschau kostet Zeit. Nicht nur, weil die verlinkten Artikel teils etwas länger als Standard-Netzartikel sind. Sondern vor allem, weil sie alle zum Nachdenken anregen. Mehr als sonst, wie ich finde.

Doch darum geht es ja hier. Hintergründiges, Einordnendes und Inspirierendes, das hilft das Phänomen Bitcoin und wie es unsere Welt verändert besser zu verstehen. Insofern ist die hiermit verbrachte Zeit durchaus gut genutzt. Versprochen.


Blockchain Will Be Theirs, Russian Spy Boasted at Conference – New York Times

Ein ISO-Komitee hat es sich zur Aufgabe gemacht, internationale Standards für Blockchain and distributed ledger technologies zu erarbeiten. 35 Länder, darunter auch Deutschland, schicken seit 2016 immer wieder ihre Delegationen zu den Treffen. Eines tritt dabei wohl recht deutlich auf: Russland, dessen Abgesandte teils aus dem Geheimdienst FSB stammen. Auch mit ihrer Motivation halten Sie nicht hinterm Berg: “Look, the internet belongs to the Americans — but blockchain will belong to us,” Klare Ansage.

The Key to Bitcoin Adoption in Third World Countries – Hackernoon

Persönliche Erfahrungen in Afghanistan werfen die Frage auf, warum die Menschen dort und in vielen anderen Entwicklungsländern eigentlich nicht schon längst viel mehr Bitcoin nutzen. Verfügbarkeit und leichter Zugang ist natürlich ein Grund, aber ein anderer, absolut nahe liegender ist Analphabetismus. Denn man muss nicht lesen können, um Facebook bedienen zu können, doch bei Bitcoin ist es noch immer unumgänglich. Nicht nur, um es zu verstehen, sondern auch um bspw. eine Wallet auf dem Smartphone sicher zu verwalten. Der Seed (aka das Backup) ist nämlich standardmäßig eine Wortfolge, die man sich notieren muss. Fazit: Erfrischender Blick über den Tellerrand.

ICOs are Cancer – Michael Flaxman

Der Titel wirkt erst einmal zu drastisch und überzogen, doch die Argumentation in diesem Artikel ist durchaus fundiert, logisch und erhellend. Zumal die Krebs-Metapher dann doch Parallelen zur Realität aufweist. Erst kürzlich reagierte die hiesige Fintech-Szene ja sehr empfindlich auf den vermeintlichen PR-Stunt eines Berliner ICO-finanzierten Startups. Mit offenem Brief, der Aberkennung eines Preises und kritischen Artikeln wurde versucht, einer ICO-getriebenen Entartung offensiv entgegenzutreten. Sogar das staatliche „Immunsystem“, die Staatsanwaltschaft, prüft wohl derzeit die Aufnahme von Ermittlungen.

Sitting with the cyber-sleuths who track cryptocurrency criminalsMIT Technology Review

Klasse Artikel, der sich mit Bitcoin und Co aus Sicht der Strafverfolgungsbehörden beschäftigt und dabei detaillierte Einsichten bietet. Nach der Lektüre zu denken, dass Kryptowährungen das easy Geld für Kriminelle ist, ist eigentlich unmöglich. Die Blockchain vergisst nichts und die Methoden ihr ihre Geheimnisse zu entlocken werden immer raffinierter. Nicht nur auf technischer Ebene.

 

Let’s destroy Bitcoin – MIT Technology Review

Dieser Artikel liefert eine gute Grundlage für eine kontroverse Diskussion. Denn mir scheint die Argumentation für einen FedCoin, FacebookCoin und ein allgegenwärtiges Coin-Multiversum aus tokenisiertem Allerlei insgesamt zu dünn. Nichtsdestotrotz ist es interessant sich mit solcherlei Visionen auseinanderzusetzen. Möglicherweise sind ja nicht alle Punkte vollkommen aus der Luft gegriffen.

Crypto Artists Unlock Value With Lambos, Kitties and Blood – Bloomberg

Ich warte ja seit langem darauf, dass sich die Kunst auf das Thema Bitcoin stürzt und sich endlich mal intensiv an dessen gesellschaftlichen Implikationen abarbeitet. Das Warten wird vorerst wohl aber noch weiter gehen, denn offensichtlich lässt sich auch mit lahmen und vollkommen uninspirierten Projekten (vom im Bild verschlüsselten Private Key abgesehen!) derzeit ein Haufen Kohle verdienen. Beeindruckend, aber trotzdem:

Bitcoin- und Blockchain-Presseschau #94

Zwischenzeitlich hatte ich aus verschiedenen Gründen eine ganze Weile keine Lust mehr auf die Bitcoin- und Blockchain-Presseschau, obwohl das eines ältesten und eigentlich auch beliebtesten Formate hier im Blog war.

Totgesagte leben länger

Diese Pause war aber letztlich gut, denn einige Dinge haben sich seitdem geändert und seit einiger Zeit schon verspüre ich den Drang das Format wieder aufzunehmen. Nicht zuletzt, weil es mir selbst hilft, die Orientierung zu behalten in der immer größer werdenden Flut an Bitcoin-, Blockchain- und Krypto-News, -PR und Schlagzeilen.

Und da ich davon ausgehe, dass es auch einer ganzen Reihe anderer Leute so geht, fange ich nun also wieder an. Für mich und für euch.

Lesen und kuratieren gegen die Orientierungslosigkeit

Mein Ziel ist es, zwischen all dem Krypto-Noise, „Blockchain“-Bullshit und Token-Hype, der permanent durchs Netz geblasen wird, diejenigen Links, Artikel und Beiträge zu finden und zu sammeln, die einen Klick wirklich wert sind. Die hilfreiche Informationen, Erkenntnisse und Denkanstöße liefern oder auf ganz besondere Weise unterhalten. Kurzum: Alles, was hilft das Phänomen Bitcoin zu verstehen.

Wie das gelingt, werden wir sehen. Aber ich hab Lust drauf und das ist am Ende, worauf es ankommt.

Irre Geldgeschichten – faz.net

Je höher der Bitcoin-Preis steigt, desto mehr wird er zum Gesprächsthema in der Gesellschaft und je mehr Leute über Bitcoin sprechen, desto höher steigt der Preis. Diesen vermeintlichen Zusammenhang konnte man beim Kursfeuerwerk Ende vergangenen Jahres leicht beobachten. Begründen ließe sich das möglicherweise durch das Konzept der „narrativen Ökonomie“. Medien als Preismitgestalter also? Interessante These, die wir vielleicht auch am übernächsten Freitag, auf der Media Convention/Republica in Berlin besprechen. Da plaudern wir nämlich zum Thema „Wenn Technologie zum Hype wird: von Medien, Blockchains & Krypto“ auf dem Podium.

Intervju – Bitcoinlegenden Tuur Demeester – Investerabitcoin

Kurzweiliges aber erhellendes Interview mit der „Bitcoinlegende“ Tuur Demeester, einem Investor und Marktanalysten und einer der wenigen Personen, denen man unbedingt auf Crypto-Twitter folgen sollte. Niemand findet relevante Informationen besser und bereitet diese twitterfreundlicher auf als Tuur. Kostprobe:

Why Bitcoin is Different – Medium/Jimmy Song

Einer der meistgelesenen Texte der letzten Wochen, der anschaulich verdeutlicht, warum Bitcoin im +1500 Altcoins und Token umfassenden Krypto-Ökosystem eine hervorgehobene Rolle spielt und auch in Zukunft spielen wird. Bitcoin-Maximalismus at its best, aber nicht ungerechtfertigt.

The Blockchain on the High Seas – Bloomberg

Erfrischend geschriebene Kolumne, die den Buzz um all die PR-tauglich aufbereiteten Corporate Blockchain Solutions mit einem einzigen Satz entzaubert: „You can’t revolutionize the shipping industry if everyone’s using a different blockchain system.“ Gilt im Übrigen nicht nur für die shipping industrie.

„Der Begriff Blockchain wurde gekidnappt“ – wiwo.de

Dieses launige Portrait von Bobby Lee, dem „Bitcoin-Gott Chinas“, passt im Grundtenor zu obigem Artikel. Was nütze es, bspw. Immobilien über die Blockchain zu verwalten, wenn ich letztlich doch eine zentrale Behörde brauche, die sicherstellt, dass ich meinen digitalen Schlüssel und damit realen Besitz nicht final irgendwo verschussel? Nichts. Zentraliserte aka private Blockchains seien letztlich nur eine hippere Umschreibung für dröge Datenbanken. Eine Erfindung von IBM aus den 1960ern.

Bitcoin’s Academic Pedigree. The concept of cryptocurrencies is built from forgotten ideas in research literature – queue.acm.org

Toller Beitrag, der all die Konzepte systematisch zusammenfasst und deren Verknüpfung beleuchtet, die die Grundlage für Bitcoin bzw. den „Nakamoto Consensus“ bilden. Wer zum Lesen zu faul ist. Allein diese Infografik ist Gold wert.

Das Lightning-Netzwerk wächst!

Schöne Bilder. Visualisierungen fetzen.

https://twitter.com/ArminVanBitcoin/status/988086488335347712

Titelbild: “Zeitungsausträger” Flickr-User barmala (CC BY 2.0)

Bitcoin- & Blockchain Presseschau #93

Seit der letzten Presseschau ist wieder einige Zeit vergangen. Das liegt aber nicht am Unwillen meinerseits, aktuell über Bitcoin- und Blockchain-Themen zu berichten, sondern vielmehr daran, dass ich mir wirklich vornehme, nur die Links hier mit aufzunehmen, die den Klick (mindestens für ein paar Tage) auch wirklich wert sind.

An irgendwelchen Artikeln, Videos, Posts und Pressemitteilungen mangelt es keineswegs. Im Gegenteil – mein Postfach, RSS-Reader und sonstige Quellen sind jeden Tag proppevoll. Tendenz wachsend. Aber wenn man ehrlich ist, lohnt sich aktuell der Großteil kaum zu lesen. Zu viel Irrelevanz, zu schnell veraltet, langweilig oder oftmals letztlich nur billige PR.

Doch es gibt auch die Perlen, für die sich die Suche lohnt und die ich hier wieder zusammengetragen habe. Es reicht ja, wenn sich einer die Mühe macht, die Spreu auszusortieren. Falls du das auch so siehst und deine Zeit lieber sinnvoll einsetzt, freue ich mich wie immer über eine kleine Spende. Danke!

Bitcoin. Das Fünf-Minuten-Problem – Süddeutsche Zeitung

Ein gut geschriebener Artikel, der Bitcoin in seiner aktuellen Situation verständlich einordnet. Fazit: Es gibt durchaus vielversprechende Anwendungsszenarien, aber für den großen Durchbruch ist die Technik noch nicht ausgereift genug. Besonders gut liest sich der Artikel in Ergänzung zum gestrigen Blogpost, in dem es darum geht, wie das Berliner Bitcoin-Startup Bitwala das Geschäftsmodell der Banken angreift. In diesem Artikel wird nämlich mit Bitbond auf ein anderes Berliner Bitcoin-Startup eingegangen, das die gleiche Mission, aber eine leicht andere Ausrichtung hat.

Einzig der Schluss ist etwas zu engstirnig geraten. Es gibt bei Weitem nicht „nur zwei Szenarien“ für Bitcoin (die laut Artikel beide eher suboptimal sind). Immerhin beweist der im Bericht ebenfalls portraitierte Bitcoin-Pionier Jörg Platzer mit der dieses Wochenende im Room 77 stattfindenden S3ND – Bitcoin Wallet Standard Development Initiative ganz aktuell, dass auch an anderen Szenarien fleißig gearbeitet wird.

How an Anarchist Bitcoin Coder Found Himself Fighting ISIS in Syria – Wired

Diese Geschichte über Amir Taaki sollte man auf vielen Gründen unbedingt lesen. Nicht nur, weil Taaki ohnehin ein umstrittener Charakter ist, sondern auch, weil sie intensiv und anschaulich verdeutlicht, wie breit das ideologische Spektrum innerhalb der Bitcoin-Community ist. Den einen geht es nur ums Geld. Anderen geht es um viel, viel mehr. Genau diese Heterogenität macht Bitcoin stabil.

99% of Blockchain Startups Are Bullshit – Jamie Burke

Interessante, ausführlich erläuterte These: Reine „Blockchain-Startups“ sind mangels Geschäftsmodell zum Scheitern verurteilt. Was laut Burke jedoch funktionieren kann, ist, wenn man Blockchain als Basistechnologie mit anderen Anwendungen/Trends kombiniert: 3D, AI, Robitics etc. Als Investor hat er daher für sich den Terminus Blockchain+ entwickelt. Ein hoffnungsvolles Zeichen für das langerwartete Ende des hohlen Blockchain-Hypes.

The Bitcoin Balance of Power Poster – Audun Gulbrandsen

Audun Gulbrandsen hat sich die Mühe gemacht, die komplexe Verteilung der „Macht“ bei Bitcoin einmal detailliert aufzuschlüsseln. Denn so wie wir aus vielen Bereichen unserer Gesellschaft eine Gewaltenteilung und -verschränkung kennen – einfachstes Beispiel: Legislative, Judikative, Exekutive – sind letztlich auch bei Bitcoin verschiedene Institutionen bzw. Gruppen daran beteiligt, dass das ganze überhaupt funktionieren und langfristig Wert entwickeln kann: Nutzer, Miner, Entwickler, Wallet-Anbieter, Börsen etc.

Wer also mehr von der aktuellen Blocksize-Debatte verstehen und sich nicht nur auf twittertauglich, aber oft zu sehr vereinfachte Thesen verlassen will, sollte sich diesen Artikel durchlesen. Checks and Balances, wie es im Englischen etwas treffender beschrieben wird, ist (nicht nur im Falle von Bitcoin) ein sehr interessantes Thema.

The Bitcoin Balance of Power Poster
Von wegen apolitisch: Die Gewaltenteilung- und verschränkung bei Bitcoin
Bitcoin Scaling Debate. Explain Like I’m 5 Years Old – Wyre

ELI5 (Explain like I’m 5) ist im Netz zu einem beliebten Format geworden, um komplexe Themen auf wirklich einfache Beispiele herunterzubrechen, die selbst ein Fünfjähriger verstehen können sollte. Klappt nicht immer, lohnt sich aber trotzdem oft zu lesen.

Michael nimmt sich der Blocksize-Debatte an. Als Ergänzung zu seinem Post verweise ich gerne noch auf die aktuelle Folge des Honigdachs-Podcasts, in dem wir dieselbe Thematik, aber etwas ausführlicher, besprechen.

Reg now behind invisible HTML5 Bitcoin paywall – The Register

Schöne Idee von The Register: Um sich einen zusätzliches Einkommen zu generieren, das niemandem weh tut, setzt die IT-Fachseite ab sofort auf eine unsichtbare HTML5-Bitcoin-Paywall.  Die funktioniert so, dass jeder Browser, der die Seite besucht im Hintergrund automatisch per JavaScript zu minen beginnt. In der Summe von vielen Millionen Lesern soll sich das angeblich rechnen. Wenn man die Seite nicht unterstützen will, kann man JavaScript im Browser natürlich auch deaktivieren. Schöner Effekt: Ob man selbst zum Miner geworden ist, sieht man durch ein leichtes, rhythmisches Ein- und Ausblenden des Textes, den man liest. Wie das funktioniert, sieht man auf dieser Seite. Es lohnt sich dabei auch ein Blick auf das Veröffentlichungsdatum.

By reading this article, you’re mining bitcoins – Quartz

Ganz und gar nicht aprilig ist dieser Artikel von Quartz, dem ein ähnlicher Ansatz wie im vorigen Beitrag zu Grunde liegt, bei dem es aber nicht um schnöden Profit geht, sondern darum, das Prinzip Bitcoin anschaulich zu erklären: Mining, Double Spending, Hashes, Proof of Work – Wer einen soliden Blick hinter die „Magie“ werfen will, die Bitcoin am Laufen hält, ist hier richtig. Dass der Artikel schon dreieinhalb Jahre alt ist und trotzdem noch aktuell, zeigt seine Qualität.

Ethereum und der „Proof of Death“

Ethereum ist damit wohl endgültig in der Mitte der Gesellschaft angekommen, oder? Immerhin ist es Dank The Catch S02E03 jetzt wohl auch Teil der modernen Popkultur.

Ich erinnere an dieser Stelle aber noch einmal gerne an den Tweet von Vlad Zamfir, der zeigt, wie viel Fiktion in der obigen Drehbuch-Variante vom Proof of Death steckt.

 Props & Credits

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Titelbild: “Zeitungsausträger” Flickr-User barmala (CC BY 2.0)

Bitcoin- und Blockchain-Presseschau #92

Vor ein paar Tagen habe ich über den bevorstehenden Versuch geschrieben, „Blockchain“ zu definieren. Vor diesem Hintergrund passt es ganz gut, diese Presseschau den Begrifflichkeiten zu widmen, mit denen Akteure im Ökosystem gerne mal klug um sich schmeißen: „dezentral“, „permissionless“ und natürlich „Blockchain“ allen voran.

Begriffe, die auf jeder Konferenz, in jedem Pitch und jedem Crypto-Crowdfunding gut klingen, aber oftmals falsch oder missverständlich verwendet werden. Aus Unwissenheit, weil es hip ist oder auch um die Zuhörer gezielt zu täuschen.

Unter diesen Voraussetzungen will ich nicht behaupten, dass die folgenden Artikel die einzig wahre Wahrheit™ beinhalten. Aber sie helfen durchaus dabei, sich einmal kritisch mit den Begrifflichkeiten und ihrer jeweiligen Bedeutung auseinanderzusetzen. Und das wiederum hilft enorm, den Durchblick im Blockchain-Hype-Nebel zu bewahren, um zwischen all den Marketing-Nebelkerzen das zu erkennen, was wirklich Potential hat.

Dezentral

Einen ausführlichen Artikel zu den verschiedenen Ebenen, die der Begriff „dezentral“ mit sich bringt, hat Ethereum-Gründer Vitalik Buterin veröffentlicht: The Meaning of Decentralization

Sich mit diesem Wort auseinanderzusetzen ist insofern wichtig, als dass es sich hierbei um einen der zentralen (sic!) Begriffe im Bitcoin- & Blockchain-Fachvokabular handelt, der aber dennoch oft für Missverständnisse sorgt. Denn letztlich ist ja auch die Blockchain, selbst wenn sie auf technischer Ebene unterm Strich dezentral einen Konsens findet, letztlich in irgendeiner Form eine zentrale Institution.

Dass Vitalik Buterin dabei natürlich am wenigsten das Dezentralisierungskonzept seines eigenen Projektes, Ethereum, kritisiert, ist verkraftbar, solange er andere Blockchain-immanente Prozesse so auf den Punkt bringt, wie bspw. diesen: „transaction inclusion into blocks through miners/block proposers is actually a very rapidly rotating dictatorship“.

Das einzige, was mir in diesem Kontext noch fehlt, ist eine selbstkritische Bewertung seiner eigenen Person. Als Ethereum-Gründer und „Wunderkind“ ist sein persönlicher Einfluss auf das Projekt, ob das will oder nicht, übermäßig groß. Für mögliche (soziale) Manipulationen ist er damit selbst eine potentielle Schwachstelle. Ob er dieses Problem final zu lösen bereit ist, wird sich aber erst noch zeigen.

Es gibt jedenfalls einen guten Grund, warum Satoshi Nakamoto von Anfang an anonym geblieben ist und sich schon lange aus der aktiven Mitarbeit an Bitcoin zurückgezogen hat.

Dezentralität ist nicht alles

Passend zu obigen Artikel ist dieser: What Makes Bitcoin Great? One Scientist is On a Quest to Find Out. Darin geht es u. a. darum, dass „dezentral“ zwar eine einfache Erklärung für den Erfolg von Bitcoin sei, aber nicht ausreicht. Das zugrunde liegende Protokoll sei vielmehr herausragend „robust“. Und das mache es besonders.

Blockchain vs. „blockchain technology“

Coin Center hat mit Open Matters: Why Permissionless Blockchains are Essential to the Future of the Internet einen umfassenden, aber lesenswerten Report zur Bedeutung des Begriffs „Blockchain“ in seinem ursprünglichen Kontext, also offen und zugangsbeschränkungsfrei, veröffentlicht.

Wer zweifelt, ob sich die 62 Seiten lohnen, sollte zumindest das Abstract lesen, das als “Blockchain technology” is a buzzword with little meaning. Here’s what matters einen eigenen Artikel bekommen hat.

Permissionless vs. „private bockchains“

Wer sich speziell für den Ansatz permissioned bzw. „privater Blockchains“ interessiert, der sollte sich mit diesem Artikel befassen: What does “permissionless” mean? Wenn man danach den Unterschied zwischen „privaten Blockchains“ und privaten Anwendungen, die auf einem offenen Protokoll basieren, verstanden hat, ist man auf dem richtigen Weg.

Keine Angst vor Blockchain-Patenten

Als Bonus-Content hier noch ein Hinweis auf den Newsletter Blockchain Briefing von Philipp Sandner, der das Frankfurt School Blockchain Center leitet und wöchentlich ein Update rumschickt, dessen Editorial immer lesenswert ist. In Ausgabe 14 widmet er sich – passend zum obigen Thema „Permission“ – der Frage, wie man eigentlich die ganzen Berichte um Blockchain-Patentanmeldungen einordnen muss, die ja letztlich auch eine Form von Zugangsbeschränkung darstellen. Panik, Sorge oder Gelassenheit? Letzteres ist der Fall. Das Warum ist der Mehrwert des Artikels.

Props & Credits

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Titelbild: “Zeitungsausträger” Flickr-User barmala (CC BY 2.0)

Bitcoin- & Blockchain Presseschau #91

Die letzte Bitcoin- & Blickchain-Presseschau des Jahres könnte kaum von spannenderen Ereignissen begleitet werden: Kurz vor den Feiertagen hat der Bitcoin-Kurs noch einmal ein echtes Kursfeuerwerk gezündet und innerhalb von zwei Tagen sowohl die 800- als auch die 900 US-Dollar-Marke durchbrochen.

bitcoin shoots upwarts

Natürlich zur großen Freude vieler Bitcoiner, die nun allerlei Zahlen, Daten, Memes und Statistiken zusammentragen, um den rasanten Kursanstieg zu feiern.

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Bitcoin- & Blockchain Presseschau #90

Nachdem wir im aktuellsten Honigdachs-Podcast bereits eine thematische Weltreise unternommen und die Bitcoin-Situation in verschiedenen Ländern und Regionen angesprochen haben, knüpft diese Presseschau direkt daran an und widmet sich ebenfalls einer internationalen Perspektive. Denn das Thema Bitcoin und Blockchain stößt in vielen Teilen der Welt auf wachsendes Interesse. Eine Übersicht aktueller Ereignisse bietet sich daher an.

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Bitcoin-Presseschau #89

Wie bereits in der letzten Presseschau angekündigt, gibt es neuerdings immer mal wieder Ausgaben mit eigenem Schwerpunkt. Dieses Mal liegt dieser auf Branchen und Hintergründen. Denn in den letzten Wochen haben sich bei mir ganz unterschiedliche Veröffentlichungen angesammelt, die eindrucksvoll die Breite zeigen, in der das Thema Bitcoin/Blockchain mittlerweile wahrgenommen wird.

Diese Presseschau schlägt daher einen Bogen von Wahlen über Energie, Finanzen, Politik bis zu Gesundheit und gibt Einblicke in den jeweiligen aktuellen Stand der Entwicklungen.

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Bitcoin-Presseschau reloaded

Die Bitcoin-Presseschau gehört seit Beginn dieses Blogs zu dem beliebtesten und meistgelesenen Formaten. Dass sie in letzter Zeit nur sehr sporadisch erschien, ist daher unbefriedigend – insbesondere für mich – liegt aber an einem einfachen Grund: Vergleicht man die allererste Presseschau mit der zuletzt erschienenen, sieht man in welch enormem Maße Umfang und Inhalt gewachsen sind. Und damit nicht nur der Aufwand sie zu erstellen, sondern auch die Zeit, die man braucht um sie in Gänze zu lesen. Wobei ich glaube, dass die Wenigsten das am Ende überhaupt noch gemacht haben. Also war es Zeit umzudenken und das Konzept „Bitcoin-Presseschau“ zu überarbeiten.

Keep it simple & Qualität vor Quantität

Diese Neukonzeption hat eine Weile gedauert, und nun ist es höchste Zeit wieder einzusteigen. Hier die wichtigsten Neuerungen im Überblick:

Umfang

Anstelle einer überbordenden Linksammlung siebe ich künftig noch viel mehr aus und konzentriere mich auf die wirklich nennenswerten Artikel, Links und Ereignisse zum Thema Bitcoin/Blockchain. Die Bitcoin-Presseschau wird daher künftig maximal fünf Themen enthalten. Anstelle von Rubriken kann ich so viel leichter auch mal ein Spezial zusammenstellen. Logistik, Regulierung, Musik, Kultur, Politik, Games, E-Commerce, Medien – an Themenfeldern mangelt es dafür ja wahrlich nicht.

Zeit

Gleichzeitig ändert sich damit die (vormals angepeilte) wöchentliche Erscheinungsweise. Die Bitcoin-Presseschau erscheint fortan nicht mehr zeitgebunden, sondern sofort, wenn sie fertig ist. Gibt es drei bis fünf relevante Themen, gibt es eine Presseschau. Möglicherweise also manchmal zwei Mal die Woche, manchmal aber auch seltener. Hängt ganz von der Nachrichtenlage ab.

Newsletter

Wem das die Routine verhagelt oder wer einfach nur immer direkt informiert sein will, der nutzt am besten den Newsletter, der in diesem Zuge auch wieder reaktiviert wird. Dieser wird nämlich weiterhin mit jeder neuen Presseschau verschickt.

Soweit die Änderungen. Ich freue mich nun sehr darauf, die Arbeit an der Bitcoin-Presseschau wieder aufzunehmen und bin gespannt, wie sich das einspielt. Nach dem Klick die erste Ausgabe in neuer Version. Lob Kritik und Anregungen sind herzlich willkommen.

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Bitcoin-Presseschau #87

Die Bitcoin-Presseschau fasst die wichtigsten Informationen, Entwicklungen und Links aus dem Bereich Bitcoin und digitales Geld zusammen. Für den Zeitraum vom 23. April bis 29. Mai 2016 mit folgenden Themen:

  • #Bitcoin Kurs: Woah! Rakeeeede!
  • #Thema: Die DAO lebt!
  • #Grundlagen: Die Blockchain im Interview / Der Fall Craigh Wright / Bitcoin-Mythbuster im Einsatz
  • #Business: Steam nimmt Bitcoins / Youtube-Star mit erfolgreichem Micropayment-Experiment / Bitstamp mit Lizenz nach Luxemburg
  • #Technologie: Erst der Blitz, dann der Donner
  • #Wissenschaft: Studienergebnisse mit der Blockchain verifizieren
  • #Legales: EU-Parlament beobachtet Bitcoin jetzt auch offiziell / Die NATO will die Blockchain militärisch nutzen / Die Blockchain vor Gericht
  • #Gesellschaft: Reinhold Beckmann kann nichts mit Bitcoin kaufen
  • #International: Stadt Zug akzeptiert Bitcoin / Die Bitcoinstadt Arnhem feiert sich selbst / Chinessiches Blockchain-Projekt am Start
  • #Fundstücke: Bitcoin-Scams enttarnt / Morgenpost mit großem Bitcoin-Artikel
  • #Fail: Das Handelsblatt mit einem „Interview“

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