Archiv der Kategorie: System & Technik

Deep inside Bitcoin-Hardware-Wallets

Ich bin vor Kurzem im Netz auf stellaw.info gestoßen, einen nerdigen Blog, auf dem sich gbg sehr intensiv mit Hardware-Wallets auseinandersetzt und diese auf Herz und Nieren überprüft. Inklusive auf- und ggf. kaputt machen, versteht sich.

Bitcoin-Wallets: Aufmachen, anschauen, selber bauen

Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Passion, mit der er sich den Geräten widmet oder eigene Projekte durchführt (wie bspw.
I built my own Trezor clone: DINOSAUR HIPHOP ZERO
), sondern auch, wie viele Modelle er schon getestet hat, von denen ich bislang noch nie etwas gehört habe.

Wobei das eine aber auch mit dem anderen zu tun haben könnte. Denn gbg ist zu Recht durchaus kritisch. Aber genau das macht seine Arbeit so wertvoll. Denn wer will seine Bitcoins schon einem Stück Technik anvertrauen, das niemand auf Herz und Nieren geprüft hat?

Bitcoin-Bastler aus Leidenschaft

Fun fact: Eine früheres Projekt von gbg war es, seine uralte NES-Spielekonsole in einem Bitcoin-Miner zu verwandeln. Nicht wegen des Profits, sondern einfach, weil es möglich ist. Und um dieses Projekt wiederum ging es vor mehr als drei Jahren im allerersten Beitrag hier im Blog.

Enter the Blockchain! Der Virtual-Reality-Blockexplorer

Ich hätte nicht gedacht, dass es soweit kommen würde, aber spätestens jetzt müssen wir Blockexplorer wohl als eigene Mediengattung definieren.

vr blockexplorer bitcoin

Denn was ursprünglich mit blockchain.info, blockr.io etc. als einfache Schnittstelle zwischen dem menschlichen Nutzer und seinem Computer auf der einen Seite und den kryptischen Rohdaten der Blockchain auf der anderen begann, wird zunehmend hübscher, komplexer und interaktiver.

Feel the blockchain. Be the blockchain.

Nun ist also auch der erste Virtual-Reality-Blockexplorer in Arbeit und wie dieses Vorab-Video zeigt, wird das wohl eine erstaunlich unterhaltsame Angelegenheit. Oder wie es dieser Dialog auf Reddit beschreibt: „it can´t get more geeky.“ – „Yes it can. I didn’t see him try to mine for blocks.“

Bitcoin Visualizer – So voll sind die Blöcke

Eric Miller hat mit dem Bitcoin Visualizer ein kleines Tool geschaffen (Code auf Github), das auf einen Blick eine Übersicht darüber geben soll, wie es aktuell um die Kapazität der Blöcke in der Blockchain steht. Und man sieht: Die Wanne ist voll. Denn je dunkler der Block, desto voller ist er.

„The color represents how close it is to capacity in byte size. Blocks are limited by the bitcoin protocol to 1mb, and many blocks are already very close to that limit, as you can see.“

Volle Blöcke machen Bitcoin teurer

Volle Blöcke bedeuten, dass die Gebühren pro Transaktionen steigen, was in Zusammenhang mit der bislang ohnehin beschränkten Kapazität von ca. sieben Transaktionen pro Sekunde in der öffentlichen Diskussion als einer der Hauptkritikpunkte an Bitcoin gesehen wird.

SegWit soll die Blockgröße besser nutzen

Glücklicherweise steht die Aktivierung von SegWit kurz bevor einer technischen Maßnahme, die neben einigen anderen Verbesserungen auch eine Vergrößerung der Kapazität mit sich bringt und als wichtiger erster Schritt zur langfristigen Skalierung von Bitcoin gilt. Dabei werden zwar nicht die Blöcke größer, aber der vorhandene Platz effizienter genutzt.

Wenn alles so läuft, wie geplant, sollte der Bitcoin Visualizer in einiger Zeit also wieder etwas entspanntere Farben zeigen.

Österreichischer Blockchain-Contest

Dass unsere österreichischen Nachbarn in puncto Bitcoin/Blockchain umtriebig sind und uns dabei gerne auch mal einen Schritt voraus, habe ich hier ja schon häufiger thematisiert. Und um diese These direkt zu untermauern, veranstaltet der BlockchainHub Graz in Kooperation u.a. mit der lokalen Sparkasse(!) einen Blockchain-Startup Contest.

Bis 31. Oktober können sich Gründer, Entwickler und Projektinitiatoren (wohl nicht nur österreichische) dort mit ihren Ideen, Startups und Prototypen bewerben und um Preise im Gesamtwert von 15.000 Euro konkurrieren. Diese werden aber selbstverständlich nicht in Euro, sondern in Bitcoin und Ether ausgezahlt.

Intention des Wettbewerbs noch nicht ganz klar

Allerdings wird aus der Website nicht ganz ersichtlich, was die eigentliche Intention dieses Wettbewerbs ist. Geht es nur darum die Ideen ins Rampenlicht zu holen? Wird es ein Event zum Netzwerken geben? Interessiert sich womöglich die Sparkasse selbst für die eingereichten Projekte oder ist diese nur formal ein Unterstützer?

Ein paar mehr begleitende Informationen würden dem Contest also gut tun. Ein bisschen Zeit ist ja aber auch noch und die Seite soll beständig aktualisiert werden.

Noch mehr BlockchainHubs

BlockchainHubs gibt es übrigens nicht nur in Graz, sondern auch in Berlin und Brüssel. In weiteren Ländern sind sie im Aufbau.

Auf der Suche nach dem Blockchain-Konsens

Die große Frage der Blocksize-Debatte ist, wie mit dem begrenzten Platz in der Bitcoin-Blockchain umzugehen ist, wenn Bitcoin weiterhin wachsen können soll?

Wie soll überhaupt entschieden werden?

Was das Beantworten dieser Frage so kompliziert macht, ist nicht nur die reine Abwägung technischer Alternativen, sondern auch die Meta-Frage, mit welcher Methodik die wachsende, dezentrale Bitcoin-Community in solchen Fällen eigentlich grundsätzliche zu einem mehrheitsfähigen Konsens kommen soll? Also nicht auf technischer Ebene. Das hat Satoshi Nakamoto mit der Blockchain bereits auf bemerkenswerte Weise gelöst. Viemehr geht es um den zwischenmenschlichen Konsens. Mike Hearns Abgang zeigte erst kürzlich, wie schwer das sein kann.

Satoshi Nakamotos Konsens ist eine technische Lösung

Klar, ganz pragmatisch gesehen kann eine unkontrollierte hard fork in solch einem Streitfall ganz pragmatisch Tatsachen schaffen (Satoshi Nakamoto hat da clevererweise vorgesorgt). Man spaltet einfach die Blockchain, verändert ein paar Parameter und schaut, was passiert.

Allerdings kann diese Option nur die Ultima Ratio sein bzw. das um jeden Preis zu vermeidenden Worst Case-Szenario. Immerhin ist es unmöglich das potentielle Ausmaß der mit einer unkontrollierten hard fork verbundenen Kollateralschäden für das gesamte Bitcoin-Ökosystem absehen. Da müsste man dann einfach durch. Auf die ganz harte Tour.

Kontrollierte hard fork nur mit zuvor gesicherter Mehrheit

Besser wäre es also für alle Beteiligten noch vor einer hard fork zu einem mehrheitsfähigen Ergebnis zu kommen. Das wiederum ist in einer dezentralen Open Source-Community gar nicht so einfach. Dennoch gibt es auch hier Fortschritte.

Zum einen, wenn versucht wird, nicht mehr so früh wie möglich in aller Öffentlichkeit Konsens herzustellen (das hat man lange Zeit erfolglos probiert und daraus gelernt), sondern wie im Fall von Bitcoin Classic, zunächst eine relevante Anzahl relevanter Unterstützer zu finden und erst dann in eine größere Öffentlichkeit zu gehen.

Zum anderen, wenn Tools wie bitcoin.consider.it eingesetzt werden, um zunächst organisiert Meinungen und Stimmungen in der gesammten Community zu sammeln. Darauf aufbauend können dann wiederum konkrete Vorschläge neu erarbeitet, geändert oder auch kombiniert werden, die dann idealerweise konsensfähig wären. Oder zumindest die Vielzahl von Vorschlägen auf die mit den besten Aussichten reduzieren.

Konsens und Meta-Konsens – der Weg ist noch lang

Noch hat bitcoin.consider.it zwar keine Nutzerzahlen, die (halbwegs) repräsentative Ergebnis liefern. Dennoch ist es aber ein gutes Zeichen, dass die Community zeigt, dass sie nicht nur technisch, sondern auch zwischenmenschlich einen tragbaren Konsens finden will. Das macht Mut, darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Weg noch lang ist. Bis die Bitcoin-Community einen finalen Konsens darüber findet, auf welchem Weg sie in Grundsatzfragen künftig einen Konsens finden will, wird es also noch dauern.

Bonus-Material

Sehr interessant zu dem Thema ist übrigens auch das Interview mit dem Bitcoin Core-Entwickler Jonas Schnelli drüben beim Bitcoinblog.

Die Blockchain-Zukunft der Geld- & Kreditkarte

Seitdem ich regelmäßig den Fintech-Podcast höre, weiß ich, welche zentrale Rolle Debit-Karten (aka „Geldkarte“ oder „Bankkarte“) und Kreditkarten heute im allgemeinen Zahlungsverkehr spielen. Erstere vor allem hierzulande, Kreditkarten in vielen anderen Ländern.

Insofern war es auch nur eine Frage der Zeit, bis Unternehmen wie Xapo oder Coinbase auf die Idee kommen, Bitcoin irgendwie in das bisherige Konzept von Debit- und Kreditkarten zu zwängen. Weil der Nutzer den Einsatz dieser Karten und wie sie funktionieren ja gewohnt sei.

Bisherige „Bitcoin-Geld- & Kreditkarten“ sind ein Witz

Das ist ein ziemlich bescheidener Ansatz. Denn solche Bitcoin-Geldkarten machen aktuell das Bezahlen mit Bitcoin möglicherweise ein klein wenig einfacher, sie vernachlässigen aber komplett, wozu das Bitcoin-Blockchain-System wirklich in der Lage ist, wenn man es konsequent und mit einer Vision auf das Thema „Kartenzahlung“ überträgt.

Mit umso größer Begeisterung habe ich daher dieses Mycelium-Video angeschaut, das genau das macht und ein Bezahlkarten-Zukunftsszenario zeigt, dass die größtenteils nutzlose klassische Plastikkarte und den, der sie rausgibt, alt aussehen lässt.

Die Geldkarte selbst wird Teil des Bitcoin-Netzwerks

Denn wenn es nach Mycelium geht, sind künftige Geldkarten bald selbst Teil des Bitcoin-Netzwerks, haben Zugang zur Blockchain und werden nicht durch einen Dritten (Kartenanbieter) kontrolliert, sondern nur durch den Besitzer selbst. Autarke Geldkarten als Teil einer digitalen, dezentralen Bezahl-Infrastruktur. Klingt fast zu schön um wahr zu sein.

Deshalb stellt sich auch die Frage, wie utopisch diese Idee ist oder wie lange es dauern wird, bis das Mycelium Card Network Realität werden könnte? Nun ja, schaut man sich die zugehörige Mycelium-Seite an, ist das Team schon bemerkenswert weit und ich gehe davon aus, dass wir dieses Jahr Weiteres hören werden.

Die Chancen für die Mycelium Card stehen gut

Zudem gibt es noch zwei weitere Gründe, die für die Mycelium Card sprechen. Zum einen haben die Macher mit der gleichnamigen Android-App bereits eine der besten Bitcoin-Wallets überhaupt entwickelt. Zum anderen zeigt das Beispiel der Mycelium-kompatiblen Hardware-Wallet Trezor schon seit langem, wie sicher, kompakt und benutzerfreundlich sich Bitcoins heutzutage aufbewahren und verwalten lassen.

Einer Blockchain-Geldkarte, die beides verbindet, gebe ich daher mittelfristig ziemlich gute Chancen. Selbst wenn sie in einigen Punkten mit den bisherigen Karten-Gewohnheiten von Nutzern bricht.

Proof of burn, baby, burn!

Eine für viele auf den ersten Blick vermutlich eher irritierende Verwendung von Bitcoin ist, sie zu „verbrennen“. Erstens weil es komisch klingt etwas „verbrennen“ zu wollen, dass ausschließlich rein digital existiert und zweitens: Warum zur Hölle sollte man das tun?

Das waren jedenfalls meine zwei großen Fragezeichen als ich zum ersten Mal vom sogenannten proof of burn gehört habe. Vor allem da es sich dabei nicht nur um einen destruktiven, sondern auch um einen Wertschöpfungsprozess handeln soll. Was steckt also dahinter?

Proof of burn als destruktiver Wertschöpfungsprozess

Kurz gesagt geht es hierum: Indem Bitcoins an eine Adresse geschickt werden, von der sie nachweislich nicht mehr ausgegeben werden können, wird der Wert dieser Bitcoins quasi „verbrannt“, sie gelten als unspendable („unausgebbar“). Soweit der destruktive Part. Der konstruktive Teil des proof of burn-Konzepts sagt nun, dass dieser Wert übertragen werden kann, zum Beispiel um eine neue Kryptowährung zu erschaffen.

Diesen Ansatz verfolgte das Bitcoin 2.0-Projekt Counterparty um im Januar 2014 mit gut 2130 „verbrannten“ Bitcoins die eigene Währung XCP ins Leben zu rufen und mit Wert zu versehen. Die Idee dahinter: Anstatt die neue Kryptowährung zu verkaufen, wobei die Developer den großen Reibach machen würden oder, wie bei Bitcoin, einen proof of work-Algorithmus zum Generieren zu verwenden, bei dem man sich die Währung letztlich auch durch Zeit, Energie und Technik „erkaufen“ kann, sollte durch das nachweisliche Vernichten von Bitcoins ein möglichst transparenter und fairer XCP-Verteilungsprozess gefunden werden. Wer eigene Bitcoins „verbrannte“, bekam im Gegenzug XCP. Mehr Details darüber im zugehörigen Counterparty-Blogpost.

Sinn und Unsinn eines proof of burn

Bleibt jedoch die Frage, ob ein proof of burn heute noch Sinn macht, wenn mit Sidechains ein ähnlicher Effekt erzielt werden könnte, ohne dass dabei Bitcoins unwiederbringlich verloren gehen. Wahrscheinlich eher nicht. Für Counterparty war der proof of burn dennoch ein Erfolg. Im Januar 2014 wurden gut 2130 Bitcoins „verbrannt“ um etwas mehr als 2600 XCP zu erschaffen. Heute sind all diese XCP mehr als 8000 Bitcoins wert.

Darüber hinaus profitiert von einem proof of burn auch jeder, der Bitcoin besitzt, selbst, wenn er/sie nicht an der Aktion teilnimmt. Denn mit jedem „verbrannten“ Bitcoin sinkt die sich im Umlauf befindende, verfügbare Menge und der Wert jedes Bitcoins steigt.

Die proof of burn-Statistik

Die Website btcburns.cf führt übrigens eine Statistik über „verbrannte“ Bitcoins und sammelt Adressen, auf denen nachweislich unspendable Bitcoins liegen, weil es nahezu ausgeschlossen ist, dass jemals jemand passenden den Private Key zu willkürlich gewählten Bitcoin-Adressen wie 1FuckMtGoxFFFFFFFUUUUUUUUUUQXW5ik oder 1234567891234567891234567891wBd7RE oder 1BitcoinEaterAddressDontSendXbTwCR findet.

Die Zahl der unabsichtlich „verbrannten“ Bitcoin ist noch viel höher

Was aber auch diese Statistik nicht erfassen kann, sind all die Bitcoins, die auf „normalen“ Adressen liegen, zu denen der/die Besitzer/in den Private Key verloren hat. Diese Zahl dürfte nämlich noch bedeutend höher sein als die bisher absichtlich „verbrannten“ Bitcoins. Ich zum Beispiel habe ja noch mein verschlüsseltes Wallet-Backup über dem Schreibtisch hängen, dessen Passwort verloren ging und mich in meiner Sorglosigkeit kalt erwischte, als vor einiger Zeit mein Smartphone crashte.

Die Blockchain weiß, was du letzten Sommer getan hast!

Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass wer Bitcoin benutze, dabei anonym ist. Das ist falsch, denn alle Daten der Blockchain werden öffentlich(!) gespeichert und sind für immer(!), frei(!) und unbeschränkt(!) zugänglich. Jede Transaktion jedes einzelnen Satoshis ist in der Blockchain dokumentiert.

Bitcoin ist nicht anynoym, wenn man sich nicht darum kümmert

Zwar gibt es durchaus Möglichkeiten eigene Bitcoin-Transaktionen durch Dienstleistungen wie bitmixer.io oder darkwallet.is zu anonymisieren und Off-Chain-Transaktionen wie beim Microtipping-Dienst ChangeTip sind auch nicht jeweils einzeln, sondern aggregiert in der Blockchain verzeichnet, aber grundsätzlich ist erst einmal jede einzelnen Bitcoin-Transaktion vollkommen transparent.

Viel mehr noch. Jede Bitcoin-Transaktion beinhaltet neben Sender- und Empfänger-Adresse und der Menge der versendeten Bitcoins eine ganze Reihe zusätzlicher Informationen, die, wenn sie clever analysiert werden, sehr aufschlussreich sein können.

Die Blockchain – ein Eldorado für Datenanalysten

Mit Hilfe von Inputs und Outputs, den technischen Bitcoin-Fachtermini für Begriffe wie „Wechselgeld“, „Guthaben“, „Überweisungssumme“ etc., lassen sich z. B. Bitcoin-Adressen clustern und gibt es irgendwo in der eigenen Wallet-/Adress-/Transaktions-/Input-/Output-Historie auch nur eine einzige Bezugsquelle zu einem realen Namen, einer persönlichen E-Mail-Adresse oder einer Bankverbindung, ist selbst die vermeintliche Pseudonymität, die die kryptische Zeichenkolonne einer Bitcoin-Adresse bietet, futsch. Anders gesagt: Die Blockchain weiß ganz genau, wann ihr damals Gras über die Silk Road gekauft habt und wer die Blockchain lesen kann, weiß es auch.

Die Blockchain zu anlysieren wird immer einfacher

Nun war es eine ganze Zeit lang das Privileg von Experten die Blockchain so detailliert analysieren zu können. Seit kurzem ist jedoch blockseer.com am Start und was diese Website bietet, ist, je nachdem wie man es sieht, beeindruckend oder erschreckend. Blockseer ermöglicht es nämlich mit wenigen Klicks und graphisch ganz hervorragend aufgearbeitet die Daten der Blockchain gezielt zu durchsuchen.

Blockseer macht die Blockchain-Daten erlebbar

Nun ist die Idee, die Daten der Blockchain zu analysieren, nicht neu. Anbieter wie bitcoinprivacy.net oder bitiodine.net machen das schon länger. Neu ist aber die Qualität, mit der Blockseer die Transparenz der Blockchain für Ottonormal-User erfahrbar macht und wer sich mal ein wenig durch die eigenen „Tx Hashes“ klickt (Bitcoin-Adresse eingeben, dann unten rechts auf einen beliebigen Tx Hash klicken), wird begeistert sein oder erschrocken – je nachdem, wie man bisher zum Thema „Bitcoin ist anonym“ stand.

Besonders die Möglichkeit öffentlich bekannten Adressen (bspw. von Bitcoin-Börsen ohnehin offengelegte oder durch strafrechtliche Ermittlungen bekannt gewordene) als Bezugspunkte miteinzubeziehen, ist bemerkenswert. Sie illustriert nämlich ganz ausgezeichnet die These, die Prof. Katharina Zweig, Leiterin des Studiengangs Sozioinformatik an der TU Kaiserslautern, bereits im Oktober 2014 im Bundestag aufstellte: „Sollte die gesamte Bevölkerung Bitcoins verwenden, können wir mit unseren Methoden aus der sozialen Netzwerkanalyse die Anonymität ganz schnell aufheben.“ 

Die Argumentation mit Blockseer ist ignorantensicher

Damals wurde sie dafür noch kritisiert (siehe Diskussion in den Kommentaren), Blockseer ist nun das DAU-tauglichste Instrument dieser Kritik zu begegnen.

Und ja – selbstverständlich ist die professionelle Analyse der Blockchain auch schon längst zu einem interessanten Geschäftsmodell geworden, wie diese geleakte Roadmap von Chainalysis zeigt. Für rund 200 Dollar im Monat gibt es das Blockchain-Analyse-Einsteigerpaket, für rund 500 Dollar das volle Programm inkl. API. Zur Zielgruppe von Chainalysis, Sabr.io und Co. gehören dabei übrigens auch ganz gezielt Ermittlungsbehörden.

Sabr.io blockchain analyse
Produkt: Blockchain-Analyse, Zielgruppe: Ermittlungsbehörden
Fazit: Die Blockchain weiß alles, Behörden aber (noch) nicht

Jeder, der Bitcoin benutzt, sollte sich also im Klaren darüber sein, welche und wieviele Informationen die Blockchain über jede Transaktion speichert und dass jede Behauptung, Bitcoin sei anonym, schlichtweg Unsinn ist.

Nichtsdestotrotz scheint das Wissen um den Informationsgehalt der Blockchain noch sehr begrenzt zu sein. Anders ist bisher nicht zu erklären, dass die hiesigen Ermittlungsbehörden im Fall Shiny Flakes es noch nicht einmal schaffen, den Inhalt zweier bekannter Bitcoin-Wallets zu überprüfen. Ist aber auch nur eine Frage der Zeit.

Bitcoin per Messenger zu M-Pesa transferieren

Die große Stärke von Bitcoin ist, dass es kein abgeschlossenes, sondern ein Open Source-Finanzsystem ist. Das bedeutet, dass jederman Bitcoin nutzen kann, um für sein spezifisches Problem oder für die ganz individuellen Ansprüche eine passende Lösung zu basteln. Oder, wie dieses Beispiel zeigt, andere, sehr erfolgreiche, aber eigentlich abgeschlossene Finanzsysteme zu penetrieren.

Bitcoins mittels M-Pesa binnen Minuten zu Bargeld machen

Michael Baumann zeigt nämlich in diesem bemerkenswerten Video, wie es jetzt schon technisch ganz einfach möglich ist, Bitcoins per Telegram-Messenger in das M-Pesa-Netzwerk zu schicken und sich direkt auszahlen zu lassen. Oder den Taxifahrer zu bezahlen. Oder noch viel mehr. (Hier gibt es noch eine Indoor-Demo, bei der man den Bildschirm noch besser sehen kann).

Bitcoin als grenzenloses Bindeglied

Das klingt vielleicht banal, ist es aber ganz und gar nicht, wenn man bedenkt was für eine reichweitenstarke Institution das M-Pesa-System mittlerweile im Peer-to-Peer-Bezahlen ist oder dass Anbieter wie Facebook zwar schon lange vollmundig Peer-to-Peer-Bezahlen per Messenger ankündigen, da aber bislang noch nichts Nennenswertes bei rumgekommen ist. Mal ganz abgesehen davon, dass die obige Lösung eine Einzelperson(!) gebaut hat und damit transantionale Überweisungen ins M-Pesa-Netz mit jedem(!) Messenger (Telegram, Whatsapp, WeChat etc.) möglich sind. Hut ab!

Bitcoins mittels „Bio-Payment“ verschicken

Patric Lanhed hat sich einen Chip implantiert, der den Private Key zu seiner Bitcoin-Wallet enthält. Nun kann er quasi im Handstreich bezahlen. „Bio-Payment“ nennt er es.

Bio-Payment – Bezahlen per Handschlag

Wenn er das Projekt jetzt noch soweit verbessert, dass man künftig einzig und allein mit Jedi-gleichen Bewegungen seine Geldgeschäfte erledigen kann, sehe ich dafür ziemlich großes Potential.