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BitBox02 – Die Schweiz als Hardware-Wallet

Nachdem ich neulich die Coldcard auf dem Schreibtisch hatte, eine Hardware-Wallet, die Design und Nutzerfreundlichkeit in jeder Hinsicht dem Thema Sicherheit unterordnet, könnte der Kontrast zur BitBox02, meinem aktuellen Testgerät aus dem Hause Shift Cryptosecurity, nicht größer sein.

Zwar kann man die schweizerische BitBox02 nicht so gut „erschießen“ wie den „hässlichen kleinen Taschenrechner“ aus Kanada und auch den eigenen Seed kann man nicht erwürfeln. Wenn man jedoch bereit ist, auf einige dieser Maximal-Sicherheitsfeatures zu verzichten, bekommt man mit der BitBox02 die derzeit wohl modernste, anwenderfreundlichste und zeitgemäßeste Hardware-Wallet.

Als Nachfolger der BitBox01 wirkt sie in vielen Details gut durchdacht, die Handhabung ist auf die Bedürfnisse des Nutzers fokussiert und das Design ist elegant. Wer hätte gedacht, dass sich die technische Nerdigkeit von Bitcoin und die Herausforderung, Bitcoins sicher aufzubewahren, so sexy verkaufen lässt.

Massiv, sicher und für die Ewigkeit gemacht. Der BitBox02-Hersteller versteht es, das Schweizer Image der Stabilität und Vertrauenswürdigkeit auf seine Produkte zu übertragen.
Krypto-Sicherheit als Schweizer Statement

Um das Konzept der BitBox02 zu verstehen, muss man sich zunächst mit Shift Cryptosecurity befassen. Kaum ein anderes Unternehmen ist mir in den letzten Monaten häufiger positiv aufgefallen.

Egal ob es um das Finden und verantwortungsvolle Kommunizieren von Schwachstellen in den Hardware-Wallet-Konzepten anderer Hersteller geht. Oder um einen Plan, wie man einen Lightning-Node baut, der so ansehnlich und funktional ist, dass ihn sich sogar die eigenen Eltern gerne ins Wohnzimmer stellen würden oder eben um eine zeitgemäße Hardware-Wallet. Das Auftreten des Shift Cryptosecurity-Teams wirkt nach außen hin immer respektvoll, engagiert, kompetent und konstruktiv.

https://twitter.com/Stadicus3000/status/1186298106196967431

Eine smarte Strategie. Denn durch gute Kommunikation, Kooperationsbereitschaft und Authentizität erarbeiten sich die Schweizer langfristig das wichtigste Gut, das ein Unternehmen im Bitcoin-Ökosystem besitzen kann: Vertrauen.

Ohne Frage hat dabei ein Schweizer Unternehmen aufgrund der langen Tradition des Landes, Vermögen professionell und diskret zu verwalten, von Natur aus einen Vertrauens-Bonus. Das Team von Shift Cryptosecurity versteht es aber, dieses Schweizer Image zu nutzen und geschickt und authentisch auf das Bitcoin-Finanzwesen zu übertragen. Eine Hardware-Wallet aus der Schweiz? Das klingt solide und lässt sich gut verkaufen. Immerhin nutzte ja schon Barack Obama vor ein paar Jahren in Bezug auf Verschlüsselung das Sinnbild des „swiss bank account in a pocket“.

BitBox02 – Das Lieferdilemma

Abgesehen vom positiven Image bringt der Standort Schweiz jedoch auch Nachteile mit sich. Denn als Nicht-EU-Land muss eine BitBox02 bei der Lieferung nach Deutschland zunächst durch den Zoll, was in meinem Fall eine recht unerfreuliche Erfahrung war.

Zum einen verlängerte der Prozess meine Lieferzeit um zwei Wochen. Außerdem musste ich eine detaillierte Sendungs- und Inhaltsbeschreibung abgeben. Gerade wenn es um das private sichere Aufbewahren von Bitcoin geht, fühlt sich das nicht richtig an, eine Bitcoin-Hardware-Wallet und ihren Einsatzzweck beschreiben zu müssen, wenn man nicht weiß, wer diese Information schließlich alles in die Hände bekommt.

Vom Zoll zur Durchsicht geöffnet und wieder „verschlossen“. Einer Hardware-Wallet, die in so einer manipulierten Verpackung ankommt, sollte man eigentlich nicht mehr vertrauen.

Am ärgerlichsten war jedoch der Zustand, in dem das Päckckchen schlussendlich bei mir ankam: offensichtlich geöffnet und äußerst lieblos und dilettantisch wieder zugeklebt. Hätte ich die BitBox02 nicht zu Testzwecken, sondern für den privaten Nutzen bekommen, hätte ich mir an dieser Stelle überlegen müssen, ob ich meine Bitcoins dieser manipulierten Lieferkette wirklich anvertrauen möchte. Im Zweifel wohl eher nicht.

Neue Ideen für mehr Sicherheit

Doch genau dieses systemischen Problems ist man sich offensichtlich auch bei Shift Cryptosecurity bewusst. Mit dem frisch vorgestellten Konzept von BitBox Tep hat man jedenfalls eine der aktuell interessantesten Lösungen für das Lieferkette-Problem vorgestellt: Wie lässt sich nachweisen, dass das Gerät, das beim Kunden ankommt, zwischendurch nicht manipuliert wurde? Ein Problem, das ja letztlich alle Hardware-Wallet-Anbieter irgendwie lösen müssen.

Dass sich Shift Cryptosecurity hierbei wieder früh an die Community wendet, um Feedback zu bekommen, passt zum insgesamt konstruktiv-kooperativen Auftreten des Unternehmens.

Noch ohne BitBox Tep-„Fingerabdruck“ und daher einfacher manipulierbar: die BitBox02 im gebrandeten Vakuumbeutel.

Bei meinem Testgerät kam das Tep-Feature allerdings noch nicht zum Einsatz. Meine BitBox02 wurde vorerst nur im „Marken“-Vakuumbeutel geliefert. Besser als nichts, aber in der Form (ebenso wie Hologram-Sticker etc.) letztlich nur eine Maßnahme aus der Kategorie Security-Theater.

Für rund 100 Euro bekommt man: Sticker, die BitBox02, eine SD-Karte, ein USB-Adapter, ein USB-C-Verlängerungskabel, drei Befestigungsbändchen und eine wirklich schön gestaltete Verpackung.
Un-BitBox-ing

Entvakuumiert befinden sich dann in der sehr ansprechend gestalteten Verpackung neben der eigentlichen Hardware-Wallet die fast schon obligatorischen Sticker, eine SD-Karte, ein USB-C-Verlängerungskabel und ein USB-Adapter. Der ist eine charmante Lösung um die BitBox02 abwärtskompatibel zu halten. Erfreulicherweise hat das Gerät selbst nämlich einen modernen USB-C-Anschluss. Eines der Details, die die Hardware-Wallet technisch auf der Höhe der Zeit verorten.

Der andere ist die Kombination aus großem Display und Bedienung per Touch-Gesten. Dadurch kommt das Gerät nicht nur ganz ohne Tasten aus, sondern wird auch sensorisch zu einem Erlebnis.

You can touch it

Tippen, streichen und drücken – diese Gesten kennen wir vom Smartphone und immer mehr Alltagsgeräten. Nun auch die eigene Hardware-Wallet auf diese Weise zu bedienen, wirkt daher nicht sonderlich futuristisch, sondern eher zeitgemäß. Allerdings lässt es die Bedienung über kleine, fummelige Knöpfe wie bspw. bei den weit verbreiteten Ur-Hardware-Wallets Ledger Nano S oder Trezor One geradezu anachronistisch erscheinen.

Vor allem, da die Bedienung der BitBox02 wirklich durchdacht ist. Das Display selbst ist nämlich nicht touchfähig, sondern nur die Seiten der Hardware-Wallet. So bleibt der Blick aufs Display immer frei und wird nicht durch die eigenen Finger versperrt. Bei der Geräte-Größe von 45x24x8 Millimeter (ohne Stecker) eine gute Entscheidung.

Reibunsglose Inbetriebnahme

Auch in Betrieb setzt sich der positive Eindruck fort. Die Einrichtung der Hardware-Wallet funktioniert ähnlich wie bei der Konkurrenz. Wie bei den meisten anderen Anbietern auch muss zunächst eine Desktop-App heruntergeladen werden, über die auf die BitBox02 zugegriffen und Updates installiert werden können.

Neue Wallet oder Wiederherstellen? Mit wenigen Klicks ist die BitBox02 betriebsbereit.

Für Kritiker bedeutet das natürlich einen potentiellen Privatsphäre-Verlust. Allerdings kann man (falls man das kann) in den „Experten-Einstellungen“ die App zumindest auch mit einem eigenen Full-Node verbinden.

Backups für alle!

Positiv zu bewerten ist in jedem Fall der Umstand, dass das Backup der Hardware-Wallet nicht nur per Seed, sondern auch auf der beiliegenden SD-Karte gespeichert wird. Das erhöht zwar den individuellen Aufwand. Neben dem Seed muss nun nämlich auch die SD-Karte sehr sicher aufbewahrt werden, da das Backup hier unverschlüsselt gespeichert ist. Allerdings gibt es dafür auch ein explizites System, wie das eigene Guthaben im Ernstfall auch ohne BitBox02 wiederhergestellt werden kann.

Dass das Backup auf der SD-Karte unverschlüsselt liegt, ist sehr wichtig zu wissen.

Eine allgemeine Bewertung dieses Backup-System ist schwierig und hängt letztlich immer von der individuellen Situation ab. Einerseits ist es riskant. Gelangt die SD-Karte in falsche Hände, ist alles verloren. Andererseits ist das eine sehr praktische und intuitive Backup-Form für alle, die mit dem Einsatz von mnemonic seeds nicht vertraut sind. Wer das hingegen nicht will, kann das SD-Karten-Backup außerdem ja auch verwerfen und sich wie bei anderen Wallets auch ganz auf seinen Seed verlassen.

Zukunftstaugliche Hardware

Dass es allerdings einen SD-Karten-Slot bei der BitBox02 gibt, ist auch in Hinsicht auf Partially Signed Bitcoin-Transaktionen sinnvoll. Also wenn man mehrere Hardware-Wallets unterschiedlicher Anbieter gleichzeitig nutzen will, um seine Cold-Storage-Bitcoins sicher aufzubewahren. Auch wenn es aktuell zwar noch keine PSBT-Option in der BitBoxApp gibt, bietet das Gerät damit zumindest die nötigen Voraussetzungen, die Funktion künftig softwareseitig durch ein Update nachzurüsten.

Ist der SD-Karten-Slot vorhanden, könnte eine PSBT-Option softwareseitig einfach nachgerüstet werden.

Darüber hinaus ist mir im Umgang mit der App ein weiteres Detail positiv aufgefallen, das zeigt, wie viel Mühe man sich bei Shift Cryptosecurity gegeben hat, das eigene Konzept mit Schweizerischer Gründlichkeit zu durchdenken. Anstatt wie sonst oft üblich einen FAQ-Teil als eigenständige Menü-Option integrieren, hat jeder Menü-Bereich in der BitBoxApp einen eigenen kleinen Frage-Antwort-Bereich. Und zwar mit den jeweils konkreten Fragen, die an ebendiesem Menüpunkt relevant sein können.

So geht gute UX: Der „Guide“ ist kein separates FAQ, sondern beantwortet Fragen gleich dort, wo sie aus Nutzersicht entstehen.

Mögliche Fragen zu antizipieren und verständlich zu beantworten ist die Pflicht, die alle Hardware-Anbieter erfüllen. Die Fragen aber direkt dort zu beantworten, wo sie entstehen, ist aus Herstellersicht kein großes Ding. Aus Nutzersicht ist es aber das Tüpfelchen auf dem i, das zeigt, dass sich hier jemand tatsächlich Gedanken um die die Nutzererfahrung gemacht hat und wie man sie so reibungslos wie möglich gestalten kann. Haben wir im aktuellen Honigdachs-Podcast noch die oft verbesserungswürdige UX-Erfahrungen in Bitcoin-Anwendungen kritisiert, ist das hier ein positives Beispiel, wie man es wirklich gut machen kann.

Fazit

Am Ende bleibt wirklich wenig, was ich an der BitBox02 kritisieren kann. Zum Beispiel könnte sie sich timeout-mäßig automatisch abmelden und den Zugriff auf die App sperren, wenn man sie längere Zeit unbenutzt am Rechner angeschlossen lässt. Wenn das jedoch schon der größte Kritikpunkt ist, spricht das für sich.

In Hinblick auf die Bedienung, die Software-Optionen und die Hardware an sich ist die BitBox02 ansonsten nämlich eine Hardware-Wallet, wie ich sie mir vorstelle, wenn ich an die Schlagworte „Bitcoin“, „Schweiz“ und „2019“ denke: Solide, sicher, kundenorientiert und verlässlich.

Natürlich ist die BitBox02 wie andere Hardware-Wallets auch eine kleine Blackbox und ganz ohne Vertrauen geht es auch hier nicht. Wie sind die Teile intern verbaut? Lässt sie sich doch manipulieren? Ist das Secure Element auch wirklich secure? Wo sind bisher unbekannte konzeptionelle Schwachstellen?

Dass früher oder später auch bei der BitBox02 der ein oder andere Angriffsvektor entdeckt werden, ist eigentlich unausweichlich. Die Frage, die sich daher stellt, ist: Wie sehr vertraue ich dem Hersteller, darauf vorbereitet zu sein und das Problem schnell und effizient in den Griff zu kriegen?

Keine Hardware-Wallet ist unfehlbar. Bei der BitBox02 wird darüber erfreulich offen kommuniziert.

Der Relevanz dieser Frage scheint man sich sich Shift Cryptosecurity jedenfalls bewusst zu sein und adressiert sie dementsprechend offensiv durch gute Kommunikation, offene Innovation und gutes, nutzerorientiertes Design. Eine aufwändige, aber sinnvolle Strategie, die sich hoffentlich langfristig auszahlt. Denn mit der BitBox02 legt Shift Cryptosecurity die Messlatte für Hardware-Wallets ein gutes Stück höher. Um zu bestehen, müssen alle anderen Hersteller darauf nun angemessen reagieren. Für das Bitcoin-Ökosystem als Ganzes kann das nur von Vorteil sein.

Dementsprechend bin ich also nicht nur gespannt, wie sich die BitBox02 zusammen mit BitBox Tep und der BitBox App künftig weiterentwickeln wird, sondern auch wie sich der bald erscheinende Lightning-Node BitBoxBase in das Gesamtkonzept von Shift Cryptosecurity einfügt.

Kaufen

Die BitBox02 Hardware Wallet gibt es in einer Multi-Edition und einer Bitcoin-only-Variante. Beide kosten jeweils 109 Schweizer Franken (in etwa 100 Euro) und sollten wie alle Hardware-Wallets idealerweise direkt beim Hersteller gekauft werden.

Der Bitcoin Standard – „Wir wollen, dass die Message rüberkommt“

The Bitcoin Standard von Saifedean Ammous ist eines der prominentesten und polarisierendsten Bücher, die bisher über Bitcoin erschienen sind. Vor allem wegen der Erklärung des Stock-to-Flow-Modells und der Beschreibung von Bitcoin als extrem hartes Geld hat The Bitcoin Standard in Teilen der Community längst Kultstatus erreicht. Kritiker stören sich hingegen an der vertretenen Extremposition und einer mitunter konstruierten Argumentation.

Wenn sich kein Verlag findet, muss man ihn eben selber gründen

Wer sich selbst ein Bild machen wollte, musste das Buch bislang in der englischsprachigen Originalversion lesen. Ein deutscher Verlag fand sich nicht. Fabio und Stefan, zwei Bitcoiner aus der deutschen Community, wollten das nicht hinnehmen. Sie haben kurzerhand selbst einen Verlag gegründet, um The Bitcoin Standard endlich auch auf Deutsch verfügbar zu machen.

Seit ein paar Wochen ist Der Bitcoin Standard nun auf dem Markt und ich habe die Gelegenheit genutzt, Fabio zu ihrem Verlags-Projekt und ihrer Motivation zu befragen.

Der Bitcoin Standard von Saifedean Ammous. 432 Seiten kosten 24 Euro.

Hallo Fabio, stell euch doch mal kurz vor. Wer seid ihr und was habt ihr eigentlich mit Bitcoin zu tun?

Wir sind zwei Freunde, die ins Bitcoin Rabbit Hole gefallen sind und seither eine Möglichkeit gesucht haben, dem Space weiterzuhelfen und etwas zurückzugeben. Wir haben beide Maschinenbau studiert und arbeiten auch nicht im IT-Bereich, aber sind an Bitcoin kleben geblieben. Stefan hat sich trotzdem eher aus der technischen Sicht Bitcoin genähert, bei mir war es mehr das Potenzial zum Aufbrechen der politischen Ketten in unserem System.

Wie ist es dazu gekommen, dass ihr The Bitcoin Standard auf Deutsch herausbringt?

Nach dem ich das Buch gelesen hatte, war für mich klar, dass ich meinem Umfeld die darin enthaltenen Thesen und Gedanken näherbringen will. Je nach Altersklasse und Englisch-Skill ist das jedoch nicht so einfach. Also hatte ich kurzerhand Saifedean Ammous persönlich angeschrieben, um an die Verlagsrechte zu kommen und dann Stefan überzeugt, dass wir das in Angriff nehmen. Zum Glück hat alles geklappt!

Gab es keine andere, einfachere Möglichkeit das Buch auf Deutsch verfügbar zu machen?

Wir hatten einige Verlage gefragt, ob sie es machen wollen, sind dabei aber auf taube Ohren gestossen. Wenn das die einzige Möglichkeit gewesen wäre, hätten wir bestimmt einen gefunden. Aber uns gefiel dann doch der Gedanke, mit einem solchen Projekt auch mal unseren unternehmerischen Drive umzusetzen und vielleicht in der Bitcoin-Economy ein bisschen Fuß fassen zu können. Außerdem war uns sehr wichtig, dass die Message des Buchs wirklich klar rüberkommt und das Lektorat und die inhaltliche Überprüfung durch Bitcoiner stattfindet.

Wie groß war der Aufwand für euch und welches Kostenrisiko seid ihr eingegangen?

Genaue Zahlen möchte ich jetzt nicht unbedingt nennen, die kann man sich jedoch teilweise aus den Crowdfunding-Infos zusammenreimen. Insgesamt sind wir jedenfalls mit einer für uns sehr stattlichen Summe in Vorleistung gegangen.

Der generelle Ablauf war natürlich nicht unbedingt perfekt strukturiert, da die Verlagsbranche komplettes Neuland für uns war. Begonnen hatte es mit Verhandlungen mit dem Verlag über die Kosten und Dauer der Verlagsrechte. Danach haben wir überlegt, wie wir es umsetzen. Über andere Verlage, im Selbstverlag, Amazon Publishing und was es nicht alles gibt. Dann die Fragen: Wo drucken wir? Wer macht die Grafik? Wer setzt das Buch? Ich bin was Design und UX angeht etwas eigen und konnte mich mit der Qualität und den eingeschränkten Möglichkeiten von Amazon Publishing und dem Einfluss, den wir über die Zusammenarbeit mit einem anderen Verlag verlieren, nicht wirklich anfreunden. Ich hätte es mir nie verzeihen können, wenn die deutsche Version visuell und haptisch nicht dem gerecht wird, was es inhaltlich bietet. Aus dem Grund haben wir uns am Ende für den Selbstverlag und auch einen professionellen Druck entschieden und sind mit dem Ergebnis wirklich sehr zufrieden.

Einige nette und teils recht bekannte Bitcoiner und andere Freunde haben uns da zum Glück mit Kontakten und guten Tipps geholfen. Trotzdem war der Aufwand teilweise aber schon immens. Wir arbeiten beide noch in einem Vollzeitjob und einige Dinge liefen gar nicht zu unserer Zufriedenheit.

Wo hat es denn gehakt?

Das Erstlektorat der Übersetzung war grauenhaft. So schlecht, dass wir das komplett verworfen haben und die eigentlich schon sehr gute Erstübersetzung von Claus Bertermann dann in mehreren Schritten selbst überarbeitet haben. Das ging inhaltlich vom Gegenlesen jedes Satzes über die komplette Rechtschreibung und Vereinheitlichung von gebrauchten Wörtern bis hin zum umformulieren ganzer Abschnitte, weil ansonsten der Grundgedanke aus unserer Sicht nicht genügend getroffen wurde. Das hat definitiv einiges an Zeit geschluckt und uns zahlreiche Wochenenden und Abende gekostet.

 Das klingt nach sehr viel Arbeit. Hattet ihr einen festen Zeitplan?

Alles in allem haben wir so ungefähr neun Monate gebraucht, wenn man das wochenlange Vorgeplänkel mit dem englischen Originalverlag nicht berücksichtigt. Das gesteckte Ziel war ja mal im September dieses Jahres den Verkauf zu starten. Das haben wir leider mit dem 21. Oktober dann um ein paar Wochen verpasst. Jetzt sind wir froh, es geschafft zu haben und freuen uns über jeden Kauf, der uns unterstützt und vor allem jede Buchhandlung, die uns ins Sortiment nimmt. Wir waren sogar nach dem Launch in der Amazon Bestsellerliste, wer hätte das gedacht?

Die enorme Reichweite von Amazon ist für euch natürlich attraktiv. Allerdings hat euch die damit verbundene zentralisierte Abhängigkeit auch wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht. Was war da los?

Obwohl wir sämtliche KYC-Stationen durchlaufen haben, und ich meine damit Passkopien, aktuelle Gewerbeanmeldung etc., hat Amazon schließlich noch ein Sonderformular für den Onlinehandel gefordert, das wir nicht rechtzeitig organisieren konnten. Da wurde uns dann einfach der Account gesperrt und das gesamte darin enthaltene Geld war nicht mehr verfügbar. Nachdem wir das Formular dann hatten, wurde der Account reaktiviert, hinterliess aber irgendeinen Bug. Dadurch sind wir aus allen Bestseller-Rankings rausgefallen und waren längere Zeit auch im Verkauf blockiert. Unsere Marketingmassnahmen liefen also teilweise ins Leere, wenn die Kunden nicht auch noch unseren eigenen Shop gefunden haben.

Das ist schon sehr ärgerlich und zeigt mal wieder, wie mächtig die Position von Amazon ist. Am schlimmsten ist aber, dass wir aus dem Ranking geflogen sind, ohne jemals tatsächlich nicht lieferfähig gewesen zu sein.

Der Bitcoin Standard. Immer verfügbar, aber nicht immer leicht zu bekommen.

Zurück zum Buch. Bitcoin ist bekanntlich kein triviales Thema. Wie schwer war es, jemanden zu finden, der diese Bitcoin-Fachliteratur gut ins Deutsche übersetzen kann?

Das war lustigerweise ein absoluter Zufall. Nach dem Einholen mehrere Angebote hatten wir uns für eine Dienstleistungsfirma entschieden, die Freelancer organisiert und explizit darum gebeten, jemanden mit dem entsprechenden Bitcoin-Grundverständnis zu finden. Eines Tages bekam ich dann eine E-Mail von Saifedean Ammous weitergeleitet, in der unser Übersetzer Claus Bertermann ihn bittet, dafür zu sorgen, dass er als Übersetzer im Buch erwähnt wird, weil das Buch ihn so sehr begeistert hatte, dass er unbedingt darin vorkommen wollte. Stellte sich raus, der vom Übersetzungsbüro zugewiesene Übersetzer war tatsächlich schon Bitcoin-Fan, der durch das Übersetzen des Buches sogar noch in seiner Überzeugung bekräftigt wurde. Claus hatte eben schon mal die Zehenspitzen ins Bitcoin-Gewässer getaucht und wusste was es ist und wieso es wichtig ist. Das Buch hat ihn dann aber komplett in den Kaninchenbau geschickt. Wieder einer mehr!

Insofern war die Grundlage schon wirklich gut. Wir haben dann einfach bei den Themen, die aufgrund ihrer Komplexität falsch verstanden wurden, nochmal nachgeholfen und sowieso alles bis ins Detail gegengeprüft. Das Buch ist nun mal unser Baby. Garantieren können wir trotzdem für nichts. Wir haben das ja selbst zum ersten Mal gemacht. Das aber definitiv nach bestem Wissen und Gewissen.

Mit Büchern wird man bekanntlich nicht reich, sondern muss mit Herzblut und Idealismus dabei sein. Trotzdem: Wie viele Exemplare müsst ihr verkaufen, um in den schwarzen Zahlen zu landen?

Man muss schon sagen, dass Der Bitcoin Standard wirklich ein idealistisches Projekt ist. Um das schnelle Geld zu machen, ist Bücher zu verkaufen sicher nicht der richtige Weg. Ich bin jedoch überzeugt, dass es sich auf lange Sicht auszahlt, wenn man den richtigen Antrieb dazu hat. Die schwarzen Zahlen hängen natürlich am meisten vom Vertriebsweg der Bücher ab. Im Großen und Ganzen kann man aber sagen, dass wir mindestens 3000 Exemplare verkaufen müssen, um in einen Bereich zu kommen, wo es nicht mehr weh tut. 

Das Buch ist nun seit einigen Wochen auf dem Markt. Wie wird es angenommen? Seid ihr zufrieden mit den Verkäufen bisher?

Wir haben viel Zeit investiert schon vor dem Verkaufsstart eine Community zusammenzutrommeln und interessierte Leute auf dem Laufenden zu halten. Was jedoch nach dem Aktivieren der Vorbestellungen und dann dem offiziellen Launch abging, hätte ich niemals gedacht. Die Resonanz war super positiv und die Nachfrage hat uns absolut überfordert. Wir haben die letzten zwei Wochen etliche Bücher verpackt und Postgänge getätigt.

Der interessante Zeitraum ist aber der, der jetzt bevorsteht. Nachdem die überzeugten Bitcoiner bedient sind, die dieses Buch sowieso feiern, wird es spannend zu sehen, wie der Rest dieses Buch annimmt. Da müssen wir jetzt natürlich an unserer Marketing-Strategien arbeiten, um das auch wirklich unter die Leute zu bringen und allen klar zu machen, dass dies das richtige Buch ist, um sich die wichtigen Verständnis-Grundlagen zuzuführen. Das wird sicher eine Herausforderung.

Wo soll es mit eurem Verlag hingehen? Wollt ihr noch mehr fremdsprachige Bitcoin-Bücher auf Deutsch veröffentlichen oder künftig sogar eigene, neue Bücher verlegen?

Noch ist das relativ offen. Wir sind gerade dabei uns mit einigen Verlagen und Autoren auszutauschen und es gibt 1-2 Titel, die wir sehr gern auf Deutsch verfügbar machen würden. Generell sind wir aber auch nicht eigenen Büchern gegenüber abgeneigt. Wenn da draussen jemand ein tolles Buch über Bitcoin schreiben will und Potenzial in uns als Nischen-Verlag sieht, darf und soll er sich gerne melden.

Coldcard – Die kompromisslose Hardware-Wallet

Lange waren Trezor und Ledger die beiden großen dominierenden Anbieter, wenn es um Hardware-Wallets ging. Den Rest des Marktes, meist nur minimal veränderte Trezor-Klone, konnte man unter ferner liefen abhaken Doch mittlerweile ist der Markt gewachsen und immer neue Konzepte für die sichere Verwaltung von Bitcoins sind verfügbar.

Eines dieser Konzepte ist die Coldcard des kanadischen Unternehmens Coinkite und sie ist in vielerlei Hinsicht anders. Einer Security-First-Maxime folgend aufs Minimale reduziert wird niemals der Eindruck erweckt, dass diese Hardware-Wallet Bitcoins verwaltet. Sie schützt Schlüssel.

Design, Funktionalität und Nutzerfreundlichkeit sind dementsprechend einem Form-follows-function-Ansatz untergeordnet. Die Coldcard soll nicht schön sein. Sie soll den sicheren Zugriff auf die eigenen Bitcoins kontrollieren. Ohne Kompromisse.

Die Coldcard-Wallet könnte optisch auch als billiger Taschenrechner aus den 90ern durchgehen.
Ein „hässlicher kleiner Taschenrechner“, der es in sich hat

Richtig eingesetzt ist die Coldcard ein mächtiges und praktisches Werkzeug. Doch wie so oft bei Werkzeugen können Profis damit besser umgehen als Einsteiger. Insbesondere wenn diese nicht immer ganz genau wissen, was sie eigentlich gerade tun. Dann könnten sich Bitcoin-Neulinge mit einer Coldcard womöglich sogar mehr schaden als nutzen.

Die Coldcard richtig einzusetzen, setzt Verständnis voraus über Bitcoin und dessen technische Zusammenhänge und Abläufe „unter der Haube“. Wer dieses Wissen nicht mitbringt, muss es sich selbst aneignen oder läuft Gefahr, etwas falsch zu machen. Die Konsequenz kann dann der unwissentliche Verlust der Privatsphäre sein, dass man sich eine neue Coldcard kaufen muss oder, im schlimmsten Fall, dass die eigenen Bitcoins zwar gut absichert sind, man aber auch selbst den Zugriff darauf verliert.

Auch diese Kompromisslosigkeit ist letztlich konsequent. Bitcoin bietet denen die größte Freiheit und Unabhängigkeit, die sich ihre damit einhergehenden Verantwortung bewusst sind und entsprechend handeln.

Wer sich daher die Zeit nimmt, sich mit der der Herausforderung einer guten Cold Storage-Lösung und der berechtigten Kritik an bestehenden Hardware-Wallet-Konzepten auseinanderzusetzen, der wird verstehen, warum die Coldcard so kompromisslos ist, wie sie ist. Und ihre Möglichkeiten zu schätzen lernen, die so bisher keine andere Hardware-Wallet liefert.

Coinkite und ihre Coldcard sind keine Unbekannten

Zunächst zu den Basics. Der Coincard-Hersteller Coinkite ist kein Unbekannter, sondern gehört schon seit Jahren zum Bitcoin-Ökosystem. Mit dem Opendime hat das kanadische Unternehmen eine physische USB-Bitcoin-Wallet entwickelt, die bereits in der 4. Generation vorliegt.

Auch die Coldcard ist nicht neu, sondern in der aktuellsten Version aktuell bereits zweimal verbessert worden. Beständigkeit und transparente Weiterentwicklung, das zeigt die Erfahrung, sind im Bitcoin-Ökosystem aber prinzipiell gute Eigenschaften. Diese Review bezieht sich allerdings nicht auf das aktuelle Mk3-Modell, sondern noch auf ein Mark 2-Modell der zweiten Generation. Die Unterschiede sind aber nicht grundlegend.

Minimalistisch: Mehr als eine Tüte, ’nen Sticker, die Coldcard und einen Merkzettel gibt’s nicht
Minimale Angriffsfläche durch Minimalismus

Das minimalistische Konzept der Coldcard zeigt sich direkt beim Auspacken. Wo andere Hardware Wallet-Hersteller Wert auf ansprechende Haptik, umfangreiches Zubehör und eine schön gestaltete Verpackung legen, kommt die Coldcard in einer stabilen durchsichtigen Plastiktasche. Darin außerdem: ein Sticker und ein Papierkärtchen für das Notieren des Schlüssels. Das war’s.

Will man die Coldcard in Betrieb nehmen, braucht man allerdings noch ein Micro-USB-Kabel und – wenn man die Coldcard für echtes Cold Storage nutzen will – eine Micro-SD-Karte. Wer beides nicht zu Hause hat, muss also noch einmal 10 bis 20 Euro auf die aktuell rund 110 US-Dollar (Vorbestellungspreis Modell Mk3) draufrechnen. Wer die SD-Karte auch als Backup nutzen will, sollte an dieser Stelle jedoch nicht sparen und auf ein auf Langlebigkeit ausgelegtes Markenprodukt zurückgreifen.

Auch beim Kabel muss man eventuell nachkaufen. Nicht jedes Kabel funktioniert an der Coldcard, nur weil es den passenden Anschluss hat. Bei mir war es bspw. erst Kabel Nummer vier, mit dem die Hardware-Wallet schließlich startete.

Unter Strom – die Inbetriebnahme

Was die Coldcard von anderen Hardware-Wallets unterscheidet, ist das namengebende Feature, sie komplett cold, also offline und ohne Verbindung zu einem Computer einsetzen zu können. Daher auch die zwölf robusten, Taschenrechner-ähnlichen Tasten und das Display direkt am Gerät.

Für das initiale Setup muss man die Hardware-Wallet über den USB-Eingang mit Strom versorgen. Dafür soll angeblich eine Powerbank reichen. Wenn man, wie ich, allerdings nur bereits in die Jahre gekommene oder ohnehin schwachbrüstige Werbegeschenk-Powerbanks zur Hand hat, klappt das nicht unbedingt. Mit der Steckdose funktioniert es jedoch problemlos.

Die rote LED wird direkt vom Secure Element gesteuert. Leuchtet die Grüne, ist alles okay.
Im Notfall: Erschieße deine Coldcard!

Bei jedem Start überprüft sich die Coldcard selbst und zeigt per roter bzw. grüner LED die Integrität der Firmware und allem, was im Flashspeicher gespeichert ist. Gesteuert wird dieser Prozess vom Secure Element. Die physische Verbindung ist dabei durch Epoxidharz haptisch vor Manipulation geschützt. Daher auch das transparente Gehäuse, das jede Veränderung erkennen lässt und noch einen anderen Vorteil hat.

Durch die Hülle kann nämlich genau die Stelle erkennen, die man mit spitzer Gewalt treffen muss, um die eigene Coldcard final ins Jenseits zu schicken. Das mag drastisch klingen. Es gibt aber denkbare Umstände, unter denen es nötig sein kann, nachvollziehbar sicherzustellen, dass bei einer Coldcard definitiv nichts mehr zu holen ist.

„Schieß hierhin!“. Falls man die Coldcard unwiederruflich vor Missbrauch schützen will. (Screenshot: coldcardwallet.com)

In einem Interview erklärte Coinkite CEO Rodolfo Novak den Nutzen der Funktion mit dem Argument, dass dir Verbrecher möglicherweise schlimmere Dinge antun, solange sie davon ausgehen, dadurch irgendwann an deine Bitcoins zu kommen, als wenn offensichtlich ist, dass das sehr viel größeren Aufwand erfordert. Zum Beispiel indem erst eine neue Coldcard und das (idealerweise woanders versteckte) Backup besorgt werden muss.

Klingt für unsere Verhältnisse krass. Es gibt jedoch Situationen und Teile der Welt, da kann es sinnvoll sein, sich über so ein Szenario Gedanken zu machen. Insbesondere, wenn man größere Summen Bitcoins sicher verwahren will.

Das Secure Element „zumauern“

Zu viele falsche PIN-Eingaben führen übrigens zu dem gleichen Ergebnis und machen die Coldcard auch ohne Gewalteinwirkung irreparabel betriebsunfähig. Bis zur Mk2-Version verlängerten ähnlich wie beim Trezor falsche PIN-Eingaben die Zeitabstände für neue Versuche immer weiter. Ab Model Mk3 ist die Anzahl der falschen Eingaben auf 13 limitiert. Danach macht das Secure Element unwiderbringlich dicht.

Wer also nicht gut auf seinen PIN aufpasst, hat Pech und muss seine Bitcoins auf einem neuen Gerät wiederherstellen. Ein Factory Reset ist technisch unmöglich. Zitat: „If you forget your Coldcard PIN, there is nothing we can do except remind you to recycle your e-waste responsibly!“

Zusätzlich zum richtigen PIN kann man aber auch einen Spezial-PIN einrichten, der das Secure Element im Ernstfall sofort dicht macht (das Gerät also besser nicht in Kinderhände geben!) und einen Zweit-PIN, der in eine „falsche“ echte Wallet führt. Also eine Wallet lädt, die wie die originale Wallet aussieht und auch soviel Bitcoins enthalten sollte, um einen potentiellen Angreifer zufriedenzustellen. Aber eben nicht die eigentliche Wallet ist, die man in jedem Fall schützen möchte.

Von Würfeln und anderen Sicherheits-Features

Es gibt noch eine Vielzahl von weiteren Sicherheits-Features, die ich hier nicht auflisten kann, mit denen sich auseinanderzusetzen aber unbedingt schon im Vorfeld eines Kaufs lohnt. Sie sind alle auf der offiziellen Website und noch detaillierter im dortigen FAQ zu finden.

Jedes Secure Element ist einzigartig und sollte die selbe „Bag Number“ zeigen, wie auf dem Bag steht, in der die jeweilige Coldcard geliefert wurde.

Zum Beispiel, dass man sicherstellen sollte, dass jedes Gerät intern dieselbe „Bag Number“ anzeigt, wie auch auf der Verpackung stand, in der die Coldcard geliefert wurde. Oder wie man den Private Key erwürfeln kann, wenn man dem eingebauten Zufallsgenerator nicht vertraut. Oder wie man seine Backups verschlüsselt. Oder oder oder.

Die Coldcard im praktischen Einsatz

Doch wie funktioniert die Hardware-Wallet in der Praxis? Wie bereits erwähnt, ist die Coldcard weniger, was sich die meisten wohl unter einer Bitcoin-Wallet vorstellen würden. Im Gegensatz zu anderen Hardware-Wallets gibt es nämlich kein eigenes Interface, das als App oder Website das Empfangen oder Versenden von Bitcoins per Coldcard ermöglicht.

Die Coldcard lässt sich nur zusammen mit einer anderen Wallet-Software wie bspw. Electrum betreiben. Das ist prinzipiell kein Problem. Außer man betreibt selbst keinen eigenen Electrum-Server und ist sich auch nicht darüber im Klaren, wie viel Privatsphäre verloren geht, wenn man seine Daten stattdessen von irgendeinem Electrum-Server bezieht.

Wer die Coldcard nutzen will, sollte sich also nicht nur mit der Coldcard, sondern auch mit anderer Software, in dem Fall Electrum, auseinandersetzen. Für Einsteiger eher suboptimal.

Wird die Coldcard womöglich doch schnell mal am rechner abgeschlossen, wird sie zur „Hot“card

Auch die Möglichkeit, die Electrum Wallet auf dem Rechner mit der Coldcard zu verschlüsseln ist tricky. Um die entsprechende Wallet zu öffnen, muss man die Coldcard dann nämlich jedes Mal mit dem Computer verbinden. Genau das sollte ja mit der Initialisierung per Powerbank/Steckdose ja ursprünglich vermieden werden.

Auf der anderen Seite eröffnet die Kombination aus Electrum und Coldcard aber denen, die sich auskennen und genau wissen, was sie vorhaben, eine Vielzahl von Möglichkeiten. Das ist nicht immer intuitiv, aber unterm Strich mächtig.

Wer die Coldcard mit Electrum verwendet, sollte vorher wissen, was er/sie machen möchte.
PSBT – Teilsignierte Bitcoin-Transaktion

Zu den Besonderheiten gehört auch die Unterstützung von Partially Signed Bitcoin Transactions (PTSB), ein Feature, das es ermöglicht, eine Transaktion nacheinander von mehreren Institutionen signieren zu lassen bzw. lassen zu müssen, bevor sie gültig ist und vom Netzwerk akzeptiert wird.

Erst durch die Coldcard als zweite Instanz wird aus der .psbt eine final-txn erzeugt.

Dabei wird zum Beispiel in Electrum eine PTSB vorbereitet. Diese wird dann auf eine Micro-SD-Karte kopiert und in die Coldcard gegeben, die die Transaktion offline fertig signiert. Zurück im Rechner kann Electrum die finalisierte Transaktion von der SD-Karte dann ins Netzwerk geben.

Erst wenn die Coldcard die Transaktion fertig signiert hat, kann sie propagiert werden.

Durch den Einsatz von PSBTs lässt sich die Coldcard komplett offline verwenden. Das ist für kleinere Summen nicht unbedingt praktisch, erhöht aber die Sicherheit (auch die gefühlte), wenn es um große Beträge geht.

Noch mehr, wenn PSBTs künftig zu einem Standard-Feature von Hardware-Wallets werden und sich eine Bitcoin-Wallet dann über die Hardware-Wallet-Modelle mehrere Hersteller hinweg sichern lässt.

Bisher kann allerdings nur die Coldcard mit PSBTs umgehen und auf Rechnerseite muss entweder Electrum oder Bitcoin Core laufen. PSBTs einzusetzen, ist also schon möglich, bislang aber eben noch eine sehr exotische Erfahrung, an der vor allem Nerds ihre Freude haben werden.

Ich hatte zum Beispiel keinen passenden SD-Kartenleser und musste meine Test-PSBT kurzerhand durchs Audiointerface schleusen. Pay per mic, quasi. Klappt, wird den bequemen Endnutzer so aber noch nicht überzeugen.

Pay per mic: Wenn die PSBT vor dem Bitcoin-Netzwerk erst noch durchs Audiointerface muss
Fazit

Unterm Strich kann die Coldcard aufgrund ihrer kompromisslosen Fokussierung auf Sicherheit und Bitcoin (es wird nichts anderes unterstützt) die wohl beste Hardware-Wallet sein, die man derzeit kaufen kann. Vorausgesetzt man ist bereit, sich auf sie einzulassen.

Denn die Coldcard ermöglicht sehr viel, sie fordert dafür aber auch Einiges. Vor allem muss man wissen, was man eigentlich genau machen will und ob bzw. wie man die Coldcard einsetzen kann, um dieses Ziel zu erreichen. Das kostet Zeit und mitunter einiges an Hirnschmalz. Aber es lohnt sich. Denn je besser man sich auskennt, desto sicherer kann man die Coldcard verwenden.

Wer es hingegen einfach und bequem haben will, der wird mit der Coldcard vermutlich nicht glücklich werden. Gerade wenn es „nur“ um kleinere Summen geht, die im Cold Storage verwahrt werden sollen, auf die aber regelmäßig und schnell zurückgegriffen werden soll, ist die Coldcard im Gegensatz zur Konkurrenz vergleichsweise unhandlich.

Dessen ungeachtet füllt sie aber eine Lücke. Bequeme Hardware-Wallets sind potentiell weniger sicher. Wer größere Summen sichern möchte, technisch allerdings keine noch sehr viel aufwändigere Lösung wie bspw. das Glacier-Protokoll umsetzen kann oder will, der findet in der Coldcard eine sehr gute Lösung, die eben gerade wegen ihrer Kompromisslosigkeit in Hinblick auf den Fokus auf Sicherheit punktet. Dass sie dabei trotzdem sehr gut bedienbar bleibt, liegt an dem gut durchdachten Konzept, das man diesem unscheinbaren kleinen „Taschenrechner“ allerdings nicht auf den ersten Blick ansieht.

Und auch das ist letztlich ja kein Manko, sondern ein potentielles Sicherheits-Feature.

Bitcoin- und Lightning-Nodes im Test – Nodl

Nachdem ich mir zuvor schon den Casa Node und den RaspiBlitz angeschaut habe, geht es im dritten Teil drei meiner Bitcoin- und Lightning-Fullnode-Testreihe nun um den Nodl. Der kleine schwarze Kasten mit dem markanten blau beleuchteten Knopf hat sich in letzter Zeit von einem Geheimtipp zu einer mit großem Interesse beobachteten Alternative entwickelt.

Was insofern erstaunlich ist, als dass er mit 499 Dollar rund dreimal so teuer ist wie der RaspiBlitz. Dennoch wurde ich in letzter Zeit mehrfach darauf angesprochen, ob und wann denn meine Nodl-Review erscheine. Trotz des vergleichsweise hohen Preises steht der „Personal Bitcoin Assistant“ aus Frankreich offensichtlich bei vielen auf der Liste. Nicht ganz zu unrecht. Denn in Hinblick auf die verbaute Hardware und die Verarbeitung spielt der Nodl in seiner eigenen Liga und ist eine echte Maschine. Doch reicht das, um sich gegen die günstigere Konkurrenz zu behaupten?

Nodl – die „Maschine“ unter den Bitcoin- und Lightning Fullnodes

Was direkt beim Auspacken auffällt, ist die Kompaktheit des Nodl. Mit 11,2 cm Breite, 5,5 cm Höhe und 9 cm Tiefe ist der schwarze Kasten kleiner als der Casa Node und vergleichbar mit dem bereits sehr kompakten RaspiBlitz. Im Gegensatz zu diesen beiden muss man beim Nodl jedoch nicht noch die Festplatte mit einem externen Kabel mit dem RaspberryPi verbinden, was den Platzbedarf beim RaspiBlitz und beim Casa Node schlussendlich doch signifikant vergrößert.

Nodl, Kabel, Sticker, Anleitung – Alles, was man zum Start des „Personal Bitcoin Assistent“ braucht

Unter der Haube des Nodl ist dafür wesentlich leistungsstärkere Hardware verbaut und bereits intern miteinander verbunden. Was im Nodl passiert, bleibt also im Nodl. Lediglich die obligatorischen Kabel für Strom und Internetverbindung müssen zur Inbetriebnahme von außen zugeführt werden.

Lau und leise

Läuft der Node dann, fällt noch etwas auf. Trotz leistungsfähigerer Hardware ist das Gerät neben dem Laptop kaum zu hören und läuft angenehmerweise auch nicht heiß. Während sich der RaspiBlitz im Dauerbetrieb zu einer echten Heizung entwickeln kann, bleibt der Nodl selbst bei sommerlichen Temperaturen und in suboptimal belüfteten Ecken konstant lauwarm.

Das liegt vor allem daran, dass der Nodl mehr Leistungs-Reserven hat, die er nur beim Start und dem initialen Download der Blockchain braucht. Dann steigt der Verbrauch auf bis zu 15 Watt. Im Dauerbetrieb sinkt der Stromverbrauch jedoch auf 5 Watt, was auch den Werten des RasperryPi entspricht, dessen Limits im Casa Node und RaspiBlitz jedoch häufiger ausgereizt werden. (Möglicherweise macht der gerade erst vorgestellte Raspberry Pi 4 hier aber wieder Boden gut.)

Inbetriebnahme

Die Inbetriebnahme des Nodl ist dann ähnlich einfach wie die Verkabelung. Für den Schnelleinstieg liegt dem Paket eine handliche und übersichtliche Kurzanleitung bei, die zudem auf alle weiteren Hilfe-Ressourcen verweist. Besonders hilfreich fand ich dabei die übersichtliche Online-Dokumentation, mit der ich schließlich (fast) jedes Problem schnell und einfach selbst lösen konnte.

Hilfreich, weil übersichtlich und mit weiterführenden „Links“: Der Nodl-Schnellstarter
Einrichten und konfigurieren

Im nächsten Schritt geht es an die Einrichtung des Nodl. Über die Startseite legt man ein Passwort fest, mit dem man dann als Admin auf den Nodl zugreifen kann.

Die Admin-Seite des Nodl ist übersichtlich und aufgeräumt

Nun geht es an die Konfiguration. Mit wenigen Klicks kann man bitcoind (Bitcoin Fullnode), lnd (Lightning Fullnode), das browserbasierte Lightning-Interface RTL, Tor-Support, einen Electrum Personal Server und/oder einen eigenen BTCPay-Server aufsetzen.

Sechs Nodes/Services bietet der Nodl direkt zur Installation an. Vor allem Tor sollte man dabei unbedingt mitaktivieren.

Das ist so praktisch, das man verführt ist, alle Knöpfe gleichzeitig zu drücken. Da lnd aber auf bitcoind aufbaut und der BTCPay-Server auch erst in Betrieb gehen kann, wenn der Fullnode schon läuft, führt Ungeduld hier zu Fehlermeldungen.

Wer zu ungeduldig ist und alles auf einmal anklickt, bekommt Fehlermeldungen.

Die Installationsreihenfolge ließe sich hier zwar durch eine leicht verbesserte Nutzerführung in Hinsicht auf die berüchtigte Idiotensicherheit leicht verbessern, das ist aber kein Problem höchster Priorität. Zum einen muss man einfach nur so lange klicken, bis es irgendwann doch funktioniert. Zum anderen ist dieser Zeitraum erfreulich gering. Einmal gestartet, synchronisiert der Nodl die gesamte Bitcoin-Blockchain von Grund auf in weniger als 48 Stunden.

Hier zahlt sich die bessere Hardware gegenüber den Raspberry Pi-Nodes aus, auf denen dieser Prozess mehrere Wochen(!) in Anspruch nehmen kann. Dieser Vorteil ermöglicht dem Nodl eine im Hinblick auf Privatsphäre und Sicherheit kompromisslose Haltung, gar nicht erst über vorsynchronisierte Blockchains oder andere Workarounds, den Aufwand des Initialen Blockdownloads zu minimieren, nachdenken zu müssen. Ein großer Pluspunkt.

Alles im grünen Bereich. Nach zwei Tagen laufen alle benötigten Nodes- und Services.
Zahlungen schicken und empfangen

Um den Nodl dann praktisch in Betrieb zu nehmen und erste Zahlungen zu testen, geht es dann vom Admin-Panel per Link zum RTL-Interface. Praktisch: der Nodl hat hierfür bereits automatisch ein sicheres Passwort vergeben und im Admin-Bereich hinterlegt. Per Copy and Paste kann man somit direkt in die Verwaltung von Peers, Kanälen und Lightning-Zahlungen einsteigen.

Schon beim Start zeigt das RTL-Interface einen verbundenen Peer. Der Rest ist schnell hinzugefügt.

Ab hier läuft die Verwaltung des eigenen lnd-Nodes wie auch auf anderen Geräten: neue Peers nach Wunsch hinzufügen (bei mir gab es bereits eine automatische Verbindung zu einem Node in den USA), die Wallet mit Bitcoins ausstatten, Zahlungskanäle öffnen und los geht’s.

Meine erste Testzahlung wurde direkt und ohne Probleme durchs Lightning-Netzwerk geroutet. Für die rund 80 Cent fielen dabei 0,008 Cent Gebühren an. Damit kann ich durchaus leben.

Die erste Testzahlung geht ohne Probleme durch.
Pimp your Nodl – BTCPay Server einrichten

Eine der größten Stärken des Nodl ist neben der leistunsgstarken Hardware, die einfache und umfangreiche Unterstützung verschiedenster Bitcoin- und Lightning-Dienste. Interessant ist dabei vor allem der Betrieb eines eigenen BTCPay Servers. Damit kann man ohne einen weiteren Serviceanbieter selbst Bitcoin-Zahlungen und die zugehörige Abrechnung, zum Beispiel für den oder die eigenen Webshops, organisieren und verwalten.

Einmal klicken und fertig. Wer will kann sich ganz leicht einen eigenen BTCPay-Server aufsetzen.

Für die Installation des BTCPay Servers braucht es nur einen Klick. Die Konfiguration des selbigen ist dann aber noch einmal eine eigene Geschichte, die hier zu beschreiben zu weit führen würde. An dieser Stelle reicht zu sagen, dass allein das Aufsetzen einfach und auch für technische Laien eigentlich problemlos machbar ist.

Wichtig ist allerdings: Der Teufel kann manchmal im Detail liegen. Wer, wie ich anfangs, ein Lesezeichen auf die eigene Nodl IP mit Portangabe setzt (192. 168.XXX.XXX:8338), wird von den Links im Admin-Panel im Kreis geführt. Besser ist es daher den Nodl über 192.168.XXX.XXX/admin anzusteuern. Dann führt der BTCPay Server-Link auch zu diesem. Eine der Nutzerführungs-Kleinigkeiten, an denen man noch feilen könnte.

Eine andere ist das automatische Ausloggen. Wenn das passiert, landet man nämlich nicht wie man vermuten könnte auf der initialen Login-Seite mit dem Nodl-Logo. Stattdessen verschwinden nur alle Links und Buttons, um den Nodl konfigurieren zu können. Hier wäre zumindest eine Information wie „Sie sind ausgeloggt“ hilfreich und könnte unnötige Fehlersuchen und Supportanfragen vermeiden helfen.

Pimp your Nodl – Zahlen per Joule Browser-Erweiterung

Doch handelt es sich auch bei diesen Kritikpunkten eher um kleine Usability-Details. Deutlich relevanter ist der mächtige Funktionsumfang des Nodl. Der endet nämlich keineswegs bei RTL und dem BTC Pay Server. Wer will, kann seinen Nodl noch über andere Erweiterungen und Interfaces ansprechen.

Um Lightning direkt im Browser zu nutzen, kann man den Nodl mit der Joule-Erweiterung verbinden.

Die Browser-Erweiterung Joule ermöglicht zum Beispiel das Bezahlen und Anfordern von Lightning-Zahlungen direkt aus Chrome, Firefox , Opera und Brave heraus. Die Koppelung mit dem Nodl ist dabei fast so einfach wie eine 1-Klick-Lösung und dank der guten Dokumentation innerhalb weniger Minuten abgeschlossen. Auch hier verlief die erste Testzahlung aus dem Browser heraus ohne Probleme.

Auch die Testzahlung über Joule geht ohne Probleme durch.
Pimp your Nodl – den Node per Zap vom Desktop ansteuern

Wer seine Kanäle und Zahlungen lieber vom Desktop aus verwalten möchte, der kann den Nodl auch mit Zap koppeln. Das Einrichten verläuft ähnlich einfach wie bei Joule. Am Ende sogar noch etwas leichter als in der Anleitung beschrieben.

Per „Connect“ lässt sich der Nodl mit Zap auch ganz bequem vom Desktop aus verwalten.

Allerdings scheiterte der Versuch, ein Stickerpack zu kaufen, anschließend drei Mal. Was letztlich aber weder an Zap noch am Nodl lag, sondern an der fehlenden Verbindung zu einem wirklich gut vernetzten Lightning-Knoten.

Drei Versuche, drei Mal gelingt die Zahlung für ein Stickerpack nicht.

Doch auch dieses Problem ließ sich direkt vom Desktop aus über Zap lösen. Über Acinqs Lightning Network Explorer fand ich einen gut vernetzten Knoten in meiner Nähe.

Neuer Kanal, neues Glück. Je mehr gut vernetzte Knoten man unter seinen Peers hat, umso eher gelingt eine Zahlung.

Und über einen neuen Kanal gelang dann auch auf Anhieb die Zahlung für die gewünschten Sticker.

Am Ende gelingt auch diese Zahlung. Das Stickerpack ist unterwegs.
Fazit

Es fällt schwer ein Fazit zu ziehen, das nicht komplett positiv ist. Der Nodl ist nicht nur die „Maschine“ unter den Bitcoin- und Lightning-Fullnodes. Er ist auch noch eine sehr vielseitige und gut zu bedienende Maschine. Außer ein paar Verbesserungen, die ich mir in der intuitiven Nutzerführung wünschen würde, habe ich nichts finden können, was ernsthaft zu kritisieren ist.

Klar – der Preis ist kein Schnäppchen und die nächste Generation von Raspberry Pis könnte die günstigeren Alternativen Casa Node und RaspiBlitz technisch wieder aufholen lassen. Nichtsdestotrotz setzt der Nodl neue Maßstäbe in Hinblick auf Leistungsumfang und die konsequenten Haltung in Hinblick auf Privatsphäre, Sicherheit und seine allgemeine „Be your own …“-Haltung.

Dass der Nodl nach einem Stromausfall wieder automatisch startet, könnte man von optional noch auf Standard setzen, aber ansonsten gibt es wirklich kaum etwas zu meckern. Insbesondere da man bei der Bedienbarkeit eine wirklich gute Balance gefunden hat zwischen simplen 1-Klick-Lösungen und erweiterten Einstellungen für alle, die doch etwas tiefer in die Konfiguration eintauchen wollen.

Um es kurz zu machen: Ich finde es durchaus bedauerlich, das mich mein Testgerät nun bald wieder in Richtung Frankreich verlässt. Nicht zuletzt, weil die Integration weiterer interessanter Services in den Nodl immer weiter geht.

Bitcoingeld – Bitcoin für Kinder erklärt

Neulich habe ich über das Bitcoin-Kinderbuch für Erwachsene geschrieben und dass Bitcoin generell etwas ist, für das sich die Jüngeren mehr interessieren als die Älteren, Ist Hier Im Blog ja Immer Wieder Thema.

Bitcoin Money – Das Kinderbuch

Kein Wunder also, dass ich sofort zugeschlagen habe, als ich gesehen habe, dass Michael Caras, der Bitcoin-Rabbi (dessen Name sich im Gegensatz zum einstigen „Bitcoin Jesus“ tatsächlich aus seiner Berufung als Rabbi ableitet), ein Bitcoin-Kinderbuch geschrieben hat: Bitcoin Money. A Tale of Bitville Discovering Good Money (Ist mittlerweile auch auf Deutsch zu haben: Bitcoingeld: Eine Geschichte über die Entdeckung von gutem Geld in Bitdorf)

Bitcoin Money: Schöne, kindgerechte und liebevoll illustrierte Geschichte
Wie die Kinder von Bitville gutes Geld entdecken

In dem Buch, das man mit seinen knapp 30 Seiten fairerweise eigentlich eher als Heftchen bezeichnen muss, lernen die Kinder von Bitville – wie der Titel bereits verrät – in sechs liebevoll illustrierten Kapiteln die Notwendigkeit von gutem Geld kennen.

Zunächst beginnen die Bitville-Kinder zu handeln, später führen sie Münz- und Scheingeld ein und schließlich landen sie beim besseren, weil manipulationssicheren digitalen Geld: Bitcoin.

Am Anfang war der Handel …
… der durch Geld immer leichter wurde, dabei aber auch Probleme verursachte …
… und erst gutes, digitales Geld machte die Kinder in Bitville wieder glücklich.
Primär für Kinder, aber nicht nur

Damit füllt Bitcoin Money wirklich eine Lücke. Denn solch ein kindgerechtes Bitcoin-Bildungsangebot gibt es bisher noch nicht.

Für Kinder, die in dem Alter sind, den Umgang mit Geld zu lernen, ist das Buch daher durchaus geeignet. Zumal es Michael Caras eben auch vorrangig darum geht, die ökonomische Notwendigkeit eines „guten Geldes“ zu erklären und weniger die Technologie dahinter. Positiver Nebeneffekt: Dabei können nicht nur die Kinder noch etwas lernen.

„I believe that the key value of Bitcoin is its economic role, and so we focus on that aspect, as opposed to a detailed explanation of the technology behind it.

Although it appears as a simple children’s story, I hope that this book can serve as an introduction to Bitcoin for people of all ages.“

Bitcoin Money, knapp 30 Seiten kosten ca. 15 US-Dollar
Fazit: Inhaltlich top, Haptik ausbaufähig

Bitcoin Money. A Tale of Bitville Discovering Good Money ist ein kurzweiliges, unterhaltsames und zielgruppengerechtes Buch, das Spaß zu lesen macht. Einziges Manko ist das dünne Papier, dass bei dem überschaubaren Seitenumfang aus dem Buch nur ein Heftchen macht. Etwas dickere oder stabilere Seiten wären sowohl kindgerechter und würden auch eine Wertigkeit vermitteln, die dem Preis von rund 15 US-Dollar auch gerecht wird.

Das kommt hoffentlich mit der zweiten Auflage. Doch dafür muss zunächst die erste unter den Bitcoin-Nachwuchs gebracht werden. Wer dabei mithelfen will: Bitcoin Money. A Tale of Bitville Discovering Good Money ist im Eigenverlag erschienen und kann bei Amazon auf Deutsch oder Englisch oder direkt über die Website des Bitcoin Rabbi bestellt werden. Wer dort mit Bitcoin bezahlt, bekommt sogar Rabatt.

Bitcoin- und Lightning-Nodes im Test – RaspiBlitz

Vor einiger Zeit habe ich den Casa Node getestet und damit den ersten in einer Reihe von handlichen Bitcoin- und Lightning-Fullnodes. Nun läuft seit einigen Wochen ein RaspiBlitz auf meinem Schreibtisch, der in der Community weit verbreiteten, weil günstigen und trotzdem komfortablen DIY-Lightning-Lösung.

Zeit für ein Zwischenfazit, das durchweg positiv ausfällt. Denn der RaspiBlitz ist gut ausgewogen zwischen Zugänglichkeit und einfacher Handhabung (aka User Experience) auf der einen Seite und Funktionsumfang und individuellen Konfigurationsmöglichkeiten (aka Nerdigkeit) auf der anderen.

Tauchen auf Lightning-Hackdays oftmals in Rudeln auf: RaspiBlitz-Nodes
RaspiBlitz – Der DIY-Bitcoin- und Lightning-Node

Doch beginnen wir erst einmal mir dem Aufbau des RaspiBlitz, der – wie der Name schon verrät – wie auch der Casa Node auf dem RaspberryPi basiert und durch eine Festplatte, einen Kühlkörper und ein schmuckes LCD-Display ergänzt wird. Komponenten, die man laut Einkaufsliste aktuell für rund 150 Euro bekommt.

Der DIY-RaspiBlitz-Bausatz (hier schon halb vormontiert) kostet aktuell rund 150 Euro.

Mein Testgerät, dass mir Christian Rotzoll, der RaspiBlitz-Hauptverantwortliche, freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, kam dabei schon vormontiert. Wobei ich aber davon ausgehe, dass ich das auch selbst problemlos hinbekommen hätte, da die entsprechende Anleitung auf GitHub gut bebildert ist und als nahezu idiotensicher gelten kann, wenn man des Englischen einigermaßen mächtig ist.

Aus der Community für die Community

Ohnehin muss man sagen, dass eine der ganz großen Stärken des RaspiBlitz die außerordentlich gute und verständliche Dokumentation ist. Jeder wichtige Schritt, vom Zusammenbau der Hardware bis zum Einrichten der Software, ist übersichtlich bebildert und nachvollziehbar erklärt. Das ist keine Selbstverständlichkeit, ganz besonders, wenn man mit dem Produkt (noch) kein Geld verdient.

https://twitter.com/fluidvoice/status/1120162152030064640

Wer darüber hinaus noch individuelle Probleme hat, der findet Hilfe über Twitter (#RaspiBlitz) oder GitHub. Dafür sorgt eine Community, deren Größe und Engagement, das Projekt zu ergänzen und weiterzuentwickeln zeigt, dass der RaspiBlitz längst kein Nischenphänomen mehr ist, sondern unter bastelaffinen Bitcoinern eine der beliebtesten Bitcoin-/Lightning-Fullnode-Lösungen.

Setup und Inbetriebnahme

Sind die Hardware-Komponenten dann verbunden, kann der RaspiBlitz in Betrieb gehen. Dafür muss das aktuellste RaspiBlitz-Image (zur Zeit 1.1) auf die SD-Karte geschrieben werden. Dieser Prozess ist für Windows-Only-Nutzer möglicherweise ungewohnt, aber dank der guten Anleitungen durchaus machbar. Zumal auch spätere Updates über dieses halbmanuelle Prozedere auf den RaspiBlitz eingespielt werden müssen.

Nun beginnt der komplizierteste Part des RaspiBlitz-Setups, wobei das „kompliziert“ letztlich aber nur Ansichtsache ist. Um den RaspiBlitz einzurichten, muss man ihn über eine Netzwerk-Verbindung ansteuern. Beim Casa Node lief das über den Browser (und funktionierte nicht reibungslos), beim RaspiBlitz braucht man eine zusätzliche SSH-Software wie bspw. Putty.

Terminal-Session einrichten

Für Leute, die an Computern bislang vor allem mit grafischen Nutzeroberflächen, Touchscreens und Wischgesten sozialisiert wurden, mag das herausfordernd wirken. Hat man jedoch die IP des RaspiBlitz im heimischen Netzwerk herausgefunden (wird praktischerweise auf dem LCD-Screen angezeigt), das richtige Zeichenset aktiviert (ginge auch ohne, aber dann sieht es noch nerdiger aus – siehe Bild unten) und die Einstellungen einmal als Voreinstellungen gespeichert, ist das Einloggen auf dem RaspiBlitz auch nur noch eine Sache von vier Klicks. Wer einen Drucker einrichten kann, der wird auch daran nicht scheitern.

Sicher ist sicher: gleich vier Passwörter muss man beim Setup des RaspiBlitz vergeben.

Anschließend muss man dem Gerät einen Namen geben, insgesamt vier Passwörter vergeben (die tatsächlich alle notwendig sind) und sich überlegen, wie man eigentlich an die Daten der Bitcoin-Blockchain kommen möchte.

Die Blockchain-Gretchenfrage

Der einfachste Weg wäre, den RaspiBlitz mit dem Bitcoin-Netzwerk zu verbinden und die Synchronisation komplett neu machen zu lassen. Da das Gerät aber nur über eine vergleichsweise begrenzte Rechenleistung verfügt, wird dieser Prozess mehrere Wochen dauern. Wer es schneller haben will, kann sich die Blockchain-Daten alternativ als Torrent-Download oder sich von einem anderen Computer im Netzwerk oder einer zweiten Festplatte ziehen.

Wichtig ist dabei nur: Wie beim Casa Node sollte man sich aber auch hier vorab überlegen, für wie vertrauenswürdig man die jeweilige Quelle der vorverifizierten Blockchain hält. Im Zweifel muss man halt von Grund auf alles synchronisieren.

Komfortabel: Der LCD-Screen zeigt den Zwischenstand auch wenn keine SSH-Verbindung besteht.

Sind die Blockchain-Daten dann verfügbar, läuft der Rest der Setups quasi von alleine bzw. wird man in dem Prozess so gut an die Hand genommen, dass es sich wie ein Selbstläufer anfühlt.

Das LCD-Display, das der Node prinzipiell ja eigentlich nicht braucht, ist hier ein nützliches Gimmick. Denn es zeigt die laufenden Prozesse und den jeweiligen Fortschritt auch dann an, wenn der Rechner aus ist. Das ist insofern nützlich, als dass die finale Synchronisation der Blockchain, die in jedem Fall nötig ist, und das Setup des Lightning-Nodes durchaus einige Stunden in Anspruch nehmen können.

Auch die letzten 0,2 Prozent der Blockchain brauchen mitunter noch Stunden zur Synchronisation.

In meinem Fall hängte sich der RaspiBlitz beim Scannen der Blockchain einmal auf. Nach einem Neustart schloss er die initiale Konfiguration dann aber problemlos ab. Bedeutet: Hin und wieder sollte man aufs Display schauen, ob noch alles läuft. Im Großen und Ganzen richtet sich der RaspiBlitz aber so weit wie möglich von alleine ein.

Im Test aufgehangen, aber nach Neustart doch noch abgeschlossen: die Lightning-Synchronisation
Praxistest

Ist das Setup abgeschlossen, eröffnet sich das RaspiBlitz-Hauptmenü und mit ihm eine Vielzahl von Möglichkeiten. Neben den obligatorischen Optionen, Einzahlungen vorzunehmen, Kanäle zu eröffnen und Geld zu verschicken und zu empfangen, kann man hier auch eine mobile Wallet mit dem eigenen Bitcoin-Fullnode verbinden. Eine in puncto Privatsphäre und Vertrauensreduktion durchaus relevante Funktion, die der Casa Node so nicht bot.

Funktionaler als man denkt: Nur 6 von 18 Menüpunkten sind hier zu sehen

Darüber hinaus empfiehlt es sich, in den Menüpunkt Services zu wechseln. Dort lässt sich nämlich die TOR-Funktionalität aktivieren. Die Datenströme des RaspiBlitz laufen dann nämlich anonymisiert durchs TOR-Netzwerk. Ein weiteres Plus in Bezug auf die Privatsphäre und eine Funktion, die in der Community vielfach sogar als Standardeinstellung für Lightning-Nodes gefordert wird, aber längst noch nicht überall verfügbar ist.

TOR und RTL sollte man idealerweise gleich als erstes aktivieren
Perfekte Ergänzung – Ride the Lightning

Neben TOR sollte man gleich auch noch das RTL Webinterface aktivieren. Die Abkürzung steht für Ride The Lightning, ein weiteres Open Source-Projekt, das die komfortable Verwaltung von Lightning-Knoten über den Browser ermöglicht, zusätzliche Optionen eröffnet und dank der grafischen Benutzeroberfläche die Bedienung des RaspiBlitz auch noch einmal stark vereinfacht.

Sehr praktisch: das Ride the Lightning-Interface (Klicken zum Vergrößern)

Als solches ergänzen sich der RaspiBlitz und das RTL Webinterface perfekt. Wenn auch die Bedienung und Erscheinung des originalen RaspiBlitz-Menüs mich angenehm nostalgisch an meine Norton Commander-Zeit auf dem 286er erinnerte – erst die Bedienung über das Ride the Lightning-Interface gab mir das Gefühl mit zeitgemäßer Technologie im Jahr 2019 zu agieren.

Invoices erstellen, mit Lightning bezahlen, Kanäle verwalten – es ist gut zu wissen, dass man das im Zweifel alles kommandozeilenbasiert erledigen kann. Sexy ist es jedoch das mal eben mit wenigen Klicks zu machen und gleichzeitig noch allerlei zusätzliche Informationen und Statistiken zu erhalten.

Finale Prüfung – Zahlungen

Zum Beispiel zeigt das RTL-Interface die Hops einzelner Zahlungen an. In einer meiner Testzahlungen waren das zum Beispiel fünf Hops für eine Transaktion nach Kalifornien. Wie auch schon beim Test vom Casa Node habe ich dabei versucht, einen speziellen Lightning-Sticker zu kaufen. Was jedoch beim Casa Node damals aus unerfindlichen Gründen nicht möglich war, hat beim RaspiBlitz dieses Mal ohne Probleme gleich beim ersten Mal funktioniert.

Bezahlt in Sekunden, geliefert in Wochen: Ein Lightning-Sticker aus den USA

Die zehn Sekunden, in denen die Zahlung dabei erfolgreich durch das Netzwerk geroutet wurde, bilden dabei einen faszinierenden Kontrast zu den mehr als sechs Wochen, die der Sticker anschließen per Post von der US-amerikanischen Pazifikküste nach Leipzig unterwegs war.

Fazit – Klein, günstig und multifunktional

Bleibt abschließend die Frage, was man an dem RaspiBlitz berechtigterweise kritisieren kann. Tatsächlich konnte ich im Test jedoch nichts finden, was mich wirklich gestört hat, wo ich nicht weitergekommen bin oder was ich nicht verstanden habe.

Im Gegenteil – Als heavy Windws-User war ich überrascht, wie einfach es mir der RaspiBlitz machte. Die detaillierte und liebevolle Dokumentation spielt dabei als Hilfestellung beim Setup ohne Frage eine entscheidende Rolle. Ist der Node einmal aufgesetzt, schaltet dann die Ride the lightning-Integration all die Funktionen und die bequeme Bedienbarkeit frei, die ich mir als einfacher Nutzer wünsche. Klar kann das alles noch einfacher werden und wird es vermutlich auch bald. Für den aktuellen Stand der Technik im Frühjahr 2019 ist das Gesamtpaket aber schon jetzt durchaus überzeugend.

Ich muss nicht viel selbst konfigurieren. Wenn ich es will, kann ich es aber. Diese gelungene Mischung aus einfacher Nutzbarkeit und potentieller Nerdigkeit macht den RaspiBlitz zu einem außerordentlich praktischen DIY-Node für jedermann. Der unschlagbare Preis von 150 Euro und das Engagement der wachsenden RaspiBlitz-Community macht das Projekt darüber hinaus sehr charmant.

Aus diesem Grund kann ich auch der Befürchtung von Christian Rotzoll nicht zustimmen, die er zwischenzeitlich äußerte:

„Sei ehrlich – für jemanden ohne Raspberry/Linux/Terminal Erfahrung ist das Projekt noch etwas zu sperrig/früh, richtig?“

Absolut nicht. Gute Arbeit!

Basic Attention (Shit-)Token – Unnötig, kompliziert & ärgerlich

Neulich bekam ich folgende Mail:

Hallo,

ich habe heute aus reinem Interesse meine erste BAT Spende mit dem Brave-Browser durchgeführt und dabei Ihre Seite als Ziel meiner Spende gewählt.

Was mich nun interessiert, ob und wie diese Spende bei Ihnen ankommt. Müssen Sie dafür auch den Brave Browser benutzen? Erhalten Sie eine Benachrichtigung in irgendeiner Art? Würde mich freuen, wenn Sie Ihre Erfahrungen teilen.

P.S.: Mein pessimistisches Ich sagt mir, dass überhaupt nichts passiert ist. 😀 BAT bleibt in meinen Augen wohl ein Shitcoin. Den Brave-Browser nutze ich dennoch gern und mittlerweile lieber, als die etablierten Browser.

Beste Grüße
Ein treuer Leser und Hörer

Let’s test!

Ich habe mich über diese Mail sehr gefreut. Zum einen über die konkrete Wertschätzung meiner Arbeit. Noch viel mehr aber über den Vorschlag und die Gelegenheit den Basic Attention Token (BAT) endlich mal einem realen Test unterziehen zu können.

Endlich wird alles gut! Behauptet man zumindest bei Brave/BAT.

Zwar hatte ich den Brave-Browser selbst schon einmal ausprobiert (überzeugt hat er mich allerdings nicht), doch fehlte mir bislang das richtige Setting den zugehörigen Token zu testen. Der soll Content-Produzenten nämlich endlich die ideale Lösung bieten, mit ihren Inhalten anständiges Geld zu verdienen.

Große Erwartungen, wenig Ergebnisse

Mit diesem fulminanten Versprechen hatte Brave 2017 einen der aufsehenerregendsten ICOs des Jahres hingelegt. In weniger als 30 Sekunden(!) legten die Investoren für die verfügbaren Basic Attention Token umgerechnet gut 35 Millionen US-Dollar auf den digitalen Tisch. Kein anderer ICO war schneller ausverkauft.

Trotz Millionenfunding ist das großes Ziel „das Netz zu reparieren“ noch immer in weiter Ferne.

Seitdem ist es jedoch recht ruhig um den Browser geworden, der sich nicht weniger auf die Fahnen geschrieben hat, als „das Netz zu reparieren“.

So richtig durchgestartet ist das Projekt in diesem Punkt jedoch nicht. Vorsichtig gesagt. Für eine Platzierung in den Statistiken, welche Browser im Netz am meisten genutzt werden, ist der Brave-Browser jedenfalls auch knapp zwei Jahre nach dem Rekord-ICO noch zu unbedeutend und gehört nur zur Restegruppe „Others“.

Wozu jetzt eigentlich noch einmal der eigene Token?

In diesem Kontext ist natürlich auch die Frage interessant, warum für das ambitionierte Vorhaben „das Netz zu fixen“ eigentlich unbedingt ein eigener Token ins Leben gerufen werden musste? Eine überzeugende Antwort gab es darauf bislang nicht.

Umso besser, dass sich nun also die Gelegenheit für einen echten BAT-Praxistest ergeben hat. Denn wenn der Brave-Browser schon nicht das Web fixt, dann könnte doch wenigstens die versprochene Vergütung von mir als Inhalteanbieter klappen. Dachte ich zumindest am Anfang. Doch was dann kam frustrierte mich immer mehr.

Wie das Brave-BAT-Bezahlsystem (nicht) funktioniert

Erste Aufgabe war für mich, herauszufinden, wie ich denn nun eigentlich konkret an die BAT kommen könnte, die mir „treuer Leser“ zugedacht hatte. Diese BAT hatte er zuvor irgendwie über seine browserinterne BAT-Wallet an meine Seite „geschickt“.

Doch da ich auf diesem Blog weder eine BAT-Wallet habe, noch sonst irgendwo bei dem Projekt registriert bin, stellte sich hier nun die berechtigte Frage, wo diese BAT denn nun eigentlich geblieben sind?

Die Antwort: Der Brave-Browser sammelt zunächst einmal die „Spenden“ für die jeweiligen Seiten ein und verwahrt diese. Ruft ein Seitenbetreiber sein Spendenguthaben nicht innerhalb von 90 Tagen ab, verfällt es und geht an den Spender zurück.

Spenden ins Leere

Bedeutet also: Hätte „treuer Leser“ mich nicht explizit auf seine BAT-Spende hingewiesen, hätte ich nichts davon erfahren und folglich auch nichts bekommen. Keine Ahnung, wie viele BAT mir und anderen Seitenbetreibern auf dieses Weise zuvor schon erfolglos, weil schlussendlich wieder zurückgebucht, gespendet wurden.

Einen richtig durchdachten Eindruck macht dieses System in jedem Fall nicht. Zumal der Brave-Browser auch explizit damit wirbt, dass man seine Lieblingsseiten im Netz vollkommen anonym unterstützen kann. Kann man auch. Man muss ihnen anschließend bloß noch Bescheid sagen, dass sie eine Spende erhalten haben. Sonst war das Ganze für die Katz, die sich bei diesem Prinzip letztlich selbst in den Schwanz beißt.

Jetzt wird es richtig umständlich

Doch wusste ich ja glücklicherweise in diesem Fall, dass mich eine konkrete Spende erwartet. Das war auch der einzige Grund, der mich motiviert hat, den langen und nervigen Registrierungsprozess als „Brave Reward Creator“ auf mich zu nehmen.

Zunächst musste ich mich dafür auf der zugehörigen Plattform registrieren und meine Website „claimen“. Dafür musste ich wiederum ein eigenes WordPress-Plugin installieren (das war noch die einfachste Variante).

Immerhin lief das bei mir einigermaßen reibungslos, wenngleich sich die Anmeldung von einem „Ich mach das mal schnell“ immer mehr zu einem nervigen und aufwendigen Zeitfresser entwickelte. Am Ende wurde mir aber zumindest tatsächlich meine angekündigte BAT-Spende angezeigt.

Mein BAT-Guthaben wird jedoch nur einmal im Monat ausgezahlt.
Spende bleibt unauszahlbar

Eigentlich sollte der Test an dieser Stelle vorbei sein. Bis hierher war es ja auch schon umständlich genug. Zumal ich ja mit den BAT nichts anfangen kann und daher ohnehin noch die Aufgabe auf mich wartet, diese drolligen Token in etwas halbwegs Nützliches (Bitcoin) umzutauschen.

Doch wäre das ja viel zu einfach. Tatsächlich sehe ich in meinem Creator-Profil nämlich nur ein Guthaben, an das ich jedoch nicht herankomme. Denn das BAT-Guthaben wird generell nur einmal im Monat(!) ausgeschüttet.

Zur Erinnerung: Wir reden hier über hypermegageile Token, die auf Blockchainbasis ganz fancy und vollkommen zeit-, raum- und reibungslos transferiert werden können. Bei denen man sich bei Brave aber entschieden hat, eine willkürliche Transaktionszeit von bis zu 31 Tagen einzuführen. Klasse! So lange braucht nicht mal Omis Geburtstagskarte mit dem Zehner für die Eisdiele.

Man muss sich im Brave BAT-System komplett nackig machen

Leider ist aber selbst das noch nicht das Schlimmste. Denn als Creator kann man sich die BAT grundsätzlich nicht an eine beliebige Adresse auszahlen lassen, sondern ausschließlich auf eine Wallet beim exklusiven Partner Uphold, einem Wallet-Anbieter, von dem ich noch niemals zuvor gehört hatte und mit dem ich eigentlich auch gar nichts zu tun haben will.

Denn auch hier muss man sich zunächst registrieren, um anschließend die neue Uphold-Wallet mit dem eigenen Brave Reward Creator-Profil zu verbinden. Eigentlich wäre ich an diesem Punkt schon längst abgesprungen und hätte alle BAT-Spenden fröhlich in den Wind geschossen. Im Rahmen dieses Tests habe ich mich dann aber doch durchgerungen, auch diesen Schritt noch zu gehen.

Die Brave-Philosophie: Du bist kein Produkt, aber bitte mach dich doch mal nackig.

Jedoch nur um abschließend festzustellen, dass ich meine Uphold-Wallet (die ich ja niemals haben wollte) zwar mit meinem Brave Reward Creator-Profil (das ich ebenfalls niemals haben wollte)
verbinden kann. Dass die monatliche(!) Auszahlung der BAT (drollige Token, mit denen ich eigentlich nichts anfangen kann) jedoch nur stattfindet, wenn ich mich zuvor als Nutzer bei Uphold komplett verifiziere. Also mit Adresse, Telefonnummer, Foto und Personalausweiskopie. Soviel zur Privatsphäre, auf die Brave in seinem Selbstverständnis so enorm viel Wert legt.

Fazit: BAT ist ein unnötiger, komplizierter, ärgerlicher Shitcoin

Das war der Punkt, an dem auch meine Toleranzgrenze endgültig überschritten war und ich die These von „treuer Leser“ als bestätigt ansehe: BAT ist tatsächlich nur ein Shitcoin und nach dieser Erfahrung möchte ich weder als Nutzer noch als Creator“ jemals wieder etwas damit zu tun haben. Worst Token-Experience ever!

Ich habe mich daher entschieden alle meine Brave/Bat/Uphold-Profile direkt wieder zu löschen und sämtliche Spenden in BAT-Shitcoins fortan vorsätzlich verfallen zu lassen.

Es gibt gute Gründe für Bitcoin

Wer dennoch die Arbeit hier am Blog unterstützen möchte, kann das wie gehabt gerne mit Bitcoin, Lightning und ein paar anderen Optionen machen. Das verletzt weder meine, noch eure Privatsphäre. Zahlungen dauern nicht einen Monat. Es gehen nicht 5 Prozent Gebühren an eine Shitcoin-Betreiberfirma. Außerdem fixt das das Web viel mehr, als ein bedeutungsloser Nischen-Browser (der bei mir dauernd abstürzt oder regelmäßig gar nicht startet) und ein ultrakomplexer Shitcoin-Token, den niemand braucht.

Wer bisher andere Content-Anbieter bereits mit BAT unterstützt, sollte sich gut überlegen, ob er ihnen das weiterhin antun möchte.

Mit Dank an „treuer Leser“ für den Versuch!

Bitcoin- & Lightning-Nodes im Test – Casa Node

Full Nodes sind das Rückgrat des Bitcoin-Netzwerks. Sie speichern vollständige Kopien der Blockchain, leiten untereinander gültige Transaktionen und Blöcke weiter und sortieren diejenigen aus, die nicht den Konsensregeln entsprechen.

Verteilung der aktuell offen erreichbaren Bitcoin-Full Nodes (Quelle: bitnodes.earn.com)

Die Gesamtheit aller Full Nodes ist damit ein unverzichtbarer Bestandteil der dezentralen Bitcoin-Infrastruktur. Je mehr es von ihnen gibt und je verteilter und unabhängiger sie voneinander sind, desto robuster und widerstandsfähiger ist das gesamte Bitcoin-Netzwerk.

Full Nodes sind gut für alle

Einen eigenen Full Node zu betreiben, ist jedoch nicht nur im kollektiven Interesse aller Bitcoiner, sondern auch von persönlichem Vorteil. Denn nur, wer selbst unmittelbaren Zugang zur Blockchain hat und bei Transaktionen nicht auf die Daten Dritter angewiesen ist, kann sich über das korrekte Kommen und Gehen der eigenen Bitcoins sicher sein und damit die Notwendigkeit Dienstleistern vertrauen zu müssen, minimieren.

Was nicht bedeutet, dass man Bitcoin-Dienstleistern nicht trauen kann. Es geht vielmehr darum, ihnen nicht vertrauen zu müssen. Weder in Bezug auf die Daten, die sie einem liefern, noch auf die Daten, die man ihnen mitteilt. Der eigene Full Node ist daher auch in puncto Privatsphäre ein wichtiger Faktor.

Blöd nur, dass der eigene Full Node für den technisch nicht übermäßig versierten Laien bisher eine zwar erstrebenswerte, aber nur schwer zu erreichende Option war. Denn wer nicht genügend Speicherplatz für die gesamte Blockchain auf dem Rechner hat (mehr als 200 GB und steigend) und diesen auch nicht beständig online halten will, der musste sich entweder der anspruchsvollen Aufgabe stellen, sich ein eigenes Full Node-Hardware-Setup zusammenzubasteln und zu bespielen, oder verzichtete im Zweifel eben einfach auf den eigenen Full Node.

Zwar gab es ein paar Anbieter von Out of the Box-Bitcoin-Full Node-Geräten. Doch so richtig durchsetzen konnte sich bislang keiner. Was wohl auch an den sportlichen Preisen im unteren bis mittleren dreistelligen Bereich lag.

Aufstieg der handlichen Bitcoin- und Lightning-Nodes

Doch genau das könnte sich jetzt ändern. Viel billiger sind Plug ’n Play-Full Node-Geräte zwar nicht geworden. Dank Lightning jedoch deutlich attraktiver. Denn ein eigener Bitcoin-Full Node mit einem darauf aufbauenden Lightning-Full Node ist derzeit der schnellste und direkteste Zugang zum Lightning-Netzwerk. Und das ist bekanntlich aktuell der heißeste Shice im Kryptoland.

Aus diesem Grund drängen derzeit gleich mehrere Anbieter für nutzerfreundliche Bitcoin- und Lightning-Full Node-Geräte auf den Markt. Eine Entwicklung die positiv ist. Denn neue Knoten stärken das Netzwerk und eine gute User Experience verbessert die Zugänglichkeit und Akzeptanz von Bitcoin und Lightning.

Doch ob die Geräte diesen Erwartungen gerecht werden können, auch für den Normal-User bedienbar und ihren Preis wert sind, wird sich erst noch zeigen müssen. Daher habe ich die Hersteller um Testgeräte gebeten, die ich in einer Artikelserie vergleichen und vorstellen werde. Los geht es mit dem Casa Node.

Casa Node – der Plug and Play-Node für Einsteiger

Der Casa Node gehört zu den bekanntesten Bitcoin- und Lightning-Full Node-Geräten. Das US-amerikanische Unternehmen Casa wurde zunächst für sein Angebot bekannt, beim individuellen Verwahren von Private Keys zu helfen. Ein Service, der sich mit 10.000 US-Dollar Jahresgebühr vor allem an ein Klientel mit einem Krypto-Vermögen jenseits einer halben Million US-Dollar richtet.

Plug-and-Play ohne viel Gedöhns: Wer will kann sich den Casa Node sogar an die Wand hängen.

Ganz anders beim Casa Node, der sich mit einem Preis von „nur“ 300 US-Dollar an die breite Masse richtet. Dafür bekommt man dann einen für den Dauerbetrieb optimierten Mini-Rechner auf Raspberry Pi-Basis, der auf seiner 1 TB großen Festplatte Bitcoin- (Bitcoin Core) und einen Lightning-Node (LND) laufen hat. Bedient wird das Gerät über das eigens entwickelte Betriebssystem CasaOS.

Der Preis erscheint angesichts der verbauten Hardware recht hoch. Ein Raspberry Pi-Starterkit bekommt man aktuell schon für rund 60 Euro. Doch verkauft Casa eben nicht nur die Technik, sondern vor allem die Dienstleistung, die Hardware auch als Einsteiger unkompliziert und bequem einsetzen zu können. Plug-and-Play statt selber zusammenbasteln. Grafische Benutzeroberfläche statt Kommandozeilen. Und für technische Laien daher eine echte Alternative.

Import aus den USA

Doch bevor man soweit ist, muss man den Casa Node erst einmal bekommen. Das kann mitunter etwas schwieriger werden, da sich der Zoll beim Import des Gerätes aus den USA mitunter noch einmal dazwischenschaltet. Bei meinem als kostenlos deklariertem Testgerät, gab es zwar keine Schwierigkeiten. Ich habe aber von Leuten gehört, die das Paket persönlich vom Zoll holen und dabei noch einmal rund 60 Euro bezahlen mussten.

Ein Hologramm-Sticker macht die Verpackung nicht sicherer, sieht aber schön aus.
Setup und Installation

Hat man das Gerät dann aber in den Händen, kann man direkt loslegen. Strom, Internet und das Adapterkabel zwischen verbauter Festplatte und dem Raspberry Pi anschließen, Browser öffnen und den Casa Node ansteuern.

Scheint ein häufiges Problem zu sein. Der Casa Node muss im Heimnetz direkt über die IP angesteuert werden.

Leider lässt sich das Gerät beim Test nicht wie in der Anleitung beschrieben im lokalen Heimnetz über www.casa-node.local finden. Ein Problem, das offensichtlich häufiger auftritt. Der Fehler ist daher auch in den FAQ bei den Problemlösungen als erstes aufgeführt.

Die Lösung, das Gerät stattdessen direkt über dessen IP anzusteuern, funktioniert unkompliziert, erhöht aber die Komplexität für Nicht-Techniker. Gerade wenn man den Anspruch hat, die Bedienung so einfach wie möglich zu gestalten, sollte hier eine andere Lösung gefunden werden.

Los geht’s: Updates & Synchronisieren

Ab hier läuft der weitere Konfigurations- und Einrichtungsprozess aber erfreulich unkompliziert und erfordert vom Benutzer eigentlich nur noch eines: viel Geduld. Zunächst bringt sich das Gerät softwaremäßig auf den aktuellen Stand.

Automatische Updates sind nützlich. Die 30 Minuten sind aber nur ein ungefährer Richtwert.

Danach erfolgt die Einrichtung des Nodes. Wie bei jeder Bitcoin-Wallet wird eine Seed Phrase erzeugt, die als Backup dient.

Neue Installation oder einen alten Zustand wiederherstellen?

Anschließend beginnt der Casa Node mit der Synchronisation. Zwar kommt das Gerät standardmäßig mit einer vorinstallierten Kopie der Blockchain, doch müssen vor dem ersten Einsatz noch die Blöcke zwischen Versand aus den USA und Inbetriebnahme beim Nutzer synchronisiert werden.

In meinem Fall waren das rund 3000 Blöcke, was bedeutet, dass die vorinstallierte Blockchain rechnerisch rund drei Wochen in Verzug war.

Bevor es losgehen kann müssen sowohl der Bitcoin- als auch der Lightning-Node synchronisiert sein.
Vertrauen ist gut und nötig

Wer den von Casa vorinstallierten Blockchain-Daten nicht vertraut, der kann seinen Casa Node die Blockchain auch noch einmal von Grund auf neu aus dem Bitcoin-Netzwerk ziehen lassen. Doch sollte man dabei berücksichtigen, dass diese Neu-Synchronisierung bei der verbauten Hardware schätzungsweise rund einen Monat dauern wird und der Node in dieser Zeit nicht einsatzbereit ist.

Ganz davon abgesehen, dass es auch widersprüchlich wäre, den voreingespielten Blockchain-Daten von Casa weniger zu vertrauen, als den Blockchain-Daten, die neu über die hauseigene CasaOS-Software auf den Casa Node gespielt werden. So oder so könnte Casa die Daten manipulieren. Ein Umstand, den man bei einem Plug-and-Play-Gerät in Kauf nehmen muss.

Die große Geduldsprobe

Davon aber unabhängig beginnt nun der Teil, in dem man als User etwas hilflos und allein gelassen wird. Denn während der Synchronisation des Bitcoin– und des Lightning-Full Nodes fliegt man immer mal wieder aus dem System. Wiederholt tauchen neue irritierende Meldungen mit statischen Wartezeiten auf. Mal gibt es eine Fortschrittsanzeige, dann wieder nur allgemeine „Loading“- oder „Syncing“-Hinweise und man fragt sich, ob man womöglich etwas falsch gemacht hat? Aber außer geduldig abzuwarten, bleibt einem letztlich ohnehin keine Option.

Ausgesperrt und die einzige Option ist warten. Diese Meldung tauchte mehrfach auf.

Wer die Wartezeit nutzt, um sich im Internet nach anderen Erfahrungsberichten umzusehen, wird feststellen, dass das wohl nicht ungewöhnlich ist und man für die komplette Einrichtung des Casa Nodes einfach gleich einen ganzen Tag einplanen sollte.

Da diese aber automatisch im Hintergrund verläuft, muss man sich glücklicherweise sonst aber nicht weiter darum kümmern. Als Nutzer hätte ich mir hier aber trotzdem gewünscht, etwas besser informiert zu werden und zu erfahren, was das Gerät eigentlich gerade genau macht.

Doch ist das Jammern auf hohem Niveau. Denn im Vergleich zum eigenständigen Aufsetzen eines Nodes auf der gleichen Hardware ist ein bisschen warten auch für Laien eine durchaus machbare Aufgabe. Nach einer Nacht war mein Casa Node jedenfalls online und einsatzbereit.

Bitcoin – Lightning – System. Die grafische Benutzeroberfläche des Casa Node ist so einfach wie möglich gestaltet.
Was man mit dem Casa Node machen kann

Um nun die ersten Zahlungen im Lightning-Netzwerk zu machen, müssen Kanäle zu anderen Nodes geöffnet werden. Dafür ist es notwendig den Full Node zunächst einmal mit ein paar Bitcoins auszustatten.

Diese Bitcoins können über die integrierte Bitcoin Core-Wallet ganz „klassisch“ direkt über die Blockchain empfangen und verschickt werden. Oder eben zum Öffnen eines oder mehrerer Zahlungskanäle genutzt werden.

Eastcoast-Leipzig-Westcoast – Nur drei von derzeit rund 30.000 Zahlungskanälen im Lightning-Netzwerk

Die „Autopilot“-Funktion übernimmt dabei einen Großteil der Arbeit, wenn man Kanäle nicht manuell erstellen und verwalten will. Binnen weniger Minuten hatte ich drei Zahlungskanäle zu sehr gut vernetzten Nodes in den USA und damit mein Tor ins Lightning-Netzwerk geöffnet.

Ab jetzt konnte ich selbst per Lightning bezahlen und als später ein paar andere Knoten ihrerseits Kanäle zu mir eröffneten, auch Bitcoins über das Netzwerk empfangen. Denn das geht bekanntlich nur, wenn die entsprechende Kapazität auf der Gegenseite vorhanden ist, die zu einem fließen kann oder man selbst bereits hinreichend viel Geld(-Kapazität) verschickt hat, dass dieses von der anderen Seite wieder zurückfließen kann. (Mehr zum Aufbau und der Funktion von Kanälen in Lightning hier)

Test: Bitcoins über Lightning empfangen und versenden

Da es bislang deutlich einfacher ist, Geld über Lightning zu verschicken (geht immerhin auch per Smartphone-App) als zu empfangen, war letzteres die Herausforderung des Praxistests.

Erfreulicherweise lief das unkompliziert und reibungslos. Beide Test-Zahlungen von meinem Tippin.me-Account auf meinen Node wurden erfolgreich binnen Sekunden durch das Netzwerk geroutet. Zu verschwindend geringen Gebühren.

Überraschenderweise gab es mit dem Bezahlen größere Probleme. Während ich meinen eigenen Tippin.me-Account problemlos erreichte, gelang es mir trotz mehrfacher, über drei Tage verteilter Versuche nicht, einen „I got Lightning working and all I got was this Sticker“ zu kaufen. Das ist insofern verwunderlich als dass beide Anbieter, Tippin.me und Blockstream, in Kalifornien ansässig sind und im Lightning-Netzwerk eigentlich gut verbunden.

Mehr Informationen wären hilfreich

Da sich aber nicht herausfinden ließ, ob der Fehler vom Casa Node oder dem ja selbst noch sehr experimentellen Lightning-Netzwerk zu verantworten ist, gehe ich hier nicht weiter darauf ein. Aber auch, weil ich es gar nicht kann.

Meinen Lightning-Node und ein paar Kanäle habe ich zwar zum Laufen gebracht, diesen Sticker konnte ich aber trotzdem nicht kaufen.

Denn genau das ist einer der Kritikpunkte am Casa Node. Tatsächlich hätte ich mich gerne auf Ursachen- und Fehlersuche begeben. Die sehr simpel und übersichtlich gehaltene Benutzeroberfläche bietet hierfür nur leider keinerlei Möglichkeit. Wenn etwas schiefläuft, muss man das einfach akzeptieren und kann es nur weiter versuchen. Dieser aufgezwungene Fatalismus ist auf Dauer jedoch frustrierend.

So sehr ich die grafische Benutzeroberfläche des Casa Node auch zu schätzen gelernt habe. Hier hätte ich mir die Möglichkeit zum Umschalten in eine Art Expertenmodus gewünscht, der einem detailliertere Einblicke in die Abläufe unter der Haube des Casa Node ermöglicht.

Ohnehin wäre es aus Nutzersicht insgesamt interessant, mehr Daten und Statistiken des eigenen Nodes einsehen zu können. Nicht nur wie viele Kanäle man hat, sondern auch wie viele Zahlungen schon geroutet wurden. Mich würde zum Beispiel interessieren, ob einer meiner mittlerweile sieben Kanäle zwischenzeitlich schon einmal Teil der Route einer anderen Zahlung gewesen ist.

Fazit

Nichtsdestotrotz fällt mein Fazit für den Casa Node sehr positiv aus. Für technisch wenig versierte Nutzer ist er ein überraschend einfacher Weg, ein aktiver Teil des selbst ja noch hochexperimentellen Lightning-Netzwerks zu werden.

Die konsequente Fokussierung auf einfache Bedienbarkeit ist für viele Nutzer sinnvoll und gelungen, wenn man von dem verwirrenden Setup-Prozess einmal absieht. Hier lässt sich die Nutzerführung durch bessere Kommunikation noch deutlich verbessern.

Auch wäre ein optionaler Expertenmodus wünschenswert, der einen detaillierteren Einblick in den eigenen Node ermöglicht. Doch ist das etwas, was sich durch ein Update nachreichen ließe. Hier sollte man dem Casa-Team Zeit geben, mit dem Netzwerk und den Nutzerwünschen zu wachsen.

Ansonsten ist der Casa Node aber ein gelungener Plug-and-play-Full Node, der besonders für Einsteiger und technische Laien interessant ist und dessen einfache und übersichtliche Bedienung den Preis rechtfertigt.


Den Casa Node gibt es für 300 US-Dollar (plus Zoll) im Shop von Casa.

Das Bitcoin-Kinderbuch für Erwachsene

Ich bin ja ein begeisterter Sammler von besonderen Bitcoin-Büchern. Daher habe ich auch keinen Moment gezögert, zuzuschlagen, als ich das erste Mal von B is for Bitcoin gehört habe.

Das Bitcoin-Buch für die Allerjüngsten …

Denn mit dem Was ist Was – Geld habe ich zwar schon ein Buch für die jüngere Zielgruppe in der Sammlung, das (auch) Bitcoin behandelt. Ein explizites Bitcoin-Buch für die Allerjüngsten habe ich so aber bisher noch nirgends gesehen.

„B is for bitcoin where it all begins. B is also for broadcasting blocks and blockchain. The stuff that makes it all work. It is also for byzantine generals trying to decide when to begin their attack.“

Nun muss man zwar einräumen, dass die grafische Gestaltung, die haptische Umsetzung und das Leseerlebnis die Zielgruppe der Ein- bis Dreijährigen perfekt trifft, das Buch inhaltlich aber natürlich deutlich anspruchsvoller ist.

Immerhin geht es um Verifizierung und Volatilität, Hashing und hodln, Inflation und Investments, Algorithmen und Adressen und was bei Bitcoin (Blockchain und byzantinischen Generälen) eben sonst noch so von A bis Z zusammenkommt.

„I isn’t for irresponsible ICO’s … It is for irreversible! A key property of bitcoin transactions. It is also for making investments in an inflation-proof instrument.“
… oder alle Junggebliebenen

Doch ist diese Diskrepanz weder schlimm, noch unerwartet. Denn schon auf der zugehörigen Website bestellt man schließlich „1 copy for yourself (I mean your child)“. Dass die wahre Zielgruppe hier also eine ganz andere ist, ist offensichtlich.

Aber auch die findet mit B is for Bitcoin ein wirklich ausgefallenes und hübsch gestaltete Buch mit liebenswerten Illustrationen und charmanten Bitcoin-Texten im Kinderbuch-Style. Ein Buch, das auf jeden Fall ein Hingucker ist, zum Durchblättern einlädt und ein prima Ausgangspunkt für ein Gespräch über Bitcoin sein kann.

„P is for proof of work, or stake, and peer-to-peer, and pools, privacy and payment – Q isn’t for much, but if you want to be silly it is for QR Codes, and if you want to be gravely serious it is for quantum computing, which will pose an interesting challenge to the fledgling ecosystem.“
Wer B is for Bitcoin kauft, tut zusätzlich Gutes

Doch nicht nur deshalb lohnt sich der Kauf, des mit 30 Dollar nicht ganz billigem Bitcoin-Kinderbuchs für Erwachsene. Denn mit dem Buch wird am Ende niemand reich. Die Gewinne sollen vielmehr frühkindlichen Bildungsprogrammen zugutekommen. Schöne Sache.

Außerdem ist es jetzt ohnehin zwar schon zu spät für die diesjährigen Weihnachtsgeschenke (sorry, das Buch kam nach Monaten des Wartens erst gestern an). Die nächsten Geburtstage, Jubiläen und Weihnachtsfeiertage kommen aber unweigerlich. Da kann man sich den künftigen Stress ersparen und vorausschauend auch gleich jetzt zuschlagen. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Bitcoin-Büchern, sind die Informationen in B is for Bitcoin glücklicherweise nahezu zeitlos.

Bitcoin – Eine (etwas zu sehr) verrückte Geschichte

Ich war in den vergangenen Wochen sehr mit meiner Arbeit an dem 10 Jahre Bitcoin-Feature für Deutschlandfunk Kultur und anderen Aufträgen beschäftigt. Daher habe ich zwar mitbekommen, dass Christoph Bergmann vom Bitcoinblog sein Buch über Bitcoin veröffentlicht hat, konnte mich aber noch nicht weiter damit befassen. 

Dessen ungeachtet habe ich großen Respekt vor dieser Leistung. Denn ein Buch zu schreiben ist an sich schon unglaublich aufwändig. Umso mehr jedoch, wenn man es anschließend, wie Christoph, auch noch im Eigenverlag herausbringt.

Da ich nun also selbst sehr eingebunden war, aber dennoch zeitnah eine Besprechung des Buches hier im Blog haben wollte, habe ich Bitcoin – die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes, zur Rezension an meinen geschätzten Honigdachs-Podcast-Kollegen Stefan weitergegeben, die hier nun folgt.

Christoph Bergmann: Bitcoin – Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes

Neulich fragte mich eine Freundin, ob ich ihr ein Buch über Bitcoin empfehlen kann. Am liebsten auf Deutsch. Mir fiel auf, dass mir nichts einfiel. 2018, fast zehn Jahre nach Satoshi, nach mindestens drei großen Medienblasen, haben wir noch immer kein gutes Buch, das Anfängern Bitcoin erklärt. Etwa eine Woche später erfuhr ich, dass Christoph Bergmann so ein Buch geschrieben hatte.

Nun sollte man dazu wissen, dass Christoph der Autor von bitcoinblog.de und auch auf Twitter sehr aktiv ist. Verfolgt man diese Medien, dann fällt auf, dass Christoph Bcash-Fan, Altcoin-Apologet und Craig-Wright-Verehrer ist, und dass er und ich deswegen regelmäßig auf Twitter aneinandergeraten.

So sehr ich also den Bedarf nach einem guten deutschen Bitcoin-Buch sehe, so skeptisch war ich, ob Christoph der richtige Autor dafür ist. Also habe ich es mir angesehen — und war erstmal sehr positiv überrascht!

Liebevoll gemacht, hochwertig, ansprechend

Es ist ein haptisch und optisch äußerst ansprechendes Hardcover-Buch, elegant gestaltet und geschrieben, mit gelungenen Illustrationen und interessanten Anekdoten. Es trifft meines Erachtens größtenteils den richtigen Ton, ist also zugänglich, ohne herablassend oder dumm zu wirken. Es ist gut lektoriert und enthält viele Quellen, sodass ich einiges Neues daraus gelernt habe. Vor allem aber liest es sich so flüssig und spannend, dass ich es gar nicht mehr weglegen wollte. Das Buch macht Spaß! Und es enthält auch fast alles, was man als Anfänger über Bitcoin wissen sollte.

Leider enthält es aber noch etwas mehr. Nämlich einige Fehler und Missverständnisse, vor allem aber eine sehr merkwürdige Gliederung:

1. Bitcoin

Das Eingangskapitel ist recht gelungen und beschreibt vor allem Grundkonzepte wie Kryptographie (finde ich nicht so erhellend, aber in Ordnung – man merkt, dass Christoph kein Informatiker ist, sondern Historiker), das „Scheitern der Cypherpunks am digitalen Bargeld“ – ein wichtiger und gut dargestellter Hintergrund, der in anderen Medien oft zu kurz kommt – ein paar Ausführungen zur Peer-to-Peer-Natur von Bitcoin, sowie natürlich Satoshi Nakamoto, mögliche Kandidaten, die hinter dem Pseudonym vermutet werden, und andere wichtige Figuren.

2. Das Geld des Internets

Hier geht es vor allem um wirtschaftliche Zusammenhänge, aber auch die dazu passenden technischen Details. Mir gefällt der Ansatz, etwa Mining im wirtschaftlichen Kontext einzuführen statt in einem möglicherweise anstrengend und mühsam zu lesenden technischen Kapitel.

3. Anarchie

Dieses Kapitel rund um Bitcoins politische Dimension finde ich von allen am gelungensten. Es ist zwar das kürzeste, aber das ist gut so. Es geht um Silk Road, die Philosophie der Cypherpunks, Technologie und Macht. Man merkt, dass Christoph sich in historischen und politischen Diskussionen wohlfühlt, und er schafft es auch, den Wert der anarchistischen und libertären Ideologien, die in Bitcoin stecken, herauszuarbeiten, ohne sie selbst unkritisch zu übernehmen.

4. Der Bitcoin-Bürgerkrieg

Ab hier wird es jedoch problematisch. Zunächst fällt die hervorgehobene Stellung dieses Kapitels über die Blocksize-Debatte auf, das im Rahmen der Gliederung „Bitcoin – Wirtschaft – Politik – Blocksize-Debatte“ inhaltlich mindestens eine Ebene zu weit oben angesetzt scheint.

Zumal es inhaltlich für ein Anfängerbuch thematisch sehr komplex, für das Grundverständnis von Bitcoin gleichzeitig aber kaum elementar ist. Man hätte diesen Teil also auch weglassen können. Vor allem weil es zum jetzigen Zeitpunkt schwierig ist, den noch laufenden Skalierungsprozess in einem Buch final zu bewerten. (Anm. d. Red.: Siehe Christophs aktuelle „Hash War“-Berichterstattung)  Doch man merkt, dass Christoph eben auch im Buch unbedingt darüber schreiben wollte.

Seine Befangenheit in der Debatte thematisiert er dabei zu Beginn selbst und sein Plan, damit trotzdem ausgewogen umzugehen, ist, die verschiedenen Standpunkte in der Debatte gleichwertig nebeneinander stehen zu lassen.

Anfangs gelingt ihm das auch gut. In vielen Zitaten und Umschreibungen erklärt er detailliert die Anfänge der Debatte um die Erhöhung des Datenlimits der Blockchain-Datenblöcke und ihm gelingt durchaus eine ausgewogene Darstellung. Später kippt diese Neutralität aber zunehmend. Immer wieder stellt er seine individuelle Wahrnehmung in Bezug auf Mehrheiten und Stimmungen als objektive Fakten dar und ergreift schließlich selbst Partei, ohne dass er diese Subjektivität für den Leser erkennbar einordnet.

Wenn die Neutralität verloren geht

Spätestens mit dem Abschnitt „Narrative und Verschwörungstheorien“ verliert der Text dann seine Ausgewogenheit, wenn Christoph die Inhalte des subjektiven Brandbriefes eines gekränkten Mike Hearn als historische Objektivität darstellt. Hier zeigt sich Christophs Vermischung von wissenschaftlich belegten Fakten, politischen Zielen und Meinungen (ein Punkt, über den wir schon oft auf Twitter gestritten haben), und seine Bereitschaft, seine Leser in seinem Sinne zu manipulieren und irrezuführen. Ein Beispiel:

„Unter den Anhängern von Core verfestigte sich in dieser Zeit ein Set von Narrativen: Aussagen die nicht falsch, aber auch nicht uneingeschränkt richtig sind, jedoch als unumstößliche Wahrheiten, als Dogmen, ausgegeben wurden.“.

Mit Begriffen wie „unumstößliche Wahrheiten“, „Dogmen“ und „ausgegeben wurde“ benutzt Christoph hier eine auf Obrigkeit und Gehorsam deutende emotional sehr aufgeladene Sprache. Auch die Herleitung dieses „Set von Narrativen“, das er in der Folge erklärt, ist schwierig, weil es argumentativ belegbare mit eher schwammig hergeleiteten Aussagen vermengt.

So stehen mathematische Fakten („SPV-Nodes und unbestätigte Transaktionen sind unsicher.“), historisch belegte Motive („Classic will die Core-Entwickler feuern.“) neben sehr zugespitzten Formulierungen mit dennoch faktisch richtigem Kern („Bitcoin kann nicht skalieren. Die Kapazität zu erhöhen wird unweigerlich die wichtigste Eigenschaft von Bitcoin – die Dezentralität – untergraben.“) und von Christoph überspitzt dargestellte Aussagen („Erst das Lightning-Netzwerk wird wahre Skalierbarkeit bringen“). Dazu noch Plattitüden („Man kann nicht jeden Kaffee der Welt mit Bitcoin bezahlen“), ökonomische Thesen („Es gibt einen unlimitierten Bedarf an kostenlosen Transaktionen“) und vieles mehr.

Eigentlich ist fast alles in diesem Set gut begründet, einiges davon sogar unerlässlich, um Bitcoin auf einer komplexeren Ebene zu verstehen („Kontroverse Hardforks sind kein Upgrade, sondern erschaffen einen Altcoin.“). Doch für Christoph sind sämtliche dieser Aussagen letztlich die erwähnten „Dogmen“ und „subjektiven Meinungen“, die er schließlich mit Verschwörungstheorien in einen Topf zu werfen beginnt: „Es wurde geradezu zu einer allgemeinen Überzeugung, dass Gavin Andresen eine Marionette der CIA war (…)“.

Anfangs stark, zum Ende hin leider schwächer

Ab diesem Punkt geht es spürbar bergab mit dem Buch. Alles was nun noch kommt, hat zwar einen historischen Kern, ist aber tief gefärbt von Christophs persönlicher Enttäuschung, dass sich die Ideen seiner präferierten Fraktion in der Skalierungsdebatte, der Big Blocker, nicht durchsetzen konnten.

Vielleicht fällt es ihm zu schwer, die zentrale Erkenntnis zu akzeptieren, die den Kern von Bitcoins technischem Aufbau, politischem Anspruch und historischer Bedeutung ausmacht: dass nicht böse Mächte und Verschwörungen den Status Quo von Bitcoin bestimmen, sondern dessen grundsätzliche Eigenschaft. Bitcoin ist schwer zu ändern! Und wenn man es dennoch ändern möchte, dann bedarf es einer Idee, die so gut vermittelbar ist, dass dafür nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern ein allgemeiner, eine Art totaler Konsens erreicht werden kann. Diesen Konsens hat jedoch von allen Ideen zur Vergrößerung der Blocksize-Grenzen bisher nur SegWit erreicht, das 2017 dann auch implementiert wurde.

Es ist insofern besonders schade, dass das Buch in diesem Punkt argumentativ so unbefriedigend endet, als dass zuvor die Gründe für ebendiese Unveränderlichkeit von Bitcoin und ihre grundsätzliche Bedeutung – all diese wichtigen Ideen und Konzepte – eigentlich bereits alle im Buch genannt werden. Nur gelingt es Christoph offensichtlich nicht, diese schlüssig mit seinem persönlichen, scheinbar festgefahrenen Standpunkt in Einklang zu bringen.

Punktabzug wegen falscher Fakten

Darüber hinaus enthält das Buch noch ein paar kleinere Fehler und Schwächen. So sind einige Ausführungen über Kryptographie eher verwirrend als hilfreich und es wird behauptet, Satoshi hätte das Whitepaper mit MS Word geschrieben, obwohl es, soweit ich weiß, keine Hinweise darauf gibt.

Vielmehr deutet alles auf OpenOffice hin. Überhaupt werden relativ oft erstaunliche Dinge behauptet, ohne diese hinreichend zu belegen. Das ist schade, denn ich habe viele interessante Fakten gelesen, die mir bis dato neu waren. Manchmal waren sie jedoch leider auch falsch, unvollständig oder zu einseitig:

  • Die Erklärung von FPGAs ist falsch: Ein Field Programmable Gate Array heißt eben so, weil es programmierbar ist, also für viele Zwecke einsetzbar, nicht nur für einen.
  • Mark Karpelès wird konsequent falsch geschrieben.
  • Die Darstellung des Kollapses von Mt.Gox ist unzureichend. So wird Roger Vers Rolle darin unterschlagen und es wird behauptet, dass die Opfer inzwischen entschädigt wurden. Das stimmt jedoch nicht.
  • Vitalik Buterin (und Ethereum) wird regelrecht vergöttert und völlig unkritisch dargestellt, obwohl er eine sehr umstrittene Persönlichkeit ist (und Ethereum ein sehr umstrittenes Projekt).
  • Genauso kritiklos geht Christoph mit ICOs um, bei denen eigentlich bekannt ist, dass es sich beim Großteil der Projekte um Betrug handelt. Ich persönlich würde sogar behaupten, bei allen, da die Struktur von ICOs eigentlich zwangsläufig zu Betrug führt. Doch gibt es auch für diese Aussage noch zu wenig Daten.
  • Blacklists werden noch immer als gute Idee diskutiert, obwohl sie in der Community seit 2012 verpönt sind. Dass die Propagierung solcher Ideen der Anfang vom Ende von Mike Hearns Bitcoin-Engagement war, bleibt auch unerwähnt.
Fazit

Nach der Lektüre von Bitcoin. Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes bleibt der Eindruck einer verpassten Chance. Insgesamt ist es zwar ein gutes Buch, und an vielen Stellen in den ersten drei Kapiteln ist es sogar sehr gut.

Aber gerade das vierte Kapitel beinhaltet zu viel. Zu viel Kontroverse, zu viel Agitation und auch zu viele Fehler. Doch fällt das ins Gewicht und würde ich die Lektüre einem Bitcoin-Einsteiger dennoch empfehlen? Wahrscheinlich schon, aber nur, nachdem er/sie zuvor eine kritische Rezension wie diese gelesen hat.

Dennoch – es ist dem Buch zu wünschen, dass Christoph die erste Auflage verkauft bekommt und dann eine überarbeitete zweite Auflage herausgeben kann. Kürzer, mit weniger Ego, mit weniger Fehlern, aber immer noch genauso schön, elegant, und gut lesbar. Dann hätten wir endlich alle ein deutsches Bitcoin-Buch, das man dann uneingeschränkt jedem empfehlen kann.

Selber lesen macht schlau

Christoph Bergmann: Bitcoin – die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes ist bei Moby erschienen und die 416 Seiten kosten 20,90 Euro. Am besten kauft man das Buch direkt beim Verlag. So bleibt am meisten beim Autor hängen und bezahlen kann man dort nämlich auch mit Bitcoin (und sogar mit Lightning).