Archiv der Kategorie: Wirtschaft & Finanzen

Consensus 2017 – ein ausreichender Rückblick

Mit Bitcoin- und Blockchain-Konferenzen ist das so eine Sache. Erst gab es wenige. Dann schossen Sie wie Pilze aus dem Boden. Zwischenzeitlich gab es verteilt über die ganze Welt so viele, dass die Inhalte komplett austauschbar wurden und nun sehen wir seit einiger Zeit einen Konsolidierungsprozess.

Consensus – Eine Konferenz sie alle zu binden?

Großer Gewinner desselben ist ohne Frage die Consensus-Konferenz, die vor Kurzem nun bereits zum zweiten Mal in New York stattfand und sich immer mehr als zentrales Krypto-Branchen-Event etabliert. Zumindest ist die Nachfrage trotz stattlicher Ticketpreise so groß, dass kommendes Jahr wohl die Teilnehmerzahl auf 5000 verdoppelt werden soll.

Wobei das jedoch wenig überrascht, angesichts der Tatsache, dass die Marktkapitalisierung aller Krypto-Projekte zusammen gerade die 100 Milliarden US-Dollar-Marke geknackt hat.

In jedem Fall aber habe selbst ich kurz überlegt, ob ich im kommenden Jahr zur Consensus 2018 nach New York reisen sollte. Und das, obwohl ich den Newsletter des Consensus-Hausmediums Coindesk ob dessen unglaublich anstrengend-penetrantem Konferenz-Marketing gekündigt habe.

Alles, was man zu Consensus 2017 gelesen haben muss

Dann aber habe ich mit großer Freude den Consensus 2017 Recap von WhalePanda gelesen und dachte mir: So lange jemand anderes solch lesenswerte Zusammenfassungen schreibt, kann ich mir die Reise vorerst doch noch sparen.  Zitat:

“The opening show was cringeworthy. In case you missed it you can still watch it here from my live stream (bad quality). I was sitting in the back together with Fran and Tuur and we all had the feeling it was the start of a Onecoin conference.”

Wer dagegen lieber die offizielle Berichterstattung lesen möchte: Coindesk hat den Rest der Haus-Konferenz selbstverständlich hinreichend abgedeckt.

Bitcoin und andere Altcoin-Kurse auf einen Blick

Ich bin schon seit einer ganzen Weile auf der Suche nach einem guten Tool, um den Überblick über die Kursentwicklungen verschiedener Kryptowährungen zu behalten. Gerade in letzter Zeit geht es am Altcoin-Markt ja mächtig ab. Ethereum, Dash, Litecoin, Ripple – es gab in den letzten Wochen auffällig viele Kurssteigerungen von bis zu 150 Prozent binnen weniger Tage, von Projekten, die eigentlich nicht ins klassische Pump and Dump-Schema passen.

Altcoins profitieren vom “Stillstand” bei Bitcoin

Wobei auch in diesem Fall wieder einmal weniger die jeweiligen Kryptowährungen selbst, sondern vor allem Bitcoin die Ursache ist. Denn die vermeintlich festgefahrene Situation um die Kapazität der Blockchain ist für spekulationsfreudige Trader recht langweilig und wenn dann bspw. Litecoin Bitcoin in Bezug auf die Implementierung von SegWit überholt, ist das offensichtlich Grund genug den Kurs massiv in die Höhe zu treiben.

Das ist insofern bemerkenswert, als dass Litecoin über die Jahre sonst ja eigentlich weniger von sich reden gemacht hat und hauptsächlich von seiner Tradition zehrt. Litecoin – als quasi allererste Altcoin-Alkternative zu Bitcoin – gibt es halt schon so lange, dass das irgendwie zum Krypto-Ökosystem dazugehört.

Auch der Kurs von Dash war maßgeblich beeinflusst von der Bitcoin-Blocksize-Debatte, ebenso Ethereum. Wobei hier ohne Frage auch erneut das große Interesse der Industrie für den Preisanstieg mitverantwortlich war. Lesenswert dazu auch Tuur Demesters gestriger Beitrag:  I’m not worried about Bitcoin Unlimited, but I am losing sleep over Ethereum (+ die Kommentare).

Cryptowatch – Übersicht über die größten Kryptowährungen

In jedem Fall aber und egal aus welchem Grund ist es immer sinnvoll bei Kryptowährungen den Überblick zu behalten. Und das ist gar nicht so leicht, wenn man nicht ständig dutzende Tabs im Browser geöffnet haben will.

cryptowatch.ch
cryptowat.ch – Mehr Überblick auf einer Seite geht nicht.

Helfen kann in dem Fall dabei eine Seite wie cryptowat.ch. Die ermöglicht nämlich auf einen Blick die aktuellen Kursentwicklungen verschiedener Kryptowährungen über verschiedene Börsen hinweg zu verfolgen. Dass das nicht mit allen drölfhunderttausend Altcoins funktioniert, versteht sich von selbst. Mit Bitcoin, Litecoin, Monero, Dash, ZCash, Ethereum und Ethereum Classic  hat man aber schon mal eine ganz gute Übersicht. Zumal man sich die Ansicht auch noch nach Belieben selbst konfigurieren kann.

Interessant auch: cryptowat.ch wurde vor Kurzem von der Bitcoin-Börse Kraken übernommen, was nicht nur für den Nutzen des Projekts spricht, sondern auch ein schönes Beispiel dafür ist, wie man sich mit einer guten Idee und Herzblut im Krypto-Ökosystem einen Job schaffen kann.

ETF abgelehnt. Bitcoin reagiert gelassener als erwartet

Gestern Abend zu (hierzulande) später Stunde hat die US-Börsenaufsicht (SEC) nach jahrelanger Bearbeitungszeit und vielem hin und her ihre Entscheidung verkündet, den von den Winklevoss-Brüdern beantragten Bitcoin ETF nicht zu genehmigen. (Mehr zum Hintergrund hier).

Ablehnung des Bitcoin ETF nicht überraschend

Man kann nicht sagen, dass diese Entscheidung überraschend kam. Bei meiner spontanen kleinen Twitter-Umfrage gestern glaubten nur 48 Prozent an eine Zustimmung der SEC. Etwas mehr als die Hälfte war skeptisch.

Unterm Strich deckte sich diese letztlich sehr knappe Unentschlossenheit auch mit der Stimmung, die vorab in vielen anderen Umfragen und Vorhersagen im Bitcoin-Ökosystem kursierten. Wobei nicht wenige auch einfach nur auf einen rakentenhaften Kurszuwachs im Falle einer Zustimmung und damit letztlich auf schnelles Geld hofften.

Enttäuschung kaum spürbar

Doch auch wenn sich die Enttäuschung über die Ablehnung des Bitcoin ETF – wie erwartet – in einem sofortigen Kurseinbruch zeigte, fielen die Reaktionen insgesamt deutlich weniger dramatisch aus, als von manchen im Vorfeld befürchtet. Der Kurs fing sich sehr schnell wieder und begann sofort wieder zu steigen.

Auch das ist wenig verwunderlich. Denn es gab in den vergangenen Jahren kaum eine Gelegenheit, bei der man zeitlich so genau auf eine 50:50-Chance hoffen konnte, verhältnismäßig billige Bitcoins zu kaufen.

“Billig” hat bei Bitcoin eine ganz eigene Bedeutung

Wobei die Definition von “billig” in diesem Zusammenhang für viele offenbar direkt mit der symbolisch wichtigen 1000 US-Dollar-Marke verbunden war. Aber auch darüber hinaus scheint (außer den Winklevoss-Brüdern vielleicht) kaum einer diesem Bitcoin ETF ernsthaft eine Träne nachzuweinen.

Erleichterung und Rückbesinnung auf Bitcoins wahre Werte

Vielmehr äußern viele direkt ihre Erleichterung und zwischen den Zeilen der anderen schimmert die Rückbesinnung auf die ursprünglichen Werte der Bitcoin-typischen, rebellischen Unangepasstheit durch.

Dass der Bitcoin ETF wegen mangelnder Regulierungsmöglichkeiten abgelehnt wurde, ist ja schließlich genau der Grund, warum Bitcoin heute so groß und relevant ist und weiter wächst: Niemand kann es (idealerweise) kontrollieren.

Bitcoin ist kein US-amerikanisches Phänomen

Was man an dieser Stelle aber auch noch einmal explizit betonen muss: Die vergleichsweise milden Kurs-Reaktionen sind auch ein Indiz dafür, dass man den Einfluss der USA auf Bitcoin nicht überschätzen darf.

Zwar haben viele Entwickler, Medien und Investoren US-Bezug und Englisch dominiert als Sprache die Kommunikation und Berichterstattung in der westlichen Welt. Trotzdem hatte die Entscheidung der SEC für einen Großteil der global verteilten Bitcoin-Community letztlich aber nur wenig Relevanz.

Nach dem Bitcoin ETF ist vor der Blocksize-Debatte

Alles in allem ist die langerwartete Entscheidung damit aber endlich vom Tisch und man kann in Bitcoin-Land wieder zur Tagesordnung übergehen. Es ist ja nicht so, dass es nicht noch andere, bedeutend wichtigere Baustellen gäbe. Eine nachhaltige Lösung für die noch immer schwelende Blocksize-Debatte zu finden,  ist letztlich um ein Vielfaches wichtiger für Bitcoin als ein Bitcoin ETF. Bevor es die nicht gibt, macht es wenig Sinn ernsthaft über solche Spekulations-Instrumente für den Massenmarkt nachzudenken. Insofern war die Entscheidung der SEC sowohl für die Verbraucher, die sie schützen soll, als auch für Bitcoin letztlich eine gute.

In jedem Fall können wir aber festhalten: Die Auswirkungen, die einzelne Ereignisse auf Bitcoin haben, selbst wenn sie mit so großem Interesse verfolgt werden wie dieses, werden kleiner. Das ist eine sehr, sehr positive Entwicklung in Richtung Stabilität und Zuverlässigkeit.

Ach ja: Bitcoin ist tot! mal wieder …

Und bevor wir es vergessen. Falls recherchefaule Redakteure für das Thema noch eine hübsche Clickbait-Schlagzeile suchen. Wie wär es hiermit:

https://twitter.com/jamesjcousins/status/840506257920413696

Der Bitcoin-ETF und seine Konsequenzen

Der März wird spannend für Bitcoin. Bis zum 11. März will die US-Börsenaufsicht SEC entscheiden, ob der von den Winklevoss-Brüdern beantragte Bitcoin ETF (Exchange-traded fund) namens COIN genehmigt wird oder nicht.

Ich will gar nicht so sehr auf die Details zum ETF eingehen, denn das wird in den folgenden Links hinreichend erklärt. Vielmehr möchte ich darauf hinweisen, dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist, sich über eine Strategie Gedanken zu machen, die man verfolgt, wenn eine Entscheidung fällt und der Markt reagiert.

Bitcoin ETF: Preisstabilität ist das unwahrscheinlichste Ereignis

Denn egal, ob der ETF erlaubt wird, oder nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das ganz direkt auf den Kurs auswirken wird, ist hoch. Oder wie es Vinny Lingham ausdrückt:

You think you’ve seen volatility — baby, you ain’t seen nothin’ yet!

Der Beitrag von Vinny Lingham ist auch der, dem ich in jedem Fall zu lesen empfehle. Er sieht den ETF zum jetzigen Zeitpunkt kritisch und begründet das ausführlich und reflektiert. Plus: Retrospektiv betrachtet lag Lingham mit seinen Einschätzungen und Analysen bisher sehr oft richtig.

Hier also ein paar Lesetipps zum Thema, damit am Ende keiner sagen, er hätte von nichts gewusst.

Österreichischer Blockchain-Contest

Dass unsere österreichischen Nachbarn in puncto Bitcoin/Blockchain umtriebig sind und uns dabei gerne auch mal einen Schritt voraus, habe ich hier ja schon häufiger thematisiert. Und um diese These direkt zu untermauern, veranstaltet der BlockchainHub Graz in Kooperation u.a. mit der lokalen Sparkasse(!) einen Blockchain-Startup Contest.

Bis 31. Oktober können sich Gründer, Entwickler und Projektinitiatoren (wohl nicht nur österreichische) dort mit ihren Ideen, Startups und Prototypen bewerben und um Preise im Gesamtwert von 15.000 Euro konkurrieren. Diese werden aber selbstverständlich nicht in Euro, sondern in Bitcoin und Ether ausgezahlt.

Intention des Wettbewerbs noch nicht ganz klar

Allerdings wird aus der Website nicht ganz ersichtlich, was die eigentliche Intention dieses Wettbewerbs ist. Geht es nur darum die Ideen ins Rampenlicht zu holen? Wird es ein Event zum Netzwerken geben? Interessiert sich womöglich die Sparkasse selbst für die eingereichten Projekte oder ist diese nur formal ein Unterstützer?

Ein paar mehr begleitende Informationen würden dem Contest also gut tun. Ein bisschen Zeit ist ja aber auch noch und die Seite soll beständig aktualisiert werden.

Noch mehr BlockchainHubs

BlockchainHubs gibt es übrigens nicht nur in Graz, sondern auch in Berlin und Brüssel. In weiteren Ländern sind sie im Aufbau.

Über Healthcoins und verteilte Gesundheit

Dass sich auch die Gesundheitsbranche für die Blockchain-Technologie interessiert, hatte ich schon vor einer Weile mitbekommen. Eine Idee in diesem Bereich ist es zum Beispiel, Medikamente in der Blockchain zu registrieren, um diese jederzeit von gefälschten Produkten unterscheiden zu können und so Menschleben zu retten. Sehr viele Menschleben.

Eine Milliardenbranche ist heiß auf die Blockchain

Trotzdem hielt ich den Bereich Gesundheit bislang eher noch für eine Nische im Bitcoin-Ökosystem, in der außer ersten Ideen und lautem Nachdenken bislang noch nicht viel Greifbares entstanden ist.

Anscheinend habe ich mich getäuscht, denn in der Gesundheitsbranche wird das Thema Blockchain nicht nur recht detailliert beobachtet, mit der Distributed Health findet Anfang Oktober in den USA auch die erste Konferenz statt, in der es explizit um konkrete Anwendungen der Blockchain-Technologie in der Gesundheitsbranche geht.

Und diese sind – schaut man sich das Programm an – deutlich breiter und vielfältiger, als “nur” Medikamente zu registrieren. So geht es u.a. um elektronische Patientenakten, Versorgungsketten, die Pharmaindustrie, Identität, Vertrauen, rechtliche Aspekte uvm.

Nach der Finanzbranche der zweitgrößte Wirtschaftszweig

Wirklich überraschen sollte das große Interesse aber nicht. “Gesundheit” ist ein riesiges, globales Geschäft. In Nashville, dem Konferenzort, arbeiten knapp 130.000 Menschen in der Branche und eine Milliarde US-Dollar wurde allein in Startups vor Ort investiert – in etwa so viel wie Investoren in den gesamten USA bislang in Bitcoin- und Blockchain-Startups gesteckt haben.

Außerdem loten Pharma- und Healthcare-Giganten wie Merck auch längst eigenständig das Potential der Blockchain aus und sind sicher, dass es zwar noch etwas Zeit braucht, die Gesundheitsbranche dann aber nach der Finanzbranche die zweitgrößte Industrie sein könnte, die Bitcoin bzw. die Blockchain-Technologie adaptieren wird.

Praxistest: Bitcoins kaufen in Österreich

In Deutschland ist es noch immer vergleichsweise schwer an Bitcoins zu kommen. Mal eben Bitcoins im Wert von 10 oder 20 Euro zu kaufen, ist zwar machbar, aber umständlich. Denn entweder braucht man ein Bitcoin-Meetup in der Nähe, muss einen Privat-Verkäufer finden oder den aufwändigen Registrierungsprozess bei einer Bitcoin-Börse im Internet hinter sich bringen.

Österreich ist deutlich bitcoinfreundlicher als Deutschland

In Österreich ist das anders. Dort kann man Bitcoins nicht nur ganz bequem am Automaten kaufen, sondern Dank des Services von bitcoinbon.at das digitale Geld schon seit einiger Zeit auch an über 600 Verkaufsstellen im ganzen Land erwerben.

Da ich meinen Sommerurlaub gerade erst in Österreich verbracht habe, wollte ich die Gelegenheit nutzen, mal auszuprobieren, wie genau bitcoinbon.at funktioniert. Und ich war angenehm überrascht, wie einfach, schnell und reibungslos der Bitcoinkauf vonstattenging, wenngleich der Service in einigen Punkten aber durchaus noch verbessert werden kann.

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*Plopp* oder: Das Ende der DAO

Vor ziemlich genau einem Monat habe ich ausführlich über The DAO aka das größte Crowdfunding-Projekt aller Zeiten™ geschrieben und das Projekt anschließend auch für Deutschlandradio Kultur eingeordnet. Mein Tenor war damals kritisch – zu viele drängende Fragen schienen mir im damaligen Geldrausch-Hype unbeantwortet. Ich hab The DAO daher damals in Anlehnung an die große Spekulationsblase zu Beginn des Jahrtausends als DAO(tcom)-Blase bezeichnet. Dieser Vergleich war treffend. Denn am Freitag ist die DAO-Blase geplatzt.

Und der Schaden könnte bedeutend größer sein, als dass “nur” alle DAO-Hobby-Investoren ihre Einlagen verloren haben.

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Fokustag Blockchain, The DAO & Sommerpause!

Sommer, Sonne, Urlaubszeit. Und The Coinspondent macht frei! Hier im Blog wird es daher in den kommenden zwei/drei Wochen etwas ruhiger zugehen, dann aber wieder voller Schwung und Elan.

Zuvor aber noch ein kleiner Rückblick auf den “Fokustag Blockchain”, auf dem ich Donnerstag zu Gast war.

Blockchain-Technologie im Fokus
  • Es war beeindruckend zu sehen, wie intensiv und technisch anspruchsvoll das Thema “Blockchain” angegangen wurde. Allerdings war ich, wenn ich mich umgeschaut habe, wohl nicht der einzige, der gedanklich zwischendurch auch mal ausgestiegen ist. Denn es ging mitunter wirklich schnell durch alle bisherigen Erscheinungsformen von Ledger-Blockchain-Datenbank-Variationen.
    Zitat: “Von welchem “Hyperledger” reden wir eigentlich gerade?”
  • Der inhaltsleerste Beitrag kam von Seiten der Koina AG. Ich hatte den Vortrag schon einmal irgendwo gesehen und war verwundert, dass es das Projekt noch gibt. Denn noch immer wird nicht klar, was diese Koina AG eigentlich macht und warum das gut sein soll.
    Zitat: “Es ist UN-FASS-BAR. Wenn ihr Fragen habt, fragt mich, ich weiß bescheid.”
  • Der bemerkenswerteste Vortrag kam von RWE. Dass das Unternehmen mit Slock.it kooperiert, war mir schon vorher klar. Wie stark sich jedoch das gesamte Unternehmen auf Ethereum und die Zukunft der Machine-to-Machine-Economy ausrichtet, hat mich dann doch beeindruckt. (Das Titelbild ist auch aus dem RWE-Vortrag)
    Zitat: “Wir haben großes Glück, dass unser Vorstandsvorsitzender das Thema Blockchain verstanden hat und nach vorne pusht”.

Worauf sich RWE u.a. fokussiert, ist ein Projekt namens BlockCharge:

Hörtipp: The DAO bei Deutschlandradio Kultur

Und dann darf ich noch auf die morgige Breitband-Sendung bei Deutschlandradio Kultur hinweisen. Dort geht es u.a. um unser aller aktuelles Lieblingsthema: die DAO und die damit verbundene Utopie einer Demokratisierung des Kapitals. Ein gutes und wichtiges Thema.

Ich werd mir das dann gespannt ab 13:05 Uhr auf der Autobahn anhören und wer sich dann wundert, wie ich gleichzeitig unterwegs und im Studio sein kann, dem verrate ich nur so viel:

Ethereum & die DAO(tcom)-Blase

Seit Tagen versuche ich schlau zu werden, aus dem, was da gerade im Internet passiert. The DAO (steht für “Decentralized Autonomous Organization”) sammelt gerade Geld von techbegeisterten Ethereum– und Krypto-Enthusiasten ein und ist dabei so exorbitant erfolgreich, dass es knapp zwei Wochen vor Ende der Finanzierungsphase mit aktuell rund 140 Millionen US-Dollar (wobei diese Summe mit großer Voricht zu genießen ist) schon zum größten Crowdfundingprojekt aller Zeiten geworden ist. Mit Abstand!

The DAO Screenshot
Crowdfunding von The DAO: Ob es gut ist, dass das ein einmaliges Event ist, wird die Realität zeigen.

Das ist ebenso beeindruckend wie erschreckend. Denn man kann zwar nicht ausschließen, dass The DAO hält, was das clevere Marketing drumherum verspricht (in geile Dinge investieren UND reich dabei werden). Und mit Sicherheit werden auch einige (wenige) Personen/Projekte/Unternehmen ganz großartig von The DAO profitieren (Hut ab, Slock.it!).

Die Wahrscheinlichkeit jedoch, dass hier gerade eine an sich interessante Idee Hype- und FOMO-getrieben mit Volldampf auf den Prellbock der Realität zurast, ist hoch. Viel zu hoch, als dass ich persönlich ernsthaft überlegen würde, auf diesen Crowdfunding-Zug aufzuspringen. Oder?

Warum man The DAO mit Vorsicht betrachten sollte

Was mich in erster Linie davon abhält, ist, dass Skepsis zu meinem Beruf gehört und im Fall dieser DAO zu viele Fragen im Raum stehen, auf die ich keine überzeugende Antwort finde. Weder im Netz, noch in Gesprächen, noch durch Recherche und eigenständiges Schlüsseziehen. Und dabei sind das nicht einmal besonders komplexe Fragen, sondern eigentlich ziemlich naheliegende. Ein paar davon liste ich hier einfach mal auf.

Was ist The DAO?

Klingt vielleicht banal, ist aber tatsächlich für mich noch nicht beantwortet. “Dezentrale, autonome  Organisation” ist ein Begriff, der abstrakter nicht sein könnte. Christoph vom Bitcoinblog hat The DAO und wie sie funktionieren soll zwar grob zusammengefasst, aber letztlich ergeben sich aus der Lektüre nur noch mehr Fragen.

Haben diejenigen, die in The DAO investiert haben, verstanden, was die DAO ist?

Ich bezweifle das ernsthaft und meine Zweifel gründen u.a. auf solchen, vielbeachteten Artikeln wie The DAO: How to not fuck it up. in dem im Nachhinein(!) Vorschläge gemacht werden, wie man das Ding jetzt besser nicht gegen den Baum setzt. Sollte man sich dessen nicht bewusst sein, bevor man 140 Millionen US-Dollar einsammelt bzw. einzahlt?

Wo findet eine konstruktiv-kritische Auseinandersetzung der DAO-Befürworter mit The DAO statt?

Das Marketing pro The DAO ist ohne Frage gut. Aber es ist Marketing und kennt daher nur den Best Case. Was sehen jedoch die Initiatoren von The DAO (selbst eine dezentrale, autonome Organisation muss ja bisher noch von jemandem ins Leben gerufen werden) als Worst Case und was ist die erwartete Mitte?

Kann The DAO in dieser Form funktionieren?

Schwer zu sagen. Das wird man final wohl erst retrospektiv beurteilen können. Zieht man jedoch die Erfahrungen vergleichbarer Projekte zu Rate, sind die Aussichten nicht ganz so rosig. Ein guter Artikel zu diesem Thema: Is The DAO going to be DOA? Interessant darin ist auch der Hinweis auf den DAU (Dümmsten anzunehmenden User) verbunden mit der Frage, wie man mit ihm bzw. ihnen umgeht. Denn eines steht außer Frage: “Smart Contracts cannot fix Dumb People”.

Warum so viel Geld?

Ich halte DAOs im Allgemeinen für eine interessante Idee und The DAO wäre ein hervorragendes weiteres Experiment um den Hype und Erwartungsdruck um die DAO-Idee durch reale Erfahrungen aus der Praxis zu erden. 1 Million US-Dollar wären dafür schon eine enorme Menge Geld gewesen. 140 Millionen ändern nichts an den Ergebnissen des Experiments, vervielfachen jedoch die Fallhöhe und die Kollateralschäden, wenn das Projekt scheitert.

Wird The DAO, das Mt.Gox für Ethereum?

Ganz pragmatisch gefragt: Ist es sinnvoll Ethereum so eng mit einem einzigen, mächtigen und riskanten Projekt zu verknüpfen? Denn sollte die DAO(tcom)-Blase platzen (Worst Case), wären die Folgen auch für Ethereum und alle(!) anderen Projekte, die darauf basieren, unabsehbar.

Warum ist Ether auf einmal so geiles “Geld”?

Bisher wurde immer vermieden, Ether, die interne Währung von Ethereum, als digitales Geld zu beschreiben, weil dessen Primärfunktion nicht wie bspw. bei Bitcoin die Aufbewahrung und der Transfer von Geldwerten sein soll. The DAO nutzt Ether aber letztlich für genau das, weil damit Gelder eingezahlt und die potentiellen Gewinne den Nutzern ausbezahlt werden.

Übersehe ich etwas?

Das ist in der Tat die Frage, die mich am meisten wurmt und letztlich immer wieder über dieses beeindruckende 140-Millionen-Crowdfunding-Projekt nachdenken lässt. Bin ich womöglich der einzige (oder einer der wenigen), der das Potential von The DAO unterschätzt? Verpasse ich hier womöglich sogar direkt vor meiner Nase die Gelegenheit, an etwas Großem mitzuwirken und mit wenig Aufwand und Einsatz exorbitant reich zu werden?

berg
Alte Bergsteigerweisheit: Auch wenn man einen Gipfel vor Augen hat, ist es manchmal die schwerere, aber smartere Entscheidung, ihn nicht zu besteigen.

Es ist erstaunlich, wie groß und penetrant dieser beständige Zweifel an mir und meiner Entscheidung nagt, nicht Teil des The DAO-Crowdfundings zu werden. (“Es könnte ja …  / Man kann ja doch nicht ausschließen, dass nicht vielleicht doch … / Bitcoin und Ethereum wurden am Anfang ja auch enorm unterschätzt …”). In diesem Fall hilft es jedoch, sich an den eigenen Prinzipien zu orientieren und in meinem Fall ist das vor allem: Investiere niemals Geld in Dinge, die du nicht verstehst. Und ich habe The DAO und den Crowdfunding-Hype darum bislang nicht verstanden. Aber ich versuche es weiterhin und beobachte dieses Projekt weiterhin mit Interesse. Und mit Skepsis.

Außerdem gibt es eine Sache, die ich in den letzten Jahren Bitcoin gelernt habe: Gute Ideen und Gelegenheiten zu investieren, werden auch nach The DAO noch viele kommen.

… aber vielleicht findet sich ja auch noch jemand, der auf obige und weitere Fragen überzeugende Antworten geben kann?

Update

Der Altcoinspekulant hat sehr lesenswert seine Sicht auf The DAO formuliert: Der Ethereum DAO – Das 200 Millionen Dollar Ding!

Bilder: Sergey Galyonkin (CC BY-SA 2.0) und meg und rahul (CC BY 2.0)