BitBox02 – Die Schweiz als Hardware-Wallet

Nachdem ich neulich die Coldcard auf dem Schreibtisch hatte, eine Hardware-Wallet, die Design und Nutzerfreundlichkeit in jeder Hinsicht dem Thema Sicherheit unterordnet, könnte der Kontrast zur BitBox02, meinem aktuellen Testgerät aus dem Hause Shift Cryptosecurity, nicht größer sein.

Zwar kann man die schweizerische BitBox02 nicht so gut „erschießen“ wie den „hässlichen kleinen Taschenrechner“ aus Kanada und auch den eigenen Seed kann man nicht erwürfeln. Wenn man jedoch bereit ist, auf einige dieser Maximal-Sicherheitsfeatures zu verzichten, bekommt man mit der BitBox02 die derzeit wohl modernste, anwenderfreundlichste und zeitgemäßeste Hardware-Wallet.

Als Nachfolger der BitBox01 wirkt sie in vielen Details gut durchdacht, die Handhabung ist auf die Bedürfnisse des Nutzers fokussiert und das Design ist elegant. Wer hätte gedacht, dass sich die technische Nerdigkeit von Bitcoin und die Herausforderung, Bitcoins sicher aufzubewahren, so sexy verkaufen lässt.

Massiv, sicher und für die Ewigkeit gemacht. Der BitBox02-Hersteller versteht es, das Schweizer Image der Stabilität und Vertrauenswürdigkeit auf seine Produkte zu übertragen.
Krypto-Sicherheit als Schweizer Statement

Um das Konzept der BitBox02 zu verstehen, muss man sich zunächst mit Shift Cryptosecurity befassen. Kaum ein anderes Unternehmen ist mir in den letzten Monaten häufiger positiv aufgefallen.

Egal ob es um das Finden und verantwortungsvolle Kommunizieren von Schwachstellen in den Hardware-Wallet-Konzepten anderer Hersteller geht. Oder um einen Plan, wie man einen Lightning-Node baut, der so ansehnlich und funktional ist, dass ihn sich sogar die eigenen Eltern gerne ins Wohnzimmer stellen würden oder eben um eine zeitgemäße Hardware-Wallet. Das Auftreten des Shift Cryptosecurity-Teams wirkt nach außen hin immer respektvoll, engagiert, kompetent und konstruktiv.

https://twitter.com/Stadicus3000/status/1186298106196967431

Eine smarte Strategie. Denn durch gute Kommunikation, Kooperationsbereitschaft und Authentizität erarbeiten sich die Schweizer langfristig das wichtigste Gut, das ein Unternehmen im Bitcoin-Ökosystem besitzen kann: Vertrauen.

Ohne Frage hat dabei ein Schweizer Unternehmen aufgrund der langen Tradition des Landes, Vermögen professionell und diskret zu verwalten, von Natur aus einen Vertrauens-Bonus. Das Team von Shift Cryptosecurity versteht es aber, dieses Schweizer Image zu nutzen und geschickt und authentisch auf das Bitcoin-Finanzwesen zu übertragen. Eine Hardware-Wallet aus der Schweiz? Das klingt solide und lässt sich gut verkaufen. Immerhin nutzte ja schon Barack Obama vor ein paar Jahren in Bezug auf Verschlüsselung das Sinnbild des „swiss bank account in a pocket“.

BitBox02 – Das Lieferdilemma

Abgesehen vom positiven Image bringt der Standort Schweiz jedoch auch Nachteile mit sich. Denn als Nicht-EU-Land muss eine BitBox02 bei der Lieferung nach Deutschland zunächst durch den Zoll, was in meinem Fall eine recht unerfreuliche Erfahrung war.

Zum einen verlängerte der Prozess meine Lieferzeit um zwei Wochen. Außerdem musste ich eine detaillierte Sendungs- und Inhaltsbeschreibung abgeben. Gerade wenn es um das private sichere Aufbewahren von Bitcoin geht, fühlt sich das nicht richtig an, eine Bitcoin-Hardware-Wallet und ihren Einsatzzweck beschreiben zu müssen, wenn man nicht weiß, wer diese Information schließlich alles in die Hände bekommt.

Vom Zoll zur Durchsicht geöffnet und wieder „verschlossen“. Einer Hardware-Wallet, die in so einer manipulierten Verpackung ankommt, sollte man eigentlich nicht mehr vertrauen.

Am ärgerlichsten war jedoch der Zustand, in dem das Päckckchen schlussendlich bei mir ankam: offensichtlich geöffnet und äußerst lieblos und dilettantisch wieder zugeklebt. Hätte ich die BitBox02 nicht zu Testzwecken, sondern für den privaten Nutzen bekommen, hätte ich mir an dieser Stelle überlegen müssen, ob ich meine Bitcoins dieser manipulierten Lieferkette wirklich anvertrauen möchte. Im Zweifel wohl eher nicht.

Neue Ideen für mehr Sicherheit

Doch genau dieses systemischen Problems ist man sich offensichtlich auch bei Shift Cryptosecurity bewusst. Mit dem frisch vorgestellten Konzept von BitBox Tep hat man jedenfalls eine der aktuell interessantesten Lösungen für das Lieferkette-Problem vorgestellt: Wie lässt sich nachweisen, dass das Gerät, das beim Kunden ankommt, zwischendurch nicht manipuliert wurde? Ein Problem, das ja letztlich alle Hardware-Wallet-Anbieter irgendwie lösen müssen.

Dass sich Shift Cryptosecurity hierbei wieder früh an die Community wendet, um Feedback zu bekommen, passt zum insgesamt konstruktiv-kooperativen Auftreten des Unternehmens.

Noch ohne BitBox Tep-„Fingerabdruck“ und daher einfacher manipulierbar: die BitBox02 im gebrandeten Vakuumbeutel.

Bei meinem Testgerät kam das Tep-Feature allerdings noch nicht zum Einsatz. Meine BitBox02 wurde vorerst nur im „Marken“-Vakuumbeutel geliefert. Besser als nichts, aber in der Form (ebenso wie Hologram-Sticker etc.) letztlich nur eine Maßnahme aus der Kategorie Security-Theater.

Für rund 100 Euro bekommt man: Sticker, die BitBox02, eine SD-Karte, ein USB-Adapter, ein USB-C-Verlängerungskabel, drei Befestigungsbändchen und eine wirklich schön gestaltete Verpackung.
Un-BitBox-ing

Entvakuumiert befinden sich dann in der sehr ansprechend gestalteten Verpackung neben der eigentlichen Hardware-Wallet die fast schon obligatorischen Sticker, eine SD-Karte, ein USB-C-Verlängerungskabel und ein USB-Adapter. Der ist eine charmante Lösung um die BitBox02 abwärtskompatibel zu halten. Erfreulicherweise hat das Gerät selbst nämlich einen modernen USB-C-Anschluss. Eines der Details, die die Hardware-Wallet technisch auf der Höhe der Zeit verorten.

Der andere ist die Kombination aus großem Display und Bedienung per Touch-Gesten. Dadurch kommt das Gerät nicht nur ganz ohne Tasten aus, sondern wird auch sensorisch zu einem Erlebnis.

You can touch it

Tippen, streichen und drücken – diese Gesten kennen wir vom Smartphone und immer mehr Alltagsgeräten. Nun auch die eigene Hardware-Wallet auf diese Weise zu bedienen, wirkt daher nicht sonderlich futuristisch, sondern eher zeitgemäß. Allerdings lässt es die Bedienung über kleine, fummelige Knöpfe wie bspw. bei den weit verbreiteten Ur-Hardware-Wallets Ledger Nano S oder Trezor One geradezu anachronistisch erscheinen.

Vor allem, da die Bedienung der BitBox02 wirklich durchdacht ist. Das Display selbst ist nämlich nicht touchfähig, sondern nur die Seiten der Hardware-Wallet. So bleibt der Blick aufs Display immer frei und wird nicht durch die eigenen Finger versperrt. Bei der Geräte-Größe von 45x24x8 Millimeter (ohne Stecker) eine gute Entscheidung.

Reibunsglose Inbetriebnahme

Auch in Betrieb setzt sich der positive Eindruck fort. Die Einrichtung der Hardware-Wallet funktioniert ähnlich wie bei der Konkurrenz. Wie bei den meisten anderen Anbietern auch muss zunächst eine Desktop-App heruntergeladen werden, über die auf die BitBox02 zugegriffen und Updates installiert werden können.

Neue Wallet oder Wiederherstellen? Mit wenigen Klicks ist die BitBox02 betriebsbereit.

Für Kritiker bedeutet das natürlich einen potentiellen Privatsphäre-Verlust. Allerdings kann man (falls man das kann) in den „Experten-Einstellungen“ die App zumindest auch mit einem eigenen Full-Node verbinden.

Backups für alle!

Positiv zu bewerten ist in jedem Fall der Umstand, dass das Backup der Hardware-Wallet nicht nur per Seed, sondern auch auf der beiliegenden SD-Karte gespeichert wird. Das erhöht zwar den individuellen Aufwand. Neben dem Seed muss nun nämlich auch die SD-Karte sehr sicher aufbewahrt werden, da das Backup hier unverschlüsselt gespeichert ist. Allerdings gibt es dafür auch ein explizites System, wie das eigene Guthaben im Ernstfall auch ohne BitBox02 wiederhergestellt werden kann.

Dass das Backup auf der SD-Karte unverschlüsselt liegt, ist sehr wichtig zu wissen.

Eine allgemeine Bewertung dieses Backup-System ist schwierig und hängt letztlich immer von der individuellen Situation ab. Einerseits ist es riskant. Gelangt die SD-Karte in falsche Hände, ist alles verloren. Andererseits ist das eine sehr praktische und intuitive Backup-Form für alle, die mit dem Einsatz von mnemonic seeds nicht vertraut sind. Wer das hingegen nicht will, kann das SD-Karten-Backup außerdem ja auch verwerfen und sich wie bei anderen Wallets auch ganz auf seinen Seed verlassen.

Zukunftstaugliche Hardware

Dass es allerdings einen SD-Karten-Slot bei der BitBox02 gibt, ist auch in Hinsicht auf Partially Signed Bitcoin-Transaktionen sinnvoll. Also wenn man mehrere Hardware-Wallets unterschiedlicher Anbieter gleichzeitig nutzen will, um seine Cold-Storage-Bitcoins sicher aufzubewahren. Auch wenn es aktuell zwar noch keine PSBT-Option in der BitBoxApp gibt, bietet das Gerät damit zumindest die nötigen Voraussetzungen, die Funktion künftig softwareseitig durch ein Update nachzurüsten.

Ist der SD-Karten-Slot vorhanden, könnte eine PSBT-Option softwareseitig einfach nachgerüstet werden.

Darüber hinaus ist mir im Umgang mit der App ein weiteres Detail positiv aufgefallen, das zeigt, wie viel Mühe man sich bei Shift Cryptosecurity gegeben hat, das eigene Konzept mit Schweizerischer Gründlichkeit zu durchdenken. Anstatt wie sonst oft üblich einen FAQ-Teil als eigenständige Menü-Option integrieren, hat jeder Menü-Bereich in der BitBoxApp einen eigenen kleinen Frage-Antwort-Bereich. Und zwar mit den jeweils konkreten Fragen, die an ebendiesem Menüpunkt relevant sein können.

So geht gute UX: Der „Guide“ ist kein separates FAQ, sondern beantwortet Fragen gleich dort, wo sie aus Nutzersicht entstehen.

Mögliche Fragen zu antizipieren und verständlich zu beantworten ist die Pflicht, die alle Hardware-Anbieter erfüllen. Die Fragen aber direkt dort zu beantworten, wo sie entstehen, ist aus Herstellersicht kein großes Ding. Aus Nutzersicht ist es aber das Tüpfelchen auf dem i, das zeigt, dass sich hier jemand tatsächlich Gedanken um die die Nutzererfahrung gemacht hat und wie man sie so reibungslos wie möglich gestalten kann. Haben wir im aktuellen Honigdachs-Podcast noch die oft verbesserungswürdige UX-Erfahrungen in Bitcoin-Anwendungen kritisiert, ist das hier ein positives Beispiel, wie man es wirklich gut machen kann.

Fazit

Am Ende bleibt wirklich wenig, was ich an der BitBox02 kritisieren kann. Zum Beispiel könnte sie sich timeout-mäßig automatisch abmelden und den Zugriff auf die App sperren, wenn man sie längere Zeit unbenutzt am Rechner angeschlossen lässt. Wenn das jedoch schon der größte Kritikpunkt ist, spricht das für sich.

In Hinblick auf die Bedienung, die Software-Optionen und die Hardware an sich ist die BitBox02 ansonsten nämlich eine Hardware-Wallet, wie ich sie mir vorstelle, wenn ich an die Schlagworte „Bitcoin“, „Schweiz“ und „2019“ denke: Solide, sicher, kundenorientiert und verlässlich.

Natürlich ist die BitBox02 wie andere Hardware-Wallets auch eine kleine Blackbox und ganz ohne Vertrauen geht es auch hier nicht. Wie sind die Teile intern verbaut? Lässt sie sich doch manipulieren? Ist das Secure Element auch wirklich secure? Wo sind bisher unbekannte konzeptionelle Schwachstellen?

Dass früher oder später auch bei der BitBox02 der ein oder andere Angriffsvektor entdeckt werden, ist eigentlich unausweichlich. Die Frage, die sich daher stellt, ist: Wie sehr vertraue ich dem Hersteller, darauf vorbereitet zu sein und das Problem schnell und effizient in den Griff zu kriegen?

Keine Hardware-Wallet ist unfehlbar. Bei der BitBox02 wird darüber erfreulich offen kommuniziert.

Der Relevanz dieser Frage scheint man sich sich Shift Cryptosecurity jedenfalls bewusst zu sein und adressiert sie dementsprechend offensiv durch gute Kommunikation, offene Innovation und gutes, nutzerorientiertes Design. Eine aufwändige, aber sinnvolle Strategie, die sich hoffentlich langfristig auszahlt. Denn mit der BitBox02 legt Shift Cryptosecurity die Messlatte für Hardware-Wallets ein gutes Stück höher. Um zu bestehen, müssen alle anderen Hersteller darauf nun angemessen reagieren. Für das Bitcoin-Ökosystem als Ganzes kann das nur von Vorteil sein.

Dementsprechend bin ich also nicht nur gespannt, wie sich die BitBox02 zusammen mit BitBox Tep und der BitBox App künftig weiterentwickeln wird, sondern auch wie sich der bald erscheinende Lightning-Node BitBoxBase in das Gesamtkonzept von Shift Cryptosecurity einfügt.

Kaufen

Die BitBox02 Hardware Wallet gibt es in einer Multi-Edition und einer Bitcoin-only-Variante. Beide kosten jeweils 109 Schweizer Franken (in etwa 100 Euro) und sollten wie alle Hardware-Wallets idealerweise direkt beim Hersteller gekauft werden.

Der Bitcoin Standard – „Wir wollen, dass die Message rüberkommt“

The Bitcoin Standard von Saifedean Ammous ist eines der prominentesten und polarisierendsten Bücher, die bisher über Bitcoin erschienen sind. Vor allem wegen der Erklärung des Stock-to-Flow-Modells und der Beschreibung von Bitcoin als extrem hartes Geld hat The Bitcoin Standard in Teilen der Community längst Kultstatus erreicht. Kritiker stören sich hingegen an der vertretenen Extremposition und einer mitunter konstruierten Argumentation.

Wenn sich kein Verlag findet, muss man ihn eben selber gründen

Wer sich selbst ein Bild machen wollte, musste das Buch bislang in der englischsprachigen Originalversion lesen. Ein deutscher Verlag fand sich nicht. Fabio und Stefan, zwei Bitcoiner aus der deutschen Community, wollten das nicht hinnehmen. Sie haben kurzerhand selbst einen Verlag gegründet, um The Bitcoin Standard endlich auch auf Deutsch verfügbar zu machen.

Seit ein paar Wochen ist Der Bitcoin Standard nun auf dem Markt und ich habe die Gelegenheit genutzt, Fabio zu ihrem Verlags-Projekt und ihrer Motivation zu befragen.

Der Bitcoin Standard von Saifedean Ammous. 432 Seiten kosten 24 Euro.

Hallo Fabio, stell euch doch mal kurz vor. Wer seid ihr und was habt ihr eigentlich mit Bitcoin zu tun?

Wir sind zwei Freunde, die ins Bitcoin Rabbit Hole gefallen sind und seither eine Möglichkeit gesucht haben, dem Space weiterzuhelfen und etwas zurückzugeben. Wir haben beide Maschinenbau studiert und arbeiten auch nicht im IT-Bereich, aber sind an Bitcoin kleben geblieben. Stefan hat sich trotzdem eher aus der technischen Sicht Bitcoin genähert, bei mir war es mehr das Potenzial zum Aufbrechen der politischen Ketten in unserem System.

Wie ist es dazu gekommen, dass ihr The Bitcoin Standard auf Deutsch herausbringt?

Nach dem ich das Buch gelesen hatte, war für mich klar, dass ich meinem Umfeld die darin enthaltenen Thesen und Gedanken näherbringen will. Je nach Altersklasse und Englisch-Skill ist das jedoch nicht so einfach. Also hatte ich kurzerhand Saifedean Ammous persönlich angeschrieben, um an die Verlagsrechte zu kommen und dann Stefan überzeugt, dass wir das in Angriff nehmen. Zum Glück hat alles geklappt!

Gab es keine andere, einfachere Möglichkeit das Buch auf Deutsch verfügbar zu machen?

Wir hatten einige Verlage gefragt, ob sie es machen wollen, sind dabei aber auf taube Ohren gestossen. Wenn das die einzige Möglichkeit gewesen wäre, hätten wir bestimmt einen gefunden. Aber uns gefiel dann doch der Gedanke, mit einem solchen Projekt auch mal unseren unternehmerischen Drive umzusetzen und vielleicht in der Bitcoin-Economy ein bisschen Fuß fassen zu können. Außerdem war uns sehr wichtig, dass die Message des Buchs wirklich klar rüberkommt und das Lektorat und die inhaltliche Überprüfung durch Bitcoiner stattfindet.

Wie groß war der Aufwand für euch und welches Kostenrisiko seid ihr eingegangen?

Genaue Zahlen möchte ich jetzt nicht unbedingt nennen, die kann man sich jedoch teilweise aus den Crowdfunding-Infos zusammenreimen. Insgesamt sind wir jedenfalls mit einer für uns sehr stattlichen Summe in Vorleistung gegangen.

Der generelle Ablauf war natürlich nicht unbedingt perfekt strukturiert, da die Verlagsbranche komplettes Neuland für uns war. Begonnen hatte es mit Verhandlungen mit dem Verlag über die Kosten und Dauer der Verlagsrechte. Danach haben wir überlegt, wie wir es umsetzen. Über andere Verlage, im Selbstverlag, Amazon Publishing und was es nicht alles gibt. Dann die Fragen: Wo drucken wir? Wer macht die Grafik? Wer setzt das Buch? Ich bin was Design und UX angeht etwas eigen und konnte mich mit der Qualität und den eingeschränkten Möglichkeiten von Amazon Publishing und dem Einfluss, den wir über die Zusammenarbeit mit einem anderen Verlag verlieren, nicht wirklich anfreunden. Ich hätte es mir nie verzeihen können, wenn die deutsche Version visuell und haptisch nicht dem gerecht wird, was es inhaltlich bietet. Aus dem Grund haben wir uns am Ende für den Selbstverlag und auch einen professionellen Druck entschieden und sind mit dem Ergebnis wirklich sehr zufrieden.

Einige nette und teils recht bekannte Bitcoiner und andere Freunde haben uns da zum Glück mit Kontakten und guten Tipps geholfen. Trotzdem war der Aufwand teilweise aber schon immens. Wir arbeiten beide noch in einem Vollzeitjob und einige Dinge liefen gar nicht zu unserer Zufriedenheit.

Wo hat es denn gehakt?

Das Erstlektorat der Übersetzung war grauenhaft. So schlecht, dass wir das komplett verworfen haben und die eigentlich schon sehr gute Erstübersetzung von Claus Bertermann dann in mehreren Schritten selbst überarbeitet haben. Das ging inhaltlich vom Gegenlesen jedes Satzes über die komplette Rechtschreibung und Vereinheitlichung von gebrauchten Wörtern bis hin zum umformulieren ganzer Abschnitte, weil ansonsten der Grundgedanke aus unserer Sicht nicht genügend getroffen wurde. Das hat definitiv einiges an Zeit geschluckt und uns zahlreiche Wochenenden und Abende gekostet.

 Das klingt nach sehr viel Arbeit. Hattet ihr einen festen Zeitplan?

Alles in allem haben wir so ungefähr neun Monate gebraucht, wenn man das wochenlange Vorgeplänkel mit dem englischen Originalverlag nicht berücksichtigt. Das gesteckte Ziel war ja mal im September dieses Jahres den Verkauf zu starten. Das haben wir leider mit dem 21. Oktober dann um ein paar Wochen verpasst. Jetzt sind wir froh, es geschafft zu haben und freuen uns über jeden Kauf, der uns unterstützt und vor allem jede Buchhandlung, die uns ins Sortiment nimmt. Wir waren sogar nach dem Launch in der Amazon Bestsellerliste, wer hätte das gedacht?

Die enorme Reichweite von Amazon ist für euch natürlich attraktiv. Allerdings hat euch die damit verbundene zentralisierte Abhängigkeit auch wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht. Was war da los?

Obwohl wir sämtliche KYC-Stationen durchlaufen haben, und ich meine damit Passkopien, aktuelle Gewerbeanmeldung etc., hat Amazon schließlich noch ein Sonderformular für den Onlinehandel gefordert, das wir nicht rechtzeitig organisieren konnten. Da wurde uns dann einfach der Account gesperrt und das gesamte darin enthaltene Geld war nicht mehr verfügbar. Nachdem wir das Formular dann hatten, wurde der Account reaktiviert, hinterliess aber irgendeinen Bug. Dadurch sind wir aus allen Bestseller-Rankings rausgefallen und waren längere Zeit auch im Verkauf blockiert. Unsere Marketingmassnahmen liefen also teilweise ins Leere, wenn die Kunden nicht auch noch unseren eigenen Shop gefunden haben.

Das ist schon sehr ärgerlich und zeigt mal wieder, wie mächtig die Position von Amazon ist. Am schlimmsten ist aber, dass wir aus dem Ranking geflogen sind, ohne jemals tatsächlich nicht lieferfähig gewesen zu sein.

Der Bitcoin Standard. Immer verfügbar, aber nicht immer leicht zu bekommen.

Zurück zum Buch. Bitcoin ist bekanntlich kein triviales Thema. Wie schwer war es, jemanden zu finden, der diese Bitcoin-Fachliteratur gut ins Deutsche übersetzen kann?

Das war lustigerweise ein absoluter Zufall. Nach dem Einholen mehrere Angebote hatten wir uns für eine Dienstleistungsfirma entschieden, die Freelancer organisiert und explizit darum gebeten, jemanden mit dem entsprechenden Bitcoin-Grundverständnis zu finden. Eines Tages bekam ich dann eine E-Mail von Saifedean Ammous weitergeleitet, in der unser Übersetzer Claus Bertermann ihn bittet, dafür zu sorgen, dass er als Übersetzer im Buch erwähnt wird, weil das Buch ihn so sehr begeistert hatte, dass er unbedingt darin vorkommen wollte. Stellte sich raus, der vom Übersetzungsbüro zugewiesene Übersetzer war tatsächlich schon Bitcoin-Fan, der durch das Übersetzen des Buches sogar noch in seiner Überzeugung bekräftigt wurde. Claus hatte eben schon mal die Zehenspitzen ins Bitcoin-Gewässer getaucht und wusste was es ist und wieso es wichtig ist. Das Buch hat ihn dann aber komplett in den Kaninchenbau geschickt. Wieder einer mehr!

Insofern war die Grundlage schon wirklich gut. Wir haben dann einfach bei den Themen, die aufgrund ihrer Komplexität falsch verstanden wurden, nochmal nachgeholfen und sowieso alles bis ins Detail gegengeprüft. Das Buch ist nun mal unser Baby. Garantieren können wir trotzdem für nichts. Wir haben das ja selbst zum ersten Mal gemacht. Das aber definitiv nach bestem Wissen und Gewissen.

Mit Büchern wird man bekanntlich nicht reich, sondern muss mit Herzblut und Idealismus dabei sein. Trotzdem: Wie viele Exemplare müsst ihr verkaufen, um in den schwarzen Zahlen zu landen?

Man muss schon sagen, dass Der Bitcoin Standard wirklich ein idealistisches Projekt ist. Um das schnelle Geld zu machen, ist Bücher zu verkaufen sicher nicht der richtige Weg. Ich bin jedoch überzeugt, dass es sich auf lange Sicht auszahlt, wenn man den richtigen Antrieb dazu hat. Die schwarzen Zahlen hängen natürlich am meisten vom Vertriebsweg der Bücher ab. Im Großen und Ganzen kann man aber sagen, dass wir mindestens 3000 Exemplare verkaufen müssen, um in einen Bereich zu kommen, wo es nicht mehr weh tut. 

Das Buch ist nun seit einigen Wochen auf dem Markt. Wie wird es angenommen? Seid ihr zufrieden mit den Verkäufen bisher?

Wir haben viel Zeit investiert schon vor dem Verkaufsstart eine Community zusammenzutrommeln und interessierte Leute auf dem Laufenden zu halten. Was jedoch nach dem Aktivieren der Vorbestellungen und dann dem offiziellen Launch abging, hätte ich niemals gedacht. Die Resonanz war super positiv und die Nachfrage hat uns absolut überfordert. Wir haben die letzten zwei Wochen etliche Bücher verpackt und Postgänge getätigt.

Der interessante Zeitraum ist aber der, der jetzt bevorsteht. Nachdem die überzeugten Bitcoiner bedient sind, die dieses Buch sowieso feiern, wird es spannend zu sehen, wie der Rest dieses Buch annimmt. Da müssen wir jetzt natürlich an unserer Marketing-Strategien arbeiten, um das auch wirklich unter die Leute zu bringen und allen klar zu machen, dass dies das richtige Buch ist, um sich die wichtigen Verständnis-Grundlagen zuzuführen. Das wird sicher eine Herausforderung.

Wo soll es mit eurem Verlag hingehen? Wollt ihr noch mehr fremdsprachige Bitcoin-Bücher auf Deutsch veröffentlichen oder künftig sogar eigene, neue Bücher verlegen?

Noch ist das relativ offen. Wir sind gerade dabei uns mit einigen Verlagen und Autoren auszutauschen und es gibt 1-2 Titel, die wir sehr gern auf Deutsch verfügbar machen würden. Generell sind wir aber auch nicht eigenen Büchern gegenüber abgeneigt. Wenn da draussen jemand ein tolles Buch über Bitcoin schreiben will und Potenzial in uns als Nischen-Verlag sieht, darf und soll er sich gerne melden.

Honigdachs #46 – Bitcoin nervt!

Die 46. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin zu reden auf Dauer zu wenig ist. (Abonnieren)

Honigdachs #46 – Bitcoin nervt!

Seit wir diesen Podcast machen, haben wir viel über die positiven Seiten von Bitcoin gesprochen und Bitcoin gegen ungerechtfertigte Kritik verteidigt. Allerdings ist eben nicht alle Kritik an Bitcoin unberechtigt und viel mehr noch – je länger man sich mit Bitcoin beschäftigt, desto mehr Sachen fallen einem auf, die man an Bitcoin nicht mag. Dinge, die nerven. Dinge, die besser laufen könnten. Besser laufen müssten.

Dass Bitcoin auch nach zehn Jahren noch Bitcoin so ein Nerdclub mittelalter, weißer Männer in der westlichen Welt ist zum Beispiel.

Oder dass sich Bitcoin immer noch nicht leicht und mal eben erklären lässt. Oder dass viele Bitcoin-Anwendungen noch weit von echter Benutzerfreundlichkeit entfernt sind. Oder, oder, oder.

In dieser Folge kotzen wir uns also mal so richtig aus über alles, was uns an Bitcoin stört, nervt und ärgert. Wer jetzt keinen Bock auf so viel negative Energie hat, sei beruhigt: Wer seinem Ärger Luft macht und die Dinge beim Namen nennt, der findet nicht nur Seelenfrieden, sondern kommt manchmal auch auf Ideen und Lösungen, auf die die Sicht vorher verstellt war.

Aber hört am besten einfach selbst!

Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick

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Was wurde aus dem Journalismus „… but with BLOCKCHAIN!“?

Am Samstag war ich bei Breitband zu Gast (Direktlink zur mp3, ab Minute 26:35), um darüber zu berichten, wie „Blockchain“ die Welt verändert. Oder genauer: Wie „Blockchain“ die Welt eben nicht verändert.

Konkret ging es um das Beispiel Journalismus. Denn auch der Journalismus sollte mal dank „Blockchain“ vor Zensur, Fake News, Vetrauensverlust und Finanzierungsschwierigkeiten gerettet werden. Zumindest wurden mit diesen Argumenten einst allerlei kryptische Krypto-Token auf den Markt geworfen.

Was ist vom „Blockchain“-Hype geblieben?

Doch was ist jetzt, Jahre später, daraus geworden? Nicht viel, wenn man ehrlich ist. Genau wie bei eigentlich allen anderen großen „… but with BLOCKCHAIN!“-Projekten.

Darum ist es wichtig, dranzubleiben und immer wieder mal nachzufragen, was denn nun eigentlich konkret aus all den Schöne-Neue-Blockchainwelt-Versprechen geworden ist, die früher so toll beworben wurden?

Mehr kritische Blockchain-Berichterstattung, bitte!

Dass Breitband da offensichtlich eine der wenigen Redaktionen im deutschsprachigen Raum ist, die sich eine Blockchain-kritische Berichterstattung trauen, kann man dem Team gar nicht hoch genug anrechnen.

Erst recht, wenn man bedenkt, welchen anstrengenden Shizzle man danach mit „Blockchain SV“-Trollen hat, die vor lauter Getriggertsein im Beitrag offensichtlich nicht zugehört haben.

Es gibt noch sehr viel mehr zu sagen

Einziger echter Kritikpunkt ist natürlich, dass man noch sehr viel mehr hätte berichten können, aber fünf Minuten sind eben nur fünf Minuten.

Wer sich für das Thema interessiert: Janine hat auf der The Lightning Conference im Oktober dazu einen sehr interessanten Talk (Slides / Talk Notes) gehalten.

Bild: „Classic old radio 1960s or 70s style“ Flickr-User theslowlane (CC BY 2.0)

Die „Bitcoin Starter Box“ – Perfekt für Einsteiger

Neulich bin ich im Netz auf die Bitcoin Starter Box von start2bitcoin.com gestoßen und wer mich kennt, weiß, dass ich da nicht widerstehen kann. Also habe ich mir direkt eine aus Belgien bestellt, um zu sehen, wie Bitcoin-Starter-freundlich denn diese Bitcoin Starter Box tatsächlich für potentielle Bitcoin-Starter ist.

Das perfekte Geschenk für Präcoiner

Und um es kurz zu machen: Ich finde sie rundherum gelungen. Die Box ist inhaltlich gut durchdacht, sehr ansprechend designt und das Beste ist: Wer die Box öffnet, kann sich direkt über Bitcoins in Wert von fünf US-Dollar als digitales „Begrüßungsgeld“ freuen.

Wer also schon oder noch auf der Suche nach einem sinnvollen Weihnachtsgeschenk im Wert von rund 30 US-Dollar ist, könnte mit der Bitcoin Starter Box das perfekte Geschenk gefunden haben.

Praktisch: Mit fünf Dollar in Bitcoin kann gleich auch das praktische Erkunden starten
Schön gemacht und gut durchdacht

Das Konzept der Bitcoin Starter Box ist so gut, weil es einfach ist. Neben dem „Begrüßungsgeld“ enthält sie nämlich einfach nur 60 „groovy cards“, die einem Stück für Stück Bitcoin erklären.

Damit das aber nicht zu trocken und einseitig wird, sind die Karten einerseits bunt und grafisch ansprechend gestaltet. Andererseits gehören sie verschiedenen Kategorien an, die jeweils eine unterschiedliche Perspektive auf das große Thema Bitcoin werfen.

So geben die „Fun Facts“ ihrem Namen entsprechend einen Einlick in die Kultur der Community oder erklären andere kuriose Ereignisse.

Wissen, Humor und neue Perspektiven

Die „Zeitungs“-Karten greifen dagegen jeweils eine populäre Behauptung über Bitcoin auf, die sich über die Zeit in den Medien und der Öffentlichkeit verfestigt hat, verorten diese und geben Denkanstöße, wie man sie kritisch hinterfragen kann.

In den „Bitcoin vs. Fiat“-Karten werden dagegen die Konzepte beider Geldformen direkt gegenüber gestellt und ihre jeweiligen Eigenschaften und deren Unterschiede miteinander verglichen.

Die „Detektiv“-Karten sind wiederum klassische Wissensvermittler. Hier bekommt man vor allem technische Dinge erklärt. Neben dem Fachjargon geht es dabei bspw. auch um Schlüssel, Forks und das Mining.

Die Bitcoin-Karteikarten-Box ist ideal für Einsteiger

Darüber hinaus neben gibt es noch Karten, die allgemeines Wissen über Banken und das Geldsystem bieten, „Anleitungs“-Karten bspe. zu Wallets und mit Tipps, was man beim (ersten) Bitcoin-Kauf beachten muss und natürlich fehlen auch die obligatorischen Witze-Karten nicht. (Die werden hier aber natürlich nicht gespoilert.)

Hat man schließlich alle Karten „durchgearbeitet“, bekommt man sogar noch ein Zertifikat. Davon kann man sich zwar sonst nichts kaufen, aber es ist trotzdem nett. Denn auch, wenn man nach der Bitcoin Starter Box zwar noch längst kein Experte ist, sondern maximal das Bitcoin-„Seepferdchen“ erreicht hat – der Anfang ist gemacht.

Und genau das soll die Bitcoin Starter Box ja erreichen.

Honigdachs #45 – die 1. Lightning-Konferenz

Die 45. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin zu reden auf Dauer zu wenig ist. (Abonnieren)

Honigdachs #45 – Die 1. Lightning-Konferenz

Knapp eine Woche liegt sie nun zurück, die The Lightning Conference in Berlin. Nach fünf eher kleineren und lockeren Hackdays die erste richtige Konferenz zum 2nd-Layer-Protokoll, das Bitcoin endlich zu „echtem“ Geld machen soll. Und – oh boy! – was soll man sagen außer: Was ein in jeder Hinsicht krasses Event.

Ca. 90 Speaker und 500 Teilnehmer aus der ganzen Welt, die sich zwei Tage lang intensiv und umrahmt von Seifenblasen, automatisierten Bierzapfen, (Handy-)Nodes der neuesten Generation, Plasmakugeln, subversiver Kunst und paymentgesteuerten Games über Routing, Privatsphäre, Hardware, (Re-)Finanzierung und alles andere ausgetauscht haben, was bei Lightning eben gerade aktuell ist.

https://twitter.com/vindaRd/status/1186481223473991685

Natürlich waren auch wir mit einer Delegation vor Ort und versuchen nun in einer guten Stunde all das zusammenzufassen, was wir erlebt, gelernt und ausprobiert haben. Keine leichte Aufgabe. Nicht nur, weil es thematisch so dicht war und es noch so viel mehr zu erzählen gäbe, sondern auch, weil es da ja auch noch diesen berühmt berüchtigten Lightning-Cocktail gab, der unverschämt gut funktioniert hat.

Aber hört am besten einfach selbst!

Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick

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Coldcard – Die kompromisslose Hardware-Wallet

Lange waren Trezor und Ledger die beiden großen dominierenden Anbieter, wenn es um Hardware-Wallets ging. Den Rest des Marktes, meist nur minimal veränderte Trezor-Klone, konnte man unter ferner liefen abhaken Doch mittlerweile ist der Markt gewachsen und immer neue Konzepte für die sichere Verwaltung von Bitcoins sind verfügbar.

Eines dieser Konzepte ist die Coldcard des kanadischen Unternehmens Coinkite und sie ist in vielerlei Hinsicht anders. Einer Security-First-Maxime folgend aufs Minimale reduziert wird niemals der Eindruck erweckt, dass diese Hardware-Wallet Bitcoins verwaltet. Sie schützt Schlüssel.

Design, Funktionalität und Nutzerfreundlichkeit sind dementsprechend einem Form-follows-function-Ansatz untergeordnet. Die Coldcard soll nicht schön sein. Sie soll den sicheren Zugriff auf die eigenen Bitcoins kontrollieren. Ohne Kompromisse.

Die Coldcard-Wallet könnte optisch auch als billiger Taschenrechner aus den 90ern durchgehen.
Ein „hässlicher kleiner Taschenrechner“, der es in sich hat

Richtig eingesetzt ist die Coldcard ein mächtiges und praktisches Werkzeug. Doch wie so oft bei Werkzeugen können Profis damit besser umgehen als Einsteiger. Insbesondere wenn diese nicht immer ganz genau wissen, was sie eigentlich gerade tun. Dann könnten sich Bitcoin-Neulinge mit einer Coldcard womöglich sogar mehr schaden als nutzen.

Die Coldcard richtig einzusetzen, setzt Verständnis voraus über Bitcoin und dessen technische Zusammenhänge und Abläufe „unter der Haube“. Wer dieses Wissen nicht mitbringt, muss es sich selbst aneignen oder läuft Gefahr, etwas falsch zu machen. Die Konsequenz kann dann der unwissentliche Verlust der Privatsphäre sein, dass man sich eine neue Coldcard kaufen muss oder, im schlimmsten Fall, dass die eigenen Bitcoins zwar gut absichert sind, man aber auch selbst den Zugriff darauf verliert.

Auch diese Kompromisslosigkeit ist letztlich konsequent. Bitcoin bietet denen die größte Freiheit und Unabhängigkeit, die sich ihre damit einhergehenden Verantwortung bewusst sind und entsprechend handeln.

Wer sich daher die Zeit nimmt, sich mit der der Herausforderung einer guten Cold Storage-Lösung und der berechtigten Kritik an bestehenden Hardware-Wallet-Konzepten auseinanderzusetzen, der wird verstehen, warum die Coldcard so kompromisslos ist, wie sie ist. Und ihre Möglichkeiten zu schätzen lernen, die so bisher keine andere Hardware-Wallet liefert.

Coinkite und ihre Coldcard sind keine Unbekannten

Zunächst zu den Basics. Der Coincard-Hersteller Coinkite ist kein Unbekannter, sondern gehört schon seit Jahren zum Bitcoin-Ökosystem. Mit dem Opendime hat das kanadische Unternehmen eine physische USB-Bitcoin-Wallet entwickelt, die bereits in der 4. Generation vorliegt.

Auch die Coldcard ist nicht neu, sondern in der aktuellsten Version aktuell bereits zweimal verbessert worden. Beständigkeit und transparente Weiterentwicklung, das zeigt die Erfahrung, sind im Bitcoin-Ökosystem aber prinzipiell gute Eigenschaften. Diese Review bezieht sich allerdings nicht auf das aktuelle Mk3-Modell, sondern noch auf ein Mark 2-Modell der zweiten Generation. Die Unterschiede sind aber nicht grundlegend.

Minimalistisch: Mehr als eine Tüte, ’nen Sticker, die Coldcard und einen Merkzettel gibt’s nicht
Minimale Angriffsfläche durch Minimalismus

Das minimalistische Konzept der Coldcard zeigt sich direkt beim Auspacken. Wo andere Hardware Wallet-Hersteller Wert auf ansprechende Haptik, umfangreiches Zubehör und eine schön gestaltete Verpackung legen, kommt die Coldcard in einer stabilen durchsichtigen Plastiktasche. Darin außerdem: ein Sticker und ein Papierkärtchen für das Notieren des Schlüssels. Das war’s.

Will man die Coldcard in Betrieb nehmen, braucht man allerdings noch ein Micro-USB-Kabel und – wenn man die Coldcard für echtes Cold Storage nutzen will – eine Micro-SD-Karte. Wer beides nicht zu Hause hat, muss also noch einmal 10 bis 20 Euro auf die aktuell rund 110 US-Dollar (Vorbestellungspreis Modell Mk3) draufrechnen. Wer die SD-Karte auch als Backup nutzen will, sollte an dieser Stelle jedoch nicht sparen und auf ein auf Langlebigkeit ausgelegtes Markenprodukt zurückgreifen.

Auch beim Kabel muss man eventuell nachkaufen. Nicht jedes Kabel funktioniert an der Coldcard, nur weil es den passenden Anschluss hat. Bei mir war es bspw. erst Kabel Nummer vier, mit dem die Hardware-Wallet schließlich startete.

Unter Strom – die Inbetriebnahme

Was die Coldcard von anderen Hardware-Wallets unterscheidet, ist das namengebende Feature, sie komplett cold, also offline und ohne Verbindung zu einem Computer einsetzen zu können. Daher auch die zwölf robusten, Taschenrechner-ähnlichen Tasten und das Display direkt am Gerät.

Für das initiale Setup muss man die Hardware-Wallet über den USB-Eingang mit Strom versorgen. Dafür soll angeblich eine Powerbank reichen. Wenn man, wie ich, allerdings nur bereits in die Jahre gekommene oder ohnehin schwachbrüstige Werbegeschenk-Powerbanks zur Hand hat, klappt das nicht unbedingt. Mit der Steckdose funktioniert es jedoch problemlos.

Die rote LED wird direkt vom Secure Element gesteuert. Leuchtet die Grüne, ist alles okay.
Im Notfall: Erschieße deine Coldcard!

Bei jedem Start überprüft sich die Coldcard selbst und zeigt per roter bzw. grüner LED die Integrität der Firmware und allem, was im Flashspeicher gespeichert ist. Gesteuert wird dieser Prozess vom Secure Element. Die physische Verbindung ist dabei durch Epoxidharz haptisch vor Manipulation geschützt. Daher auch das transparente Gehäuse, das jede Veränderung erkennen lässt und noch einen anderen Vorteil hat.

Durch die Hülle kann nämlich genau die Stelle erkennen, die man mit spitzer Gewalt treffen muss, um die eigene Coldcard final ins Jenseits zu schicken. Das mag drastisch klingen. Es gibt aber denkbare Umstände, unter denen es nötig sein kann, nachvollziehbar sicherzustellen, dass bei einer Coldcard definitiv nichts mehr zu holen ist.

„Schieß hierhin!“. Falls man die Coldcard unwiederruflich vor Missbrauch schützen will. (Screenshot: coldcardwallet.com)

In einem Interview erklärte Coinkite CEO Rodolfo Novak den Nutzen der Funktion mit dem Argument, dass dir Verbrecher möglicherweise schlimmere Dinge antun, solange sie davon ausgehen, dadurch irgendwann an deine Bitcoins zu kommen, als wenn offensichtlich ist, dass das sehr viel größeren Aufwand erfordert. Zum Beispiel indem erst eine neue Coldcard und das (idealerweise woanders versteckte) Backup besorgt werden muss.

Klingt für unsere Verhältnisse krass. Es gibt jedoch Situationen und Teile der Welt, da kann es sinnvoll sein, sich über so ein Szenario Gedanken zu machen. Insbesondere, wenn man größere Summen Bitcoins sicher verwahren will.

Das Secure Element „zumauern“

Zu viele falsche PIN-Eingaben führen übrigens zu dem gleichen Ergebnis und machen die Coldcard auch ohne Gewalteinwirkung irreparabel betriebsunfähig. Bis zur Mk2-Version verlängerten ähnlich wie beim Trezor falsche PIN-Eingaben die Zeitabstände für neue Versuche immer weiter. Ab Model Mk3 ist die Anzahl der falschen Eingaben auf 13 limitiert. Danach macht das Secure Element unwiderbringlich dicht.

Wer also nicht gut auf seinen PIN aufpasst, hat Pech und muss seine Bitcoins auf einem neuen Gerät wiederherstellen. Ein Factory Reset ist technisch unmöglich. Zitat: „If you forget your Coldcard PIN, there is nothing we can do except remind you to recycle your e-waste responsibly!“

Zusätzlich zum richtigen PIN kann man aber auch einen Spezial-PIN einrichten, der das Secure Element im Ernstfall sofort dicht macht (das Gerät also besser nicht in Kinderhände geben!) und einen Zweit-PIN, der in eine „falsche“ echte Wallet führt. Also eine Wallet lädt, die wie die originale Wallet aussieht und auch soviel Bitcoins enthalten sollte, um einen potentiellen Angreifer zufriedenzustellen. Aber eben nicht die eigentliche Wallet ist, die man in jedem Fall schützen möchte.

Von Würfeln und anderen Sicherheits-Features

Es gibt noch eine Vielzahl von weiteren Sicherheits-Features, die ich hier nicht auflisten kann, mit denen sich auseinanderzusetzen aber unbedingt schon im Vorfeld eines Kaufs lohnt. Sie sind alle auf der offiziellen Website und noch detaillierter im dortigen FAQ zu finden.

Jedes Secure Element ist einzigartig und sollte die selbe „Bag Number“ zeigen, wie auf dem Bag steht, in der die jeweilige Coldcard geliefert wurde.

Zum Beispiel, dass man sicherstellen sollte, dass jedes Gerät intern dieselbe „Bag Number“ anzeigt, wie auch auf der Verpackung stand, in der die Coldcard geliefert wurde. Oder wie man den Private Key erwürfeln kann, wenn man dem eingebauten Zufallsgenerator nicht vertraut. Oder wie man seine Backups verschlüsselt. Oder oder oder.

Die Coldcard im praktischen Einsatz

Doch wie funktioniert die Hardware-Wallet in der Praxis? Wie bereits erwähnt, ist die Coldcard weniger, was sich die meisten wohl unter einer Bitcoin-Wallet vorstellen würden. Im Gegensatz zu anderen Hardware-Wallets gibt es nämlich kein eigenes Interface, das als App oder Website das Empfangen oder Versenden von Bitcoins per Coldcard ermöglicht.

Die Coldcard lässt sich nur zusammen mit einer anderen Wallet-Software wie bspw. Electrum betreiben. Das ist prinzipiell kein Problem. Außer man betreibt selbst keinen eigenen Electrum-Server und ist sich auch nicht darüber im Klaren, wie viel Privatsphäre verloren geht, wenn man seine Daten stattdessen von irgendeinem Electrum-Server bezieht.

Wer die Coldcard nutzen will, sollte sich also nicht nur mit der Coldcard, sondern auch mit anderer Software, in dem Fall Electrum, auseinandersetzen. Für Einsteiger eher suboptimal.

Wird die Coldcard womöglich doch schnell mal am rechner abgeschlossen, wird sie zur „Hot“card

Auch die Möglichkeit, die Electrum Wallet auf dem Rechner mit der Coldcard zu verschlüsseln ist tricky. Um die entsprechende Wallet zu öffnen, muss man die Coldcard dann nämlich jedes Mal mit dem Computer verbinden. Genau das sollte ja mit der Initialisierung per Powerbank/Steckdose ja ursprünglich vermieden werden.

Auf der anderen Seite eröffnet die Kombination aus Electrum und Coldcard aber denen, die sich auskennen und genau wissen, was sie vorhaben, eine Vielzahl von Möglichkeiten. Das ist nicht immer intuitiv, aber unterm Strich mächtig.

Wer die Coldcard mit Electrum verwendet, sollte vorher wissen, was er/sie machen möchte.
PSBT – Teilsignierte Bitcoin-Transaktion

Zu den Besonderheiten gehört auch die Unterstützung von Partially Signed Bitcoin Transactions (PTSB), ein Feature, das es ermöglicht, eine Transaktion nacheinander von mehreren Institutionen signieren zu lassen bzw. lassen zu müssen, bevor sie gültig ist und vom Netzwerk akzeptiert wird.

Erst durch die Coldcard als zweite Instanz wird aus der .psbt eine final-txn erzeugt.

Dabei wird zum Beispiel in Electrum eine PTSB vorbereitet. Diese wird dann auf eine Micro-SD-Karte kopiert und in die Coldcard gegeben, die die Transaktion offline fertig signiert. Zurück im Rechner kann Electrum die finalisierte Transaktion von der SD-Karte dann ins Netzwerk geben.

Erst wenn die Coldcard die Transaktion fertig signiert hat, kann sie propagiert werden.

Durch den Einsatz von PSBTs lässt sich die Coldcard komplett offline verwenden. Das ist für kleinere Summen nicht unbedingt praktisch, erhöht aber die Sicherheit (auch die gefühlte), wenn es um große Beträge geht.

Noch mehr, wenn PSBTs künftig zu einem Standard-Feature von Hardware-Wallets werden und sich eine Bitcoin-Wallet dann über die Hardware-Wallet-Modelle mehrere Hersteller hinweg sichern lässt.

Bisher kann allerdings nur die Coldcard mit PSBTs umgehen und auf Rechnerseite muss entweder Electrum oder Bitcoin Core laufen. PSBTs einzusetzen, ist also schon möglich, bislang aber eben noch eine sehr exotische Erfahrung, an der vor allem Nerds ihre Freude haben werden.

Ich hatte zum Beispiel keinen passenden SD-Kartenleser und musste meine Test-PSBT kurzerhand durchs Audiointerface schleusen. Pay per mic, quasi. Klappt, wird den bequemen Endnutzer so aber noch nicht überzeugen.

Pay per mic: Wenn die PSBT vor dem Bitcoin-Netzwerk erst noch durchs Audiointerface muss
Fazit

Unterm Strich kann die Coldcard aufgrund ihrer kompromisslosen Fokussierung auf Sicherheit und Bitcoin (es wird nichts anderes unterstützt) die wohl beste Hardware-Wallet sein, die man derzeit kaufen kann. Vorausgesetzt man ist bereit, sich auf sie einzulassen.

Denn die Coldcard ermöglicht sehr viel, sie fordert dafür aber auch Einiges. Vor allem muss man wissen, was man eigentlich genau machen will und ob bzw. wie man die Coldcard einsetzen kann, um dieses Ziel zu erreichen. Das kostet Zeit und mitunter einiges an Hirnschmalz. Aber es lohnt sich. Denn je besser man sich auskennt, desto sicherer kann man die Coldcard verwenden.

Wer es hingegen einfach und bequem haben will, der wird mit der Coldcard vermutlich nicht glücklich werden. Gerade wenn es „nur“ um kleinere Summen geht, die im Cold Storage verwahrt werden sollen, auf die aber regelmäßig und schnell zurückgegriffen werden soll, ist die Coldcard im Gegensatz zur Konkurrenz vergleichsweise unhandlich.

Dessen ungeachtet füllt sie aber eine Lücke. Bequeme Hardware-Wallets sind potentiell weniger sicher. Wer größere Summen sichern möchte, technisch allerdings keine noch sehr viel aufwändigere Lösung wie bspw. das Glacier-Protokoll umsetzen kann oder will, der findet in der Coldcard eine sehr gute Lösung, die eben gerade wegen ihrer Kompromisslosigkeit in Hinblick auf den Fokus auf Sicherheit punktet. Dass sie dabei trotzdem sehr gut bedienbar bleibt, liegt an dem gut durchdachten Konzept, das man diesem unscheinbaren kleinen „Taschenrechner“ allerdings nicht auf den ersten Blick ansieht.

Und auch das ist letztlich ja kein Manko, sondern ein potentielles Sicherheits-Feature.

Happy 600.000 Blöcke, Bitcoin!

Heute Nacht ist es soweit. In weniger als 90 Blöcken wird Bitcoin 600.000 Blöcke alt und wer sich schon ein bisschen länger mit dem Thema beschäftigt, weiß, dass man die Bitcoin-Zeit nicht kalendarisch misst, sondern in Blöcken. Daher ist das ein Jubiläum. Zumindest für Nerds. Daher: Whoop, whoop!

Mit dem 600.000 Block wird auch der 18 Millionste Bitcoin erzeugt werden, was bedeutet, dass damit mehr als 85 Prozent aller jemals verfügbaren Bitcoins in Umlauf sein werden.

Blockzeit ist eine eigene Zeit

Interessant ist: Wir erreichen diesen Punkt deutlich früher als geplant. Denn eigentlich kommen Blöcke im Schnitt alle zehn Minuten. Aber sie kommen eben nur theoretisch alle zehn Minuten. In der Praxis kommen sie etwas schneller. Bei der aktuellen Blockzahl müsste die Blockchain nämlich schon rund elfeinhalb Jahre laufen. Seit dem Genesis-Block Januar 2009 sind aber erst 10 Jahre und knappe 10 Monate vergangen.

Diese Differenz liegt an der Difficulty, also der Schwierigkeit beim Mining einen gültigen Hash zu finden. Die Difficulty soll dafür sorgen, dass durchschnittlich alle zehn Minuten ein neuer Block gefunden wird. Unabhängig davon, mit wie viel Rechenleistung das gerade versucht wird. Das Prinzip: je mehr Leistung, desto schwerer wird es. Je weniger, desto leichter. Eigentlich ganz einfach.

Allerdings wird die Schwierigkeit bei Bitcoin nur alle 2016 Blöcke, also ca. alle zwei Wochen, angepasst. Das bedeutet, dass wenn bis dahin gerade sehr viel Hashing-Power im Netzwerk ist, die Blöcke eben tendenziell immer etwas schneller kommen. Und da die Hashrate von Bitcoin über die Jahre unterm Strich beachtlich gestiegen ist, war die meiste Zeit etwas „zu viel“ Leistung im Netzwerk und in der Praxis haben wir eine durchschnittliche Blockzeit von weniger als zehn Minuten.

Bedeutet also, dass man im Schnitt auch etwas weniger als zehn Minuten für die erste Bestätigung einer Bitcointransaktion warten muss.

Bedeutet aber nicht, dass das immer so ist. Erst neulich gab es wieder einen krassen statistischen Ausreißer-Block, der fast zwei Stunden(!) auf sich warten ließ (vgl. Block #597272 und Block #597273). Eine der ganz seltenen echten Block-Diven.

How high is the Blockchain?

Interessant ist es auch, sich anlässlich des runden Blockjubiläums mal über die korrekte Beschreibung der Blockchain Gedanken zu machen. Die ist nämlich gar nicht so intuitiv., wie viele denken. Das zeigte auch meine spontane, nicht-repräsentative Twitter-Umfrage neulich.

Denn obwohl es natürlich irgendwie naheliegt, dass eine Kette „lang“ ist, spricht man bei den Blöcken der Blockchain jedoch von der Blockhöhe. Die Blöcke bauen nämlich aufeinander auf. Wegen mir muss man da aber nicht pingelig sein. Die Blockchain als 600.000 Blöcke lang zu bezeichnen, finde ich im Sinne der besseren Verständlichkeit auch vollkommen okay.

Das Blockgewicht spielt übrigens erst seit der Aktivierung von Segwit eine Rolle bei der Größenbezeichnung einzelner Blöcke. Man findet die Angabe des Block Weight daher in einigen Blockexplorern ebenso wie die Block Height.

Denen, die aber meinten, die Blockchain sei „breit“, saß vermutlich der Schalk im Nacken. Oder aber es handelt sich hierbei um einen genialen metaphorischen Dreh. Denn wenn man fragt „How high is the Blockchain?“ schlägt man ja durchaus den Bogen zur richtigen Antwort und hat ganz nebenbei auch den einzigen Titel für ein „Blockchain“-Buch, das ich tatsächlich noch lesen wollen würde.

Block 600.000 – Wo noch nie jemand zuvor gewesen ist

Doch genug geschlaumeiert. Kommen wir zum praktischen Teil. Wer die geometrische Erscheinung der Blockchain nämlich abschließend selbst erkunden will, für den habe ich noch diesen traumhaften Echtzeit 3D-Blockexplorer von Scott Darby im Angebot, der jedes Science Fiction-Herz höher schlagen lässt.

Im Zentrum liegt der Mempool, um den sich alles dreht und um den auch die Blockchain Block für Block wächst. Transaktionen fliegen durch den Raum und werden in die kristallartige Baumstruktur der jeweiligen Blöcke eingarbeitet. Jede Transaktion bildet je nach Größe eine eigene Struktur, die sich beim freien Umherfliegen erkunden lässt.

Kurzum: Dieser Blockexplorer weckt bei mir die Vorfreude auf die kommende The Expanse-Staffel und ist gleichzeitig das beste Mittel sich die Zeit bis dahin mit Bitcoin-Nerd-Stuff zu vertreiben. Und das Beste ist: Da man im Raum nicht weiß, wo oben und unten ist, ist es auch egal, ob die Blockchain nun lang, hoch oder breit ist.

Honigdachs #44 – Bitcoin in Vietnam

Die 44. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin zu reden auf Dauer zu wenig ist. (Abonnieren)

Honigdachs #44 – Bitcoin in Vietnam

Schon lange wollte ich gerne mal Dominik Weil als Gast in den Podcast holen. Nachdem er in der Frankfurter Bitcoin-Community aktiv war, ist er 2013 nach Vietnam gegangen und hat dort in den vergangenen Jahren die größte lokale Bitcoin-Börse Bitcoin Vietnam aufgebaut.

Das ist keine kleine Sache, denn die Vietnamesen lieben das Traden. Nicht nur gibt es im Land mindestens eine Million Krypto-Trader. Diese sind auch noch äußerst umtriebig. Schaut man auf die Herkunft der Logins auf den größten Kryptobörsen im Netz ist Vietnam unter den Top 5 und der Vietnamische Dong unter den 20 meistgehandelten Währungen.

Derselbe Bitcoin in einer anderen Welt

Hier in Deutschland bekommen wir davon allerdings nichts mit. Daher ist es höchste Zeit für eine Schalte zu Dominik nach Saigon, um mal wieder über den okzidentalen Tellerrand zu schauen und zu erfahren, welche Rolle Bitcoin in Südostasien spielt. Los geht’s!

Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick

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