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Steelwallet – Bitcoins für die Ewigkeit sichern

Zugegeben – wie soll man wissen, ob man Bitcoins überhaupt für die Ewigkeit sichern kann, wenn man die Zukunft gar nicht kennt. Aber ist das ein Grund es nicht trotzdem zu versuchen? Genau! Und deswegen habe ich auch direkt zugesagt, als mich Aljoscha von Steelwallet neulich fragte, ob ich ebensolcheine Steelwallet mal ausprobieren wollen würde.

Mit rostfreiem Stahl gegen alle Eventualitäten

Kurze Zeit später lag dann ein schmuckloser Pappumschlag mit zwei je knapp 180 Gramm schweren fast quadratischen Plättchen (ca. 10×10 cm) aus rostfreiem Stahl und einem halbautomatischen Stanz-Stift in meinem Briefkasten.

Zwei Platten aus rostfreiem Stahl zur Sicherung zweier 12-Wörter- oder eines 24-Wörter-Seeds

Jedes Plättchen zeigt dabei ein lasergraviertes Raster mit 24×26 Feldern. Vertikal mit dem Alphabet und horizontal mit den Zahlen 1-6 (Vorderseite) und 7-12 (Rückseite), wobei jeder Zahl vier Spalten untergeordnet sind, die dann die Buchstaben-Zeilen kreuzen.

In diese Felder kann man dann den Seed einstanzen, also die individuelle Wortreihenfolge, die eine Bitcoin-Software-Wallet zufällig erzeugt und aus der sie alle zugehörigen Schlüssel und Adressen ableitet, die dann im Alltag wiederum Zugang zu den eigenen Bitcoins ermöglichen.

Wer diesen Seed gut aufbewahrt, kann seine Wallet und damit die eigenen Bitcoins auch im Falle eines Falles jederzeit einfach wiederherstellen. Der Seed ist also das Backup und die Idee der Steelwallet ist es nun, dieses Backup, so sicher und unverwüstlich wie möglich in der physischen Welt zu schützen.

Wie sichert man einen Seed am beständigsten?

Mit dieser Idee ist die Steelwallet natürlich nicht alleine auf dem Markt. Schon seit langem gibt es verschiedene Konzepte und Ausführungen auf dem Markt. In einem sehr ausführlichen Stresstest (Teil 1, Teil 2) hat Jameson Lopp verschiedene Seed-Storage-Systeme verglichen und die Steelwallet kam dabei u.a. aufgrund der einfachen Handhabung ganz ordentlich bei weg. Ein Fazit, dem ich mich durchaus anschließen kann.

Denn weder braucht man außer dem beigelegten Stanzer noch weiteres Werkzeug, noch sonderlich viel Kraft oder Geschick um die Steelwallet zu nutzen. Einzig etwas Konzentration und ein guter Plan sind von Nöten.

Mnemonic Code Converter – Mnemonic Codes für alle!

Hat man einen Seed (ich habe für den Test natürlich keinen echten genommen, sondern mir hier einen generiert), markiert man die entsprechenden Felder mit einem Filzstift vor.

Man muss nicht die ganzen Wörter stanzen

Da die ersten vier Buchstaben reichen, um das entsprechende Wort im Seed-Wortpool eindeutig zuzuordnen, muss man pro Wort auch nur vier Buchstaben markieren. Meinen Seed „metal sheriff feed witness slush range wall usual accuse because judge eight“ markiere ich entsprechend nur mit den Buchstaben „meta“, sher“, „feed“, „witn“, „slus“, „rang“, „wall“, „usua“, „accu“, „beca“, „judg“ und „eigh“.

Besser erst markieren und ggf. korriegieren, bevor für die Ewigkeit gestanzt wird.

Das ist auch schon der komplizierteste Teil des Prozesses, den man mit der nötigen Sorgfalt durchführen sollte. Denn wenn man mal eben in der Spalte oder Zeile verrutscht, was bei der geringen Größe durchaus mal passieren kann, kann man den Fehler noch vor dem Stanzen korrigieren.

Mit dem Stanz-Stift werden die Markierungen dann verewigt

Sind die Felder richtig markiert, wird der beigelegte Stanz-Stift auf die Punkte gesetzt und runtergedrückt bis es klickt. Die innenliegenden Federn geben dann einen Impuls an die Spitze, der genau ausreicht, eine kleine, aber eindeutige Markierung in dem jeweiligen Feld zu hinterlassen. Fertig.

Das Ganze dauert nicht lang, ist vom Geräuschpegel nicht störend und hinterlässt keinen Müll. Unterm Strich also wirklich eine einfache und praktische Lösung.

Den Seed zu stanzen ist nur die halbe Miete

Vorausgesetzt natürlich man hat sich einen guten Plan gemacht, wo man die Stahlplättchen später aufbewahren möchte. Denn nur weil der Seed in der Steelwallet jetzt gegen Schäden durch Wasser, Feuer, Korosion und Elektrizität geschützt ist, kann er natürlich immer noch gestohlen oder oder ausgelesen werden, solange er allzu leicht zu finden ist.

Im Gegensatz zu einem Backup auf Papier lässt sich die Steelwallet aufgrund der Maße und des Gewichts aber nicht ganz so einfach und unauffällig verstecken. Dafür erlaubt das Material aber eben auch etwas robustere Verstecke. Im Garten vergraben, in den Kamin kleben, im Aquarium versenken – der Phantasie sind hier erst einmal keine Grenzen gesetzt. Gerade wenn es darum geht, einen bestimmten Seed sehr lange aufzubewahren.

Allerdings würde ich mir hierfür noch eine Möglichkeit wünschen, die Reihenfolge der Plättchen zu markieren. Denn wem seine Wallet einen 24-Wörter-Seed vorgibt, der braucht beide Plättchen. Da die aber komplett identisch sind, wäre es hilfreich zu wissen, welche der Platten die ersten zwölf und welche die zweiten zwölf Wörter des Seeds enthält. Aber das ist letztlich ein Problem, das man als Nutzer zur Not auch selbst oben rechts in der Ecke mit einer bzw. zwei Markierungen lösen könnte. Wenn man daran denkt. Ansonsten muss man es später eben ausprobieren.

Ideal nur für die Langzeit-Aufbewahrung einzelner Seeds

Für die Alltags-Wallet(s) auf dem Smartphone wäre die Steelwallet allerdings nicht meine erste Wahl. Sie ist zwar einfach erstellt, aber wer wie ich mehrere und immer neue Wallets nutzt, was im rasant wachsenden und sich beständig wandelnden Bitcoin-Ökosystem ja durchaus üblich ist, müsste sich jedes Mal wieder eine neue Steelwallet kaufen.

Bei einem Preis von knapp 60 Euro für zwei Plättchen geht das schnell ins Geld. Ganz davon abgesehen, dass es ab einer gewissen Menge immer schwer werden würde, kiloweise Stahlplättchen unauffällig aber trotzdem einigermaßen zugänglich zu verstecken. Außerdem sehen alle Steelwallets gleich aus. Auch die eindeutige Zuordnung von diesem Seed-Backup zu jener Wallet könnte da irgendwann schwierig werden.

Am Ende muss also jeder für sich selbst entscheiden, ob und wie viele Steelwallets (oder alternative Angebote) er nutzen will. Dass es aber überhaupt die Möglichkeit gibt, seinen Seed mit so wenig Aufwand langfristig gegen physische Einflüsse sichern zu können, ist klasse.

Bitcoin ohne Internet – Ein Zwischenstand

Als Internetprotokoll läuft Bitcoin über das Internet und wenn es kein Internet gibt, dann gibt es auch kein Bitcoin. Könnte man meinen, doch ganz so einfach ist es nicht.

Denn auch wenn das weltweite Netzwerk ausfällt, existiert Bitcoin natürlich offline erst einmal auf tausenden Rechnern weiter, die nur darauf warten, wieder miteinander kommunizieren um den Nakamoto-Konsens wiederherzustellen. Bekanntermaßen reicht im Ernstfall ja eine einzige Kopie der Blockchain, um das ganze Bitcoin-System wieder hochzuziehen. Also theoretisch.

Ideal ist das natürlich nicht. Denn je länger der kontinuierliche Konsensfindungsprozess unterbrochen ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit, einer erfolgreichen Attacke auf das „wahre“ UTXO-Set (d.h. auf den aktuellen Stand, wem welcher Bitcoin gehört). Außerdem ist Geld, das man nicht verlässlich transferieren kann, recht unpraktisch.

Bitcoin ohne Internetinfrastruktur

Deshalb arbeitet man schon seit Jahren daran, Bitcoin auch ohne Internet verfügbar zu machen. Denn ein gutes Geld sollte auch dann funktionieren, wenn aus politischen Gründen Leitungen gekappt oder manipuliert werden oder eine Naturkatastrophe Teile der Infrastruktur unbrauchbar macht. Kommt ja alles vor.

In Finnland hat man schon vor sechs Jahren die Blockchain testweise per DVB-T ausgestrahlt und damit beachtliche 95 Prozent der Bevölkerung in dem dünn besiedelten Land erreicht.

Um nicht nur Finnland, sondern die ganze Welt zu erreichen, läuft die Blockchain mittlerweile auch über Satelliten und Neil Woodfine arbeitet für Blockstream, die Firma, die genau das ermöglicht. In einem sehenswerten Vortrag beim Bitcoin-Meetup in Zürich berichtete er über den aktuellen Stand von Bitcoin ohne Internet.

Und wer nur wenig Zeit hat oder keine Lust auf Video, für die hat Neil den Vortrag und seine Kernaussagen auch noch einmal in eine handliche Reihe Tweets gepackt.

PocketCap – Der private BTC-Portfolio-Tracker

Vorgestern ist der Bitcoin-Kurs zum ersten Mal in diesem Jahr über 10.000 US-Dollar gestiegen. Mittlerweile liegt er wieder darunter. Dennoch ist das für viele eine symbolisch wichtige Marke, die aufhorchen lässt.

Welche Bedeutung die 10k-Marke aber letztlich für das eigene Portfolio hat, ist von Fall zu Fall verschieden. Hat man darüber gekauft, ist man noch immer im Minus. Hat man seine Bitcoins sehr günstig erworben, ist der Kurs natürlich exorbitant gut. Hat man jedoch sowohl darüber als auch darunter gekauft, ist es gar nicht so leicht, zu sagen, ob man gerade im Plus oder im Minus liegt.

PocketCap zum Investmenttracking

Wer daher den sich ja schon seit einigen Monaten abzeichnenden Kursfrühlings nutzen will, sich nun endlich mal einen fundierten Überblick zu verschaffen, wie man selbst eigentlich kurstechnisch so dasteht, für den könnte die Browser-App PocketCap von Sergiu Bologa eine hilfreiche Option sein.

Beispielportfolio: 3 mal Bitcoin zu unterschiedlichen Preisen gekauft, fast 100% Gewinn gemacht.

Wer zum Beispiel vor Jahren mal 10 Bitcoins zum Preis von je 1000 USD, später dann noch einmal 5 Bitcoins für je 10.000 USD nachgekauft und voller Enthusiasmus sogar 1 Bitcoin beim All-Time-High von 20.000 USD gekauft hat, sieht hier schnell, dass er zum jetzigen Zeitpunkt unterm Strich mit rund 76.000 USD Zuwachs seine Investition nahezu verdoppelt hat.

Da die Seite die Daten von Coinmarketcap zieht, kann man dem eigenen Portfolio neben Bitcoin auch noch eine Vielzahl von anderen Altcoins hinzufügen und sich seine Investitionsübersicht dementsprechend haargenau konfigurieren. Vorausgesetzt natürlich man weiß überhaupt noch, wann man was zu welchem Kurs gekauft hat.

Schutz von Daten und Privatsphäre

Doch selbst wenn man das weiß, stellt sich die Frage, ob man diese Daten überhaupt an einem Punkt gesammelt preisgeben möchte? Denn bekanntermaßen ist es keine gute Idee allzu viele Details über das eigene Portfolio bekannt werden zu lassen.

Sergiu ist sich dieses Dilemmas natürlich bewusst und hat PocketCap dementsprechend als möglichst private Open Source-Lösung konzipiert, bei der die eingegebenen Daten den Browser nicht verlassen. Im Reddit-Thread erklärt er das etwas ausführlicher:

It’s private for a few reasons:

  1. The data you enter never leaves your browser. The communication between your browser and the server is made only to get data from the server and never to send any data. You can check this by looking at the code (it’s open source) or by looking in the browser’s Developer Tools -> Network tab and see what requests are made to the server. You’ll see there all the data exchanged between the server and the browser.
  2. The portfolio is persisted by using the URL hash. So every time you create a portfolio the hash in the URL is changed to contain the data you entered and you can use that to later access your portfolio. That generated URL is in your complete control, the browser never sends it to the server.
  3. There’s a feature that remembers your last added portfolio but again is 100% in your browser and never leaves it. The mechanism is called LocalStorage and it’s a way to store some data in user’s browser without using a server for this. You can check this by accessing the app from another browser.
  4. This is the made idea behind this app, to keep it private and only in your control. So if we can consider that your browser is in your full control, than PocketCap is also in your full control.

Wenn man PocketCap also nicht gerade auf einem öffentlichen oder ungeschützt zugänglichen Rechner ausführt, kann man es also durchaus nutzen. In jedem Fall ist es sauber und ansprechend designed und bietet viele hilfreiche Informationen, selbst wenn man sich nur mal einen groben Überblick über den Stand des eigenen Investments verschaffen möchte oder ein „Hätte-ich-mal“- oder „Was-wäre-wenn“-Szenario“ durchspielen möchte.

(Kein) Bitcoin in Thailand

Hier ging es sehr ruhig zu die letzten Wochen und wer die letzte Honigdachs-Folge gehört hat, weiß, dass ich Im Dezember und Januar mit der Familie im Norden und Süden Thailands auf Reisen war. Ein sehr schönes Land, das ich gerne weiterempfehle. Insbesondere wenn man sich von den typischen Tourismus-Hochburgen löst und bereit ist, sich auf eine andere Kultur, andere Mentalität, anderes Essen und anderes Klima einzulassen und dadurch die eigenen Routinen, Gewohnheiten und möglicherweise eingefahrene Denkmuster infrage zu stellen.

„Reise, denn Geld kommt zurück, Zeit nicht.“

kluger Spruch, der unterwegs irgendwo an einer Wand stand

Vier Erkenntnisse aus acht Wochen Reise

Nun soll das hier aber kein Urlaubsbericht werden, sondern natürlich habe ich wie auf jeder Reise die Augen in Hinblick auf das Thema Bitcoin und Geld allgemein offen gehalten. Dabei sind mir einige Sachen aufgefallen, die ich für erwähnenswert finde.

#1 Bitcoin ist unsichtbar

Obwohl ich mich immer wieder umgeschaut habe, ist mir Bitcoin in Thailand in den acht Wochen unserer Reise nirgendwo wirklich begegnet. Jedenfalls nicht ohne aktiv und ganz gezielt danach zu suchen. Zwar waren wir auch nicht in Bangkok, was diese Aussage für „ganz Thailand“ natürlich deutlich einschränkt, aber auch so gab es wirklich keinerlei Anzeichen für die Präsenz des digitalen Geldes.

Sie dem Bitcoin-₿ zwar sehr ähnlich, ist aber „nur“ das Währungs-฿ des thailandischen Baht.

Wer wirklich sucht, findet natürlich einige Bitcoin und sogar Lightning-Meetups nicht nur in Bangkok, sondern bspw. auch in Chiang Mai, der zweitgrößten Stadt Thailands. Außerdem gibt es auch eine handvoll Bitcoin-Automaten. Um die zu finden, muss man aber eben selber aktiv suchen.

Einzig nach einem intensiven, mehr als 1200 steile Stufen umfassenen Aufstieg hab ich doch noch ein winziges Zeichen von Bitcoin in Gestalt eines Trezor-Stickers gefunden. Dass den jedoch jemand in ein religösen Heiligtum geklebt hat, finde ich respektlos.

Cool: Auf einen Gipfel gibt es doch ein winziges Zeichen von Bitcoin. Uncool: Man klebt keine Marketing-Sticker in religöse Heiligtümer.

#2: Cash is king!

Mit Bitcoin habe ich also nichts bezahlt in Thailand. Das gleiche gilt aber auch für die Kreditkarte. Deren einziger Nutzen war auf unserer Reise, Bargeld abzuheben. Obwohl ich durchaus auch mal versucht habe, sie zu benutzen. Aber entweder wurde meine deutsche Visa-Kreditkarte von den Apps „nicht unterstützt“, es gab gar keine Möglichkeit damit zu bezahlen (Straßenküche, Nachtmarkt, Restaurants etc.) oder es war die teuerste Option. Denn bei Bargeld fallen eben keine zusätzlichen Gebühren an.

Möney, Möney, Möney gibt’s überall und am liebsten Cäsh auf die Händ

Auch mobiles Bezahlen per App war nirgendwo eine echte Option. Keine Ali-WeChat-Apple-Google-Samsung-Pay-Schilder. Zumindest nicht so, dass sie mir irgendwie aufgefallen wären.

Das ist insofern bemerkenswert, als dass das mobile Internet in Thailand ausgezeichnet, sehr günstig, überall verfügbar und allgegenwärtig ist. Für meine quasi LTE-Flatrate mit maximaler Geschwindigkeit hab ich umgerechnet ca. 15 Euro im Monat bezahlt (und wahrscheinlich noch nicht einmal den günstigsten Tarif gefunden).

Dafür hatte ich dann aber auch wirklich überall richtig schnelles Internet. In den Bergen, auf dem Meer, in der Stadt und überall dazwischen. Am Ende habe ich mir nicht einmal mehr die Mühe gemacht, mich in die freien WLANs der Unterkünfte und Restaurants einzuwählen. Wer hat der kann.

Nicht im Bild: Sohnemann der auf dem Handy zockt, chattet und streamt.

Und weil das Internet überall verfügbar ist, wird es auch überall genutzt. Der Pförtner stream während seiner Schicht Videos, die Köchen der Garküche videotelefoniert nebenbei und die Kinder der Händler auf dem Nachmarkt spielen Online-Spiele oder schauen anderen im Netz dabei zu. Auf dem Motorroller, beim Essen, an der Kasse – das Smartphone ist in Thailand fester, ständiger und akzeptierter Begleiter aller Menschen in jeder Situation. In seiner Intensität wirkte das auf uns manchmal befremdlich.

Die Infrastruktur für mobiles Bezahlen wäre also durchaus da. Genutzt wird sie jedoch nicht. Die genauen Gründe kenne ich nicht. Es scheint wohl aber, dass die „Nur Bares ist Wahres“-Mentalität keine ur-deutsche Einstellung ist. Immerhin konnten wir selbst in besseren Unterkünften die Kaution und manchmal sogar das ganze Appartment nur in bar bezahlen.

#3: Apps sind situativ relevant

Auf unserer Reise habe ich mehrfach darüber nachgedacht, wie diese wohl verlaufen wäre, wenn sie ein paar Jahre früher stattgefunden hätte? Ohne mobiles Internet, Smartphones, Cloud-Services und Apps. In jedem Fall sehr viel herausfordernder. Ich hätte die digitalen Helfer jedenfalls nicht missen wollen.

Die Lieblings-Hörspiele und -Musik der Kinder jederzeit bei Spotify streamen. Sehr hilfreich! Dieses bestimmte Märchen spontan als Gutenachgeschichte googlen. Top! Ein paar aktuelle Die Maus-Folgen auf dem Tablet schauen. Super!

Doch nicht nur für die familieninterne Stimmung waren Apps auf unserer Reise im Hinblick auf daheimgebliebene CDs, Bücher etc. im wahrsten Sinner des Wortes eine große Erleichterung. Einige Apps haben unsere Reise (mit kleinen Kindern) in Teilen überhaupt erst ermöglicht.

Google Maps hat sich in einem Land mit fremdem Schriftbild und einer anspruchsvollen Sprachbarriere als unverzichtbarer und verlässlicher Navigator erwiesen. Ohne die App wären die mehr als tausend Kilometer Autofahrt in einem Straßenverkehr, der zu den tödlichsten der Welt gehört, jedenfalls sehr viel unentspannter gewesen.

Alle Kurven und die voraussichtliche Ankunftszeit dank Google Maps schon vorab zu kennen, macht das Fahren sehr viel entspannter.

Eine andere quasi unverzichtbare App, die wir entsprechend viel genutzt haben, war Grab, das lokale Uber. Gerade in Städten wie Chiang Mai war das als Famile die perfekte Art der Fortbewegung. Denn die App löste viele unserer Probleme:

  • Der Verkehr ist intensiv und rollerlastig, sodass selber Autofahren in der Stadt sehr stressig ist. Auch weil man nur schwer einen Parkplatz findet.
  • Die Pförtnerin unseres Komplexes sprach kein Wort Englisch und konnte uns daher auch kein „offizielles“ Taxi rufen.
  • Die halbfesten Routen der Sammeltaxis waren außerhalb unserer Reichweite
  • Die Grab-Fahrer sprachen meist zwar auch kein Englisch, mussten sie aber auch nicht. Die App hat unsere Kommunikation über Standort und Ziel über die Sprachbarriere hinweg gemanaged.
  • Durch die Echtzeit-Routenverfolgung konnten wir jederzeit überprüfen, ob wir auf dem richtigen Weg sind und eingreifen, wenn nicht.
  • Wir haben immer einen fairen Preis bezahlt. Die App hat den Fahrpreis vorab vorgegeben und mit einem Trinkgeld für den Fahrer obendrauf waren wir sicher, dass keiner von uns einen schlechten Schnitt gemacht hat. Wussten wir auch daher, weil die Preisvorhersagen der App in vielen Situationen erstaunlich nah an den spontan im Kopf kalkulierten Preisen von „normalen“ Taxis/Fahrern waren.

Mittlerweile habe ich die Grab-App wieder gelöscht und fragte mich jemand, ob ich nun auf den Geschmack gekommen sei und ein vergleichbares Angebot fortan auch regelmäßig hier in Deutschland nutzen wollen würde, wäre meine Antwort weiterhin in den meisten Fällen nein. Uber und Co. sind zwar ganz nett, lösen für mich hier aber bislang zu selten ein Problem, das ich nicht auch anders/einfacher lösen könnte. Bei der nächsten Reise nach Südostasien, würde ich Grab jedoch sofort wieder installieren.

#4: Asien ist mehr als nur China

Wenn ich vorher an Apps und Asien gedacht habe, dachte ich lange automatisch an China und ging davon aus, dass deren digitale Angebote längst auch die angrenzenden Länder der Region erobert hätten. Oder dass sich die westliche Apps von Facebook und Co. irgendwie durchgesetzt hätten.

Das Beispiel Grab (gegründet 2012 in Malaysia heute in ganz Südostasien verbreitet) zeigt aber, dass das nicht so ist. Die App ist in Thailand quasi der etablierte Standard für Mobilitätsvermittlung von Mensch und Essen.

Ein Tauchshop-Betreiber sagte uns zudem, dass er auf seiner Visitenkarte Whatsapp nur pro forma für die westlichen Besucher drauf habe. Sonst nutze das hier nämlich keiner.

Die Standard-Kommunikationsapp in Thailand ist hingegen Line (sitzt in Japan). Einen WeChat– oder Telegram-Kontakt hatte er erst gar nicht, obwohl die Gegend gerade bei Russen und Chinesen ein sehr beliebtes Reiseziel ist. Möglicherweise gehen die aber auch einfach nicht so gerne schnorcheln.

Das alles sind letztlich eben doch nur individuelle Eindrücke meinerseits, die aber trotzdem hilfreich sind, ein differenzierteres Bild der (digitalen) Welt jenseits des eigenen geistigen Tellerrandes zu entwickeln.

Zurück am Schreibtisch

Und mit diesen frischen Eindrücken geht es nun auch hier im Blog wieder weiter. Denn auch wenn ich von Bitcoin in Thailand zwar nicht viel gesehen habe, so hat sich doch bei Bitcoin in den vergangenen zwei Monaten Einiges getan. Zudem verspricht das laufende Jahr sehr ereignisreich und spannend zu werden. Meine Themenliste ist dementsprechend lang und der nächste Honigdachs-Podcast selbstredend schon in der Vorbereitung.

Honigdachs #47 – Jahresendzeitkontroverse

Die 47. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin zu reden auf Dauer zu wenig ist. (Abonnieren)

Honigdachs #47 – Jahresendzeitkontroverse

Heute ist Bitcoin-Genesis-Day. Hooray! Vor elf Jahren hat Satoshi Nakamoto den ersten Block der Blockchain gemined. Eigentlich ein Grund zu feiern. Aber was machen die drei Honigdachse von der Tanke (fast) zu diesem Anlass? Wir beginnen zu streiten, ob 2019 eher ein gutes oder verlorenes Jahr für Bitcoin war.

Und das ganze auch noch live vor Publikum (4 Zuhörern auf dem 36C3) und der Welt (13 Leute im Stream). Da bleibt euch nun wohl keine Wahl mehr, als aufzuholen und euch selbst eine Meinung zu bilden, wer in welchem Team gelandet ist. Außerdem klärt sich in dem Podcast auch, warum es hier seit einigen Wochen so ruhig zugeht. Hat alles seine Richtigkeit.

Und wer uns schon gehört hat: Hier das versprochene Symbol-GIF, des typischen „Crypto“-Hodlers beim Handling seines Altcoinportfolios 2019/2020.

Viel Spaß beim Hören! In der nächsten Folge werden wir die Kontroverse vertiefen.

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Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick

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Honigdachs #46 – Bitcoin nervt!

Die 46. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin zu reden auf Dauer zu wenig ist. (Abonnieren)

Honigdachs #46 – Bitcoin nervt!

Seit wir diesen Podcast machen, haben wir viel über die positiven Seiten von Bitcoin gesprochen und Bitcoin gegen ungerechtfertigte Kritik verteidigt. Allerdings ist eben nicht alle Kritik an Bitcoin unberechtigt und viel mehr noch – je länger man sich mit Bitcoin beschäftigt, desto mehr Sachen fallen einem auf, die man an Bitcoin nicht mag. Dinge, die nerven. Dinge, die besser laufen könnten. Besser laufen müssten.

Dass Bitcoin auch nach zehn Jahren noch Bitcoin so ein Nerdclub mittelalter, weißer Männer in der westlichen Welt ist zum Beispiel.

Oder dass sich Bitcoin immer noch nicht leicht und mal eben erklären lässt. Oder dass viele Bitcoin-Anwendungen noch weit von echter Benutzerfreundlichkeit entfernt sind. Oder, oder, oder.

In dieser Folge kotzen wir uns also mal so richtig aus über alles, was uns an Bitcoin stört, nervt und ärgert. Wer jetzt keinen Bock auf so viel negative Energie hat, sei beruhigt: Wer seinem Ärger Luft macht und die Dinge beim Namen nennt, der findet nicht nur Seelenfrieden, sondern kommt manchmal auch auf Ideen und Lösungen, auf die die Sicht vorher verstellt war.

Aber hört am besten einfach selbst!

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Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick

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Coldcard – Die kompromisslose Hardware-Wallet

Lange waren Trezor und Ledger die beiden großen dominierenden Anbieter, wenn es um Hardware-Wallets ging. Den Rest des Marktes, meist nur minimal veränderte Trezor-Klone, konnte man unter ferner liefen abhaken Doch mittlerweile ist der Markt gewachsen und immer neue Konzepte für die sichere Verwaltung von Bitcoins sind verfügbar.

Eines dieser Konzepte ist die Coldcard des kanadischen Unternehmens Coinkite und sie ist in vielerlei Hinsicht anders. Einer Security-First-Maxime folgend aufs Minimale reduziert wird niemals der Eindruck erweckt, dass diese Hardware-Wallet Bitcoins verwaltet. Sie schützt Schlüssel.

Design, Funktionalität und Nutzerfreundlichkeit sind dementsprechend einem Form-follows-function-Ansatz untergeordnet. Die Coldcard soll nicht schön sein. Sie soll den sicheren Zugriff auf die eigenen Bitcoins kontrollieren. Ohne Kompromisse.

Die Coldcard-Wallet könnte optisch auch als billiger Taschenrechner aus den 90ern durchgehen.
Ein „hässlicher kleiner Taschenrechner“, der es in sich hat

Richtig eingesetzt ist die Coldcard ein mächtiges und praktisches Werkzeug. Doch wie so oft bei Werkzeugen können Profis damit besser umgehen als Einsteiger. Insbesondere wenn diese nicht immer ganz genau wissen, was sie eigentlich gerade tun. Dann könnten sich Bitcoin-Neulinge mit einer Coldcard womöglich sogar mehr schaden als nutzen.

Die Coldcard richtig einzusetzen, setzt Verständnis voraus über Bitcoin und dessen technische Zusammenhänge und Abläufe „unter der Haube“. Wer dieses Wissen nicht mitbringt, muss es sich selbst aneignen oder läuft Gefahr, etwas falsch zu machen. Die Konsequenz kann dann der unwissentliche Verlust der Privatsphäre sein, dass man sich eine neue Coldcard kaufen muss oder, im schlimmsten Fall, dass die eigenen Bitcoins zwar gut absichert sind, man aber auch selbst den Zugriff darauf verliert.

Auch diese Kompromisslosigkeit ist letztlich konsequent. Bitcoin bietet denen die größte Freiheit und Unabhängigkeit, die sich ihre damit einhergehenden Verantwortung bewusst sind und entsprechend handeln.

Wer sich daher die Zeit nimmt, sich mit der der Herausforderung einer guten Cold Storage-Lösung und der berechtigten Kritik an bestehenden Hardware-Wallet-Konzepten auseinanderzusetzen, der wird verstehen, warum die Coldcard so kompromisslos ist, wie sie ist. Und ihre Möglichkeiten zu schätzen lernen, die so bisher keine andere Hardware-Wallet liefert.

Coinkite und ihre Coldcard sind keine Unbekannten

Zunächst zu den Basics. Der Coincard-Hersteller Coinkite ist kein Unbekannter, sondern gehört schon seit Jahren zum Bitcoin-Ökosystem. Mit dem Opendime hat das kanadische Unternehmen eine physische USB-Bitcoin-Wallet entwickelt, die bereits in der 4. Generation vorliegt.

Auch die Coldcard ist nicht neu, sondern in der aktuellsten Version aktuell bereits zweimal verbessert worden. Beständigkeit und transparente Weiterentwicklung, das zeigt die Erfahrung, sind im Bitcoin-Ökosystem aber prinzipiell gute Eigenschaften. Diese Review bezieht sich allerdings nicht auf das aktuelle Mk3-Modell, sondern noch auf ein Mark 2-Modell der zweiten Generation. Die Unterschiede sind aber nicht grundlegend.

Minimalistisch: Mehr als eine Tüte, ’nen Sticker, die Coldcard und einen Merkzettel gibt’s nicht
Minimale Angriffsfläche durch Minimalismus

Das minimalistische Konzept der Coldcard zeigt sich direkt beim Auspacken. Wo andere Hardware Wallet-Hersteller Wert auf ansprechende Haptik, umfangreiches Zubehör und eine schön gestaltete Verpackung legen, kommt die Coldcard in einer stabilen durchsichtigen Plastiktasche. Darin außerdem: ein Sticker und ein Papierkärtchen für das Notieren des Schlüssels. Das war’s.

Will man die Coldcard in Betrieb nehmen, braucht man allerdings noch ein Micro-USB-Kabel und – wenn man die Coldcard für echtes Cold Storage nutzen will – eine Micro-SD-Karte. Wer beides nicht zu Hause hat, muss also noch einmal 10 bis 20 Euro auf die aktuell rund 110 US-Dollar (Vorbestellungspreis Modell Mk3) draufrechnen. Wer die SD-Karte auch als Backup nutzen will, sollte an dieser Stelle jedoch nicht sparen und auf ein auf Langlebigkeit ausgelegtes Markenprodukt zurückgreifen.

Auch beim Kabel muss man eventuell nachkaufen. Nicht jedes Kabel funktioniert an der Coldcard, nur weil es den passenden Anschluss hat. Bei mir war es bspw. erst Kabel Nummer vier, mit dem die Hardware-Wallet schließlich startete.

Unter Strom – die Inbetriebnahme

Was die Coldcard von anderen Hardware-Wallets unterscheidet, ist das namengebende Feature, sie komplett cold, also offline und ohne Verbindung zu einem Computer einsetzen zu können. Daher auch die zwölf robusten, Taschenrechner-ähnlichen Tasten und das Display direkt am Gerät.

Für das initiale Setup muss man die Hardware-Wallet über den USB-Eingang mit Strom versorgen. Dafür soll angeblich eine Powerbank reichen. Wenn man, wie ich, allerdings nur bereits in die Jahre gekommene oder ohnehin schwachbrüstige Werbegeschenk-Powerbanks zur Hand hat, klappt das nicht unbedingt. Mit der Steckdose funktioniert es jedoch problemlos.

Die rote LED wird direkt vom Secure Element gesteuert. Leuchtet die Grüne, ist alles okay.
Im Notfall: Erschieße deine Coldcard!

Bei jedem Start überprüft sich die Coldcard selbst und zeigt per roter bzw. grüner LED die Integrität der Firmware und allem, was im Flashspeicher gespeichert ist. Gesteuert wird dieser Prozess vom Secure Element. Die physische Verbindung ist dabei durch Epoxidharz haptisch vor Manipulation geschützt. Daher auch das transparente Gehäuse, das jede Veränderung erkennen lässt und noch einen anderen Vorteil hat.

Durch die Hülle kann nämlich genau die Stelle erkennen, die man mit spitzer Gewalt treffen muss, um die eigene Coldcard final ins Jenseits zu schicken. Das mag drastisch klingen. Es gibt aber denkbare Umstände, unter denen es nötig sein kann, nachvollziehbar sicherzustellen, dass bei einer Coldcard definitiv nichts mehr zu holen ist.

„Schieß hierhin!“. Falls man die Coldcard unwiederruflich vor Missbrauch schützen will. (Screenshot: coldcardwallet.com)

In einem Interview erklärte Coinkite CEO Rodolfo Novak den Nutzen der Funktion mit dem Argument, dass dir Verbrecher möglicherweise schlimmere Dinge antun, solange sie davon ausgehen, dadurch irgendwann an deine Bitcoins zu kommen, als wenn offensichtlich ist, dass das sehr viel größeren Aufwand erfordert. Zum Beispiel indem erst eine neue Coldcard und das (idealerweise woanders versteckte) Backup besorgt werden muss.

Klingt für unsere Verhältnisse krass. Es gibt jedoch Situationen und Teile der Welt, da kann es sinnvoll sein, sich über so ein Szenario Gedanken zu machen. Insbesondere, wenn man größere Summen Bitcoins sicher verwahren will.

Das Secure Element „zumauern“

Zu viele falsche PIN-Eingaben führen übrigens zu dem gleichen Ergebnis und machen die Coldcard auch ohne Gewalteinwirkung irreparabel betriebsunfähig. Bis zur Mk2-Version verlängerten ähnlich wie beim Trezor falsche PIN-Eingaben die Zeitabstände für neue Versuche immer weiter. Ab Model Mk3 ist die Anzahl der falschen Eingaben auf 13 limitiert. Danach macht das Secure Element unwiderbringlich dicht.

Wer also nicht gut auf seinen PIN aufpasst, hat Pech und muss seine Bitcoins auf einem neuen Gerät wiederherstellen. Ein Factory Reset ist technisch unmöglich. Zitat: „If you forget your Coldcard PIN, there is nothing we can do except remind you to recycle your e-waste responsibly!“

Zusätzlich zum richtigen PIN kann man aber auch einen Spezial-PIN einrichten, der das Secure Element im Ernstfall sofort dicht macht (das Gerät also besser nicht in Kinderhände geben!) und einen Zweit-PIN, der in eine „falsche“ echte Wallet führt. Also eine Wallet lädt, die wie die originale Wallet aussieht und auch soviel Bitcoins enthalten sollte, um einen potentiellen Angreifer zufriedenzustellen. Aber eben nicht die eigentliche Wallet ist, die man in jedem Fall schützen möchte.

Von Würfeln und anderen Sicherheits-Features

Es gibt noch eine Vielzahl von weiteren Sicherheits-Features, die ich hier nicht auflisten kann, mit denen sich auseinanderzusetzen aber unbedingt schon im Vorfeld eines Kaufs lohnt. Sie sind alle auf der offiziellen Website und noch detaillierter im dortigen FAQ zu finden.

Jedes Secure Element ist einzigartig und sollte die selbe „Bag Number“ zeigen, wie auf dem Bag steht, in der die jeweilige Coldcard geliefert wurde.

Zum Beispiel, dass man sicherstellen sollte, dass jedes Gerät intern dieselbe „Bag Number“ anzeigt, wie auch auf der Verpackung stand, in der die Coldcard geliefert wurde. Oder wie man den Private Key erwürfeln kann, wenn man dem eingebauten Zufallsgenerator nicht vertraut. Oder wie man seine Backups verschlüsselt. Oder oder oder.

Die Coldcard im praktischen Einsatz

Doch wie funktioniert die Hardware-Wallet in der Praxis? Wie bereits erwähnt, ist die Coldcard weniger, was sich die meisten wohl unter einer Bitcoin-Wallet vorstellen würden. Im Gegensatz zu anderen Hardware-Wallets gibt es nämlich kein eigenes Interface, das als App oder Website das Empfangen oder Versenden von Bitcoins per Coldcard ermöglicht.

Die Coldcard lässt sich nur zusammen mit einer anderen Wallet-Software wie bspw. Electrum betreiben. Das ist prinzipiell kein Problem. Außer man betreibt selbst keinen eigenen Electrum-Server und ist sich auch nicht darüber im Klaren, wie viel Privatsphäre verloren geht, wenn man seine Daten stattdessen von irgendeinem Electrum-Server bezieht.

Wer die Coldcard nutzen will, sollte sich also nicht nur mit der Coldcard, sondern auch mit anderer Software, in dem Fall Electrum, auseinandersetzen. Für Einsteiger eher suboptimal.

Wird die Coldcard womöglich doch schnell mal am rechner abgeschlossen, wird sie zur „Hot“card

Auch die Möglichkeit, die Electrum Wallet auf dem Rechner mit der Coldcard zu verschlüsseln ist tricky. Um die entsprechende Wallet zu öffnen, muss man die Coldcard dann nämlich jedes Mal mit dem Computer verbinden. Genau das sollte ja mit der Initialisierung per Powerbank/Steckdose ja ursprünglich vermieden werden.

Auf der anderen Seite eröffnet die Kombination aus Electrum und Coldcard aber denen, die sich auskennen und genau wissen, was sie vorhaben, eine Vielzahl von Möglichkeiten. Das ist nicht immer intuitiv, aber unterm Strich mächtig.

Wer die Coldcard mit Electrum verwendet, sollte vorher wissen, was er/sie machen möchte.
PSBT – Teilsignierte Bitcoin-Transaktion

Zu den Besonderheiten gehört auch die Unterstützung von Partially Signed Bitcoin Transactions (PTSB), ein Feature, das es ermöglicht, eine Transaktion nacheinander von mehreren Institutionen signieren zu lassen bzw. lassen zu müssen, bevor sie gültig ist und vom Netzwerk akzeptiert wird.

Erst durch die Coldcard als zweite Instanz wird aus der .psbt eine final-txn erzeugt.

Dabei wird zum Beispiel in Electrum eine PTSB vorbereitet. Diese wird dann auf eine Micro-SD-Karte kopiert und in die Coldcard gegeben, die die Transaktion offline fertig signiert. Zurück im Rechner kann Electrum die finalisierte Transaktion von der SD-Karte dann ins Netzwerk geben.

Erst wenn die Coldcard die Transaktion fertig signiert hat, kann sie propagiert werden.

Durch den Einsatz von PSBTs lässt sich die Coldcard komplett offline verwenden. Das ist für kleinere Summen nicht unbedingt praktisch, erhöht aber die Sicherheit (auch die gefühlte), wenn es um große Beträge geht.

Noch mehr, wenn PSBTs künftig zu einem Standard-Feature von Hardware-Wallets werden und sich eine Bitcoin-Wallet dann über die Hardware-Wallet-Modelle mehrere Hersteller hinweg sichern lässt.

Bisher kann allerdings nur die Coldcard mit PSBTs umgehen und auf Rechnerseite muss entweder Electrum oder Bitcoin Core laufen. PSBTs einzusetzen, ist also schon möglich, bislang aber eben noch eine sehr exotische Erfahrung, an der vor allem Nerds ihre Freude haben werden.

Ich hatte zum Beispiel keinen passenden SD-Kartenleser und musste meine Test-PSBT kurzerhand durchs Audiointerface schleusen. Pay per mic, quasi. Klappt, wird den bequemen Endnutzer so aber noch nicht überzeugen.

Pay per mic: Wenn die PSBT vor dem Bitcoin-Netzwerk erst noch durchs Audiointerface muss
Fazit

Unterm Strich kann die Coldcard aufgrund ihrer kompromisslosen Fokussierung auf Sicherheit und Bitcoin (es wird nichts anderes unterstützt) die wohl beste Hardware-Wallet sein, die man derzeit kaufen kann. Vorausgesetzt man ist bereit, sich auf sie einzulassen.

Denn die Coldcard ermöglicht sehr viel, sie fordert dafür aber auch Einiges. Vor allem muss man wissen, was man eigentlich genau machen will und ob bzw. wie man die Coldcard einsetzen kann, um dieses Ziel zu erreichen. Das kostet Zeit und mitunter einiges an Hirnschmalz. Aber es lohnt sich. Denn je besser man sich auskennt, desto sicherer kann man die Coldcard verwenden.

Wer es hingegen einfach und bequem haben will, der wird mit der Coldcard vermutlich nicht glücklich werden. Gerade wenn es „nur“ um kleinere Summen geht, die im Cold Storage verwahrt werden sollen, auf die aber regelmäßig und schnell zurückgegriffen werden soll, ist die Coldcard im Gegensatz zur Konkurrenz vergleichsweise unhandlich.

Dessen ungeachtet füllt sie aber eine Lücke. Bequeme Hardware-Wallets sind potentiell weniger sicher. Wer größere Summen sichern möchte, technisch allerdings keine noch sehr viel aufwändigere Lösung wie bspw. das Glacier-Protokoll umsetzen kann oder will, der findet in der Coldcard eine sehr gute Lösung, die eben gerade wegen ihrer Kompromisslosigkeit in Hinblick auf den Fokus auf Sicherheit punktet. Dass sie dabei trotzdem sehr gut bedienbar bleibt, liegt an dem gut durchdachten Konzept, das man diesem unscheinbaren kleinen „Taschenrechner“ allerdings nicht auf den ersten Blick ansieht.

Und auch das ist letztlich ja kein Manko, sondern ein potentielles Sicherheits-Feature.

Happy 600.000 Blöcke, Bitcoin!

Heute Nacht ist es soweit. In weniger als 90 Blöcken wird Bitcoin 600.000 Blöcke alt und wer sich schon ein bisschen länger mit dem Thema beschäftigt, weiß, dass man die Bitcoin-Zeit nicht kalendarisch misst, sondern in Blöcken. Daher ist das ein Jubiläum. Zumindest für Nerds. Daher: Whoop, whoop!

Mit dem 600.000 Block wird auch der 18 Millionste Bitcoin erzeugt werden, was bedeutet, dass damit mehr als 85 Prozent aller jemals verfügbaren Bitcoins in Umlauf sein werden.

Blockzeit ist eine eigene Zeit

Interessant ist: Wir erreichen diesen Punkt deutlich früher als geplant. Denn eigentlich kommen Blöcke im Schnitt alle zehn Minuten. Aber sie kommen eben nur theoretisch alle zehn Minuten. In der Praxis kommen sie etwas schneller. Bei der aktuellen Blockzahl müsste die Blockchain nämlich schon rund elfeinhalb Jahre laufen. Seit dem Genesis-Block Januar 2009 sind aber erst 10 Jahre und knappe 10 Monate vergangen.

Diese Differenz liegt an der Difficulty, also der Schwierigkeit beim Mining einen gültigen Hash zu finden. Die Difficulty soll dafür sorgen, dass durchschnittlich alle zehn Minuten ein neuer Block gefunden wird. Unabhängig davon, mit wie viel Rechenleistung das gerade versucht wird. Das Prinzip: je mehr Leistung, desto schwerer wird es. Je weniger, desto leichter. Eigentlich ganz einfach.

Allerdings wird die Schwierigkeit bei Bitcoin nur alle 2016 Blöcke, also ca. alle zwei Wochen, angepasst. Das bedeutet, dass wenn bis dahin gerade sehr viel Hashing-Power im Netzwerk ist, die Blöcke eben tendenziell immer etwas schneller kommen. Und da die Hashrate von Bitcoin über die Jahre unterm Strich beachtlich gestiegen ist, war die meiste Zeit etwas „zu viel“ Leistung im Netzwerk und in der Praxis haben wir eine durchschnittliche Blockzeit von weniger als zehn Minuten.

Bedeutet also, dass man im Schnitt auch etwas weniger als zehn Minuten für die erste Bestätigung einer Bitcointransaktion warten muss.

Bedeutet aber nicht, dass das immer so ist. Erst neulich gab es wieder einen krassen statistischen Ausreißer-Block, der fast zwei Stunden(!) auf sich warten ließ (vgl. Block #597272 und Block #597273). Eine der ganz seltenen echten Block-Diven.

How high is the Blockchain?

Interessant ist es auch, sich anlässlich des runden Blockjubiläums mal über die korrekte Beschreibung der Blockchain Gedanken zu machen. Die ist nämlich gar nicht so intuitiv., wie viele denken. Das zeigte auch meine spontane, nicht-repräsentative Twitter-Umfrage neulich.

Denn obwohl es natürlich irgendwie naheliegt, dass eine Kette „lang“ ist, spricht man bei den Blöcken der Blockchain jedoch von der Blockhöhe. Die Blöcke bauen nämlich aufeinander auf. Wegen mir muss man da aber nicht pingelig sein. Die Blockchain als 600.000 Blöcke lang zu bezeichnen, finde ich im Sinne der besseren Verständlichkeit auch vollkommen okay.

Das Blockgewicht spielt übrigens erst seit der Aktivierung von Segwit eine Rolle bei der Größenbezeichnung einzelner Blöcke. Man findet die Angabe des Block Weight daher in einigen Blockexplorern ebenso wie die Block Height.

Denen, die aber meinten, die Blockchain sei „breit“, saß vermutlich der Schalk im Nacken. Oder aber es handelt sich hierbei um einen genialen metaphorischen Dreh. Denn wenn man fragt „How high is the Blockchain?“ schlägt man ja durchaus den Bogen zur richtigen Antwort und hat ganz nebenbei auch den einzigen Titel für ein „Blockchain“-Buch, das ich tatsächlich noch lesen wollen würde.

Block 600.000 – Wo noch nie jemand zuvor gewesen ist

Doch genug geschlaumeiert. Kommen wir zum praktischen Teil. Wer die geometrische Erscheinung der Blockchain nämlich abschließend selbst erkunden will, für den habe ich noch diesen traumhaften Echtzeit 3D-Blockexplorer von Scott Darby im Angebot, der jedes Science Fiction-Herz höher schlagen lässt.

Im Zentrum liegt der Mempool, um den sich alles dreht und um den auch die Blockchain Block für Block wächst. Transaktionen fliegen durch den Raum und werden in die kristallartige Baumstruktur der jeweiligen Blöcke eingarbeitet. Jede Transaktion bildet je nach Größe eine eigene Struktur, die sich beim freien Umherfliegen erkunden lässt.

Kurzum: Dieser Blockexplorer weckt bei mir die Vorfreude auf die kommende The Expanse-Staffel und ist gleichzeitig das beste Mittel sich die Zeit bis dahin mit Bitcoin-Nerd-Stuff zu vertreiben. Und das Beste ist: Da man im Raum nicht weiß, wo oben und unten ist, ist es auch egal, ob die Blockchain nun lang, hoch oder breit ist.

Wie sich Nordkoreas Krypto-Ambitionen stoppen lassen

Ich bin die Tage eher zufällig auf ein bemerkenswertes Paper gestoßen, dessen Thema mich direkt in seinen Bann schlug und das ich gerade mit großem Interesse gelesen habe: Closing the Gap. Guidance for Countering North Korean Cryptocurrency Activity in Southeast Asia von David Carlisle und Kayla Izenman.

Nordkoreas Krypto-Ambitionen verstehen

Wie der Name schon sagt, geht es dabei im Kern um Nordkoreas wachsende Ambitionen, bestehende Sanktionen mit Hilfe von Kryptowährungen zu umgehen und wie man dem mit Blick auf die Region Südostasien begegnen könnte.

Klicken führt direkt zum Paper

Was das Paper so spannend macht und warum ich es mir direkt runtergeladen habe, ist, dass es eine Breite an Informationen aufbereitet, die man so nicht jeden Tag im Netz findet.

Allen voran natürlich über Nordkorea, dessen wachsende Cyberarmy und die konkreten Versuche, nun auch Kryptowährungen in ihren umfangreichen und seit Jahren erprobten Maßnahmenkatalog zur Umgehung von Sanktionen zu integrieren.

Von Nordkorea über Russland und Iran bis Venezuela

Es geht aber auch darum, wie andere Länder in ähnlichen Situation das Thema Kryptowährungen angehen: Russland mit seinem „Cyber-Rubel“, der Iran und natürlich Venezuela mit seinem ominösen „Pedro“-Projekt.

Außerdem bekommt man durch den Fokus auf Südostasien auch einen Einblick in die Bitcoin- und Kryptowährungssituation in Ländern wie Kambodscha, Indonesien, Laos, Malaysia, den Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam. Alles Länder, aus denen man jetzt nicht jeden Tag etwas erfährt.

Selbst wenn man mit Bitcoin nicht viel zu tun hat, macht das das Paper mit all seinen Quellen und Verweisen zu einem wirklich aufschlussreichen Dokument. Eine Publikation, die man für weitere Recherchen auf jeden Fall auf dem Schirm haben sollte.

Sieh deinem Bitcoin- & „Krypto“-Portfolio beim Schrumpfen zu

Okay, die Überschrift ist etwas gemein. Aber was kann ich denn dafür, wenn ich just an dem Tag auf diesen praktischen Cryptocurrency Portfolio Tracker stoße, wenn Bitcoin und alle anderen Kryptowährungen kräftig nach unten gehen? Nichts, genau!

Bitcoin Kursentwicklung am 24.9.2019
Free and Open Source Portfolio Tracker

Also müssen wir da jetzt alle durch. Denn unabhängig vom aktuellen Kursgeschehen ist DFD Cryptocoin Values wirklich etwas, nach dem ich Freunde von mir lange gesucht haben: Eine Möglichkeit, die Entwicklung eines Bitcoin- oder (fast) beliebigen „Krypto“-Portfolio zu verfolgen, ohne dabei allzu viele sensible Informationen über sich selbst preisgeben zu müssen. So zumindest das Versprechen des Entwicklers:

Open source / free private cryptocurrency investment portfolio tracker, with email / text / Alexa alerts, charts, mining calculators, leverage / gain / loss / dominance stats, and other crypto tools.

Privately track your investment in Bitcoin, Ethereum, Monero, Litecoin, Grin, Cosmos, and an unlimited number of other altcoins / cryptocurrencies. Customize the coin list / alerts / charts to your favorite assets and exchange pairings. No limits, add as many coins / markets as you want.“

Für echte und virtuelle Portfolios

Ich persönlich brauche nicht mal all Funktionen und erst recht nicht all die Coins, die der Portfolio Tracker bietet, kann aber jedem empfehlen, zumindest mal mit der Demo rumzuspielen. Wer will kann damit ja auch ein virtuelles Portfolio pflegen und ohne Risiko schauen, wie gut man traden kann, bevor man echtes Geld verliert.

Insgesamt also ein schönes Tool. Aber trotzdem noch der Hinweis, dass man sich dennoch immer genau überlegen sollte, von wo man welche Software runterlädt und installiert. Aber eh man auf der Suche nach einem ordentlichen Portfolio Tracker auf irgendeine grellbunte Datensammel-App reinfällt (davon gibt es viel zu viele), ist dieses Open Source-Projekt vermutlich die bessere Option.