Schlagwort-Archive: Bitcoin

Financial Fackellauf im Lightning-Netzwerk

Man muss schon unter einem Stein gelebt haben, wenn man in den vergangenen Wochen nichts von der Lightning Network Trust Chain gehört hat. Kaum ein anderes Thema begeistert und elektrisiert die Bitcoin-Community derzeit mehr. Aus guten Gründen.

Das erste originäre Lightning-Experiment

Zum einen handelt es sich hierbei um das erste originäre Lightning-Experiment, das ein selbstverstärkendes Momentum erreicht hat aka „viral“ geht. Zwar gab es zuvor schon einige interessante Experimente mit Lightning. Aber weder sind Auktionen etwas gänzlich Neues (auch wenn sie im Millionstel Centbereich stattfinden), noch Spiele, in denen Nano-Transaktionen Interaktionen auslösen und auch satoshis.place ist zwar eine höchst kreative Pixel-Spielwiese, aber letztlich doch auch nur eine angepasste Umsetzung eines vormaligen Reddit-Experiments.

Bei der Trust Chain ist das anders. Dieser Payment-Staffellauf ist vollkommen neuartig und wäre ohne das Lightning-Netzwerk (als Payment-Infrastruktur) und Twitter (als kollektives Kommunikationsmedium) zuvor nicht möglich gewesen.

Höher, weiter, exotischer, prominenter

Darüber hinaus hat die Trust Chain mittlerweile auch schon die Bitcoin- und Lightning-Nerd-Nische verlassen und zieht durch immer neue Besonderheiten und „Rekorde“ das Interesse einer wachsende Öffentlichkeit auf sich. Die Trust Chain wird immer länger, die Teilnehmer des Experiments prominenter und die Umstände, unter denen es weitergeht immer ausgefallener. Doch was ist es denn eigentlich, was das Lightning Network Trust Chain-Experiment so besonders macht?

Am Anfang war ein Tweet

Alles begann Mitte Januar mit einem Tweet von @hodlonaut in dem diese/r ankündigte eine Zahlung von 100.000 Satoshi (0,001 Bitcoin, gut 3 Euro) über das Lightning-Netzwerk zu schicken. Der Empfänger solle dann seinerseits noch einmal 10.000 Satoshi draufpacken und die Summe an jemand anderes weiterleiten, der dann ebenfalls noch einmal 10.000 Satoshi draufpackt, das Paket weiterreicht und so weiter. Bis die Kette irgendwann einmal abbricht (und man idealerweise etwas daraus lernen kann).

Eigentlich ein ganz einfaches Prinzip und lange lief dieses Experiment selbst unter dem Radar der meisten Bitcoiner. Doch begann die Trust Chain irgendwann eine wachsende Eigendynamik zu entwickeln.

Denn mit der Anzahl der Teilnehmer stieg auch der Wert der „Fackel“, die unter den Augen der Community immer weiter durchs Netzwerk wanderte. Und damit auch die Neugier, zu sehen, wann und wie dieses Experiment scheitert, weil die Technik versagt oder jemand ausschert und den wandernden Honeypot einfach für sich behält.

Doch obwohl es zwischenzeitlich schon danach aussah. Bislang wächst die Trust Chain immer weiter und mit ihr der Betrag, der mitwandert.

Die Welt ist nicht genug

Fast 190 Mal wurde die Payment-Fackel dabei schon durch das Netzwerk gereicht und durchquerte dabei rund 40 Länder auf sechs Kontinenten. Ob man zusätzlich auch die Antarktis auf der Reiseroute der Trust Chain abhaken kann, bleibt jedoch umstritten. Zumindest stand aber einer der beteiligten Netzwerkknoten auf einem Stein, der vor nicht allzu langer Zeit noch in der Antarktis lag.

Das allein zeigt aber: An Enthusiasmus und Begeisterungsfähigkeit mangelt es den Teilnehmern des Trust Chain-Experiments nicht.

… wo keine Transaktion jemals zuvor gewesen ist.

Was auch die Suche und Umsetzung immer neuer Herausforderungen zeigt. Denn Geld mit Hilfe des Internets einfach nur schnell, billig, unzensierbar und nicht manipulierbar von A nach B senden, ist ja zu einfach.

Zwischenzeitlich verließ die Trust Chain daher sogar die Erde und sogar das Internet. Dabei erreichte und verließ eine Transaktion einen Flieger über dem Atlantik und die „Fackel“ wurde mittlerweile sogar per Satellit übertragen.

Wobei einigen Bitcoinern aber auch das noch nicht genug ist. So kursiert bereits die Idee, eine Transaktionen zum Mond und zurück zu schicken.

Sollte das gelingen, wäre das natürlich eine außergewöhnliche Demonstration und bestes Guerilla-Marketing. Wobei die Trust Chain aber auch so in den Fokus einer immer größeren Öffentlichkeit rückt.

Prominente Lightning-Mitstreiter

Für einen ganz besonderen Aufmerksamkeitsschub hat dabei Hop #151 gesorgt. Mit diesem landete die Trust Chain nämlich bei Jack Dorsey, dem CEO von Twitter

Das kam nicht sonderlich überraschend. Denn zum einen ist „Bitcoin-Twitter“ ohnehin eine der zentralen Kommunikations-Plattformen der Community und zum anderen ist Jack Dorsey auch noch CEO von Square, über deren Cash-App die Nutzer schon seit mehr als einem Jahr Bitcoins kaufen können.

Was viele jedoch überraschte war, wie offen positiv Jack Dorsey Position zu Bitcoin zu bezog. Und zwar nur zu Bitcoin, da er offensichtlich kaum Interesse an Altcoins, irgendwelchen Token oder sonstigen „Blockchain“-Projekten zu haben scheint.

Ein Standpunkt, der von der Bitcoin-Community natürlich dankbar aufgenommen und gefeiert wurde. Erst recht da Jack Dorsey mittlerweile auch ankündigte, Lightning in die Cash-App integrieren zu wollen.

Wobei das letztlich weniger überrascht, wenn man berücksichtigt, dass er auch Investor von Lightning Labs ist, einer der Firmen, die die Umsetzung des Lightning-Networks maßgeblich mit vorantreiben.

Die Schattenseiten der Fackel

Wie jedes soziale Experiment das lange genug läuft oder eine hinreichende Größe erreicht, zeigt aber auch die Trust Chain, dass sie nicht nur aus positiven Aspekten besteht. Immerhin wurde die „Fackel“ nicht immer sofort und freiwillig weitergereicht, sondern mitunter erst auf sozialen Druck der Community. Das kann man gut finden oder nicht.

Aktuell regt sich aber vor allem Unmut darüber, dass die Trust Chain im Wert von aktuell rund 100 Euro in den Händen sogenannter Shitcoiner liegt, die eigentlich nicht zum Kern der Lightning-Community gehören und die Aufmerksamkeit, die ihnen dadurch nun zu Teil wird, für ihre Shitcoin-Projekte missbrauchen.

Aber auch hier kann man über Pro und Contra streiten.

Noch ist das Experiment nicht vorbei

Wer sich nun aber selbst ein Bild vom Fortgang des Lightning Network Trust Chain-Experiments machen will, der findet gesammelte Infos auf takethetorch.online und Aktuelles auf Twitter unter dem Hashtag #LNtrustchain.

Honigdachs #35 – Politik und Bitcoin

Die 35. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin und die Blockchain zu reden auf Dauer zu wenig ist. (iTunes/RSS-Feed)

Honigdachs #35 – Politik und Bitcoin

Dieses mal hinterfragen wir (um es mal ganz vorsichtig auszudrücken), den Standpunkt des Medienwissenschaftlers David Golumbia, der es mit seinen wirklich kruden Thesen zur „Politik von Bitcoin“ sogar bis in den Deutschlandfunk geschafft hat.

Doch auch wenn wir kaum ein gutes Haar an Golumbia lassen, so ist es doch ein guter Anlass, sich ganz generell mal (wieder) mit der eigenen politischen Ausrichtung zu beschäftigen. Und zu fragen, ob die überhaupt mit Bitcoin kompatibel ist.

Doch Politik ist nicht alles

Weil aber auch der aktuelle Stand nicht zu kurz kommen soll, gibt es hintendran dann noch ein paar technischere Neuigkeiten. Wir diskutieren über die Vor- und Nachteile von Neutrino und erklären, warum wir Grin interessant finden, dem Projekt aber auch nicht viel mehr abgewinnen können.

Grin war als Thema übrigens auch ein Hörerwunsch. Wenn auch ihr ein (für die breitere Masse) interessantes Thema oder eine Frage habt, immer her damit. Wir freuen uns über Feedback, Kritik und Anregungen.

Nun aber erst einmal viel Spaß beim Hören:

Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick

Honigdachs #35 – Politik und Bitcoin weiterlesen

Ist die Blockchain nur ein Abfallprodukt?

Der israelische Bitcoin-Entwickler Udi Wertheimer hat kürzlich auf Twitter eine durchaus provokante These über Blockchains veröffentlicht: Dass eine Blockchain nämlich keineswegs etwas sei, was man haben möchte, geschweige denn in irgendeiner Weise promoten sollte. Die Blockchain sei vielmehr ein Abfallprodukt und notwendiges Übel, um zu erreichen, was man eigentlich haben möchte: eine Konsensentscheidung, wem welches Guthaben gehört.

Das ist eine ungewöhnliche Position, die selbst für Bitcoiner durchaus herausfordernd sein kann und doch lohnt es sich, das Thema „Blockchain“ auch von diesem Standpunkt zu betrachten.

Kritik an der Blockchain ist berechtigt

Nehmen wir zum Beispiel die vielfach geäußerte Kritik, dass Bitcoin so enorm viel Energie verbrauche. Diese Kritik ist ja durchaus begründet. Das Bitcoin-Netzwerk benötigt nun einmal sehr viel Strom zur Absicherung seiner Integrität. Doch geht es in diesem Fall eben nicht anders.

Genau das ist aber der Punkt. Eben weil es so aufwändig ist, eine sichere Blockchain zu etablieren, sollte man um jeden Preis vermeiden, eine Blockchain einzusetzen, wenn dies nicht unbedingt nötig ist. Für rein digitales, zensur- und manipulationssicheres Geld (Bitcoin) gibt es nun einmal (bislang) keine andere Lösung. Für alle anderen bisher propagierten „… but with Blockchain!“-Lösungen in der Regel aber schon.

Neue Sichtweisen sind gut für den Diskurs

Wie herausfordernd (im positiven Sinne) diese unkonventionelle Sichtweise auf Blockchains sein kann, sieht man auch am weiteren Verlauf der durch die These ausgelösten Diskussion. Den vorgebrachten Pro-Blockchain-Argumenten, begegnet Wertheimer nämlich mit guten Gegenargumenten.

Wie zum Beispiel die oftmals so positiv beworbene Unveränderlichkeit, die letztlich jedoch gar kein immanentes Feature einer Blockchain ist, sondern die sich aus dem bereits kritisierten hohen Energieverbrauch, der hinreichenden Größe eines dezentralisierten Netzwerks und aus diversen anderen Faktoren ergibt. Im besten Fall.

Aufgrund dieser vielen unterschiedlichen Faktoren, die in ihrer Gesamtheit die positiven und negativen Eigenschaften einer Blockchain beeinflussen, gleichzeitig in Summe aber nur schwer zu kontrollieren sind, könne man eine Blockchain daher auch nicht als eine Form von Produkt sehen. Sondern nur als Nebenprodukt.

Dass die historisch in einer Blockchain abgelegten Daten trotzdem einen bestimmten Nutzen haben können, ist dabei aber tatsächlich ein Punkt, über den man noch länger diskutieren könnte.

Für den aktuellen Stand, wem welcher Bitcoin gehört, ist das stetig wachsende Archiv an Provenienz-Daten jedoch kaum relevant. Unter Privatsphäre-Aspekten wäre es sogar von Vorteil, wenn die Transaktionshistorie jedes einzelnen Bitcoin nicht dauerhaft und offen gespeichert wäre. Allerdings würde man damit eben auch die Option verlieren, zusätzliche Daten per Time-Stamping in der Blockchain zu verankern. Ist es das wert?

Doch genau um solche Denk- und Diskussionsanstöße geht es hier ja. Dass „Blockchain“ kein Zauberallheilmittel ist, ist mittlerweile bekannt. Dass es vielleicht noch viel weniger, nämlich nur ein Abfallprodukt ist, ist (noch) eine provokante und unpopuläre Definition. Trotzdem ist an dieser These etwas dran.

Vor allem, wenn Udi Wertheimer für die Begründung so plastische Analogien verwendet wie diese:

Bild: Toxic (CC BY 2.0)

Guter Podcast über Vollgeld, Inflation und Bitcoin

Beim vergangenen Bitcoin-Stammtisch wurde ich auf die 208. Folge des Omega Tau-Podcast aufmerksam gemacht. Darin ist der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, zu Gast, der wunderbar erklärt, welche verschiedenen Geld-Definitionen es gibt und wie Schuldengeld, Vollgeld, Inflation, Krisen und Bitcoin im Großen und Ganzen zusammenhängen und zueinander zu verorten sind. Das alles angenehm ruhig, sachlich, gut verständlich und undogmatisch.

Schon etwas älter, aber immer noch aktuell

Ich hatte Thomas Mayer hier im Blog schon einmal mit einem sehr guten Interview beim Deutschlandfunk verlinkt, das jedoch sehr zu meinem Ärger nicht mehr online abrufbar ist.

Glücklicherweise ist das bei diesem Podcast anders, obwohl der sogar noch älter ist. Trotz seines Alters hat dieses Gespräch (dem man tatsächlich noch deutlich mehr als die eine Stunde gut hätte zuhören können), aber nichts an Aktualität eingebüßt und ist eine hervorragende Quelle, wenn es darum geht, die Grundlagen unseres vorherrschenden Geldsystems verstehen zu wollen.

Hier kann man den Podcast direkt hören. Wer diese Folge runterladen möchte, klickt hier.

Blockchain & Kultur – Neue Podcast-Serie im DLF

Der Deutschlandfunk hat dieser Tage unter dem Titel Blockchain Stories eine achtteilige Radio- und Podcast-Serie online gestellt. Das Besondere dabei: Alle Beiträge sind von der Kultursendung Corso verantwortet, was dem Thema einen erfrischenden Blickwinkel verleiht.

„Blockchain“ aus der Kulturperspektive

So geht es neben einem obligatorischem Blockchain-Grundlagen-Beitrag und einem über Bitcoin als Geld der Zukunft (das Stück habe ich gemacht) auch noch einmal konkret um die Aspekte Klima, Patente, Musik, Gaming und Politik.

Wobei insbesondere über letztere Folge noch zu reden sein wird. Der interviewte Medienwissenschaftler David Golumbia vertritt nämlich ein paar sehr kontroverse und irritierende (Verschwörungs-)Theorien. Aber dazu dann mehr in der nächsten Honigdachs-Podcast-Folge.

Solide, aber nicht ganz auf der Höhe der Zeit

Insgesamt sind alle Beiträge solide und ich finde es gut, dass sich die Redaktion für das Thema „Blockchain“ ein paar neue Blickwinkel hat einfallen lassen. Warum nicht mal eine Ethereum-Mine anstelle einer Bitcoin-Mine besuchen und über Gaming und die Blockchain wurde bisher ja auch noch nirgends so prominent gesprochen.

Dennoch gibt es auch Kritik. Einige Beiträge wirken nämlich nicht ganz aktuell. So ist ja nicht erst seit gestern klar, dass es grundsätzlich keine gute Idee ist, komplexe digitale Spiele dezentral auf einer Blockchain laufen zu lassen. (Weil es zum einen keine Blockchain gibt, die das technisch leisten könnte und es zum anderen auch keinen guten Grund gibt, Spiele nicht mehr, wie bisher, zentral zu verwalten.) Warum also noch so ausführlich darüber reden, wenn es doch eigentlich um die „Zukunft des Zocken“ gehen soll?

Das hätte man schneller abhaken und zum tatsächlich interessanteren Ausblick in die Zukunft kommen können. Diesen jedoch aus dem schon vor langer Zeit verblühten Hype um tokenisierte Collectibles wie Crypto Kitties abzuleiten, wirkt etwas aus der Zeit gefallen. Nach bald anderthalb Jahren ist dieses Thema in Krypto-Jahren schon fast als historisch zu betrachten. Ein daraus abgeleiteter Blick in die Zukunft entsprechend retro-futuristisch.

Ein Beitrag auf der Trend- und technischen Höhe der Zeit hätte sich dagegen auch mit den Möglichkeiten und Konsequenzen von Lightning-basierten Micro- und Nanopayments (alles kleiner 1 Cent) auf Gaming beschäftigt. Dieser Aspekt fehlt jedoch leider ganz.

Zwischen Krypto-Historie und Realitäts-Futurismus

Nichtsdestotrotz ist das aber Kritik auf hohem Niveau. Denn was für jemanden, der sich selbst bereits intensiv mit der Materie auseinandersetzt, bereits krypto-historisch ist, kann für den prototypischen Deutschlandfunk-Kulturmagazin-Hörer trotzdem futuristisch (genug) sein. Insofern überwiegt die Tatsache, dass Bitcoin und seine Auswirkungen überhaupt und immer mehr als gesellschaftsrelevantes Kulturthema wahrgenommen und diskutiert wird, die Kritik deutlich.

Zumal die einzelnen Stücke auch wirklich schön anzuhören sind. (Vom Golumbia-Interview mal abgesehen, das ohne den Kontext seines Buches wie das Dümmste wirkt, was jemals über Bitcoin gesagt wurde.)

Die acht Beiträge sind im Einzelnen:

#1 Blockchain für Dummies erklärt
Wohl kaum ein anderes Phänomen wird in der Netzkultur so stark diskutiert wie die Blockchain. Ein Heilsbringer soll sie sein, der die Macht hat, das Internet zu verändern und viele Probleme der Zukunft zu lösen. Wie sie funktioniert, wissen aber nur die wenigsten. Ein Erklärungsversuch.

#2 Bitcoin = digitale Währung der Zukunft
Obwohl es Bitcoin schon seit zehn Jahren gibt, hat noch kaum jemand dieses digitale Bargeld so richtig verstanden. Trotzdem wächst das Phänomen beständig. Warum eigentlich?

#3 Besuch einer Ethereum-Mine
Bis vor Kurzem konnte man mit Kryptowährungen ziemlich schnell Millionär werden. Wertverlust hin oder her: Das digitale Geld wird immer noch in sogenannten Kryptominen geschürft. Das gilt auch für Ethereum, das mehr Einsatzmöglichkeiten bietet. Einblicke in eine Parallelwelt aus Strom und Kabeln.

#4 Die Politik der Bitcoin
Die Blockchain gilt als fortschrittliche Erfindung. Die Attraktivität dieser neuen Technologie bringt allerdings politische Gefahren mit sich. Sie sei effektiver in der Verbreitung von Ideologie als alles andere, sagte Medienwissenschaftler David Golumbia im Dlf.

#5 Digital und dreckig
Der Hype um den Bitcoin hat zu einem digitalen Goldrausch geführt. Aber das Schürfen der Kryptowährung verschlingt enorme Mengen Energie. Mittlerweile dürfte ein Teil der Klimaerwärmung aufs Konto des Bitcoin gehen. Eine umweltfreundliche Nutzung der Technologie scheint dennoch möglich.

#6 Revolution des Patentrechts?
Seit der Erfindung des Papiers werden wichtige Dokumente mit einem Stempel verifiziert. Heutzutage versehen Computer Dateien mit einem Zeitstempel. Die Blockchain könnte dieses Verfahren vereinfachen und sicherer machen – für Musiker und andere Kreative. Steht eine Revolution des Patentrechts bevor?

#7 Die Zukunft der Musik
Eine Revolution der Musikwelt steht bevor: Dank der Blockchain wird es Musikern durch innovative Geschäftsmodelle angeblich bald möglich sein, digitale Welten mit ihren eigenen Regeln zu erschaffen. Darin läge das Potential, sich neu zu erfinden, sagte Medienkünstler Mathew Dryhurst im Dlf.

#8 Computerspiele neu gedacht
Blockchain in Computerspielen – dort würde man die Technologie nicht vermuten. Diese Gamedesignerszene ist zwar überschaubar, will die digitale Spielewelt aber mit neuen Ideen bereichern: So könnten die Nutzer virtuelle Welten mit eigenen Entwürfen erweitern. Ein Blick in die Zukunft des Zockens.

Bitcoin- und Blockchain-Presseschau #97

Neues Jahr, Zeit mal wieder eine Bitcoin-Presseschau zu schreiben. Dieses Mal dreht sich alles um das 10-Jährige von Bitcoin, Rückblicke und den aktuellen Status Quo. Wie immer habe ich nur Artikel rausgesucht, die den Klick auch wirklich wert sind.


Why Bitcoin Matters for FreedomTime Magazine

Auf diesen Text von Alex Gladstein hatten wir schon im letzten Honigdachs-Podcast hingewiesen. Nichtsdestotrotz gehört er auch in diese Presseschau, denn er behandelt die wichtige Frage, warum es gut ist, dass Bitcoin da ist.


Happy 10th birthday, bitcoin. It’s amazing you still existThe Guardian

Ein erfrischendes Meinungsstück von Tibor Fischer über den aktuellen Stand von Bitcoin, in dem er kein Blatt vor den Mund nimmt und beiden Seiten, Bitcoin-Befürwortern und Bitcoin-Gegnern, gleichermaßen den Kopf wäscht.


Bitcoin By the Numbers: 2018 Recap – Jameson Lopp

Jameson Lopp fasst das Bitcoin-Jahr 2018 noch einmal in einer Vielzahl Zahlen und Statistiken zusammen. Denn: „… by using a diversity of metrics and sources we can get a better rough idea of what’s going on.“ Fazit: „Yes, Bitcoin fared poorly in terms of exchange rate in 2018. But by almost any other metric the system is improving and growing.

So ist bspw. die Zahl der Abonnenten des Bitcoin-Subreddits r/bitcoin vergangenes Jahr um 61 Prozent gestiegen und auch die Zahl wissenschaftliche Veröffentlichung mit Bezug zu Bitcoin wächst weiter beständig (2014: mehr als 14.000).

Ansonsten gingen die Gebühren für On-Chain-Transaktionen stark runter, Bitcoin-Adressen werden häufiger wiederverwendet (was man eigentlich nicht machen sollte) und die Verankerung von zusätzlichen Daten in der Bitcoin-Blockchain (OP_RETURN-Outputs) steigt seit Jahren immer rasanter.

Das Lightning-Netzwerk wächst ebenso rasant, doch geht offensichtlich die Zahl der Bitcoin-Knoten signifikant zurück. Um ein Drittel ist sie 2018 auf rund 65.000 gefallen. Interessant dabei: Hier in Deutschland zeigt der Trend offensichtlich in die andere Richtung.


Fifteen dead cryptocurrency predictions, twelve months onNic Carter

Nic Carter hat am 1. Januar 2018 einen Hash getweetet, der für 15 Kryptowährungen stand, von denen er ausging, dass sie binnen eines Jahres tot seien (mehr als 95 Prozent Wertverlust, keine technische Weiterentwicklung).

Nun hat er aufgelöst, auf welche Coins er sich damals festlegte (u.a. IOTA, Bitcoin Gold, Tether, Augur und Dash), wie deren Performance tatsächlich war und was wir daraus lernen können. Vor allem ein Schluss ist beachtenswert: Shitcoins zu durchleuchten ist unverhältnismäßig aufwendig, denn es gibt keinerlei Entlohnung. Deswegen macht es auch kaum einer. Sehr lesenswerte Analyse!


Bitcoin at 10Coindesk

Weil ja derzeit immer irgendetwas an Bitcoin zehn Jahre alt wird (Whitepaper, Genesis-Block, erster zweiter Fullnode, erste Transaktion etc.), hat jetzt auch Coindesk eine „10 Jahre Bitcoin“-Sonderseite mit allerlei Geschichten und Fundstücken veröffentlicht.

Hodl – Wahrscheinlich DAS Bitcoin-Meme überhaupt.

Nicht alles ist hier Klick wirklich wert, aber dass sie den original HODL-Meme-Creator aufgespürt und ihn dazu gebracht haben, vor laufender Kamera noch einmal betrunken seinen legendären Hodl-Post von damals vorzulesen (betrunken!), hat schon was. (Das Video ist ansonsten ziemlich fade, daher am besten direkt zu Minute 5:53 springen).


Das war’s für diese Presseschau. Wer mag hinterlässt ein paar Satoshis.


Der Bitcoins-statt-Rauchen-Rechner

Das hier ist die richtige Website zur Jahreszeit. Denn mit dem Smoking vs. Acquiring Bitcoin Calculator kann man sich ganz leicht einen Motivationschub für den guten Neujahrsvorsatz holen. Dieser Rechner zeigt einem nämlich, wie lange es dauert, bis man sich einen Bitcoin kaufen kann, wenn man sofort mit dem Rauchen aufhört.

Nach dem aktuellen Tagespreis hier in Deutschland geht das immerhin schon nach gut anderthalb Jahren, wenn man auf eine Schachtel Kippen pro Tag verzichtet!

Mehr Motivation durch mehr Aufhören

Das mag jetzt vielleicht nicht allzu motivierend klingen. Anderthalb Jahre sind zugegebenermaßen eine ganz schön lange Zeit. Aber das Tolle am Sparen ist ja, dass man sich das alles schön rechnen kann.

Wer nämlich einfach nach Großbritannien zieht und dort aufhört, zwei Schachteln täglich zu rauchen, der hat seinen Bitcoin in nicht einmal einem halben Jahr zusammen.

Und wer sogar nach Australien geht und dort einfach nicht mehr 15 Schachteln Kippen am Tag smökert, hat seinen Bitcoin sogar schon nach zwei Wochen zusammen. Zwei Wochen! Besser geht es doch gar nicht.

Also für wen das jetzt kein ordentlicher Anreiz ist, dem kann ich auch nicht mehr helfen.

Zehn Jahre Bitcoin & Fünf Jahre The Coinspondent

Heute vor fünf Jahren habe ich hier im Blog meinen ersten Beitrag geschrieben und damit The Coinspondent offiziell ins Leben gerufen. Grund genug also, ausnahmsweise mal einen leicht nostalgischen Blick zurück zu werfen.

Denn zum einen sind Bitcoin-Jahre bekanntlich dreimal intensiver als „normale“ Jahre und zum anderen begleite ich Bitcoin nun also schon die Hälfte seiner Zeit. Mit all seinen Höhen und Tiefen. What a ride!

Am Anfang war die „Gier“

Damals, Ende 2013, wollte ich ja eigentlich nur in einem Selbstversuch fürs Radio dokumentieren, wie auch ich – wie so viele andere im Netz – mit Hilfe dieses noch recht unbekannten, skurril-ominösen Internetgeldes und einer kleinen Bitcoin-Mine auf dem Schreibtisch unendlich reich werde.

Das hat – kaum überraschend – nicht geklappt. Der Beitrag ist aber trotzdem einer meiner Lieblinge. Denn er ist gleichzeitig noch immer aktuell und doch irgendwie aus einer ganz anderen Zeit.

Bitcoins minen im Selbstversuch (Januar 2014)

In jedem Fall habe ich damal mit dem Recherchieren angefangen und seitdem nicht mehr aufgehört. Mehr als 800 Beiträge sind mittlerweile hier im Blog erschienen, 34 Podcast-Episoden, diverse Beiträge für Radio, Zeitungen und Zeitschriften entstanden, dazu jede Menge Workshops, Talks und Panels, ein Rechtsstreit (dazu in den kommenden Tagen mehr) und eine Auszeichnung. Alles in allem keine ganz schlechte Quote und so gab es für mich in den vergangenen Jahren keine Sekunde Langeweile.

Bitcoin-Investment-Tipp: Long Popcorn!

Das sehen offenbar auch viele Leser und Hörerinnen so. Unterm Strich lässt sich jedenfalls das Feedback zu Blog und Podcast aus den letzten Jahren so zusammenfassen. Besonders freut mich dabei die Breite des Publikums, das hier mitliest und -hört. Vom Banker bis zum Journalisten, vom Bitcoin-Experten bis zum Einsteiger. Genauso hatte ich mir das damals vor fünf Jahren auch in etwa vorgestellt.

Wahrgenommen wurde der Blog mittlerweile auch in der ganzen Welt (wenn man mal von Eritrea, Gabun, Guinea-Bissau, Guyana, dem Jemen, dem Kongo, Mali, Mauretanien, Niger, Papua-Neuguinea, Südsudan, Swasiland, Tschad, Westsahara und der Zentralafrikanischen Republik absieht – hier ist noch Luft nach oben)

Zum Geburtstag: Sichere Kommunikation

Da so ein Jahrestag aber immer auch ein guter Anlass ist, sich weiterzuentwickeln, habe ich mir zum Jahrestag nun endlich mal eine ordentliche E-Mail-Verschlüsselung spendiert.

Nachdem die Kommunikation mit der Website schon eine ganze Weile über SSL verschlüsselt läuft, gibt es nun also auch endlich die Möglichkeit direkt mit mir verschlüsselt zu kommunizieren. Den öffentlichen Schlüssel dazu gibt es hier (PGP-Fingerabdruck:
DC95 C241 D943 9184 8F3E EFCD 9B3C B9FD C752 811F)

Und weil 2019 ja das Jahr der Nano-Transaktionen wird – wer die Taschen voller Satoshis hat und die Arbeit an dieser Seite weiter unterstützen will, kann mir hier ein paar Milli-Cent schicken:

Bild: „Five“ (CC BY 2.0)

Coinmarketbook als Marketcap-Alternative

Wir hatten im Podcast vor einer Weile schon über eine bessere Alternative zur Marktkapitalisierung als Metrik zur Bewertung von Kryptowährungen gesprochen. Denn die ist zwar hübsch anschaulich aber wenn es darauf ankommt kaum belastbar, weil leicht zu beeinflussen.

Damals hatte ich den Link zu coinmarketbook.cc (im Gegensatz zu coinmarketcap.com) aber nicht direkt gefunden. Der wird hiermit nun also nachgereicht.

Aktuelle Nachfrage als zusätzlicher Faktor

Der Unterschied zwischen coinmarketcap.com und coinmarketbook.cc liegt nun darin, dass letzteres nicht einfach nur die Marktkapitalisierung abbildet, sondern diese mit dem buy support, also der aktuellen Nachfrage, koppelt. Denn das – so das Versprechen – solle die Stabilität des aktuellen Preises besser zeigen und informierteres Traden ermöglichen.

Ich habe mich jetzt eine Weile auf der Seite umgesehen und finde sie dennoch nur semi-spannend. Der buy support ist zwar durchaus eine interessante Größe. Vor allem, weil er zeigt, wie viel Nachfrage sich generell auf Bitcoin bündelt. Der große Verlierer ist hier bspw. Bitcoin Cash, die laut Marktkapitalisierung viertgrößte Kryptowährung, die aber nicht einmal zwei Prozent des buy supports von Bitcoin hat und damit bei coinmarketbook.cc nur auf Platz elf landet.

Obwohl mit Abstand die #1, gibt es keine detaillierten Bitcoin-Daten auf coinmarketbook.cc

Dennoch sind auch die Daten von coinmarketbook.cc nur begrenzt belastbar. Als Grundlage werden nämlich die Daten von nur zehn Börsen herangezogen und auch sonst wirkt die Seite nicht ganz so auf Aktualität fokussiert. So fehlt beispielsweise die andere Hälfte der Bitcoin Cash-Hardfork, Bitcoin SV, komplett in der Auflistung und auch dass es (noch) keine Kursdaten zu Bitcoin gibt, obwohl es mit Abstand die Nummer eins ist, man sich aber „erst einmal auf Altcoins konzentriere“, schränkt die Nützlichkeit für alle Nicht-Altcoin-Trader ein.

Coingecko.com bleibt bessere Informationsquelle

Wer daher, wie ich als Journalist, aufschlussreiche Daten zum direkten Vergleich oder allgemeinen Bewertung von Kryptowährungen sucht, wird daher auch weiterhin auf Seiten wie coingecko.com eher fündig.

Neben der Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen findet man dort nämlich auch Zahlen zum jeweiligen Allzeithoch und den Verlusten Veränderungen seitdem, zu den Aktivitäten im Entwicklerbereich, zur Präsenz im Bereich Social Media (ein Schelm, wer bei diesen Zahlen Hinweise auf die berühmt-berüchtigte Ripple-Troll-Army auf Twitter sieht) und Basisinformationen zur jeweiligen „Blockchain“.

Auch diese Daten sind zwar nur Annäherungen an den realen Status Quo, vermitteln aber ein deutlich detaillierteres Bild als coinmarketbook.cc. Am besten wäre also, man würde bei coingecko.com einfach noch einen weiteren Reiter für buy support hinzufügen.

Aufstieg und Fall des Wall Street Journal-Coins

Mit großer Begeisterung habe ich mir gerade die Dokumentation WSJCoin: Yes, We Created Our Own Cryptocurrency angesehen, mit der das Wall Street Journal einmal mehr zeigt, dass es eine der besten Adressen für eine zeitgemäße Berichterstattung über Bitcoin und Kryptowährungen ist.

To understand cryptocurrency …

Denn tatsächlich gibt es kaum eine bessere Möglichkeit, das komplexe und fordernde Thema „Kryptowährungen“ zu erklären, als selbst mal kurzerhand eine ins Leben zu rufen und in all die Probleme und Widersprüche zu rennen, die sich dabei nun einmal ergeben. Herausgekommen sind in diesem Fall erfrischende 24 Minuten, die humorvoll die Absurdität einer hohlen „Coin first, Sinn second“-Krypto-Industrie aufzeigen.

… you must become a cryptocurrency

Ein Projekt, von dem sich deutsche Medien mehr als eine Scheibe abschneiden könnten. Nicht nur weil es klasse Journalismus ist, der ein hochgradiges komplexes Thema super anschaulich und unterhaltsam aufbereitet, sondern auch in technischer Hinsicht. Immerhin benutzt das Wall Street Journal zwar einen proprietären Videoplayer, erlaubt aber das Einbetten auf fremden Webseiten. Hier hat man offensichtlich verstanden, wie das Web funktioniert.

Bonus

Meine Lieblingsstelle bei Minute 12:48 hat übrigens ausnahmsweise nichts mit Kryptowährungen zu tun, sondern mit Mariokart (Japan, ey!) und eine Beschreibung, die ich bisher noch nirgends gehört hatte, die ich mir aber unbedingt merken muss, weil ich denke, dass wir sie im Zusammenhang mit Bitcoin und Lightning noch häufiger hören werden: „Streaming Payments“