Happy Bitcoin-ATH! PS: Bitcoin ist tot!

Gestern vor einem Jahr erreichte der Bitcoin seinen bisherigen Kurs-Höchststand (All Time High) von rund 20.000 US-Dollar und der Jahrestag war für die Börse vor Acht Grund genug, das zum Thema der gestrigen Ausgabe zu machen: „Was vom Bitcoin übrig bleibt“

Damit endet aber leider auch schon alles Positive, was man dem, was Anja Kohl da zur Prime Time kurz vor der Tagesschau  erzählt, abgewinnen kann.

Zehn Jahre Bitcoin – trotzdem nichts gelernt

Denn eigentlich sollte man ja meinen, dass mittlerweile,
zehn Jahre nach der Erfindung von Bitcoin, zumindest Fachjournalisten versucht haben müssten, Bitcoin und den grundsätzlichen, untrennbaren Zusammenhang zwischen Bitcoin und der Blockchain zu verstehen. Falls Anja Kohl das mal versucht hat, war davon leider nichts zu erkennen.

Zunächst geht Sie auf den Kursverlauf des vergangenen Jahres ein. Zum Jahrestag eine nahe liegende und berechtigte Perspektive. Dass hierbei ein desaströses Bild gezeichnet wird, überrascht nicht. 83 Prozent Verlust innerhalb eines Jahres sind ohne Frage krass und viel. Jedoch lässt sie dieses Zahlen so stehen und ordnet sie nicht in einen größeren Kontext ein.

Manipulation durch Weglassen

Genau das wäre an dieser Stelle aber wichtig und Zeichen eines guten und unvoreingenommenen Journalismus gewesen. Denn vergleicht man nur den Kurs wischen dem 17.12.2017 und dem 17.12.2018, dann ergibt sich ein desaströses Bild.

17.12.201720.100 $
17.12.20183455 $

Vergleicht man jedoch die Kurse nicht nur des letzten, sondern der letzten acht Jahre, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Nämlich eines, indem man das All Time High vergangenes Jahr als offensichtlichen statistischen Ausreißer klassifizieren und dementsprechend auch einordnen muss.

17.12.20100,25 $
17.12.20113 $
17.12.201213 $
17.12.2013480 $
17.12.2014324 $
17.12.2015456 $
17.12.2016791 $
17.12.201720.100 $
17.12.20183455 $

Genau das macht Anja Kohl aber nicht, obwohl sie es eigentlich besser weiß. Immerhin hat sie vor gut einem Jahr bereits staunend darüber berichtet, wie der Bitcoin von rund 1000 US-Dollar auf 10.000 US-Dollar kletterte. 

https://youtu.be/bJyypAOEWBM
Nicht alles, was plausibel klingt, ist auch ein Grund 

Stattdessen reimt sich Anja Kohl dann ein paar Gründe zusammen, warum der Kurs so stark gefallen ist, die für den Laien möglicherweise plausibel klingen, aber weder schlüssig sind, noch in irgendeiner Weise belegt werden.

Denn ja, im vergangenen Jahr wurden möglicherweise Bitcoins gestohlen, aber das werden sie seit es Bitcoin gibt und ist daher kein signifikanter Grund für den Preisrückgang im vergangenen Jahr. Auch gab es bestimmt Hackerangriffe, aber auch die gibt es erstens jedes Jahr, zweitens wurde Bitcoin (das Bitcoin-Protokoll) trotzdem noch niemals gehackt und drittens trafen die krassesten Hackerangriffe dieses Jahr nicht Bitcoin, sondern die Hotelkette Marriott, Google und Facebook. 

In diesem Kontext würde mich daher interessieren, auf welche konkreten Bitcoin-Hackerangriffe sich Anja Kohl denn eigentlich bezieht und wie deren Auftreten mit der Preisentwicklung korreliert. Oder ob „die Hacks“ letztlich doch nur ein bequemer Platzhalter sind, wenn man die echten Gründe nicht benennen kann. Denn „Hacks“ – das passt ja schon irgendwie immer.

Als dritte Ursache für den Kursrückgang dann noch die fehlende Regulierung von Bitcoin zu nennen, ist ebenso schwach. Bitcoin ist kein Projekt, das jemals nach Regulierung gesucht hätte. Bitcoin war vor einem Jahr nicht reguliert und ist es auch heute nicht. Diese fehlende Regulierung nun also als Grund für den Preisverfall im letzten Jahr verantwortlich zu machen, ist ähnlich clever, wie sich beim Bademeister zu beschweren, dass das Wasser zu nass sei.

Es ist nicht nur, wie es ist. Sondern das ist es auch weder überraschend noch unvorhersehbar. 

Die alte und falsche „Bitcoin pfui, Blockchain hui“-Leier 

Am Schlimmsten wird es dann aber als Anja Kohl erklärt, dass Bitcoin ja quasi tot sei (und dabei pauschal alle Kryptowährungen über einen Kamm schert), die Blockchain(-Technologie) jedoch kurz vor ihrem großen Durchbruch stehe. Zwar gebe es noch einige Nachteile …

 … denen gegenüber stünden aber natürlich ganz enorme Vorteile.

Das große Problem hier jedoch: Wie so oft, wenn es um irgendwas mit „Blockchain“ geht, werden wilde Behauptungen, irgendwelche Interpretationen und reale Eigenschaften der Blockchain in einen großen Topf geworfen, kräftig durchgerührt und nacheinander solange zufällig wieder herausgezogen, bis auf beiden Tafeln vier Bulletpoints stehen. Wegen der Symmetrie. Dass man jedoch keinen der genannten Punkte auf diese Weise unhinterfragt und ohne kritische Einordnung so stehen lassen kann, geschenkt. Symmetrie, Baby!

Ich nehme die obigen Punkte an dieser Stelle jetzt nicht auseinander. Wer sich für solch eine kritische Einordnung interessiert, den verweise ich gerne noch einmal auf unsere sehr gute Diskussion in der Gesprächsrunde zum Thema Blockchain zwischen Hype und Hohn“ neulich bei Deutschlandfunk Kultur.

https://twitter.com/breitband/status/1071388404951199744
Dieser Bericht ist mangelhaft und das Problem symptomatisch 

Was jedoch die Bitcoin- und Blockchain-Kompetenz der ARD-Börsen-Redaktion angeht und deren journalistisches Ambitionen, Sachverhalte korrekt, verständlich und unvoreingenommen zu erklären, so bleibt eigentlich nur ein vernichtendes Urteil. Wer mit solchen schlecht recherchierten und unzureichend aufbereiteten Beiträgen auf Sendung geht, hat in der Prime Time kurz vor der Tagesschau nichts verloren.

Leider sind Anja Kohl und Kollegen mit ihrer Haltung jedoch nicht die einzigen in der Medienlandschaft und dieses Bild fasst das Problem trefflich zusammen. 

Hörtipp – „Blockchain zwischen Hype und Hohn“

Gerade eben lief bei Deutschlandfunk Kultur eine lange Diskussion zum aktuellen Stand von „Blockchain“. Ich durfte dabei mitdiskutieren und finde, dass das eine der besten Diskussionen zum Thema war, die ich bisher erlebt habe.

„Blockchain“ im Bundestag, „Blockchain“ im Radio

Anlass war ja die Anhörung neulich im Digitalen Ausschuss des Bundestages zum selben Thema. Diese war wegen der vielen heißen Luft und des mangelnden Diskurses sehr schwer zu ertragen und letztlich auch kaum zielführend.

Genau das war bei dieser Talkrunde anders. Mit Philip Banse (Moderator), Michael Seemann (Netzkulturtheoretiker), Jutta Steiner (Mathematikerin, Parity) und Jürgen Geuter waren wir tatsächlich fünf Diskutanten, die sich seit langem mit dem Thema auseinandersetzen und daher auch respektvoll, fundiert, kritisch und konstruktiv gegen- und miteinander argumentieren konnten. Und das hört man. Gerne wieder.

Honigdachs #32 – Jörg Platzer zu 10 Jahre Bitcoin

Die 32. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin und die Blockchain zu reden auf Dauer zu wenig ist. (iTunes/RSS-Feed)

Honigdachs #32 – Jörg Platzer zu 10 Jahre Bitcoin

Dieses Mal gibt es eine Interview-Sonderfolge. Denn im Rahmen meines Features zu „10 Jahre Bitcoin“ für Deutschlandfunk Kultur habe ich ein längeres Gespräch mit Jörg Platzer geführt, einem der bekanntesten deutschen Bitcoiner, seit er 2011 entschied in seiner Kreuzberger Kneipe Bitcoin als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Sein Room 77 war damit das erste Ladengeschäft weltweit, das Bitcoin akzeptierte und ist noch heute zentraler Anlaufpunkt der Szene in Berlin.

Da ich in genanntem Radiostück aber nur kurze Ausschnitte dieses Gesprächs verwenden konnte, hier nun das ganze Interview. Viel Spaß beim Hören!

Shownotes gibt es dieses Mal keine.

Bitcoin – Eine (etwas zu sehr) verrückte Geschichte

Ich war in den vergangenen Wochen sehr mit meiner Arbeit an dem 10 Jahre Bitcoin-Feature für Deutschlandfunk Kultur und anderen Aufträgen beschäftigt. Daher habe ich zwar mitbekommen, dass Christoph Bergmann vom Bitcoinblog sein Buch über Bitcoin veröffentlicht hat, konnte mich aber noch nicht weiter damit befassen. 

Dessen ungeachtet habe ich großen Respekt vor dieser Leistung. Denn ein Buch zu schreiben ist an sich schon unglaublich aufwändig. Umso mehr jedoch, wenn man es anschließend, wie Christoph, auch noch im Eigenverlag herausbringt.

Da ich nun also selbst sehr eingebunden war, aber dennoch zeitnah eine Besprechung des Buches hier im Blog haben wollte, habe ich Bitcoin – die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes, zur Rezension an meinen geschätzten Honigdachs-Podcast-Kollegen Stefan weitergegeben, die hier nun folgt.

Christoph Bergmann: Bitcoin – Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes

Neulich fragte mich eine Freundin, ob ich ihr ein Buch über Bitcoin empfehlen kann. Am liebsten auf Deutsch. Mir fiel auf, dass mir nichts einfiel. 2018, fast zehn Jahre nach Satoshi, nach mindestens drei großen Medienblasen, haben wir noch immer kein gutes Buch, das Anfängern Bitcoin erklärt. Etwa eine Woche später erfuhr ich, dass Christoph Bergmann so ein Buch geschrieben hatte.

Nun sollte man dazu wissen, dass Christoph der Autor von bitcoinblog.de und auch auf Twitter sehr aktiv ist. Verfolgt man diese Medien, dann fällt auf, dass Christoph Bcash-Fan, Altcoin-Apologet und Craig-Wright-Verehrer ist, und dass er und ich deswegen regelmäßig auf Twitter aneinandergeraten.

So sehr ich also den Bedarf nach einem guten deutschen Bitcoin-Buch sehe, so skeptisch war ich, ob Christoph der richtige Autor dafür ist. Also habe ich es mir angesehen — und war erstmal sehr positiv überrascht!

Liebevoll gemacht, hochwertig, ansprechend

Es ist ein haptisch und optisch äußerst ansprechendes Hardcover-Buch, elegant gestaltet und geschrieben, mit gelungenen Illustrationen und interessanten Anekdoten. Es trifft meines Erachtens größtenteils den richtigen Ton, ist also zugänglich, ohne herablassend oder dumm zu wirken. Es ist gut lektoriert und enthält viele Quellen, sodass ich einiges Neues daraus gelernt habe. Vor allem aber liest es sich so flüssig und spannend, dass ich es gar nicht mehr weglegen wollte. Das Buch macht Spaß! Und es enthält auch fast alles, was man als Anfänger über Bitcoin wissen sollte.

Leider enthält es aber noch etwas mehr. Nämlich einige Fehler und Missverständnisse, vor allem aber eine sehr merkwürdige Gliederung:

1. Bitcoin

Das Eingangskapitel ist recht gelungen und beschreibt vor allem Grundkonzepte wie Kryptographie (finde ich nicht so erhellend, aber in Ordnung – man merkt, dass Christoph kein Informatiker ist, sondern Historiker), das „Scheitern der Cypherpunks am digitalen Bargeld“ – ein wichtiger und gut dargestellter Hintergrund, der in anderen Medien oft zu kurz kommt – ein paar Ausführungen zur Peer-to-Peer-Natur von Bitcoin, sowie natürlich Satoshi Nakamoto, mögliche Kandidaten, die hinter dem Pseudonym vermutet werden, und andere wichtige Figuren.

2. Das Geld des Internets

Hier geht es vor allem um wirtschaftliche Zusammenhänge, aber auch die dazu passenden technischen Details. Mir gefällt der Ansatz, etwa Mining im wirtschaftlichen Kontext einzuführen statt in einem möglicherweise anstrengend und mühsam zu lesenden technischen Kapitel.

3. Anarchie

Dieses Kapitel rund um Bitcoins politische Dimension finde ich von allen am gelungensten. Es ist zwar das kürzeste, aber das ist gut so. Es geht um Silk Road, die Philosophie der Cypherpunks, Technologie und Macht. Man merkt, dass Christoph sich in historischen und politischen Diskussionen wohlfühlt, und er schafft es auch, den Wert der anarchistischen und libertären Ideologien, die in Bitcoin stecken, herauszuarbeiten, ohne sie selbst unkritisch zu übernehmen.

4. Der Bitcoin-Bürgerkrieg

Ab hier wird es jedoch problematisch. Zunächst fällt die hervorgehobene Stellung dieses Kapitels über die Blocksize-Debatte auf, das im Rahmen der Gliederung „Bitcoin – Wirtschaft – Politik – Blocksize-Debatte“ inhaltlich mindestens eine Ebene zu weit oben angesetzt scheint.

Zumal es inhaltlich für ein Anfängerbuch thematisch sehr komplex, für das Grundverständnis von Bitcoin gleichzeitig aber kaum elementar ist. Man hätte diesen Teil also auch weglassen können. Vor allem weil es zum jetzigen Zeitpunkt schwierig ist, den noch laufenden Skalierungsprozess in einem Buch final zu bewerten. (Anm. d. Red.: Siehe Christophs aktuelle „Hash War“-Berichterstattung)  Doch man merkt, dass Christoph eben auch im Buch unbedingt darüber schreiben wollte.

Seine Befangenheit in der Debatte thematisiert er dabei zu Beginn selbst und sein Plan, damit trotzdem ausgewogen umzugehen, ist, die verschiedenen Standpunkte in der Debatte gleichwertig nebeneinander stehen zu lassen.

Anfangs gelingt ihm das auch gut. In vielen Zitaten und Umschreibungen erklärt er detailliert die Anfänge der Debatte um die Erhöhung des Datenlimits der Blockchain-Datenblöcke und ihm gelingt durchaus eine ausgewogene Darstellung. Später kippt diese Neutralität aber zunehmend. Immer wieder stellt er seine individuelle Wahrnehmung in Bezug auf Mehrheiten und Stimmungen als objektive Fakten dar und ergreift schließlich selbst Partei, ohne dass er diese Subjektivität für den Leser erkennbar einordnet.

Wenn die Neutralität verloren geht

Spätestens mit dem Abschnitt „Narrative und Verschwörungstheorien“ verliert der Text dann seine Ausgewogenheit, wenn Christoph die Inhalte des subjektiven Brandbriefes eines gekränkten Mike Hearn als historische Objektivität darstellt. Hier zeigt sich Christophs Vermischung von wissenschaftlich belegten Fakten, politischen Zielen und Meinungen (ein Punkt, über den wir schon oft auf Twitter gestritten haben), und seine Bereitschaft, seine Leser in seinem Sinne zu manipulieren und irrezuführen. Ein Beispiel:

„Unter den Anhängern von Core verfestigte sich in dieser Zeit ein Set von Narrativen: Aussagen die nicht falsch, aber auch nicht uneingeschränkt richtig sind, jedoch als unumstößliche Wahrheiten, als Dogmen, ausgegeben wurden.“.

Mit Begriffen wie „unumstößliche Wahrheiten“, „Dogmen“ und „ausgegeben wurde“ benutzt Christoph hier eine auf Obrigkeit und Gehorsam deutende emotional sehr aufgeladene Sprache. Auch die Herleitung dieses „Set von Narrativen“, das er in der Folge erklärt, ist schwierig, weil es argumentativ belegbare mit eher schwammig hergeleiteten Aussagen vermengt.

So stehen mathematische Fakten („SPV-Nodes und unbestätigte Transaktionen sind unsicher.“), historisch belegte Motive („Classic will die Core-Entwickler feuern.“) neben sehr zugespitzten Formulierungen mit dennoch faktisch richtigem Kern („Bitcoin kann nicht skalieren. Die Kapazität zu erhöhen wird unweigerlich die wichtigste Eigenschaft von Bitcoin – die Dezentralität – untergraben.“) und von Christoph überspitzt dargestellte Aussagen („Erst das Lightning-Netzwerk wird wahre Skalierbarkeit bringen“). Dazu noch Plattitüden („Man kann nicht jeden Kaffee der Welt mit Bitcoin bezahlen“), ökonomische Thesen („Es gibt einen unlimitierten Bedarf an kostenlosen Transaktionen“) und vieles mehr.

Eigentlich ist fast alles in diesem Set gut begründet, einiges davon sogar unerlässlich, um Bitcoin auf einer komplexeren Ebene zu verstehen („Kontroverse Hardforks sind kein Upgrade, sondern erschaffen einen Altcoin.“). Doch für Christoph sind sämtliche dieser Aussagen letztlich die erwähnten „Dogmen“ und „subjektiven Meinungen“, die er schließlich mit Verschwörungstheorien in einen Topf zu werfen beginnt: „Es wurde geradezu zu einer allgemeinen Überzeugung, dass Gavin Andresen eine Marionette der CIA war (…)“.

Anfangs stark, zum Ende hin leider schwächer

Ab diesem Punkt geht es spürbar bergab mit dem Buch. Alles was nun noch kommt, hat zwar einen historischen Kern, ist aber tief gefärbt von Christophs persönlicher Enttäuschung, dass sich die Ideen seiner präferierten Fraktion in der Skalierungsdebatte, der Big Blocker, nicht durchsetzen konnten.

Vielleicht fällt es ihm zu schwer, die zentrale Erkenntnis zu akzeptieren, die den Kern von Bitcoins technischem Aufbau, politischem Anspruch und historischer Bedeutung ausmacht: dass nicht böse Mächte und Verschwörungen den Status Quo von Bitcoin bestimmen, sondern dessen grundsätzliche Eigenschaft. Bitcoin ist schwer zu ändern! Und wenn man es dennoch ändern möchte, dann bedarf es einer Idee, die so gut vermittelbar ist, dass dafür nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern ein allgemeiner, eine Art totaler Konsens erreicht werden kann. Diesen Konsens hat jedoch von allen Ideen zur Vergrößerung der Blocksize-Grenzen bisher nur SegWit erreicht, das 2017 dann auch implementiert wurde.

Es ist insofern besonders schade, dass das Buch in diesem Punkt argumentativ so unbefriedigend endet, als dass zuvor die Gründe für ebendiese Unveränderlichkeit von Bitcoin und ihre grundsätzliche Bedeutung – all diese wichtigen Ideen und Konzepte – eigentlich bereits alle im Buch genannt werden. Nur gelingt es Christoph offensichtlich nicht, diese schlüssig mit seinem persönlichen, scheinbar festgefahrenen Standpunkt in Einklang zu bringen.

Punktabzug wegen falscher Fakten

Darüber hinaus enthält das Buch noch ein paar kleinere Fehler und Schwächen. So sind einige Ausführungen über Kryptographie eher verwirrend als hilfreich und es wird behauptet, Satoshi hätte das Whitepaper mit MS Word geschrieben, obwohl es, soweit ich weiß, keine Hinweise darauf gibt.

Vielmehr deutet alles auf OpenOffice hin. Überhaupt werden relativ oft erstaunliche Dinge behauptet, ohne diese hinreichend zu belegen. Das ist schade, denn ich habe viele interessante Fakten gelesen, die mir bis dato neu waren. Manchmal waren sie jedoch leider auch falsch, unvollständig oder zu einseitig:

  • Die Erklärung von FPGAs ist falsch: Ein Field Programmable Gate Array heißt eben so, weil es programmierbar ist, also für viele Zwecke einsetzbar, nicht nur für einen.
  • Mark Karpelès wird konsequent falsch geschrieben.
  • Die Darstellung des Kollapses von Mt.Gox ist unzureichend. So wird Roger Vers Rolle darin unterschlagen und es wird behauptet, dass die Opfer inzwischen entschädigt wurden. Das stimmt jedoch nicht.
  • Vitalik Buterin (und Ethereum) wird regelrecht vergöttert und völlig unkritisch dargestellt, obwohl er eine sehr umstrittene Persönlichkeit ist (und Ethereum ein sehr umstrittenes Projekt).
  • Genauso kritiklos geht Christoph mit ICOs um, bei denen eigentlich bekannt ist, dass es sich beim Großteil der Projekte um Betrug handelt. Ich persönlich würde sogar behaupten, bei allen, da die Struktur von ICOs eigentlich zwangsläufig zu Betrug führt. Doch gibt es auch für diese Aussage noch zu wenig Daten.
  • Blacklists werden noch immer als gute Idee diskutiert, obwohl sie in der Community seit 2012 verpönt sind. Dass die Propagierung solcher Ideen der Anfang vom Ende von Mike Hearns Bitcoin-Engagement war, bleibt auch unerwähnt.
Fazit

Nach der Lektüre von Bitcoin. Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes bleibt der Eindruck einer verpassten Chance. Insgesamt ist es zwar ein gutes Buch, und an vielen Stellen in den ersten drei Kapiteln ist es sogar sehr gut.

Aber gerade das vierte Kapitel beinhaltet zu viel. Zu viel Kontroverse, zu viel Agitation und auch zu viele Fehler. Doch fällt das ins Gewicht und würde ich die Lektüre einem Bitcoin-Einsteiger dennoch empfehlen? Wahrscheinlich schon, aber nur, nachdem er/sie zuvor eine kritische Rezension wie diese gelesen hat.

Dennoch – es ist dem Buch zu wünschen, dass Christoph die erste Auflage verkauft bekommt und dann eine überarbeitete zweite Auflage herausgeben kann. Kürzer, mit weniger Ego, mit weniger Fehlern, aber immer noch genauso schön, elegant, und gut lesbar. Dann hätten wir endlich alle ein deutsches Bitcoin-Buch, das man dann uneingeschränkt jedem empfehlen kann.

Selber lesen macht schlau

Christoph Bergmann: Bitcoin – die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes ist bei Moby erschienen und die 416 Seiten kosten 20,90 Euro. Am besten kauft man das Buch direkt beim Verlag. So bleibt am meisten beim Autor hängen und bezahlen kann man dort nämlich auch mit Bitcoin (und sogar mit Lightning).

10 Jahre Bitcoin – Das Radio-Feature

Gestern Abend habe ich mich sehr gefreut. Denn endlich war es  soweit: Mein halbstündiges Radio-Feature über „10 Jahre Bitcoin“, an dem ich die letzten zwei Monate gearbeitet habe, ging im Deutschlandfunk Kultur auf Sendung.

Viel Arbeit, Schweiß und Herzblut

Das ist insofern etwas Besonderes, als dass ich bisher an keinem anderen Beitrag so lange gesessen habe wie an diesem. Für die Interviews war ich in Frankfurt, Berlin, Prag, habe mit Leuten in England und den USA gesprochen (und sogar ein Interview von England aus nach Deutschland geführt) und hatte am Ende genug Material gesammelt, um damit locker auch einen Drei-Stunden-Sendeplatz füllen zu können.

Aber länger ist nicht immer gleich besser und die redaktionelle Entscheidung, sich letztlich auf die politische Dimension von Bitcoin und den Kampf um die Deutungshoheit über dieses „Experiment“ zu konzentrieren, war eine gute. Denn, wie auch im Feature angesprochen, ist diese politische Dimension ja einer der wichtigsten Aspekte von Bitcoin, weil hier die möglicherweise große gesellschaftspolitische Sprengkraft steckt, wird aber dennoch in der Öffentlichkeit bisher eigentlich kaum thematisiert.

Eine mutige Entscheidung gegen den allgemeinen Medientrend

Insofern bin ich auch meiner Redakteurin, Jana Wuttke, für ihre Entscheidung sehr dankbar, sich gegen den allgemeinen Medientrend zu stellen, über Bitcoin nur zu berichten, wenn der Preis rasant steigt oder fällt, und mir diesen prominenten Sendeplatz beim Deutschlandfunk Kultur zur Verfügung zu stellen.

Denn kaum eine andere Redaktion hat (derzeit) wirklich das Interesse oder den Mut, etwas hintergründiger über Bitcoin zu berichten oder zumindest zu versuchen, dieses Phänomen verständlich zu erklären. Außer natürlich, es geht um kontextlose Stromverbrauchs-Studien, um Kriminalität, Betrug oder um andere meist negative, aber Klicks versprechenden Schlagzeilen. Oder um irgendwas mit diesem kuriosen„Blockchain“.

Insofern bin ich allen sehr dankbar, die dieses Feature durch ihre Mithilfe ermöglicht haben (natürlich auch denen, deren Interviews nicht explizit zu hören sind) und freue mich auf Feedback und natürlich, wenn das Stück gehört und verbreitet wird. Daher hier nochmal der direkte Link zum Audio und dem zugehörigen Transskript und wer das Feature runterladen möchte, nutzt am besten diesen Link.

Unterstützt die Arbeit an weiteren guten Bitcoin-Beiträgen!

Wer darüber hinaus meine Arbeit an weiteren Stücken wie diesem unterstützen möchte, der darf das gerne auch finanziell mit einer Spende tun. Denn ich kriege natürlich ein Honorar für dieses Feature, reich werde ich dadurch aber nicht. Im Gegenteil: Ich finanziere alle meine Recherchen zum Großteil aus eigener Tasche. Solche aufwendigen Radiostücke macht man daher nicht fürs Geld, sondern weil man für ein Thema brennt. Wer diese Flamme aufrecht erhalten will, darf sich also gerne ein bisschen an den Recherche-Unkosten beteiligen.

Das Bitcoin-Whitepaper als Webcomic

Schon immer mal vorgehabt, das originale Bitcoin-Whitepaper zu lesen, dieses Vorhaben aber aus (womöglich guten) Gründen nie umgesetzt?

Dann empfehle ich mal einen Blick auf dieses grandiose Webcomic zu werfen, in das Scott McCloud ebendieses Whitepaper und noch viel mehr Grundlagenwissen über Bitcoin hat einfließen lassen und das äußerst gelungen ist, weil er es schafft, komplexe Sachverhalte mit viel Humor plakativ herunterzubrechen.

Bitcoin Whitepaper Webcomic 1

Gelungenes Webcomic als Einstieg in die Bitcoin-Materie

Wer nämlich dieses Webcomic gelesen hat, kann danach durchaus von sich behaupten, verstanden zu haben, worum es im Bitcoin-Whitepaper geht. Oder dieses Vorwissen als Anlass nehmen, die originalen neun Seiten doch mal zu lesen.

Alles spitze, bis auf die irreführende Website

Klasse ist zudem, dass das Webcomic auch auf Chinesisch und Japanisch erschienen ist und man es sich direkt als pdf herunterladen kann. Weniger schön ist allerdings, dass es auf einer expliziten Bitcoin Cash-Website veröffentlicht wurde, deren „download a wallet“-Link die Nutzer eben gerade nicht zum originalen Bitcoin, sondern stattdessen ohne Hinweis zu einem umstrittenen und kriselnden Altcoin führt.

Nichtsdestotrotz – das Comic ist spitze. Nicht zuletzt wegen dieses grandiosen Fazits.

Bitcoin Whitepaper Webcomic

Konsequenzen des Berliner Bitcoin-Urteils

Ich war gestern in Berlin zur 10-Jahre-Bitcoin-Whitepaper-Feier und neben einer imposanten und symbolisch durchdachten Zwei-Schichten-Torte wurden dort auch hübsche kleine The Crypto Anarchist Manifesto– & Bitcoin-Whitepaper-Büchlein verteilt.

manifesto
Die zwei wichtigsten Texte für Bitcoiner im handlichen Hosentaschenformat.

Etwas mehr im Hintergrund (siehe oberes Foto), aber eigentlich ebenso ein Highlight war dabei die Tatsache, dass man im Room 77 nun auch wieder einen Bitcoin-Geldautomaten nutzen konnte.

Es gibt wieder Bitcoin-Geldautomaten in Deutschland

Das ging aufgrund des langen Arms der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) lange Zeit nicht. Diese hatte Bitcoin Ende 2013 nämlich bereits als Rechnungseinheit klassifiziert und damit entschieden, dass Geschäfte mit Bitcoin grundsätzlich aufsichtspflichtig sind. Die mit dieser Entscheidung verbundenen hohen aufsichtsrechtlichen Auflagen machten das Aufstellen eines Bitcoin-Automaten in Deutschland auf diese Weise quasi unmöglich. Ganz vereinfacht zusammengefasst.

Dass in Berlin (und auch in München) nun nach Jahren des faktischen Verbots dennoch wieder Bitcoin-Geldautomaten stehen, liegt an einem interessanten Urteil des Berliner Kammergerichts.

Ende September stellte ebendieses Gericht in einem Strafprozess nämlich fest, dass Bitcoins nicht nur keine Rechnungseinheiten seien, sondern die Bafin mit ihrer Einstufung von Bitcoin als solche auch gleich ihre Kompetenz überschritten hätte. Eine Feststellung, die die hiesige Bitcoin-Community natürlich aufhorchen ließ.

https://twitter.com/allgaeucrypto/status/1051057680197066752

Doch wie so oft, wenn es um Juristerei geht, ist die Realität nicht ganz so einfach, wie man sich das wünscht. Denn Strafrecht ist nicht gleich Verwaltungsrecht und die Bafin hat direkt klar gemacht, dass ihr die Auffassung des Kammergerichts – salopp gesagt – schnuppe ist und sie weiter an ihrer Rechtsauslegung festhält, solange kein Verwaltungsgericht etwas anderes entscheidet.

Zwei Quellen, um den Sachverhalt besser einzuordnen

Da das nun für Nicht-Juristen eine recht unbefriedigende und unverständliche Situation ist, verlinke ich hier zwei Quellen, die den Sachverhalt und die sich ergebenden Konsequenzen mit etwas mehr juristischem Kontext und Hintergrund erklären.

Als Einstieg zunächst eine etwas kompaktere Erklärung in schriftlicher Form.

Danach empfehle ich die deutlich umfangreichere, aber sehr erhellende Kombi-Folge des Fintech-Podcasts und des PayTechTalk-Podcasts, die in ihrer „Bitcoin Urteil Analyse“ eine Vielzahl von weitergehenden Fragen klären.

Dass die Rechtslage und damit das Fazit des Podcasts die anfängliche Euphorie der Community etwas den Wind aus den Segeln nimmt, ist natürlich ernüchternd. Und ist auch der Grund, warum auch das Team der Berliner Bitcoin-Startups Bitwala neulich, auf starkes Anraten der eigenen Rechtsabteilung hin, leider nur mit einem funktionsunfähigen Bitcoin-Geldautomaten vor dem Brandenburger Tor stand.

Immerhin: Die Debatte nimmt Fahrt auf

Dennoch gibt es auch Hoffnung. Denn auch wenn sich die Bitcoin-Geldautomaten in Berlin und München nach dem Urteil des Berliner Kammergerichts rechtlich noch immer in einer Grauzone befinden, kommt immerhin wieder etwas Bewegung in die Debatte. So lädt der Blockchain Bundesverband am 14.11. in Berlin zu einer Diskussion rund um die Konsequenzen aus dem Berliner Urteil. Auch mit in der Runde: Die Bafin.

🎈10 Jahre Bitcoin🎈 – Das Jubiläum hat begonnen …

… obwohl sich die Community gar nicht sicher ist, wann bei Bitcoin eigentlich was gefeiert wird.

Wann ging denn das mit Bitcoin eigentlich genau los?

Nicht nur die Entscheidung für das Ereignis sorgte bei einigen für Verwirrung – feiert man bei „10 Jahre Bitcoin“ nun eigentlich den Genesis-Block am 3.1.2019 und damit den „realen“ Start von Bitcoin als digitales Geld oder doch eher die Veröffentlichung des Whitepapers und damit die erste Nennung von Bitcoin samt des Beginns der zugrunde liegenden Idee?

Doch nicht nur das. Auch der zweitgenannte Anlass, die Whitepaper-Veröffentlichung, die sich just dieser Tage jährt, sorgt für einige Verwirrung. So gingen einige Bitcoiner (und auch ich) bis vor Kurzem noch davon aus, dass Bitcoin tatsächlich heute, am 1. November 2018, zehn Jahre alt wird.

https://twitter.com/fulmolightning/status/1056889031164862465

Ein Ereignis, zwei verschiedene Daten

Dementsprechend verwundert war ich, als bereits gestern, am 31.10.2018, das Internet zu feiern begann und nahezu alle meine Bitcoin-Newsletter, die großen Newsseiten und halb Crypto-Twitter das große Bitcoin-Jubiläum zelebrierten.

https://twitter.com/starkness/status/1057734366963523585

Sollte ich mich also tatsächlich seit fünf Jahren in diesem zentralen Termin geirrt und ihn immer auch falsch nach außen kommuniziert haben? Eine Frage, die mich als Journalisten natürlich nicht ruhig schlafen lässt.

Bitcoin – Es kann nur einen (Termin) geben!

Also versuchte ich gestern Abend kurz vor dem Schlafengehen noch schnell herauszufinden, wie ich denn überhaupt mal auf den 1. November als Whitepaper-Jahrestag gekommen sein könnte.

Zuerst schlug ich dafür im 2014 erschienenen The Book of Satoshi. The Collected Writings of Bitcoin Creator Satoshi Nakamoto nach, einem praktischen Buch, das die gesamte Kommunikation Satoshi Nakamotos handlich bündelt. Und siehe da: Die erste E-Mail von Satoshi Nakamoto wird in diesem Druckwerk mit dem 1. November 2008 angegeben.

bitcoin november
Auch laut „The Book of Satoshi“ (2014) wurde Bitcoin am 1. November 2008 zum ersten Mal erwähnt.

Anschließend suchte ich weiter im Netz nach einer möglichen Primärquelle, also idealerweise Zugang zur originalen Mail von vor zehn Jahren und stieß dabei auf dieses Mail-Archiv, das wohl die erste E-Mail von Satoshi Nakamoto gespeichert hat. Auch hier mit dem 1.11. als Datum.

Zum Schluss wollte ich dann noch mal auf der Seite des Satoshi Nakamoto Institute nachschauen, einem sehr umfassenden und gut sortierten Archiv für alles rund um Satoshi Nakamoto. Denn ich war mir zu 100 Prozent sicher, dass ich in den vergangenen Monaten mindestens hier noch einmal nachgeschaut hatte, wann sich Satoshi Nakamoto denn nun zum ersten Mal gemeldet hatte.

Man darf nicht alles glauben, was man im Netz liest

Umso größer also meine Überraschung und Verwunderung, als ich hier den 31. Oktober 2008 als Datumsangabe fand.

nakamoto institute
Das „Satoshi Nakamoto Institute“ datiert die erste Erwähnung von Bitcoin auf den 31. Oktober.

Denn ich war mir eigentlich so sicher gewesen. Daher habe ich mögliche Änderungen der Website noch einmal über den Webcache von Archive.org überprüft und tatsächlich noch ein ältere Version der Website gefunden, in der auch das Satoshi Nakamoto Institute noch vom 1. November als Bitcoin-Geburtstag ausging.  Vor wenigen Wochen, Irgendwann zwischen dem 27. August und dem 16. Oktober, wurde dieser Eintrag dann jedoch auf den 31. Oktober 2008 geändert.

nakamoto institute 2
Noch vor wenigen Wochen zeigte das „Satoshi Nakamoto Institute“ jedoch den 1.11.2008 als Datum.

Ende Oktober oder Anfang November. Was stimmt denn nun?

Tatsächlich neige ich nach meiner Kurzrecherche, in der ich auch sehr viele Hinweise auf den 31. Oktober 2008 als Ursprungsdatum fand, nun ebenfalls dazu, diesen Termin dem 1. November als Bitcoin-Geburtstag vorzuziehen. Es deutet gerade mehr darauf hin. Auch wenn dennoch Restzweifel bleiben und ich dem weiter auf den Grund gehen möchte. Es muss doch zweifelsfrei herauszufinden sein, wann Bitcoin das erste Mal erwähnt wurde!

Wenngleich man aber natürlich auch einwenden kann, dass Bitcoin in Jahren zu rechnen, ohnehin eine sehr unbefriedigende Zeiteinheit ist. Immerhin hat die Blockchain da ja ihre ganz eigene Einheit.

Und weil es gerade zum Thema passt …

… noch ein kleiner Hinweis in eigener Sache. Anlässlich des Bitcoin Jubiläums habe ich die letzten Wochen/Monate für Deutschlandfunk Kultur an einer halbstündigen Sendung über den Status Quo von Bitcoin gearbeitet. Diese Sendung wird am kommenden Donnerstag, den 8.11.2018 analog, digital und im Netz ausgestrahlt. Hier die Sendungsbeschreibung:

19:30 Uhr Zeitfragen. Feature
Ein scheiterndes Experiment? 10 Jahre Bitcoin
Von Friedemann Brenneis

Am 1. November 2008 stellte Satoshi Nakamoto auf einer Kryptographie-Mailingliste Bitcoin vor, das erste rein digitale Geld. Ein Geld, das statt von Banken, von Mathematik und Algorithmen gesteuert und kontrolliert wird und das nicht Staaten gehört, sondern den Menschen, die es nutzen. 
Ein Experiment, bei dem es schwer ist, zu bestimmen, ob es immer noch am Anfang steht oder längst schon an seinem Ende angekommen ist. Auf der einen Seiten 
sind sie: die Freidenker, die Cryptoanarchisten, die Systemkritiker und Visionäre. Für sie ist Bitcoin ein unbedingt notwendiges Mittel zur Durchsetzung individueller Freiheiten in einer zunehmend überwachten Gesellschaft, ein faszinierendes modernes Techphänomen, ein zeitgemäßes Geldmedium oder – für die, die selbst gerade erst mit dem Internet groß werden – auch einfach nur ein ganz normaler Bestandteil ihres Lebens. 
Demgegenüber stehen die Kritiker: Ökonomen, Wirtschaftsnobelpreisträger, (Bundes)-Banker, Fachjournalisten und andere, die einem nicht-staatlichen, nicht bankenbetriebenen Geldsystem keine Zukunft geben oder bemängeln, dass Bitcoin keineswegs so demokratisch sei, wie behauptet. Die technische Komplexität und bereits jetzt extrem ungleiche Verteilung des digitalen Geldes würde letztlich nur die bestehende Finanzelite durch eine technisch versiertere Elite ersetzen. Ansonsten würde sich jedoch nichts ändern. 
Beide Lager, die, die unser Geld von Grund auf verändern wollen, und die, die das zu verhindern versuchen, ringen um die Deutungshoheit über Bitcoin, ein Experiment, das unterm Strich letztlich beides ist: gescheitert und erfolgreich. Denn zwar hat das digitale Geld als globale Weltwährung nicht binnen kürzester Zeit Euro und Dollar abgelöst, wie es die frühen Enthusiasten propagiert haben. Doch zeigt sich auch, dass Bitcoin trotzdem immer noch da ist, dass die Idee und Ideale hinter Bitcoin global immer mehr Anhänger finden und dass sich die Digitalisierung des Geldes nicht aufhalten lässt.

Den entsprechenden Podcast zum Nachhören verlinke ich hier dann aber natürlich auch noch im Blog.

Burn Fiat Money, Play Smart Contract Music

Ich war die letzten Wochen arbeitstechnisch sehr viel unterwegs und deswegen hat sich hier auf der Seite lange nichts getan. Das soll aber natürlich nicht so bleiben.

Ich muss nun allerdings nach der Pause erstmal wieder meinen Blogger-Rhythmus finden. Daher beginne ich zum Aufwärmen (im wahrsten Sinne des Wortes) mit einem hübschen Fundstück aus der Crypto-Kunstszene: die Chaos Machine der Distributed Gallery

„Is it a crypto-jukebox? Or a sophisticated toaster ? In the special edition of the Chaos Machine, published on summer 2018 by R.U.S.T editions, Bernard Aspe, a french philosopher call it the Exterminating Angel, maybe because the Chaos Machine shows in a spectacular way, either the passage from a fiducial currency to a cryptographic currency, or even the emptiness inherent in any monetary abstraction.“ 

Proof of burn als analog-digitale Kunstinstallation in Berlin

Das Prinzip ist das folgende: Man füttert eine große Box mit einem Geldschein und kann diesem dabei zuschauen, wie er drinnen in Flammen aufgeht. Dabei spielt die Box ein Lied ab.

Gleichzeitig bekommt man als Gegenleistung einen QR-Code, der es erlaubt, einen neuen Track in die Playlist der Chaos Machine einzufügen. Für alle, die später ihr Fiat-Geld in Wärme-Energie und DJ-Rechte tuschen möchten.

Besonderer Clou an der Sache, es gibt nicht nur eine, sondern zwei Chaos Machines und beide sind miteinander vernetzt. Das bedeutet: Egal, in welcher von beiden gerade Geld verbrennt, beide spielen dann gleichzeitig denselben Song.

Muss besonders schön sein, wenn man nur die Musik hört und weiß, dass irgendwo anders gerade der reale proof of burn dazu stattfindet.

Honigdachs #31 – Unter Hackern

Die 31. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin und die Blockchain zu reden auf Dauer zu wenig ist. (iTunes/RSS-Feed)

Honigdachs #31 – Unter Hackern

Dieses Mal haben wir nicht im heimischen Leipzig aufgenommen, sondern sind kollektiv nach Prag zum Hacker Congress Paralelni Polis gereist, dem höchstwahrscheinlich einzigen Event, bei dem man drei Tage lang nur auf Basis von Bitcoin (oder Litecoin) leben kann oder sogar muss. Denn für Euro oder Kronen bekommt man hier weder Essen noch Bier.

Aber an schicken Automaten eben relativ leicht Bitcoins, die man dann über eigens gebaute Hardware-NFC-Badge-Wallets sehr bequem wieder ausgeben kann.

NFC Badge
Nice, aber potentiell unsicher: Die Hardware NFC-Kryptowallet auf dem HCPP18

buy bitcoins
Bitcoin für Euro oder andersherum. Vier dieser Bitcoin-Automaten standen auf dem HCPP18

Ein interessantes und herausforderndes Erlebnis, das wir in unserem neuen Lieblings-Ersatzstudio, einem Prager Bierkeller, ebenso rekapitulieren, wie wir noch einmal auf diesen ominösen Bitcoin-Bug eingehen, der die Medien in Atem gehalten hat, bei dem man den Ball aber durchaus auch flach halten kann.

Mit dabei als special guest ist Jeff, den der ein oder andere vom Berliner Bitcoin-Stammtisch kennt oder von den Lightning-Hackdays, die er organisiert. Viel Spaß beim Hören!

Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick

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