Neue Shitcoin-Listicles – Von FiatMarketCap bis CoinMarketCrap

CoinMarketCap ist über die Jahre zu einer Institution im Bitcoin-Ökosystem geworden. Das kann man mögen oder nicht, Fakt ist aber, dass sich die Seite zu einem quasi Standard für die schnelle Informationsbeschaffung einfacher Kurs- und Wert-Statistiken in Bezug auf Bitcoin und aktuell fast 2500(!) andere „Kryptowöhrungen“ entwickelt hat.

Das CoinMarketCap-Prinzip hat sich also bewährt und früher oder später führt das zu Alternativen oder interessanten Remixen.

FiatMarketCap dreht den Basiswert-Spieß um

Eine davon ist FiatMarketCap, das den Spieß umdreht und nicht den Wert einzelner Kryptowährungen in US-Dollar anzeigt, sondern den Wert staatlicher Währungen in Bitcoin. Das Ziel der Seite:

1. Darüber lachen, dass alle Werte in Bitcoin bezeichnet sind.
2. Verfolgen zu können, wie Bitcoin gegenüber den größten Fiat-Währungen in den kommenden Monaten/Jahren steigt
3. Zu zeigen, welche Fiat-Währungen sich im Vergleich zu Bitcoin besonders schlecht zur Wertaufbewahrung eignen

China. die USA, die Euro-Zone und Japan verfügen über das meiste Geld.

Da FiatMarketCap ein Spaß-Experiement ist, kann man auf der Seite auch nicht viel mehr machen. Man findet hier aber durchaus ein paar Fun Facts für die nächste Party. Zum Beispiel dass alles Geld des vor Afrika gelegenen Inselstaats São Tomé und Príncipe aktuell gerade einmal für 14 Bitcoins reichen würde und dass Katar zwar wohlhabend ist, aber alle Katar-Riyal der Welt dennoch nicht reichen würden, um sämtliche bisher existierenden gut 17,5 Millionen Bitcoins zu kaufen.

Vorausgesetzt natürlich die Zahlen auf FiatMarketCap stimmen. Was sich nicht ganz so einfach nachvollziehen lässt, aber im Sinne von Punkt 1 seiner Existenzgründe letztlich auch nicht ganz so wichtig ist.

CoinMarketCrap – alles Kacke außer Bitcoin

Remix Nummer zwei ist CoinMarketCrap, dessen Name nicht nur ein wunderbares Wortspiel, sondern auch Programm ist. Denn im Prinzip ist die Seite anzeigentechnisch ein reduzierter Klon von CoinMarketCap, bei dem alle „Kryptowährungen“ nach Bitcoin letztlich aber nur durchnummerierte Shitcoins sind. Frei nach dem Motto „There’s Bitcoin and then there’s shitcoin“.

CoinMarketCrap zeigt Bitcoin und die Top 99 Shitcoins nach Marktkapitalisierung

Für einige mag das etwas hart wirken, ich finde diese satirische Darstellung aber durchaus sinnvoll. Kryptwährungen haben immer eine Bringeschuld. Sie müssen zunächst einmal zeigen, dass sie sinnvoll sind, ein Zweck erfüllen und es wert sind, sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen. Jede Kryptowährung ist also zu Beginn ein Shitcoin. Das war ja auch bei Bitcoin anfangs nicht anders.

Ob es aber jemals auch ein anderer Coin schaffen wird, das Shitcoin-Label endgültig abzulegen (außerhalb der Bubble hat das ja selbst Bitcoin noch nicht), bleibt fraglich. Vielleicht ja, vermutlich nein. Denn: All (Crypto) Roads lead to Bitcoin.

Wann kommt FiatMarketCrap?

Bleibt nur noch die Frage, ob und wann im nächsten Schritt möglicherweise auch FiatMarketCap und CoinMarketCrap fusioniert werden. Noch scheint mir ein FiatMarketCrap ja sehr extrem. Aber wer weiß. Ein Blick nach Argentinien zeigt: Nach der Krise ist vor der Krise.

Honigdachs #41 – Bitcoin in der Türkei

Die 41. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin und die Blockchain zu reden auf Dauer zu wenig ist. (Abonnieren)

Honigdachs #41 – Bitcoin in der Türkei

Eigentlich hatten wir ja versprochen, als nächstes über den sicheren Umgang mit Bitcoin sprechen zu wollen. Nur hatten wir dabei leider nicht bedacht, dass Sommerferien sind und wie schwer es da ist einen gemeinsamen Aufnahmetermin zu finden. Doch dann tauchte plötzlich dieser bemerkenswerte Tweet auf, der die Türkei hinsichtlich der Nutzung als DAS Bitcoin-Land schlechthin krönte. Noch vor den USA, Deutschland oder Argentinien. Wer hätte das gedacht?

Also habe ich kurzerhand Philipp Mattheis zum Gespräch ans Mikro gebeten. Er ist Auslandskorrespondent, (lebt noch) in Instanbul, hat lange Zeit u.a. für die Wirtschaftswoche von dort und dem Nahen Osten berichtet. Vor allem aber kennt sich Philipp sehr gut mit Bitcoin aus, interessiert sich seit vielen Jahren für das Thema und hat mit Kryptopia ein tolles Buch über dieses faszinierende „Land“ geschrieben.

Ob er die Statistik für plausibel oder realitätsfern hält und wie es um Bitcoin in der Türkei und anderen nah- und fernöstlichen Ländern steht, erfahrt ihr auf unserem kleinen Honigdachs-Ausflug nach Istanbul (not Constantinople)

Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick

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Bitcoin als Organismus betrachtet

Ich weiß nicht, ob es unausweichlich ist, aber es ist zweifelsohne erstaunlich, wie Menschen, die sich mit Bitcoin auseinandersetzen, irgendwann dabei landen, Bitcoin mit etwas Organischem zu vergleichen. Egal ob Tiere, Pilze, Pflanzen oder einfach nur „Organismus“ – die Anlehnungen aus der Natur, um Bitcoin und seine Eigenschaften zu beschreiben, sind mittlerweile ebenso zahl- wie abwechslungsreich.

Ich selbst habe schon vor Jahren ebenfalls in die Richtung gedacht, bin nur nie soweit gekommen, einen Artikel dazu zu schreiben. Am Ende aber – und das war von diesem Standpunkt nicht beabsichtigt – haben ja auch wir uns vor Jahren schon dazu entschieden, unseren Bitcoin-Podcast nach einem Tier zu benennen, das oft zur Beschreibung von Bitcoin herangezogen wird: der Honigdachs.

Bitcoin lebt!

Mittlerweile sind jedoch eine ganze Reihe Artikel erschienen, die explizit auf die Parallelen zwischen Bitcoin und dem Aufbau und der Entwicklung verschiedener Organismen verweisen. Mit deren Argumentation lohnt es sich auseinanerzusetzen, denn manche Aspekte von Bitcoin – zum Beispiel dessen evolutionäre Entwicklung – lassen sich meines Erachtens ohne biologische Konzepte wie die Evolution eben nicht wirklich beschreiben.

Hier mal ein Beispiel-Snippet aus einem Artikel von Ralph Merkle, auf dessen kryptographischer Grundlagenarbeit der Bitcoin-Organismus quasi wächst.

Briefly, and non-technically, Bitcoin is the first example of a new form of life. It lives and breathes on the internet. It lives because it can pay people to keep it alive. It lives because it performs a useful service that people will pay it to perform. It lives because anyone, anywhere, can run a copy of its code. It lives because all the running copies are constantly talking to each other. It lives because if any one copy is corrupted it is discarded, quickly and without any fuss or muss. It lives because it is radically transparent: anyone can see its code and see exactly what it does.

Bitcoin als Organismus – Eine Artikelsammlung

Bild: Ornamism Specimen (CC BY-NC 2.0)

Die richtigen Bitcoin-Gebühren finden

Mit den Gebühren für Bitcoin-Transaktionen ist das so eine Sache. Meist zahlt man zuviel, weil die Wallet natürlich die beste User Experience bieten möchte. Dementsprechend versucht sie zu vermeiden, dass eine Transaktion zu lange im Mempool herumschwirrt, bevor sie endlich von einem Miner aufgegriffen und in die Blockchain geschrieben wird. Die Zahlung sollte hingegen so schnell wie möglich verarbeitet werden und im Zweifel wird sie dabei eben durch eine lieber etwas höher angesetzte Transaktionsgebühr für die Miner attraktiver gemacht.

Natürlich macht das jede Wallet etwas anders, aber im Großen und Ganzen ist das das Prinzip wie eine Bitcoin-Wallet im Standardfall die Gebühren berechnet. Weil sie dabei aber auch noch auf die Analyse von Gebühren aus der Vergangenheit zurückgreift, anhand derer sie versucht abzuschätzen, wie viele Gebühren man wohl in Zukunft für eine Bitcoin-Transaktionen ausgeben sollte, zahlt man unterm Strich immer etwas zu viel. Und wenn alle immer etwas zu viel zahlen, steigen die Preise, obwohl sie das eigentlich gar nicht müssten.

Bitcoin-Gebühren selber setzen

Wer diesem „Teufelskreis“ entfliehen möchte, kann dagegen die Gebühren für seine Transaktionen auch selbst einstellen. Diese Funktion bietet eigentlich jede Wallet. Der Vorteil: Je nachdem wie dringend eine Transaktion ist, kann man selbst entscheiden, wie viel man zahlen möchte. Die entscheidende Frage ist jedoch, woher weiß man, was gerade hohe und was niedrige Gebühren sind?

Mein erster Anlaufpunkt ist in dem Fall immer WhatTheFee.io von Felix Weis. Eine sehr schlanke und übersichtliche Seite, die die künftigen Gebühren abschätzt und mit deren Werten ich erfahrungsgemäß bisher immer sehr gut gefahren bin.

WhatTheFee.io – auch ohne Erklärungen nützlich

Leider stehen auf der Seite keine Erläuterungen, aber wenn man weiß, dass die Zahl in den Kästchen für Satoshi pro Byte (Sat/B) steht und das eben auch die Zahl ist, die man in der Wallet für die Gebühren angeben muss, ist der Rest eigentlich selbsterklärend.

Wer also entsprechend der abgebildeten Tabelle nahezu sicher sein will, dass seine Transaktion innerhalb eines Tages vom Netzwerk bestätigt wird, der kommt mit aktuell rund 11 Sat/B sehr gut hin. Wer es gar nicht eilig hat, kann es sogar mit der niedrigstmöglichen Gebühr von 1 Sat/B versuchen. Möglicherweise landet die Transaktion auch damit schon in wenigen Stunden in der Blockchain. Ganz Eilige müssen eben tiefer in die Tasche greifen, wobei hier die Grenzen nach oben offen sind. Bei Bitcoin darf jeder so viele Gebühren bezahlen, wie er mag.

Alternativ kann man auch einen Blick auf bitcoinfees.earn.com werfen, deren Seite ich aber nicht sonderlich übersichtlich finde. Für eine Zweitmeinung, falls nötig, reicht es aber allemal.

Mempool.space – Ansehnliche Block-Visualisierung

Eine andere praktische und sehr anschauliche Seite ist mempool.space. Hier werden die Daten der letzten paar Blöcke visualisiert und die Daten des Mempools genutzt, um die nächsten Blöcke abzuschätzen.

Links die erwarteten, rechts die bestehenden Blöcke

Manchmal füllt sich der nächste Block nur langsam mit Transaktionen. Zum Zeitpunkt des obigen Screenshots „stauen“ sich die Transaktionen aber schon bis in den vierten Block. Transaktionen werden also wieder teurer.

Wenn der mempool voll ist, sollte man Transaktionen aufschieben, wenn sie nicht dringen sind.

Das kann man auch sehr gut auf der Graphs-Seite nachvollziehen, die die historische Entwicklung der Gebühren abbildet. Besonders Interessant dabei: Bei der letzten größeren „Verstopfung“ des Mempools waren offensichtlich trotzdem die Hälfte aller Transaktionen mit nur 1 Sat/B Gebühren versehen.

Den leeren Mempool ausnutzen

Es lohnt sich also, das Einstellen der richtigen Gebühren zu üben und deren Entwicklung im Auge zu behalten. Gerade wenn wenig los ist, kann es sichnämlich lohnen, mal wieder Ordnung in sein UTXO-Set (Unspend Transaction Outputs) aka „seine Bitcoins“ zu bringen.

Mehr „Behind The Shitcoins“-Dokus, bitte!

BlockTV hat mit Behind The Shitcoins ein Format erfunden, dass ich außerordentlich unterhaltsam und lehrreich gleichmaßen finde und mich frage, warum da vorher noch niemand drauf gekommen ist?

Der Name ist Programm: In den Episoden wird jeweils einer der unendlich vielen Shitcoins herausgepickt, ein Blick ins Whitepaper und das Promo-Video geworfen und ausgerechnet, wie viel man verloren hätte, wenn man einfältig genug gewesen wäre, in den entsprechenden Shitcoin zu investieren.

Es gibt noch Material für mehr als 1000 Folgen

Leider gibt es bisher erst zwei Folgen. Die erste zum Noah Coin (mit einem phänomenalen Return on Investment von -99,26 Prozent) finde ich nur auf der Website von BlockTV. Die zweite zum Callisto Coin (ROI: -90,85 Prozent) gibt es sowohl dort, als auch auf Youtube.

Bitte mehr davon! An Material für neue Folgen, mangelt es ja nicht.

Fun fact: Die Inspiration für dieses klasse Edutainment-Format kommt vermutlich bis wahrscheinlich direkt aus dem US-Congress. Zumindest fällt beides zeitlich sehr nah zusammen.

Einer der besten Bitcoin-Artikel ist von 2011

Ich sitze die Tage an einer längeren Recherche und bin dabei noch einmal auf Joshua Davis großartigen Artikel „The Crypto-Currency. Bitcoin and its mysterious inventor.“ gestoßen, der bereits im Oktober 2011 erschien und als einer der ersten Artikel gilt, der Bitcoin in die breitere Öffentlichkeit trägt.

Als Satoshi Nakamoto noch (fast) da war

Wer den Artikel noch nicht gelesen hat, weil er – wie ich – erst Jahre(!) später auf das Thema gestoßen ist, sollte das unbedingt nachholen. Denn obwohl der Text nun bald acht Jahre alt ist, was in Bitcoin bekanntlich eine Ewigkeit ist, wirkt er keineswegs antiquiert oder überholt. Als Zeitzeugnis einer Phase als Bitcoin im Umbruch war – immerhin war Satoshi Nakamoto erst kurz zuvor wieder in der Versenkung verschwunden – gibt er vielmehr einen bemerkenswerten Einblick in die frühen Jahre von Bitcoin und erklärt dabei Vieles besser als es die meisten heutigen Berichte über Bitcoin vermögen.

Toller Journalismus und eine Lektüre, die ich wirklich empfehlen kann. Sogar ich habe noch Einiges dazu gelernt. Außerdem scheint mir Bitcoin derzeit ereignistechnisch sowieso gerade in der Sommerpause zu sein. (Oder geht das nur mir so?)

Bitcoin-Mining auf ’nem 1960er Apollo-Mondmissions-Rechner

Ken Shirriff, mein absoluter Lieblings Bitcoin-Nerd (im positivsten aller Sinne), hat mal wieder zugeschlagen.

Nachdem er bereits einen alten Lochkartenrechner zum Bitcoin-Miner umfunktioniert hat und die dafür nötige Hash-Operation selbst auch mal mit Zettel und Stift durchexerzierte, ist er nun in neue Mining-Welten vorgestoßen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

Bitcoin auf Mondmission

Passend zum 50. der Mondlandung hat er nämlich einen alten Apollo Guidance Computer, also so einen Space-Computer, wie sie ab den 1960ern mit auf die Mondmissionen flogen, zum Bitcoin-Miner umfunktioniert. Warum? Darum!

„Trying to mine Bitcoin on this 1960s computer seemed both pointless and anachronistic, so I had to give it a shot. Implementing the Bitcoin hash algorithm in assembly code on this 15-bit computer was challenging, but I got it to work.“

Eine Million mal das Universum für einen einzigen Block

Reich ist er dadurch natürlich nicht geworden. Zum einen baute er seinen Apollo-Block auf einem älteren Block aus dem Jahr 2014 auf, wodurch er bekanntlich kein neues Geld mehr erschaffen kann. Zum anderen ist die Leistung des damaligen Space-Rechners mit heutigen Rechnern nicht ansatzweise zu vergleichen.

Mit dem Apollo Guidance Computer würde es nämlich rund eine Million Mal das Alter unseres Universums brauchen, um einen aktuellen Block zu kreieren. Zur Erinnerung: Das Bitcoin-Netzwerk braucht dafür rund 10 Minuten.

The Apollo Guidance Computer took 5.15 seconds for one SHA-256 hash. Since Bitcoin uses a double-hash, this results in a hash rate of 10.3 seconds per Bitcoin hash. Currently, the Bitcoin network is performing about 65 EH/s (65 quintillion hashes per second). At this difficulty, it would take the AGC 4×10^23 seconds on average to find a block. Since the universe is only 4.3×10^17 seconds old, it would take the AGC about a million times the age of the universe to successfully mine a block.

Heute ist da jeder USB-Miner effizienter.

To put the AGC’s mining performance in perspective, a USB stick miner performs 130 billion hashes per second. The stick miner costs under $70, compared to $150,000 for the Apollo Guidance Computer. For its time, the Apollo Guidance Computer was an extremely compact, low-power system, using 55 watts and taking up under a cubic foot of space. The USB miner, though, uses 12 watts and fits in your hand. The enormous difference in performance is due to the exponential increase in computer speed described by Moore’s law as well as the advantage of custom Bitcoin mining hardware.

To the moon!

Aber um Effizienz geht es hier ja auch gar nicht. Denn mal abgesehen vom Mondlande-Jubiläum symbolisiert ja wohl nichts besser das inoffizielle Bitcoin-Motto „To the moon!“ als Mining mit einem Ex-Mondmissionsrechner.

Honigdachs #40 – Bitcoin & Privatsphäre 2019

Die 40. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin und die Blockchain zu reden auf Dauer zu wenig ist. (Abonnieren)

Honigdachs #40 – Bitcoin & Privatsphäre 2019

Dieses Mal widmen wir uns einem Thema, das uns über die Jahre dauerhaft begleitet, aber doch immer schwer zu greifen bleibt: die Privatsphäre. Die sollte Bitcoin ja eigentlich bringen. Ganz easy und ohne Probleme. Doch so einfach ist es leider nicht. Denn wer sich der brisanten Herausforderung, die eigene Privatsphäre aufrecht zu erhalten, nicht bewusst ist, ist sie schneller los, als gewollt. Ohne es zu merken.

Daher legen wir hier den Grundstein für eine wiederkehrende Serie, in dem wir über die Herausforderungen und Möglichkeiten der Privatsphäre im Umgang mit Bitcoin besprechen.

Viel Spaß beim Hören und bitte nicht paranoid werden!

Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick

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Vom Geld, das unter Pflanzen wächst

Über Michael Sedbons Mining-Projekt Alt-C, das die Energie für das Mining aus der Photosynthese von Pflanzen zieht, habe ich neulich hier im Blog schon kurz berichtet. Letzten Samstag lief zu dieser Kunstaktion rund um Kryptowährungen und die Mikrobielle Brennstoffzelle nun auch ein Radiobeitrag bei Breitband, bei dem der Künstler auch selbst noch einmal zu Wort kommt: Geld, das unter Pflanzen wächst.

Bitcoin- und Lightning-Nodes im Test – Nodl

Nachdem ich mir zuvor schon den Casa Node und den RaspiBlitz angeschaut habe, geht es im dritten Teil drei meiner Bitcoin- und Lightning-Fullnode-Testreihe nun um den Nodl. Der kleine schwarze Kasten mit dem markanten blau beleuchteten Knopf hat sich in letzter Zeit von einem Geheimtipp zu einer mit großem Interesse beobachteten Alternative entwickelt.

Was insofern erstaunlich ist, als dass er mit 499 Dollar rund dreimal so teuer ist wie der RaspiBlitz. Dennoch wurde ich in letzter Zeit mehrfach darauf angesprochen, ob und wann denn meine Nodl-Review erscheine. Trotz des vergleichsweise hohen Preises steht der „Personal Bitcoin Assistant“ aus Frankreich offensichtlich bei vielen auf der Liste. Nicht ganz zu unrecht. Denn in Hinblick auf die verbaute Hardware und die Verarbeitung spielt der Nodl in seiner eigenen Liga und ist eine echte Maschine. Doch reicht das, um sich gegen die günstigere Konkurrenz zu behaupten?

Nodl – die „Maschine“ unter den Bitcoin- und Lightning Fullnodes

Was direkt beim Auspacken auffällt, ist die Kompaktheit des Nodl. Mit 11,2 cm Breite, 5,5 cm Höhe und 9 cm Tiefe ist der schwarze Kasten kleiner als der Casa Node und vergleichbar mit dem bereits sehr kompakten RaspiBlitz. Im Gegensatz zu diesen beiden muss man beim Nodl jedoch nicht noch die Festplatte mit einem externen Kabel mit dem RaspberryPi verbinden, was den Platzbedarf beim RaspiBlitz und beim Casa Node schlussendlich doch signifikant vergrößert.

Nodl, Kabel, Sticker, Anleitung – Alles, was man zum Start des „Personal Bitcoin Assistent“ braucht

Unter der Haube des Nodl ist dafür wesentlich leistungsstärkere Hardware verbaut und bereits intern miteinander verbunden. Was im Nodl passiert, bleibt also im Nodl. Lediglich die obligatorischen Kabel für Strom und Internetverbindung müssen zur Inbetriebnahme von außen zugeführt werden.

Lau und leise

Läuft der Node dann, fällt noch etwas auf. Trotz leistungsfähigerer Hardware ist das Gerät neben dem Laptop kaum zu hören und läuft angenehmerweise auch nicht heiß. Während sich der RaspiBlitz im Dauerbetrieb zu einer echten Heizung entwickeln kann, bleibt der Nodl selbst bei sommerlichen Temperaturen und in suboptimal belüfteten Ecken konstant lauwarm.

Das liegt vor allem daran, dass der Nodl mehr Leistungs-Reserven hat, die er nur beim Start und dem initialen Download der Blockchain braucht. Dann steigt der Verbrauch auf bis zu 15 Watt. Im Dauerbetrieb sinkt der Stromverbrauch jedoch auf 5 Watt, was auch den Werten des RasperryPi entspricht, dessen Limits im Casa Node und RaspiBlitz jedoch häufiger ausgereizt werden. (Möglicherweise macht der gerade erst vorgestellte Raspberry Pi 4 hier aber wieder Boden gut.)

Inbetriebnahme

Die Inbetriebnahme des Nodl ist dann ähnlich einfach wie die Verkabelung. Für den Schnelleinstieg liegt dem Paket eine handliche und übersichtliche Kurzanleitung bei, die zudem auf alle weiteren Hilfe-Ressourcen verweist. Besonders hilfreich fand ich dabei die übersichtliche Online-Dokumentation, mit der ich schließlich (fast) jedes Problem schnell und einfach selbst lösen konnte.

Hilfreich, weil übersichtlich und mit weiterführenden „Links“: Der Nodl-Schnellstarter
Einrichten und konfigurieren

Im nächsten Schritt geht es an die Einrichtung des Nodl. Über die Startseite legt man ein Passwort fest, mit dem man dann als Admin auf den Nodl zugreifen kann.

Die Admin-Seite des Nodl ist übersichtlich und aufgeräumt

Nun geht es an die Konfiguration. Mit wenigen Klicks kann man bitcoind (Bitcoin Fullnode), lnd (Lightning Fullnode), das browserbasierte Lightning-Interface RTL, Tor-Support, einen Electrum Personal Server und/oder einen eigenen BTCPay-Server aufsetzen.

Sechs Nodes/Services bietet der Nodl direkt zur Installation an. Vor allem Tor sollte man dabei unbedingt mitaktivieren.

Das ist so praktisch, das man verführt ist, alle Knöpfe gleichzeitig zu drücken. Da lnd aber auf bitcoind aufbaut und der BTCPay-Server auch erst in Betrieb gehen kann, wenn der Fullnode schon läuft, führt Ungeduld hier zu Fehlermeldungen.

Wer zu ungeduldig ist und alles auf einmal anklickt, bekommt Fehlermeldungen.

Die Installationsreihenfolge ließe sich hier zwar durch eine leicht verbesserte Nutzerführung in Hinsicht auf die berüchtigte Idiotensicherheit leicht verbessern, das ist aber kein Problem höchster Priorität. Zum einen muss man einfach nur so lange klicken, bis es irgendwann doch funktioniert. Zum anderen ist dieser Zeitraum erfreulich gering. Einmal gestartet, synchronisiert der Nodl die gesamte Bitcoin-Blockchain von Grund auf in weniger als 48 Stunden.

Hier zahlt sich die bessere Hardware gegenüber den Raspberry Pi-Nodes aus, auf denen dieser Prozess mehrere Wochen(!) in Anspruch nehmen kann. Dieser Vorteil ermöglicht dem Nodl eine im Hinblick auf Privatsphäre und Sicherheit kompromisslose Haltung, gar nicht erst über vorsynchronisierte Blockchains oder andere Workarounds, den Aufwand des Initialen Blockdownloads zu minimieren, nachdenken zu müssen. Ein großer Pluspunkt.

Alles im grünen Bereich. Nach zwei Tagen laufen alle benötigten Nodes- und Services.
Zahlungen schicken und empfangen

Um den Nodl dann praktisch in Betrieb zu nehmen und erste Zahlungen zu testen, geht es dann vom Admin-Panel per Link zum RTL-Interface. Praktisch: der Nodl hat hierfür bereits automatisch ein sicheres Passwort vergeben und im Admin-Bereich hinterlegt. Per Copy and Paste kann man somit direkt in die Verwaltung von Peers, Kanälen und Lightning-Zahlungen einsteigen.

Schon beim Start zeigt das RTL-Interface einen verbundenen Peer. Der Rest ist schnell hinzugefügt.

Ab hier läuft die Verwaltung des eigenen lnd-Nodes wie auch auf anderen Geräten: neue Peers nach Wunsch hinzufügen (bei mir gab es bereits eine automatische Verbindung zu einem Node in den USA), die Wallet mit Bitcoins ausstatten, Zahlungskanäle öffnen und los geht’s.

Meine erste Testzahlung wurde direkt und ohne Probleme durchs Lightning-Netzwerk geroutet. Für die rund 80 Cent fielen dabei 0,008 Cent Gebühren an. Damit kann ich durchaus leben.

Die erste Testzahlung geht ohne Probleme durch.
Pimp your Nodl – BTCPay Server einrichten

Eine der größten Stärken des Nodl ist neben der leistunsgstarken Hardware, die einfache und umfangreiche Unterstützung verschiedenster Bitcoin- und Lightning-Dienste. Interessant ist dabei vor allem der Betrieb eines eigenen BTCPay Servers. Damit kann man ohne einen weiteren Serviceanbieter selbst Bitcoin-Zahlungen und die zugehörige Abrechnung, zum Beispiel für den oder die eigenen Webshops, organisieren und verwalten.

Einmal klicken und fertig. Wer will kann sich ganz leicht einen eigenen BTCPay-Server aufsetzen.

Für die Installation des BTCPay Servers braucht es nur einen Klick. Die Konfiguration des selbigen ist dann aber noch einmal eine eigene Geschichte, die hier zu beschreiben zu weit führen würde. An dieser Stelle reicht zu sagen, dass allein das Aufsetzen einfach und auch für technische Laien eigentlich problemlos machbar ist.

Wichtig ist allerdings: Der Teufel kann manchmal im Detail liegen. Wer, wie ich anfangs, ein Lesezeichen auf die eigene Nodl IP mit Portangabe setzt (192. 168.XXX.XXX:8338), wird von den Links im Admin-Panel im Kreis geführt. Besser ist es daher den Nodl über 192.168.XXX.XXX/admin anzusteuern. Dann führt der BTCPay Server-Link auch zu diesem. Eine der Nutzerführungs-Kleinigkeiten, an denen man noch feilen könnte.

Eine andere ist das automatische Ausloggen. Wenn das passiert, landet man nämlich nicht wie man vermuten könnte auf der initialen Login-Seite mit dem Nodl-Logo. Stattdessen verschwinden nur alle Links und Buttons, um den Nodl konfigurieren zu können. Hier wäre zumindest eine Information wie „Sie sind ausgeloggt“ hilfreich und könnte unnötige Fehlersuchen und Supportanfragen vermeiden helfen.

Pimp your Nodl – Zahlen per Joule Browser-Erweiterung

Doch handelt es sich auch bei diesen Kritikpunkten eher um kleine Usability-Details. Deutlich relevanter ist der mächtige Funktionsumfang des Nodl. Der endet nämlich keineswegs bei RTL und dem BTC Pay Server. Wer will, kann seinen Nodl noch über andere Erweiterungen und Interfaces ansprechen.

Um Lightning direkt im Browser zu nutzen, kann man den Nodl mit der Joule-Erweiterung verbinden.

Die Browser-Erweiterung Joule ermöglicht zum Beispiel das Bezahlen und Anfordern von Lightning-Zahlungen direkt aus Chrome, Firefox , Opera und Brave heraus. Die Koppelung mit dem Nodl ist dabei fast so einfach wie eine 1-Klick-Lösung und dank der guten Dokumentation innerhalb weniger Minuten abgeschlossen. Auch hier verlief die erste Testzahlung aus dem Browser heraus ohne Probleme.

Auch die Testzahlung über Joule geht ohne Probleme durch.
Pimp your Nodl – den Node per Zap vom Desktop ansteuern

Wer seine Kanäle und Zahlungen lieber vom Desktop aus verwalten möchte, der kann den Nodl auch mit Zap koppeln. Das Einrichten verläuft ähnlich einfach wie bei Joule. Am Ende sogar noch etwas leichter als in der Anleitung beschrieben.

Per „Connect“ lässt sich der Nodl mit Zap auch ganz bequem vom Desktop aus verwalten.

Allerdings scheiterte der Versuch, ein Stickerpack zu kaufen, anschließend drei Mal. Was letztlich aber weder an Zap noch am Nodl lag, sondern an der fehlenden Verbindung zu einem wirklich gut vernetzten Lightning-Knoten.

Drei Versuche, drei Mal gelingt die Zahlung für ein Stickerpack nicht.

Doch auch dieses Problem ließ sich direkt vom Desktop aus über Zap lösen. Über Acinqs Lightning Network Explorer fand ich einen gut vernetzten Knoten in meiner Nähe.

Neuer Kanal, neues Glück. Je mehr gut vernetzte Knoten man unter seinen Peers hat, umso eher gelingt eine Zahlung.

Und über einen neuen Kanal gelang dann auch auf Anhieb die Zahlung für die gewünschten Sticker.

Am Ende gelingt auch diese Zahlung. Das Stickerpack ist unterwegs.
Fazit

Es fällt schwer ein Fazit zu ziehen, das nicht komplett positiv ist. Der Nodl ist nicht nur die „Maschine“ unter den Bitcoin- und Lightning-Fullnodes. Er ist auch noch eine sehr vielseitige und gut zu bedienende Maschine. Außer ein paar Verbesserungen, die ich mir in der intuitiven Nutzerführung wünschen würde, habe ich nichts finden können, was ernsthaft zu kritisieren ist.

Klar – der Preis ist kein Schnäppchen und die nächste Generation von Raspberry Pis könnte die günstigeren Alternativen Casa Node und RaspiBlitz technisch wieder aufholen lassen. Nichtsdestotrotz setzt der Nodl neue Maßstäbe in Hinblick auf Leistungsumfang und die konsequenten Haltung in Hinblick auf Privatsphäre, Sicherheit und seine allgemeine „Be your own …“-Haltung.

Dass der Nodl nach einem Stromausfall wieder automatisch startet, könnte man von optional noch auf Standard setzen, aber ansonsten gibt es wirklich kaum etwas zu meckern. Insbesondere da man bei der Bedienbarkeit eine wirklich gute Balance gefunden hat zwischen simplen 1-Klick-Lösungen und erweiterten Einstellungen für alle, die doch etwas tiefer in die Konfiguration eintauchen wollen.

Um es kurz zu machen: Ich finde es durchaus bedauerlich, das mich mein Testgerät nun bald wieder in Richtung Frankreich verlässt. Nicht zuletzt, weil die Integration weiterer interessanter Services in den Nodl immer weiter geht.

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