Blitz-Geburtstag – Ein Jahr Lightning-Netzwerk

Heute feiert das Lightning-Netzwerk ersten Geburtstag. Am 15. März 2018 veröffentlichte Lightning Labs die erste Beta ihrer LND-Software und das Lightning-Netzwerk wanderte damit vom Testnet ins Mainnet. Damit begann eine bemerkenswerte Entwicklung.

Denn seitdem hat sich einiges getan. Das Lightning-Netzwerk umfasst mittlerweile zwischen knapp 4000 und gut 7000 Knoten (kann man in einem dezentralen Netzwerk nicht eindeutig feststellen) und mehr als 35.000 Kanäle. Zusammen haben die eine Kapazität von mehr als 800 Bitcoin, was derzeit einer Summe von gut drei Millionen US-Dollar entspricht.

Große Summe in kleinen Teilen

Das ist insofern eine bemerkenswerte Zahl, als dass die Kapazität für einzelne Transaktionen wegen des offiziell ja noch sehr experimentellen Status bislang künstlich auf 0,04 Bitcoin (rund 150 US-Dollar) beschränkt ist.

lightning nodes
Abbildung der Lightning-Netzwerks laut explorer.acinq.co

Darüber hinaus sind mit c-lightning (Blockstream) und eclair (Acinq) zwei weitere große Implementierungen hinzugekommen. Eine Vielzahl mobiler Wallets wurde entwickelt. Lightning-Hackdays fanden in Europa, Asien und Nordamerika statt. Auch akzeptieren längst schon die ersten Gastronomen, Händler und Automaten Lightning als Zahlungsmittel.

Auch kommt immer mehr handliche und einsteigerfreundliche Lightning-Hardware auf den Markt und die Bitcoin-Community liebt es sowieso, in immer neuen spielerischen Experimenten die Möglichkeiten von freien, zensur- und manipulationsresistenten Instant-Nano-Payments auszuloten.

Auf der digitalen Web-Leinwand satoshis.place bezahlt man für jedes Pixel, das man gestalten möchte einen Satoshi (0,00000001 Bitcoin) per Lightning. (Screenshot vom 15.3.2019)

So wanderte die Lightning-Torch beispielsweise zuletzt von den USA in den Iran und von dort weiter nach Israel, um später über Afrika und schließlich sogar trotz Stromausfalls nach Venezuela zu gelangen.

Mitunter ist es bei all diesen Entwicklungen schwer, überhaupt auf dem Laufenden zu bleiben und zu dokumentieren, wie schnell sich das Lightning-Netzwerk weiterentwickelt. Da passt es ganz gut, dass dieser Tage zufälligerweise ein Artikel, den ich bereits vor einem knappen halben Jahr für das t3n-Printmagazin über Lightning geschrieben habe, nun endlich auch online zu lesen ist. Damals lag die Zahl der Kanäle nämlich noch bei „nur“ 12.000.

Ansonsten ist der Artikel aber noch immer aktuell, wenn man sich mal ein bisschen in die Thematik einlesen will. Wer tiefer in Lightning eintauchen will, findet hier die wahrscheinlich beste und umfassendste Ressourcen-Sammlung.

Alles neu, aufregend und experimentell, aber …

Natürlich muss man für einen journalistisch ausgewogenen Artikel nach all den positiven Nachrichten auch noch darauf hinweisen, dass Lightning trotz all der positiven Entwicklungen noch immer extrem experimentell ist und es sowohl auf technischer als auch auf konzeptioneller Ebene berechtigten Gründe für Kritik gibt.

Auf die gehe jetzt hier aber nicht im einzelnen ein, sondern belasse es bei dem Fazit, dass das Lightning-Netzwerk trotz aller Fortschritte noch immer weit von einer Massentauglichkeit entfernt ist. Das ist allen ernsthaft Beteiligten aber bewusst. Außerdem läuft das Ganze ja auch erst seit einem Jahr.

Gemessen an dem, was in dieser Zeit schon erreicht wurde und was sich aktuell noch in der Entwicklungs-Pipeline befindet, dürfen wir für das nächste Jahr aber sehr gespannt sein. Langweilig oder ereignisarm wird es in jedem Fall nicht.

Bleibt abschließend nur die Frage, ob Lightning Labs vor einem Jahr das Veröffentlichungsdatum eigentlich zufällig auf die Iden des März gelegt haben oder ob sie absichtlich Raum für Interpretationen lassen wollten. Immerhin könnte man das Lightning-Release am Jahrestag des wohl berühmtesten Tyrannenmords der Geschichte ja durchaus symbolisch sehen. Es wäre zumindest nicht die erste „versteckte“ Botschaft in Bitcoin und Lightning.

„Crypto“ Oder: „A shitcoin of a movie“

Im Netz ist die Tage der Trailer zu dem Hollywoodfilm Crypto erschienen und die Kritiken sind in allen Belangen vernichtend. Verständlicherweise.

Zunächst einmal sind erstaunlich viele Kommentatoren schwer enttäuscht, weil sie bei dem knackigen Titel eigentlich einen Film über die Abenteuer von Krypto, dem Hund von Superman erwartete haben: „0/10 No superpowered dogs.“. Der wird zwar leicht anders geschrieben, aber auch das macht es nicht besser.

Clickbait in Filmform

Die anderen sind nämlich ebenfalls enttäuscht, weil der Titel ganz offensichtlich nur Aufmerksamkeit erzeugen soll für eine Handlung, die sich aus einer überaus platten und lieblosen Aneinanderreihung ausgelutschter Stereotype zusammensetzt: „… calling it crypto just to get attention… reminds me of nazis on the moon movie. Crypto, money laundering, russian mafia… literally looked at google trends and slapped this POS together lol Keywords keywords keywords

Wieder andere kritisieren den Trailer, der so lieblos zusammengeschnitten wurde, dass er, anstatt Spannung aufzubauen, in zwei Minuten eigentlich den gesamten recht vorhersehbaren Plot des Films verrät: „So the banker gets into crypto and finds out bad guys use crypto to launder money and do illegal stuff. It leads to major conflict in the final scene where crypto is paid for Kurt Russel to not be killed by a bunch of gangsters. 1 out 5 stars“

Ein Plot, der im Übrigen selbst für Actionfilm-Standards kaum als originell bezeichnet werden kann: „Russia bad. Crypto bad. Smart people bad unless working for government. Thanks Hollywood, for yet another original plot. /s“

Fazit: Eine 51%-Attacke auf den guten Geschmack

Tatsächlich ist das einzig Gute, was der Trailer dieses Films mit sich bringt, einige der Kommentare. Wenn die darin gemachten Vorschläge umgesetzt würden, könnte man vielleicht noch was retten. So Parodiemäßig.

„I imagine there will be a ten minute tense standoff while they wait for the block chain to verify a transaction. Good times.“

„This trailer would have been so much more terrifying when the guy in the black suit in the field made a very faint „hey hey hey“ sound, and when turning around would appear to be carlos and start yelling „biiiiiiitttconneeeeeccttt!“

Ich gehe aber nicht davon aus, dass aus Crypto noch ein Film wird, der den bereits verliehenen Titel „A shitcoin of a movie“ zu Unrecht trägt. Oder wie es ein Kommentator trefflich formuliert: “ The ultimate 51% attack… a 51% on Rotten Tomatoes coming up… „

Frische Neuigkeiten vom Honigdachs-Podcast

Es gibt eine ganze Reihe Neuigkeiten rund um den Honigdachs-Podcast. Und da die nicht nur uns, sondern auch euch betreffen, hier nun das gesammelte Statusupdate.

#1 – Der @HonigdachsPod ist nun auch auf Twitter

Zunächst einmal erweitern wir unsere direkten Kommunikationskanäle. Dafür haben wir uns mit @HonigdachsPod nun endlich auch mal einen expliziten Twitter-Account nur für den Podcast zugelegt. Den wollen wir vor allem als Feedback-Kanal mit euch nutzen. Ihr habt Fragen oder Themenvorschläge, die wir besprechen sollen? Ihr wollt mit uns diskutieren oder einfach nur über alles rund um den Podcast auf dem Laufenden bleiben? Na dann mal los!

#2 – Neue Feeds und Quellen

Leider gibt es derzeit kuriose Probleme mit der Ausspielung unseres Podcast-Feeds über iTunes und Apple macht es einem nicht sonderlich leicht, diese zu beheben. Das Problem ist folgendes: Apple zieht sich – warum auch immer – seit Neuestem den Feed vom Blog und nicht den vom Podcast. Dadurch landen auf einmal auch normale die Blogbeiträge im Podcast, wo sie eigentlich nicht hingehören.

Ich kann das zwar umstellen, sooft ich mag – Apple switcht jedoch immer wieder zurück in den Fehler. Das nervt ein bisschen, weil bisher auch alle Versuche, da mal jemanden zu erreichen, wegen Problemen mit den Apple-Servern scheiterten. Wer das Problem ebenfalls hat oder sich wundert, warum nur Folge 35 angezeigt wird, der sollte am besten den Feed noch einmal händisch aktualisieren. Der korrekte Podcast-Feed ist:

https://coinspondent.de/category/podcast/honigdachs/feed/

Darüber hinaus kann man den Honigdachs jetzt aber auch über StitcherTuneIn  und Spotify hören. An der Behebung des Fehlers bleib ich aber trotzdem dran. Wir haben ja schließlich schon drei(!) Rezensionen bei iTunes!

#3 – Honigdachs live und in echt (again!)

Und die beste Nachricht zum Schluss: Die nächste Honigdachs-Folge wird wieder einmal eine ganz besondere. Erneut wagen wir uns aus unserem stillen, dunklen Kämmerlein und podcasten live und vor Publikum.

Mehr Details nach dem Klick

Das bedeutet für euch – ihr könnt an dem Abend vor Ort oder per Stream live mit dabei sein, Fragen stellen und erfahrt als erste, was der ganz große neue heiße Shice nach dem Blockchain-Hype ist. Zudem könnt ihr im Ask Me Anything-Part direkt auch eure Fragen loswerden.

Los geht es am kommenden Montag, den 18.3. ab 19:30 Uhr (Einlass) im Basislager, Peterssteinweg 14, 04107 Leipzig (kostenfreie Anmeldung hier) oder ab 20 Uhr im Livestream.

Möglich wird das alles durch eine Kooperation mit dem Crypto-Monday, die den Abend organisatorisch auf die Beine stellen. Vielen Dank dafür!

Wer weder auf die eine oder andere Weise live dabei sein kann, der kann uns seine brennende Fragen natürlich auch schon vorab schicken. Das geht am einfachsten und schnellsten per Tweet, per Mail oder als Kommentar hier auf der Seite.

Wir freuen uns, euch zu sehen und von euch zu hören!

Das Coinbase-(Kommunikations)-Disaster

Coinbase, ist eines der größten, bekanntesten und ältesten Unternehmen des Bitcoin-Ökosystems und hat einen nicht zu vernachlässigenden Anteil daran, dass Bitcoin heute so groß ist, wie es ist. Für viele Menschen weltweit war und ist der US-amerikanische Krypto-Handelsplatz die erste Wahl und bequemste Möglichkeit, ein paar Bitcoins oder mittlerweile auch andere Kryptowährungen zu kaufen, zu handeln oder einfach nur zu halten.

Trotzdem schafft es kaum ein anderes Unternehmen in regelmäßigen Abständen die Bitcoin-Community so sehr gegen sich aufzubringen wie Coinbase. Das liegt zum einen an vielen irritierenden Entscheidungen des Unternehmens. Viel mehr aber an einer seit Jahren vollkommen misslungenen Kommunikationsstrategie. Beides zusammen führt aktuell dazu, dass immer mehr Bitcoiner Coinbase den Rücken kehren.

Seit Langem immer wieder Fehltritte

Dabei kriselt es zwischen Coinbase und der Bitcoin-Community
schon seit Jahren. Im sich zuspitzenden Streit um die Skalierung von Bitcoin war Coinbase 2017 lange ein prominenter Verfechter des Segwit2X-Ansatzes. Des von der Community verhassten Kompromisses, der die damals konkurrierenden Forderungen einer Aktivierung von SegWit und der Verdoppelung der Blockgröße auf 2 MB pragmatisch unter einen Hut bringen sollte.

Eine Lösung, die für viele in der Community jedoch den faden Beigeschmack einer von einer sich selbst als Elite sehenden Business- und Miner-Interessengemeinschaft in Hinterzimmern ausgeklüngelten Mauschelei hatte und den offenen Standards und Entscheidungsstrukturen von Bitcoin entgegenstand. Die Community setzte sich schließlich gegen Coinbase & Co durch. Segwit2X wurde nie umgesetzt.

Irritierende Entscheidungen über Kundenassets

Zuvor hatte das Unternehmen aber auch im Zuge der Bitcoin Cash-Fork bereits für großen Unmut gesorgt, als es sich sehr lange bedeckt hielt, ob die Kunden für ihre von Coinbase verwalteten Bitcoins überhaupt Zugriff auf die entsprechend geforkten Bitcoin Cash bekommen würden. Schließlich entschied man sich bei Coinbase zwar dazu, den Zugriff zu ermöglichen, doch setzte man sich selbst dafür eine unverbindliche Frist von fünf(!) Monaten. Eine Zeitspanne, die viele Nutzer als Frechheit empfanden. Kaum ein anderer Anbieter – selbst die mit bedeutend weniger Kapital und Manpower – verwehrte seinen Nutzern so lange grundlos den Zugriff auf die eigenen Bitcoin Cash.

Zum Vergleich: Wer seine Bitcoins damals auf einer Hardware-Wallet wie dem Ledger oder dem Trezor hatte, der konnte seine Bitcoin Cash quasi sofort splitten und verkaufen. Beide Anbieter waren technisch extrem schnell und gut vorbereitet. Warum Coinbase als große, erfahrene und finanzkräftige Bitcoin-Institution dazu damals nicht in der Lage war, bleibt bis heute ein Rätsel.

Nur kurze Momente der Entspannung

Spätestens seitdem war das Verhältnis zwischen Coinbase und der Bitcoin-Community angespannt. Immerhin gab es zwischenzeitlich auch wieder Annäherungen. Zum Beispiel als Coinbase ein unmoralisches Angebot von Ripple ablehnte. Das Unternehmen, dass die Kontrolle und den Großteil aller XRP besitzt, wollte Berichten zufolge mit einem großzügigen „Darlehen“ in dreistelliger Millionenhöhe ihre vermeintlichen „Kryptowährung“ auf die Handelplattform von Coinbase hieven.

Die Bitcoin Community würdigte damals die Ablehnung des Angebots durch Coinbase als integere Haltung und Signal, dass man Geld und schnellen Profit nicht über gemeinschaftliche Grundwerte stelle.

Heute so, morgen so

Umso irritierter war daher nun die Reaktion als Coinbase vor Kurzem bekannt gab, nun doch auch XRP ins Handelsportfolio aufzunehmen. Verbunden mit der berechtigten Frage, woher denn der plötzliche Sinneswandel kommt und warum man diesen zentralisierten Privatfirmen-Coin (der für seine berüchtigte Troll-Army auf Twitter bekannt ist, die ihre Kritiker sogar bedroht) nun kostenlos listet, wenn man vor einiger Zeit noch sehr viel Geld dafür hätte nehmen können?

Womit aber nicht gesagt ist, dass wirklich niemand von der Aufnahme von XRP ins Coinbase-Portfolio profitiert hat. Zumindest einige Händler, die das bemerkenswerte Glück hatten, mit perfektem Timing auf Rippels XRP zu setzen, haben offensichtlich einen ganz ordentlichen Reibach gemacht. Ein Schelm wer „Insiderhandel“ dabei denkt.

https://twitter.com/Crypto_Bitlord/status/1100097740531326982
Vom Ripple-Regen in die Neutrino-Traufe

Doch damit nicht genug der Fettnäpfe. Denn kurze Zeit später kaufte Coinbase eine Firma namens Neutrino und fährt damit den Kommunikationskarren so richtig in den Dreck. Eigentlich und offiziell will Coinbase durch den Zukauf ja nur den internen Bereich Blockchain-Analyse stärken. Das sei notwendig, um den geltenden Anti-Geldwäsche- und Kundenidentifikations-Regelungen gerecht zu werden.

Blöd nur, dass sich aber bald herausstellt, dass einige der Mitarbeiter von Neutrino zuvor Teil von Hacking Team waren, einer italienischen Firma mit mittlerweile komplett ruiniertem Ruf, weil sie Überwachungssoftware u.a. an autoritäre und repressive Regime lieferte, sich dabei aber nicht einmal selbst vor einem umfassenden Hack schützen konnte.

Reumütig gesteht Coinbase zwar mittlerweile ein, dass sie im Vorfeld der Übernahme nur schlampig geprüft hätten, wen sie sich da ins Nest holen und mittlerweile steht fest, dass alle Neutrino-Mitarbeiter mit Hacking Team-Vergangenheit das Unternehmen verlassen müssen, doch ist damit das Kind längst schon in den Brunnen gefallen.

Coinbase-Kundendaten wurden heimlich weiterverkauft

Denn die Coinbase-Verkaufchefin hat in einem Interview ganz nebenbei erklärt, dass Neutrino u.a. deswegen gekauft wurde, weil die bisherigen Blockchain-Analyse-Dienstleister die Coinbase-Kundendaten an Dritte weiterverkauft hätten. Ein Vorgang, über den aber bisher weder die Kunden noch irgendjemand anderes informiert worden zu sein scheint.

Was in der Community natürlich erneut für Wut und Unverständnis sorgt und zwei drängende Fragen aufwirft. Was liegt bei Coinbase eigentlich noch alles im Argen und haben Sie tatsächlich niemanden, der sich in dem Laden um eine anständige Kommunikation kümmern kann?

Selbstdemontage ohne Not

Denn nicht nur eine ganze Reihe zweifelhafter Entscheidungen, sondern vor allem das Fehlen einer echten Kommunikationsstrategie haben in den vergangenen Jahren ordentlich am Ruf von Coinbase gekratzt.

Aktuell demontiert sich das Unternehmen dabei selbst und das eigentlich vollkommen ohne Not.

#DeleteCoinbase

Für viele Bitcoiner sind die Ripple/Neutrino-Ereignisse nun jedenfalls der Tropfen, der das Coinbase-Fass zum Überlaufen bringt. Unter dem Hashtag #DeleteCoinbase koordinieren und befeuern sie den gemeinsamen Exodus von der Plattform.

https://twitter.com/OwenKeys/status/1101510383251132416

Doch scheint nicht einmal das Kündigen des Accounts bei Coinbase derzeit ohne Probleme möglich zu sein. So können Accounts nicht geschlossen werden, die noch über Guthaben verfügen. Liegt dieses Guthaben jedoch unterhalb des Mindestauszahlungsbetrags, kann es faktisch gar nicht mehr abgehoben werden. Eine klassische „Hotel California“-Situation: „You can check out any time you like, but you can never leave.“

https://twitter.com/udiWertheimer/status/1100864154443776000

Doch gelten Bitcoiner ja gemeinhin als erfinderisch und kommunikativ. Mit der #DeleteCoinbaseTrustChain akkumulieren bei Coinbase „gefangene“ Bitcoiner daher nun gemeinsam ihre Rest-Satoshis und löschen dann ihre Accounts.

Doch auch wenn #DeleteCoinbase erst einmal wohl nicht in den Ruin treiben wird – dazu ist es zu groß und für viele Nutzer zu bequem – sollte das Unternehmen die wachsende Kritik ernst nehmen. Ein Unternehmen, dass im Bitcoin-Ökosystem erfolgreich sein will, braucht zwar nicht zwingend auch eine gute Beziehung zur Bitcoin-Community. Ein Unternehmen aber, das wegen schlechter Entscheidungen und schlechter Kommunikation das Vertrauen der Bitcoin-Community verliert, wird es auf lange Sicht sehr schwer haben.

Bitcoin-Newsletter-Tipp – Chain Letter

Ich habe über die Jahre eine ganze Reihe Bitcoin- und Blockchain-Newsletter abonniert. Aber wie das so ist – erst nach einer Weile merkt man, welche man wirklich jedes Mal liest und welche man zunehmend ungeöffnet direkt in den Papierkorb weiterleitet.

Chain Letter – Bester Newsletter für den allgemeinen Überblick

Einen Bitcoin-Newsletter, den ich wirklich jedes Mal gerne lese, ist der Chain Letter von MIT Technology Review. Für mich eigentlich der beste Newsletter, wenn man mit wenig Aufwand auf dem Laufenden über die zentralen Entwicklungen von Bitcoin als Gesamtphänomen bleiben will.

Jede Ausgabe beginnt mit ein bis zwei ausführlicher erklärten und eingeordneten aktuellen Hauptthemen, die ich vor allem deswegen immer wieder gern lese, weil sie sehr gut geschrieben sind. Hier merkt man die journalistische Qualität und die Erfahrung des Herausgebers. Der Chain Letter ist nämlich nur einer von sechs tech-themenspezifischen Newslettern der MIT Technology Review.

Quer durchs gesamte Themenspektrum

Doch obwohl es einen Tech-Fokus gibt, ist es kein reiner Tech-Newsletter. Im Gegenteil – die Themenpalette ist sehr breit. Denn wie der Claim des Newsletters „Blockchains, cryptocurrencies, and why they matter“ andeutet, geht es nicht nur um Technologie, Finanzen und Kurse, sondern auch um Politik, Gesellschaft, Kultur und wie sich alles gegenseitig beeinflusst.

Dass es gelingt diese thematische Breite in einen Newsletter zu packen, der aber gleichzeitig nie überladen wirkt, ist ein weiterer großer Pluspunkt. Immerhin gibt es nach den Hauptthemen nur noch eine kleine Handvoll ausgewählter Links, ein abschließendes aktuelles Zitat und das war’s. Genau der Umfang, den man zwei Mal die Woche (Dienstags und Donnerstags) noch gut als Status-Update im Alltag unterbringen kann.

Größter Kritikpunkt: Kein Archiv

Das einzige, was man kritisieren kann, ist, dass es kein ordentliches Archiv der bisher erschienenen Ausgaben gibt (obwohl sie ja alle irgendwo online stehen!). Auf der zugehörigen Newsletter-Webseite sind immer nur die letzten beiden Ausgaben zu finden. Das ist sehr bedauerlich, weil der Newsletter für manch eine Recherche durchaus hilfreich und nützlich wäre.

Wer nun aber trotzdem mal in reinlesen will – hier habe ich aus meinen Mails zumindest die Links zu den letzten vier Ausgaben rekonstruiert.

Bitcoin- & Lightning-Nodes im Test – Casa Node

Full Nodes sind das Rückgrat des Bitcoin-Netzwerks. Sie speichern vollständige Kopien der Blockchain, leiten untereinander gültige Transaktionen und Blöcke weiter und sortieren diejenigen aus, die nicht den Konsensregeln entsprechen.

Verteilung der aktuell offen erreichbaren Bitcoin-Full Nodes (Quelle: bitnodes.earn.com)

Die Gesamtheit aller Full Nodes ist damit ein unverzichtbarer Bestandteil der dezentralen Bitcoin-Infrastruktur. Je mehr es von ihnen gibt und je verteilter und unabhängiger sie voneinander sind, desto robuster und widerstandsfähiger ist das gesamte Bitcoin-Netzwerk.

Full Nodes sind gut für alle

Einen eigenen Full Node zu betreiben, ist jedoch nicht nur im kollektiven Interesse aller Bitcoiner, sondern auch von persönlichem Vorteil. Denn nur, wer selbst unmittelbaren Zugang zur Blockchain hat und bei Transaktionen nicht auf die Daten Dritter angewiesen ist, kann sich über das korrekte Kommen und Gehen der eigenen Bitcoins sicher sein und damit die Notwendigkeit Dienstleistern vertrauen zu müssen, minimieren.

Was nicht bedeutet, dass man Bitcoin-Dienstleistern nicht trauen kann. Es geht vielmehr darum, ihnen nicht vertrauen zu müssen. Weder in Bezug auf die Daten, die sie einem liefern, noch auf die Daten, die man ihnen mitteilt. Der eigene Full Node ist daher auch in puncto Privatsphäre ein wichtiger Faktor.

Blöd nur, dass der eigene Full Node für den technisch nicht übermäßig versierten Laien bisher eine zwar erstrebenswerte, aber nur schwer zu erreichende Option war. Denn wer nicht genügend Speicherplatz für die gesamte Blockchain auf dem Rechner hat (mehr als 200 GB und steigend) und diesen auch nicht beständig online halten will, der musste sich entweder der anspruchsvollen Aufgabe stellen, sich ein eigenes Full Node-Hardware-Setup zusammenzubasteln und zu bespielen, oder verzichtete im Zweifel eben einfach auf den eigenen Full Node.

Zwar gab es ein paar Anbieter von Out of the Box-Bitcoin-Full Node-Geräten. Doch so richtig durchsetzen konnte sich bislang keiner. Was wohl auch an den sportlichen Preisen im unteren bis mittleren dreistelligen Bereich lag.

Aufstieg der handlichen Bitcoin- und Lightning-Nodes

Doch genau das könnte sich jetzt ändern. Viel billiger sind Plug ’n Play-Full Node-Geräte zwar nicht geworden. Dank Lightning jedoch deutlich attraktiver. Denn ein eigener Bitcoin-Full Node mit einem darauf aufbauenden Lightning-Full Node ist derzeit der schnellste und direkteste Zugang zum Lightning-Netzwerk. Und das ist bekanntlich aktuell der heißeste Shice im Kryptoland.

Aus diesem Grund drängen derzeit gleich mehrere Anbieter für nutzerfreundliche Bitcoin- und Lightning-Full Node-Geräte auf den Markt. Eine Entwicklung die positiv ist. Denn neue Knoten stärken das Netzwerk und eine gute User Experience verbessert die Zugänglichkeit und Akzeptanz von Bitcoin und Lightning.

Doch ob die Geräte diesen Erwartungen gerecht werden können, auch für den Normal-User bedienbar und ihren Preis wert sind, wird sich erst noch zeigen müssen. Daher habe ich die Hersteller um Testgeräte gebeten, die ich in einer Artikelserie vergleichen und vorstellen werde. Los geht es mit dem Casa Node.

Casa Node – der Plug and Play-Node für Einsteiger

Der Casa Node gehört zu den bekanntesten Bitcoin- und Lightning-Full Node-Geräten. Das US-amerikanische Unternehmen Casa wurde zunächst für sein Angebot bekannt, beim individuellen Verwahren von Private Keys zu helfen. Ein Service, der sich mit 10.000 US-Dollar Jahresgebühr vor allem an ein Klientel mit einem Krypto-Vermögen jenseits einer halben Million US-Dollar richtet.

Plug-and-Play ohne viel Gedöhns: Wer will kann sich den Casa Node sogar an die Wand hängen.

Ganz anders beim Casa Node, der sich mit einem Preis von „nur“ 300 US-Dollar an die breite Masse richtet. Dafür bekommt man dann einen für den Dauerbetrieb optimierten Mini-Rechner auf Raspberry Pi-Basis, der auf seiner 1 TB großen Festplatte Bitcoin- (Bitcoin Core) und einen Lightning-Node (LND) laufen hat. Bedient wird das Gerät über das eigens entwickelte Betriebssystem CasaOS.

Der Preis erscheint angesichts der verbauten Hardware recht hoch. Ein Raspberry Pi-Starterkit bekommt man aktuell schon für rund 60 Euro. Doch verkauft Casa eben nicht nur die Technik, sondern vor allem die Dienstleistung, die Hardware auch als Einsteiger unkompliziert und bequem einsetzen zu können. Plug-and-Play statt selber zusammenbasteln. Grafische Benutzeroberfläche statt Kommandozeilen. Und für technische Laien daher eine echte Alternative.

Import aus den USA

Doch bevor man soweit ist, muss man den Casa Node erst einmal bekommen. Das kann mitunter etwas schwieriger werden, da sich der Zoll beim Import des Gerätes aus den USA mitunter noch einmal dazwischenschaltet. Bei meinem als kostenlos deklariertem Testgerät, gab es zwar keine Schwierigkeiten. Ich habe aber von Leuten gehört, die das Paket persönlich vom Zoll holen und dabei noch einmal rund 60 Euro bezahlen mussten.

Ein Hologramm-Sticker macht die Verpackung nicht sicherer, sieht aber schön aus.
Setup und Installation

Hat man das Gerät dann aber in den Händen, kann man direkt loslegen. Strom, Internet und das Adapterkabel zwischen verbauter Festplatte und dem Raspberry Pi anschließen, Browser öffnen und den Casa Node ansteuern.

Scheint ein häufiges Problem zu sein. Der Casa Node muss im Heimnetz direkt über die IP angesteuert werden.

Leider lässt sich das Gerät beim Test nicht wie in der Anleitung beschrieben im lokalen Heimnetz über www.casa-node.local finden. Ein Problem, das offensichtlich häufiger auftritt. Der Fehler ist daher auch in den FAQ bei den Problemlösungen als erstes aufgeführt.

Die Lösung, das Gerät stattdessen direkt über dessen IP anzusteuern, funktioniert unkompliziert, erhöht aber die Komplexität für Nicht-Techniker. Gerade wenn man den Anspruch hat, die Bedienung so einfach wie möglich zu gestalten, sollte hier eine andere Lösung gefunden werden.

Los geht’s: Updates & Synchronisieren

Ab hier läuft der weitere Konfigurations- und Einrichtungsprozess aber erfreulich unkompliziert und erfordert vom Benutzer eigentlich nur noch eines: viel Geduld. Zunächst bringt sich das Gerät softwaremäßig auf den aktuellen Stand.

Automatische Updates sind nützlich. Die 30 Minuten sind aber nur ein ungefährer Richtwert.

Danach erfolgt die Einrichtung des Nodes. Wie bei jeder Bitcoin-Wallet wird eine Seed Phrase erzeugt, die als Backup dient.

Neue Installation oder einen alten Zustand wiederherstellen?

Anschließend beginnt der Casa Node mit der Synchronisation. Zwar kommt das Gerät standardmäßig mit einer vorinstallierten Kopie der Blockchain, doch müssen vor dem ersten Einsatz noch die Blöcke zwischen Versand aus den USA und Inbetriebnahme beim Nutzer synchronisiert werden.

In meinem Fall waren das rund 3000 Blöcke, was bedeutet, dass die vorinstallierte Blockchain rechnerisch rund drei Wochen in Verzug war.

Bevor es losgehen kann müssen sowohl der Bitcoin- als auch der Lightning-Node synchronisiert sein.
Vertrauen ist gut und nötig

Wer den von Casa vorinstallierten Blockchain-Daten nicht vertraut, der kann seinen Casa Node die Blockchain auch noch einmal von Grund auf neu aus dem Bitcoin-Netzwerk ziehen lassen. Doch sollte man dabei berücksichtigen, dass diese Neu-Synchronisierung bei der verbauten Hardware schätzungsweise rund einen Monat dauern wird und der Node in dieser Zeit nicht einsatzbereit ist.

Ganz davon abgesehen, dass es auch widersprüchlich wäre, den voreingespielten Blockchain-Daten von Casa weniger zu vertrauen, als den Blockchain-Daten, die neu über die hauseigene CasaOS-Software auf den Casa Node gespielt werden. So oder so könnte Casa die Daten manipulieren. Ein Umstand, den man bei einem Plug-and-Play-Gerät in Kauf nehmen muss.

Die große Geduldsprobe

Davon aber unabhängig beginnt nun der Teil, in dem man als User etwas hilflos und allein gelassen wird. Denn während der Synchronisation des Bitcoin– und des Lightning-Full Nodes fliegt man immer mal wieder aus dem System. Wiederholt tauchen neue irritierende Meldungen mit statischen Wartezeiten auf. Mal gibt es eine Fortschrittsanzeige, dann wieder nur allgemeine „Loading“- oder „Syncing“-Hinweise und man fragt sich, ob man womöglich etwas falsch gemacht hat? Aber außer geduldig abzuwarten, bleibt einem letztlich ohnehin keine Option.

Ausgesperrt und die einzige Option ist warten. Diese Meldung tauchte mehrfach auf.

Wer die Wartezeit nutzt, um sich im Internet nach anderen Erfahrungsberichten umzusehen, wird feststellen, dass das wohl nicht ungewöhnlich ist und man für die komplette Einrichtung des Casa Nodes einfach gleich einen ganzen Tag einplanen sollte.

Da diese aber automatisch im Hintergrund verläuft, muss man sich glücklicherweise sonst aber nicht weiter darum kümmern. Als Nutzer hätte ich mir hier aber trotzdem gewünscht, etwas besser informiert zu werden und zu erfahren, was das Gerät eigentlich gerade genau macht.

Doch ist das Jammern auf hohem Niveau. Denn im Vergleich zum eigenständigen Aufsetzen eines Nodes auf der gleichen Hardware ist ein bisschen warten auch für Laien eine durchaus machbare Aufgabe. Nach einer Nacht war mein Casa Node jedenfalls online und einsatzbereit.

Bitcoin – Lightning – System. Die grafische Benutzeroberfläche des Casa Node ist so einfach wie möglich gestaltet.
Was man mit dem Casa Node machen kann

Um nun die ersten Zahlungen im Lightning-Netzwerk zu machen, müssen Kanäle zu anderen Nodes geöffnet werden. Dafür ist es notwendig den Full Node zunächst einmal mit ein paar Bitcoins auszustatten.

Diese Bitcoins können über die integrierte Bitcoin Core-Wallet ganz „klassisch“ direkt über die Blockchain empfangen und verschickt werden. Oder eben zum Öffnen eines oder mehrerer Zahlungskanäle genutzt werden.

Eastcoast-Leipzig-Westcoast – Nur drei von derzeit rund 30.000 Zahlungskanälen im Lightning-Netzwerk

Die „Autopilot“-Funktion übernimmt dabei einen Großteil der Arbeit, wenn man Kanäle nicht manuell erstellen und verwalten will. Binnen weniger Minuten hatte ich drei Zahlungskanäle zu sehr gut vernetzten Nodes in den USA und damit mein Tor ins Lightning-Netzwerk geöffnet.

Ab jetzt konnte ich selbst per Lightning bezahlen und als später ein paar andere Knoten ihrerseits Kanäle zu mir eröffneten, auch Bitcoins über das Netzwerk empfangen. Denn das geht bekanntlich nur, wenn die entsprechende Kapazität auf der Gegenseite vorhanden ist, die zu einem fließen kann oder man selbst bereits hinreichend viel Geld(-Kapazität) verschickt hat, dass dieses von der anderen Seite wieder zurückfließen kann. (Mehr zum Aufbau und der Funktion von Kanälen in Lightning hier)

Test: Bitcoins über Lightning empfangen und versenden

Da es bislang deutlich einfacher ist, Geld über Lightning zu verschicken (geht immerhin auch per Smartphone-App) als zu empfangen, war letzteres die Herausforderung des Praxistests.

Erfreulicherweise lief das unkompliziert und reibungslos. Beide Test-Zahlungen von meinem Tippin.me-Account auf meinen Node wurden erfolgreich binnen Sekunden durch das Netzwerk geroutet. Zu verschwindend geringen Gebühren.

Überraschenderweise gab es mit dem Bezahlen größere Probleme. Während ich meinen eigenen Tippin.me-Account problemlos erreichte, gelang es mir trotz mehrfacher, über drei Tage verteilter Versuche nicht, einen „I got Lightning working and all I got was this Sticker“ zu kaufen. Das ist insofern verwunderlich als dass beide Anbieter, Tippin.me und Blockstream, in Kalifornien ansässig sind und im Lightning-Netzwerk eigentlich gut verbunden.

Mehr Informationen wären hilfreich

Da sich aber nicht herausfinden ließ, ob der Fehler vom Casa Node oder dem ja selbst noch sehr experimentellen Lightning-Netzwerk zu verantworten ist, gehe ich hier nicht weiter darauf ein. Aber auch, weil ich es gar nicht kann.

Meinen Lightning-Node und ein paar Kanäle habe ich zwar zum Laufen gebracht, diesen Sticker konnte ich aber trotzdem nicht kaufen.

Denn genau das ist einer der Kritikpunkte am Casa Node. Tatsächlich hätte ich mich gerne auf Ursachen- und Fehlersuche begeben. Die sehr simpel und übersichtlich gehaltene Benutzeroberfläche bietet hierfür nur leider keinerlei Möglichkeit. Wenn etwas schiefläuft, muss man das einfach akzeptieren und kann es nur weiter versuchen. Dieser aufgezwungene Fatalismus ist auf Dauer jedoch frustrierend.

So sehr ich die grafische Benutzeroberfläche des Casa Node auch zu schätzen gelernt habe. Hier hätte ich mir die Möglichkeit zum Umschalten in eine Art Expertenmodus gewünscht, der einem detailliertere Einblicke in die Abläufe unter der Haube des Casa Node ermöglicht.

Ohnehin wäre es aus Nutzersicht insgesamt interessant, mehr Daten und Statistiken des eigenen Nodes einsehen zu können. Nicht nur wie viele Kanäle man hat, sondern auch wie viele Zahlungen schon geroutet wurden. Mich würde zum Beispiel interessieren, ob einer meiner mittlerweile sieben Kanäle zwischenzeitlich schon einmal Teil der Route einer anderen Zahlung gewesen ist.

Fazit

Nichtsdestotrotz fällt mein Fazit für den Casa Node sehr positiv aus. Für technisch wenig versierte Nutzer ist er ein überraschend einfacher Weg, ein aktiver Teil des selbst ja noch hochexperimentellen Lightning-Netzwerks zu werden.

Die konsequente Fokussierung auf einfache Bedienbarkeit ist für viele Nutzer sinnvoll und gelungen, wenn man von dem verwirrenden Setup-Prozess einmal absieht. Hier lässt sich die Nutzerführung durch bessere Kommunikation noch deutlich verbessern.

Auch wäre ein optionaler Expertenmodus wünschenswert, der einen detaillierteren Einblick in den eigenen Node ermöglicht. Doch ist das etwas, was sich durch ein Update nachreichen ließe. Hier sollte man dem Casa-Team Zeit geben, mit dem Netzwerk und den Nutzerwünschen zu wachsen.

Ansonsten ist der Casa Node aber ein gelungener Plug-and-play-Full Node, der besonders für Einsteiger und technische Laien interessant ist und dessen einfache und übersichtliche Bedienung den Preis rechtfertigt.


Den Casa Node gibt es für 300 US-Dollar (plus Zoll) im Shop von Casa.

Financial Fackellauf im Lightning-Netzwerk

Man muss schon unter einem Stein gelebt haben, wenn man in den vergangenen Wochen nichts von der Lightning Network Trust Chain gehört hat. Kaum ein anderes Thema begeistert und elektrisiert die Bitcoin-Community derzeit mehr. Aus guten Gründen.

Das erste originäre Lightning-Experiment

Zum einen handelt es sich hierbei um das erste originäre Lightning-Experiment, das ein selbstverstärkendes Momentum erreicht hat aka „viral“ geht. Zwar gab es zuvor schon einige interessante Experimente mit Lightning. Aber weder sind Auktionen etwas gänzlich Neues (auch wenn sie im Millionstel Centbereich stattfinden), noch Spiele, in denen Nano-Transaktionen Interaktionen auslösen und auch satoshis.place ist zwar eine höchst kreative Pixel-Spielwiese, aber letztlich doch auch nur eine angepasste Umsetzung eines vormaligen Reddit-Experiments.

Bei der Trust Chain ist das anders. Dieser Payment-Staffellauf ist vollkommen neuartig und wäre ohne das Lightning-Netzwerk (als Payment-Infrastruktur) und Twitter (als kollektives Kommunikationsmedium) zuvor nicht möglich gewesen.

Höher, weiter, exotischer, prominenter

Darüber hinaus hat die Trust Chain mittlerweile auch schon die Bitcoin- und Lightning-Nerd-Nische verlassen und zieht durch immer neue Besonderheiten und „Rekorde“ das Interesse einer wachsende Öffentlichkeit auf sich. Die Trust Chain wird immer länger, die Teilnehmer des Experiments prominenter und die Umstände, unter denen es weitergeht immer ausgefallener. Doch was ist es denn eigentlich, was das Lightning Network Trust Chain-Experiment so besonders macht?

https://twitter.com/hodlonaut/status/1086703428791865345
Am Anfang war ein Tweet

Alles begann Mitte Januar mit einem Tweet von @hodlonaut in dem diese/r ankündigte eine Zahlung von 100.000 Satoshi (0,001 Bitcoin, gut 3 Euro) über das Lightning-Netzwerk zu schicken. Der Empfänger solle dann seinerseits noch einmal 10.000 Satoshi draufpacken und die Summe an jemand anderes weiterleiten, der dann ebenfalls noch einmal 10.000 Satoshi draufpackt, das Paket weiterreicht und so weiter. Bis die Kette irgendwann einmal abbricht (und man idealerweise etwas daraus lernen kann).

Eigentlich ein ganz einfaches Prinzip und lange lief dieses Experiment selbst unter dem Radar der meisten Bitcoiner. Doch begann die Trust Chain irgendwann eine wachsende Eigendynamik zu entwickeln.

Denn mit der Anzahl der Teilnehmer stieg auch der Wert der „Fackel“, die unter den Augen der Community immer weiter durchs Netzwerk wanderte. Und damit auch die Neugier, zu sehen, wann und wie dieses Experiment scheitert, weil die Technik versagt oder jemand ausschert und den wandernden Honeypot einfach für sich behält.

https://twitter.com/hodlonaut/status/1091067464560066566

Doch obwohl es zwischenzeitlich schon danach aussah. Bislang wächst die Trust Chain immer weiter und mit ihr der Betrag, der mitwandert.

Die Welt ist nicht genug

Fast 190 Mal wurde die Payment-Fackel dabei schon durch das Netzwerk gereicht und durchquerte dabei rund 40 Länder auf sechs Kontinenten. Ob man zusätzlich auch die Antarktis auf der Reiseroute der Trust Chain abhaken kann, bleibt jedoch umstritten. Zumindest stand aber einer der beteiligten Netzwerkknoten auf einem Stein, der vor nicht allzu langer Zeit noch in der Antarktis lag.

Das allein zeigt aber: An Enthusiasmus und Begeisterungsfähigkeit mangelt es den Teilnehmern des Trust Chain-Experiments nicht.

… wo keine Transaktion jemals zuvor gewesen ist.

Was auch die Suche und Umsetzung immer neuer Herausforderungen zeigt. Denn Geld mit Hilfe des Internets einfach nur schnell, billig, unzensierbar und nicht manipulierbar von A nach B senden, ist ja zu einfach.

Zwischenzeitlich verließ die Trust Chain daher sogar die Erde und sogar das Internet. Dabei erreichte und verließ eine Transaktion einen Flieger über dem Atlantik und die „Fackel“ wurde mittlerweile sogar per Satellit übertragen.

Wobei einigen Bitcoinern aber auch das noch nicht genug ist. So kursiert bereits die Idee, eine Transaktionen zum Mond und zurück zu schicken.

https://twitter.com/eriklaan/status/1094977836732035072

Sollte das gelingen, wäre das natürlich eine außergewöhnliche Demonstration und bestes Guerilla-Marketing. Wobei die Trust Chain aber auch so in den Fokus einer immer größeren Öffentlichkeit rückt.

Prominente Lightning-Mitstreiter

Für einen ganz besonderen Aufmerksamkeitsschub hat dabei Hop #151 gesorgt. Mit diesem landete die Trust Chain nämlich bei Jack Dorsey, dem CEO von Twitter

https://twitter.com/jack/status/1092892320842706944

Das kam nicht sonderlich überraschend. Denn zum einen ist „Bitcoin-Twitter“ ohnehin eine der zentralen Kommunikations-Plattformen der Community und zum anderen ist Jack Dorsey auch noch CEO von Square, über deren Cash-App die Nutzer schon seit mehr als einem Jahr Bitcoins kaufen können.

Was viele jedoch überraschte war, wie offen positiv Jack Dorsey Position zu Bitcoin zu bezog. Und zwar nur zu Bitcoin, da er offensichtlich kaum Interesse an Altcoins, irgendwelchen Token oder sonstigen „Blockchain“-Projekten zu haben scheint.

Ein Standpunkt, der von der Bitcoin-Community natürlich dankbar aufgenommen und gefeiert wurde. Erst recht da Jack Dorsey mittlerweile auch ankündigte, Lightning in die Cash-App integrieren zu wollen.

Wobei das letztlich weniger überrascht, wenn man berücksichtigt, dass er auch Investor von Lightning Labs ist, einer der Firmen, die die Umsetzung des Lightning-Networks maßgeblich mit vorantreiben.

Die Schattenseiten der Fackel

Wie jedes soziale Experiment das lange genug läuft oder eine hinreichende Größe erreicht, zeigt aber auch die Trust Chain, dass sie nicht nur aus positiven Aspekten besteht. Immerhin wurde die „Fackel“ nicht immer sofort und freiwillig weitergereicht, sondern mitunter erst auf sozialen Druck der Community. Das kann man gut finden oder nicht.

Aktuell regt sich aber vor allem Unmut darüber, dass die Trust Chain im Wert von aktuell rund 100 Euro in den Händen sogenannter Shitcoiner liegt, die eigentlich nicht zum Kern der Lightning-Community gehören und die Aufmerksamkeit, die ihnen dadurch nun zu Teil wird, für ihre Shitcoin-Projekte missbrauchen.

Aber auch hier kann man über Pro und Contra streiten.

Noch ist das Experiment nicht vorbei

Wer sich nun aber selbst ein Bild vom Fortgang des Lightning Network Trust Chain-Experiments machen will, der findet gesammelte Infos auf takethetorch.online und Aktuelles auf Twitter unter dem Hashtag #LNtrustchain.

Onecoin-Rechtsstreit – Zusammenfassung, Ergebnis, Abrechnung

english version below

tl;dr Rechtsstreit beendet, Vergleich geschlossen, viel gelernt, Spenden können ab sofort zu 100% zurück abgerufen werden.

Mehr als anderthalb Jahre hat es gedauert. Jetzt ist es endlich soweit. Mit diesem Beitrag schließe ich nun offiziell meine Akte Onecoin, berichte über den Verlauf und das Ergebnis meines Rechtsstreits und leite die Auflösung des damit verbundenen Spendenfonds ein.

Doch der Reihe nach:

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Honigdachs #35 – Politik und Bitcoin

Die 35. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin und die Blockchain zu reden auf Dauer zu wenig ist. (iTunes/RSS-Feed)

Honigdachs #35 – Politik und Bitcoin

Dieses mal hinterfragen wir (um es mal ganz vorsichtig auszudrücken), den Standpunkt des Medienwissenschaftlers David Golumbia, der es mit seinen wirklich kruden Thesen zur „Politik von Bitcoin“ sogar bis in den Deutschlandfunk geschafft hat.

Doch auch wenn wir kaum ein gutes Haar an Golumbia lassen, so ist es doch ein guter Anlass, sich ganz generell mal (wieder) mit der eigenen politischen Ausrichtung zu beschäftigen. Und zu fragen, ob die überhaupt mit Bitcoin kompatibel ist.

Doch Politik ist nicht alles

Weil aber auch der aktuelle Stand nicht zu kurz kommen soll, gibt es hintendran dann noch ein paar technischere Neuigkeiten. Wir diskutieren über die Vor- und Nachteile von Neutrino und erklären, warum wir Grin interessant finden, dem Projekt aber auch nicht viel mehr abgewinnen können.

Grin war als Thema übrigens auch ein Hörerwunsch. Wenn auch ihr ein (für die breitere Masse) interessantes Thema oder eine Frage habt, immer her damit. Wir freuen uns über Feedback, Kritik und Anregungen.

Nun aber erst einmal viel Spaß beim Hören:

Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick

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Ist die Blockchain nur ein Abfallprodukt?

Der israelische Bitcoin-Entwickler Udi Wertheimer hat kürzlich auf Twitter eine durchaus provokante These über Blockchains veröffentlicht: Dass eine Blockchain nämlich keineswegs etwas sei, was man haben möchte, geschweige denn in irgendeiner Weise promoten sollte. Die Blockchain sei vielmehr ein Abfallprodukt und notwendiges Übel, um zu erreichen, was man eigentlich haben möchte: eine Konsensentscheidung, wem welches Guthaben gehört.

Das ist eine ungewöhnliche Position, die selbst für Bitcoiner durchaus herausfordernd sein kann und doch lohnt es sich, das Thema „Blockchain“ auch von diesem Standpunkt zu betrachten.

Kritik an der Blockchain ist berechtigt

Nehmen wir zum Beispiel die vielfach geäußerte Kritik, dass Bitcoin so enorm viel Energie verbrauche. Diese Kritik ist ja durchaus begründet. Das Bitcoin-Netzwerk benötigt nun einmal sehr viel Strom zur Absicherung seiner Integrität. Doch geht es in diesem Fall eben nicht anders.

Genau das ist aber der Punkt. Eben weil es so aufwändig ist, eine sichere Blockchain zu etablieren, sollte man um jeden Preis vermeiden, eine Blockchain einzusetzen, wenn dies nicht unbedingt nötig ist. Für rein digitales, zensur- und manipulationssicheres Geld (Bitcoin) gibt es nun einmal (bislang) keine andere Lösung. Für alle anderen bisher propagierten „… but with Blockchain!“-Lösungen in der Regel aber schon.

Neue Sichtweisen sind gut für den Diskurs

Wie herausfordernd (im positiven Sinne) diese unkonventionelle Sichtweise auf Blockchains sein kann, sieht man auch am weiteren Verlauf der durch die These ausgelösten Diskussion. Den vorgebrachten Pro-Blockchain-Argumenten, begegnet Wertheimer nämlich mit guten Gegenargumenten.

Wie zum Beispiel die oftmals so positiv beworbene Unveränderlichkeit, die letztlich jedoch gar kein immanentes Feature einer Blockchain ist, sondern die sich aus dem bereits kritisierten hohen Energieverbrauch, der hinreichenden Größe eines dezentralisierten Netzwerks und aus diversen anderen Faktoren ergibt. Im besten Fall.

Aufgrund dieser vielen unterschiedlichen Faktoren, die in ihrer Gesamtheit die positiven und negativen Eigenschaften einer Blockchain beeinflussen, gleichzeitig in Summe aber nur schwer zu kontrollieren sind, könne man eine Blockchain daher auch nicht als eine Form von Produkt sehen. Sondern nur als Nebenprodukt.

Dass die historisch in einer Blockchain abgelegten Daten trotzdem einen bestimmten Nutzen haben können, ist dabei aber tatsächlich ein Punkt, über den man noch länger diskutieren könnte.

Für den aktuellen Stand, wem welcher Bitcoin gehört, ist das stetig wachsende Archiv an Provenienz-Daten jedoch kaum relevant. Unter Privatsphäre-Aspekten wäre es sogar von Vorteil, wenn die Transaktionshistorie jedes einzelnen Bitcoin nicht dauerhaft und offen gespeichert wäre. Allerdings würde man damit eben auch die Option verlieren, zusätzliche Daten per Time-Stamping in der Blockchain zu verankern. Ist es das wert?

Doch genau um solche Denk- und Diskussionsanstöße geht es hier ja. Dass „Blockchain“ kein Zauberallheilmittel ist, ist mittlerweile bekannt. Dass es vielleicht noch viel weniger, nämlich nur ein Abfallprodukt ist, ist (noch) eine provokante und unpopuläre Definition. Trotzdem ist an dieser These etwas dran.

Vor allem, wenn Udi Wertheimer für die Begründung so plastische Analogien verwendet wie diese:

Bild: Toxic (CC BY 2.0)

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