Lesetipp: Über die Zukunft von Geld und Bitcoin

Daniel Jeffries hat drüben bei Hackernoon mit What Will Bitcoin Look Like in Twenty Years? einen der wichtigsten Texte zu Geld und Bitcoin geschrieben, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Ganz einfach aus dem Grund, weil er sich mit einem Aspekt beschäftigt, der in der Auseinandersetzung bisher viel zu kurz kommt: die Zukunft.

Klar gibt es Texte (und vor allem ICO-Whtepaper), die sich irgendwie mit dem auseinandersetzen, was da so künftig passieren könnte (aber nur, wenn alles nach dem Best Case im Businessplan läuft). Doch eine tiefergehende und vor allem über die eigenen Interessen hinaus gehende Auseinandersetzung mit der Zukunft des Geldes (nicht nur der des Bezahlens!) findet bisher nicht statt.

Was fehlt: Future Economics

Was übrigens nicht nur für Bitcoin, sondern für die Ökonomie im Allgemeinen gilt. Die konzentriert sich nämlich vor allem darauf, aus der Vergangenheit zu lernen und auf die Gegenwart zu reagieren, entwickelt selbst aber keinerlei Visionen, wie unser Geld- und Gesellschaftssystem in 20, 50 oder 100 Jahren aussehen könnte. Oder idealerweise aussehen sollte.

Je mehr ich mich also mit diesem Thema beschäftige – und ich suche und frage nun schon lange nach „Geldvisionären“, aber weder Professoren, Banker noch Journalisten kennen jemanden, der sich wirklich mit der Zukunft des Geldes auseinandersetzt – umso mehr drängt sich der Schluss auf, dass die Finanzbranche in Theorie und Praxis eine gänzlich visionslose Branche ist.

Was eine erschreckende Erkenntnis ist, wenn man bedenkt, wie grundlegend und teils rasant sich die Welt innerhalb der vergangenen 20, 50 oder 100 Jahren verändert hat. Zumal es keinen Anlass gibt, davon auszugehen, dass die Wucht oder Geschwindigkeit künftiger Veränderungen milder ausfallen. Im Gegenteil.

Ein Versuch, die Zukunft zu beschreiben

Genau das macht den Text von Daniel Jeffries dann aber so lesenswert. Denn obwohl auch für ihn klar ist, dass es bei Aussagen über die Zukunft viel leichter ist, falsch zu liegen, als richtig, wagt er zumindest den Versuch, eine mögliche Entwicklung zu skizzieren.

„I’m also going to go much, much deeper than “Bitcoin will go to zero” or “Bitcoin will become the reserve currency and be worth $1,000,000”. That’s not really saying all that much and anyone can do it. Instead we’ll look at how the technology will transform and how society will transform with it.“

Diese Skizze wiederum ist höchst inspirierend. Denn egal, ob man seiner Argumentation folgt oder nicht – wer diesen Text liest, beginnt selbst über die Zukunft des Geldes nachzudenken. Genau das, was bisher viel zu wenig stattfindet.

Die Vision eines professionellen Visionärs

Dass Jeffries dabei sowohl Gründer ist, langjährige IT-Erfahrungen mit sich bringt und auch Science-Fiction-Geschichten schreibt, ist hier von großem Vorteil, weil man merkt, dass er Erfahrung mit dem glaubwürdigen Entwickeln von technologiebasierten Zukunftsszenarien hat.

Das im Hinterkopf sollte man sich auch nicht von der halben Stunde Lesezeit abschrecken lassen, die dieser Artikel mit sich bringt. Es lohnt sich wirklich.

Um das zu zeigen, habe ich hier mal die Zwischenüberschriften herausgezogen und wen die noch immer nicht überzeugen, hier eine Textstelle, die mehr als nur neugierig macht:

„I’m half way through an article called “What If Hitler Had the Blockchain?” Frankly, I don’t want to publish it because I don’t want to give the bad guys any fresh ideas but rest assured it probably doesn’t matter. Their dark minds are already hard at work imagining how to use blockchain as a system of repression and control.“ 

Inhalt

This Internet Thing will Never Work Out

The Rise of Bitcoin, Crypto and Decentralization

1) The Bubble Bursts

2) Government Cryptocurrencies will Flourish

3) Decentralized Cryptocurrencies Will Become a Parallel Economic Operating System for the Planet

4) The Killer App for Crypto is NOT a Browser

5) Blockchain is Just the Beginning of Decentralized Consensus

6) Crypto Will Get a LOT Easier to Use

7) The protocols of Coins will Get Abstracted from the Coins Themselves

8) We will have Four Dominant Meta Coins, Plus Fifty to One Hundred Minor Coins, and Infinite Virtual Variations of These Coins, Plus State Coins

9) We’ll Learn We Didn’t Know Crap About Economics

10) A DAO Will Grow to Fortune 500 Status

11) The Gig Economy Will Grow Big Time

The Controversy Kings

12) The Blockchain Will Enable All Kinds of Evil

13) Bitcoin Has a 50/50 Shot At Surviving

The Final Frontier

Honigdachs #26 – Bitcoin-Maximalismus

Die 26. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan (bitcoinprivacy.net), Manuel (guidap.de) und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin und die Blockchain zu reden auf Dauer zu wenig ist. (iTunes/RSS-Feed)

Honigdachs #26 – Bitcoin-Maximalismus

War es in den letzten Folgen doch sehr technisch (Lightning-Netzwerk) und fachlich (Steuern), ist diese Folge nun wieder sehr meinungsstark. Wir diskutieren – befeuert durch das lang erwartete und derzeit meist diskutierte Bitcoin-Buch The Bitcoin Standard – über „Bitcoin-Maximalismus“, einen Begriff, den wir dringend erst einmal diskutieren und definieren müssen. Immerhin ist der Hype um „Blockchain“ langsam zu Ende und da draußen wird ja sogar schon über den „Bitcoin-Postmaximalismus“ diskutiert.

Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick.

Honigdachs #26 – Bitcoin-Maximalismus weiterlesen

Bitcoin- und Blockchain-Presseschau #95

Ich sag es gleich vorneweg: Das konsumieren dieser Bitcoin- und Blockchain-Presseschau kostet Zeit. Nicht nur, weil die verlinkten Artikel teils etwas länger als Standard-Netzartikel sind. Sondern vor allem, weil sie alle zum Nachdenken anregen. Mehr als sonst, wie ich finde.

Doch darum geht es ja hier. Hintergründiges, Einordnendes und Inspirierendes, das hilft das Phänomen Bitcoin und wie es unsere Welt verändert besser zu verstehen. Insofern ist die hiermit verbrachte Zeit durchaus gut genutzt. Versprochen.


Blockchain Will Be Theirs, Russian Spy Boasted at Conference – New York Times

Ein ISO-Komitee hat es sich zur Aufgabe gemacht, internationale Standards für Blockchain and distributed ledger technologies zu erarbeiten. 35 Länder, darunter auch Deutschland, schicken seit 2016 immer wieder ihre Delegationen zu den Treffen. Eines tritt dabei wohl recht deutlich auf: Russland, dessen Abgesandte teils aus dem Geheimdienst FSB stammen. Auch mit ihrer Motivation halten Sie nicht hinterm Berg: “Look, the internet belongs to the Americans — but blockchain will belong to us,” Klare Ansage.

The Key to Bitcoin Adoption in Third World Countries – Hackernoon

Persönliche Erfahrungen in Afghanistan werfen die Frage auf, warum die Menschen dort und in vielen anderen Entwicklungsländern eigentlich nicht schon längst viel mehr Bitcoin nutzen. Verfügbarkeit und leichter Zugang ist natürlich ein Grund, aber ein anderer, absolut nahe liegender ist Analphabetismus. Denn man muss nicht lesen können, um Facebook bedienen zu können, doch bei Bitcoin ist es noch immer unumgänglich. Nicht nur, um es zu verstehen, sondern auch um bspw. eine Wallet auf dem Smartphone sicher zu verwalten. Der Seed (aka das Backup) ist nämlich standardmäßig eine Wortfolge, die man sich notieren muss. Fazit: Erfrischender Blick über den Tellerrand.

ICOs are Cancer – Michael Flaxman

Der Titel wirkt erst einmal zu drastisch und überzogen, doch die Argumentation in diesem Artikel ist durchaus fundiert, logisch und erhellend. Zumal die Krebs-Metapher dann doch Parallelen zur Realität aufweist. Erst kürzlich reagierte die hiesige Fintech-Szene ja sehr empfindlich auf den vermeintlichen PR-Stunt eines Berliner ICO-finanzierten Startups. Mit offenem Brief, der Aberkennung eines Preises und kritischen Artikeln wurde versucht, einer ICO-getriebenen Entartung offensiv entgegenzutreten. Sogar das staatliche „Immunsystem“, die Staatsanwaltschaft, prüft wohl derzeit die Aufnahme von Ermittlungen.

Sitting with the cyber-sleuths who track cryptocurrency criminalsMIT Technology Review

Klasse Artikel, der sich mit Bitcoin und Co aus Sicht der Strafverfolgungsbehörden beschäftigt und dabei detaillierte Einsichten bietet. Nach der Lektüre zu denken, dass Kryptowährungen das easy Geld für Kriminelle ist, ist eigentlich unmöglich. Die Blockchain vergisst nichts und die Methoden ihr ihre Geheimnisse zu entlocken werden immer raffinierter. Nicht nur auf technischer Ebene.

 

Let’s destroy Bitcoin – MIT Technology Review

Dieser Artikel liefert eine gute Grundlage für eine kontroverse Diskussion. Denn mir scheint die Argumentation für einen FedCoin, FacebookCoin und ein allgegenwärtiges Coin-Multiversum aus tokenisiertem Allerlei insgesamt zu dünn. Nichtsdestotrotz ist es interessant sich mit solcherlei Visionen auseinanderzusetzen. Möglicherweise sind ja nicht alle Punkte vollkommen aus der Luft gegriffen.

Crypto Artists Unlock Value With Lambos, Kitties and Blood – Bloomberg

Ich warte ja seit langem darauf, dass sich die Kunst auf das Thema Bitcoin stürzt und sich endlich mal intensiv an dessen gesellschaftlichen Implikationen abarbeitet. Das Warten wird vorerst wohl aber noch weiter gehen, denn offensichtlich lässt sich auch mit lahmen und vollkommen uninspirierten Projekten (vom im Bild verschlüsselten Private Key abgesehen!) derzeit ein Haufen Kohle verdienen. Beeindruckend, aber trotzdem:

Wie Bitcoin das Leben von Bitcoin-„Millionären“ verändert

Arte hat vor kurzem eine sehenswerte Reportage über Die Bitcoin-„Millionäre“ veröffentlicht. Ich schreibe das Wort hier in Anführungszeichen, weil viele Leute mit dem Begriff „Millionär“ vermutlich etwas anderes assoziieren, als das, was hier gezeigt wird.  Wenngleich die Protagonisten durchaus ein (geld-)sorgenfreies Leben leben. Zumindest derzeit.

Millionär sein ist kein Beruf

Denn der Reichtum und das Millionärsein ist für sie im Kern nicht, das, worum es geht. Die einen arbeiten trotzdem (oder gerade wegen Bitcoin?) sehr emsig. Die anderen brechen komplett aus dem Arbeits- und Konsum-Hamsterrad aus und leben trotz ihres Krypto-Reichtums minimalistischer als vorher. Aber dafür sorgenfrei und ganz im Moment.

Tolle unaufgeregte Reportage mit schönen Bildern aus der ganzen Welt, interessanten Protagonisten und dem kleinen Highlight, dass man mal sieht, wie so ein Bitcoin-Meetup in Thailand abläuft.

Traumhafte Gewinne, ohne staatliche Kontrollen – das verheißen Bitcoins und andere Internetwährungen. Ihre Anhänger glauben an eine finanzielle Revolution. Trotz extrem schwankender Kurse und Warnungen vor einer gefährlichen Blase investieren sie weltweit Milliarden in das digitale Geld. Mit zu hohem Risiko?

Der Holländer Didi Taihuttu (39) hat für Bitcoins und andere digitale Währungen sein Leben und das seiner Familie auf den Kopf gestellt. Noch vor einem halben Jahr besaß der Unternehmer ein Haus und drei Autos. 2017 verkaufte er alles und investierte sein Vermögen in digitale Währungen. Die kalte Jahreszeit verbringt die Familie nun in Thailand. Zwar hat sich Didis Vermögen allein im letzten halben Jahr um das Fünffache vermehrt und rein rechnerisch ist er nun Millionär. Aber die Bitcoin-Familie will langfristig Gewinn machen und pflegt deshalb einen minimalistischen Lebensstil. Brechen die Kurse ein, könnten Didi und seine Familie von heute auf morgen bankrott sein.Auch Robert Küfner und Till Wendler glauben an eine Revolution des Finanzwesens durch digitale Währungen. Und sie wollen ganz vorn mit dabei sein. In der Krypto-Hochburg Berlin haben die beiden Bitcoin-Millionäre das Start-up Advanced Blockchain AG gegründet. Die Pioniere beraten Unternehmen, wie sie die Technologie hinter den Bitcoins – die so genannte Blockchain – künftig nutzen können. Eine dezentrale Datenverarbeitung, die niemand manipulieren kann – mit dieser Idee sollen Finanzmarkt und Industrie umgekrempelt werden. Investoren und namhafte Firmen stehen bereits vor der Tür. Doch noch fehlt es den Jungunternehmern an Mitarbeitern mit dem richtigen Know-how. Auf der Suche nach Programmierern reist Till Wendler in die Ukraine. Die Jungunternehmer stehen extrem unter Druck. Wer im Markt der neuen Krypto-Technologie mitspielen will, muss schnell sein.

Lightning verstehen – Links, Medien und mehr

Es ist erstaunlich. Gestern habe ich hier über meinen Eindruck von Lightning geschrieben, wie rasant sich dieses Netzwerk weiterentwickelt und wie enorm das Interesse an dem Thema wächst.

zugriffszahlen
Mehr als in der ganzen Woche davor: Die Zugriffszahlen beim Thema Lightning

Seitdem gehen die Zugriffszahlen hier im Blog durch die Decke und erreichen wieder ähnliche Höchststände wie im Dezember vergangenen Jahres. Nur dass es jetzt eben nicht der aufgeblähte Bitcoin-Kurs, Gier und Spekulation sind, die die Klicks verursachen, sondern die Faszination an der Technologie dahinter. Und wie sich diese weiterentwickelt. It’s not the money, it’s the technology, stupid! (Oder sagen wir besser: beides.)

Zugriffszahlen stärken die Siedesteinchen-These

Das ist insofern interessant, als dass die Zugriffszahlen ein weiteres Indiz für die in dem Beitrag formulierte These sind, dass es tief in der Bitcoin-Community vor Anspannung, Ideen und Tatendrang nur so brodelt und Lightning nun das Siedesteinchen ist, an dem alles explosionsartig hochkocht. Im positiven Sinne.

Denn Lightning vereint gerade drei Dinge: die ursprüngliche Vision von Bitcoin als Peer-to-Peer Electronic Cash System (mit starker Betonung auf Cash), eine vielversprechende Technologie, mit der diese Vision tatsächlich realisiert werden könnte und die besonders wichtige Tatsache, dass es endlich losgeht! Das Lightning-Netzwerk ist immerhin ein Konzept, an dem schon seit Jahren gefeilt wird.

Aufbruchstimmung wie in den guten alten Tagen

Diese drei Faktoren: große Vision, neue Technologie und das Now let’s go!-Momentum bringen aktuell immer mehr Steine ins Rollen. Kein Wunder also, dass sich viele langjährige Bitcoiner ein bisschen an die guten alten Tage™ von Bitcoin erinnert fühlen. Als sich noch alles unter dem Radar entwickelte und es außer ihnen nur wenige andere gab, die verstanden, was da gerade vor sich geht und wie groß das einmal werden könnte.

Auch ich fühle mich aktuell ein bisschen an meine ersten Wochen und Monate in Bitcoin erinnert und da ist es nur konsequent, auch mit diesem Blog hier zu den Wurzeln von damals zurückzukehren. Denn als Rechercheblog habe ich seit damals versucht, hier auf der Seite sowohl meine eigenen Erkenntnisse zu sammeln und zu dokumentieren als auch anderen den Einstieg in das Thema Bitcoin systematisch zu erleichtern. Genau diese Herangehensweise scheint mir jetzt auch für Lightning sinnvoll.

Eine Seite sie alle zu finden, ins Licht zu treiben und ewig zu verlinken

Dem aufmerksamen Leser wird daher aufgefallen sein, dass der gestrige Beitrag vergleichsweise arm an Links war. Das war tatsächlich Absicht, denn ich habe gar nicht erst versucht, all die Seiten, Artikel und Medien zu Lightning irgendwie mit in den Artikel zu quetschen, sondern hatte mich schon entschieden, dem Lightning-Netzwerk eine eigene Seite zu widmen, auf der ich Links und andere nützliche Quellen sammle.

Diese Seite ist nun online und bündelt zumindest schon mal ein paar Informationen und Verweise, die ich als hilfreich erachte, um Lightning zu verstehen. Links, Artikel, Statistiken, Videos, Podcasts – wer sich für Lightning interessiert, findet hier ab jetzt zumindest einen Einstieg in das Thema. Finde und lerne ich neues, landet es ebenfalls dort. Falls ihr einen außerordentlich guten Link habt, der noch fehlt – immer her damit.

Direkt zur Lightning verstehen-Seite

Bild: „Lightnings“ (CC BY-SA 2.0)

⚡Lightning⚡ – Ein Bitcoin-Sturm zieht auf

Ich war vergangenen Samstag in Berlin beim Lightning Network Hackday, einem dieser nerdigen Events, die man selbst mal erlebt haben muss. Nur dann kann man wirklich verstehen, was gerade (seit ein paar Monaten) intern bei Bitcoin abgeht und mit welcher rasanten Geschwindigkeit die kollektive Weiterentwicklung des Projekts wieder Fahrt aufnimmt.

Wirkt wie ein Siedesteinchen: Das Lightning-Netzwerk

Nachdem nämlich jahrelang die Debatte um die Skalierung lähmend über Bitcoin lag, aber in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres mit der Implementierung von Segwit und der Abspaltung von Bitcoin Cash ein Ende gefunden hat, wirkt es, als wäre ein Damm gebrochen. Es herrscht Aufbruchstimmung in der Community. Und zwar gewaltige.

Grund dafür ist vor allem das Lightning-Netzwerk, die große technische Erweiterung, die Bitcoin nun endlich die Eigenschaften geben soll, die es noch braucht, um zu einem echten globalen Zahlungssystem zu werden: instantane Zahlungen bei extrem niedrigen Gebühren, Mikro- und Nano-Transaktionen im Milli-Cent-Bereich und sogar darunter, verbesserte Anonymität und Privatsphäre und eine Anzahl zeitgleicher Transaktionen mindestens auf dem Niveau von „traditionellen“ zentralisierten Zahlungsdienstleistern wie Visa und Co. Überall auf der Welt, also auch in den Regionen, in denen noch nie zuvor ein Finanzdienstleister gewesen ist.

The return of the Magic Internet Money

Das alles aber nicht auf irgendeiner hochriskanten, weil ungestesteten und ICO-finanzierten „Blockchain 2.0/3.0/x.0-Technologie“, sondern auf der sichersten und bewährtesten dezentralen Infrastruktur, die es gibt: Der Blockchain.

Die Blockchain, die nun seit neun Jahren läuft und mehr als 17 Millionen Bitcoins mit einem Gesamtwert von +150 Milliarden US-Dollar verwaltet.

uptime
Zwischen dem 3.1.2009 (Block 0) und dem 9.1.2009 (Block 1) gab es mal eine Pause.

Das klingt fantastisch und fast zu schön um wahr zu sein, doch im Gegensatz zu vielen anderen „Blockchain“-Projekten, die ebenfalls ähnlich hohe Versprechungen machen, ist das Lightning-Netzwerk bereits aktiv und es wächst rasant. Fast 2000 Knoten verwalten aktuell in mehr als 5000 Kanälen Satoshis (die kleinste Bitcoin-Einheit) im Wert von knapp 150.000 US-Dollar.

lightning netzwerk2
Das Lightning-Netzwerk Stand 1. Mai 2018

Gemessen an den absoluten Zahlen, ist das natürlich ein vergleichbar kleines Experiment, doch ist die Wachstumsrate beeindruckend. Innerhalb von drei Monaten hat sich die Anzahl der Knoten des Lightning-Netzwerks nahezu verzehnfacht.

Dieser Trend ist nicht nur virtuell. Neben dem Lightning Network Hackday in Berlin fanden zwei ähnliche Events noch einmal in Berlin und in München statt. Innerhalb nur einer Woche.

Down the Bitcoin-Rabbit-Hole, Teil 2

Die enorme Nachfrage nach solcherlei Veranstaltungen zeigt jedoch auch eine andere Seite von Lightning: Es ist viel Austausch, Lernen, Erklären und Verstehen nötig.

Das Konzept ist technisch und konzeptionell sehr anspruchsvoll und ähnlich fordernd, wie Bitcoin. Nur, dass man eben erst einmal Bitcoin verstanden haben muss, bevor man bei Lightning überhaupt eine Chance hat. Das eine basiert direkt auf dem anderen und allen seinen Möglichkeiten u.a. für zwar begrenzte, aber dafür clevere und nützliche Smart Contracts.

Genau das macht aber auch den Reiz für viele Entwickler aus, die sich mit Bitcoin bereits auskennen. Denn wer Lightning zu verstehen beginnt, entdeckt in dem zugrunde liegenden Konzept eine ähnliche Brillanz wie bei Bitcoin selbst. Und erlebt auch einen vergleichbaren Aha-Moment, wenn es *klick* macht und all die Puzzle-Teile beginnen sich zusammenzufügen.

Lightning ist aber trotzdem Experiment

Trotzdem muss man an dieser Stelle aber auch erwähnen, dass das Lightning-Netzwerk ebenso wie Bitcoin insgesamt ein großes Experiment ist. Und Experimente können scheitern. Noch ist das Konzept ganz neu. Die Erprobungsphase läuft erst seit kurzem. Bugs, Rückschläge und der Totalausfall sind zumindest nicht unwahrscheinlich. Es gibt also keine Garantie, dass das Lightning-Netzwerk der nächste heiße Scheiß™ wird. Andererseits kann man es aber auch nicht ausschließen.

Und viel mehr noch. Allein die Atmosphäre auf dem Lightning Network Hackday am Samstag, das große Interesse Lightning zu verstehen, es selbst auszuprobieren, die vielfältigen Visionen, was man damit machen könnte und die hohe Qualität der Diskussionen über Funktionalität, Risiken und Herausforderungen haben mir zumindest einen sehr guten Einblick gegeben, wie viel Brainpower aktuell in Bitcoin und das Lightning-Netzwerk fließt.

Lightning-Netzwerk mit Netzwerk-Effekt

Nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt. Nur zeigt sich das bei solch einem dezentralen Projekt wie Bitcoin eben nicht so offensichtlich. Dennoch ist die Innovationsquote hoch. Gestern ging direkt ein neues Paper online, das Lightning noch effektiver zu machen verspricht.

Ein Indiz für eine These, die ansonsten schwer mit Zahlen zu belegen ist: Die Wahrscheinlichkeit, dass sich bald (oder sogar schon jetzt) die meisten der tatsächlich kompetenten Leute im „Blockchain“-Ökosystem mit Bitcoin und Lightning beschäftigen, ist hoch. Denn es ist ziemlich gut möglich, dass hier gerade das entscheidende Layer 2-Protokoll entsteht, das die nächste große Bitcoin-Evolutionsstufe bereitet.

Was das genau bedeuten würde, müssen wir erst noch herausfinden. Von der möglicherweise enormen Wucht dieses metaphorischen Gewitters sollte man sich jedenfalls nicht überraschen lassen. Ich empfehle daher jedem, sich zeitnah auch einmal mit Lightning auseinanderzusetzen.

Bild: „Lightnings“ (CC BY-SA 2.0)

Bitcoin- und Blockchain-Presseschau #94

Zwischenzeitlich hatte ich aus verschiedenen Gründen eine ganze Weile keine Lust mehr auf die Bitcoin- und Blockchain-Presseschau, obwohl das eines ältesten und eigentlich auch beliebtesten Formate hier im Blog war.

Totgesagte leben länger

Diese Pause war aber letztlich gut, denn einige Dinge haben sich seitdem geändert und seit einiger Zeit schon verspüre ich den Drang das Format wieder aufzunehmen. Nicht zuletzt, weil es mir selbst hilft, die Orientierung zu behalten in der immer größer werdenden Flut an Bitcoin-, Blockchain- und Krypto-News, -PR und Schlagzeilen.

Und da ich davon ausgehe, dass es auch einer ganzen Reihe anderer Leute so geht, fange ich nun also wieder an. Für mich und für euch.

Lesen und kuratieren gegen die Orientierungslosigkeit

Mein Ziel ist es, zwischen all dem Krypto-Noise, „Blockchain“-Bullshit und Token-Hype, der permanent durchs Netz geblasen wird, diejenigen Links, Artikel und Beiträge zu finden und zu sammeln, die einen Klick wirklich wert sind. Die hilfreiche Informationen, Erkenntnisse und Denkanstöße liefern oder auf ganz besondere Weise unterhalten. Kurzum: Alles, was hilft das Phänomen Bitcoin zu verstehen.

Wie das gelingt, werden wir sehen. Aber ich hab Lust drauf und das ist am Ende, worauf es ankommt.

Irre Geldgeschichten – faz.net

Je höher der Bitcoin-Preis steigt, desto mehr wird er zum Gesprächsthema in der Gesellschaft und je mehr Leute über Bitcoin sprechen, desto höher steigt der Preis. Diesen vermeintlichen Zusammenhang konnte man beim Kursfeuerwerk Ende vergangenen Jahres leicht beobachten. Begründen ließe sich das möglicherweise durch das Konzept der „narrativen Ökonomie“. Medien als Preismitgestalter also? Interessante These, die wir vielleicht auch am übernächsten Freitag, auf der Media Convention/Republica in Berlin besprechen. Da plaudern wir nämlich zum Thema „Wenn Technologie zum Hype wird: von Medien, Blockchains & Krypto“ auf dem Podium.

Intervju – Bitcoinlegenden Tuur Demeester – Investerabitcoin

Kurzweiliges aber erhellendes Interview mit der „Bitcoinlegende“ Tuur Demeester, einem Investor und Marktanalysten und einer der wenigen Personen, denen man unbedingt auf Crypto-Twitter folgen sollte. Niemand findet relevante Informationen besser und bereitet diese twitterfreundlicher auf als Tuur. Kostprobe:

Why Bitcoin is Different – Medium/Jimmy Song

Einer der meistgelesenen Texte der letzten Wochen, der anschaulich verdeutlicht, warum Bitcoin im +1500 Altcoins und Token umfassenden Krypto-Ökosystem eine hervorgehobene Rolle spielt und auch in Zukunft spielen wird. Bitcoin-Maximalismus at its best, aber nicht ungerechtfertigt.

The Blockchain on the High Seas – Bloomberg

Erfrischend geschriebene Kolumne, die den Buzz um all die PR-tauglich aufbereiteten Corporate Blockchain Solutions mit einem einzigen Satz entzaubert: „You can’t revolutionize the shipping industry if everyone’s using a different blockchain system.“ Gilt im Übrigen nicht nur für die shipping industrie.

„Der Begriff Blockchain wurde gekidnappt“ – wiwo.de

Dieses launige Portrait von Bobby Lee, dem „Bitcoin-Gott Chinas“, passt im Grundtenor zu obigem Artikel. Was nütze es, bspw. Immobilien über die Blockchain zu verwalten, wenn ich letztlich doch eine zentrale Behörde brauche, die sicherstellt, dass ich meinen digitalen Schlüssel und damit realen Besitz nicht final irgendwo verschussel? Nichts. Zentraliserte aka private Blockchains seien letztlich nur eine hippere Umschreibung für dröge Datenbanken. Eine Erfindung von IBM aus den 1960ern.

Bitcoin’s Academic Pedigree. The concept of cryptocurrencies is built from forgotten ideas in research literature – queue.acm.org

Toller Beitrag, der all die Konzepte systematisch zusammenfasst und deren Verknüpfung beleuchtet, die die Grundlage für Bitcoin bzw. den „Nakamoto Consensus“ bilden. Wer zum Lesen zu faul ist. Allein diese Infografik ist Gold wert.

Das Lightning-Netzwerk wächst!

Schöne Bilder. Visualisierungen fetzen.

https://twitter.com/ArminVanBitcoin/status/988086488335347712

Titelbild: “Zeitungsausträger” Flickr-User barmala (CC BY 2.0)

Hörtipp: Unchained-Podcast von Laura Shin

Ich höre zur Zeit einige der Folgen des Unchained-Podcasts von Laura Shin, in dem Sie mit verschiedenen, namhaften Akteuren aus dem Bereich Bitcoin und Blockchain spricht.

Das machen zwar viele andere auch, aber die Stärke von Laura Shin ist es, dass sie sich als Journalistin schon lange mit Bitcoin und Co. beschäftigt, daher sehr gut im Thema steckt und sich ein entsprechend großes Netzwerk aufgebaut hat. Vor allem aber schafft sie es, ihre Gesprächspartner zum Reden zu bringen und ihnen Aussagen zu entlocken, die man sonst nicht so findet.

Die Naivität des Vitalik Buterin herausgearbeitet

Unbedingt hören sollte man daher die Folge mit Ethereum-„Wunderkind“ Vitalik Buterin, den man danach in einem ganz anderen Licht sehen muss, als es sonst in den Medien vermittelt wird. Kein besseres, um das hier mal gleich vorweg zu nehmen.

Immerhin sagt er, dass er sich nicht vorstellen könne, dass irgendwer die Ethereum-Plattform für einen ICO mit betrügerischen Absichten nutzen würde. Angesichts von Studien, Behörden und Experten, die sich nicht darüber uneins sind, ob, sondern wie viele der ICOs betrügerische Absichten verfolgen, ein Statement, das an Naivität kaum zu übertreffen ist.

Zumal Vitaliks Meinung und Denke dank seines Status als Gründer noch immer die Macht hat, die Richtung von Ethereum maßgeblich mitzubestimmen.  Das sieht er aber selbst auch gar nicht so kritisch.

Bis zu welchem Preis ist Bitcoin-Mining profitabel?

Sehr aufschlussreich fand ich außerdem die Frage an die Gründer des Bitcoin-Mining-Unternehmens Bitfury, Valery Vavilov und George Kikvadze, bis zu welchem Kurs denn das Mining für sie eigentlich profitabel sei. Sie haben darauf eine Antwort gegeben, die ich hier aber nicht spoilere. Nur so viel: beim aktuellen Kurs müssen sie sich noch keine Sorgen machen.

Gut für lange Fahrten

Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Episoden, dich ich auch noch nicht gehört habe, aber in den nächsten Tagen mal angehen werde. Immerhin wartet eine etwas längere Reise auf mich. Am Freitag werde ich nämlich einen launigen Vortrag über Kryptowährungen auf der Pushcon in Ahaus halten. Wer in der Nähe ist: Vorbeikommen lohnt sich. Auch dort gibt es Interessantes zu erfahren.

Honigdachs #25 – Lightning-Netzwerk Teil 2

Die 25. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan (bitcoinprivacy.net), Manuel (guidap.de) und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin und die Blockchain zu reden auf Dauer zu wenig ist. (iTunes/RSS-Feed)

Honigdachs #25 – Lightning-Netzwerk Teil 2

Dieses Mal wird es wieder ein bisschen technischer und inhaltlich anspruchsvoller. Denn nachdem wir in Folge #23 bereits zum ersten Mal über Lightning gesprochen und dabei den grundsätzlichen Aufbau von Transaktionen und die sich daraus ergebende Möglichkeit für Payment Channels erklärt haben, gehen wir nun einen Schritt weiter.

Wir besprechen, wie viele einzelne Payment Channels zu einem großen Netzwerk werden können und wie man darin ganz ohne Mittelsmann sicher gehen kann, dass D sein Geld von A kriegt, ohne dass B oder C es zwischendurch stibitzen. In einem dezentralen Netzwerk keine ganz triviale Angelegenheit und die kryptographisch ausgeklügelten Konzepte nachzuvollziehen, erfordert einiges an Gehirnschmalz und Denk-Elastizität. Aber je länger man drüber nachdenkt, umso genialer wird es.

 

Also zumindest in der Theorie. Denn in der Praxis muss nun getestet und erprobt, angegriffen und abgewährt werden und sich zeigen, dass das Lightning-Netzwerk nicht nur unter realen Bedingungen funktionieren kann, sondern auch als Infrastruktur angenommen wird.

Wer jetzt abgeschreckt ist, der sei beruhigt. Wir reden nicht nur über Technik und Abstraktes, sondern auch um Leute, die sehr viel Sex haben und um Basslines, die so lange als unmöglich zu spielen gelten, bis einer daherkommt und sie einfach mal ganz locker runterzupft. Aber hört selbst.

Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick.

Honigdachs #25 – Lightning-Netzwerk Teil 2 weiterlesen

So erklärt die New York Times Bitcoin

Erstaunlich! Die altehrwürdige New York Times berichtet schon seit mindestens vier Jahren sehr differenziert und gut recherchiert über Bitcoin, doch erst jetzt gibt es für die Leser das obligatorische  Grundlagen-Erklärvideo.

Ob es gelungen ist, soll jeder selbst beurteilen. Ich denke aber eher nicht, dass diese zwei knappen Minuten die Zielgruppe signifikant von ihrer baffledness befreit. Dafür nehmen Aspekte wie Mining und der Anstieg der Difficulty einen zu großen Raum ein.

Auch ein kurzes Video ist besser als kein Video

Dennoch – da nur Bildung und Aufklärung die Grundlage für eine allgemeine, kritisch-fundierte Auseinandersetzung der Gesellschaft mit Bitcoin schaffen, ist auch dieses Video in Verbindung mit der Reichweite der New York Times, wenn auch nicht der ganz große Wurf,  zumindest ein weiterer kleiner Wissensbaustein.

Aktuelles, Kritisches und Hintergründiges zu Bitcoin, Blockchain und Crypto-Kultur