Der Shitcoin-Detektor

Das hier ist eigentlich genau das Richtige für den Wochenstart. Denn wer kennt das nicht. Man erwacht am Montag und wundert sich beim Blick aufs eigene Krypto-Portfolio, wie dolle wohl das Wochenende gewesen sein muss und wo auf einmal dieser bunte Blumenstrauß an dubiosen Kryptowährungen, Coins, Token und ähnlichem Zeug herkommt.

Pointierte Shitcoin-Bewertungen aus dem Zufallsgenerator

Um nun also herauszufinden, wie schlimm der Shitcoin-Trading-Kater wirklich ist, hilft vielleicht doiownashitcoin.com.

Dort einfach das Währungskürzel in die Maske eingeben und schon weiß man mehr. Hier mal die aktuellen Top Five-Cryptos nach Marktkapitalisierung, deren Bewertungen durchaus treffend sind.

#1 Bitcoin

btc

#2 Ethereum

eth

#3 Ripple

XLR

#4 Bitcoin Cash

BCH

#5 EOS

eos

Je weiter man die Liste allerdings nach unten durchgeht, desto häufiger erzeugt der Zufallsgenerator die Bewertungen und der Shitcoin-Detektor kennt nur noch Formulierungen für zwei Abstufungen in Geht-So-Shitcoin und Totaler Shitcoin.

Außer natürlich man trägt einen Klassiker ein. Dann kommt sowas. Welcher Coin das wohl ist?

Doge

Honigdachs #27 – Bitcoin-Gamification

Die 27. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan (bitcoinprivacy.net), Manuel (guidap.de) und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin und die Blockchain zu reden auf Dauer zu wenig ist. (iTunes/RSS-Feed)

Honigdachs #27 – Bitcoin-Gamification

Dieses Mal starten wir ein Experiment und tasten uns im wahrsten Sinne des Wortes spielerisch an die Themen dieser Folge heran.

Denn nachdem ich und 28 andere Duderinos vor einiger Zeit das Kartenspiel Bitcoin Empire – To The Moon erfolgreich und ganz oldschool (also ohne ICO) über Kickstarter finanziert haben, muss das Ergebnis nun ja auch mal ordnungsgemäß getestet werden.

Und wer könnte all die offenen und versteckten Bitcoin-Andeutungen in diesem Spiel besser dechiffrieren als eure drei Dachse von der Tanke™?

Harter Kampf mit allen Mittel

Während wir uns also im Kampf um Bitcoins, Börsen und Moon Token gegenseitig hacken, verklagen, mit Schmutz bewerfen und uns mit allerlei Gemeinheiten bamboozeln, sprechen wir auch über gute Podcasts, neue Drolligkeiten unseres Lieblingsclowns, der große Faketoshi und überlegen, warum bei Bitcoin am Ende nicht immer der am reichsten ist, der die besten Skills hat.

Bitcoin empire kleiner
29 Leute haben im Netz zusammengelegt, um dieses Spiel zu finanzieren. Darunter auch ich.

Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick und wer heute zum Leipziger Bitcoin-Themenabend kommt oder zum nächsten Stammtisch hier in der Stadt, darf dann selbst mal unter Beweis stellen, ob er oder sie das Zeug dazu hat, zum Bitcoin-Imperator aufzusteigen.

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Bitcoin & Lightning im Deutschlandfunk-Kultur

Am Samstag habe ich bei den Kollegen von Breitband beim Deutschlandfunk Kultur kurz über Lightning berichtet und inwieweit die weit verbreitete Analogie von Bitcoin und dem Internet der 90er Jahre eigentlich passt. (tl;dl passt schon.) 

Das Gespräch kann man in Gänze hier nachhören und ich sag es gleich vorweg – das ist nur der erste Einstieg in das Thema Lightning. Mehr Informationen sind in neun Minuten einfach nicht unterzubringen.

Es gibt aber durchaus noch mehr zu Lightning zu erzählen

Aber wie die Moderatorin Vera Linß schon sagt, könnte Lightning wohl auch in kommenden Sendungen noch mehr zum Thema werden.

Erklärungsbedarf gibt es ja genug, wie der folgende Tweet zeigt, der auf wunderbare Weise gleichzeitig weder ganz richtig noch ganz falsch ist.

Bild: „Classic old radio 1960s or 70s style“ Flickr-User theslowlane (CC BY 2.0)

Wie man „Blockchain“ grammatikalisch richtig verwendet

Vor einigen Tagen bin ich auf folgenden sehr hilfreichen Service-Tweet von Michael Perklin gestoßen, in dem er auf ein Google Doc verweist, das die grammatikalisch richtige Verwendung der Begriffe „Bitcoin“, „Blockchain“ und „Ethereum“ erklärt.

Wobei es schon erstaunlich ist, dass solch ein Dokument überhaupt notwendig ist. Aber offensichtlich haben sehr viele Menschen, sehr große Schwierigkeiten mit der korrekten Schreibweise und grammatikalisch richtigen Verwendung dieser Begriffe.

Warum, bleibt jedoch ein Geheimnis. Denn die Grundregeln der deutschen und englischen Sprache gelten auch für Neologismen und sind in diesem Zusammenhang eigentlich recht leicht anwendbar. Kleines Beispiel: Wenn das neu geschaffene Wort „Bitcoin“ ist (siehe Primärquelle), gibt es eigentlich keinen Grund irgendwo „BitCoin“ oder „Bit Coin“ zu schreiben.

Es gibt kein „Blockchain“

Der durch die breite Masse hinweg allgemein jedoch am häufigsten gemachte Fehler ist meiner Beobachtung nach die fehlende Deklination des Begriffs „Blockchain“.

Denn entweder nutzt man den Begriff mit bestimmtem oder unbestimmtem Artikel, wobei sich „die Blockchain“ dabei in der Regel auf die Bitcoin-Blockchain und „eine Blockchain“ auf Alternativen wie die von Ethereum, Litecoin, Monero etc. bezieht. Oder aber man erweitert den Begriff, wie zum Beispiel die Bundesregierung, wenn sie im Koalitionsvertrag von „Blockchain-Strategie“ oder „Blockchain-Technologie“ spricht.

Dass beide Begriffe inhaltlich eher abstrakt und nichtssagend sind, steht dabei auf einem anderen Blatt, grammatikalisch ist es aber zumindest korrekt. Ganz im Gegensatz zu einem prototypischen Satz, wie man ihn immer wieder von Konferenz X, aus Pressemitteilung Y oder von Unternehmensvertreter Z hört: „Wir planen den Einsatz von Blockchain.“ 

Das ist nämlich sowohl grammatikalisch Unsinn als auch inhaltlich leer und ist ein ziemlich sicheres Indiz dafür, dass hier jemand keine Ahnung von dem hat, wovon er spricht, aber trotzdem auf dicke Hosen machen will. Ist halt nur peinlich, wenn das auffällt.

Merke: Niemand, der sich ernsthaft mit der Materie auskennt, nutzt den Begriff „Blockchain“ in ganzen Sätzen alleinstehend und in undekliniertem Zustand.

Blockchain = Datenbank

Wer selbst seine „Blockchain“-Grammatik überprüfen will, dem sei der Tipp von Michael Perklin ans Herz gelegt, einfach mal den Begriff „Blockchain“ durch „Datenbank“ zu ersetzen und zu schauen, ob der Satz dann noch Sinn ergibt. Gilt im übrigen nicht nur für die Grammatik, sondern auch für den inhaltlichen Gehalt.

Als Entschuldigung für die weit verbreitete „Blockchain“-Grammatik-Schwäche könnte man an dieser Stelle noch darauf verweisen, dass ja selbst der Duden das Wort „Blockchain“ nicht kennt („meinten sie Blockhaus?“). Aber das ist wirklich eine schlechte Ausrede, wenngleich eine interessante. Denn zu „Bitcoin“ gibt es gleich zwei Einträge. Als „über das Internet funktionierendes Zahlungssystem“ und als „Einheit des Zahlungssystems Bitcoin“.

#BTCM – Das Bitcoin- & Krypto-„Klassentreffen“ in Essen

Ich war am Samstag in Essen auf dem (der?) #BTCM2018, einer ganz eigenen Mischung aus Crypto-Konferenz und internationalem Meetup, die es sonst wohl nirgendwo anders gibt.

Denn die bunte und sehr interessante Durchmischung der Teilnehmer und Speaker zusammen mit der unaufgeregten Einfach-Machen– und Get-Lost/Get Found-Atmosphäre der Location, dem Unperfekthaus, sorgen für einen Charme, bei dem man sich ganz schnell wohl fühlt und mit Leuten ins Gespräch kommt, die man wohl nirgendwo anders direkt beieinander treffen würde: Miner, Gründer, Aktivisten, Neulinge, Cypherpunks, Anwälte, Blogger – aus allen Ecken war jemand da und alle haben sich – teils hitzig, aber immer auf Augenhöhe –  miteinander ausgetauscht.

Was die (das?) #BTCM2018 nun schon zum zweiten Mal zu so etwas wie dem inoffiziellen Klassentreffen der lokalen, aebr eben auch internationalen Bitcoin- und Krypto-Szene macht. Neben dem HCPP, den Breaking Bitcoin bzw. Building on Bitcoin-Konferenzen und der Baltic Honeybadger ist die (das?) #BTCM2018 damit wohl eines der nahbarsten und authentischsten Bitcoin-Events.

Wenngleich Bitcoin-Maximalisten im Programm wohl eine etwas zu hohe „Blockchain“ und ICO/Tokensale-Ankündigungs-Quote monieren würden.

Doch ist das Programm, wie so oft, letztlich auch hier nur der offizielle Anlass, sich zu treffen. Das, was am Ende in Erinnerung bleibt, passiert ohnehin abseits der Bühne. Bekannte Gesichter (wieder-)treffen), Raum für ungezwungene Off-Topic-Diskussionen, ein Gefühl für Stimmungen, Tendenzen und Meinungen kriegen und sich selbst für neue Projekte, Artikel und Formate inspirieren lassen.

Mir bleibt jedenfalls, auch wenn ich leider nur kurz da sein konnte, vieles in sehr guter Erinnerung.  Und sollte die (das?) #BTCM auch 2019 noch einmal stattfinden, komme ich gerne wieder.

Dann aber definitiv ohne die „Unterstützung“ der Deutschen Bahn.

Lesetipp: Über die Zukunft von Geld und Bitcoin

Daniel Jeffries hat drüben bei Hackernoon mit What Will Bitcoin Look Like in Twenty Years? einen der wichtigsten Texte zu Geld und Bitcoin geschrieben, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Ganz einfach aus dem Grund, weil er sich mit einem Aspekt beschäftigt, der in der Auseinandersetzung bisher viel zu kurz kommt: die Zukunft.

Klar gibt es Texte (und vor allem ICO-Whtepaper), die sich irgendwie mit dem auseinandersetzen, was da so künftig passieren könnte (aber nur, wenn alles nach dem Best Case im Businessplan läuft). Doch eine tiefergehende und vor allem über die eigenen Interessen hinaus gehende Auseinandersetzung mit der Zukunft des Geldes (nicht nur der des Bezahlens!) findet bisher nicht statt.

Was fehlt: Future Economics

Was übrigens nicht nur für Bitcoin, sondern für die Ökonomie im Allgemeinen gilt. Die konzentriert sich nämlich vor allem darauf, aus der Vergangenheit zu lernen und auf die Gegenwart zu reagieren, entwickelt selbst aber keinerlei Visionen, wie unser Geld- und Gesellschaftssystem in 20, 50 oder 100 Jahren aussehen könnte. Oder idealerweise aussehen sollte.

Je mehr ich mich also mit diesem Thema beschäftige – und ich suche und frage nun schon lange nach „Geldvisionären“, aber weder Professoren, Banker noch Journalisten kennen jemanden, der sich wirklich mit der Zukunft des Geldes auseinandersetzt – umso mehr drängt sich der Schluss auf, dass die Finanzbranche in Theorie und Praxis eine gänzlich visionslose Branche ist.

Was eine erschreckende Erkenntnis ist, wenn man bedenkt, wie grundlegend und teils rasant sich die Welt innerhalb der vergangenen 20, 50 oder 100 Jahren verändert hat. Zumal es keinen Anlass gibt, davon auszugehen, dass die Wucht oder Geschwindigkeit künftiger Veränderungen milder ausfallen. Im Gegenteil.

Ein Versuch, die Zukunft zu beschreiben

Genau das macht den Text von Daniel Jeffries dann aber so lesenswert. Denn obwohl auch für ihn klar ist, dass es bei Aussagen über die Zukunft viel leichter ist, falsch zu liegen, als richtig, wagt er zumindest den Versuch, eine mögliche Entwicklung zu skizzieren.

„I’m also going to go much, much deeper than “Bitcoin will go to zero” or “Bitcoin will become the reserve currency and be worth $1,000,000”. That’s not really saying all that much and anyone can do it. Instead we’ll look at how the technology will transform and how society will transform with it.“

Diese Skizze wiederum ist höchst inspirierend. Denn egal, ob man seiner Argumentation folgt oder nicht – wer diesen Text liest, beginnt selbst über die Zukunft des Geldes nachzudenken. Genau das, was bisher viel zu wenig stattfindet.

Die Vision eines professionellen Visionärs

Dass Jeffries dabei sowohl Gründer ist, langjährige IT-Erfahrungen mit sich bringt und auch Science-Fiction-Geschichten schreibt, ist hier von großem Vorteil, weil man merkt, dass er Erfahrung mit dem glaubwürdigen Entwickeln von technologiebasierten Zukunftsszenarien hat.

Das im Hinterkopf sollte man sich auch nicht von der halben Stunde Lesezeit abschrecken lassen, die dieser Artikel mit sich bringt. Es lohnt sich wirklich.

Um das zu zeigen, habe ich hier mal die Zwischenüberschriften herausgezogen und wen die noch immer nicht überzeugen, hier eine Textstelle, die mehr als nur neugierig macht:

„I’m half way through an article called “What If Hitler Had the Blockchain?” Frankly, I don’t want to publish it because I don’t want to give the bad guys any fresh ideas but rest assured it probably doesn’t matter. Their dark minds are already hard at work imagining how to use blockchain as a system of repression and control.“ 

Inhalt

This Internet Thing will Never Work Out

The Rise of Bitcoin, Crypto and Decentralization

1) The Bubble Bursts

2) Government Cryptocurrencies will Flourish

3) Decentralized Cryptocurrencies Will Become a Parallel Economic Operating System for the Planet

4) The Killer App for Crypto is NOT a Browser

5) Blockchain is Just the Beginning of Decentralized Consensus

6) Crypto Will Get a LOT Easier to Use

7) The protocols of Coins will Get Abstracted from the Coins Themselves

8) We will have Four Dominant Meta Coins, Plus Fifty to One Hundred Minor Coins, and Infinite Virtual Variations of These Coins, Plus State Coins

9) We’ll Learn We Didn’t Know Crap About Economics

10) A DAO Will Grow to Fortune 500 Status

11) The Gig Economy Will Grow Big Time

The Controversy Kings

12) The Blockchain Will Enable All Kinds of Evil

13) Bitcoin Has a 50/50 Shot At Surviving

The Final Frontier

Honigdachs #26 – Bitcoin-Maximalismus

Die 26. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan (bitcoinprivacy.net), Manuel (guidap.de) und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin und die Blockchain zu reden auf Dauer zu wenig ist. (iTunes/RSS-Feed)

Honigdachs #26 – Bitcoin-Maximalismus

War es in den letzten Folgen doch sehr technisch (Lightning-Netzwerk) und fachlich (Steuern), ist diese Folge nun wieder sehr meinungsstark. Wir diskutieren – befeuert durch das lang erwartete und derzeit meist diskutierte Bitcoin-Buch The Bitcoin Standard – über „Bitcoin-Maximalismus“, einen Begriff, den wir dringend erst einmal diskutieren und definieren müssen. Immerhin ist der Hype um „Blockchain“ langsam zu Ende und da draußen wird ja sogar schon über den „Bitcoin-Postmaximalismus“ diskutiert.

Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick.

Honigdachs #26 – Bitcoin-Maximalismus weiterlesen

Bitcoin- und Blockchain-Presseschau #95

Ich sag es gleich vorneweg: Das konsumieren dieser Bitcoin- und Blockchain-Presseschau kostet Zeit. Nicht nur, weil die verlinkten Artikel teils etwas länger als Standard-Netzartikel sind. Sondern vor allem, weil sie alle zum Nachdenken anregen. Mehr als sonst, wie ich finde.

Doch darum geht es ja hier. Hintergründiges, Einordnendes und Inspirierendes, das hilft das Phänomen Bitcoin und wie es unsere Welt verändert besser zu verstehen. Insofern ist die hiermit verbrachte Zeit durchaus gut genutzt. Versprochen.


Blockchain Will Be Theirs, Russian Spy Boasted at Conference – New York Times

Ein ISO-Komitee hat es sich zur Aufgabe gemacht, internationale Standards für Blockchain and distributed ledger technologies zu erarbeiten. 35 Länder, darunter auch Deutschland, schicken seit 2016 immer wieder ihre Delegationen zu den Treffen. Eines tritt dabei wohl recht deutlich auf: Russland, dessen Abgesandte teils aus dem Geheimdienst FSB stammen. Auch mit ihrer Motivation halten Sie nicht hinterm Berg: “Look, the internet belongs to the Americans — but blockchain will belong to us,” Klare Ansage.

The Key to Bitcoin Adoption in Third World Countries – Hackernoon

Persönliche Erfahrungen in Afghanistan werfen die Frage auf, warum die Menschen dort und in vielen anderen Entwicklungsländern eigentlich nicht schon längst viel mehr Bitcoin nutzen. Verfügbarkeit und leichter Zugang ist natürlich ein Grund, aber ein anderer, absolut nahe liegender ist Analphabetismus. Denn man muss nicht lesen können, um Facebook bedienen zu können, doch bei Bitcoin ist es noch immer unumgänglich. Nicht nur, um es zu verstehen, sondern auch um bspw. eine Wallet auf dem Smartphone sicher zu verwalten. Der Seed (aka das Backup) ist nämlich standardmäßig eine Wortfolge, die man sich notieren muss. Fazit: Erfrischender Blick über den Tellerrand.

ICOs are Cancer – Michael Flaxman

Der Titel wirkt erst einmal zu drastisch und überzogen, doch die Argumentation in diesem Artikel ist durchaus fundiert, logisch und erhellend. Zumal die Krebs-Metapher dann doch Parallelen zur Realität aufweist. Erst kürzlich reagierte die hiesige Fintech-Szene ja sehr empfindlich auf den vermeintlichen PR-Stunt eines Berliner ICO-finanzierten Startups. Mit offenem Brief, der Aberkennung eines Preises und kritischen Artikeln wurde versucht, einer ICO-getriebenen Entartung offensiv entgegenzutreten. Sogar das staatliche „Immunsystem“, die Staatsanwaltschaft, prüft wohl derzeit die Aufnahme von Ermittlungen.

Sitting with the cyber-sleuths who track cryptocurrency criminalsMIT Technology Review

Klasse Artikel, der sich mit Bitcoin und Co aus Sicht der Strafverfolgungsbehörden beschäftigt und dabei detaillierte Einsichten bietet. Nach der Lektüre zu denken, dass Kryptowährungen das easy Geld für Kriminelle ist, ist eigentlich unmöglich. Die Blockchain vergisst nichts und die Methoden ihr ihre Geheimnisse zu entlocken werden immer raffinierter. Nicht nur auf technischer Ebene.

 

Let’s destroy Bitcoin – MIT Technology Review

Dieser Artikel liefert eine gute Grundlage für eine kontroverse Diskussion. Denn mir scheint die Argumentation für einen FedCoin, FacebookCoin und ein allgegenwärtiges Coin-Multiversum aus tokenisiertem Allerlei insgesamt zu dünn. Nichtsdestotrotz ist es interessant sich mit solcherlei Visionen auseinanderzusetzen. Möglicherweise sind ja nicht alle Punkte vollkommen aus der Luft gegriffen.

Crypto Artists Unlock Value With Lambos, Kitties and Blood – Bloomberg

Ich warte ja seit langem darauf, dass sich die Kunst auf das Thema Bitcoin stürzt und sich endlich mal intensiv an dessen gesellschaftlichen Implikationen abarbeitet. Das Warten wird vorerst wohl aber noch weiter gehen, denn offensichtlich lässt sich auch mit lahmen und vollkommen uninspirierten Projekten (vom im Bild verschlüsselten Private Key abgesehen!) derzeit ein Haufen Kohle verdienen. Beeindruckend, aber trotzdem:

Wie Bitcoin das Leben von Bitcoin-„Millionären“ verändert

Arte hat vor kurzem eine sehenswerte Reportage über Die Bitcoin-„Millionäre“ veröffentlicht. Ich schreibe das Wort hier in Anführungszeichen, weil viele Leute mit dem Begriff „Millionär“ vermutlich etwas anderes assoziieren, als das, was hier gezeigt wird.  Wenngleich die Protagonisten durchaus ein (geld-)sorgenfreies Leben leben. Zumindest derzeit.

Millionär sein ist kein Beruf

Denn der Reichtum und das Millionärsein ist für sie im Kern nicht, das, worum es geht. Die einen arbeiten trotzdem (oder gerade wegen Bitcoin?) sehr emsig. Die anderen brechen komplett aus dem Arbeits- und Konsum-Hamsterrad aus und leben trotz ihres Krypto-Reichtums minimalistischer als vorher. Aber dafür sorgenfrei und ganz im Moment.

Tolle unaufgeregte Reportage mit schönen Bildern aus der ganzen Welt, interessanten Protagonisten und dem kleinen Highlight, dass man mal sieht, wie so ein Bitcoin-Meetup in Thailand abläuft.

Traumhafte Gewinne, ohne staatliche Kontrollen – das verheißen Bitcoins und andere Internetwährungen. Ihre Anhänger glauben an eine finanzielle Revolution. Trotz extrem schwankender Kurse und Warnungen vor einer gefährlichen Blase investieren sie weltweit Milliarden in das digitale Geld. Mit zu hohem Risiko?

Der Holländer Didi Taihuttu (39) hat für Bitcoins und andere digitale Währungen sein Leben und das seiner Familie auf den Kopf gestellt. Noch vor einem halben Jahr besaß der Unternehmer ein Haus und drei Autos. 2017 verkaufte er alles und investierte sein Vermögen in digitale Währungen. Die kalte Jahreszeit verbringt die Familie nun in Thailand. Zwar hat sich Didis Vermögen allein im letzten halben Jahr um das Fünffache vermehrt und rein rechnerisch ist er nun Millionär. Aber die Bitcoin-Familie will langfristig Gewinn machen und pflegt deshalb einen minimalistischen Lebensstil. Brechen die Kurse ein, könnten Didi und seine Familie von heute auf morgen bankrott sein.Auch Robert Küfner und Till Wendler glauben an eine Revolution des Finanzwesens durch digitale Währungen. Und sie wollen ganz vorn mit dabei sein. In der Krypto-Hochburg Berlin haben die beiden Bitcoin-Millionäre das Start-up Advanced Blockchain AG gegründet. Die Pioniere beraten Unternehmen, wie sie die Technologie hinter den Bitcoins – die so genannte Blockchain – künftig nutzen können. Eine dezentrale Datenverarbeitung, die niemand manipulieren kann – mit dieser Idee sollen Finanzmarkt und Industrie umgekrempelt werden. Investoren und namhafte Firmen stehen bereits vor der Tür. Doch noch fehlt es den Jungunternehmern an Mitarbeitern mit dem richtigen Know-how. Auf der Suche nach Programmierern reist Till Wendler in die Ukraine. Die Jungunternehmer stehen extrem unter Druck. Wer im Markt der neuen Krypto-Technologie mitspielen will, muss schnell sein.

Lightning verstehen – Links, Medien und mehr

Es ist erstaunlich. Gestern habe ich hier über meinen Eindruck von Lightning geschrieben, wie rasant sich dieses Netzwerk weiterentwickelt und wie enorm das Interesse an dem Thema wächst.

zugriffszahlen
Mehr als in der ganzen Woche davor: Die Zugriffszahlen beim Thema Lightning

Seitdem gehen die Zugriffszahlen hier im Blog durch die Decke und erreichen wieder ähnliche Höchststände wie im Dezember vergangenen Jahres. Nur dass es jetzt eben nicht der aufgeblähte Bitcoin-Kurs, Gier und Spekulation sind, die die Klicks verursachen, sondern die Faszination an der Technologie dahinter. Und wie sich diese weiterentwickelt. It’s not the money, it’s the technology, stupid! (Oder sagen wir besser: beides.)

Zugriffszahlen stärken die Siedesteinchen-These

Das ist insofern interessant, als dass die Zugriffszahlen ein weiteres Indiz für die in dem Beitrag formulierte These sind, dass es tief in der Bitcoin-Community vor Anspannung, Ideen und Tatendrang nur so brodelt und Lightning nun das Siedesteinchen ist, an dem alles explosionsartig hochkocht. Im positiven Sinne.

Denn Lightning vereint gerade drei Dinge: die ursprüngliche Vision von Bitcoin als Peer-to-Peer Electronic Cash System (mit starker Betonung auf Cash), eine vielversprechende Technologie, mit der diese Vision tatsächlich realisiert werden könnte und die besonders wichtige Tatsache, dass es endlich losgeht! Das Lightning-Netzwerk ist immerhin ein Konzept, an dem schon seit Jahren gefeilt wird.

Aufbruchstimmung wie in den guten alten Tagen

Diese drei Faktoren: große Vision, neue Technologie und das Now let’s go!-Momentum bringen aktuell immer mehr Steine ins Rollen. Kein Wunder also, dass sich viele langjährige Bitcoiner ein bisschen an die guten alten Tage™ von Bitcoin erinnert fühlen. Als sich noch alles unter dem Radar entwickelte und es außer ihnen nur wenige andere gab, die verstanden, was da gerade vor sich geht und wie groß das einmal werden könnte.

Auch ich fühle mich aktuell ein bisschen an meine ersten Wochen und Monate in Bitcoin erinnert und da ist es nur konsequent, auch mit diesem Blog hier zu den Wurzeln von damals zurückzukehren. Denn als Rechercheblog habe ich seit damals versucht, hier auf der Seite sowohl meine eigenen Erkenntnisse zu sammeln und zu dokumentieren als auch anderen den Einstieg in das Thema Bitcoin systematisch zu erleichtern. Genau diese Herangehensweise scheint mir jetzt auch für Lightning sinnvoll.

Eine Seite sie alle zu finden, ins Licht zu treiben und ewig zu verlinken

Dem aufmerksamen Leser wird daher aufgefallen sein, dass der gestrige Beitrag vergleichsweise arm an Links war. Das war tatsächlich Absicht, denn ich habe gar nicht erst versucht, all die Seiten, Artikel und Medien zu Lightning irgendwie mit in den Artikel zu quetschen, sondern hatte mich schon entschieden, dem Lightning-Netzwerk eine eigene Seite zu widmen, auf der ich Links und andere nützliche Quellen sammle.

Diese Seite ist nun online und bündelt zumindest schon mal ein paar Informationen und Verweise, die ich als hilfreich erachte, um Lightning zu verstehen. Links, Artikel, Statistiken, Videos, Podcasts – wer sich für Lightning interessiert, findet hier ab jetzt zumindest einen Einstieg in das Thema. Finde und lerne ich neues, landet es ebenfalls dort. Falls ihr einen außerordentlich guten Link habt, der noch fehlt – immer her damit.

Direkt zur Lightning verstehen-Seite

Bild: „Lightnings“ (CC BY-SA 2.0)

Aktuelles, Kritisches und Hintergründiges zu Bitcoin, Blockchain und Crypto-Kultur