Drei Bicoin-Reddit-Fundstück zum aktuellen Geschehen

Was soll ich noch sagen. Nach langer Zeit war ich neulich zufällig mal wieder in r/Bitcoin unterwegs, gleichzeitig ist der Bitcoin-Kurs im Aufwind und da bin ich doch direkt auf drei Fundstücke gestoßen, die in ihrem Zusammenspiel den aktuellen Zeitgeist besser beschreiben, als ich es mit Worten jemals könnte. Bitteschön!

1. AR-enabled Bitcoin art

Fazit: Woah!

2) #Bitcoin The Journey Of Stacking Sats 🔊

Fazit: Yeehaw!

https://www.reddit.com/r/Bitcoin/comments/jcu2yf/bitcoin_the_journey_of_stacking_sats/
3. I committed to a new exercise regime today

Fazit: Pamp it!

Tschüss, Room 77 – Ende einer Bitcoin-Legende

… und die globale Bitcoin-Community hat ne dicke Träne im Knopfloch.

Denn nachdem es sich schon länger abgezeichnet hat, ist es nun amtlich: Der Room 77 – die legendäre Kreuzberger Kneipe, die 2011 das erste Ladengeschäft weltweit war, in dem man mit Bitcoin bezahlen konnte, wo das erste Bier für Lightning über den Tresen ging, in der die erste mobile Bitcoin-Wallet geschrieben wurde, auf deren Sofas Webseiten wie LocalBitcoins ins Leben gerufen wurden und in die über Jahre hinweg standardmäßig alle Journalisten rannten, wenn sie einen Beitrag über Bitcoin schreiben oder aufnehmen mussten und in der noch so viel mehr passierte, also die Meatspace-Institution wenn es um Bitcoin ging – macht endgültig dicht.

Aber anstatt hier jetzt einen traurigen Nachruf zu verfassen, habe ich einfach einige der schönen Erinnerungen zusammengetragen, die Bitcoiner aus der ganzen Welt auf Twitter geteilt haben. Ich finde, das zeigt ohnehin am besten, was für ein besonderer Ort der Room war und welche Bedeutung er für viele Menschen hatte.

Mein schönstes Erlebnis (neben einigen interessanten Abenden und Feierlichkeiten) war im Übrigen das Interview, das ich dort mit Jörg Platzer für meine Radio-Feature zu 10 Jahre Bitcoin geführt habe, während wir dabei auf genau den abgewetzten Sofas saßen, auf denen die Welt verändert wurde, ohne das diese etwas davon mitbekam.

Die schönsten Erinnerungen der Bitcoin-Community an den Room 77
https://twitter.com/3nrG/status/1318149637375754240
https://twitter.com/rhian_is/status/1317865190013214722
https://twitter.com/_marianuchis/status/1317847412489265152
https://twitter.com/CandleHater/status/1317831927299178498
https://twitter.com/Snyke/status/1317813935928758272
https://twitter.com/arcbtc/status/1317792828077019141
https://twitter.com/thefrankbraun/status/1317790271871090688
https://twitter.com/FelixWeis/status/1317784246707228673
https://twitter.com/udiWertheimer/status/1317765508721147905
https://twitter.com/fulmolightning/status/1317731690727571457

Die Zukunft des Geldes

Ich habe gestern beim Leipziger Bitcoin-Themenabend einen Vortrag über Die Zukunft des Geldes gehalten. Ein Thema, das mich begleitet, seit ich mir das Ziel gesetzt habe, Bitcoin verstehen zu wollen und das seitdem auch Teil meiner Recherche ist. Meist eher hintergründig und nebenbei, dafür aber mittlerweile nun schon seit rund sieben Jahren.

Die beiden Fragen, die sich mir seitdem immer wieder stellen, sind die folgenden:

(Wie) Lässt sich die Zukunft des Geldes vorhersagen?

Welche Rolle spielt dabei Bitcoin?
Zwei Fragen, die sich mir immer wieder stellen.
Wie sieht die Zukunft des Geldes aus?

Dabei geht es mir weniger um eine die Wirtschaft der Zukunft, sondern um die konkrete Frage, wie das Geld der Zukunft aussehen wird? In 10 Jahren? In 50 Jahren? Oder auch in über 100 Jahren?

Wird es Geld dann überhaupt noch geben? In welcher Form und auf Basis welchen Mediums? Wie wird dieses Geld funktionieren? Wie wird es die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Regeln beeinflussen und von ihnen beeinflusst werden? Und natürlich: Wie werden futuristische Ideen und Visionen vom Geld der Zukunft unsere heutige Wahrnehmung von Geld und dessen künftige Weiterentwicklung lenken?

Im Hinblick auf die Zukunft ist die Finanzbranche blind

Diese Fragen sind insofern interessant, als dass die Finanzbranche – also die, die sich mit der Materie eigentlich am allerbesten auskennen sollten – in dieser Hinsicht selbst vollkommen blind ist. Zumindest nach all dem, was ich in den vergangenen Jahren aus Talks, Konferenzen, Präsentationen und Gesprächen mit ihren Vertretern gelernt und beobachtet habe.

Denn wen ich auch fragte – Banker, Ökonomen oder Behördenmitarbeiter – niemand konnte mir einen Hinweis darauf geben, dass überhaupt irgendwo eine substantielle Auseinandersetzung mit dem Geld der Zukunft stattfindet. Dass also überhaupt die Möglichkeit in Betracht gezogen wird, dass es in (absehbarer) Zukunft ein Geld geben könnte, das sich von dem Geld, wie wir es heute kennen, unterscheidet. Und das möglicherweise sogar fundamental.

Die Finanzbranche als ideen- und visionslos zu beschreiben, würde ich auf Basis dieser Erfahrungen daher noch als Untertreibung bezeichnen. Denn statt (auch) nach vorne zu blicken, orientiert sie sich vor allem nach hinten. Das bestätigte mir in einem Workshop bei der Deutschen Bundesbank vor einiger Zeit auch deren Vertreter. Wir einigten uns schließlich darauf, dass folgende Maxime es ganz gut beschreibt:

"Aus der Vergangenheit lernen, um die Gegenwart zu gestalten."
Die Beschäftigung mit der Zukunft spielt in der Finanzbranche bisher keine wirkliche Rolle.
Wenn Stillstand als „Innovation“ verkauft wird

Wobei es noch andere Indizien gibt, die diese These stützen. Immerhin gilt die Kreditkarte (neben dem Geldautomaten – „Whoa!“) gemeinhin als eine der letzten richtig großen Innovationen der Branche. Eine Idee, die jedoch aus dem 19. Jahrhundert stammt. Dennoch wird sie aber immer noch als „Innovation“ vermarktet, weil es Karten jetzt aus Metall gibt („nein!“), digitale Karten („doch!“) oder jetzt sogar mit LED-Beleuchtung („oooh!“).

Die Idee der Kreditkarte ist schon über 130 Jahre alt.

Generell – auch das ist meine subjektive Beobachtung der letzten Jahre – liegt dabei die Messlatte, ab der in der Finanzbranche etwas als „Innovation“ vermarktet wird, sehr, sehr (sehr, sehr, sehr) niedrig. Apple Pay (und all die anderen „xyz-Pays“) sind da auch keine Ausnahme. Vor 20 Jahren wären sie vielleicht eine echte Innovation gewesen. Heute waren sie gemessen am generellen Digitalisierungsgrad der Gesellschaft schon lange überfällig.

Echte Innovation ermöglicht, was zuvor unmöglich erschien

Wie nicht-innovativ die Finanzbranche tatsächlich ist, wird umso deutlicher, wenn man sich mit Bitcoin auseinandersetzt und versteht, wie viele anspruchsvolle, miteinander verschränkte und vormals als unlösbar geltende Probleme Satoshi Nakamoto mit seinem nur 9-seitigen Bitcoin-Whitepaper auf einmal in den Griff bekommen hat.

Bitcoin mag dabei vielleicht nicht perfekt sein. Wenn aber selbst Bundesbanker mittlerweile zugeben, dass man mit dem jetzigen Geldsystem technisch am Ende angekommen sei, während man bei Bitcoin noch nicht wisse, wo das Ende sei, dann ist das aber ein beachtliches Statement.

Nimmt man eine echte Innovation wie Bitcoin nun als Referenzwert, dann ist offensichtlich, dass die Finanzbranche innovationstechnisch in den vergangenen Jahrzehnten bestenfalls mit sehr kleiner Flamme gekocht hat und seit langem eigentlich nur auf der Stelle tritt.

Gefangen in der eigenen Expertise

Wobei – und auch darum ging es gestern in meinem Vortrag – man das zwar beobachten und kritisieren, gleichzeitig aber nur begrenzt als Vorwurf formulieren kann. Denn wer sich zu lange mit Detailfragen und Problemen auseinandersetzt, läuft Gefahr zum „involvierten Experten“ zu werden. Als solcher, so die Zukunftsforschung, neigt man nun einmal dazu, trotz oder gerade wegen der eigenen Expertise falsche Aussagen über die Zukunft zu treffen. Vor allem dann, wenn man felsenfest davon überzeugt ist, dass etwas „niemals möglich sein werde“.

Womit wir wieder beim Thema Bitcoin und der Idee von einem rein digitalen, internetbasiertem Geld sind, das ohne Staaten und Banken funktioniert. Denn fragt man die „Experten“ des bestehenden Geldsystems diesbezüglich nach ihrer Einschätzung, ist die Antwort meist eindeutig: „Unmöglich! Unvorstellbar! Undenkbar!“

Doch ist diese Zukunftsvision tatsächlich so undenkbar? Ganz und gar nicht. Immerhin gibt es mit der Science Fiction ein Genre, das seit Jules Verne im 19. Jahrhundert genau das macht. Bestehende technische Entwicklungen nehmen und diese im Zusammenhang mit den Bedürfnissen und Träumen der Menschheit in die Zukunft zu transzendieren, wie es der Zukunftsforscher Bernd Flessner formuliert.

Was wiederum die Frage aufwirft, was – wenn die Finanzbranche in dieser Hinsicht selbst blind ist – wir aus der Science Fiction über das Geld der Zukunft lernen können?

Welche Visionen gibt es denn nun vom Geld der Zukunft?

Um es kurz zu machen – noch nicht sehr viel. Es gibt gesellschaftliche Themenbereiche, die auch in der Science Fiction (noch) kaum behandelt werden und nur selten konsequent durchdacht werden. Das Geld der Zukunft gehört in gewisser Weise dazu. In vielen Zukunftsgeschichten spielt es kaum eine Rolle oder ist irgendwie da, ohne weiter erklärt zu werden. Echte Visionen, in denen Geld für eine künftige Welt von Grund auf neu gedacht wird, gibt es hingegen kaum.

Was letztlich aber auch nicht verwunderlich ist. Geld war lange Zeit ein ziemlich langweiliges und statisches Thema. Vor Bitcoin hat es ja auch mich und sehr viele andere nicht interessiert. Warum sollte es Science Fiction-Autor:innen da anders gehen? Doch auch hier tut sich langsam etwas. Technischer Fortschritt ist bekanntlich die Inspiration für Science Fiction und andersherum ist die Science Fiction seit jeher ein Wegweiser für Ingenier:innen. Es könnte also gut sein, dass das Thema Geld dank der Bitcoin-Innovation in künftigen Science Fiction-Geschichten eine zunehmend größere Rolle spielen wird.

Die Suche nach Antworten hat gerade erst begonnen

Möglich ist aber auch, dass ich die entsprechenden Werke und Personen einfach noch gefunden habe. Denn das alles hier ist ja keine wissenschaftliche Untersuchung, sondern eine sehr subjektive, teils noch recht lose Sammlung von Material, Erkenntnissen und Schlussfolgerungen.

Zumindest bisher. Mein Vortrag gestern war für mich damit auch kein Abschluss einer Recherche, sondern vielmehr der Auftakt, mich diesem Thema noch mehr und vielleicht endlich auch mal systematischer anzunehmen. Und meine Beobachtungen und Thesen offen zur Diskussion zu stellen.

Denn meine Fragen, ob und wie sich die Zukunft des Geldes vorhersagen lässt und welche Rolle dabei Bitcoin spielt, sind für mich noch lange nicht ausreichend beantwortet.

Ich freue mich daher auf Austausch und Diskussion. Wer also Tipps, Hinweise und Anmerkungen hat, die zur Klärung des Sachverhalts beitragen, immer her damit.

Alle anderen finden hier noch einmal alle meine Slides von gestern.

Die Zukunft des Geldes
Klicken öffnet die Präsentation

Honigdachs #56 – Der HCPP20 aus der Ferne

Die 56. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin zu reden auf Dauer zu wenig war. (Podcast abonnieren)

Honigdachs #56 – Der HCPP20 aus der Ferne

Wie jedes Jahr im Oktober hat das Paralelni Polis mit dem zugehörigen Institute of Cryptoanarchy zum Hackers Congress nach Prag geladen. Und traditionell sind wir dem Ruf gefolgt, um wieder einmal drei volle Tage in diese „Parellelgesellschaft“ einzutauchen, in der freiheitsliebende Systemkritiker, (Bio-)Hacker, Crypto-Aktivisten und ganz „normale“ Leute (wie wir!) zusammenkommen um sich auszutauschen und in der grundsätzlich alles nur mit Bitcoin bezahlt werden kann.

Traditionell rekapitulieren wir dabei unsere Eindrücke und Erfahrungen in größerer Runde – dieses Mal mit Jeff und Felix – die Teil unserer Remote-Parellelgesellschaft in der Leipziger Dezentrale waren. Denn aus bekannten Gründen konnten wir dieses Mal den HCPP nur per Stream verfolgen.

Ob sich das dennoch gelohnt hat, hört ihr hier. Wobei man fairerweise aber noch ergänzen muss, dass das Programm am Sonntag viele der Kritikpunkte, die wir bei der Aufnahme dieser Episode noch am Sonntagmorgen geäußert haben, zumindest teilweise wieder wett gemacht hat. Unser Gesamtfazit des HCPP20 war damit insgesamt also (noch) besser, als es möglicherweise klingt.

Shownotes

Trailer „Libertas“
Seasteading – Wohnen mitten im Meer
https://twitter.com/stefanwouldgo/status/1309778067645247488

Die Blockchain für Einsteiger erklärt

Ich habe für die Kollegen drüben beim Spiegel mit Blockchain-Technik erklärt. Was die Blockchain besonders macht einen neuen Artikel geschrieben und es war einer der schwersten Texte, die ich jemals zu schreiben hatte.

Nicht, weil ich das Sujet nicht verstanden hätte. Ich arbeite ja mittlerweile seit bald sieben Jahren an dem Thema. Auch nicht, weil es nichts zu erzählen gäbe.

Das Problem ist vielmehr das genaue Gegenteil: Dass man eigentlich sehr, sehr (sehr, sehr, sehr) viel erzählen und erklären muss, wenn man hinsichtlich Alter, Vorwissen etc. für eine äußerst heterogene Zielgruppe schreibt, die vom absoluten Laien bis zum IT-Experten reicht. Wobei natürlich alle ein Interesse daran haben, dass man das gesamte Blockchain-Phänomen für sie in all seinen Facetten erklärt. Aber bitte ohne Redundanzen und so, dass keine Frage offen bleibt.

Dem gegenüber steht jedoch ein Zeichenlimit, das nicht beliebig überschritten werden kann. Das Dilemma ist also: Zum Thema Blockchain gibt es sehr (sehr, sehr, sehr) viel mehr zu erzählen, als es Raum gibt, alles in einem einzigen Artikel unterzubringen.

Wie eine gute Soße muss man auch einen guten Artikel reduzieren

Ich habe daher über drei Wochen hinweg insgesamt drei Versionen des Artikels geschrieben und das Thema dabei immer weiter eingedampft, bis ich einen Text abgeben konnte, der schlussendlich „nur noch“ gut 20 Prozent über dem komplett ausgereizten Spielraum des Zeichenlimits lag und dann noch von der Redaktion gekürzt wurde.

Das erzähle ich deshalb hier so ausführlich, weil der Artikel u.a in den Kommentaren direkt auf der Spiegel-Seite durchaus kontrovers kritisiert wird. Wobei das meiste des bemängelnden Feedbacks darauf abzielt, dass dieses Argument ja noch vollkommen fehle oder ich auf jenen Aspekt noch sehr viel ausführlicher hätte eingehen müssen.

All das geht in diesem Format aber eben leider nicht. Die größte Herausforderung an diesem Text war die Reduktion. Tatsächlich musste ich für jeden Satz, den ich geschrieben habe, entscheiden, welche vier anderen Sätze/Aspekte/Argumente/Beispiele/Thesen ich dafür nicht mit rein nehmen kann.

Deshalb haben Fragen zum Mining, zum Stromverbrauch, zum Blockchain-Meme, ob Bitcoin Geld ist, zum Unterschied zwischen Proof-of-Work und Proof-of-Stake usw. usf. in diesem Text auch keinen Platz gefunden.

Bitcoin ist ein Mosaik, dass jeder für sich zusammensetzen muss

Was aber auch gar nicht dramatisch ist. Ich fahre hier im Blog schon von Beginn an die didaktische Strategie, dass man Bitcoin und alles, was dazu gehört, am besten versteht, wenn man nicht versucht, alles auf einmal aufzunehmen. Das funktioniert eh nicht. Bitcoin sollte man vielmehr als Mosaik sehen, dessen Gesamtbild sich einem am ehesten erschließt, wenn man es Stück für Stück zusammensetzt.

Für mich ist dieser Artikel daher nicht der ultimative Blockchain-Artikel, der jede Frage abschließend erklärt und alle zufrieden stellt. Ich sehe ihn vielmehr als ein Puzzleteil von vielen. Denn obwohl jeder meiner Artikel drüben beim Spiegel auch als Einzelstück funktionieren muss, versuche ich auch dort Stück für Stück das Bitcoin-Mosaik zusammenzusetzen. Anstatt eines Artikels mit 80.000 Zeichen (den ob des Umfangs sowieso kaum einer mehr lesen würde), schreibe ich also lieber zehn Texte mit 8.000 Zeichen, die miteinander in Verbindung stehen und jedem, der es will eine tiefere inhaltliche Auseinandersetzung ermöglichen. Und mir letztlich die Argumentation in späteren Texten immer mehr erleichtern.

In diesem Artikel konnte ich zum Beispiel schon den Link auf einen meiner vorherigen Spiegel-Texte setzen, in dem ich erklärt habe, dass man Bitcoin nicht einfach als Geld, sondern auch als Infrastruktur begreifen muss.

Man kann also sagen, dieser eine Artikel über die Blockchain ist zwar jetzt fertig. Meine Arbeit, das Thema Bitcoin und die Blockchain zu erklären, aber noch lange nicht.

(Zwischen-)Fazit einer umfassenden Onecoin-Recherche

Wer hier schon etwas länger mitliest, weiß, dass ich großes Interesse daran habe, dass die Öffentlichkeit so gut und umfassend wie möglich über Onecoin informiert wird und die Hintergründe dieses kryptischen Multi-Level-Marketing-„Kryptowährungsprojekts“ aufgeklärt werden.

Insofern war ich vor ziemlich genau einem Jahr sehr erfreut über den vielbeachteten und zurecht gelobten BBC-Podcast The Missing Cryptoqueen, für dessen audiovisuelle Umsetzung mittlerweile sogar die Filmrechte verkauft wurden.

Heute nun ist bei BuzzFeedNews, dem Investigativrecherche-Teil des Mediennetzwerks, mit OneCoin konnte Milliarden stehlen, obwohl Banken die Behörden informiert hatten ein weiteres wichtiges Journalismus-Stück erschienen, auf das ich gerne verweisen möchte. Zum einen weil es gut geschrieben ist und viele neue Details und Hintergrundinformationen enthält. Kein Wunder. Immerhin steckt nun schon ein ganzes Jahr intensive Auseinandersetzung auf Basis von teils exklusivem Material dahinter.

Klicken, um zum Artikel bei BuzzFeedNews zu kommen.
Kontakt-Aufruf an alle, die sich geschädigt fühlen

Zum anderen ist es damit aber noch nicht getan. Denn genau wie bei The Missing Cryptoqueen bedeutet die heutige Veröffentlichung keineswegs das Ende der Recherche, sondern leitet vielmehr deren nächste Stufe ein. Ab jetzt nämlich mit Hilfe der Öffentlichkeit in Form von Informationen und Geschichten von Leuten mit direktem Onecoin-Kontakt. Denn das BuzzFeedNews-Team ruft all diejenigen auf, die sich als Onecoin-Opfer oder -Geschädigte fühlen, sich zu melden und zur weiteren Aufklärung beizutragen.

Melden kann man sich per Mail oder über ein Formular am Ende des Artikels auf BuzzfeedNews.
Nutzt diese Gelegenheit!

Da mich im Zuge meiner eigenen Auseinandersetzung mit Onecoin damals sehr viele angeschrieben hatten, auf die diese Beschreibung wohl zutrifft, möchte auch ich dazu auffordern, diese Gelegenheit wahrzunehmen.

Auch wenn BuzzFeed einst als Clickbaiting-Plattform groß wurde, ist deren deutschsprachige Investigativ-Abteilung mit namhaften und hervorragenden Journalisten besetzt, von deren bisheriger Arbeit man sich schnell und einfach im Netz überzeugen kann. Man muss also keine Angst haben, als Listicle zwischen Katzenbildern zu landen, sondern kann dazu beitragen, alles über Onecoin ans Licht zu bringen!

Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele diese Chance nutzen.

Bitcoin Big Bang – Das Drama um Mt.Gox als Doku

In der ZDF-Mediathek ist noch bis zum 3. Oktober die sehr gelungene Dokumentation Bitcoin Big Bang. 800 Millionen Dollar verschwinden zu sehen. Darin wird die Geschichte um den spektakulären Aufstieg und noch viel spektakuläreren Fall der einst größten und wichtigsten Bitcoin-Börse Mt.Gox erzählt.

Klicken, um zur Dokumentation zu kommen

Dabei spielt vor allem deren CEO Mark Karpelès eine tragende Rolle, was den originalen Titel der bereits 2018 erschienenen französischen Produktion „Bitcoin Big Bang. Die unwahrscheinlichen Heldentaten des Mark Karpelès“ eigentlich auch passender macht.

Aber sei´s drum. Mit 101 Minuten nehmen sich die beiden Filmemacher Vincent Gonon und Xavier Sayanoff sehr viel Zeit für die Geschichte, die Bitcoin Anfang 2014 nachhaltig erschütterte. Und das ist gut so. Denn auf diese Weise bekommen sehr viele interessante Gesprächspartner Raum, ihre Sicht auf die Dinge zu schildern, ohne dass man mit Informationen überfrachtet wird.

Dass Mark Karpelès dabei selbst so offen und nahbar auftritt, ist bemerkenswert und macht diese Dokumentation zu einer faszinierenden Geschichte, die man unbedingt zu Ende sehen will, wenn man sie einmal angefangen hat. Ging mir zumindest so. Hier wird ein prägnantes Stück Bitcoin-Historie spannend und unterhaltsam aufgearbeitet und zugänglich gemacht.

Podcast-Tipp – Der Wirecard-Skandal

Wer einen Blick über den Tellerrand von Bitcoin werfen will, dem empfehle ich Der Jahrhundert-Schwindel, ein Podcast-Spezial, in dem die Kollegen von finanz-szene.de (guter Newsletter übrigens) den Wirecard-Skandal noch einmal aufdröseln.

Bisher ist eine Folge erschienen, in der sie mit dem Bilanz-Spezialisten Thomas Borgwerth nicht nur über die sich in der Wirecard-Bilanz seit Jahren auftauchenden Ungereimtheiten unterhalten, sondern auch darüber, wie verbreitet Bilanzmanipulationen generell sind (sehr!), woran man sie erkennt und wie es ist, wenn man aus Gründen schon früh auf fallende Wirecard-Kurse setzt und dennoch verliert, weil der Laden einfach immer weiter macht.

Wenn man das Umfeld ein bisschen besser verstehen will, in dem Online-Payments und Finanzdienstleistungen im Netz bislang stattfinden und wie damit „Geld verdient“ wird, ist das gut investierte Hörzeit.

Honigdachs #55 – Endlich wieder Wallets!

Die 55. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin zu reden auf Dauer zu wenig war. (Podcast abonnieren)

Honigdachs #55 – Endlich wieder Wallets!

Endlich ist die Sommerpause vorbei und wie es sich für ein ordnungsgemäßes Comeback gehört, warten wir mit einem angemessen relevanten Thema auf. Ein Evergreen könnte man sagen und ein echter Klassiker in unserer Themenliste. Endlich reden wir mal wieder über Wallets!

Gerade im Bereich multisigfähige Desktop-Wallets als alternatives Interface für Hardware-Wallets verschiedener Anbieter hat sich in letzter Zeit einiges getan. Was das bedeutet, darum geht es in dieser Folge. Also hört rein!

Und war da nicht noch eine andere Kleinigkeit? Ach ja! In der letzten Folge hatten wir ja noch einmal ordentlich auf die Tränendrüse gedrückt und um Honigdachs-Kunstwerke in aller Form gebeten. Die vielfältige Resonanz auf diesen Aufruf hat uns erfreut und das Herz gewärmt. Und uns ob der Kreativität und Qualität tatsächlich vor eine schwere Wahl gestellt. Eine Gallerie aller Einsendungen und den Mitschnitt unserer Jurysitzung findet ihr zusammen mit den Shownotes im Folgenden.

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„Blockchain“ steht jetzt im Duden, doch das Wie wirft Fragen auf

Als ich vor gut zwei Jahren darüber schrieb, wie man den Begriff „Blockchain“ grammatikalisch richtig verwendet, musste ich meine Argumentation noch selbst herleiten. Der Duden, die große Bibel der deutschen Rechtschreibung, kannte den Begriff nicht.

duden blockchain
Anfang Juni 2018 war der Begriff „Blockchain“ beim Duden noch nicht zu finden.
„Blockchain“ ist jetzt im Duden zu finden

Das hat sich nun geändert. Mit der heute veröffentlichten 28., umfassend bearbeiteten und erweiterten Auflage vom „Duden – Die deutsche Rechtschreibung“ ist „Blockchain, die“ quasi offiziell Teil des deutschen Sprachschatzes.

Seit heute Teil des Dudens: „Blockchain, die“

Das ist einerseits nur logisch und konsequent. Auch „Bitcoin“ steht ja schon seit Jahren im Duden. Zum einen als „über das Internet funktionierendes Zahlungssystem“ und als „Einheit des Zahlungssystems Bitcoin“.

Wem gehören „Bitcoin“ und „Blockchain“?

Merkwürdig ist jedoch, dass beide Einträge, der zu „Bitcoin“ (dem Zahlungssystem) neuerdings und der zu „Blockchain“ mit ® für „registered“, gekennzeichnet sind, ohne dass irgendwo eine Erklärung dafür zu finden ist. Auch die sehr freundliche und hilfsbereite Pressestelle beim Duden konnte mir das nicht anders erklären als: „Da muss wohl irgendwo etwas eingetragen sein und das wurde für den Eintrag dann übernommen, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein.“

Ich finde diese Herangehensweise dennoch irritierend. Es entsteht der Eindruck, dass man sich nicht wirklich mit dem beschäftigt, über das man schreibt. Denn klar gibt es zumindest für „Blockchain“ ein gleichnamiges Unternehmen (und hunderte weitere, die bei denen das Wort ebenfalls Teil des Namens ist). Aber angesichts von mehr als 150 Millionen Google-Einträgen zu dem Begriff „Blockchain“, von denen die meisten wohl eher nichts mit den vermeintlichen Namensrechten einzelner zu tun haben dürften, erscheint das verwunderlich. Zumal das ® nur in der digitalen Duden-Datenbank, nicht aber in der gedruckten Variante zu finden ist.

Scan aus dem heute erschienenen gedruckten Duden. Mit Dank an die Pressestelle!

Noch befremdlicher finde ich aber, dass online neuerdings auch „Bitcoin“ den ®-Verweis bekommen hat, den es zuvor lange nicht hatte. Klar gibt es einen Marken- und Patentkampf um den Begriff und wenn der Duden da auf Nummer sicher gehen will, ist das nachvollziehbar. Inhaltlich ist es jedoch trotzdem falsch. Bitcoin gehört niemandem. Im Gegenteil. Bitcoin ist quasi der Inbegriff von einem Open-Source-Projekt, dessen herausragendes Alleinstellungsmerkmal ja gerade ist, das es keinem einzelnen gehört. Das ist, was Bitcoin im Kern ausmacht.

Das Blockchain-Meme

Ebenfalls unglücklich finde ich den Eintrag, dass „Blockchain“ auch ohne Artikel verwendet werden könne. Natürlich ist Sprache lebendig und wenn man methodisch auswertet, wie die Leute nun einmal aktuell reden und schreiben, dann muss man anerkennen, dass „Blockchain“ (ohne Artikel) tatsächlich ein gebräuchlicher Teil unserer Sprache geworden zu sein scheint.

Was dem Duden hier jedoch entgeht, ist der Bedeutungsunterschied zwischen „Blockchain, die“ und einfach nur „Blockchain“. Ersteres ist nämlich tatsächlich eine „dezentrale Datenbankstruktur, die eine kryptografische Verkettung der Datensätze aufweist (z. B. als Basis digitaler Währungen)„, wohingegen zweites vor allem ein mächtiges Wort ist. Ein Platzhalter, der eine vage Vorstellung einer technischen Lösung transportiert, die es in den meisten Fällen so jedoch noch gar nicht gibt. Ein abstrakter Begriff, der hilft eine argumentative Leerstelle zu überbrücken, indem er den Rezipienten dazu anregt, diese durch eigene Interpretationen, Phantasie und (Wunsch-)Vorstellungen auszufüllen. Oder wie es die Universität Cambridge mal in einer Studie bezeichnete: ein Meme.

Statt also auch der „Blockchain-Technologie“ noch einen eigenen (Online-)Eintrag ohne inhaltlichen Mehrwert zu widmen, wäre es also hilfreicher gewesen, ebenso wie man „Bitcoin“ zwei Einträge gewidmet hat, auch „Blockchain“ zweimal zu erklären. Einmal mit einer konkreten Beschreibung (mit Artikel) und einmal als abstraktes Konstrukt (ohne Artikel).

Sprache ist im Wandel, Duden-Einträge glücklicherweise auch

Doch glücklicherweise sind die Einträge im Duden ja nicht in Stein gemeißelt und werden regelmäßig überarbeitet. Es besteht also die Hoffnung, dass „Blockchain-Technologie“ (ebenso wie gerade der „Hackenporsche“) auch wieder rausfliegt, dass das ® bei „Bitcoin“ und „Blockchain“ r verschwindet und dass das abstrakte artikellose Blockchain-Meme im Sinne einer besseren Aufklärung einen eigenen Eintrag bekommt.

Aktuelles, Kritisches und Hintergründiges zu Bitcoin, Blockchain und Crypto-Kultur