T-1 Jahr (in etwa) – Der Halving-Countdown läuft wieder

Seit mehreren Monaten habe ich im Browser einen Tab www.thehalving.com offen.

Ich wollte nämlich einen kurzen Beitrag veröffentlichen, wenn diese wirklich hübsch gestaltete Seite anzeigt, dass es noch ein Jahr dauert, bis das nächste Bitcoin-Halving stattfindet. Also die Halbierung des Blockrewards, den der Miner für einen neuen, gültigen Block bekommt.

Aktuell liegt dieser bei 12,5 Bitcoin pro Block. Ganz am Anfang waren es 50, danach 25 und ab in etwa einem Jahr werden es dann nur noch 6,25 Bitcoins sein.

Ein Block kommt, wann ein Block kommt

Warum ab „in etwa“ einem Jahr? Weil sich die Halbierung nicht am Kalender orientiert, sondern an der Blockhöhe. Bei Block 630.000, also in gut 50.000 Bitcoin-Blöcken verringert sich der Blockreward. Da diese Blöcke nun aber nur in etwa alle 10 Minuten gefunden werden und nicht exakt alle 10 Minuten, kann niemand so ganz genau vorhersagen, wann das nächste Halving konkret stattfindet.

Insofern hab ich mich natürlich schön geärgert, als bereits vorgestern die ersten Jahres-Countdown-Tweets losschwirrten.

Seit Monaten halte ich diesen dämlichen Tab offen und beobachte das geschätzte Halbierungs-Datum. Doch dann war all das geduldige Warten umsonst, denn andere kalkulieren die restliche Blockzeit wohl einfach etwas kürzer. Statt mit zehn Minuten pro Block nur mit 9:59 Minuten oder 9:58 oder vielleicht sogar noch weniger und berauben mich so meines langersehnten journalistischen Überraschungsmomentes!

Warum das Halving relevant ist

Bleibt nur noch die Frage, warum das Halving überhaupt so relevant sein soll, dass man einen Countdown dafür bräuchte? Immerhin geht es doch nur um den Mining-Reward, mit dem selbst die meisten Bitcoiner direkt überhaupt nichts zu tun haben.

Doch ist das ja noch nicht das ganze Bild. Immerhin ändern sich mit der dritten Halbierung erneut auch die innermonetären Kennzahlen von Bitcoin. Wenn nur noch 6,25 neue Bitcoins pro Block auf den Markt kommen, sinkt die Bitcoin-Inflation damit rechnerisch zum ersten Mal auf knapp unter zwei Prozent und damit auf einen Wert, den die EZB für den Euro als stabil anstrebt.

Zwar lassen sich Euro und Bitcoin in diesem Kontext nicht problemlos miteinander vergleichen. Trotzdem ist diese Kennzahl für viele Bitcoiner eine symbolisch wichtige Größe. Eine stetig sinkende Inflation bedeutet immerhin, dass Bitcoins rarer werden. Und damit wertvoller.

Countdown zur nächsten Kursrally?

Genau diese Eigenschaft ist auch der zweite Punkt, warum viele in der Community das Halving als wichtiges Ereignis herbeisehnen. Historisch betrachtet fallen die ganz großen Preisrallys nämlich immer in den Zeitraum kurz nach einem Bitcoin-Halving.

Ob das nun Zufall ist oder doch kausal zusammenhängt, mag jeder selbst für sich entscheiden. Die Halving-Optimisten halten aber schon jetzt einen post-Halving-Bitcoin-Preis im sechsstelligen Bereich für denkbar.

Viele glauben, dass der nächste große Preisschub nach dem nächsten Halving beginnt.
Halving mit extra Käse!

Es ist also davon auszugehen, dass Block 630.000 heute in ungefähr einem Jahr von der Bitcoin-Community ziemlich groß und pompös gefeiert werden wird. Noch mehr, sollten die heutigen Schätzungen dann sogar richtig liegen und der Block in exakt einem Jahr, am 22. Mai 2020, gefunden werden. Dann fallen Halving und der Bitcoin-Pizza-Day zusammen, der sich heute zum neunten und kommenden Mai dann zum zehnten Mal jährt. Yummi!

https://twitter.com/bitcoin_pizza/status/1131020388383825920

Crypto Power Plants – Mining mit Grünpflanzen und Photosynthese

Was ich bisher nicht wusste, mich aber außerordentlich fasziniert: Im Rahmen der Photosynthese lässt sich aus Grünpflanzen Strom erzeugen, wenn diese Abfallprodukte (vor allem überschüssige Glukose) an die Erde abgeben, wo Bakterien sie zersetzen. Dabei werden Elektronen und Protonen frei, aus denen sich dann Strom gewinnen lässt. Genug um damit Licht zu erzeugen. (Hier noch ein Artikel). Den Pflanzen passiert dabei nichts.

Grüneres Mining geht nicht
Alt-C von Michael Sedbon

Michael Sedbon hat dieses Prinzip nun auf Krypto-Mining übertragen und in seinem Kunstprojekt Alt-C einen Einplatinen-Rechner mit der Energie von Pflanzen betrieben, der dann eine Kryptowährung gemined hat.

Das Ziel war dabei nicht, Profit zu erzielen, sondern die grundsätzliche Machbarkeit zu demonstrieren, die Idee weiterzuentwickeln und Fragen aufzuwerfen, die sich aus diesem Konzept ergeben.

Zum Beispiel, wie sich in solch einem Setting Wetter und Klima auf die Mining-Erträge auswirken oder ob die mit dem Mining verbundenen Anreizestrukturen womöglich sogar eine Renaturierung nach sich ziehen könnten? Immerhin wird es umso lukrativer je mehr Pflanzen als Energiequelle genutzt werden können.

Alt-C von Michael Sedbon

„As money grows on trees, it is then possible to draw a correlation between atmospheric condition and production of cryptocurrencies. A neural network had been trained to prediction the crypto mining rate in regard to the weather forecast in the UK.

The AI will try to come up with a strategy to reinvest the grown/harvested money into farmable land. As the system grows, it will attempt to plant more trees to provide for the required energy.

Could an ecological computer virus reverse deforestation?

What would it mean to live in a world where economic would be driven by the weather forecast, atmospheric conditions or any naturally occurring phenomenon? Would this made us respect more natural ecosystems or nourish our will to control them? 

With enough abstraction and control, could we plan on growth? In such a context, would economic growth lead to ecological sutanability or a total financialization hegemony on farmable lands making them vulnerable to the fluctuations of the market?“

Alt-C von Michael Sedbon
Allein schwach, in der Masse mächtig

Bitcoin spielt bei diesem Experiment im Übrigen keine explizite Rolle. Bisher haben die Pflanzen nur Michael Sedbons eigene namenlose Kryptowährung gemined. Diese beruht wie Monero auf dem CryptoNote-Protokoll, das mit seinem Egalitarian Proof of Work die Herausbildung und Hochrüstung spezialisierter und energiehungriger Miner (ASICS) verhindern soll.

Da einzelne Pflanzen nur vergleichsweise wenig Strom lieferten, gebe es nur so eine Chance, dass sich das Alt-C-Modell eines nachhaltigen „ökologischen Computer Virus“ überhaupt entwickeln könne, der sich durch potentielle Mining-Profite neue Grünflächen zum weiteren Wachstum (zurück-)erschließt.

Grundsätzlich ließe sich Sedbon zufolge das System aber aus dem Prototypen-Stadium auf Gärten, Felder oder ganze Wälder hochskalieren, die dann wiederum einzelne Server oder ganze Blockchains antreiben könnten.

Alt-C von Michael Sedbon
Geld wächst zwar nicht auf Bäumen, aber darunter

Ob es in der Praxis jemals dazu kommen wird, ist allerdings fraglich. Michael Sedbon arbeitet selbst schon wieder an neuen Projekten. Nichtsdestoweniger bleibt Dank seines Proof of Concepts aber der Beweis, dass Mining nicht zwangsläufig eine der schlimmsten Umweltsünden ist, die die Menschheit je begangen hat.

Und die Erkenntnis dass Geld zwar immer noch nicht auf Bäumen wächst, aber durchaus darunter.

Noch mehr Bitcoin-Konferenz- und Event-Tipps

Weil ich gestern erst auf die Value of Bitcoin-Konferenz hingewiesen habe und in New York dieser Tage gerade der Mega-Crypto-Konferenz-Marathon stattfindet, bleiben wir der Vollständigkeit halber einfach noch kurz beim Thema mit zwei weiteren anstehenden Bitcoin-Event-Empfehlungen.

Blockchainhotel Konferenz 2019, Essen

Da wäre zum einen am 30. und 31. Mai die dritte Ausgabe der Blockchainhotel-Konferenz, dem jährlichen „Bitcoin- und Krypto-Klassentreffen“ in Essen.

Auch wenn Bitcoin hier nicht namengebend ist, handelt es sich in meinen Augen dennoch im Kern um eine Bitcoin-Konferenz. Das ist nämlich der mit Abstand größte gemeinsame Nenner, der die Community an diesen zwei Tagen zusammenbringt.

Dieses Jahr bereits zum dritten Mal: Die Blockchainhotel Conference

Ich war die letzten beide Mal dort und werde auch dieses Mal kurz wieder vorbeikommen, weil es wirklich ein schönes Community-Event ist und man immer interessante und abgefahrene Leute trifft, die man sonst nirgendwo trifft.

Wer auch noch kommen mag – mit dem Code Coinspondent25 gibt es 25 Prozent Rabatt aufs Ticket.

5th Lightning Hackday, München

Direkt im Anschluss, am 1. und 2. Juni, findet dann in München der fünfte Lightning Hackday statt. Mittlerweile kann man diese Veranstaltungsreihe ja durchaus als renommierte Institution bezeichnen, die beste Werbung für den Bitcoin/Lightning-Standort Deutschland macht (hier mein Artikel über den dritten Lightning Hackday vergangenen Herbst).

Findet bereits zum fünften Mal statt: Der Lightning Hackday

Regelmäßig versammelt sich hierbei die internationale Szene und es würde mich wundern, wenn Elizabeth Stark, CEO von Lightning Labs, wie gerade in New York verkündet als Ort für die erste richtig große Lightning-Konferenz Mitte Oktober von allen Städten dieser Welt rein zufällig Berlin ausgesucht haben sollte. Nachtigall ick hör dir trapsen!

Tickets für den Lightning Hackday gibt’s ab fünf Dollar und wer dann eh schon in München ist, bleibt am besten gleich noch für die Value of Bitcoin Konferenz am nächsten Tag und alle weiteren Termine der dortigen Bitcoin Festival Week.

Vielleicht sehen wir uns ja hier oder dort.

Value of Bitcoin – Was bestimmt den Wert von Bitcoin?

Der Bitcoin-Preis steigt rasant wie lange nicht mehr und viele wundern sich, warum? Waren die Schlagzeilen in letzter Zeit nicht denkbar schlecht?

Bitcoin-Kurs der vergangenen 6 Monate, Quelle: Finanzen.net

Der Krypto-Börse Binance wurden immerhin 7000 Bitcoin gestohlen und deren CEO dachte in einer Kurzschlussreaktion kurzzeitig sogar laut über ein Zurücksetzen der Bitcoin-Blockchain nach. (Bei Bitcoin ein absolutes No-Go.)

Derweil kämpft Bitfinex, eine andere populäre Krypto-Börse, mit einem hausgemachten Finanzskandal und einer umfassenden Anklage aus New York, in deren Aufarbeitung immer mehr pikante Details über den besorgniserregenden Umgang mit Kundengeldern und -daten ans Licht kommen.

Und nicht zuletzt steigt auch der politische Druck auf Bitcoin. Der Kongressabgeordnete Brad Sherman wirbt um Unterstützung bei seinem Ziel, alle Kryptowährungen zu verbieten. Diese würden die auf dem Dollar basierende ökonomische und politische Vormachtsstellung der USA gefährden.

Was bestimmt den Wert von Bitcoin?

Doch offensichtlich haben all diese Events keinen sonderlich negativen Einfluss auf den Bitcoin-Preis. Sonst würde dieser wohl nicht, wie am vergangenen Wochenende innerhalb eines Tages um mehr als 1000 US-Dollar steigen.

Wobei manche jedoch behaupten, dass sich Aussagen wie die von Brad Sherman, ob ihrer enttarnenden „Ich hab die Hosen voll“-Ehrlichkeit, keineswegs negativ, sondern vielmehr positiv auf den Preis auswirkten. Immerhin zeigten solche Statements, dass Bitcoin funktioniere. Im viel zitierten Mantra: „First they ignore you, than they laugh at you, than they fight you, than you win“, hätte Bitcoin damit nämlich die dritte von vier Eskalationsstufen erreicht.

Doch sind genau das die Fragen, die aktuell noch viel zu wenig diskutiert werden: Was ist eigentlich dieses Bitcoin? Warum wächst es immer weiter? Welchen ökonomischen und politischen Platz könnte und wird es in Zukunft einnehmen?

Value of Bitcoin-Konferenz in München

Genau diesem Thema widmet sich die Value of Bitcoin Anfang Juni in München. Eine Konferenz, die sich inhaltlich zwar auf den Wert von Bitcoin konzentriert, bei der der aktuelle Kurs aber nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Ein bemerkenswertes Konzept, 2019 – im mittlerweile entzauberten Blockchain-Hype – eine reine Bitcoin-Konferenz auf die Beine zu stellen, bei der sich hochrangige und versierte Bitcoin-Befürworter und -Skeptiker in den Räumen einer Bank auf Augenhöhe begegnen. Ich habe Daniel Wingen, Bitcoiner aus München und Organisator der Konferenz, daher ein paar Fragen gestellt.

Mit der Value of Bitcoin-Konference organisierst du eine Top-Level-Konferenz, die sich explizit und nur auf Bitcoin konzentriert. Das ist ungewöhnlich. Immerhin haben in den vergangenen Jahren die meisten einen großen Bogen um Bitcoin gemacht und stattdessen „Blockchain“- oder „Crypto“-Konferenzen organisiert. Warum meinst du, dass 2019 wieder eine reine Bitcoin-Konferenz notwendig ist und funktionieren kann?

Die Idee für die Value of Bitcoin-Konferenz ist aus Gesprächen mit der BayernLB und Saifedean Ammous (Autor von The Bitcoin Standard,
Anm. d. R.) entstanden, da Dr. Ammous bereits letztes Jahr einen Vortrag bei der BayernLB vor Mitarbeitern und Kunden gehalten hatte und dieser sehr gut angekommen ist.

Auf Grund des stark ansteigenden internen Wissensbedarf bei der BayernLB aber auch deren Kunden, lag die Idee nahe, das Ganze etwas größer zu wiederholen und sich dabei ganz auf Bitcoin aus volkswirtschaftlicher und monetärer Perspektive zu konzentrieren.  Bitcoin ist nun seit über 10 Jahren „am Leben“ und es sieht aktuell nicht danach aus als würde das Netzwerk in absehbarer Zeit „sterben“ oder der Preis des Bitcoin-Token gegen Null gehen. Das sehen auch immer mehr institutionelle Investoren, Unternehmer, Ökonomen und Banker.

Die Notwendigkeit für eine solche Konferenz ergibt sich aus dem Bedarf auf Entscheider-Ebene, die notwendigen Informationen zu aggregieren, um einen guten Überblick zu erhalten. Dafür reichen die aktuell sehr oberflächlichen Informationen in der Management- und Finanz-Presse bei weitem nicht aus. Es gibt viel Kritik an Bitcoin und auf der anderen Seite viel tiefgreifende Forschung die positiven Ergebnissen hervorgebracht hat. Eine Konferenz auf der die verschiedenen auch kritischen Perspektiven eine Plattform erhalten, gab es bis her in der Form nicht. Es ist jedoch für Entscheidungsträger essenziell, sich möglicht viele divergierende Perspektiven und Meinungen anzuhören und zu verarbeiten, um zu einer eigenen Meinungen und damit fundierten Entscheidungen im Umgang mit Bitcoin gelangen zu können und durch proaktive Entscheidungen einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen.

Die Konferenz heißt zwar Value of Bitcoin, doch spielt der aktuelle Kurs von Bitcoin inhaltlich weniger eine Rolle. Worum geht es dann?

Wir spielen mit den Namen eher auf den intrinsischen Wert bzw. potenziellen Nutzen des Bitcoins an und wollen besonders kontrovers und tief auf diesen Aspekt eingehen. Der Preis ergibt sich aus Angebot und Nachfrage und ist rein Markt-getrieben. Die große Frage dahin lautet jedoch: Was treibt die Nachfrage nach dem Bitcoin? Hier klaffen die verschiedenen Meinungen besonders stark auseinander.

Die Konferenz findet in den Räumen der BayernLB statt, du hast namhafte Experten aus der ganzen Welt gewinnen können. Wie schwer war es, dieses „Bitcoin only“-Event auf die Beine zu stellen? Musstest du für deine Idee kämpfen oder hast du offene Türen eingerannt?

Das ganz wäre ohne die BayernLB und Fidelity Digital Assets als Partner nicht möglich gewesen und diese haben stark dazu beigetragen, die Experten für die Veranstaltung gewinnen zu können. Tatsächlich haben wir zum einen – auch bei Kritikern – offene Türen eingerannt, aber zum anderen haben wir auch Antworten wie: „[…] kommt es einem so vor, als würden Sie BitCoin selbst als Investment Instrument verstehen und kritisch beleuchten wollen. Aber diese Schlacht ist doch nun schon lange geschlagen. BitCoin ist als Investment genauso gut wie jeder andere Pump and Dump Penny Stock. End of Discussion. […]“ erhalten.

Klares Statement, worum es bei der Value of Bitcoin-Konferenz nicht geht.
Die Zusammenstellung der Teilnehmer und Experten ist sehr facettenreich. Es kommen Wissenschaftler, Banker, Unternehmesvertreter, Technik-Experten und unter ihnen sind Bitcoin-Skeptiker, -Kritiker und -Befürworter. Was erhoffst du dir von dem Aufeinandertreffen dieser unterschiedlichen Meinungen und Perspektiven?

Ich selbst würde mich auch als sehr kritisch bezeichnen. Bevor ich eine Entscheidung treffe, hole ich mir möglich viele und tiefgreifende Informationen ein und wäge diese gegeneinander ab. Genauso gehe ich im Zusammenhang mit Bitcoin auch vor und hinterfrage meine Meinung über Bitcoin tagtäglich. Daher weiß ich wie wertvoll es ist gegenüber kritischen Meinungen offen zu sein und selbst zu prüfen ob sie auf Basis des bereits angesammelten Wissens valide sein könnten.

Dieser Prozess ist jedoch sehr aufwendig und zeitintensiv und viele Entscheidungsträger haben nicht den Luxus wie du und ich, sich so intensiv mit der Materie auseinanderzusetzen. Die Value of Bitcoin-Konferenz bietet Ihnen die Möglichkeit, innerhalb von einem Tag so tief in die Materie einzusteigen wie es ansonsten nur durch wochenlange oder gar jahrelange Recherchen möglich wäre. Ganz nach dem Motto: „Don’t trust, verify!“ 

Die Konferenz richtet sich an Entscheidungsträger aus dem Finanz- und Wirtschaftsbereich – bewusst auch an Vertreter eher konservativer Institutionen. Warum gerade diese Zielgruppe?

Das ist ganz einfach: Hier gibt es einen massiven Bedarf, viele offene Fragen rund um Bitcoin beantworten zu können. Man kann die Beantwortung dieser Fragen zwar aufschieben, aber der Drang eigene Antworten zu finden und Entscheidungen zu treffen wird immer größer, je mehr Unternehmen und Institutionen sich öffentlich zu Bitcoin äußern und in dem Bereich aktiv werden.

Die Konferenz ist ein vergleichsweise exklusives Event. Die Ticketpreise sind hoch, die Teilnehmeranzahl ist begrenzt. Trotzdem sind die Diskussion und die Ergebnisse auch für die Community interessant. Wird es einen Livestream oder Mitschnitte geben oder sollen die Teilnehmer in einem „geschützten Raum“ unter sich bleiben?

Der Mehrwert der Veranstaltung entsteht vor allem durch die extrem hohe Dichte an divergierenden aber vor allem fundierten Informationen. Das ist besonders wertvoll für Teilnehmer, welche nicht die Zeit haben sich intensiv und tagtäglich mit dem Thema zu beschäftigen.

Aus verschiedenen Gründen wird es leider keinen Livestream geben, aber für die Community machen wir in München am Folgetag ein Meetup mit dem Titel „The VoB Conference in Retrospect“, welches sehr wahrscheinlich live gestreamt wird.

Wir werden jedoch eine Handvoll Tickets an die Community rausgeben. Der Ticketpreis hierfür ist auf einem Level mit Baltic Honeybadger/Breaking Bitcoin. Interessenten können sich mit Ihrer Bewerbung gerne direkt an mich wenden.

Bitcoin als wachsender demografischer Trend

Vor einigen Tagen veröffentlichte der Krypto- und Blockchain-VC Blockchain Capital die Zusammenfassung ihrer aktuellen repräsentativen Umfrage über die Einstellung der US-Bevölkerung zu Bitcoin. Dabei ging es u.a. um die Bekanntheit von Bitcoin, den Besitz und die potentielle Kaufbereitschaft.

Wie verändert sich die Einstellung der Menschen zu Bitcoin?

Die Ergebnisse dieser Umfrage sind insofern interessant, als dass einige der Fragen im Herbst 2017 schon einmal gestellt wurden. Aus dem Vergleich der Antworten lässt sich also eine Entwicklung ablesen.

9 von 10 Leuten haben schon einmal von Bitcoin gehört. Quelle: Blockchain Capital

Diese Entwicklung ist in der Tat aufschlussreich, wenngleich der Titel Bitcoin is a Demographic Mega-Trend aber übertrieben ist. Einige der Punkte sind aber dennoch erwähnenswert.

Die Bekanntheit von Bitcoin wächst

Neben der Erkenntnis, dass die Bekanntheit von Bitcoin weiter zunimmt – 89 Prozent der Befragten haben mittlerweile schon mal etwas von Bitcoin gehört (2017: 77 Prozent) – sind dabei vor allem die demografischen Unterschiede erwähnenswert.

So besitzt fast jeder fünfte US-Amerikaner zwischen 18 und 34 Jahren Bitcoins wohingegen jenseits der 45 Jahre nicht einmal jeder Zwanzigste in Bitcoin investiert ist.

Die Initiative geht von den Jüngeren aus

Dieser „Generationen-Unterschied“ zeichnet sich deutlich auch in den anderen Ergebnissen ab. Die Jüngeren halten es für wahrscheinlicher, dass sie in absehbarer Zukunft (mehr) Bitcoins kaufen. Sie halten es ebenso für wahrscheinlicher, dass die meisten Menschen Bitcoin innerhalb der kommenden zehn Jahre nutzen werden und sie sind im Allgemeinen auch deutlich vertrauter mit dem Thema als die Älteren.

Bitcoin demographisch
Die Jüngeren stehen Bitcoin deutlich offener gegenüber. Quelle: Blockchain Capital

Wobei Letzteres vermutlich direkten Einfluss auf die Ergebnisse der beiden Vorherigen Antworten hat. Denn wer Bitcoin verstanden hat, der wird es auch eher nutzen und kann auch dessen Zukunftsperspektive einschätzen.

Optimistischere Einstellung zu Bitcoin in allen Altersgruppen

Davon ungeachtet steigen die Zustimmungswerte zu BItcoin aber unterm Strich in allen Altersschichten. Und dass, obwohl die erste Umfrage Ende 2017 in einem von Krypto-Hype und überschwänglicher Begeisterung geprägten Marktumfeld stattfand, die aktuelle dagegen nachdem Bitcoin zwischenzeitlich mehr als 80 Prozent seines Wertes eingebüßt hat.

„We suspect that the difference in market environment between the two surveys would have a negative impact on Bitcoin sentiment in the most recent survey. Despite the bear market, the data shows that Bitcoin awareness, familiarity, perception, conviction, propensity to purchase and ownership all increased/improved significantly — dramatically in many cases.“

Begrenzte Aussagekraft, trotzdem bemerkenswert

Natürlich gibt es auch berechtigte Kritik an der Durchführung und sehr euphorischen Interpretation dieser Studie und die Belastbarkeit der präsentierten Zahlen ist zweifelsohne begrenzt. Nichtsdestotrotz kann man sie als weiteres Indiz für die fortschreitende Durchdringung der Gesellschaft durch Bitcoin sehen.

Und dass die Millenials dabei die größte Rolle spielen, ist keine Überraschung, sondern eine auch in anderen Veröffentlichungen bereits vertretene und begründete These.

#bitte1bitcoin – Neue deutsche Bitcoin-Automaten-Initiative

In Deutschland ist es vergleichsweise schwer, Bitcoins zu kaufen. Das ist insofern erstaunlich, als dass Deutschland eigentlich seit jeher einer der bedeutendsten Standorte für das digitale Geld ist.

Bitcoin-Standort Deutschland

Ein beachtlicher Teil der Netzwerkknoten stützt von hier aus die Bitcoin-Infrastruktur. Eine Vielzahl von Forschern, Entwicklern und Gründern setzen sich intensiv mit Bitcoin auseinander und mit dem Room 77 gibt es in Berlin einen weltweit legendären Hotspot, der 2011 nicht nur globaler Vorreiter bei der Bitcoin-Akzeptanz war, sondern noch immer erster Anlaufpunkt für neue Ideen, Konzepte und Projekte ist.

Trotzdem fehlt auch mehr als zehn Jahre nach der Erfindung des digitalen Geldes hierzulande eine Möglichkeit, Bitcoins so einfach und unkompliziert wie möglich zu kaufen: mit Bargeld.

Deutschland hängt hinterher

So wie es zum Beispiel in Österreich möglich ist, wo man Bitcoins längst nicht nur an Automaten bekommt, sondern auch an Tankstellen, in Trafiken und bei der Post. In der Schweiz gibt es das digitale Geld sogar am Fahrkartenautomaten.

Bitcoins gibt es in der Schweiz sogar am Fahrkartenautomat

Davon ist man in Deutschland weit entfernt. Hierzulande führt der „einfachste“ Weg an Bitcoins zu kommen, immer noch über Online-Börsen. Also genau diese Institutionen, die in regelmäßigen Abständen gehackt werden. Wobei unerfahrene Kunden nicht nur ihr digitales Geld verlieren, sondern auch den Missbrauch sensibler persönlicher Daten riskieren. Denn nur die wenigsten Krypto-Börse im Netz lassen sich noch ohne vorherige Identifikation nutzen. Und die, die es ermöglichen, sind potentiell noch riskanter.

Einfachste Lösung: Bitcoin-Automaten

Aus diesem Grund sind Bitcoin-Automaten weltweit auch ein großer Erfolg. An ihnen lassen sich vor allem kleine Bargeld-Beträge schnell und unkompliziert in Bitcoin und zurück tauschen. Privat und mit vergleichsweise geringem Risiko für den Nutzer.

Bitcoin-Automat in einem Prager Hackerspace. Einer von mehr als 4700 weltweit

Mehr als 4700 solcher Bitcoin-ATMs stehen dabei bereits weltweit. Der Großteil in Nordamerika und Europa. Aber auch in Kasachstan, Simbabwe oder auf Barbados kann die jeweilige lokale staatliche Währung längst am Automaten gegen globale staatenlose Bitcoins getauscht werden.

Nur Deutschland war auf der globalen Bitcoin-ATM-Karte eben lange ein weißer Fleck. Zwar gab es über die Jahre immer wieder einzelne Automaten, doch wurde deren Betrieb auf Druck der hiesigen Finanzaufsicht (allen voran die Bafin) jedes Mal wieder eingestellt. Zum großen Verdruss der Community, die sich durch die strenge und restriktive Regulierung hierzulande im internationalen Vergleich unfair benachteiligt sieht.

Noch ein ziemlich weißer Fleck: Deutschland auf einer Bitcoin-ATM-KArte

Eine Situation, die über die Jahre auch dazu geführt hat, dass aus Deutschland heraus zwar viele erfolgreiche Bitcoin-Projekte gegründet wurden, diese ihren offiziellen Sitz aber nicht hier sondern in europäischen Nachbarländern haben und ihre Gewinne dementsprechend in den Niederlanden, Großbritannien, Luxemburg oder der Schweiz versteuern. Andere internationale Anbieter schlossen den deutschen Markt wegen der fehlenden rechtlichen Sicherheit sogar gleich ganz von ihrem Angebot aus.

LocalBitcoins: Dieses Angebot ist in deinem Land leider nicht verfügbar.

Trotz der einstmaligen Vorreiterposition und der noch immer wichtigen Rolle als Infrastrukturstandort gilt Deutschland daher mittlerweile für viele in der Community in Hinblick auf die Versorgung mit und die Zugänglichkeit zu Bitcoin als zurückgebliebenes Entwicklungsland.

Neue deutsche Bitcoin-Automaten-Initiative: #bitte1bitcoin

Vielen ist diese paradoxe Situation ein Dorn im Auge. Schon lange rumort es in den deutschsprachigen Foren und Messenger-Gruppen und die Stimmen werden immer lauter, endlich gemeinsam den Kampf mit dem übermächtigen Regulierer aufzunehmen. Im Zweifel eben auch juristisch.

Wichtigster Treiber für diese Entwicklung war das Berliner Kammergericht, das im Oktober 2018 in seinem Urteil in einem Strafprozess nicht nur feststellte, dass Bitcoins im Gegensatz zur Auffassung der Bafin kein Finanzinstrument im Sinne des Kreditwesengesetzes seien, sondern das die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht mit der Klassifizierung von Bitcoin als „Rechnungseinheiten“ sogar auch den ihr zugewiesenen Aufgabenbereich überspanne.

Mit der nun ins Leben gerufenen und u.a. vom Bundesverband Bitcoin getragenen Initiative #bitte1bitcoin gehen daher dieser Tage gleich mehrere neuer Bitcoin-Automaten in Deutschland (wieder) an den Start. Zunächst in Berlin, Hamburg und Essen. Weitere sollen später folgen.

Einfach mal machen. Ein es der Plakate der #bitte1bitcoin-Kampagne
Aufbruch ins Ungewisse

Doch ist das Unterfangen riskant. Denn auch wenn sich das Urteil des Berliner Kammergerichts wie die von der Community so dringend erhoffte Befreiung aus der festen Hand des Regulierers liest, bleibt die Situation kompliziert.

Für die Bafin hat das Urteil des Berliner Kammergerichts formal nämlich erst einmal keine direkten Auswirkungen, da es sich dabei aus ihrer Sicht nur um einen strafrechtlichen Einzelfall, nicht aber um Verwaltungsrecht handele. Sie erklärte daher, so lange an ihrer Rechtsauffassung festzuhalten, bis es ein rechtlich bindendes Urteil gegen einen konkreten Entscheid der Bafin gebe.

Rechtstreit oder nicht. Das ist hier die Frage.

Genau das will die Community durch die #bitte1bitcoin-Initiative nun aber provozieren. Oder es zumindest darauf ankommen lassen. Denn ein Rechtsstreit mit dem Aufseher, könnte nicht nur die konkrete rechtliche Situation für Bitcoin-Automatenbetreiber klären, sondern letztlich auch den Gesetzgeber zwingen, endlich mal eine verbindliche Position zu Bitcoin zu beziehen.

Bisher fehlt es nämlich an wirklich konkreten offiziellen Standpunkten. Viele Gründer wünschen sich jedoch schon lange Klarheit, unter welchen rechtlichen Rahmenbedingungen sie ihr Bitcoin-Projekt in Deutschland starten können. Oder eben nicht.

Andere in der Community sehen die Auswirkungen eines Konflikts mit der Bafin und dessen mögliche Konsequenzen jedoch kritischer. Sie fürchten, dass es nicht klug sei schlafende Hunde zu wecken. Am Ende lande man womöglich bei einer schlechteren Gesamtsituation für Bitcoin in Deutschland als bisher. Aber dann eben rechtlich verbindlich.

Gretchenfrage: Was macht die Bafin?

Doch obliegt diese Entscheidung nun nicht mehr der Community (in der es ja ohnehin jedem freisteht, zu machen, was er oder sie will). Mit dem offensiven Aufstellen neuer Automaten liegt der Ball nun im Feld der Bafin, die entscheiden muss, wie sie mit der Provokation umgeht und ob und wie sie den Konflikt eskaliert.

Die #bitte1bitcoin-Projektinitiatoren haben sich jedenfalls ihrerseits auf alle Optionen vorbereitet und starten nun ihrerseits mit ihrem ersten Zug: dem Aufstellen der Automaten. Die große Feier dafür findet heute Abend (natürlich) im Berliner Room 77 statt, dem Ort, an dem schon einmal 2014 der erste Bitcoin-Automat Deutschlands stand.

Honigdachs #37 – Faketoshi & andere Bitcoin-Dramen

Die 37. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin und die Blockchain zu reden auf Dauer zu wenig ist. (Abonnieren)

Honigdachs #37 – Faketoshi und andere Bitcoin-Dramen

Die angekündigte Lightning-Kritik-Folge haben wir noch einmal aufgeschoben. Die wollen wir stattdessen beim kommenden Lightning-Hackday Anfang Juni in München aufzeichnen und dabei idealerweise auch gleich die Experten vor Ort zu Wort kommen lassen.

Dieses Mal blicken wir daher zurück auf den April, in dem es auch so nicht an Drama, Unterhaltung und spektakulären Ereignissen mangelte. Vom immer weiter eskalierenden Konflikt zwischen der Bitcoin-Community gegen Möchtegern-Bitcoinerfinder Craig Wright aka „Faketoshi“ über Mt.Gox (Ja, auch der Drama-Zombie kommt immer wieder) bis zum aktuellen Tether-Bitfinex-Spektakel. Und dann war da ja auch noch der Bitcoin-Kurs, der im vergangenen Monat einen ordentlichen Satz nach oben gemacht hat. Wer jemals gedacht hat, bei Bitcoin könnte es langweilig werden …

Nun aber erst einmal viel Spaß beim Hören.

Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick

Honigdachs #37 – Faketoshi & andere Bitcoin-Dramen weiterlesen

Bitcoin- und Lightning-Nodes im Test – RaspiBlitz

Vor einiger Zeit habe ich den Casa Node getestet und damit den ersten in einer Reihe von handlichen Bitcoin- und Lightning-Fullnodes. Nun läuft seit einigen Wochen ein RaspiBlitz auf meinem Schreibtisch, der in der Community weit verbreiteten, weil günstigen und trotzdem komfortablen DIY-Lightning-Lösung.

Zeit für ein Zwischenfazit, das durchweg positiv ausfällt. Denn der RaspiBlitz ist gut ausgewogen zwischen Zugänglichkeit und einfacher Handhabung (aka User Experience) auf der einen Seite und Funktionsumfang und individuellen Konfigurationsmöglichkeiten (aka Nerdigkeit) auf der anderen.

Tauchen auf Lightning-Hackdays oftmals in Rudeln auf: RaspiBlitz-Nodes
RaspiBlitz – Der DIY-Bitcoin- und Lightning-Node

Doch beginnen wir erst einmal mir dem Aufbau des RaspiBlitz, der – wie der Name schon verrät – wie auch der Casa Node auf dem RaspberryPi basiert und durch eine Festplatte, einen Kühlkörper und ein schmuckes LCD-Display ergänzt wird. Komponenten, die man laut Einkaufsliste aktuell für rund 150 Euro bekommt.

Der DIY-RaspiBlitz-Bausatz (hier schon halb vormontiert) kostet aktuell rund 150 Euro.

Mein Testgerät, dass mir Christian Rotzoll, der RaspiBlitz-Hauptverantwortliche, freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, kam dabei schon vormontiert. Wobei ich aber davon ausgehe, dass ich das auch selbst problemlos hinbekommen hätte, da die entsprechende Anleitung auf GitHub gut bebildert ist und als nahezu idiotensicher gelten kann, wenn man des Englischen einigermaßen mächtig ist.

Aus der Community für die Community

Ohnehin muss man sagen, dass eine der ganz großen Stärken des RaspiBlitz die außerordentlich gute und verständliche Dokumentation ist. Jeder wichtige Schritt, vom Zusammenbau der Hardware bis zum Einrichten der Software, ist übersichtlich bebildert und nachvollziehbar erklärt. Das ist keine Selbstverständlichkeit, ganz besonders, wenn man mit dem Produkt (noch) kein Geld verdient.

https://twitter.com/fluidvoice/status/1120162152030064640

Wer darüber hinaus noch individuelle Probleme hat, der findet Hilfe über Twitter (#RaspiBlitz) oder GitHub. Dafür sorgt eine Community, deren Größe und Engagement, das Projekt zu ergänzen und weiterzuentwickeln zeigt, dass der RaspiBlitz längst kein Nischenphänomen mehr ist, sondern unter bastelaffinen Bitcoinern eine der beliebtesten Bitcoin-/Lightning-Fullnode-Lösungen.

Setup und Inbetriebnahme

Sind die Hardware-Komponenten dann verbunden, kann der RaspiBlitz in Betrieb gehen. Dafür muss das aktuellste RaspiBlitz-Image (zur Zeit 1.1) auf die SD-Karte geschrieben werden. Dieser Prozess ist für Windows-Only-Nutzer möglicherweise ungewohnt, aber dank der guten Anleitungen durchaus machbar. Zumal auch spätere Updates über dieses halbmanuelle Prozedere auf den RaspiBlitz eingespielt werden müssen.

Nun beginnt der komplizierteste Part des RaspiBlitz-Setups, wobei das „kompliziert“ letztlich aber nur Ansichtsache ist. Um den RaspiBlitz einzurichten, muss man ihn über eine Netzwerk-Verbindung ansteuern. Beim Casa Node lief das über den Browser (und funktionierte nicht reibungslos), beim RaspiBlitz braucht man eine zusätzliche SSH-Software wie bspw. Putty.

Terminal-Session einrichten

Für Leute, die an Computern bislang vor allem mit grafischen Nutzeroberflächen, Touchscreens und Wischgesten sozialisiert wurden, mag das herausfordernd wirken. Hat man jedoch die IP des RaspiBlitz im heimischen Netzwerk herausgefunden (wird praktischerweise auf dem LCD-Screen angezeigt), das richtige Zeichenset aktiviert (ginge auch ohne, aber dann sieht es noch nerdiger aus – siehe Bild unten) und die Einstellungen einmal als Voreinstellungen gespeichert, ist das Einloggen auf dem RaspiBlitz auch nur noch eine Sache von vier Klicks. Wer einen Drucker einrichten kann, der wird auch daran nicht scheitern.

Sicher ist sicher: gleich vier Passwörter muss man beim Setup des RaspiBlitz vergeben.

Anschließend muss man dem Gerät einen Namen geben, insgesamt vier Passwörter vergeben (die tatsächlich alle notwendig sind) und sich überlegen, wie man eigentlich an die Daten der Bitcoin-Blockchain kommen möchte.

Die Blockchain-Gretchenfrage

Der einfachste Weg wäre, den RaspiBlitz mit dem Bitcoin-Netzwerk zu verbinden und die Synchronisation komplett neu machen zu lassen. Da das Gerät aber nur über eine vergleichsweise begrenzte Rechenleistung verfügt, wird dieser Prozess mehrere Wochen dauern. Wer es schneller haben will, kann sich die Blockchain-Daten alternativ als Torrent-Download oder sich von einem anderen Computer im Netzwerk oder einer zweiten Festplatte ziehen.

Wichtig ist dabei nur: Wie beim Casa Node sollte man sich aber auch hier vorab überlegen, für wie vertrauenswürdig man die jeweilige Quelle der vorverifizierten Blockchain hält. Im Zweifel muss man halt von Grund auf alles synchronisieren.

Komfortabel: Der LCD-Screen zeigt den Zwischenstand auch wenn keine SSH-Verbindung besteht.

Sind die Blockchain-Daten dann verfügbar, läuft der Rest der Setups quasi von alleine bzw. wird man in dem Prozess so gut an die Hand genommen, dass es sich wie ein Selbstläufer anfühlt.

Das LCD-Display, das der Node prinzipiell ja eigentlich nicht braucht, ist hier ein nützliches Gimmick. Denn es zeigt die laufenden Prozesse und den jeweiligen Fortschritt auch dann an, wenn der Rechner aus ist. Das ist insofern nützlich, als dass die finale Synchronisation der Blockchain, die in jedem Fall nötig ist, und das Setup des Lightning-Nodes durchaus einige Stunden in Anspruch nehmen können.

Auch die letzten 0,2 Prozent der Blockchain brauchen mitunter noch Stunden zur Synchronisation.

In meinem Fall hängte sich der RaspiBlitz beim Scannen der Blockchain einmal auf. Nach einem Neustart schloss er die initiale Konfiguration dann aber problemlos ab. Bedeutet: Hin und wieder sollte man aufs Display schauen, ob noch alles läuft. Im Großen und Ganzen richtet sich der RaspiBlitz aber so weit wie möglich von alleine ein.

Im Test aufgehangen, aber nach Neustart doch noch abgeschlossen: die Lightning-Synchronisation
Praxistest

Ist das Setup abgeschlossen, eröffnet sich das RaspiBlitz-Hauptmenü und mit ihm eine Vielzahl von Möglichkeiten. Neben den obligatorischen Optionen, Einzahlungen vorzunehmen, Kanäle zu eröffnen und Geld zu verschicken und zu empfangen, kann man hier auch eine mobile Wallet mit dem eigenen Bitcoin-Fullnode verbinden. Eine in puncto Privatsphäre und Vertrauensreduktion durchaus relevante Funktion, die der Casa Node so nicht bot.

Funktionaler als man denkt: Nur 6 von 18 Menüpunkten sind hier zu sehen

Darüber hinaus empfiehlt es sich, in den Menüpunkt Services zu wechseln. Dort lässt sich nämlich die TOR-Funktionalität aktivieren. Die Datenströme des RaspiBlitz laufen dann nämlich anonymisiert durchs TOR-Netzwerk. Ein weiteres Plus in Bezug auf die Privatsphäre und eine Funktion, die in der Community vielfach sogar als Standardeinstellung für Lightning-Nodes gefordert wird, aber längst noch nicht überall verfügbar ist.

TOR und RTL sollte man idealerweise gleich als erstes aktivieren
Perfekte Ergänzung – Ride the Lightning

Neben TOR sollte man gleich auch noch das RTL Webinterface aktivieren. Die Abkürzung steht für Ride The Lightning, ein weiteres Open Source-Projekt, das die komfortable Verwaltung von Lightning-Knoten über den Browser ermöglicht, zusätzliche Optionen eröffnet und dank der grafischen Benutzeroberfläche die Bedienung des RaspiBlitz auch noch einmal stark vereinfacht.

Sehr praktisch: das Ride the Lightning-Interface (Klicken zum Vergrößern)

Als solches ergänzen sich der RaspiBlitz und das RTL Webinterface perfekt. Wenn auch die Bedienung und Erscheinung des originalen RaspiBlitz-Menüs mich angenehm nostalgisch an meine Norton Commander-Zeit auf dem 286er erinnerte – erst die Bedienung über das Ride the Lightning-Interface gab mir das Gefühl mit zeitgemäßer Technologie im Jahr 2019 zu agieren.

Invoices erstellen, mit Lightning bezahlen, Kanäle verwalten – es ist gut zu wissen, dass man das im Zweifel alles kommandozeilenbasiert erledigen kann. Sexy ist es jedoch das mal eben mit wenigen Klicks zu machen und gleichzeitig noch allerlei zusätzliche Informationen und Statistiken zu erhalten.

Finale Prüfung – Zahlungen

Zum Beispiel zeigt das RTL-Interface die Hops einzelner Zahlungen an. In einer meiner Testzahlungen waren das zum Beispiel fünf Hops für eine Transaktion nach Kalifornien. Wie auch schon beim Test vom Casa Node habe ich dabei versucht, einen speziellen Lightning-Sticker zu kaufen. Was jedoch beim Casa Node damals aus unerfindlichen Gründen nicht möglich war, hat beim RaspiBlitz dieses Mal ohne Probleme gleich beim ersten Mal funktioniert.

Bezahlt in Sekunden, geliefert in Wochen: Ein Lightning-Sticker aus den USA

Die zehn Sekunden, in denen die Zahlung dabei erfolgreich durch das Netzwerk geroutet wurde, bilden dabei einen faszinierenden Kontrast zu den mehr als sechs Wochen, die der Sticker anschließen per Post von der US-amerikanischen Pazifikküste nach Leipzig unterwegs war.

Fazit – Klein, günstig und multifunktional

Bleibt abschließend die Frage, was man an dem RaspiBlitz berechtigterweise kritisieren kann. Tatsächlich konnte ich im Test jedoch nichts finden, was mich wirklich gestört hat, wo ich nicht weitergekommen bin oder was ich nicht verstanden habe.

Im Gegenteil – Als heavy Windws-User war ich überrascht, wie einfach es mir der RaspiBlitz machte. Die detaillierte und liebevolle Dokumentation spielt dabei als Hilfestellung beim Setup ohne Frage eine entscheidende Rolle. Ist der Node einmal aufgesetzt, schaltet dann die Ride the lightning-Integration all die Funktionen und die bequeme Bedienbarkeit frei, die ich mir als einfacher Nutzer wünsche. Klar kann das alles noch einfacher werden und wird es vermutlich auch bald. Für den aktuellen Stand der Technik im Frühjahr 2019 ist das Gesamtpaket aber schon jetzt durchaus überzeugend.

Ich muss nicht viel selbst konfigurieren. Wenn ich es will, kann ich es aber. Diese gelungene Mischung aus einfacher Nutzbarkeit und potentieller Nerdigkeit macht den RaspiBlitz zu einem außerordentlich praktischen DIY-Node für jedermann. Der unschlagbare Preis von 150 Euro und das Engagement der wachsenden RaspiBlitz-Community macht das Projekt darüber hinaus sehr charmant.

Aus diesem Grund kann ich auch der Befürchtung von Christian Rotzoll nicht zustimmen, die er zwischenzeitlich äußerte:

„Sei ehrlich – für jemanden ohne Raspberry/Linux/Terminal Erfahrung ist das Projekt noch etwas zu sperrig/früh, richtig?“

Absolut nicht. Gute Arbeit!

Quo vadis, Bitcoin? Ein fundierter Ausblick

Aus Bitcoin-Preis-Spekulationen halte ich mich normalerweise raus. Zum einen liegt man damit in der Regel sowieso falsch, zum anderen halte ich andere Aspekte an Bitcoin für interessanter und bedeutender. Zum Beispiel, wie das Phänomen Bitcoin (und nicht nur das Investment) unsere Gesellschaft beeinflusst, prägt und transformiert.

Nichtsdestotrotz gilt der Bitcoin-Kurs im Allgemeinen als DIE wichtigste (wenn eigentlich auch vergleichsweise schlechte) Größe, an der die Qualität und der aktuelle Stand von Bitcoin gemessen wird.

Seltene, gut begründete Kursanalyse

Interessant wird es nun aber für mich, wenn beides zusammenkommt. Eine fundierte Einschätzung des jetzigen und künftigen Bitcoin-Wertes, die jedoch nicht auf Gerüchten, wilden Spekulationen oder Kaffeesatz-Kursanalyse beruht, sondern auf einer faktenbasierten Argumentation.

Der von Tuur Demeester (sollte man auf Twitter unbedingt folgen) mitverantwortete aktuelle Bericht Bitcoin In Heavy Accumulation von Adamant Capital (ein langjähriger Bitcoin Hedge Fund, der nur sich nur alle paar Jahre, aber dafür immer mit gutem Timing öffentlich äußert) bietet genau diese Informationen und geht in der Bitcoin-Community daher gerade auch steil.

Liegt vermutlich aber auch daran, dass er ein recht optimistisches Bild für die mittelfristige Kursentwicklung von Bitcoin zeichnet mit dem Fazit: Der Tiefpunkt ist durch und der seit Ende vergangenen Jahres sanfte aber deutlich erkennbare Aufwärtstrend kommt nicht von ungefähr und wird sich wohl fortsetzen.

Klicken um direkt zum Bericht zu kommen

Doch die Lektüre dieses 17-seitigen Berichts ist nicht nur wegen der gut geführten Argumentation lesenswert (bspw. dass die notwendige „Kapitulation“ durch ist), sondern eben auch wegen der Recherche, die dieser zugrunde liegt. So finden sich beispielsweise auf Seite 10 Zahlen, bis zu welchem Kurs sich das Mining rechnet: $3250 bei 5 Cent/kWh, $2600 bei 4 Cent/kWh und $1950 bei 3 Cent/kWh.

Die Zeit spielt für Bitcoin

Noch viel interessanter fand ich jedoch den Absatz über die Millenials (S. 14), weil hier auch die bereits erwähnte gesellschaftliche, systemkritische Charakteristik von Bitcoin eine bedeutende Rolle spielt:

„Millennials, the generation born between 1981 and 1996, are the largest and fastest growing demographic in the world. Their total disposable income is expected to supersede all the other generations in 2029. One of the defining characteristics of Millennials is that they “found their way through the 2008 recession as young adults.” How this informed their world views was confirmed by a 2016 research project funded by Facebook, which suggested that 92 percent of this generation doesn’t trust banks. 

Having grown up with peer-to-peer protocols like BitTorrent, and running open source code like Linux, Millennials are very open to cryptocurrencies. A survey from 2013 suggests that Bitcoin’s early adopters (and likely whales) were mostly male Millennials. Also in the current landscape surveys suggest that the majority of Bitcoin buyers are also Millennials, with mistrust of governments and growth outlook as the main motivations to buy. As the disposable income of Millennials continues to grow, we expect further tailwinds in terms of Bitcoin adoption and price appreciation.“

Allein dieser Absatz ist bemerkenswert, stützt er doch gleichzeitig die These, dass Zeit ein entscheidender Faktor ist, der für Bitcoin von Vorteil ist. Mit jedem Tag, den es existiert und sich beweist, wird es größer, einflussreicher und relevanter, weil die, die es aus Prinzip ablehnen oder nicht verstehen (wollen) immer weniger werden und an Einfluss verlieren. Wusste im Übrigen auch schon Douglas Adams:

douglas adams
Bonus: Warum es sinnvoll sein kann, in Bitcoin zu investieren

Und wem dieser Bericht noch nicht genug ist, der sollte auch noch den aktuellen Text The case for a small allocation to Bitcoin von Wences Cesares, CEO von Xapo lesen, der die Argumente liefert, warum die im obigen Bericht festgestellte Akkumulierung von Bitcoin eine Investment-Strategie darstellt, über die es sich nachzudenken lohnt.

Und damit schöne Ostern!

Basic Attention (Shit-)Token – Unnötig, kompliziert & ärgerlich

Neulich bekam ich folgende Mail:

Hallo,

ich habe heute aus reinem Interesse meine erste BAT Spende mit dem Brave-Browser durchgeführt und dabei Ihre Seite als Ziel meiner Spende gewählt.

Was mich nun interessiert, ob und wie diese Spende bei Ihnen ankommt. Müssen Sie dafür auch den Brave Browser benutzen? Erhalten Sie eine Benachrichtigung in irgendeiner Art? Würde mich freuen, wenn Sie Ihre Erfahrungen teilen.

P.S.: Mein pessimistisches Ich sagt mir, dass überhaupt nichts passiert ist. 😀 BAT bleibt in meinen Augen wohl ein Shitcoin. Den Brave-Browser nutze ich dennoch gern und mittlerweile lieber, als die etablierten Browser.

Beste Grüße
Ein treuer Leser und Hörer

Let’s test!

Ich habe mich über diese Mail sehr gefreut. Zum einen über die konkrete Wertschätzung meiner Arbeit. Noch viel mehr aber über den Vorschlag und die Gelegenheit den Basic Attention Token (BAT) endlich mal einem realen Test unterziehen zu können.

Endlich wird alles gut! Behauptet man zumindest bei Brave/BAT.

Zwar hatte ich den Brave-Browser selbst schon einmal ausprobiert (überzeugt hat er mich allerdings nicht), doch fehlte mir bislang das richtige Setting den zugehörigen Token zu testen. Der soll Content-Produzenten nämlich endlich die ideale Lösung bieten, mit ihren Inhalten anständiges Geld zu verdienen.

Große Erwartungen, wenig Ergebnisse

Mit diesem fulminanten Versprechen hatte Brave 2017 einen der aufsehenerregendsten ICOs des Jahres hingelegt. In weniger als 30 Sekunden(!) legten die Investoren für die verfügbaren Basic Attention Token umgerechnet gut 35 Millionen US-Dollar auf den digitalen Tisch. Kein anderer ICO war schneller ausverkauft.

Trotz Millionenfunding ist das großes Ziel „das Netz zu reparieren“ noch immer in weiter Ferne.

Seitdem ist es jedoch recht ruhig um den Browser geworden, der sich nicht weniger auf die Fahnen geschrieben hat, als „das Netz zu reparieren“.

So richtig durchgestartet ist das Projekt in diesem Punkt jedoch nicht. Vorsichtig gesagt. Für eine Platzierung in den Statistiken, welche Browser im Netz am meisten genutzt werden, ist der Brave-Browser jedenfalls auch knapp zwei Jahre nach dem Rekord-ICO noch zu unbedeutend und gehört nur zur Restegruppe „Others“.

Wozu jetzt eigentlich noch einmal der eigene Token?

In diesem Kontext ist natürlich auch die Frage interessant, warum für das ambitionierte Vorhaben „das Netz zu fixen“ eigentlich unbedingt ein eigener Token ins Leben gerufen werden musste? Eine überzeugende Antwort gab es darauf bislang nicht.

Umso besser, dass sich nun also die Gelegenheit für einen echten BAT-Praxistest ergeben hat. Denn wenn der Brave-Browser schon nicht das Web fixt, dann könnte doch wenigstens die versprochene Vergütung von mir als Inhalteanbieter klappen. Dachte ich zumindest am Anfang. Doch was dann kam frustrierte mich immer mehr.

Wie das Brave-BAT-Bezahlsystem (nicht) funktioniert

Erste Aufgabe war für mich, herauszufinden, wie ich denn nun eigentlich konkret an die BAT kommen könnte, die mir „treuer Leser“ zugedacht hatte. Diese BAT hatte er zuvor irgendwie über seine browserinterne BAT-Wallet an meine Seite „geschickt“.

Doch da ich auf diesem Blog weder eine BAT-Wallet habe, noch sonst irgendwo bei dem Projekt registriert bin, stellte sich hier nun die berechtigte Frage, wo diese BAT denn nun eigentlich geblieben sind?

Die Antwort: Der Brave-Browser sammelt zunächst einmal die „Spenden“ für die jeweiligen Seiten ein und verwahrt diese. Ruft ein Seitenbetreiber sein Spendenguthaben nicht innerhalb von 90 Tagen ab, verfällt es und geht an den Spender zurück.

Spenden ins Leere

Bedeutet also: Hätte „treuer Leser“ mich nicht explizit auf seine BAT-Spende hingewiesen, hätte ich nichts davon erfahren und folglich auch nichts bekommen. Keine Ahnung, wie viele BAT mir und anderen Seitenbetreibern auf dieses Weise zuvor schon erfolglos, weil schlussendlich wieder zurückgebucht, gespendet wurden.

Einen richtig durchdachten Eindruck macht dieses System in jedem Fall nicht. Zumal der Brave-Browser auch explizit damit wirbt, dass man seine Lieblingsseiten im Netz vollkommen anonym unterstützen kann. Kann man auch. Man muss ihnen anschließend bloß noch Bescheid sagen, dass sie eine Spende erhalten haben. Sonst war das Ganze für die Katz, die sich bei diesem Prinzip letztlich selbst in den Schwanz beißt.

Jetzt wird es richtig umständlich

Doch wusste ich ja glücklicherweise in diesem Fall, dass mich eine konkrete Spende erwartet. Das war auch der einzige Grund, der mich motiviert hat, den langen und nervigen Registrierungsprozess als „Brave Reward Creator“ auf mich zu nehmen.

Zunächst musste ich mich dafür auf der zugehörigen Plattform registrieren und meine Website „claimen“. Dafür musste ich wiederum ein eigenes WordPress-Plugin installieren (das war noch die einfachste Variante).

Immerhin lief das bei mir einigermaßen reibungslos, wenngleich sich die Anmeldung von einem „Ich mach das mal schnell“ immer mehr zu einem nervigen und aufwendigen Zeitfresser entwickelte. Am Ende wurde mir aber zumindest tatsächlich meine angekündigte BAT-Spende angezeigt.

Mein BAT-Guthaben wird jedoch nur einmal im Monat ausgezahlt.
Spende bleibt unauszahlbar

Eigentlich sollte der Test an dieser Stelle vorbei sein. Bis hierher war es ja auch schon umständlich genug. Zumal ich ja mit den BAT nichts anfangen kann und daher ohnehin noch die Aufgabe auf mich wartet, diese drolligen Token in etwas halbwegs Nützliches (Bitcoin) umzutauschen.

Doch wäre das ja viel zu einfach. Tatsächlich sehe ich in meinem Creator-Profil nämlich nur ein Guthaben, an das ich jedoch nicht herankomme. Denn das BAT-Guthaben wird generell nur einmal im Monat(!) ausgeschüttet.

Zur Erinnerung: Wir reden hier über hypermegageile Token, die auf Blockchainbasis ganz fancy und vollkommen zeit-, raum- und reibungslos transferiert werden können. Bei denen man sich bei Brave aber entschieden hat, eine willkürliche Transaktionszeit von bis zu 31 Tagen einzuführen. Klasse! So lange braucht nicht mal Omis Geburtstagskarte mit dem Zehner für die Eisdiele.

Man muss sich im Brave BAT-System komplett nackig machen

Leider ist aber selbst das noch nicht das Schlimmste. Denn als Creator kann man sich die BAT grundsätzlich nicht an eine beliebige Adresse auszahlen lassen, sondern ausschließlich auf eine Wallet beim exklusiven Partner Uphold, einem Wallet-Anbieter, von dem ich noch niemals zuvor gehört hatte und mit dem ich eigentlich auch gar nichts zu tun haben will.

Denn auch hier muss man sich zunächst registrieren, um anschließend die neue Uphold-Wallet mit dem eigenen Brave Reward Creator-Profil zu verbinden. Eigentlich wäre ich an diesem Punkt schon längst abgesprungen und hätte alle BAT-Spenden fröhlich in den Wind geschossen. Im Rahmen dieses Tests habe ich mich dann aber doch durchgerungen, auch diesen Schritt noch zu gehen.

Die Brave-Philosophie: Du bist kein Produkt, aber bitte mach dich doch mal nackig.

Jedoch nur um abschließend festzustellen, dass ich meine Uphold-Wallet (die ich ja niemals haben wollte) zwar mit meinem Brave Reward Creator-Profil (das ich ebenfalls niemals haben wollte)
verbinden kann. Dass die monatliche(!) Auszahlung der BAT (drollige Token, mit denen ich eigentlich nichts anfangen kann) jedoch nur stattfindet, wenn ich mich zuvor als Nutzer bei Uphold komplett verifiziere. Also mit Adresse, Telefonnummer, Foto und Personalausweiskopie. Soviel zur Privatsphäre, auf die Brave in seinem Selbstverständnis so enorm viel Wert legt.

Fazit: BAT ist ein unnötiger, komplizierter, ärgerlicher Shitcoin

Das war der Punkt, an dem auch meine Toleranzgrenze endgültig überschritten war und ich die These von „treuer Leser“ als bestätigt ansehe: BAT ist tatsächlich nur ein Shitcoin und nach dieser Erfahrung möchte ich weder als Nutzer noch als Creator“ jemals wieder etwas damit zu tun haben. Worst Token-Experience ever!

Ich habe mich daher entschieden alle meine Brave/Bat/Uphold-Profile direkt wieder zu löschen und sämtliche Spenden in BAT-Shitcoins fortan vorsätzlich verfallen zu lassen.

Es gibt gute Gründe für Bitcoin

Wer dennoch die Arbeit hier am Blog unterstützen möchte, kann das wie gehabt gerne mit Bitcoin, Lightning und ein paar anderen Optionen machen. Das verletzt weder meine, noch eure Privatsphäre. Zahlungen dauern nicht einen Monat. Es gehen nicht 5 Prozent Gebühren an eine Shitcoin-Betreiberfirma. Außerdem fixt das das Web viel mehr, als ein bedeutungsloser Nischen-Browser (der bei mir dauernd abstürzt oder regelmäßig gar nicht startet) und ein ultrakomplexer Shitcoin-Token, den niemand braucht.

Wer bisher andere Content-Anbieter bereits mit BAT unterstützt, sollte sich gut überlegen, ob er ihnen das weiterhin antun möchte.

Mit Dank an „treuer Leser“ für den Versuch!

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