Honigdachs #28 – Bitcoin-Sommer-Update

Die 28. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan (bitcoinprivacy.net), Manuel (guidap.de) und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin und die Blockchain zu reden auf Dauer zu wenig ist. (iTunes/RSS-Feed)

Honigdachs #28 – Bitcoin-Sommer-Update

In dieser Sommer-Update-Folge sprechen wir über (fast) alles, was in den letzten Wochen rund um Bitcoin passiert ist. Was nicht gerade wenig ist, wenn man bedenkt, dass sich allein Stefan nahezu rund um die Uhr entweder selbst auf Bitcoin- und/oder Lightning Hackdays, Masterclasses und ähnlichen Veranstaltungen rumtreibt und sich dazwischen sämtliche Vorträge anderer Veranstaltungen anschaut.

Wir sprechen also über den aktuellen Stand des Lightning-Netzwerks, die shittiest Shitcoins (nicht von uns gekürt), das bemerkenswert große wissenschaftliche Interesse an Ethereum, mangelndes Mitleid für übereuphorische Bitcoin Cash-Promoter, das Infragestellen des eigenen Standpunktes, die Zukunft von Fiat als Regionalwährungen im globalen Maßstab und vieles mehr.

Nächste Folge wird es dann wieder monothematisch. Dann geht es nämlich noch einmal um Wallets. Seit unserer Folge #1 hat sich da nämlich sehr viel getan. Wer selbst diesbezüglich eine Frage einreichen möchte: Immer her damit!

Doch nun erst einmal viel Spaß beim Hören!

Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick. Honigdachs #28 – Bitcoin-Sommer-Update weiterlesen

Litecoin Foundation kauft sich bei nicht-sicherer Bank ein

Vermutlich hätte ich wie viele andere niemals von der Existenz der WEG Bank erfahren, wenn da nicht letzte Woche die überraschende Nachricht durchs Netz gereicht wurde, dass die Litecoin Foundation zusammen mit der Zahlungsplattform Tokenpay 9,9 Prozent an ebendieser kleinen deutschen Nischenbank erworben hat. (Statement Tokenpay / Statement WEG Bank).

Die Infrastruktur der WEG Bank ist nicht sicher

Nun wurde dazu eigentlich auch schon fast alles geschrieben, aber ein kleines, Im Juli 2018 nicht unerhebliches Detail macht doch stutzig: Offensichtlich hält es die WEG Bank trotz großem Brimboriums um die nun seit fast zwei Monaten geltende DSGVO immer noch nicht für nötig, ihre Website zu verschlüsseln. Also nicht nur teilweise nicht, sondern gar nicht. Etwas, dass ich im Jahr 2018 nicht für möglich gehalten hätte.

WEG nicht sicher
Screenshot vom 16.7.2018: Nicht einmal das Kontaktformular der WEG-Bank ist geschützt.

Ich wundere mich einfach nur. Kann denn eine Bank in einem so  stark regulierten Markt wie dem deutschen wirklich so naiv, unbedarft und technisch aus der Zeit gefallen sein, dass sie im Juli 2018 ihre Website samt Kontaktformular straf- und folgenfrei gänzlich unverschlüsselt ins Netz stellt? Erschreckenderweise ja.

Wo sind die Abmahnanwälte, wenn der Markt sie braucht?

Erschreckend insofern, da hier offensichtlich die (Selbst-)Regulation des Marktes versagt hat. Denn ein in puncto Datensicherheit so verantwortungslos agierendes und technisch rückständiges Unternehmen sollte eigentlich in einer Branche, deren Kernthema Vertrauen ist, nicht so lange bestehen dürfen. Doch wo ist die Konkurrenz, wo sind die pfiffigen Abmahnanwälte, wenn man sie mal braucht?

Vielleicht kümmern sich ja die Litecoin Foundation und Tokenpay als Anteilseigner nun bald um dieses Thema und zwingen die WEG Bank technisch auf die Höhe der Zeit. Das wäre nicht nur den Kunden zu wünschen, sondern brächte auch großartige Schlagzeilen mit sich, wenn erst die Krypto-Unternehmen kommen müssen, um einer deutschen Bank zu zeigen, wie man sicher und zeitgemäß mit diesem komischen neuen Ding namens „Internet“ umgeht.

Über den Mikrokosmos Crypto-Twitter

Ich habe vor einer ganzen Weile mal der Redaktion des Online-Ablegers einer der großen deutschen Zeitungen einen Artikel über Crypto-Twitter angeboten.

Mein Vorschlag war, einen Artikel über das zunehmende Spannungsverhältnis zu schreiben. Auf der einen Seite Twitter, die Kommunikationsplattform, die seit 2009 von der Szene für alle Themen rund um Bitcoin genutzt wird (und auch für mich eine der zentralen Informationsplattformen ist), auf der anderen Seite immer mehr Scam-Bots, penetrantes Kurznachrichten ICO-Marketing und eine teils toxische Kommunikationskultur. Die Absage der Redaktion kam dann mit der kurzen Begründung: „Unsere Leser interessieren sich leider nicht für Twitter.“

Crypto-Twitter ist trotzdem ein interessantes Thema

„Oha!“ dachte ich damals, „wenn nicht einmal explizite Online-Medien Themen bzgl. Twitter für relevant genug halten …“, habe kurz überlegt eine Henne-Ei-Diskussion mit dem Redakteur zu starten, mich dann aber nicht weiter daran gestört. Denn da ich ja regelmäßig eine Kolumne für das Global Investor-Magazin schreibe, habe ich das Thema dann eben dort aufgegriffen.

Und da dieser Texte nun offensichtlich lange genug nur den Käufern des gedruckten Magazins zugänglich war, ist der Text Eine Symbiose mit Tücken nun auch online frei zugänglich.

Trotz nerviger Schwächen ist Twitter eine der wichtigsten Kommunikationsplattformen für die Bitcoin- und Blockchain-Community. Doch muss man mit dem Kurznachrichtendienst umzugehen wissen.

Alle meine bisherigen Kolumnen für das Magazin gibt es übrigens hier und die nächste habe ich auch schon fertig geschrieben. Wird dann vermutlich in ca. einem viertel Jahr online erscheinen.

Die reflektierte Sicht eines Crypto-Fund-Managers

Dass eine Venture-Capital-Firma einen neuen 300 Millionen Dollar schweren Crypto-Fund an den Start bringt, ist eigentlich keine Meldung, die mir hier im Blog einen eigenen Beitrag wert ist. Doch bei Andreessen Horowitz und ihrem a16z crypto fund ist das etwas anderes.

Sharing is caring – gilt bei a16z auch für Wissen

Denn es handelt sich hier um einen der renommiertesten und ziemlich treffsicheren Tech-Investor der vergangenen zehn Jahre (siehe Portfolio). Aus dem einfachen Grund, dass dort gute und clevere Leute arbeiten, die mit ihrem Wissen und analytischen Kompetenzen nicht hinter dem Berg halten, sondern beides offensiv und gerne teilen.

Immer wieder habe ich hier daher schon auf hauseigenen a16z-Content verwiesen und sorgar die Ankündigung des a16z crypto funds ist nicht einfach nur ein Pressemitteilung, sondern selbst voller interessanter und lesenswerter Links.

Am meisten beeindruckt hat mich jedoch gestern das Hören des aktuellen Unchained Podcasts, in dem Laura Shin mit Chris Dixon spricht, der eben diesen crypto fund leitet. Was Dixon darin erzählt, zeugt von einer breiten, tiefgehenden und unglaublich sachlich reflektierten Kenntnis des gesamten Bitcoin-/Krypto-/Blockchain-Phänomens. Man muss dabei nicht alles unterschreiben, was Dixon sagt, aber über seine Thesen und dann über den eigenen Kenntnisstand nachzudenken, lohnt in jedem Fall.

Ich kann diesen Podcasts daher jedem empfehlen, der einmal vollkommen undogmatisch und ohne direkte Business- & Marketing-Hintergedanken erklärt bekommen will, welches Potential tatsächlich in Plattformen wie Bitcoin und Ethereum und weiteren Bausteinen wie Non-Fungible-Token (aka CryptoKitties) oder Stablecoins steckt oder zumindest stecken könnte. Denn auch Dixon sagt, dass das alles noch krachen gehen kann, doch dass sie optimistisch sind und glauben, dass wir uns noch immer in einem ganz frühen Stadium befinden und „we put our money where our mouth is.“ Solides Statement.

Die Naivität der DAO

Auch interessant ist: Wenn man diesen Podcast gehört hat und die Intensität und analytische Tiefe versteht, mit der sich Investoren wie a16z dem Krypto-Thema widmen, wird deutlich, wie naiv eigentlich die Idee der DAO war, bei der eben solche hochqualifizierten Investoren durch blockchain-basiertes Gemeinschafts-investing einer vergleichsweise unmotivierten Crowd aus Hobby-VCs abgelöst werden sollte.

Bitcoin- und Blockchain-Presseschau #96

Es wieder ein bisschen gedauert – Workshops, Vorträge und andere „echte“ Arbeit haben mich etwas vom Schreiben abgehalten – aber hier ist sie nun endlich: die neue Presseschau. Dieses Mal wieder mit einer ausgewählten Themenvielfalt von Kunst über Hintergündiges bis Business. Viel Spaß beim Lesen.

PS: Wer die Arbeit an weiteren Ausgaben der Bitcoin- und Blockchain-Presseschau fördern und beschleunigen will, der kann das hier tun.


Baldiger Bitcoin-Business-Boom in Deutschland?

In Deutschland gibt es ja bekanntlich keine Bitcoin-Börse, sondern mit Bitcoin.de nur einen einzigen Bitcoin-Marktplatz. Der entwickelt sich jedoch prächtig, wenn man mal einen Blick in den Geschäftsbericht des Mutterkonzerns Bitcoin Group SE für 2017 wirft. Mehr als 750.000 Nutzer hat die Plattform bereits, im vergangenen Jahr gab es ein Handelsvolumen von 1,2 Milliarden Euro und der Gewinn ist von gut 100.000 Euro 2016 auf fast 7,5 Millionen Euro gestiegen.

local bitcoins
Wegen hoher Markteintrittshürden gibt es hierzulande bislang kaum Konkurrenz für Bitcoin.de

Beachtliche Zahlen, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass wir künftig noch mehr Player auf dem Markt sehen werden. Immerhin platziert sich die Solarisbank gerade als Banking-Partner für die Kryptowährungs- und Blockchain-Industrie. Interessant daran: Das Unternehmen reißt damit ein Loch in die bisher starke Markteintrittsbarriere, die sowohl durch hohe Lizenz-Anforderungen der BaFin als auch durch das Abschotten der Banken als Inhaber ebendieser Lizenzen bislang bestehen und Deutschland zu einem weißen Fleck auf der Karte vieler Bitcoin-Dienstleistungen wie Wechselautomaten oder P2P-Handel über localbitcoins.com machen.

bitcoin ATMs
Von rund 3500 Bitcoin-Geldautomaten weltweit steht bislang kein einziger in Deutschland.

Welche smarten Ideen dagegen entstehen können, wenn die Regeln gelockert werden, zeigt das Beispiel Schiphol. An dem Amsterdamer Flughafen wurde unlängst ein Krypto-Geldautomat aufgestellt, damit Reisende, die das Land verlassen, ihr übriges, lokales Euro-Geld in das „globale Bitcoin oder Ethereum (sic!)“  tauschen können.


Zurück zum Wesentlichen

Wenn man sich intensiv mit Bitcoin auseinandersetzt, viel liest, diskutiert, Pro- und Contra-Argumente nachvollziehen und einordnen will, kann es leicht passieren, dass sich der eigene Fokus unmerklich verschiebt und man schlussendlich in Debatten und bei Fragestellungen landet, um die es anfangs überhaupt nicht ging. Und die möglicherweise auch gar nicht so relevant sind.

Insofern ist es hilfreich, sich geistig immer mal wieder neu zu verorten. Ein Artikel, der dabei hilft, ist Kyle Torpeys Skeptics don’t understand why Bitcoin was created in the first place. Denn wie er ganz richtig schreibt, wurde Bitcoin primär nicht erschaffen, um mit Zahlungssystemen wie Visa oder Paypal zu konkurrieren, sondern um Zahlungsoptionen zu erschließen, die vorher ganz und gar unmöglich waren. Was im Umkehrschluss aber nicht bedeutet, dass es nicht trotzdem sinnvoll wäre, Bitcoin zu einer Visa, Paypal und Co. überlegenen Alternative weiterzuentwickeln. Nur ist Bitcoin eben nicht gescheitert, falls dies nicht gelingt. Denn darum ging es all die Jahre nicht.


Was den Bitcoin-Energie-Hunger begrenzen könnte

Beim Economist ist mit Why bitcoin uses so much energy? ein kurzes und gut ausgewogenes Erklärstück zum Energieverbrauch von Bitcoin erschienen, bei dem nicht nur das Fazit interessant ist („Worries about bitcoin’s power usage might become obsolete.“), sondern auch der argumentative Weg dorthin. Tatsächlich gibt es nämlich einige Faktoren, die den Anstieg des Energieverbrauchs des Bitcoin-Netzwerks begrenzen.


Wie stabil sind Stable Coins?

Stable Coins, also Krypto-Token die all die positiven Eigenschaften von „guten Kryptowährungen“ mit sich bringen, aber eben ohne die lästigen Preisschwankungen, sind umstritten. Für die einen ein No-Go, weil überflüssig wie ein Kropf, für die anderen so etwas wie der Heilige Gral: eigentlich unerreichbar, aber wenn doch, dann Bäm! Wohl deswegen haben Stable Coin-Ansätze seit Jahren Konjunktur.

Für einen leichten Einstieg in diese Thematik empfehle ich den MIT Technology Review-Artikel “Stablecoins” are trending, but they may ignore basic economics gefolgt von dem deutlich analytischeren BitMEX-Beitrag A brief history of Stablecoins (Part 1), die zusammengenommen zeigen, wie komplex und abstrakt die bisherigen Versuche sind bzw. offensichtlich sein müssen. Und dass bisher nicht nur niemand den Heiligen Stable Coin-Gral gefunden hat, sondern dass auch unklar ist, ob das überhaupt möglich ist. Man darf hier also zurecht skeptisch bleiben.


Und was macht eigentlich die Krypto-Kunst?

Abschließend hier noch eine kleine Galerie voller Bitcoin-Streetart aus der ganzen Welt.  Das passt insofern gerade ganz gut, als dass das Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe an diesem Donnerstag ein Crypto-Art-Meetup abhält, in dem es von nicht-fungiblen Sammeltoken wie CryptoKitties über neue Formen des Crowdfundings bis hin zu aus Blockchain-Daten generierter Kunst gehen wird. Spannendes Thema! Der Eintritt ist frei.

crypto art meet up
Das ZKM in Karlsruhe fragt, was passiert, wenn Kunst auf die Blockchain trifft.

Zwei(einhalb) frische Bitcoin-Podcast-Hörtipps

Ich war die Tage in Köln um dort Angehörige der Bundeswehr in ihrem Weiterbildungsseminar Digitale Revolution und Politik einen Workshop zu Bitcoin zu geben. (In dem übrigens sowohl das Interesse als auch die Diskussionsfreude erfreulich hoch war.)

Und weil man nun zwischen Leipzig und Köln sehr viel Zeit im Zug verbringt, habe ich selbige genutzt, um endlich mal ein paar Podcasts zu Ende zu hören, die ich schon seit langem offen bzw. in der Playlist hatte.

Die beiden besten stelle ich hier kurz vor, aber weil für eine ordnungsgemäße akustisch-intellektuelle Ménage-à-trois zwei bekanntlich einer zu wenig sind, gibt es als Bonus obendrauf noch ein ganz besonderes Schmankerl!


#1 Deutschlandfunk KulturBitcoin Boom auf Island. Wem nützt die Goldgräberstimmung

Island gehört zu den wichtigsten „Schürfgebieten“ von Bitcoins. Billiger Strom aus Erneuerbaren, natürliche Kühlung der Rechenzentren und die Offenheit für neue Technologien locken internationale Krypto-Unternehmer an. Über Risiken sprechen wenige. (direkt zur mp3)

Diese Sendung ist wirklich eine rundum gelungene halbe Stunde, die sich mit Island, dem prominenten und von der Krypto-Industrie geprägten Mining-Standort, einen ganz eigenen Fokus sucht und Geschichten erzählt, die man so noch nirgends anders gehört hat. Insbesondere die, die Island immer als Positiv-Beispiel für „grünes“ Mining herangezogen, werden ihre Position hinterfragen müssen, wenn dafür immer neue Leitungen durch ein Land verlegt werden, das selbst von dem Krypto-Boom möglicherweise gar nicht so viel hat. Sehr hörenswert!


#2 UnchainedJimmy Song on Why Bitcoin Will Be the Winning Cryptocurrency – Ep.69

In an episode of strong positions, Blockchain Capital  partner and Bitcoin educator Jimmy Song explains why private blockchains will never work, why smart contracts will never work, and why Bitcoin will be the one and only valuable cryptocurrency. He also gives his definition sound money, describes why Bitcoin is sound money, and talks about how he finds new companies to invest in if he believes Bitcoin is already the winner. Plus, he recounts the story of his buzz-generating debate with ConsenSys’s Joe Lubin at the Consensus conference, which ended with a challenge to come up with a bet in Bitcoin, and what terms Jimmy would like to make the bet on. Lubin, it’s your move.

Bisher kannte ich Jimmy Song nur als technisch versierten und meinungsstarken Bitcoin-Maximalisten, der in der Lage ist, seine Sichtweise verständlich und nachvollziehbar aufzubereiten. Nach dem Hören dieses Podcasts weiß ich nun auch, warum er so eine starke Position u.a. gegen private Blockchains vertritt. Er selbst hatte selbst zwei Jahre lang den Auftrag, solch eine private Blockchain-Lösung zu entwickeln und ist dabei Stück für Stück in jedes Problem hineingeraten, das sich aus diesem letztlich widersprüchlichen Konzept ergibt. Harte, aber lehrreiche Schule also.


Bonus: MDR Sachsen AnhaltBitcoin und Blockchain

Wie eine komplizierte Technologie Banken, Versicherungen, öffentliche Register und die Wirtschaft verändern könnte.

Als ich gesehen habe, dass nicht nur der MDR (den ich wegen seines allzeit spürbaren nostalgischen Festhaltens an eigentlich zu Recht vergangenen Zeiten gerne auch M-DDR nenne), sondern mit MDR Sachsen Anhalt auch noch eine der drei regionalen Landeswellen einen Podcast zum digitalen Leben startet und sich die erste Folge auch noch Bitcoin widmet, war ich gleichzeitig positiv überrascht und befürchtete Schlimmes. Denn wer einmal MDR Sachsen-Anhalt gehört hat, weiß, dass das kompetente und gut recherchierte Aufarbeiten von komplexen und abstrakten Vorgängen nicht unbedingt zu den Kernkompetenzen dieses Senders gehört.

Schlimm, schlimmer, MDR Sachsen-Anhalt

Leider zementiert der Podcast dieses Image noch weiter, indem hier Leute, die keine Ahnung haben, mit Leuten sprechen, die ebenfalls keine Ahnung haben (oder so zusammen geschnitten wurden, dass es wirkt, als hätten sie keine Ahnung). Von Bitcoin über die „Blockchain-Technologie“ bis hin zu ICOs  wird wild, unkritisch, teils haarsträubend naiv und oft zusammenhanglos und ohne echte Erklärungen umher schwabuliert.

Dass einer der Moderatoren dabei sogar in einen ICO investiert hat, aber nicht einmal erklären kann, was das Unternehmen ihm da eigentlich verkauft hat oder überhaupt macht, passt ganz hervorragend zu einem Podcast, der wie ein akustischer Verkehrsunfall wirkt. Es ist so furchtbar, dass man nicht weghören kann.

Die ultimative Herausforderung: Bis zum Ende hören!

Genau deswegen „empfehle“ ich diesen Podcast hier auch. Man muss zwar ganz ganz tapfer sein, um bis zum Ende zuzuhören, aber man lernt auch was dabei. Zum Beispiel, dass das das journalistische Niveau ist, von dem der MDR in Sachsen-Anhalt meint, das er es seinen Hörern zumuten kann: unterirdisch und das Schlimmste, was ich jemals zu Bitcoin gehört habe. So schlimm, dass es tatsächlich schon wieder komisch ist. Wenn es nur nicht so traurig wäre.

Denn dieser Podcast wirf ein schlechtes Licht auf sämtliche Beteiligten. Die, die ihn verantworten und die, die darin auftauchen. Und ganz ehrlich – wenn z. B. Petra Sitte (MdB) als Mitglied des politischen Beirats des Blockchain Bundesverbands und das, was sie in diesem Podcast sagt, repräsentativ für die Kompetenz des Bundesverbandes steht, dann würde ich an deren Stelle den Laden lieber heute als morgen aus Scham wieder dicht machen. Selbst für eine Politikerin ist die Bullshit-Quote hier rekordverdächtig.

Aber so etwas kommt eben dabei heraus, wenn man nicht die Leute befragt, die Ahnung haben, sondern ausschließlich die, die im Sendegebiet wohnen. Genau diese Mauer in den Köpfen macht den MDR zum M-DDR.

Bild: „Classic old radio 1960s or 70s style“ Flickr-User theslowlane (CC BY 2.0)

Bitcoin-Daten einfach und sauber dargestellt

Wer, wie ich, häufiger mal auf der Suche ist nach einer klaren und sauberen Bitcoin-Datenübersicht, d.h. ohne fette Logos, fiese Farben oder zu allzu überladene Graphen, der sollte sich für bitcoinvisuals.com ein Lesezeichen setzen.  Die Seite hat genau das – ordentliche Bitcoin-Visualisierungen – nämlich zum Ziel. Und nur das.

bitcoin visuals 2
Der Zweck von Bitcoin Visuals: Einfach nur Bitcoin Daten sauber aufzubereiten
Bitcoin Visuals bereitet Daten übersichtlich auf

Das macht sie leicht und übersichtlich. Egal, ob es um Transaktionsgebühren geht (interessant ist hier zum Beispiel der Unterschied zwischen dem Graphen in BTC und dem in USD), der Anzahl von Kryptowährungen insgesamt (Höchststand 1654 am 9. Juni 2018) oder einfach nur die Größe der Blockchain (aktuell etwas über 170 GB), auf bitcoinvisuals.com findet man schnell eine gute Übersicht nebst kurzer Erläuterung und Datenquelle. Sehr nützliche Seite.

Der junge Vogel fängt den Bitcoin

Drüben bei paymentandbanking.com ist vor kurzem der Artikel Bitcoin – Das Geld der kommenden Generationen erschienen, in dem die These aufgestellt wird, dass es vor allem die jungen Leute sind, die sich mit Bitcoin auseinandersetzen, es annehmen und nutzen.

Die Digital Money Natives sind kein neues Phänomen

Das ist jetzt keine ganz neue Idee. Ich habe hier im Blog immer mal wieder über die Digital Money Natives geschrieben und auch eine Umfrage der Bundesbank deutete schon vor drei Jahren stark in diese Richtung.

Dennoch ist es wichtig immer wieder darauf hinzuweisen. Denn die Digital Money Natives werden nicht nur mit jedem Tag mehr (und in absehbarer Zeit sogar in der Mehrheit sein), sondern sie vollbringen in puncto Bitcoin auch jetzt schon ganz außerordentliche Leistungen.

Early Bird front
Early Bird Gets The Bitcoin: Auf knapp 80 Seiten alles, was Kind man über Bitcoin wissen muss

So wie Andrew K. Courey, der es leid war, immer dieselben Fragen zu Bitcoin beantworten zu müssen, sich daher kurzerhand hinsetzte und mit elf Jahren alles aufschrieb, was er zu dem Zeitpunkt über Bitcoin wusste.

Bitcoin? Ist doch kinderleicht!

Herausgekommen ist dabei das Buch Early Bird Gets The Bitcoin. The Ultimate Guide To Everything About Bitcoin, ein kompakter Ratgeber für Bitcoin-Neulinge jeden Alters.

„This is my attempt to provide that one place to start – a true introduction to Bitcoin. To summarize the answers to a few of these questions.
– Yes, you should care
– No, you are not to late
– Yes, this is a huge deal that could change the world, though it is still to early to know how huge.“

Einblicke in die Lebenswelt einer neuen Generation

Das Besondere an diesem Büchlein ist nun weniger der Inhalt, der insgesamt treffend und verständlich ist, sich gut ließt und nur bei ein paar Details Fehler enthält. Viel bemerkenswerter ist hingegen die Perspektive und Einstellung aus bzw. mit der Andrew sich seinem Thema gewidmet hat.

Early Bird back
Einfach mal ein Buch über Bitcoin schreiben? Der 11-jährige Andrew hat es gemacht.

Die sagt nämlich viel mehr über eben diese Digital Money Natives aus, die Generation, die gemeinsam mit Bitcoin oder sogar erst danach das Internet mit all seinen Möglichkeiten als nicht wegzudenkende Infrastruktur unserer Gesellschaft kennen und nutzen lernt. Ein Beispiel:

„There is a public document that tracks all of the Bitcoin transactions ever in the history of Bitcoin – this is called a blockchain. Think of it as a public Google Docs file that everyone has access to. This is very powerful, because you cannot fake a transaction that everybody using Bitcoin can see.“ 

Das Schlüsselwort hier ist Google Docs file„, eine einfache und kostenlose Möglichkeit, gemeinsam im Internet Dokumente zu erstellen und zu verwalten, die ebenfalls vor allem von jüngeren, netzaffinen Menschen genutzt wird, die nicht an ihrer einst mühsam erworbenen Microsoft Word-Kompetenz kleben.

Dass Andrew hier also mit einem Begriff arbeitet, der seiner unmittelbaren Lebenswelt entspringt und nicht auf die unter Erwachsenen weit verbreitete, zwar korrekte aber eben auch etwas dröge Verteilte Datenbank-Analogie zurückgreift, steht exemplarisch für die offene und unvoreingenommene Herangehensweise der Digital Money Natives: Wichtiger als das, was war, ist das, was ist, und das, was kommt.

Nicht die Alten, sondern die Jungen erarbeiten die Zukunft

In diesem Kontext wird Bitcoin als (aus Digital Money Native Sicht) bereits lange und beständig existierendes Phänomen mit großem Zukunftspotential an sich gar nicht mehr in Frage gestellt. Und in zeitgemäßen Erklärungen wird zudem mit Vergleichen gearbeitet, die ebenfalls bereits Teil der aktuellen digitalen Lebenswelt sind. Dass diese Lebenswelt für Nicht-Digitale Money Natives mitunter zu unkritisch, befremdlich und futuristisch erscheinen mag, ist ganz normal. Das nennt man alt werden.

Wer zumindest geistig dagegen angehen will, der sollte es vielen anderen gleich tun und mal einen Blick in Andrews Buch werfen. Rund 1500 Mal wurde Early Bird Gets The Bitcoin bereits in insgesamt 13 Länder verkauft. 24 Exemplare gingen dabei bisher nach Deutschland.

Dass er dabei für sein Buch mit Kindle Direct Publishing ganz selbstverständlich ein Angebot nutzt, das viele Ältere vermutlich nicht kennen, befremdlich und/oder futuristisch finden, passt am Ende auch ganz hervorragend.

Wenn „künstliche Intelligenz“ auf Bitcoin trifft

Es gibt leider nicht viel mehr Informationen zu diesem grandiosen Bitcoin-Erklärvideo als, dass das hier wohl dabei herauskommt, wenn man sein predictive keyboard mit jeder Menge Bitcoin-Erklärvideo-Texten füttert und dann versucht auf ebendieser „intelligenten“ Tastatur ein Bitcoin-Erklärvideo zu schreiben. Wobei man konsequent all den Wort-Vorschlägen folgt, die das predictive keyboard im jeweiligen Kontext auf Basis all der bereits gelernten Erklärvideo-Texte für am wahrscheinlichsten hält.

Zum Beispiel:

„This is my brain coming online, as I thought about bitcoin mining, and I knew it was wrong.“

„One benefit of bitcoin, is you can upload a version of your future self on the dot net, but it will kill your retirement account, because it is over 1,000 years old.“

„To gain access to the blockchain you can install exploit.bin and it will remind you everyday of your biggest nightmares.“

Kurzum: Ich liebe es!

Reisetipp: Der kleinste Berg Chinas

Und damit keiner sagen kann, er oder sie hätte hier nichts gelernt: Der kleinsten Berg Chinas heißt offensichtlich Jingshan und ist beeindruckende 60 cm hoch.

(bei nerdcore.de gefunden)

Vor 7 Jahren: „Bitcoin just crashed to one cent“

Dieses Video ist ein schönes Zeitzeugnis von vor fast genau auf den Tag sieben Jahren, als Bitcoin einen Flashcrash erlebte und binnen kürzester Zeit von 17 US-Dollar auf 1 US-Cent fiel.

Mt.Gox als wackeliges Zentrum der Bitcoin-Welt

Damals, am 19. Juni 2011, lief nahezu das gesamte Bitcoin-Trading über eine einzige Plattform, Mt.Gox, die es heute aus guten Gründen nicht mehr gibt. (Schaut euch doch nur mal diese Website ab 6:55 an!)

Selbst gecrasht noch wertvoll: dieses Video als Zeitzeugnis

Dass damals jemand diesen Flashcrash live am Rechner aufzeichnete und kommentierte, ist ein Glücksfall. Denn jedem, der heute sagt, dass Bitcoin mal wieder „gecrasht“ oder tot sei, kann man einfach dieses Video schicken, verbunden mit der Bitte mal den Wertzuwachs vom damalig „gecrashten“ Bitcoin (0,01 US-Dollar) zum derzeitig „gecrashten“ Bitcoin (6725,93 US-Dollar) in Prozent auszurechnen. Nur so als Übung.

Aktuelles, Kritisches und Hintergründiges zu Bitcoin, Blockchain und Crypto-Kultur