Bitcoin- und Lightning-Nodes im Test – Nodl

Nachdem ich mir zuvor schon den Casa Node und den RaspiBlitz angeschaut habe, geht es im dritten Teil drei meiner Bitcoin- und Lightning-Fullnode-Testreihe nun um den Nodl. Der kleine schwarze Kasten mit dem markanten blau beleuchteten Knopf hat sich in letzter Zeit von einem Geheimtipp zu einer mit großem Interesse beobachteten Alternative entwickelt.

Was insofern erstaunlich ist, als dass er mit 499 Dollar rund dreimal so teuer ist wie der RaspiBlitz. Dennoch wurde ich in letzter Zeit mehrfach darauf angesprochen, ob und wann denn meine Nodl-Review erscheine. Trotz des vergleichsweise hohen Preises steht der „Personal Bitcoin Assistant“ aus Frankreich offensichtlich bei vielen auf der Liste. Nicht ganz zu unrecht. Denn in Hinblick auf die verbaute Hardware und die Verarbeitung spielt der Nodl in seiner eigenen Liga und ist eine echte Maschine. Doch reicht das, um sich gegen die günstigere Konkurrenz zu behaupten?

Nodl – die „Maschine“ unter den Bitcoin- und Lightning Fullnodes

Was direkt beim Auspacken auffällt, ist die Kompaktheit des Nodl. Mit 11,2 cm Breite, 5,5 cm Höhe und 9 cm Tiefe ist der schwarze Kasten kleiner als der Casa Node und vergleichbar mit dem bereits sehr kompakten RaspiBlitz. Im Gegensatz zu diesen beiden muss man beim Nodl jedoch nicht noch die Festplatte mit einem externen Kabel mit dem RaspberryPi verbinden, was den Platzbedarf beim RaspiBlitz und beim Casa Node schlussendlich doch signifikant vergrößert.

Nodl, Kabel, Sticker, Anleitung – Alles, was man zum Start des „Personal Bitcoin Assistent“ braucht

Unter der Haube des Nodl ist dafür wesentlich leistungsstärkere Hardware verbaut und bereits intern miteinander verbunden. Was im Nodl passiert, bleibt also im Nodl. Lediglich die obligatorischen Kabel für Strom und Internetverbindung müssen zur Inbetriebnahme von außen zugeführt werden.

Lau und leise

Läuft der Node dann, fällt noch etwas auf. Trotz leistungsfähigerer Hardware ist das Gerät neben dem Laptop kaum zu hören und läuft angenehmerweise auch nicht heiß. Während sich der RaspiBlitz im Dauerbetrieb zu einer echten Heizung entwickeln kann, bleibt der Nodl selbst bei sommerlichen Temperaturen und in suboptimal belüfteten Ecken konstant lauwarm.

Das liegt vor allem daran, dass der Nodl mehr Leistungs-Reserven hat, die er nur beim Start und dem initialen Download der Blockchain braucht. Dann steigt der Verbrauch auf bis zu 15 Watt. Im Dauerbetrieb sinkt der Stromverbrauch jedoch auf 5 Watt, was auch den Werten des RasperryPi entspricht, dessen Limits im Casa Node und RaspiBlitz jedoch häufiger ausgereizt werden. (Möglicherweise macht der gerade erst vorgestellte Raspberry Pi 4 hier aber wieder Boden gut.)

Inbetriebnahme

Die Inbetriebnahme des Nodl ist dann ähnlich einfach wie die Verkabelung. Für den Schnelleinstieg liegt dem Paket eine handliche und übersichtliche Kurzanleitung bei, die zudem auf alle weiteren Hilfe-Ressourcen verweist. Besonders hilfreich fand ich dabei die übersichtliche Online-Dokumentation, mit der ich schließlich (fast) jedes Problem schnell und einfach selbst lösen konnte.

Hilfreich, weil übersichtlich und mit weiterführenden „Links“: Der Nodl-Schnellstarter
Einrichten und konfigurieren

Im nächsten Schritt geht es an die Einrichtung des Nodl. Über die Startseite legt man ein Passwort fest, mit dem man dann als Admin auf den Nodl zugreifen kann.

Die Admin-Seite des Nodl ist übersichtlich und aufgeräumt

Nun geht es an die Konfiguration. Mit wenigen Klicks kann man bitcoind (Bitcoin Fullnode), lnd (Lightning Fullnode), das browserbasierte Lightning-Interface RTL, Tor-Support, einen Electrum Personal Server und/oder einen eigenen BTCPay-Server aufsetzen.

Sechs Nodes/Services bietet der Nodl direkt zur Installation an. Vor allem Tor sollte man dabei unbedingt mitaktivieren.

Das ist so praktisch, das man verführt ist, alle Knöpfe gleichzeitig zu drücken. Da lnd aber auf bitcoind aufbaut und der BTCPay-Server auch erst in Betrieb gehen kann, wenn der Fullnode schon läuft, führt Ungeduld hier zu Fehlermeldungen.

Wer zu ungeduldig ist und alles auf einmal anklickt, bekommt Fehlermeldungen.

Die Installationsreihenfolge ließe sich hier zwar durch eine leicht verbesserte Nutzerführung in Hinsicht auf die berüchtigte Idiotensicherheit leicht verbessern, das ist aber kein Problem höchster Priorität. Zum einen muss man einfach nur so lange klicken, bis es irgendwann doch funktioniert. Zum anderen ist dieser Zeitraum erfreulich gering. Einmal gestartet, synchronisiert der Nodl die gesamte Bitcoin-Blockchain von Grund auf in weniger als 48 Stunden.

Hier zahlt sich die bessere Hardware gegenüber den Raspberry Pi-Nodes aus, auf denen dieser Prozess mehrere Wochen(!) in Anspruch nehmen kann. Dieser Vorteil ermöglicht dem Nodl eine im Hinblick auf Privatsphäre und Sicherheit kompromisslose Haltung, gar nicht erst über vorsynchronisierte Blockchains oder andere Workarounds, den Aufwand des Initialen Blockdownloads zu minimieren, nachdenken zu müssen. Ein großer Pluspunkt.

Alles im grünen Bereich. Nach zwei Tagen laufen alle benötigten Nodes- und Services.
Zahlungen schicken und empfangen

Um den Nodl dann praktisch in Betrieb zu nehmen und erste Zahlungen zu testen, geht es dann vom Admin-Panel per Link zum RTL-Interface. Praktisch: der Nodl hat hierfür bereits automatisch ein sicheres Passwort vergeben und im Admin-Bereich hinterlegt. Per Copy and Paste kann man somit direkt in die Verwaltung von Peers, Kanälen und Lightning-Zahlungen einsteigen.

Schon beim Start zeigt das RTL-Interface einen verbundenen Peer. Der Rest ist schnell hinzugefügt.

Ab hier läuft die Verwaltung des eigenen lnd-Nodes wie auch auf anderen Geräten: neue Peers nach Wunsch hinzufügen (bei mir gab es bereits eine automatische Verbindung zu einem Node in den USA), die Wallet mit Bitcoins ausstatten, Zahlungskanäle öffnen und los geht’s.

Meine erste Testzahlung wurde direkt und ohne Probleme durchs Lightning-Netzwerk geroutet. Für die rund 80 Cent fielen dabei 0,008 Cent Gebühren an. Damit kann ich durchaus leben.

Die erste Testzahlung geht ohne Probleme durch.
Pimp your Nodl – BTCPay Server einrichten

Eine der größten Stärken des Nodl ist neben der leistunsgstarken Hardware, die einfache und umfangreiche Unterstützung verschiedenster Bitcoin- und Lightning-Dienste. Interessant ist dabei vor allem der Betrieb eines eigenen BTCPay Servers. Damit kann man ohne einen weiteren Serviceanbieter selbst Bitcoin-Zahlungen und die zugehörige Abrechnung, zum Beispiel für den oder die eigenen Webshops, organisieren und verwalten.

Einmal klicken und fertig. Wer will kann sich ganz leicht einen eigenen BTCPay-Server aufsetzen.

Für die Installation des BTCPay Servers braucht es nur einen Klick. Die Konfiguration des selbigen ist dann aber noch einmal eine eigene Geschichte, die hier zu beschreiben zu weit führen würde. An dieser Stelle reicht zu sagen, dass allein das Aufsetzen einfach und auch für technische Laien eigentlich problemlos machbar ist.

Wichtig ist allerdings: Der Teufel kann manchmal im Detail liegen. Wer, wie ich anfangs, ein Lesezeichen auf die eigene Nodl IP mit Portangabe setzt (192. 168.XXX.XXX:8338), wird von den Links im Admin-Panel im Kreis geführt. Besser ist es daher den Nodl über 192.168.XXX.XXX/admin anzusteuern. Dann führt der BTCPay Server-Link auch zu diesem. Eine der Nutzerführungs-Kleinigkeiten, an denen man noch feilen könnte.

Eine andere ist das automatische Ausloggen. Wenn das passiert, landet man nämlich nicht wie man vermuten könnte auf der initialen Login-Seite mit dem Nodl-Logo. Stattdessen verschwinden nur alle Links und Buttons, um den Nodl konfigurieren zu können. Hier wäre zumindest eine Information wie „Sie sind ausgeloggt“ hilfreich und könnte unnötige Fehlersuchen und Supportanfragen vermeiden helfen.

Pimp your Nodl – Zahlen per Joule Browser-Erweiterung

Doch handelt es sich auch bei diesen Kritikpunkten eher um kleine Usability-Details. Deutlich relevanter ist der mächtige Funktionsumfang des Nodl. Der endet nämlich keineswegs bei RTL und dem BTC Pay Server. Wer will, kann seinen Nodl noch über andere Erweiterungen und Interfaces ansprechen.

Um Lightning direkt im Browser zu nutzen, kann man den Nodl mit der Joule-Erweiterung verbinden.

Die Browser-Erweiterung Joule ermöglicht zum Beispiel das Bezahlen und Anfordern von Lightning-Zahlungen direkt aus Chrome, Firefox , Opera und Brave heraus. Die Koppelung mit dem Nodl ist dabei fast so einfach wie eine 1-Klick-Lösung und dank der guten Dokumentation innerhalb weniger Minuten abgeschlossen. Auch hier verlief die erste Testzahlung aus dem Browser heraus ohne Probleme.

Auch die Testzahlung über Joule geht ohne Probleme durch.
Pimp your Nodl – den Node per Zap vom Desktop ansteuern

Wer seine Kanäle und Zahlungen lieber vom Desktop aus verwalten möchte, der kann den Nodl auch mit Zap koppeln. Das Einrichten verläuft ähnlich einfach wie bei Joule. Am Ende sogar noch etwas leichter als in der Anleitung beschrieben.

Per „Connect“ lässt sich der Nodl mit Zap auch ganz bequem vom Desktop aus verwalten.

Allerdings scheiterte der Versuch, ein Stickerpack zu kaufen, anschließend drei Mal. Was letztlich aber weder an Zap noch am Nodl lag, sondern an der fehlenden Verbindung zu einem wirklich gut vernetzten Lightning-Knoten.

Drei Versuche, drei Mal gelingt die Zahlung für ein Stickerpack nicht.

Doch auch dieses Problem ließ sich direkt vom Desktop aus über Zap lösen. Über Acinqs Lightning Network Explorer fand ich einen gut vernetzten Knoten in meiner Nähe.

Neuer Kanal, neues Glück. Je mehr gut vernetzte Knoten man unter seinen Peers hat, umso eher gelingt eine Zahlung.

Und über einen neuen Kanal gelang dann auch auf Anhieb die Zahlung für die gewünschten Sticker.

Am Ende gelingt auch diese Zahlung. Das Stickerpack ist unterwegs.
Fazit

Es fällt schwer ein Fazit zu ziehen, das nicht komplett positiv ist. Der Nodl ist nicht nur die „Maschine“ unter den Bitcoin- und Lightning-Fullnodes. Er ist auch noch eine sehr vielseitige und gut zu bedienende Maschine. Außer ein paar Verbesserungen, die ich mir in der intuitiven Nutzerführung wünschen würde, habe ich nichts finden können, was ernsthaft zu kritisieren ist.

Klar – der Preis ist kein Schnäppchen und die nächste Generation von Raspberry Pis könnte die günstigeren Alternativen Casa Node und RaspiBlitz technisch wieder aufholen lassen. Nichtsdestotrotz setzt der Nodl neue Maßstäbe in Hinblick auf Leistungsumfang und die konsequenten Haltung in Hinblick auf Privatsphäre, Sicherheit und seine allgemeine „Be your own …“-Haltung.

Dass der Nodl nach einem Stromausfall wieder automatisch startet, könnte man von optional noch auf Standard setzen, aber ansonsten gibt es wirklich kaum etwas zu meckern. Insbesondere da man bei der Bedienbarkeit eine wirklich gute Balance gefunden hat zwischen simplen 1-Klick-Lösungen und erweiterten Einstellungen für alle, die doch etwas tiefer in die Konfiguration eintauchen wollen.

Um es kurz zu machen: Ich finde es durchaus bedauerlich, das mich mein Testgerät nun bald wieder in Richtung Frankreich verlässt. Nicht zuletzt, weil die Integration weiterer interessanter Services in den Nodl immer weiter geht.

Honigdachs #39 – Bitcoin-Kurs über 10.000 Libras

Die 39. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin und die Blockchain zu reden auf Dauer zu wenig ist. (Abonnieren)

Honigdachs #39 – Bitcoin-Kurs steigt auf über 10.000 Libras

Mannomann. Gestern saßen wir drei noch zusammen und haben uns über die Tausendersprünge amüsiert, die der Bitcoin-Kurs derzeit macht (und bei deren Nachhaltigkeit wir begründeterweise skeptisch sind). Über Nacht hat der Kurs dessen ungeachtet bereits die nächste Tausendermarke genommen.

Doch ist der Kurs eigentlich nur Aufhänger für viele andere Themen, die Bitcoin derzeit stattfinden. Neue, spannende Bitcoin-only Konferenzen etablieren sich, das Netz wird (endlich wieder) mit Memes geflutet und die Medien springen auch langsam wieder auf den „Woah! Bitcoin!“-Zug.

Von Libra und Handyknoten

Ach ja – und dann gab es da ja noch diese letztlich vollkommen unbedeutende Kleinigkeit, dass Facebook seinen Facebookcoin „Libra“ vorgestellt hat. Eigentlich wollten wir gar nicht wirklich darüber reden, aber scheinbar packte uns das Thema dann doch wegen der viel zu vielen Fragezeichen, die die mit Spannung erwartete Veröffentlichung des Whitepapers letzte Woche, wie bei vielen anderen auch bei uns hinterließ.

Und damit es nicht ganz abgehoben wird, sondern auch echte life changing Neuigkeiten gibt, erklärt Stefan noch kurz, wie er sein altes Smartphone „mal eben“ und ganz ohne Basteln in einen billigen und handlichen Bitcoin- und Lightning-Node verwandelt hat.

Viel Spaß beim Hören!

Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick

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Bitcoin-Sommeranfang – „Gotta cash `em all“

Am Wochenende war nicht nur der „normale“ Sommeranfang, sondern mit dem Überschreiten der symbolträchtigen 10.000 US-Dollar-Marke ist auch der „Kryptosommer“ nun quasi offiziell wieder zurück.

Woran man das auch erkennt: Die Freaks* kommen aus ihren Löchern und füllen das Netz mit Meme-Perlen wie dieser.

* leider auch Scammer, Schlangenölverkäufer und andere Abzocker, aber von denen lassen wir uns die gute Laune heute mal nicht verderben.

Facebook stellt Libra vor und alle so „Meh!“

Wer die vergangenen Tage und insbesondere gestern im Netz unterwegs war, kam an diesem Thema nicht vorbei. Facebook hat seine langerwarteten Pläne einer „blockchainbasierten Kryptowährung“ vorgestellt.

Das Thema war deswegen so heiß, weil es einerseits um Facebook mit seiner enormen Marktmacht und Reichweite geht, die durch die hinzugezogenen Partner (Visa, Paypal, Uber, Spotify etc.) noch einmal potenziert wird. Gleichzeitig reitet Facebook perfekt die mystische „Blockchain“-Welle und setzt sich mit seiner Krypto-Fiat-Chimäre Libra genau an die ohnehin umkämpfte und vielbeachtete Schnittstelle zwischen Old-School-Finanzsystem und Bitcoin.

Facebook so: Libra!

Eine für Facebook perfekte Ausgangslage für Aufmerksamkeit, denn damit triggerte es alle – von Bloggern über Fachmedien bis hin zu den Massenmedien. Sowohl im Bitcoin- und Blockchain- als auch im Nicht-Bitcoin- und Blockchain-Bereich. Folglich gibt es kaum ein Medium, das bisher nicht über den geplanten Facebookcoin berichtet hat, obwohl – und das ist an dieser Stelle wichtig zu betonen – gestern letztlich ja nicht viel mehr als Ideen vorgestellt, Pläne offen gelegt und Absichten erklärt wurden. Der eigentliche Libra-Start ist erst für kommendes Jahr vorgesehen, falls bis dahin alles läuft wie geplant.

Dass das Medieninteresse aber dennoch so groß ist, zeigt, dass Facebook eigentlich alles richtig gemacht hat. Man hat es geschafft, im Vorfeld auf allen Seiten enorme Spannung und Erwartungen zu wecken. Besser hätte man die Klaviatur der medialen Aufmerksamkeitserzeugung wohl nicht spielen können.

Alle so: Meh!

Und doch bezweifle ich, dass man mit der Resonanz auf Libra bei Facebook zufrieden sein wird. Denn die hohen Erwartungen wurden offensichtlich mehrheitlich enttäuscht. Anstatt sich von Facebooks Euphorie anstecken zu lassen und Geschichten der unausweichlichen Disruption der Finanzbranche oder der globalen Revolution des Bezahlens zu erzählen, waren die Reaktionen eher verhalten. Müsste man sie zusammenfassen, lägen sie wohl irgendwo zwischen „Tja!“, „Abwarten!“ und „Meh!“.

Wobei das aber auch nicht überrascht, denn Facebook hat gestern wirklich keinen großen Wurf abgeliefert. Das Libra-Whitepaper liest sich wie ein Destillat aus 1001 bereits gescheiterten Altcoin- und Token-Whitepapern und zeigt, dass man bei Facebook zwar ziemlich gut verstanden hat, welche Faktoren Bitcoin so erfolgreich machen. Dass man gleichzeitig allerdings keinen richtigen Plan hat, wie man diesen Erfolg im Kontext des Libra-Netzwerks erfolgreich replizieren kann.

Zwischen Phrasen, Visionen und Wunschvorstellungen

Anders lassen sich die vielen Ungereimtheiten und noch offenen Fragen nicht erklären. Zum Beispiel, wie es gelingen soll Performanz („Milliarden Konten“, „hoher Transaktionsdurchsatz“) mit Geschwindigkeit („geringe Latenz“) und Größe („effizientes Speichersystem mit hoher Kapazität“) zu verbinden und gleichzeitig noch mit „Sicherheit“, „Dezentralität“ und „Flexibilität“ unter einen Hut zu bringen.

Jeder, der den Grundkurs „Blockchain für Anfänger“ besucht hat, weiß, dass man aus diesem Set nur einige Faktoren haben kann, nicht aber alle. Einige schließen sich gegenseitig aus. Wäre dem nicht so, hätten wir nämlich schon längst jede Menge dieser eierlegenden Wollmilchblockchains und man würde bei Bitcoin, Ethereum und Co. nicht seit Jahren über die Herausforderung der Skalierung debattieren.

Aber Facebook steht offensichtlich über diesem Problem und behauptet frech, so eine Wunder-Blockchain trotzdem bauen zu wollen. Dieser Bluff ist aber selbst für Nicht-Experten leicht zu durchschauen. Denn warum sollte Facebook nun genau das schaffen, woran die besten Forscher und erfahrensten Entwickler sich seit Jahrzehnten die Zähne ausbeißen? Die vielen Datenskandale der letzten Monate deuten jedenfalls nicht darauf hin, dass man bei Facebook Zugriff auf technische Kompetenz hat, die in den für den Erfolg von Libra wichtigsten Kernbereichen ihresgleichen sucht.

Auch der Bitcoin-Kurs reagiert gelassen

Insgesamt bleibt das Whitepaper auf viele zentrale Fragen Antworten schuldig. Das ist enttäuschend. So enttäuschend, dass auch das von vielen erwartete „Sell the news!“-Event bei Bitcoin ausblieb. Der Kurs blieb vergleichsweise stabil oberhalb der 9000 US-Dollar-Marke. Echte News hatte Facebook gestern aber auch nicht im Angebot.

Trotzdem muss man an dieser Stelle aber auch noch einmal darauf hinweisen, dass Libra-Drops damit noch nicht gelutscht ist. Noch steht das Projekt schließlich ganz am Anfang und es bleibt erst noch abzuwarten, wie Facebook et al. die eigene Roadmap und die damit verbundenen Erwartungen einhalten werden.

Das Schicksal von „Blockchain“ hängt nun an Libra

Fest steht aber schon jetzt, dass Libra das mit Abstand größte und bedeutenste „Blockchain“-Projekt aller Zeiten ist. Die Zukunft des „Blockchain“-Mythos hängt damit fortan vor allem vom Erfolg des Libra-Konsortiums ab. Denn scheitern sogar die größten und einflussreichsten Unternehmen der Welt damit, ihre Traum-Blockchain zu bauen, wird es fortan auch für alle anderen Projekte nahezu unmöglich ihre jeweiligen „Blockchain“-Visionen zu verkaufen.

Gelingt es dagegen, den Libra in einer erwähnenswerten Weise zu etablieren (und davon ist auszugehen, wenn wahrscheinlich auch mit viel weniger „Blockchain“ und Dezentralität als bisher versprochen), ist das ein großer Schritt. Denn ein Großteil der Menschheit wird sich an den Umgang mit einer neuen Form digitaler Zahlungsmittel gewöhnen.

Für Bitcoin haben also beide Varianten Vorteile. Entweder versinkt der „Blockchain“-Hype mit Libra in der Bedeutungslosigkeit oder die Kluft zwischen Bitcoin und der Art wie Menschen im Alltag Geld kennen und nutzen wird dank Facebooks neuer Kryptowährung kleiner.

Bitcoin-Rumble in the Banken-Jungle – Die Value of Bitcoin Conference

Vergangenen Montag fand in München die Value of Bitcoin Conference statt, eine Veranstaltung, die ob ihrer inhaltlichen Ausrichtung und Zielgruppe bei mir im Vorfeld ziemlich hohe Erwartungen geweckt hatte.

Rückblickend kann ich sagen, dass sich diese Erwartungen mehr als erfüllt haben.

Ziel der VOB: Verschiedene Akteure und Entscheider zum Thema Bitcoin aufeinander loslassen.
Die Value of Bitcoin – Streiten auf hohem Niveau

Selten war ich auf einer Konferenz, in der Agenda und Speaker so gut kuratiert waren, die Vorträge so knackig und informativ waren und Diskussionen so hitzig geführt wurden. Oder anders gesagt: Wenn du es schaffst, einige der profiliertesten Forscher, Wissenschaftler, (Zentral-)Banker, Investoren und Bitcoiner so kontrovers und streitlustig miteinander in einen Dialog zu bringen, weißt du, dass du als Organisator alles richtig gemacht hast.

Dann entstehen nämlich Momente, die einem in Erinnerung bleiben. Wie zum Beispiel als Alex de Vries (im Titelbild zu sehen) in seinem Vortrag „The (un)sustainability of Bitcoin„, in dem er den Stromverbrauch von Bitcoin als ausgesprochen negativ darstellte, seine Thesen mit einer Karte belegen wollte.

Laut Alex de Vries angeblich überbewertet: Mining in Québec (Quelle: 2nd Global Cryptoasset Benchmarking Study, S. 78)

Diese zeigte die globale Verteilung der Mining-Epizentren. Alex de Vries kritisierte, dass der Punkt für das kanadische Québec viel zu groß sei. Ein aktuelles Interview mit einem lokalen Energieversorger würde auf deutlich geringere Nutzung der dortigen regenerativen Quelle Wasserkraft fürs Mining hinweisen.

Direkter Widerspruch aus dem Publikum

Dem widersprach allerdings umgehend ein Teilnehmer aus dem Publikum, der sich als in Québec beheimatet zu erkennen gab. Das Interview bezöge sich nur auf die Zahlen eines der vielen Energieversorger in der Region.

Als anschließend auch noch Michel Rauchs das Wort ergriff, der am Cambridge Centre for Alternative Finance der Judge Business School der University of Cambridge eben jene 2nd Global Cryptoasset Benchmarking Study verantwortet hat, aus der Alex de Vries die kritisierte Karte entnommen hatte, war klar, dass hier und heute genau der Ort ist, an dem all diese normalerweise weit verteilt arbeitenden Menschen zusammenkommen müssen, um sich auszutauschen und, wenn nötig, auch zu streiten.

Teils heftige und emotionale Debatten

Das Mining- und ökologischer Fußabdruck-Thema war dabei nicht das einzige, bei dem es kontrovers und erfrischend hitzig zuging. Im Panel „Bitcoin from a financial market and investment perspective“ platze schließlich dem prominenten und eloquenten Bitcoiner Saifedean Ammous (Autor von The Bitcoin Standard) im Publikum der Kragen.

Zuvor hatte er selbst schon einen Vortrag gehalten („Bitcoin as the working free market alternative to national central banks“) und mit Jochen Metzger von der Deutschen Bundesbank, Christopher Waller von der US-amerikanischen Fed und Thorsten Polleit vom Goldhändler Degussa zum Thema „A free market for private money – central banks under pressure?“ diskutiert.

https://twitter.com/rohmeo_de/status/1135495455209644032

Wobei gerade die beiden Zentralbänker hier stark in die Mangel genommen wurden. Teils zurecht, teils jedoch nicht. Denn fairerweise muss man darauf hinweisen, dass sie dabei auch für Dinge zur Rede gestellt wurden, die sie gar nicht selbst zu verantworten haben.

Als Vertreter des „alten Systems“ wurden sie letztlich aber zur leichten Zielscheibe und dabei argumentativ in Sippenhaft für Entscheidungen genommen, die Politiker nicht aber die Zentralbanker getroffen haben. Vielleicht müsste man solch eine Diskussion beim nächsten Mal um ebendiese politische Vertreter erweitern.

Unwissenheit, Provokationen und die Stimmung kocht hoch

Doch war das noch harmlos im Vergleich zum Panel „Bitcoin from a financial market and investment perspective“, in dem die Auseinandersetzung teils hart und bis an die Gürtelline geführt wurden. Zwischenruf aus dem Publikum in richtung eines Panelteilnehmers: „Es gibt Leute, die haben das Buch [das Sie zitieren, Anm.d.R.] tatsächlich gelesen. Sie gehören offensichtlich nicht dazu!“

Konkret ging es um die provokante Frage, ob Bitcoin letztlich nicht doch nur eine Spekulationsblase sei wie so viele zuvor – allerdings um ein Vielfaches größer. Vertreten wurde diese These vom Hans-Jörg-Naumer (Allianz), der sie mit einer mitgebrachten Grafik untermauern wollte.

Allerdings fiel vielen im Publikum schnell auf, dass besagte Grafik nicht korrekt ist, weil sie nur einen willkürlichen Ausschnitt des Bitcoin-Kurses zeigt, der die Entwicklung der ersten fünf Jahre von Bitcoin vollkommen außer acht lässt. Diese Manipulation triggerte lautstarke und energische Kritik und war der Zündfunken für eine aufgebrachte, emotionale und teils mit harten Bandage geführte Diskussion zwischen und unter Publikum und Panel-Teilnehmern.

https://twitter.com/proofofsteph/status/1135608561944465413

Dass sich der zweite Vertreter des klassischen Investorenlagers, Alexis Eisenhofer, in diesem Schlagabtausch zu der entblößenden Aussage hinreißen ließ, dass er ohnehin nichts mit Bitcoin anfangen könne, weil Blockchain-Technologie sowieso der viel heißere Scheiß sei, war das größte Fettnäpchen, das in dieser Situation zu finden war. Vor allem, da es ja den ganzen Tag schon vielseitige und fundierte Vorträge gegeben hatte, die genau diese Aussage längst ad absurdum geführt hatten.

Ähnliche Lacher erntete später nur noch der Teilnehmer, der bemerkte, dass man ja noch gar nicht über die Möglichkeiten von Ripple gesprochen habe! Nur konnte der glücklicherweise gleich wieder im Publikum abtauchen und musste nicht noch eine Paneldiskussion durchstehen, auf die er sich bedeutend zu schlecht vorbereitet hatte.

Hoher Lernfaktor

Neben den hitzigen, lebhaften und unterhaltsamen Debatten zwischen Bitcoin-Skeptikern und -Befürwortern, die durch die organisatorische Ausrichtung der Value of Bitcoin ja unbedingt gewollt war (und erfreulicherweise niemandem im konferenztypischen nachmittäglichen Schnitzel-Koma versacken ließen), war das Event aber noch aus einem anderen Grund von Wert: Es gab wirklich viele interessante Einblick („Security of Bitcoin private keys: from hardware to quantum attacks“) und einiges zu lernen.

Wie die von der BIS (Bank for International Settlements) kreierte Money Flower, in der Cyrus de la Rubia (Hamburg Commercial Bank) in seinem Vortrag „Bitcoin as catalyst for Central Bank Digital Currencies (CBDC)“ Bitcoin verortete und diskutierte.

Oder die Zentralbankkonten für jedermann, die in Deutschland mangels Nachfrage in den Neunzigern wieder abgeschafft wurden.

Und selbst die Vertreter der Banken-Seite gingen offensichtlich nicht leer aus.

Video-Aufzeichnungen sollen noch kommen

Glücklicherweise wurden alle Sessions in Bild und Ton aufgezeichnet und stünden sie schon online würde ich hier jede einzelne verlinken. Bis sie (hoffentlich bald) online gehen, lohnt es sich für noch ein paar mehr Einblicke den Konferenz-Liveblog von Holger Rohm nachzulesen, der ein treffliches Fazit gefunden hat, dem ich eigentlich nichts mehr hinzufügen kann:

Treffliche Zusammenfassung im #VOB19-Liveblog der Kollegen von blockchaincenter.net
Bitte mehr von diesem Format!

Außer natürlich, dass es unbedingt eine Fortsetzung der Value of Bitcoin geben muss. Nicht nur, weil es international kein vergleichbares Event gibt und das Feedback der Speaker und Teilnehmer (jedenfalls soweit ich das mitbekommen habe) so positiv war, sondern auch, weil sich mit diesem auf Diskurs und Austausch ausgelegten Format ein regelmäßiges Bitcoin-Event mit erkennbarem Mehrwert und Alleinstellungsmerkmal aufbauen ließe. Wenn viele anderen Konferenzen gefühlt einen immer größeren Schwerpunkt auf Erlebnis und Entertainment legen, ist die intellektuelle Auseinandersetzung mit Bitcoin immer noch die reizvollste.

Außerdem muss man den Kollegen der BayernLB eine Chance geben, zu zeigen, dass sie das mit der Vergabe guter Passwörter besser können.

Honigdachs #38 – Lightning kritisch betrachtet

Die 38. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin und die Blockchain zu reden auf Dauer zu wenig ist. (Abonnieren)

Honigdachs #38 – Lightning kritisch betrachtet

Am vergangenen Wochenende fand in München der #LightningHackdayMUC statt und für uns war das die perfekte Gelegenheit, endlich unsere versprochene Lightning-Kritik-Folge aufzunehmen. Dafür haben wir uns mit René Pickhardt (@renepickhardt), Konstantin Nick (@sputn1k) und Jonas Nick (@n1ckler) gleich drei in puncto Lightning außerordentlich kompetente Gesprächstpartner gesucht und eine erfrischend offene Diskussion über einige der aktuell größten Schwachstellen an Lightning und wie man denen begegnen kann gesprochen.

Der Sound ist nicht brillant, aber akzeptabel, wenn man bedenkt, dass wir mobil und ohne Mega-Equipment fünf Leute gleichzeitig aufgenommen haben. Auch sei erwähnt, dass wir teilweise auf einem fortgeschrittenen Niveau diskutieren. Wer erst einmal einen etwas leichteren Einstieg in das Thema Lightning-Kritik sucht, dem empfehlen wir Folge 3 des Konsens und Nonsense-Podcast.

Allen anderen: Viel Spaß beim Hören.

Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick

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Ticketverlosung: Unchain-Convention

Ich hatte die Tage schon auf eine Reihe kommenden Bitcoin-Konferenzen hier in Deutschland hingewiesen. Noch nicht aufgeführt war dabei die Unchained Convention, die Mitte Juni in Berlin stattfindet.

Das ist natürlich unfair und sei deshalb hiermit nachgeholt. Zumal sich das Programm zu mehr als 50 Prozent auf Bitcoin fokussiert und einige sehr interessante Akzente setzt.

Ich hatte im Vorfeld bereits ein langes Hintergrundgespräch mit den Machern, die u.a. gute Kontakte zur südamerikanischen Bitcoin-Szene pflegen und sich international so gut vernetzt haben, dass sie ein wirklich abwechslungsreiches Programm mit einer bunten Speaker-Durchmischung auf die Beine gestellt haben.

Verlosung: 1 x 2-Tage Unchained Convention

Wer sich nun selbst davon überzeugen will, die kann jetzt hier ein kostenloses Ticket abstauben. Das ist jedoch an eine Bedingung geknüpft: An dieser Verlosung können nur Frauen teilnehmen!

Denn obwohl auf der Unchain Convention die Spekerinnen-Quote mit knapp 25 Prozent schon besser ist als auf vielen anderen Bitcoin-Veranstaltungen, ist das noch ausbaufähig. Also setzen wir hier mal ein Zeichen und sorgen dafür, dass die Schlage vor dem Jungs-Klo nicht so lang wird.

Wenn ihr, liebe Bitcoin-interessierte Damen, nun also die Freikarte für die Unchain Convention gewinnen wollt, schreibt bis einschließlich 31. Mai eine Mail.

Bei mehreren Einsendungen (hoffentlich!) wird die Gewinnerin per random.org bestimmt und per Mail benachrichtigt. Verstellen lohnt sich übrigens nicht. Spätestens am Einlass müsst ihr euch identifizieren.

Kleiner Trostpreis

Für alle, die nicht gewinnen oder gar nicht erst teilnehmen können, gibt es aber glücklicherweise noch ein kleines Trostpflaster. Wer auch so zur Unchain Convention gehen möchte, bekommt 20 Prozent Rabatt auf’s Ticket, wenn er/sie mit dem Code „Coinspondent20“ bucht.

Viel Glück!

Bitcoingeld – Bitcoin für Kinder erklärt

Neulich habe ich über das Bitcoin-Kinderbuch für Erwachsene geschrieben und dass Bitcoin generell etwas ist, für das sich die Jüngeren mehr interessieren als die Älteren, Ist Hier Im Blog ja Immer Wieder Thema.

Bitcoin Money – Das Kinderbuch

Kein Wunder also, dass ich sofort zugeschlagen habe, als ich gesehen habe, dass Michael Caras, der Bitcoin-Rabbi (dessen Name sich im Gegensatz zum einstigen „Bitcoin Jesus“ tatsächlich aus seiner Berufung als Rabbi ableitet), ein Bitcoin-Kinderbuch geschrieben hat: Bitcoin Money. A Tale of Bitville Discovering Good Money (Ist mittlerweile auch auf Deutsch zu haben: Bitcoingeld: Eine Geschichte über die Entdeckung von gutem Geld in Bitdorf)

Bitcoin Money: Schöne, kindgerechte und liebevoll illustrierte Geschichte
Wie die Kinder von Bitville gutes Geld entdecken

In dem Buch, das man mit seinen knapp 30 Seiten fairerweise eigentlich eher als Heftchen bezeichnen muss, lernen die Kinder von Bitville – wie der Titel bereits verrät – in sechs liebevoll illustrierten Kapiteln die Notwendigkeit von gutem Geld kennen.

Zunächst beginnen die Bitville-Kinder zu handeln, später führen sie Münz- und Scheingeld ein und schließlich landen sie beim besseren, weil manipulationssicheren digitalen Geld: Bitcoin.

Am Anfang war der Handel …
… der durch Geld immer leichter wurde, dabei aber auch Probleme verursachte …
… und erst gutes, digitales Geld machte die Kinder in Bitville wieder glücklich.
Primär für Kinder, aber nicht nur

Damit füllt Bitcoin Money wirklich eine Lücke. Denn solch ein kindgerechtes Bitcoin-Bildungsangebot gibt es bisher noch nicht.

Für Kinder, die in dem Alter sind, den Umgang mit Geld zu lernen, ist das Buch daher durchaus geeignet. Zumal es Michael Caras eben auch vorrangig darum geht, die ökonomische Notwendigkeit eines „guten Geldes“ zu erklären und weniger die Technologie dahinter. Positiver Nebeneffekt: Dabei können nicht nur die Kinder noch etwas lernen.

„I believe that the key value of Bitcoin is its economic role, and so we focus on that aspect, as opposed to a detailed explanation of the technology behind it.

Although it appears as a simple children’s story, I hope that this book can serve as an introduction to Bitcoin for people of all ages.“

Bitcoin Money, knapp 30 Seiten kosten ca. 15 US-Dollar
Fazit: Inhaltlich top, Haptik ausbaufähig

Bitcoin Money. A Tale of Bitville Discovering Good Money ist ein kurzweiliges, unterhaltsames und zielgruppengerechtes Buch, das Spaß zu lesen macht. Einziges Manko ist das dünne Papier, dass bei dem überschaubaren Seitenumfang aus dem Buch nur ein Heftchen macht. Etwas dickere oder stabilere Seiten wären sowohl kindgerechter und würden auch eine Wertigkeit vermitteln, die dem Preis von rund 15 US-Dollar auch gerecht wird.

Das kommt hoffentlich mit der zweiten Auflage. Doch dafür muss zunächst die erste unter den Bitcoin-Nachwuchs gebracht werden. Wer dabei mithelfen will: Bitcoin Money. A Tale of Bitville Discovering Good Money ist im Eigenverlag erschienen und kann bei Amazon auf Deutsch oder Englisch oder direkt über die Website des Bitcoin Rabbi bestellt werden. Wer dort mit Bitcoin bezahlt, bekommt sogar Rabatt.

T-1 Jahr (in etwa) – Der Halving-Countdown läuft wieder

Seit mehreren Monaten habe ich im Browser einen Tab www.thehalving.com offen.

Ich wollte nämlich einen kurzen Beitrag veröffentlichen, wenn diese wirklich hübsch gestaltete Seite anzeigt, dass es noch ein Jahr dauert, bis das nächste Bitcoin-Halving stattfindet. Also die Halbierung des Blockrewards, den der Miner für einen neuen, gültigen Block bekommt.

Aktuell liegt dieser bei 12,5 Bitcoin pro Block. Ganz am Anfang waren es 50, danach 25 und ab in etwa einem Jahr werden es dann nur noch 6,25 Bitcoins sein.

Ein Block kommt, wann ein Block kommt

Warum ab „in etwa“ einem Jahr? Weil sich die Halbierung nicht am Kalender orientiert, sondern an der Blockhöhe. Bei Block 630.000, also in gut 50.000 Bitcoin-Blöcken verringert sich der Blockreward. Da diese Blöcke nun aber nur in etwa alle 10 Minuten gefunden werden und nicht exakt alle 10 Minuten, kann niemand so ganz genau vorhersagen, wann das nächste Halving konkret stattfindet.

Insofern hab ich mich natürlich schön geärgert, als bereits vorgestern die ersten Jahres-Countdown-Tweets losschwirrten.

Seit Monaten halte ich diesen dämlichen Tab offen und beobachte das geschätzte Halbierungs-Datum. Doch dann war all das geduldige Warten umsonst, denn andere kalkulieren die restliche Blockzeit wohl einfach etwas kürzer. Statt mit zehn Minuten pro Block nur mit 9:59 Minuten oder 9:58 oder vielleicht sogar noch weniger und berauben mich so meines langersehnten journalistischen Überraschungsmomentes!

Warum das Halving relevant ist

Bleibt nur noch die Frage, warum das Halving überhaupt so relevant sein soll, dass man einen Countdown dafür bräuchte? Immerhin geht es doch nur um den Mining-Reward, mit dem selbst die meisten Bitcoiner direkt überhaupt nichts zu tun haben.

Doch ist das ja noch nicht das ganze Bild. Immerhin ändern sich mit der dritten Halbierung erneut auch die innermonetären Kennzahlen von Bitcoin. Wenn nur noch 6,25 neue Bitcoins pro Block auf den Markt kommen, sinkt die Bitcoin-Inflation damit rechnerisch zum ersten Mal auf knapp unter zwei Prozent und damit auf einen Wert, den die EZB für den Euro als stabil anstrebt.

Zwar lassen sich Euro und Bitcoin in diesem Kontext nicht problemlos miteinander vergleichen. Trotzdem ist diese Kennzahl für viele Bitcoiner eine symbolisch wichtige Größe. Eine stetig sinkende Inflation bedeutet immerhin, dass Bitcoins rarer werden. Und damit wertvoller.

Countdown zur nächsten Kursrally?

Genau diese Eigenschaft ist auch der zweite Punkt, warum viele in der Community das Halving als wichtiges Ereignis herbeisehnen. Historisch betrachtet fallen die ganz großen Preisrallys nämlich immer in den Zeitraum kurz nach einem Bitcoin-Halving.

Ob das nun Zufall ist oder doch kausal zusammenhängt, mag jeder selbst für sich entscheiden. Die Halving-Optimisten halten aber schon jetzt einen post-Halving-Bitcoin-Preis im sechsstelligen Bereich für denkbar.

Viele glauben, dass der nächste große Preisschub nach dem nächsten Halving beginnt.
Halving mit extra Käse!

Es ist also davon auszugehen, dass Block 630.000 heute in ungefähr einem Jahr von der Bitcoin-Community ziemlich groß und pompös gefeiert werden wird. Noch mehr, sollten die heutigen Schätzungen dann sogar richtig liegen und der Block in exakt einem Jahr, am 22. Mai 2020, gefunden werden. Dann fallen Halving und der Bitcoin-Pizza-Day zusammen, der sich heute zum neunten und kommenden Mai dann zum zehnten Mal jährt. Yummi!

https://twitter.com/bitcoin_pizza/status/1131020388383825920

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