Chronobank.io – Momos Blockchain-Erzfeind

Ich bin neulich im Netz auf ChronoBank.io gestoßen, eines dieser strangen „Blockchain“-Projekte, bei denen man nicht weiß, ob die das wirklich ernst meinen.

Professionalisierte Blockchain-Zeitverschwendung

Chronobank.io setzt als Blockchain-Währung nämlich auf „LabourHours“, also auf eine Art „Arbeitsstunden-Token“, mit denen sich dann was anstellen lassen können soll?

Weder die Website noch das Imagevideo geben vor lauter Pathetik, Schwulst und Phrasendrescherei eine wirkliche Antwort darauf.

In jedem Fall soll die Währung aber „backed by time“ sein und damit so wertstabil wie nichts anderes auf dieser Welt. Logisch. Die Frage ist dann bloß, warum sie im derzeit laufenden Initial Coin Offering (ICO) so unglaublich viel ordinäres Geld haben wollen? Arbeitsstunden könnten sie doch auch ganz normal wie alle anderen erzeugen.

Ich wage zudem auch zu bezweifeln, dass bei der dünnen Informationslage bereits 1500 Leute rund 2,5 Millionen US-Dollar in das Projekt investiert haben. Das sind nur irgendwelche Zahlen auf einer shiny Website.

Momo, übernehmen Sie!

Das einzige, was ich an dem Projekt wirklich mag, ist, dass es mich sofort an die Grauen Männer aus Michael Endes „Momo“ denken lässt, die mit ihrer Zeitsparkasse die Menschen mit hübschen Versprechungen übers Ohr hauen wollen.

Ich denke also, ich liege nicht ganz falsch mit meiner Vorstellung, dass es im Besprechungsraum der Chronobank ganz ähnlich aussieht und abläuft wie hier:

graue männer chronobank

Glücklicherweise wissen wir auch, wie es mit den Grauen Männern  und ihrer Zeitsparkasse ausging. Insofern: Momo, übernehmen Sie!

Warnung vor Onecoin & Co. – Jetzt auch im Radio

Über Kryptoscams und Kleptocoin-Modell habe ich hier im Blog ja bereits ausführlich berichtet. Am Samstag nun hat auch Breitband das Thema auf die Agenda gehoben und damit reichweitenstark in die radioaffine Öffentlichkeit gebracht.

Thema: Zweifelhafte Kryptowährungen

Das ist gut und wichtig, denn je mehr die Menschen über Onecoin & Co. erfahren, desto besser können Sie entscheiden, ob sie dort wirklich Geld investieren wollen. Insofern musste mich die Redaktion auch nicht zweimal bitten, ein paar Fragen zu beantworten.

Das Gespräch kann man hier nachhören, wobei ich guten Gewissens auch die ganze Sendung empfehlen kann, in dem es u. a. auch um den „Kalten Krieg der Hacker“ geht.

Ein „The DAO“-Macher rekapituliert sein Blockchain-Experiment

Christoph Jentzsch von Slock.it war einer der Initiatoren von The DAO, dem Blockchain-basierten Crowdinvestment-Experiment, das vergangenes Jahr erst steil durch die Decke ging und dann genauso schnell wieder auf den Boden der Tatsachen abstürzte. Wobei noch heute viele Fragen um die DAO offen sind.

In diesem TEDx-Talk rekapituliert Christoph Jentsch nun die Ereignisse aus seiner Sicht.

The DAO – war da nicht was?

Ich lasse das an dieser Stelle unkommentiert, weil ich mich nicht entscheiden kann, ob ich dem „Abhaken, weitermachen!“- oder dem „Moment, wir müssten da erst noch ein paar Dinge aufklären“-Lager zugehörig fühle. „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust.“, passt da quasi wie der Faust aufs Auge.

Wer mehr Hintergrundwissen braucht, kann mit Hilfe der folgenden beiden Artikel aus dem letzten Jahr Aufstieg und Scheitern der DAO nachvollziehen.

Bonusmaterial – Noch mehr Christoph Jentzsch

Christoph Jentzsch stand vor einiger Zeit auch der Redaktion von heute.de zum Thema Blockchain Rede und Antwort.

Die ARD zeigt gleich zwei Prime-Time Bitcoin-Dokus

Ich habe mir den heutigen Tag aus zwei Gründen im Kalender markiert. Zum einen ist heute der zweite Geburtstag von Bitcoin. Der erste ist der 3. Januar, an dem der Genesis-Block gemined wurde, erst seit dem 9. Januar 2009 läuft die Blockchain jedoch quasi durchgehend.

ARD zeigt Darknet-Doku zur Hauptsendezeit

Der andere Grund ist jedoch die Dokumentation „Das Darknet“, die heute Abend 22:45 Uhr in der ARD ausgestrahlt wird und in der erwartungsgemäß auch das Thema Bitcoin eine Rolle spielen wird.

Gespannt bin ich insofern, als dass ich im Vorfeld bereits mit dem Produktionsteam in Kontakt stand und in etwa weiß, wie groß und umfangreich die Recherche war. Der griffige und plakative Titel lädt zwar zum Schubladendenken à la „Bitcoin = böses, böses Internetgeld“ ein, aber davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Zum einen ist Bitcoin beim Thema Darknet nur ein Aspekt von vielen. Zum anderen gehe davon aus, dass uns eine gut recherchierte, differenziert ausgearbeitete und trotzdem verständlich aufbereitete Dokumentation erwartet. Darauf lässt jedenfalls auch die Sendungsbeschreibung schließen:

„Es ist eine dunkle Welt, in der man wissen muss, wie man verschlüsselt und anonymisiert im Internet unterwegs ist: das Darknet: Tummelplatz für Drogendealer, Waffenhändler und Kinderschänder. Aber auch Zufluchtsort für Journalisten, Whistleblower und politisch Verfolgte in vielen Ländern der Welt. Durch die immer umfassendere digitale Überwachung ist das Darknet für Menschen in immer mehr autokratisch regierten Ländern der Welt überlebensnotwendig.

Annette Dittert hat sich auf eine Reise begeben, um die helle und dunkle Seite dieses digitalen Paralleluniversums kennenzulernen. Sie trifft den Drogendealer, der im realen Leben ein 45-jähriger Familienvater ist; den Waffenhändler, der von Sonderermittlern der Polizei geschnappt wurde, nachdem er Fehler beim Versenden der Ware machte und den Mann, der Kriminellen mit seinem Fachwissen hilft, im Darknet mittels Verschlüsselung und Anonymisierung illegale Geschäfte abzuwickeln.

Das Darknet hat die kriminelle Unterwelt verändert. Aber auch die Gegenseite rüstet auf. Das BKA fahndet mit immer mehr verdeckten Ermittlern im verborgenen Netz, immer häufiger kommen sie vor allem Waffenhändlern der kriminellen Unterwelt auf die Spur, was die Szene deutlich verunsichert.

In Istanbul trifft Annette Dittert den Journalisten Baris Pehlivan, dessen Computer von der türkischen Regierung mit einem Trojaner infiziert wurde, der belastende Dokumente auf seine Festplatte spielte. Der Journalist wurde daraufhin zu 19 Monaten Haft verurteilt. Erst als ein Computerspezialist den Trojaner fand, kam Baris Pehlivan wieder frei. Die syrische Journalistengruppe „Raqqa is being slaughtered silently“ benutzt Darknet-Technologien, um über Gräueltaten in der IS-Hochburg zu berichten.

Unterstützt werden solche Journalisten und Whistleblower von einer kleinen Gruppe digitaler Spezialisten, sogenannte „White Hat Hacker“. Annette Dittert trifft einen von ihnen, der sich noch nie vor Fernsehkameras begeben hat: Claudio Guarnieri. Seit Jahren ist er in der ganzen Welt unterwegs, um bedrohten Journalisten und Menschenrechtlern Nachhilfe in digitaler Sicherheit zu geben.

In China erfährt Annette Dittert, dass das Darknet dort längst von Parteihackern eingenommen ist. Auf Island besucht sie eine Bitcoinfarm, wo die digitale Währung des Darknet in riesigen Rechnerfarmen „geschürft“ wird.

Fazit: Das Darknet ist einerseits die Heimat einer kriminellen Unterwelt, andererseits ist es aber auch ein letzter Freiraum und Zufluchtsort für viele Menschen in einer Welt, in der Regierungen Milliarden investieren, um ihre Bürger komplett zu überwachen. Annette Ditterts Recherchen im Darknet sind eine Reise durch eine neue Welt.“

ARD Weltspiegel mit Bitcoin-Beitrag am Sonntagabend

Außerdem lief bereits gestern im Weltspiegel ein kleiner Spin-off-Beitrag aus obiger Recherche zum Thema „Bitcoins – Das Geld der Zukunft?“, der (für die Kürze) nicht nur inhaltlich und gestalterisch gut gemacht ist, sondern auch sehr ansehnliche Info-Grafiken beinhaltet und erklärt.

Gerade das ist wichtig, denn letztlich ist die große Herausforderung, die enorm heterogene ARD-Hauptzielgruppe bei ihrem kleinsten gemeinsamen Wissens-Nenner abzuholen.

Dass das gestern schon einmal gelungen ist, konnte ich direkt an den Zugriffszahlen hier auf der Seite sehen. Die gingen im Anschluss an den Beitrag nämlich deutlich nach oben, u. a. weil viele Leute nach „bitcoin island“ und ähnlichen in obigem Beitrag erwähnten Kombinationen gesucht haben.

suchbegriffe bitcoin

Ich bin also nicht nur auf die Doku heute Abend gespannt, sondern auch auf die Reaktionen, die sie zweifelsohne hervorrufen wird.

Hörtipp: Fintech-Podcast zu Blockchain bei Banken

Zwischen den Tagen war ich bekanntlich in einer publizistischen Zwangspause. Nichtsdestotrotz oder vielleicht gerade deswegen hatte ich auch wieder etwas mehr Gelegenheit Podcasts zu hören.

Wie zum Beispiel den Fintech-Podcast zum Thema Blockchain bei Banken, an den ich ob des Titels zunächst nicht so große Erwartungen hatte. Denn wenn man mal ehrlich ist, war 2016 in diesem Zusammenhang ein Jahr vieler hochtrabender Versprechungen. Ergebnisse gab es aber keine nennenswerten. Insofern ermattet wahrscheinlich nicht nur mich eine ausgeprägte Blockchain-Hype-Müdigkeit.

Kritische Auseinandersetzung statt heißer Luft

Vielleicht fand ich den Podcast aber auch gerade deswegen so erfrischend. Weil er eben nicht den hohlen Hype befeuerte, sondern vielmehr kritisch hinterfragte und das Blockchain-Thema dabei erfreulich schnell und ausführlich auf das in der Branche eigentlich ja so verruchte, aber im Grund viel relevantere andere B-Wort kam: Bitcoin.

Wobei ich zwei Anmerkungen zu dem Podcast-Gespräch habe. Keine Korrekturen, sondern eher Impulse, die aus meiner Sicht helfen, das Phänomen Bitcoin noch besser zu verstehen.

Bitcoin ist kein Produkt, sondern ein Prozess

Zum ging es an einem Punkt darum, dass Bitcoin „noch nicht fertig“ sei bzw. noch nicht bereit für den Endkunden. Das stimmt irgendwie. Irgendwie aber auch nicht. Denn Bitcoin ist kein Produkt, sondern vielmehr ein Prozess. Gerade das macht es so innovativ. Alles findet permanent live statt: Wachstum, Krisen, Etablierung, Stresstests, technische Weiterentwicklung.

Früher gab es diesen Witz über Endverbraucherprodukte, die scherzhaft als „Bananenprodukte“ bezeichnet wurden, weil sie erst beim Kunden reiften. Bitcoin treibt dieses Prinzip auf die Spitze: Es reift direkt vor uns und auch nur, wenn es benutzt wird. Letztlich ist es also eine sehr individuelle Entscheidung, wann man Bitcoin als „fertig genug“ bezeichnet, um es für diesen oder jenen Usecase und für diese oder jene Zielgruppe einzusetzen.

Denn solange irgendwer irgendwo darüber nachdenkt, wie man Bitcoin besser, effizienter, sicherer oder vielseitiger macht, wird Bitcoin niemals „fertig“ sein. Nicht in einer Welt, in der sich die äußeren Umstände und Einflussfaktoren beständig verändern.

Das hat jedoch auch einen großen Vorteil: Diese Dynamik macht Bitcoin besonders anpassungsfähig.

Aussagen zu Bitcoin haben ein Verfallsdatum

Der zweite Punkt, der nicht nur in obiger Gesprächsrunde, sondern ganz generell zu wenig beachtet wird, ist der Faktor Zeit. Gerade weil Bitcoin ein Prozess ist, können wir viele Aussagen zu Bitcoin eigentlich nur unter Vorbehalt tätigen.

Nehmen wir das Beispiel der Skalierbarkeit, das wohl am häufigsten angeführte Argument, gegen die massenhafte Verbreitung von Bitcoin: dass Bitcoin nur sieben Transaktionen pro Sekunde abwickeln kann und damit weit weniger als klassische, zentralisierte Zahlungsnetzwerke. Das stimmt. Heute.

Doch wenn wir in den letzten acht Jahren Bitcoin etwas gesehen haben, dann, dass im Bitcoin-Ökosystem bemerkenswerte Ideen und neue Lösungen mitunter sehr schnell und aus unerwarteter Richtung kommen können. Schaut man sich die stetig wachsenden wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu Bitcoin und der Blockchain an, dann ist das nur ein kleines Indiz dafür, wie viele Menschen gleichzeitig nach Lösungen suchen, bestehende „Unfertigkeiten“ bei Bitcoin zu überwinden.

Das wiederum bedeutet, nur weil wir heute mit Sicherheit sagen können, dass Bitcoin nur sieben Transaktionen pro Sekunde abwickeln kann, bedeutet das nicht, dass wir vorhersagen können wie viele Transaktionen das Bitcoin-Netzwerk in einem Jahr prozessieren wird. Wir wissen es schlichtweg nicht.

Das ist insofern wichtig, als dass das Bitcoin-skaliert-nicht-Argument gemeinhin zu einem trügerischen Schluss verleitet: Bitcoin skaliert nicht, also müssen wir uns auch nicht weiter darum kümmern. Das ist naiv und gefährlich. Denn was, wenn Bitcoin auf einmal doch skaliert, was, wenn man sich näher mit der Thematik beschäftigt, aller Wahrscheinlichkeit nach passieren wird?

Dann brennt die Hütte bei denen, die sich vom überschrittenen Verfallsdatum ihrer Fakten kalt haben erwischen lassen.

 

DDoS-Attacke wegen Onecoin-Kritik?

Heute ist ein guter Tag. Denn zum einen ist Genesis Day – der achte Jahrestags des allerersten jemals gemined’en Blocks der Bitcoin-Blockchain. (Siehe dazu auch: Happy Genesis Day, Bitcoin!)

The Coinspondent ist endlich wieder online!

Vor allem aber ist es für mich persönlich ein sehr freudiger Tag, denn nach über einer Woche unfreiwilliger Auszeit, ist diese Seite wieder online (und damit auch der nervige „Service Temporarily Unavailable“-Fehlercode endlich verschwunden).

Pünktlich nach Weihnachten wurde The Coinspondent nämlich durch eine DDoS-Attacke gezielt angegriffen und lahmgelegt. Für eine Website dieser Größe und Reichweite eigentlich eher ungewöhnlich, kam der Angriff dennoch nicht überraschend.

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Bitcoin- & Blockchain Presseschau #91

Die letzte Bitcoin- & Blickchain-Presseschau des Jahres könnte kaum von spannenderen Ereignissen begleitet werden: Kurz vor den Feiertagen hat der Bitcoin-Kurs noch einmal ein echtes Kursfeuerwerk gezündet und innerhalb von zwei Tagen sowohl die 800- als auch die 900 US-Dollar-Marke durchbrochen.

bitcoin shoots upwarts

Natürlich zur großen Freude vieler Bitcoiner, die nun allerlei Zahlen, Daten, Memes und Statistiken zusammentragen, um den rasanten Kursanstieg zu feiern.

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Vermessung der Bitcoin- & Blockchain-Welt

In der aktuellen Folge des Honigdachs-Podcasts haben wir bereits besprochen, wie herausfordernd es ist, in einem dezentralen System verlässliche Aussagen treffen zu können. Woran es dabei im Bitcoin- und Blockchain-Ökosystem nicht mangelt, sind Meinungen. Was jedoch vielfach fehlt, sind Daten, aus denen sich methodisch nachvollziehbar Erkenntnisse ableiten lassen, die auch einer kritischen Diskussion standhalten.

Empirische Daten des Bitcoin- & Blockchain-Ökosystems gesucht

Insofern möchte ich auf die Global Blockchain Benchmarking Study des Cambridge Centre for Alternative Finance an der University of Cambridge Judge Business School hinweisen, deren Ziel es ist, genau das zu ändern.

Michel Rauchs, der die Studie mitbetreut, schreibt mir dazu:

„Das Ziel der Studie ist es, ein empirisches Bild des Ökosystems zu bekommen und zu analysieren, wie Kryptowährungen und “Blockchain Technologie” heute genutzt werden, was die aktuellen Trends sind, was die größten Probleme für die beteiligten Firmen darstellen, usw. Es geht vor allem darum, ein auf neuen (Primär)Daten fundiertes Bild über den Zustand des Sektors zu bekommen.

Zu diesem Zweck sind wir natürlich auf die Beteiligung der in diesem Sektor operierenden Unternehmen angewiesen. Wir würden es begrüßen, auch den deutschsprachigen Raum mit in die Studie einzubeziehen […] Alle Links zu unseren verschiedenen Fragebögen (Mining, Wallets, Payments, Exchanges und Permissioned Blockchains) kann man auf unserer Website finden.“

Idealerweise soll die Studie fortan jährlich wiederholt werden, um nicht nur einen aktuellen Querschnitt zu erhalten, sondern auch Erkenntnisse zu Veränderungen zu erhalten. Die Ergebnisse der jetzt durchgeführten Studie sollen Anfang 2017 in Form eines frei zugänglichen Reports online abrufbar sein.

Mitmachen stärkt das Ökosystem!

Ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse und hoffe mit diesem Aufruf beitragen zu können, dass wir auch mehr über das hiesige Krypto-Ökosystem zu erfahren. Denn diese Daten sind auch wichtig, um der Öffentlichkeit zu zeigen, wie weit Bitcoin und alles, was sich in den letzten knapp acht Jahren daraus entwickelt hat bereits gekommen ist.

Noch mehr Warnungen vor Onecoin & Co.

Am 19. August 2016 habe ich den Beitrag Finanztest warnt vor Onecoin und Swisscoin online gestellt. Seitdem ist der Beitrag hier im Blog in einer unglaublichen Geschwindigkeit zum meist abgerufenen Einzelartikel des gesamten Jahres aufgestiegen. Mit großem Abstand.

Das gibt mir zu denken.

Was ist das nur für 1 Coin?

Denn ich bekomme mittlerweile auch Mails, in denen renommierte Persönlichkeiten um Rat bitten, weil sie als Repräsentant für Onecoin oder ähnliche Projekte angeworben werden sollen und sich nun fragen, inwieweit letztlich ihre eigene, gute Reputation genutzt werden soll, um den umstrittenen Ruf ebenjener Projekte aufzupolieren.

Auch werden immer wieder trollige Kommentare wie bspw. der folgende abgegeben (die es aber aus verständlichen Gründen allesamt nicht durch die Moderation schaffen): „Swisscoin ist eine Raubkopie von Onecoin. Wenn du Beweise findest das onecoin nicht seriös ist wäre ich dir sehr dankbar. Und damit meine ich NICHT die ganzen hirnlosen Vermutungs Artikel. Ich bin bei onecoin und es ist das beste was es gibt. Sobald ein Unternehmen richtig gut läuft wird es schlecht geredet. Pfui“

Darüber hinaus hört man aus Berlin, dass dort mittlerweile regelrechte Drückerkolonnen von einem Bitcoin-Event zum nächsten ziehen, um mit großem Nachdruck „Kryptowährungsprojekte“ auf Basis von Multilevel-Marketing zu „vermarkten“.

Argument- und Materialsammlung gegen die Unsicherheit

Es herrscht also große Verunsicherung beim Thema OneCoin, Swisscoin, Giracoin und wie sie alle heißen. Daher habe ich mich entschieden hier noch einmal eine Art Materialsammlung zu erstellen, um Neugierigen und Verunsicherten gleichermaßen eine einfache Möglichkeit zu geben, sich eine Meinung zu bilden.

Mit meiner eigenen Meinung halte ich mich dabei so weit wie möglich zurück. Zum einen reagieren Vertreter obiger Projekte sehr dünnhäutig auf Kritik und haben Blogger bereits abgemahnt. Zum anderen kann jeder selbst entscheiden, was er mit seinem Geld macht. Ich jedenfalls beschäftige mich mittlerweile lange genug mit Kryptowährungen, um zu wissen, dass ich nicht einen einzigen Cent in Projekte wie Onecoin, Swisscoin etc. investieren würde. Warum, zeigen auch die folgenden Punkte:

1. Diverse Experten warnen vor Onecoin, Swisscoin und Co

Man kann von (staatlichen) Institutionen halten, was man will. Man kann sie ablehnen (wie es auch viele Bitcoiner tun), aber wer clever ist, sollte ihnen dennoch zuhören, selbst wenn man anderer Meinung ist. Denn wenn man berücksichtigt, dass zu den Aufgaben folgender Institutionen  u. a. Verbraucherschutz zählt und dass dort sehr gut ausgebildete und in ihrem Fachgebiet erfahrene Menschen arbeiten, dann haben diese Aussagen durchaus Relevanz:

2. Kritische Diskussion kommt zu negativem Ergebnis

Mittlerweile sind im Netz einige lesenswerte und aufschlussreiche Artikel zu Onecoin, Swisscoin und vergleichbaren Projekten erschienen. Einige davon sind sehr meinungsstark, andere versuchen sich dem Thema unvoreingenommen zu nähern. Man sollte sie alle lesen, um Pro- und Contra-Argumente gleichermaßen kennen zu lernen.

Dass die folgende Liste keine Artikel enthält, die eine starke Pro-Meinung vertreten, ist keine Absicht. Es gibt sie schlichtweg nicht, bzw. wenn, dann verfolgen sie meist werbliche Zwecke, d. h. es gibt keine hinreichende Trennung von Werbung und Redaktion (Ziffer 7, Pressekodex).

Interessant ist auch dieses Research-Paper islamischer Gelehrter, das sehr umfassend und auf Basis einer umfassenden Quellenarbeit folgende Punkte bespricht:

  • what OneCoin is
  • whether OneCoin is a reputable and credible organisation or not
  • the history of the founders and leaders
  • the legal status of OneCoin
  • its portrayal in the media
  • how payments work
  • whether the economic claims are valid
  • the value of the educational packages
  • if OneCoin is an actual cryptocurrency or not
  • what the experts say regarding OneCoin

und zu dem Schluss kommt, dass es nach islamischem Recht unzulässig ist, bei diesem Schema mitzumachen.

3. Kryptisch ist nicht gleich kryptographisch

Eine ganz einfache, aber wichtige Regel in Bezug auf Investitionen lautet:

Investiere in nichts, dass du nicht verstanden hast!

Beherzigt man diese Regel, sollte man sich zunächst fragen, ob man kurz und in eigenen Worten das Wort „Kryptowährung“ erklären kann. Insbesondere die Herkunft des Wortteils „Krypto“ ist dabei relevant. Denn es kann sowohl vom Wort „kryptisch“ kommen als auch vom Wort „kryptographisch“.  „Kryptowährung“ ist also nicht gleich „Kryptowährung“. Die eine basiert auf Kryptographie (z. B. Bitcoin), die meisten anderen auf kryptischen Geschäftsmodellen.

Solange man den Unterschied nicht kennt, sollte man weder in die eine, noch in die andere investieren. Kennt man den Unterschied, wird man das Interesse an allem, was nicht Bitcoin ist, recht schnell verlieren. Denn ganz generell sind die Chancen, im Bereich „Kryptowährungen“ Geld zu verlieren, immens. Selbst wenn man „nur“ mit Bitcoin agiert.

Das neue Medium „Kryptowährung“ ist dabei letztlich nur ein neues Mittel zu einem alten Zweck. Denn die Menschen versuchen schon seit Anbeginn der Zeit sich gegenseitig übers Ohr zu hauen. Leider viel zu oft sehr erfolgreich.

this is how ponzi schemes work

Wer nun konkrete Kritik an Onecoin sucht, der wird bei Bruce Fenton fündig, der folgende Kritikpunkte formuliert:

  • OneCoin promises extremely high rates of return bordering on the mathematically impossible
  • OneCoin claims to be backed with a „blockchain“ there is no evidence that there really is such a blockchain by any readable definition
  • OneCoin has lack of transparency as to what exactly it is offering to its investors
  • since OneCoin claims that proceeds will only be released after months or years it makes victims less likely to be aware they have been victims
  • OneCoin claims to be based on blockchain technology but there is no evidence that any such blockchain has been developed
  • the marketing meetings and presentations of OneCoin make use of unsubstantiated claims and misleading information (such as the use of stock footage claiming it was „mining“ a cryptocurrency
  • the tokens generated in the OneCoin project are locked up for a significant period of time, causing investors to believe there will be future value to these in some years when this is extremely unlikely, probably impossible
  • OneCoin places arbitrary values on fictitious tokens which do not have a relation to real value on any major exchange or other free market or independent measurement of value

Man kann diese Kritikpunkte als Meinung eines Einzelnen sehen, dennoch sollte man sich der Tatsache bewusst sein, dass Fenton als Board Member der US-amerikanischen Bitcoin Foundation durchaus die Expertise hat, diese Kritikpunkte auch zu belegen.

Darüber hinaus ist es bemerkenswert, wie deckungsgleich seine Argumente mit denen der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) sind. In deren Stellungnahme „FMA warnt Verbraucher zu besonderer Vorsicht im Umgang mit virtuellen Währungen und Geschäftsmodellen oder Anlageprodukten, die darauf aufbauen“ heißt es:

„Überdies erhält die FMA vermehrt Anfragen zu Geschäftsmodellen oder Anlageprodukten, die auf virtuellen Währungen aufbauen. Diese sind in der Regel so konzipiert, dass sie unter keine Konzessionspflicht fallen und daher ebenfalls nicht beaufsichtigt werden. Es handelt sich dabei zum Beispiel um Ankauf oder Veranlagung in Soft- oder Hardware, die angeblich besonders ertragreich virtuelles Geld erschaffen kann oder besonders ertragreich damit handeln kann. Oder etwa um angebliche virtuelle Währungen, für deren ertragreiche Nutzung vorher Informations- und Schulungsmaterial erworben werden muss. Viele davon sind ähnlich „Multilevel Marketing Plans“ (MMPs), wie sie von Strukturvertrieben verwendet werden, aufgebaut. Diese sind dadurch charakterisiert, dass jeder Kunde gleichzeitig neue Kunden und neue Verkäufer akquiriert und nach einem ausgeklügelten System prozentuell an deren Umsätzen beteiligt wird. Hierbei besteht die große Gefahr, dass es sich dabei um ein betrügerisches „Schneeballsystem“ handelt: Bei einem solchen werden etwaige Auszahlungen an frühe Einsteiger aus den Einzahlungen der später hinzugekommenen geleistet, bis das System allein schon aus mathematisch statistischen Gründen zusammenbrechen muss. Oder es handelt sich um ein gesetzlich verbotenes Pyramidensystem, das in §168a StGB wie folgt definiert ist: „Gewinnerwartungssysteme, dessen Teilnehmern gegen Einsatz ein Vermögensvorteil unter der Bedingung in Aussicht gestellt wird, dass diesem …. System unter den gleichen Bedingungen weitere Teilnehmer zugeführt werden und bei dem die Erlangung des Vermögensvorteils ganz oder teilweise vom bedingungsgemäßen Verhalten weiterer Teilnehmer abhängt.“

4. Es ist schwer überzeugende Pro-Argumente zu finden

Damit diesem Artikel keine Einseitigkeit vorgeworfen werden kann, habe ich für Freunde des Postfaktischen dennoch versucht, eine überzeugende Pro-Stimme für Onecoin zu finden. Das ist gar nicht so einfach, aber bei der Recherche bin ich auf dieses Video gestoßen, das beispielhaft die (oftmals recht diffusen) Pro-Argumenten und das zugehörige Argumentationsmuster zeigt. Es ist ein Statement des Onecoin-Fanboys Tom McMurrain, in dem er darlegt, warum Onecoin seiner Meinung nach kein Schneeball-System sei.

Bevor man sich das anschaut, sollte man jedoch wissen, dass ein gewisser Tom McMurrain 2005 wegen diverser Betrugsdelikte, u. a. einem Kredit-Betrugs-System, in den USA zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Seine Firma hieß damals übrigens Emergency One Cash Card Inc. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Wie mit solchen kryptischen „Angeboten“ umgehen?

Das ist abschließend die wichtige Frage, die auch in der Crypto-Community diskutiert wird. Denn viele teilen die Befürchtung von Bruce Fenton, dass, sollten irgendwann einmal tatsächlich durch Onecoin oder ähnliche Projekte Geschädigte zurückbleiben, sich das in der öffentlichung Wahrnehmung negativ auch auf alle anderen Kryptowährungsprojekte auswirken wird.

Kreative Vorschläge gehen daher in die Richtung bspw. Onecoin mit den eigenen Marketing-Waffen zu trollen: „Just create a scam called TwoCoin, and for whatever OneCoin claims, have it claim twice as much.“

Am besten ist es aber wahrscheinlich Onecoin und Co. ganz einfach zu ignorieren. Denn letztlich ist sogar nicht einmal der Name des Projekts einmalig. Den echten Onecoin gab es nämlich schon 2013 und damals wusste man schon …

Bild: Zechariah Judy (CC BY 2.0)

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