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Der Bitcoin-Kurs zwischen Gier und Angst

Der Bitcoin-Kurs ist in den vergangenen Tagen recht spektakulär von knapp über 9000 US-Dollar auf rund 11.000 US-Dollar gestiegen und Spekulationen über die potentielle Ursachen gibt es viele. Überrascht hat die Entwicklung eigentlich aber kaum jemanden. Bisher hatte das verknappte Angebot des Halvings ja kaum Auswirkungen auf den Preis, der lange zwischen 9000 US-Dollar und 9200 US-Dollar mäanderte. Wobei das wohl eher nicht an der mangelnden Nachfrage gelegen hat.

Aber irgendwo muss das ganze Geld ja hin mit dem der Markt derzeit geflutet wird und Bitcoin spielt in diesem Zusammenhang auch für institutionelle Anleger eine zunehmende Rolle.

Der Angst-und-Gier-Index

In diesem Kontext bin ich auf ein interessantes Fundstück gestoßen, das helfen soll, die aktuelle Kursentwicklung einzuschätzen: Den Crypto Fear and Greed Index (der genau genommen eigentlich nur ein Bitcoin Fear and Greed Index ist).

Die Idee ist es, die emotionale Komponente zu beschreiben, nach der Investitionsentscheidungen getroffen werden. Angst bedeutet dabei, dass die Investoren eher besorgt sind. Steht der Zeiger auf Gier, könnte dagegen eine Kurskorrektur bevorstehen.

Aktuell sind wir dem Index zufolge in einer Phase extremer Gier und wer den Empfehlungen der Website folgen will, sollte jetzt darüber nachdenken, die Gewinne mitzunehmen und zu verkaufen.

Doch so schön einfach dieser Tipp auch klingt. Wenn sich die Kursentwicklung tatsächlich mit einem einfachen Tacho-Modell vorhersagen ließe, sähe die Welt wohl ganz anders aus.

Anschaulich, aber wenig verlässlich

Die Daten des Fear and Greed Index muss man dementsprechend mit Vorsicht genießen. Denn auch wenn man die Zusammensetzung der Quellen (Volatilität, Marktvolumen, Dominanz, Social Media und Trends) zwar schon so machen kann, sind das natürlich die Stellschrauben, die das Ergebnis letztlich ganz massiv beeinflussen. Wenn man die Parameter hier anders definiert, wird aus extremer Gier womöglich ganz schnell wieder „nur“ Gier oder ein Zustand, den man eher als emotionslos bezeichnen müsste.

Und warum ist der Gier-Bereich eigentlich grün eingefärbt und der Angst-Bereich rot? Ist das eine besser als das andere? Und müsste der rote Bereich (dem Tachobild folgend) nicht eigentlich auf der rechten Seite liegen? Dann würde es nämlich auch besser passen, wenn man den Index noch um einen tiefroten Bereich ergänzt, der anzeigt, wenn aus extremer Gier die berühmt berüchtigte FOMO wird.

Update/Ergänzung

Wie Honigdachs-Hörer in den Kommentaren ergänzt, gibt es den Fear and Greed Index (natürlich!) auch schon längst für den Aktienmarkt. Kannte ich bisher noch nicht und – zum Vergleich – der steht aktuell „nur“ auf Gier. Die Quellen und deren Gewichtung unterscheiden sich ja auch. Aber auch hier wundere ich mich über die Farbverteilung und vermisse den FOMO-Bereich

NYXBT – der „offizielle“ Bitcoin-Index der NYSE

Die New Yorker Börse (NYSE) hat vor ein paar Tagen damit begonnen einen eigenen Index für den aktuellen Bitcoin-Kurs auszugeben, den NYSE Bitcoin Index, kurz NYXBT. In der Pressemitteilung heißt es dazu:

„Der NYXBT-Index wird den Wert einer Bitcoin-Einheit in US-Dollar repräsentieren, gemessen aus laufenden Transaktionen ausgewählter Bitcoin-Börsen, die evaluiert wurden und den Qualitätsstandards der NYSE entsprechen.“

Der „offiziellere“ Bitcoin-Kurs mit schlechteren Daten

Auf den ersten Blick ist das natürlich eine großartige Nachricht, denn ein quasi „offizieller“ Kurs macht den Umgang mit Bitcoin für viele Marktteilnehmer wesentlich einfacher, für manche sogar überhaupt erst möglich. Denn es stimmt schon. Wenn die NYSE mit ihrer Marktmacht und mit dem eigenen Ruf bürgt, dann bewirkt das mehr als wenn ein Open Source Projekt wie bspw. Bitcoin Average die Daten für den aktuellen Kurs bereit stellt.

Wobei letztere aber trotzdem die deutlich valideren Daten haben, denn der NYXBT beruht bisher nur auf den Handelsdaten einer einzigen Bitcoin-Börse: Coinbase, an der die NYSE selbst Anteile hält. Das macht den Index natürlich anfällig, denn Coinbase ist zweifelsohne ein Schwergewicht des Bitcoin-Ökosystems, aber es ist nur ein (amerikanischer) Marktteilnehmer von vielen (globalen) und den aktuellen Bitcoin-Wert nur aus einer einzigen Quelle zu beziehen ist unter statistischen Gesichtspunkten fahrlässig.

Mehr Daten sind geplant

Aber der NYXBT ist auch erst der Anfang. Die NYSE will künftig sowohl noch weitere Indices herausgeben als auch zusätzliche Datenquellen erschließen. Vierteljährlich soll dabei die Methodik überprüft werden und hoffentlich entscheidet das Komitee dann auch häufiger als bisher den aktuellen Index-Wert zu veröffentlichen. Nur einmal am Tag ist für Bitcoin zumindest bisher noch deutlich zu wenig.