stop worrying love bitcoin volatility

How I learned to stop worrying and love bitcoin volatility

Schaut man sich den Kursverlauf von Bitcoin in den letzten Wochen an, so ging es ordentlich hoch und runter. Nach einem längeren Abwärtstrend kam dann am  Donnerstag die Trendwende: Innerhalb von vier Tagen stieg der Preis um beachtliche 1000 US-Dollar und liegt aktuell in etwa wieder bei dem Ausgangswert von vor einem Monat.

Volatility is back, baby! Der Bitcoin Kurs stieg innerhalb von wenigen Tagen um 1000 USD

30 Prozent rauf und runter innerhalb von 30 Tagen. Kein Wunder, dass das auch in der breiten Öffentlichkeit für Aufsehen sorgt, zumal die Kursbewegungen nicht von ungefähr kommen. Immerhin hat die seit Jahren mitunter hitzig geführte Blocksize-Debatte mit der sehr wahrscheinlich bevorstehenden und von vielen sehnlich erwarteten finalen Aktivierung von SegWit ein entscheidendes Stadium erreicht.

Warum aktuell diese Kursschwankungen?

Ganz grob zusammengefasst geht es aktuell darum, sowohl die Kapazität der Bitcoin-Blockchain selbst zu erhöhen, als auch zusätzliche Skalierungsoptionen (bspw. das Lightning-Netzwerk) zu vereinfachen (jedoch nicht erst zu ermöglichen!).

Darüber hinaus ist SegWit ein wichtiges Upgrade um potentielle Sicherheits- und Betrugsverfahren zu verhindern. Hiermit meine ich nicht nur, die sogenannte Transaktion Malleability, die vor allem im Zusammenhang mit der Pleite der japanischen Bitcoin Börse Mt.Gox 2014 bekannt wurde, sondern auch das ASICBoost genannte Feature, das es Minern ermöglicht, sich unfaire und für die Integrität und Dezentralität des gesamten Netzwerks langfristig problematische Vorteile zu sichern.

Gerade letzter Aspekt ist wichtig, denn es ist nachgewiesen, dass manche chinesische Miner ihre Hardware bereits auf ASICBoost hin optimiert haben. Umso merkwürdiger ist daher, dass dieser Punkt in der aktuellen Berichterstattung im Allgemeinen nicht auftaucht. (Mehr dazu aber in der aktuellen Folge unseres Honigdachs-Podcasts)

Die Qualität der Berichterstattung schwankt stark

Ohnehin ist es gar nicht so leicht, aktuell gut informiert zu bleiben. Der Deutschlandfunk bspw. zeigt mit seinem gestrigen Bericht Die Bitcoin-Blockchain soll runderneuert werden, wie man es besser nicht macht. Den Versuch in allen Ehren, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand dieses abstrakte und an einigen stellen verfälschend vereinfachte Gespräch für erhellend halten kann.

Deutlich besser informiert wird man hingegen zum Beispiel bei Golem: Bitcoin steht vor grundlegenden Änderungen, Heise: Blockgröße beim Bitcoin: Miner stimmen erstem Schritt für Protokolländerung Segwit2x zu und Computer Base: SegWit2x: Bitcoin soll eine bessere Blockchain erhalten

Tiefergehend informiert darüber hinaus derzeit bspw. Aaron van Wirdum im Bitcoin Magazin z. B. mit Countdown to SegWit: These Are the Dates to Keep an Eye On und BIP 91 Has Locked In. Here’s What That Means (and What It Does Not)

Statistische Übersichten

Wer sich zusätzlich selbst noch ein aktuelles Bild von den Entwicklungen machen will, der sollte sich eine der folgenden -Netzwerk-Monitoring-Seiten in einem Tab geöffnet halten, die über mögliche Forks informieren. Insbesondere, wenn man, wie bspw. dieser Redditor auf Gewinne durch einen immer noch möglichen Fork der Blockchain aus ist: I’m 100% in Bitcoin because I want coins on all possible chains. 🙂

Der Reiz der Volatilität

Bleibt mir an dieser Stelle nur noch einmal den Bogen zu schlagen zum Thema Volatilität und warum mir diese selbst bei Ausschlägen von 30 Prozent keine Sorgen macht.

1. Volatilität zeigt: Jetzt wird es spannend

Zum einen ist Bitcoin noch immer ein Experiment, was nach mehr als acht Jahren und satten Kursgewinnen leicht vergessen wird. Und zwar nicht nur ein ökonomisches Experiment, sondern auch ein technisches und ein soziales. Experimente müssen grundsätzlich auch unvorhersehbare Ergebnisse liefern können, sonst wären sie langweilig.

Im Falle von Bitcoin ist die Volatilität nun eines der wichtigsten Indizien dafür, dass es, sowie in den letzten Wochen, wieder einmal spannend wird. Dass etwas passiert, was Raum für Unvorhergesehenes bietet. Wer an Erkenntnissen aus dem Experiment Bitcoin interessiert ist, für den ist die Volatilität daher ein sehr wichtiger Indikator.

2. Volatilität erhält die Dynamik

Volatilität schreckt zudem auch ab. Das sieht man zum Beispiel an all den warnenden Medienberichten, wenn der Kurs mal wieder runter geht. Sie erschwert institutionalisierten Großanlegern und anderen Spekulanten, denen es weniger um die Sache als in erster Linie um Profite geht, dadurch den Zugang.

Das ist insofern wichtig, als das Bitcoin selbst mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 40 Milliarden US-Dollar noch ein vergleichsweise kleines Phänomen ist und eine Vielzahl von rein auf Erträge fixierten Anleger das Experiment durchaus verfälschen und verlangsamen würden. Wie sollte man bspw. erfahren, ob und wie Bitcoin als Peer-to-Peer Electronic Cash System funktioniert, wenn es nicht als Netzwerk genutzt, sondern ein Großteil der Bitcoins durch institutionelle Spekulanten einfach nur gehalten würde?

Die Volatilität verhindert hier das Einsteigen von zu vielen (Groß-)Investoren und eröffnet die Chance, dass sich die Nutzerbasis von Bitcoin zunächst weiter verbreitert und der Preis noch weiter steigt. Beides würde dem System weiter die Freiheit geben, sich zu stabilisieren, eine dynamische Entwicklung ermöglichen und den künftigen Einfluss möglicherweise zu großer Player begrenzen.

3. Volatilität bereinigt

Darüber hinaus bereinigt die Volatilität das Ökosystem von genau denjenigen Spekulanten, denen es vor allem nur um das Geld geht. Sinkt der Preis nämlich massiv, kann des eine Kettenreaktion auslösen, in deren Folge vor allem diejenigen ihre Bitcoins verkaufen, die sich am wenigsten mit dem Thema auskennen oder für die Idee und das Konzept hinter Bitcoin interessieren. Ganz im Gegensatz zu vielen selbsternannten HODLern, die durch ihre konsequente, teils auch stark ideell motivierte Unterstützung einen wichtigen Beitrag zur Dezentralität von Bitcoin leisten.

HODL

Diese Bereinigung ist insofern positiv, als dass ohnehin niemand in Bitcoin investieren sollte, der es nicht verstanden hat (oder das nicht zumindest versucht). Die Volatilität sorgt hier also insofern für eine Selbstbereinigung des Ökosystems von zu vielen Spekulanten, überzogenen Erwartungen und sollte letztlich auch immer wieder daran erinnern, dass Geld auch nicht der einzige Faktor ist, an dem sich der Erfolg von Bitcoin messen lässt. Derer gibt es nämlich noch eine weitere.

Ich jedenfalls bin, wie viele andere auch, trotz enormer Volatilität im letzten Monat recht zuversichtlich, was die Zukunft von Bitcoin angeht und gespannt, was dieses Experiment noch an unerwarteten Erkenntnissen hervorbringt.

Bild: Screenshot aus Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb