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Ethereum & die DAO(tcom)-Blase

Seit Tagen versuche ich schlau zu werden, aus dem, was da gerade im Internet passiert. The DAO (steht für „Decentralized Autonomous Organization“) sammelt gerade Geld von techbegeisterten Ethereum– und Krypto-Enthusiasten ein und ist dabei so exorbitant erfolgreich, dass es knapp zwei Wochen vor Ende der Finanzierungsphase mit aktuell rund 140 Millionen US-Dollar (wobei diese Summe mit großer Voricht zu genießen ist) schon zum größten Crowdfundingprojekt aller Zeiten geworden ist. Mit Abstand!

The DAO Screenshot
Crowdfunding von The DAO: Ob es gut ist, dass das ein einmaliges Event ist, wird die Realität zeigen.

Das ist ebenso beeindruckend wie erschreckend. Denn man kann zwar nicht ausschließen, dass The DAO hält, was das clevere Marketing drumherum verspricht (in geile Dinge investieren UND reich dabei werden). Und mit Sicherheit werden auch einige (wenige) Personen/Projekte/Unternehmen ganz großartig von The DAO profitieren (Hut ab, Slock.it!).

Die Wahrscheinlichkeit jedoch, dass hier gerade eine an sich interessante Idee Hype- und FOMO-getrieben mit Volldampf auf den Prellbock der Realität zurast, ist hoch. Viel zu hoch, als dass ich persönlich ernsthaft überlegen würde, auf diesen Crowdfunding-Zug aufzuspringen. Oder?

Warum man The DAO mit Vorsicht betrachten sollte

Was mich in erster Linie davon abhält, ist, dass Skepsis zu meinem Beruf gehört und im Fall dieser DAO zu viele Fragen im Raum stehen, auf die ich keine überzeugende Antwort finde. Weder im Netz, noch in Gesprächen, noch durch Recherche und eigenständiges Schlüsseziehen. Und dabei sind das nicht einmal besonders komplexe Fragen, sondern eigentlich ziemlich naheliegende. Ein paar davon liste ich hier einfach mal auf.

Was ist The DAO?

Klingt vielleicht banal, ist aber tatsächlich für mich noch nicht beantwortet. „Dezentrale, autonome  Organisation“ ist ein Begriff, der abstrakter nicht sein könnte. Christoph vom Bitcoinblog hat The DAO und wie sie funktionieren soll zwar grob zusammengefasst, aber letztlich ergeben sich aus der Lektüre nur noch mehr Fragen.

Haben diejenigen, die in The DAO investiert haben, verstanden, was die DAO ist?

Ich bezweifle das ernsthaft und meine Zweifel gründen u.a. auf solchen, vielbeachteten Artikeln wie The DAO: How to not fuck it up. in dem im Nachhinein(!) Vorschläge gemacht werden, wie man das Ding jetzt besser nicht gegen den Baum setzt. Sollte man sich dessen nicht bewusst sein, bevor man 140 Millionen US-Dollar einsammelt bzw. einzahlt?

Wo findet eine konstruktiv-kritische Auseinandersetzung der DAO-Befürworter mit The DAO statt?

Das Marketing pro The DAO ist ohne Frage gut. Aber es ist Marketing und kennt daher nur den Best Case. Was sehen jedoch die Initiatoren von The DAO (selbst eine dezentrale, autonome Organisation muss ja bisher noch von jemandem ins Leben gerufen werden) als Worst Case und was ist die erwartete Mitte?

Kann The DAO in dieser Form funktionieren?

Schwer zu sagen. Das wird man final wohl erst retrospektiv beurteilen können. Zieht man jedoch die Erfahrungen vergleichbarer Projekte zu Rate, sind die Aussichten nicht ganz so rosig. Ein guter Artikel zu diesem Thema: Is The DAO going to be DOA? Interessant darin ist auch der Hinweis auf den DAU (Dümmsten anzunehmenden User) verbunden mit der Frage, wie man mit ihm bzw. ihnen umgeht. Denn eines steht außer Frage: „Smart Contracts cannot fix Dumb People“.

Warum so viel Geld?

Ich halte DAOs im Allgemeinen für eine interessante Idee und The DAO wäre ein hervorragendes weiteres Experiment um den Hype und Erwartungsdruck um die DAO-Idee durch reale Erfahrungen aus der Praxis zu erden. 1 Million US-Dollar wären dafür schon eine enorme Menge Geld gewesen. 140 Millionen ändern nichts an den Ergebnissen des Experiments, vervielfachen jedoch die Fallhöhe und die Kollateralschäden, wenn das Projekt scheitert.

Wird The DAO, das Mt.Gox für Ethereum?

Ganz pragmatisch gefragt: Ist es sinnvoll Ethereum so eng mit einem einzigen, mächtigen und riskanten Projekt zu verknüpfen? Denn sollte die DAO(tcom)-Blase platzen (Worst Case), wären die Folgen auch für Ethereum und alle(!) anderen Projekte, die darauf basieren, unabsehbar.

Warum ist Ether auf einmal so geiles „Geld“?

Bisher wurde immer vermieden, Ether, die interne Währung von Ethereum, als digitales Geld zu beschreiben, weil dessen Primärfunktion nicht wie bspw. bei Bitcoin die Aufbewahrung und der Transfer von Geldwerten sein soll. The DAO nutzt Ether aber letztlich für genau das, weil damit Gelder eingezahlt und die potentiellen Gewinne den Nutzern ausbezahlt werden.

Übersehe ich etwas?

Das ist in der Tat die Frage, die mich am meisten wurmt und letztlich immer wieder über dieses beeindruckende 140-Millionen-Crowdfunding-Projekt nachdenken lässt. Bin ich womöglich der einzige (oder einer der wenigen), der das Potential von The DAO unterschätzt? Verpasse ich hier womöglich sogar direkt vor meiner Nase die Gelegenheit, an etwas Großem mitzuwirken und mit wenig Aufwand und Einsatz exorbitant reich zu werden?

berg
Alte Bergsteigerweisheit: Auch wenn man einen Gipfel vor Augen hat, ist es manchmal die schwerere, aber smartere Entscheidung, ihn nicht zu besteigen.

Es ist erstaunlich, wie groß und penetrant dieser beständige Zweifel an mir und meiner Entscheidung nagt, nicht Teil des The DAO-Crowdfundings zu werden. („Es könnte ja …  / Man kann ja doch nicht ausschließen, dass nicht vielleicht doch … / Bitcoin und Ethereum wurden am Anfang ja auch enorm unterschätzt …“). In diesem Fall hilft es jedoch, sich an den eigenen Prinzipien zu orientieren und in meinem Fall ist das vor allem: Investiere niemals Geld in Dinge, die du nicht verstehst. Und ich habe The DAO und den Crowdfunding-Hype darum bislang nicht verstanden. Aber ich versuche es weiterhin und beobachte dieses Projekt weiterhin mit Interesse. Und mit Skepsis.

Außerdem gibt es eine Sache, die ich in den letzten Jahren Bitcoin gelernt habe: Gute Ideen und Gelegenheiten zu investieren, werden auch nach The DAO noch viele kommen.

… aber vielleicht findet sich ja auch noch jemand, der auf obige und weitere Fragen überzeugende Antworten geben kann?

Update

Der Altcoinspekulant hat sehr lesenswert seine Sicht auf The DAO formuliert: Der Ethereum DAO – Das 200 Millionen Dollar Ding!

Bilder: Sergey Galyonkin (CC BY-SA 2.0) und meg und rahul (CC BY 2.0)

Gems – Die Edelsteine sind nur Glasperlen

Auf Reddit läuft eine herrlich unterhaltsame Diskussion über Sinn und Unsinn des Decentralized-Crypto-Token-Social-Messaging-App-Anbieters Gems, der gerade per Crowdfunding seine „Edelsteine“ an den cleveren, profitorientierte Investor bringen will.

So zumindest die Meinung der auffallend extrem positiv eingestellten Gems-Enthusiasten:

„Yes i like this concept so pretty exited about it and think bitcoin users should check it out aswell because it also relays to them“

Aus Sicht der Kritiker seien diese Gems allerdings weniger Edelsteine als vielmehr nur bunte Glasperlen, die mit großem Marketing-Buhei an naive Einfaltspinsel verschachert werden sollen:

„Why do we need to buy another crypto? Sounds like pre-mined nonsense. And all the pictures of riches to be had everywhere just makes me feel like I’m being promised money by a Nigerian prince.“

Dazwischen die ganze Palette von Betrugsvorwürfen über „Du hast doch keine Ahnung!“-Anschuldigungen bis hin zu hochabstrakten und technischen Erklärungen. Was steckt also tatsächlich hinter Gems?

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