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Die Zukunft des Geldes

Ich habe gestern beim Leipziger Bitcoin-Themenabend einen Vortrag über Die Zukunft des Geldes gehalten. Ein Thema, das mich begleitet, seit ich mir das Ziel gesetzt habe, Bitcoin verstehen zu wollen und das seitdem auch Teil meiner Recherche ist. Meist eher hintergründig und nebenbei, dafür aber mittlerweile nun schon seit rund sieben Jahren.

Die beiden Fragen, die sich mir seitdem immer wieder stellen, sind die folgenden:

(Wie) Lässt sich die Zukunft des Geldes vorhersagen?

Welche Rolle spielt dabei Bitcoin?
Zwei Fragen, die sich mir immer wieder stellen.
Wie sieht die Zukunft des Geldes aus?

Dabei geht es mir weniger um eine die Wirtschaft der Zukunft, sondern um die konkrete Frage, wie das Geld der Zukunft aussehen wird? In 10 Jahren? In 50 Jahren? Oder auch in über 100 Jahren?

Wird es Geld dann überhaupt noch geben? In welcher Form und auf Basis welchen Mediums? Wie wird dieses Geld funktionieren? Wie wird es die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Regeln beeinflussen und von ihnen beeinflusst werden? Und natürlich: Wie werden futuristische Ideen und Visionen vom Geld der Zukunft unsere heutige Wahrnehmung von Geld und dessen künftige Weiterentwicklung lenken?

Im Hinblick auf die Zukunft ist die Finanzbranche blind

Diese Fragen sind insofern interessant, als dass die Finanzbranche – also die, die sich mit der Materie eigentlich am allerbesten auskennen sollten – in dieser Hinsicht selbst vollkommen blind ist. Zumindest nach all dem, was ich in den vergangenen Jahren aus Talks, Konferenzen, Präsentationen und Gesprächen mit ihren Vertretern gelernt und beobachtet habe.

Denn wen ich auch fragte – Banker, Ökonomen oder Behördenmitarbeiter – niemand konnte mir einen Hinweis darauf geben, dass überhaupt irgendwo eine substantielle Auseinandersetzung mit dem Geld der Zukunft stattfindet. Dass also überhaupt die Möglichkeit in Betracht gezogen wird, dass es in (absehbarer) Zukunft ein Geld geben könnte, das sich von dem Geld, wie wir es heute kennen, unterscheidet. Und das möglicherweise sogar fundamental.

Die Finanzbranche als ideen- und visionslos zu beschreiben, würde ich auf Basis dieser Erfahrungen daher noch als Untertreibung bezeichnen. Denn statt (auch) nach vorne zu blicken, orientiert sie sich vor allem nach hinten. Das bestätigte mir in einem Workshop bei der Deutschen Bundesbank vor einiger Zeit auch deren Vertreter. Wir einigten uns schließlich darauf, dass folgende Maxime es ganz gut beschreibt:

"Aus der Vergangenheit lernen, um die Gegenwart zu gestalten."
Die Beschäftigung mit der Zukunft spielt in der Finanzbranche bisher keine wirkliche Rolle.
Wenn Stillstand als „Innovation“ verkauft wird

Wobei es noch andere Indizien gibt, die diese These stützen. Immerhin gilt die Kreditkarte (neben dem Geldautomaten – „Whoa!“) gemeinhin als eine der letzten richtig großen Innovationen der Branche. Eine Idee, die jedoch aus dem 19. Jahrhundert stammt. Dennoch wird sie aber immer noch als „Innovation“ vermarktet, weil es Karten jetzt aus Metall gibt („nein!“), digitale Karten („doch!“) oder jetzt sogar mit LED-Beleuchtung („oooh!“).

Die Idee der Kreditkarte ist schon über 130 Jahre alt.

Generell – auch das ist meine subjektive Beobachtung der letzten Jahre – liegt dabei die Messlatte, ab der in der Finanzbranche etwas als „Innovation“ vermarktet wird, sehr, sehr (sehr, sehr, sehr) niedrig. Apple Pay (und all die anderen „xyz-Pays“) sind da auch keine Ausnahme. Vor 20 Jahren wären sie vielleicht eine echte Innovation gewesen. Heute waren sie gemessen am generellen Digitalisierungsgrad der Gesellschaft schon lange überfällig.

Echte Innovation ermöglicht, was zuvor unmöglich erschien

Wie nicht-innovativ die Finanzbranche tatsächlich ist, wird umso deutlicher, wenn man sich mit Bitcoin auseinandersetzt und versteht, wie viele anspruchsvolle, miteinander verschränkte und vormals als unlösbar geltende Probleme Satoshi Nakamoto mit seinem nur 9-seitigen Bitcoin-Whitepaper auf einmal in den Griff bekommen hat.

Bitcoin mag dabei vielleicht nicht perfekt sein. Wenn aber selbst Bundesbanker mittlerweile zugeben, dass man mit dem jetzigen Geldsystem technisch am Ende angekommen sei, während man bei Bitcoin noch nicht wisse, wo das Ende sei, dann ist das aber ein beachtliches Statement.

Nimmt man eine echte Innovation wie Bitcoin nun als Referenzwert, dann ist offensichtlich, dass die Finanzbranche innovationstechnisch in den vergangenen Jahrzehnten bestenfalls mit sehr kleiner Flamme gekocht hat und seit langem eigentlich nur auf der Stelle tritt.

Gefangen in der eigenen Expertise

Wobei – und auch darum ging es gestern in meinem Vortrag – man das zwar beobachten und kritisieren, gleichzeitig aber nur begrenzt als Vorwurf formulieren kann. Denn wer sich zu lange mit Detailfragen und Problemen auseinandersetzt, läuft Gefahr zum „involvierten Experten“ zu werden. Als solcher, so die Zukunftsforschung, neigt man nun einmal dazu, trotz oder gerade wegen der eigenen Expertise falsche Aussagen über die Zukunft zu treffen. Vor allem dann, wenn man felsenfest davon überzeugt ist, dass etwas „niemals möglich sein werde“.

Womit wir wieder beim Thema Bitcoin und der Idee von einem rein digitalen, internetbasiertem Geld sind, das ohne Staaten und Banken funktioniert. Denn fragt man die „Experten“ des bestehenden Geldsystems diesbezüglich nach ihrer Einschätzung, ist die Antwort meist eindeutig: „Unmöglich! Unvorstellbar! Undenkbar!“

Doch ist diese Zukunftsvision tatsächlich so undenkbar? Ganz und gar nicht. Immerhin gibt es mit der Science Fiction ein Genre, das seit Jules Verne im 19. Jahrhundert genau das macht. Bestehende technische Entwicklungen nehmen und diese im Zusammenhang mit den Bedürfnissen und Träumen der Menschheit in die Zukunft zu transzendieren, wie es der Zukunftsforscher Bernd Flessner formuliert.

Was wiederum die Frage aufwirft, was – wenn die Finanzbranche in dieser Hinsicht selbst blind ist – wir aus der Science Fiction über das Geld der Zukunft lernen können?

Welche Visionen gibt es denn nun vom Geld der Zukunft?

Um es kurz zu machen – noch nicht sehr viel. Es gibt gesellschaftliche Themenbereiche, die auch in der Science Fiction (noch) kaum behandelt werden und nur selten konsequent durchdacht werden. Das Geld der Zukunft gehört in gewisser Weise dazu. In vielen Zukunftsgeschichten spielt es kaum eine Rolle oder ist irgendwie da, ohne weiter erklärt zu werden. Echte Visionen, in denen Geld für eine künftige Welt von Grund auf neu gedacht wird, gibt es hingegen kaum.

Was letztlich aber auch nicht verwunderlich ist. Geld war lange Zeit ein ziemlich langweiliges und statisches Thema. Vor Bitcoin hat es ja auch mich und sehr viele andere nicht interessiert. Warum sollte es Science Fiction-Autor:innen da anders gehen? Doch auch hier tut sich langsam etwas. Technischer Fortschritt ist bekanntlich die Inspiration für Science Fiction und andersherum ist die Science Fiction seit jeher ein Wegweiser für Ingenier:innen. Es könnte also gut sein, dass das Thema Geld dank der Bitcoin-Innovation in künftigen Science Fiction-Geschichten eine zunehmend größere Rolle spielen wird.

Die Suche nach Antworten hat gerade erst begonnen

Möglich ist aber auch, dass ich die entsprechenden Werke und Personen einfach noch gefunden habe. Denn das alles hier ist ja keine wissenschaftliche Untersuchung, sondern eine sehr subjektive, teils noch recht lose Sammlung von Material, Erkenntnissen und Schlussfolgerungen.

Zumindest bisher. Mein Vortrag gestern war für mich damit auch kein Abschluss einer Recherche, sondern vielmehr der Auftakt, mich diesem Thema noch mehr und vielleicht endlich auch mal systematischer anzunehmen. Und meine Beobachtungen und Thesen offen zur Diskussion zu stellen.

Denn meine Fragen, ob und wie sich die Zukunft des Geldes vorhersagen lässt und welche Rolle dabei Bitcoin spielt, sind für mich noch lange nicht ausreichend beantwortet.

Ich freue mich daher auf Austausch und Diskussion. Wer also Tipps, Hinweise und Anmerkungen hat, die zur Klärung des Sachverhalts beitragen, immer her damit.

Alle anderen finden hier noch einmal alle meine Slides von gestern.

Die Zukunft des Geldes
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Hard Money – Der filmgewordene Bitcoin Standard

Ich habe mir gestern die halbstündige Dokumentation Hard Money von Richard James angeschaut und finde sie – wenn man sie mit genügend kritischer Distanz ansieht – durchaus empfehlenswert. Sie ist zwar nicht objektiv, sondern verfolgt eine klare Agenda. Die inhaltliche Stoßrichtung („Bitcoin will fix that!“) ist letztlich aber so offensichtlich, dass das nicht problematisch ist.

Dafür behandelt sie jedoch ein Thema, das so plakativ und in dieser Ausführlichkeit bisher noch nirgends thematisiert wurde: Die Abschaffung des Goldstandards in den Siebzigern des vergangenen Jahrhunderts und die daraus resultierenden Folgen für das globale Geld- und Finanzsystem.

Wenn der Bitcoin Standard ein Film wäre …

Wen das nun irgendwie an das Buch Der Bitcoin Standard erinnert, der liegt richtig. Erklärungen von dessen Autor Saifedean Ammous sind einer der narrativen Hauptbestandteile dieses Films und das er dabei ungefiltert auch seine oft und zurecht kritisierte Theorie über zeitgenössische Kunst noch einmal ausbreiten darf, wohl auch der größte Kritikpunkt.

Dafür glänzt der Film wiederum mit einer beeindruckenden Auswahl an Bildmaterial, das sich von Snippets alter gezeichneter Propagandafilmchen bis zu gut ausgewählten Mitschnitten der jüngeren Geschichte erstreckt und an dem sich der Aufwand ablesen lässt, mit dem diese Dokumentation erstellt wurde.

Alles in allem ist es zwar nicht der eine Film, den man unbedingt zum Thema Geld gesehen haben muss, aber ich halte ihn für eine wertvolle Ergänzung und eine bereichernde Perspektive, wenn man tiefer in die Materie einsteigen will und die geistige Comfort Zone der „offiziellen“ This is fine-Denkschule über unser Finanzsystem mal verlassen will.

Guter Podcast über Vollgeld, Inflation und Bitcoin

Beim vergangenen Bitcoin-Stammtisch wurde ich auf die 208. Folge des Omega Tau-Podcast aufmerksam gemacht. Darin ist der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, zu Gast, der wunderbar erklärt, welche verschiedenen Geld-Definitionen es gibt und wie Schuldengeld, Vollgeld, Inflation, Krisen und Bitcoin im Großen und Ganzen zusammenhängen und zueinander zu verorten sind. Das alles angenehm ruhig, sachlich, gut verständlich und undogmatisch.

Schon etwas älter, aber immer noch aktuell

Ich hatte Thomas Mayer hier im Blog schon einmal mit einem sehr guten Interview beim Deutschlandfunk verlinkt, das jedoch sehr zu meinem Ärger nicht mehr online abrufbar ist.

Glücklicherweise ist das bei diesem Podcast anders, obwohl der sogar noch älter ist. Trotz seines Alters hat dieses Gespräch (dem man tatsächlich noch deutlich mehr als die eine Stunde gut hätte zuhören können), aber nichts an Aktualität eingebüßt und ist eine hervorragende Quelle, wenn es darum geht, die Grundlagen unseres vorherrschenden Geldsystems verstehen zu wollen.

Hier kann man den Podcast direkt hören. Wer diese Folge runterladen möchte, klickt hier.

Geld und die Welt – Drei Podcast-Hörtipps

Ich war diesen Sommer sehr viel draußen und habe beim Fahren um den See immer wieder die Gelegenheit genutzt, interessante Podcasts zu hören.

Drei dieser Podcast-Sendungen sind mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben und ich empfehle sie an dieser Stelle. Alle drei haben nur indirekt etwas mit Bitcoin zu tun, sind aber dennoch sehr aufschlussreich als Bitcoin-Kontext. Denn sie erzählen Geschichten über Geld im Allgemeinen und wie es unsere Gesellschaft und das Denken und Handeln der Menschen beeinflusst.

Wer also verstehen will, warum sich Menschen für Bitcoin interessieren, der findet hier interessante Denkanstöße.

Philosophie der Superreichen: „Die erste Million ist die schwerste“Deutschlandfunk Kultur

Sehr interessantes Feature über das Reichsein und Reichwerden,  warum es alle anstreben und wie es die Gesellschaft verändert. Interessant fand ich nicht nur die Ausführungen, wie die amerikanische Regierung aktuell quasi nur von Superreichen besetzt ist, die keinerlei bis kaum politische Qualifikation haben, sondern auch den gesellschaftlich brisanten Aspekt, dass sich die Reichen (über die wir ganz wenig wissen) immer mehr von der Mittelschicht und „den Armen“ (die wegen ihrer Abhängigkeit statistisch sehr gut erfasst sind und daher leichter den Schwarzen Peter bekommen) entkoppeln. Mit dem Effekt, dass das Ziel, ebenfalls schnell reich zu werden, in der Mittelschicht zunehmend als einzige echte Chance gesehen wird, einen Abstieg in die Unterschicht zu vermeiden.

Dazu passt ganz aktuell das Ergebnis einer Studie, der zufolge sich die selbst Mitarbeiter von Apple (und anderen Tech-Konzernen rund um das Silicon Valley) sich keine Familie leisten können.

Altersvorsorge. Trübe Aussichten für Millennials?Deutschlandfunk Kultur

In diesem Feature geht ein Anfang-30-jähriger mit Familie der Frage nach, wie sicher denn seine Rente sei und was er tun könne, um sich und seine Lieben vor Altersarmut zu schützen. Die Frage ist hochinteressant, denn sie betrifft nahezu alle jüngeren Menschen, die sich nicht der Illusion hingeben, später im Alter finanziell noch große Sprünge machen zu können. Im Gegenteil: Die lieber darauf verzichten, vorzusorgen, weil sie ja auch jetzt leben wollen bzw. müssen. Ein Happy End hat die hier erzählte Geschichte nämlich nicht wirklich. Selbst wenn der Autor jetzt seinen kompletten finanziellen Spielraum in die Altersvorsorge stecken würde und damit auf sämtliche Freizeitaktivitäten mit Kind, Urlaub und Auto verzichtete, bekäme er im Alter auch nicht viel mehr.

In diesem Zusammenhang kann man das Ergebnis dieser repräsentativen Studie der Postbank aus dem Frühsommer natürlich in einem ganz anderen Licht sehen, der zufolge nicht nur vor allem die jungen Leute „den Schritt zum Investment in Kryptowährungen wagen“, sondern sich sogar insgesamt knapp jeder Zweite für Kryptowährungen als Geldanlage interessiert. Weit mehr als in jeder anderen Altersgruppe.

Georg Simmel – Die Philosophie des Geldes – BR2

Diese Sendung ist von allen dreien die hintergründigste. Macht sie aber nicht weniger hörenswert als die anderen beiden. Denn die Schnittmenge Philosophie und Geld wird viel zu selten betrachtet. Aus der Sendungsbeschreibung:

Was macht den Wert eines Menschen in den modernen Gesellschaften aus? Für Georg Simmel stand fest: seine Zahlungsfähigkeit. Er beschreibt in seiner 1900 erschienenen ‚Philosophie des Geldes‘, wie Geld zu einem Gott wurde.  

Interessant auch: Der Bayrische Rundfunk bietet viel zusätzliches Hintergrundmaterial.

Lesetipp: Über die Zukunft von Geld und Bitcoin

Daniel Jeffries hat drüben bei Hackernoon mit What Will Bitcoin Look Like in Twenty Years? einen der wichtigsten Texte zu Geld und Bitcoin geschrieben, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Ganz einfach aus dem Grund, weil er sich mit einem Aspekt beschäftigt, der in der Auseinandersetzung bisher viel zu kurz kommt: die Zukunft.

Klar gibt es Texte (und vor allem ICO-Whtepaper), die sich irgendwie mit dem auseinandersetzen, was da so künftig passieren könnte (aber nur, wenn alles nach dem Best Case im Businessplan läuft). Doch eine tiefergehende und vor allem über die eigenen Interessen hinaus gehende Auseinandersetzung mit der Zukunft des Geldes (nicht nur der des Bezahlens!) findet bisher nicht statt.

Was fehlt: Future Economics

Was übrigens nicht nur für Bitcoin, sondern für die Ökonomie im Allgemeinen gilt. Die konzentriert sich nämlich vor allem darauf, aus der Vergangenheit zu lernen und auf die Gegenwart zu reagieren, entwickelt selbst aber keinerlei Visionen, wie unser Geld- und Gesellschaftssystem in 20, 50 oder 100 Jahren aussehen könnte. Oder idealerweise aussehen sollte.

Je mehr ich mich also mit diesem Thema beschäftige – und ich suche und frage nun schon lange nach „Geldvisionären“, aber weder Professoren, Banker noch Journalisten kennen jemanden, der sich wirklich mit der Zukunft des Geldes auseinandersetzt – umso mehr drängt sich der Schluss auf, dass die Finanzbranche in Theorie und Praxis eine gänzlich visionslose Branche ist.

Was eine erschreckende Erkenntnis ist, wenn man bedenkt, wie grundlegend und teils rasant sich die Welt innerhalb der vergangenen 20, 50 oder 100 Jahren verändert hat. Zumal es keinen Anlass gibt, davon auszugehen, dass die Wucht oder Geschwindigkeit künftiger Veränderungen milder ausfallen. Im Gegenteil.

Ein Versuch, die Zukunft zu beschreiben

Genau das macht den Text von Daniel Jeffries dann aber so lesenswert. Denn obwohl auch für ihn klar ist, dass es bei Aussagen über die Zukunft viel leichter ist, falsch zu liegen, als richtig, wagt er zumindest den Versuch, eine mögliche Entwicklung zu skizzieren.

„I’m also going to go much, much deeper than “Bitcoin will go to zero” or “Bitcoin will become the reserve currency and be worth $1,000,000”. That’s not really saying all that much and anyone can do it. Instead we’ll look at how the technology will transform and how society will transform with it.“

Diese Skizze wiederum ist höchst inspirierend. Denn egal, ob man seiner Argumentation folgt oder nicht – wer diesen Text liest, beginnt selbst über die Zukunft des Geldes nachzudenken. Genau das, was bisher viel zu wenig stattfindet.

Die Vision eines professionellen Visionärs

Dass Jeffries dabei sowohl Gründer ist, langjährige IT-Erfahrungen mit sich bringt und auch Science-Fiction-Geschichten schreibt, ist hier von großem Vorteil, weil man merkt, dass er Erfahrung mit dem glaubwürdigen Entwickeln von technologiebasierten Zukunftsszenarien hat.

Das im Hinterkopf sollte man sich auch nicht von der halben Stunde Lesezeit abschrecken lassen, die dieser Artikel mit sich bringt. Es lohnt sich wirklich.

Um das zu zeigen, habe ich hier mal die Zwischenüberschriften herausgezogen und wen die noch immer nicht überzeugen, hier eine Textstelle, die mehr als nur neugierig macht:

„I’m half way through an article called “What If Hitler Had the Blockchain?” Frankly, I don’t want to publish it because I don’t want to give the bad guys any fresh ideas but rest assured it probably doesn’t matter. Their dark minds are already hard at work imagining how to use blockchain as a system of repression and control.“ 

Inhalt

This Internet Thing will Never Work Out

The Rise of Bitcoin, Crypto and Decentralization

1) The Bubble Bursts

2) Government Cryptocurrencies will Flourish

3) Decentralized Cryptocurrencies Will Become a Parallel Economic Operating System for the Planet

4) The Killer App for Crypto is NOT a Browser

5) Blockchain is Just the Beginning of Decentralized Consensus

6) Crypto Will Get a LOT Easier to Use

7) The protocols of Coins will Get Abstracted from the Coins Themselves

8) We will have Four Dominant Meta Coins, Plus Fifty to One Hundred Minor Coins, and Infinite Virtual Variations of These Coins, Plus State Coins

9) We’ll Learn We Didn’t Know Crap About Economics

10) A DAO Will Grow to Fortune 500 Status

11) The Gig Economy Will Grow Big Time

The Controversy Kings

12) The Blockchain Will Enable All Kinds of Evil

13) Bitcoin Has a 50/50 Shot At Surviving

The Final Frontier

„Geld“ verstehen – Mit diesen Podcasts wird’s leichter

Ich bin vor einiger Zeit auf die Podcasts von BR2 Radio Wissen gestoßen, einen unglaublich reichhaltigen Fundus an interessanten, bunten und lehrreichen Sendungen, die sich jeweils mit einem Thema oder einer Person beschäftigen und dieses in je rund 20 Minuten sehr ansprechend aufbereiten.

„Geld“ verstehen – dank BR2 Radio Wissen-Podcasts

Was mich dabei besonders begeistert: immer wieder stehen explizit Geld- und geldpolitische Themen auf dem Programm und ich habe mir daher mal die Mühe gemacht, das Archiv nach ein paar entsprechenden Sendungen zu durchforsten.

Die sind nämlich nicht nur für mich interessant und ich werde diese künftig in mein Uni-Seminar mit aufnehmen (es gibt nämlich teilweise sogar sendungsbegleitende Bildungsmaterialien), sondern generell für alle, die sich für das Thema „Geld“ interessieren. Daher empfehle ich die folgenden Podcasts explizit auch allen, die sich mit Bitcoin beschäftigen.

Lehrreich und unterhaltsam

Ich habe nämlich schon gelernt, dass John Maynard Keynes‘ Ideen zu seiner Zeit unerhört, unkonventionell und entgegen den vorherrschenden Paradigmen waren. Heute hingegen gilt er als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Ökonomen und nahezu die gesamte Weltwirtschaftspolitik orientiert sich an seinen Theorien.

Die ökonomische Idee von Bitcoin ist 2009 ebenfalls als unkonventionelle Idee und entgegen den vorherrschenden Paradigmen gestartet. Heute ist sie zwar noch immer unkonventionell und experimentell, aber schon jetzt lässt sich auch hier ein Wandel in der Wahrnehmung feststellen. Ist das womöglich der Anfang?

BR2 Radio Wissen – „Geld“-Podcasts

Hier jedenfalls die Podcasts zum Thema „Geld“, die ich herausgesucht habe. die ich herausgesucht habe. (Selber stöbern lohnt aber auch!) Die Sendungen kann man jeweils direkt anhören oder downloaden. Zu „Bitcoin“ gibt es übrigens noch nichts. Vielleicht sollte ich da mal mit der Redaktion in Kontakt treten …

Bretton Woods – Der Traum von einer stabilen Weltwährung

Sommer 1944: Während des Zweiten Weltkriegs treffen sich in einem US-amerikanischen Dorf 800 Ökonomen und Politiker aus 44 Ländern. Thema: die Weltwirtschaft nach dem Krieg. Kompromiss: Bretton Woods. (mp3)

Ausstieg aus dem Euro – Was wäre, wenn

Franc, Drachme, D-Mark – die Sehnsucht nach nationalen Währungen ist groß, vor allem in Krisenzeiten. Aber was würde passieren, wenn ein Land die Eurozone verlässt? Ökonomen warnen vor chaotischen Zuständen. (mp3)

Wenn ein Staat pleitegeht – Von Schuldenerlässen und Neuanfängen

Unruhen, Aufstände, Umstürze – wenn einem Land das Geld ausgeht, birgt das große Risiken. Eine geordnete Staatsinsolvenz könnte dem Land einen Neuanfang ermöglichen. Warum wird die Idee nicht umgesetzt? (mp3)

John Maynard Keynes – Ökonom der Krise

Er war genauso einflussreich wie auch umstritten: John Maynard Keynes. Er entwickelte Konzepte, die der Wirtschaft in starken Krisen auf die Beine helfen sollten. (mp3)

Friedrich Hayek – Wirtschaftsliberaler Nobelpreisträger

Friedrich August von Hayek gilt als Vordenker des Neoliberalismus. Seine Idee, dass Märkte am besten funktionieren, wenn Preise sich frei bilden, hatte großen Einfluss. Den Sozialismus bekämpfte er zeitlebens. (mp3)

Geld im Gehirn – Was der Mammon im Kopf anstellt

Das Gehirn kann nicht gut mit Geld umgehen, sagen Hirnforscher. Was aber passiert mit unserem Gehirn, wenn Geld ins Spiel kommt? (mp3)

Inflation – Die Geschichte eines Phänomens

Inflation ist kein Phänomen der Gegenwart. Es ist in der Geschichte schon häufig aufgetreten und das nicht nur in Deutschland. (mp3)

Die Geschichte des Geldes – Von der Muschel zur Kreditkarte

Muscheln, Vieh und Steine – all das haben Menschen schon als Zahlungsmittel genutzt. Die Geschichte des Geldes ist sehr vielseitig und hat auch viel mit Vertrauen zu tun. (mp3)

Es werde Geld – Wie aus Nichts Alles wird

Woher kommt unser Geld? Und wie bekommt es seinen Wert? Die Antworten darauf sind alles andere als beruhigend. Ganz normale Geschäftsbanken können zum Beispiel Geld quasi aus dem Nichts erschaffen. (mp3)

Währungsmonopol – Das staatliche Privileg, Geld zu drucken

Die EU hat den Euro als Zahlungsmittel festgelegt. Dieses Währungsmonopol ist ein relativ neues Phänomen. Noch bis ins späte 19. Jahrhundert gab es auf deutschem Gebiet viele rivalisierende Währungen.  (mp3)

Banken – Geldgeber oder Geldgeier?

Heute sind Banken viel mehr als Geldsammelstellen für Bürger. Sie gewähren Staaten Kredite, finanzieren Unternehmen oder handeln am Finanzmarkt. Dabei haben einige während der Finanzkrise zig Milliarden verspielt. (mp3)

Glücksfaktor Geld? – Das Wohlstandsparadox

Nie war so viel Wohlstand wie heute: Das Pro-Kopf-Einkommen der Deutschen hat sich in den letzten 50 Jahren sogar mehr als verdoppelt. Aber wie steht es mit dem Glück? Sind wir mit doppelt so viel Geld auch doppelt so glücklich?  (mp3)

Was ist Was: Geld – Bitcoin für Kinder erklärt

Ich habe Anfang des Jahres im Auftrag einer Bank 120 Quizfragen für Kinder und Jugendliche zum Thema Geld miterarbeitet. Das war eine größere Herausforderung, als man denkt. Das Quiz sollte ja nicht langweilig werden, nicht zu leicht und nicht zu schwer sein, genügend Aha-Momente bieten und letztlich aber auch informativ und didaktisch anspruchsvoll sein.

Was ist Was (Band 78): Geld. Vom Tauschhandel zum Bitcoin

Als nun neulich das Was ist Was-Buch Geld. Vom Tauschhandel zum Bitcoin auf meinem Schreibtisch landete, dachte ich schon nach wenigen Seiten: Wow, wie viel schneller wäre ich mit der Recherche gewesen, wenn ich damals schon dieses Buch gehabt hätte.

Denn dieser Was ist Was-Band bietet zwischen den kurzweiligen und abwechslungsreichen Hauptthemen (von der Produktion des Geldes über seine Historie und internationale Variationen bis hin zum Umgang der Gesellschaft mit Geld) jede Menge „Angeberwissen“, „Schon gewusst?“ und „Funny Facts“, sodass man auch als Erwachsener das Buch so schnell nicht mehr aus der Hand legt, wenn man einmal mit blättern begonnen hat.

Was ist Was - Bitcoin 2
Bitcoin auf einer Seite zusammengefasst. Zum Lesen bitte kaufen. Kostet nur 9,95 Euro

Ideal für Neugierige jeden Alters

Dass der aktuelle Band dabei auf der letzten Doppelseite mit dem Thema Zukunft des Geldes auch auf Bitcoin und andere Kryptowährungen eingeht, ist konsequent und erfreulich gleichermaßen. Denn dass Bitcoin nicht wieder verschwinden wird, kann heute niemand mehr ernsthaft bestreiten. Insofern muss das Thema unbedingt auch standardmäßiger Teil der Kinder- und Jugendbildung werden. Wenn das auf so unterhaltsame Weise wie hier passiert, umso besser.

Wer also auf der Suche nach einem Geschenk ist oder selbst sein Wissen rund um das Thema Geld erweitern will, dessen letztlich logische Weiterentwicklung Bitcoin ist, kann hier getrost zugreifen. Zumal 9,95 Euro dafür ein wirklich fairer Preis ist. Ich jedenfalls, weiß jetzt, wo ich beim nächsten Quiz nach Material für gute Fragen suche.

Partnerlink: Was ist Was (Band 78): Geld. Vom Tauschhandel zum Bitcoin, Tesloff 2017, 47 Seiten, 9,95 Euro

So viel Geld (so wenig Bitcoin)

Dieses Video hat einen durchaus anschaulichen Weg gefunden, die gigantischen Dimensionen zu verdeutlichen, die „Geld“ in verschiedenen Kontexten besitzt. Beeindruckend, lehrreich, erschreckend. Nicht nur mit Blick auf aktuelle Ereignisse rund um die Deutsche Bank.

Was man sonst noch mitnehmen kann:

  • Bitcoin mit seinem Gesamtwert von knapp 9 Milliarden Euro als Nischenphänomen zu bezeichnen, ist in Vergleich zu anderen „Geldvarianten“ absolut angemessen.
  • Das meiste Geld ist ohnehin schon digital, d. h, BItcoin „digitales Geld“ zu nennen, ist ungenau. „Programmierbares Geld“ oder „DIY-Geld“ passen da besser.
  • Das alles kann offensichtlich nicht ewig so weitergehen.

Über das Phänomen Bitcoin und warum es so relevant ist

Eine meiner Alltagsbeobachtungen aus drei Jahren Bitcoin-Recherche ist: Besonders oft führt die Tatsache zu Missverständnissen, dass der Begriff „Bitcoin“ nicht nur eine oder zwei Bedeutungen hat, sondern drei.

Die drei Bedeutungen von „Bitcoin“
  • Bitcoin als Geldeinheit („Kann ich mit Bitcoins bezahlen?“)
  • Bitcoins als Bezeichnung für eine Technologie (Bitcoin. A Peer-to-Peer-Electronic Cash System – hier spielt auch die Blockchain eine Rolle) und
  • Bitcoin als Phänomen

Letztere ist die Bedeutung, die oftmals eher unbewusst verwendet wird, eigentlich aber die größte Relevanz hat. Denn das Phänomen Bitcoin beinhaltet letztlich alles, was bislang aus der Idee Bitcoin entstanden ist und noch daraus entstehen wird: Bitcoin selbst (als Geldeinheit und Technologie), alle Blockchain-, Blockchain 2.0- und Blockchain 3.0-Projekte, sämtliche Altcoins, jedes Unternehmen im Krypto-Ökosystem, jede App, jedes Kunstprojekt, das Bitcoin bzw. die Blockchain nutzt, jedes Lied, das darüber gedichtet wird, jede Kulturtechnik, die wir im Umgang mit digitalem Geld entwickeln usw. usf. Kurzum: alles.

Wie das Phänomen Bitcoin die Welt verändern wird

Oder um es anders zu sagen: Bitcoin als Phänomen zu betrachten, bedeutet sich damit auseinanderzusetzen, wie die Erfindung von Bitcoin unsere Gesellschaft grundlegend beeinflusst und nachhaltig transformiert. Klingt vielleicht abstrakt und schwer verständlich, ist es aber gar nicht, wenn man sich

a) erst einmal auf den Gedanken eingelassen hat, dass Bitcoin eben nicht nur dieses ominöse Drogengeld aus dem Internet™ ist, sondern von seiner Bedeutung her in einer Liga spielt mit Begriffen wie „Internet“ und „Social Media“. Und

b) solche TED-Vorträge sehen kann, wie „The future of money“ von Neha Narula, ihres Zeichen Director of Research der Digital Currency Initiative am MIT Media Lab. Darin veranschaulicht sie nämlich sehr prägnant, dass die Erfindung von Bitcoin letztlich unausweichlich war (und vom Prinzip her gar nicht so kompliziert ist) und wie es uns helfen wird, unnötig bremsende Barrieren in der Entwicklung der Gesellschaft zu überkommen.

Wer Bitcoin verstehen will, sollte diesen TED-Talk schauen

Keine leichte Aufgabe und umso größer ist mein Respekt, wie gut sie das macht. Wer das Potential und die Vision verstehen will, die das Phänomen Bitcoin beinhaltet, sollte sich diese 16 Minuten unbedingt anschauen.

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… und ich hab nun einen Ohrwurm.

Honigdachs #6 – Was ist Bitcoin (nicht)?

Die sechste Folge von Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan (bitcoinprivacy.net), Manuel (guidap.de) und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin und die Blockchain zu reden auf Dauer zu wenig ist.

Honigdachs – 06 – Was ist Bitcoin (nicht)?

Dieses Mal sprechen wir über ein Thema, das man pauschal so eigentlich eher in der ersten Folge hätte erwarten können: Was ist Bitcoin?

Allerdings – jeder, der schon einmal versucht hat, diese Frage zu beantworten, weiß, dass das bedeutend kniffliger sein kann, als man denkt. Und so finden auch wir keine einfache Antwort, sondern nähern uns dem Phänomen Bitcoin von verschiedenen Seiten, entmystifzieren den weiter anhaltenden „Blockchain-Hype“, unterscheiden verteilte von dezentralisierten Datenbanken, definieren  „virtuelles Geld“, sprechen über die Trennung von Geld und Macht und die Vorteile von erlaubnisfreiem finanziellen Handeln.

Was das dann auch noch alles mit Fomo, Proof-of-Nonsense und einem Sägezahnsee zu tun hat – hört selbst!

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