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Das Bitcoin- & Paywall-Dilemma

Ich habe mit Das Bitcoin-Dilemma einen neuen Artikel für die Kollegen vom Spiegel geschrieben, in dem es darum geht, welche Rolle Deutschland auf der einen Seite für Bitcoin spielt, auf der anderen aber gleichzeitig nicht aus den Pötten kommt, wenn es darum geht, davon auch entsprechend zu profitieren.

Es ist mein bisher längster, aufwändigster und best-dokumentierter (man legt da nun nach der Relotius-Geschichte noch einmal besonderen Wert drauf) Artikel dort. Und auch wenn es ein Haufen Arbeit war, freue ich mich endlich mal diese Geschichte erzählt haben zu können. Ich halte sie für wichtig. Soweit also die gute Nachricht.

Das Finanzierungs-Dilemma des Journalismus

Die schlechte Nachricht ist jedoch, dass der Artikel aufgrund seiner höheren Qualität hinter der Paywall steht. Dort landen die Texte, mit denen man Leser in zahlende Kunden verwandeln will. Ich habe dem in Form eines „Testballons“ einmalig zugestimmt, weil ich das Argument für nachvollziehbar halte, dass auch der Spiegel irgendwie Geld verdienen muss und dass das allein mit Anzeigen insbesondere in Corona-Zeiten nicht möglich ist. Außerdem ist es durchaus interessant zu erfahren, ob Bitcoin als Thema mittlerweile auf genügend Interesse stößt, dass die Leute Geld dafür in die Hand nehmen.

Zudem wollte ich als Außenstehender einmal den Erstellungsprozess kennen lernen, die Unterschiede im Vergleich zum Schreiben „freier“ Texte und ein kleines bisschen journalistischer Ehrgeiz spielte womöglich auch eine Rolle.

Unterm Strich dennoch unbefriedigend

Wie erwartet bin ich allerdings trotzdem unterm Strich weder glücklich noch zufrieden mit dem Ergebnis, weil die Nachteile der Paywall die Vorteile aus meiner Sicht deutlich überwiegen. Die Mehrarbeit (längerer Text, mehr Quellen, ggf. mehr Korrekturschleifen) wird auf der einen Seite nicht besser bezahlt als ein „einfacherer“ frei zugänglicher Text. Ich verdiene tatsächlich sogar weniger, da der Artikel wegen der Paywall eine geringere Reichweite erzielt und daher weniger Berücksichtigung bei der VG Wort (eine Art Gema für Journalisten und Kreative) findet. Außerdem bin ich einfach grundsätzlich ein großer Fan von frei zugänglichen Informationen im Netz, wie dieser Blog zeigt.

Was für mich aber den größten Kritikpunkt ausmacht ist, dass man den Artikel nicht einzeln kaufen kann, sondern es nur die Option eines teuren Monatsabos gibt, welches man nicht einmal mit Bitcoin bezahlen kann. Im Jahr 2020 halte ich das schlichtweg für nicht zeitgemäß.

Ein Experiment als Ausgangspunkt?

Diese Kritik gebe ich natürlich auch an die Redaktion weiter und vielleicht – so meine Hoffnung – ist dieser Paywall-Artikel ja der initiale Funke, an dem sich eine neue Debatte über zeitgemäße Paywall-Lösungen auf Bitcoin-/Lightning-Basis entzünden lässt. Die Technologie ist vielleicht noch nicht perfekt, aber weit genug, um damit auch mit vergleichsweise wenig Aufwand experimentieren zu können. Wenn man es will. Denn dass man beim Spiegel dafür nicht die Ressourcen hätte, ist ausgeschlossen. Außerdem wäre es auf Dauer auch ziemlich strange, immer wieder über Bitcoin zu berichten, sich aber selbst nicht an die Sache heranzutrauen. Nicht einmal in einem kleinen Maßstab. Insofern: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Für mich heißt das in jedem Fall: Meine Artikel werden beim Spiegel künftig nur noch dann hinter einer Paywall landen, wenn diese irgendwie auch mit Bitcoin aufgelöst werden kann.

Und was den aktuellen Artikel angeht, da bin ich mir sicher, dass der auf dem ein oder anderen Weg früher oder später auch noch seinen Weg in die „Freiheit“ finden wird. Versprochen.

hier ist er.

HTTP-Fehler 402 – Bitcoin required

Ich kenne ich mit HTTP soweit aus, das ich diese Website hier einigermaßen gut verstehe und sie am Laufen halten kann. Dass ich (noch) nicht alle HTTP-Status- bzw. -Fehlermeldungen kenne, versteht sich dabei von selbst.

402 – Payment required

Sonst hätte ich ja schon längst etwas über den Error 402 – Payment required geschrieben, den es schon längst offiziell gibt, der bisher jedoch vom W3C (World Wide Web Consortium) mit der Meldung „This code is reserved for future use.“ gekennzeichnet ist. Einfach, weil es zwar schon lange die Vision von funktionierendem digitalem Geld als Zahlungsmittel im Netz gibt, es bislang aber offensichtlich keine überzeugende Umsetzung dafür gab. Bislang.

Die Fehler-402-Bitcoin-Paywall

Denn mit Bitcoin lassen sich sehr wohl digitale Zahlungen über die Statusmeldung 402 organisieren. Wie das funktioniert erklärt zum Beispiel Casey Leonard auf seiner Website. Denn für das finale Bild seines aktuellen Webcomics hat er sich kurzerhand eine eigene kleine Bitcoin-Paywall gebaut. Und in meinem kleinen Praxistest funktionierte die schnell, reibungslos und ohne, dass ich einen 402-Fehler angezeigt bekomme.

Wie YouTube, aber mit Bitcoin und ohne YouTube

Den von YouTube und Vimeo dominierten Onlinevideomarkt ordentlich aufmischen. Das ist das erklärte Ziel von watchmybit.com. Durch Mini-Bitcoin-Paywalls vor jedem Video sollen die Urheber direkter und mehr Geld verdienen, als sie es bisher auf den Plattformen der etablierten Marktführer können.

Bei YouTube bspw. käme man schließlich erst ab mindstens 10.000 Views überhaupt in einen erwähnenswerten zweistelligen Verdienstbereich. Wenn es nach Watchmybit geht, sollen Urheber auf ihrer Plattform schon mit „nur“ 1000 Views vierstellige Einnahmen erzielen können. Zumindest im Idealfall. Realistisch ist dieses Beispiel vorerst jedoch nicht. Trotzdem verbirgt sich in Watchmybit ein spannender Ansatz.

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