Herausragender BBC-Podcast über Onecoin

Ich wusste, dass es irgendwann passiert und war mir (leider) auch sicher, dass es kein großes deutsches Medium sein würde, dass den Mut dazu aufbringt, diese Geschichte zu recherchieren. Aber nun ist es endlich soweit. In der herausragenden Podcast-Serie The Missing Cryptoqueen erzählt Jamie Bartlett für die BBC die unglaubliche Geschichte rund um Onecoin und verschafft dem Thema damit die Aufmerksamkeit, die es eigentlich schon seit Jahren so dringend braucht.

Für mich ist es natürlich ein Fest, das zu hören. Nicht nur, weil die die BBC weiß, wie man gute Podcasts macht und dabei regelmäßig die Messlatte definiert. Sondern natürlich vor allem, weil ich selbst in den vergangenen Jahren immer wieder kritisch über Onecoin berichtet habe und diese Berichterstattung schließlich sogar vor Gericht verteidigen musste.

Alle müssen von Onecoin hören!

Für mich war das eine große Sache. Für Onecoin wohl eher ein Fliegenschiss. Immerhin war/ist der Verein in mehr als 190 Ländern aktiv und hat laut Dokumenten, die Jamie Bartlett im Laufe seiner Recherche zugespielt wurden, scheinbar allein bis 2017 vier Milliarden(!) Euro eingesammelt.

Wäre es nicht so makaber, könnte man Onecoin angesichts dieser Summe als eines der größten „Fintech-Startups“ aller Zeiten bezeichnen. Dessen Geschäftsmodell gleichzeitig jedoch ein großes und zwielichtiges Geheimnisse ist. Zumindest bislang. Denn in jeder der acht Folgen taucht Jamie Bartlett nun Stück für Stück immer tiefer in die dubiosen Machenschaften rund um Onecoin ein und berichtet, was er dabei herausfindet.

Wöchentlich eine neue Folge

Jeden Donnerstag erscheint eine weitere Folge. Diese drei sind bisher online:

  • Episode 1: Dr Ruja – Dr Ruja promised financial revolution. And then, two years ago, she disappeared. Why?
  • Episode 2: The Bitcoin Killer – Not all is as it seems with Dr Ruja’s revolutionary cryptocurrency, OneCoin.
  • Episode 3: More than just a coin – Dr Ruja is charged in absentia with money laundering and fraud. But the hold OneCoin has over its investors is far stronger than we’d imagined. Why do people still believe?

Folge eins zieht sich etwas, wenn man sich selbst schon mit dem Thema gut auskennt. Spätestens ab Folge zwei wird es aber richtig gut. Inhaltlich aber auch, weil die Stärken des Mediums Podcast hier voll ausgenutzt werden.

Einerseits durch eine sehr persönliche, berührende und mitunter intime Atmosphäre. Bartlett berichtet nicht einfach nur von seiner Recherche, sondern nimmt uns mit. Wir erleben, was er erlebt, während er es erlebt. Gespräche mit Wissenschaftlern und Experten, mit verzweifelten Investoren und bei seiner Suche vor Ort.

Ein Podcast mit Folgen

Andererseits macht auch der Work in Progress-Part des Podcasts die Geschichte lebendig. Denn natürlich kommt durch die Veröffentlichung der ersten Folgen Einiges in Bewegung. Mit teils drastischen Konsequenzen.

Die Onecoin-Stimmungsmaschine im Netz gegen den Podcast, seine Macher und die Protagonisten läuft offensichtlich schon auf Hochtouren. Noch bevor die erste Folge überhaupt online war, gab es wohl auch schon massive Beschwerden über die Lügen, die darin angeblich verbreitet würden.

Hören und weiterempfehlen!

Umso wichtiger ist es also, dass The Missing Cryptoqueen, die Aufmerksamkeit bekommt, die das Thema Onecoin verdient. Mit dieser Podcast-Serie stoßen Jamie Bartlett und seine Producerin, Georgia Catt in ein aggressives Wespennest und was sie dabei aufschrecken, lässt sich nur durch größtmögliche Öffentlichkeit besiegen.

Wer dabei helfen will und nützliche Informationen hat, ist aufgerufen, sich bei Jamie und Georgia zu melden. Ich für meinen Teil werde gleich mal Kontakt aufnehmen.

Sieh deinem Bitcoin- & „Krypto“-Portfolio beim Schrumpfen zu

Okay, die Überschrift ist etwas gemein. Aber was kann ich denn dafür, wenn ich just an dem Tag auf diesen praktischen Cryptocurrency Portfolio Tracker stoße, wenn Bitcoin und alle anderen Kryptowährungen kräftig nach unten gehen? Nichts, genau!

Bitcoin Kursentwicklung am 24.9.2019
Free and Open Source Portfolio Tracker

Also müssen wir da jetzt alle durch. Denn unabhängig vom aktuellen Kursgeschehen ist DFD Cryptocoin Values wirklich etwas, nach dem ich Freunde von mir lange gesucht haben: Eine Möglichkeit, die Entwicklung eines Bitcoin- oder (fast) beliebigen „Krypto“-Portfolio zu verfolgen, ohne dabei allzu viele sensible Informationen über sich selbst preisgeben zu müssen. So zumindest das Versprechen des Entwicklers:

Open source / free private cryptocurrency investment portfolio tracker, with email / text / Alexa alerts, charts, mining calculators, leverage / gain / loss / dominance stats, and other crypto tools.

Privately track your investment in Bitcoin, Ethereum, Monero, Litecoin, Grin, Cosmos, and an unlimited number of other altcoins / cryptocurrencies. Customize the coin list / alerts / charts to your favorite assets and exchange pairings. No limits, add as many coins / markets as you want.“

Für echte und virtuelle Portfolios

Ich persönlich brauche nicht mal all Funktionen und erst recht nicht all die Coins, die der Portfolio Tracker bietet, kann aber jedem empfehlen, zumindest mal mit der Demo rumzuspielen. Wer will kann damit ja auch ein virtuelles Portfolio pflegen und ohne Risiko schauen, wie gut man traden kann, bevor man echtes Geld verliert.

Insgesamt also ein schönes Tool. Aber trotzdem noch der Hinweis, dass man sich dennoch immer genau überlegen sollte, von wo man welche Software runterlädt und installiert. Aber eh man auf der Suche nach einem ordentlichen Portfolio Tracker auf irgendeine grellbunte Datensammel-App reinfällt (davon gibt es viel zu viele), ist dieses Open Source-Projekt vermutlich die bessere Option.

Keine halben Bitcoins. Oder: Der irrationale Wunsch nach Ganzheit

Neulich sagte jemand im Gespräch nebenbei etwas Bemerkenswertes:

„Ich wollte gerne Bitcoin kaufen, aber da mir ein ganzer zu teuer ist, habe ich mir stattdessen einen Ether gekauft.“

Dieses Aussage hat mich verdutzt und irritierte und je länger ich darüber nachdachte, desto absurder erschien sie mir. Vor allem, da ich wusste, dass sich derjenige durchaus mit der Bitcoin/Blockchain-Materie beschäftigt hat.

Wieso, so fragte ich mich, hat er sich nicht einfach einen halben Bitcoin gekauft. Oder einen viertel? Oder einen hundertstel? Wenn etwas leicht und präzise zu teilen ist, dann doch dieses praktische digitale Geld mit seinen 100 Millionen(!) Untereinheiten.

Wer Bock auf Schokotorte hat, sich aber keine ganze leisten kann, kauft sich doch auch nicht stattdessen Zwiebeln, nur weil die billiger sind. Man kauft stattdessen eben nur ein Stück Torte. Oder zwei. Oder drei. So viel man sich eben leisten kann oder möchte.

Schon Kinder wissen: Teilen ist doof!

Erstaunlicherweise scheint dieses Logik bei Bitcoin jedoch nicht zu greifen. Denn es ist nicht das erste Mal, dass ich obiges Statement in den vergangenen Jahren gehört habe. Seit der Bitcoin-Kurs Mitte 2017 zu klettern begann, habe ich immer wieder sonst eigentlich sehr vernünftig wirkende Leute getroffen, die mir sagten, dass sie lieber „Coin X“ oder „Token Y“ gekauft haben, weil es für einen ganzen Bitcoin ja leider nicht gereicht hätte.

Gerade kleine mengen Bitcoins sind schwer umzurechnen, wirken abstrakt und besonders klein.

Statt einem Stück Schokotorte haben sie also lieber einen haufen (vermutlich sogar fauler) Zwiebeln gekauft. Hauptsache sie haben für ihr Geld eine möglichst große Summe bekommen. Wichtiger als das, was sie letztlich kauften, war ihnen wie viel sie davon bekommen haben.

Mehr ist besser

In der Bitcoin-Community ist dieses „Problem“ natürlich bekannt. Obwohl es letztlich ja nur symbolisch ist, haben es ja auch viele Bitcoiner genossen, mal eben zum Dogecoin-Millionär oder sogar Milliardär zu werden. Einfach nur, weil man es kann und es sich schon irgendwie besonders angefühlt hat, in seiner digitalen Brieftasche auf einmal eine siebenstellige Zahl vor dem Komma zu sehen. Selbst wenn man wusste, dass diese Zahl letztlich ja nur eine virtuelle Illusion ist. Aber ist das Geld nicht immer?

Über die Jahre gab es daher immer wieder Versuche, auch Bitcoin für Freunde ganzer Zahlen attraktiver zu machen und es in kleinere, handlichere Zwischeneinheiten zu unterteilen. „Bits“, „Millibits“ und andere Vorschläge setzten sich aber nie flächendeckend durch. Meist, weil man am Ende doch nie genau wusste, auf welche der acht Nachkommastellen von Bitcoin sich der jeweilige Begriff denn nun eigentlich genau bezieht.

Kleiner ist besser

Zwei Entwicklungen könnten nun aber dazu führen, dass diese Problematik (zumindest etwas) an Bedeutung verliert: Der aktuelle Bitcoin-Kurs und Lightning.

Seit etwa vier Monaten mäandert der Bitcoin-Kurs nun schon um die 10.000 US-Dollar-Marke. Die ist nicht nur psychologisch wichtig, sondern hat auch den Vorteil, dass sich Bitcoins bei diesem Kurs recht einfach umrechnen lassen. 1 US-Dollar sind 0,0001 Bitcoin (oder eben ein Millibit). Pi mal Daumen funktioniert das entsprechend auch mit dem Euro

Bei einem Kurs von ca. 10.000 US-Dollar ist das Umrechnen von 0,00049041 BTC viel leichter.

Das Umrechnen von Bitcoin in „echtes“ Geld ist bei diesem Kurs also zur Zeit weit weniger kompliziert. Es ist vielmehr, wie wenn man früher nach Italien oder Frankreich in den Urlaub gefahren ist. Auch da hatte man sich ja irgendwann an den Umrechnungskurs gewöhnt.

Der war damals allerdings auch langfristig vergleichsweise fix und natürlich kann sich die Volatilität und damit der Wechselkurs bei Bitcoin jederzeit wieder ändern. Trotzdem – den Bitcoin-Kurs einigermaßen im Hinterkopf zu haben, kann durchaus praktisch sein und hätte bei einigen der Leuten in diesem Video wohl zu einer anderen, nämlich der deutlich lukrativeren Entscheidung geführt.

Lightning macht den Bitcoin klein

Anders ist der Effekt von Lightning, dem 2nd-Layer-Zahlungsnetzwerk, das derzeit auf Bitcoin entsteht. Das arbeitet ja bekanntlich gar nicht mehr auf der Grundlage von Bitcoin, sondern seiner (bisher) kleinsten Untereinheit, dem Satoshi (1 Sat = 0,00000001 Bitcoin).

Wirkt viel mehr, ist aber immer noch die gleiche Menge Bitcoins.

Das hat bei einem Projekt, das alltagstaugliche Klein- und Kleinstzahlungen mit dem digitalen Geld ermöglichen soll, natürlich vor allem praktische Gründe. Denn aus der Gewöhnung heraus können wir Menschen große Summen vor dem Komma sehr viel besser verorten als fitzelig kleine Nachkommastellen. Der Umgang mit vielen ganzen Satoshis ist für uns also sehr viel einfacher und intuitiver als die Verwendung von kleiner Bitcoin-Bruchstücke.

Und der positive Nebeneffekt: Auf einmal ist es auch bei Bitcoin wieder ganz leicht, zum Millionär zu werden. Vor allem aber muss sich nun niemand mehr Altcoin-Zwiebeln kaufen, wenn er eigentlich Bitcoin-Schokokuchen haben will. Denn einen Sack voll Satoshis (derzeit kostet einer rund 0,0001 Cent – lässt sich gerade auch sehr gut umrechnen) kann sich nun wirklich jeder leisten.

Epic Bitcoin Rap Battle

Diese Bitcoin Rap Battle Debate: Hamilton vs. Satoshi wird seit gestern felißig durchs Netz gereicht und zwar vollkommen zurecht.

Zentralisiertes vs. dezentralisiertes Geld

Man muss dabei gar nicht genau wissen, wer Alexander Hamilton war (Wikipedia: „einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten, deren erster Finanzminister und einer der ersten Staatstheoretiker der repräsentativen Demokratie“), denn er steht hier einfach repräsentativ für das auf Kontrolle ausgelegte zentralisierte Finanzsystem.

Da hätte man also auch diverse andere historisch „Verantworliche“ nehmen können. Das Video wurde aber in den USA produziert.

https://twitter.com/reidhoffman/status/1169599231075577856

Über Satoshi Nakamoto muss ich hier nicht viel sagen. Er übernimmt den argumentativen Gegenpol.

Mit Liebe zum argumentativen Detail

Aber nicht nur die Machart und die Easter Eggs (Wer findet und erkennt alle auftauchenden „Bitcoin-Promis“?) haben mich begeistert. Ich halte auch die Lyrics und die tatsächliche inhaltliche Auseinandersetzung für sehr gelungen, weil sie die öffentliche Debatte ziemlich gut widerspiegelt und eine enorme Bandbreite and Vorwürfen und Gegenargumenten ausgetauscht wird, ohne dass es am Ende einen Gewinner gäbe. Oder doch?

Ein kurzer Scan der mittlerweile mehr als 1700 Kommentare zeigt jedenfalls, dass für die Mehrheit Satoshi vorne liegt. Das verwundert aber auch nicht. Zum einen gibt es Bitcoins zu gewinnen und keine Dollar und zum anderen sind die sozialen Netzwerke vermutlich eher nicht der Ort, an dem sich der klassische Hamilton-Homie in seiner Freizeit rumtreibt.

Aber sei´s drum. Am Ende ist das Video sehr gelungenes und zeitgemäßes Edutainment und ich werd es gerne in meine Materialsammlung für mein Uni-Seminar aufnehmen.

Honigdachs #42 – Bitcoins sicher aufbewahren

Die 42. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin und die Blockchain zu reden auf Dauer zu wenig ist. (Abonnieren)

Honigdachs #42 – Bitcoins sicher aufbewahren

Nach der Sommerpause sprechen wir nun also über Sicherheit. Genauer: Wie man seine Bitcoins sicher aufbewahren kann. Doch das ist gar nicht so leicht. Denn selbst die als Allzweck-Wunderwaffe vermarkteten Hardware-Wallets haben ihre Tücken und sind bei weitem nicht so sicher, wie man es gerne hätte.

Was besser dagegen hilft – sie als Taco tarnen oder Hardware-Wallet-Multisig? Wir sprechen darüber.

Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick

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Bitcoin für Nicht-Techniker erklärt

Alex Danco hat auf seinem Blog mit A technical introduction to Bitcoin for non-technical people genau das verfasst, was der Name verspricht: eine technische Einführung in die Grundlagen von Bitcoin, für alle, die sonst eher wenig mit Technik zu tun haben.

Der Artikel ist sehr ausführlich und reicht von den Prinzipien der verwendeten Kryptographie über das Problem der Byzantinischen Generäle bis zu möglichen Angriffsszenarien und wie diese bei Bitcoin verhindert werden, bleibt dabei aber dank guter Beispiele immer anschaulich.

Wer also immer mal wissen wollte, wie sich so ein Blockheader eigentlich genau zusammensetzt und warum jeder Miner trotz der selben Nonce zu verschiedenen Hashes kommt, sollte sich die Zeit nehmen, hier mal reinzulesen. Denn nur, wenn man die (technischen) Grundlagen von Bitcoin verstanden hat, kann man verstehen, warum es auf seine Weise so genial und herausragend ist.

Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt auf die angekündigte Fortsetzung A financial introduction to Bitcoin for non-financial people. Beides, Geld und Technologie, hängt bei Bitcoin ja direkt zusammen.

Neue Shitcoin-Listicles – Von FiatMarketCap bis CoinMarketCrap

CoinMarketCap ist über die Jahre zu einer Institution im Bitcoin-Ökosystem geworden. Das kann man mögen oder nicht, Fakt ist aber, dass sich die Seite zu einem quasi Standard für die schnelle Informationsbeschaffung einfacher Kurs- und Wert-Statistiken in Bezug auf Bitcoin und aktuell fast 2500(!) andere „Kryptowöhrungen“ entwickelt hat.

Das CoinMarketCap-Prinzip hat sich also bewährt und früher oder später führt das zu Alternativen oder interessanten Remixen.

FiatMarketCap dreht den Basiswert-Spieß um

Eine davon ist FiatMarketCap, das den Spieß umdreht und nicht den Wert einzelner Kryptowährungen in US-Dollar anzeigt, sondern den Wert staatlicher Währungen in Bitcoin. Das Ziel der Seite:

1. Darüber lachen, dass alle Werte in Bitcoin bezeichnet sind.
2. Verfolgen zu können, wie Bitcoin gegenüber den größten Fiat-Währungen in den kommenden Monaten/Jahren steigt
3. Zu zeigen, welche Fiat-Währungen sich im Vergleich zu Bitcoin besonders schlecht zur Wertaufbewahrung eignen

China. die USA, die Euro-Zone und Japan verfügen über das meiste Geld.

Da FiatMarketCap ein Spaß-Experiement ist, kann man auf der Seite auch nicht viel mehr machen. Man findet hier aber durchaus ein paar Fun Facts für die nächste Party. Zum Beispiel dass alles Geld des vor Afrika gelegenen Inselstaats São Tomé und Príncipe aktuell gerade einmal für 14 Bitcoins reichen würde und dass Katar zwar wohlhabend ist, aber alle Katar-Riyal der Welt dennoch nicht reichen würden, um sämtliche bisher existierenden gut 17,5 Millionen Bitcoins zu kaufen.

Vorausgesetzt natürlich die Zahlen auf FiatMarketCap stimmen. Was sich nicht ganz so einfach nachvollziehen lässt, aber im Sinne von Punkt 1 seiner Existenzgründe letztlich auch nicht ganz so wichtig ist.

CoinMarketCrap – alles Kacke außer Bitcoin

Remix Nummer zwei ist CoinMarketCrap, dessen Name nicht nur ein wunderbares Wortspiel, sondern auch Programm ist. Denn im Prinzip ist die Seite anzeigentechnisch ein reduzierter Klon von CoinMarketCap, bei dem alle „Kryptowährungen“ nach Bitcoin letztlich aber nur durchnummerierte Shitcoins sind. Frei nach dem Motto „There’s Bitcoin and then there’s shitcoin“.

CoinMarketCrap zeigt Bitcoin und die Top 99 Shitcoins nach Marktkapitalisierung

Für einige mag das etwas hart wirken, ich finde diese satirische Darstellung aber durchaus sinnvoll. Kryptwährungen haben immer eine Bringeschuld. Sie müssen zunächst einmal zeigen, dass sie sinnvoll sind, ein Zweck erfüllen und es wert sind, sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen. Jede Kryptowährung ist also zu Beginn ein Shitcoin. Das war ja auch bei Bitcoin anfangs nicht anders.

Ob es aber jemals auch ein anderer Coin schaffen wird, das Shitcoin-Label endgültig abzulegen (außerhalb der Bubble hat das ja selbst Bitcoin noch nicht), bleibt fraglich. Vielleicht ja, vermutlich nein. Denn: All (Crypto) Roads lead to Bitcoin.

Wann kommt FiatMarketCrap?

Bleibt nur noch die Frage, ob und wann im nächsten Schritt möglicherweise auch FiatMarketCap und CoinMarketCrap fusioniert werden. Noch scheint mir ein FiatMarketCrap ja sehr extrem. Aber wer weiß. Ein Blick nach Argentinien zeigt: Nach der Krise ist vor der Krise.

Honigdachs #41 – Bitcoin in der Türkei

Die 41. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin und die Blockchain zu reden auf Dauer zu wenig ist. (Abonnieren)

Honigdachs #41 – Bitcoin in der Türkei

Eigentlich hatten wir ja versprochen, als nächstes über den sicheren Umgang mit Bitcoin sprechen zu wollen. Nur hatten wir dabei leider nicht bedacht, dass Sommerferien sind und wie schwer es da ist einen gemeinsamen Aufnahmetermin zu finden. Doch dann tauchte plötzlich dieser bemerkenswerte Tweet auf, der die Türkei hinsichtlich der Nutzung als DAS Bitcoin-Land schlechthin krönte. Noch vor den USA, Deutschland oder Argentinien. Wer hätte das gedacht?

https://twitter.com/TheCryptoDog/status/1159172659785003008

Also habe ich kurzerhand Philipp Mattheis zum Gespräch ans Mikro gebeten. Er ist Auslandskorrespondent, (lebt noch) in Instanbul, hat lange Zeit u.a. für die Wirtschaftswoche von dort und dem Nahen Osten berichtet. Vor allem aber kennt sich Philipp sehr gut mit Bitcoin aus, interessiert sich seit vielen Jahren für das Thema und hat mit Kryptopia ein tolles Buch über dieses faszinierende „Land“ geschrieben.

Ob er die Statistik für plausibel oder realitätsfern hält und wie es um Bitcoin in der Türkei und anderen nah- und fernöstlichen Ländern steht, erfahrt ihr auf unserem kleinen Honigdachs-Ausflug nach Istanbul (not Constantinople)

Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick

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Bitcoin als Organismus betrachtet

Ich weiß nicht, ob es unausweichlich ist, aber es ist zweifelsohne erstaunlich, wie Menschen, die sich mit Bitcoin auseinandersetzen, irgendwann dabei landen, Bitcoin mit etwas Organischem zu vergleichen. Egal ob Tiere, Pilze, Pflanzen oder einfach nur „Organismus“ – die Anlehnungen aus der Natur, um Bitcoin und seine Eigenschaften zu beschreiben, sind mittlerweile ebenso zahl- wie abwechslungsreich.

Ich selbst habe schon vor Jahren ebenfalls in die Richtung gedacht, bin nur nie soweit gekommen, einen Artikel dazu zu schreiben. Am Ende aber – und das war von diesem Standpunkt nicht beabsichtigt – haben ja auch wir uns vor Jahren schon dazu entschieden, unseren Bitcoin-Podcast nach einem Tier zu benennen, das oft zur Beschreibung von Bitcoin herangezogen wird: der Honigdachs.

Bitcoin lebt!

Mittlerweile sind jedoch eine ganze Reihe Artikel erschienen, die explizit auf die Parallelen zwischen Bitcoin und dem Aufbau und der Entwicklung verschiedener Organismen verweisen. Mit deren Argumentation lohnt es sich auseinanerzusetzen, denn manche Aspekte von Bitcoin – zum Beispiel dessen evolutionäre Entwicklung – lassen sich meines Erachtens ohne biologische Konzepte wie die Evolution eben nicht wirklich beschreiben.

Hier mal ein Beispiel-Snippet aus einem Artikel von Ralph Merkle, auf dessen kryptographischer Grundlagenarbeit der Bitcoin-Organismus quasi wächst.

Briefly, and non-technically, Bitcoin is the first example of a new form of life. It lives and breathes on the internet. It lives because it can pay people to keep it alive. It lives because it performs a useful service that people will pay it to perform. It lives because anyone, anywhere, can run a copy of its code. It lives because all the running copies are constantly talking to each other. It lives because if any one copy is corrupted it is discarded, quickly and without any fuss or muss. It lives because it is radically transparent: anyone can see its code and see exactly what it does.

Bitcoin als Organismus – Eine Artikelsammlung

Bild: Ornamism Specimen (CC BY-NC 2.0)

Die richtigen Bitcoin-Gebühren finden

Mit den Gebühren für Bitcoin-Transaktionen ist das so eine Sache. Meist zahlt man zuviel, weil die Wallet natürlich die beste User Experience bieten möchte. Dementsprechend versucht sie zu vermeiden, dass eine Transaktion zu lange im Mempool herumschwirrt, bevor sie endlich von einem Miner aufgegriffen und in die Blockchain geschrieben wird. Die Zahlung sollte hingegen so schnell wie möglich verarbeitet werden und im Zweifel wird sie dabei eben durch eine lieber etwas höher angesetzte Transaktionsgebühr für die Miner attraktiver gemacht.

Natürlich macht das jede Wallet etwas anders, aber im Großen und Ganzen ist das das Prinzip wie eine Bitcoin-Wallet im Standardfall die Gebühren berechnet. Weil sie dabei aber auch noch auf die Analyse von Gebühren aus der Vergangenheit zurückgreift, anhand derer sie versucht abzuschätzen, wie viele Gebühren man wohl in Zukunft für eine Bitcoin-Transaktionen ausgeben sollte, zahlt man unterm Strich immer etwas zu viel. Und wenn alle immer etwas zu viel zahlen, steigen die Preise, obwohl sie das eigentlich gar nicht müssten.

Bitcoin-Gebühren selber setzen

Wer diesem „Teufelskreis“ entfliehen möchte, kann dagegen die Gebühren für seine Transaktionen auch selbst einstellen. Diese Funktion bietet eigentlich jede Wallet. Der Vorteil: Je nachdem wie dringend eine Transaktion ist, kann man selbst entscheiden, wie viel man zahlen möchte. Die entscheidende Frage ist jedoch, woher weiß man, was gerade hohe und was niedrige Gebühren sind?

Mein erster Anlaufpunkt ist in dem Fall immer WhatTheFee.io von Felix Weis. Eine sehr schlanke und übersichtliche Seite, die die künftigen Gebühren abschätzt und mit deren Werten ich erfahrungsgemäß bisher immer sehr gut gefahren bin.

WhatTheFee.io – auch ohne Erklärungen nützlich

Leider stehen auf der Seite keine Erläuterungen, aber wenn man weiß, dass die Zahl in den Kästchen für Satoshi pro Byte (Sat/B) steht und das eben auch die Zahl ist, die man in der Wallet für die Gebühren angeben muss, ist der Rest eigentlich selbsterklärend.

Wer also entsprechend der abgebildeten Tabelle nahezu sicher sein will, dass seine Transaktion innerhalb eines Tages vom Netzwerk bestätigt wird, der kommt mit aktuell rund 11 Sat/B sehr gut hin. Wer es gar nicht eilig hat, kann es sogar mit der niedrigstmöglichen Gebühr von 1 Sat/B versuchen. Möglicherweise landet die Transaktion auch damit schon in wenigen Stunden in der Blockchain. Ganz Eilige müssen eben tiefer in die Tasche greifen, wobei hier die Grenzen nach oben offen sind. Bei Bitcoin darf jeder so viele Gebühren bezahlen, wie er mag.

Alternativ kann man auch einen Blick auf bitcoinfees.earn.com werfen, deren Seite ich aber nicht sonderlich übersichtlich finde. Für eine Zweitmeinung, falls nötig, reicht es aber allemal.

Mempool.space – Ansehnliche Block-Visualisierung

Eine andere praktische und sehr anschauliche Seite ist mempool.space. Hier werden die Daten der letzten paar Blöcke visualisiert und die Daten des Mempools genutzt, um die nächsten Blöcke abzuschätzen.

Links die erwarteten, rechts die bestehenden Blöcke

Manchmal füllt sich der nächste Block nur langsam mit Transaktionen. Zum Zeitpunkt des obigen Screenshots „stauen“ sich die Transaktionen aber schon bis in den vierten Block. Transaktionen werden also wieder teurer.

Wenn der mempool voll ist, sollte man Transaktionen aufschieben, wenn sie nicht dringen sind.

Das kann man auch sehr gut auf der Graphs-Seite nachvollziehen, die die historische Entwicklung der Gebühren abbildet. Besonders Interessant dabei: Bei der letzten größeren „Verstopfung“ des Mempools waren offensichtlich trotzdem die Hälfte aller Transaktionen mit nur 1 Sat/B Gebühren versehen.

Den leeren Mempool ausnutzen

Es lohnt sich also, das Einstellen der richtigen Gebühren zu üben und deren Entwicklung im Auge zu behalten. Gerade wenn wenig los ist, kann es sichnämlich lohnen, mal wieder Ordnung in sein UTXO-Set (Unspend Transaction Outputs) aka „seine Bitcoins“ zu bringen.

Aktuelles, Kritisches und Hintergründiges zu Bitcoin, Blockchain und Crypto-Kultur