($=1 -> $=0) Oder: Der schnellste Weg eine Regierung zu stürzen

Man kann von Rick and Morty halten, was man will. Eklig, abgefahren, grandios und WTF! sind nur ein paar Beschreibungen, die mir beim Schauen der Serie immer wieder durch den Kopf gehen.

Was man jedoch zweifelsohne über Rick and Morty sagen kann: In Bezug auf Storytelling hat in dieser Serie eine Klasse erreicht, die ihresgleichen sucht. Dicht, verwoben, begeisternd und voller subtilem Tiefgang, mit dem der Finger immer präzise in die Wunde gelegt wird.

Nehmen wir zum Beispiel die Frage, wie man die intergalaktische Regierung am schnellsten vernichtet. Krieg und Konflikt? Viel zu umständlich. Wesentlich wirkungsvoller ist es, mal eben den Wert der zentralisierten Währung zu manipulieren. Nach unten. Die Folgen davon sehen dann in etwa so aus:

Das Ganze ist natürlich vollkommen fiktiv und könnte in der Realität niemals passieren. Niemals.

Wer sich mehr für das Storytelling-Konzept des Rick and Morty-Schöpfers Dan Harmon interessiert (es lohnt sich wirklich!) findet hier mehr Informationen.

R.I.P. all ihr Altcoins

Ich weiß nicht, wer sich die Seite altcoinobituaries.com ausgedacht hat, aber ich mag den Humor. Denn dort werden in trefflich pointierten „Todesanzeigen“ einige der prominenteren Altcoins verbal zu Grabe getragen, die rückwirkend betrachtet doch nicht hielten, was mitunter vollmundig versprochen wurde. Darunter zum Beispiel:

  • Dogecoin – „Dogecoin! You were fun. We’re sorry your cute face couldn’t save you!“
  • Steem – „Steem was a revolutionary new way to write articles on the internet and lose money at the same time.“
  • Auroracoin – „All of Iceland is using it. We promise!!!!!!“
  • Namecoin –  „Namecoin, we’re sorry to see you go. We actually kind of liked you“ 
  • Vericoin –  „Looks like the zombie tried to come back a few times, but ultimately fell into its grave.“ und viele mehr.
Lieber ein Ende mit Schrecken …

Das muss man nicht mögen und kann bei dem ein oder anderen Projekt auch anderer Meinung sein, aber die jeweiligen Kursdaten, die ebenfalls angezeigt werden, sprechen schon irgendwie für sich.  Vor allem aber ist es gut, dass jemand sich mal traut, all die gescheiterten „Experimente“ für gescheitert zu erklären.

altcoin obituaries peercoin (1)
Auch Peercoin wird offiziell für tot erklärt
Totgesagte leben länger

Der einzige Altcoin, bei dem die virtuelle Todesanzeige auf altcoinobituaries.com aber vielleicht doch etwas zu früh kam, ist Litecoin, das in den letzten zwei Wochen ein recht ordentliches Comeback erlebte.

Vielleicht lohnt sich also doch auch bei dem ein oder anderen vermeintlich totgesagten Projekt noch ein Fünkchen Hoffnung? (Ja, ich schiele auf dich, Dogecoin! Raffst du dich auf und steigst noch einmal in das Rennen ein?)

Bitcoin und andere Altcoin-Kurse auf einen Blick

Ich bin schon seit einer ganzen Weile auf der Suche nach einem guten Tool, um den Überblick über die Kursentwicklungen verschiedener Kryptowährungen zu behalten. Gerade in letzter Zeit geht es am Altcoin-Markt ja mächtig ab. Ethereum, Dash, Litecoin, Ripple – es gab in den letzten Wochen auffällig viele Kurssteigerungen von bis zu 150 Prozent binnen weniger Tage, von Projekten, die eigentlich nicht ins klassische Pump and Dump-Schema passen.

Altcoins profitieren vom „Stillstand“ bei Bitcoin

Wobei auch in diesem Fall wieder einmal weniger die jeweiligen Kryptowährungen selbst, sondern vor allem Bitcoin die Ursache ist. Denn die vermeintlich festgefahrene Situation um die Kapazität der Blockchain ist für spekulationsfreudige Trader recht langweilig und wenn dann bspw. Litecoin Bitcoin in Bezug auf die Implementierung von SegWit überholt, ist das offensichtlich Grund genug den Kurs massiv in die Höhe zu treiben.

Das ist insofern bemerkenswert, als dass Litecoin über die Jahre sonst ja eigentlich weniger von sich reden gemacht hat und hauptsächlich von seiner Tradition zehrt. Litecoin – als quasi allererste Altcoin-Alkternative zu Bitcoin – gibt es halt schon so lange, dass das irgendwie zum Krypto-Ökosystem dazugehört.

Auch der Kurs von Dash war maßgeblich beeinflusst von der Bitcoin-Blocksize-Debatte, ebenso Ethereum. Wobei hier ohne Frage auch erneut das große Interesse der Industrie für den Preisanstieg mitverantwortlich war. Lesenswert dazu auch Tuur Demesters gestriger Beitrag:  I’m not worried about Bitcoin Unlimited, but I am losing sleep over Ethereum (+ die Kommentare).

Cryptowatch – Übersicht über die größten Kryptowährungen

In jedem Fall aber und egal aus welchem Grund ist es immer sinnvoll bei Kryptowährungen den Überblick zu behalten. Und das ist gar nicht so leicht, wenn man nicht ständig dutzende Tabs im Browser geöffnet haben will.

cryptowatch.ch
cryptowat.ch – Mehr Überblick auf einer Seite geht nicht.

Helfen kann in dem Fall dabei eine Seite wie cryptowat.ch. Die ermöglicht nämlich auf einen Blick die aktuellen Kursentwicklungen verschiedener Kryptowährungen über verschiedene Börsen hinweg zu verfolgen. Dass das nicht mit allen drölfhunderttausend Altcoins funktioniert, versteht sich von selbst. Mit Bitcoin, Litecoin, Monero, Dash, ZCash, Ethereum und Ethereum Classic  hat man aber schon mal eine ganz gute Übersicht. Zumal man sich die Ansicht auch noch nach Belieben selbst konfigurieren kann.

Interessant auch: cryptowat.ch wurde vor Kurzem von der Bitcoin-Börse Kraken übernommen, was nicht nur für den Nutzen des Projekts spricht, sondern auch ein schönes Beispiel dafür ist, wie man sich mit einer guten Idee und Herzblut im Krypto-Ökosystem einen Job schaffen kann.

Bitcoin- & Blockchain Presseschau #93

Seit der letzten Presseschau ist wieder einige Zeit vergangen. Das liegt aber nicht am Unwillen meinerseits, aktuell über Bitcoin- und Blockchain-Themen zu berichten, sondern vielmehr daran, dass ich mir wirklich vornehme, nur die Links hier mit aufzunehmen, die den Klick (mindestens für ein paar Tage) auch wirklich wert sind.

An irgendwelchen Artikeln, Videos, Posts und Pressemitteilungen mangelt es keineswegs. Im Gegenteil – mein Postfach, RSS-Reader und sonstige Quellen sind jeden Tag proppevoll. Tendenz wachsend. Aber wenn man ehrlich ist, lohnt sich aktuell der Großteil kaum zu lesen. Zu viel Irrelevanz, zu schnell veraltet, langweilig oder oftmals letztlich nur billige PR.

Doch es gibt auch die Perlen, für die sich die Suche lohnt und die ich hier wieder zusammengetragen habe. Es reicht ja, wenn sich einer die Mühe macht, die Spreu auszusortieren. Falls du das auch so siehst und deine Zeit lieber sinnvoll einsetzt, freue ich mich wie immer über eine kleine Spende. Danke!

Bitcoin. Das Fünf-Minuten-Problem – Süddeutsche Zeitung

Ein gut geschriebener Artikel, der Bitcoin in seiner aktuellen Situation verständlich einordnet. Fazit: Es gibt durchaus vielversprechende Anwendungsszenarien, aber für den großen Durchbruch ist die Technik noch nicht ausgereift genug. Besonders gut liest sich der Artikel in Ergänzung zum gestrigen Blogpost, in dem es darum geht, wie das Berliner Bitcoin-Startup Bitwala das Geschäftsmodell der Banken angreift. In diesem Artikel wird nämlich mit Bitbond auf ein anderes Berliner Bitcoin-Startup eingegangen, das die gleiche Mission, aber eine leicht andere Ausrichtung hat.

Einzig der Schluss ist etwas zu engstirnig geraten. Es gibt bei Weitem nicht „nur zwei Szenarien“ für Bitcoin (die laut Artikel beide eher suboptimal sind). Immerhin beweist der im Bericht ebenfalls portraitierte Bitcoin-Pionier Jörg Platzer mit der dieses Wochenende im Room 77 stattfindenden S3ND – Bitcoin Wallet Standard Development Initiative ganz aktuell, dass auch an anderen Szenarien fleißig gearbeitet wird.

How an Anarchist Bitcoin Coder Found Himself Fighting ISIS in Syria – Wired

Diese Geschichte über Amir Taaki sollte man auf vielen Gründen unbedingt lesen. Nicht nur, weil Taaki ohnehin ein umstrittener Charakter ist, sondern auch, weil sie intensiv und anschaulich verdeutlicht, wie breit das ideologische Spektrum innerhalb der Bitcoin-Community ist. Den einen geht es nur ums Geld. Anderen geht es um viel, viel mehr. Genau diese Heterogenität macht Bitcoin stabil.

99% of Blockchain Startups Are Bullshit – Jamie Burke

Interessante, ausführlich erläuterte These: Reine „Blockchain-Startups“ sind mangels Geschäftsmodell zum Scheitern verurteilt. Was laut Burke jedoch funktionieren kann, ist, wenn man Blockchain als Basistechnologie mit anderen Anwendungen/Trends kombiniert: 3D, AI, Robitics etc. Als Investor hat er daher für sich den Terminus Blockchain+ entwickelt. Ein hoffnungsvolles Zeichen für das langerwartete Ende des hohlen Blockchain-Hypes.

The Bitcoin Balance of Power Poster – Audun Gulbrandsen

Audun Gulbrandsen hat sich die Mühe gemacht, die komplexe Verteilung der „Macht“ bei Bitcoin einmal detailliert aufzuschlüsseln. Denn so wie wir aus vielen Bereichen unserer Gesellschaft eine Gewaltenteilung und -verschränkung kennen – einfachstes Beispiel: Legislative, Judikative, Exekutive – sind letztlich auch bei Bitcoin verschiedene Institutionen bzw. Gruppen daran beteiligt, dass das ganze überhaupt funktionieren und langfristig Wert entwickeln kann: Nutzer, Miner, Entwickler, Wallet-Anbieter, Börsen etc.

Wer also mehr von der aktuellen Blocksize-Debatte verstehen und sich nicht nur auf twittertauglich, aber oft zu sehr vereinfachte Thesen verlassen will, sollte sich diesen Artikel durchlesen. Checks and Balances, wie es im Englischen etwas treffender beschrieben wird, ist (nicht nur im Falle von Bitcoin) ein sehr interessantes Thema.

The Bitcoin Balance of Power Poster
Von wegen apolitisch: Die Gewaltenteilung- und verschränkung bei Bitcoin
Bitcoin Scaling Debate. Explain Like I’m 5 Years Old – Wyre

ELI5 (Explain like I’m 5) ist im Netz zu einem beliebten Format geworden, um komplexe Themen auf wirklich einfache Beispiele herunterzubrechen, die selbst ein Fünfjähriger verstehen können sollte. Klappt nicht immer, lohnt sich aber trotzdem oft zu lesen.

Michael nimmt sich der Blocksize-Debatte an. Als Ergänzung zu seinem Post verweise ich gerne noch auf die aktuelle Folge des Honigdachs-Podcasts, in dem wir dieselbe Thematik, aber etwas ausführlicher, besprechen.

Reg now behind invisible HTML5 Bitcoin paywall – The Register

Schöne Idee von The Register: Um sich einen zusätzliches Einkommen zu generieren, das niemandem weh tut, setzt die IT-Fachseite ab sofort auf eine unsichtbare HTML5-Bitcoin-Paywall.  Die funktioniert so, dass jeder Browser, der die Seite besucht im Hintergrund automatisch per JavaScript zu minen beginnt. In der Summe von vielen Millionen Lesern soll sich das angeblich rechnen. Wenn man die Seite nicht unterstützen will, kann man JavaScript im Browser natürlich auch deaktivieren. Schöner Effekt: Ob man selbst zum Miner geworden ist, sieht man durch ein leichtes, rhythmisches Ein- und Ausblenden des Textes, den man liest. Wie das funktioniert, sieht man auf dieser Seite. Es lohnt sich dabei auch ein Blick auf das Veröffentlichungsdatum.

By reading this article, you’re mining bitcoins – Quartz

Ganz und gar nicht aprilig ist dieser Artikel von Quartz, dem ein ähnlicher Ansatz wie im vorigen Beitrag zu Grunde liegt, bei dem es aber nicht um schnöden Profit geht, sondern darum, das Prinzip Bitcoin anschaulich zu erklären: Mining, Double Spending, Hashes, Proof of Work – Wer einen soliden Blick hinter die „Magie“ werfen will, die Bitcoin am Laufen hält, ist hier richtig. Dass der Artikel schon dreieinhalb Jahre alt ist und trotzdem noch aktuell, zeigt seine Qualität.

Ethereum und der „Proof of Death“

Ethereum ist damit wohl endgültig in der Mitte der Gesellschaft angekommen, oder? Immerhin ist es Dank The Catch S02E03 jetzt wohl auch Teil der modernen Popkultur.

Ich erinnere an dieser Stelle aber noch einmal gerne an den Tweet von Vlad Zamfir, der zeigt, wie viel Fiktion in der obigen Drehbuch-Variante vom Proof of Death steckt.

 Props & Credits

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Titelbild: “Zeitungsausträger” Flickr-User barmala (CC BY 2.0)

Wie ein deutsches Bitcoin-Startup die Banken angreift

Die Deutsche Welle hat für ihr Programm Made in Germany die Jungs des Berliner Bitcoin-Startups Bitwala besucht. Herausgekommen ist ein kurzweiliger und informativer Beitrag über Das boomende Geschäft mit den Bitcoins, das Banken und anderen beteiligten Finanzinstituten das bislang sehr lukrative Geschäft mit teuren Auslandstransaktionen aus der Hand nehmen soll.

Deep inside Bitcoin-Hardware-Wallets

Ich bin vor Kurzem im Netz auf stellaw.info gestoßen, einen nerdigen Blog, auf dem sich gbg sehr intensiv mit Hardware-Wallets auseinandersetzt und diese auf Herz und Nieren überprüft. Inklusive auf- und ggf. kaputt machen, versteht sich.

Bitcoin-Wallets: Aufmachen, anschauen, selber bauen

Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Passion, mit der er sich den Geräten widmet oder eigene Projekte durchführt (wie bspw.
I built my own Trezor clone: DINOSAUR HIPHOP ZERO
), sondern auch, wie viele Modelle er schon getestet hat, von denen ich bislang noch nie etwas gehört habe.

Wobei das eine aber auch mit dem anderen zu tun haben könnte. Denn gbg ist zu Recht durchaus kritisch. Aber genau das macht seine Arbeit so wertvoll. Denn wer will seine Bitcoins schon einem Stück Technik anvertrauen, das niemand auf Herz und Nieren geprüft hat?

Bitcoin-Bastler aus Leidenschaft

Fun fact: Eine früheres Projekt von gbg war es, seine uralte NES-Spielekonsole in einem Bitcoin-Miner zu verwandeln. Nicht wegen des Profits, sondern einfach, weil es möglich ist. Und um dieses Projekt wiederum ging es vor mehr als drei Jahren im allerersten Beitrag hier im Blog.

Honigdachs #15 – SegWit, Blocksize, Scaling und andere Fragen

Die 15. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan (bitcoinprivacy.net), Manuel (guidap.de) und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin und die Blockchain zu reden auf Dauer zu wenig ist.

Honigdachs 15 – SegWit, Blocksize, Scaling und andere Fragen

Nach langer Zeit haben wir es nun endlich geschafft, die 12.000 Kilometer bis nach Chile technisch mit einer mehr oder weniger stabilen Lösung zu überwinden: dem guten alten Telefon.

Wir sprechen daher dieses Mal wieder zu dritt  und können uns damit endlich den Fragen widmen, die sich seit geraumer Zeit angesammelt und nichts an Aktualität eingebüßt haben.

Konkret geht es dabei vor allem um die gefühlt sich immer weiter zuspitzende Dramatik um die Blocksize mit Bitcoin Core und SegWit auf der einen und Bitcoin Unlimited auf der anderen Seite. Zwei Lager, die an verhärteten Fronten um die Deutungs- und Entscheidungshoheit über Bitcoin konkurrieren und die Nutzer in Geiselhaft genommen haben. Oder ist es doch ganz anders? Alles nur heiße Luft und am Ende bleibt alles, wie es ist?

Drei Forks in der Leitung

Wir besprechen das ausführlich, streifen auch noch das Thema Hash Rate, Altcoins mit erhöhter Privatsphäre, unser aller Lieblings-Banken-Konsortium R3 und lassen uns dabei auch von drei zwischenzeitlichen Gesprächs-Forks in der Leitung nicht stoppen. Honeybadger doesn’t give a shit!

Die Shownotes – dieses Mal nicht so viele – gibt’s wie immer nach dem Klick.

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Sind Tatort-Zuschauer zu doof für Bitcoin?

Ich persönlich kann mit dem Tatort und dem ganzen Wind, der darum gemacht wird, nichts anfangen. Insofern kann ich auch zu dem gestrigen Tatort nicht viel sagen.

Außer dass es da wohl irgendwie um das Darknet ging und (so die Kommentare bei Twitter & Co.) die Macher mal wieder ganz tief in die Klischee-Kiste gegriffen haben, um aus diesem Thema irgendwie einen Krimi zu basteln. Z. B.. soll wohl irgendwie das Netzkabel vom Laptop gekappt worden sein, um diesen vor unbefugtem Zugriff zu schützen.

Vielleicht war es auch anders. Aber allein, dass ich es für realistisch halte, dass so etwas in einem Tatort ernst gemeint sein könnte, erklärt vermutlich ganz gut, warum ich mich nicht für das Format interessiere.

Kein Darknet-Tatort ohne Bitcoin

Bitcoin war gestern übrigens auch irgendwie Thema. Ist in Hinblick auf die Tatort-Drehbuch-Logik aber auch nur vorhersehbar konsequent: Kein Darknet ohne Bitcoin.

Interessant ist dazu auch die Tatort-Kritik vom SWR3:

„Darknet? Der Kommissar selbst hat offenbar noch nie was davon gehört. Borowski muss sich auch die gängigsten Smartphone-Anwendungen erklären lassen, selbst der seit Jahren in jeder Zeitung durchgekaute Begriff „Bitcoin“ ist für Borowski ein Fremdwort. Deswegen wird ein digitalisierter „Comic-Borowski“ – Achtung Kunst – in einer Trickfilm-Sequenz durch dieses geheimnisvolle Internet geführt und ist danach ein bisschen schlauer.“

Brauchen Tatort-Zuschauer die Maus, um Bitcoin zu verstehen?

Verwunderlich ist jedoch, dass im Vorfeld des Ausstrahlung gestern in der Tatort-Sektion der ARD-Mediathek  ein kurzes Video aufgetaucht ist, in dem Armin Maiwald von der Sendung mit der Maus erklärt, was Bitcoins sind.

bitcoin maus armin maiwald 1
Drei minus eins gleich zwei. Die Maus erklärt Mathe und Bitcoin auf Tatort-Niveau.

Ich will das nicht schlecht machen – Armin erklärt Bitcoin sehr gut! Allerdings wirkt das an dieser Stelle merkwürdig fehlplatziert und wirft Fragen auf. Allen voran: Warum?

Was hat dieser Clip in der Tatort.Sektion zu suchen? Glauben die Verantwortlichen, dass die Zielgruppe des Tatorts Erklärungen nicht versteht, die komplexer sind als Sendung mit der Maus-Niveau? Oder hatte man den Clip einfach irgendwo übrig? Oder war es das erste, was man im Sendespeicher fand, auf der Suche nach irgendwas mit BItcoin? (Der Weltspiegel hatte übrigens vor einiger Zeit einen ganz passablen Beitrag und eine ganze Darknet-Doku hat der NDR produziert.)

Ich weiß es nicht und will mich auch gar nicht weiter damit beschäftigen. Fazit ist aber: Bitcoin ist mittlerweile in der Sendung mit der Maus angekommen (Sieh an!) und alles, was mit dem Tatort zu tun hat, finde ich weiterhin seltsam verstörend (Sieh weg!).

 

Blockchain 3.0 – Der Whitepaper-Generator

Eine der weit verbreiteten Fehlinformationen über „Blockchain-Projekte“ ist, dass man, um ein solches ins Leben zu rufen, tatsächlich eine innovative Idee bräuchte. Oder fundierte Kenntnisse in Kryptographie. Oder ein hochqualifizierter Entwickler sein muss. Oder Ökonom. Also quasi Satoshi Nakamoto, nur besser. Satoshi Nakamoto 2.0. Oder am besten gleich 3.0!

Ein „Blockchain-Projekt“ braucht nicht viel

Letztendlich ist das alles aber ganz schön hoch gegriffen, wenn man doch eigentlich nur ein bisschen schnelles Geld machen will. Mit möglichst wenig Aufwand, versteht sich. Zumal die anhaltende Schwemme von ICOs (Initial Coin Offerings) inhaltsleerer „Blockchain-Projekte“ zeigt: das braucht man doch alles gar nicht.

Was man braucht, ist eine shiny, shiny Website, die hübsch aussieht und ganz viel verspricht, einen Social-Media-Fön, der den öden 0815-Standard-Scheiß zum nächsten richtig heißen Scheiß™ aufpustet und natürlich ein grundsolides Whitepaper,  in dem die Vision und der Weg dahin glasklar formuliert ist. Letzteres ist wahrscheinlich der aufwändigste Punkt, denn ohne Whitepaper geht es nun wirklich nicht.

Zum Glück muss man sich darum jetzt auch keine Sorgen mehr machen, denn mit dem Blockchain 3.0 Whitepaper Generator von Koinster lässt sich auch das nun mit wenigen Klicks zusammenstellen.

Jetzt das The Coinspondent-Whitepaper lesen!

Ich hab das direkt ausprobiert und präsentiere hiermit das offizielle The Coinspondent-Whitepaper mit dem knackigen Titel: Deine Muddi: Secure Decentralised Generalised One-time Ring Signature Peer-to-Peer Scalable Off-Chain Untraceable Electronic Instant Cash System and MimbleWimble Transaction Ledger Consensus Algorithm

deine muddi blockchain
Zum Lesen klicken
Deine Muddi hat ’nen Feuchten Händedruck

Auf 105 Seiten (kürzer ging es wirklich nicht!) wird dort sachlich, logisch und absolut überzeugend argumentiert, warum es eine absolut gute Idee ist, ich sag mal 1000 Bitcoins oder besser noch mehr an diese Spendenadresse zu schicken. Immerhin bekommt ihr dafür eine wirklich einmalige Kryptowährung, mit ganz besonderen Eigenschaften, wie die folgenden Whitepaper-Auszüge ja bereits überzeugend zeigen.

„Feuchter Haendedruck“ is the main internal crypto-fuel of Deine Muddi, and is used to pay transaction fees.“

„Users would thus need to „activate“ their accounts with Feuchter Haendedruck, but once the Feuchter Haendedruck is there it would be reusable because the contract would refund it each time.“

„Suppose that the contract’s storage starts off empty, and a transaction is sent with 10 Feuchter Haendedruck value, 2000 gas, 0.001 Feuchter Haendedruck gasprice, and 64 bytes of data, with bytes 0-31 representing the number 2 and bytes 32-63 representing the string CHARLIE.“

Also los! Öffne deine Wallet und

Unterstütze Deine Muddi!

Die obligatorische Social Media-Kampagne hab ich übrigens auch schon gestartet.

Unterstütze deine Muddi

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Bigger than bitcoin

ETF abgelehnt. Bitcoin reagiert gelassener als erwartet

Gestern Abend zu (hierzulande) später Stunde hat die US-Börsenaufsicht (SEC) nach jahrelanger Bearbeitungszeit und vielem hin und her ihre Entscheidung verkündet, den von den Winklevoss-Brüdern beantragten Bitcoin ETF nicht zu genehmigen. (Mehr zum Hintergrund hier).

Ablehnung des Bitcoin ETF nicht überraschend

Man kann nicht sagen, dass diese Entscheidung überraschend kam. Bei meiner spontanen kleinen Twitter-Umfrage gestern glaubten nur 48 Prozent an eine Zustimmung der SEC. Etwas mehr als die Hälfte war skeptisch.

Unterm Strich deckte sich diese letztlich sehr knappe Unentschlossenheit auch mit der Stimmung, die vorab in vielen anderen Umfragen und Vorhersagen im Bitcoin-Ökosystem kursierten. Wobei nicht wenige auch einfach nur auf einen rakentenhaften Kurszuwachs im Falle einer Zustimmung und damit letztlich auf schnelles Geld hofften.

Enttäuschung kaum spürbar

Doch auch wenn sich die Enttäuschung über die Ablehnung des Bitcoin ETF – wie erwartet – in einem sofortigen Kurseinbruch zeigte, fielen die Reaktionen insgesamt deutlich weniger dramatisch aus, als von manchen im Vorfeld befürchtet. Der Kurs fing sich sehr schnell wieder und begann sofort wieder zu steigen.

Auch das ist wenig verwunderlich. Denn es gab in den vergangenen Jahren kaum eine Gelegenheit, bei der man zeitlich so genau auf eine 50:50-Chance hoffen konnte, verhältnismäßig billige Bitcoins zu kaufen.

„Billig“ hat bei Bitcoin eine ganz eigene Bedeutung

Wobei die Definition von „billig“ in diesem Zusammenhang für viele offenbar direkt mit der symbolisch wichtigen 1000 US-Dollar-Marke verbunden war. Aber auch darüber hinaus scheint (außer den Winklevoss-Brüdern vielleicht) kaum einer diesem Bitcoin ETF ernsthaft eine Träne nachzuweinen.

Erleichterung und Rückbesinnung auf Bitcoins wahre Werte

Vielmehr äußern viele direkt ihre Erleichterung und zwischen den Zeilen der anderen schimmert die Rückbesinnung auf die ursprünglichen Werte der Bitcoin-typischen, rebellischen Unangepasstheit durch.

Dass der Bitcoin ETF wegen mangelnder Regulierungsmöglichkeiten abgelehnt wurde, ist ja schließlich genau der Grund, warum Bitcoin heute so groß und relevant ist und weiter wächst: Niemand kann es (idealerweise) kontrollieren.

Bitcoin ist kein US-amerikanisches Phänomen

Was man an dieser Stelle aber auch noch einmal explizit betonen muss: Die vergleichsweise milden Kurs-Reaktionen sind auch ein Indiz dafür, dass man den Einfluss der USA auf Bitcoin nicht überschätzen darf.

Zwar haben viele Entwickler, Medien und Investoren US-Bezug und Englisch dominiert als Sprache die Kommunikation und Berichterstattung in der westlichen Welt. Trotzdem hatte die Entscheidung der SEC für einen Großteil der global verteilten Bitcoin-Community letztlich aber nur wenig Relevanz.

Nach dem Bitcoin ETF ist vor der Blocksize-Debatte

Alles in allem ist die langerwartete Entscheidung damit aber endlich vom Tisch und man kann in Bitcoin-Land wieder zur Tagesordnung übergehen. Es ist ja nicht so, dass es nicht noch andere, bedeutend wichtigere Baustellen gäbe. Eine nachhaltige Lösung für die noch immer schwelende Blocksize-Debatte zu finden,  ist letztlich um ein Vielfaches wichtiger für Bitcoin als ein Bitcoin ETF. Bevor es die nicht gibt, macht es wenig Sinn ernsthaft über solche Spekulations-Instrumente für den Massenmarkt nachzudenken. Insofern war die Entscheidung der SEC sowohl für die Verbraucher, die sie schützen soll, als auch für Bitcoin letztlich eine gute.

In jedem Fall können wir aber festhalten: Die Auswirkungen, die einzelne Ereignisse auf Bitcoin haben, selbst wenn sie mit so großem Interesse verfolgt werden wie dieses, werden kleiner. Das ist eine sehr, sehr positive Entwicklung in Richtung Stabilität und Zuverlässigkeit.

Ach ja: Bitcoin ist tot! mal wieder …

Und bevor wir es vergessen. Falls recherchefaule Redakteure für das Thema noch eine hübsche Clickbait-Schlagzeile suchen. Wie wär es hiermit:

https://twitter.com/jamesjcousins/status/840506257920413696

Aktuelle, kritische und hintergründige Informationen zu Bitcoin, der Blockchain und digitalem Wandel