Bitcoin – Ein Zwischenstand

Die Kollegen von CoinDesk haben vergangene Woche eine State-of-the-art-Präsentation zum Thema Bitcoin veröffentlicht, die durchzuklicken sich durchaus lohnt, denn die 91 Slides sind eher bild- als textlastig und geben in ihrer Gesamtheit einen ganz guten Überblick wie es eigentlich so grundsätzlich steht ums Bitcoin-Universum. Den zugehörigen Artikel gibt es hier.

Ode to Satoshi

Country hat ja die Angewohnheit sich gerne mal mit schmissigen Melodien und einem hurtigen Takt ins Ohr zu schmeicheln und dort für längere Zeit als Loop zu verweilen. John Barrett nutzt das mit seiner Ode to Satoshi gnadenlos aus, ist aber ein zu talentierter Musiker, als dass man ihm deswegen böse sein könnte. Außerdem ist der subtile Jesus-Vergleich so schön selbstironisch:

„Well Satoshi Nakamoto that’s a name I love to say
And we don’t know much about him,
but he came to save the day
When he wrote about the way things are
and the way things ought to be
He gave us all a protocol this world had never seen“

Die ganzen Lyrics gibt’s in der Videobeschreibung bei YouTube das Lied mit Standbild hier:

Bitcoin-Pop im „Wissensmagazin“

Man darf ja von der Pro Sieben-Sendung Galileo halten was man möchte, aber zumindest nimmt sie sich zwölfeinhalb Minuten Zeit das Thema Bitcoin anzugehen. Das ist aus journalistischer Sicht eine ganze Menge Zeit für einen Beitrag, die erst einmal mit Inhalt gefüllt werden will.

Tatsächlich war ich zunächst sehr skeptisch, ob es sich lohnt Die Suche nach dem Bitcoin-Millionär anzuschauen, aber die Autoren nutzen ihre großzügige Beitragszeit durchaus anschaulich und unterhaltsam für ein paar bunte Ausflüge in das Bitcoin-Ökosystem von der Bitcoin Börse Berlin bis zu einem Crowdminer, der sein Haus mit Bitcoin-Mining-Hardware heizen will. Und nebenbei werden, wenn auch sehr vereinfacht, die Grundlagen von Bitcoin erklärt.

Klar wird das Ganze in Hinblick auf die Zielgruppe an manchen Stellen vielleicht ein bisschen zu stark reduziert und ich bin mir nicht sicher, ob der typische Galileo-Zuschauer nach dem Beitrag mehr mit Bitcoin anfangen kann als vorher, aber ausgeschlossen ist es auch nicht, denn neugierig macht der Beitrag in jedem Fall.

Der – Achtung Spoiler! – am Ende des Beitrags gefundene Bitcoin-Millionär ist natürlich ein geschickter und probater Kniff des boulevardesken Journalismus, das trockene Bitcoin-Thema populärwissenschaftlich anzugehen und auch wenn die etwas befremdliche Mischung aus Naivität und Neugier der Erzählerstimme einem zwölfeinhalb Minuten das Gefühl gibt sie liest die BILD-Zeitung vor, haben die Autoren meiner Meinung nach einen ganz ordentlichen Beitrag für das Galileo-Publikum (und vielleicht noch ein paar andere) gemacht.

Noch ein paar kritische Töne wären schön gewesen, aber alles in allem ganz sehenswert und eine schöne Abwechslung, wenn man sich viel mit komplexeren Themen beschäftigt und bspw. gerade versucht das Bitcoin-Protokoll in seinen technischen Einzelheiten nachzuvollziehen.

Bitcoin-Daten-Zeitreise

Genau das richtige, wenn man nach der ganzen Mt.Gox-Nachrichtenflut der letzten Tage seinen Horizont mal wieder wieder ein bisschen erweitern will um sich zum Beispiel einen fundierten Überblick über die bisherige Geschichte von Bitcoin von 2007 bis Januar 2014 zu verschaffen: History of Bitcoin.

History of Bitcoin 2

Auf einer Datenachse ordnet die Webseite diverse Meilensteine der Bitcoin-Historie und verknüpft diese mit hübschen Visualisierungen, Bildern, Links, News und Videos. Ein schönes Fundstück ist zweifelsohne der legendäre 10.000 Bitcoin-Pizzahandel von 2010.

History of Bitcoin 3

Dass die Seite nicht ganz auf dem neuesten Stand ist, ist im Hinblick auf die Dichte der aktuellen Ereignisse verständlich. Was aber definitiv noch fehlt ist eine Suchfunktion. Unter dem Schlagwort „Mt.Gox“ hätte man dann zum Beispiel das hier finden können:

History of Bitcoin 4

Sonder-Presseschau

Das Ende von Mt.Gox

Eigentlich haben alle nur noch darauf gewartet, gestern war es nun (endlich) soweit. Die ehemals größte Bitcoin-Börse Mt.Gox hat ihre Website aus dem Netz genommen, all ihre Tweets gelöscht und ein Statement gepostet:

oder anders gesagt:

Verbunden mit dem mutmaßlichen Ende von Mt.Gox ist der angebliche Verlust von rund 750.000 Bitcoins, einem – je nach Wechselkurs – dreistelligen Millionenbetrag von Anlegern auf der ganzen Welt. Dementsprechend groß waren Interesse und Resonanz in den „traditionellen“ Medien. Die journalistische Umsetzung ist jedoch nicht jeder Redaktion gleichermaßen gut gelungen. Zeit für eine Sonder-Presseschau.

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Map of Coins

Es ist wahrlich nicht leicht den Überblick zu behalten, wann wie wo welcher Altcoin entstanden ist und wie dieser mit jenem zusammenhängt. Ist der eine nur eine Abwandlung des anderen oder basiert er womöglich auf einer gänzlich anderen Funktionsweise?

Eine gute Datenvisualisierung kann in solchen Fällen helfen und die Map of Coins macht genau das. Und zwar ganz konsequent in Form einer Münze.

Screenshot mapofcoins.com2

Monat für Monat kann man abgleichen wie das Altcoin-Universum wächst und sich ausdifferenziert. Nicht nur Dataporn-Fetischisten werden daran ihre Freude haben, deshalb meine uneingeschränkte Bookmark-Empfehlung.

Litecoin-Mining in der Plastekiste

Zum Wochenstart gibt es hier mal ein schönes Video, in dem uns Maurice den Aufbau seines Scrypt-Mining-Rigs zeigt, die Komponenten erklärt und natürlich auch auf Kosten und Performance eingeht.

Bitcoins lassen sich mit diesem Miner nicht berechnen, denn die beruhen auf der SHA256-Verschlüsselung. Mit dem Scrypt-Algorithmus lassen sich hingegen Altcoins wie Litecoin oder Dogecoin minen, die beide hinter dem Bitcoin mittlerweile ebenfalls einen beachtlichen Wert erreicht haben. Im Allgemeinen sind Scrypt-basierte Kryptowährungen zwar schneller und mit weniger Aufwand zu minen, ich persönlich würde bei dem Stromverbrauch von konstant 1300 Watt aber ein schlechtes Gewissen kriegen.

Auch interessant ist der Reuters-Selbstversuch im Litecoin-Mining. Fazit: Es ist gar nicht so leicht.

Von Bitcoins und Bio-Bauern

Die Entwicklung von Bitcoin in Argentinien beobachte ich seit längerem mit großem Interesse. Nicht nur weil das Land flächen- und bevölkerungsmäßig zu den größten drei Südamerikas gehört, sondern auch weil die volkswirtschaftliche Situation in Argentinien so dermaßen aus dem Ruder gelaufen ist, dass sie mit den traditionellen staatlich-marktwirtschaftlichen Steuerungsinstrumenten kaum mehr zu kontrollieren ist. Hohe Inflation und strenge Finanzregulierungen haben zu großer Unsicherheit in der Bevölkerung geführt und die daraus entstehende Vertrauenskrise in den heimischen Peso beschleunigt wiederum die Inflation. Der klassische Teufelskreis.

Ähnlich wie in anderen finanzkrisengeschüttelten Ländern auch müssen die Menschen aber trotzdem irgendwie sehen wie sie alleine mit dieser großen finanziellen Unsicherheit zu Recht kommen. Manche, wie die Bauern der Tierra Buena-Initiative, sehen dabei in Bitcoin eine echte Alternative und die Macher von BitcoinFilm.org haben die Geschichte von Santiago Zaz und seinen Kollegen in einer sehr sehenswerten Kurzdokumentation zusammengefasst und ins Netz gestellt:

Bitcoins: Liberating Organic Farmers

Es ist im Übrigen schon der zweite Film von BitcoinFilm.org und die Jungs möchten auch noch mehr Dokumentationen über Bitcoin im Alltag von Menschen in Argentinien und auf der ganzen Welt drehen. Dafür sind sie auf der Suche nach beidem, guten, persönlichen Geschichten und finanzieller Unterstützung. Beides kann man ihnen über ihre Website zukommen lassen, die – so hoffe ich – deswegen ein bisschen hinterher ist, weil sie gerade mit neuen Filmen beschäftigt sind.

Wen es jetzt selbst in den Fingern juckt einen Film zum Thema Bitcoin zu machen und wer just in diesem Moment eine passende Musik dafür sucht, darf gerne auf den Soundtrack von BitcoinFilm.org zurückgreifen, der explizit für jeden Film mit Bitcoin-Bezug freigegeben ist.

Und weil heute Samstag ist und wir alle ein bisschen mehr Zeit haben hier noch der ebenfalls sehr sehenswerte erste Film von BitcoinFilm.org:

Bitcoins in Argentina

Aktuelles, Kritisches und Hintergründiges zu Bitcoin, Blockchain und Crypto-Kultur