TTT zu BTC

Das ARD-Kulturmagazin titel thesen temperamente hat sich dem Thema Bitcoin angenommen und in einem angenehm unaufgeregten Beitrag einen durchaus erhellenden Bogen von Bitcoin im Allgemeinen über die Währungssituation in Argentinien bis hin zu Auroracoin, dem isländischen Regional-Altcoin-Projekt gezogen.

An dem Beitrag gibt es – wie bei ttt zu erwarten – absolut nichts auszusetzen. Mir scheint einzig, dass die Autoren am Ende sehr viel brauchbares Interviewmaterial zur Verfügung hatten, letztlich aber nur diesen kleinen Sendeplatzhappen bekommen haben. Den haben sie auf jeden Fall gut genutzt und vielleicht kommt da ja noch mehr. Irgendwann.

Den TTT-Beitrag gibt es hier, bis die ARD-Rechtsaufseher am 9.3. den Stecker ziehen.

Bitcoin-Icons für lau

Das hier ist ein wahres Goldstück für jeden, der auch nur irgendwie in entferntester Weise mit Web- und Grafikdesign zu tun hat, denn Reddit-User mmmSausage hat ein Set mit 56 Bitcoin-Icons erstellt und dieses zum kostenlosen Download zur Verfügung gestellt!  Hier noch ein Snippet der beigefügten Nutzungsrechte:

  • These icons are free to use for personal and commercial digital and print projects.

  • They are not allowed to be resold in any capacity.

  • They are not allowed to be reused in any logo related form.

  • If you want to ask any questions regarding my work or hiring me you can message me via my website at www.joelandy.co.uk

Die Icons gibt es als ai-Datei oder als pdf, nach dem Klick hab ich noch ein paar Vorschaubilder des Sets hochgeladen und wer die Arbeit von Joe zu schätzen weiß, ist selbstverständlich eingeladen ihm für seine Mühen ein paar Bitcoin zukommen zu lassen.

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Ab ins Bitcoin-Resort Pt. II

Vor ein paar Wochen habe ich über das First-Bitcoin-Ressort auf Zypern berichtet, eine Appartementsiedlung am Meer speziell für Bitcoiner (Bitcoinerinnen? Bitcontainer? Gibt’s dafür schon einen Begriff?).

Damals hielt ich das ganze für eine lustige, halbernst gemeinte Idee und habe das mehr so aus Neugier beobachtet. Auf der Inside Bitcoins Konferenz in Berlin saß ich nun aber zufällig direkt neben Udi Ilan, dem Präsidenten der hinter dem The First Bitcoin Resort stehenden Immobilienfirma und nachdem er mir sein Faltblatt in die Hände gedrückt hat, habe ich die Gelegenheit genutzt ihm mal ein paar Fragen zu stellen. Hier nun die Antworten zusammengefasst.

Bitcoin resort

Zunächst einmal das Wichtigste: Das Bitcoin-Resort gibt es tatsächlich. Die ganze Anlage steht schon und von den rund 400 Wohnungen sind ungefähr 160 bereits verkauft. Allerdings haben noch nicht wirklich viele Eigentümer ausschließlich in Bitcoin bezahlt. Genaugenommen bisher nur zwei, einer aus Schweden und einer aus Großbritannien. Man kann die Wohnungen nämlich auch ganz klassisch in Rubel, Pfund, Kronen oder mit Öl kaufen, denn bisher kommen die meisten Interessenten aus dem Vereinigten Königreich, Skandinavien, Russland und dem Nahen Osten.

Die Preise für ein Appartement liegen zwischen 60.000 € und 250.000 € und daran orientiert sich dann auch der jeweilige Bitcoin-Preis. Um die Wertstabilität während des Kaufprozesses abzusichern – eine Wohnung zu kaufen ist ja mitunter etwas bürokratischer und zeitaufwändiger – sichert sich die Firma mit Optionen ab.

Der große Vorteil von Bitcoin sei aber, dass sich Bitcoins sowohl international schnell transferieren als auch innerhalb kürzester Zeit in andere Währungen umtauschen ließen. Ähnlich wie die Universität von Nikosia dient Bitcoin also auch hier eher als Medium des Werttransfers denn als Investitionsgut. Ein Schelm der dabei an Schwargeld, Steuerflucht oder Geldwäsche denkt.

Ganz von der Hand zu weisen ist diese Vermutung aber nicht, denn immerhin soll The First Bitcoin Resort denjenigen eine Investitions-Option bieten, die große Gewinne mit Bitcoin gemacht haben und nun nach einer Möglichkeit suchen ihr Vermögen wertstabil anzulegen. Ob und inwieweit der Gegenwertwert der Bitcoins dabei vom neuen Appartement-Besitzer zuvor zu Hause versteuert wurde, interessiert die Firma nicht. Das ist zugegebenermaßen auch gar nicht deren Aufgabe, lässt aber vor dem Hintergrund der Eurokrise weder Zypern noch den Bitcoin so richtig gut da stehen und ist am Ende wohl Wasser auf die Mühlen der Kritiker.

Pumpen ohne Muckibude

Es gibt ja verschiedene Wege sich über die aktuellen Geschehnisse zum Thema Bitcoin und digitale Währungen zu informieren. Twitter ist auch hier ein sehr effektives Mittel und wer sich dort mal ein bisschen in der Szene umschaut, wird früher oder später auf den Begriff Pump & Dump stoßen, eine Form der Kursmanipulation, die bereits vom Aktienmarkt bekannt ist.

Dabei geht es – ganz kurz gesagt – darum durch eigene Verkäufe den Kurs zu drücken, um sich später bei einem niedrigeren Kurs wieder einzukaufen und so insgesamt die eigenen Anteile zu erhöhen oder andersherum durch eigene Ankäufe die Nachfrage zu steigern und den Preis hochzutreiben um dann im großen Stil mit Gewinn zu verkaufen. In beiden Fällen versuchen die Akteure eine Eigendynamik des Kurses zu provozieren und in der Regel sind es unerfahrene Händler, die bspw. durch Panikverkäufe die Gewinne der Dump & Pump-Initiatoren finanzieren.

Seitdem nun mehr nicht nur Bitcoins einen gewissen Wert erreicht haben, sondern auch hunderte verschiedene Altcoins mit nur wenigen Klicks an Bitcoin- und Altcoin-Börsen gehandelt werden können, lassen sich mit Pump & Dumps auch bei digitalen Währungen attraktive Gewinne erzielen. Vorausgesetzt man schafft es eine gewisse Diskretion zu bewahren.

Insofern ist es vermutlich nicht im Interesse der Pump & Dump-Profiteure, dass bunnydog auf Reddit eine exemplarische Beschreibung eines erfolgreichen Altcoin-Pump & Dumps gepostet, eine lebhafte Diskussion ausgelöst und damit wichtige Auklärungsarbeit zum besseren Verständnis undurchsichtiger Kursmanipulationen an Börsen – online wie offline – geleistet hat.

Doge Defender Episode #1: How a Pump and Dump Works – Reddit

Bildnachweis: „We got control“ Flickr-User !unite (CC BY 2.0)

Solide, charmant, aber …

Eigentlich ist das ein wirklich sehenswerter Beitrag geworden, den das EinsFestival-Format PULS da zu Bitcoin gemacht hat. Abwechslungsreich, vielseitig und vor allem unterhaltsam. Das ist alles in allem schön anzuschauen, …

… wären da nicht zwei Dinge, die den ersten Eindruck trüben.

Da ist zum einen dieser gestriegelte Bitcoin-Kritiker, dessen einzige Qualifikation für diesen Beitrag in „hat im Nebenfach BWL studiert“ zu bestehen scheint, der ansonsten aber nicht so richtig Ahnung von der Materie hat und dies mit einer unsympathischen Von-oben-herab-Attitüde zu überspielen versucht.

Um das klar zu stellen, ich finde Bitcoin-Kritik wichtig, aber mir scheint, dass viele Medien Schwierigkeiten haben solide Gesprächspartner (Contra-Bitcoin) zu finden, die ihre Argumentation aus einer tatsächlichen intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema und nicht durch die Übernahme fremder Meinungen, aus BWL-Grundkursbüchern oder qua Amt gewonnen haben.

Der zweite Kritikpunkt betrifft das Ende des Beitrags, der mit Aussagen der beiden Protagonisten wie

„… dann ist das ja an sich eine ganz schöne Idee mit dem alternativen Währungssystem. Wird bloß ’ne Illusion bleiben und unsicher ist das Ganze auch noch.“

und

„Man muss halt sagen am Ende ist es nur ein nettes Spielzeug für IT-Nerds und Broker mit viel Spürsinn. Eine Art Kasino, braucht man eben Glück, wenn man damit Geld machen will.“

das Thema Bitcoin nicht ganz nachvollziehbar als bereits gescheitertes Experiment darstellt und damit dem zurvor im Beitrag erarbeitete Bild wiederspricht, das sich Bitcoin noch in einem frühen Stadium eines Entwicklungs- und Ausprobierprozesses befindet, den man befürworten oder kritisieren kann.

Anstatt hier plötzlich ein rein negatives, statisches Fazit zu ziehen, das klingt als wäre es direkt vom BWL-im-Nebenfach-Mann übernommen, hätten die beiden Protagonisten hier in einem Zwischenergebnis noch einmal Pro und Contra gegenüberstellen müssen und einen Ausblick auf laufende Entwicklungsprozesse und weiteren Anwendungsideen für die Zukunft geben können.

So fragt man sich ein wenig verwirrt, warum die Meinung des BWLers am Ende plötzlich gewonnen hat und zurück bleibt ein negativer Eindruck von Bitcoin bei einem ansonsten aber ganz ordentlichen Beitrag.

Bitcoin verstehen mit gutem Gewissen

Bitcoins in unter fünf Minuten zu erklären ist eine echte Herausforderung. Patrick Briggs und Matthew Rials, zwei Studenten und Mitglieder der Stanford Bitcoin Group, haben sie angenommen und ihre Website trybtc.com löst das Problem auf elegante Weise.

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Anstatt langer Texte, komplexer Slides oder überladener Infografiken lassen sie den User einfach selber machen. Ganz nach dem Motto: „Hier hast du eine Wallet und ein paar Bitcoins, versuch doch mal, ob du sie einer wohltätigen Organisation spenden kannst.“

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Die Methode würde ich einfach mal aktive, handlungsorientierte Bitcoin-Pädagogik bezeichnen und ist meines Erachtens der richtige Weg dem Thema Bitcoin das Grauen der Technikkomplexität etwas zu nehmen. Was mir auch sehr gut gefällt: es sind noch mehr Tutorials auf trybtc.com  geplant.

Times vs. Forbes

Einer der am häufigsten Fehler bisheriger medialer Berichterstattung ist es davon auszugehen, dass Bitcoin alle bisherigen Zahlungsmittel ablösen soll. Umso mehr freute es mich daher neulich diesen Satz zu lesen:

„Bitcoin isn’t designed to replace the dollar, the yen or the euro.“

Er stammt aus einem Forbes-Artikel von Mark Rogowsky, den er als Antwort auf einen New York Times-Artikel von Wirtschafts-Nobelpreisträger Robert J. Shiller geschrieben hat. Shiller hatte zuvor – aufgehangen am Mt.Gox-Drama – Bitcoin als typische „Blase“ bezeichnet. Rogowsky wiederum anwortet darauf ausführlich, mit vielen gut recherchierten Fakten und Argumenten und sichert sich ganz nebenbei mit You Don’t Need A Nobel Prize To Be Wrong About Bitcoin, But It Helps“ den Preis für the most catchy and ironic headline.

Beide Artikel sind nicht nur lesenswert, ich würde mich darüber hinaus über eine weitere Contra-Bitcoin-Antwort freuen, denn eine streitbare Dabatte dieser Art ist im Rahmen einer informativen Aufklärung wesentlich hilfreicher als die alberne Schlagzeilenjagd nach dem Phantom Satoshi Nakamoto.

You Don’t Need A Nobel Prize To Be Wrong About Bitcoin, But It Helps – Forbes

Bildnachweis: “Classic old radio 1960s or 70s style” Flickr-User theslowlane (CC BY 2.0)

Global Bitcoin Alliance

Auf der Inside Bitcoins Konferenz im Februar offiziell vorgestellt, nun endlich auch mit der Website online: die Global Bitcoin Alliance.

Hinter der GBA steht ein engagiertes internationales Team – der Begriff global ist in diesem Fall also durchaus passend –  und als ebensolch eine globale Plattform soll die GBA all diejenigen miteinander vernetzen, die sich weltweit für Bitcoin engagieren und einen besseren Austausch untereinander ermöglichen. Ob regionale Bitcoin-Organisationen, Konferenzen oder Meetups, wer künftig irgendwo Ansprechpartner und Informationen sucht, soll nur noch eine Anlaufstelle brauchen.

GBA

Das Projekt ist insofern ambitioniert, als dass alle Aufgaben auf freiwilliger Basis bearbeitet werden und auch die Finanzierung basiert zunächst nur auf Spenden. Das ist zwar konsequent im Hinblick auf die hinter Bitcoin stehenden demokratischen Ideale, kann aber dazu führen, dass bestimmte Aufgaben auch mal etwas länger liegen bleiben.

Und auch wenn man bezüglich der Usability hier und da noch ein bisschen nacharbeiten kann, macht die Seite schon jetzt einen sehr guten Eindruck. Wenn nun noch die Community dazu angeregt werden kann ihre Inhalte einzupflegen und aktuell zu halten, könnte die GBA durchaus was werden.

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