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Honigdachs #36 – Teil 2 – Ask me anything!

Hier also nun der zweite Teil unserer Honigdachs-Sonderfolge, die wir in Kooperation mit dem CryptoMonday am 18.3. live vor Publikum aufgezeichnet haben.

Honigdachs cryptomonday

Honigdachs #36 – Teil 2 – Ask me anything!

Im ersten Teil – den man hier hören kann – haben wir über die Frage diskutiert, was nach Blockchain 4.0 kommt. Im zweiten Teil des Abends, dem folgenden Podcast, ist nun das Ask me anything zu hören, also eine knappe Stunde lang Fragen von den Zuschauern.

Honigdachs #36 – Teil 1 – Was kommt nach Blockchain 4.0?

Die 36. Folge Honigdachs ist da, dem Bitcoin-Podcast, den Stefan, Manuel und ich ins Leben gerufen haben, weil uns nur einmal im Monat beim Leipziger Bitcoin-Stammtisch über Bitcoin und die Blockchain zu reden auf Dauer zu wenig ist. Hören und abonnieren kann man den Podcast über iTunesStitcherTuneInSpotify oder ganz klassisch per RSS-Feed.

Honigdachs #36 – Teil 1 – Was kommt nach Blockchain 4.0?

Vergangenen Montag gab es eine besondere Kooperation. Im Rahmen des CryptoMonday haben wir eine Honigdachs-Folge live vor Publikum aufgezeichnet. Dabei haben wir erst zu dritt über die Frage gesprochen, was denn eigentlich nach Blockchain 4.0 kommt (Hyper, Hyper!) und danach gab es ein AMA (Ask me anything), also eine Fragerunde in der uns sowohl das Publikum vor Ort als auch die Leute im Stream Fragen schicken konnten.

Honigdachs cryptomonday

Da dieses Event abendfüllende zwei Stunden lang lief, haben wir den dabei entstandenen Podcast-Mitschnitt aufgeteilt. In diesem Post gibt es mit der Podcastfolge #36a die erste Hälfte zu hören, die Fragerunde wird zeitgleich in einem zweiten Post als Folge #36b online gehen.

Lasst uns gerne häufiger diskutieren!

Insgesamt war das ein sehr schöner und erfolgreicher Abend. Vor Ort und im Stream hatten wir zusammen um die 100 bis 120 Zuschauer (und hoffentlich auch einige Zuschauerinnen). Einige sind an dem Abend sogar extra von weit her angereist, um live dabei zu sein. Das ehrt uns natürlich besonders.

Auch die Technik lief – was bei so einem Vor-Ort-Plus-Livestream-Event keine Selbstverständlichkeit ist. Für die durchwachsene Tonqualität können wir in dem Fall nichts. Das ging mit der vorhandenen Technik an diesem Abend nicht anders zu lösen.

Beim nächsten Mal wird alles besser!

Aber vielleicht beim nächsten Mal! Denn insbesondere der interaktive Frage-und-Antwort-Teil ist sehr gut angekommen und hat auch uns großen Spaß gemacht. Außerdem war das Format auch für uns auch eine Art Testballon, bei dem wir viel gelernt haben und nun all die Stellschrauben kennen, um es beim nächsten Mal noch besser zu machen.

Hier nun also erst einmal der Erste Teil des Abends, den man sich auch als Video sehen kann. Da die Aufnahmen allerdings etwas hakelig sind, empfehle ich aber doch die Audio-Variante.

Auf jeden Fall aber noch einmal großen Dank an alle, die diesen Abend überhaupt ermöglicht haben! Insbesondere Matthias (und Nadja).

Die Shownotes gibt’s wie immer nach dem Klick und zum zweiten Teil geht es hier.

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Bitcoin-Newsletter-Tipp – Chain Letter

Ich habe über die Jahre eine ganze Reihe Bitcoin- und Blockchain-Newsletter abonniert. Aber wie das so ist – erst nach einer Weile merkt man, welche man wirklich jedes Mal liest und welche man zunehmend ungeöffnet direkt in den Papierkorb weiterleitet.

Chain Letter – Bester Newsletter für den allgemeinen Überblick

Einen Bitcoin-Newsletter, den ich wirklich jedes Mal gerne lese, ist der Chain Letter von MIT Technology Review. Für mich eigentlich der beste Newsletter, wenn man mit wenig Aufwand auf dem Laufenden über die zentralen Entwicklungen von Bitcoin als Gesamtphänomen bleiben will.

Jede Ausgabe beginnt mit ein bis zwei ausführlicher erklärten und eingeordneten aktuellen Hauptthemen, die ich vor allem deswegen immer wieder gern lese, weil sie sehr gut geschrieben sind. Hier merkt man die journalistische Qualität und die Erfahrung des Herausgebers. Der Chain Letter ist nämlich nur einer von sechs tech-themenspezifischen Newslettern der MIT Technology Review.

Quer durchs gesamte Themenspektrum

Doch obwohl es einen Tech-Fokus gibt, ist es kein reiner Tech-Newsletter. Im Gegenteil – die Themenpalette ist sehr breit. Denn wie der Claim des Newsletters „Blockchains, cryptocurrencies, and why they matter“ andeutet, geht es nicht nur um Technologie, Finanzen und Kurse, sondern auch um Politik, Gesellschaft, Kultur und wie sich alles gegenseitig beeinflusst.

Dass es gelingt diese thematische Breite in einen Newsletter zu packen, der aber gleichzeitig nie überladen wirkt, ist ein weiterer großer Pluspunkt. Immerhin gibt es nach den Hauptthemen nur noch eine kleine Handvoll ausgewählter Links, ein abschließendes aktuelles Zitat und das war’s. Genau der Umfang, den man zwei Mal die Woche (Dienstags und Donnerstags) noch gut als Status-Update im Alltag unterbringen kann.

Größter Kritikpunkt: Kein Archiv

Das einzige, was man kritisieren kann, ist, dass es kein ordentliches Archiv der bisher erschienenen Ausgaben gibt (obwohl sie ja alle irgendwo online stehen!). Auf der zugehörigen Newsletter-Webseite sind immer nur die letzten beiden Ausgaben zu finden. Das ist sehr bedauerlich, weil der Newsletter für manch eine Recherche durchaus hilfreich und nützlich wäre.

Wer nun aber trotzdem mal in reinlesen will – hier habe ich aus meinen Mails zumindest die Links zu den letzten vier Ausgaben rekonstruiert.

Ist die Blockchain nur ein Abfallprodukt?

Der israelische Bitcoin-Entwickler Udi Wertheimer hat kürzlich auf Twitter eine durchaus provokante These über Blockchains veröffentlicht: Dass eine Blockchain nämlich keineswegs etwas sei, was man haben möchte, geschweige denn in irgendeiner Weise promoten sollte. Die Blockchain sei vielmehr ein Abfallprodukt und notwendiges Übel, um zu erreichen, was man eigentlich haben möchte: eine Konsensentscheidung, wem welches Guthaben gehört.

Das ist eine ungewöhnliche Position, die selbst für Bitcoiner durchaus herausfordernd sein kann und doch lohnt es sich, das Thema „Blockchain“ auch von diesem Standpunkt zu betrachten.

Kritik an der Blockchain ist berechtigt

Nehmen wir zum Beispiel die vielfach geäußerte Kritik, dass Bitcoin so enorm viel Energie verbrauche. Diese Kritik ist ja durchaus begründet. Das Bitcoin-Netzwerk benötigt nun einmal sehr viel Strom zur Absicherung seiner Integrität. Doch geht es in diesem Fall eben nicht anders.

Genau das ist aber der Punkt. Eben weil es so aufwändig ist, eine sichere Blockchain zu etablieren, sollte man um jeden Preis vermeiden, eine Blockchain einzusetzen, wenn dies nicht unbedingt nötig ist. Für rein digitales, zensur- und manipulationssicheres Geld (Bitcoin) gibt es nun einmal (bislang) keine andere Lösung. Für alle anderen bisher propagierten „… but with Blockchain!“-Lösungen in der Regel aber schon.

Neue Sichtweisen sind gut für den Diskurs

Wie herausfordernd (im positiven Sinne) diese unkonventionelle Sichtweise auf Blockchains sein kann, sieht man auch am weiteren Verlauf der durch die These ausgelösten Diskussion. Den vorgebrachten Pro-Blockchain-Argumenten, begegnet Wertheimer nämlich mit guten Gegenargumenten.

Wie zum Beispiel die oftmals so positiv beworbene Unveränderlichkeit, die letztlich jedoch gar kein immanentes Feature einer Blockchain ist, sondern die sich aus dem bereits kritisierten hohen Energieverbrauch, der hinreichenden Größe eines dezentralisierten Netzwerks und aus diversen anderen Faktoren ergibt. Im besten Fall.

Aufgrund dieser vielen unterschiedlichen Faktoren, die in ihrer Gesamtheit die positiven und negativen Eigenschaften einer Blockchain beeinflussen, gleichzeitig in Summe aber nur schwer zu kontrollieren sind, könne man eine Blockchain daher auch nicht als eine Form von Produkt sehen. Sondern nur als Nebenprodukt.

Dass die historisch in einer Blockchain abgelegten Daten trotzdem einen bestimmten Nutzen haben können, ist dabei aber tatsächlich ein Punkt, über den man noch länger diskutieren könnte.

Für den aktuellen Stand, wem welcher Bitcoin gehört, ist das stetig wachsende Archiv an Provenienz-Daten jedoch kaum relevant. Unter Privatsphäre-Aspekten wäre es sogar von Vorteil, wenn die Transaktionshistorie jedes einzelnen Bitcoin nicht dauerhaft und offen gespeichert wäre. Allerdings würde man damit eben auch die Option verlieren, zusätzliche Daten per Time-Stamping in der Blockchain zu verankern. Ist es das wert?

Doch genau um solche Denk- und Diskussionsanstöße geht es hier ja. Dass „Blockchain“ kein Zauberallheilmittel ist, ist mittlerweile bekannt. Dass es vielleicht noch viel weniger, nämlich nur ein Abfallprodukt ist, ist (noch) eine provokante und unpopuläre Definition. Trotzdem ist an dieser These etwas dran.

Vor allem, wenn Udi Wertheimer für die Begründung so plastische Analogien verwendet wie diese:

Bild: Toxic (CC BY 2.0)

Blockchain & Kultur – Neue Podcast-Serie im DLF

Der Deutschlandfunk hat dieser Tage unter dem Titel Blockchain Stories eine achtteilige Radio- und Podcast-Serie online gestellt. Das Besondere dabei: Alle Beiträge sind von der Kultursendung Corso verantwortet, was dem Thema einen erfrischenden Blickwinkel verleiht.

„Blockchain“ aus der Kulturperspektive

So geht es neben einem obligatorischem Blockchain-Grundlagen-Beitrag und einem über Bitcoin als Geld der Zukunft (das Stück habe ich gemacht) auch noch einmal konkret um die Aspekte Klima, Patente, Musik, Gaming und Politik.

Wobei insbesondere über letztere Folge noch zu reden sein wird. Der interviewte Medienwissenschaftler David Golumbia vertritt nämlich ein paar sehr kontroverse und irritierende (Verschwörungs-)Theorien. Aber dazu dann mehr in der nächsten Honigdachs-Podcast-Folge.

Solide, aber nicht ganz auf der Höhe der Zeit

Insgesamt sind alle Beiträge solide und ich finde es gut, dass sich die Redaktion für das Thema „Blockchain“ ein paar neue Blickwinkel hat einfallen lassen. Warum nicht mal eine Ethereum-Mine anstelle einer Bitcoin-Mine besuchen und über Gaming und die Blockchain wurde bisher ja auch noch nirgends so prominent gesprochen.

Dennoch gibt es auch Kritik. Einige Beiträge wirken nämlich nicht ganz aktuell. So ist ja nicht erst seit gestern klar, dass es grundsätzlich keine gute Idee ist, komplexe digitale Spiele dezentral auf einer Blockchain laufen zu lassen. (Weil es zum einen keine Blockchain gibt, die das technisch leisten könnte und es zum anderen auch keinen guten Grund gibt, Spiele nicht mehr, wie bisher, zentral zu verwalten.) Warum also noch so ausführlich darüber reden, wenn es doch eigentlich um die „Zukunft des Zocken“ gehen soll?

Das hätte man schneller abhaken und zum tatsächlich interessanteren Ausblick in die Zukunft kommen können. Diesen jedoch aus dem schon vor langer Zeit verblühten Hype um tokenisierte Collectibles wie Crypto Kitties abzuleiten, wirkt etwas aus der Zeit gefallen. Nach bald anderthalb Jahren ist dieses Thema in Krypto-Jahren schon fast als historisch zu betrachten. Ein daraus abgeleiteter Blick in die Zukunft entsprechend retro-futuristisch.

Ein Beitrag auf der Trend- und technischen Höhe der Zeit hätte sich dagegen auch mit den Möglichkeiten und Konsequenzen von Lightning-basierten Micro- und Nanopayments (alles kleiner 1 Cent) auf Gaming beschäftigt. Dieser Aspekt fehlt jedoch leider ganz.

Zwischen Krypto-Historie und Realitäts-Futurismus

Nichtsdestotrotz ist das aber Kritik auf hohem Niveau. Denn was für jemanden, der sich selbst bereits intensiv mit der Materie auseinandersetzt, bereits krypto-historisch ist, kann für den prototypischen Deutschlandfunk-Kulturmagazin-Hörer trotzdem futuristisch (genug) sein. Insofern überwiegt die Tatsache, dass Bitcoin und seine Auswirkungen überhaupt und immer mehr als gesellschaftsrelevantes Kulturthema wahrgenommen und diskutiert wird, die Kritik deutlich.

Zumal die einzelnen Stücke auch wirklich schön anzuhören sind. (Vom Golumbia-Interview mal abgesehen, das ohne den Kontext seines Buches wie das Dümmste wirkt, was jemals über Bitcoin gesagt wurde.)

Die acht Beiträge sind im Einzelnen:

#1 Blockchain für Dummies erklärt
Wohl kaum ein anderes Phänomen wird in der Netzkultur so stark diskutiert wie die Blockchain. Ein Heilsbringer soll sie sein, der die Macht hat, das Internet zu verändern und viele Probleme der Zukunft zu lösen. Wie sie funktioniert, wissen aber nur die wenigsten. Ein Erklärungsversuch.

#2 Bitcoin = digitale Währung der Zukunft
Obwohl es Bitcoin schon seit zehn Jahren gibt, hat noch kaum jemand dieses digitale Bargeld so richtig verstanden. Trotzdem wächst das Phänomen beständig. Warum eigentlich?

#3 Besuch einer Ethereum-Mine
Bis vor Kurzem konnte man mit Kryptowährungen ziemlich schnell Millionär werden. Wertverlust hin oder her: Das digitale Geld wird immer noch in sogenannten Kryptominen geschürft. Das gilt auch für Ethereum, das mehr Einsatzmöglichkeiten bietet. Einblicke in eine Parallelwelt aus Strom und Kabeln.

#4 Die Politik der Bitcoin
Die Blockchain gilt als fortschrittliche Erfindung. Die Attraktivität dieser neuen Technologie bringt allerdings politische Gefahren mit sich. Sie sei effektiver in der Verbreitung von Ideologie als alles andere, sagte Medienwissenschaftler David Golumbia im Dlf.

#5 Digital und dreckig
Der Hype um den Bitcoin hat zu einem digitalen Goldrausch geführt. Aber das Schürfen der Kryptowährung verschlingt enorme Mengen Energie. Mittlerweile dürfte ein Teil der Klimaerwärmung aufs Konto des Bitcoin gehen. Eine umweltfreundliche Nutzung der Technologie scheint dennoch möglich.

#6 Revolution des Patentrechts?
Seit der Erfindung des Papiers werden wichtige Dokumente mit einem Stempel verifiziert. Heutzutage versehen Computer Dateien mit einem Zeitstempel. Die Blockchain könnte dieses Verfahren vereinfachen und sicherer machen – für Musiker und andere Kreative. Steht eine Revolution des Patentrechts bevor?

#7 Die Zukunft der Musik
Eine Revolution der Musikwelt steht bevor: Dank der Blockchain wird es Musikern durch innovative Geschäftsmodelle angeblich bald möglich sein, digitale Welten mit ihren eigenen Regeln zu erschaffen. Darin läge das Potential, sich neu zu erfinden, sagte Medienkünstler Mathew Dryhurst im Dlf.

#8 Computerspiele neu gedacht
Blockchain in Computerspielen – dort würde man die Technologie nicht vermuten. Diese Gamedesignerszene ist zwar überschaubar, will die digitale Spielewelt aber mit neuen Ideen bereichern: So könnten die Nutzer virtuelle Welten mit eigenen Entwürfen erweitern. Ein Blick in die Zukunft des Zockens.

Happy Bitcoin-ATH! PS: Bitcoin ist tot!

Gestern vor einem Jahr erreichte der Bitcoin seinen bisherigen Kurs-Höchststand (All Time High) von rund 20.000 US-Dollar und der Jahrestag war für die Börse vor Acht Grund genug, das zum Thema der gestrigen Ausgabe zu machen: „Was vom Bitcoin übrig bleibt“

Damit endet aber leider auch schon alles Positive, was man dem, was Anja Kohl da zur Prime Time kurz vor der Tagesschau  erzählt, abgewinnen kann.

Zehn Jahre Bitcoin – trotzdem nichts gelernt

Denn eigentlich sollte man ja meinen, dass mittlerweile,
zehn Jahre nach der Erfindung von Bitcoin, zumindest Fachjournalisten versucht haben müssten, Bitcoin und den grundsätzlichen, untrennbaren Zusammenhang zwischen Bitcoin und der Blockchain zu verstehen. Falls Anja Kohl das mal versucht hat, war davon leider nichts zu erkennen.

Zunächst geht Sie auf den Kursverlauf des vergangenen Jahres ein. Zum Jahrestag eine nahe liegende und berechtigte Perspektive. Dass hierbei ein desaströses Bild gezeichnet wird, überrascht nicht. 83 Prozent Verlust innerhalb eines Jahres sind ohne Frage krass und viel. Jedoch lässt sie dieses Zahlen so stehen und ordnet sie nicht in einen größeren Kontext ein.

Manipulation durch Weglassen

Genau das wäre an dieser Stelle aber wichtig und Zeichen eines guten und unvoreingenommenen Journalismus gewesen. Denn vergleicht man nur den Kurs wischen dem 17.12.2017 und dem 17.12.2018, dann ergibt sich ein desaströses Bild.

17.12.201720.100 $
17.12.20183455 $

Vergleicht man jedoch die Kurse nicht nur des letzten, sondern der letzten acht Jahre, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Nämlich eines, indem man das All Time High vergangenes Jahr als offensichtlichen statistischen Ausreißer klassifizieren und dementsprechend auch einordnen muss.

17.12.20100,25 $
17.12.20113 $
17.12.201213 $
17.12.2013480 $
17.12.2014324 $
17.12.2015456 $
17.12.2016791 $
17.12.201720.100 $
17.12.20183455 $

Genau das macht Anja Kohl aber nicht, obwohl sie es eigentlich besser weiß. Immerhin hat sie vor gut einem Jahr bereits staunend darüber berichtet, wie der Bitcoin von rund 1000 US-Dollar auf 10.000 US-Dollar kletterte. 

https://youtu.be/bJyypAOEWBM
Nicht alles, was plausibel klingt, ist auch ein Grund 

Stattdessen reimt sich Anja Kohl dann ein paar Gründe zusammen, warum der Kurs so stark gefallen ist, die für den Laien möglicherweise plausibel klingen, aber weder schlüssig sind, noch in irgendeiner Weise belegt werden.

Denn ja, im vergangenen Jahr wurden möglicherweise Bitcoins gestohlen, aber das werden sie seit es Bitcoin gibt und ist daher kein signifikanter Grund für den Preisrückgang im vergangenen Jahr. Auch gab es bestimmt Hackerangriffe, aber auch die gibt es erstens jedes Jahr, zweitens wurde Bitcoin (das Bitcoin-Protokoll) trotzdem noch niemals gehackt und drittens trafen die krassesten Hackerangriffe dieses Jahr nicht Bitcoin, sondern die Hotelkette Marriott, Google und Facebook. 

In diesem Kontext würde mich daher interessieren, auf welche konkreten Bitcoin-Hackerangriffe sich Anja Kohl denn eigentlich bezieht und wie deren Auftreten mit der Preisentwicklung korreliert. Oder ob „die Hacks“ letztlich doch nur ein bequemer Platzhalter sind, wenn man die echten Gründe nicht benennen kann. Denn „Hacks“ – das passt ja schon irgendwie immer.

Als dritte Ursache für den Kursrückgang dann noch die fehlende Regulierung von Bitcoin zu nennen, ist ebenso schwach. Bitcoin ist kein Projekt, das jemals nach Regulierung gesucht hätte. Bitcoin war vor einem Jahr nicht reguliert und ist es auch heute nicht. Diese fehlende Regulierung nun also als Grund für den Preisverfall im letzten Jahr verantwortlich zu machen, ist ähnlich clever, wie sich beim Bademeister zu beschweren, dass das Wasser zu nass sei.

Es ist nicht nur, wie es ist. Sondern das ist es auch weder überraschend noch unvorhersehbar. 

Die alte und falsche „Bitcoin pfui, Blockchain hui“-Leier 

Am Schlimmsten wird es dann aber als Anja Kohl erklärt, dass Bitcoin ja quasi tot sei (und dabei pauschal alle Kryptowährungen über einen Kamm schert), die Blockchain(-Technologie) jedoch kurz vor ihrem großen Durchbruch stehe. Zwar gebe es noch einige Nachteile …

 … denen gegenüber stünden aber natürlich ganz enorme Vorteile.

Das große Problem hier jedoch: Wie so oft, wenn es um irgendwas mit „Blockchain“ geht, werden wilde Behauptungen, irgendwelche Interpretationen und reale Eigenschaften der Blockchain in einen großen Topf geworfen, kräftig durchgerührt und nacheinander solange zufällig wieder herausgezogen, bis auf beiden Tafeln vier Bulletpoints stehen. Wegen der Symmetrie. Dass man jedoch keinen der genannten Punkte auf diese Weise unhinterfragt und ohne kritische Einordnung so stehen lassen kann, geschenkt. Symmetrie, Baby!

Ich nehme die obigen Punkte an dieser Stelle jetzt nicht auseinander. Wer sich für solch eine kritische Einordnung interessiert, den verweise ich gerne noch einmal auf unsere sehr gute Diskussion in der Gesprächsrunde zum Thema Blockchain zwischen Hype und Hohn“ neulich bei Deutschlandfunk Kultur.

https://twitter.com/breitband/status/1071388404951199744
Dieser Bericht ist mangelhaft und das Problem symptomatisch 

Was jedoch die Bitcoin- und Blockchain-Kompetenz der ARD-Börsen-Redaktion angeht und deren journalistisches Ambitionen, Sachverhalte korrekt, verständlich und unvoreingenommen zu erklären, so bleibt eigentlich nur ein vernichtendes Urteil. Wer mit solchen schlecht recherchierten und unzureichend aufbereiteten Beiträgen auf Sendung geht, hat in der Prime Time kurz vor der Tagesschau nichts verloren.

Leider sind Anja Kohl und Kollegen mit ihrer Haltung jedoch nicht die einzigen in der Medienlandschaft und dieses Bild fasst das Problem trefflich zusammen. 

Hörtipp – „Blockchain zwischen Hype und Hohn“

Gerade eben lief bei Deutschlandfunk Kultur eine lange Diskussion zum aktuellen Stand von „Blockchain“. Ich durfte dabei mitdiskutieren und finde, dass das eine der besten Diskussionen zum Thema war, die ich bisher erlebt habe.

„Blockchain“ im Bundestag, „Blockchain“ im Radio

Anlass war ja die Anhörung neulich im Digitalen Ausschuss des Bundestages zum selben Thema. Diese war wegen der vielen heißen Luft und des mangelnden Diskurses sehr schwer zu ertragen und letztlich auch kaum zielführend.

Genau das war bei dieser Talkrunde anders. Mit Philip Banse (Moderator), Michael Seemann (Netzkulturtheoretiker), Jutta Steiner (Mathematikerin, Parity) und Jürgen Geuter waren wir tatsächlich fünf Diskutanten, die sich seit langem mit dem Thema auseinandersetzen und daher auch respektvoll, fundiert, kritisch und konstruktiv gegen- und miteinander argumentieren konnten. Und das hört man. Gerne wieder.

Blockchain oder nicht? – Die Entscheidungshilfe

Ich wusste bis vor kurzem gar nicht, dass es so viele Entscheidungshilfen-Diagramme gibt, ob man nun eine Blockchain braucht oder nicht. Scheint ja echt ein schwieriges Thema zu sein.

Dabei hält sich einer aktuellen Studie zufolge doch die große Mehrheit der Führungskräfte bereits für echte „Blockchain-Versteher“.

https://twitter.com/kerooke/status/1031293508743716864

Allerdings denken sie offensichtlich auch, dass der große Vorteil einer Blockchain im Vergleich zu existierenden Systemen die höhere Geschwindigkeit sei. Nun ja – es braucht halt nicht viel um „Blockchain“-Experte zu sein.

Niemand muss „Blockchain“-Experte bleiben

Wer jedoch einsichtig und demütig genug ist, gemeinsam mit „Blockchain“ (siehe aktuellen Gartner Hype Cycle) den „Mount Stupid“ zu verlassen, und meint, dass ein bisschen Wissen nicht schaden könnte, für den hier drei Linktipps.

Zum einen hat Reuters eine hübsch visualisierte Erklärung der Blockchain online gestellt. Wobei man aber auch hier kritisch darauf hinweisen muss, dass zunächst (wie leider sehr oft) die Funktion einer Blockchain anhand der Bitcoin-Blockchain erklärt wird und dann einfach davon ausgegangen wird, dass man das Blockchain-Prinzip problemlos auf andere Anwendungsfelder übertragen könne.

Kann man aber eben nicht. Sonst wäre fast zehn Jahre nach dem Start der Blockchain Bitcoin und digitales Geld nicht immer noch der einzige belastbare Usecase für eine Blockchain.

Die „Blockchain“-Frage interaktiv klären

Zum anderen sei auf das Paper „Do you need a Blockchain?“ von Karl Wüst von der ETH Zürich und Arthur Gervais vom Imperial College London hingewiesen, das praktischerweise für alle Lesefaulen auf douyouneedablockchain.com auch in einer vereinfachten interaktiven Variante zur Verfügung steht. Und ohne den Klickspaß vorweg zu nehmen. Es ist ziemlich schwer, da bei der Antwort „Ja“ zu landen.

Wer sich davon nicht entmutigen lässt und auch ein „Vielleicht“ oder „Nein“ als Lernerfolg betrachtet, der sollte dann noch Jimmy Songs Artikel über „Alternatives to Blockchain“ lesen.

Das ist nämlich cleverer, als es sich auf dem „Mt. Stupid“ (auf dem wir im Übrigen alle schon mal standen) so richtig schön gemütlich zu machen.

„… blubb, blubb, blubb, BLOCKCHAIN!!! BAHN!!! blubb, blubb, blubb …“

Dieses durchaus aufwändig gemachte „Hey,  guckt mal alle her, auch wir von der Bahn machen jetzt irgendwas mit Blockchain!!!“-Video ist ein echtes Fundstück. Bisher galten nämlich Daimler und die LBBW als die Könige des Blockchain-Bullshit-Bingos, aber das konnte die Deutsche Bahn wohl nicht auf sich sitzen lassen.

Also hat man eine hübsche Stange Geld in die Hand genommen und ein Filmchen erstellen lassen, in dem zwar sehr viel geredet, aber leider nichts gesagt wird. Außer natürlich den obilgatorischen „Yeah!-Blockchain-Technologie-Hype-Bullshit-Bingo-Geschwafel“. 

Hübsch gemacht aber ohne Aussage. Das will keiner sehen

So viel Aufwand für ein Video, das Null Inhalt hat und das dann mit knapp 800 Klicks in vier Monaten auch noch kaum jemand sehen will. (Hier bitte eigenständig einen Deutsche Bahn-Püntklichkeit-trifft-auf-Blockchain-Hype-Zug-längst-abgefahren-Witz nach Wahl einfügen.)

Die Katzifizierung der Blockchain (Hörtipp)

Ich weiß, dass der ein oder andere jetzt sagen wird, dass die CryptoKitties als Thema doch eigentlich schon längst durch sind.  Das dachte auch ich eine ganze Weile.

Doch stimmt das letztlich nur, wenn man selbst ganz tief in der Crypto-Szene mit dem entsprechenden News-Flow drin steckt, weniger außerhalb dieser Filterbubble. Dort sind non-fungible -Token-basierte Blockchain-Sammelkatzen noch immer kaum bekannt oder werden jetzt erst zu einem Thema, über das man spricht.

New Cats On The Block – Blockchain-Trend oder Ende des Hypes?

Insofern – und weil es einfach ein Thema ist, das sich unglaublich schön akustisch umsetzen lässt – habe ich für Breitband beim Deutschlandfunk Kultur einen Netzkultur-Beitrag über die CryptoKitties gemacht (Direktlink zur mp3), der die Katzifizierung der Blockchain einordnet und natürlich ganz subtil auch die Frage stellt: Ist das wirklich alles, was „Blockchain“ in den vergangenen drei Jahren Sinnvolles hervorgebracht hat?

Darauf deutet zumindest einiges hin. Wie zum Beispiel dieser Bloomberg-Artikel: Blockchain, Once Seen as a Corporate Cure-All, Suffers Slowdown.