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Blockchain Grundlagen – Schritt für Schritt die Blockchain verstehen

Ich habe selten ein Buch gelesen, dessen Titel so exakt den Inhalt widerspiegelt wie Blockchain Grundlagen. Eine Einführung in die elementaren Konzepte in 25 Schritten von Daniel Drescher. Erst recht keines, das im Titel „irgendwas mit Blockchain™“ machte.

Denn die Erfahrung zeigt: nicht nur Projekte und Unternehmen, sondern auch Bücher, die „irgendwas mit Blockchain™“ machen – davon gib es mittlerweile eine ganze Reihe –  neigen zu einer überdurchschnittlich hohen Bullshit-Quote. Bei Blockchain Grundlagen ist das jedoch erfreulicherweise anders. Genau das macht es zum ersten „Blockchain“-Buch, das ich mit konstanter Begeisterung gelesen habe.

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Ist noch Dip da? Oder: Noch drei Bitcoin- und Blockchain-Links

Da das beim letzten Mal so gut ankam und ich kurz vor dem Urlaub eh noch ein bisschen den Browser aufräumen wollte, hier gleich noch drei kommentierte Bitcoin- und multiple copies of a giant excel spreadsheet-Links.


Ist noch Dip da?

Dieses Video ist irgendwie symptomatisch für das grundsätzliche Dilemma der Crypto-Szene. Alle sagen dir, dass du den „f*#!ing dip“ kaufen sollst, aber niemand kann dir eigentlich sagen, wann zum Geier das genau sein soll! Das weiß man nämlich immer erst hinterher. Aktuell beispielsweise steht der Kurs bei um die 8.000 US-Dollar, aber ob er von hier aus erst einmal wieder wieder hoch oder doch noch weiter runter geht, ist schwer zu sagen.

Gestern wurde jedenfalls eine Lightning-Version fürs Mainnet freigegeben und für viele in der Community ist das ein technischer Meilenstein in der Bitcoin-Entwicklung. Den Preis groß beeinflusst hat das dennoch nicht. Aber immerhin, die Stimmung in der Community ist sehr gut. Das Lied übrigens auch: „I buy the dip, when I’m buying dip“. Word!


Million Dollar Trading Mistakes, For Your Entertainment and Edification

Und wo wir schon beim erfolgreichen Traden sind: Das ist alles andere als einfach, wie Edward T. Giraffe in diesem ebenso unterhaltsamen wie lehrreichen Stück schreibt. Oder wie er es nennt: „My crypto-trading f*&k-ups, and some lessons learned.“ Sollte man gelesen haben!

Und um selbst nicht all die Anfängerfehler zu machen, lohnt es möglicherweise auch, diesen kostenlosen Leitfaden durchzublättern. Hätte vielleicht auch Herrn Giraffes Nerven gut getan.


Replace Blockchain with Spreadsheet-Erweiterung 

Lustig! Da hat doch jemand eine Chrome-Erweiterung programmiert, die auf allen Webseiten das Wort „Blockchain“ durch „multiple copies of a giant excel spreadsheet“ ersetzt.

Das ganze macht auf englischsprachigen Seiten natürlich mehr Freude, wenngleich auch deutschsprachige Seiten hierdurch auf einmal einen ganz neuen Bullshit-Bingo-Anstrich bekommen.

deutsche bank

Doch so spaßig diese Herangehensweise auf den ersten Blick auch ist, so hilfreich ist sie in der Tat den Marketing-Begriff „Blockchain“ ein Stück weit zu entmystifizieren und die Luft aus dem Hype darum zu lassen. Denn wir wissen: Alle reden von „Blockchain“, aber so richtig Ahnung hat eigentlich keiner davon. Dieses Plugin ändert das!


… und damit verabschiede ich mich in den Urlaub. Irgendwann nach Ostern gibt es hier dann wieder mehr. Adios.

Drei Bitcoin- & Blockchain-Link-Tipps

Wie viele andere auch bin ich eigentlich derzeit krank und schiebe deswegen hier nur ganz kurz drei teilenswerte Links auf die Seite.

1 – Cryptocurrencies: Last Week Tonight with John Oliver (HBO)

John Oliver hat sich sehr unterhaltsam, pointiert und solide recherchiert mit dem Thema Bitcoin/Blockchain/Kryptowährungen auseinandergesetzt. Die Crypto-Community liebt es. Ich auch.


2 – Bitcoin and Cryptocurrency Markets: Last year in Review, Outlook 2018 (Tuur Demeester)

Tuur Demeester gehört seit Jahren zu den profiliertesten und renommiertesten Crypto-Analysten. Einer der ersten, denen man bei Twitter folgen sollte. In diesem Paper fasst er den Status Quo von Bitcoin und den Kryptomärkten aus seiner Sicht zusammen. Besonders erfrischend ist sein junk coin index”, der pauschal die Summe aller nicht Top 10 Coins (nach Marktkapitalisierung) umfasst. Wer gerade eine gut begründete Meinung braucht, ist hier richtig. 


3 – Besuch beim Bitcoin Stammtisch (Bayern 2)


Bonus: Bundesregierung zu ICOs

Abschließend noch als kleine Zugabe die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage aus Richtung FDP bzgl. Initial Coin Offerings. Kann man mal zur Kenntnis nehmen, steht aber auch nichts unglaublich Überraschendes drin.

Umfassende Bitcoin- & Blockchain-Ressourcen

Ich bin seit einiger Zeit dabei, hier im Blog ein bisschen aufzuräumen. Nach vier Jahren ist es einfach mal an der Zeit, alte Strukturen zu überdenken und hier und da thematisch etwas auszumisten.

Gone with the links

Viele veraltete Unterseiten habe ich in diesem Zuge aktualisiert oder gleich ganz deaktiviert (was das Navigationsmenü erfrischend verschlankt), andere habe ich noch vor mir. So zum Beispiel das Link-Archiv, das dringend mal aktualisiert und generell überarbeitet werden muss.

Zwei Links, von denen ich aber weiß, dass sie definitiv auf der Seite landen werden, sind die folgenden. Denn beide sind selbst wiederum ganz hervorragende und umfassende Sammlungen von guten Quellen zu allen möglichen Themen rund um Bitcoin und Blockchain.

1. Bitcoin Ressources (Jameson Lopp)

Bitcoin Ressources
Bitcoin Ressources

Bitcoin Ressources ist eine beeindruckende Link- und Material-Sammlung von Jameson Lopp, der als Cypherpunk und Krypto-Sicherheitsfreak nicht nur in diversen namhaften Bitcoin-Firmen gearbeitet hat und gerade ein weiteres Unternehmen für die besonders sicher Aufbewahrung von Bitcoins mit aufbaut, sondern dem auch die Ausbildung und Aufklärung rund um Bitcoin sehr am Herzen liegt.

In seinen Ressourcen findet man daher auch alles von News SitesPodcasts und High Quality Blogs über Online Courses, Statistics und Developer Tools bis hin zu Security, Crypto Charity, Mining, Privacy, The History of Bitcoin und vieles mehr.

All die Links und Quellen zu rezipieren, dauert vermutlich mehr als ein Jahr. Und es geht hier ausschließlich um Bitcoin!

2. Crypto Canon (Andreessen Horowitz)
Crypto Canon
Crypto Canon

Die zweite Sammlung ist etwas weniger, praxisorientiert, multimedial und interaktiv, bietet dafür aber die volle intellektuelle Breitseite aus Sicht eines großen und langjährigen Tech- und Krypto-Investors.

Mit dem Crypto Canon stellen Andreessen Horowitz nämlich eine umfassende Liste „of crypto readings and ressources“ ins Netz, die nicht nur zeigt, was und wie viel erfolgreiche VCs lesen, bevor sie investieren, sondern auch, dass für ein grundlegendes Verständnis von Bitcoin und anderen Blockchain-Projekten durchaus auch immer noch Veröffentlichungen aus den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts relevant sein können.

Die finden sich dann unter Foundations (& History), andere Zwischenüberschriften sind Building Blocks and Basics, Key Concepts, Privacy and Security, Scaling, Cryptoeconomics and Investing, Stablecoins und vieles mehr.

Bildung ist das beste Investment

Auch hier findet man mehr als genug Wissen, um die etwas ereignisärmere Zeit bis zum nächste All-Time-High sinnvoll rumzubringen. Etwas besseres als lesen und lernen kann man in dieser Zeit ohnehin kaum machen. Dabei investiert man nämlich hervorragend in sich selbst – eines der cleversten Investments überhaupt.

1001 Bitcoin- und Blockchain-Links für die ruhigen Feiertage

Das hier ist der Beitrag, mit dem ich mich nun in die verdiente Weihnachts- und Neujahrspause verabschiede. Denn erst kommt Weihnachten und danach findet quasi direkt vor meiner Haustür der 34C3 statt, sodass ich eher dort als vor dem Rechner zu finden sein werde.

Geplant ist zwischen den Tagen zwar noch eine Honigdachs-Folge, aber ob die noch 2018 online gehen wird, kann ich nicht versprechen. Erfahrungsgemäß überschätzt man die verfügbare Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr und unterschätzt, was man in den Tagen eigentlich alles noch erledigen wollte.

Auf jeden Fall möchte ich aber ohne große digitale Anhängsel ins neue Jahr starten und packe in diesen Beitrag daher all die Links, schon ewig offenen Tabs und Medien, über die ich in den vergangenen Wochen vielleicht ganz bestimmt mal einen Beitrag machen wollte, aber einfach keine Zeit dafür gefunden habe.

2017? Bitcoin! BITCOIN!!1!!!!

Denn was war 2017 für ein Jahr! Community-Drama, Blockchain-Hardforks, Kurs-Explosion, massiv gestiegenes öffentliches Interesse und beim Schreiben dieser Zeilen geht es mit dem Preis gerade wieder ordentlich bergab. Einerseits könnte man sagen: Alles wie immer. Anderseits muss man aber auch feststellen: Dieses Jahr ist Bitcoin mit viel Trara in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Ich jedenfalls habe mich im letzten Jahr keine Sekunde gelangweilt.

Bitcoin für alle!

Nicht mal, als ich in einem dreistündigen Vortrag in dem Mehrzweckraum eines Soziokulturellen Zentrums in einem kleinen 15.000 Einwohner-Städtchen den drei(!) anwesenden und hochbetagten Senioren, Bitcoin erklärte. Das war, um es vorsichtig auszudrücken, eine Herausforderung. Aber eine reizvolle und lehrreiche.

Ich erwarte im Übrigen nicht, dass das Jahr 2018 weniger ereignisreich wird. Im Guten, wie im Schlechten. Aber genau das ist ja, was Bitcoin so spannend macht. Ich freue mich jedenfalls drauf.

Ihr hoffentlich auch. Kommt gut durch alle Feiertage und schaut nächstes Jahr hier mal wieder rein. Dann gibt es mit Sicherheit auch Updates zu meiner Onecoin-Klage. Ich erwarte, dass die juristische Auseinandersetzung bald in eine Phase eintritt, über die sich dann auch endlich wieder zu berichten lohnt.

Ein bunter Teller voller Artikel, Links und mehr

Nach dem Klick nun all die Fundstücke des Jahres, die ich und ihr uns geben können, wenn wir wegen des vollen Rotkohl-Bauchs nicht schlafen können, eine Auszeit von der Familie brauchen (aka Real-Life-Overkill) oder die viele freie Zeit sonstwie sinnvoll gestalten möchten. Because Bitcoin never sleeps.

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Welt ohne Banken? – Sehr gute 3sat-Bitcoin-Doku

Vergangenen Freitag lief auf 3sat die halbstündige Bitcoin-Dokumentation Welt ohne Banken? Die Blockchain-Revolution.

Ich habe sie mir gerade angeschaut und war unterm Strich sehr angetan. Denn durch die umfassende Recherche und den guten roten Faden, habe ich die Sendung nicht nur gespannt verfolgt, sondern durch die vielen Handlungsorte und interessanten Akteure, die wiederum mit teils überraschend ehrlichen Statements zu Wort kommen (u. a. der Vertreter der Bundesbank, Jochen Metzger), auch Einiges erfahren, das ich vorher noch nicht wusste.

Erklärt Bitcoin sehr gut und zeigt die Wucht des Wandels

Ich glaube, für Zuschauer, die vorher noch gar nichts oder nicht so viel von Bitcoin oder der Blockchain gehört haben, ist das ein hervorragender Film, um zu verstehen, wie groß und wuchtig der Wandel ist, der durch beides eingeleitet wurde. Und dass dieser Wandel eben nicht erst noch kommt, sondern bereits in vollem Gange ist. Großes Lob daher an die Autoren.

Dennoch kleine inhaltliche Schwächen

Bei genauem Hinsehen fallen jedoch auch hier ein paar Schwächen auf, weil der Film an wichtigen und widersprüchlichen Stellen nicht die richtigen Fragen stellt. Zum Beispiel fasst der Sprecher zusammen, nachdem die Blockchain vorher bereits als System ohne Intermediäre erklärt wurde:

„Das Potential der Blockchain in der Bankenwelt ist riesig. Teure zentrale Instanzen im Geldverkehr wären überflüssig. Schalten die Banken ihre Mittelsmänner aus, lassen sich Milliarden einsparen.“

Das ist ein offensichtlicher Widerspruch, da erstens Banken zuvor als genau diese Intermediäre identifiziert wurden und zweitens nicht hinterfragt wird, ob eine Banken-interne Blockchain überhaupt Sinn ergibt. Ergibt sie nämlich nicht. Oder es ist eben gar keine Blockchain.

Auch bei anderen Beispielen wäre die Frage sinnvoll gewesen, ob die Blockchain für das aufgezeigte Problem tatsächlich die beste aller Lösungen ist. Gerade wenn es um den Nachweis der Herkunft von Lebensmitteln geht, habe ich nämlich große Zweifel, dass eine dezentral organisierte Datenbank das Problem löst, dass verunreinigte oder vergammelte Lebensmittel auf den Markt kommen. Ist die technische Infrastruktur hier wirklich das größte Problem?

Etwas kritischere Nachfragen wären gut gewesen

Zumal auch das Kapazitätsproblem der Blockchain nicht hinreichend eingeordnet wird. Man zeige mir bitte die Blockchain, die die biometrischen Daten aller identitätslosen Menschen auf dieser Welt zu fassen vermag. Möglicherweise gibt es da erste Prototypen, aber auch hier bleibt dann die Frage, ist das noch ein Prototyp oder wirklich schon eine Blockchain?

Insgesamt hätte der Dokumentation noch eine Prise mehr kritische Distanz in der Hinsicht gut getan, was aktuell der tatsächliche Stand von „Blockchain“ ist und was bislang Ideen sind, was man damit irgendwann einmal machen könnte. Aber das alles ist Jammern auf hohem Niveau. Ich kann diese Doku daher dennoch sehr empfehlen.

Twitter-Rant gegen all den Blockchain-Bullshit

Ich schreibe zur Zeit an einigen längeren Artikeln für andere Medien, weswegen es hier auf der Seite aktuell recht ruhig zugeht. Ändert sich aber hoffentlich bald wieder.

Tweetstorm gegen den Blockchain-Hype

Nichtsdestotrotz wollte ich ganz kurz auf diese Perle eines Twitter-Rants von Nelson M. Rosario gegen all das Geschwafel rund um Bitcoin, Blockchain, Tokens und ICOs hinweisen. Ich teile nicht alle Aussagen, aber einige der Tweets wären es meiner Meinung nach wert, direkt eingerahmt zu werden.

Hier ein paar meiner Favoriten:

 

Global Cryptocurrency Benchmark Study

Es kommt bei mir selten vor, dass Tabs so lange in meinem Browser offen bleiben, wie der zur ersten Global Cryptocurrency Benchmark Study. Denn normalerweise verlieren die Inhalte im Crypto-Ökosystem schnell an Aktualität und alsbald lohnt es dann (oftmals leider) nicht mehr einen Beitrag zu schreiben.

Zahlen zu Bitcoin, die es nirgendwo anders gibt

Bei der Global Cryptocurrency Benchmark Study ist das anders. Die wurde zwar bereits in der ersten Jahreshälfte 2017 veröffentlicht und damals auch hier und da auf Blogs und Newsseiten erwähnt. Insgesamt hat jedoch noch nicht die Beachtung gefunden, die sie eigentlich verdient hat. Denn wer sich für das Bitcoin-Ökosystem als Ganzes interessiert, findet hier gleich eine ganze Reihe fundierter Zahlen, die es nirgendwo anders gibt.

employes in cryptocurrency
Angestellte in Krypto-Unternehmen (S. 23)

So bietet die Studie z. B.  Zahlen zu Arbeitsplätzen (S. 23), denen zufolge mindestens 1876 Menschen bereits Vollzeit in der Krypto-Industrie arbeiten. Die meisten davon in Nordamerika und im asiatisch-pazifischen Raum, die wenigsten mit 29 in Afrika.

Statistik ohne Marketing-Verzerrung

Auch die Anzahl der Menschen, die Kryptowährungen benutzen, ist eine elementare Frage, auf die es bislang aber keine verlässliche Antwort gibt. Kann es in einem dezentralen System auch gar nicht geben. Die Daten der Studie lassen aber zumindest begründete Schätzungen zu und das ist in diesem Falle besser als nichts. Zwischen 2,9 und 5,8 Millionen schätzen die Autoren (S. 25).

Diese Zahl mag überraschen, wenn schon einzelne Wallet-Anbieter wie blockchain.info im vergangenen November die 10 Millionen Wallets-Marke überschritten (aktuell sogar mit knapp 17 Millionen). Genau deswegen ist diese Studie aber so wichtig, denn sie trennt Statistik und Marketing und versucht so ein realistischeres Bild des Krypto-Ökosystems zu zeichnen und ist damit u. a. für Journalisten eine relevante Quelle.

Global Cryptocurrency Mining Map (S. 93)

Auch der Themenkomplex Mining ist aufschlussreich. Insbesondere die Mining Map ist dabei interessant. Denn hier werden globale Mining-Locations anhand der Faktoren Internetgeschwindigkeit, Klima und Stromkosten verglichen.

Vorsicht vor zu schnellen Schlüssen

Natürlich kann man kritisieren, dass auch diese Studie, so sehr sie sich auch bemüht, belastbare Zahlen zu erarbeiten, doch auch an der Herausforderung der Dezentralität scheitert. Denn ein Wert von knapp 2000 Vollzeit-Arbeitsplätzen, die weltweit in der Krypto-Industrie geschaffen wurden, ist nicht nur mengenmäßig ein Witz, sondern verleitet auch dazu, all die statistisch nicht Erfassten bzw. Erfassbaren zu vergessen. Ich selbst befasse mich bspw. durchaus nahezu Vollzeit mit Bitcoin ohne statistisch aber als bitcoinvollzeitbeschäftigt zu gelten. 90 Prozent der Menschen, die ich im Bereich Bitcoin kenne, geht es vermutlich ähnlich. Man muss daher auch die Daten der Global Cryptocurrency Benchmark Study kritisch lesen.

Nichtsdestotrotz ist sie jedoch eine enorme Bereicherung für alle, die auf der Suche nach fundierten Erkenntnissen über das Phänomen Bitcoin sind. Zumal geplant ist, die Studie regelmäßig zu wiederholen und ich gehe davon aus, dass schon die nächste noch viel mehr interessante und bisher schlichtweg nicht erhobene Informationen liefern wird.

 

#BTCM – Blockchain-Konferenz & Meetup in Essen

Vor einiger Zeit hatte ich bereits über das BlockchainHotel in Essen berichtet, nun steht auch das Programm für die angekündigte Konferenz, das Blockchain Tech Crypto Meetup am 15. und 16. September, online.

Der Name ist zwar etwas sperrig, aber nicht ohne Grund gewählt. Zum einen wollten die Veranstalter wohl gerne BTC ins eigene Akronym integrieren. Zum anderen soll der Name die Ausrichtung klar machen. Denn diese Meetup-Konferenz richtet sich nicht nur an Business-People, sondern soll auch der breiten Community eine Chance geben, sich mal wieder zu treffen und auszutauschen. Idealerweise kommt es zu einer Durchmischung, von der alle profitieren.

Business meets Crypto-Szene

Insofern eröffnen Programm und Location zum einen Raum für ein großes Klassentreffen der hiesigen Bitcoin- und Kryptowährungs-Szene. Zum anderen geht es um konkrete Inhalte für Einsteiger und Fortgeschrittene und hierbei wird es dann auch international. Wobei mich in diesem Zusammenhang ganz besonders freut, dass ein bemerkenswert großer Programmteil von afrikanischen Speakern abgedeckt wird. Das scheint mir wirklich ein Alleinstellungsmerkmal und ist vor allem für mich als Journalist besonders interessant.

Ich werde jedenfalls auch vor Ort sein und wer ebenfalls kommen will, kann sich 10 Prozent des Ticketpreises sparen, wenn er/sie den Couponcode „COINSPONDENT“ benutzt.

Warum „private Blockchains“ Unfug sind

Ich habe einiges Feedback auf meinen letzten Beitrag bekommen, in dem ich Daimler und die LBBW als Könige des Blockchain-Bullshit-Bingo bezeichnet habe. Manche waren dankbar dafür, dass ich so deutliche Worte gefunden habe, andere haben nachgefragt, was genau denn an „privaten Blockchains“ so schlimm wäre.

Da ich davon ausgehe, dass sich noch viele andere diese und ähnliche Fragen stellen, hier noch einmal eine etwas ausführlicher Erklärung, warum „private Blockchains“ ein Widerspruch in sich selbst und damit Unfug sind.

Die Blockchain ist eine Speziallösung

Zunächst ist es wichtig, sich Folgendes zu vergegenwärtigen:

Die Blockchain ist eine ganz spezielle Form einer verteilten Datenbank. Verteilte Datenbanken an sich sind wierum nichts Neues, sondern ein seit Jahrzehnten bewährter und elementarer Bestandteil der IT. Verteilte Datenbank haben bislang jedoch eine wichtige Eigenschaft: Es gibt immer eine zentrale Institution, die sie betreibt, verwaltet und letztlich die Verantwortung für die enthaltenen Daten trägt.

Das kann zum Beispiel eine Bank sein, die ihre Daten aus Sicherheitsgründen nicht auf einem einzigen Server speichert, sondern auf mehreren, räumlich voneinander getrennten. Fällt ein Rechenzentrum aus, kann der Betrieb so im Prinzip dennoch reibungslos aufrecht erhalten werden. Fällt jedoch die Bank selbst als zentrale, den kompletten Datensatz verantwortende Institution aus, dann sind auch alle Daten davon betroffen.

Genau in diesem Punkt unterscheidet sich die Blockchain. Denn es ist die erste und bislang einzige Form einer verteilten Datenbank, die ganz ohne zentrale Betreiber-Institution auskommt. Also ohne Bank. Das hat viele Vorteile. Einer ist zum Beispiel die erhöhte Sicherheit und Verlässlichkeit der Daten. Denn es gibt nicht nur eine (zentrale) Instanz, die die Datenbank betreibt, sondern deren Organisation ist auf tausende gleichberechtigte Teilnehmer verteilt.

In diesem Netzwerk verliert der Einzelne ganz bewusst an Bedeutung. Weder kann er gegen den Konsens aller die Daten willkürlich bearbeiten, dafür bleibt deren Integrität aber auch gewährleistet, fällt er (oder hunderte andere mit ihm) aus. Daraus folgt auch: Je größer und dezentraler das Netzwerk, das die Blockchain betreibt, desto sicherer sind die Daten darin.

Dezentralität lohnt, hat aber auch ihren Preis

Um nun zu verstehen, warum „private Blockchains“ Unsinn sind, ist es wichtig, sich klar zu machen, dass die herausragenden Eigenschaften der Blockchain (Ausfallsicherheit, Nicht-Manipulierbarkeit, Dezentralität etc.) natürlich auch ihren Preis haben. Denn verglichen mit anderen verteilten Datenbanken ist die Blockchain extrem langsam, hat eine enorm begrenzte Kapazität und ist unglaublich verschwenderisch in Bezug auf Ressourcen wie Energie und benötigte Rechenleistung. Darüber hinaus sind alle Daten in der Blockchain für jedermann offen einsehbar.

Das ist jedoch nicht optional, sondern Grundbedingung, dass die Blockchain überhaupt funktioniert. Würde man Daten in der Blockchain irgendwie auf „privat“ setzen, würde das das gesamte System ad absurdum führen. Denn die Daten in der Blockchain sind nur dann sicher und vertrauenswürdig, wenn jeder Netzwerkteilnehmer sie gleichberechtigt auf Richtigkeit überprüfen kann. Das ist nun einmal der Preis, den man beim Einsatz der Blockchain zu zahlen hat. Und er ist nicht verhandelbar.

Dafür bekommt man im Gegenzug aber zum Beispiel mit Bitcoin ein staaten-, banken- und grenzenloses Geld, das nicht zensierbar ist und dessen Vorteile gegenüber den oben genannten Nachteile offenbar überwiegen.

Als Zwischenfazit lässt sich daher festhalten: Die Blockchain ist eine sehr spezielle Form einer verteilten Datenbank, die keine zentrale Institution benötigt. Das macht sie enorm innovativ und – siehe Bitcoin – für bestimmte Anwendungen sehr erfolgreich. Allerdings bringt die Blockchain auch Eigenschaften mit sich, die sie nicht für alle Anwendungen zur idealen Lösung machen. Denn sie ist vergleichsweise langsam, ressourcenhungrig und bietet nur Platz für wenige Daten. Zudem geht es nicht ohne Transparenz. Das sind die Eigenschaften, die die Blockchain ausmachen und sie können nicht einfach so verändert werden.

Eine Blockchain ist kein Wunschkonzert

An dieser Stelle wird nun deutlich, warum „private Blockchains“ so widersinnig sind. Denn die Blockchain einzusetzen, lohnt nur, wenn man ihre Vorteile auch voll zu nutzen weiß: Offenheit, Dezentralität, Transparenz der Daten etc.

Baut man hingegen, wie die Daimler-LBBW-„Blockchain“-Lösung, eine in sich abgeschlossene Datenbank, um genau das Gegenteil zu erreichen – zentrale Kontrolle über die Daten und beschränkter Zugriff darauf – stellt sich die Frage, warum eine Blockchain hierfür die optimale Lösung sein sollte? Immerhin holt man sich dadurch all die Nachteile ins Boot (langsame Geschwindigkeit, hoher Ressourcenbedarf, begrenzte Kapazität) ohne aber die Vorteile zu nutzen, die eine offene Blockchain ermöglicht. Zumal die Sicherheit der Daten in einem sehr kleinen Blockchain-Netzwerk eben auch sehr klein ist.

Kurzum: Egal welches Problem –  eine „private Blockchain“ ist immer die schlechteste Wahl. Denn will ich etwas privat und zentralisiert machen, sind „klassische“ Datenbank-Lösungen effizienter, billiger und sicherer. Will ich mir hingegen die Vorteile einer offenen, dezentralen Lösung wie der Blockchain zu eigen machen, muss ich mich mit ihren Eigenschaften arrangieren.

Sollten Banken die Finger von der Blockchain lassen?

Bleibt die Frage, inwieweit es trotzdem sinnvoll sein kann, wenn Banken mit der sogenannten „Blockchain-Technologie“ experimentieren. Ich halte das für sehr sinnvoll, insbesondere wenn das Ergebnis ist, dass die Blockchain in vielen Fällen eben nicht das geeignete Werkzeug ist, sondern möglicherweise eine andere, Blockchain-inspirierte Lösung.

In jedem Fall gilt es aber solch ein Blockchain-Bullshit-Bingo zu vermeiden, wie es Daimler und die LBBW fabriziert haben. Sich das Ethereum-Protokoll zu nehmen, es auf einer privaten Instanz laufen zu lassen und dann zu behaupten man hätte die Blockchain genutzt, ist in etwa so zutreffend, wie wenn man sich Laufschuhe ausleiht, diese einmal zu Hause anzieht und dann behauptet einen Marathon gelaufen zu sein. Kann man machen, ist aber eben …

Abschließender Hinweis

Im Sinne der Argumentation habe ich in diesem Text einige Punkte vereinfacht.