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Ab heute: Bitcoin & das Darknet im Parlament

Vor einiger Zeit hatte ich kurz erwähnt, dass es hier auf dem Blog etwas ruhiger zugeht, weil ich gerade vermehrt im Auftrag anderer über Bitcoin schreibe. Nun ist es endlich soweit, dass die ersten Ergebnisse dieser Arbeit aus dem Druck kommen und allgemein zugänglich werden.

Wie zum Beispiel die aktuelle Ausgabe von Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), einer monothematischen Zeitschrift, von der die meisten von euch vermutlich noch nie etwas gehört haben (ginge mir vermutlich ähnlich, wenn ich nicht Politikwissenschaft studiert hätte). Diese Zeitschrift wird von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegeben und erscheint regelmäßig als Beilage der Wochenzeitung Das Parlament. (Na, wer kennt die?)

Aus Politik und Zeitgeschichte – Darknet (und Bitcoin)

Das aktuelle Heft widmet sich jedenfalls dem Oberthema Darknet und neben sechs anderen Autoren, die sich von je anderen Perspektiven diesem Thema nähern, wurde ich gefragt, ob ich einen Artikel zu meinem Spezialthema beisteuern könnte. Konnte ich. Ergebnis: Phänomen Bitcoin. Geld, Technologie und gesellschaftliches Ereignis.

Apuz Bitcoin Darknet 2
Klicken um direkt zum Heft zu gelangen.

Ich freue mich aus gleich zwei Gründen sehr, dass ich das machen durfte. Zum einen weil dieses Heft seinen Autoren im Vergleich zu den meisten anderen Druckmedien sehr viel Platz einräumt. Gerade im Fall eines so facettenreichen und vielschichtigen Phänomens wie Bitcoin ist das natürlich von Vorteil.

Eine Institution mit enormer Reichweite

Der zweite Punkt ist, dass man die Reichweite dieses Medium, auch wenn es viele (noch) nicht kennen, enorm ist. Mit einer Startauflage von 70.000 liegt Aus Politik und Zeitgeschichte bspw. gar nicht so weit weg vom Handelsblatt, dass im dritten Quartal 2017 etwas über 85.000 Exemplare (pro Tag) verkaufte.

Wobei die APuZ-Distribution jedoch eine gänzlich andere ist. Die Zeitschrift geht nämlich zusammen mit Das Parlament (die übrigens vom Bundestag herausgegeben wird) größtenteils kostenlos unters Volk, in Bildungseinrichtungen, an politische Institutionen und in deren Peripherie.

Das aktuelle Darknet/Bitcoin-Heft kommt dementsprechend  also nicht nur in die Zeitung Das Parlament, sondern zusammen mit dieser in großer Stückzahl auch tatsächlich in den Bundestag und alle damit verbundenen Institutionen. Und damit letztlich auch in die Hände sehr vieler Entscheidungsträger und -beeinflusser, die sich bisher womöglich noch nicht wirklich mit Bitcoin auseinandergesetzt haben, die im Jahr 2017 aber eigentlich gut darüber Bescheid wissen sollten.

Alle Inhalte kostenlos und unter Creative Commons Lizenz

Doch ist das politische Ökosystem nicht die einzige Zielgruppe. Denn gemäß des Auftrags der Bundeszentrale für politische Bildung sollen die Hefte eben nicht nur Fachpublikum erreichen, sondern jedem Bürger zugänglich sein. Deshalb sind alle APuZ-Texte nicht nur auch online abrufbar, sondern stehen auch unter einer Creative Commons Lizenz, sodass sie auch leicht weiter verbreitet werden können und dürfen. Darüber hinaus kann man sich sowohl diese aktuelle wie auch viele ältere Ausgaben kostenlos zuschicken lassen.

Wer also immer schon mal ein Beispiel für die sinnvolle Verwendung von Steuergeldern gesucht hat: Das hier ist eines und ich empfehle sehr, Gebrauch davon zu machen. Zumal auch die Artikel der anderen Autoren äußerst lesenswert sind.

Sind Tatort-Zuschauer zu doof für Bitcoin?

Ich persönlich kann mit dem Tatort und dem ganzen Wind, der darum gemacht wird, nichts anfangen. Insofern kann ich auch zu dem gestrigen Tatort nicht viel sagen.

Außer dass es da wohl irgendwie um das Darknet ging und (so die Kommentare bei Twitter & Co.) die Macher mal wieder ganz tief in die Klischee-Kiste gegriffen haben, um aus diesem Thema irgendwie einen Krimi zu basteln. Z. B.. soll wohl irgendwie das Netzkabel vom Laptop gekappt worden sein, um diesen vor unbefugtem Zugriff zu schützen.

Vielleicht war es auch anders. Aber allein, dass ich es für realistisch halte, dass so etwas in einem Tatort ernst gemeint sein könnte, erklärt vermutlich ganz gut, warum ich mich nicht für das Format interessiere.

Kein Darknet-Tatort ohne Bitcoin

Bitcoin war gestern übrigens auch irgendwie Thema. Ist in Hinblick auf die Tatort-Drehbuch-Logik aber auch nur vorhersehbar konsequent: Kein Darknet ohne Bitcoin.

Interessant ist dazu auch die Tatort-Kritik vom SWR3:

“Darknet? Der Kommissar selbst hat offenbar noch nie was davon gehört. Borowski muss sich auch die gängigsten Smartphone-Anwendungen erklären lassen, selbst der seit Jahren in jeder Zeitung durchgekaute Begriff „Bitcoin“ ist für Borowski ein Fremdwort. Deswegen wird ein digitalisierter „Comic-Borowski“ – Achtung Kunst – in einer Trickfilm-Sequenz durch dieses geheimnisvolle Internet geführt und ist danach ein bisschen schlauer.”

Brauchen Tatort-Zuschauer die Maus, um Bitcoin zu verstehen?

Verwunderlich ist jedoch, dass im Vorfeld des Ausstrahlung gestern in der Tatort-Sektion der ARD-Mediathek  ein kurzes Video aufgetaucht ist, in dem Armin Maiwald von der Sendung mit der Maus erklärt, was Bitcoins sind.

bitcoin maus armin maiwald 1
Drei minus eins gleich zwei. Die Maus erklärt Mathe und Bitcoin auf Tatort-Niveau.

Ich will das nicht schlecht machen – Armin erklärt Bitcoin sehr gut! Allerdings wirkt das an dieser Stelle merkwürdig fehlplatziert und wirft Fragen auf. Allen voran: Warum?

Was hat dieser Clip in der Tatort.Sektion zu suchen? Glauben die Verantwortlichen, dass die Zielgruppe des Tatorts Erklärungen nicht versteht, die komplexer sind als Sendung mit der Maus-Niveau? Oder hatte man den Clip einfach irgendwo übrig? Oder war es das erste, was man im Sendespeicher fand, auf der Suche nach irgendwas mit BItcoin? (Der Weltspiegel hatte übrigens vor einiger Zeit einen ganz passablen Beitrag und eine ganze Darknet-Doku hat der NDR produziert.)

Ich weiß es nicht und will mich auch gar nicht weiter damit beschäftigen. Fazit ist aber: Bitcoin ist mittlerweile in der Sendung mit der Maus angekommen (Sieh an!) und alles, was mit dem Tatort zu tun hat, finde ich weiterhin seltsam verstörend (Sieh weg!).

 

Die ARD zeigt gleich zwei Prime-Time Bitcoin-Dokus

Ich habe mir den heutigen Tag aus zwei Gründen im Kalender markiert. Zum einen ist heute der zweite Geburtstag von Bitcoin. Der erste ist der 3. Januar, an dem der Genesis-Block gemined wurde, erst seit dem 9. Januar 2009 läuft die Blockchain jedoch quasi durchgehend.

ARD zeigt Darknet-Doku zur Hauptsendezeit

Der andere Grund ist jedoch die Dokumentation “Das Darknet”, die heute Abend 22:45 Uhr in der ARD ausgestrahlt wird und in der erwartungsgemäß auch das Thema Bitcoin eine Rolle spielen wird.

Gespannt bin ich insofern, als dass ich im Vorfeld bereits mit dem Produktionsteam in Kontakt stand und in etwa weiß, wie groß und umfangreich die Recherche war. Der griffige und plakative Titel lädt zwar zum Schubladendenken à la “Bitcoin = böses, böses Internetgeld” ein, aber davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Zum einen ist Bitcoin beim Thema Darknet nur ein Aspekt von vielen. Zum anderen gehe davon aus, dass uns eine gut recherchierte, differenziert ausgearbeitete und trotzdem verständlich aufbereitete Dokumentation erwartet. Darauf lässt jedenfalls auch die Sendungsbeschreibung schließen:

“Es ist eine dunkle Welt, in der man wissen muss, wie man verschlüsselt und anonymisiert im Internet unterwegs ist: das Darknet: Tummelplatz für Drogendealer, Waffenhändler und Kinderschänder. Aber auch Zufluchtsort für Journalisten, Whistleblower und politisch Verfolgte in vielen Ländern der Welt. Durch die immer umfassendere digitale Überwachung ist das Darknet für Menschen in immer mehr autokratisch regierten Ländern der Welt überlebensnotwendig.

Annette Dittert hat sich auf eine Reise begeben, um die helle und dunkle Seite dieses digitalen Paralleluniversums kennenzulernen. Sie trifft den Drogendealer, der im realen Leben ein 45-jähriger Familienvater ist; den Waffenhändler, der von Sonderermittlern der Polizei geschnappt wurde, nachdem er Fehler beim Versenden der Ware machte und den Mann, der Kriminellen mit seinem Fachwissen hilft, im Darknet mittels Verschlüsselung und Anonymisierung illegale Geschäfte abzuwickeln.

Das Darknet hat die kriminelle Unterwelt verändert. Aber auch die Gegenseite rüstet auf. Das BKA fahndet mit immer mehr verdeckten Ermittlern im verborgenen Netz, immer häufiger kommen sie vor allem Waffenhändlern der kriminellen Unterwelt auf die Spur, was die Szene deutlich verunsichert.

In Istanbul trifft Annette Dittert den Journalisten Baris Pehlivan, dessen Computer von der türkischen Regierung mit einem Trojaner infiziert wurde, der belastende Dokumente auf seine Festplatte spielte. Der Journalist wurde daraufhin zu 19 Monaten Haft verurteilt. Erst als ein Computerspezialist den Trojaner fand, kam Baris Pehlivan wieder frei. Die syrische Journalistengruppe „Raqqa is being slaughtered silently” benutzt Darknet-Technologien, um über Gräueltaten in der IS-Hochburg zu berichten.

Unterstützt werden solche Journalisten und Whistleblower von einer kleinen Gruppe digitaler Spezialisten, sogenannte „White Hat Hacker”. Annette Dittert trifft einen von ihnen, der sich noch nie vor Fernsehkameras begeben hat: Claudio Guarnieri. Seit Jahren ist er in der ganzen Welt unterwegs, um bedrohten Journalisten und Menschenrechtlern Nachhilfe in digitaler Sicherheit zu geben.

In China erfährt Annette Dittert, dass das Darknet dort längst von Parteihackern eingenommen ist. Auf Island besucht sie eine Bitcoinfarm, wo die digitale Währung des Darknet in riesigen Rechnerfarmen “geschürft” wird.

Fazit: Das Darknet ist einerseits die Heimat einer kriminellen Unterwelt, andererseits ist es aber auch ein letzter Freiraum und Zufluchtsort für viele Menschen in einer Welt, in der Regierungen Milliarden investieren, um ihre Bürger komplett zu überwachen. Annette Ditterts Recherchen im Darknet sind eine Reise durch eine neue Welt.”

ARD Weltspiegel mit Bitcoin-Beitrag am Sonntagabend

Außerdem lief bereits gestern im Weltspiegel ein kleiner Spin-off-Beitrag aus obiger Recherche zum Thema “Bitcoins – Das Geld der Zukunft?”, der (für die Kürze) nicht nur inhaltlich und gestalterisch gut gemacht ist, sondern auch sehr ansehnliche Info-Grafiken beinhaltet und erklärt.

Gerade das ist wichtig, denn letztlich ist die große Herausforderung, die enorm heterogene ARD-Hauptzielgruppe bei ihrem kleinsten gemeinsamen Wissens-Nenner abzuholen.

Dass das gestern schon einmal gelungen ist, konnte ich direkt an den Zugriffszahlen hier auf der Seite sehen. Die gingen im Anschluss an den Beitrag nämlich deutlich nach oben, u. a. weil viele Leute nach “bitcoin island” und ähnlichen in obigem Beitrag erwähnten Kombinationen gesucht haben.

suchbegriffe bitcoin

Ich bin also nicht nur auf die Doku heute Abend gespannt, sondern auch auf die Reaktionen, die sie zweifelsohne hervorrufen wird.

Digitales Bezahlen #12 – Der Bitcoin-Podcast

Jeden Mittwoch gibt es hier die aktuelle Folge des #DigitalesBezahlen-Podcasts, den ich in Kooperation mit dem Leipziger Onlineradio detektor.fm produziere. Abonnieren kann man den Podcast hier. Mehr Informationen und eine Übersicht über alle bisherigen Folgen gibt es auf der zugehörigen Podcast-Seite.

Diese Woche geht es um Kunst und Bitcoin. Denn Geld war schon immer ein inspirierendes Thema für Künstler. Auch bei digitalem Geld ist das nicht anders. Die offenen Finanz- und Transaktionsdaten von Bitcoin laden geradezu zur künstlerischen Auseinandersetzung ein. Manche Künstler nutzen das digitale Geld dabei nicht nur für ästhetische Projekte, sondern tauchen tief in die Grauzone künstlerischer Legalität ein.

Nach dem Klick noch ein paar mehr Informationen und die Links zu den besprochenen Kunstprojekten.

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Die Silk Road Drogenstatistik

Die unmittelbare Assoziation von Bitcoin mit dem anonymen Kaufen von Drogen auf Seiten wie der Silk Road ist in der öffentlichen Wahrnehmung rückläufig. Nichtsdestotrotz floriert das Narkotika-Geschäft im Netz und Daryl Lau hat sich mal den “Spaß” gemacht die Silk Road 2.0 durchzucrawlen und ein paar Statistiken zu erstellen. Das Ganze natürlich aus rein objektiven Gründen. Seine Motivation war einfach, dass es trotz erschwertem Zugang durch das Tor-Netzwerk technisch möglich ist.

Bitcoin bleibt bei seiner Analyse zwar außen vor, aber die Drogen-Statistiken allein sind schon beeindruckend genug. Hier eine kurze Zusammenfassung: Ecstasy wird demnach von allen Drogen am meisten angeboten, Gras und Koks werden jedoch am meisten bewertet. In Holland sitzen die meisten Verkäufer, Deutschland ist aber auch ganz gut dabei.

Grundsätzlich sind all diese Aussagen mit Vorsicht zu betrachten und eher Indizien als valide Daten. Nicht alle Händler machen gleichermaßen detaillierte Angaben. Was aber sicher ist: über die Silk Road 2.0 wird Drogenhandel nicht nur im kleinen, sondern auch im großen Maßstab betrieben. Kilopreise kommen durchaus vor.

Das ist krass und auch Daryl Lau schreibt, dass für ihn die intensive Beschäftigung mit den Unmengen von bunten Pillen eine gruselige Erfahrung war. Es ist wohl deutlich leichter die Silk Road 2.0 datentechnisch zu verarbeiten als mental.

Nichtsdestotrotz will er in einem zweiten Teil noch weitere Daten sammeln und auswerten. Vielleicht spielt dann ja auch Bitcoin eine Rolle. Zwar wäre es begrüßenswerter, wenn sich die Kryptowährung von diesem dunklen Kapitel weiter lösen könnte, aber Ignoranz ist ja auch keine Lösung und man sollte sich auch mit dem beschäftigen, was Kritiker zu Recht kritisieren.