Weltspiegel ARD bitcoin dokumentation

Die ARD zeigt gleich zwei Prime-Time Bitcoin-Dokus

Ich habe mir den heutigen Tag aus zwei Gründen im Kalender markiert. Zum einen ist heute der zweite Geburtstag von Bitcoin. Der erste ist der 3. Januar, an dem der Genesis-Block gemined wurde, erst seit dem 9. Januar 2009 läuft die Blockchain jedoch quasi durchgehend.

ARD zeigt Darknet-Doku zur Hauptsendezeit

Der andere Grund ist jedoch die Dokumentation „Das Darknet“, die heute Abend 22:45 Uhr in der ARD ausgestrahlt wird und in der erwartungsgemäß auch das Thema Bitcoin eine Rolle spielen wird.

Gespannt bin ich insofern, als dass ich im Vorfeld bereits mit dem Produktionsteam in Kontakt stand und in etwa weiß, wie groß und umfangreich die Recherche war. Der griffige und plakative Titel lädt zwar zum Schubladendenken à la „Bitcoin = böses, böses Internetgeld“ ein, aber davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Zum einen ist Bitcoin beim Thema Darknet nur ein Aspekt von vielen. Zum anderen gehe davon aus, dass uns eine gut recherchierte, differenziert ausgearbeitete und trotzdem verständlich aufbereitete Dokumentation erwartet. Darauf lässt jedenfalls auch die Sendungsbeschreibung schließen:

„Es ist eine dunkle Welt, in der man wissen muss, wie man verschlüsselt und anonymisiert im Internet unterwegs ist: das Darknet: Tummelplatz für Drogendealer, Waffenhändler und Kinderschänder. Aber auch Zufluchtsort für Journalisten, Whistleblower und politisch Verfolgte in vielen Ländern der Welt. Durch die immer umfassendere digitale Überwachung ist das Darknet für Menschen in immer mehr autokratisch regierten Ländern der Welt überlebensnotwendig.

Annette Dittert hat sich auf eine Reise begeben, um die helle und dunkle Seite dieses digitalen Paralleluniversums kennenzulernen. Sie trifft den Drogendealer, der im realen Leben ein 45-jähriger Familienvater ist; den Waffenhändler, der von Sonderermittlern der Polizei geschnappt wurde, nachdem er Fehler beim Versenden der Ware machte und den Mann, der Kriminellen mit seinem Fachwissen hilft, im Darknet mittels Verschlüsselung und Anonymisierung illegale Geschäfte abzuwickeln.

Das Darknet hat die kriminelle Unterwelt verändert. Aber auch die Gegenseite rüstet auf. Das BKA fahndet mit immer mehr verdeckten Ermittlern im verborgenen Netz, immer häufiger kommen sie vor allem Waffenhändlern der kriminellen Unterwelt auf die Spur, was die Szene deutlich verunsichert.

In Istanbul trifft Annette Dittert den Journalisten Baris Pehlivan, dessen Computer von der türkischen Regierung mit einem Trojaner infiziert wurde, der belastende Dokumente auf seine Festplatte spielte. Der Journalist wurde daraufhin zu 19 Monaten Haft verurteilt. Erst als ein Computerspezialist den Trojaner fand, kam Baris Pehlivan wieder frei. Die syrische Journalistengruppe „Raqqa is being slaughtered silently“ benutzt Darknet-Technologien, um über Gräueltaten in der IS-Hochburg zu berichten.

Unterstützt werden solche Journalisten und Whistleblower von einer kleinen Gruppe digitaler Spezialisten, sogenannte „White Hat Hacker“. Annette Dittert trifft einen von ihnen, der sich noch nie vor Fernsehkameras begeben hat: Claudio Guarnieri. Seit Jahren ist er in der ganzen Welt unterwegs, um bedrohten Journalisten und Menschenrechtlern Nachhilfe in digitaler Sicherheit zu geben.

In China erfährt Annette Dittert, dass das Darknet dort längst von Parteihackern eingenommen ist. Auf Island besucht sie eine Bitcoinfarm, wo die digitale Währung des Darknet in riesigen Rechnerfarmen „geschürft“ wird.

Fazit: Das Darknet ist einerseits die Heimat einer kriminellen Unterwelt, andererseits ist es aber auch ein letzter Freiraum und Zufluchtsort für viele Menschen in einer Welt, in der Regierungen Milliarden investieren, um ihre Bürger komplett zu überwachen. Annette Ditterts Recherchen im Darknet sind eine Reise durch eine neue Welt.“

ARD Weltspiegel mit Bitcoin-Beitrag am Sonntagabend

Außerdem lief bereits gestern im Weltspiegel ein kleiner Spin-off-Beitrag aus obiger Recherche zum Thema „Bitcoins – Das Geld der Zukunft?“, der (für die Kürze) nicht nur inhaltlich und gestalterisch gut gemacht ist, sondern auch sehr ansehnliche Info-Grafiken beinhaltet und erklärt.

Gerade das ist wichtig, denn letztlich ist die große Herausforderung, die enorm heterogene ARD-Hauptzielgruppe bei ihrem kleinsten gemeinsamen Wissens-Nenner abzuholen.

Dass das gestern schon einmal gelungen ist, konnte ich direkt an den Zugriffszahlen hier auf der Seite sehen. Die gingen im Anschluss an den Beitrag nämlich deutlich nach oben, u. a. weil viele Leute nach „bitcoin island“ und ähnlichen in obigem Beitrag erwähnten Kombinationen gesucht haben.

suchbegriffe bitcoin

Ich bin also nicht nur auf die Doku heute Abend gespannt, sondern auch auf die Reaktionen, die sie zweifelsohne hervorrufen wird.

4 Gedanken zu „Die ARD zeigt gleich zwei Prime-Time Bitcoin-Dokus“

  1. Danke für den Tipp! In diesem Zusammenhang sei auch die sehr spannende und vor allem ausgeglichene Doku „Down the Deep Dark Web“ http://www.downthedeepdarkweb.com/home.html empfohlen. Sie wurde zu großen Teilen Ende 2015 gedreht, hat aber zum Teil die gleichen Schauplätze und Protagonisten wie die ARD-Doku.

    Und noch ein Jahr älter, aber nicht minder interessant ist „Deep Web“, http://www.deepwebthemovie.com In dieser Dokumentation wird die Geschichte der Silk Road erzählt. Und aufgezeigt, wie aus Ross Ulbricht der erste politische Gefangene der Generation Bitcoin gemacht wurde. (Wenn das jetzt etwas polemisch klang: Der Film ist deutlich ausgeglichener.)

  2. Hohe Erwartungen, die leider enttäuscht wurden. Die Geschichte, die Annette Dittert in „Das Darknet“ erzählt, wirkt wirr zusammengesetzt und teilweise sehr bemüht. Einzelne Episoden, etwa die Interviews mit türkischen Oppositionellen, haben überhaupt keinen Bezug zum Thema. Andere sind schlicht überflüssig, wie etwa das Segment mit dem chinesischen „Hacker“. Da mussten wohl im Nachhinein Reisekosten gerechtfertigt werden. Insgesamt fehlt der rote Faden. Und Bitcoin taucht leider auch nur in dem Umfang auf, wie bereits im Vortagesbeitrag für den Weltspiegel geschehen. Es gibt zwar hübsche Infografiken, wer aber technische Details erwartet, wird enttäuscht. Das „Eintauchen in eine fremde Welt“, wie es die Autorin im Film so oder ähnlich beschreibt, kann sie den Zuschauer leider überhaupt nicht vermitteln. Der Tenor ist eher: Mutti erklärt das Darknet. Ein paar gute Ansätze sind drin, aber wer sich wirklich für das Thema interessiert, ist mit den Empfehlungen oben („Down the Deep Dark Web“, „Deep Web“) besser aufgehoben.

    1. Das kann man so sehen. Man muss aber auch bedenken, dass 45 Minuten sehr wenig Zeit für so ein großes Thema sind und dass die ARD nun einmal Programm für alle Ihre Zuschauer macht und man daher erklärtechnisch beim kleinsten gemeinsamen Wissensnenner beginnen muss. Und dazu gehören nun einmal auch Menschen, die kein Smartphone besitzen und das Internet vielleicht einmal die Woche nutzen um ein/zwei E-Mails zu schreiben. In diesem Kontext fand ich die Dokumentation sogar sehr gelungen. Klar, Bitcoin kam nur kurz darin vor und bräuchte eigentlich mal eine eigene Dokumentation in diesem Umfang, aber vergleich mal wie die Berichterstattung über das Thema in der Massenmedien noch vor einiger Zeit war: eher tendenziös (à la Bitcoin ist grundsätzlich böse) und oftmals voller Fehler bzgl. der Grundlagen. Insofern sind wir schon einen guten Schritt weiter. Nichtsdestotrotz kann man sich ja auch noch weitere Dokus anschauen, sowohl zu Bitcoin als auch zum Darknet.

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