Schlagwort-Archive: Deutschlandfunk

Blockchain & Kultur – Neue Podcast-Serie im DLF

Der Deutschlandfunk hat dieser Tage unter dem Titel Blockchain Stories eine achtteilige Radio- und Podcast-Serie online gestellt. Das Besondere dabei: Alle Beiträge sind von der Kultursendung Corso verantwortet, was dem Thema einen erfrischenden Blickwinkel verleiht.

„Blockchain“ aus der Kulturperspektive

So geht es neben einem obligatorischem Blockchain-Grundlagen-Beitrag und einem über Bitcoin als Geld der Zukunft (das Stück habe ich gemacht) auch noch einmal konkret um die Aspekte Klima, Patente, Musik, Gaming und Politik.

Wobei insbesondere über letztere Folge noch zu reden sein wird. Der interviewte Medienwissenschaftler David Golumbia vertritt nämlich ein paar sehr kontroverse und irritierende (Verschwörungs-)Theorien. Aber dazu dann mehr in der nächsten Honigdachs-Podcast-Folge.

Solide, aber nicht ganz auf der Höhe der Zeit

Insgesamt sind alle Beiträge solide und ich finde es gut, dass sich die Redaktion für das Thema „Blockchain“ ein paar neue Blickwinkel hat einfallen lassen. Warum nicht mal eine Ethereum-Mine anstelle einer Bitcoin-Mine besuchen und über Gaming und die Blockchain wurde bisher ja auch noch nirgends so prominent gesprochen.

Dennoch gibt es auch Kritik. Einige Beiträge wirken nämlich nicht ganz aktuell. So ist ja nicht erst seit gestern klar, dass es grundsätzlich keine gute Idee ist, komplexe digitale Spiele dezentral auf einer Blockchain laufen zu lassen. (Weil es zum einen keine Blockchain gibt, die das technisch leisten könnte und es zum anderen auch keinen guten Grund gibt, Spiele nicht mehr, wie bisher, zentral zu verwalten.) Warum also noch so ausführlich darüber reden, wenn es doch eigentlich um die „Zukunft des Zocken“ gehen soll?

Das hätte man schneller abhaken und zum tatsächlich interessanteren Ausblick in die Zukunft kommen können. Diesen jedoch aus dem schon vor langer Zeit verblühten Hype um tokenisierte Collectibles wie Crypto Kitties abzuleiten, wirkt etwas aus der Zeit gefallen. Nach bald anderthalb Jahren ist dieses Thema in Krypto-Jahren schon fast als historisch zu betrachten. Ein daraus abgeleiteter Blick in die Zukunft entsprechend retro-futuristisch.

Ein Beitrag auf der Trend- und technischen Höhe der Zeit hätte sich dagegen auch mit den Möglichkeiten und Konsequenzen von Lightning-basierten Micro- und Nanopayments (alles kleiner 1 Cent) auf Gaming beschäftigt. Dieser Aspekt fehlt jedoch leider ganz.

Zwischen Krypto-Historie und Realitäts-Futurismus

Nichtsdestotrotz ist das aber Kritik auf hohem Niveau. Denn was für jemanden, der sich selbst bereits intensiv mit der Materie auseinandersetzt, bereits krypto-historisch ist, kann für den prototypischen Deutschlandfunk-Kulturmagazin-Hörer trotzdem futuristisch (genug) sein. Insofern überwiegt die Tatsache, dass Bitcoin und seine Auswirkungen überhaupt und immer mehr als gesellschaftsrelevantes Kulturthema wahrgenommen und diskutiert wird, die Kritik deutlich.

Zumal die einzelnen Stücke auch wirklich schön anzuhören sind. (Vom Golumbia-Interview mal abgesehen, das ohne den Kontext seines Buches wie das Dümmste wirkt, was jemals über Bitcoin gesagt wurde.)

Die acht Beiträge sind im Einzelnen:

#1 Blockchain für Dummies erklärt
Wohl kaum ein anderes Phänomen wird in der Netzkultur so stark diskutiert wie die Blockchain. Ein Heilsbringer soll sie sein, der die Macht hat, das Internet zu verändern und viele Probleme der Zukunft zu lösen. Wie sie funktioniert, wissen aber nur die wenigsten. Ein Erklärungsversuch.

#2 Bitcoin = digitale Währung der Zukunft
Obwohl es Bitcoin schon seit zehn Jahren gibt, hat noch kaum jemand dieses digitale Bargeld so richtig verstanden. Trotzdem wächst das Phänomen beständig. Warum eigentlich?

#3 Besuch einer Ethereum-Mine
Bis vor Kurzem konnte man mit Kryptowährungen ziemlich schnell Millionär werden. Wertverlust hin oder her: Das digitale Geld wird immer noch in sogenannten Kryptominen geschürft. Das gilt auch für Ethereum, das mehr Einsatzmöglichkeiten bietet. Einblicke in eine Parallelwelt aus Strom und Kabeln.

#4 Die Politik der Bitcoin
Die Blockchain gilt als fortschrittliche Erfindung. Die Attraktivität dieser neuen Technologie bringt allerdings politische Gefahren mit sich. Sie sei effektiver in der Verbreitung von Ideologie als alles andere, sagte Medienwissenschaftler David Golumbia im Dlf.

#5 Digital und dreckig
Der Hype um den Bitcoin hat zu einem digitalen Goldrausch geführt. Aber das Schürfen der Kryptowährung verschlingt enorme Mengen Energie. Mittlerweile dürfte ein Teil der Klimaerwärmung aufs Konto des Bitcoin gehen. Eine umweltfreundliche Nutzung der Technologie scheint dennoch möglich.

#6 Revolution des Patentrechts?
Seit der Erfindung des Papiers werden wichtige Dokumente mit einem Stempel verifiziert. Heutzutage versehen Computer Dateien mit einem Zeitstempel. Die Blockchain könnte dieses Verfahren vereinfachen und sicherer machen – für Musiker und andere Kreative. Steht eine Revolution des Patentrechts bevor?

#7 Die Zukunft der Musik
Eine Revolution der Musikwelt steht bevor: Dank der Blockchain wird es Musikern durch innovative Geschäftsmodelle angeblich bald möglich sein, digitale Welten mit ihren eigenen Regeln zu erschaffen. Darin läge das Potential, sich neu zu erfinden, sagte Medienkünstler Mathew Dryhurst im Dlf.

#8 Computerspiele neu gedacht
Blockchain in Computerspielen – dort würde man die Technologie nicht vermuten. Diese Gamedesignerszene ist zwar überschaubar, will die digitale Spielewelt aber mit neuen Ideen bereichern: So könnten die Nutzer virtuelle Welten mit eigenen Entwürfen erweitern. Ein Blick in die Zukunft des Zockens.

Wie der Deutschlandfunk Bitcoin entdeckt

Ich beobachte ja nicht nur die Entwicklung von Bitcoin mit großem Interesse, sondern auch die Wechselwirkungen dieser Technologie mit der Gesellschaft. Ganz konkret zum Beispiel, wie die Medien mit dem Thema umgehen: Bis 2013 wurde Bitcoin nahezu komplett ignoriert. Dann gab es eine lange Phase, in denen mindestens die Hälfte aller Beiträge gravierende Fehler und Falschdarstellungen hatten oder deutlich eher sensations- und klickzahlengeil als informierend waren.

Heute nun, Mitte 2016, sind viele Berichte über Bitcoin und artverwandte Themen erfreulicherweise auf einem Niveau angekommen, das man, um es mal vorsichtig auszudrücken, gelten lassen kann. Nicht immer bis ins letzte Detail richtig und vollständig, aber zumindest auch nicht mehr irreführend und tendenziös. (ja, ich gucke in deine Richtung, boerse.ard.de)

Der Deutschlandfunk entdeckt Bitcoin als Thema

Ganz besonders deutlich wurde die Entwicklung diese Woche am Beispiel Deutschlandfunk. Der sendete binnen zwei Tagen nämlich zwei ganz ordentliche Beiträge in unterschiedlichen Sendungen. Am Donnerstag lief Bitcoins & Co. – Chancen und Risiken von Digitalwährungen im Verbrauchertipp(!) und vorgestern Kryptowährung Bitcoin – Wie sich Bitfinex nach dem digitalen Raubzug retten will in der Sendung Computer und Kommunikation. (Hinweis: Der Hören-Button versteckt sich bei beiden Beiträgen äußerst dezent im Titelbild)

Was in letzterem Fall bemerkenswert ist: Vor einem knappen Jahr hatte ich für die selbe Redaktion einen Beitrag über Ascribe und die Blockchain gemacht. Damals kämpfte ich insgesamt acht Monate(!) darum, dass das Thema gesendet wurde. Das Gegenargument seitens des Redakteurs: Das ist alles viel zu abstrakt und komplex und fern der Lebenswelt der Hörer. Samstag unterhält sich selbiger nun über Details und Konsequenzen eines Hacks irgendeiner in Hong Kong beheimateten Bitcoin-Börse.

Mehr gute und vielfältige Bitcoin-Berichterstattung bitte!

Ich weiß jetzt nicht, wie viele Hörer des Deutschlandfunks das nun unmittelbar betrifft (insbesondere, wenn man den zwei Tage zuvor gesendeten Verbrauchertipp gehört hat), finde es aber trotzdem gut, dass er es gemacht hat. Wir brauchen nämlich noch viel mehr qualifizierte Bitcoin-Berichterstattung und -Themenbreite in deutschen Medien.

Aber das nicht nur in Techniksendungen, sondern in allen Ressorts. Denn Bitcoin ist nicht nur Technik oder Wirtschaft, sondern ein gesamtgesellschaftliches Phänomen.

Ascribe – Blockchain am liebsten ohne Bitcoin

Am Samstag habe ich in der Deutschlandfunk-Sendung Computer und Kommunikation über mögliche Blockchain Anwendungen berichtet und dabei das Berliner Startup Ascribe vorgestellt, das, ganz nebenbei bemerkt, das bestfinanzierte deutsche Bitcoin/Blockchain-Startup ist.

Was aber viele nicht wissen, denn Ascribe hält sich ein bisschen raus aus der ganzen Bitcoin-ist-digitales-Geld-Nummer und arbeitet an einer ganz spezifischen nicht-monetären Blockchain-Nutzungs-Idee, die ihren Ursprung in der Kunst-Szene hat: Die Blockchain soll nämlich die Verwaltung von Urheber- und Nutzungsrechten von geistigem Eigentum in der digitalen Welt übernehmen.

Hier geht es zum Beitrag „Mit der Bitcoin-Blockchain digitale Rechte sichern“ und mit diesem Link kommt man direkt zur Audiodatei.

Ascribe & die Blockchain – Special-Extended-Version

Weil jedoch die Sendezeit im Radio knapp ist, konnte On Air nur eine vom Redakteur etwas ruppig auf 3:45 Minuten gekürzte Fassung des Beitrags laufen. Deshalb habe ich hier noch einmal die originalen fünf Minuten hochgeladen:

Was lange währt …

Kleine Notiz noch am Rande. Es hat mich acht Monate(!) Beharrlichkeit gekostet den verantwortlichen Deutschlandfunk-Redakteur zu überzeugen, dass es wichtig ist, über die Blockchain und ihr Potential zu berichten. Soviel zum Innovationsstandort Deutschland.

Wer diese, nicht unanstrengende und zeitaufwändige, Beharrlichkeit unterstützenswert findet – die Blockchain ist ja auch ein prima Abstimmungstool, über das man seine Zustimmung ausdrücken kann. Wer mag, kann dafür folgenden Button nutzen: