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Wie die Isle of Man zum Bitcoin-Hub wird

Ich wollte schon lange diese wirklich liebevoll gemachte Multimedia-Reportage von Bloomberg verbloggen: Greetings from Bitcoin Island. No place on the planet has welcomed digital currencies as warmly as the Isle of Man, da kommt just die Tage auch Arte mit einem kurzen Beitrag über das kleine Eiland in der irischen See daher, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, nicht nur als der Standort für Online-Glücksspiel zu werden („During the past decade, some of the world’s biggest such companies have relocated here […] making the island as important to online poker as Las Vegas and Macau are to bricks-and-mortar casinos.“), sondern auch in Sachen Bitcoin und Kryptowährungen große Ambitionen hegt.

Bloomberg top, Arte flop

Wobei aber die Bloomberg-Reportage die deutlich bessere ist, weil der Arte-Beitrag Bitcoin per se in ein zwielichtiges Licht rückt, ohne das kritisch zu hinterfragen. Mitten in dem Panama-Papers-Steueroasen-Hype zeigt die Redaktion hier leider, dass sie das Thema fachlich nicht angemessen umsetzen kann.

Wer allerdings auf Lesen und Englisch keinen Bock hat, kann sich trotzdem auch den Arte-Beitrag anschauen. Von der unnötig tendenziösen Berichterstattung abgesehen, ist das Geschehen auf der Isle of Man ja dennoch interessant.

Die BBC über die Isle of Man als Bitcoin-Island

Die Isle of Man, eine kleine Insel in der irischen See, hat große Ambitionen ein „Bitcoin Island“ zu werden.

Mein erster Reflex auf diese Meldung war skeptisches Augenrollen. Denn mit Zypern hatte letztes Jahr bereits ein anderer kleiner Inselstaat aufmerksamkeitsheischend ähnlich hochtönende Pläne geäußert. Der „Bitcoin-Hub“, das „London der Kryptowähungen“, wollte man damals werden. Daraus geworden ist jedoch bekanntlich nicht viel. Mit der hausgemachten Implosion von Neo & Bee platzte auch die mit viel heißer Luft und bombastischen Versprechungen aufgepumpte zypriotische Bitcoin-Begeisterungs-Blase.

Die Isle of Man ist kein zweites Bitcoin-Zypern

Trotz meiner Skepsis habe ich mir dann aber doch diesen BBC-„Business Daily“-Podcast angehört (hier in einem zusammengefassten Artikel), in dem Zoe Kleinman auf der Isle of Man der Frage nachgeht, ob und wie die Bitcoin-Zukunft der Insel denn aussehen könnte.

Und diese Zukunft könte sich ziemlich spannend gestalten. Denn die Bewohner der Isle of Man sind Bitcoin-affin und die Regierung ist offen und vergleichsweise progressiv, was die Ausgestaltung solider rechtlicher Rahmenbedingungen angeht. Vor allem aber herrscht  Konsens darüber, dass eine Regulierung grundsätzlich nötig ist, diese aber mit Augenmaß getroffen werden muss. Ziemlich gute Bedingungen für die Entwicklung einer nachhaltigen Bitcoin-Struktur.

Die Isle of Man verbindet E-Gaming mit Bitcoin

Was mich aber am meisten hat aufhorchen lassen, ist ein Fakt, der mir bisher nicht bewusst war: Durch ihre bisherige Regulierungs- und Steuerpolitik hat sich die Isle of Man bereits jetzt als beliebter Standort für Unternehmen der E-Gaming-Industrie profiliert. Daneben nun Digitale Währungen als weitere Spezialisierung zu setzen, ist ein äußerst smarter Schachzug. Immerhin steht die enorm aussichtsreiche Verbindung von E-Gaming mit digitalem Geld unverständlicherweise noch immer ganz am Anfang. Für die Isle of Man könnte sich das jedoch bald als großer Glücksfall erweisen.

Bild: “Classic old radio 1960s or 70s style” Flickr-User theslowlane (CC BY 2.0)