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Bitcoinprivacy – So groß und klein ist Bitcoin

Als Journalist bin ich immer wieder auf der Suche nach Fakten, die meine Thesen oder die Aussagen von Dritten be- oder widerlegen. Und obwohl die Daten in der Blockchain frei zugänglich sind und es jede Menge Bitcoin-Datenanalyse-Tools gibt, bin ich doch bislang an einer, wie ich finde, recht einfachen Frage  gescheitert:

Wie viele Menschen nutzen eigentlich Bitcoin?

Klar, es gibt Statistiken zur Anzahl von Transaktionen, zu Nodes im Netzwerk und immer mal wieder lassen große Paymentprovider ein paar Zahlen durchsickern, aber das Fehlen einer zentralen Institution macht es schwer die tatsächliche Verbreitung von Bitcoin valide zu messen.

Dankenswerterweise haben jedoch zwei Mitglieder des Leipziger Bitcoin-Stammtischs bitcoinprivacy.net ins Leben gerufen, eine Website, die die Daten der Blockchain mit dem eigens entwickelten Bitcoin-Graph-Explorer durchscannt, und dadurch Ergebnisse hervorbringt, die ich so nirgendwo anders (kostenlos) gefunden habe.

Bitcoin Statistiken
Statistiken von bitcoinprivacy.net

Zum Beispiel die Anzahl der Bitcoin-Adressen, die nicht leer sind. Diese Zahl ist insofern interessant, als dass es sich dabei aller Wahrscheinlichkeit nach um aktive Adressen handelt, wenn man mal von verlorenen Private Keys absieht.

Leere Bitcoin-Adressen von denen mit Guthaben trennen

Und auch wenn ich dadurch immer noch nicht weiß, wie viele Menschen genau Bitcoin nutzen, ist dieser Wert wesentlich aufschlussreicher als bspw. die Anzahl der MyWallet-Nutzer von blockchain.info. Deren Zähler geht bei jeder generierten Wallet nämlich immer nur aufwärts, aber berücksichtigt nicht, ob die angelegten Adressen überhaupt aktiv genutzt werden.

Aber das wäre marketingtechnisch auch keine gute Idee, denn bitcoinprivacy.net zeigt, dass die Zahl der aktiven Adressen, also derer mit einem Guthaben darauf, gar nicht so viel größer ist als die aller MyWallets. Ohnehin war ich überrascht, wie klein die Anzahl von Bitcoin-Adressen mit Guthaben ist. Wenn man bedenkt, dass es für viele Bitcoin-Nutzer üblich ist, mehr als eine Adresse zu benutzen, sinkt die Anzahl aktiver Bitcoiner wiederum.

Privatsphäre-Check und offene Bitcoin-Daten

Das ist übrigens ein weiteres Feature von bitcoinprivacy.net – das Clustern von Adressen, die zusammen gehören. Denn Bitcoin ist bei weitem nicht so anonym wie vielfach noch behauptet wird und es ist durchaus möglich verschiedene Adressen konkret ein- und demselben Ursprung zuzuordnen. Daher kann jeder auf bitcoinprivacy.net auch seine eigenen Adressen prüfen.

Zwei weitere schöne Features der Website sind die Richlist, die die 1000 meistgefüllten Adressen auflistet und damit einen tiefen Einblick in die (Un-)Gerechtigkeitsverteilung von Bitcoin gibt und die Suchmaske zur Verteilung des Bitcoin-Wohlstandes. Dort kann man explizit suchen wie viele Adressen mehr als einen bestimmten Betrag beinhalten.

bitcoin privacy user wallets
Aktuelle gibt es 101 Adressen, die mehr als 10.000 Bitcoins beinhalten.

So befinden sich aktuell die Hälfte aller Bitcoins auf Bitcoin-Adressen mit mehr als 500 Bitcoins, ein Viertel auf Adressen mit mehr als 5000 Bitcoins und 10 Prozent aller Bitcoins liegen auf Adressen mit mehr als 50.000 Bitcoins, von denen es übrigens 18 Stück gibt.

Weitere Bitcoin-Statistiken benötigt?

Den Link zu bitcoinprivacy.net und anderen Bitcoin-Daten- und Statistik-Seiten gibt es im Link-Archiv.

Statoshi – der tiefe Blick ins Bitcoin-Netzwerk

Wer sich richtig intensiv mit Bitcoin auseinandersetzt und dabei die technischen Aspekte im Blick hat, für den ist möglicherweise statoshi.info (großartiger Name!) eine interessante Seite.

Bitcoin-Daten für Technik-Experten

Denn dort gibt es mit den „Real Time Node Stats“ eine Vielzahl von Statistiken direkt aus dem Bitcoin-Netzwerk. Genutzte Bandbreite, Peers und deren Verbindungen oder unspend transaction outputs. Hier ein paar nähere Erläuterungen.

Für mich und meine Arbeit sind die Daten zwar zum jetzigen Zeitpunkt viel zu spezifisch als dass ich sie ohne fremde Hilfe interpretieren, geschweige denn journalistisch verwerten könnte, ich habe den Link zu statoshi.info aber trotzdem zu den anderen Daten-Anbieteren im Link-Archiv sortiert. Man weiß ja nie, wann man sie doch noch mal braucht.

7 von 100. Die Bitcoin-im-Netz-Statistik

cryptodude1 war so frei ein Google Doc zu erstellen, das dokumentiert, welche der 100 größten Webseiten (nach traffic gemessen) Bitcoin akzeptieren. Das sind überraschend wenige:

Platz 6 – Wikipedia
Platz 23 – WordPress.com
Platz 54 – Reddit
Platz 55 – xHamster
Platz 78 – WordPress.org
Platz 79 – Kickass Torrents
Platz 81 – The Pirate Bay

Dazu kommen noch Ebay und PayPal, bei denen Bitcoin ja bekanntlichermaßen in der Planung ist. Schönstes Detail der Tabelle ist jedoch, dass bei allen anderen Websiten kein Nein steht, sondern noch nicht.

cryptodude1 will die Tabelle dankenswerterweise aktuell halten und freut sich über sachdienliche Hinweise und Linktipps – wer ihn dabei unterstützen will, kontaktiert ihm am besten über Reddit.

Follow the coin

Fred Marion hat auf Crypt.la eine Übersicht erstellt über die 100 relevantesten Altcoins gemessen an ihrer Social Media Präsenz auf Facebook, Twitter und Reddit. Ein durchaus interessanter Ansatz, da Größe und Vitalität einer Community ohne Frage als Faktoren für den langfristigen Erfolg eines Coins gelten. Bitcoin ist dieser Liste nach wenig überraschend auch im Bereich Social Media obenauf, gefolgt von Dogecoin mit fünfmal mehr Gesamt-Followern als der drittplatzierte Litecoin. Von Cryptogenic Bullionon (Platz 7) habe ich übrigens zuvor tatsächlich noch nie gehört gehabt.

Interessanter wird die Liste noch, wenn man sie mit der häufiger verwendeten Rangliste bezüglich Marktkapitalisierung vergleicht, die die Währungen nach dem Gesamtwert aller im Umlauf befindlichen Einheiten sortiert. Ripple, Peercoin und Auroracoin beispielsweise liegen dort anstatt auf Platz 14, 17 und 28 allesamt in den Top 5, Cryptogenic Bullionon hingegen nur auf Platz 56.

Welche Schlüsse lassen sich aber nun daraus ziehen? Zunächst einmal keine definitiven, dafür sind beide Statistiken methodisch zu schwammig. Man kann sie aber zumindest nutzen um ein paar Tendenzen oder zumindest Hinweise auf die derzeitige Bedeutung bestimmter Altcoins zu gewinnen. Dafür hätten wohl aber auch die ersten 50 Plätze gereicht, wenn nicht sogar die Top 30.

Whassup, Bitcoin?

Wie viele Bitcoin-Tweets gehen gerade mit welchen Stichworten durchs Netz? In welchem Land wird am häufigsten nach Bitcoin gegoogelt? Welches Bitcoin-Topic wird auf in den letzten 10 Minuten auf Reddit am meisten kommentiert?

Nicht alle diese Fragen sind existenziell, außer man ist, sagen wir mal, Journalist, hat eine Deadline im Nacken und sucht nach recht spezifischen Antworten. Die Echtzeit-Monitoring-Website whatsupbitcoin.com könnte in diesem Fall die Anlaufstelle erster Wahl sein. Aber nicht nur dann, denn auch sonst bietet sie eine Reihe interessanter Suchfilter um die feilgebotenen Datensammlungen noch spezifischer nach den eigenen Bedürfnissen aufzubereiten. Und selbst falls mal keine Deadline droht, man aber dennoch den Überblick behalten will, können für die langfristige Nutzung auch individuelle Alerts eingerichtet werden.

Auf alle Datenfragen bietet whatsupbitcoin.com zwar keine Antworten – eine Facebook-Auswertung fehlt beispielsweise noch – die Seite ist aber dennoch eine durchaus nützliche Erweiterung im Zusammenspiel mit anderen Bitcoin-Daten- und Statistiktools.