Schlagwort-Archive: Vertrauen

Banker im DLF: „Bitcoin ist eine geniale Sache“

Es kommt nicht alle Tage vor, dass Banker Bitcoin explizit als „geniale Sache“ bezeichnen. Derzeit höchstens vielleicht hinter vorgehaltener Hand.

Umso bemerkenswerter ist es daher, wenn die Aussage live im Deutschlandfunk fällt und der Banker nicht irgendeiner, sondern der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Meyer, ist.

Dann kommt es nämlich, wie gestern, zu einem wirklich interessanten und vielschichtiges Gespräch, in dem es um Geld als soziales Medium geht, um Glaube und Vertrauen (bzw. wie der Moderator Marx zitiert: um „die theologischen Mucken des Geldes“), um Preisschwankungen, die letztlich nur vom Standpunkt abhängen und um starke Zitate, wie diese beiden:

  • „Ich denke, dass eine dezentral organisierte digitale Währung wie Bitcoin, die eben nicht von der Politik zu ihren Zwecken verwendet wird, langfristiger stabiler ist als das Geld, das wir gegenwärtig haben.“
  • „Kryptowährungen haben durchaus eine Zukunft, insbesondere dann, wenn das Vertrauen in unser gegenwärtiges Geldsystem schwinden sollte, und man weiß nicht, ob das Vertrauen in das gegenwärtige Geldsystem immer so anhalten wird“.

Beide Thesen sind nicht aus der Luft gegriffen, denn wer aktuell mal einen Blick nach Venezuela wirft oder sich erinnert, wie sich die Nachfrage nach Bitcoin entwickelte, als vor einiger Zeit auf Zypern die Geldautomaten plötzlich kaum mehr Geld rausrückten, weiß, worüber Thomas Meyer spricht.

Ein bemerkenswertes Interview, in dem jemand, der Ahnung hat, einfach redet, ohne darauf angewiesen zu sein, die Realität nach den Interessen seines Arbeitgebers zu interpretieren.

„Ohne Vertrauen kann Bitcoin nicht bestehen“

Bobby Lee ist der Chef der größten chinesischen Bitcoin-Börse BTC China, die im Dezember vergangenen Jahres daran beteiligt war den Bitcoin-Kurs nach seinem Höhenflug auf über 1000 US-Dollar wieder auf Talfahrt zu schicken und seinen Wert zu halbieren. Grund dafür waren damals Stellungnahmen offizieller chinesischer Institutionen, wie bspw. der chinesischen Zentralbank, die vor dem Handel mit Bitcoin warnten. Den Handel damals auszusetzen bezeichnet Bobby Lee heute als Maßnahme um die offiziellen Formulierungen zunächst genau analysieren zu können. Denn wichtiger als das was dort ganz konkret schwarz auf weiß stehe, sei in China das, was dort nicht explizit stehe. Mittlerweile hat BTC China zwischen den Zeilen gefunden wonach sie gesucht haben – kein unumgängliches Verbot – und den Handel mit Bitcoins wieder aufgenommen. Auf der Inside Bitcoins-Konferenz vergangene Woche in Berlin habe ich Bobby Lee mal ganz allgemein zu seiner Sicht auf das Thema Bitcoin befragt.

„Ohne Vertrauen kann Bitcoin nicht bestehen“ weiterlesen

You’ve got goxed!

Wer größere Summen Bitcoins bei der japanischen Bitcoin-Börse Mt.Gox deponiert hat, schläft derzeit nicht sehr gut. Seit längerer Zeit schon berichten User immer wieder über Probleme Bitcoins in US-Dollar umzuwandeln. Nun sind selbst Bitcoin-Transaktionen von Wallet zu Wallet nicht mehr möglich. „Technische Probleme“ so die offizielle Stellungnahme zu den rund 50.000 Bitcoins (um die 50 Millionen US-Dollar), die entweder in einer Warteschlange auf ihre Bearbeitung warten oder zurück in den jeweiligen Mt.Gox-Account gebucht werden um gleich wieder in der Warteschlange zu landen, falls man sie dort irgendwie herausbekommen will.

Die Gerüchteküche kocht natürlich hoch. Vom ersten Bitcoin bank run ist die Rede und nicht nur die Gruppe der Pessimisten, die das Ende von Mt.Gox inklusive aller dortigen Guthaben prophezeien, wächst, auch die Rettungsversuche einzelner Betroffener werden verzweifelter. Auf Reddit schildert CoinSearcher wie er am Mittwoch 16 Stunden von Australien nach Tokio geflogen ist um drei Tage vor der Zentrale von Mt.Gox zu protestieren und direkt mit den Verantwortlichen zu sprechen. Zwar konnte er Mt.Gox-Chef Mark Karpeles und einigen anderen Verantwortlichen ein paar Antworten entlocken, aber die waren eher ausweichend als problemlösend. CoinSearchers Fazit:

„In conclusion, I think just witnessed MtGox die today. I didn’t get my bitcoin, but glad I came and tried.“

Mt.Gox wiederum hat kurz darauf eine Stellungnahme veröffentlicht, die nochmals auf technische Probleme verweist, alle Kontoabhebungen mit sofortiger Wirkung einfriert um das Problem übers Wochenende zu lösen. Es ist jedoch fraglich, ob und inwieweit das Mt.Gox retten wird. Seit einiger Zeit schon macht die ehemals größte Bitcoin-Börse regelmäßig Negativ-Schlagzeilen mit Hackerangriffen, Abwicklungsproblemen oder rechtlichen Auseinandersetzungen mit Konkurrenten. Jetzt kommt noch ein massiver Vertrauensverlust der Kunden hinzu. Schwer vorzustellen, dass sich das alles ohne Weiteres neben den „technischen Problemen“ beheben lässt. Der Bitcoin-Kurs knickte übrigens erwartungsgemäß ein, aber alles in allem nicht dramatisch. Mt.Gox ist nicht (mehr) systemrelevant.

Einen ständig aktualisierten Artikel zu den derzeitigen Mt.Gox-Entwicklungen gibt es bei Coindesk, und auch der vom Business Insider fasst das Geschehen ganz gut zusammen. Für des Lesens Überdrüssige hier noch kurzweilige Unterhaltung. Obwohl schon ein knappes Jahr alt, passt das nämlich vom Refrain her ziemlich gut und für die Strophen muss man bloß die DDos-Attacken durch „Technische Probleme“ ersetzen.

Links:
Mt.Gox Bank Run – CoinWatch
Mt. Gox Halts ALL Bitcoin Withdrawals, Price Drop Follows
– CoinDesk
The Fall Of Mt. Gox — The World’s Most Famous Bitcoin Exchange – Business Insider
My protest at MtGox Offices – 5 to 7th February 2014, Tokyo, Japan. – Reddit