Bobby Lee

„Ohne Vertrauen kann Bitcoin nicht bestehen“

Bobby Lee ist der Chef der größten chinesischen Bitcoin-Börse BTC China, die im Dezember vergangenen Jahres daran beteiligt war den Bitcoin-Kurs nach seinem Höhenflug auf über 1000 US-Dollar wieder auf Talfahrt zu schicken und seinen Wert zu halbieren. Grund dafür waren damals Stellungnahmen offizieller chinesischer Institutionen, wie bspw. der chinesischen Zentralbank, die vor dem Handel mit Bitcoin warnten. Den Handel damals auszusetzen bezeichnet Bobby Lee heute als Maßnahme um die offiziellen Formulierungen zunächst genau analysieren zu können. Denn wichtiger als das was dort ganz konkret schwarz auf weiß stehe, sei in China das, was dort nicht explizit stehe. Mittlerweile hat BTC China zwischen den Zeilen gefunden wonach sie gesucht haben – kein unumgängliches Verbot – und den Handel mit Bitcoins wieder aufgenommen. Auf der Inside Bitcoins-Konferenz vergangene Woche in Berlin habe ich Bobby Lee mal ganz allgemein zu seiner Sicht auf das Thema Bitcoin befragt.

The Coinspondent: Was sind Ihrer Meinung nach die größten Vorteile von Bitcoin?

Bobby Lee: Bitcoin ist die erste wirklich globale Kryptowährung. Sie hat einen Markt, der unabhängig von Ländergrenzen und verschiedenen Kulturen funktioniert. Und weil Bitcoin digital ist, ist es zudem schnell, effizient und komplett dezentral. Keine Person, kein Unternehmen kann Bitcoin kontrollieren. Auch keine Regierung und kein Land. Gleichzeitig ist Bitcoin ein knappes Gut. Deshalb können die Menschen auch sicher sein, dass, wenn sie Bitcoin kaufen, sie immer auch einen bestimmten Anteil an der Währung und damit einen bestimmten Wert besitzen.

The Coinspondent: Und andersherum gefragt. Wo sehen Sie die größten Risiken und Probleme?

Bobby Lee: Bitcoin ist derzeit noch nicht besonders leicht zu verstehen und zu benutzen. Das Konzept ist noch soi neu, sodass die Menschen zunächst einmal Zeit brauchen um es zu verstehen. Bitcoin gibt es ja erst seit fünf Jahren. Man kann das mit dem Internet vergleichen. Als das fünf Jahre alt war, gab es auch nur sehr begrenzte Funktionen und wenige Anwendungen. Und heute ist es riesengroß. Ich denke daher, dass mit der Zeit auch das Bitcoin-Ökosystem wachsen wird, weil mehr und mehr Firmen über den Einsatz von Bitcoin nachdenken und passende Angebote schaffen.

The Coinspondent: Bitcoin funktioniert zwar unabhängig von Ländergrenzen, dennoch wird der rechtliche Status in jedem Land unterschiedlich bewertet. Wie ist die Situation in China?

Bobby Lee: 2013 war auch in China das Jahr des großen Durchbruchs für Bitcoin. Auf einmal haben viele Menschen angefangen sich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen und Bitcoins zu kaufen. Dadurch stieg das Handelsvolumen enorm und die Menschen verfolgten das wiederum sehr aufmerksam. Auf Grund der wachsenden Popularität hat die Regierung dann im Dezember einige Regulierungen vorgenommen. Das hat die Leute sehr erschreckt und zu einer zurückhaltenden Stimmung geführt. Wir müssen nun abwarten und sehen wie das weitergeht. Vielleicht folgen noch konkretere Regulierungen, vielleicht auch nicht.

The Coinspondent: Was halten Sie von der These, dass Bitcoin eine größere Chance für weniger entwickelte Länder ist als für solche mit einem etablierten Finanzsystem?

Bobby Lee: Es stimmt, dass die Länder mit dem am weitesten entwickelten Finanzsystem nicht diejenigen sein werden, die die Integration von Bitcoin vorantreiben. Die Länder mit einem kaum fortgeschrittenen Finanz- und Bankensystem sind dafür aber eher bereit mit Bitcoin zu experimentieren.

The Coinspondent: Die weltweite Wahrnehmung und Akzeptanz von Bitcoin ist steigend. Glauben Sie, das Bitcoin noch gestoppt werden kann?      

Bobby Lee: Schwer zu sagen. Nichts ist unsterblich. Der Erfolg von Bitcoin beruht auf dem Vertrauen, dass die Menschen hineinstecken. Solange das Vertrauen da ist, wird Bitcoin bestehen und wachsen. Sollte es allerdings verloren gehen, wird das das Ende von Bitcoin sein.