Bitcoin-Presseschau

Bitcoin-Presseschau #52

Die Bitcoin-Presseschau fasst jeden Sonntag die wichtigsten Informationen, Entwicklungen und Links aus dem Bereich Bitcoin und digitale Währungen zusammen. Für die Woche vom 12. bis 18. Januar 2015 mit folgenden Themen:

Der Bitcoin-Kurs …

… ist zurück im Wilden Westen. Zu diesem Schluss kommt zumindest das Wall Street Journal angesichts der krassen Schwankungen, die der Kurs in der vergangenen Woche hingelegt hat. Schuld daran seien u.a. Marktmanipulationen:

„When bitcoin’s price plummeting sharply over the weekend, amid a lot of talk about market manipulation, these comments came back to us, and it occurs to us that what you’re seeing in bitcoin trading right now is a messy transition from a rudimentary, limited market structure to one a more developed market with more options – but without any of the safeguards that protect traditional investors.“

In reinen Zahlen sieht das dann so aus, wobei erst ein Blick auf die Kursentwicklung zeigt, wie krass die Kurssprünge in den vergangenen Tagen waren. Mehr als 100 Dollar hatte der Bitcoin zwischenzeitlich innerhalb einer halben Woche an Wert verloren. Mehr als ein Drittel seines Gesamtwertes.

2015-01-11_Bitcoin-Kurs 2015-01-18_Bitcoin-Kurs

2015-01-18_Kursentwicklung

Mittlerweile liegt der Kurs wieder über 200 US-Dollar, dennoch ist der Schrecken auch vielen Bitcoin-Enthusiasten in die Glieder gefahren. Immerhin hat der Bitcoin vergangene Woche zum ersten Mal die alte Bitcoin-Bauernregel widerlegt, dass der Kurs niemals wieder unter die Marke eines früheren Allzeit-Hochs fallen würde. Im April 2013 war ein Bitcoin 264 Dollar wert. Die Reaktionen im Netz waren dementsprechend angespannt:

Allgemeine Beruhigungsversuche

http://imgur.com/r/Bitcoin/1CKzJIH

Zweckoptimismus

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Selbstmitleid

http://imgur.com/r/Bitcoin/j5ogkQE

Mittlerweile ist die Stimmung wieder etwas entspannter. Die Ursachensuche geht jedoch weiter. Fest steht wohl, dass es nicht die eine Ursache für den massiven Preisverfall gibt, sondern vielmehr nach mehreren Gründen gesucht wird, die zusammenspielen.

Da wäre zum Beispiel der Auftakt des Silk Road-Prozesses bei dem auch Bitcoin im Rampenlicht des Illegalen steht. Auch aus Russland gibt es schlechte Nachrichten. Dort werden Bitcoin-Webseiten zensiert. Auch die immer wiederkehrenden Hacks von Börsen (passend dazu: „Hey look at the bright side, the lower the price goes the less money Mt Gox stole from you“) und die Ankündigung einiger Miner ihre Hardware vorrübergehend abzuschalten, werden dazu gezählt. Die meisten Analysten vermuten jedoch die oben bereits erwähnte Wild-West-Kursmanipulation.

Zweifelsohne hat aber auch diese Äußerung bzw. kürzlich erschienene Berichterstattung über Äußerungen von Gavin Andresen ihren Anteil daran Verunsicherung hervorzurufen.

http://imgur.com/r/Bitcoin/OEC7s6Y

Mal sehen wie sich die Situation nun weiter entwickelt. Zur Zeit und mit kleinem Maßstab betrachtet, zeigt sich der Kurs wieder einigermaßen stabil.

Wer trotzdem die Nase voll hat von Bitcoin – hier gibt es die Exit-Bitcoin-Anleitung (mit ergänzter Wiedereintritts-Strategie aka „Ah, the continuously buy-high sell-low strategy, works every time.“)

PS: Die Anzahl von „Bitcoin-Todesanzeigen“ ist diese Woche übrigens rasant von 26 auf 36 gestiegen.

#Digitales Bezahlen – Der Bitcoin-Podcast

On The Air

Diese Woche ging es um die Stärken und Schwächen von Bitcoin als staaten- und grenzenloses Geld, wenn man auf Reise geht. Die Stärken liegen auf der Hand. Kein Gewicht, diebstahlsicher und global verfüg- und umtauschbar. Der große Nachteil bisher auch hier: der instabile Kurs.

Links und eine Übersicht über alle bisherigen Episoden, sowie den RSS-Podcast-Feed gibt es auf der zugehörigen #Digitales Bezahlen-Seite.

Links und Nachrichten der Woche

Silk Road-Prozess hat begonnen

Als das FBI die Drogenhandelsplattform Silk Road im Oktober 2013 hochgenahm, hat sie Ross Ulbricht alias „Dread Pirate Roberts“ als mutmaßlichen Betreiber festgenommen. Diese Woche nun startete der vielbeachtete Prozess gegen ihn, der zeigen soll, dass er tatsächlich der Mastermind hinter der Silk Road gewesen sein soll. Viele Sachverhalte sprechen dafür. Wie das FBI allerdings rechtskonform an einige der Beweise im Darknet gekommen sollen sei – das ist noch nicht abschließend geklärt. Das gesamte Tor-Netzwerk an sich und mit ihm die Anonymität im Internet stehen bei dem Prozess also gleich mit auf dem Prüfstand.

Ulbricht selbst behauptet übrigens, er sei reingelegt worden und zwar von Mark Karpeles himself. Dieser wurde letztes Jahr bekannt dafür, dass er die damals wichtigste Bitcoin-Börse Mt.Gox sensationell gegen den Baum fuhr. Bis heute ist dabei nicht bekannt, ob das Unternehmen tatsächlich gehackt wurde oder ob der Diebstahl von mehreren Hunderttausend Bitcoin damals ein Insider-Job war. In jedem Fall dementiert auch der in einem ganz anderen Fall wegen Betrugs bereits vorbestrafte Karpeles umgehend hinter dem Pseudonym „Dread Pirate Roberts“ zu stecken.

Unterdessen ist Silk Road Reloaded an den Start gegangen. Die nunmehr dritte Variante der ursprünglichen Silk Road setzt zur Anonymisierung statt auf Tor auf I2P und neben Bitcoin auf Altcoins , die sich ebenfalls um mehr Diskretion bemühen.

Russland sperrt Bitcoin-Webseiten

Wenn man dieser Website glauben will, dann stehen neuerdings sowohl bitcoin.org als auch die russischsprachige Informationsseite bitsec.ru auf dem Index der Roskomnadzor – der russischen Zensurbehörde. Russland fährt ja seit einiger Zeit schon einen immer strengeren Bitcoin-Kurs.

PS: Einige Seiten im behaupten copy & paste-mäßig bitsec.com wäre in Russland geblockt, aber da es sich dabei um ein schwedisches IT-Security-Unternehmen handelt, gehe ich mal davon aus, dass bitsec.ru bzw. btcsec.com gemeint ist.

Update: Laut Cointelegraph sind es mittlerweile sogar schon sieben Bitcoin-Webeiten, darunter auch die einer für April in Moskau geplanten Bitcoin-Konferenz.

TechCrunch mit wöchentlichem Bitcoin-Podcast

Es freut mich sehr, dass mit TechCrunch nun ein weiteres reichweitenstarkes Medium das große thematische Potential in Bitcoin entdeckt hat und mit TCBTC fortan eine eigene wöchentliche Bitcoin-Podcastserie produziert. In der ersten Folge geht es mit aktuellem Bezug gleich mal um den „großen Crash“. Wer im Englischen nicht so firm ist und Bitcoin-Themen lieber auf deutsch besprochen haben will, dem empfehle ich (wie immer) alternativ den #DigitalesBezahlen-Podcast.

Und wo wir gerade beim Thema sind. Liegt ja auf der Hand, wo sich TechCrunch für die Idee eines wöchentlichen Bitcoin-Podcasts hat inspirieren lassen, oder?

Snowden-Doku „CitizenFour“ nominiert

Schönes Detail am Rande. Die Edward Snowden-Dokumentation „CitizenFour“ steht neben vier Mitbewerbern in der engeren Auswahl für den Oscar als bester Dokumentarfilm. Preisverleihung ist wie jedes Jahr Ende Februar.

Die Digital Money Natives kommen

Seit ich über die Digitale Money Natives geschrieben habe, achte ich vermehrt darauf, ob und wo ich weitere Hinweise zur Stärkung dieser These finde. Diese Woche bin ich bei Reddit auf einen Post von einem nach eigenen Angaben 14-jährigen gestoßen, der eine  Bitcoin-App für iOS entwickelt hat und sich sehr freut, dass sich bereits mehr als 50 User diese teils sogar kostenpflichtig runtergeladen haben. Besonders schön: Umgehend meldet sich ein weiterer 14-jähriger, der ebenfalls Apps programmiert seit er zwölf Jahre alt ist und als quasi Peer-to-Peer-Motivation gleich mal eine Bitcoin-Mikrospende an den ersten schickt. Und was sagen die Digital Natives?

„Great. At 14 you’re smarter than me and i’m twice your age.“

Genau das meine ich.

Tweet der Woche

Wenn euch diese Presseschau gefällt und ihr die Arbeit, die dahinter steckt, wertschätzen möchtet, dann lasst ein paar Bits oder Satoshis da.

Wenn Sie euch nicht gefällt, dann schreibt, was ich anders/besser machen soll. Die nächste Bitcoin-Presseschau erscheint kommenden Sonntag, den 25. Januar. Bis dahin eine schöne Woche.

Titelbild: “Zeitungsausträger” Flickr-User barmala (CC BY 2.0)