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Ecuador startet digitale Staatswährung

Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit ist Ecuador seit vergangenem Donnerstag offiziell das erste Land, in der mit einer staatseigenen digitalen Währung, dem Dinero Electrónico, bezahlt werden kann.

Bereits im Juli vergangenen Jahres hatte das Parlament ein Gesetz verabschiedet, das der Zentralbank erlaubt digitales Geld zu erschaffen. Seit Dezember konnten dann erste Account angelegt werden. Nun lassen sich also auch Transaktionen tätigen. Damit ist das digitale Geld offiziell im Umlauf. Trotzdem ist es weiterhin umstritten.

Ecuador hat seit 15 Jahren keine eigene Währung

Immerhin läuft das derzeitige Geldsystem seit 15 Jahren recht stabil. Das Problem ist nur, es ist nicht Ecuadors Geldsystem. Infolge einer Hyperinflation musste das Land 2000 seine eigene Währung, den Sucre, aufgeben und den US Dollar übernehmen, weil sich dieser zwischenzeitlich auf den Märkten als verlässlicheres Zahlungsmittel etabliert hatte.

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Die Werbung für das Dinero Electrónico verspricht u.a., dass für die Verwendung ein einfaches Handy reiche.

Eine Entscheidung, die Ecuador nicht nur die geldpolitische Entscheidungsfreiheit kostete, sondern vom amtierenden Präsidenten Rafael Correa geradezu als Schmach empfunden wird. Durch eine eigene digitale Währung versucht er daher nun zumindest ein wenig staatliche Geldsouveränität wiederherzustellen.

Der Dollar bleibt

Ob ihm das gelingen wird, bleibt allerdings offen. Denn auch wenn das Dinero Electrónico allein von der ecuadorianischen Zentralbank verwaltet wird, so hat es selbst keinen Wert. Um als Zahlungsmittel zu funktionieren braucht es auch weiterhin  einen „realen“ Gegenwert – den US Dollar.

Aber auch so ist fraglich, ob und wie schnell die Ecuadorianer das elektronische Geld überhaupt annehmen werden. Statistisch gesehen hat jeder Einwohner zwar mindestens ein Handy, aber nur 60 Prozent der Bevölkerung ein Bankkonto – gute Voraussetzungen also für digitales Geld. Nichtsdestotrotz funktioniere gerade für die einfache Bevölkerung Cash bisher im Alltag sehr gut.

Soll das Dinero Electrónico also langfristig Erfolg haben, muss es letztlich mindestens ebenso leicht zugänglich und handhabbar sein wie Bargeld.

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Das Dienero Electrónico hat klare Vorteile gegenüber dem klassischen Bankgeld. Ob es aber auch gegen Bargeld bestehen kann, wird sich erst zeigen müssen.
Dinero Electrónico ähnelt M-Pesa

Wie das gelingen kann, zeigt ein Blick auf die kenianische Mobile Payment-Erfolgsgeschichte M-Pesa, die Bezahlen mit dem Handy zum Standard für Millionen Ost-Afrikaner gemacht hat und mittlerweile bis nach Indien und Südost-Europa expandiert ist.

Ohnehin sind die Parallelen zwischen dem M-Pesa und dem Sistema de Dinero Electrónico offensichtlich. Beides wird zentralisiert verwaltet, für den Gebrauch reicht ein einfaches Handy und es gibt spürbare Gebühren. Während M-Pesa jedoch ein privatwirtschaftliches Angebot des Mobilfunkanbieters Safaricom ist, ist das Dinero Electrónico Eigentum der ecuadorianischen Zentralbank.

Bitcoin und Dinero Electrónico sind unvereinbare Pole

Bleibt eine zentrale Frage. Wie viel Bitcoin steckt in Ecuadors digitalem Geld? Wenig. Denn so progressiv und radikal die Idee einer digitalen Staatswährung auf den ersten Blick scheinen mag (und den ein oder anderen Bitcoin-Enthusiasten zweifelsohne aufhören lässt), so wenig hat das Dinero Electrónico letztlich mit Bitcoin zu tun.

Sowohl im grundsätzlichen Aufbau, als auch den zugrundeliegenden Idealen könnten beide digitalen Bezahlsysteme nicht weiter auseinander liegen. Zentralsierung und staatliche Kontrolle auf der einen Seite, Dezentralisierung und Unabhängigkeit auf der anderen. Einzig der Verlierer bleibt bei beiden Ansätzen der gleiche: die Banken.

Bitcoin ist in Ecuador illegal

Um ihren geldpolitischen Hoheitsanspruch zu untermauern hat die ecuadorianische Regierung jedenfalls eindeutige Fakten geschaffen. Mit dem selben Gesetz, mit dem die eigene zentrale Digitalwährung im vergangenen Sommer beschlossen wurde, hat sie gleichzeitig jegliche Nutzung aller dezentralen digitalen Währungen, dazu gehört auch Bitcoin, verboten.

Nichtsdestotrotz bleibt das Dinero Electrónico eine mutige und bemerkenswerte Errungenschaft, egal ob dieses Experiment scheitert oder ähnlich wie M-Pesa zu einem großen Erfolg wird. Für digitales Geld und digitales Bezahlen ist es ein großer Schritt.

Ein Gedanke zu „Ecuador startet digitale Staatswährung“

  1. Moin von der Nordseekűste!

    Zuerst horcht man auf…, scheint interessant zu sein. Dann folgt schon zentral und staatlich und es fängt an im Gehirn zu rattern und dann der Schreck: Bitcoin wurde verboten… Schade!

    Auch die fehlende Kompatibilität hatte schon nachdenklich gestimmt. Jetzt bin ich mir ziemlich sicher: Das staatliche virtuelle Geld wird scheitern!

    Wenn viele mit Dollar zahlen (müssen), kann man (heimlich von Rechner zu Rechner) auch mit BTC bezahlen. Solange man nicht erwischt wird, bzw. solange niemand einen verrät.

    Die Regierung hätte sich besser für Bitcoin entscheiden sollen. Das wäre eine für die Zukunft gewesen und dieses Land wäre der erste Staat gewesen. Chance vertan!

    Viele Grüße
    Gerd Taddicken

    zzz_2015-03-02_Montag_zw.10.18_und_11.00_Uhr

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