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„Blockchain“ steht jetzt im Duden, doch das Wie wirft Fragen auf

Als ich vor gut zwei Jahren darüber schrieb, wie man den Begriff „Blockchain“ grammatikalisch richtig verwendet, musste ich meine Argumentation noch selbst herleiten. Der Duden, die große Bibel der deutschen Rechtschreibung, kannte den Begriff nicht.

duden blockchain
Anfang Juni 2018 war der Begriff „Blockchain“ beim Duden noch nicht zu finden.
„Blockchain“ ist jetzt im Duden zu finden

Das hat sich nun geändert. Mit der heute veröffentlichten 28., umfassend bearbeiteten und erweiterten Auflage vom „Duden – Die deutsche Rechtschreibung“ ist „Blockchain, die“ quasi offiziell Teil des deutschen Sprachschatzes.

Seit heute Teil des Dudens: „Blockchain, die“

Das ist einerseits nur logisch und konsequent. Auch „Bitcoin“ steht ja schon seit Jahren im Duden. Zum einen als „über das Internet funktionierendes Zahlungssystem“ und als „Einheit des Zahlungssystems Bitcoin“.

Wem gehören „Bitcoin“ und „Blockchain“?

Merkwürdig ist jedoch, dass beide Einträge, der zu „Bitcoin“ (dem Zahlungssystem) neuerdings und der zu „Blockchain“ mit ® für „registered“, gekennzeichnet sind, ohne dass irgendwo eine Erklärung dafür zu finden ist. Auch die sehr freundliche und hilfsbereite Pressestelle beim Duden konnte mir das nicht anders erklären als: „Da muss wohl irgendwo etwas eingetragen sein und das wurde für den Eintrag dann übernommen, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein.“

Ich finde diese Herangehensweise dennoch irritierend. Es entsteht der Eindruck, dass man sich nicht wirklich mit dem beschäftigt, über das man schreibt. Denn klar gibt es zumindest für „Blockchain“ ein gleichnamiges Unternehmen (und hunderte weitere, die bei denen das Wort ebenfalls Teil des Namens ist). Aber angesichts von mehr als 150 Millionen Google-Einträgen zu dem Begriff „Blockchain“, von denen die meisten wohl eher nichts mit den vermeintlichen Namensrechten einzelner zu tun haben dürften, erscheint das verwunderlich. Zumal das ® nur in der digitalen Duden-Datenbank, nicht aber in der gedruckten Variante zu finden ist.

Scan aus dem heute erschienenen gedruckten Duden. Mit Dank an die Pressestelle!

Noch befremdlicher finde ich aber, dass online neuerdings auch „Bitcoin“ den ®-Verweis bekommen hat, den es zuvor lange nicht hatte. Klar gibt es einen Marken- und Patentkampf um den Begriff und wenn der Duden da auf Nummer sicher gehen will, ist das nachvollziehbar. Inhaltlich ist es jedoch trotzdem falsch. Bitcoin gehört niemandem. Im Gegenteil. Bitcoin ist quasi der Inbegriff von einem Open-Source-Projekt, dessen herausragendes Alleinstellungsmerkmal ja gerade ist, das es keinem einzelnen gehört. Das ist, was Bitcoin im Kern ausmacht.

Das Blockchain-Meme

Ebenfalls unglücklich finde ich den Eintrag, dass „Blockchain“ auch ohne Artikel verwendet werden könne. Natürlich ist Sprache lebendig und wenn man methodisch auswertet, wie die Leute nun einmal aktuell reden und schreiben, dann muss man anerkennen, dass „Blockchain“ (ohne Artikel) tatsächlich ein gebräuchlicher Teil unserer Sprache geworden zu sein scheint.

Was dem Duden hier jedoch entgeht, ist der Bedeutungsunterschied zwischen „Blockchain, die“ und einfach nur „Blockchain“. Ersteres ist nämlich tatsächlich eine „dezentrale Datenbankstruktur, die eine kryptografische Verkettung der Datensätze aufweist (z. B. als Basis digitaler Währungen)„, wohingegen zweites vor allem ein mächtiges Wort ist. Ein Platzhalter, der eine vage Vorstellung einer technischen Lösung transportiert, die es in den meisten Fällen so jedoch noch gar nicht gibt. Ein abstrakter Begriff, der hilft eine argumentative Leerstelle zu überbrücken, indem er den Rezipienten dazu anregt, diese durch eigene Interpretationen, Phantasie und (Wunsch-)Vorstellungen auszufüllen. Oder wie es die Universität Cambridge mal in einer Studie bezeichnete: ein Meme.

Statt also auch der „Blockchain-Technologie“ noch einen eigenen (Online-)Eintrag ohne inhaltlichen Mehrwert zu widmen, wäre es also hilfreicher gewesen, ebenso wie man „Bitcoin“ zwei Einträge gewidmet hat, auch „Blockchain“ zweimal zu erklären. Einmal mit einer konkreten Beschreibung (mit Artikel) und einmal als abstraktes Konstrukt (ohne Artikel).

Sprache ist im Wandel, Duden-Einträge glücklicherweise auch

Doch glücklicherweise sind die Einträge im Duden ja nicht in Stein gemeißelt und werden regelmäßig überarbeitet. Es besteht also die Hoffnung, dass „Blockchain-Technologie“ (ebenso wie gerade der „Hackenporsche“) auch wieder rausfliegt, dass das ® bei „Bitcoin“ und „Blockchain“ r verschwindet und dass das abstrakte artikellose Blockchain-Meme im Sinne einer besseren Aufklärung einen eigenen Eintrag bekommt.

Proof of Beats – Fette Bitcoin-Weisheiten auf Vinyl

Ich weiß gar nicht mehr genau, wann und wie ich auf diesen Eintrag im Bitcointalk-Forum gestoßen bin.

Bitcoin-Weisheiten auf Vinyl – Die Ankündigung der limitierten Proof of Beats-Platte bei Bitcointalk

Aber ich bin ein Freund von Vinyl und kaufe mir hin und wieder schöne Platten. Kein Spotify-Mainstream-Kram, sondern am liebsten diese besonderen Fundstücke mit einer echten Geschichte. Kleinauflagen von Festivals (wie die des Leipziger Kultur-Festivals Seanaps – 2017 thematisch mit dem Schwerpunkt Blockchain) oder anderen Projekten mit Charm und Charakter (wie SoundsLikeVanSpirit, für das einer seinen Bulli zu einem mobilen Tonstudio ausgebaut hat und dann zwei Jahre durch Europa gereist ist um Straßenmusiker aufzunehmen).

Die Frage war nicht ob, sondern welche

Ich musste also nicht lange überlegen, ob ich mir eine der auf 200 Stück limitierten Proof of Beats-Platten bestelle, sondern vielmehr welche. Denn noch kann man wählen. Da aber viele Bitcoin-symbolischen Nummern schon weg waren, habe ich mich kurzerhand für die ohnehin einzig richtige Antwort auf die Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ entschieden.

Und auch wenn der Bestellprozess etwas abenteuerlich und rustikal war – man schickt Unbekannten im Netz einiges an Geld (40 US-Dollar plus noch einmal gut 20 Dollar für den Versand aus den USA) über eine statische Bitcoin-Adresse, die tief in einem nerdigen Forum liegt, und hofft, dass sie im Gegenzug auch ihr Versprechen halten und tatsächlich die versprochene Platte schicken – am Ende lief alles reibungslos. Nach einigen Wochen kam das Schätzchen an.

Und nun dreht die Platte also hier schon seit einiger Zeit ihre Runden und wurde dabei musikalisch auch schon von Gästen, die sonst eigentlich mit Bitcoin überhaupt nichts zu tun haben, für gut befunden.

Digitale Hörprobe
Ist die Platte den Preis und Aufwand wert?

Bleibt die Frage, warum man eine Platte kaufen sollte. Denn eigentlich könnte man sich all die Proof of Beats-Songs auch einfach kostenlos digital anhören. Der Künstler hat sie schließlich frei von Copyright-Auflagen ins Netz gestellt. Doch macht man es auch, nur weil man es theoretisch könnte? Wohl eher nicht.

Das macht diese Platte schlussendlich tatsächlich zu etwas Besonderem. Die Tracks wurden schließlich bewusst ausgewählt und in eine Reihenfolge gebracht. Das schöne Cover mit Liebe zum Detail erstellt und entdeckt sie jemand bei einem im Regal, hat man immer einen schönen Anlass über Bitcoin zu sprechen ohne sich Gleich in Preisspekulationen, Geldtheorie oder technischen Details zu verlieren.

Cypherpunk Women – Bitcoin aus weiblicher Perspektive

Die Publizistin Leigh Cuen hat die digitale Anthologie Cypherpunk Women veröffentlicht, das „erste Open Source Buch von Frauen über Kryptowährung und Cypherpunk Pioniere“. Darin enthalten sind 40 Interviews, Statements, Gedichte und andere Texte rund um Technologie, Privatsphäre und sozialen Wandel von Entwicklerinnen, Unternehmerinnen und Vordenkerinnen aus der Bitcoin-Community aus ihrer jeweiligen Perspektive.

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Den Inhalt zu kommentieren steht mir in diesem Kontext nicht zu. Aber angesichts der insgesamt ja sehr männerdominierten Bitcoin-Szene halte ich diese Textsammlung für etwas, das tatsächlich gefehlt hat und hoffe, dass wir in Zukunft noch mehr Vielfalt in der individuellen Wahrnehmung und kollektiven Ausgestaltung von Bitcoin erleben.

Bitcoin und die Corona-Krise

„Die große Corona-Krise hat die ganze Welt fest im Griff und lässt erbarmungslos alle wichtigen Märkte crashen. Alle? Nein! Eine kleine unbeugsame Kryptowährung namens Bitcoin widersetzt sich dem übermächtigen Abwärtstrend und bleibt trotz allem wertstabil.“

So hätten sich wohl viele Bitcoiner die Beschreibung dieses Donnerstags gewünscht. Bitcoin – aus der globalen Krise 2008 geboren – beweist sich schon in der nächsten globalen Krise nur wenige Jahre später als verlässliche und entkoppelte Anlageklasse. Ein Wertaufbewahrungsmittel, das nicht mit den klassischen Märkten wie Gold, Aktien, Anleihen und Öl korreliert.

Doch es kam anders.

Der schwarze Corona-Schwan wirft alles durcheinander

Vor einer Woche noch bei über 9000 US-Dollar, brach der Bitcoin-Kurs zusammen mit den Aktienmärkten am Donnerstag massiv ein. Verlor zwischenzeitlich binnen Stunden mehrere Tausend Dollar an Wert und dippte in der Nacht kurzzeitig sogar auf unter 4000 US-Dollar. Seit Gestern steht der Bitcoin zwar wieder bei über 5000 US-Dollar. Unterm Strich bleibt aber ein Verlust von rund 40 Prozent innerhalb einer Woche. Für viele Bitcoiner eine Überraschung. Und ein Schock.

https://twitter.com/TorbjrnBullJens/status/1238125172302979074
Die Volatilität ist nicht das Problem

Allerdings nicht wegen der Wertschwankung an sich. Plötzliche Volatilität ist man bei Bitcoin schließlich seit jeher gewöhnt. Zwar eher selten, aber hin und wieder auch im zweistelligen Prozentbereich.

Was viele jedoch überrascht, ist die Tatsache, wie sehr sich Bitcoin von der allgemeinen Verunsicherung der klassischen Märkte hat nach unten reißen lassen. Das war so schließlich nicht vorgesehen.

Dass es trotzdem so gekommen ist, ist bemerkenswert und spannend gleichermaßen, werfen die gestrigen Ereignisse doch Fragen auf, die man im Rahmen des Bitcoin-Experiments eigentlich schon für beantwortet hielt.

Die Kursentwicklung der letzten Jahre deutete schließlich darauf hin, dass sich die These von Bitcoin als „Sicherer Hafen“ gegen Verwerfungen auf den klassischen Märkten als valide erweist. Soweit, dass sie eigentlich gar nicht mehr wirklich hinterfragt wurde und sich sogar zu einem der wichtigsten Alleinstellungsmerkmale von Bitcoin entwickelte.

Wir wissen weniger über Bitcoin als wir denken

Doch offensichtlich lagen wir in diesem Punkt falsch mit dem, was wir über Bitcoin zu wissen meinten. Denn wäre dem nicht so, hätte der Kurs nicht derart korreliert crashen dürfen. Und dass das für viele so überraschend kam, deutet darauf hin, dass es möglicherweise noch andere Bitcoin-Erkenntnisse gibt, die bisher als einigermaßen gesichert angenommen werden, in Wahrheit jedoch wohl nur Thesen sind, die bisher einfach nur noch nicht be- oder widerlegt wurden. Oder Annahmen, die in ihren Konsequenzen bislang schlichtweg noch nicht zu Ende gedacht wurden.

So warten viele Bitcoiner ja schon seit Jahren darauf, dass Bitcoin durch die Zulassung von ETFs und eine flächendeckende rechtliche Annerkennung als „offizielle“ Investitionsmöglichkeit endlich zu einem Magneten für institutionelles Geld wird. In der Hoffnung, dass das große Geld™ den Kurs massiv beflügelt und gleichzeitig dafür sorgt, dass sich auch die Volatilität langfristig in einem beständigen Rahmen einpendelt.

Eine Hoffnung, die jedoch stark auf der seit Donnerstag gründlich erschütterten „Sicherer-Hafen“-Annahme beruht und darüber hinaus zu einer weiteren Verpflechtung von Bitcoin mit bestehenden Marktmechanismen führen würde. Genau das würde aber künftig ähnliche korrelierte Markt-Entwicklungen noch viel wahrscheinlicher machen und den „Sicherer-Hafen“-Anspruch weiter untergraben. Ein Dilemma.

Denn man kann nicht auf das Geld von Investoren scharf sein, aber gleichzeitig nicht wollen, dass diese Investoren Bitcoin wie jedes andere ihrer Investments behandlen. Also im Zweifel zusammen mit all ihren anderen Anlagen massenhaft verkaufen, wenn sie dazu gezwungen sind.

Was die Corona-Krise für Bitcoin bedeutet

Was zu der letztlich relevanten Frage führt, wie wir den Kursrutsch für Bitcoin bewerten müssen und was wir daraus lernen können. Haben die Bitcoin-Kritiker am Ende womöglich doch Recht? Wenn das digitale Geld in turbulenten Zeiten wie diesen kein sicherer Hafen ist, was ist Bitcoin dann überhaupt wert?

Eine berechtigte Frage, auf die die Antwort wie so oft bei Bitcoin lautet: Zum jetzigen Zeitpunkt können wir das schlichtweg nicht sagen, für einen Abgesang ist es aber definitiv noch zu früh. Aus dem einfachen Grund, dass wir gestern zwar einen massiven Einbruch des Bitcoin-Kurses gesehen haben, wir aber noch ganz am Anfang der Corona-Krise stehen. Eine Krise, in der sich weit mehr als Bitcoin beweisen muss.

Man muss dabei kein sonderlicher Pessimist sein, um davon auszugehen, dass die gestrigen Marktreaktionen nicht das Schlimmste war, was uns noch bevorsteht. Wenn die Bundeskanzlerin offen sagt, dass die Situation außergewöhnlicher sei als zu der Zeit der Bankenkrise, dann hat sie damit Recht. Denn im Gegensatz zu 2008 ist die Krise, in die die Banken insbesondere hierzulande gerade rutschen und so bedrohlich sie auch wirken mag, dieses Mal nur ein Nebenschauplatz.

In erster Linie bedroht das Corona-Virus nämlich nicht die Bilanzen von Banken sondern das Leben von Milliarden Menschen weltweit. Der Umgang mit dem Virus ist folglich ein direkter Stresstest für die Integrität und Performanz jedes einzelnen Staates, seiner Gesellschaftsform, seiner Institutionen, der Werte, für die er steht und des Sozialgefüges, in dem diese Werte gelebt werden.

Und es ist keinesfalls ausgeschlossen, dass es Staaten gibt, die diesen Test nicht bestehen werden. Was im Übrigen nicht nur für den Iran gilt.

Menschenleben oder Bankenbilanzen?

Im Hinblick auf die Banken bedeutet das, dass Regierungen dieses Mal womöglich nicht nur vor der Entscheidung stehen werden, (schon wieder) die Banken zu retten oder nicht. Im schlimmsten Fall müssen sie abwägen, ob sie die Mittel der Gesellschaft eher dafür einsetzen, um marode Banken zu retten oder Menschenleben.

Es braucht nicht viel Phantasie, um zu erkennen, dass in einem solchen Fall das Budget für eine mögliche Bankenrettung, sofern sie überhaupt kommt, kein „whatever it takes“ sein kann und wahrscheinlich nicht für alle Institute reichen wird.

Wenn das Virus Ärzte wie in Italien jetzt schon dazu zwingt, zu entscheiden, wem man die Behandlung versagt und damit womöglich sterben lässt, weil die Überlebenschancen anderer besser sind und die medizinischen Kapazitäten nicht für alle reichen, dann wird keine Gesellschaft in dieser Krise akzeptieren, nicht auch offensichtlich marode Banken „sterben“ zu lassen, um zumindest den einigermaßen überlebensfähigen eine Chance zu geben.

https://twitter.com/aantonop/status/1238126574278512640

In diesem Kontext wirkt die Tatsache, dass Bitcoin am Donnerstag kurzzeitig die Hälfte seines Wertes eingebüßt hat, gleich sehr viel weniger dramatisch. Denn eines darf man nicht vergessen. Alles, was bei Bitcoin passiert, ist live und ungeschönt. Es gibt kein Fangnetz und keine Rettungsschirme. Selbst wenn der Kurs crasht, weiß man jederzeit, woran man ist. Und dass der Kurssturz von selbst einen Boden auf immer noch hohem Niveau gefunden hat, zeigt, wie es um das grundsätzliche Vertrauen in Bitcoin steht: ziemlich gut.

Bitcoin braucht kein Fangnetz, es ist das Fangnetz

Im Gegensatz zu Banken war Bitcoin noch nie auf eine Rettung von außen angewiesen und wird es auch nie sein. Für das Fortbestehen von Bitcoin ist es egal, ob Banken pleite gehen oder nicht. Selbst wenn tatsächlich der absolute Worst case eintritt und wir Staaten scheitern sehen, wird das Bitcoin nicht schaden. Im Gegenteil.

Denn genau für solch ein Extremfall wurde Bitcoin gemacht. Nicht als sicherer Hafen für institutionelle Investoren, sondern als globales und universelles Geldsystem, dass auch in den schlimmsten Zeiten, also Zeiten systemischer Krisen, verlässlich funktioniert.

Ob und inwieweit Bitcoin diese Erwartungen in den kommenden Monaten wird erfüllen können oder womöglich sogar müssen, werden wir sehen. Wir wissen heute noch nicht, wie die Welt nach Corona aussehen wird. Vielleicht werden wir am Ende vergleichsweise glimpflich davon gekommen sein. Ich möchte mich aber nicht darauf verlassen müssen. Sehr viel wahrscheinlicher stehen uns nämlich extrem turbulente Zeiten bevor.

Und in diesem Fall zu wissen, dass es ein zensur- und manipulationsresistentes Geldsystem gibt, das zwar nicht perfekt aber auch nicht mehr ultra-experimentell ist, und im Notfall nicht von Politik und Ländergrenzen abhängig ist, lässt mich deutlich besser schlafen.

Herausragender BBC-Podcast über Onecoin

Ich wusste, dass es irgendwann passiert und war mir (leider) auch sicher, dass es kein großes deutsches Medium sein würde, dass den Mut dazu aufbringt, diese Geschichte zu recherchieren. Aber nun ist es endlich soweit. In der herausragenden Podcast-Serie The Missing Cryptoqueen erzählt Jamie Bartlett für die BBC die unglaubliche Geschichte rund um Onecoin und verschafft dem Thema damit die Aufmerksamkeit, die es eigentlich schon seit Jahren so dringend braucht.

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Facebook stellt Libra vor und alle so „Meh!“

Wer die vergangenen Tage und insbesondere gestern im Netz unterwegs war, kam an diesem Thema nicht vorbei. Facebook hat seine langerwarteten Pläne einer „blockchainbasierten Kryptowährung“ vorgestellt.

Das Thema war deswegen so heiß, weil es einerseits um Facebook mit seiner enormen Marktmacht und Reichweite geht, die durch die hinzugezogenen Partner (Visa, Paypal, Uber, Spotify etc.) noch einmal potenziert wird. Gleichzeitig reitet Facebook perfekt die mystische „Blockchain“-Welle und setzt sich mit seiner Krypto-Fiat-Chimäre Libra genau an die ohnehin umkämpfte und vielbeachtete Schnittstelle zwischen Old-School-Finanzsystem und Bitcoin.

Facebook so: Libra!

Eine für Facebook perfekte Ausgangslage für Aufmerksamkeit, denn damit triggerte es alle – von Bloggern über Fachmedien bis hin zu den Massenmedien. Sowohl im Bitcoin- und Blockchain- als auch im Nicht-Bitcoin- und Blockchain-Bereich. Folglich gibt es kaum ein Medium, das bisher nicht über den geplanten Facebookcoin berichtet hat, obwohl – und das ist an dieser Stelle wichtig zu betonen – gestern letztlich ja nicht viel mehr als Ideen vorgestellt, Pläne offen gelegt und Absichten erklärt wurden. Der eigentliche Libra-Start ist erst für kommendes Jahr vorgesehen, falls bis dahin alles läuft wie geplant.

Dass das Medieninteresse aber dennoch so groß ist, zeigt, dass Facebook eigentlich alles richtig gemacht hat. Man hat es geschafft, im Vorfeld auf allen Seiten enorme Spannung und Erwartungen zu wecken. Besser hätte man die Klaviatur der medialen Aufmerksamkeitserzeugung wohl nicht spielen können.

Alle so: Meh!

Und doch bezweifle ich, dass man mit der Resonanz auf Libra bei Facebook zufrieden sein wird. Denn die hohen Erwartungen wurden offensichtlich mehrheitlich enttäuscht. Anstatt sich von Facebooks Euphorie anstecken zu lassen und Geschichten der unausweichlichen Disruption der Finanzbranche oder der globalen Revolution des Bezahlens zu erzählen, waren die Reaktionen eher verhalten. Müsste man sie zusammenfassen, lägen sie wohl irgendwo zwischen „Tja!“, „Abwarten!“ und „Meh!“.

Wobei das aber auch nicht überrascht, denn Facebook hat gestern wirklich keinen großen Wurf abgeliefert. Das Libra-Whitepaper liest sich wie ein Destillat aus 1001 bereits gescheiterten Altcoin- und Token-Whitepapern und zeigt, dass man bei Facebook zwar ziemlich gut verstanden hat, welche Faktoren Bitcoin so erfolgreich machen. Dass man gleichzeitig allerdings keinen richtigen Plan hat, wie man diesen Erfolg im Kontext des Libra-Netzwerks erfolgreich replizieren kann.

Zwischen Phrasen, Visionen und Wunschvorstellungen

Anders lassen sich die vielen Ungereimtheiten und noch offenen Fragen nicht erklären. Zum Beispiel, wie es gelingen soll Performanz („Milliarden Konten“, „hoher Transaktionsdurchsatz“) mit Geschwindigkeit („geringe Latenz“) und Größe („effizientes Speichersystem mit hoher Kapazität“) zu verbinden und gleichzeitig noch mit „Sicherheit“, „Dezentralität“ und „Flexibilität“ unter einen Hut zu bringen.

Jeder, der den Grundkurs „Blockchain für Anfänger“ besucht hat, weiß, dass man aus diesem Set nur einige Faktoren haben kann, nicht aber alle. Einige schließen sich gegenseitig aus. Wäre dem nicht so, hätten wir nämlich schon längst jede Menge dieser eierlegenden Wollmilchblockchains und man würde bei Bitcoin, Ethereum und Co. nicht seit Jahren über die Herausforderung der Skalierung debattieren.

Aber Facebook steht offensichtlich über diesem Problem und behauptet frech, so eine Wunder-Blockchain trotzdem bauen zu wollen. Dieser Bluff ist aber selbst für Nicht-Experten leicht zu durchschauen. Denn warum sollte Facebook nun genau das schaffen, woran die besten Forscher und erfahrensten Entwickler sich seit Jahrzehnten die Zähne ausbeißen? Die vielen Datenskandale der letzten Monate deuten jedenfalls nicht darauf hin, dass man bei Facebook Zugriff auf technische Kompetenz hat, die in den für den Erfolg von Libra wichtigsten Kernbereichen ihresgleichen sucht.

Auch der Bitcoin-Kurs reagiert gelassen

Insgesamt bleibt das Whitepaper auf viele zentrale Fragen Antworten schuldig. Das ist enttäuschend. So enttäuschend, dass auch das von vielen erwartete „Sell the news!“-Event bei Bitcoin ausblieb. Der Kurs blieb vergleichsweise stabil oberhalb der 9000 US-Dollar-Marke. Echte News hatte Facebook gestern aber auch nicht im Angebot.

Trotzdem muss man an dieser Stelle aber auch noch einmal darauf hinweisen, dass Libra-Drops damit noch nicht gelutscht ist. Noch steht das Projekt schließlich ganz am Anfang und es bleibt erst noch abzuwarten, wie Facebook et al. die eigene Roadmap und die damit verbundenen Erwartungen einhalten werden.

Das Schicksal von „Blockchain“ hängt nun an Libra

Fest steht aber schon jetzt, dass Libra das mit Abstand größte und bedeutenste „Blockchain“-Projekt aller Zeiten ist. Die Zukunft des „Blockchain“-Mythos hängt damit fortan vor allem vom Erfolg des Libra-Konsortiums ab. Denn scheitern sogar die größten und einflussreichsten Unternehmen der Welt damit, ihre Traum-Blockchain zu bauen, wird es fortan auch für alle anderen Projekte nahezu unmöglich ihre jeweiligen „Blockchain“-Visionen zu verkaufen.

Gelingt es dagegen, den Libra in einer erwähnenswerten Weise zu etablieren (und davon ist auszugehen, wenn wahrscheinlich auch mit viel weniger „Blockchain“ und Dezentralität als bisher versprochen), ist das ein großer Schritt. Denn ein Großteil der Menschheit wird sich an den Umgang mit einer neuen Form digitaler Zahlungsmittel gewöhnen.

Für Bitcoin haben also beide Varianten Vorteile. Entweder versinkt der „Blockchain“-Hype mit Libra in der Bedeutungslosigkeit oder die Kluft zwischen Bitcoin und der Art wie Menschen im Alltag Geld kennen und nutzen wird dank Facebooks neuer Kryptowährung kleiner.

Bitcoin-Rumble in the Banken-Jungle – Die Value of Bitcoin Conference

Vergangenen Montag fand in München die Value of Bitcoin Conference statt, eine Veranstaltung, die ob ihrer inhaltlichen Ausrichtung und Zielgruppe bei mir im Vorfeld ziemlich hohe Erwartungen geweckt hatte.

Rückblickend kann ich sagen, dass sich diese Erwartungen mehr als erfüllt haben.

Ziel der VOB: Verschiedene Akteure und Entscheider zum Thema Bitcoin aufeinander loslassen.
Die Value of Bitcoin – Streiten auf hohem Niveau

Selten war ich auf einer Konferenz, in der Agenda und Speaker so gut kuratiert waren, die Vorträge so knackig und informativ waren und Diskussionen so hitzig geführt wurden. Oder anders gesagt: Wenn du es schaffst, einige der profiliertesten Forscher, Wissenschaftler, (Zentral-)Banker, Investoren und Bitcoiner so kontrovers und streitlustig miteinander in einen Dialog zu bringen, weißt du, dass du als Organisator alles richtig gemacht hast.

Dann entstehen nämlich Momente, die einem in Erinnerung bleiben. Wie zum Beispiel als Alex de Vries (im Titelbild zu sehen) in seinem Vortrag „The (un)sustainability of Bitcoin„, in dem er den Stromverbrauch von Bitcoin als ausgesprochen negativ darstellte, seine Thesen mit einer Karte belegen wollte.

Laut Alex de Vries angeblich überbewertet: Mining in Québec (Quelle: 2nd Global Cryptoasset Benchmarking Study, S. 78)

Diese zeigte die globale Verteilung der Mining-Epizentren. Alex de Vries kritisierte, dass der Punkt für das kanadische Québec viel zu groß sei. Ein aktuelles Interview mit einem lokalen Energieversorger würde auf deutlich geringere Nutzung der dortigen regenerativen Quelle Wasserkraft fürs Mining hinweisen.

Direkter Widerspruch aus dem Publikum

Dem widersprach allerdings umgehend ein Teilnehmer aus dem Publikum, der sich als in Québec beheimatet zu erkennen gab. Das Interview bezöge sich nur auf die Zahlen eines der vielen Energieversorger in der Region.

Als anschließend auch noch Michel Rauchs das Wort ergriff, der am Cambridge Centre for Alternative Finance der Judge Business School der University of Cambridge eben jene 2nd Global Cryptoasset Benchmarking Study verantwortet hat, aus der Alex de Vries die kritisierte Karte entnommen hatte, war klar, dass hier und heute genau der Ort ist, an dem all diese normalerweise weit verteilt arbeitenden Menschen zusammenkommen müssen, um sich auszutauschen und, wenn nötig, auch zu streiten.

Teils heftige und emotionale Debatten

Das Mining- und ökologischer Fußabdruck-Thema war dabei nicht das einzige, bei dem es kontrovers und erfrischend hitzig zuging. Im Panel „Bitcoin from a financial market and investment perspective“ platze schließlich dem prominenten und eloquenten Bitcoiner Saifedean Ammous (Autor von The Bitcoin Standard) im Publikum der Kragen.

Zuvor hatte er selbst schon einen Vortrag gehalten („Bitcoin as the working free market alternative to national central banks“) und mit Jochen Metzger von der Deutschen Bundesbank, Christopher Waller von der US-amerikanischen Fed und Thorsten Polleit vom Goldhändler Degussa zum Thema „A free market for private money – central banks under pressure?“ diskutiert.

https://twitter.com/rohmeo_de/status/1135495455209644032

Wobei gerade die beiden Zentralbänker hier stark in die Mangel genommen wurden. Teils zurecht, teils jedoch nicht. Denn fairerweise muss man darauf hinweisen, dass sie dabei auch für Dinge zur Rede gestellt wurden, die sie gar nicht selbst zu verantworten haben.

Als Vertreter des „alten Systems“ wurden sie letztlich aber zur leichten Zielscheibe und dabei argumentativ in Sippenhaft für Entscheidungen genommen, die Politiker nicht aber die Zentralbanker getroffen haben. Vielleicht müsste man solch eine Diskussion beim nächsten Mal um ebendiese politische Vertreter erweitern.

Unwissenheit, Provokationen und die Stimmung kocht hoch

Doch war das noch harmlos im Vergleich zum Panel „Bitcoin from a financial market and investment perspective“, in dem die Auseinandersetzung teils hart und bis an die Gürtelline geführt wurden. Zwischenruf aus dem Publikum in richtung eines Panelteilnehmers: „Es gibt Leute, die haben das Buch [das Sie zitieren, Anm.d.R.] tatsächlich gelesen. Sie gehören offensichtlich nicht dazu!“

Konkret ging es um die provokante Frage, ob Bitcoin letztlich nicht doch nur eine Spekulationsblase sei wie so viele zuvor – allerdings um ein Vielfaches größer. Vertreten wurde diese These vom Hans-Jörg-Naumer (Allianz), der sie mit einer mitgebrachten Grafik untermauern wollte.

Allerdings fiel vielen im Publikum schnell auf, dass besagte Grafik nicht korrekt ist, weil sie nur einen willkürlichen Ausschnitt des Bitcoin-Kurses zeigt, der die Entwicklung der ersten fünf Jahre von Bitcoin vollkommen außer acht lässt. Diese Manipulation triggerte lautstarke und energische Kritik und war der Zündfunken für eine aufgebrachte, emotionale und teils mit harten Bandage geführte Diskussion zwischen und unter Publikum und Panel-Teilnehmern.

https://twitter.com/proofofsteph/status/1135608561944465413

Dass sich der zweite Vertreter des klassischen Investorenlagers, Alexis Eisenhofer, in diesem Schlagabtausch zu der entblößenden Aussage hinreißen ließ, dass er ohnehin nichts mit Bitcoin anfangen könne, weil Blockchain-Technologie sowieso der viel heißere Scheiß sei, war das größte Fettnäpchen, das in dieser Situation zu finden war. Vor allem, da es ja den ganzen Tag schon vielseitige und fundierte Vorträge gegeben hatte, die genau diese Aussage längst ad absurdum geführt hatten.

Ähnliche Lacher erntete später nur noch der Teilnehmer, der bemerkte, dass man ja noch gar nicht über die Möglichkeiten von Ripple gesprochen habe! Nur konnte der glücklicherweise gleich wieder im Publikum abtauchen und musste nicht noch eine Paneldiskussion durchstehen, auf die er sich bedeutend zu schlecht vorbereitet hatte.

Hoher Lernfaktor

Neben den hitzigen, lebhaften und unterhaltsamen Debatten zwischen Bitcoin-Skeptikern und -Befürwortern, die durch die organisatorische Ausrichtung der Value of Bitcoin ja unbedingt gewollt war (und erfreulicherweise niemandem im konferenztypischen nachmittäglichen Schnitzel-Koma versacken ließen), war das Event aber noch aus einem anderen Grund von Wert: Es gab wirklich viele interessante Einblick („Security of Bitcoin private keys: from hardware to quantum attacks“) und einiges zu lernen.

Wie die von der BIS (Bank for International Settlements) kreierte Money Flower, in der Cyrus de la Rubia (Hamburg Commercial Bank) in seinem Vortrag „Bitcoin as catalyst for Central Bank Digital Currencies (CBDC)“ Bitcoin verortete und diskutierte.

Oder die Zentralbankkonten für jedermann, die in Deutschland mangels Nachfrage in den Neunzigern wieder abgeschafft wurden.

Und selbst die Vertreter der Banken-Seite gingen offensichtlich nicht leer aus.

Video-Aufzeichnungen sollen noch kommen

Glücklicherweise wurden alle Sessions in Bild und Ton aufgezeichnet und stünden sie schon online würde ich hier jede einzelne verlinken. Bis sie (hoffentlich bald) online gehen, lohnt es sich für noch ein paar mehr Einblicke den Konferenz-Liveblog von Holger Rohm nachzulesen, der ein treffliches Fazit gefunden hat, dem ich eigentlich nichts mehr hinzufügen kann:

Treffliche Zusammenfassung im #VOB19-Liveblog der Kollegen von blockchaincenter.net
Bitte mehr von diesem Format!

Außer natürlich, dass es unbedingt eine Fortsetzung der Value of Bitcoin geben muss. Nicht nur, weil es international kein vergleichbares Event gibt und das Feedback der Speaker und Teilnehmer (jedenfalls soweit ich das mitbekommen habe) so positiv war, sondern auch, weil sich mit diesem auf Diskurs und Austausch ausgelegten Format ein regelmäßiges Bitcoin-Event mit erkennbarem Mehrwert und Alleinstellungsmerkmal aufbauen ließe. Wenn viele anderen Konferenzen gefühlt einen immer größeren Schwerpunkt auf Erlebnis und Entertainment legen, ist die intellektuelle Auseinandersetzung mit Bitcoin immer noch die reizvollste.

Außerdem muss man den Kollegen der BayernLB eine Chance geben, zu zeigen, dass sie das mit der Vergabe guter Passwörter besser können.

Basic Attention (Shit-)Token – Unnötig, kompliziert & ärgerlich

Neulich bekam ich folgende Mail:

Hallo,

ich habe heute aus reinem Interesse meine erste BAT Spende mit dem Brave-Browser durchgeführt und dabei Ihre Seite als Ziel meiner Spende gewählt.

Was mich nun interessiert, ob und wie diese Spende bei Ihnen ankommt. Müssen Sie dafür auch den Brave Browser benutzen? Erhalten Sie eine Benachrichtigung in irgendeiner Art? Würde mich freuen, wenn Sie Ihre Erfahrungen teilen.

P.S.: Mein pessimistisches Ich sagt mir, dass überhaupt nichts passiert ist. 😀 BAT bleibt in meinen Augen wohl ein Shitcoin. Den Brave-Browser nutze ich dennoch gern und mittlerweile lieber, als die etablierten Browser.

Beste Grüße
Ein treuer Leser und Hörer

Let’s test!

Ich habe mich über diese Mail sehr gefreut. Zum einen über die konkrete Wertschätzung meiner Arbeit. Noch viel mehr aber über den Vorschlag und die Gelegenheit den Basic Attention Token (BAT) endlich mal einem realen Test unterziehen zu können.

Endlich wird alles gut! Behauptet man zumindest bei Brave/BAT.
Basic Attention (Shit-)Token – Unnötig, kompliziert & ärgerlich weiterlesen

Das (immerhin hübsche) Krypto-Periodensystem

Es gibt zwar Atomic Swaps, also Austausch-Transaktionen, die direkt und ohne Mittelsmann per Smart Contract zwischen einer Blockchain (bspw. Bitcoin) und einer anderen Blockchain (bspw. Litecoin) stattfinden. Aber mehr als das Wörtchen „atomar“ verbindet die Kryptowelt mit der der Chemie sonst eigentlich nicht.

Das Krypto-Periodensystem – immerhin ist es hübsch

Insofern ist ein Periodensystem als Vorlage um Bitcoin, Altcoins und Token konzeptionell zu verorten eigentlich keine naheliegende Entscheidung. Wenngleich ich jedoch zugeben muss, dass diese Form der grafischen Aufbereitung durchaus eine sehr ästhetische ist.

krypto-periodensystem
Sieht immerhin schön ordentlich aus: das Krypto-Periodensystem

Nichtsdestotrotz darf man sich von dieser Darstellung nicht täuschen lassen. Die Größengleichheit der einzelnen Kästchen deutet eine Gleichwertigkeit der einzelnen Coins an, die vermutlich nicht nur Bitcoin-Maximalisten die Haare zu Berge stehen lässt. Und sowieso: Warum sind hier eigentlich nur so wenige Coins verortet? Immerhin zählt Coinmarketcap knapp 1900 verschiedene Coins und Token auf. Wo sind deren Kästchen?

Sortierung nach Halbwertszeit wäre besser gewesen

Vor allem fehlt mir hier aber eine Ordnung, mit der man wirklich einen inhaltlichen Mehrwert hätte herstellen können. Sehr viel interessanter als die Coins nach ihren letztlich wenig trennscharfen Kategorien zu sortieren (ist „Fintech“ etwa kein „Business & Enterprise“ und ist nicht auch alles irgendwie „Other“?), wäre hier doch offensichtlich eine Sortierung nach Halbwertszeit.

Also ganz wortwörtlich: Wie lang hat das Projekt gebraucht, seinen Wert vom jeweiligen All Time High zu halbieren? Wie schnell fällt es in sich zusammen?

Die Halbwertszeit als Maßstab für den Zerfall eines Elementes der Kryptoversums und eine entsprechend aufbereitete Sortierung wäre tatsächlich mal eine schöne und vor allem hilfreiche Parallele zur Chemie. Aber hey, das Krypto-Periodensystem sieht immerhin hübsch aus.

„… blubb, blubb, blubb, BLOCKCHAIN!!! BAHN!!! blubb, blubb, blubb …“

Dieses durchaus aufwändig gemachte „Hey,  guckt mal alle her, auch wir von der Bahn machen jetzt irgendwas mit Blockchain!!!“-Video ist ein echtes Fundstück. Bisher galten nämlich Daimler und die LBBW als die Könige des Blockchain-Bullshit-Bingos, aber das konnte die Deutsche Bahn wohl nicht auf sich sitzen lassen.

Also hat man eine hübsche Stange Geld in die Hand genommen und ein Filmchen erstellen lassen, in dem zwar sehr viel geredet, aber leider nichts gesagt wird. Außer natürlich den obilgatorischen „Yeah!-Blockchain-Technologie-Hype-Bullshit-Bingo-Geschwafel“. 

Hübsch gemacht aber ohne Aussage. Das will keiner sehen

So viel Aufwand für ein Video, das Null Inhalt hat und das dann mit knapp 800 Klicks in vier Monaten auch noch kaum jemand sehen will. (Hier bitte eigenständig einen Deutsche Bahn-Püntklichkeit-trifft-auf-Blockchain-Hype-Zug-längst-abgefahren-Witz nach Wahl einfügen.)