Archiv der Kategorie: Spielereien

Sieh deinem Bitcoin- & „Krypto“-Portfolio beim Schrumpfen zu

Okay, die Überschrift ist etwas gemein. Aber was kann ich denn dafür, wenn ich just an dem Tag auf diesen praktischen Cryptocurrency Portfolio Tracker stoße, wenn Bitcoin und alle anderen Kryptowährungen kräftig nach unten gehen? Nichts, genau!

Bitcoin Kursentwicklung am 24.9.2019
Free and Open Source Portfolio Tracker

Also müssen wir da jetzt alle durch. Denn unabhängig vom aktuellen Kursgeschehen ist DFD Cryptocoin Values wirklich etwas, nach dem ich Freunde von mir lange gesucht haben: Eine Möglichkeit, die Entwicklung eines Bitcoin- oder (fast) beliebigen „Krypto“-Portfolio zu verfolgen, ohne dabei allzu viele sensible Informationen über sich selbst preisgeben zu müssen. So zumindest das Versprechen des Entwicklers:

Open source / free private cryptocurrency investment portfolio tracker, with email / text / Alexa alerts, charts, mining calculators, leverage / gain / loss / dominance stats, and other crypto tools.

Privately track your investment in Bitcoin, Ethereum, Monero, Litecoin, Grin, Cosmos, and an unlimited number of other altcoins / cryptocurrencies. Customize the coin list / alerts / charts to your favorite assets and exchange pairings. No limits, add as many coins / markets as you want.“

Für echte und virtuelle Portfolios

Ich persönlich brauche nicht mal all Funktionen und erst recht nicht all die Coins, die der Portfolio Tracker bietet, kann aber jedem empfehlen, zumindest mal mit der Demo rumzuspielen. Wer will kann damit ja auch ein virtuelles Portfolio pflegen und ohne Risiko schauen, wie gut man traden kann, bevor man echtes Geld verliert.

Insgesamt also ein schönes Tool. Aber trotzdem noch der Hinweis, dass man sich dennoch immer genau überlegen sollte, von wo man welche Software runterlädt und installiert. Aber eh man auf der Suche nach einem ordentlichen Portfolio Tracker auf irgendeine grellbunte Datensammel-App reinfällt (davon gibt es viel zu viele), ist dieses Open Source-Projekt vermutlich die bessere Option.

Epic Bitcoin Rap Battle

Diese Bitcoin Rap Battle Debate: Hamilton vs. Satoshi wird seit gestern felißig durchs Netz gereicht und zwar vollkommen zurecht.

Zentralisiertes vs. dezentralisiertes Geld

Man muss dabei gar nicht genau wissen, wer Alexander Hamilton war (Wikipedia: „einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten, deren erster Finanzminister und einer der ersten Staatstheoretiker der repräsentativen Demokratie“), denn er steht hier einfach repräsentativ für das auf Kontrolle ausgelegte zentralisierte Finanzsystem.

Da hätte man also auch diverse andere historisch „Verantworliche“ nehmen können. Das Video wurde aber in den USA produziert.

https://twitter.com/reidhoffman/status/1169599231075577856

Über Satoshi Nakamoto muss ich hier nicht viel sagen. Er übernimmt den argumentativen Gegenpol.

Mit Liebe zum argumentativen Detail

Aber nicht nur die Machart und die Easter Eggs (Wer findet und erkennt alle auftauchenden „Bitcoin-Promis“?) haben mich begeistert. Ich halte auch die Lyrics und die tatsächliche inhaltliche Auseinandersetzung für sehr gelungen, weil sie die öffentliche Debatte ziemlich gut widerspiegelt und eine enorme Bandbreite and Vorwürfen und Gegenargumenten ausgetauscht wird, ohne dass es am Ende einen Gewinner gäbe. Oder doch?

Ein kurzer Scan der mittlerweile mehr als 1700 Kommentare zeigt jedenfalls, dass für die Mehrheit Satoshi vorne liegt. Das verwundert aber auch nicht. Zum einen gibt es Bitcoins zu gewinnen und keine Dollar und zum anderen sind die sozialen Netzwerke vermutlich eher nicht der Ort, an dem sich der klassische Hamilton-Homie in seiner Freizeit rumtreibt.

Aber sei´s drum. Am Ende ist das Video sehr gelungenes und zeitgemäßes Edutainment und ich werd es gerne in meine Materialsammlung für mein Uni-Seminar aufnehmen.

Neue Shitcoin-Listicles – Von FiatMarketCap bis CoinMarketCrap

CoinMarketCap ist über die Jahre zu einer Institution im Bitcoin-Ökosystem geworden. Das kann man mögen oder nicht, Fakt ist aber, dass sich die Seite zu einem quasi Standard für die schnelle Informationsbeschaffung einfacher Kurs- und Wert-Statistiken in Bezug auf Bitcoin und aktuell fast 2500(!) andere „Kryptowöhrungen“ entwickelt hat.

Das CoinMarketCap-Prinzip hat sich also bewährt und früher oder später führt das zu Alternativen oder interessanten Remixen.

FiatMarketCap dreht den Basiswert-Spieß um

Eine davon ist FiatMarketCap, das den Spieß umdreht und nicht den Wert einzelner Kryptowährungen in US-Dollar anzeigt, sondern den Wert staatlicher Währungen in Bitcoin. Das Ziel der Seite:

1. Darüber lachen, dass alle Werte in Bitcoin bezeichnet sind.
2. Verfolgen zu können, wie Bitcoin gegenüber den größten Fiat-Währungen in den kommenden Monaten/Jahren steigt
3. Zu zeigen, welche Fiat-Währungen sich im Vergleich zu Bitcoin besonders schlecht zur Wertaufbewahrung eignen

China. die USA, die Euro-Zone und Japan verfügen über das meiste Geld.

Da FiatMarketCap ein Spaß-Experiement ist, kann man auf der Seite auch nicht viel mehr machen. Man findet hier aber durchaus ein paar Fun Facts für die nächste Party. Zum Beispiel dass alles Geld des vor Afrika gelegenen Inselstaats São Tomé und Príncipe aktuell gerade einmal für 14 Bitcoins reichen würde und dass Katar zwar wohlhabend ist, aber alle Katar-Riyal der Welt dennoch nicht reichen würden, um sämtliche bisher existierenden gut 17,5 Millionen Bitcoins zu kaufen.

Vorausgesetzt natürlich die Zahlen auf FiatMarketCap stimmen. Was sich nicht ganz so einfach nachvollziehen lässt, aber im Sinne von Punkt 1 seiner Existenzgründe letztlich auch nicht ganz so wichtig ist.

CoinMarketCrap – alles Kacke außer Bitcoin

Remix Nummer zwei ist CoinMarketCrap, dessen Name nicht nur ein wunderbares Wortspiel, sondern auch Programm ist. Denn im Prinzip ist die Seite anzeigentechnisch ein reduzierter Klon von CoinMarketCap, bei dem alle „Kryptowährungen“ nach Bitcoin letztlich aber nur durchnummerierte Shitcoins sind. Frei nach dem Motto „There’s Bitcoin and then there’s shitcoin“.

CoinMarketCrap zeigt Bitcoin und die Top 99 Shitcoins nach Marktkapitalisierung

Für einige mag das etwas hart wirken, ich finde diese satirische Darstellung aber durchaus sinnvoll. Kryptwährungen haben immer eine Bringeschuld. Sie müssen zunächst einmal zeigen, dass sie sinnvoll sind, ein Zweck erfüllen und es wert sind, sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen. Jede Kryptowährung ist also zu Beginn ein Shitcoin. Das war ja auch bei Bitcoin anfangs nicht anders.

Ob es aber jemals auch ein anderer Coin schaffen wird, das Shitcoin-Label endgültig abzulegen (außerhalb der Bubble hat das ja selbst Bitcoin noch nicht), bleibt fraglich. Vielleicht ja, vermutlich nein. Denn: All (Crypto) Roads lead to Bitcoin.

Wann kommt FiatMarketCrap?

Bleibt nur noch die Frage, ob und wann im nächsten Schritt möglicherweise auch FiatMarketCap und CoinMarketCrap fusioniert werden. Noch scheint mir ein FiatMarketCrap ja sehr extrem. Aber wer weiß. Ein Blick nach Argentinien zeigt: Nach der Krise ist vor der Krise.

Mehr „Behind The Shitcoins“-Dokus, bitte!

BlockTV hat mit Behind The Shitcoins ein Format erfunden, dass ich außerordentlich unterhaltsam und lehrreich gleichmaßen finde und mich frage, warum da vorher noch niemand drauf gekommen ist?

Der Name ist Programm: In den Episoden wird jeweils einer der unendlich vielen Shitcoins herausgepickt, ein Blick ins Whitepaper und das Promo-Video geworfen und ausgerechnet, wie viel man verloren hätte, wenn man einfältig genug gewesen wäre, in den entsprechenden Shitcoin zu investieren.

Es gibt noch Material für mehr als 1000 Folgen

Leider gibt es bisher erst zwei Folgen. Die erste zum Noah Coin (mit einem phänomenalen Return on Investment von -99,26 Prozent) finde ich nur auf der Website von BlockTV. Die zweite zum Callisto Coin (ROI: -90,85 Prozent) gibt es sowohl dort, als auch auf Youtube.

Bitte mehr davon! An Material für neue Folgen, mangelt es ja nicht.

Fun fact: Die Inspiration für dieses klasse Edutainment-Format kommt vermutlich bis wahrscheinlich direkt aus dem US-Congress. Zumindest fällt beides zeitlich sehr nah zusammen.

Bitcoin-Mining auf ’nem 1960er Apollo-Mondmissions-Rechner

Ken Shirriff, mein absoluter Lieblings Bitcoin-Nerd (im positivsten aller Sinne), hat mal wieder zugeschlagen.

Nachdem er bereits einen alten Lochkartenrechner zum Bitcoin-Miner umfunktioniert hat und die dafür nötige Hash-Operation selbst auch mal mit Zettel und Stift durchexerzierte, ist er nun in neue Mining-Welten vorgestoßen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

Bitcoin auf Mondmission

Passend zum 50. der Mondlandung hat er nämlich einen alten Apollo Guidance Computer, also so einen Space-Computer, wie sie ab den 1960ern mit auf die Mondmissionen flogen, zum Bitcoin-Miner umfunktioniert. Warum? Darum!

„Trying to mine Bitcoin on this 1960s computer seemed both pointless and anachronistic, so I had to give it a shot. Implementing the Bitcoin hash algorithm in assembly code on this 15-bit computer was challenging, but I got it to work.“

Eine Million mal das Universum für einen einzigen Block

Reich ist er dadurch natürlich nicht geworden. Zum einen baute er seinen Apollo-Block auf einem älteren Block aus dem Jahr 2014 auf, wodurch er bekanntlich kein neues Geld mehr erschaffen kann. Zum anderen ist die Leistung des damaligen Space-Rechners mit heutigen Rechnern nicht ansatzweise zu vergleichen.

Mit dem Apollo Guidance Computer würde es nämlich rund eine Million Mal das Alter unseres Universums brauchen, um einen aktuellen Block zu kreieren. Zur Erinnerung: Das Bitcoin-Netzwerk braucht dafür rund 10 Minuten.

The Apollo Guidance Computer took 5.15 seconds for one SHA-256 hash. Since Bitcoin uses a double-hash, this results in a hash rate of 10.3 seconds per Bitcoin hash. Currently, the Bitcoin network is performing about 65 EH/s (65 quintillion hashes per second). At this difficulty, it would take the AGC 4×10^23 seconds on average to find a block. Since the universe is only 4.3×10^17 seconds old, it would take the AGC about a million times the age of the universe to successfully mine a block.

Heute ist da jeder USB-Miner effizienter.

To put the AGC’s mining performance in perspective, a USB stick miner performs 130 billion hashes per second. The stick miner costs under $70, compared to $150,000 for the Apollo Guidance Computer. For its time, the Apollo Guidance Computer was an extremely compact, low-power system, using 55 watts and taking up under a cubic foot of space. The USB miner, though, uses 12 watts and fits in your hand. The enormous difference in performance is due to the exponential increase in computer speed described by Moore’s law as well as the advantage of custom Bitcoin mining hardware.

To the moon!

Aber um Effizienz geht es hier ja auch gar nicht. Denn mal abgesehen vom Mondlande-Jubiläum symbolisiert ja wohl nichts besser das inoffizielle Bitcoin-Motto „To the moon!“ als Mining mit einem Ex-Mondmissionsrechner.

Vom Geld, das unter Pflanzen wächst

Über Michael Sedbons Mining-Projekt Alt-C, das die Energie für das Mining aus der Photosynthese von Pflanzen zieht, habe ich neulich hier im Blog schon kurz berichtet. Letzten Samstag lief zu dieser Kunstaktion rund um Kryptowährungen und die Mikrobielle Brennstoffzelle nun auch ein Radiobeitrag bei Breitband, bei dem der Künstler auch selbst noch einmal zu Wort kommt: Geld, das unter Pflanzen wächst.

Bitcoin-Sommeranfang – „Gotta cash `em all“

Am Wochenende war nicht nur der „normale“ Sommeranfang, sondern mit dem Überschreiten der symbolträchtigen 10.000 US-Dollar-Marke ist auch der „Kryptosommer“ nun quasi offiziell wieder zurück.

Woran man das auch erkennt: Die Freaks* kommen aus ihren Löchern und füllen das Netz mit Meme-Perlen wie dieser.

* leider auch Scammer, Schlangenölverkäufer und andere Abzocker, aber von denen lassen wir uns die gute Laune heute mal nicht verderben.

Crypto Power Plants – Mining mit Grünpflanzen und Photosynthese

Was ich bisher nicht wusste, mich aber außerordentlich fasziniert: Im Rahmen der Photosynthese lässt sich aus Grünpflanzen Strom erzeugen, wenn diese Abfallprodukte (vor allem überschüssige Glukose) an die Erde abgeben, wo Bakterien sie zersetzen. Dabei werden Elektronen und Protonen frei, aus denen sich dann Strom gewinnen lässt. Genug um damit Licht zu erzeugen. (Hier noch ein Artikel). Den Pflanzen passiert dabei nichts.

Grüneres Mining geht nicht
Alt-C von Michael Sedbon

Michael Sedbon hat dieses Prinzip nun auf Krypto-Mining übertragen und in seinem Kunstprojekt Alt-C einen Einplatinen-Rechner mit der Energie von Pflanzen betrieben, der dann eine Kryptowährung gemined hat.

Das Ziel war dabei nicht, Profit zu erzielen, sondern die grundsätzliche Machbarkeit zu demonstrieren, die Idee weiterzuentwickeln und Fragen aufzuwerfen, die sich aus diesem Konzept ergeben.

Zum Beispiel, wie sich in solch einem Setting Wetter und Klima auf die Mining-Erträge auswirken oder ob die mit dem Mining verbundenen Anreizestrukturen womöglich sogar eine Renaturierung nach sich ziehen könnten? Immerhin wird es umso lukrativer je mehr Pflanzen als Energiequelle genutzt werden können.

Alt-C von Michael Sedbon

„As money grows on trees, it is then possible to draw a correlation between atmospheric condition and production of cryptocurrencies. A neural network had been trained to prediction the crypto mining rate in regard to the weather forecast in the UK.

The AI will try to come up with a strategy to reinvest the grown/harvested money into farmable land. As the system grows, it will attempt to plant more trees to provide for the required energy.

Could an ecological computer virus reverse deforestation?

What would it mean to live in a world where economic would be driven by the weather forecast, atmospheric conditions or any naturally occurring phenomenon? Would this made us respect more natural ecosystems or nourish our will to control them? 

With enough abstraction and control, could we plan on growth? In such a context, would economic growth lead to ecological sutanability or a total financialization hegemony on farmable lands making them vulnerable to the fluctuations of the market?“

Alt-C von Michael Sedbon
Allein schwach, in der Masse mächtig

Bitcoin spielt bei diesem Experiment im Übrigen keine explizite Rolle. Bisher haben die Pflanzen nur Michael Sedbons eigene namenlose Kryptowährung gemined. Diese beruht wie Monero auf dem CryptoNote-Protokoll, das mit seinem Egalitarian Proof of Work die Herausbildung und Hochrüstung spezialisierter und energiehungriger Miner (ASICS) verhindern soll.

Da einzelne Pflanzen nur vergleichsweise wenig Strom lieferten, gebe es nur so eine Chance, dass sich das Alt-C-Modell eines nachhaltigen „ökologischen Computer Virus“ überhaupt entwickeln könne, der sich durch potentielle Mining-Profite neue Grünflächen zum weiteren Wachstum (zurück-)erschließt.

Grundsätzlich ließe sich Sedbon zufolge das System aber aus dem Prototypen-Stadium auf Gärten, Felder oder ganze Wälder hochskalieren, die dann wiederum einzelne Server oder ganze Blockchains antreiben könnten.

Alt-C von Michael Sedbon
Geld wächst zwar nicht auf Bäumen, aber darunter

Ob es in der Praxis jemals dazu kommen wird, ist allerdings fraglich. Michael Sedbon arbeitet selbst schon wieder an neuen Projekten. Nichtsdestoweniger bleibt Dank seines Proof of Concepts aber der Beweis, dass Mining nicht zwangsläufig eine der schlimmsten Umweltsünden ist, die die Menschheit je begangen hat.

Und die Erkenntnis dass Geld zwar immer noch nicht auf Bäumen wächst, aber durchaus darunter.

Der Bitcoin-Preis steigt, die Krypto-Kultur blüht

Dass der Bitcoin-Preis vor ein paar Tagen ordentlich in die Höhe ging, ist bekannt. Vielfach ist schon vom Ende des „Krypto-Winters“ zu lesen.

Was diese These in gewisser Weise unterstützt, aber erstens keine kausale Verbindung zum aktuellen Kurs-Boom hat und zweitens auch nur auf meiner rein subjektiven Beobachtung beruht: Auch die kreative Auseinandersetzung mit Bitcoin nimmt wieder zu.

Minecraft-Bitcoin-Kurs-Achterbahn

Zumindest stoße ich in letzter Zeit wieder häufiger auf entsprechende Links, Videos und Spielereien. Wie zum Beispiel diese historische Bitcoin-Kurs-Achterbahn, die @sqatch_crypto von November bis Dezember vergangenen Jahres in Minecraft nachgebaut hat und seitdem wöchentlich um eine Kurs-Candle erweitert.

https://twitter.com/squatch_crypto/status/1113608042061471744

Warum @sqatch_crypto das macht? Einfach so. Er/sie liebte nach eigenen Angaben schon früher Lego und baut nun eben mit digitalen Blöcken in Minecraft herum.

Krypto-Kultur wird zu eigener Gattung

Was dabei bemerkenswert ist: Es war das für die Bitcoin-Szene bereits ikonische Meme des Bitcoin Rollercoaster, das @sqatch_crypto für seine eigene Spielerei inspirierte.

Der Remix dieses bekannten Memes bedeutet wiederum, dass die kulturelle und memetische Auseinandersetzung mit Bitcoin mittlerweile eine Tiefe erreicht hat, in der die kreativen Einflüsse nicht mehr nur von außen kommen, sondern bereits die Reflexion und Neubearbeitung eigener originärer Bitcoin-Memes stattfindet. Bedeutet: Krypto-Kultur kann man längst schon als eigene subkulturelle Gattung bezeichnen.

Bitcoin and Friends – Die Serie

Ein anderes Beispiel für die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Bitcoin ist die Serie Bitcoin and Friends, eine amüsante Zeichtrickserie, in der Bitcoin und seine Freunde sich auf die abenteuerliche Suche nach dem Sinn der Existenz des namengebenden Hauptprotagonisten begeben.

Pal Fifty, Mitalik und andere sind (zumindest in dieser Serie) die Freunde von Bitcoin.

Die erste Folge steht bereits online und weitere sieben sind geplant. Voraussetzung für die Fortsetzung ist jedoch ein erfolgreiches Crowdfunding, das sich mit veranschlagten 5 Bitcoin pro Episode allerdings recht hohe Hürden setzt. Mal schauen, ob diese Summe bei dem weiter steigenden Kurs zusammenkommt. Vielleicht findet sich im nun vielfach heraufbeschworenen „Krypto-Frühling“ ja auch ein großzügiger Sponsor.

Financial Fackellauf im Lightning-Netzwerk

Man muss schon unter einem Stein gelebt haben, wenn man in den vergangenen Wochen nichts von der Lightning Network Trust Chain gehört hat. Kaum ein anderes Thema begeistert und elektrisiert die Bitcoin-Community derzeit mehr. Aus guten Gründen.

Das erste originäre Lightning-Experiment

Zum einen handelt es sich hierbei um das erste originäre Lightning-Experiment, das ein selbstverstärkendes Momentum erreicht hat aka „viral“ geht. Zwar gab es zuvor schon einige interessante Experimente mit Lightning. Aber weder sind Auktionen etwas gänzlich Neues (auch wenn sie im Millionstel Centbereich stattfinden), noch Spiele, in denen Nano-Transaktionen Interaktionen auslösen und auch satoshis.place ist zwar eine höchst kreative Pixel-Spielwiese, aber letztlich doch auch nur eine angepasste Umsetzung eines vormaligen Reddit-Experiments.

Bei der Trust Chain ist das anders. Dieser Payment-Staffellauf ist vollkommen neuartig und wäre ohne das Lightning-Netzwerk (als Payment-Infrastruktur) und Twitter (als kollektives Kommunikationsmedium) zuvor nicht möglich gewesen.

Höher, weiter, exotischer, prominenter

Darüber hinaus hat die Trust Chain mittlerweile auch schon die Bitcoin- und Lightning-Nerd-Nische verlassen und zieht durch immer neue Besonderheiten und „Rekorde“ das Interesse einer wachsende Öffentlichkeit auf sich. Die Trust Chain wird immer länger, die Teilnehmer des Experiments prominenter und die Umstände, unter denen es weitergeht immer ausgefallener. Doch was ist es denn eigentlich, was das Lightning Network Trust Chain-Experiment so besonders macht?

https://twitter.com/hodlonaut/status/1086703428791865345
Am Anfang war ein Tweet

Alles begann Mitte Januar mit einem Tweet von @hodlonaut in dem diese/r ankündigte eine Zahlung von 100.000 Satoshi (0,001 Bitcoin, gut 3 Euro) über das Lightning-Netzwerk zu schicken. Der Empfänger solle dann seinerseits noch einmal 10.000 Satoshi draufpacken und die Summe an jemand anderes weiterleiten, der dann ebenfalls noch einmal 10.000 Satoshi draufpackt, das Paket weiterreicht und so weiter. Bis die Kette irgendwann einmal abbricht (und man idealerweise etwas daraus lernen kann).

Eigentlich ein ganz einfaches Prinzip und lange lief dieses Experiment selbst unter dem Radar der meisten Bitcoiner. Doch begann die Trust Chain irgendwann eine wachsende Eigendynamik zu entwickeln.

Denn mit der Anzahl der Teilnehmer stieg auch der Wert der „Fackel“, die unter den Augen der Community immer weiter durchs Netzwerk wanderte. Und damit auch die Neugier, zu sehen, wann und wie dieses Experiment scheitert, weil die Technik versagt oder jemand ausschert und den wandernden Honeypot einfach für sich behält.

https://twitter.com/hodlonaut/status/1091067464560066566

Doch obwohl es zwischenzeitlich schon danach aussah. Bislang wächst die Trust Chain immer weiter und mit ihr der Betrag, der mitwandert.

Die Welt ist nicht genug

Fast 190 Mal wurde die Payment-Fackel dabei schon durch das Netzwerk gereicht und durchquerte dabei rund 40 Länder auf sechs Kontinenten. Ob man zusätzlich auch die Antarktis auf der Reiseroute der Trust Chain abhaken kann, bleibt jedoch umstritten. Zumindest stand aber einer der beteiligten Netzwerkknoten auf einem Stein, der vor nicht allzu langer Zeit noch in der Antarktis lag.

Das allein zeigt aber: An Enthusiasmus und Begeisterungsfähigkeit mangelt es den Teilnehmern des Trust Chain-Experiments nicht.

… wo keine Transaktion jemals zuvor gewesen ist.

Was auch die Suche und Umsetzung immer neuer Herausforderungen zeigt. Denn Geld mit Hilfe des Internets einfach nur schnell, billig, unzensierbar und nicht manipulierbar von A nach B senden, ist ja zu einfach.

Zwischenzeitlich verließ die Trust Chain daher sogar die Erde und sogar das Internet. Dabei erreichte und verließ eine Transaktion einen Flieger über dem Atlantik und die „Fackel“ wurde mittlerweile sogar per Satellit übertragen.

Wobei einigen Bitcoinern aber auch das noch nicht genug ist. So kursiert bereits die Idee, eine Transaktionen zum Mond und zurück zu schicken.

https://twitter.com/eriklaan/status/1094977836732035072

Sollte das gelingen, wäre das natürlich eine außergewöhnliche Demonstration und bestes Guerilla-Marketing. Wobei die Trust Chain aber auch so in den Fokus einer immer größeren Öffentlichkeit rückt.

Prominente Lightning-Mitstreiter

Für einen ganz besonderen Aufmerksamkeitsschub hat dabei Hop #151 gesorgt. Mit diesem landete die Trust Chain nämlich bei Jack Dorsey, dem CEO von Twitter

https://twitter.com/jack/status/1092892320842706944

Das kam nicht sonderlich überraschend. Denn zum einen ist „Bitcoin-Twitter“ ohnehin eine der zentralen Kommunikations-Plattformen der Community und zum anderen ist Jack Dorsey auch noch CEO von Square, über deren Cash-App die Nutzer schon seit mehr als einem Jahr Bitcoins kaufen können.

Was viele jedoch überraschte war, wie offen positiv Jack Dorsey Position zu Bitcoin zu bezog. Und zwar nur zu Bitcoin, da er offensichtlich kaum Interesse an Altcoins, irgendwelchen Token oder sonstigen „Blockchain“-Projekten zu haben scheint.

Ein Standpunkt, der von der Bitcoin-Community natürlich dankbar aufgenommen und gefeiert wurde. Erst recht da Jack Dorsey mittlerweile auch ankündigte, Lightning in die Cash-App integrieren zu wollen.

Wobei das letztlich weniger überrascht, wenn man berücksichtigt, dass er auch Investor von Lightning Labs ist, einer der Firmen, die die Umsetzung des Lightning-Networks maßgeblich mit vorantreiben.

Die Schattenseiten der Fackel

Wie jedes soziale Experiment das lange genug läuft oder eine hinreichende Größe erreicht, zeigt aber auch die Trust Chain, dass sie nicht nur aus positiven Aspekten besteht. Immerhin wurde die „Fackel“ nicht immer sofort und freiwillig weitergereicht, sondern mitunter erst auf sozialen Druck der Community. Das kann man gut finden oder nicht.

Aktuell regt sich aber vor allem Unmut darüber, dass die Trust Chain im Wert von aktuell rund 100 Euro in den Händen sogenannter Shitcoiner liegt, die eigentlich nicht zum Kern der Lightning-Community gehören und die Aufmerksamkeit, die ihnen dadurch nun zu Teil wird, für ihre Shitcoin-Projekte missbrauchen.

Aber auch hier kann man über Pro und Contra streiten.

Noch ist das Experiment nicht vorbei

Wer sich nun aber selbst ein Bild vom Fortgang des Lightning Network Trust Chain-Experiments machen will, der findet gesammelte Infos auf takethetorch.online und Aktuelles auf Twitter unter dem Hashtag #LNtrustchain.