Archiv der Kategorie: Spielereien

Der Club des Bitcoin-Bedauerns

Der Bitcoin Regret Club ist eine hübsch-ironische Spielerei von ISL, einer Agentur „that regrets not investing in cryptos earlier.“ Und weil es sich zusammen eben schöner bedauert als alleine, haben sie kurzerhand besagten Club des Bitcoin-Bedauerns ins Leben gerufen.

Dessen Herzstück ist ein Rechner, bei dem man angeben kann, wie viel Geld man zu einem beliebigen Zeitpunkt in Bitcoin eigentlich hätte investieren müssen. Nur, um dann ganz konkret bedauern zu können, wie viel man eigentlich hätte, aber, weil man es ja leider nicht tat, heute eben auch nicht hat. („Sucks, doesn’t it?“)

Selbstmitleid für alle!

Und weil schnöder Mammon hier zu wenig emotional triggert, kann man sich das Ergebnis daher auch gleich in plastischer Gegenwerte umrechnen lassen. („That’s when regret really kicks in“).

100 US-Dollar heute vor sieben Jahren investiert, wären aktuell also nicht nur gut 1,2 Millionen US-Dollar, sondern auch 1275 iPhone X („Does Face ID pick up frowns?“) oder 0,016 Mona Lisas („c. 1503, Leonardo da Vinci, oil on regret.“).

Wer sich heute also noch nicht genügend selbst bemitleidet hat: Hier lang.

Das Internet – Online Drogen kaufen seit 1971

Dieses Video hier ist ein Fundstück, aus einem Smithonian-Artikel, der der Frage nachgeht: What Was the First Thing Sold on the Internet?  Die wenig überraschende Antwort: Marihuana.

Irgendwann zwischen 1971 und 1972 kauften demzufolge Studierende der Stanford University über das Arpanet, dem Vorläufer des Internets, Gras bei Studierenden des MIT. Zwar fehlen weitere Quellen, um den Vorgang endgültig zu verifizieren, andererseits ist aber auch nicht sonderlich unrealistisch, dass das tatsächlich so passiert ist.

Per Definition zur schönen heilen Welt

In jedem Fall sähe das aber gar nicht gut aus, wenn dieser Drogenhandel offiziell als erste jemals getätigte E-Commerce-Transaktion in die Geschichtsbücher eingehen würde. Daher wird dieser Handel (zumindest in obigem Werbevideo) kurzerhand aus dem Begriff E-Commerce herausdefiniert.

Drogen zu kaufen, egal ob über das Netz oder nicht, war damals schließlich illegal und (das ist ja allgemein bekannt) im Internet werden offiziell keine verbotenen, sondern ausschließlich legale Güter gehandelt. So etwas wie „Drogen-E-Commerce“ kann es also logischerweise gar nicht geben.

Das ist eine etwas merkwürdige Argumentation, insbesondere wenn man bedenkt, dass moralisch im Graubereich agierende Branchen wie bspw. die Pornoindustrie und ja, auch der Drogenhandel, historisch betrachtet maßgebliche Treiber neuer Technologien sind.  Ohne sie würde es den offiziellen E-Commerce von heute (noch) gar nicht geben.

Ich finde es also durchaus legitim zu sagen, dass einer der ersten Verkäufe über das Netz wohl Drogen waren. Das gibt es nichts Schönzureden.

Erste Bitcoin-Transaktion war nicht illegal

Zumal es das auch einfacher macht, wenn mal wieder jemand mit dem schlichten Argument kommt, dass Bitcoin verboten oder streng reguliert werde müsse, weil damit ja so viel Drogen im Netz gehandelt würden. Denn dann kann man darauf verweisen, dass es schon vor mehr als 40 Jahren bei einer der ersten Web-Transaktionen überhaupt um Drogen ging. Beim ersten echten Bitcoin-Handel ging es hingegen lediglich um zwei vollkommen harmlose Pizzen.

Bitcoin-Augenschmaus-Erklär-Werbung

Am Ende ist es zwar nur Reklame für eine Geldsende-App, über die man jetzt auch Bitcoins kaufen kann, aber das ändert nichts daran, dass My First Bitcoin and the Legend of Satoshi Nakamoto eine liebevoll gestaltete und wunderschön anzusehende Liebeserklärung an Bitcoin in digitalem Kinderbuchformat ist.

my first bitcoin

Wer sich die fünf Minuten nimmt, da mal durchzuscrollen (und ein bisschen mit der Maus zu wackeln) wird auf dem Sterbebett später nicht sagen können, dass das verschwendete Lebenszeit war.

Die schlechtesten Bitcoin Miner aller Zeiten

Über Ken Sherriff, der zeigt, wie man mit 0,67 Hashes pro Tag Bitcoins mit Zettel und Stift errechnet oder historische Lochkarten-Hardware für das Mining verwendet, habe ich immer wieder mal berichtet.

Nun bin ich durch Zufall auf einer anderen Netzkultur-Seite auf einen Artikel über schlechte bzw. sehr umständliche Bitcoin-Miner gestoßen, der ebenfalls Ken Shirriffs arbeiten auflistet, aber eben auch noch zwei mir bislang unbekannte.

Bitcoin Mining mit Taschenrechner und Stempel

Denn mittlerweile haben Martín Nadal und César Escudero Andaluz in ihrem Projekt Bittercoin auch einen alten Taschenrechner zum sympathisch nerdigen, aber ansonsten leider furchtbar schlechten Bitcoin-Miner umgerüstet.

Noch besser finde ich aber eigentlich ihr aktuelles Projekt Bitcoin of Things, in dem ein Stempel zu einem Miner umfunktioniert wurde. Ein Stempel! Das Tolle: Dieser macht das Mining wieder zu echter Handarbeit und verleiht dem Begriff Proof of Work eine ganz praktische Bedeutung.

Wenn es jetzt noch jemandem gelingt, Bitcoin-Mining endlich mit einem Fidget Spinner zu betreiben, dann würde die Hashrate vermutlich ebenso durch die Decke gehen, wie der Bitcoin-Kurs in den letzten Monaten.

Die einflussreichsten Bitcoiner als Tweet-Sammelkarten

Mein Lieblings-Twitteraccount der letzten Wochen ist @WeRateBitcoiner. Dort widmen die Macher den einflussreichsten Personen der Bitcoin-Sphäre jeweils einen einzigen Tweet, in dem sie ihn/sie kurz vorstellen und eine Bewertung in Form von Punkten abgeben. Das sieht dann in etwa so aus:

Wie ein Panini-Sammelheft. Nur mit Bitcoinern. Und auf Twitter

Nun ist das Prinzip nicht neu. Den WeRateDiesundDas-Trend gibt es ja schon länger. Diese Bitcoiner-Variante ist dennoch durchaus bemerkenswert.  Nicht nur bekommt man eine umfassende Liste, wem man beim Thema Bitcoin unbedingt auf Twitter folgen sollte – das kann gerade aktuell in einer der heißesten Phasen der Bitcoin-Scaling-Debatte von großem Vorteil sein – sondern jeder einzelne Tweet ist darüber hinaus gleichsam unterhaltsam wie lehrreich. Selbst für mich, der ich mich mittlerweile eigentlich ganz gut auskenne.

Satoshi, bist du das?

Wer hinter dem Account steht, ist nicht bekannt. Fest steht aber: Hier macht sich also jemand wirklich große Mühe und verpackt seine umfassende Kenntnis über die Geschichte von Bitcoin und die Leute, die diese beeinflusst und vorangetrieben haben, gekonnt in 140 Zeichen. Satirisch, neckisch und immer mit einem Augenzwinkern.

Was für die wilde These steht, dass vielleicht Satoshi selbst den Account betreibt – immerhin hat er sowohl das nötige Fachwissen als auch die Eloquenz Dinge kurz und präzise auf den Punkt zu bringen – ist die Tatsache, dass der prominent angeheftete Tweet ganz oben ihn selbst, Satoshi Nakamoto, bewertet. Besser kann er den Verdacht doch nicht von sich selbst lenken, oder?

Anderseits muss das auch nichts heißen, denn auch bei jedem anderen Betreiber hätte Satoshi Nakamoto diese Position verdient. Insofern kann man das Spekulieren auch sein lassen und sich einfach an ein paar der besten WeRateBitcoiner-Tweets erfreuen.  Hier eine Auswahl:

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Hätteste mal lieber Bitcoin gekauft …

Auf den ersten Blick erscheint das, was BitcoinInstead.com macht, beliebig und banal: Es rechnet aus, wie viel Geldwert man heute besäße, wenn man, anstatt ein neues Smartphone zu kaufen, das Geld zum damaligen Zeitpunkt in Bitcoins investiert hätte.

Ich selbst komme dabei noch ganz gut weg. Meine rund 350 Euro von damals wären jetzt „nur“ rund 1850 Euro wert. Wer dagegen gerade ein iPhone 4s in den Händen hält, muss überlegen, ob der Kauf des Smartphones die halbe Million wert gewesen ist, die man jetzt besäße, wenn man das Geld damals in rund 200 Bitcoins investiert hätte, statt in ein Statussymbol, das so schnell an Wert verliert. Nach drei Jahren ist so ein Ding nämlich abgeschrieben.

Mehr als nur Hättendetten

Und genau hier liegt das, was mich dann doch an BitcoinInstead.com begeistert. Unter der vermeintlichen Hätte-hätte-Fahrradkette-Oberflächlichkeit verbirgt sich nämlich eine kleine aber feine Kapitalismuskritik.

Denn gerade Smartphones mit ihren übertrieben kurzen Erneuerungszyklen sind ein schönes Beispiel, wie Hype und Marketing das subjektive Interesse (Geld machen, Statussymbol etc.) unverhältnismäßig stark über kollektive Interessen (Umweltschutz, verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen, Arbeitnehmerrechte und soziale Standards in den Produktionsländern etc.) erheben.

Wenn Bitcoin daher Menschen dazu bringt, ihren Smartphone-Konsum kritisch zu reflektieren, dann ist das gut. Mal ganz davon abgesehen, dass BitcoinInstead eine von potentiell unendlich vielen Datenspielereien ist, die man mit den offenen Daten von Bitcoin machen kann. Bitte mehr davon!

Ride the Bitcoin-Rocket-Rollercoaster

Wer sich dieser Tage einen schnellen und nerdig-sympathischen Überblick über den aktuellen Bitcoin-Kurs verschaffen will, der sollte, wie ich, bitcoinrollercoaster.com permanent in einem Tab geöffnet halten.

Der Bitcoin-Rollercoaster weiß immer, was zu tun ist

Denn egal, ob der Kurs-Ritt gerade mal wieder Richtung Mond zeigt oder doch wieder nach unten – irgendwie macht die Seite immer gute Laune. Was vielleicht auch an den, egal wie der Kurs ist, immer optimistischen Sprüchen liegt, die wechselnd eingeblendet werden. Das liest sich über die Zeit dann etwa so:

„$10K INCOMMING!“ ,

„GREEN!“,

„HODL!“,

„BUY THE DIP!“

„TO THE MOON!“ ┗(°0°)┛

… und mehr braucht man doch eigentlich auch nicht zu wissen, oder?

($=1 -> $=0) Oder: Der schnellste Weg eine Regierung zu stürzen

Man kann von Rick and Morty halten, was man will. Eklig, abgefahren, grandios und WTF! sind nur ein paar Beschreibungen, die mir beim Schauen der Serie immer wieder durch den Kopf gehen.

Was man jedoch zweifelsohne über Rick and Morty sagen kann: In Bezug auf Storytelling hat in dieser Serie eine Klasse erreicht, die ihresgleichen sucht. Dicht, verwoben, begeisternd und voller subtilem Tiefgang, mit dem der Finger immer präzise in die Wunde gelegt wird.

Nehmen wir zum Beispiel die Frage, wie man die intergalaktische Regierung am schnellsten vernichtet. Krieg und Konflikt? Viel zu umständlich. Wesentlich wirkungsvoller ist es, mal eben den Wert der zentralisierten Währung zu manipulieren. Nach unten. Die Folgen davon sehen dann in etwa so aus:

Das Ganze ist natürlich vollkommen fiktiv und könnte in der Realität niemals passieren. Niemals.

Wer sich mehr für das Storytelling-Konzept des Rick and Morty-Schöpfers Dan Harmon interessiert (es lohnt sich wirklich!) findet hier mehr Informationen.

R.I.P. all ihr Altcoins

Ich weiß nicht, wer sich die Seite altcoinobituaries.com ausgedacht hat, aber ich mag den Humor. Denn dort werden in trefflich pointierten „Todesanzeigen“ einige der prominenteren Altcoins verbal zu Grabe getragen, die rückwirkend betrachtet doch nicht hielten, was mitunter vollmundig versprochen wurde. Darunter zum Beispiel:

  • Dogecoin – „Dogecoin! You were fun. We’re sorry your cute face couldn’t save you!“
  • Steem – „Steem was a revolutionary new way to write articles on the internet and lose money at the same time.“
  • Auroracoin – „All of Iceland is using it. We promise!!!!!!“
  • Namecoin –  „Namecoin, we’re sorry to see you go. We actually kind of liked you“ 
  • Vericoin –  „Looks like the zombie tried to come back a few times, but ultimately fell into its grave.“ und viele mehr.
Lieber ein Ende mit Schrecken …

Das muss man nicht mögen und kann bei dem ein oder anderen Projekt auch anderer Meinung sein, aber die jeweiligen Kursdaten, die ebenfalls angezeigt werden, sprechen schon irgendwie für sich.  Vor allem aber ist es gut, dass jemand sich mal traut, all die gescheiterten „Experimente“ für gescheitert zu erklären.

altcoin obituaries peercoin (1)
Auch Peercoin wird offiziell für tot erklärt
Totgesagte leben länger

Der einzige Altcoin, bei dem die virtuelle Todesanzeige auf altcoinobituaries.com aber vielleicht doch etwas zu früh kam, ist Litecoin, das in den letzten zwei Wochen ein recht ordentliches Comeback erlebte.

Vielleicht lohnt sich also doch auch bei dem ein oder anderen vermeintlich totgesagten Projekt noch ein Fünkchen Hoffnung? (Ja, ich schiele auf dich, Dogecoin! Raffst du dich auf und steigst noch einmal in das Rennen ein?)

Deep inside Bitcoin-Hardware-Wallets

Ich bin vor Kurzem im Netz auf stellaw.info gestoßen, einen nerdigen Blog, auf dem sich gbg sehr intensiv mit Hardware-Wallets auseinandersetzt und diese auf Herz und Nieren überprüft. Inklusive auf- und ggf. kaputt machen, versteht sich.

Bitcoin-Wallets: Aufmachen, anschauen, selber bauen

Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Passion, mit der er sich den Geräten widmet oder eigene Projekte durchführt (wie bspw.
I built my own Trezor clone: DINOSAUR HIPHOP ZERO
), sondern auch, wie viele Modelle er schon getestet hat, von denen ich bislang noch nie etwas gehört habe.

Wobei das eine aber auch mit dem anderen zu tun haben könnte. Denn gbg ist zu Recht durchaus kritisch. Aber genau das macht seine Arbeit so wertvoll. Denn wer will seine Bitcoins schon einem Stück Technik anvertrauen, das niemand auf Herz und Nieren geprüft hat?

Bitcoin-Bastler aus Leidenschaft

Fun fact: Eine früheres Projekt von gbg war es, seine uralte NES-Spielekonsole in einem Bitcoin-Miner zu verwandeln. Nicht wegen des Profits, sondern einfach, weil es möglich ist. Und um dieses Projekt wiederum ging es vor mehr als drei Jahren im allerersten Beitrag hier im Blog.