Bitcoin-Presseschau

Sonder-Presseschau

Das Ende von Mt.Gox

Eigentlich haben alle nur noch darauf gewartet, gestern war es nun (endlich) soweit. Die ehemals größte Bitcoin-Börse Mt.Gox hat ihre Website aus dem Netz genommen, all ihre Tweets gelöscht und ein Statement gepostet:

oder anders gesagt:

Verbunden mit dem mutmaßlichen Ende von Mt.Gox ist der angebliche Verlust von rund 750.000 Bitcoins, einem – je nach Wechselkurs – dreistelligen Millionenbetrag von Anlegern auf der ganzen Welt. Dementsprechend groß waren Interesse und Resonanz in den „traditionellen“ Medien. Die journalistische Umsetzung ist jedoch nicht jeder Redaktion gleichermaßen gut gelungen. Zeit für eine Sonder-Presseschau.

Die Zeit – absolut lesenswert

Eine gute Zusammenfassung der Ereignisse und eine ausgewogene Einschätzung der Konsequenzen liefert Jan Guldner in Eine Bitcoin-Börse taucht ab für Die Zeit. Fazit: Das kratzt am Bitcoin-Image, aber es geht weiter.

tagesschau.de – subtile Meinungsmache

Deutlich einseitiger ist der Grundton bei tagesschau.de. Bettina Seidl möchte den Bitcoin gerne scheitern sehen und die Mt.Gox-Neuigkeiten kommen ihr das gerade Recht um sie mit Schlüsselwörtern wie „Zockerwährung“, „im Iran zeitweise sehr beliebt“ und „Finanzexperten entsetzt“ zu garnieren und unter dem Titel Zwei neue Flops für den Bitcoin als konsequente Fortführung einer Reihe von Gefahren, Problemen und Misserfolgen aufzureihen.

Spiegel Online – kurz und sachlich

Spiegel Online fasst in Betrieb eingestellt: Bitcoin-Börse Mt. Gox vertröstet ihre Kunden die Sachlage knapp und informativ zusammen und verzichtet auf eine eigene Bewertung.

Süddeutsche Zeitung – mit Anfängerfehlern

Jannis Brühl und Matthias Huber nehmen sich in der Süddeutschen Zeitung etwas mehr Raum. In Größte Bitcoin-Börse geht offline werfen sie allerdings ein paar Fakten zusammen, die in der Form angezweifelt werden dürfen (bspw. der Begriff „größte Bitcoinbörse“). Dadurch vernebeln sie leider etwas den Blick auf das, was tatsächlich passiert ist.

taz – unbegründete Mutmaßungen

Die tageszeitung spricht gleich im Teaser vom Ende des Bitcoin ohne das Thema im Artikel Millionen über Nacht verschwunden noch einmal fundiert aufzugreifen und zu begründen. Generell wirft der Beitrag gleich mehrere Teilaspekte in einen Topf, die jeweils einen eigenen Artikel verdienen würden. Durch dieses willkürliche Zusammensetzen werden letztendlich mehr Fragen offen gelassen als beantwortet.

NZZ – gewohnt neutral

Die Neue Zürcher Zeitung schreibt mit Mt. Gox ist offline einen kurzen Artikel, der an manchen Stellen jedoch besser recherchiert wirkt als manch langer. Gleichzeitig vertritt er einen angenehm neutralen Standpunkt.

The New York Times – vielseitig und informativ

In der New York Times geht es neben dem Mt.Gox-Thema auch um die nahzu zeitgleiche Bekanntgabe der Pläne einer amerikanischen Bitcoin-Börse, die mehr nach den Spieregeln des traditionellen Parketts funktionieren soll. In Apparent Theft at Mt. Gox Shakes Bitcoin World findet damit eine gelungene Verknüpfung eines Kommen-und Gehen-Prozesses im vitalen Bitcoin-Ökosystem statt.

Und was war sonst noch so los?

Im Netz wurde wie erwartet viel diskutiert, spekuliert, gemutmaßt und gewitzelt und die Skala reicht von Wut über Zweckoptimismus bis hin zu „Shit happens“, „Nach vorne gucken“ und „Hab ich euch doch schon immer gesagt!“

https://twitter.com/KryptoKoolio/status/438325801462009856

Ein besonders beachteter Diskussionsbeitrag war der offene Brief Some words for my friends von Erik Voorhees an die Bitcoin-Community. Er selbst hatte mehr als 550 Bitcoins bei Mt.Gox, gibt sich für den Verlust nun aber selbst die Schuld, da er aus Bequemlichkeit die lange bekannten Probleme des Unternehmens ignoriert habe.

Wordcloud
Schalgwort-Wolke der Diskussion auf Eric Voorhees offenen Brief bei Reddit

Anschließend gab es auch noch ein Bloomberg-Interview mit ihm und anderen Gesprächspartnern zu Mt.Gox-Thema und den verbundenen Konsequenzen für Bitcoin.

Lieber ein Ende mit Schrecken …

Grundsätzlich ist im Netz aber eine gewisse Erleichterung spürbar. Das Drama mit Mt.Gox zog sich ja nun schon eine ganze Weile hin und belastete alle, die irgendwie mit Bitcoin zu tun hatten. Nun, so der Tenor, könne man endlich einen Haken hinter die Sache machen, aus Fehlern lernen und wieder nach vorne schauen.

Und solange es noch anständige Mt.Gox-Hitler-Parodien gibt, ist Bitcoin sowieso noch lange nicht am Ende.

Titelbild: “Zeitungsausträger” Flickr-User barmala (CC BY 2.0)